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25 259 Sperrzeiten von Arbeitslosengeldempfängern nach Anlass 2004 - 6/2012 Sperrzeiten nach 144 SGB III,
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Sperrzeiten von Arbeitslosengeldempfängern nach Anlass 2004 - 6/2012
Sperrzeiten nach
144 SGB III, kumuliert seit Jahresbeginn in Tsd.
400
900
Sperrzeiten nach Anlass (linke Achse):
Arbeitsaufgabe (12 Wochen)
843,1
342,3
Arbeitsablehnung & unzureich. Eigenbemühungen (3-12 Wochen)
800
Sperrzeiten insgesamt (rechte Achse)
350
Ablehnung o. Abbruch Eingliederungsmaßnahme (3-12 Wochen)
Meldeversäumnis (1 Woche)
765,5
728,2
Verspätete Arbeitsuchendmeldung (1 Woche)
741,1
700
300
600
294,2
250
(1 Woche) 741,1 700 300 600 294,2 250 239,7 246,5 4,1 ,5 242,8 206,6 213,4 526,9
(1 Woche) 741,1 700 300 600 294,2 250 239,7 246,5 4,1 ,5 242,8 206,6 213,4 526,9
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(1 Woche) 741,1 700 300 600 294,2 250 239,7 246,5 4,1 ,5 242,8 206,6 213,4 526,9
(1 Woche) 741,1 700 300 600 294,2 250 239,7 246,5 4,1 ,5 242,8 206,6 213,4 526,9
(1 Woche) 741,1 700 300 600 294,2 250 239,7 246,5 4,1 ,5 242,8 206,6 213,4 526,9
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239,7
246,5
4,1
,5
242,8
206,6
213,4
526,9
500
200
400
374,3
150
367,6
300
100
200
209,2
500 200 400 374,3 150 367,6 300 100 200 209,2 195,2 187, 4 18 0,2 18
500 200 400 374,3 150 367,6 300 100 200 209,2 195,2 187, 4 18 0,2 18
500 200 400 374,3 150 367,6 300 100 200 209,2 195,2 187, 4 18 0,2 18
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195,2

187, 4

18

0,2

18

1,6

155,4

151,2

133,4

127,5

124,8

6,7 17,4 14,5 40,0 18,4 39,0 19,4 32, 0 14,1 37,8 10,0 30, 6 50
6,7
17,4
14,5
40,0
18,4
39,0
19,4
32, 0
14,1
37,8
10,0
30, 6
50
100
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39,0 19,4 32, 0 14,1 37,8 10,0 30, 6 50 100 30, 9 88,6 0 0
39,0 19,4 32, 0 14,1 37,8 10,0 30, 6 50 100 30, 9 88,6 0 0
39,0 19,4 32, 0 14,1 37,8 10,0 30, 6 50 100 30, 9 88,6 0 0
39,0 19,4 32, 0 14,1 37,8 10,0 30, 6 50 100 30, 9 88,6 0 0
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39,0 19,4 32, 0 14,1 37,8 10,0 30, 6 50 100 30, 9 88,6 0 0
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19,4 32, 0 14,1 37,8 10,0 30, 6 50 100 30, 9 88,6 0 0 2004*
0 0 2004* 2006 2008 2009 2010 2011 bis 6/2012 * einschließlich Arbeitslosenhilfe Quelle: Bundesagentur
0
0
2004*
2006
2008
2009
2010
2011
bis 6/2012
* einschließlich Arbeitslosenhilfe
Quelle: Bundesagentur für Arbeit (2011), Arbeitsmarkt 2010; (2012), Arbeitsmarkt in Zahlen.
Leistungen nach dem SGB III, (Datenstand 28. Juni 2012); eigene Berechnungen

Sperrzeiten für Arbeitslosengeldempfänger trotz rückläufiger Arbeitslosigkeit auf konstant hohem Niveau

Kurz gefasst:

Seit der Aufnahme neuer Sperrtatbestände beim Bezug von Arbeitslosengeld in den Jahren 2005 und 2006 hat sich die Zahl der verhängten Sperrzeiten fast verdoppelt: Während im Jahr 2004 insgesamt 368.578 Speerzeiten verhängt wurden, waren es im Jahr 2011 schon 728.223.

Die Gesamtzahl der Sperrzeiten ist zwar seit ihrem höchsten Niveau im Krisenjahr 2009 (mit 843.071 Sperrzeiten) rückläufig, seit Beginn des Jahres 2012 zeichnet sich allerdings eine erneute Zunahme ab, da die Zahl der von Januar bis Juni 2012 verhängten Sperrzeiten über dem Vorjahresniveau liegt.

Die Sperrzeitquote - der Anteil der verhängten Sperrzeiten am Zugang der EmpfängerInnen von Arbeitslosengeld liegt seit den Neuregelungen auf einem konstant hohen Niveau und erreichte im Jahr 2011 mit 28,8 % ihren bislang höchsten Wert. Demnach wurden in 2011 je Fall Sperrzeiten noch häufiger verhängt als zuvor.

Innerhalb der Sperrzeiten dominieren kurze Sperrzeiten wegen „verspäteter Arbeitsuchendmeldung“ und „Meldevergehen“ sowie sehr lange Sperrzeiten wegen „Arbeitsaufgabe ohne wichtigen Grund“: Im Juni 2012 beliefen sich rund 67 % der Sperrzeiten auf eine Dauer von einer Woche und rd. 23 % auf eine Dauer von 12 Wochen.

Zwar werden über Männer wesentlich häufiger Sperrzeiten verhängt (rd. 70 % aller Sperrzeiten), allerdings sind bei den Sperrzeiten der Frauen die langen Sperrzeiten von 12 Wochen mit einem der Anteil von 27 % häufiger, als bei Männern (rd. 22 %).

Hintergrund:

Wird von der Agentur für Arbeit über Arbeitslosengeldempfänger eine Sperrzeit verhängt, so wird für die Dauer der Sperrzeit kein Arbeitslosengeld gezahlt. Zudem mindert sich die Anspruchsdauer. Nach der Argumentation der Bundesagentur für Arbeit sollen mit der Feststellung von Sperrzeiten (gemäß § 144 SGB III) „die Interessen der Gemeinschaft der Beitragszahler gewahrt und missbräuchlicher Leistungsbezug vermieden werden“. Andererseits stellen passive Leistungen der Arbeitsmarktpolitik auch ein wichtiges Element der Regulierung von Arbeitsbedingungen dar: Je größer die Risiken, etwa durch möglichen Entzug der Leistungen, desto wichtiger wird der Erhalt des Arbeitsplatzes und desto eher sind Beschäftigte zu Zugeständnissen (Entgelt, Arbeitszeit, Leistungsanforderungen usw.) bereit. Insofern ist die Ausgestaltung der Lohnersatzleistungen in der Arbeitsmarktpolitik nicht nur für die Arbeitslosen von Bedeutung, sondern auch für die Erwerbstätigen. In den letzten Jahren wurden die Regelungen zu Sperrzeiten im Bereich des Drittens Buches Sozialgesetzbuch - neben den Sanktionen im Bereich des SGB II (vgl. Abbildung IV.81a) - deutlich verschärft: Seit 2003 liegt die Darlegungs- und Beweislast für die Beurteilung eines wichtigen Grundes, der eine Sperrzeit abwenden kann, nicht mehr bei der Arbeitsagentur sondern beim Arbeitslosen, wenn der Grund in seiner Sphäre oder in seinem Verantwortungsbereichliegt. Im Jahr 2005 wurden „Meldeversäumnisse“ sowie „unzureichende Eigenbemühungen“ und im Jahr 2006 „verspätete Arbeitsuchendmeldung“ als neue Sperrzeittatbestände eingeführt.

abbIV61

In der Folge der Neuregelungen hat die Zahl der Sperrzeiten deutlich zugenommen: Während im Jahr 2004 die Zahl der Sperrzeiten im Vergleich zu den Vorjahren mit insgesamt 367.578 bereits leicht zugenommen hatte, zeigte sich in den Folgejahren insbesondere aufgrund der neuen Sperrzeittatbestände - eine deutliche Zunahme, die im Krisenjahr 2009 mit insgesamt 843.071 Speerzeiten ihren Höchststand erreichte. Trotz eines folgenden Rückgangs der Sperrzeiten ist ihre Zahl im Jahr 2011 mit insgesamt 728.223 Sperrzeiten fast doppelt so hoch wie im Jahr 2004. Nach den von Januar bis Juni 2012 bereits verhängten Sperrzeiten (374 Tsd.), die über denen des Vorjahreszeitraumes (368 Tsd.) liegen, ist für 2012 von einem erneuten Anstieg auszugehen.

Aussagekräftiger als die Zahl der Sperrzeiten ist die Sperrzeitquote (vgl. Abbildung IV.61a), da sie die Arbeitsmarktentwicklung berücksichtigt, indem sie die Zahl der neu hinzugekommenen Empfänger von Arbeitslosengeld auf die Zahl der verhängten Sperrzeiten bezieht: Sie lag im Jahr 2004 bei 9,1 % und erreichte im Jahr 2011 mit 28,8 % ihren bisher höchsten Wert.

Sperrzeiten werden nach dem § 144 SGB III aus unterschiedlichen Gründen und für eine unterschiedliche Dauer auferlegt, so für i.d.R. zwölf Wochen wegen „Arbeitsaufgabe ohne wichtigen Grund“ (eigene Auflösung des Beschäftigungsverhältnisses oder arbeitgeberseitige Kündigung nach arbeitsvertragswidrigem Verhalten“), für drei bis zwölf Wochen bei „Ablehnung einer zumutbaren Arbeit“ (Ablehnung einer von der Agentur für Arbeit angebotenen zumutbaren Beschäftigung oder Verhinderung eines neuen Beschäftigungsverhältnisses) und bei „Ablehnung oder Abbruch einer beruflichen Eingliederungsmaßnahme“ (Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung, zur beruflichen Ausbildung oder Weiterbildung oder zur Teilhabe am Arbeitsleben), für zwei Wochen bei unzureichenden Eigenbemühungen(seit 2005) und für eine Woche wegen eines Meldeversäumnis(seit 2005) oder einer verspätete Arbeitssuchendmeldung(seit 2006).

Im Juni 2012 wurden rd. 32 % der Sperrzeiten wegen verspäteter Arbeitssuchendmeldung verhängt, 36 % wegen Meldeversäumnissen und in fast einem Viertel der Fälle wegen Arbeitsaufgabe. Im Ergebnis dominierten die kürzesten und längsten Sperrzeiten: Rund 67 % der Sperrzeiten beliefen sich auf eine Dauer von einer Woche und rd. 23 % auf eine Dauer von 12 Wochen. Differenziert nach Geschlecht entfielen rd. 70 % der Sperrzeiten auf Männer und 30 % auf Frauen. Allerdings haben die längsten Sperrzeiten (von 12 Wochen) bei den Frauen einen höheren Anteil als bei den Männern: Bei den Frauen hatten 27 % der Sperrzeiten eine Dauer von 12 Wochen, bei den Männern hingegen betrug dieser Anteil (nur) 22 %. Nach Angaben der Bundesregierung (BT-Drucksache 17/1837) wurden im Berichtsjahr 2009 insgesamt 76.031 Widersprüche zu Sperrzeiten das waren 9,0 % der Sperrzeiten – „endgültig erledigt“. Diesen Widersprüchen wurde in 38,3 % der Fälle „ganz stattgegeben“. Zudem wurden im Berichtsjahr 2008 19.653 Klagen zu Sperrzeiten gegen die BA „endgültig erledigt“, denen in 3,7 % der Fälle „voll stattgegeben“ wurde.

Methodische Anmerkungen

Die Bundesagentur für Arbeit erhebt die Daten über Sperrzeiten seit 2005 über eine vollständige elektronische Erfassung. Die Bereitstellung erfolgt monatlich am Ende des Berichtsmonats. Erhoben werden alle Sperrzeiten und Fälle des Erlöschens bei Leistungsempfängern (Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld bei Weiterbildung, bis 2004 auch Arbeitslosenhilfe und Eingliederungshilfe) nach dem SGB III ohne Rücksicht auf tatsächlichen Beginn und Ende der Sperrzeit bzw. dem Ende des Erlöschens. Hinsichtlich der Sperrzeiten ist zu beachten, dass bei einzelnen Personen teilweise mehrere Sperrzeiten eintreten und manche Sperrzeiten durch erfolgreiche Widersprüche und Klagen wieder aufgehoben werden.

abbIV61