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Historische Tatsachen Nr.

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Das Bundesarchiv in Koblenz
hat dankenswerter Weise das
Fotomaterial zur Verfügung ge­
stellt, das in dieses Buch einge­
bunden sowie ihm als Anlage
Dipl. .Pol.
beigegeben worden ist.

Udo Walendy

Holocaust
nun unterirdisch ?•

Dankenswerter Weise stellten die


Fotos zur Verfügung:

S. 12, 30, 3 7 + 39 Bundesarchiv Koblenz

S. 26 + 38 Hans Wagner
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z "Wi r werden noch ganze Komplexe u mschreiben müssen. z
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z Entscheidend ist dabei die Dokume ntenf rage. Daß ein Hau ptteil z
z der zeitgenössischen Akten u ns überhaupt noch nicht zugänglich z
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z gemacht worde n ist, ist noch für viele Ü berraschungen gut. Die z
Dieses Heft ist vor Drucklegung juristisch Russen haben kei n einziges Doku ment hera u sgerückt; die Franzo- i:
dahingehend überprüft worden, daß weder
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z sen halten ebenfal l s i h re Archive u nd das, was sie bei uns Z
Inhalt noch Aufmachung irgen dwelche
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z mitgenommen haben, verschlossen. D ie Amerikaner wählen bei z
BRD-Strafgesetze verletzen. dem, was sie u ns zurückgeben, seh r vorsic htig aus. So stehen wir
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z i mmer noch u nter ei ner merkwürdigen Bevormu ndung." (Sonder- z
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d ruck XII 1 978, "Die Welt") �
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z - Prof. Hellmut Diwald z
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Copyright

by

Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung

4973 Vlotho I Weser Postfach 1643

1981

Konten des Verlages :Postscheck Essen 116162- 433


Stadtsparkasse Vlotho/Weser 2535
(BLZ 490 520 35)

2
�Q� IM I.G.-FARBEN PROZESS ? •

Anmerkungen zur soeben erschienenen diesbezüglichen Dokumentation -

Die Dokumentation über den im Jahre 1948 be­ konnten bekanntlich nur überlebende stellen!) sowie
endeten IG- Farben-Prozeß ist eine zeitgeschichtliche sonstige Forderungen spezifischer jüdischer Gruppen
Beweisgrundlage von außerordentlicher Bedeutung. brachten diese doch gewaltige Zahl jüdischer über­
Gerade deshalb bleibt die Verwunderung darüber, daß lebender aus dem ehemaligen deutschen Herrschafts­
wohl das Gerichtsurteil, nicht aber die Fülle an Einzel­ bereich ans Licht der Geschichte!
heiten während des Prozeß-Verlaufes bislang der Öf­ Ungeachtet dessen hat im September 1979 der VI.
fentlichkeit zugänglich gemacht worden waren. Wer Zivilsenat des Bundesgerichtshofs das öffentliche An­
weiß wie viele Bücher , Broschüren, Publikationen aller zweifeln der millionenfachen Judenvernichtung -
Art sind seit 1945 in die "meinungsbildende Öffent­ praktisch das Anzweifeln der 6 Millionen-Zahl- unter
lichkeit" - will sagen in die Millionen Menschen Strafe gestellt, und für diesen Fall das Grundrecht der
erreichende Öffentlichkeit - hineingegeben und hoch­ freien Meinungsäußerung außer Kraft gesetzt. Hierbei
gelobt worden, seien es die sog. "wissenschaftlichen" ist besonders auf den makabren Zusammenhang hinzu­
Werke, "Augenzeugen-Berichte", "Gutachten", "Do­ weisen, daß der Vorsitzende des für dieses Urteil
kumentationen", seien es romanhafte Erzählungen zuständigen BGH-Senats anschließend öffentlich er­
oder "Holocaust"-Verfilmungen. klärte, daß er für solche "allgemein bekannten histori­
schen Tatsachen" keinerlei Nachprüfungen vorgenom­
Dennoch: So gut wie nirgendwo in jenen Publika­ men habe, da "jene Tatsachen offenkundig und durch
tionen findet sich jene Wirklichkeit, wie sie den Alliier­ eine Fülle von Dokumenten belegt" seien.
ten spätestens seit dem IG-Farben Prozeß bekannt Inzwischen machen sich andere Gerichtsinstanzen
geworden ist . Kaum einer jener Publizisten, Propagan­ diesen Tenor der höchsten Karlsruher Justiz zu eigen,
disten, Politiker, im Haß gegen das "Nazi-System" auch die Formulierung, wonach die "Tatsache der
verbundener Eiferer hat offenbar ein Interesse daran,
massenhaften Judenmorde während des Dritten
den Völkern das aufzuzeigen, was in und um Ausch­
Reiches keiner Begründung me hr bedürfe, da sie offen­
witz wirklich war.
kundig und die Dokumente über die Vernichtung von

Die wissenschaftlichen Analysen von Paul Rassinier Millionen Juden erdrückend seien". So heißt es dort
weiter: "Abweichende Meinungen sind daher rechts­
("Das Drama der Juden in Europa", "Was nun�Odys­
seus ? " u.a.), Prof. Arthur Butz ("Der Jahrhundert­ widrig und von dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit

betrug") und Dr. Wilhelm Stäglich ("Der Auschwitz­ nicht geschützt", - "da sie in grober Weise das verfäl­

mythos") haben in den letzten Jahren bereits eine schen, was als historisch gesichert und allgemeinkundig

Fülle bisheriger Falschmeldungen widerlegt. Der lang­ anzusehen ist".

jährige oberste Weltzionistenführer Nahum Goldmann Die historische Forschung wird mit solchen Rich­

hat in seinen beiden Lebenserinnerungsbüchern ("Das tersprüchen kriminalisiert, denn sie darf zu keinen

jüdische Paradox" und "Mein Leben als deutscher anderen Forschungsergebnissen kommen und diese

Jude") bestätigt, daß er "mit Geschichten erzählen ausbreiten, selbst dann nicht, wenn die Beweislage

Millionen verdient" hat, daß Millionen Juden aus dem dieses gebietet. Wie soll angesichts dieser Situation ein

ehemaligen deutschen Herrschaftsbereich den Krieg historischer Sachgutachter, wie z.B. im Majdanek ­

überlebt haben, daß im Jahre 1952*) niemand auch Prozeß - ohne sich "strafbar" zu machen- die schon

nur eine annähernd zureichende Vorstellung von der vor Prozeßbeginn behaupteten Millionen-Vernich­

Zahl 'der überlebenden Juden hatte. Erst die weit über tungen in Majdanek in Abrede stellen und sie als
vier Millionen Wiedergutmachungsanträge (Anträge Propagandabehauptungen kennzeichnen? Dennoch ist
dies geschehen:**) Die Zahl von über 1 Million wurde
*) Diese Äußerung Nahum Goldmanns bezieht sich auf das Luxemburger
Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem ** ) Gutachten Prof. Dr. Wolfgang Scheffler zum Maidanek·Prozeß in
Jüdischen Weltkongreß bzw. der Jüdischen Claims Conference. Düsseldorf 1980, S. 86 • 187 + Fußnote 76.

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reduziert auf 250.000, diese dann auf 200.000, und gewährleistet glaubhaft machen will, wenn zweierlei
diese dann als "wahrscheinlich", als "annähernd rea­ Rechtsmaßstäbe- einer für die Besiegten und einer für
listische Schätzung" bezeichnet, die jedoch angesichts die Sieger und ihre Helfershelfer - oktroyiert werden
"der unvollständigen Anhaltspunkte nur - wie alle und abweichende Meinungen, Behauptungen oder Be­
Zahlen des Gutachtens - Annäherungswerte sein weisführungen mit Strafen bedroht, kriminalisiert wer­
können". Wie gesagt: "Schätzung bei unvollständigen den, bleibt das Geheimnis der Verantwortlichen dieser
Anhaltspunkten"!Das ganze spielt sich auf dem Hinter­ Politik.
grund der jahrzehntelangen Feststellungen durch die Besonders grotesk ist dieses Verfahren, das in zu­
"Holocaust-Historiker" ab, denen zufolge Majdanek nehmendem Maße den geistigen Freiheitsraum in der
"kein Vernichtungslager" war. BRD noch mehr einzuengen droht, wenn diese Rich­
Der Sachverständige des Instituts für Zeitgeschichte ter, die mit solchen Urteilen einem ganzen Volk
im Düsseldorfer Majdanek -Prozeß stellte 1980 fest, verbindliche geistige Richtlinien auferlegen,
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1.) selbst keine Fachleute auf diesem Gebiet sind;
: ·�·�·�·�·�·�·�·�·�·�·�· �·�·�·�·�·�·�·�·�·�·�·�·�·�· �
2.) selbst keine Dokumentenprüfung benötigen, wie sie
! "daß in der bisherigen Literatur und auch anderen t behaupten;
� Unterlagen ... diese Zusammenhänge über den Bau von :
� Krematorien und Gaskammern nie richtig untersucht t 3.) kurzerhand Grundrechte, auf deren Gewährleistung
� worden sind." : sich der Bürger verläßt, einschränken;
� : 4.) die Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener
� �·�·�·�·�·�·�·�·�· �·�·�·�·�·�·�· �·�·�·�·�·�·�·�·�·� :
kaum ahnden, wenn das deutsche Volk Opfer sol­
Oder um es mit den Worten einer anderen Ver­ cher Verunglimpfungen ist;
öffentlichung auszudrücken: * * *) 5.) in ihrer Argumentation bzw. "Beweisführung" auf
t ·�·�·�·�·�·�·'1-·�·�·�·�· �·'f.·�·�·�· �·�·�·�·�·�·�·�·�·�· � andere "rechtskräftige Gerichtsurteile'' verweisen,
t "Die Kapazität der Ver gasungsräume konnte bisher ! die jedoch alle an den gleichen oder ähnlichen
: nicht ermittelt werden." �

Beweismängeln leiden (ausländische Zeugen ohne
t ��������������������������� :
*
Meineid-Haftung; Sachverständigengutachten, deren
Dieses Zitat betrifft Auschwitz-Birkenau. Bedenkt Verfasser entscheidende Dokumente gar nicht im
man zudem: In derselben doch wohl als amtlich Original eingesehen und quellenkritisch überprüft
anzusehenden Publikation wird dargestellt, daß haben; einseitige Rechtsverfolgung, weit über nor­
in ununterbrochenem 24-Stunden-Betrieb die gesamte male Verjährungsfristen hinausgehende Verfolgung;
Verbrennungsprozedur pro Leiche nur 15 Minuten Unzugänglichkeit eines unveränderten Tatortes;
betrug, Schätzungen statt Nachweise; Verwertung von Gut­
die als arbeitsunfähig Selektierten dadurch getäuscht achten trotz Fehlens "der meisten Vorarbeiten" für
wurden, daß man ihnen erklärte, "sie kämen zum eine wissenschaftliche Erschließung des Sachverhal­
Arbeitseinsatz", tes; politischer und publizistischer Druck auf die
die Opfer im Kellergeschoß ahnungslos nackt in die Prozeßabläufe usw. ).
Gaskammer gingen, während im Stockwerk darüber 6.) die Dokumente nicht nennen, von denen sie be­
die unentwegte Verbrennung besorgt wurde, und behaupten, daß sie den millionenfachen Judenmord
das Krematoriumspersonal offenbar gegen Zyklon­ beweisen würden;
E-Dämpfe unempfindlich gewesen sein müßte, Da die authentischen Dokumente, auf die hier
es keine Funde von all dem gäbe, weil buchstäblich verwiesen wurde, weder genannt wurden, noch von
alles verbrannt und vernichtet worden sei, Experten ermittelt werden konnten, bleibt die Suche
eine abschließende Bilanz in bezug auf die Vernich­ nach diesen Beweisen wesentliches Anliegen des
tungslager nicht möglich sei, "da hierzu die meisten Historikers.
Vorarbeiten noch fehlen" (1976!), Waren etwa die IG-Farben Dokumente gemeint? -
so bleibt einem Wissenschaftler nur das Staunen, Gerade diese fallen indessen für solche Hinweise restlos
wenn ein oberstes Bundesgericht den öffentlichen aus. Was von diesen Dokumenten die Holocaust­
Zweifel an der Richtigkeit solcher Darstellungen unter Behauptungen bestätigt, sind ausschließlich Aussagen
Strafe stellt und die Justiz in ihrer Praxis ein solches von Zeugen der Anklage, die sämtlich bzw. in der
Urteil zum richtungweisenden Recht erklärt. Mehrzahl von folgendem gekennzeichnet sind:
Wie man die Freiheit der Geschichtswissenschaft, a) Hörensagen-Aussagen unkonkreten Inhalts;
die Freiheit zur Abwehr ausländischer, machtpolitisch b) Übertreibungen;
motivierter Zweck-Propaganda als vorhanden und c) Widersprüche und technische Unmöglichkeiten, die
sich zumindest im Kreuzverhör ergaben;
*** ) beilage zur wochenzeitung das parlament - aus politik und d) Sicherheit der Belastungszeugen vor Strafverfolgung
ze.tge schich te, B 19/76- 8. Mai 1976 lno Arndt I Wolfgang Scheffler
"Organisierter Massenmord an Juden in nation alsozialistischen Ver­
im Falle von Falschaussagen;
nicht ungslagern", S. 19- 22. e) Ausnutzung der der Verteidigung auferlegten Nach-

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teile, die ihre Position als Vertretung der besiegten sei, hat das Gericht ohne eigene Beweisführung "von
Partei in einem Tribunal des Siegers schier hoff­ Amts wegen zur Kenntnis genommen", wie es diesem
nungslos erscheinen lassen. durchaus nicht unabhängigen - von "neutral" schon
Wie sollte z.B. ein so konstruiertes Militärgericht der gar nicht zu reden! - Militärgericht kraft Kontrollrats­
US-Besatzungsmacht in Deutschland einen französi­ bestimmungen und Regierungsauflagen (z.B. Londoner
schen Juden wegen Meineides bestrafen, der die Mas­ Statut vom 8. August 1945) auferlegt worden war.
senvergasungen selbst gesehen haben wollte, aber dabei Der IG-Farben Prozeß enthüllte indessen Sachver­
solche technischen Unmöglichkeiten von sich gab, daß halte und Fakten, die als sc' :ehe die nach der Kapitula­
es selbst die amerikanischen Militärrichter nicht glau­ tion Deutschland angelastet :n Massenmorde in Ausch­

witz nicht nur im propabtierten Ausmaß, sondern


ben konnten; oder wie sollte es ehemalige britische
grundsätzlich fragwürdig erscheinen lassen.
Kriegsgefangene in Auschwitz bestrafen, die 1948
Dies beginnt mit den Nachweisen über den unge­
doch vor einem Gericht eines siegreichen Verbündeten
heueren Arbeitskräftebedarf im Großbereich
gegen Deutschland erzählen konnten was sie wollten?
Auschwitz, geht über zum Nachweis über die modern­
Das ehemalige Recht, unter dem die Angeklagten
sten Krankenhauseinrichtungen in Auschwitz und
gehandelt hatten, galt nicht mehr; mit neuem "Recht"
speziell in Birkenau, die Kultureinrichtungen in den
des Siegers und neuer politischer Zielsetzung wurde
Lagern und ihre intensive Nutzung durch die Häftlinge,
gewertet, aussortiert, unterstellt, gefälscht, "von Amts
bis hin zur Bestätigung von Zyklon B als weltweit
wegen zur Kenntnis genommen". Den Beweismängeln
bekanntes Entwesungsmittel. Diese Nachweise er­
der Verteidigung standen die weltweiten Informations­
strecken sich weiter von den für Massengräber völlig
quellen der Anklagebehörde gegenüber ; erpreßte Zeu­
ungeeigneten Bodenverhältnissen, bis zur absoluten
genaussagen wurden als Wahrheitsbeweis ausgegeben,
Ungeeignetheit von Methanol für Leichenverbrennun­
während unerwünschte Belege der Verteidigung als
gen (Methanol sollte den Zeugenaussagen zufolge jenes
unglaubwürdig oder nicht belangvoll abqualifiziert
Brennmaterial gewesen sein, mit dem Millionen von
oder überhaupt mißachtet wurden.
Leichen verbrannt worden sein sollen).
1m IG-Farben-Prozeß war der
Verteidigung insbesondere in der
das ganze Prozeßge schehen p rägen­
den "Holocaust"-Thematik eine zu­
sätzliche Zurückhaltung auferlegt,
um die davon nicht betroffenen An­
geklagten nicht noch wegen "Ver­
stocktheit gegenüber geschichtlichen
Tatsachen" zu gefährden. Dieser Zu­
sammenhang ist grundsätzlich den
Fragen der Verteidiger an die Be­
lastungszeugen zu entnehmen. Diese
Fragen bleiben hier weitgehend un­
präzis oder werden gänzlich abge­
brochen, wenn die Widersp rüche
oder behaupteten Unmöglichk eiten
in der Holocaust-Thematik allzu of- I
fansichtlich zu werden drohten. Auf
diese Weise mochten die Anwälte
ein gewisses Wohlverhalten gegen­
über dem Gericht signalisieren, was
ohne Zweifel j a auch den h iervon
nicht betroffenen Angeklagten wie­
derum zugute kom men sollte. Auf
keinen Fall kann aber deshalb da­
raus geschlossen werden, daß dieser
Prozeß das Holocaust-Geschehen -
sei es durch Zeugenaussagen, sei es
durch Dokumente - in einer sol­
chen Weise bestätigt habe, daß da­
raus "historische Tatbestände" fest­
geschrieben werden könnten.

Der IG-Farben Prozeß hat


eher das Gegenteil bestätigt.
Hierbei bleibt festzustellen:
Der IG-Farben Prozeß war Reproduktion in cl. Texte aus: "Der Spiegel" Nr.ll/1979 -
nicht darauf angelegt, die Beweisführung darüber zu erbrin­ 12.3.1979, S. 190 - Fotoa n alysen und Vergleiche in der
gen, ob in Auschwitz-Birkenau Millionen Juden mittels Gas Neuersche inung "Auschwitz im IG-Farben Prozeß
ermordet worden sind oder nicht. Daß solches geschehen Holocaustdokumente? " (Bildteil)

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Schon in folgendem Faktum beginnt die grundsätz­ von vomherein in das ganze System dieserart Prozesse
liche Unlogik: Das IG-Werk Auschwitz in einer eingeführt wurde, wird erst richtig deutlich, wenn man
Größenordnung mit über 30.000 Beschäftigten ver­ diese Grundlagen untersucht. Mittel der Rechts­
schiedenartigster Nationalitäten - hinzuzurechnen beugung sind hier "amtlich" verordnet! Am eindrucks­
wäre der bereits vorhanden gewesene Industrie-Groß­ vollsten im Artikel 21 des Londoner Statuts :
raum Oberschlesien, für den das Stammlager Ausch­
" Der Geric htshof sol l nicht den Beweis für al lgemein
witz Arbeitskräfte bereitstellte! - ist früher geplant bekannte Tatsachen erfo rdern, sondern soll sie als bew iesen
und in Angriff genommen worden ( 1 9 40 ), als die betrachten. Es sollen auch als bekannt und bewiesen gelte n:
sogenannte "Gesamtlösung der Judenfrage", die nach Regierungsu rku n den u nd
dem Krieg als "Endlösung" etikettiert wurde. Diese Berichte der Ve rei nten N at ionen, einschließl ic h der
Handl u ngen u nd Urkunden der in den verschiedenen
soll angeblich frühestens seit der "Wannsee-Konferenz"
all iierten Länd ern für d ie U ntersuc hung von K riegsve r­
am 20. Januar 1 94 2 in die Wege geleitet worden sein. brechen eingesetzten Kom itees sowie
Wenn somit frühestens von diesem Datum an unter d ie Protoko lle u nd
"Gesamtlösung" = "Vernichtung" gemeint gewesen· E ntscheidungen von M i l itär- oder anderen Gerichte n
sein sollte, diese "Vernichtung" aber nur unter streng­ irgende i ner der Ve reinten Nationen."
ster Geheimhaltung organisa.torisch und technisch er­ Für die historische Forschung sind daher weder die
möglicht werden konnte, so dürften sich jene "Ver­ Anklage, noch das Urteil verbindlich, sondern aus­
nichtungs-Planer" allenfalls eine menschenleere, unzu­ schließlich die im Prozeß zur Sprache gekommenen
gängliche Gegend ausgesucht haben. So taten es die und bestätigten Fakten.
Sowjets z.B. im April/Mai 1 9 40 zur Vernichtung des So ist z.B. bedeutsam, daß sämtliche Anklage­
polnischen Offizierskorps! Für ihr Massenverbrechen zeugen, die die Vergasungsthese bekundeten, überein­
(Genickschuß für 1 5 .000 Offiziere!) suchten sie sich stimmend aussagten, daß "im Umkreis von mindestens
den Wald von Katyn und zwei weitere Geheimplätze 50 km ein jeder- auch Kinder und Zivilisten selbstver­
aus. - Keinesfalls ist für einen solchen - zumal in die ständlich - von den täglich stattfindenden Vergasun­
"Millionen" gehenden "Vernichtungs-Plan" ein in ra­ gen wußte ", während alle "Holocaust-Historiker"
santem Wachstum begriffenes Industriezentrum an der ebenso übereinstimmend bekunden, daß das ganze
deutsch-polnischen Grenze geeignet gewesen. Dort Geschehen nur dadurch erklärlich sei, "weil niemand
konnte niemals eine Geheimhaltung gewährleistet mit Ausnahme einer ganz kleinen Gruppe davon wuß­
werden. Die dringend benötigte Rüstungsindustrie te, und alle Opfer nackt, ahnungslos und ohne Wider­
wäre den ganzen Krieg über lahmgelegt worden, weil stand, dicht gedrängt in die Gaskammern gingen". -
angesichts eines Holocaust-Geschehens in Sicht- und Die Vielzahl weiterer solder Beispiele ist der vorlie­
Riechweite niemand mehr gearbeitet, sondern nur genden Dokumentation zu entnehmen.
noch Widerstand geleistet hätte. - In Wirklichkeit Zwischen historischen Fakten und Ergebnissen poli­
hatten sogar die britischen Kriegsgefangenen jenes tischer Justiz tun sich somit unüberbrückbare Gegen­
Lagers - ganz abgesehen von den übrigen Arbeitern sätze auf. Der Leser möge dies bedenken.
verschiedenster Nationalität! - Ausgang in die Um­ Die nachfolgende Dokumentenzusammenstellung
gebung! - Im Jahre 1 939 war Auschwitz bereits eine ist lediglich der besseren übersieht halber gekürzt
Stadt von 1 2 .000 Einwohnern. Das Dorf Birkenau lag worden, wobei jedoch stets nach dem Maßstab vorge­
2 km davon entfernt, wo es dann später auch ein Lager gangen worden ist,
für Arbeitsunfähige gab. a) möglichst prägnant das Wesentliche zu erfassen,
Angesichts all dieser Tatbestände dürfte es nicht b) Wiederholungen zu vermeiden,
zufällig sein, daß alles das, was mit dem IG-Farben c) zuweilen Abkürzungen zu verwenden (z.B. auch KL
Prozeß im Zusammenhang steht und ans Licht kam, für Konzentrationslager),
seither mit totalem Stillschweigen zugedeckt wurde, d) auf das Geschehen in Auschwitz zu konzentrieren,
um die Propagandaschablonen aus dem Jahre 1 945 e) die übersieht Z'.l wahren zwischen Anklage, Doku­
unwissenden und unkritischen Generationen i n unent­ menten, Zeugenaussagen, Plädoyers der Verteidiger
wegter Folge einhämmern zu können. und Urteil.
Im Urteil des IG-Farben Prozesses stellte das OS­ So wird diese Dokumentation für alle politisch­
Militärgericht noch einmal ausdrücklich fest, daß die historisch Interessierten, aber auch für die nach­
Moskauer Erklärung vom 3 0 . Okt. 1 9 4 3 , das Londoner wachsenden Historiker, Publizisten und Politiker eine
Statut vom 8. August 1 9 4 5 sowie das IMT-Urteil nebst jedermann zugängliche grundlegende Beweisführung
Begründung vom 1 . Oktober 1 9 46 in unlösbarem dafür sein, was die Reichsführung und die IG im
Zusammenhang mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 1 0 Bereich Auschwitz in Wirklichkeit geleistet haben,
stünden und dies die "juristischen" Grundlagen der wobei zweifellos die durch diesen Prozeß nicht näher
Rechtfindung und Rechtsprechung seien. Welcher aufgehellten Sachverhalte anderen Untersuchungen
Hohn auf jedes unbefangene Rechtsempfinden damit vorbehalten bleiben müssen.

6
An das
Udo Wal endy
Landgericht
Hochstr. 6
Postfach
46 Dortmund 4973 Vlotho
Vlotho, den 25.1.1980

Betreffs: AZ KLs 31 Js 270/78


14 (XI) W 1/80

Widerspruch Vorab ist hierzu festzustellen:

Weder Butz nach Harwood haben ein einziges Mal


und Antrag auf mündliehe "die in Deutschland lebenden Juden" für irgendwelche
Greuellügen verantwortlich gemacht, auch ihnen nicht
Verhandlung
unterstellt, Greuellügen erfunden zu haben, "um Wieder­
gutmachungsleistungen zu erlangen". Auf die "in
Deutschland lebenden Juden" wurde nirgendwo in den
Gegen den Antrag der Staatsanwaltschaft Dortmund
Schriften Bezug genommen!
vom 26.11.1979 zur Beschlagnahme des Buches von
Keiner der Autoren hat auch nur ein einziges Mal
Prof. Artbur Butz "Der Jahrhundertbetrug" und der
andeutungsweise "Juden das Lebensrecht in dieser -
ausländischen Zeitschrift von Richard Harwood "Star­
also deutschen, oder überhaupt irgendwo - Gemein­
ben' wirklich 6 Millionen?" lege ich hiermit Widerspruch
schaft" bestritten! Warum sollten sie auch, der eine ist
ein und beantrage mündliche Verhandlung.
Engländer, der andere Amerikaner!

Begründung: Auch der Begriff "unterwertige Menschen" ist eine

Die Staatsanwaltschaft Dortmund sieht in beiden Erfindung des Herrn Staatsanwaltes, die offensichtlich

Publikationen den Tatbestand der Volksverhetzung nach nur der Diffamierung der beiden ausländischen Wissen­

§ 130 STGB verwirklicht, weil -wie sie es durchgängig schaftler dienen soll. Ob solcher Erfindungsreichtum

in Ihrem Antrag begründet, beide Schriften zum Aufgabenkatalog eines deutschen Staatsanwaltes

a) "die geschichtliche Tatsache der massenweisen Ermor­ gehört, vermag ich als juristischer Laie nicht zu beurtei­

dung von Juden während der nationalsozialistischen len. Doch als in einem Strafverfahren Betroffener wird

Diktatur leugnen und u.a. die in Deutschland leben­ man sich sicher noch dagegen verwahren dürfen.

den Juden für die angeblichen Greuellügen verant­ Die Staatsanwaltschaft spricht pauschal von "Ver­
wortlich machen, wobei sie diesen unterstellen, die fälschung der Tatsachen" und erklärt die Ausführungen
Greuellügen erfunden zu haben, um Wiedergut­ des Urteils im seinerzeitigen Auschwitzprozeß zur allein
machungsleistungen zu erlangen (S. 2 des Antrages, ver bindliehen "geschichtlich gesicherten Erkenntnis".
annähernd gleichlautend wiederholt S. 24 u. 39); Wer an dieser Erkenntnis zweifelt, Kritik übt, sie analy­
(Warum im vorliegenden Antrag mehrfache Wieder­ siert, Aussagen und Zusammenhänge unvoreigenommen
holungen nötig sind ohne zusätzlich neue Argu­ untersucht, vergleicht und dann zu anderen Ergebnissen
mentation, war nicht herauszufinden; Wieder­ kommt, wird kurzerhand mit den oben genannten
holungen sind kein Beweis für die Richtigkeit einer Vokabeln als Volksverhetzer gebrandmarkt. Wissen­
Aussage) schaftliche Fortentwicklung und Hinführen zu neuen
b) "in grober Weise das verfälschen, was heute hinsicht­ Erkenntnissen gilt als Ketzerei. So hat der Herr Staats­
lich der Judenverfolgung und Judenvernichtung ... als anwalt zwar zahlreiche konkrete Ausführungen von
historisch gesichert und allgemeinkundig anzusehen Harwood und Prof. Butz in der Antragsschrift zitiert
·

ist" (S. 25/26 des Antrags); und mit der Zitierung sie doch wohl auch gleichzeitig als
c) "unmittelbar die Menschenwürde der jüdischen Mit­
"Beweis" für die Strafbarkeit der Ausführung ange­
bürger angreifen", weil sie "als Bevölkerungsteil und
prangert, doch hat er nicht eine einzige Ausführung
als einzelne verächtlich gemacht und durch die Ver­
konkret als falsch widerlegt, auch nicht dargetan, in
knüpfung von Lügen mit dem Empfang von Wieder­
welcher Weise gerade diese angeführte Aussage volks­
gutmachungsleistungen als unterwertige Menschen ge­
kennzeichnet werden sollen, denen das Lebensrecht verhetzenden Charakter haben soll. Man kann wirklich
die angeführten Zitate Wort für Wort und Satz für Satz
in dieser Gemeinschaft bestritten werden soll". (S. 40
durchgehen und jeden Satz versuchen, an dem Vorwurf
des Antrags;
der Volksverhetzung zu messen, -sachlich konkret zu
d) geeignet sind, "den öffentlichen Frieden zu stören"
finden ist nach meinem Denkvermögen nichts, was
und "das Vertrauen in die Sicherheit zu erschüttern";
diesen Vorwurf rechtfertigt. Weder ist hier etwas "grob
e) dem Verfasser und den Verlegern zumindest die
verfälscht", noch ist irgendwo die Menschenwürde
Möglichkeit gegeben haben zu erkennen, "daß der
angegriffen, weder ist der Frieden gestört noch die
In halt der geschichtlichen Wahrheit widersprechen
Sicherheit erschüttert, weder wurde zum Haß aufge-
könne".

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stachelt , noch zu Gewalt- und Willkürmaßnahmen, H i nsichtlich der Einste l l u ng gegenüber jüdischen Mitbürgern ist
weder wurde geschimpft, noch böswillig verächtlich jedoch eine Identifiz ierung des Angeklagten mit der nationa l ­
gemacht oder verleumdet, wie es im Gesetz bei der soz ia listischen Gru nde inste l l u ng nicht z u erkennen. Denn einmal
bestreitet der Angeklagte ja geradezu die nationa lsozia l i stische
Aufzählung der Kriterien der Volksverhetzung heißt.
Gru nde i nste l l u ng gegenüber den Juden zum indest in ihrer letzten
Daß an Erkenntnissen eines Gerichtsurteils nicht ge­ Konsequenz u nd behauptet, Pläne zur Ausro ttung der Juden habe
zweifelt werden darf, wäre noch in das Gesetz einzu­ es n ie gegeben. Das Protoko l l iiber die sogenannte Wan nsee­
fügen, bisher steht es nicht drin. Ko nferenz se i e i ne Fälschu ng. Zum anderen greift er i n sei ne n
Sollte eine solche Gesetzesänderung vorbereitet wer­ Schriften nicht n u r Juden a n , sondern wendet sich vie lmehr gegen
den, sollte man nicht vergessen, daß nicht nur a l le Personen und Inst itutio nen, die ihm Angriffspu nkte h i nsicht­
lich seiner Behauptung bieten, Judenvergasungen hätten niemals
deutsche Gelehrte , sondern auch ausländische Forscher
stattgefu nden. Dabei greift er Nichtjuden ebenso an wie Juden,
und Verleger davon erfaßt werden. Würde man dies z.B. d ie Zentralste lle zur Verfo lgu ng nationalsozialistischer Ge·
vergessen, würde der Herr Staatsanwalt wiederum ein waltverbrechen in Ludwigsbu rg oder in den h ier zur Abu rte i l u ng
Hindernis für sein Anliegen vorfinden. Sicher dürfte stehenden Fä l len das Zweite Deutsche Fernsehen oder, w ie er
jedoch schon jetzt sein , daß ein solches künftiges Gesetz au sdrücklich sagt, jeden, der heute noch behauptet, Judenver­
gasu ngen hätten stattgefu nden. Auch sind seine Ziele nicht m i t
nicht mit rückwirkender Kraft erlassen werden könnte.
der nationalsozialistischen Gru ndeinste llung vergleichbar.
Die natio na lsoz ia listische Gru ndeinstellung gegenüber den
Juden bestand darin, daß die Juden als Schädl i nge und Fei nde des
., Volksverhetzung " deutschen Vo lkskörpers angesehen wurden mit der Konseque nz,
daß es galt, d iese Schäd l inge aus de m Vo lk zu eliminieren. Das
wurde anfangs versucht d u rch alle möglichen menschenu nwürdi ­
Zur näheren Begriffsdefinition des Begriffs "Volks­ gen Be hand l u ngen, Schäd igungen und Dra ngsalieru ngen a l ler Art,
verhetzung" hat das Schöffengericht Frankfurt/Main mit bis man schl ießlich während des Krieges damit begann, a l le i m
Urteil vom '21.6. 1979 in der Strafsache gegen den nationalsozia l istisc hen Machtbereich befind lichen Juden zu
vernichten.
Verleger Erwin Schönborn (Gesch.Nr.: 50 Js 12.828/78
Die Zie le des Angekl agten sind jedoch ganz andere. I h m geht
- 919) ausgeführt:
es darum, das deutsche Volk von dem Makel des Massenmordes zu
befreien u nd zu rehabi l itieren. Er wi ll seiner Mei n u ng zum
"Du rch das Tatbestandsmerkmal des Angriffs auf d ie Men­ Durchbruch v� rhelfen u nd damit d ie Deutschen von de m Vorwu rf
schenwürde anderer wi rd der Tatbestand des § 130 STGB des m i l lionenfache n Mordes an jüd ischen Menschen ent lasten. Das
er heblich e ingeschränkt. Ei n so lcher Angriff l iegt nämlich nicht hätte nach dem Wunsche des Angeklagten d ie Konsequenz, daß
schon dann vor, wenn einzel ne Persönlichkeitsrechte ande rer NSG-Verfahren eingestel lt würden, Veru rtei lte freigelassen und
angegriffen werden, z.B. d ie Ehre. Diffamierende Angriffe gegen Wiedergut machu ngszah l u ngen eingestellt würde n. Seine Ziele
andere durch Beschi mpfu ngen oder d u rch Behauptu ngen von richten sich also nicht gegen de:·1 Juden a ls Menschen und
Unwahrheiten oder u nwah re Unterste l l u ngen sind noch ke i n gleichberechtigten Mitbü rger a n sich und sind deshalb mit der
Angriff a u f d ie Menschenwürde a nderer. Vi e l mehr ist erforderl i ch, nationa lsozia listischen Gru ndeinstellung gegenüber den Ju de n
daß sich d ie Angriffe gegen den Kern des Persön l i chke itsrechts nicht vergleichbar."
anderer, gegen deren Menschse i n sch lechthi n richten. Das ist dann
der Fall, wenn a nderen d ie Menschheitsqualität als so lche u nd d ie
Geht man nun al:>er einmal unabhängig von dieser
sich daraus ergebenden Gru ndrechte a bgesprochen werden, d ies in
Zweifel gezogen wird oder der Angriff auf a ndere Weise i n d iese
gerichtlichen Entscheidung , die nach Auffassung der
Richtung geht. Der Täter muß den a nderen im Kernbereich se i ner Staatsanwaltschaft Dortmund ja in ihren Erkenntnissen
Persönlichkeit treffen wollen, d.h. in dem, was das Wesen des nicht angezweifelt, in Abrede g•�stellt oder im einzelnen
Menschen ausmacht (vgl. vo n MANGOLD-KLEI N: Das Bonner seziert werden dürfe (? ) , der Frage nach, was konkret
Grundgesetz, 2. Auflage, Anm. 111-2 a; Le ipz iger Ko m mentar zum
die Staatsanwaltschaft Dortmund veranlaßt hat, den
Strafgesetz buch, 9. Auflage, § 130 Anm. 9; SCHOENKE­
SCH RÖDER, Strafgesetzbuch, 19. Aufl age, § 130 An m. 3;
Antrag auf Beschlagnahme zu st.,llen, so ergibt sich auf
DREHER, Strafgesetzbuch,§ 130 Anm. 8). Seite 3, daß es "Proteste in der Öffentlichkeit, insbeson­
§ 130 Strafgesetzbuch verlangt weite rhin, daß sich der Angriff dere in der Presse" waren! Diese Proteste jedoch waren
gegen Te i le der Bevöl keru ng richtet. Als solche ko mmen für das nicht etwa gegen das Buch von Prof. Butz oder die
Ver halten des Angeklagten nur d ie Juden in Betracht. Schrift von Richard Harwood erhoben worden, sondern
H i nsichtlich a ntijüd ischer Äu ßeru ngen hat der Bundesgerichts­ wurden gegen den Verlag als solchen geltend gemacht
hof in seinem Urte i l vom 11.11.1976 in Sachen 2 STR 508/76 ohne Nennung bestimmter Bücher und ohne Zitierung
u.a. fo lgendes au sgeführt:
irgendwelcher Inhaltsangaben! Würde man diesen "Pro­
'Zu r Anwend u ng des § 130 STGB g i lt, daß anti se miti sche
Agitation, die sich bewußt an das natio na lsoz ia listische Vo rbi ld testlern" konkret nachgehen, so ergäbe sich, daß von
hält, regel mäßig geeignet ist, den öffentl ichen Frieden zu stören, diesen kein einziger auch nur ein einziges Buch des
und den Tatbestand dieser Vorschrift m indestens in der Be­ ausstellenden Verlages überhaupt gekannt hat. Auch der
gehungsform des Aufstacheins zu m Haß verwi rkli cht. Der Angriff Herr Staatsanwalt hat nicht behauptet, daß die "Pro­
auf die Menschenwürde ergibt sich in d iesen Fä llen a l le i n schon
teste" einen konkreten inhaltsbezogenen Boden hatten.
aus der Identifizieru ng m it der natio nalso z ia listischen Gru nd­
Weder war es ein Jude noch ein anderer Einzelner, noch
einste l l u ng, d ie den jüdischen M itbürger al lgemein a ls minder·
wertig e instufte, u nd m it dem Zwang zum Tragen sogena nnter eine "bestimmte Bevölkerungsgruppe", die behauptet
Judensterne förmlich brand markte.' hätten , sich durch diese verfahrensanhängigen Pub-

8
li kationen in ihrer "Menschenwürde" verletzt zu fühlen; Auch der Tatbesta nd d es § 131 StGB in der Fo rm der
Aufstachel u ng zum Rassen haß, d . h. vorwiegend zu m Antisemitis­
auch hat es niemanden dieser "Protestler" gegeben, der
mus, ist nicht gegeben, auch nicht 'zwischen den Zeile n' (vgl.
zur Untermauerung solcher Vorwürfe bestimmte Passa­
Dreher/Trönd le, Strafgesetzbuch, 38 . Auf l ., Ra nd nr . 5 u . 6 zu §
gen dieser Publikationen der Staatsanwaltschaft zu Pro­ 131).
tokoll gegeben hätte. Als lnitiato re_n oder I nteressente n u nd Nutznießer der angeb­
Dem Herrn Staatsanwalt genügen somit allein "Pro­ lichen Greuel propaganda werden hau ptsächlich u nd gleichrangig
teste in der Öffentlichkeit, insbesondere in der Presse", nebeneina nder der Zionismus., die Ko mmu nisten, d ie Ud SSR, die
um bislang geachtete Mitbürger zu inkriminieren, bzw. in Re publik Po len u nd der Staat I srael benan nt. Ein Angriffsschwer­
pu nkt gegen das Judentu m ist nicht erkennbar.
kriminellen Verruf zu bringen. Zeitungsschreiber bzw.
Die Verletzu ng sonstiger strafrechtlicher Nor men durch den
Zeitungsbesitzer brauchen somit nur - denn auch sie I n ha l t der Broschü re ist nicht ersichtlich."
hatten zugegebenermaßen kein einziges Buch des aus­
In bezug auf das Buch von Prof. Butz "Der Jahrhun­
stellenden Verlages gelesen! - unsubstantiierte Vorwürfe
dertbetrug" erlaube ich mir darauf hinzuweisen, daß es
zu erheben, Wellen und Schaum zu schlagen, und schon
bereits Gegenstand der Verfahren 10 J s 306/77 und 10
scheint die Staatsanwaltschaft sich veranlaßt zu sehen,
Js 166/78 der StA Lüneburg sowie 5 Js 517/79 der StA
nicht etwa den in seiner Meinungsfreiheit Bedrohten und
Kleve war. Sämtliche Verfahren sind eingestellt worden,
Angegriffenen gegen unqualifizierte Diffamierungen in
teils mit dem Vermerk "Presseverjährung", teils mit
Schutz zu nehmen, sondern im Gegenteil im Sinne der
dem Vermerk "kein Straftatbestand"(Akte Kleve S. 99
Pressegewaltigen zur Gleichschaltung der einheitlichen
z.B.). Auf der dortigen Seite 100 ist ausgeführt:
Meinung beizutragen, nach dem Motto, wer von der
"Die au ßero rdentlich u mstrittene Rechtsfrage, ob u ngeachtet
einheitlichen Meinung abweicht und von den mächtigen der bereits eingetretene n Verfo lgu ngsverjähru ng nach§ 25 Presse­
Meinungsmachern angegriffen wird, "stört den öffent­ gesetz d ie Möglichkeit einer Einziehung dieser Schriften im
lichen Frieden" und "erschüttert die Sicherheit". Wie objektiven Verfahren nach § 440 StPO besteht oder deren
sich mit solchen Verhaltensweisen allerdings das Grund­ Un brauchbarmachu ng nach dem jetzigen § 74 d StGB betrieben
recht auf freie Meinung, Freiheit der Lehre und For­ werden kann, bedarf keiner Klärung, da in den in dem obigen
Vermerk gena nnten Ermittl u ngsverfahren bereits zutreffend fest­
schung, die Freiheit der Wissenschaft und Demokratie­
geste l lt worden ist, da ß diese Schriften nicht den Strafnormen der
verständnis verträgt, bleibt das Geheimnis der Staats­ §§ 86, 130 oder 131 StGB unterfal len . . . .
" ·

anwaltschaft.

Im übrigen mache ich darauf aufmerksam, daß ein


Ich verweise in diesem Zusammenhang auf. die Er­
Straftatbestand für einen Bürger erkennbar sein muß.
mittlungen und das Ergebnis in dem Verfahren 31 Js
Die Staatsanwaltschaft selbst benötigte für dieses angeb­
141/75 STA Dortmund sowie 5 JS 726/78 des Leiten­ liche Erkennen eines strafrechtlich relevanten Sachver­
den Oberstaatsanwaltes Frank vom 14. Nov. 1978 in haltes 3 (drei) Jahre, obgleich mehrfache diesbezügliche
Coburg. In der dortigen Verfügung heißt es: ·
Ermittlungsverfahren wiederholt eingestellt worden
Bezug: "Historische Tatsache Nr. 1" Richard Har­ waren und obgleich über den Verkauf der Bücher hinaus
wood "Starben wirklich sechs Millionen? " das Buch von Prof. Butz bereits Monate vor Herausgabe
"Oie Beschlagnahme und die anschließende Einziehu ng . . . . . ist
und ein ganzes Jahr nach Herausgabe außerordentlich
nicht veranlaßt, weil ihr I n halt nicht strafbar ist. l n de r Broschü re auffallend jede Woche in der Deutschen National­
wird unter Berufung auf verschiedene Au toren u nd sonstige Zeitung durch Vorabdruck und Besprechung groß her­
Quellen versucht, nachzuweisen, daß die physische Vernichtu ng ausgestellt worden war, ohne daß sich irgendjemand
der Juden im Ra hmen der 'End lösung' durch das 'Dritte Reich' davon beleidigt oder in seiner Menschenwürde oder gar
nicht gepla nt gewesen sei, daß eine solche - vo r a l le m d u rch
in seinem Lebensrecht beeinträchtigt gefühlt und sich
Vergasu ng in den KZ's - auch nicht stattgefu nden habe, daß d ie
Zahl der Todesfälle von KZ-Häftlingen erst dann durch H u nger
entsprechend beschwert hat. Auch hat dies kein Wissen­
und Seuchen erheblich gestiegen sei, als die Luftangriffe d er schaftler getan. Ähnliches gilt für die Schrift von
Al liierten den Zusam menbruch der Versorgung der KZ's mit Richard Harwood, die bereits seit 1975 in der Bundes­
Lebensmitte ln und Medikamente n bewirkt gehabt hätten, daß republik ohne Beanstandung vertrieben worden ist.
schließlich die mit sechs Mil lionen a ngegebene Zahl der 'jüdischen
Kriegstoten' weit übertrieben sei; n u r drei Mill io ne n Jude n hätte n
bis 1945 unter deu tscher Ko ntro l le gestanden, davo n seie n led ig­
lich etwa 300.000 Juden pol itischen, rassischen oder religiösen
Verfo lgu ngen zum Opfer gefallen .
Die behauptete Zahl vo n sechs Mil lio nen jüdischer Opfer
beruhe auf ma ßlosen Übertreibungen, Fälschu ngen, fa lsche n
Zeugenaussagen und erpreßten Geständ nissen.
Der I nhalt der Broschüre erfü l l t zu nächst nicht den Tatbesta nd
eines Vergehens der Vo lksverhetzung nach § 130 StGB, weil d ie
in dem Heft angeführten I nitiatoren der a ngebliche n Lüge von
sechs Mil lio nen errnorderter Juden keine Teile der inländischen
Bevölkeru ng da rste l len.

9
Die durch d ie Rücksichtnahme auf ko l l id ierende Verfassu ngs­
werte notwendig werde nde Grenzziehung oder I nha ltsbestimmu ng
ka nn n icht genere l l , so ndern nur im Ei nzelfall durch G üter­
abwägung vorge no mmen we rden. Dabei muß d ie Abwägung der
Wertpri n z i pien der Verfassu ng, insbesondere der Bedeutung der
mitei nander koll idierenden G ru ndrechte, und dem rechtsstaat­
liehe n G ru ndsatz der Ve rhältn is mäßigkeit unter Wahrung der
Wissenschaftsfreiheit E i n heit des G ru n dgesetzes Rechnung tragen. Zugunsten der Wis­
senschaftsfre i heit ist stets der diesem Freiheitsrecht zugrundel ie­
gende Gedanke m it zu berücksichtige n, daß gerade eine von
gesel lsc haftl ic hen N ützlic hkeits- u nd po litischen Zweckmäßig­
keitsvorste l l u ngen befreite Wissenschaft dem Staat und der G e­
sel lsc haft im E rgebn is am besten dient"
Zum Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit (Art. 5
Abs. 3 GG) hat das Bundesverfassungsgericht im Be­
schluß vom 1 . 3. 1 978 (NJW 1 978 , 1 62 1 ) unter Bezug­ Kein Wort in dieser Wissenschaftsdefinition deutet
nahme auf seine grundsätzlichen Ausführungen im Hoch­ darauf hin, daß ein Wissenschaftler sich an den Erkennt­
schulurteil (BVerf.GE 39 ,79 1 1 2 ff = NJ W 1 97 3 , 1 1 76) nissen irgendeines Gerichtsurteils auszurichten habe.
u.a. ausgeführt: Auch deutet kein Wort darauf hin, daß die Staats­
anwaltschaft die Wissenschaftsfreiheit zu beschneiden
oder aufzuheben habe, sobald sich "Proteste in der
Öffentlichkeit, insbesondere in der Presse" erheben.
"Da mit sich Forschu ng und Lehre u ngeh indert an dem Be­
Auch kein Wort darüber, daß die Staatsanwaltschaft
mühen u m Wahrheit a u srichten können, i st die Wissenschaft zu
einem vo n staatlicher F remdbest i mm u ng freien Bereich persön­ einem Wissenschaftler gegenüber die "Verletzung der
licher u nd auto no mer Verantwortung des einzelnen Wissenschaft­ Menschenwürde" unterstellen dürfe, wenn sich über­
lers erk lärt worden. Dam it wi rd zugleich zu m Ausdruck gebracht, haupt niemand wegen einer solchen "Verletzung der
daß Art. 5 111 GG n icht eine best i m mte Auffassu ng von der Menschenwürde" durch die der Öffentlichkeit unter­
Wissenschaft oder eine bestim mte Wissenschaftstheorie schützen
breiteten Schriften beschwert hat. Auch findet sich in
wi l l . Seine Fre i heitsgarantie erstreckt sich vielmehr auf jede
dieser Definition der Wissenschaftsfreiheit kein Wort
wi ssenschaftl iche Tät igkeit, d.h. auf a l les, was nach I n halt u nd
Form als ernsthafter plan mäßiger Versuch zu r E r m ittlu ng der darüber, daß es deutschen Staatsanwälten oder Gerich­
Wahrheit anzuse hen ist. D ies fo l gt u n m ittelbar aus der prinzi­ ten obliegt, zu verfügen, was ausländische Historiker
pielle n Unabgesch lossenheit jeglichen wisse nschaftl ichen Be­ aussagen und zu welchen Forschungsergebnissen sie
mühens. Diese in Art. 5 111 G G enthaltene Werte ntscheidung kommen dürfen.
beru ht auf der Sch lüsselfu nktion, die ei ner freien W issen schaft
sowo hl für die Selbstverwirklichu ng des ei nzelnen a l s auch für die Daß es sich bei dem Buch von Prof. Butz und der
gesamtgesel lschaftl iche E ntw i ck l u ng zukommt. Schrift von Harwood um ein ernstliches Bemühen zur
E i ne ausdrückl iche Beschränku ng der Wisse nschaftsf reiheit Wahrheitfindung handelt, ist der Gesamtstruktur beider
erg ibt sich led iglich aus Art. 5 111 2 G G , wonach die F reiheit der
Publikationen grundsätzlich zu entnehmen. Nichts ist
Leh re nicht von der T reue zur Verfassu ng entb i nd et. Die Aus­
legung u nd Bedeutu ng dieses Satzes ist i n der b isherigen Recht­ leichtfertig, nichts mit Emotion oder Übersteigerung
sprechung des B VerfG noch n icht geklärt u nd in der L iteratu r verfaßt, alles nach eingehendem Quellenstudium. Beiden
u mstritten. Autoren ist durchaus "die herrschende Meinung" be­
kannt. An ihr beginnen beide die Analyse. Wenn von
Auch die Wi ssenschaftsfreiheit kann nicht grenzen los se in; ein
Forscher darf sich z . B . bei sei ner Tätigkeit, insbeso ndere bei einer "Legende" oder einem "Märchen" der angeblichen
etwa igen Versuchen, nicht über die Rechte sei ner Mitbürger auf Ermordung der 6 Millionen geschrieben wird, so muß
Lebe n, Gesu nd heit oder Eigentu m h inwegsetzen: Aus den man - insbesondere einem ausländischen Wissen­
gleichen G ründen wie be i der K u nstfreiheit gelten bei der Wissen­ schaftler - dieses Recht zugestehen, wenn er die Be­
schaftsfrei heit d ie in Art. 5 I I u nd Art. 21 GG genannten
weise hierfür antritt, auch dann, wenn diese ihn auch nur
Schranken jedoch n i cht, so daß auch etwa ige E i nsc h rä nku ngen
glauben lassen, daß es so sei. Den sich in der Öffentlich­
der Wi ssenschaftsfrei heit n u r aus der Verfassu n g selbst herzule iten
sind. Die Konf l i kte zwischen der Gewährle istu ng der Wissen­ keit austragenden wissenschaftlichen Dialog gewinnt
schaftsf rei heit u nd dem Schutz a nderer verfassu ngsrechtl ich schließlich jener, der letztlich die überzeugendsten Be­
garantierter Rechtsgüter müssen daher nach Maßgabe der grund­ weise präsentiert hat. An der schließlich letzten, auf
gesetz lichen Werto rdnung u nd u nter Berücksi chtigung d er E i nheit diese Weise angereicherten Erkenntnis muß nicht nur der
dieses Wertsystems du rch Verfassu ngsau slegung gelöst werde n.
Herr Staatsanwalt in Dortmund interessiert sein, sondern
ln diese m Spannungsverhä ltn is kommt der Wissenschafts­
die gesamte Menschheit. Daher ist es ein geradezu den
freiheit gegenüber den mit i h r ko l l idierenden, gleichfalls verfas­
geistigen Fortschritt der Menschheit behindernder Akt,
su ngsrechtlich geschützten Werten n icht schlechth i n Vorrang zu.
der an das Mittelalter erinnert, eine solche geistige
Auch ohne Vorbehalt gewährte F reiheitsrechte müssen im
Rahmen gemeinschaftsgebu ndener Vera ntwortu ng gesehen Auseinandersetzung mittels Index und Verbot unter­
werden ( vg l B VerfG E 30, 173 - 193 - = NJW 1971, 1645 drücken zu wollen. Die Völker der Welt sind inzwischen
mw. Nachw.) . ohnehin so zusammengewachsen, daß ein solcher Ver-

10
such in unserem Lande doch nicht das Ergebnis haben Der Auschwitzprozeß fand im Rahmen einer Ge­
kann, wie sich das der Herr Staatsanwalt hier vorstellen setzesordnung statt, die nur die einseitige Rechtsver­
mag. Demokratie ist immer nur dort zu Hause, wo auch folgung von Kriegsverbrechen gegen Deutsche zuließ und
die Meinung eines anderen Geltung hat und toleriert Kriegsverbrechen anderer, auch dann, wenn sie in Wech­
wird. selbeziehung zu deutschen Kriegsverbrechen standen,
negierte und keinerlei Aufklärungs- oder Strafver­
folgungszwang unterwari.
Das Gericht war in seiner Urteilfindung nahezu aus­
schließlich angewiesen auf Zeugen und Sachverständi­
gengutachten der Herren des offiziösen, wenn nicht offi­
ziellen und damit parteilichen, sprich an der Strafver­
folgung interessierten, Instituts für Zeitgeschichte in
München. Was die Zeugen anbetrifft, so konnten die
meisten weder als unbefangen noch unbeeinflußt
Auschwitz-Prozeß-Urteil gelten, da sie den von ihrer Staatsregierung ihnen auf­
erlegten Zwängen unterlagen (was insbesondere auf
sämtliche Ostblock-Zeugen zutrifft). Und was die Sach­
gutachter anbetrifft, so sind ihre Aussagen wissen­
schaftlich zu analysieren, da diese Sachgutachten in den

Doch nun einiges zu dem vom Herrn Staatsanwalt beiden Bänden

herangezogenen riebtungweisenden "Beweismittel", dem


"Anatomie des SS-Staates" , Freiburg 1965, hrsg. v. Hans
Auschwitzprozeß-Urteil, da� auch dem Oberlandesgericht
Buchheim, Martin Broszat, Hans-Adolf Jacobsen und
Schleswig im Verfahren gegen Herrn Thies Christopher­
Helmut Krausnick
sen als "Beweismittel" zugrundelag:

veröffentlicht worden sind.


Diese Sachgutachter haben Ihre Gutachten zu einem
erheblichen Teil auf damals völlig neue und bislang
Zunächst Grundsätzliches:
unbekannte sog. Nürnberg-NO-Nr.-Dokumente gestützt,
deren Echtheit seinerzeit für einen normalen Historiker
Historische Wissenschaft kann nicht mit juristischen nicht überprüfbar war und erst seit jüngster Zeit
Mitteln in ihren Untersuchungsformen und Ergebnissen überprüfbar ist. Ich persönlich bin diesen Dokumenten
festgeschrieben werden. Politische Prozesse unterliegen nachgegangen und habe festgestellt, daß diesen Sachgut­
einer jeweils gerade gültigen, durch die politischen achtern lediglich Fotokopien von "Abschriften von,
Machtverhältnisse bedingten Gesetzgebung. Und wenn allüerten Originalen" zur Verfügung standen, also noch
schon der Herr Staatsanwalt in Dortmund gegenüber nicht einmal Faksimilefotografien. Ich bin darüber
dem vergleichsweise doch unbedeutenden "Verlag für hinaus in der Lage, nachzuweisen, und zwar mittels
Volkstum und Zeitgeschichtsforschung" in Vlotho auf Schriftwechsel mit dem Staatsarchiv in Nürnberg als
Grund von "Protesten in der Öffentlichkeit, insbeson­ auch dem Bundesarchiv in Koblenz, daß bis zum Jahre
dere in der Presse" tätig wird, so ist es einleuchtend, 1976 - also noch 12 Jahre später, nachdem jene
unter welchem ausländischen und inländischen Druck Sachgutachten dem Auschwitzprozeß vorlagen! - kein
("insbesondere der Presse") der Auschwitzprozeß 1963 einziger in- oder ausländischer Historiker, Wissenschaft­
zustandekam und unter welchem Druck er bis zu seinem ler oder wer auch immer sich überhaupt bemüht hatte,
Ende geführt wurde. Diese Situation wird besonders sich nach den Originalen zu erkundigen, geschweige
eindrucksvoll in zwei wesentlichen wissenschaftlichen denn sie auf ihre Echtheit hin zu überprüfen!
Büchern geschildert:
a) Dr. Hans Laternser, "Die andere Seite des Auschwitz­ Selbst die offiziellen Institute wissen nicht, wo sich
prozesses", Stuttgart 1966 (Seewald Verlag) diese "Dokumente" überhaupt befinden und wie sie in
b) Dr. Wilhelm Stäglich, "Der Auschwitzmythos", ihrer originalen Version aussehen!
Tübingen 1979 (Grabert Verlag)
Es wird hier auf die Vorhaltungen in diesen Büchern Beweis:
hinsichtlich nicht korrekter Prozeßführung und hin­ Meine Veröffentlichung
sichtlich nicht korrekter rechtlicher Grundlagen ver­ Udo Walendy, "Die Methoden der Umerziehung",
wiesen. Um Wiederholungen zu den in diesen Büchern Richmond/England - Vlotho 1976, S. 34 ff, bzw. der
gemachten Aussagen zu vermeiden, sei nur folgendes als dieser Veröffentlichung zugrundeliegende originale
grundlegend angeführt: Schriftwechsel.

11
Ü bergang zum Warschauer G h etto 1940

Jüdische G hetto-Pol izei, Warschau 1940

12
Faktum ist, daß somit weder die Sachverständigen widersprechenden Aufhebungen der Verjährungs­
des Instituts für Zeitgeschichte die wesentlichen Doku­ grundsätze.
mente, die sie ihren Gutachten zugrundegelegt haben,
auf ihre Echtheit hin überprüft haben, noch daß das Die Siegermächte hatten im Jahre 1945 im Londoner
Gericht dies anschließend getan hätte. Statut, das zur "neuen Rechtsgrundlage" für das Nürn­
berger Verfahren gegen die "Hauptkriegsverbrecher",
Das heißt, daß das Gerichtsurteil im Auschwitzprozeß ge­
bzw. die Besiegten erklärt wurde, nicht nur verfügt, daß
fällt worden ist auf Grund
"historisch allgemein bekannte Tatsachen, nicht im ein­
a) z.T. zweifelhafter Zeugenaussagen, zelnen überprüft werden dürfen, sondern von Amts
b) ungeprüfter Sachgutachten, die in wesentlichen Teilen wegen zur Kenntnis zu nehmen sind" (Art. 2 1), sondern
auf Grund gar nicht im Original eingesehener und darüber hinaus auch, - und zwar in nachfolgenden,
geprüfter Dokumente verfaßt worden waren, insbesondere Kontrollrats-Gesetzen - daß die nachfol­
c) ohne Möglichkeit des Gerichts, einen unveränderten genden Militärgerichte ebenfalls an diese gleichen "Er­
Tatort inspizieren zu können, kennntis-findungs-Maßstäbe" gebunden waren. Selbst
d) "ohne Funde" (vgl. die genannte Schrift "Die Metho­ dort jedoch findet sich keine gleichlautende Reglemen-.
den der Umerziehung" s. 30 ff) tierung für die Geschichts- oder sonstige Wissenschaft.
e) außerordentlich massiver außenpolitisch nicht negier­ Eine dem "Londoner Statut" vom 8.8.1945 analoge
barer Einwirkungen mit vorgefaßter "öffentlicher Erklärung irgendeiner führenden bundesdeutschen
Meinung", -"insbesondere in der Presse", Instanz - selbst wenn man einmal vom Gesetzgeber
f) der bereits erwähnten einseitigen Rechtsgrundlage, absieht -, hinsichtlich des Urteils oder der Erkenntnisse
g) der normalen rechtsstaatliehen Verhältnissen ebenfalls des Auschwitzprozesses 1963-1965, ist nicht bekannt.

Zeuge n als Beweismittel i n NSG-Verfahre n

Was den Zeugenbeweis anbetrifft, so hat sich der "Ein in der Sache durchaus engagierter Untersuchungsrichter,
durchaus nicht als unabhängig und objektiv einzustufen­ der 1974 in Australien eine größere Anzahl von Zeugen ver­
nommen hatte und dabei zunächst über deren geringes Erinne­
de Leitende Oberstaatsanwalt der " Zentralen Stelle der
rungsvermögen verwundert war, äußerte sich dazu in einem
Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung national­
Bericht an seinen Landesjustizminister so:
sozialistischer Verbrechen" in Ludwigsburg, Adalbert 'Ich habe mir nach der Vernehmung von mehr als 20 Personen
Rückerl, in seiner Schrift aller Altersgruppen selbst die Frage gestellt nach dem Gegensatz
"Die Strafverfolgung von NS-Verbrechen 1945-1978", dieser Aussagen zu denen von ehemaligen Häftlingen, die heute in
Heidelberg/Karlsruhe 1979 (C.F. Müller Juristischer Deutschland, Polen und Israel leben und die sich - jedenfalls
Verlag ) auf S.87 und 90 wie folgt geäußert: einige - noch sehr gut an gewisse Vorfälle in allen wichtigen
Einzelheiten erinnern können .....
"Die Schwurgerichte sind deshalb gezwungen, ihre Entschei­ Der eigentliche Wert der Reise lag für mich in der vollen
dungen praktisch allein auf den Zeugen- und Urkundenbeweis zu Erkenntnis der Fragwürdigkeit der Ermittlungen zum gegenwärti­
stützen ..." (S. 87) gen Zeitpunkt, insbesondere bezüglich überseeischer Zeugen.
"Schriftliche oder fotografische Beweisstücke, die unabhängig Hätte ich nicht selbst den Vernehmungen beigewohnt, ... so hätte
von anderen Beweismitteln den äußeren Ablauf einer strafbaren ich mir die inhaltlich dürftigen Protokolle, die zum großen Teil
Handlung ausreichend genau wiedergeben und dazu noch eine noch Unwesentliches enthalten, nur durch die mangelnde Erfah­
zuverlässige Identifizierung des Täters und die Beurteilung seiner rung der Konsuln in NSG-Sachen erklären können.' " (S. 96)
inneren Einstellung zur Tat gestatten, gibt es kaum. Das bedeutet,
daß in NS-Prozessen ein Dokumentenbeweis allein praktisch nicht Was hier für das Jahr 197 4 angesprochen wurde, gilt
zu führen ist. Auf das hinsichtlich seiner objektiven Zuverlässig­
gleichermaßen für die Jahre des Auschwitzprozesses
keit fragwürdigste Beweismittel, den Zeugen, kann trotz der noch
ständig steigenden Zahl der urkundlichen Beweisstücke auch in
(1963-1965).
Zukunft nicht verzichtet werden. Speziell zu den Zeugen im Auschwitz-Prozeß hat sich
Den absolut objektiven, d.h. den unabhängigen und vorurteils­
Verteidiger Dr. Hans Laternser in seinem Buch "Die
losen Zeugen, der mit volltauglichen Sinnen einen Vorgang
andere Seite des . Auschwitz-Prozesses" wie folgt ge­
wahrnimmt, in seinem Gedächtnis speichert und ihn schließlich
noch nach langer Zeit fehlerfrei wiedergeben kann, gibt es nicht. äußert:
Zu den schwersten Aufgaben eines Gerichts gehört es immer
"Dieses Einstehenmüssen für die Richtigkeit der Aussage wird
noch, den objektiven Wahrheitsgehalt einer Zeugenaussage zu
bei den ausländischen Zeugen praktisch gänzlich ausgeschaltet.
beurteilen. Gemessen an anderen Strafverfahren sind die Schwie­
Die Zeugen kommen, sagen aus, reisen wieder ab und können -
rigkeiten in NS-Prozessen um ein vielfaches größer, da dort kaum
falls sich die Unrichtigkeit ihrer Aussage herausstellen sollte -
jemals sogenannte "neutrale" Zeugen zur Verfügung stehen." (S.
nicht belangt werden, ja sie werden von der Staatsanwaltschaft
90)

13
noch n icht e i n ma l in Anspruch geno mmen, selbst wenn es be i der " Unter den sechs G eschwo renen waren zwei Männer u nd vier
Aussage schon festste ht oder viel leicht auch n u r wahrscheinl ich Frauen. Bei der U rtei lsverkünd u ng we inten alle vier weibl ichen
ist, daß sie falsche Angaben gemacht haben. I rgende i ne Nach· Gesc hworenen, als der Vorsitzende davon sprach, in we lch'
prüfu ng f indet n icht statt . . . . . u nd ich hatte den E ind ruck, d aß sich ho hem Maße d ie Ri chter beansprucht gewesen seien." (S. 356)
d ie Ze ugen d ieser sichere n Position d u rchaus bewußt waren .... "
(S. 157 ) Es mag hier genügen, weiteres aus dem Buch des
" Vor se iner Ausreise wurde der Zeuge j ewe i ls mehrere Male i n Verteidigers Dr. Hans Later nsPr "Die andere Seite des
das Justizministerium bestel lt, du rchschn ittlich zwe i - b is d reimal, Auschwitzpro zesse s " anzuftihr� on. Diese wenigen Zitate
bisweilen jedoch vier-, fünf-, sechs-, siebe n ma l u nd b is elf Tage und die anderen Hinweise von mir mögen aber zu­
Aufenthalt i n Warschau, für deren erhebl iche Koste n nebst Ver­ mindest das eine deutlich machen, daß man eine inter­
dienstausfall und Tage- u nd Übernachtungsgelder die G er ichts­
nationale wissenschaftliche Geschichtsschreibung •nicht
kasse in Deutsch land in Anspruch geno mmen wu rde . . . . " ( S . 158 )
auf das Auschwitz-Prozeß-Urteil verpflichten oder kraft
" Der pol nische J u stizminister h at also e i n e sachgemäße Auf­
k lärung abgelehnt. We nn schon der pol n i sche J u stizm i n ister keine Beschlagnahmeaktionen kritisc her Bücher verhindern
Bedenken gehabt hat, d ie Vernehmu ng vo n Ent lastungszeugen mit kann.
der jedenfa lls für Rechtsstaaten n ichtssage nden - oder vielmehr Das historische Verdienst , dies erstmals und dann
vielsagenden - Begründu ng, sie sei provokatorisch, a ble h nt, u nd sogleich in Ausdehnung auf die historische Wissenschaft
dies sogar offen tut, dann ist mit Si cherheit der Sch luß zu lässig
versucht zu haben, gebührt dem Herrn Leitenden Ober­
anzu nehmen, daß in a l len Fällen, i n dene n sich E nt lastu ngszeugen
staatsanwalt Jordan aus Dortmund mit seinem ver­
bei ihm gemeldet haben so l lten, e r du rch Verwe i geru ng der
Ausreiseer laubnis eine Vernehmu ng verh i ndert haben wird . " ( S . fahrensgegenständlichen Antrag auf Beschlagnahme
160 ) wissensc haftlicher Literatur.

" I ch b i n sogar i n der Lage, nachzuwe isen, daß jeder Zeuge erst Im übrigen ist mir nicht bekannt , daß Dr . Hans
nach grü nd licher F i ltrierung se i ner Aussage die Mög l ichkeit er­ Laternser wegen seiner kritischen Untersuchung des
halten hat, nach Deutschland auszu reisen: l n Warschau haben
Auschwitzpro zesses und -urteils und "abweichender
nä m l ich Vorvernehmu nge n i m pol n i schen Justizmi n i sterium
Meinung " unter Berufung auf § 1 30 StGB wegen
stattgefunden." (S. 160)
" Vo lksverhet zung" einer Strafverfolgung ausgesetzt
" Man hat a lso dadu rch G elegenheit zu sehen, und zwar an worden war.
diese m Be ispiel mit beso nderer E i ndringl ichkeit, daß d ie sowj et­
zona len Stel len an der Wah rheitti ndung se lbst ei nfac h n icht
interessiert sein könne n . " ( S . 171)

Te chnische Untersuch ungen


"Wenn Sie a l l das berück sichtigen - i nsbesondere aber auch
das erwägen, was sich zwischen den Ze ugen selbst abgespielt hat
u nd das Sie nie werden festste l len können -. daß diese Zeugen n ie
In der Schöffengerichtsverhandlung, Frankfurt / M
eine Verantwo rtung für i h re Au ssagen zu tragen haben we rden,
dann zeigt dieser Prozeß er neut mit beso nderer E i ndringlichke it, (Geschz . 50 J s 1 2 828 I 7 9 91 9 L) erklärte der Leiter
daß man auf Zeugenaussagen als den schlechtesten Bewe ism itteln des Instituts für Zeitgeschichte in München , Prof. Dr.
in Prozessen d ieser Art so gut wie n ichts mehr gebe n kann, Martin Bro szat als Sachverst ändiger : .
insbeso ndere nach dem Ablauf von zwanzig Jahre n . " S . 355)

" I ch habe jede nfalls n u r ganz verei nzelte Versuche eines "Die 6 M i l l ionen sind e i ne symbolische Zah l ! "
einz igen der vier Vertreter der Staatsanwa ltschaft i n d ieser Hau pt­
verhand lung festste l len können, d ie tatsächl ich auch ein mal zu­
gunsten der Angeklagten sprechenden Momente erm ittel n so l lte n ,
A m 1 3. 4 . 1 97 8 erklärte die Se chverständige des Insti­
obwo hl § 1 6 0 Abs. I I StPO k la r u nd eindeutig vorsc h re ibt, d a ß tuts für Zeitgeschichte in München, Frau Dr. Ino Arndt ,
d i e Staatsa nwa l tschaft n icht n u r die zu r Belastu ng, so ndern a u c h in einem Strafprozeß gegen den Verleger Klaus Huscher
die zur E ntlastu ng d ienenden U mstä nde zu ermitteln u nd f ü r d ie vor dem Nürnberger Landgericht auf die Frage , ob sie
Erhebu ng der Bewe ise So rge zu tragen hat." ( S . 2 68)
j emals technische Untersuc hungen darüber angestellt
habe, wie die Vergasung von 2 , 9 Millionen Menschen
" I ch bin der Me i n u ng, daß u ns so ein Schritt - wie z . B . die
einschließlich Beseitigung aller Spuren technisch im
sogena nnte Verjähru ngsver lä ngeru ng oder vielmehr die wi l lkür­
liche Ver legu ng des Beg i n ns der Verj ä h ru ngsf risten - jewe i l s um
einzelnen durchgeführt worden sei und überhaupt tech­
ein ige Jah rzehnte in der Rechtsentw i ck l u ng zu rückw irft. nisch möglich war :
Was nützen u ns eine hochentwickelte Gesetzgebu ng u nd
Rechtsprechung auf zivilrechtlichem Geb iet, we nn i n den großen "Techn i sche Untersuchu ngen habe ich nicht angeste l lt, ich b i n
Rechtsf ragen, die in der öffentlichkeit e i nen Ma ßstab für u nser ke i ne Techniker in."
Rechtsdenken zeigen oder zeigen könnten, n icht rein rechtli che
Gesichtspu nkte entsche iden , man vielmehr ängstlich nach dem Eine analoge Aussage machte der el)emalige Leiter
Ausland schaut - und dann schl ießlich noch bestreitet, nach dem des Instituts für Zeitgeschichte in München , Dr . Helmut
Ausland u nd dessen Me i n u ng Ausschau geha lten zu habe n ? " ( S .
Krausnick, im Werner-Pro zeß in Nürnberg , So mmer
2 68/2 69)

14
1 97 9 . Hieraus ergibt sich, daß so lche technischen Unter­ So mit ist bereits hiermit ein einziger Satz des Herrn
suchungen weder während des Auschwitz-Pro zesses noch Staatsanwaltes zweifach widerlegt mit Hilfe eines von
davor durchgeführt worden waren, was auch dem dies­ ihm selbst angeführten Zitates, dessen In halt er selbst als
bezüglichen Urteil zu entnehmen ist . volksverhetzend geißelt . Wenn so mit bereits die
Es gibt j edoch kein Gesetz in der Bundesrepublik " Fälschung von Tat sachen" vo lksverhetzend und straf­
Deutschland, das technische Untersuchungen dieser Art bar sein so ll, so ist ernstlich zu überlegen, ob nicht ich
oder auch daraus zu ziehende wissenschaftliche Schluß­ als der in diesem Verfahren Hauptbetro ffene in Verfo l­
folgerungen verbietet . gung meines Rechtes auf Wiederherstellung meiner Men­
So llte es sich im anhängigen Verfahren als erforder­ schenwürde klageberechtigt gegenüber dem Herrn Staats­
lich erweisen, das Urteil im Frankfurter Auschwitz­ anwalt bin .
Pro zeß einer ins einzelne gehenden wissenschaftlichen Bei der Durchsicht der umfangreichen, der Harwood­
Analyse zu unterwerfen, so bin ich gern bereit, diese Schrift entno mmenen Zitate ist es schwierig, einen für
nachzureichen, sofern mir die Staatsanwaltschaft Straf­ den Vorhalt der " Volksverhetzung" belangvo llen Text
freiheit für so lches Tun, d . h. für Analyse und Kritik herauszufinden, so daß es zweckmäßiger erscheint,
jenes Gerichtsurteils zusichert, was sie ja Pro f. Butz und zumal die Staatsanwalt schaft keine ko nkreten Gegen­
Richard Harwood gegenüber offensichtlich zu ver­ bewe ise für die " Fälschung" durch Harwood liefert, die
weigern scheint . kurzgefaßten Resümees der Staatsanwaltschaft wieder­
zugeben.
Die sen Resü mees zufolge wird für volksverhetzend
und so mit strafwürdig bezeichnet :
E i nze lvo rwürfe a) (S. 8 der Antragsschrift) " Auf den fo lgenden Seiten
wird zu begründen versucht, daß es eine Massenver­
nichtung nicht gegeben habe."
Nun zu einigen ko nkreten inhaltlichen Vorhaltungen
b) " Der Auto r stellt vielmehr besondere Anstrengungen
der Staatsanwaltschaft Dortmund :
der Reichsregierung zum Schutze der Juden heraus."
Auf S. 2 der staatsanwaltschaftliehen Antragsschrift
c) " Der Begriff der Endlösung wird dahin interpretiert,
heißt es ohne j egliche Beweisführung :
daß damit die vo llständige Ansiedlung der Juden aus
"Beide Schriften haben volksverhetzenden Charakter, indem dem Reichsgebiet gemeint ist ." (S. 9)
sie .. ... u.a. die in Deutschland lebenden Juden für die angeblichen
d) " Das Ko nzentrationslager wird ausschließlich als
Greuellügen verantwortlich machen, wobei sie diesen unterstellen,
die Greuellügen erfunden zu haben, um Wiedergutmachungs­
Arbeitslager beschrieben, in dem es keine Vergasun­
leistungen zu erlangen . " gen gegeben habe ." (S. 12)
Auf S. 6 wird Harwood zitiert mit folgender Aussage : e) " Der Auto r versucht auch nachzuweisen, daß in den
"So weit es das jüdische Volk selbst betrifft, hat diese Irre­
Konzentrationslagern menschliche Bedingungen ge­
führung einen unschätzbaren Wert. Jede erdenkliche Rasse und herrscht hätten." (S. 12)
jedes Volk hat seinen Anteil an dem Leiden des Zweiten Welt­ f) " F erner hätten die Häftlinge unter ärztlicher Aufsicht
krieges, aber niemand hat diese so erfolgreich ausgebeutet und gestanden und seien im Krankheitsfalle ins Kranken­
diese zu einem so großen Vorteil umgewandelt. Der angebliche revier verbr.acht worden ." (S. 12)
Umfang ihrer Verfolgung ließ schnell die Sympathien für das
g) Die Behauptung über die Verquickung eines aufge­
jüdische, nationale Heimatland, das die Juden so lange ersehnt
hatten, wachsen. Die britische Regierung tat nach dem Kriege bauschten völkischen Leides mit arglistiger geldlicher
wenig, um die Einwanderung der Juden nach Palästina zu verhin­ Entschädigung wird Harwood vorgehalten .
dern, obwohl sie diese für illegal erklärt hatte, und es dauerte
Prüft man diese Vorwürfe im einzelnen, so darf nach
nicht lange, bis die Zionisten der britischen Regierung Palästina
Auffassung der Staatsanwaltschaft Dortmund niemand,
entrungen hatten und ihren Staat Israel gründeten . . . . "
also auch kein Wissenschaftler, auch kein Ausländer eine
so lche Thematik abhandeln, sich zu solchen Einzelheiten
Aus diesem Zitatenvergleich ergibt sich :
äußern, auch dann nicht, wenn sie sachlich richtig sein
1 . ) Nicht mit einem Wort sind "die in Deutschland
sollten. Nicht in einem einzigen Fall hat der Staatsan­
lebenden Juden" erwähnt .
walt den Beweis geführt, daß diese Aussagen sachlich
2.) Nicht mit einem Wort ist erwähnt, daß Greuellügen
falsc h sind. Daß die Geschichte freilich viel, viel umfang­
erfunden wo rden sind, "um Wiedergutmachungs­
reicher ist, als daß sie in einer kleinen Bro schüre wie der
leistungen zu erlangen". Im Gegensatz hierzu wurde
von Harwo od überhaupt abgerundet erfaßt werden kann,
ja deutlich behauptet, daß es "de m jüdischen Volk"
steht dabei auf einem anderen Blatt . Niemand hat bisher
bzw. "den Zionisten" daran gelegen war, mit Hilfe ein Gesetz geschaffen, daß es Wissenschaftlern nur er­
dieser von ihnen " so erfo lgreich ausgebeuteten" laubt ist, etwas zu veröffentlichen, was alle Einzelheiten
Thematik ihren gewünschten Staat Israel zu er­ eines geschichtlichen Zusammenhanges zu schildern
kämpfen, - gegen harten Widerstand u.a. der briti� habe, andernfalls es der Volksverhetzungsanklage an­
sehen Regierung. heimfiele . Eine solche Forderung wäre von keinem

15
einzigen Menschen zu erfüllen. Daß aber ein ausländi­ der Entschädigung erneut ins Auge gefaßt. Meh rere jüdische
scher Historiker das Recht haben muß, etwas zu er­ Führer versuchten, m it Adenauer Verb i ndung aufzu nehmen, aber
die meisten i h rer Vorschläge waren geradezu lachhaft . E i ne
wähnen und zu publizieren, was andere nicht tun, auch
Organisation schlug ihm vor, zwanzig Millionen Deutsche Mark zu
dann nicht tun, wenn es wahr ist , dürfte doch wohl bezahlen: inzwi schen müssen d ie Deutschen, den m it mir ausge­
durch die Grundrechte auch in der Bundesrepublik handelten Vereinbarungen entsprechend , insgesamt achtzig Mi l l i ­
Deutschland gesichert sein. arden Deutsche Mark zah len . . . " IS 1 6�-1 68 ) .
In diesem Zusammenhang sei der Herr St aatsanwalt
gefragt, wie er die in den Punkten a-g erhobenen Vor­ Es liegt mir nicht daran, diese Thematik auszuweiten,
würfe in Einklang bringt mit nachfolgendem Zitat: aber dennoch scheinen die soeben erwähnten Zitate
notwendig , um das anhängige Verfahren mit einiger
"Das Zensu rverbot u nd die G ru nd rechte der freien Meinu ngs­ unbefangener Sachkenntnis anzureichern. Dies erscheint
äußeru ng, Me inu ngsverbre itung, der I nformations-, Presse -, F i l m­ um so notwendiger, als der Herr Staatsanwalt bereits
und Ru ndfunkfrei heit (Art. 5 Abs. 1 GG) sind für eine n freiheit­ Ausführungen für strafwürdig hält , die weltweit längst
l ichen, sozia len, demok ratischen Rechtsstaat (Art. 20 G G ) ko r.i­
zur "gesicherten Erkenntnis" gehören, selbst dann, wenn
stitu ierend u nd u nverz ichtba r ( B VerfG E 20, 1 75) ."
sie im Auschwitzprozeß nicht berücksichtigt worden
sind.
Der Herr Staatsanwalt möge sich bitte auch zu
Vergleicht man nur einmal die vom Staatsanwalt auf
nachfolgenden Zitaten äußern, die dem Buch
S. 23 gegen Prof. Butz inkriminierten Zitate mit der
Nahum Goldmann, "Das jüdische Paradox ",
Äußerung von Nahum Goldmann, "w ie man mit Ge-
Köln/Frankfurt 1978, Europäische
schichten erzählen M i l l io nen verd ient"
, so wundert man
Verlagsanst alt
sich als deutscher Steuerzahler allenfalls darüber, wes­
entnommen sind :
halb nicht Strafverfahren wegen Betruges gegen ganz
andere Leute angestrengt werden; stattdessen wird jener
" Es ( i st) auch zu unterstre ichen, daß das G hetto historisch
einem Beschlagnahmeverfahren seiner Schriften ausge­
gese hen eine jüdische E rfindung ist. Es ist falsch zu behaupten,
daß die Goj i m d ie Juden gezwu ngen habe n, sich von der übrigen
setzt , der einen sachlichen Zusammenhang zwischen
Gesellschaft zu trennen ... "(S. 96) wirklichen sowie angeblichen Kriegsverbrechen und den
" I ch glaube sogar, daß d ie Massen dumm sind . . . auf sie bezogenen Wiedergutmachungsleistungen analy­
We nn i c h also kann, ver meide i c h es, Menschen u m Rat zu siert und andere Schlußfolgerungen zieht!
fragen, und ziehe es vor, mei ne Organisat ion vo r vol lendete
Daß "ein Bezug zwischen der angeblichen Greuel­
Tatsachen zu stellen. Man hat oft gesagt, daß Go ldmann der
propaganda und Entschädigungsleistungen an Juden her­
Diktator des Jüdische n Weltko ngresses war: ein we nig sti m mt es
schon . . . "(S. 1 56)
gestellt wird", kann doch wohl nicht strafbar sein, wenn
"Als Präsident der größten jüdischen Organisation verfügte ich dieser Sachzusammenhang richtig ist und Nahum Gold­
über r iesige Budgets, über Hunderte von M i l l ione n Dol l ar u nd mann ihn in seinem Buch "Das jüdische Paradox" selbst
leitete Tausende vo n Angestel lten. Dies a l les, ich betone es erneut, bestätigt! Wo bliebe hier das "gleiche Recht für alle"?
im Rahmen des i nternationalen Judentu ms u nd nicht in dem eines
Staates . . . . " (S. 1 50) Sicher ist es zweckmäßig, Herrn Nahum Goldmann
" ... darf man n icht vergessen, daß die sowjetische R eg ieru ng als Zeuge in diesem Verfahren zu laden, damit er darüber
Hunderttau se nden unserer Brüder das Lebe n gerettet hat, als sie
nähere Auskunft geben kann , welcher Art die "Ge­
ihnen die Mögl ichkeit gab, den N az is zu entko mmen . . . . " (S. 231 )
"Aber 1 945 gab es an d ie 600.000 jüdische KZ-Überlebende, schichten " waren, mit deren Erzählung er im Gegensatz
die kein Land aufnehmen wo llte . . . . " (S. 263) zu seinen anderen Glaubensbrüdern, die mit 20 Millio­
" I ch wi l l I h nen jetzt von zwe i E pisoden berichten , die zu m nen DM zufrieden waren, "80 Milliarden DM" ausgehan­
Kapitel 'Wie verd ient man Mi l l io nen, indem man Geschichten delt hat!
erzählt, gehöre n ! . . . " ( S . 1 80)

"Während des Krieges hatte der Jüd i sche Weltkongreß in New Bei allem guten Willen, wirklich konkret sachlich
Yo rk ein I nstitut für j üd i sche Angelege nheite n geschaffen, dessen alles durchzuarbeiten, was der Herr Staatsanwalt gegen
Sitz heute in London ist ... Nach i h ren Plänen wurden zwe i abso lut Prof. Butz als inkriminierend ins Feld führt, von S. 1 3,
revolutio näre Ideen entwickelt: Das Nürnberger Gericht u nd d ie bzw. 14 - 24, fehlt mir jeder Ansatzpunkt, den Inhalt
deutsche Wiedergutmachung . . . .
strafrechtlich zu verteidigen.
D i e andere I d ee des I nstituts war, daß Deutschland nach seiner
Niederlage bezah len müßte . . . . Den Schlußfo lgerungen des I nstituts
zufolge hätten zuerst d ie Perso nen entschädigt we rden müssen, d ie Wenn sich im übrigen ein ausländischer Professor die
durcl:! d ie Nazis Hab und Gut verloren hatte n. Andererse its, langj ährige Arbeit macht, zu untersuchen, ob die Holo­
würden die Deutschen, so hofften wir, auch dem j üd ischen Staat
caust-Thematik sachlich im allgemein geschilderten
nach dessen G ründ u ng e ine E ntschäd igung zahlen, um den Über­
lebe nden einen neuen Start zu ermöglichen. D ieser G edanke Maße zutrifft oder nicht, so sollten wir Deutschen,
wurde zum ersten Mal wä hrend des K rieges auf e i ner Ko nferenz in gleichermaßen doch aber die Juden dafür außerordent­
Salti more geäußert. lich dankbar sein. Wir Deutschen, weil unser Volk von
Nach Beendigung des Nürnberger Prozesses wu rde das Prob lem einer auch alle künftigen Generationen belastenden

16
moralischen Disqualifizierung befreit wird und zu einer So weiß ich nicht, was dabei "volksverhetzend" sein
gleichen Rechtsposition als Volk neben anderen Völkern so ll, wenn Prof. Butz in seiner umfangreichen Analyse
zurückfindet, und die Juden, weil sie für jeden ihrer erwähnt, daß schon der Talmud von ungeheueren Massa­
Angehörigen dankbar sein müßten, der das Grauen des kern an Juden durch die Römer berichtet und Talmud­
Zweiten Weltkrieges überlebt hat. Der genau gegente ilige Gelehrte eine Rolle in dem Betrug spielen. Bekanntlich
Eifer der Staatsanwaltschaft Dortmund dient weder dem gibt es keine historischen Zeugnisse anderer Art über
deutschen noch dem jüdischen Volk, denn er verstärkt jene im Talmud verzeichneten Ereignisse. Wenn es also
die Gegensätze, die eine sachliche Aussöhnung ver­ betrügerische Geschichten sind, liegt es etwa nahe, daß
hindern, anstatt dazu beizutragen, diese Gegensätze ab­ Nicht-Juden die Verfasser waren ? Man dar f doch auch
zubauen. Will man aber diese Gegensätze abbauen, dann die Bibel analysieren, warum denn bloß den Talmud
muß allen Menschen gleiches Recht gewährt werden, es nicht? Welches Gesetz verbietet das? Und wenn Prof.
muß j eder das Recht haben, historische Sachverhalte so Butz nachweist, daß alle 5 führenden Vernichtungs­
zu . analysieren, wie er das für sachbe zogen richtig hält, mythologen Juden sind, also an der Legende bzw.
und muß auch Lügen abwehren und sie auch als solche Thematik Interessierte, so würde doch ein j eder Richter

bezeichnen dürfen, auch dann, wenn einige opportune bei · der Untersuchung zum Streitgegenstand stehender

Karrieristen "insbesondere in der Presse" oder Zeitungs­ Behauptungen sich danach erkundigen, ob derjenige, der

inhaber dagegen "protestieren". Zu dieser Gleichheit des eine solche streitgegenständliche Behauptung aufstellt,

Rechts gehört ebenfalls, daß wir Deutsche uns unter daran interessiert ist oder sie als Unbefangener aufstellt.

gleichen Voraussetzungen als be leidigt fühlen und gegen Warum soll das für Prof. Butz "volksverhetzend" sein?

Verunglimpfungen wehren können, wie das bestimmte Ich bin gern bereit, die einzelnen von Herrn Prof.
andere Gruppen dürfen. Der Herr Staatsanwalt wird Butz oder auch von Richard Harwood als inkriminierend
wissen, daß "die Gleichheit dieser Voraussetzungen" hervorgehobenen Zitate noch weitergehend zu sezieren,
heute nicht gewährleistet ist. Dies darf aber nicht dazu wenn der Herr Staatsanwalt bereit ist, im einzelnen
führen, diese Ungleichheit noch durch ungebührliche darzutun, was
konkr et an welchen Sätzen "volks­
Ausweitung eines Ermessensspielraumes auszuweiten. verhetzenden" Charakter haben soll . Ich kann das nicht

Ich halte es also z.B. für absurd, Herrn Prof. Butz feststellen.
Bleibt noch zu erwähnen, daß die umfangreichen
Volksverhetzung vorzuwerfen, wenn er, wie auf Seite 23
Geschichtsdarlegungen des Herrn Ober staatsanwaltes,
der Antragsschrift ihm vorgehalten, schreibt, daß das
die er dem Auschwitz-Urteil entnommen hat, angefan­
Luxemburger Abkommen von 1952 als einmalige Zah­
gen vom Parteiprogramm der NSDAP über die Verord­
lungsverpflichtung von 3 Milliarden DM an Israel im
nung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und
Zeitraum von 12 Jahren gedacht war, doch es Tür und
Staat 1933 (S. 26 bis weitgehend S. 33) bis Kriegs­
Tor für unentwegt fortdauernde Zahlungen öffnete,
beginn, keine Widerlegung von Butz oder Harwood
während Nahum Goldmann selbst 80 Milliarden DM als
bedeuten.
bereits im Jahre 1979 gezahlt öffentlich zugibt.
Würde man beispielsweise aus dem Parteiprogramm
Ein weiteres Beispiel: Wie sollte ich in dem anhängi­
der NSDAP, in dem es hieß, daß die Juden praktisch nur
gen Verfahren zu der Vorhaltung Stellung nehmen (S.
als Gast in Deutschland leben dürften oder so llten,
19 der Antragsschrift), wo es heißt:
schlußfolgern, daß hiermit ein Beweis erbracht sei, daß
"9. E i n Zusatz des Übersetzers: Beacht l i ch für die Übersetzu n g
schon frühzeitig an dieser Aussage eine Vergasungs­
des gesamte n Sachver haltes ersche i nt e s , d a ß d a s deutsche Wort
'Entwesu ng' m it dem eng l i schen Ausdru ck 'extermination' iden­
absicht abzulesen gewesen sei, so sollte uns nicht wun­
tisch ist, e i n Au sdruck jedo ch, de r, rückübersetzt, wieder u m auch dern, wenn im Jahre 2000 bei geänderten politischen
m it 'Vernichtu ng' absolut gleichzusetzen i st. Macht ma n im Verhältnissen ein deutscher Staatsanwalt unter Hinweis
Deutschen h ier eine k l are begriffl iche E i nengu ng auf U ngez iefer - auf die in der Bundesrepublik Deutschland 1979 durch­
Seuchenträger -, so ist d ies im E ngl ischen n icht der F al l , so daß
geführte Gastarbeiterpolitik ebenfalls Beweise für eine
mit der Verwe ndung des Begriffes 'exte r m i nation' die ' Vern ich­
Vergasungsabsicht ableiten würde. Genau so abwegig wie
tung vo n Menschen' pro pagand istisch leicht sugger iert und glaub­
Herr Oberstaatsanwalt Jordan diesen Vergleich halten
haft gernacht werden ka n n . "
wird, so abwegig halte ich es, jenen Passus des NSDAP­
Sachlicher kann man doch gar keine wissenschaft­
Parteiprogramms Herrn Prof. Butz sozusagen als "Gegen­
liche Untersuchung führen, als schon auf unterschied­ beweis" für seine Darlegungen entgegenzuhalten.
liche Sprachbegriffe aufmerksam zu machen, die von der Wenn auch Prof. Butz die "Endlösungs"-Thematik in
Begriffsdefinition her zu falschen Deutungen und über­ anderer Form analysiert, als dies bisher üblich war - also
setzungsfehlerD Anlaß geben (können) ! nicht ausgehend von Zeugenaussagen und Vorlagen vor
Wie gesagt, dies ist nur ein Beispiel nicht nur für die Militär- und sonstigen Nachkriegsgerichten, sondern
ganze Seite 19, sondern für nahe zu alle vorgetragenen ausgehend von den nachweisbaren Propagandapraktiken
Zitate, aus denen nicht ersichtlich oder seitens des in den USA während der Kriegszeit -, so darf doch
Herrn Staatsanwaltes dargetan ist, was hier "Volksver­ nicht der Eindruck entstehen, als würde Prof. Butz nun
hetzung" sein soll. in ein geschichtswidriges Extrem verfallen und "alles

17
leugnen , was geschehen ist " . Aus d iesem Grunde se ien um Attrappen handelte, zu deren Bau das amerikanische Militär
nach der Kap itulation inhaftierte SS-Angehörige gezwungen hatte.
fo lgende Ausführungen angefü hrt :
Ähnlich verhielt es sich mit dem KZ Bergen-Belsen, in dem
"Der zionistische Charakter der Propaganda ist recht klar . Man
fünfzigtausend Häftlinge ermordet worden seien . . . .
merke sich die Personen, die auf Maßnahmen drängten, Juden aus
Birkenau, das zum Kom p lex von Auschwitz gehörte, d iente als
Euro pa auszusiedeln, gekoppelt m it solchen Vorsch lägen und
Lager für diejenigen Häftlinge, die als nicht arbeitsfähig erklärt
Forderungen, solche Juden in Palästina anzusiedeln , was beweist,
worden waren. Deshalb erreichte hier die Sterblichkeitsquote die
daß die zionistischen Propagandisten sehr viel mehr im Sinn
höchsten Ziffern. Am 26. Juni 1 942 brach in Birkenau eine
hatten, als lediglich Hilfe für Flüchtlinge und O p fer der Verfol­
verheerende Typ husepidemie aus. Innerhalb von k napp drei
gung. "
Monaten starben bis an die zwan zigtausend Menschen . Das war
Dieses Zitat ( Butz , S. 111) m a g a l s Beweis da�ür der Grund, warum sich in Birkenau ungewöhnlich große E inrich­
dienen , daß auch Prof . Butz weder "die in Deutschland tungen für die Verbrennung der Toten befanden. Die Ber ichte von
lebenden Juden " ange spro chen hat , noc h als Motiv für diesem Massensterben veranlaßten Himmler am 28. Dezember
Pro pagandageschi c hten " Wiedergutmachungsleist ungen " 1 942 zu dem Befehl, "die Zahl der Todesfälle in den Konzen­
tratio nslagern um j eden Preis herabzusetzen " .
genannt hat .
Während des Krieges w a r u nter dem Ausdruck 'Gesamtlösung'
" D ie tatsächlich sehr hohe Todesrate in Au s chwitz . . . . . ( S .
oder ' E ndlösung' zunächst zu verstehen: Da eine Auswanderung
1 65)
nicht mehr möglich war, sollten alle Juden in den Osten evakuiert,
"Möglicherweise sind zahlreiche Dok umente gefälscht worden.
aus Zentraleu ro p a herausgelöst , von der deutschen Bevölkerung
ln der Tat gab es in N ürnberg eine ausgedehnte Praxis der
abgesondert und in neuen Gettos zusammengefaßt werden. Diesen
Dokumentenfälschung. Doch gibt es keine Anhaltspunkte dafür ,
Plan umriß der Chef des Reichssicherheitshau ptamtes Reinhard
daß die Dokumente über d ie Todesfälle in den Lagern und den
Heydr ich am 24. Juni 1 940. Was s ich in den folgenden J ahren
Bau der Kremator ien gefälscht worden sind . " ( S . 170)
tatsächlich abges p ielt hat, ist trotz aller Literatur in zentralen
" Eine solche Konzentration des E lends gibt B irkenau natür­
Fragen noch immer ungek lä rt . . . . . "
l ich die Bedeutu ng e ines m it Leichenräumen u nd Kremator ien
versehenen 'Todeslager s' . . . " ( S . 171) Daß in den nachfo lgenden Auflagen dieser Text
" Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß ich Er­
abgeändert worden ist , erklärt sich aus be sonderen
schießungen von offensichtlichen Zivilisten, Frauen und K indern
Gründen, gegenüber denen sich Herr Axel Springer ab­
durch E insatzgruppen im Zusammenhang mit ihrem Kampf in
Rußland bestreite. Alle Erfahru ngen im E insatz gegen Partisanen, hängig weiß . Sie hängen auch mit "Protesten, insbeso n­
ob vo 11 den Briten, Franzosen oder den Amerikanern geführt, dere in der Presse " zusammen . Den neuen Passagen
besagen, ganz unabhängig von fragwürdigen Beweisen bei den zufo lge , sei z war an der Vernichtungsthematik "nicht s
Nürnberger Prozessen, daß sich derart ige Ereign i s se abgesp ielt str ittig" ( also o ffenbar, ganz gleich, was im mer man
haben . " ( S . 26 1 )
dazu behaupten mag ! ) , doch blieb der Satz, wenn auch
Ric hard Harwo o d nimmt ähnli c h Stellung. eingeengt in die von Dokumenten no ch nicht erschlo sse­
nen Bere iche , bestehen : " . . . . ist trotz aller Literatur in
zentralen Fragen noch immer ungeklärt " .
Mir ist nicht b ekannt , daß Herr Axel Springer als
Prof. H e l l m ut D iwa ld z u r
verantwo rtlicher Verleger o der Pro f. Hellmut Diwald als

d e utschen G e s c h i chtssc h re ib u n g Autor, der gewagt hat , vo m " Auschwit zpro z eß- Urteil "
abzuweichen , ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung
beko mmen o der d ie Staatsanwaltschaft das Buch "Ge­
Prof. Hellmut Diwald sc hrieb in der " Geschichte d er
schichte der Deut sc hen " zu beschlagnahmen versucht
Deutschen " ( Pro pyläen Verlag , sprich Ax el Springer­
hat .
Presse ) , 1978 in erster Auflage , S. 164/165 :
Auch der Herr Staatsanwalt wird sicher zustimmen,
"Seit der Anklage, daß die SS im Auftrag Hitlers durch
wenn ich b e haupte , daß der Inhalt der vollzogenen
Himmler und das R eichssicherheitshauptamt versucht hat, die
Änderunge n im Namen vo n Herrn Diwald weder dem
europäischen Juden zu vernichten, steht das Problem 'Auschwitz'
Bemühen um Anreicherung wissenschaftlicher Erke nnt ­
unter dem Schutz einer totalen Ab schirmung, zumal 'Auschwitz'
seit der Kapitulation 1945 auch noch eine Hauptfunktion bei der nis zu verdanken war noch so lches Bemühen spürbar
völligen moralischen Herabwürdigung der Deutschen erfüllte . . . . . . werden läßt .
Über diese Tatsachen, vor der K ulisse der abscheulichen
Prof. Dr . Hellmut Diwald hat zusätz lich in eine m
Entrechtung der J uden im Dr itten Reich, sind nach 1 945 zahl­
reiche Schriften veröffentlicht und Behauptungen aufgestellt Interview mit " Die Welt " ( Beilage - So nderdruck XII
worden, die sich nicht beweisen ließen und das Schandbare durch 1978) unter der Überschr ift " Wer die Geschichte eines
Zynismus erweiterten: Man beutete ein s der grauenhaftesten Vo lkes kriminalisiert , macht es krank " fo lgende s erklärt :
Geschehnisse der Moderne durch bewußte Irreführungen, T äu­
schungen, Übertreibungen für den Zweck der totalen Disqualifi­ "Das Verhältnis zu unserer Gesamtgeschichte wurde vergiftet.
kation eines Volkes aus. Im Bereich der Geschichte wurde ein be inahe lückenloser K ehraus
So nannten die alliierten Sieger Vernichtungslager , von denen praktiziert, der sich nicht nur auf die direkten und m ittelbaren
es in Deutschland kein einziges gegeben hat . Oder es wurden Vorfahren, sondern auf d ie ganze deutsche Vergangenheit er­
jahrelang im KZ Dachau den Besuchern Gask ammern gezeigt, in streckte. Die Geschichte der Deutschen wurde nicht sachbezogen
denen die SS angeblich bis zu fünfundzwanzigtausend Juden insp iziert und inter pretiert, sondern moralisch disqualifiziert . . . .
täglich umgebracht haben so ll, obschon es sich bei diesen Räumen Wenn ein Volk seine ganze Gesch ichte derart in die Ecke

18
gedrängt sieht u nd nur noch mit moralisch negativen u nd ab­ kommen, und dafür muß ich selber mit sorgen . Und jeder von u ns
qualifizierenden Vorzeichen kennenlernt, dann kann es doch gar möge sich seiner zeitbed i ngten, situationsbed i ngten Optik bewußt
kei n positives Verhältnis mehr zu d ieser G eschichte f inden, zumal, bleiben .......
wenn dieser Kri minalisieru ngsprozeß schon in den Schu len be­ "... daß Demokratie n icht u nbed ingt die Durchsatzung des
ginnt . . ... Richtigen bewirkt, sondern vielmehr nur die Durchsatzung dessen,
Mit vielem, was bis heute dazu publiz iert u nd wie es dargestel lt was vo n der Mehrheit für r ichtig a ngesehen wird zu dem Zeit­
worden ist, können wir uns n icht zufrieden geben. Wir werden pu nkt, in dem die Mehrheit e ntscheidet...... Demokratie ist
noch ganze Ko mplexe umschreiben müssen. Entscheidend ist Launen ausgesetzt."
dabei die Dokumentenfrage. Daß ein Hauptte il der zeitgenössi­ (Bulletin - Presse- u nd I nformationsamt der Bundesregierung Nr.
schen Akten uns überhaupt noch nicht zugänglich gemacht wor­ 1 1 4/S. 1 065- 1 072, Bonn, den 1 0. Oktober 1 978)
den ist, ist noch für viele Überraschungen gut. Die R ussen haben
kein einz iges Doku ment herausgerückt; die Fra nzosen halten Bleibt nur fest zustellen , daß sich j eder Historiker in
ebenfalls ihre Archive u nd das, was sie bei uns mitgenommen das S pannungsverhältnis verset zt sieht , daß sich zwi ­
haben, verschlossen. Die Amerikaner wä h len bei dem, was sie u ns schen den Erkenntissen seiner Forschungen und dem
zurückgeben, sehr vorsichtig aus. So stehen wir i mmer noch u nter
Erkenntnisstand der Öffentlichkeit , "insbeso ndere in der
einer merkwürdigen Bevormu ndung . ....
Jede deutsche Regierung der Nachkriegszeit fand Zwänge vor, Presse " ergibt . .Wäre es anders, wäre ein Wissenschaftler
die sie nicht frei entscheiden ließen. Man muß das sehen, man darf nur ein Nachplapperer der Meinungsmac her "insbe­
es diesen Regieru ngen jedoch nicht zugute halten . Denn neben sondere in der Presse " ! Das hieße, Zeitungsbesitzer , b zw .
den Zwängen gab es auch deutsche Freiheiten." deren po litisc he Hintermänner hätten das Recht , die
" Meinun g " aller Bürger einer Nation , nicht nur der
Leser , so ndern auch der Pro fessoren, anderer Verleger ,

B u ndesk a n z l er H el m ut S ch m i dt auch der Ausländer zu diktieren ! Ob das wo hl das


richtige wäre für die freie Welt ?
z u r h isto r ische n W isse nschaft Geht man der Frage nach , wer hier zu reglementieren
sucht , so ergibt sich , daß es nicht etwa Experten der

Die Frage stellt si ch mancher schon in der Bundes­ historischen Wissensc haft sind , sondern Staatsb eamte ,

republik : Wie frei ist die Wissenschaft ? Der Herr Bun­ bzw. ein Staatsbeamter , der in seine m Schrift sat z nicht

deskanzler Helmut Schmidt hat auf dem Historikertag hat deutlich machen k ö nnen, daß er Sachkenner der vo n

am 4. Oktober 1 97 8 in Harnburg zum Ausdruck ge ­ ihm aufgegriffenen Materie ist . Der im Ausland , insbe­

bracht , daß sich die Ge schichtswissenschaft nicht "von so ndere in USA , England und Frankreich sich seit

aktuellen Interessen und Fragestellungen leiten lassen " Jahren in bemerkenswerter Weise vo llziehende histori­

dürfe, sondern sich "zu den Ko nflikten stellen " müsse , sche Revisionismus hat mit " Vo lksverhetzung " nichts zu

daß sie "ihre Verpflichtung zu Toleranz und Meinungs­ tun, sondern ist ein natürlicher E ntwick lungspro zeß , der
pluralismus ernst nehmen und darin sogar Vorbilder sich daraus ergibt , daß nach und nac h histo rische Sach­
setzen " , daß "die Pluralität der Meinungen und Po sitio ­ zusammenhänge erkennbar werden , die erst nach
nen allen Widerständen zum Trotz bejaht und auch Aufdeckung vieler durch den Krieg und die siegreichen
tat sächlich verwirklicht werden " müsse, daß "für die Machthaber verschütteten Doku mente und sonstige
Wissenschaft der Wille zur Wahrheit verbindlich " sei . D er Einzelheiten bekanntgewo rden sind . Da die sogenannten
Herr Bundeskanzler erklärte weiter : " Kriegsverbrecherpro zesse " sowohl in der Hektik d er
" I rren muß erlaubt b leiben. Gerade i n Deutschland muß irren racheaufgepeitschten Nac hkriegszeit unter mühsam auf­
erlaubt bleiben. Es kann in der offenen Gesellschaft kein einheit­ rechterhaltener Einigkeit mit den Sowjets durchgeführt
liches, kein richtiges Geschichtsbi ld geben ..... wurden , als auch o hne Kenntnis vieler erst später er­
Man muß d ie eigene Geschichte o hne Voru rtei l prüfen. D ie kannter Zusammenhänge, mußt e sich n otwendigerweise
Eliminierung, d ie Verdrä ngu ng von Teilen der G eschichte ka nn
eine historische Wissenschaft nicht auf die Pro zeß­
nicht helfen, Streitfragen zu lösen." Urt eile zu, sond ern vo n ihnen fo rtentwickeln. Daß das
"Die Pluralität der Meinungen u nd Positionen muß a l len gewissen Politikern und Zeitungsb esit z ern gar nicht so
Widerständen zum Trotz bejaht u nd auch tatsächlich verwirklicht recht sein mag, sie vielmehr die politischen D iktio n en
werden !
von 1 9 45/1946 beizubehalten wünschen, kann nicht
" .... ohne Toleranz aus gegenseitiger Achtung ist Wissenschaft
vom Menschen in einer plu ralistischen demokratischen G emein­ Maßstab in diesem anhängigen Verfahren sein.
schaft n icht möglich .....
" .... ich kann mir weder ein verbindliches noch ein einiger­ Zusa m me nfassu ng
maßen verbindliches Geschichtsbild vorstellen ....
"Verbi ndlich .... ist für Lehrer u nd Soldaten das G rundgesetz. Zusammenfassend wiederho le ich :
Verbindlich ist für d ie Wissenschaft der Wille zu r Wahrheit. Aber D er gesetzliche Tatbestand der Volksverhet zung wird
die Normen des G ru ndgesetes enthalten mit voller Absicht, aus durch keines d er aus den inkriminierten Schriften her­
historischer Erfahru ng gewonnener Absicht, das Grundrecht der ausgegriffenen Zitate ausreichend belegt . Insb esondere
Meinungsfreiheit u nd keinerlei Vorschriften über Mei n ungsver­
haben die Auto ren mit keinem Wort die Menschenwürde
bindlichkeit.. ..
"Mir scheint wertungsfreie Geschichte kaum möglich. Aber anderer, scho n gar nicht die in der Bundesrepublik
andere als meine eigenen Wertu ngen müssen ebenso zu Gehör Deutschland lebenden Juden angegriffen. Der Herr

19
Staatsanwalt versteift sich vor allem darauf, daß im Ein staatsanwaltschaftliebes Bemühen , historische
allgemeinen heute ein anderes zeitgeschichtliches Bild Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit vor­
von der Judenverfolgung während de s Krieges gezeichnet zuenthalten, nur weil sie den po litisch, weitgehend ja
wird. Er hält dieses Bild offensichtlich für zutreffend parteipolitisch motivierten Darstellungen widersprechen ,
und nicht das, was die Autoren Butz und Harwood auf ist eines freiheitlichen Rechtsstaates unwürdig .
Grund wissenschaftlichen Bemühens hierüber festgestellt Selbst wenn aber der Tatbestand der Volksver­
haben. Ob das eine oder das andere Bild richtig ist , kann hetzung durch das eine oder andere Zitat erfüllt sein
hier dahingestellt bleiben. Auszugehen ist jedo ch davon, sollte , was ich bestreite und n i cht erkennen kann, wäre
daß inso weit noch keineswegs von abschließend gesicher­ die Einziehung der beiden wissünschaftlichen Werke von
ten histo rischen Erkenntnissen gesprochen werden kamt Butz und Harwood im Hinblick auf Artikel 5 Abs. 3
Die offizielle Version dieses Themas stützt sich bis zum Grundgesetz unzulässig. Das ergibt auch die von mir
heutigen Tage auf allzu viel widersprüchliche und in zitierte Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts
ihrer Darstellung der technischen Vorgänge abso lut un­ ( oben S. 3). Das dort normierte Grundrecht der Wissen­
mögliche (also offensichtlich unwahre ) Zeugenaussagen, schaftsfreiheit kann durch § 130 StGB nicht beschränkt
Berichte und als " Dokumente " bezeichnete Papiere, werden. Denn diese Bestimmung könnte gemäß Ab s. 2
deren Authentizität teils fragwürdig, teils vo m Inhalt her
aaO. nur im Rahmen von Art . 5 Abs. 1 GG Anwendung
widerlegbar ist , teils im " Original " überhaupt nicht
finden . Art . 5 Abs. 2 GG bezieht sich nicht auf Art. 5
vorliegen und nicht überprüfbar sind . Ich verweise in
Abs . 3 GG.
diesem Zusammenhang nochmals auf meine Einlassung, Sollte allerdings durch das eine oder andere Zitat die
daß bis zum Jahre 1976 " noch kein einziger Wissen­
Menschenwürde der in Deutschland lebenden Juden
schaftler" sich bemüht hatte , sich nach den Originalen
wirklich verletzt und damit zugleich Art . 1 GG betro ffen
jener Nürnberg-NO-Dokumente zu erkundigen, die zu
sein so wäre allenfalls die Forderung nach einer Strei-
'
einem beachtlichen Teil den Sachverständigengutachten
chung oder Unkenntlichmachung dieses Zitats gerecht-
beim Auschwitz-Prozeß zugrundelagen, geschweige denn
fertigt , nicht aber die Einziehung des ganzen Werkes.
sie quellenkritisch durchgearbeitet hat . Bei so bestellter
Letzteres würde dem bei der Abwägung der verletzten
Sachlage sich auf Pro zeßergebnisse als der einzigen
Grundrechte zu beachtenden Verhältnismäßigkeits­
" Beweisquelle " zu stützen , dürfte selbst in normalen
grundsat z widersprechen . Ein wissenschaftliches Werk
Strafverfahren ( ich denke dabei an so genannte "Wieder­ darf nicht wegen eines oder auch mehrerer zu beanstan­
aufnahmeverfahren ") unüblich sein. Wie viel weniger
dender Zitate einfach insge samt konfisziert werden.
kann man daher die historische Wissenschaft mit so lcher
Ich bin der Ansicht , daß das Gericht eine
" Beweisführung " zu reglementieren suchen , dazu noch Nachprüfung von einzelnen Sachaussagen der Autoren
Ausländer ! Pro f. Butz und Richard Har wood veritigen muß . Ich
stelle daher nachfo lgende

Allgemeine j üdische Wochenzeitung, Düsseldorf den 1 3. J UN I 1 9 80 :


. . . . . .. . .
" Ein F oto von de r Ratstagu ng ( Tagung des Z e n tralrats der J uden in D eutschland, die Spitzenorgamsatlon der JOdisc hen <?em emden, ­
d. Hrsg. ) im vergangenen J ahr in Augsburg, bei der auch der B und�sj ustiz minister zugegen � ar. Untere
_

eihe (von hnks) : Werr� er
_
Nachmann, J ustiz min ister Dr. Hans-J ochen Vogel, Alexander Ginsburg. Obere Reihe (von lmks) : Dr. Sirnon Snopko wski, Juhus
Spo kojny, Hans Rosen thai und Paul Spiegel (Tagungspräsidium ) . "

20
sehen von einem hier nicht wesentlichen Exemplar
B ewe i sa nt r ä g e
im Bundesarchiv Koblenz).
Beweis : Sachverständigenzeugnis von
A) Die Behauptungen über die Millionen Vergasungs­ 1. Frau Dr. Ino Arndt,
opfer während des Krieges sind keineswegs wissen­ 2 . Prof. Dr. Helmut Krausnick,
schaftlich und dokumentarisch abgesichert, so daß 3. Prof. Dr . Martin Bro szat,
Zweifel darüber durchaus erlaubt sind . Nach dem sämtlich erreichbar über das Institut für Zeitgeschich­
Kriege ist in bezug auf dieses Thema recht um­ te in München, Leonrodstr. 43.
fangreich mit präparierten Zeugen und gefälschten D)Die Zahl " 6 Millione n " ist nur eine symbolische Zahl.
Dokumenten gearbeitet worden, was sich auch in Beweis: Prof. Martin Broszat, Leiter des Instituts für
Gerichtsurteilen innerhalb der Bundesrepublik Zeitgeschichte, München, Le onrodstr. 43. Prof. Broszat
Deutschland niedergeschlagen hat. hat dies als vereidigter Sachverständiger am 3. Mai 1979
Beweis : Sachverständigenzeugnisse von in einem Strafprozeß in Frankfurt/ M ausgesagt.

1 . Pro f. Hellmut Diwald 3. Historiker David Irving E) Bis zum Jahre 1976 hat sich kein inländischer und
2 . Dr. Alfred Schiekel 4. Prof. Ro bert Faurisson ausländischer Wissenschaftler nach dem Verbleib und
5. Dr. Wilhelm Stäglich, Vorhandensein der sog. "Nürnberg-NO-Dokumente",

6. Sachverständigengutachten der oben benannten Per­ deren "Abschriften vom Alliierten Original" als
"Beweismittel" den Sachverständigengutachten beim
sonen.
Auschwitzprozeß zugrundegelegt wurden, erkundigt.
B) Die kommunistischen Behörden Polens, der Sowjet­
Beweis:
union und der DDR haben wissenschaftliche Unter­ 1. Dr. Henke vo m Bundesarchiv in Koblenz
suchungen be- und verhindert, haben in die Bundes­ 2 . der Leiter des Staatsarchivs in Nürnberg
republik Deutschland einreisende Zeugen Vo rver­
nehmungen unterworfen und unter Druck gesetzt, F) Unter Geltendmachung vo n 6 Millionen getöteten
Entlastungszeugen nicht ausreisen lassen, Do kumen­ Juden sind entsprechend ho he und gegenüber der
teneinsicht verweigert und gefälschte Unterlagen be­ Vereinbarung von Luxemburg von 1952 weit über
nutzt. Ein weitaus überwiegender Teil von angezeig­ das zehnfache hinausgehende Zahlungsverpflichtun­
ten NS-Verbrechen stützt sich nur auf Vernehmungs­ gen der Bundesrepublik Deutschland vereinbart wor­
pro tokolle von Zeugen, ohne daß sie durch vo rlie- den. Millionen euro päische Juden haben den Krieg
gende Do kumente bestätigt wo rden sind. ·Ortsbe­ überlebt. Allein
60 0 . 000 überlebende jüdische KZ­
sichtigungen können auf Grund der inzwischen ein­ Insassen sind nach 1945 nach Israel ausgewandert.
getretenen Veränderungen in der Bebauung und der Beweis:
Vegetation nicht mehr zur Wahrheitfindung beitra­ 1. Zeugnis Nahum Goldmann unter Hinweis auf
gen. mehrere Seiten seines Buches "Das jüdische Paradox"
Beweis: Sachverständigenzeugnis von ("Wie man mit Geschichten erzählen Millio nen ver­
1. Oberstaatsanwalt Adalbert Rückerl dient") ;
Ludwigsburg, Leiter der Zentralen Stelle der (Anschrift erreichbar über das Bundeskanzleramt)
Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung
der NS-Verbrechen 2 . Zeugnis Dr. Birrenbach, Düsseldo rf, der die Ver­
2. Notar Dr. Fritz Steinacker handlungen mit der israelischen Regierung geführt hat
6 Frankfurt/M, Savignystraß e 80 und der über die Art lind Weise der Zahlungsfestsetzun­
Die seinerzeitige Anwaltsozietät Dr . Steinacker hat gen und Zahlungen unterrichtet ist.

im Auschwitzprozeß 1963-1965 verteidigt (vergl. das


Im übrigen bestreite ich die Zuständigkeit
Buch Dr. Hans Laternser "Die andere Seite des Ausch­
der Dortmunder Staatsanwaltschaft, da nur
witzprozesses"). Im Verhinderungsfall wird um Vorlage
§ 130 StBG zur Debatte steht.
der entsprechenden Unterlagen von Dr. Laternser (dieser
ist verstorben) ersucht. Udo Walendy

C) Spuren der Millionen Vergasungsopfer sind nicht "' i< >(. >{. >(. >(. >(. >(. >(. >(. >{. >(. >(. >(. >(. >(.>{. >(. >(. >{. >(. >(. >(. >{. >(. >(. >(. >{. >(. >(. >{. >(. >(. >{. >(.>(. >(. >(. >(. >(. >(.>(. >(. >(. >(. >(. >(. >(. 'f. "' "'
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Technische Nachprüfungen über die Vergasungen von "' "'
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Auf diesen Schriftsatz, für den eine Frist von � "'
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prüfung der Originaldokumente in bezug auf die dem
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A u schwitzprozeß zugrundegelegten Nürnberg­ "' "' · k " "'
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NO-Nr.-Dokumente hat keiner der Sachgutachter vor­ : t 1st eme Antwort erfolgt. "' "'
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geno mmen. Bis heute weiß niemand genau, wo sich "' � >(. >(. 'f. 'f. >(. 'f. 'f. JI. JI. 'I- 'f. 'f. JI. 'f. >(. >(. >(. JI. 'f. Ji. JI. 'f. 'f. 'f. 'f. 'f. 'f. >(. 'f. >{. 'f. 'f. 'f. 'f. >(. 'f. 'f. >f. >(. >{. 'f. 'f. >f. 'f. >(. 'f. 'f. "'"' "'"'
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diese Originaldokumente überhaupt befinden (abge- "' "' >{.'f. >(. >(. JI. JI. Ji. JI. JI. 'f. >(. 'f. 'f. >(. >(. 'f. >(. 'f. 'f. JI. JI.Ji. >(. JI. >(. >(. >(. >(. >(. >(. >(. >(. >(. >(. 'f. >(. >(.>(. >(. >(. >(. 'f. >(. >{. >(. >(.>(. : �

21
Da s A u s c h w i t z -
Pro z e ß
U rte i l
l n d�r �undesdeutschen �trafprozeß-Praxis bezüglich "Vol ksverhetzung" gegenüber auserwählte n Minderheitengruppen oder "Verher r·
.
hchung emer ehe mals gewah lten, dann aber als zu verungl impfende Unrechtspartei u nd ·Staatsform deklarierte "Gewaltherrschaft" (alle
anderen Herrschaften wa ren bekan ntlich friedliebend u nd regierten ohne Gewalt und Willkür), führen die Staatsanwaltschafte n
zunehrm:nd das "rechtsk �ä�tig gewordene" Auschwitz- Prozeß Urteil als Beweismittel für historische Tatbestände an. Mit diesem Urteil
. d�ß n.�hlhonen Juden vergast worden sein sollen u nd daß somit Zweifel an diesem "h istorischen Tatbestand" nicht nur
soll be_�,.,ll �sen �e_m,
�traf�urd1g se1 1m H 1 �bhck auf die Beleidigu ng der Angehörigen der jüdischen Opfer, sondern auch im H i nblick auf die Mißachtu ng
. gesicherter Erkenntmsse der Geschic htswissenschaft" u nd rechtskräftiger Gerichtsurteile der Bu ndesrepublik Deutschland.

Aus diesem Grunde ist eine eingehende Analyse der


3. ) Die bei nachfolgend en deut sc hen Geric hten anhän­
Urteilsbegründung j enes Prozesses aus den Jahren 1963
gigen sogen. N SG- Verfahren sind ge kennzeichne t von
1 9 6 5 , der weltweites Aufsehen gefunden hatte, längst
der weiterhin einseitigen Rec htsverfolgung Deutsc her
·

überfällig , zumal der Inhalt dieser Begründung d er


seitens der weisungsgebu ndenen Staatsanwalt schaften,
Öffentlichkeit so gut wie nicht bekannt ist .
einer m ehr oder weniger nac hhaltigen politisch-psycho­
Der Analyse j ener Urteilsbegründ ung ist kurz eine
logischen Einwirkung ausländischer Mächte und ihrer
Analyse der gesamten sog. NSG-Prozeßsituatio n , wie
innenpolitisch einflußreichen Gruppen (vornehmlich
sie praktisch seit 1 9 4 5 im b esiegten Deutschland vor­
auch Press e ) , dem langj ährigen zeitlic hen Abstand zum
liegt, voranzustell en :
Tatgeschehen, der zwisc henzeitlich veränderten Tat­
1.)
orte, dem Mangel an dokumentarischen Unterlagen für
Der Sieger diktierte 1 9 4 5 neues - sein eigenes -
das Tatgesc hehen, das aus po litischen Gründen nöti­
Recht im besiegten Deutschland. Die von ihm neu
gend wirkende Wohlverhalten insb. gegenüber den
geschaffene Rechtsstruktur legten die politischen
kommunistischen Ostbloc kstaaten und auch Israel, das
Führungen der Sowj ets, Briten, OS-Amerikaner und
Angewiesensein auf zum großen Teil ausländische Zeu­
Franzosen im Vertrag von London (L ondoner Statut )
ge n, die keiner Mein eidhaftung , dafür aber vielfach
vom 8 . August 1 9 45 fe st. Markanteste R ic htlinien :
staatlichen Einwirkungen ihrer eigenen Regierungen
Verbrechen können nur Deutsche und deren Verbün­
unterlagen. Auch ist zu erwähnen, daß Sachgutachten
dete begangen haben. Ihre Staatsform und Zielsetzung
waren grundsätzlic h verbrecherisch . Die Militärgerichte als Beweismittel dienten, deren Verfasser z . T . in gra­

sind an Beweisregeln nicht geb unden. " Allge mein be­ vierenden Fällen ( wie sich zumindest b is 1 9 7 6 , also
kannte Tatsachen" sind nicht im einzelnen zu unter­ auch für den Fall des Auschwitz Pro zesses nachweisen

suchen, sondern " von Amts wegen zur Kenntnis zu läßt ) entsc heidende Do kumente, die sie ihren Sachgut­

nehm en" . Die vom " I nternationalen Militärtribunal " achten zugrunde gelegt hatt en, gar nic ht quellenkri­

(IMT ) gegen die " Hauptkriegsverbrecher" " festgestell­ tisch überprüft oder (und ) um das Original nachge­

ten Tatsac hen" dürfen vo n keinem der nac hfolgenden forsc ht haben.

Militärgerichte ( oder Zivilgerichte ) untersucht o der


4. )
Der schließlich über alle bisher üblic hen V erjähr­
angezweifelt werden.
ungsfristen hinausgezogene zeitliche Abstand zum Tat­
2.)
geschehen konnte weder auf die Zeugen, noch die
Nach Beendigung der Besatzungszeit trat der über­
Beurte ilenden o hne E influß bleiben und hat den dik­
leitungsvertrag vom 30 . 3 . 1 9 5 5 an die Stelle des Be­
tatorischen Staatsführungen des Ostblocks , in deren
satzungsrec hts. Die meisten Besatzungsgesetze wurden
Ländern das Tatgeschehen stattfand, schier unbegrenz­
aufgehoben; bestehen blieben j edoch einige b ereits
te Möglichkeiten verschafft, sowohl Tatorte zu verän­
während der Besatzungszeit als deutsche Gesetze de­
dern, Zeugen unter Druck zu setzen, ihnen auch
klarierte Regelungen, einige Vorbehalte der Besatz­
Aussagen oder Ausreisen zu verweigern , als auch Pro ­
ungsmächte und die Formulierung im überleitungsver­
pagandamittel jedweder Art im Sinne der Anklage zu
trag, wonach die BRD alle Rechtsetzungen ( also Ge­
produzieren und Entlastungsmaterial zum V erschwin­
setze und Richtersprüche ) der Besatzungsmäc hte mit
d en zu bringen.
rückwirkender Kraft als re chtens anerkennt und sich
Aus allen diesen Gründen sind diese Prozeßergebnis­
verpflichtet, in der künftigen Gesetzgebung von der
se von der historisch en Wissenschaft nach den Krite­
hierdurc h vorge zeic hneten Rechtsauffassung auszu�
rien unabhängiger Forschung zu analysieren. So also
gehen.

22
E i ne us-amerikan ische Zeitu ng kommentiert d i eses B i l d mit den Worten:
1 2 0 . 0 0 0 Amerikaner japan ischer Absta mmung wurden Stu nden nach Pearl Harbor u mste l l t u nd in
E isenbahn-G üterwagen i n Konze ntrationslager i n die Wüste N evada transpo rtiert. ... D ie Verfolgu n g d er
Amerikaner j apan i sc he r Absta mmu ng im Zwe iten Wel tkri eg bedeu tete, daß d i e gesa mte Küstenregion vom
F B I für " Japa ner-frei" erklärt wu rde .
t n n n n nn n n u u n a n t t n t t t n n t t u t n t t n u
• • u u • n n t n t u t 1 na •• t n • • n • ' ' " n n n 1 1 n n a t t t n n n n • t l n

s. 1 7 :
auch die Begründung im Auschwitz-Prozeß Urteil. Die " Vom Beginn des Krieges bis zum März 1 942 stieg die Zahl
hier vorgelegte Analyse ist bewußt auf das Wesentliche der Schutzhaftgefangenen von 25 .000 auf rund 1 00.000 Per­
konzentriert , soweit in der Begründung Sac hverhalte sonen an. "
zur Sprac he gebracht wurden, die über die Beschuldi­ s. 2 1 :
" I m Verlaufe des Krieges trat aber immer mehr die bereits
gungen gegenüber den einzelnen Angeklagten hinaus­
seit 1 93 8 erkennbare Funktion der Konzentrationslager, Poten­
gehen und für die historische Wissenschaft von Bedeu­ tial für Arbeitskräfte zu sein, in den Vordergrund. S ie wurden
tung sind . Hat doch das Gericht gerade in dem Be­ riesige Zwangsarbeitslager, die außer für die S S-eigenen Betriebe
mühen, den Holocaust-Bereich von Ausc hwitz aufzu­ auch Arbeitskräfte für die deutsche Kriegsindustrie zu stellen
hellen, eine Vielzahl von Feststellungen getroffen, die hatte n . "
von der historischen Wissenschaft - ganz unabhängig s. 2 3 :
" . . . . beauftragte Himmler i m Winter 1 9 39/40 den Inspekteur
vom - (angeblic hen ) - Verhalten einzelner Angeklag­
der KL, Glücks, die Möglichkeit der Errichtung neuer Konzen·
ter analysiert und geprüft werden müssen . trationslager in den besetzten Ostgebieten zu prüfen. Glücks
Beachtenswerte Feststellungen in der Urteilsbegrün- berichtete am 2 1 . 2. 1 940, ' daß Auschwitz, eine ehemalige polni­
dung : s. 1 4 : sche Artillerie-Kaserne (Stein- unrl Holzgebäude ) nach Abstel­
"Allerdings wurde vo n der angedro hte n Todesstrafe i n den lung einiger sanitärer Mängel als Quarantänelager geeignet sei'.
KZ's zwischen 1 9 3 3 u nd 1 9 3 5 nur vereinzelt Gebrauc h gemacht, Das Gelände wurde am 1 7. und 1 8.4. 1 940 von einer vo n dem
da Ermittlungen durch die zuständigen Staatsanwaltschaften späteren Lagerkommandanten Höss geleiteten Kommission im
und An klageerhebung zu befürchten waren. Ab 1 9 3 5 na.hm man Auftrage des Inspekteurs der KL besichtigt. "
davon überhaupt Abstand, ließ die Strafandrohung aus Ein­ " Himmler beauftragte daraufhin am 4. 5. 1 940 Höss - offen­
schüchterungs- und Abschrec kungszwecken j edoc h bestehen. " sichtlich im Hinblick auf die große Zahl polnischer Häftlinge,
S. 1 5 : die in den genannten Gebieten durch die Sicherheitspolizei
" Ab 1 93 5 wurde den Lagerko mmandante n die Befugnis festgenommen worden waren und die Polizeigefängnisse über­
entzoge n, schwerere Strafen selbst zu verhängen. Auch die füllten, - 'i n kürzester Frist aus dem bestehenden Gebäude­
Prügelstrafe bedurfte der Genehmigung durch den Inspekteur komplex ein Durchgangslager für 1 0.000 Häftlinge zu schaffen. "
der Konzentrationslager. " - Mißhandlungen und Tötungen s. 2 5 :
kamen jedoch - wenn auch nicht als offiziell verhängte Strafe n " M it dem Ausbau des Lagers Birke nau wurde i m Oktober
- weiter vor. 1 9 4 1 begonnen. Er erfolgte in mehreren Bauabsc hnitte n. Der
s. 1 7 : Plan, 600 Baracken für insg. 200 .000 Gefangene zu errichte n,
" Nach der sog. Reichskristallnacht ( 9. 1 1 . 1 9 3 8 ) wurden ca. wurde jedoch bis Kriegsende nicht mehr verwirklicht. An
30.000 J uden zusammengetrieben und auf Befehl Hitlers in die SS-eigenen Produ ktionsstätten wurden u. a. die S S-Wirtschafts­
Konzentrationslager eingewiesen. Hierdurch wollte man auf die betriebe ' Deutsc he Ausrüstungswerke ' (DAW) , 'Deutsche Erd­
jüdisch-deutschen Bürger einen Druc k ausüben, das Reichsgebiet u nd Steinwerke' und andere errichtet. In dem polnischen Ort
zu verlassen. Die meisten J uden blieben allerdings nur einige Reisko - wenige Kilometer vom Lager entfernt - e ntstand ein
Wochen in den Lagern und wurden entlassen, wenn sie sich großer, SS-eigener landwirtsc haftlicher Betrieb mit einer SS­
verpflichtet hatten, aus Deutschland auszuwandern. " eigenen Versuchsanstalt unter der Leitung des SS-Sturmbann-

23
führers Dr. Cäsar. In Harmense - ebenfalls nur einige Kilometer " Zum Bereich des Lagers Birkenau gehörten auch zwei
vom Lager entfernt - wurden SS-eigene Fischteiche angelegt. nordwestlich vom Lager im Gelände liegende Bauernhäuser, die
Ab F rühjahr 1941 wurden ständig Häftlinge aus dem KL­ im Jahre 1942 zu Vergasungsanstalten umgebaut worden sind.
Auschwitz der IG- Farbenindustrie zur Errichtung eines Buna­ ... Ferner gehörten zum Lager Birkenau vier west lich vom Lager
Werkes ca 7 km vom Lager entfernt zur Verfügung gestellt. Die im J ahre 1943 errichtete Krematorien mit Gaskammern (die
IG- Farbenindustrie errichtete 1942 für die Häftlingsarbeiter , die Krematorien I - IV) , die ebenfalls der Tötung unzäh liger
zunächst täglich den Weg von und zum Werk z urücklegen Menschen dienten. "
mußten, in unmittelbarer Nähe des Buna-Werkes das Häftli ngs­ s. 32 :
arbeitslager Monowitz. Weitere kleine Häftlingslager entstanden " I m November 1943 wurden die Lager Birkenau und Mono­
bei anderen Industriebetrieben im oberschlesischen Raum, aber witz organisatori sch verselbständ • gt. Das gesamte KL Auschwitz
auch in weiterer Entfernung (z.B. bei Brünn), so daß schließlich wurde in die Lager Auschwitz 1 (Stamm lager) , Auschwitz II
zum KL Auschwitz nicht nur das zunächst errichtete Lager (Lager Birkenau) und Auschwitz 111 (Lager Monowitz mit
(Stamm lager) und das Lager Birkenau, sondern außer Mono­ sämtlichen Nebenlagern) geteilt. Die Lager B irkenau und Mono­
witz, dem größten der Außen lager, weitere 38 Auße nlager witz mit Nebenlagern erhielten eigene Lagerkommandanten und
gehörten. " Adjutanten. Es feh lten ihnen jedoch eine eigene Fernschreib­
s. 29: stelle, eine eigene Politische Abteilung, eine eigene Fahrbereit­
" Das Lager Birkenau - ebenfalls ein Rechteck -, mit dessen schaft und ein eigener ärztlicher Dienst. "
Bau im Oktober 1941 begonnen wurde, umfaßte eine F läche s. 34 - 35 :
von 170 Hektar. E s wurde in drei Bauabschnitten errichtet. .... " a) Die Aufnahmeabteilung.
Der ganze Absc hnitt B I bildete nun (1943) das Fraue nkonzen­ Ihre Aufgabe war es, eingelieferte Schutzhaftgefangene
trationslager. Auf dem Bauabsc hnitt B II (in den 1943 die aktenmäßig zu erfassen. Für j eden Häftling wurde eine Kartei­
Männer verlegt wurden) wurden Barac ken nach dem Muster der karte angelegt u nd ein Personalbogen ausgefüllt. Die Häftlings­
Wehrmachtsp ferdestallbaracken errichtet. Sie hatten keine Fen­ akte n, die entweder von der einweisenden Dienstste lle übersandt
ster, sondern nur Öffnungen an ihre n Schm alseiten. Das Haupt­ oder bei der Aufnahme des Häftlings neu angelegt wurden,
tor des Gesamtlagers befand sich an der Ostseite zwischen den wurden in der zur Politischen Abteilung gehörenden Registratur
Abschnitten B I und B II. Durc h dieses Tor wurde im J ahre aufbewahrt. Dort befand sich auch die Kartothek, in der
1943 ein Anschlußgleis vom Bahnhof der Stadt A uschwitz in sämtliche im Lager lebenden Häftlinge karteimäßig erfaß t
das Lager geführt und zwischen den Ab schnitte n B I und B II waren. Starb ein Häftling, so wurde seine Karteikarte aus dieser
ei ne Rampe mit drei Schienensträngen errichtet. Sie wurde - wie man im Sprachgebrauch des Lagers sagte - 'Lebenden­
Anfang oder Frühjahr 1944 fertig. Sie erlangte besondere Kartei' herausgenommen und in die sog. ' T oten- Kartei ' abgelegt.
Bedeu tung bei der Massenvernic htung von j üdischen Me nschen Die Aufnahmeabteilung gab an j eden neu in das Lager aufge­
in den Gaskammern, von Birkenau, .... ' ' nomme nen Häftling eine Nummer aus. An Hand der für die
s . 30 : Neuzugänge angelegten Personalbogen wurden dann Zugangs­
" D er größte Teil der J uden wurde im März u nd J uli des listen in elf- oder zwö lffacher Ausfertigung geschrieben, die den
Jahres 1944 in den Gaskammern von Birkenau getötet, während einze lnen Abteilungen des Lagers, der Bekleidungskamm er,
ein Teil der arbeitsfähigen Juden in andere Lager verschickt Effe kte nkammer usw. zugestellt \4'urden.
wurde. " Personen, die sofort nach ihrer Einlieferung durch
s. 30 - 31 : Erschießen oder durch Gas getötet werden sollten und auch
" Der Lagerabsc hnitt B II a war das Quarantänelager. Hierher getötet wurden, wurden nicht durch die Aufnahmeabtei lung in
kamen zunächst die Neuankömm linge, bis sie auf die andere n die Lagerstärke aufgenommen."
Lagerab schnitte verteilt wurden. s. 43:
In dem Lagerabschnitt B II b befand sich das sog. tschechi­ " Die A ngehörigen des Wachsturmbannes (etwa Bataillons­
sche Familienlager, auch Theresienstädter-Lager genannt. Es stärkt") ware n nic ht berechtigt, das Schutzhaftlager zu betreten.
entstand im September 1943. .... Die Begfeitposte n für die Arbeitsk ommandos nahmen die Kom­
Der L agerabschnitt B II c wurde im J ahre 1944 mit ungari­ mandos morgens nac h dem Ausrücken aus dem Lager vor dem
schen Frauen be legt. Lagertor in Empfang. Der Führet des Wac hsturmbannes sollte
Im Lagerabschnitt B II d befanden sich arbeitsfähige Männer. a lle Führer, Unterführer und Mannsc haften seiner Einheit ein­
Im Block 11 dieses Lagers war die Strafkompanie (SK) unter­ ge hend über ihre Pflichten auf Wache, bei der Gefangenenbe­
gebracht. Bloc k 11 war von den anderen Baracken isoli.ert und gleitung, über den Gebrauch der Schußwaffe, den Umgang mit
besonders gesichert. Häftlingen, insb. aber über das Verbot der Häftlingsmißhand­
B II e war das Zigeu nerlager. In ihm waren Zigeuner lung belehren bzw. durch die Kompanieführer belehren lassen.
familienweise bis zu ihrer Vernichtung im Jahre 1944 unterge­ Belehrungen waren ständig durch die Kompanieführer zu wie­
bracht. derholen. Verstöße gegen das Verbot der Häftlingsmiß handlung
B II f war das Männerkrankenlager. sollten streng bestraft werden. "
An der Westseite des Bauabschnittes B II befand sich noch s. 48 :
ein weiteres Barackenlager, das ' E ffektenlager ', in der Lager­ " Bei Regenwetter verwandelte sich das Lager Birkenau - vor
sprache ' Lager Kanada' genannt, in dem die den J uden abge­ allem das Zigeu nerlager (B II e) - in einen Morast. Der zähe
nommenen Gepäckstücke, Kleidung, Schmuck, Uhren usw. ge­ Schlamm klebte am Schuhwerk bzw. an den Holzpantinen der
lagert und sortiert wurden. " GefangeneiL "
"In dem gesamten Lager Birkenau waren zur Zeit der " Die sanitären und hygienischen Verhältnisse in Birkenau
Höc hstbelegstärke ( 1943) rund 100. 000 Häftli nge unterge­ waren völlig unzureichend. In Birkenau und Umgebung gab es
brac ht, während das Stammlager nach seiner Erweiterung und überhaupt kein Trinkwasser. A lle Brunnen waren von Kolibazil­
der Aufstockung der S teingebäude nur eine durchschnittliche len verseuc ht. Vorhandene Wassertümpel waren voller Stech­
Belegstärke von 18. 000 Personen hatte. " mücken. Das ganze Gebiet war für ein Lager mit einer großen
" Der Bauabschnitt 111 wurde bis zur Evakuierung des Lagers Anzah l von Menschen vö llig ungeeignet. Durch den Bau eines
am 18 .1.1945 nicht mehr vollendet. " Entwässerungsgrabens, des sog. Königsgrabens, bei dessen Bau

24
viele Häftlinge starben, sollte eine gewisse Verbe sserung erre icht dies nicht immer bekannt. Eines Tages kam plötzlich der Befehl
werde n." des R SHA oder des Befehlshabers der Sipo, daß bestimmte
s. 50: Häftlinge als Geiseln zu erschießen seien. Die Betroffe nen
" Erst nach der Dreiteilun g des Lagerbere iches (November wurden dann von ihren Arbeitskommandos geholt u nd in de n
1943) und der Ablösung des ersten Lagerkom mandant en Höss Arrest eingeliefert. Vo n dort wurden sie dann zur Exekution
durc h de n SS-Sturmbannführer Liebehen schel besserten sich die geführt. In der ersten Zeit erfolgten diese an der Kiesgrube
allge meinen Verhältni sse allmählich. Die (hohe) Sterblich keit durch ein Exekutionskommando. Später wurden die Geiseln an
(die auch die höheren Dienststellen beunruhigt hatte ) ging etwas der schwarzen Wand durch Genickschüsse getötet.
zurück. " Konkrete Fälle von . Geiselerschießungen konnten nicht fest­
s. 5 2 : gestellt werden, d. h. Namen von auf diese Weise Hingerichteten
" I m KL Auschwit z war e s - wie in allen übrigen Konzentra- und Namen von SS-Angehörigen, die solc he Geiselerschießungen
tionslagern - alle n SS-Angeh örigen untersagt , die Häftlinge zu durchgeführt habe n. "
mißhande ln oder gar zu töten. üb er dieses Verbot wurden sie s. 7 2 :
immer wieder belehrt. Jeder im KL-Auschwitz eingesetzt e SS­ "Wieviel russische Kriegsgefangene aufgrund de s OKW-Be­
Angehörige mußte eine schriftlich e ehrenwörtliche Verpflich­ fe hls und den auf ihm beruhe nden Weisungen und Richtlinien
tung unterschr eiben, die zu seinen Personalakte n genomme n des Chefs der Sipo und des SD im Konzentrationslager Ausch­
wurde und die folgenden Wortlaut hatte : witz erschossen worden sind, bzw. durch Gas oder anderweitig
' Über Lebe n und Tod eines Staatsfeindes entscheid et der getötet wurden, ko nnte nic ht geklärt werden. "
Führer. Kein Nationalso zialist ist daher berechtigt , Hand an
s. 73:
einen Staatsfein d zu legen oder ihn körperlich zu miß handeln.
" I m Häftlingskrankenbau wurden fast täglich v o n den Häft­
Bestraft wird jeder Häftling nur durch den Kommandanten. '
lingen, die sich krank gemeldet hatten und dem Lagerarzt nach
· . .. Bei der höheren Führung im WVHA (Amtsgruppenchef
einer Untersuchung durch einen Häftlingsarzt vorgestellt wur­
Glüc ks) galt es als selbstvers tändlich, daß ein SS- Unterführer,
den, diejenigen ausgesondert, die der Lagerarzt als arbeitsun­
Kommandoführer oder Wachpost en einen H äftling we der schla­
fähig ansah. Anschließe nd wurden sie durc h Phenolinj ektionen
gen noch stoßen, ja nicht einmal berühren dürfe. "
getötet. Die Anzahl der auf diese Weise getöteten Häftlinge
s. 5 5 - 56:
konnte nicht festgestellt werden. Es waren auf j eden Fall
" So wenig sic h die SS-Angeh örigen im KL-Ausch witz - von
mehrere Tausend. ...
Ausnahm en abgesehen - um die Richtlinie n über die Häftlings­
Die Anzahl der durc h diese sog. kleinen Selektionen ausge­
behandlung kümmerte n, so wenig beachtete n sie andere Vor­
suchten u nd anschließend durch Phenol getöteten Häftlinge
schriften und Befehle. Allen war unter schwerste n S trafe n
konnte ebenfalls nicht festgestellt werden . . . .
verboten, sich an Häftlingsgut zu vergreife n. Es gab aber kaum
Außer die sen kleinen Selektionen fanden i n gewissen Zeit­
SS-Angeh örige, die sic h am Geld, den Devisen, Wertgege nstän­
abständen sog. große Selektionen im HKB statt. Bei diesen
den, an der Wäsc he und Kleidung und andere n Dingen, die man
großen Sele ktionen mußten alle kranke n Häftlinge, die im HKB
den zur Vernichtung nach Auschwit z verbrachten J uden abge­
lagen, dem Lagerarzt nackt vorgeführt werden. (Die Bettlägeri­
nommen hatte, bereic herten. . . .
gen werden in der Urteilsbegründung nicht erwähnt, - d. Hrsg. )
I m KL Auschwit z war alles käuflich. Alles hatte seinen Preis.
Durch einen Blick entschied dann der Lagerarzt, ob ein Kranker
Die Korruptio n untergrub die Manneszu cht und Disziplin. Die
weiter im HKB bleiben könne oder ob er zu töten sei. Häufig
Autorität der SS- Führer und Unterführer ihren Untergebe nen
wurden bei solchen großen S elektionen 200 bis 300 Häftlinge
gegenüber war meist gering. Die Vorgesetz ten konnten sich
zur Tötung bestimmt. Ihre Fieberkurven wurden auf die
ihre n Untergeb enen gegenüber nicht durchsetzen, weil diese von
Schreibstube gebracht, wo eine Liste mit den Nummern der für
ihren Verfehlungen und ihrer Bestechlic hkeit wußten. F ast j e der
den Tod bestimmten Häftlinge erstellt wurde. Ein oder zwei
hatte den anderen in der Hand. Alkoholexze sse waren häufig.
Tage später wurden die ausgesuchten Häftlinge dann aufgerufe n,
Nicht selten verric hteten SS-Angeh örige aller Dienstgrade in
auf LKWs verladen und in die Gaskammern gebracht, wo sie
betrunkenem Zustand ihren Dienst, ohne daß Vorgeset zte ein-
durch Zyklon B getötet wurden. Die A nzahl der auf diese Weise
schritten. Mit Kapos, Blockältesten oder andere n bevorzugten
getöteten Häftlinge konnte ebe nfalls nicht mehr festgestellt
Häftlingen hielten sie Trinkgelage ab, ohne sich um die Vor­
werden. "
sc hriften zu kümmern, die solc he Ko ntakte untersagten. Manche
ließen sich auch mit Häftlingsfrauen, auch Jüdinne n und Zigeu­ s. 7 4 :

nerinnen, in intimen Verkehr ein, was ebe1;falls unter schwerster " Schließlich fanden vo n Zeit z u Zeit sog. Lager-Selektionen
Strafe verboten war. Auch sonst hielte n SS-Männer nicht die statt, .. . sowohl im Stammlager als auch in den verschiedenen
befo hle ne Distanz zu den Häftlingsfrauen. Lagerabschnitten des Lagers in Birke nau. Die Häftlinge mußten
Disziplinlosigkeiten, Ungehorsam , schlec htes Benehmen in bei diesen Sele ktionen nackt antreten. Ihre Arbeitstauglichkeit
der Öffentlic hkeit, insb. Fraue n gegenüber, mußten immer wurde von den SS-Lagerärzten mit einem Blick geprüft . . . . Nach
wieder in Standort- und Kommandanturbefe hlen und sonstigen wenigen Tagen wurden dann die ausgesonderten Menschen mit
Befehle n gerügt werden, ohne daß eine Besserung eintrat. Auch LKWs zu den Gaskammern gebracht und dort durch Gas
gerichtliche Verfahren, die von der SS- Gerichtsbarkeit gegen getötet. .. . .
eine große Anzahl von SS-Angehörigen, auch Führer, wege n O b und inwieweit diese Ausmusterungen aufgrund von Be­
Bereicherung an Häftlingsgut, Veruntreuung, Diebstählen usw. fehlen des R SHA oder des WVHA erfolgt sind, konnte nicht
durchgeführt wurden und in der Mehrzahl mit schweren Strafe n ge klärt werden. "
ftir die Betro ffenen endeten, änderte a n der allgemeinen Korrup­ s. 8 1 :
tion und Disziplinlosigkeit in Auschwitz nichts. " " D ie Tötungen wurden vielmehr stets mit Worten um schrie­
s. 66 : ben wie ' So nderbehandlung', ' Evakuierung', 'J udenum siedlung'
"Auch in das KL-Auschwitz wurden solche Geiseln eingelie­ und ähnlichen Ausdriic ken. Alle Aktionen wurden unter Ein­
fert. Sie saßen oft längere Zeit im Lager und gingen, wie die haltung strengster Geheimhaltungsvorschriften durchgeführt.
andere n Häftlinge, auf Arbeitskommandos. Oft wußten �ie Niemand, der nicht unmittelbar damit befaßt war, durfte etwas
selbst nicht, daß sie Geiseln ware iL Auch der Lagerführu ng war davon erfahren. "

25
s. 8 1 : Tötung der immer dichter werdenden Transporte nicht aus­
" H ö ss, der erste Lagerkommandant von Auschwit z, erhielt re ic hte, wurde noch ein weiteres Bauernhaus in der Nähe des
im Somme r 1 9 4 1 vom R F S S den B efehl, im KL- Auschwitz die ersten zu einer Gaskammer umgebaut und zusätz lic h als Ver­
Vonaussetzungen für die Massentötungen von Juden z u schaf· nichtungsstätte b enutzt. B eide Gaskammern wurden auch B un­
fen. Dabei wurde ihm strengstes Stillschweigen auch Vorge setz· ker I und II genannt. Die Leichen der getöteten Menschen
ten gegenüber befohlen. Von Eichmann wurde H ö ss näher in die wurde n z un ächst in großen Grub en begraben, später in langen
beabsichtigten Vernic htungsaktio nen eingeweiht. Mit ihm be­ Gräben verbrannt. ' '
sprach er, wie die T ötung der J uden im Lager Auschwitz s. 83:
durchzuführen sei. Beide kamen übere in, daß als Tötungsm ittel " . . . wurden die größeren Kre • natorien (Krematorium I und
nur Gas in Frage käme, ... " Krematorium 11), die we stlich vo m Lagerabschnitt B I und B II
s. 8 2 : lage n , im F rühjahr 1 9 43 in Betrieb genommen. Die beiden
" Wann genau die ersten J udentransporte i m Rahmen der sog. kleinere n Krematorien ( Krematorium 111 und Krematorium I V )
'Endlösung der Ju denfrage ' in Auschwitz angekommen sind, wurden ebenfalls im Jahre 1 94 3 vo llen det u n d in Betrieb
ließ sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen. " geno mmen. "
" Ab Anfang 1 9 42 kamen größere RSHA- Transporte aus s. 8 4 :
Osto bersc hlesien an, denen dan n fast u nunterbrochen bis Herbst " Die Anzahl der getöteten jüdisc hen Menschen, die mit sog.
1 944 eine nicht mehr festzustell ende Zahl vo n Transporten aus RSHA- Transporte n nach A uschwitz deportiert worden sind,
allen be setzte n Ländern Europas folgte . " konnte auch nicht annähernd fe stgestellt werden , da sichere
s. 8 3 : Beweisunterlage n fehle n . "
" Ursprünglich sollte n nach d e m Befe hl Himmlers alle m it s. 8 4 :
sog. RSHA- Transp orte n angekommenen Menschen getötet wer­ " Allein im J ahre 1 9 44, als i n großem Umfang ungarische
den. Dies gesc hah auch bei den ersten Transporten aus Ostober­ J ude n nach Auschwitz deportiert und m it Ausnahme der als
schlesien. Bald aber erging ein we iterer Befe hl, daß alle arb eits­ arbeitsfähig Ausgemusterten get ötet worden sind, wurden in
fahige n J uden, Männer und Frauen, aus den Transporte n auszu­ den Monate n z wischen Mai und O ktober m ehr als eine halbe
suc hen und im Lager für Rüstungszwec ke einzusetzen seien. I n Million jüdischer Menschen getötet. "
der F olgezeit wurd en dann jeweils aus d e n R SHA-Transporten ( Diese F eststellung des Gerichts würde bedeuten: 6 Monate =
zwischen 1 0 und 1 5%, in seltenen Ausnahm efällen auch m ehr, 1 80 Tage = 2. 7 7 7 Getötete pro Tag, verbrannt in 4 Krematorie n
jedoch nie über 25% arbeitsfähiger Männer und F raue n aus den = pro Krematorium 700 E inäscherunge n in 24 Stunden = 29 pro
Transp orten ausgesucht, die dann in das Lager aufgenommen Stunde = eine Einäscherung in zwei Minuten; " m ehr als eine
wurden. Alle anderen jüdisc hen Mensc he n wurden durch Gas halbe Million " zuzüglich der als arbeitsfähig Ausgesonderten
getötet. Bevor der Umbau des Bauernhauses vollendet war, sprengt den Rahmen aller bisher, selbst hochgerechneter histori­
erfolgten die Tötungen durch Gas im kleine n Krem atorium . Ab sc he n A ngaben über deportierte ungarische J uden, - d . Hrsg. )
Som mer 1 9 4 2 diente das inz wischen in eine Gaskam m er umge­ s. 9 5 :
baute Bauernhaus als Vernic htungsstätte Da seine Kapaz ität zur
.• " D ie ' Abwic klung' eines für die Vernic htung bestimmten
RS HA- Transportes war bis ins einzelne organisiert. "
s. 96 :
" Dabei trennten die S S-U nterführer und SS-Männer Fraue n
mit Kindern, alte Menschen, Krüppel, Kranke und Kinder unter
1 6 Jahren als arbeitsunfähig von den anderen und ließen sie
ge sondert Aufstellung nehmen. Die übrigen Männer und Fraue n
traten in getre nnten Kolonnen in Fünferreihen an . . . . .
Aufgabe d er Ärzte war es, die Arbeitsfähigen aus den
vorbeimarschierenden Me nschen (die nicht von vornherein als
arb eitsunfähig ausgesondert ware n) auszuwähle n. Dies geschah
nach. o berfläc hlicher Betrac htung
s. 9 7 :
" Ab und zu kam es auch vor, daß ein TranspQrt aus
beso ndere n Gründen geschlo ssen in das Gas geführt wurde. Die
Arbeitsfähige n wurden später unter Bewachung eines SS-Kom­
mandos in das Schutzhaftlager geführt, dort gebadet, geschore n,
einge kle idet und dann in der Aufnahmeabteilung der Politischen
Abteilung karte imäßig erfaßt und in die Lagerstärke aufgenom-
men. ' '
s. 96:
" D as Gepäc k blieb auf Befehl der S S-Männer i n den Wage n
zurück. Es wurde von einem Häftlingskommando unter Führung
eines S S- Unterführers oder S S-Mannes ausgeladen, auf die LKW s
gebracht und dann in das bereits oben erwähnte Lager 'Kanada '
gefahre n. "
s. 9 7 :
"Von ihrem bevorstehe nden Tod ah nt en sie nichts. Die
ange ko m menen Menschen durften sich auch nicht unter einan­
der unterhalte n. "
s. 9 8 :
Adolf H itler am 2.April 1938 " Kranke und nicht gehfähige Personen wurden ab Herbst
in München - H ol ocaustplanu ng? 1 9 42 m it Lastkraftwagen der Fahrb ereitschaft, die im Septem-

26
her 1 942 eigens zu diesem Zwec ke angeschafft worden waren, Aussagen der Zeugen Philipp Müller, Kagan, Wasserström , Laks
zu den Gaskamm ern transportiert. und Vrba. Mit den kleinsten Transporten wurden somit min­
Als die erste n RSHA-Transporte noch im kleinen Kremato­ destens 1 . 000 Menschen nach Auschwitz deportiert. Diese
rium vergast wurden, mußten sich die Menschen im Vorhof Mindeststärke hat das Schwurgericht der Feststellung der unter
dieses Krematoriums entkleiden. Sie wurden dann nackt und der M itwirkung des Angestellten Mulka getöteten Opfer zu
ahnungslos in den Vergasungsraum hineingetrieben. Wenn alle, Grunde gelegt. Von ihr war die Zahl derjenigen jüdischen
die sich in dem Vorhof entkleidet hatten, im Vergasungsraum Menschen abzuziehen, die als arbeitsfähig ausgesondert und in
waren, wurde dieser von auße n verriegelt. Zwei SS-Männer, die das Lager aufgenommen worden sind. Es waren zwischen 10
dem sog. Vergasungskommando angehörten und im Umgang m it und 1 5%, in seltenen Fällen mehr, jedoch nie über 25%. Das
Zyklon B ausgebildet worden waren, schütteten dann Zyklon B ergibt sich ebenfalls aus den Einlassungen der Angeklagten, dem
durch zwei Öffnungen von oben in den Vergasungsraum Broadbericht, der von 10 bis 1 5% spricht, und den Aussagen
hinein. " einer Vielzahl von Zeugen. "
s. 9 9 : s. 1 2 8 :
" Bei den umgebauten Bauernhäusern, in denen die RSHA­ " D iese Arg- u nd Wehrlosigkeit hat man bei den Tötungs­
Transporte ab Sommer 1 942 in gleicher Weise mit Zyklon B aktionen bewußt ausgenutzt, um die A ktionen schnell und
getötet wurden, befanden sich me hrere Baracke n, in de nen sich planm äßig durc hführen zu kö nnen. Die Aktionen verliefen
die zum Tode bestimmten Menschen auszukleiden hatten. Schil­ daher fast ausnahmslos ohne Zwischenfälle . "
der mit der Aufschrift ' Zum Baderaum' u nd zur ' Desinfektion' s. 1 3 1 :
wiesen zu den Gaskammern in den umgebaute n Häusern hin. " . . . . ist das Verbot der Tötung anderer Me nschen - auch der
Die Schilder sollten den Menschen vorspiegeln, daß sie gebadet jüdischen Menschen -· im NS-Staat nie, auch nicht durch den
und desinfiziert würden. Auch hier gingen die Mensche n Geheimbefehl Hitlers, aufgehob en worden. Dies ist leicht daraus
ahntmgslos in die Gaskammern hinein. Nach der Verriegelung zu ersehen, daß die Tötung eine s J uden durch andere (gleich­
der Gaskammern wurde das Zyklon B eb enfalls von A ngehöri­ gültig ob durc h Z ivilisten oder Militärpersonen) auch im NS­
gen des Vergasungsko mmandos durch Ö ffnungen von oben in Staat nac h § 2 1 1 verfolgt und bestraft wurde. Selbst Angehörige
die Vergasungsräume hineingeschüttet. " der Polizei und SS wurden, wenn sie J uden eigenmächtig
s. 99:
töteten, zur Verantwortung gez ogen. Dabei ist es unerheblich,
" Für die Krematorien I - IV, bei denen sich die Entkleidungs­ daß in solchen Fällen häufig nur geringe Strafen ausgesprochen
und Vergasungsräume unter der Erde und die Verbrennungsöfen wurden.
über der Erde, jedoch im gleichen Gebäude befanden, . . . .
"
Hitler hat sich nur unter Mißbrauch seiner Machtfülle über
s. 1 0 0 : das auch für ihn geltende in § 2 1 1 StGB enthaltene Tötungs­
" . . . in den Gaskammern der Krematorien I und I I ( hatte verbot hinweggesetzt und seine strafrechtliche Verantwortung
man) Attrappen von Brausen angebracht, die einen Duschraum kraft seiner unumschränkten Macht verhindert und auch die
vortäuschen sollten. Zur Tarnung der in der Decke befindlichen Bestrafung seiner die Tötungsbefehle ausführenden Komplizen
Öffnunge n, durch die das Zyklon B von außen hineingeschüttet kraft seiner faktisc hen Macht unmöglich gemacht. "
wurde, hatte man aus durc hlöchertem Blech beste hende hohJe s. 1 3 5 :
Säulen installiert, die vom Boden bis zur Decke reichten und di e " Nach § 4 7 MSTGB (Militärstrafgesetzbuch, auch für A n­
Öffnungen verdeckten. In den Säulen befanden sich Spiralen, gehörige der Waffen- S S verbindlich) war grundsätzlich der Vor­
die das ge körnte Zyklon B nach dem Einschütte n verteilten. gesetzte allein verantwortlich, wenn durc h die Ausführung eines
In den Krematorien Ill und IV waren keine imitierte n Befehls in Dienstsachen ein Strafgesetz verletzt wurde. J edoch
Brausen und keine Säule n. Hier wurde das Zyklon B durch ein traf den gehorchenden Untergebenen die Strafe des Teilneh­
kleines Seitenfenster von den Angehörigen des Vergasungs­ mers, wenn er entweder den erteilte n Befehl überschritten hatte
kommandos hineingeschüttet. " (Abs. 1 Nr. 1 ) oder wenn ihm bekannt gewesen ist, daß der
S. 1 0 0 : Befehl des Vorgesetzten eine Handlung betraf, welche ein
"Während des Einschütte ns des Zyklon B überwachte er (der allgemeines oder militärisches Verbrechen oder Vergehen be­
Arzt) die damit beschäftigten Desinfe ktoren, um im Falle einer zwec kte. (Abs. 1 Nr. 2 ) "
Vergiftung sofort eingreife n und ärztliche Hilfe geben zu kön­ s. 1 5 1 :
nen. Danach beobachtete er durch ein Guckloch den Todes­ " Andererseits waren alle Beihilfehandlungen bereits zur Tat­
kampf der eingeschlossenen Menschen. Waren nach seiner Mei­ ze it mit der Todesstrafe bedroht, an deren Stelle j etzt die
nung alle tot, gab er dem SS-Kommandoiührer den Befehl zum lebenslange Zuchthausstrafe tritt. Für die nach dem Inkraft­
Öffnen der Gaskammer. Dann stellte er den Tod der Opfer fest treten der Verordnung vom 29. 5 . 1 943 (RG BI. Seite 34 1 )
und gab die Leichen zur Verbre nnung frei. Die Leichen wurden begangenen Beihilfe handlungen ergibt sich das unmittelbar aus
nun von einem jüdischen Sonderkommando, das in Block 1 3 des den durch diese VO geänderte n Bestimmungen der § § 44 und
Lagerabschnittes B II d - isoliert von den anderen Häftlingen 49 StGB. Aber auch die vor lokrafttreten dieser VO von den
des Lagers - und später in den Krematorien selbst unterge­ Angeklagten geleisteten Beihilfehandlungen zum Mord waren
bracht war, herausgezerrt. In den Krematorien I bis IV wurden bereits mit der Todesstrafe bedroht. Das ergibt sich aus § 4 der
sie anschließend, nachdem ihnen durch Häftlinge die Goldzähne VO gegen Gewaltverbrec her vom 1 5 . 1 2. 1 9 39 (RGBI, S. 2 3 7 8 ) . "
entfernt und den weiblichen Leichen die Haare abgeschnitten
worden waren, in den Verbrennungsöfen verbrannt. Von den s. 1 87 :
Vergasungsräumen waren Aufzüge zu den Öfen gebaut worden, " Die sog. Bunkerentleerungen und die nachfolgende n Er­
damit die Leichen schneller zu de n Verbre nnungsö fen transpor­ schießungen erfolgten ohne Urteil eines Gerichts, auch nicht auf
tiert werden konnten. " Grund eines Standgerichtsurteils oder eines Exekutionsbefehls
s. 1 2 6 : einer höheren Dienststelle (z.B. des RSHA) . Sie wurden eigen­
" I m Jahre 1 942 und i n der ersten Zeit des Jahres 1 943 mächtig von den an den Bunkerentleerungen teilnehmenden
schwanktt• die Stärke der RSHA-Transporte zwischen 1 .000 und S S. Angehörigen durc hgeführt.
3 . 0 0 0 Personen. Dies ergibt sich aus den Einlassungen der Im Jahre 1 943 wurde gegen Grabner ein Ermittlungsverfah­
Angeklagten, soweit ihnen gefolgt werden konnte, und den ren wegen dieser eigenmächtigen Erschießungen eingeleitet, das

27
zur Anklageerhe bung gegen Grabner wegen Mordes in min­ s. 404:
destens 2.000 F ällen bei dem SS- und Polizeigericht in Weimar Der Angeklagte Kaduk hat i n Abrede gestellt, jemals Häft­
führte . Die Hauptverhandlung vor diesem Gericht, das unter linge in Auschwitz getötet zu haben. Im Quarantänelager in
Vorsitz des Zeugen Dr. Hansen tagte, wurde j edoch nicht bis zu Birkenau habe er - so hat er sich eingelassen - nie dienstlich
Ende durchgeführt, sondern zur weiteren Aufklärung vertagt, etwas zu tun gehabt. Er sei nur im Stammlager eingesetzt
nachdem der Anklagevertreter für Grabner eine hohe Zucht· gewesen. Im übrigen sei er um die fragli che Zeit malariakrank
hausstrafe beantragt hatte. " ge wesen.
s. 209 : Der Angeklagte Kaduk ist jedoch durch die glaubhafte
" Auch das spricht dafür, daß die Erschießungen damals Aussage des Zeugen Döring überführt worden. "
eigenmächtig ohne höheren Befehl erfolgt sind. Grabner berief s. 434:
sich zwar - wie der Zeuge Dr. Hansen glaubhaft bekundet hat - " Denn bei Lagerselektionen w urde stets eine größere Anzahl
in der damaligen Hauptverhandlung auf angeblichen Befehl des von Häftlingen ausgesondert und durch Gas in den Gaskam mern
RSHA , nachdem er in die Enge getrieben worden war. Vorher wurden stets nur größere Gruppen von Häftlingen getötet. Bei
während des Erm ittlungsverfahrens hatte er sich aber nicht
weniger als fünfzig Häftlingen 'lohnte ' sich nach dam aliger
darauf berufen. Seine Einlassung stand auch - so hat der Zeuge
Auffassung der Aufwan d, der m it einer LKW-Verladung und
Dr. Hansen weiter ausgesagt - in Widerspruch zu den Aussagen
Vergasung in einer Gaskammer verbunden war, nicht. "
einer Reihe von Zeugen. "
s. 44 7 :
s. 3 84:
"Jedermann ist das in § 2 1 1 enthaltene T ötungsverbot " Es war allerdings nicht zu klären, ob alle dreitausend

bekannt. Es galt auch im KL-Auschwitz gegenüber sog. 'Staats­ Menschen in einer einzigen Gaskammer gleichzeitig getötet

feinden'. Nicht einmal die NS-Machthaber und die höhere worden sind o der ob sie auf verschiedene Gaskammern verteilt
SS- Führung hatte den SS- F ührern und Unterführern im KL­ oder in einer Gaskammer nacheinander getötet worden sind. "
Auschwitz die Befugnis eingeräumt, {wozu sie aller dings auch s. 4 7 2:
gar nicht berechtigt gewesen wären) eigenmächtig Häftlinge zu "Schließlich haben die Zeugen Phitipp Müller und Paisikovi c ,
töten. "
die i m jüdisc hen Sonderkommando i n den Krematorien tätig
s. 403 :
ware n, g laubhaft bekundet, daß stets ein Arzt während des
" Nach der Aussage des Zeugen Laks sind auf jeden Fall zwei
Vergasungsvorganges durch ein Guckloch den Todeskampf der
Häftlinge, nämlich Hess und Grünfeld oder Griinberg von Kaduk
eingeschlossenen Menschen beobachtet habe. "
ausgesondert und anschließend getötet worden. Es konnte daher
s. 472:
mit Sicherheit festgestellt wer den, daß Kaduk bei dieser Selek­
" D enn nach der glaubhaften Aussage des Zeugen Hilse, der
tion mindestens zwei Häftlinge für den Tod ausgesucht hat , die
in der Güterabfertigung am Bhf. in Auschwitz tätig gewesen ist,
anschließend durch Zyklon B getötet worden sind . . . . Der
kamen in der Zeit von Mai bis J uli 1 944 allein aus Ungarn etwa
Angeklagte Kaduk hat in Abrede gestellt, einen Häftling beim
Appell zusammen mit Clausen totgetrampelt zu haben. Er ist 1 20 Güterzüge mit J uden an. Das bedeutet, daß an jedem Tag

je doch durch die glaubhafte Aussage des Zeugen Dr. Skrein mindestens ein RSHA-Transport und an etwa 30 weiteren Tagen
überführt worden, . . . " zusätz lic h ein zweiter Transport angekommen sein m uß. E s

Zivi l e O pfer der a l l i ierten Bombena ngriffe auf Dresden, Febru ar 1945

28
mußte daher Tag für Tag, häufig auch nac hts sele ktiert werden. m it S ic herheit fest. Denn das Geric ht hat eine Reihe j üdischer
Es kam wiederholt vor, daß ein Transport noch nicht abge­ Zeugen vernommen, die früher im KL A u sc hwitz gefangengehal­
wickelt war, wenn bereits der z we ite Güterzug m it RSH A-Juden ten worden sind. "
einlief. Das haben mehrere Zeugen bekundet. " s. 8 5 :
s. 5 4 2 : Beweisgrundlage n : Sachkundige Gutac hten, glaubhafte Aus­
" Die F eststellung, daß von j e dem der vier Transporte min­ sage n vo n Z eugen, Aufzeichnungen de s eh. Lagerkomm andan­

destens je zweitausend Mensc hen durch Z yklo n B getöte t ten Höss.

worden sind, beruht auf folge ndem : Nach der Aussage der S . 1 0 7 ; Beweiswürdigung:
" B ei der F eststellung der in dividuellen Beteiligung der A nge­
Zeugin Dr. Böhm waren in j edem der Eise nbahnwaggons des
klagten an den in dem Konze ntrationslager Auschwitz begange­
Transp ortzuge s, der am 2 9. 5 . 1 9 44 in Auschwitz Birkenau an­
nen M ordtaten, se i es an Massenmorden, sei es an Einzeltötun­
ge kommen ist, über achtzig Personen. Der Z euge Dr. B erner hat
ge n, sah sic h das Schwurgericht vor außerordentlic h schwierige
die Anzahl der Personen in einem Waggo n auf über sieb zig
Aufgab en ge stellt. Die Angeklagten selb st trugen zur Aufklärung
Personen geschätzt. Jeder Zug hatte nac h Aussage des bereits nur sehr wenig be i. Soweit sie eine Beteiligung zugab e n ,
erwähnte n Zeugen Hilse, wenn er ausgelastet war, sechzig sc hwäc hten s i e diese ab , stellte n s i e verzerrt d a r o d e r hatten
Waggons. Mit de n Zügen aus S iebenbürge n wurden nach den stets eine Reihe vo n Ausreden zur Hand. Die wenigen zur
übere instimme nde n Au ssagen vieler Zeugen und der Ange klag­ Verfügung ste henden Urkunden die nten im wesentlic hen nur
ten große J udentransporte nac h Auschwitz gebracht. Es kann der A uf klärung allgemeiner Di nge, konnten j edoch über die

daher m it Sicherheit davon ausgegangen werden, daß der Zug individuelle S c huld der A ngeklagten kaum A ufschluß gebe n.
Das Gericht war somit bei der Aufklärung der von den
mindestens 40 Waggons gehabt hat. M it ihm sind daher, wenn
Angeklagten begangenen Verbrechen fast ausschließlich auf
man die Minde stzahl von siebzig Mensche n pro Waggon z u
Zeuge naussagen angewiesen. Ist e in Z euge sc hon nach allgemei­
Grunde legt, mindestens zweitausendachthundert Menschen
ner Erfahrung nic ht immer ein sic heres Beweismittel, so galt
nac h Auschwitz transportiert worden. Da nie m ehr als 2 5% in
dies in diesem Prozeß umso m ehr, weil die Zeugen über Dinge
das Lager aufgenommen worden sind, kann m it Sicherhe it
aussagen mußte n, die bereits 20 Jahre zurückliegen. Hinzu
davon ausgegangen werden, daß vo n diesem Transport m indes­ ko mmt, daß kaum Z eugen vorhanden ware n, die als neutrale
tens zweitausend Me nschen in der Gaskammer durch Z yklo n B Beobachter die Vorfälle im KZ Ausc hwitz m iterlebt haben. Die
getötet word en sind. Zeuge n, di e als ehemalige A ngehörige der Waffen- S S im KL­
Für den Transport, der am 3. 6. 1 9 44 in Auschwitz Birke nau Ausc hwitz tätig ware n, ware n . . . . meist wenig ergiebig. "
ankam , gilt das gle iche. " S. 1 0 9 :
s. 8 2 9 : " D enn dem Geric ht fe hlte n fast alle in einem normale n

" Die sog. 'Liquidierung' des Zigeu nerlagers im J ahre 1 9 44 ist Mordpro zeß z ur Verfügung stehenden Erkenntnism öglichkeiten,
um s ich ein getreues Bild des tatsächlichen Geschehens im
bere its erwäh nt worde n. Im einzelnen hat das Sc hwurgericht auf
Z eitpunkt des Mordes zu verschaffe n. Es fehlten die L eichen der
Grund der Aussage der Z eugen Leisc how, B ejlin, Bergm ann,
Opfer, Obduktionsprotokolle, Gutac hte n von Sachverständigen
A m an n, Barc z und Polak folgendes fe stgestellt : I m Juli 1 944
über die Ursac he des Todes und die T o desstunde, es fe hlte n
wurde die Tötung der im sog. Z igeunerlager in Birkenau (Lager­
Spuren der Täter, M ordwaffen usw. Eine Oberprüfung der
abschnitt B II e) befindlichen Z igeuner, die dort fam ilienweise
Z eugenaus sagen war nur in s eltenen F älle n m öglich . "
untergebracht waren und keine Häftlingskleidung truge n, ange­
ordnet. Zuvor sollten noch kräftige arbeitsfähige Zige uner u nd
solc he, die in der Wehrmacht gedient hatten, ausge so ndert
Diese Auszüge aus der 9 2 0 Seiten umfassenden
werden. Das ge sc hah auc h. . . . Am Abend de s 3 1 . 7 . 1 94 4 kamen Urteilsbegründung des Mammutprozesses gegen 20 An­
zwisc hen 20 und 2 1 . 0 0 Uhr LKWs in das Z igeunerlager gefah­ ge klagte können zweifellos nur Strukturen jenes Pro­
ren. .. . Die Lagerstraße lag im Dunkeln. Danach wurden alle zesses aufzeigen, die von allgemein- historischem Inter­
Blocks nac h einander von den S S- A nge hörige n ' geräumt' . . . . A lle esse sind, zumal Ausführungen, die sich mit den einzel­
Zigeuner, die noch in dem Z igeunerlager gewesen waren, wur­ nen Angeklagten bef.assen, tunliehst ausgespart blie­
den in den Gaskammern in Birkenau durc h Z yklo n B getö tet . . . . ben. Schon aus den Zitaten ist deutlich geworden, in
Der Zeuge Bejlin hat die A ktion von Anfang bis z u E nde welchem Maße Feststellungen für historische Ereignisse
miterlebt. Er kannte die Verhältnisse im Z igeunerlager genau.
einzig und allein auf Grund von Zeugenaussagen ge­
Auch waren ihm aus seiner ärztlic hen Tätigkeit eine Reihe von
troffen worden sind, ohne ergänzende Beweisstüc ke, in
SS-A ngehörigen be kannt. "
welchem Maße Vernichtungen durch Gas behauptet
s. 2 9 5 :
" I m kle inen Krematorium wurden, soweit das feststellbar
wurden allein auf Grund von Zeugenaussagen über
war, im Jahre 1 9 43 keine Vergasungen m ehr durchgeführt. Zu Transporte. Es ist auffallend, wie oft von Gaskammern
dieser Zeit waren bereits die vier neuen Krematorie n im B e trieb. und Vergasung gesprochen wurde, ohne auch nur
Zuvor die nten - ab Sommer 1 9 4 2 - die umgebauten B auern­ anklingen zu lassen, daß man über Einzelheiten, wie
häuser als Vergasungsräu me. F iel eines der Krematorien aus, so
eine solche Gaskammer aussah, welche Kapazität sie
wurde das eine der b e iden umgebauten B auernhäuser noch
weiter als Bunker V zu Vergasu ngen benutzt. "
hatte, wie die technische Bewältigung solc her großen
s. 5 7 9 : Vernichtungszahlen überhaupt m öglich war, daß
" D as Gericht hat keine Veranlassung, von A mts wege n Zyklon B verseuchte Räume erst 20 Stunden entlüften
Ermittlungen darüber anzustelle n , wieviel j üdische ehemalige mußten, ehe sich dort überhaupt jemand betätigen
Häftlinge aus dem KL A uschwitz das Lager überlebt haben. Daß konnte, wie und mit welchem Brennstoff verbrannt
frühere jüdisc he Gefangene die Lagerz eit überlebt hab e n , steht wurde usw. überhaupt keine bzw. so gut wie keine

29
näheren Nachforschungen angestellt und für erforder­ sichtlich andere Beweisstücke heranzuziehen, nicht
lich gehalten hat. einmal jene, von denen das Gericht behauptet hatte ,
Daß Vergasungen leichtfertig behauptet wurden, daß es sie gegeben habe : nämlich die in elf- bis
geht besonders aus S. 97 der Urteilsbegründung hervor, zwölffacher Ausfertigung vorliegenden Zugangslisten
wo festgestellt wird, daß ab und zu Transporte ge­ der in die Lagerstärke aufgenommenen Häftlinge, also
schlossen in das Gas geführt wurden und erst anschlie­ auch jener 10 - 25% Arbeitsfähigen der Transporte. Es
ßend die Arbeitsfähigen eingekleidet und in die Lager­ wäre nicht verständiich, dai� keine einzige dieser vielen
stärke aufgenommen wurden. Vieles bleibt fraglich : Da Listen den Krieg überstand •m haben sollte, an Hand
deren man konkrete Fakten sicher einwandfrei
gab es Korruption und keine Disziplin unter der SS , da
gab es Gelage mit Häftlingen , Kapos und SS-Angehöri­ feststellen und Zeugenaussagen hätte überprüfen
können.
gen, dabei soll jeder gewußt haben, was in Birkenau
Zwar ist angeklungen, daß es einige Betriebe gab, in
vor sich ging, und dennoch waren alle ahnungslos, und denen Häftlinge arbeiteten, doch Näheres hierüber war
es gab so gut wie keine Zwischenfälle. Da gab es einen aus der U rteilsbegründung nicht zu erfahren. Sicher
hohen Grundwasserspiegel im gesamten Lagergebiet, so war es nicht Aufgabe des Gerichts, dies alles aufzuhel­
daß Entwässerungsgräben gegraben werden mußten, len, doch wird hierdurch deutlich, wie sehr sich histori­
und trotzdem waren trockene Gräben zum Verbrennen sche Forschung von juristischer Verfahrensweise unter­
von Leichen möglich . Weder wurde danach gefragt, mit scheidet. Grundsätzlich aber ist darauf hinzuweisen,
welchem Brennmaterial verbrannt wurde, noch was welches Gewicht das Gericht Dokumenten zugewiesen
mit der Asche geschah , wo und wie das Brennmaterial hat, die für die historische Forschung noch lange nicht
herbeigeschafft und gelagert wurde. Wie konnte das als einwandfrei, d.h. authentisch erkannt worden sind,
Krematoriumspersonal. im Erdgeschoß arbeiten, wäh­ selbst wenn Sachgutachter des Instituts für Zeitge­
rend im Kellergeschoß mit Zyklon B vergast wurde? schichte in München jene als echt ausgewiesen haben.
Wie konnten im Kellergesch oß die Menschen ahnungs­ Auch bleibt festzuhalten, daß das Gericht die vorge­
los in die Entkleide- und Vergasungsräum e gehen, tragenen Sachgutachten der Vertreter des Instituts für
wenn doch der Verbrennungsgeruch, der von einem Zeitgeschichte als richtig unterstellt, jene aber keines­
Stockwerk darüber ausging, meilenweit zu riechen war wegs von der Sache überprüft hat, und daß Sachgut­
und die Flammen wer weiß wie weit zu sehen waren? achten schließlich nur von jener einen offiziellen In­
Das Gericht hatte nach all dem nicht gefragt, auch stanz zugelassen worden waren bzw. ermöglicht wur­
nicht nach Luftaufnahmen der US-Airforce, obwohl den, die vom gleichen politischen Willensträger zumin­
diese in den amerikanischen Archiven vorlagen. Dem dest den größten Teil des Gehalts beziehen, wie die
Historiker bleibt in der Tat nur das Wundern (Zweifeln Staatsanwaltschaften. Daß das Gericht die Kriegs­
soll ja nicht mehr erlaubt sein ). schuldfrage wie seit 1 9 4 5 üblich deklarierte und von
So muß es gleichermaßen unbefriedigend bleiben, daher deutsche Schuldhandlungen a priori ableitete,
wenn das Gericht Anzahl und Stärke von Transporten wirkte sich natürlich auch auf die Gesamtdiktion
auf Grund von Zeugenaussagen feststellt, ohne offen- der Prozeßführung aus .

I ndustriegelä nd e

Au schwitz

30
G a b es nun Ga ska m mern
M a j d a n e k od e r n i c h t ?

1n •

P R ESS E B E R I C H T
Das grauenvolle S terbe n im Chaos von Majdanek

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Ein neues Bild vo n dem Vernichtungslager -


1 6 . F ebruar 1 9 8 0 , S. 7

Gleic hwohl blieb es dem West-Berliner Professor Wolf­ In Lublin sollte alles v o n Anfang in großem Stil angelegt
gang Sche ffler, der jetzt in dem Proze ß de n letzte n Teil seines werden, von Großwäsc hereien üb er die Fabrikhallen bis zu de n
zeithistorischen Gutachtens erstattet hat, vorbehalten, dieses Krematorien. D oc h die an Himmlers Berliner Schreibtisch be­
Bild noch einmal zu korrigieren. Scheffler hatte Gelegenheit, die triebene n Pläne, obwo hl ununterbroc hen in B efehle nach Lublin
vor allem in polnisc hen Arc hiven liegenden Urkunden über u mge se tzt, hatte n mit den Realitäte n auf dem Großbaugelände
Majdane k gründlich zu studiere n. Es ist der bürokratisc hen von Majdanek nie etwas gemein. Etwa z wei Drittel der als
Akribie der S S zu verdanken, daß damals Me nge n von A kten Arbeitskräfte eingesetzte n Kriegsgefangenen starben binnen
und Dokumente n über Majdanek angefertigt wurden und im weniger Monate an Entkräftung und Unterernährung dahin.
Jahre 1 944 bei der überstürzten Flucht vieler SS- D ienststellen Schon im Winter 1 94 1 besc hrieb die S S- Bauleitung in Majda­
erhalten blieben. Die Summe der zeithistorischen Qu elle n ist nek das sic h abzeichnende Chaos: ständig entweic hende Gefan­
beinahe unbegre nzt : Bauleitpläne, Inspe ktionsberichte, Be­ gene , kein Treibstoff, kaum Baumaterial, zu wenig Transport­
schwerden, Rüge n, Befe hle, F ahrpläne der Reichsbahn, Abrech­ mittel, dazu Schneestürme und klirrender F rost. H immlers
nungen über Menschentransporte in Güterzüge n, der tägliche Wahn von einem M uster-KZ als Produktion sstätte in der Regie
Papierkrieg um Lebensmittelkarten, Munitions- und Treibstoff­ der SS wurde bald auch vom Reichsverkehrsministerium durch­
zuteilungen. Vor allem aber belegen die Do kumente, die SeheH­ kreuzt. Dort befürc htete man ernste Störungen bei der Versor­
Ier auswerten konnte, wie sehr Himmler, der Reic hsführer der gung der Front für de n F all, daß die SS weiterhin für ihre
SS, in seiner ganze n persö nlic hen Unfähigkeit in Majdanek ein Zwecke täglich Hu nderte von Güterwage n und Lokomotiven
"Chao s " orga nisierte , das er gar nicht anstrebte. re klamiere.
Das Fazit dieses Gutachte ns läßt sic h in dre i Thesen formu­ Im Tauziehen der versc hiedenen Beh örden, mal S S, mal
liere n : Majdanek war entgegen einem auch heute noch verbrei­ Wehr macht, mal Reic hsbahn, geriet das Lager Majdanek zu
teten Irrtum nicht als re ines Vernic htungslager für J uden ge­ einem kaum mehr vorstellbaren Zentrum des Mordens und des
plant worden wie etwa die Lager kette Treblinka- B elzec- S obibor; St erbens. Brunnen, die man für Trinkwasser n iederbrachte,
in Majdanek sind nic ht, wie das in sowj etischen und polnisc hen versiegte n. Die Entwässerung versagte ganz und gar. Die Abort­
Darstellungen im mer noch behauptet wird, eine M illion, son­ gruben quollen über. Der erste Lagerchef, Standartenführer
dern etwa 200.000 Me nsc he n getötet worde n und umgeko m­ Koc h, war derart korrupt, daß sogar die SS ihn der Bereicherung
men; sc hließlic h geriet das Lager Majdanek den Bewac hern von und des Mordes an Gefange nen besc huldigte. Offiziell war es
der SS zeitweilig so sehr außer Ko ntrolle, daß die Technik der zwar verbo ten, Gefange ne zu prügeln, in der Praxis aber war
"Endlösung" in all · ihrer Perfidie hier schließlich nicht m ehr Disziplin nur noch durc h wilde Schießereien der Wac hmann­
funktio nierte . sc haften herbeizuführen._ Das Lager war kaum gesichert. Seu­
:
Dies alles hat natürlich Gründe, die inzwischen w issensc haft­ chen griffe n so sehr u m . sic h , daß auch die Bewacher um ihr
lich belegbar sind. Himmler hatte im Jahre 1 9 4 1 das utopische Leben fürchtete n. Tausende starb en dahin , zu nächst Kriegsge­
Ziel, die Polen völlig aus dem " Generalgo uvernement" zu fange ne, dann Z ivildeportierte, schließlich auch sogenannte
vertreibe n und es mit Deutschen zu b esiedeln. Für den " Ost­ Arbe itsj u de n .
raum" galt die Parole : Beherrsc hen, verwalten, ausbeuten. Die A l s Himmler erkannte, daß m a n m it todkran ken Kriegsge­
Idee, im Gebiet von Lublin, wo der hö here S S- und Polizeiführer fangenen nicht arbeiten konnte, kündigte er 1 00.000 männlic he
Odilo Globlocnik die Befehlsgewalt hatte, ein riesiges Produk­ und 5 0. 0 00 w eiblic he J ude n als Arbeitskräfte an. Zu einer
tionsarsenal für die SS zu sc haffe n, kam H im mler im J uli 1 94 1. Produktion von Gütern j edoc h kam man in Majdanek auc h im
Urkunde n beweisen, woran er dac hte: Uniformfabriken, Schuh­ Jahre 1 94 2 kaum. Die LagerfUhrer - Koch, Kögel, Florstedt,
fabriken, Holzwerke, Metallwerke, Steinbrüche, also Versor­ Weiß, Liebehensc hel - wurden alle paar Mo nate ausgewechselt,
gungsbetriebe j eglicher Art in Unabhängigkeit von der Wehr­ meistens abgelöst wege n Korruption und Unfähigkeit.
macht. Die Wehrmacht freilic h sollte für diese Arbeit die Die SS hat sic h das Chaos von Majdanek selbst bescheinigt.
so wj etischen Kriegsgefange nen liefern, zunächst 1 0 0.000, dann SS- Untersuchungsführer rügten, daß die Taschen der Wachmann­
125.000, sc hließlic h 1 5 0.000 Mann. Der Tarnungsbegriff sc haften voller Gold und Devisen steckten. Das S S-Hygieneamt
"Kriegsgefangenenlager Lublin-Majdanek" war der SS dabei stellte nach einer Inspektio n fe st, Brunnen seien direkt neben
auch deshalb durchaus will kommen, weil sie von hier aus die Abortgruben gebohrt worden, die Seuchengefahr sei nicht ge­
technische Vorrüstung für die zur Tötung der J uden zu errich­ bannt. Wasc hbaracke n seien nicht vorhanden, die Kläranlage n
tenden Vernichtungslager Treblinka, B elzec, Sob ibor und Chel­ seien funktionsunfähig. Mit der "Ausstattung der KZs im
mno betreiben konnte . Altreich" , so zynisch das heute klingt, sei Majdanek nicht

31
entfernt zu vergleichen. Stahlbeton stehe nicht zur Verfügung, So ergibt sich von Majdanek ein in gewisser Weise neues,
die Stromversorgung und das Problem der Wassergewinnung doch nicht weniger grauenhaftes Bild: Majdanek war unter allen
seien " nicht gelöst ". Mordunternehmen der SS jenes Projekt, bei dem ihre Organisa­
In diese Situation hinein kamen dann von Mitte 1 942 an tion versagte. Da Himmler aber ausgerechnet dieses "KZ
laufend j ene J uden, die Himmler als Arbeitskräfte avisiert hatte . Lublin" , w ie es von 1 943 an hieß, gleich einem Lieblingsprojekt
Der Historiker Scheffler ist, obwohl in Majdanek sch ließ lich an seiner persö nlichen Befehlsleine führte, mißriet es zu einem
auch Gaskammern gebaut wurden, heute davon über zeugt, in Ort des Massensterbens, der sdb�t Inspizienten der SS zu Kritik
diesem Lager sei a llenfalls jedes vierte der Opfer mit Zyklon in bewog.
den Gaskammern getötet worden. Er meint aufgrund der D o­ Als Himmler in Ber lin immer n och davon träumte, Majdane k
kumente heute sagen zu können , daß auf das Konto der kö nnte eines Tages zum zentralen Nachschublager ftir die
regelmäßig vorgenommenen Massenerschießungen (etwa bei der gesamte Waffen- S S im Osten wer den, nahte am Stadtrand von
"A ktion Erntefest " Anfang November 1 943) ftinfzehn Proz!!nt Lub lin die Stunde der Befreiung: Am 24. J uli 1944 konnten
der Todesopfer kämen; sechzig Proze nt der vielleicht 2 50.000, deutsche und polnische Häftlingskomman dos en dlich die re cht
wahrscheinlich aber 200.000 Menschen, die in Majdanek ihr schwach gewordenen Reste der SS-Wachman nschaften über­
Leben ver loren, aber seien schlicht dahi ngestorben , seien das wältigen; wenig später marschierte die Rote Armee ein . "

Op fer von Seuchen , von Hunger und Durst geworden .

DDDDDDDD D D D D D D D D DDDD DDDDDDDDD


Liest man einen solchen Artikel in der Frankfurter 9.) Der Tarnungsbegriff war willkommen, weil von
Allgemeinen, so ist der Eindruck wie gewünscht . und hier aus die technische Vorrüstung für andere Ver­
üblicherweise wie gehabt. Vollmundige Empörung über nichtungslager betrieben werden konnte. (Was das
ein böses Kapitel deutscher Geschichte, - wobei heißen soll, war nicht zu ermitteln).
es auf die Fakten nicht so genau ankommt. Denn 10. ) Es gab ein Großbaugelände in Majdanek. Dort
wegen "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" starben 2 I 3 der als Arbeitskräfte eingesetzten Kriegs­
kann sich kein Angehöriger der so Verunglimpften gefangenen.
beim Staatsanwalt beschweren. Auch daß unentwegt 11.) Das Lager war kaum gesichert, ständig ent­
über "böse Kapitel" aus der Geschichte "der anderen" wichen Kriegsgefangene.
wortlos hinweggegeistert wird, sollte uns Deutsche 12.) Es gab keinen Treibstoff, kaum Baumaterial,
nicht mehr wundern, - für "Befreier" gelten halt an­ zu wenig Transportmittel, dazu Schneestürme und
dere Maßstäbe ! Frost.
Doch sezieren wir diesen Artikel einmal auf seine 13.) Das Reichsverkehrsministerium durchkreuzte
ausgeführten Fakten : des Reichsführers Pläne.
1.) Dank der bürokratischen Akribie der SS liegen 1 4. ) Im Tauziehen der verschiedenen Behörden
Mengen von Akten und Dokumenten über Majdanek geriet das Lager Majdanek zum Zentrum des Mordens
vor. Die vorhandenen zeithistorischen Quellen sind und Sterbens.
beinahe unbegrenzt, Baupläne, Inspektionsberichte .... 15.) Der korrupte Lagerchef Koch wurde von der
2.) 1944 gab es eine überstürzte Flucht vieler SS der Bereicherung und des Mordes beschuldigt; die
SS-Dienststellen. nachfolgenden Lagerführer waren auch korrupt und
3.) Himmler, persönlich unfähig, organisierte ein unfähig.
nicht gewünschtes "Chaos". 16.) Disziplin war nur noch durch wilde Schieße­
4 . ) Es war ein weitverbreiteter Irrtum, zu behaup­ reien der Wachmannschaften herbeizuführen.
ten, Majdanek wäre ein reines Vernichtungslager ge­ 17.) Seuchen griffen um sich, auch die Bewacher
wesen. Nicht 1 Million, sondern etwa 200. 000 Men­ fürchteten um ihr Leben.
schen sind dort getötet worden und umgekom men : 18.) Im Projekt Majdanek hat die SS-Organisation
oder an anderer Stelle, 60% dieser Zahl sind das Opfer versagt , obwohl Himmler es an seiner Befehlsleine
von Seuchen, Hunger und Durst geworden. führte.
5.) Das Lager Majdanek geriet den SS-Bewachern 19.) Als die Rote Armee bereits am Stadtrand von
zeitweilig außer Kontrolle, so daß die " Technik der Lublin stand und nur noch schwach gewordene Reste
Endlösung" nicht mehr funktionierte. der Wachmannschaften vorhanden waren, träumte
6. ) Himmlers Idee war 1 9 41 , im Gebiet von Lublin Himmler noch von Majdanek als zentralem Nachschub­
(also auch Majdanek) ein "Muster-KZ als Produk­ lager für die gesamte Waffen-SS im Osten.
tionsstätte", ein riesiges Produktionsarsenal für die SS Geht man diese "Erkenntnisse" der Frankfurter
im großen Stil zu schaffen ( Uniform-, Holz-, Metall-, Allgemeine wissenschaftlich-sachlich durch und ver­
Versorgungsbetriebe, Großwäschereien ....). Dies war sucht, ein System ner Logik und technischen Möglich­
ein Wahn. keiten zu ordnen, so stellt man resignierend fest, daß
7.) Als Arbeitskräfte sollten Kriegsgefangene die­ da kaum noch etwas zu einander paßt, außer allerdings
nen. die durchgängige Methode breitkaiihrigen Trommel­
8.) Der Begriff " Kriegsgefangenenlager" war jedoch feuers, bei dem dann niemand mehr so genau nach­
nur Tarnung. denkt.

32
8) Das Eisenbahnnetz von Lublin war eingleisig und

G uta c h te n
bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit von Wehr­
machttranspürt en beansprucht, der Bahnhof Lublin
infolge des Stockens der Nachschubtransporte ständig
bedrängt, so daß seine Aufnahmefähigkeit wiederholt

K L- Maj d ane k
für längere Zeit völlig erschöpft war.
9 ) Alle Planungs- und Bauentwürfe des KL-Majda­
nek mußten von der Bauinspektion in Krakau sowie
der Bauleitung Lublin vorgeprüft und dem Hauptamt
Dem voranstehenden Zeitungsartikel der " Frank­ in Berlin zur Genehmigung vorgelegt werden, wobei
furter Allgemeine " liegen folgende Aussagen des Gut­ von dort angeordnete Änderungen berücksichtigt wer­
achtens von Prof. Dr. Scheffler zu Grunde : den mußten. Dies bedeutete aber auch, daß sich der
Ausbau des Lagers nicht im Geheimen vollzog.
1 ) " Deutschbesiedlung des gesamten Distrikts Lub­ 1 0 ) Die Wasserversorgung des Lagers war und blieb
lin durchzuführen und darüber hinausgehend ( Zielbild ) unzureichend , auch nach Anschluß an die ebenfalls
in Anschluß an die nordisch bzw . deutschbesiedelten problematische Wasserversorgung der Stadt Lublin ;
baltischen Länder über Distrikt Lublin einen Anschluß dies verursachte eine latente Seuchengefahr.
an das deutsch besiedelte Siebenbürgen herzustellen. " • • • • 1 1 ) Eine Rekonstruktion der Krematorien und :
- Dieser mysteriö se " Brief" eines " Hstuf. Hellmut : :
. Gaskammern im . KL- Majdanek ist auf Grund des
.
Müller an den Chef des RuSHA, - Personalakte Glo­ : lückenhaften Dokumentenmaterials nicht möglich. Ja, :
bocnik vom 1 5. Oktober 1941 " bleibt beim Gutachter : " es ist sehr störend festzustellen, daß in der bisherigen :
ohne quellenkritische Analy se und wird als authentisch : :

Literatur und auch anderen Unterlagen . . . diese Zu-

und allgemein-verbindlich dargestellt , obgleich der In­ : sammenhänge über den Bau von Krematorien und :
halt hahnebüchender Unsinn ist . : Gaskammern nie richtig untersucht worden sind " , - :
2 ) " Zur Realisierung dieser utopischen Bevölke­ : :
• obwohl " eine ganze R eihe von Organisationen bzw.

rungspolitik beabsichtigte Himmler . . . Lublin zu einem : Ämtern mit diesen Dingen in Zusammenarbeit mit :
Schwerpunkt zentraler SS- Behörden der verschieden­ ! Privatfirmen tätig ware n " . (Man vergleiche Punkt 4) :
• •
sten Art zu machen. " : " Muffelöfen" ) . • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • •

3) Das Lager Majdanek sollte Arbeitskräfte und 1 2 ) Noch im Mai 1 9 4 2 stellte die Bauinspektion in
Werkstätten stellen. Krakau fe st, daß die Planung für eine Entlausungs­
4) Das Krematorium in Maj danek bestand laut baracke, einen Leichenschuppen und ein Krematorium
Gutachten - Bezug ein Vorentwurf "MM, M 80 5" - noch keine Bauanträge ermöglichen. Wann genau " das
aus " 5 Stüc k Muffelö fen mit j e 3 Muffel n für 2 Mann, große Krematorium " im Jahre 1 9 4 3 gebaut ( Sommer/
so daß in einer Stunde 60 Mann eingeäsc hert werden Herbst ? ) und fertiggestellt (Dezember ? ) wurde, läßt
könne n". - Also Verbrennung incl. all der zusätz­
lichen Arbeit pro Leic he = 30 Minuten, - eine techni­
sche Unmöglic hke it. Im Gutachten wird jedoch auf
diese technische Unmöglic hkeit nicht hingewiesen.
5) In Lublin wurden auch alle Sicher­
heitsmaßnahmen außer Acht gelassen,
wie der Massenausbruch der Kriegsgefan­
genen sowie die ständigen Einzelflucht­
fäll e beweisen.
6) Im Majdanek KL- Bekleidungswerk
waren nur 10 Aufseherinnen bei über
2.000 Häftlingen, davon 1 . 3 00 im Ar­
beitseinsatz, vorhanden.
7 ) Im Januar 1 9 42 mußte Himml er
klar geworden sein, daß sein Plan vom
Spätsommer 1 9 41 , sich einen Anteil an
sowjetischen Kriegsgefangenen zu
sichern, nic ht zu verwirklichen war. (Zu
viele waren an mangelhafter Organisa­
tion, Hunger und Seuchen gestorben ).

B irkenau, Tei l ansicht 1 977

33
sich nicht näher bestimmen. Was " großes" und " kl ei­ 18) Z ur Sterblichkeit im KL-Maj danek gibt es nur
nes" Krematorium bedeuten , wird nicht definiert . wenige Unterlagen, die j edoch eine enorm hohe Sterb­

••• 1 3 ) " Die Frage, ob in den be iden Krematorien lichkeit ausweisen.
:
Vergasungsräum e bestanden, wenn j a , ob sie benutzt ! 19) Gesicherte Opferzahlen sind schwierig zu er­
wurden, kann nach den wenigen vorhandenen Unter- : mitteln. Die Zahl " über eine Million" ist falsch.
lagen nicht beantwortet werden . " • • • • • • • • • • • • • • • • • : " Wesentlich abgesicherter sind die Schätzungen der
1 4 ) " Auch der Gang der Errichtung des Gaskam- : polnischen Justiz" . - w·arum diese " Schätzungen abge­
merkomplexes läßt sich nach den vorhandenen Unter- : sichert" sein sollen, wird nicht erwähnt. Jedenfalls
lagen nic ht rekonstruieren. " - N a c h dem Krieg sind • nach diesen " Schätzungen" sollen " mindestens"
jedoch Gebäud e - Badebarackeri'�"vorz ufinden , die 60-80.000 Juden dort getötet worden sein. " Berück­
zeigen, " daß sowohl Vorrichtungen für die Vergasung sichtigt man dabei, daß ca 25% aller Opfer vergast
mit Zyklon- B als auch mit Kohlenoxydgas bestanden". wurden, ca 60% starben, während der R est erschossen
Ein Verzeichnis über die Konstruktion der an der oder auf andere Weise getötet wurde, so ist die Zahl
Gaskammer vo rhandenen öfen und ihre Funktion liegt von ca 200.000 bis 250.000 umgekommener Menschen
im Museum in Majdanek. - Der Beschreibung nach eine annähernd realistische Schätzung. " - Womit die
handelt es sich ebenfalls um ein N achkriegsprodukt,
" Vergasung" bewiesen sei, wird nicht erwähnt. Nach
denn son st hätte sic h das Fehlen solcher authentischen
Punkt 13) konnte diese Frage bekanntlich nach den
Unterlagen ja nic ht " störend ' ' b emerkbar gemacht .
vorhandenen Unte�lagen nic ht beantwortet werden.
Auch wäre sonst nic ht nötig gewesen, darauf hinzu­
20) " Alle Zahlenangaben können j edoch angesichts
weisen , daß " dieser Ko mplex vornehmlich durch Zeu­
der unvollständigen Anhaltspunkte nur Annäherungs­
genaussagen aufzuhellen" wäre. Man beachte noch
werte sein. " " Daß in Majdanek Zehntausende von
einmal Punkt 13)! - Dennoch folgert d er Gutachter Menschen umkamen, ist eine Tatsache . " - Ob diese
aus diesem Sachverhalt , daß im KL Majdanek Ver­ Zahl nun auch auf Grund unvollständiger Anhalts­
gasungseinric htunge n vorhanden gewesen wären, punkte ermittelt wurde (siehe " alle Zahlenangaben" )
"deren Opferzahl nic ht abzusc hätzen ist " . bzw. womit diese " T atsache" nun als Tatsache bewie­
15) Zy klon-B wurde von d er F irma Tesc h & sen ist, wird nicht erläutert.
Stabenow in Dessau nicht etwa als " Geheime Reichs­
Dem Gutachter Prof. Scheffler ist wohl zuzustim­
sache" geliefert ; Mitteilungen erfolgten zuweilen auf
men, daß sc hon ein Opfer zu viel gewesen wäre, doch
Po stkarten. Zyklon-B war ein weltbekanntes Ent­
berücksichtigt er mit keinem Wort, daß damals an der
wesungsmittel .
Front täglich Tausende deutscher und verbündeter
16) Eine zahlenmäß ige Erfassung der KL-Häftlinge
Soldaten , und in d er Heimat Frauen und Kinder
in Majdane k scheitert an der Unvo llständigkeit der
starben und daß Krieg herrschte, für den keineswegs
Unterlagen und an der nicht zu ermittelnden Zahl
Deutschland - schon gar nicht allein - verantwortlich
weggeführter Transporte. - Man erinnere sich in die­
war, und dieser Krieg vom Gegner in unüberbietbarer
sem Zusammenhang der Unmengen vorhandener Un­
Bestialität geführt wurde.
terlagen dank der büro kratischen Akribie der SS,
An dieser Frage schließlich fängt jede Bewertung
Punkt 1. )! an. Doch leider set zt man sic h gerade mit diesen
17) " Am 3. + 4 . 1 1 . 1943 wurden zur Überrasch­
Zusammenhängen nic ht öffentlich wissenschaftlich
ung der Lagerleitungen im ganzen Distrikt Lublin die
auseinander, sondern greift auf den mittelalterlichen
meiste n noch vorhandenen jüdischen Häftlinge anläß­
Index zurück, um Bücher solc her Analysen aus dem
lich der sogenannten Aktion ' Erntefest ' erschossen . "
öffentlichen Verkehr zu verbannen und dam it aus der
Die Zahl der Opfer wird m it 40 000 angegeb en . -
öffentlichen Diskussion auszuschließen . Abschließend
Statt Beweisen fUhrt der Gutachter " eine Vielzahl von
sei dem Leser noch durchgegeben, daß selbst die
Hinweisen" an, auch Zeugenaussagen und hält selb st
" Holocaust-Historiker" seit Kriegsende durchgängig
" intensivere Nachforschungen" für nötig, um die An­
festgestellt hab en, daß Majdanek k e i n Vernich­
zahl der Opfer näher zu bestim men ; es können auch
tungslager gewesen ist . Ihnen standen seit 1945 die
" bis zu 1 8 . 000 " gewesen sein, vielleicht auch 4 . 500 . ­ gleichen Forschungsquellen wie Herrn Prof. Scheffler
Wer das Kennwort " Erntefe st " geprägt und einen
zur Verfti.gung, mit Ausnahme freilich jener, die m an
solchen Ersc hießungsbefehl ert eilt, die Maßnahm e mit
erst Jahrzehnte nach Kriegsende angefertigt hat .
wem durchgeführt hat, wird nicht erwähnt. Auch wird
*** ** ************ ****** **
nichts über Funde ausgesagt , die die Sowjets nach dem
Krieg Gelegenheit hatten, der Weltöffentlichkeit vorzu­ Und was macht das Gericht aus diesem Gutachten?
weisen, zumal sie ja wußten, wo die Erschieß ungen Die Entscheidung in diesem Fall steht noch aus. Nach
stattgefunden haben sollen. Insofern ist von Funden bisheriger Praxis wurden Gutachten dieser Art jedoch
bis heute nichts b ekannt, was der Gutachter indessen als überze ugend gewertet und nicht im einzelnen unter­
verschweigt. sucht .

34
Ge d a n ke n z u r H oc h t e m p e r at u r

Fe u er u n gste c hnik
Brief

Sehr geehrter Herr Walendy !

Als Eisenhütten-Ingenieur bin ich mit der sowohl Eine Gaskammer kann unfall frei insbesondere frei
für Siemens-Martin-Ofen der Stahlmetallurgie als auch von Explosionsgefahr infolge Miteindringens von Luft,
mit der für Krematoriumsöfen erforderlichen sogen. nur betrieben werden, wenn eine Zufuhr von Schwach­
Hochtemperatur- F euerungstechnik mittels Brenn­ gas bei Kammertemperatur ab etwa 800 Grad C erfolgt
sto ffen näher vertraut. Ich beziehe mich auf die ältere und das S chwachgas unter überdruck, etwa um 20 mm
bis etwa 1 9 5 0 übliche, heutzutage veraltete , Technik WS , gegen Außenatmosphäre steht. Während des Be­
mit Festbrennstoffen. Diese wurden mit Luft und triebszustandes ist daher eine solche Kammer fest
etwas Wasserdampf zu einem an CO. (giftig), H2 - und verschlossen und unbegehbar. Wollte man unter Kon­
N2 (als Ballastgas) haltigen angereicherten Brenngas struktionsänderung Mannlöcher einbauen solcher Art,
geringer Verbrennungswärme vergast. Daher wurden daß im B etriebszustand Möglichkeit des Zutritts be­
für dieses Schwachgas die von Friedrich Siemens er­ stände, würde mit öffnen eines Mannlochdeckels .
fundenen Gasgeneratoren benötigt. Als F estbrennstoff Außenluft in die Gaskammer einwirbeln und dieses zur
einsetzbar ist hierbei Koks, jedoch nicht S teinkohle . E xplosion der Kammer führen. Eine Gaskammer einer
Eine Hochte mperatur-Verfeuerung mit Luft erfor­ Regenerativ-Feuerung kann also keine Tötungseinrich­
dert bei solchem S chwachgas eine Vorwärmung von tung für Menschen im S inne des in der KZ-Diskussion
Schwachgas und Luft. Die Wärmeenergie für diese üblichen Gaskammerbegriffs sein.
Vorwärmung ist durch die ausziehenden F euerungs­ Mehrere Gasgeneratoren wurden zusammengefaßt
abgase des F euerungsraumes, etwa de m Siemens­ zu einer Gasgeneratorenanlage oder V ergasungsanlage,
Martin-Ofen oder den Kremationsraum-Heizzügen zu da die Bildung von Schwachgas aus Koks im Gas­
erhalten. Ein V erfahren für solche Vorwärmung ist die generator als Vergasung b ezeichnet wird. Großanlagen
als Regenerativ- Feuerung oder Umschalt-Feuerung be­ für Siemens-Martin-S tahlwerke sind Freilandanlagen
zeichnete Methode, erfunden von Wilhelm Siemens. mit Regenschutzüberdachung. Kleinanlagen für Kre­
Ubrigens sind Friedrich und Wilhelm Siemens B rüder matorien sind in Gebäuden aufstellbar, der Aufstell­
des bekannten Elektrotechnikers Wemer von Siemens. raum als Gasgeneratorraum od er Vergasungsraum,
Bei dieser Umschalt- F euerung werden vier feuerfest wenn unter B odenflur angeordnet, als Gasgenerator­
ausgemauerte , während des Betriebe s unzugängliche keller oder Vergasungskeller bezeichnet. E in Aufent­
Vorwärmkammern, in ihnen aufgemauerte S teingitter halt von Personen in einem Vergasungsraum solcher
aus Feuerfest-S teinen, benutzt, und zwar zwei Luft­ Art ist ungefährlich, er ist zum Zwecke der Bedienung
kammern und zwei Gaskammern. Ein Kammerpaar der Gasgeneration sogar erforderlich.
wird zu jedem Betriebszeitpunkt durch Feuerungs­ Bei den überlegungen, wie es zur E ntwicklung des
abgas beheizt, ein Kammerpaar wärmt vor, und zwar Gaskammerbegriffs im Sinne der üblichen KZ-Diskus­
die Luftkammer die Verbrennungsluft, die Gaskammer sion gekommen sein mag, wäre es von Interesse, das
das Schwachgas, danach gelangen Gas und Luft zum oben dargelegte Vokabular technischer Begriffe der
Brenner. Ist das b eheizte Kammerpaar auf etwa 1 . 200 S chwachgas-Regenerativ- Feuerung mit einzubeziehen.
Grad C aufgeheizt und hat das vorwärmende Kammer­ In meinen Bemühungen, das "heiße Generalthema"
paar infolge des Vorwärmens etwa 900 Grad C er­ mit kremationstechnischen Daten anzureichern, bin
reicht, wird umgeschaltet, es werden also die Funk­ ich nun nach mühevollen Recherchen zu einigen
tionen der zwei Kammerpaare umgewechselt; etwa alle Zwischenschritten gekommen.
20 min wird üblicherweise solche Umschaltung vor­ Namentlich habe ich durch eingehende Besichti­
genommen. gung mit sachkundiger Führung im Krematorium des

35
Lagerkomplex Au schwitz, Aufnahme 1977

Friedhofs Hamburg-Ojendorf, der modernsten Groß­ während Dauerbetrieb eines Ofens auf 6 bis 7 Ein­
anlage Europas derzeit, ausgerüstet mit vier Volkmann­ äscherungen je Schicht, also 50 Minuten bis 70 Minu­
Ludwig-Ofen mit Erdgasvorheizung, mich in die mo­ ten je Leichnam, gebracht zu haben, was einen Fort­
derne Kremationstechnik eingeführt. Diese heutige schritt gegenüber der alten Heißluft-Kremation bedeu­
Brennkammer-Kremation in Schamott ausgekleideten tet, wo eine Einäscherung nach Fachliteraturangaben
Brennkammern mit 600 Grad C Kuppeltemperatur bei im Mittel bei 90 Minuten liegt. Der Erdgasverbrauch
Zufuhr unvorgewärmter Luft als Oxydationsmittel
· der Ojendorfer Ofen für das V orheizcn zu Betriebs­
stellten eine völlig andere und weit leistungsfähigere beginn am Wochenanfang bei durchgehendem Betrieb
Art der Verbrennung dar als die alte Heißluft-Krema­ bis Sonnabendfrüh liegt so, daß auf jede einzelne
tion mit Feuerungsgasvorheizung auf 1. 200 Grad C Kremation 8 Nm3 (Normal-Kubikmeter) Erdgas je
Kammertemperatur und anschließende Sargeinfahrung Leichnam entfallen.
und hierauf erfolgende Oxydation mit Heißluft um Alle diese Erkenntnisse bedeuten immerhin so viel,
1. 200 Grad C bis 1. 400 Grad C. daß Prof. Arthur Butz bestäti�;: wird, hingegen Thesen,
Maßgeblich für die heutige Brennkammer-Krema­ die weit größere Kremationsleistungen bei aufgefaßter
tion · ist es, daß die Erdgas-, Stadtgas- oder Heizöl­ täglicher Sterbehäufigkeit voraussetzen, eben nicht
Vorheizung nur der Anfangsanwärmung der Kammer bestätigt werden.
auf 600 Grad C bei Betriebsaufnahme dient und dann Meine Bestrebung, zu einer kremationstechnisch
mehrtägig bis Betriebsende im ununterbrochenen Drei­ "stichfe sten" und "wasserdichten" Ausarbeitung zu
schichtenbetrieb , j e Schicht 8 Stunden, drei S chichten kommen, erfordert nun doch noch mehr Unterlagen­
also 24 Stunden, gefahren wird, also kontinuierlich sammlung in bezug auf die alten Verfahren mit Heiß­
dann eine Kremation nach der anderen erfolgt. Für luft, insbesondere jener über Vergasung von Festbrenn­
diesen kontinuierlichen Betrieb dient das Sargholz als stoffen in Gasgeneratoren.
Brennstoff, weswegen Feuerbestattungssärge aus ge­ Hierzu habe ich mich bei maßgebenden deutschen
wachsenem Holz mit Lackierung nur aus Knochenleim­ Herstellern von Kremationsanlagen unter Begründung
lacken mit etwa 40 kg Sargholzgewicht je Leichnam allgemein fachtechnischen Interesses bemüht.
von durchschnittlich 50 kg Gewicht vorgesehen wer­ Die zeitgeschichtlich interessanteste F irma, Topf,
den. Selbst unter wärmetechnisch optimalen Umstän­ früher Erfurt, später Wiesbaden, ist seit einigen Jahren
den wird zur Totalkremation mit nur mineralischen liquidiert, und als " Zeitgeschichts-Hobbyist" von
Feststoffrückständen dermaßen viel Brennstoff benö­ " Feierabend bis Schlafengehen" sehe ich keinen von
tigt. Hierbei ist man erfreut, die Kremationsleistung mir aus zeitlich verkraftbaren Weg, mich um ein

36
Inforrnationsanfragen, die ich oft als Dozent tätige,
Herankommen zu bemühen.
ungewohnte Verschl ossenheit vermag ich mir nicht zu
Es verbleibe n zwei weitere j ahrzehntelang bis heute
in Tätigkeit stehende Firmen. erklären.

Eine davon hat auf mein Schreiben bis jetzt, ein Praktisch be deutet das für mich als ew ig berufsge­

Viertelj ahr lang, nicht geantwortet. Ich habe mich nun streßter "Hobby-Zeitgeschichtler mit wärme­

noch einmal in Erinnerung gebracht, vermute aber, daß te chnischer Fachspezifizierung" , daß ich mit meiner

nichts oder nur ein Höfl ichkeitsschreiben kommt. Bestrebung e iner kremationstechnisch wirklich fun­
dierten Ausarbeitung nun doch resignieren muß und,
Die andere antwortete nach einigen Monaten mit
mögen S ie dieses auch beklagen, dieses aufstec ke.
der Bitte um Mitteilung einiger näherer Angaben,
Sollte unerwartetetweise von den zwei Firmen nach
jedoch mit der Maßgabe, daß man w egen innerb etrieb­
längerer Zeit nicht nur üb erhaupt irgendetwas, sondern
licher Umstellungen auf geraume Zeit nicht an die
sogar reichlich Aufschlußreiches an Information kom­
Archive herankäme. I ch habe die näheren Angaben
men, will ich meine Bemühungen wieder aufnehmen
brieflich vor geraumer Zeit mitgeteilt ; gekommen ist
und werde mich dann zu gegebener Zeit ihnen gegen­
bisher nichts.
über wieder äußern.
Die eigenartige, mir sonst b ei anderen technischen
Hochachtungsvoll

N e u e Pe r sp e kt i ve n f ü r d i e
Fo r s c h u n g
Welche Zufälle doch in der Geschic hte zuweilen Wer weiß wie viel e Zeugen, Zeitgesc hic hts- Histori­
Beweislagen völlig ändern ! ker, Geric hte haben sic h dennoc h - bzw. ungeac htet
34 Jahre nach Beendigung des II. Wel tkrieges liefer­ dessen - seit langem in wesentlic hen Details festgelegt.
te die US Air F orce unbestechliche Beweise für das H ier nur wenige Beispiele :
makaberste Nac hkriegsthema , mit dem das ganze deut­ Der ehe malige Lagerko m mandant Rudolf H ö ss in
sche Volk bis zur Stu nde belastet blieb : Die behaupte­ den nac h seinem Tod durc h die ko mmunistisch- polni­
ten Vernic htungsstätten von Ausc hwitz, speziell Birke­ schen Beh ö rden herausgegebenen und dann von der
na.u, für die sich bislang keine Konstruktionspläne Deutsc hen Verlagsanstalt Stuttgart 1958 übernomme­
fanden, für dere n Tätigkeit auch die Funde fehlten, nen " Autobio graphischen Aufzeic hnungen - Kom­
sogar mit wenigen Ausnahmen die Liste n der Zuliefe­ mandant in Ausc hwitz" S. 161 :
rertransporte .

Pressere produktion :

A"' ,.,., Luft auf


einen Blick.' Stqmin..
II
und VernichtunK:sla· .J
ger. Am selben Tage :1
erkldrte das US·
· · ·

Kriegsministerium, 37
Luftangriffe auf
Ausch witz seien
»undurchfiihrbar«,
Norden

(Pressereproduktion)

US�LuftphotQ des Lagers Auschwitz 1 944:


"Gottes M ühlen mahlen langsam "

Also im Juni 1 9 44 täglic h 6 . 00 0 mindestens (und


" Du rch .die fe i nd l iche Lufttätigkeit ab 1944 durfte nac hts
n ic ht mehr gebra nnt werden. D i e er reic hte höchste Zahl i nner­ nur am Tag durfte laut Höß gebrannt werden) . Dem­
halb 24 Stunden an Vergasu ngen u nd Verbrennu ngen war etwas zufolge müßte es auch so an jenem Montag dem 26.
über 9. 0 0 0 an a l len Stel len a u ßer 1 1 1 ( " Bu nker" 1 1 1 ) im Sommer Juni 1 9 44 gewesen sein, an dem die eine der US
1944 wä hre nd der Unga rn- Aktion, a l s d u rch Zugverspätu ngen Luftaufnahmen ge mac ht wurde. - Doch ist dort weder
anstatt der vorgeseh enen d re i Züge fünf Züge i n nerha l b 24 Rauch aus den Krematorien zu sehen, noch aus nahe­
Stu n de n e i nl i efen u n d d i ese au ßerdem noc h stärker belegt gelegenen Gruben oder Gräben. Auch sind keine Hal­
wa ren." den von Brennmaterial sic htbar. Daß von solcher Höhe
Es soll also 1 9 44 nur am Tage verbrannt worden (ca 6 . 0 0 0 Meter ) auch kleine Rauchentwicklungen
sein . - Der Verlag garantiert dem Betrachter der sichtbar wären, zeigen deutlich jene Aufnahmen vom
Luftaufnahmen, daß seitens des herausgebenden Ver­ 1 3 . Septe mber 1 9 44 anläßlich der Bombeneinschläge
lage s in den US Air F orce Luftbildern keinerlei Re­ bei dem einen der großen Luftangriffe auf den In­
tuschen vorgeno mme n, also auch keine Rauchsäulen dustrie- Komplex Auschwitz.
wegretuschiert worden sind . Offensichtlich haben die Bernd Naumann in " Auschwitz - Beric ht über die
Amerikaner diese Luftbilder bei den im besiegten Strafsache gegen Mulka u.a. vor dem Schwurgericht
Deutschland durc hgeführten Prozessen nicht vorgelegt, Frankfurt " , Athenäum Verlag Frankfurt - Bann 1 9 6 5
weil sie keine Bestätigungen für die Holocaust­ S. 2 20 - 2 2 1 :
behauptungen daraus entnehmen konnten ; auch hatten " I m F rühjahr 1 944 erlebte Ausc hwitz sei nen H öhepu nkt . . . .
sie während des Krieges keine derartigen Schlußfolge­ E i n e b i s zu de n neuen Krematorien führende d re igleisige
runge n aus j enen Foto s gezogen. E isenba hnan l age ermög l ic hte es, daß ein Zug entladen wu rde
Rudolf Höss weiter, S. 1 5 7 : Die Asche der durch u nd der näch ste sc hon ei nfu hr. I m D u rc hschn itt trafen täg l ich
Gas Ermordeten und ansc hließend Verbrannten wurde 1 0. 000 Menschen in Bi rkenau ein."
"durch eine Knochenmühle in Staub zermahlen" . - Die gestochen scharfen US Luftaufnahmen haben
Der Standort einer solchen Knochenmühle ist bis heute somit ausgerechnet " deh Höhepunkt" der Tätigkeit in
nie lokalisiert worden (auch gibt es keine anderen Auschwitz festgehalten. Man kann sogar die Anzahl
Belege dafür) . Ob die Luftbilder hier weiterhelfen? der Eisenbahnzüge erkennen.
Für Hinweise wäre der Verlag dankbar. Unabhängig vÖ n diesen Luftaufnahmen ist in den
Gerald Reitlinger in " Die Endlösung" , Colloquium " National Arc hives and Records Service" , Washington,
Verlag, Berlin 1 961 ( 4 . Aufl. ), S. 1 3 7 : D.C. 20408, U. S. A. auch die " Co mbat Chronology "
" D ie Entwicklung der Gaska mmern i n Bi rkenau, d i e i m J u n i ( Kampf Chronologie ) der " Air Forces in Wo rld War II"
1 944 täg lich 6. 000 u nd a n e i n e m Tag sogar 1 0.000 Menschen einzusehen, die belegt, daß die weiträumigen IG­
töteten, ... " Farben Werke im Jahre 1 9 44 viermal von insg. 1 . 7 00
in einer Großbombern angegriffen worden sind . Die in diesem
" Ze it, da die Schornste i ne der K re matorien d i e größten Zusammenhang j üngst von dem amerikanischen H isto­
Rauchwol ken ausstießen" (S. 51 1 ) u nd " d i e Vergasungen bis riker David S. Wyman aufgeworfene Frage, warum
Ende Oktober 1 944 a n h ielten" (S. 5 1 2) denn die U S-Luftwaffe bei gleicher Gelegenheit nicht

38
Norden

t
US Air Force Auf­
nahme vom 25.
August 1 9 44 : Be­
hauptete Gas kam
mer (I) ca 300
Meter von der gro­
ßen Lagerküche
entfe rnt ( Vergl.
B e z e i c h n u ngen
mit Bild S . 3 8 ) .

auc h gleichzeitig gez ielt die Vernic htungsanlagen von " Es wu rde das Bau ernge h öft westl i c h der späte ren Kremato­

Auschwitz zerstört habe, blieb seitens der Verantwort­ rien 1 1 1 u nd IV ausgewä hl t u nd herger ic htet. Zur Entkleidu ng

lichen in Washington unbeantwortet. wa ren bei m Bu nker I zwei u n d be i m B u n ker I I · dr ei Baracken

In der Urteilsbegründung z um Ausc hwitz-Prozeß in


entstanden. Der Bu n ker I I wa r g rößer, er faßte ca. 1 . 200
Person e n . "
Frankfurt / M 1 965 heißt es auf Seite 31 :
Unter Bunker I verstand H öss das Bau ernhaus Nr. I
und unter Bunker II das Bauernhaus Nr. li. Da diese
" Zu m Bereich des Lagers B i rkenau gehörten auch zwei
" Bunker" - also Bau ernhäuser - bis Ende O ktober
no rdwest l i ch vo m Lager im Gelände l iegende Bau e r nhäuser, d i e
1 9 44 " in Betrieb" gewesen sein sollen, müßten sie auf
im Jahre 1 942 zu Vergasu ngsansta l te n umgebaut w orden s i nd.
den Luftaufnahmen erkenntlic h sein. Sie w urden je­
(Sie wu rden auch Bu nker I und I I gen a n nt - S. 83, a n a nderer
doc h bislang nic ht entdec kt. Das sie ange blich um­
Ste lle - S . 295 - als Bu nke r V bezeichnet ) .
gebende " Birkenwäldchen " wird in amerikanisc hen
... Ferner gehö rten z u m Lager B i rkenau vier westl ich vom
Veröffentlic hungen als unmittelbar n ördlic h, also nic ht
Lager im Jahre 1 943 er ric htete Krematorien m i t Gaska mmern
" westlic h" ( H ö s s ) , auch nic ht " nord-westlich" ( Ausc h­
(die K re matorien I · I V ) , die ebe nfa l l s der Tötu ng u nzähl iger
witz- Pro zeß ) von " Kremato rium V " bzw. " Gaskammer
Mensc hen dienten . . . .
V" ausgewiesen. ( Die amerikan ische Definition für die
(S. 99: )
" Gaskammern li - V" entspric ht der H öss- und Ausch­
Be i de n u mgebauten Bauernhäusern, i n denen d i e RSHA­
wit z- Prozeß Definition " I - IV" . Doch weder innerhalb
Transpo rte ab Sommer 1 942 in gle icher We ise mit Zyklon B
dieses Wäldche ns noch in dessen Nähe, noch westlic h
getötet wurden, befanden sich mehrere Baracken, i n denen sich
von " Kre mato rium IV" sind zwei Bauernhäuser ( auch
die zum Tode best i m mten Me nsc hen auszu k l e iden hatte n . . . .
keine getarnten ) mit zugeordneten Baracken zu finden,
Für die K remato rien I · I V, be i denen sich d i e Entkleidu ngs­
auc h z ugeordnete Grub en oder Gräben fehlen.
u nd Vergasu ngsräu me unter der E rd e u nd d i e Verbrennu ngsöfen
Festgestellt sei ferner, daß auch auf den anderen
über de r E rde, jedoch im gleichen G ebäude befanden ... "
vorhande nen US-Luftaufnahmen des Frühjahrs und
Sommers 1 9 44 - also vom 4. April, 26. Jun� 26. Juli,
In den bereits erwähnten " Autobiographischen
25. August und 1 3. September - nirgendwo Rauch aus
Aufzeic hnungen vo m ehern. Lagerkommandanten
Schornsteinen der Krematorien oder auch in deren
Höss" ist auf S. 1 60 (deutsc he Ausgabe 1958) ver­
Umgebung ( G ruben oder Gräben ) zu entdec ken ist.
merkt , daß die Krematorien 111 und IV von leichterer
Bauart als I und II waren, und sic h dort (also bei III ............................................................
.
und IV) die Auskleide- und Vergasungsräume ober­
: f
Eine komplette Bildvorlage befindet sich als
irdisc h befanden . Diese Aussage steht somit im Wider­
! Anlage zum soeben erschiene nen Buch :
!
spruc h zur Begründung des Auschwitz-Prozeßurteils.
i "Auschwitz im IG-Farben Prozeß - Holocaust- : i •
Gleic hermaßen auc h die Darstellung von Höss in seinen •

: dokume nte ? "


"Autobiograp hischen Aufzeic hnungen" S. 1 56 : :

i
� D*D*D*D*D*D*D*D*D*D*D*D

39
AU S C HWI T Z im IG - Fa r b e n P r o z e s s
H ol ocaustd o ku m ente ? •

Hrsg. von U do Walendy

404 S. + Ill . , eine re ine Dokume ntatio n , L n , DM 3 8 ,- Cov. DM 3 2,-

Als e iner de r großen Wirtsc haftsprozesse, die die U S- B e sat z u n�smacht nac h 1 945 gege n
Deutschland führte , ist der I G- F arben Proze ß 1 9 4 7/48 von beso nderer historis c h e r Bedeut ung:
Zum eine n deswegen, weil die A n klage gegen dieses größte deu tsche " W irt schaftsimperium "
restlo s z usam me ngefalle n ist, Rüstungsschritt macher u nd Mi tversch wörer für Aggression und
Völkerversklavung gewesen zu sein. Z u m andern auf Grund der Tatsac he, daß I G- Farben m itte n im
Krieg aus eige ner Kraft in Auschwitz ein Großwerk mit über 3 0 . 000 Besc häft igten buchstäblich aus
dem Bode n gestamp ft hatte, - ausge sprochen dort, wo die Reichsführu ng zur seihen Zeit eine
Massenve rnichtungsstätte - ebenfalls aus dem N ic hts - installiert ·habe n soll, in der M illio n e n
Mensc he n durch G a s getötet und spurlos zum Versc hwinde n gebrac ht worden sein sollen.

Willi Krämer:
Vom Stab HeB zu Dr. G oebbels
'
Als ehem aliger Mitarb e ite r i m " Stab H eß " u nd d e s R eic hspropagandaleiters d e r N S DAP , Dr.
Goebbels, legt W illi Krämer nac h langjähriger Vorarb eit einen Beric ht üb er seine Arbeit in den
Jahren 1 93 8 bis 1 9 45 vor. - Im " S tab Heß " oblag ihm die L eitung des Organisationsreferats, wo er
die Koordinierung de r organisa torischen Struktur d er Gesamt-Parte i mit allen Reichsl eitern u nd den
Le itern selbständiger " Hauptämter der N S DAP" vorzunehmen h at te . - 1 940 folgte er de m Ruf, in
die "Reic hspropagandaleitung der NSDAP" einz u treten. - Von bis z u m Ende des Krieges1 942
leitete er das " Stabsam t der R eic hspropagand aleitung " . - Willi Krämer gehört zu wenige n noch
Überlebenden, die die organisatorische Verfle ch tung d er N S DA P mit alle n den ihr angesc hlossenen
Organisationen und Verbänden (z . B . D eu tsc he Arb eitsfron t, N S-Vol kswo hlfahrt usw . ) einschl ießlich
· deren p ersonelle n B esetz unge n genau kennen .

" Ein Schuß Preußenturn " fehlt


allerorten. Preuße n blieb zer­
schlagen und diffamiert bis zur
Stunde vo n Mäc hten, die
Deutschlands Kraftque lle im
Herzen tre ffen wollten. Welches
aber waren die Werte , mit de­
nen Preuß enturn zum Sinnbild
vo n Ordnu ng und Macht
N i colaus v. Below
geworden war ?
424 Seiten, 50 Abb . , Do k. , A l s H itlers Adj utant
Anh., Pers. + Sac hreg. , Ln DM
3 8, - 1 937 - 1 945 .
Gerha rd B re nnecke c a . 500 S e i te n ,
D o k u m e n te u n d
Die Nürnberge r Geschichtsent stellung
P h otog raph i e n ·

Quellen zur Geschichte de s Zweiten Weltkrieges, die exakte G egen­


beweise für die Feststellunge n des Nürnb erger Siegertribunals g e b u n d e n D M 48 , -
liefern.
42 8 Seiten, Abb. , Reg. , LN DM 3 6 ,-

Hildegard Fritzsche

Vor dem Tribunal der Sieger Ado l f H i t l e rs Ad j utant u n d e ngster Verbi n d u ngs­
Gesetzlose Justiz i n Nü rnberg
man n von 1 937 - 1 945, Oberst N ico l a u s v.
320 5., Großf., bebildert, Dok.-Anhang, Goldpr., farb. Below ' veröff e nt l icht bisher u n be k a n nte Doku­
lam. Schutzu. Ln. 42, - DM
me nte u n d B i l de r a u s Privat besitz, d ie für d i e
Die Nachkriegserlebn isse sammelten sich bei Fritzsche
wie in einem Brennglas : im Nü rnberger Prozeß der Ein­ i nternati o n a l e G esc h ic htsforsc h u ng n eu e Beu rtei­
undzwanzig, in dem er stel lvertretend für Goebbels an­
geklagt war. l u ngsgru n d l agen l i efe rn . Die H i n tergrü nde für
Sein Bericht, messerscharf form ul iert, über den Ablauf H i t l ers Kriegse rk l ä ru ng an d ie U SA, Pol en u nd
di eses Prozesses, über jeden ei nzelnen der Angeklagten
und ihren Kampf, über die Prozeßmethoden, über Kläger, d i e Sowj etu n i o n , d i e R o l l e M a rti n Borma n ns, 20.
Richter, Zuschauer, Gefängnisoffiziere, Wärter, Presse­
leute und Psychologen, alles das ist von Hildegard Ju l i u n d H o l ocaust sow i e H it l e rs Gedanken zu r
Fritzsche nach den Berichten Hans Fritzsches glänzend Neu gesta l tu n g E u ropas stehen im M itte l p u n kt
beschri eben und ungemein anschaulich und fesselnd zu
lesen. d i eser Memo i re n .
Unabhängig vom U rteil einer vom Haß verblendeten
Umwelt ringen die ei nstigen Führer des Reiches, jeder für
sich in seiner Zelle oder gemeinsam bei den kärglichen
Sprechmöglichkeiten um die E rkenntnis i h rer Verantwor­
40 tung im nationalsozial istischen Deutschland.