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Absichtserklärung Ein Wegweiser für die Zukunft des Radrennsports London, Großbritannien 02. - 03. Dezember 2012

Absichtserklärung

Ein Wegweiser für die Zukunft des Radrennsports

London, Großbritannien

02. - 03. Dezember 2012

Wir haben diese Erklärung als gemeinsames Credo mit dem Ziel geschaffen, dass sie von den Mitgliedern des Weltradsportverbands UCI, der Welt-Antidoping-Agentur (WADA), den nationalen Antidoping-Behörden und der Radfahrergemeinschaft umgesetzt wird.

Diese Erklärung ist unsere gemeinsame Bestätigung der Werte, Prinzipien und Maßnahmen, die alle beteiligten Akteure im Interesse der Zukunft des Radrennsports annehmen, umsetzen und verbreiten sollten.

Wir versichern das Folgende:

Prämisse:

A. Die Glaubwürdigkeit und der Ruf des Radsports wurden durch Handlungen und versäumte Handlungen des UCI, einigen Managern von Radsport-Teams und einigen Radsportlern beschädigt.

B. Der komplizenhaften Billigung von Dopingpraktiken wird im Radsport heute und in der Zukunft kein Platz mehr eingeräumt.

C. Im Radsport müssen Dopingpraktiken offen, wahrheitsgemäß und schlichtend diskutiert werden, um sich von der Vergangenheit lösen zu können.Jeder

produktive Wahrheitsfindungs- und Schlichtungsprozess muss Zuversicht, Vertrauen, Einigkeit und Transparenz fördern.

D. Beim Wahrheitsfindungsprozess müssen alle Parteien über die Prinzipien der „Null-Toleranz" hinaus blicken.Es müssen Mittel und Wege gefunden und angenommen werden, um die Beteiligten zu ermutigen, mit der Vergangenheit völlig offen, transparent und ohne Angst umzugehen.Die Praxis der „Null- Toleranz" wird die Schweigepflicht, die Omertà, aus Angst vor Rache und Sanktionen mit harten Strafen, aufrechterhalten.Wir dürfen keine Angst vor der Wahrheit haben.

E. Die Transparenz des Wahrheitsfindungs- und Schlichtungsprozesses wird eine solide Basis dafür schaffen, dass Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden können und ein völlig gemeinschaftliches Anti-Doping-Modell mit allen Interessenvertretern entworfen werden kann.

F. Sobald das Ausmaß der damaligen Praktiken im Radsport enthüllt, die Konsequenzen gezogen und eine Amnestieperiode bestimmt wurden, muss ein Umfeld geschaffen werden, in dem Doping-Praktiken nicht toleriert werden.

Leitsätze

1. Kommission zur Wahrheitsfindung und Schlichtung

Der Radsport muss die Omertà brechen und eine unabhängige Kommission zur Wahrheitsfindung und Schlichtung (TRC) etablieren.Wir sind uns der Komplexität der Probleme bei der Wahrheitsfindung und Schlichtung bewusst.Wir werden uns den Entscheidungen maßgebender Verbände, wie z. B. WADA, bezüglich der Vorgehensweise beugen, aber im Sinne dieser Erklärung glaubt diese Gruppe an die folgenden Leitsätze.

Die TRC muss Informationen von Fahrern, Teammitarbeitern, Sportorganisationen und anderen Interessenten über Doping-Praktiken und die Verwendung von Dopingprodukten innerhalb des Profiradsports erhalten.Die TRC muss Informationen sammeln, Zeugnis ablegen, Anhörungen aufzeichnen und durchführen, um sich über die damaligen Ereignisse Klarheit zu verschaffen.

Die TRC muss unabhängig sein.Alle Teams, Fahrer und Mitarbeiter müssen direkt vom Präsidenten des UCI angewiesen werden, sich in der TRC zu beteiligen.Die Parteien, die sich nicht in der TRC beteiligen und denen später eine Beteiligung beim Doping nachgewiesen wird, sollten die höchstmöglichen Strafen erhalten.Wir wollen alle Interessenten dazu ermutigen, an diesem Prozess ehrlich teilzunehmen.

Die TRC sollte zur Empfehlung einer Amnestie für alle Fahrer, Teammitarbeiter und -administratoren, die Doping begangen haben oder darin verwickelt waren, ermächtigt werden, vorausgesetzt:

a) die Partei sorgt für eine komplette und offene Bekanntmachung

b) die Partei übernimmt die volle Verantwortung für ihre Rolle bei Doping- Praktiken

c) der einzige Grund für die angewendete Doping-Praxis war das Streben nach sportlicher Höchstleistung

Eine Amnestie darf nur während der Tätigkeit der TRC gewährt werden.Sobald die vom TRC gewährte Frist abläuft, endet auch die Möglichkeit, eine Amnestie gewährt zu bekommen.

2. Unabhängige

Kommission

Führungsstabes

zur

Überprüfung

des

UCI

und

des

Eine unabhängige Überprüfungskommission (ICR) muss eingerichtet werden, um den UCI zu überprüfen. Die ICR muss Folgendes erhalten:

a) eine vollständige Aufstellung an Informationen von einer Quelle, die sich nicht in einem Interessenkonflikt befindet

b) Ressourcen für die Untersuchung

c) Unterstützung durch WADA und USADA, um einen angemessenen Aufgabenbereich einzurichten

Die ICR muss:

a) ermächtigt sein, sämtliche Unterlagen, die sich im Besitz, im Einflussbereich und in der Kontrolle des UCI befinden, aufzudecken

b) ermächtigt sein, relevante Dokumente und Zeugenaussagen von Dritten einzuholen, die eine vollständige Untersuchung gewährleisten

c) die volle Autorität innehaben, Zeugen zu vernehmen

d) Dopingtestdaten von der WADA anfordern

e) ihren Befund zwei Monate vor einer außerordentlichen Sitzung des Kongresses publizieren

3. Unabhängige Dopingkontrollen

Die Kompetenz für die Entscheidung wer wann und auf welche Drogen getestet wird, muss bei einer unabhängigen Körperschaft liegen, die nicht vom UCI kontrolliert wird.

Die Schaffung des unabhängigen Organs wird:

a) Interessenkonflikte beseitigen

b) Integrität und Vertrauen in den Prozess schaffen

c) begünstigendes Handeln zugunsten einzelner Parteien verhindern

4. Kulturelle Veränderungen im UCI

Die Kultur und das Management des UCI müssen sich ändern.

Der UCI muss:

a) zu jeder Zeit im besten Interesse der Gesundheit und des Wohlergehens der Fahrer handeln

b) Personen innerhalb des UCI austauschen, die gegen die Interessen des Sports gehandelt haben

c) Positionen ändern, die eine unangemessene Beeinflussung in der Organisation ermöglichen

d) Vertrauen und den Glauben an den Sport wieder herstellen

e) Fans als wesentliche Interessengruppe anerkennen

f) eine kulturelle Veränderung von Exklusivität und Heimlichtuerei hin zu Transparenz und Offenheit vorantreiben

g) ein Auftreten entwickeln, das nicht diktatorisch und aggressiv ist, sondern eine Führungsstärke zeigt, die Selbstvertrauen, Vertrauen, Einigkeit und Transparenz vermittelt

h) kollegiale und kooperative Partnerschaften mit Radfahrern, Teams, Mitgliedern, Lizenzinhabern, Interessengruppen, Anti-Doping- Fachkräften und Behörden entwickeln