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Nr. 39/12 24. September 2012
Nr. 39/12
24. September 2012
www.focus.de
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Nr. 39/12 24. September 2012 www.focus.de OBAMA / ROMNEY WER FÜR UNS BESSER IST Check zur
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Krieg & Frieden
PEER STEINBRÜCK
Kann er
Kanzlerin?
Krieg & Frieden PEER STEINBRÜCK Kann er Kanzlerin? Die neue Biografie enthüllt eine Affäre Sarrazin-Mobbing

Die neue Biografie enthüllt eine Affäre

Sarrazin-Mobbing

So litt die Ehefrau des Provokateurs

Bestseller-Autor

John Irving über Sex und Obsession

des Provokateurs Bestseller-Autor John Irving über Sex und Obsession Die Auto-Show Die Premieren vom Pariser Salon
des Provokateurs Bestseller-Autor John Irving über Sex und Obsession Die Auto-Show Die Premieren vom Pariser Salon
des Provokateurs Bestseller-Autor John Irving über Sex und Obsession Die Auto-Show Die Premieren vom Pariser Salon

Die Auto-Show

Die Premieren vom Pariser Salon

Fotos: P. Schirnhofer/FOCUS-Magazin, laif

MEMO DER STV. CHEFREDAKTEURIN

laif MEMO DER STV. CHEFREDAKTEURIN VON CARIN PAWLAK Wadenkrämpfe? Verspannungen? Und wir

VON CARIN PAWLAK

laif MEMO DER STV. CHEFREDAKTEURIN VON CARIN PAWLAK Wadenkrämpfe? Verspannungen? Und wir verstecken unser
laif MEMO DER STV. CHEFREDAKTEURIN VON CARIN PAWLAK Wadenkrämpfe? Verspannungen? Und wir verstecken unser
Wadenkrämpfe? Verspannungen?
Wadenkrämpfe?
Verspannungen?
VON CARIN PAWLAK Wadenkrämpfe? Verspannungen? Und wir verstecken unser Kreuz IN 2962 METER HÖHE, auf

Und wir verstecken unser Kreuz

IN 2962 METER HÖHE, auf der Zugspitze, ist man Himmel und Herrgott recht nah. Im irdischen Garmisch-Partenkirchen, 2254 Meter weiter unten, hat der Touris- musverband etwas unternommen, damit die landesübliche Nähe zum Christentum nicht für jeden sichtbar ist. In Werbebro- schüren für den höchsten Berg Deutsch- lands scheint dem spanischen, britischen oder japanischen Touristen der Anblick des 300 Kilogramm schweren, vergol-

Touristen der Anblick des 300 Kilogramm schweren, vergol- Die Realität Das Gipfelkreuz auf der Zug- spitze,

Die Realität Das Gipfelkreuz auf der Zug- spitze, vorn eine muslimische Touristin

deten Gipfelkreuzes durchaus zumut- bar. Im arabischsprachigen Prospekt ist es schlicht weg. Der Kreisheimatpfleger pflegt vorauseilend Verständnis für die Befindlichkeiten muslimischer Touristen:

„Wenn die das Kreuz nicht sehen wollen, dann lassen wir es halt weg.“ Empfindungen sind Auslöser für die Unruhen in der islamischen Welt. Re- flexartig reagieren auch viele im Wes- ten. Religiöse Gefühle seien verletzt wor- den durch das Video „Innocence of the Muslims“ und die Karikaturen der fran- zösischen Satirezeitung „Charlie Heb- do“, die unter anderem zeigen, wie je- mand den nackten Hintern des Prophe-

FOCUS 39/2012

ten filmt. Was dabei vergessen wird:

Der Filmmüll (durch den sich vor allem Filmschaffende aller Länder beleidigt fühlen müssen) stammt von einem ägyp- tischen Kopten und wurde auch nicht von westlichen Medien verbreitet, sondern kursierte schon etliche Wochen vor den Tumulten im Internet. Die vermeintlich spontanen Wutaktionen frommer Belei- digter, sie sind filmreif inszeniert. Meinungsfreiheit ist existenziell wich- tig. Sie wegen eines Schmähstreifens oder diffamierender Karikaturen einschränken zu wollen wäre sträflich. „Was darf Satire? Alles“, hat der Chefsatiriker Kurt Tuchols- ky zu Recht befunden. Noch mehr Denk- polizei braucht wirklich kein Mensch. Ob man allerdings den nackten Prophe- ten, den Papst als inkontinenten Greis oder, wie gerade bei den Filmfestspielen in Venedig, eine Frau mit dem Kreuz mastur- bierend sehen will, ist vielmehr eine Frage des Geschmacks. Meist des schlechten.

WENIGER UM GESCHMACK, aber um mindestens ein Geschmäckle geht es in unserem Stück über den Politiker Peer Steinbrück ab Seite 22. Als Finanzminis- ter hat er die Chefs von Post und Tele- kom auf ministerialem Briefpapier um eine Millionenspende für ein Turnier in seiner Lieblingssitzsportart Schach ange- schnorrt. Der kantige Politiker will auch sonst seinen Willen durchdrücken. Im Kandidatenrennen der SPD hat er wohl große Chancen. Davon ist mein Kollege Daniel Goffart überzeugt. Unser Haupt- stadtbüro-Chef hat eine aufregende Bio- grafie über Steinbrück geschrieben, die in dieser Woche erscheint. Sie zeigt, wie der SPD-Mann aus Niederlagen oft Siege machte. Die größte Hürde kommt erst:

Kann er auch Kanzlerin?

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Montage: FOCUS-Magazin

Titel: Fotos: Ben Baker/Redux/laif; Reflex Media; Getty Images Foto: M. Krug/photoselection

INHALT Nr. 39 / 24. September 2012

22 70

Angekratzt

Peer Steinbrück, SPD, soll Kanzler werden. Jetzt holt ihn eine Affäre ein

Ausgerüstet

Deutsche Konzerne bieten Produkte wie den Leopard 2 weltweit an

84

Durchgestylt

Louis-Vuitton-Chef Yves Carcelle will Kunst und Produkt verbinden

TITEL

Yves Carcelle will Kunst und Produkt verbinden TITEL ä 54 Mr Cool und der Pannenmann  

ä

54

Mr Cool und der Pannenmann

 

Barack Obama gegen Mitt Romney: Wer steht hinter den US-Präsidentschafts-Bewerbern?

 

58

Zur Sache, Kandidaten!

 

Worum geht es den Kontrahenten? FOCUS checkt ihre Positionen

 

62

Wer wäre der Bessere für uns?

 

Die Deutschen sind treue Fans von Barack Obama – womöglich ein Missverständnis

   

POLITIK

ä

22

Kandidat mit Kratzer

 

Eine Schach-Affäre überschattet die SPD- Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück

 

28

Von wegen Mädchen

Ilse Aigner soll die CSU retten

ä

30

»Uns entgeht eine Billion«

Ein EU-Kommissar gegen Steuerhinterzieher

32

Muslim-Terror

Wer beim Weltenbrand zündelt

36

Kriegsgefahr im Pazifik

China und Japan streiten um Inseln

 

REPORT

38

»Eine Hexenjagd«

Die Frau von Thilo Sarrazin beschreibt sich als Mobbing-Opfer

42

»Hast du Problem?«

Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky über kriminelle Migranten

44

Frage der Schuld

Wie die Ermittlungen zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs immer wieder behindert werden

46

Brennpunkt: Der MAD

48

Mörderischer Nachlass

Die schwierigen Ermittlungen zu den Waffen der NSU-Terroristen

50

Brisanter Hinweis

Berliner V-Mann-Affäre weitet sich aus

50

Doktor Fragwürdig

An mindestens drei Uni-Kliniken operierte offenbar über Jahre ein falscher Arzt

52

Profile

ä Titelthemen sind mit rotem Pfeil gekennzeichnet

106

Gas gegeben

Deutsche und britische Modelle wie der McLaren P1 bestimmen das Bild beim Pariser Auto- salon. Gastgeber Frankreich ist nur schwach vertreten

WIRTSCHAFT

70

Waffen für die Welt

Der Sparkurs der Bundeswehr treibt deutsche Rüstungsfirmen auf ausländische Märkte

74

Heiter bis stürmisch

Wie riskant ist Offshore-Windkraft? Ein Besuch der weltgrößten Anlage

77

Billig-Attacke der Lufthansa

So will die Airline ihre Verluste verringern

78

Web-Wirtschaft

Persönliche Internet-Werbung in Millisekunden

80

Montag ist Zeugnistag

82

Geldmarkt

84

»Ich glaube nicht an Grenzen«

Der Louis-Vuitton-Chef über Kunst im Kommerz

86

Marktplatz

 

FORSCHUNG &TECHNIK, MEDIZIN

92

Glanz und Elend der Kelten

Die mysteriösen Mitteleuropäer bauten über- raschend früh Städte – die wieder untergingen

96

Kameras gehen online

Die wichtigsten Trends der Messe Photokina

100

Die neuen Kinderkrankheiten

Verwahrlosung nimmt zu

104

Perspektiven

Inhalt: Fotos: Dieter Bauer/FOCUS-Magazin, Tom Hoenig/Visum, Louis Vuitton, Polaris/laif, Josef Seitz/FOCUS-Magazin

Louis Vuitton, Polaris/laif, Josef Seitz/FOCUS-Magazin 118 Ausgezaubert Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling

118

Ausgezaubert

Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling schreibt jetzt für Erwachsene

124

Angesext Wo er singt, öffnen sich die Mieder. Andreas Gabalier ist die neue Hoffnung der
Angesext
Wo er singt, öffnen
sich die Mieder. Andreas
Gabalier ist die neue
Hoffnung der Volksmusik
   

AUTO

ä 106

Pariser Salon

Volkswagen & Co. dominieren die Auto- Ausstellung. Aber wo bleiben die Gastgeber?

108 Schon gefahren

So schlagen sich die Messe-Stars von Renault, Seat und BMW auf der Straße

KULTUR & LEBEN, MEDIEN

113

Überall Rassismus

Vielleicht sind auch bloß die Alarmmelder defekt, meint FOCUS-Autor Michael Klonovsky

ä »Ich war immer leicht reizbar«

114

US-Bestsellerautor John Irving im Interview

118 Zurück auf Los

Wie sich die Harry-Potter-Autorin und Buch- Milliardärin J. K. Rowling neu erfindet

121

Die Harald-Schmidt-Kolumne

Warum immer die Falschen reich sind

122

»Die Illusion von Sex«

Hollywoods Eigenbrötler Tommy Lee Jones über peinliche Bettszenen und Paartherapien

124

Rock ’n’ Roll im Streichelzoo

Hoffnungsträger in Lederhose: Andreas Gabalier bringt Sex in die Volksmusik

128

Feiern wie die Bayern

Der Trend geht zur Tracht

130

»Das andere Leben«

Schauspieler Jan Josef Liefers über die Versuche, in der DDR moralisch zu bestehen

132

Die DDR bürgerlich

„Der Turm“: Die gelungene Romanverfilmung

133

Bestseller

134

Mein Vater Rolf Eden

138

Boulevard

 

SPORT

140

»Kein Typ für Nagellack«

Gerlinde Kaltenbrunner, die Bezwingerin aller Achttausender, über die Todeszone

144

Sitz-Fußball in allen Stadien

Maßnahmenkatalog gegen Krawalle

146

»Der Gastgeber bestimmt«

Golf-Seniorprofi Langer über den Ryder Cup

146

Finale

 

RUBRIKEN

5

Memo des

103

Fax-Abruf

Chefredakteurs

110

Impressum

8

Wer, wo, was

148

13 Fragen:

10

Fotos der Woche

Sophie Marceau

17

Focussiert

150

Tagebuch

88

Leserbriefe

des Herausgebers

90

Leserdebatte

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von FOCUS gedruckt.

dem Giftschrank

aus abgelehnt,

»New Yorker«

Karikaturen

Vom

Karikatur: aus Matthew Diffee, „Die besten Cartoons, die der New Yorker nie druckte 2“, Liebeskind

Fotos: ZDF, fnoxx.de

DIESE WOCHE: WER WO WAS

Wussten Sie

dass von Apples neuem iPhone 5 in den ersten 24 Stunden mehr als 1400 Geräte pro Minute geordert wurden? Ob der Hype lohnt, lesen Sie auf Seite 104.

geordert wurden? Ob der Hype lohnt, lesen Sie auf Seite 104. „Jetzt, da die Kinder und

„Jetzt, da die Kinder und Enkel erwachsen sind, kann ich mich wieder ein wenig erotischeren Stickereien zuwenden“

MONTAG, 24.9.

„Der Turm“, Uwe Tellkamps Roman,

ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, feiert Premiere als Fernseh-Zweiteiler vor geladenen Gästen in Dresden. Erstausstrahlung am 3. und 4. Oktober in der ARD. Siehe auch Seite 132.

am 3. und 4. Oktober in der ARD. Siehe auch Seite 132. Historikertag mit einem Festakt.

Historikertag mit einem Festakt.

Den Festvortrag hält Verfassungs- gerichtspräsident Andreas Voßkuhle.

Die Mode des kommenden Sommers

stöckelt in Paris über die Laufstege bei den Prêt-à-porter-Schauen.

MITTWOCH, 26.9.

Hamburg lädt zum größten

Europäischen Neurologenkongress.

Diskutiert wird die Forschung zu Erkrankungen des zentralen Nervensystems.

DONNERSTAG, 27.9.

In Stockholm werden die Alternativen

Nobelpreise 2012 bekannt gegeben.

FREITAG, 28.9.

Die besten Golfer aus Amerika

und Europa messen sich in Medinah/

USA beim Teamwettbewerb Ryder

Cup. In der europäischen Mannschaft

steht heute Martin Kaymer auf der Starterliste (bis 30.9.).

Was den Bayern die Wiesn ist den Württembergern der Wasen:

Was den Bayern die Wiesn ist den Württembergern der Wasen: In Stuttgart beginnt das 167. Cannstatter

In Stuttgart beginnt das 167. Cannstatter Volksfest mit dem

In Stuttgart beginnt das 167. Cannstatter Volksfest mit dem Fassanstich durch Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Es
Fassanstich durch Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Es werden etwa 3,5 Millionen Besucher erwartet. Stefan Raab
Fassanstich durch Oberbürgermeister
Wolfgang Schuster. Es werden etwa
3,5 Millionen Besucher erwartet.
Stefan Raab präsentiert in Berlin den
Bundesvision Song Contest 2012,
unter anderem mit Xavier Naidoo und
Kool Savas. Um 20.15 Uhr auf Pro7.
SAMSTAG, 29.9.
Früher musste sie Walzer tanzen
können, heute kommt es eher auf
fundiertes Wissen in Kellertechnik an:
In Neustadt an der Weinstraße wird
die Deutsche Weinkönigin gewählt.
Die Ausstellung „Im Farbenrausch.
Munch, Matisse und die Expressio-
nisten“ eröffnet im Museum
Folkwang in Essen.

SONNTAG, 30.9.

Die britische Labour-Partei kommt

in Manchester zum Parteitag zusammen.

DIESE WOCHE AUF Wird Barack Obama am 6. November als US-Präsident bestätigt? Die Erwartungen, die
DIESE WOCHE AUF
Wird Barack Obama am
6. November als US-Präsident
bestätigt? Die Erwartungen,
die in ihn gesetzt wurden, konnte
er zwar nicht erfüllen. Allerdings
tappt Herausforderer Mitt Romney
von einem Fettnäpfchen ins
nächste. Alle Hintergründe unter
www.focus.de/us-wahl

Der Fall des ermordeten Bankiers-

sohns Jakob von Metzler ist heute um

20.15 Uhr der Fernsehfilm der Woche

mit Robert Atzorn in der Rolle des

Polizei-Vizepräsidenten Daschner.

DIENSTAG, 25.9.

Im Großen Saal des Mainzer

Schlosses beginnt der 49. Deutsche

Rummel und Festzelte Das Cannstatter Volksfest in Stuttgart ähnelt dem Münchner Oktoberfest
Rummel und Festzelte Das Cannstatter Volksfest in Stuttgart ähnelt dem Münchner Oktoberfest

SECRET MISSION

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Getragenes Zeremoniell Bei ihrer „Diamond Jubilee Tour“ in den fernen Osten des britischen Königreichs genießen
Getragenes Zeremoniell Bei ihrer
„Diamond Jubilee Tour“ in den fernen
Osten des britischen Königreichs
genießen Prinz William und Gattin Kate
beste Aussicht. In Honiara auf der
Inselgruppe der Salomonen lässt sich
das Paar zum Flieger tragen – und
wirkt dabei ein wenig verkrampft

Fotos: Mark Large/Getty Images, IMAGO

FOCUS 39/2012

FOCUS 39/2012

FOTOS DER WOCHE

MORITZ FREIHERR KNIGGE, 43

Etikette-Experte und Nachfahr des Benimmregel-Chronisten Adolph Freiherr Knigge

Nachfahr des Benimmregel-Chronisten Adolph Freiherr Knigge Trage- Komödie unter Palmen „SOLCHE AUFTRITTE werden bei

Trage-

Komödie unter Palmen

„SOLCHE AUFTRITTE werden bei uns immer recht kurios wahrge- nommen: Der ehemalige Kolonial- herr kehrt zurück auf ‚seine‘ Inseln im Pazifik und lässt sich von den Eingeborenen herumtragen. Dabei fühlen sich Prinz William und Kate sichtlich unwohl auf diesen Trage- Thronen. Eigentlich muss man das auch aus der entgegengesetzten Perspektive betrachten: Die Men- schen auf den Salomon-Inseln freuen sich sehr, dass ein möglicher Thronfolger der englischen Queen, ihres Staatsoberhaupts, auf ihr entferntes Eiland reist. Sie empfan- gen ihn und erweisen ihm die Ehre, ihn auf Schultern zu tragen. William dürfte von seiner Erzie- hung her wissen, dass er diese Ehrerbietung annehmen muss. Für seine Ehefrau, die als Bürgerliche damit nicht aufgewachsen sein muss, gibt es im Königshaus in solchen Dingen Berater. Rein theo- retisch wäre es natürlich denkbar, dass die beiden in dieser Situation ‚no‘ sagen und den Weg vom Boot zum Flugzeug zu Fuß zurücklegen. Aber das würde vermutlich als Ek- lat aufgefasst. Da lassen sie sich lieber tragen und winken ein we- nig gehemmt von oben herunter.“

11

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Fotos: Norbert Michalke/ FOCUS-Magazin, dapd

Fotos: Norbert Michalke/ FOCUS-Magazin, dapd FOTOS DER WOCHE YADEGAR ASISI, 57 Künstler, der schon das alte

FOTOS DER WOCHE

Fotos: Norbert Michalke/ FOCUS-Magazin, dapd FOTOS DER WOCHE YADEGAR ASISI, 57 Künstler, der schon das alte
Fotos: Norbert Michalke/ FOCUS-Magazin, dapd FOTOS DER WOCHE YADEGAR ASISI, 57 Künstler, der schon das alte
Fotos: Norbert Michalke/ FOCUS-Magazin, dapd FOTOS DER WOCHE YADEGAR ASISI, 57 Künstler, der schon das alte

YADEGAR ASISI, 57

Künstler, der schon das alte Rom und Pergamon als 360°- Panorama darstellte

das alte Rom und Pergamon als 360°- Panorama darstellte Die Mauer steht wieder – virtuell „DAS
das alte Rom und Pergamon als 360°- Panorama darstellte Die Mauer steht wieder – virtuell „DAS

Die Mauer steht wieder – virtuell

„DAS GETEILTE WEST- UND OST-

BERLIN – dem Besucher des Panoramas ‚Die Mauer‘ bietet sich ein detailgenauer Rundumblick. Gerade so, als stünde er direkt auf der Mauer. Für das 60 Meter lan- ge und 15 Meter hohe Mauer-Panorama habe ich die Sebastianstraße als Aussichts- punkt gewählt, weil man an keinem ande- ren Ort Berlins den Riss, der sich durch die Stadt zog, so deutlich gespürt hat. Der

Blick in den Todesstreifen Am früheren Checkpoint Charlie lockt diese Panorama-Installation der Berliner Mauer im
Blick in den Todesstreifen Am früheren Checkpoint Charlie lockt diese Panorama-Installation der Berliner Mauer im

Blick in den Todesstreifen Am früheren Checkpoint Charlie lockt diese Panorama-Installation der Berliner Mauer im Maßstab 1 : 1 die Besucher. Ein Jahr lang können sie auf die beeindruckende Rundum- perspektive der geteilten Stadt blicken

Rundum- perspektive der geteilten Stadt blicken Todesstreifen verlief hier entlang. Check- point Charlie,

Todesstreifen verlief hier entlang. Check- point Charlie, wo wir den Mauer-Rundum- blick vor wenigen Tagen eröffnet haben, ist nur einen Steinwurf von der Sebastian- straße entfernt. Meine 360°-Installation zeigt einen die- sigen Novembertag in den achtziger Jah- ren in einer alltäglichen Situation. Kinder spielen Fußball. Wir Westberliner hatten uns damals so sehr an die Mauer gewöhnt,

dass wir sie gar nicht mehr als Fremdkör- per wahrnahmen. Ich bin heute noch schockiert, wie sehr wir uns damals mit ihr arrangiert hatten. Wenn ich einen Gedanken im Betrachter anregen könnte, wäre es folgender: Wie lebe ich mit meinen Arrangements? Meiner Meinung nach sind Diktaturen dann stabil, wenn ihre Bürger sich mit den gesellschaft- lichen Verhältnissen abfinden. Ich habe

das antike Pergamon, den Mount Everest, das Amazonas-Gebiet und das alte Rom als 360°-Panorama gestaltet. Mit keiner dieser Installationen verbindet mich aber so viel wie mit dem Mauer-Panorama. Als Sohn eines iranischen Dissidenten habe ich meine Kindheit und Jugend in der DDR ver- bracht, bis sie mich 1978 in die BRD abge- schoben hat. Noch heute lebe und arbeite ich in der Nähe der Sebastianstraße.“

Fotos: action press, dapd

FOTOS DER WOCHE

DITA VON TEESE, 39

Star-Stripperin und Verehrerin des Cabarets „Crazy Horse“

und Verehrerin des Cabarets „Crazy Horse“ Pelz über die Ohren gezogen „SEIT ICH 17 JAHRE ALT

Pelz über die Ohren gezogen

„SEIT ICH 17 JAHRE ALT WAR,

verehre ich das ‚Crazy Horse‘. In einem der ‚Playboys‘ meines Vaters hatte ich dieses Foto vom legen- dären Nackt-Cabaret gesehen. Danach wollte ich nur noch dort- hin, wo diese atemberaubenden Mädchen tanzen. Ein oder zwei Jahre später flog ich tatsächlich nach Paris und sah die Show be- stimmt 20- oder 25-mal. Ein Crazy- Horse-Girl zu werden war danach für mich der große Lebenstraum. Diese Mädchen sind die schöns- ten aus allen Ländern dieser Erde. Alle tragen unterschiedlich hohe High Heels, damit sie gleich groß wirken. Auf der kleinen Bühne ihres Theaters erscheinen sie besonders langbeinig. Ein biss- chen uniform vielleicht – aber sehr cool. Sie erhalten außergewöhn- liches Tanztraining. Deshalb war es eine Ehre für mich, dass ich der erste Gaststar wurde. Es war hart. Die Frauen arbeiten 365 Tage im Jahr, daheim und auf Tournee – zwei Auftritte jeden Abend. In Las Vegas, wo ich im dortigen ‚Crazy Horse‘ auftrat, habe ich einen Hau- fen schmierige Burlesque-Shows gesehen. Aber man sollte nie das Original vergessen.“

14

14

schmierige Burlesque-Shows gesehen. Aber man sollte nie das Original vergessen.“ 1 4 14 FOCUS 39/2012 FOCUS

FOCUS 39/2012

FOCUS 39/2012

Staatsbesuch an der Themse Für einige Tage gastieren die Tänzerinnen des legendären Pariser Cabarets „Crazy
Staatsbesuch an der Themse Für einige Tage gastieren die Tänzerinnen des legendären Pariser Cabarets „Crazy

Staatsbesuch an der Themse Für einige Tage gastieren die Tänzerinnen des legendären Pariser Cabarets „Crazy Horse“ in London. Vor ihrem Theater posieren sie in britischem Ornat:

mit Bärenfellmützen auf dem Kopf und kleinen Pfund- Symbolen an den Strapsen

mit Bärenfellmützen auf dem Kopf und kleinen Pfund- Symbolen an den Strapsen FOCUSFOCUS 39/201239/2012 1 5
JETZT AUS DER SOMMERPAUSE ZURÜCK.
JETZT AUS DER SOMMERPAUSE ZURÜCK.

Jetzt F

an werden: facebook.com/moncheri

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Fotos: Reuters, dpa

FOCUSSIERT

250 Mrd. Euro sollen deutsche Steuerhinterzieher noch in der Schweiz bunkern
250
Mrd. Euro
sollen deutsche
Steuerhinterzieher
noch in der
Schweiz bunkern

Stopp der Steuerflucht Bargeldkontrollen wie hier bei Lindau soll es auch nach Inkrafttreten des deutsch-schweizerischen Steuerabkommens geben

Mehr deutsches Schwarzgeld in der Schweiz

WARNUNG Unmittelbar vor der Ent- scheidung über das deutsch-schwei- zerische Steuerabkommen hat sich der Streit auch unter Experten verschärft. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) vergleicht die geplante Pauschal- steuer für bislang nicht entdecktes Alt- vermögen mit einer „Geldwäschehand- lung“, die „erstmals bewusst und gewollt unter der Aufsicht jeweils zweier euro- päischer, demokratischer Rechtsstaaten“ stattfinden könne. In seiner Stellungnahme für den Fi- nanzausschuss des Bundestags schreibt der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz, bei den in der Schweiz vorhandenen aus- ländischen Vermögenswerten in Höhe von etwa 2,23 Billionen Euro handele es sich „zu einem nicht unbeträchtlichen Teil um inkriminiertes Vermögen aus in Deutschland begangenen Steuerstraf- taten, Wirtschaftskriminalität, Korruption, Organisierter Kriminalität, Bandenkrimi- nalität und weiteren schwer wiegenden Delikten“. Auch andere Experten zweifeln an der bisherigen Regierungsschätzung, wonach in der Schweiz nur noch zwischen 50 und

75 Milliarden Euro unversteuertes Kapital aus Deutschland versteckt sei. Der in der Schweiz ansässige Finanzexperte Mark Morris beziffert das bei den Eidgenos- sen angelegte deutsche Schwarzgeld in einer Hochrechnung für den Bundestag auf aktuell 250 Milliarden Euro. Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft schätzt, dass deutsche Steuerhinterzie-

her 130 bis 150 Milliarden Euro in der Schweiz bunkern. Erhebliche Vermö- genswerte könnten weiterhin durch zwi- schengeschaltete Trusts oder Stiftungen vor dem deutschen Fiskus verborgen werden. Dagegen lobt die Bundessteu- erberaterkammer, dass das vorgesehene Abkommen solche Fälle durch eine Miss- brauchsklausel verhindern soll. the

Plus Mehrwertsteuer? – Ja bitte!

WEITERBILDUNG Die Bundesregierung hat mit einer gut gemeinten Steuervereinfachung massiven Ärger bei der Wirtschaft ausgelöst. Nach dem Entwurf für das Jahressteuer- gesetz sollen auch Weiterbildungsprogramme für Unternehmen ab 2013 generell von der Mehrwertsteuerpflicht befreit werden. Damit entfalle aber der sogenannte Vorsteuer- abzug, mit dem Betriebe und Dienstleister die Verbraucherabgabe kostenneutral verrechnen könnten, warnen die acht größten Wirtschaftsverbände in ihrer Stellungnahme für die Anhörung im Finanzausschuss am Mittwoch dieser Woche. Das verteuere Bildung. Die

Pläne seien daher „geeignet, das Ziel der Steuerbefreiung zu konterkarieren“.

Der FDP-Finanzexperte Daniel Volk hat nun ein Bescheinigungsverfahren ins Gespräch gebracht. Damit könnten gewerbliche Bildungsanbieter ihre Leistungen auf Antrag von der Umsatzsteuer befreien lassen. In allen anderen Fällen bliebe es bei der bisherigen Regelung, sagte Volk. „Das wird zumindest in anderen EU-Ländern so praktiziert.“

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FOCUSSIERT

FOCUS-Diabetes

JETZT AM KIOSK In dieser Woche erscheint FOCUS-Diabetes, das neue Magazin, viermal im Jahr speziell für Menschen, die an Diabetes erkrankt sind. Nach aktueller Zählung sind das sechs Millionen Deutsche. Sie alle stehen vor der Herausforderung, ihr Leben neu und gesünder auszurichten. Im neuen FOCUS-Diabetes erfahren Betroffene, wie eine Lebensumstellung

gelingt – ohne auf Genuss verzichten zu müssen. Die erste Ausgabe von FOCUS-Dia- betes berichtet über Menschen, deren Leben die Krankheit sogar positiv ver- ändert hat. US-Schauspielerin Halle Berry fühlte sich nach der Diagnose stark wie nie und verdankt dem Dia- betes auf Umwegen ihre Karriere.

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Ausgezeichnet!

MEDIZINPREIS FÜR FOCUS Für die Berichterstattung über Gefahren des hohen Blutdrucks wird die Redaktion FOCUS-Gesundheit mit dem Preis für Medizinpublizistik 2012 geehrt. Als Begründung lobt die Deutsche Hochdruckliga – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention

die besonderen Verdienste in der

Aufklärung der Bevölkerung“. Die Journalisten von FOCUS-Gesundheit erhalten den Preis Anfang Dezember in Berlin auf dem Wissenschaftlichen Kongress der Gesellschaft.

cap

auf dem Wissenschaftlichen Kongress der Gesellschaft. cap Fahrerwechsel Muss Formel-1-Pilot Schumacher zum Saisonende
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auf dem Wissenschaftlichen Kongress der Gesellschaft. cap Fahrerwechsel Muss Formel-1-Pilot Schumacher zum Saisonende
auf dem Wissenschaftlichen Kongress der Gesellschaft. cap Fahrerwechsel Muss Formel-1-Pilot Schumacher zum Saisonende

Fahrerwechsel Muss Formel-1-Pilot Schumacher zum Saisonende das Cockpit verlassen?

Alles neu bei Mercedes

SCHUMI-SCHOCK Der Formel-1-Rennstall Mercedes steht kurz vor dem Neustart. Zum einen ist Michael Schumacher als Fahrer des Teams nur noch zweite Wahl. Sollte sich McLaren-Star Lewis Hamil- ton, dessen Vertrag bei den Briten Ende des Jahres ausläuft, für die Stuttgarter entscheiden, wird Rekordweltmeister Schumacher wohl sein Cockpit verlieren. Zudem wird derzeit die operative Über- nahme des Formel-1-Teams durch die Mercedes-Tochter AMG heftig disku- tiert, was letztlich auch einen Umzug der

britischen Teambasis nach Affalterbach bedeuten würde. Des Weiteren ist geplant, dass der glücklose Teamchef Ross Brawn durch den bisherigen Chef der Formel-1- Motorenfabrik, Thomas Fuhr, ersetzt wird. In diesem Fall könnte Schumacher in die Position des Co-Chefs rücken. Noch ist zwar keine Entscheidung ge- fallen. Alle drei Positionen stehen aber auf der Tagesordnung der nächsten Vor- standssitzung. Spätestens im Oktober soll dann Klarheit bestehen. cs

Fotos: dpa, imago Karikatur: B. Mohr
Fotos: dpa, imago
Karikatur: B. Mohr

Abschied von Bildungs-Kleinstaaterei MERKEL GEHT AUF LÄNDER ZU Bundeskanzlerin Angela Merkel bereitet eine stär- kere
Abschied von Bildungs-Kleinstaaterei MERKEL GEHT AUF LÄNDER ZU Bundeskanzlerin Angela Merkel bereitet eine stär- kere

Abschied von Bildungs-Kleinstaaterei

MERKEL GEHT AUF LÄNDER ZU Bundeskanzlerin Angela Merkel bereitet eine stär- kere Vernetzung und Koordinierung in der deutschen Bildungspolitik vor. Deshalb will sie möglichst bald ein Expertengremium, einen sogenannten Bildungsrat, ins Leben rufen, der Vorschläge machen soll. „Ziel ist es, den Bildungsrat 2013 zu etablieren“, meldet ein Vertrauter. Merkel werde nun zunächst mit Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) reden und in einer zweiten Stufe Kontakt mit Vertretern der Länder aufnehmen. Nach FOCUS-Informationen reagiert die Kanzlerin damit auf eine oft geäußerte Kritik

im Bürgerdialog. Vor allem Eltern schulpflichtiger Kinder hatten über die Zersplitterung der Bildungslandschaft in Deutschland geklagt. „Ich habe keinen getroffen, der es irgendwie richtig fand, dass die Länder die Schulhoheit haben“, hatte Merkel neulich erklärt. An der verfassungsrechtlich festgelegten Kernzuständigkeit der Länder für Bildungsfragen will Merkel aber festhalten.

ack

Länder für Bildungsfragen will Merkel aber festhalten. ack Stabile Helfer? Die Bundesregie- rung setzt außer auf

Stabile Helfer?

Die Bundesregie- rung setzt außer auf IWF-Chefin Christine Lagarde auch verstärkt auf EU-

Währungskom-

missar Olli Rehn aus Finnland

Berlin will Veto-Kommissar

EURO-INITIATIVE Bundeskanzlerin An- gela Merkel und Finanzminister Wolf- gang Schäuble (beide CDU) wollen die Position des EU-Währungskommmissars massiv stärken. Er soll bei Defizitverfah- ren gegen Haushaltssünder ein alleini- ges Entscheidungsrecht erhalten. Der Vorstoß steht nach FOCUS-Informationen im Mittelpunkt einer Reihe von Vorschlä- gen, mit denen die Bundesregierung den Euro-Fiskalpakt weiter verschärfen will.

Nach den deutschen Vorstellungen soll der Währungskommissar bei Haushalts- entwürfen mit übermäßigem Defizit von den Mitgliedsstaaten Nachbesserungen verlangen können.

FOCUS 39/2012

Für ihre Initiative werben Merkel und Schäuble bereits intensiv bei ande- ren Euro-Staaten. Mit Unterstützung kann die Bundesregierung bislang aus Österreich, Finnland, den Niederlanden und Luxemburg rechnen. Schon bei den nächsten EU-Gipfeln im Novem- ber und Dezember erhoffen sich Merkel und Schäuble konkrete Beschlüsse. Ein alleiniges Entscheidungsrecht gestehen die EU-Statuten bislang nur dem Wettbewerbskommissar zu. Die anderen 26 Kommissare brauchen dagegen für Eingriffe in die Mitglieds- staaten einen Mehrheitsbeschluss der gesamten Kommission. the

brauchen dagegen für Eingriffe in die Mitglieds- staaten einen Mehrheitsbeschluss der gesamten Kommission. the
brauchen dagegen für Eingriffe in die Mitglieds- staaten einen Mehrheitsbeschluss der gesamten Kommission. the

Fotos: dpa (4), face to face, F. Ossenbrink

FOCUSSIERT

TENDENZ-O-METER

Wiesn-Wunder

Lederhosen an- oder aus- ziehen? Das ist hier die Frage

Bettina Wulff Bierzelt statt Schmoll- ecke: Mit Mass & Dirndl lässt sich das PR- Debakel um ihr Buch eventuell wegprosten.

sich das PR- Debakel um ihr Buch eventuell wegprosten. ⯸ Thomas Gottschalk Trägt ohnehin oft Leder-

Thomas Gottschalk Trägt ohnehin oft Leder- beinkleid, aber lang und schwarz. Oder hat sich das Supertalent per Su- perstrip längst entblößt?⯸ Thomas Gottschalk

Ilse Aigner Probelauf für nächstes Jahr: Jetzt kommt der

Ilse Aigner Probelauf für nächstes Jahr: Jetzt kommt der 365-Tage-Wahlkampfein- satz – volle Zelte, volle Mass

365-Tage-Wahlkampfein-

satz – volle Zelte, volle

Mass und volle Tracht!

Javier Martinez Der neubayerische Bas- ke macht nicht nur in der Krachledernen was her. Der FC Valencia hat’s schon gesehen.

Martinez Der neubayerische Bas- ke macht nicht nur in der Krachledernen was her. Der FC Valencia
was her. Der FC Valencia hat’s schon gesehen. „Frauen-Koalition“ Rita Pawelski (CDU), hier mit

„Frauen-Koalition“ Rita Pawelski (CDU), hier mit Ministerin Ursula von der Leyen, setzt auf das „frauenpoliti- sche Gewissen“ der Kollegen

Frauenfrage, Gewissensfrage?

KOALITION IN NOT Das Thema Frauenquote wird zur Zerreißprobe für die schwarz- gelbe Koalition im Bund. Denn die Gruppe der Unionsfrauen besteht darauf, sie im Bundestag zu behandeln – und zwar ohne Fraktionszwang. Damit würde die Quote zur Gewissensfrage, und es könnte sich eine Mehrheit ohne die mitregierende FDP formieren. „Wir werden Gesprä- che führen, damit das Thema bald auf die Tagesordnung kommt“, kündigte Rita Pawelski (CDU), Vorsitzende der Gruppe der Frauen, an. „Ich werde darauf drän- gen, dass der Fraktionszwang aufgehoben wird.“ Sie setze auf das „frauenpolitische Gewissen“ der Kollegen.

Auslöser: Im Bundesrat hatte eine große Länderkoalition beschlossen, dass in sechs Jahren 20 Prozent der Aufsichts- und Verwaltungsräte großer börsenno- tierter Unternehmen Frauen sein sol- len. Die CDU-Regierungschefs Anne- gret Kramp-Karrenbauer, Reiner Haseloff und Christine Lieberknecht hatten sich von der Berliner Koalition abgesetzt, bei der Frauenquote beziehungsweise beim Mindestlohn. Bei der „Kaminrunde“ mit Unions-Minis- terpräsidenten hatte Fraktionschef Vol- ker Kauder dies nach FOCUS-Informa- tionen scharf kritisiert. Er warnte davor, der SPD-Taktik aufzusitzen. ack

Am Rande:

»Nacktheit«

Sexualforscher Kurt Starke findet das Foto- grafieren von Kate Middletons Busen schamlos

Herr Starke, was am Nackten ist schützenswert?

Menschen sind schützenswert, Liebe und Kinder. Aber Nacktheit an sich ist ein abstrakter Wert, sie ist weder gefährlich noch erotisch. Wer sich über ein Nacktfoto aufregt, beschäftigt sich mit einer höchsten Nebensächlichkeit.

Warum erregten die Brustbilder bei der könig- lichen Familie dann so sehr die Gemüter?

bei der könig- lichen Familie dann so sehr die Gemüter? Kurt Starke, 74, ist Leiter der

Kurt Starke, 74, ist Leiter der Forschungsstelle Partner- und Sexualforschung Leipzig

Weil sie einen gesellschaftlichen Widerspruch zeigen: Nackheit ist in der Öffentlichkeit überall präsent. Gleichzeitig beobachten wir eine Verschär- fung des Nacktheitstabus. Auf der einen Seite zu viel Fleisch, auf der anderen Seite müssen wir uns vor Blicken schützen. Wenn ein Körper aber nur zur Vermarktung abgebildet wird und der Betrachter sich seelisch daran mästet, ist das pervers.

Sind wir vielleicht einfach zu prüde?

Schlimm sind die Sittenwächter, für die Fleisch- liches und Sexualität Sünde sind. Wenn Menschen Achtung vor dem Körper der anderen haben, dann erschrecken sie auch nicht vor Nacktheit. Ich sel- ber bin in der FFK-Tradition des Ostens aufgewach- sen. Da findet man es absolut unnatürlich, mit einer Hose ins Wasser zu gehen. jes

Aus einer Begegnung wird Begierde. ENCOUNTER von Calvin Klein. Entdecken Sie das neue Geheimnis souveräner
Aus einer Begegnung wird Begierde. ENCOUNTER von Calvin Klein. Entdecken Sie das neue Geheimnis souveräner

Aus einer Begegnung wird Begierde. ENCOUNTER von Calvin Klein.

Entdecken Sie das neue Geheimnis souveräner Männlichkeit: ENCOUNTER von Calvin Klein. Nicht einfach nur ein Duft, sondern eine Geschichte über spannungsreiches, prickelndes Begehren. Für den Mann, der weiß, was er will. Sinnlich, holzbetont und unendlich verführerisch.

Für den Mann, der weiß, was er will. Sinnlich, holzbetont und unendlich verführerisch. Scannen und direkt

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POLITIK Der Schachspieler Seit seiner Kindheit pflegt Peer Steinbrück das Spiel der Könige. Seine Groß-
POLITIK Der Schachspieler Seit seiner Kindheit pflegt Peer Steinbrück das Spiel der Könige. Seine Groß-

POLITIK

Der Schachspieler Seit seiner Kindheit pflegt Peer Steinbrück das Spiel der Könige. Seine Groß- mutter ließ ihn als kleinen Jungen nie gewinnen – heute besteht er sogar gegen Großmeister

Könige. Seine Groß- mutter ließ ihn als kleinen Jungen nie gewinnen – heute besteht er sogar

Fotos: Dieter Bauer/FOCUS-Magazin, dpa

Geschätzte Gegnerin Während der Finanzkrise garantierten Steinbrück und Merkel 2008 alle deutschen Spareinlagen und verhinderten einen Sturm auf die Banken

Kandidat mit

und verhinderten einen Sturm auf die Banken Kandidat mit Affäre Kann Peer Steinbrück Kanzlerin? Mit einem

Affäre

Kann Peer Steinbrück

Kanzlerin? Mit einem Angriff auf die Banken geht der SPD-Finanzexperte in die Offensive. Doch seine

Bitte um Millionenspenden auf Minister-Briefpapier

könnte ihm schaden

P eer Steinbrück ist einmal zu früh

gestartet, damals mit Helmut

Schmidt. „Er kann es“, urteilte der

qualmende Weltweise aus Hamburg 2011 vor einem Millionenpublikum bei „Gün- ther Jauch“. Das war zwar ein medialer Ritterschlag, aber einer von der Sorte, die später lange schmerzen. Die Empfehlung des Altkanzlers ist Steinbrück nicht gut bekommen; die empfindliche alte Tante SPD hat laut aufgeheult und sich über die „Selbstausrufung“ des Kandidaten empört. Also hat Steinbrück sich wieder zurückgezogen, brav in die Troika ein- gegliedert und geduldig gewartet. Aber jetzt greift er wieder an – end- gültig und entschlossener denn je. Am Dienstag dieser Woche will der Ex-Bun-

desfinanzminister seiner SPD-Bundes- tagsfraktion erklären, wie er die Macht der Banken und Börsen begrenzen will. „Schach den Spekulanten“ – das ist Steinbrücks Rezept, um die skeptischen Genossen auf seine Seite zu ziehen – und um sich als kämpferischer Sozi- aldemokrat für die Kanzlerkandidatur zu empfehlen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel ist von Steinbrücks 20-seitigem Finanzmarkt- papier ebenso begeistert wie von der Angriffslust seines Favoriten. Gabriel weiß, dass er bei der Euro-Krise wenig gegen Angela Merkel ausrichten kann. Umso mehr hofft der SPD-Chef im kommenden Wahlkampf auf die Mobilisierungskraft von Steinbrücks Top-Themen. Und die sind inzwischen sozialdemokratischer, als man dem kühlen Hanseaten gemeinhin zutraut:

Kampf gegen die zunehmende Spaltung des Arbeitsmarktes, stärkere Belas- tung der Reichen, Verfolgung deut- scher Steuerflüchtlinge und schließ- lich die Entmachtung der Banken und Spekulanten. Das steht nicht nur auf Steinbrücks Angriffsplan, sondern ist auch nach Überzeugung von Parteichef Gabri- el die beste Strategie, wenn die SPD der populären Kanzlerin 2013 erfolg- reich Paroli bieten will. In diesem Wahl- kampf nimmt Steinbrück die zentrale Rolle ein, wie schon zuletzt beim Zukunftskongress der SPD deutlich wurde. Dort hatte sich der kantige Manager der Krise bereits durch eine geschliffene und offensive Rede für die kommende Auseinandersetzung mit Angela Merkel empfohlen.

Solo-Auftritt statt Troika in Berlin

An diesem Mittwoch schließlich gestehen Sigmar Gabriel und Frank- Walter Steinmeier ihrem Konkurrenten erstmals seit langer Zeit wieder einen Solo-Auftritt in Berlin zu: Steinbrück wird der Öffentlichkeit ganz allein

Z eit wied er einen Solo-Auftritt in Berlin zu: Steinbrück wird der Öffentlichkeit ganz allein FOCUS

POLITIK

POLITIK erklären, wie er künftig die Banken an die Kette legen will. Tschüss Troika – Bühne
POLITIK erklären, wie er künftig die Banken an die Kette legen will. Tschüss Troika – Bühne

erklären, wie er künftig die Banken an die Kette legen will. Tschüss Troika – Bühne frei für Steinbrück! Ob damit auch der Weg zur Kanzler- kandidatur geebnet ist, wird sich spä- testens im November zeigen, wenn die SPD ihren aktuellen Streit um ihr neues Rentenkonzept beigelegt hat. Erst wenn in dieser zentralen Frage Konsens beste- he, könne auch die K-Frage abschlie- ßend geklärt werden, heißt es in Partei- kreisen. Schließlich dürfe der Kandidat nicht schon zu Beginn durch einen noch schwelenden internen Streit beschädigt werden. „Es muss Frieden herrschen“, sagt eine ehemalige SPD-Ministerin, „und dann müssen sich alle in der Par- tei bis zum Wahltag zusammenreißen – egal, wie der Kandidat heißt.“ Vieles deutet dabei auf Steinbrück hin. Steinmeier will nach Möglichkeit nicht noch einmal antreten, und Gab- riel weiß, dass er von allen dreien die geringsten Chancen hätte. Bereits heu- te ist klar, dass der Mann an der Spitze ganz genau unter die Lupe genommen wird. Einen Vorgeschmack auf die neue Rolle als Merkels Herausforderer erhielt Steinbrück bereits letzte Woche, als er in einem teuren Züricher Hotel über das Schweizer Steuerabkommen und das Bankgeheimnis der Eidgenossen refe- rierte. Die Veranstaltung in dem edlen Luxusambiente wurde just von jenen Fir- men unterstützt, die Steinbrück künftig ins Visier nehmen will: Fondsgesellschaf- ten und Universalbanken. „Genossen wundern sich“, ätzte die „Bild“-Zeitung und schob sogleich die Schätzung hin- terher, dass Bankenkritiker Steinbrück mit seinen Vortragshonoraren in dieser Legislaturperiode bereits sechsstellige Summen verdient habe.

Schach-Affäre belastet den Ex-Finanzminister

Genau durchleuchtet wird auch Stein- brücks Vergangenheit. Dort findet sich aus seiner Zeit als Bundesfinanzminis- ter ein Vorgang, der mit Steinbrücks Leidenschaft für Schach zusammen- hängt – und der bei Juristen heute Entsetzen auslöst:

Am 7. April 2006 schrieb Steinbrück auf dem offiziellen Briefpapier des Bun- desfinanzministeriums einen gleich- lautenden Brief an Kai-Uwe Ricke und

einen gleich- lautenden Brief an Kai-Uwe Ricke und Brief mit Geschmäckle Als Bundesfinanzminister bat

Brief mit Geschmäckle Als Bundesfinanzminister bat Steinbrück 2006 die Chefs von Tele- kom und Post um Millionenspenden für ein Schachspiel des Weltmeisters Wladimir Kramnik in Bonn. Der Bund ist größter Aktionär und im Aufsichtsrat der beiden Firmen vertreten

Aktionär und im Aufsichtsrat der beiden Firmen vertreten Million für Finanzier Schach-Promoter Josef Resch brauchte

Million für Finanzier Schach-Promoter Josef Resch brauchte Geld und hatte Steinbrück überredet, ihm bei der Finanzierung eines Spiels „Mensch gegen Maschine“ zu helfen

eines Spiels „Mensch gegen Maschine“ zu helfen Schwieriges Verhältnis Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke (l.)

Schwieriges Verhältnis Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke (l.) und Peer Steinbrück (hier mit Ex-Weltbank-Präsident James Wolfensohn) waren selten einer Meinung – auch bei Spenden

Quelle: TNS Emnid

Fotos: dpa (2)

Quelle: TNS Emnid Fotos: dpa (2) Troika in Auflösung Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel

Troika in Auflösung Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel beim Zukunftskongress der SPD in Berlin

Klaus Zumwinkel, die damaligen Vor- standschefs von Deutscher Telekom und Deutscher Post. Die beiden Mana- ger in Bonn waren schon bei Eintreffen des Briefes gewarnt, denn schließlich ist der Bundesfinanzminister für sie nicht irgendein Politiker, sondern der Vertreter des Haupteigentümers ihrer Unternehmen – der Bundesrepublik Deutschland. Das Finanzministerium in Berlin verwaltet alle Beteiligungen des Bundes und entsendet in die Aufsichts- räte der beiden ehemaligen Staatsfir- men Post und Telekom auch heute noch einen Staatssekretär. Doch Steinbrück ging es in dem Schreiben an Ricke und Zumwinkel nicht um unternehmenspolitische Fragen. Viel- mehr trug er unter dem Bundesadler im Briefbogen ein persönliches Anliegen vor, das eng mit seinem liebsten Hob- by zusammenhing: „Als begeisterter Schachspieler hatte ich vor einiger Zeit das Vergnügen, gegen den amtierenden Schachweltmeister Wladimir Kramnik in Dortmund eine Partie spielen zu dürfen“, eröffnete Steinbrück seine Zeilen an die beiden Top-Manager. Gleich im nächsten Satz stellte er klar, dass er nicht irgend- ein Hobbyspieler ist: „Wider Erwarten der Fachwelt“ habe er nämlich die Partie gegen den Weltmeister nur „knapp verlo- ren“. Jedenfalls stehe er seit jenem denk-

»Wer von den beiden sollte Ihrer Ansicht nach

Kanzlerkandidat

der SPD werden?«

Frank-Walter

33% 31% 14% 22%
33%
31%
14%
22%

Peer

Steinbrück

Steinmeier

weiß nicht/

keine Angabe

keiner

nach Parteienpräferenz in Prozent (Rest zu 100: keiner, weiß nicht, k. A.)

SPD

40

 

45

CDU/CSU

34

 

40

 

Grüne

34

 

34

 

FDP

 

48

44

Linke

38

 

33

 

Sonstige

18

21

 

Nichtwähler

28

21

 

würdigen Spiel in persönlichem Kontakt mit Wladimir Kramnik. Bei einem ihrer Treffen sei der Champion dann mit einem Anliegen an ihn herangetreten, „das ich gerne unterstütze“, schrieb Steinbrück weiter. Allerdings könne er das „nicht ohne Hilfe“ tun. „Deshalb“, so der Finanz- minister zu Ricke und Zumwinkel, „wen- de ich mich heute an Sie.“ Kurz gesagt: Der passionierte Schach- spieler und Wahl-Bonner Steinbrück brauchte 2006 dringend Geld, um ein Schachspiel von Weltmeister Kramnik gegen den damals leistungsstärksten Schachcomputer der Welt, „Deep Fritz“, in Bonn zu organisieren. Wie sehr das Herz von Steinbrück an dem Projekt hing, zeigte auch das ungewöhnliche Engagement des schwer beschäftigten Finanzministers. Er hatte sich nämlich bereit erklärt, die Schirmherrschaft des Bonner Schachwettkampfs zu über- nehmen. Alles, was noch fehlte, war ein ordentliches Sponsoring – und da sollten die Vorstandschefs gefälligst hel- fen: Steinbrück bat Ricke und Zumwin- kel darum, das Spiel mit einer Million Euro zu finanzieren – aus Mitteln von Post und Telekom. Veranstalter des Events war ein pri- vater Investor namens Josef Resch. Der hatte Steinbrück mit der Aussicht gelockt, 2007 die offizielle Schach-

namens Josef Resch. Der hatte Steinbrück mit der Aussicht gelockt, 2007 die offizielle Schach- FOCUS 39/2012

Fotos: dpa, M. Priske/FOCUS-Magazin

POLITIK

Fotos: dpa, M. Priske/FOCUS-Magazin POLITIK Künftig Konkurrenten Angela Merkel und Peer Steinbrück 2009 beim
Fotos: dpa, M. Priske/FOCUS-Magazin POLITIK Künftig Konkurrenten Angela Merkel und Peer Steinbrück 2009 beim
Fotos: dpa, M. Priske/FOCUS-Magazin POLITIK Künftig Konkurrenten Angela Merkel und Peer Steinbrück 2009 beim

Künftig Konkurrenten Angela Merkel und Peer Steinbrück 2009 beim G-20-Gipfel in Pitts- burgh. Die Kanzlerin und ihr Kassenwart arbeiteten bis zum letzten Tag eng zusammen

weltmeisterschaft nach Bonn zu holen. Die Sache hatte allerdings einen Haken. Organisator Resch machte die Finan- zierung der prestigeträchtigen Welt- meisterschaft 2007 „davon abhängig, dass sein Investment“ vorher durch die Partie von Weltmeister Kramnik gegen den Schachcomputer „Deep Fritz“ ein- gespielt werde, schrieb Steinbrück. Als habe er die Bedenken von Ricke und Zumwinkel bezüglich der erbete- nen Millionenspende vorausgeahnt, fügte Steinbrück am Schluss seines Briefes ein paar werbende Worte hin- zu: „Ich bin sicher, dass sich Ihre Unter- stützung im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen wird.“

Parallele zu Möllemanns Briefkopf-Affäre

Zwar lehnten Ricke und Zumwinkel nach reiflicher Überlegung die Bitte um das Millionen-Sponsoring ab. Doch renommierte Aktienrechtler sehen in dem Brief des Finanzministers „eine Aufforderung zur verdeckten Gewinn- ausschüttung, mindestens aber zu einer Pflichtverletzung“, wie Uwe Schneider, Professor am Institut für Kreditrecht an der Universität Mainz, sagt. „Natürlich können Unternehmen spen- den, aber in angemessenem Umfang

können Unternehmen spen- den, aber in angemessenem Umfang Biografie eines bewegten Politiker- lebens:
können Unternehmen spen- den, aber in angemessenem Umfang Biografie eines bewegten Politiker- lebens:

Biografie eines bewegten Politiker- lebens: FOCUS-Redakteur Daniel Goffart hat ein neues Buch über Peer Steinbrück und seine Fähigkeit geschrie- ben, aus Niederlagen Siege zu machen

und nicht für die Liebhaberei des Großaktionärs an dessen Heimatort.“ Ihn erinnere diese Schach-Affäre, so Jurist Schneider, „an die Briefkopf- Affäre von Jürgen Möllemann“. Der FDP-Politiker hatte als Wirtschaftsmi- nister auf offiziellem Briefkopf seines Ministeriums die Erfindung eines Ver- wandten angepriesen. Der Anlass war gering, aber letztlich musste Mölle- mann 1993 wegen dieser „Briefkopf- Affäre“ zurücktreten. Auch Aktienrechtsexperte Michael Adams sieht Parallelen. Der Bonner

Michael Adams sieht Parallelen. Der Bonner Rechtsprofessor meint, „die Bitte von Herrn Steinbrück um
Michael Adams sieht Parallelen. Der Bonner Rechtsprofessor meint, „die Bitte von Herrn Steinbrück um

Rechtsprofessor meint, „die Bitte von Herrn Steinbrück um ein Millionen- Sponsoring für ein Schachturnier ist mit seiner Stellung als letztlich verant- wortlicher Vertreter des Großaktionärs Bundesrepublik nicht vereinbar“. Wären Ricke und Zumwinkel damals dem Ansinnen Steinbrücks gefolgt, „hätten sie mit einem Bein im Gefäng- nis gestanden“, glaubt Adams. „Man- cher Staatsanwalt hätte darin eine ver- suchte Anstiftung zur Untreue sehen können.“ Das Geld, das Vorstände aus- geben, gehöre schließlich den Aktio- nären, erinnert Jurist Adams. „Man kann den Eigentümern nicht einfach in die Tasche greifen – selbst wenn es für einen ,guten Zweck‘ ist.“ Es gebe eine klare Treueverpflichtung des Vor- stands. „Die Gewährung von Sonder- vorteilen, die ein mächtiger Aufsichts- rat einfordert, wäre eine Verletzung der Treuepflicht“, meint Adams. „Kein Wunder, dass die Vorstände sich ge- weigert haben.“ Der Aktienrechtler, der die Verhält- nisse in den beiden Ex-Staatsunter- nehmen Post und Telekom gut kennt, kann Steinbrück denn auch nicht ver- stehen: „Das war ein starkes Stück und eine fahrlässige Dummheit.“

Der Kandidat blickt nach vorn

Steinbrück selbst wollte sich zu dem Vorfall auf Anfrage von FOCUS nicht äußern. Für ihn zählen die nächsten Wochen. Er richtet den Blick nach vorn und hofft wohl, ihn so kurz vor dem ersten Etappenziel Kanzlerkandidatur nicht in die Vergangenheit zurücklen- ken zu müssen. Den Kandidaten treibt die Sorge um, dass er im Wahljahr 2013 nicht genug Unterstützung von den Parteigenossen erhält oder durch seine SPD-internen Gegner vom linken Flügel am Ende noch kurz vor dem Ziel doch noch ausgebremst wird.

Ende noch kurz vor dem Ziel doch noch ausgebremst wird. ■ DANIEL GOFFART Welche Chancen hat

DANIEL GOFFART

Welche Chancen hat Steinbrück gegen Merkel?

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Fotos: imago, privat

POLITIK

Fotos: imago, privat POLITIK Frau ohne Feinde Ilse Aigner soll Horst Seehofer retten, die CSU und
Fotos: imago, privat POLITIK Frau ohne Feinde Ilse Aigner soll Horst Seehofer retten, die CSU und

Frau ohne Feinde

Ilse Aigner soll Horst Seehofer retten, die CSU und Bayern – ihre Konkurrenz in der Partei hat sie quasi weggelächelt

ihre Konkurrenz in der Partei hat sie quasi weggelächelt Aufstieg geschafft Ilse Aigner auf Bergtour mit
ihre Konkurrenz in der Partei hat sie quasi weggelächelt Aufstieg geschafft Ilse Aigner auf Bergtour mit
ihre Konkurrenz in der Partei hat sie quasi weggelächelt Aufstieg geschafft Ilse Aigner auf Bergtour mit
Aufstieg geschafft Ilse Aigner auf Bergtour mit den Almhüttenbesitzern im Tegernseer Land Schulmädchen Ilse bei
Aufstieg geschafft
Ilse Aigner auf
Bergtour mit den
Almhüttenbesitzern
im Tegernseer Land
Schulmädchen
Ilse bei ihrer
Einschulung –
später lernt sie
Elektrotechnik

A ls Ilse Aigner eingeschult wird, sieht sie wenig begeistert aus.

Das Mädchen schaut, als blicke es dem Ernst des Lebens direkt ins Auge. Die Bundesministerin für Verbrau- cherschutz lacht ihr kehliges Lachen:

Es hat ihr dann doch gefallen in der Schule – und das so grimmig drein- schauende Kind wurde Klassenspreche- rin von der ersten bis zur letzten Klasse. Heute sieht man Aigner meistens strahlen. Aber seit sie Hoffnungsträgerin der bayerischen Konservativen ist, offi- zielle Nummer zwei in der CSU, denkt Aigner doch häufiger an den Ernst der Lage und das Gewicht der Aufgabe.

Ilse Aigner soll Horst Seehofer ret- ten, die CSU und Bayern. Es war nicht ihre Idee, aber die 47-jährige Politike- rin vom Tegernsee zählt nicht zu denen, die sich drücken. Also ließ sich Aigner von Parteichef Seehofer überzeugen, ihre Zukunft in der Landespolitik zu suchen und nicht im Bund.

In Bayern wird im September nächs- ten Jahres gewählt. Die Liberalen dro- hen an der 5-Prozent-Hürde zu schei- tern – dann müsste sich die CSU allein gegen ein Dreierbündnis aus SPD, Grünen und Freien Wählern behaupten. Das wird, wie Seehofer es formuliert, ein „großer Kampf“, ein „Kraftakt“ – auch das „Finale“. Ein Gang in die Oppositi- on wäre für den CSU-Chef selbst, aber auch für seine Partei nach altem Selbst- verständnis das politische Ende. Deshalb sagt Aigner jetzt Sätze wie:

„Die Landtagswahl wird sicherlich kein Selbstläufer, wir müssen alle Kräfte bün- deln.“ Leichtigkeit klingt anders. Die neue Hoffnungsträgerin wurde 1994 in den Bayerischen Landtag ge- wählt – gemeinsam mit Finanzminister Markus Söder. Söder und Aigner waren damals die jüngsten Abgeordneten im Landesparlament. Anders als Söder oder Sozialministerin Christine Haderthauer jedoch, der jeder Karriere-Ambitionen unterstellt, hat sich Aigner in all den Jahren kaum Feinde gemacht. Die Bundesministerin galt deshalb lange als harmlos und zu nett für einen Erfolg. Dabei macht jetzt gerade ihr Wesen den Unterschied. Eigentlich ist die Persona- lie Aigner nur eine von mehreren, die Parteistrategen in den Wahlkampf ein- streuen wollen. So sollen auch die Land- tagsabgeordneten Markus Blume und Oliver Jörg herausgehoben werden – als eine Art Austauschminister für die FDP- Mitglieder im bayerischen Kabinett. Die Begeisterung über Aigner wird kaum übertroffen werden: In der ver- unsicherten Seehofer-CSU erfüllt sie die Sehnsucht nach Harmonie. Sogar Konkurrent Söder behauptet, dass er sich prima mit Aigner versteht und dass sie schon in Zeiten der Jungen Union ein super Team waren. Söder war damals JU-Vorsitzender, sie vier Jahre seine Stellvertreterin. Natürlich knabbert er jetzt daran, dass sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verschoben haben. In ihrer versöhnlichen Art sagt Aig- ner, sie sehe Söder „an ihrer Seite“, ebenso Christine Haderthauer. Speku- lationen über Seehofers Nachfolge hält Aigner für überflüssig. In der Schule haben ihr Lehrer geraten, auch einmal den Mund zu halten.

KATRIN VAN RANDENBORGH

Der Spitzenkäse aus Italien. Aromatisch und zart, mit feiner, körniger Struktur und dem Geschmack nach

Der Spitzenkäse aus Italien.

Aromatisch und zart, mit feiner, körniger Struktur und dem Geschmack nach mehr - das ist Grana Padano, Italiens beliebtester Käse. Beginnen Sie noch heute Ihre Liebesbeziehung .

POLITIK

POLITIK »Uns entgeht eine Billion« Herr Kommissar, das Eintreiben von Steuern scheint eines der größten Probleme
POLITIK »Uns entgeht eine Billion« Herr Kommissar, das Eintreiben von Steuern scheint eines der größten Probleme

»Uns entgeht eine Billion«

Herr Kommissar, das Eintreiben von Steuern scheint eines der größten Probleme der Griechen zu sein. Haben Sie der Regierung in Athen in dieser Hinsicht schon helfen können?

Wir als Kommission, aber auch viele Einzelstaaten, haben den Griechen dazu bereits technische Hilfe geleistet. Das ganze Steuersystem dort braucht eine gründliche Überholung. Wir haben den griechischen Behörden unsere Vor- schläge dafür vorgelegt. Die Umset- zung wurde allerdings durch die Wie- derholung der Parlamentswahl und den Regierungswechsel in Athen ver- zögert. Die neue Regierung zeigt aber eine große Bereitschaft zur Verände- rung und will das Problem jetzt wirk- lich angehen.

EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta kündigt eine europaweite Offen- sive gegen Steuerhinter- ziehung zur Linderung von Haushaltsnöten an

Wie einzigartig sind die griechischen Probleme im europäischen Vergleich?

Wir haben auch in zehn anderen Mit- gliedsstaaten Schwächen des Steuer- systems ausgemacht. Wir sind bereit, jedem EU-Land technische Hilfe zu leisten, das den Wunsch hat, seine Steuereintreibung zu optimieren. Das

kann ein wichtiger Beitrag zur Lösung der Schuldenkrise in Europa sein.

Glauben Sie wirklich, dass es mit höheren Steuereinnahmen getan ist?

Man muss natürlich realistisch sein. Es wäre zu optimistisch zu unterstellen, man könnte nur mit höheren Steuer- aufkommen die Krise lösen. Aber einen beachtlichen Beitrag zur nötigen Haus- haltskonsolidierung müsste man damit schon leisten können.

Über wie viel Geld reden wir konkret?

Man muss sich vor Augen halten, dass die Schattenwirtschaft verschie- denen Studien zufolge fast ein Fünf- tel der gesamten Wirtschaftsleistung in Europa ausmacht. Das bedeutet, dass den Mitgliedsländern jedes Jahr eine Billion Euro an Steuerzahlungen ent-

Der Steuer-Mann Algirdas Semeta, 50 ❙ Der zweimalige frühere litauische Finanz- minister gehört seit 2009
Der Steuer-Mann
Algirdas Semeta, 50
❙ Der zweimalige
frühere litauische Finanz-
minister gehört seit 2009
der EU-Kommission an.
❙ Der studierte Ökonom
war zunächst für die Haus-
haltsplanung zuständig. Seit
2010 ist er verantwortlich für
Steuern, Zölle, Finanzaufsicht
und Betrugsbekämpfung.
Seit 2010 ist er verantwortlich für Steuern, Zölle, Finanzaufsicht und Betrugsbekämpfung. 3 0 FOCUS 39/2012
Seit 2010 ist er verantwortlich für Steuern, Zölle, Finanzaufsicht und Betrugsbekämpfung. 3 0 FOCUS 39/2012

Foto: imago

Foto: imago geht. Hier gibt es ein riesiges Poten- zial für zusätzliche Staatseinnahmen. In diesen schwierigen
Foto: imago geht. Hier gibt es ein riesiges Poten- zial für zusätzliche Staatseinnahmen. In diesen schwierigen

geht. Hier gibt es ein riesiges Poten- zial für zusätzliche Staatseinnahmen. In diesen schwierigen Zeiten sollte man es zur Priorität machen, das auch zu nutzen.

Wie wollen Sie das schaffen?

Wir werden bis zum Jahresende einen Aktionsplan mit etwa 25 Einzelmaß- nahmen vorlegen. Dazu gehört zum Beispiel ein besserer Datenabgleich zwischen den Finanzbehörden der Mitgliedsstaaten. Wir wollen es wohl- habenden Bürgern einzelner Staaten schwerer machen, sich ihrer einhei- mischen Steuerpflicht zu entziehen, indem sie in andere EU-Länder aus- weichen. Wir arbeiten an einer ein- heitlichen europäischen Steuernum- mer. Davon verspreche ich mir einen großen Fortschritt beim Kampf gegen Steuerhinterziehung und -betrug.

Müssten die Steuersätze in den einzelnen Ländern nicht auch vereinheitlicht werden, um Steuerflucht sinnlos zu machen?

»Wir arbeiten an einer einheitlichen Steuernummer zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung und -betrug«

Wir gehen gegen das vor, was wir „schäd- lichen Steuerwettbewerb“ nennen: Steu- ervorteile für Unternehmen zum Beispiel, die nur aus diesem Grund ihren Sitz in einem Mitgliedsstaat nehmen, ohne dort tatsächlich ökonomisch aktiv zu sein. Aber wir haben immer auch die unter- schiedlichen Traditionen und wirtschaft- lichen Rahmenbedingungen der ein- zelnen Länder zu beachten. Identische Steuersätze in der ganzen EU sind nicht unser Ziel. Übrigens hat es da bei den Unternehmenssteuern seit der Krise eine interessante Entwicklung gegeben: Die Steuersätze ziehen wieder an, während es in den Jahren zuvor eher Anzeichen für eine Art Wettrennen nach unten gab.

Einige deutsche Bundesländer kaufen CDs mit Datensätzen Schweizer

FOCUS 39/2012

Banken auf, um Steuerhinterziehern auf die Schliche zu kommen. Was halten Sie von solchen Praktiken?

Meine Antwort darauf ist einfach: So etwas wäre nicht nötig, wenn die Kommission endlich das Mandat bekäme, für die ganze EU ein stärkeres Abkommen mit der Schweiz zur Vermeidung von Steuer- flucht aus- zuhandeln. Fast alle Mit- gliedsstaaten wollen das. Aber leider sperren Luxemburg und Österreich sich noch dagegen.

Was halten Sie von einer EU- Steuer zur besseren Finanzierung des Haushalts der Union? Es heißt immer wieder, es handle sich dabei um einen geheimen Herzenswunsch der Kommission?

Wir haben so etwas noch nicht vorge- schlagen und verfolgen solche Pläne zurzeit auch nicht. Ein Teil des EU- Budgets wird übrigens jetzt schon aus Mehrwertsteuer-Einnahmen der Mit- gliedsstaaten gespeist, allerdings nach einem sehr komplizierten und schwer handhabbaren System. Das müssen wir vereinfachen. Zusätzlich schlagen wir vor, die Einnahmen aus einer künftigen Finanztransaktionssteuer in den EU- Haushalt zu lenken. Das sollten etwa zwei Drittel des Gesamtaufkommens aus den Mindeststeuersätzen sein.

Da wollen Sie sich aber einen ganz schön kräftigen Schluck aus der Pulle genehmigen!

Keinesfalls. Dieses Geld wollen wir

nicht zusätzlich einstreichen. Die indi- viduellen Beitragszahlungen der ein- zelnenen Länder sollen sich entspre-

chend verringern.

INTERVIEW: HANS-JÜRGEN MORITZ

Beitragszahlungen der ein- zelnenen Länder sollen sich entspre- chend verringern. ■ INTERVIEW: HANS-JÜRGEN MORITZ
Beitragszahlungen der ein- zelnenen Länder sollen sich entspre- chend verringern. ■ INTERVIEW: HANS-JÜRGEN MORITZ
Beitragszahlungen der ein- zelnenen Länder sollen sich entspre- chend verringern. ■ INTERVIEW: HANS-JÜRGEN MORITZ
Beitragszahlungen der ein- zelnenen Länder sollen sich entspre- chend verringern. ■ INTERVIEW: HANS-JÜRGEN MORITZ
Beitragszahlungen der ein- zelnenen Länder sollen sich entspre- chend verringern. ■ INTERVIEW: HANS-JÜRGEN MORITZ
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Beitragszahlungen der ein- zelnenen Länder sollen sich entspre- chend verringern. ■ INTERVIEW: HANS-JÜRGEN MORITZ
Beitragszahlungen der ein- zelnenen Länder sollen sich entspre- chend verringern. ■ INTERVIEW: HANS-JÜRGEN MORITZ

Foto: AFP

POLITIK

Foto: AFP POLITIK Wut-Industrie statt Religion Die Unruhen wegen des Mohammed-Videos halten an. Die wichtigsten Fakten
Foto: AFP POLITIK Wut-Industrie statt Religion Die Unruhen wegen des Mohammed-Videos halten an. Die wichtigsten Fakten

Wut-Industrie statt Religion

Die Unruhen wegen des Mohammed-Videos halten an. Die wichtigsten Fakten zu Provokationen, zur Meinungsfreiheit und aktuellen Bedrohungslage

Wer sind die Brandstifter auf muslimischer Seite?

„Die gewalttätigen Ausschrei- tungen sind kein spontaner Ausbruch religiöser Rage, son- dern orchestriert und manipu- liert“, glaubt der 1989 durch eine Fatwa zum Tode verurteil- te Autor Salman Rushdie. Tat- sächlich war der Film bereits seit Wochen Thema radikal- islamischer Talkshows. Predi- ger wie der Ägypter Abu Islam Abdullah riefen zur Verteidi- gung des Propheten auf. Zu den Demonstranten, die die Botschaft in Kairo und das Konsulat in Bengasi angriffen, gehörte auch radikal-islami- sche Prominenz. Mohammed al-Zawahiri, der Bruder des al-Qaida-Chefs, mischte in

Kairo mit; in Bengasi randa-

lierte Ansar al-Scharia, eine Kampfbrigade, die sich eige- nen Angaben zufolge nach Gaddafis Tod formierte.

Die US-Regierung hat den

Anschlag auf ihr Konsu- lat inzwischen offiziell als Terrorakt bezeichnet: „Wir prüfen Hinweise, wonach die Täter Verbindungen zu al- Qaida hatten“, erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney.

Wer sind die Provokateure auf westlicher Seite?

Nakoula Basseley Nakoula, Urheber des Films, ist ein in Ägypten geborener koptischer Christ. Die Kopten sehen sich als direkte Nachfolger der

ersten Christen in Ägypten, das bis zum Beginn der ara- bischen Herrschaft im 7. Jahr- hundert christlich war. 7000 Kopten leben in Deutschland, 300 000 in den USA. Viele ver- ließen ihre Heimat, weil sie sich durch die muslimische Mehrheit unterdrückt fühlten. Ihre Führer distanzierten sich von dem Machwerk. Produziert wurde das Video von dem kalifornischen Film- studio „Media for christ“, dessen Präsident Joseph Ab- delmash ist. Er gehört wie Nakoula einer Gemeinde des koptischen Priesters Zakaria Botros Henein südlich von Los Angeles an. Sein Spitzname:

„Erster Feind des Islam“. Für Nakoulas Film machte Morris Sadek, Vorsitzender der Nationalen Koptisch-Ame- rikanischen Vereinigung, die PR-Arbeit. Laut deren Web- Seite strebt die Gruppie- rung einen eigenen Staat im ursprünglichen Herrschaftsge- biet der Kopten an. Die Mus- lime sollen sich nach Saudi- Arabien zurückziehen. Zum christlich-fundamenta- listischen Netzwerk gehört auch Steven Klein, ein Ver- sicherungsagent aus Kalifor- nien. Er soll an der funda-

mentalistischen „Church at Kaweah“ eine paramilitäri- sche Ausbildung für deren Mitglieder angeboten haben. Auch der evangelikale Pre- diger Terry Jones, Pastor des 50 Mitglieder zählenden Dove World Outreach Center in Gainesville/Florida warb für den Streifen. Vor zwei Jahren brachte er bereits durch eine öffentliche Koran-Verbren- nung die Muslime auf die Barrikaden. Deutsche Behör- den verhängten gegen ihn ein Einreiseverbot, nachdem die rechtspopulistische „Bürger- bewegung pro Deutschland“ angekündigt hatte, ihn einzu- laden. Sie will den Film öffent- lich zeigen.

Warum verletzt der Film die Gefühle der Muslime?

Bilderdarstellungen sind im Islam verboten – und die Dar- stellung des Propheten ein absolutes Tabu. Das Verbot bezieht sich auf die Abnei- gung Mohammeds gegen menschliche Darstellungen. Die Schöpferkraft, so argu- mentieren seine Verfechter, solle allein Gott überlassen werden. „Mohammed in einer despektierlichen

überlassen werden. „Mohammed in einer despektierlichen Volkszorn Aufgebrachte Demons- tranten in Pakistan kip-
Volkszorn Aufgebrachte Demons- tranten in Pakistan kip- pen einen Container um
Volkszorn
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„Mohammed in einer despektierlichen Volkszorn Aufgebrachte Demons- tranten in Pakistan kip- pen einen Container um 32
„Mohammed in einer despektierlichen Volkszorn Aufgebrachte Demons- tranten in Pakistan kip- pen einen Container um 32
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POLITIK

POLITIK und sexualisierten Weise dar- zustellen ist in den Augen von Muslimen nichts anderes als Blasphemie“,
POLITIK und sexualisierten Weise dar- zustellen ist in den Augen von Muslimen nichts anderes als Blasphemie“,

und sexualisierten Weise dar- zustellen ist in den Augen von Muslimen nichts anderes als Blasphemie“, erklärt Islam- Experte Karl-Josef Kuschel von der Universität Tübingen. „Es verletzt ihre religiösen Gefühle zutiefst.“

Warum reagieren die Muslime mit so viel Gewalt?

Die heftigen Reaktionen las- sen sich unter anderem mit dem viel größeren Stellenwert von Religion in der arabischen Welt erklären. Darüber hinaus gibt es in jedem Land eige- ne, innenpolitische Gründe: In Ägypten sind radikale islami- sche Gruppen enttäuscht von ihrem neuen Präsidenten – der Muslimbruder Mohammed Mursi ist ihnen nicht islamisch genug. Bei der Ämtervertei- lung fühlen sie sich übergan- gen. Auch in Libyen wur- den die radikalen Islamisten ins Abseits gedrängt: In der neuen Regierung spielen sie kaum eine Rolle. Im Libanon ringt die Hisbollah mit einem drastischen Imageverlust. Der Zorn der Pakistani richtet sich

gegen den amerikanischen Drohnenkrieg im Land. „Mittlerweile hat sich in die- sen Ländern eine Wut-Indus- trie etabliert, die gar nichts mit Religion zu tun hat“, ana- lysiert Salman Rushdie. Der Protest habe vielmehr eine identitätsstiftende Funktion:

„Die Menschen definieren sich über die Dinge, die sie hassen, nicht über das, was sie lieben. Das ist ein wachsen- des Problem: Dass Menschen glauben, sie müssten wütend sein, um zu wissen, wer sie sind.“

Was bedeutet die Fatwa gegen die Produzenten des Films?

Eine Fatwa ist ein religiöses, rechtlich nicht bindendes Gut- achten. Da es im Islam keine absolute Autorität gibt, kön- nen mehrere, auch wider- sprüchliche Fatwas nebenei- nander bestehen. Ein salafistischer Imam aus Ägypten erließ eine Fatwa gegen alle Beteiligten des Schmähvideos: Ahmed Fuad Aschusch forderte „junge

des Schmähvideos: Ahmed Fuad Aschusch forderte „junge Der Brandstifter Nakoula Basseley Nakoula mit einer
des Schmähvideos: Ahmed Fuad Aschusch forderte „junge Der Brandstifter Nakoula Basseley Nakoula mit einer

Der Brandstifter Nakoula Basseley Nakoula mit einer Darstellerin. In- zwischen wurde er verklagt

Muslime in den USA und in Europa“ auf, Macher und Schauspieler sowie alle, die zur Verbreitung beitrugen, wegen Verunglimpfung des Propheten zu töten. Ob sie die- sem Aufruf folgen, entschei- den die Gläubigen selbst.

Wie weit darf die Meinungsfreiheit gehen?

„Wenn man heute in Frage stellt, ob man Mohammed

karikieren darf, dann kommt bald die Frage, ob man über- haupt Muslime abbilden darf“, behauptet Stéphane Charbonnier, Chef des fran- zösischen Satire-Magazins „Charlie Hebdo“, das in der vergangenen Woche weite- re Mohammed-Karikaturen veröffentlichte. Die Aktion ist europaweit umstritten. Der Grünen-Europa-Abge- ordnete Daniel Cohn-Ben- dit nannte die Provokation von „Charlie Hebdo“ „idio- tisch“: „Wenn man auf einem Pulverfass sitzt, hat man die Möglichkeit, 30 Sekunden nachzudenken, bevor man ein Streichholz anzündet.“

FOCUS Konferenz

Demografie und Gesundheit – Leben und Wohnen im Alter

24. Oktober 2012 | Frankfurt am Main | KfW Bankengruppe

24. Oktober 2012 | Frankfurt am Main | KfW Bankengruppe Hans-H e rbert Holzamer Frank Junker
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Hans-Herbert Holzamer

Frank Junker

Frédéric Lauscher

Eva Maria Let

tenmeier

Prof. Dr. Frank Oswald

Ursu

la Kremer-Preiß

Dr. Axel Nawrath

Bayerische Stiftung

ABG FRANKFURT

Frankfu

rter Verband

Geschäftsbereich

Goethe-Universität

KDA

Kuratorium

KfW Bankengruppe

für Qualität für

HOLDING

r Alten- und

Wohnstifte, Augustinum

Frankfu

rt am Main

Deutsche Altershilfe

Bet

reutes Wohnen

Behindertenhilfe e. V.

 
Veranstalter 34
Veranstalter
34

Mitveranstalter

Förderer

Anmeldung unter:

www.convent.de/
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demografie_anmeldung

  Veranstalter 34 Mitveranstalter Förderer Anmeldung unter: www.convent.de/ demo g rafie _ anmeldung
Sollten weitere Mohammed- Karikaturen und die Ausstrah- lung des Films also verboten werden? Religionsforscher Karl-Josef
Sollten weitere Mohammed- Karikaturen und die Ausstrah- lung des Films also verboten werden? Religionsforscher Karl-Josef

Sollten weitere Mohammed- Karikaturen und die Ausstrah- lung des Films also verboten werden? Religionsforscher Karl-Josef Kuschel plädiert für freiwillige Zurückhaltung. „Christen sollten sich mit den Muslimen solidarisieren“, for- dert er. „Was wir brauchen, ist keine juristische Einschrän- kung, sondern eine moralisch motivierte Selbstkontrolle.“ Die Meinungsfreiheit solle unangetastet bleiben.

Gibt es unter den

Muslimen auch Gegner der

Ausschreitungen?

Viele Muslime haben das Gefühl, dass ihnen von den Filmemachern eine Falle ge- stellt wurde. Die Mehrheit verurteilt den Film. Doch auch die Gewalt der vergangenen Woche lehnt sie ab. Eine Twitter-Meldung aus Kairo bringt diese Haltung auf den Punkt: „Da müht man sich seit Jahren, das Image des Islam zu verbessern, und dann kommen diese Deppen und machen alles zunichte.“

Was bedeuten die Unruhen für die arabische Revolution?

Die Regierungen in Tunesien, Ägypten und Libyen sind durch die gewalttätigen Demonstra- tionen und Angriffe auf aus- ländische Botschaften in gro- ßer Bedrängnis. Sie alle sind auf gute Beziehungen zum Westen angewiesen. Ohne wirtschaftliche Unterstützung kann der Neuanfang nicht gelingen. Zugleich müssen die Regierungen Rücksicht auf die Stimmung in der Bevölke- rung nehmen. Der ägyptischen Regierung ist es zumindest vorerst gelungen, die Proteste abzufangen, indem sie einen zivilen Prozess gegen die Macher des Films ankündigte.

FOCUS 39/2012

Wie gefährdet ist Deutschland?

Das Bundeskriminalamt (BKA) geht in einer aktuellen Risi- koanalyse von einem „erheb- lichen Gefahrenpotenzial im Inland sowie für deutsche Einrichtungen und Interessen im Ausland“ aus. Weitere islamkritische Aktionen „könnten zum Initialzünder für neue schwere Ausschrei- tungen gegen deutsche Inte- ressen weltweit werden. Laut BKA könnten solche Provokationen den Grund „für terroristische Anschläge gegen die Bundesrepublik“ liefern. In dem Dossier bezif- fern die Terroranalysten „das islamistisch-terroristische Per- sonenpontenzial“ in Deutsch- land auf mehr als 900 militan- te Extremisten. Etwa 250 von ihnen seien in Terrorlagern gewesen oder planten einen solchen Schritt.

J. GERLACH / P. GRUBER / A. C. HOFFMANN / F. LEHMKUHL / S. REMKE / A. SPILCKER / M. WEBER

Die Leser-

Die Leser-

debatte

Sollte das Mohammed-Video in Deutschland öffentlich gezeigt werden?

In unserem Meinungs- forum debattieren unsere Leser das Thema der Woche. Die besten Texte drucken wir nächste Woche auf der Leserdebatten-Seite. Bedin- gung: Sie schreiben unter Ihrem echten Namen und verwenden kein Pseudonym.

Beiträge unter:

www.focus.de/magazin/ debatte Mails an: debatte@focus- magazin.de

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Foto: N. Stern/WENN Deutschland

Foto: SIPA PRESS

POLITIK

Präsenz zeigen Ein chinesisches Patrouillenboot sondiert die Lage vor den Inseln

Alles wegen ein paar Felsen

Handelsboykott, Cyberattacken und Kriegsgeklingel: Mit ihrem bizarren Inselstreit riskieren China und Japan großen wirtschaftlichen Schaden – nicht nur in den eigenen Ländern

D ie Proteste verloren jedes Maß,

sie klangen martialisch und hass-

erfüllt. „Besiegt die japanischen

Teufel“ sowie „Japaner und Hunde müs- sen draußen bleiben“ war auf Plakaten zu lesen, die chinesische Demonstranten vorige Woche durch die Straßen trugen. Ein Audi-Händler hängte ein Banner vor sein Schaufenster: „Alle Japaner müs- sen umgebracht werden.“ In 100 Städten Chinas demolierten „Wutbürger“ japa- nische Autos, Läden und Restaurants.

Der äußere Anlass für den offenbar von

oben orchestrierten Ausbruch: Drei un- bewohnbare Felsen im ostchinesischen Meer, von den Chinesen Diaoyu, von den Japanern Senkaku genannt, die Japans Regierung einem Privatmann abkaufte. Das empfindet Peking als Provokation, es sieht sich selbst als Eigentümer der Inseln und ihrer fischreichen Gründe. Ausgerechnet im 40. Jahr diplomati- scher Beziehungen ist das Verhältnis der beiden ostasiatischen Rivalen auf dem emotionalen Tiefpunkt. Unkompliziert war es nie: Japan hat sich bisher nicht für die Gräueltaten während des Zweiten Weltkrieges in China entschuldigt und ehrt seine Kriegshelden bis heute. Jetzt droht ein Handelskrieg: Hunder- te beim Autobauer Honda vorbestellte Fahrzeuge stornierten die Chinesen wie- der. Auch ein trilaterales Freihandelsab- kommen mit Südkorea gilt als gefährdet. Japanische Firmen wie Canon und Sony schlossen vorläufig Fabriken. „Japans

unrechtmäßiger Kauf der Inseln wird dem Handel schaden“, zeigte sich der Sprecher des Pekinger Handelsministe- riums, Shen Danyang, überzeugt. Davon allerdings hätten beide Volkswirtschaf- ten das Nachsehen. China ist Hauptab- nehmer für japanische Waren, Japan für China zweitgrößter Handelspartner. Japanische Regierungskreise fürchten noch dramatischere Folgen. „Hier liegen die zweit- und drittgrößte Volkswirtschaft

RUSSLAND Peking NORDKOREA JAPAN SÜDKOREA Tokio CHINA Ost- chinesisches Meer PAZIFIK Senkaku-/ Diaoyu-Inseln
RUSSLAND
Peking
NORDKOREA
JAPAN
SÜDKOREA
Tokio
CHINA
Ost-
chinesisches
Meer
PAZIFIK
Senkaku-/
Diaoyu-Inseln
500 km
TAIWAN
Meer PAZIFIK Senkaku-/ Diaoyu-Inseln 500 km TAIWAN Zankäpfel Das Territorium um die Senkaku-/ Diaoyu-Inseln

Zankäpfel Das Territorium um die Senkaku-/ Diaoyu-Inseln soll fisch- und rohstoffreich sein. Japan pocht auf Ansprüche seit 1895, China führt Dokumente des 14. Jh.s an

im Streit. Wenn er weiter eskaliert, wäre der Schaden für die ganze Weltwirtschaft hoch“, sagt eine Wirtschaftsexpertin. Aber Peking spielt offenbar auch mit anderen Szenarien. So soll es nach chi-

nesischen Medien ein Geheimtreffen von fünf Generälen gegeben haben. Einer von ihnen wird mit den Worten zitiert: „Wenn die japanische Marine in die Zwölfmeilen- zone um die Inseln eindringt oder wenn chinesische Schiffe angegriffen werden, müssen wir militärisch reagieren.“ Eine Armada von Fischerbooten, begleitet von chinesischen Patrouillenschiffen, ist mitt- lerweile auf dem Weg ins Ostchinesische Meer, um den Anspruch auf die Mini- Inseln zu unterstreichen. Diese, warnte Tokio im Gegenzug, unterlägen der ame- rikanischen Sicherheitsgarantie.

An einen Seekrieg der „Titanen im Pazifik“ glauben Experten dennoch nicht. Chi- na gehe es mit seinem Muskelspiel wohl vor allem darum, von den ungewöhnlich heftigen Führungsquerelen vor dem 18. Parteitag in diesem Herbst abzulenken. Und schließlich verfügt Peking auch über unblutigere, aber ebenso wirksame Waffen. Bis vorigen Freitag attackierten Hacker die Web-Seiten von 19 japani- schen Banken, Universitäten und Behör- den, sogar die des Verteidigungsminis- teriums. Bei einigen änderten sie den Inhalt, bei anderen hinterließen sie eine kleine rote Flagge als Signatur.

G. DOMETEIT / S. GUSBETH / S. STEFFEN

Fahrspaß trifft Sparspaß. Der Motor des Jahres 2012. Der 1,0 l EcoBoost-Motor ist International Engine

Fahrspaß trifft Sparspaß. Der Motor des Jahres 2012.

Fahrspaß trifft Sparspaß. Der Motor des Jahres 2012. Der 1,0 l EcoBoost-Motor ist International Engine of

Der 1,0 l EcoBoost-Motor ist International Engine of the Year 2012.

Effizienz made in Germany: der neue EcoBoost-Benzinmotor mit nur 4,9 l Verbrauch * . Klein und stark, aber trotzdem sparsam und umweltschonend. So muss ein Motor heute sein, damit wir auch in Zukunft mit Spaß Auto fahren können. Eben eine Idee weiter.

* Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach VO (EC) 715/2007): 6,0 (innerorts), 4,2 (außerorts), 4,9 (kombiniert). CO 2 -Emissionen: 112 g/km (kombiniert). Quelle: www.ukipme.com/engineoftheyear

4,2 (außerorts), 4,9 (kombiniert). CO 2 -Emissionen: 112 g/km (kombiniert). Quelle: www.ukipme.com/engineoftheyear
4,2 (außerorts), 4,9 (kombiniert). CO 2 -Emissionen: 112 g/km (kombiniert). Quelle: www.ukipme.com/engineoftheyear

REPORT

REPORT » V e r l e u m d u n g und Sippenhaft« URSULA

»Verleumdung

und Sippenhaft«

URSULA SARRAZIN hat ein Buch über ihre Erlebnisse als Berliner Grundschullehrerin geschrieben. Hier schildert sie die Gründe, warum sie vorzeitig in Pension ging

Fotos: Dominik Butzmann/FOCUS-Magazin; Götz Schleser/Image Trust/Composing: FOCUS-Magazin, Marko Priske/FOCUS-Magazin

Trust/Composing: F OCUS -Magazin, Marko Priske/FOCUS-Magazin Frau Sarrazin, wenn Ihr Name Müller wäre, wie wäre Ihre
Trust/Composing: F OCUS -Magazin, Marko Priske/FOCUS-Magazin Frau Sarrazin, wenn Ihr Name Müller wäre, wie wäre Ihre

Frau Sarrazin, wenn Ihr Name Müller wäre, wie wäre Ihre Karriere als Lehrerin verlaufen?

Dann wäre vieles, was mir widerfahren ist, gar nicht passiert.

Ihr Buch trägt den Titel „Hexenjagd“. Neudeutsch nennt man, was Ihnen zugestoßen ist, wohl eher Mobbing.

Ja. Mobbing bedeutet, ausgegrenzt zu werden. Und die vielleicht schlimmste Form des Mobbings ist, wenn Sie noch nicht mal wissen, dass Sie gemobbt werden. Wenn Sie dem, was ein Chef heimlich macht, völlig ausgeliefert sind. Mein Schulleiter Joachim Syska hat sich so verhalten.

Indem er quasi eine Stasi-Akte von Ihnen angelegt hat?

So könnte man es fast bezeichnen. Dieser Schulleiter hat ein halbes Jahr lang hinter meinem Rücken Briefe mit haarsträubendem Inhalt an die Schul- verwaltung geschickt, von denen ich nichts ahnte.

Was stand in den Briefen?

Er behauptete zum Beispiel, er hät- te zehn grottenschlechte Unterrichts- stunden von mir gesehen. In Wahrheit waren es zwei gute Stunden, wie er mir unmittelbar nach diesen beiden Stun- den bestätigte. Er schrieb, ich würde auf Gesamtkonferenzen pöbeln, und bat um die Erlaubnis, mich von diesen Konfe- renzen auszuschließen. Er behauptete, ich hätte ein „massives persönliches Strukturproblem“, ich käme Kollegen „körperlich zu nahe“, würde ständig „Eltern bedrohen“ und Ähnliches mehr. Kaum verhüllt, lief es darauf hinaus, ich sei irgendwo nicht ganz dicht. Es waren Behauptungen in amtlichen Schreiben an das Schulaufsichtsamt – ohne jeden Beleg oder Nennung auch nur eines ein- zigen Vorkommnisses.

Und die Schulverwaltung?

Sie duldete solche ehrabschneidenden Anschuldigungen, ohne den Schullei- ter um handfeste Belege zu bitten oder mich zur Stellungnahme aufzufordern, wie es ihre Pflicht gewesen wäre. Das war entweder eine ungeheure Ver- letzung der Fürsorgepflicht durch die zuständigen Schulräte, oder sie saßen mit im Verleumdungsboot.

Sie vermuten im Buch, es sei anfangs der Neid auf Sie als Frau eines einflussreichen Mannes gewesen, der letztlich in Schikanen mündete. Haben Sie dafür Indizien?

letztlich in Schikanen mündete. Haben Sie dafür Indizien? „Monsterlehrerin“? Ursula Sarrazin in ihrer Berliner

„Monsterlehrerin“? Ursula Sarrazin in ihrer Berliner Wohnung. Nach 33 Jahren als Grundschul- lehrerin schied die Mutter zweier Söhne 2011 aus dem Schuldienst, weil sie nach eigener Aussage das Gemobbtwerden nicht mehr ertrug

Ja, zum Beispiel die Konrektorin, die sich im Lehrerzimmer hinstellte und zu mir sagte: „Ulla, dir geht es doch so gut. Du kannst wirklich ein paar mehr Überstunden machen.“ Die Schulleitung versuchte, mich von der Gesamtkonferenz auszuschließen, und untersagte mir die Teilnahme an der Arbeitsgemeinschaft „Schulcharta“.

Es steht eine Reihe von Vorwürfen gegen Sie im Raum. Zum Beispiel sollen Sie besonders streng zu den Kindern gewesen sein, auch in der Benotung.

Das lässt sich leicht vorwerfen und sehr schwer widerlegen. Ich denke aber nicht, dass ich das war. Das haben mir auch Kinder aus allen Klassenstufen immer wieder von sich aus gesagt, wenn sie von diesem Vorwurf hörten.

Sie sollen einen Jungen mit einer Flöte geschlagen haben.

Absurd. Im Jahr 2000 hatte sich ein elfjähriger Schüler im Musikunterricht vom Stuhl fallen lassen und wollte sich nicht wieder hinsetzen. Da habe ich ihm seinen Stuhl mit der einen Hand hingestellt und ihn mit der anderen am Arm gehalten, damit er sich wieder draufsetzt. Ich hatte aber meine Flöte in der Hand, denn es war ja Musikun- terricht. Und hinterher behauptete er, ich hätte ihn mit der Flöte geschlagen. Danach kam die Mutter zu mir, und ich habe ihr gesagt: „Wir können ger- ne die ganze Klasse fragen. Ich habe Ihren Sohn nicht geschlagen.“ Damit war die Sache erledigt. Elf Jahre spä- ter setzte der Vater die Behauptung in die Welt, ich hätte seinen Sohn mit der Flöte geschlagen, und Zeitungen druckten es. Offenbar war zu diesem Zeitpunkt gegen einen Menschen, der

den Namen Sarrazin trägt, jede Unter- stellung recht.

Sie hatten, nachdem solche Vorwürfe gegen Sie in den Medien zirkulierten, eine Ehrenerklärung der Schulver- waltung erwartet. Was ist passiert?

Nichts. Die Schulverwaltung hat schon im April 2011 erklärt, dass sie mir eine Ehrenerklärung nicht geben werde. Zugleich weigerte sie sich, die Vorwür- fe zu untersuchen. Und weil sie nichts untersuchte, konnte sie auch nicht fest- stellen, ob ich mir irgendetwas hatte zu Schulden kommen lassen.

Sie schreiben, dass der Schulleiter gleichzeitig Eltern aufgefordert habe, sich über Sie zu beschweren.

Das hat mir ein Vater bestätigt. Mein Schulleiter hatte mir vorgeworfen, dieser Vater habe sich bitterlich über meinen Unterricht beklagt. Mir gegen- über beteuerte dieser Vater, er habe sich nicht beklagt, allerdings habe ihn der Schulleiter regelrecht angestachelt, sich über mich zu beschweren.

Warum haben sich Ihre Kollegen nicht mit Ihnen solidarisiert?

Sie standen in der Furcht des Herrn. Wer zu mir hielt, lief Gefahr, ebenfalls schikaniert zu werden. Außerdem leben sie ja von ihrem Beruf, während ich mich in der privilegierten Situati- on befand, für meinen Lebensunterhalt nicht auf die Schule angewiesen zu sein. Wenn sich jemand aus der Schul- leitung im Lehrerzimmer aufhielt, war das so, als wäre ein Bannkreis um mich gezogen. Es wurden auch Gespräche mit mir abgebrochen, wenn jemand aus der Schulleitung das Zimmer betrat. Darum bin ich im letzten halben Jahr nicht mehr ins Lehrerzimmer

der Schulleitung das Zimmer betrat. Darum bin ich im letzten halben Jahr nicht mehr ins Lehrerzimmer

REPORT

REPORT gegangen. Ansonsten war das Verhält- nis zu meinen Kollegen desto normaler, je weniger Zeugen anwesend

gegangen. Ansonsten war das Verhält- nis zu meinen Kollegen desto normaler, je weniger Zeugen anwesend waren.

Inwieweit wurde das Buch Ihres Mannes an der Schule thematisiert?

Es wurde totgeschwiegen. Also, außer- halb der Schule tobte der Sturm, und drinnen, quasi hinter der Hafenmole, war tiefes Schweigen. Nur der Schul- leiter bestellte mich zu sich und erklär- te: „Frau Sarrazin, das Buch darf kei- ne Unruhe machen. Es muss auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Es muss überhaupt die Gesetze einhal- ten.“ Ich antwortete: „Herr Syska, wenn Sie über das Buch reden wol- len, müssen Sie sich an meinen Mann wenden, ich bin nicht die richtige Ansprechpartnerin. Ich vermittle Ihnen gerne einen Termin.“

Kein Kollege hat Ihnen gegen- über das Buch erwähnt?

Drei Kollegen haben mir das Buch in Einkaufstüten unauffällig überreicht und mich gefragt, ob mein Mann nicht eine Widmung hineinschreiben könn- te. Ich habe in meinem Leben immer wieder die Erfahrung gemacht: Wenn über etwas nicht gesprochen wird, das eigentlich der Rede wert ist, wird es gefährlich. Als Kollegen zu mir kamen und fragten: „Was hat sich denn dein Mann dabei gedacht, uns das Weih- nachtsgeld zu streichen?“, da konn- te ich mit ihnen darüber reden. Aber diesmal

Moment, das muss man jetzt erklären. Ihr Mann hat als Berliner Finanzsenator im Jahr 2003 den Lehrern das Weihnachtsgeld gestrichen.

Ja, nicht nur den Lehrern, sondern allen Berliner Beamten und danach über sieben Jahre keine Gehaltserhö- hung mehr zugelassen.

Es gab also Gründe, sich an Frau Sarrazin zu rächen.

(lacht) Ja. Allerdings hat er auch mein Weihnachtsgeld gestrichen und mein Gehalt eingefroren. Und vor allen Dingen hatte ich darauf gar keinen Einfluss. Insofern war das wirklich Sippenhaft.

Gab es, nachdem „Deutschland schafft sich ab“ erschienen war, außer dem allgemeinen Schweigen noch irgendeine Eskalationsstufe im Gemobbtwerden?

Mir wurde quasi überhaupt nichts mehr mitgeteilt. In dieser Zeit begann der Schulleiter, die erwähnten Briefe an die Schulaufsicht zu schreiben. Er setzte offenbar damals alles daran, mich von der Schule zu entfernen, und stachelte dabei auch Kollegen zu Falschaussa- gen an. Von mir darauf angesprochen, sagten die betroffenen Kollegen, sie wüssten, dass die Vorwürfe falsch sei-

Das Sparschwein Ihres Kindes würden Sie doch auch nicht plündern, oder?
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land steht vor großen Herausforderungen. Wenn die wenigen

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Anklageschrift Das Buch erscheint im Diederichs Verlag, 288 S., 17,99 Euro

en. Aber der Schulleiter hätte ihnen fer- tige Erklärungen vorgelegt, und dann hätten sie das eben unterschrieben. Als ich die Kollegen darauf hinwies, dass es so was wie Recht in unserem Land gibt und Rechtsanwälte, die einer Sache nachgehen, wurde das von der Schullei- tung mir gegenüber als Bedrohung der Mitarbeiter ausgelegt!

Was war letztlich der Grund, dass Sie aus Ihrem Beruf ausgeschieden sind? Wann haben Sie das beschlossen?

Im Januar 2011. Ich war in einer Situa- tion, in der ich objektiv nicht weiterar- beiten konnte, obwohl ich immer noch gerne Lehrerin war. Ich war fast 60

obwohl ich immer noch gerne Lehrerin war. Ich war fast 60 Jahre alt. Sie können nicht
obwohl ich immer noch gerne Lehrerin war. Ich war fast 60 Jahre alt. Sie können nicht

Jahre alt. Sie können nicht in diesem Alter und auch noch mit dem Namen Sarrazin einfach an die nächste Schu- le wechseln. Da hätte mir das Gleiche geblüht, und dann hätte es geheißen, sie kommt an der einen Schule nicht zurecht und an der nächsten wieder nicht. Und als dann mein Fall mit voller Namensnennung durch die Zeitungen ging, war die Sache sowieso erledigt. Stellen Sie sich nur einmal Erstkläss- lereltern vor, die mich überhaupt nicht kennen, denen ich aber öffentlich als eine Monsterlehrerin dargestellt wor- den bin.

Ihr Fall ist bei der Berliner Staatsanwaltschaft anhängig. Wie ist der Stand der Dinge?

Der Staatsanwalt ist dabei, die Zeu- gen zu hören. Ich habe jetzt vom Ober- schulrat die offizielle Erlaubnis bekom- men, die ich als Beamtin brauche, um

als Zeugin der Anklage aussagen zu dürfen.

Was ist das Ziel Ihrer Klage?

Ich will, dass der Schulleiter für sein Verhalten bestraft wird.

Und der Straftatbestand wäre?

Beleidigung. Verleumdung. Wörtlich steht „Beleidigung und anderes“ in der Anklage.

Und nun sitzen also Frau Paria und Herr Paria als das bekannteste deutsche Paria-Paar zusammen daheim?

Im letzten Winter saßen wir zu Hau- se und schrieben jeder ein Buch über Missstände in unserer Gesellschaft mit der Zielsetzung, dass es in Zukunft vielleicht etwas besser wird. Im Übri- gen: Wer von einigen Schulbeamten oder Politikern gemobbt wird, ist noch lange nicht ausgestoßen.

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REPORT

REPORT »Hast du Problem?« E s gibt viele Neuköllns. Das behaup- tet Heinz Buschkowsky, seit 2001
REPORT »Hast du Problem?« E s gibt viele Neuköllns. Das behaup- tet Heinz Buschkowsky, seit 2001

»Hast du Problem?«

E s gibt viele Neuköllns. Das behaup- tet Heinz Buschkowsky, seit 2001

Bürgermeister des gleichnamigen Prob- lembezirks in Berlin. Der Sozialdemo- krat wurde mit seiner These „Multikulti ist gescheitert“ republikweit bekannt. Jetzt legt der 64-Jährige mit „Neukölln ist überall“ (397 Seiten, Ullstein Verlag)

nach. Das Buch bietet inte- ressante, teils erschütternde Lektüre – gespickt mit Fak- ten, Eindrücken und Ansich- ten über die Zustände in dem Bezirk mit 315 000 Einwohnern und einem Anteil von 41 Pro- zent Migranten. Buschkowsky hofft nun auf eine Debatte über Versäum- nisse bei der Integration von Einwanderern. Beim Gespräch im Rathaus erklärt er, warum:

„Neukölln ist kein Sonderfall. In Stadtlagen wie Kiel-Gaar- den, Hamburg-Wilhelmsburg oder München-Hasenbergl sind die Situationen ähnlich.“ Als Nestbeschmutzer wurde der unbequeme Politiker oft verunglimpft, auch aus den

eigenen Reihen. Ihn ficht das nicht an. Vor seinem Rück- zug aus der Kommunalpoli- tik spätestens 2015 möchte er noch ein paar „Rezepte“ hinterlassen, damit „unsere Städte nicht nur noch auf dem Atlas Städte in Mitteleuropa sind“. ple

Der SPD-Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, will mit seinem Buch eine Dis- kussion über den Umgang mit Einwanderern eröffnen

„Es beginnt bereits mit den Erziehungs- idealen muslimischer Eltern. Jungen werden dazu erzogen, tapfer, mutig

und kampfbereit zu

laufen schon im Kindergartenalter Jun- gen mit Waffen in der Tasche durch die Gegend, immer bereit, die ,Ehre meiner Mutter‘ zu verteidigen.“

Deswegen

. Bildung

» Der moderne Ablasshan- del des Wohlfahrtsstaats

– nimm deinen Scheck, geh nach Hause und sei ruhig – ist keine Antwort auf das Problem der in bildungsferner Lethargie oder Kriminalität verharrenden Wir brauchen einen Systemwech- sel, weg von der Sozialalimen- tierung des Einzelnen hin zu Strukturen, die es ihm ermög- lichen, sein Leben in die eige- nen Hände zu nehmen.“

. Multikulti

Brennpunkt Neukölln Buschkowsky gibt sich streitlustig
Brennpunkt Neukölln Buschkowsky gibt sich streitlustig

In diesem Fall werden Sie und Ihr Kon- trahent in Blitzesschnelle von mehreren ,Zeugen‘ umgeben sein, die alles genau gesehen haben. Nicht Ihr Hintermann ist auf Sie aufgefahren, sondern Sie sind ihm schneidig im Rückwärtsgang reingefahren.“

» Es ist eine eigene Welt ent- Menschen be-

stimmter Glaubensrichtungen ziehen nach Neukölln, um ihrer Moschee und ihrer Glau- benscommunity nahe zu sein. Sie bilden Netzwerke, die nur einem Zweck dienen:

unter sich zu bleiben, die eigenen kultu- rellen und religiösen Normen zu bewah- ren, die Kinder vor sündigen Einflüssen

zu beschützen und der deutschen Lebens- art, den deutschen Lebensregeln und den deutschen Gesetzen auszuweichen.“

Buschkowskys Ansichten über

den Alltag in Neukölln

Kriminalität

» An der roten Ampel schauen alle möglichst stur geradeaus, um nicht

von den Streetfightern aus dem Wagen

nebenan angepöbelt und gefragt zu werden: „Hast du Problem? Könn’ wir gleich lösen!“

„Es kann Ihnen passieren, dass Sie bei einem lapidaren Auffahrunfall eine Überraschung erleben. Nämlich dann, wenn Ihr Unfallpartner äußerlich ein- deutig als Einwanderer zu erkennen ist.

» Wir können 192 jugendliche Serien- straftäter unser Eigen nennen

49 Prozent tragen arabische Namen. Nun sind 192 junge Menschen von 65 000 Einwohnern unter 21 Jahren weniger als ein halbes Prozent. Bedenkt man, dass die Hälfte immer gerade sitzt, halbiert sich die Zahl noch. Gleichwohl reichen 100 völlig skrupellose Gewalt- täter aus, um ganze Gegenden in Angst und Schrecken zu versetzen.“

Integration

» Die Ordnungsprinzipien des tägli- chen Lebens gelten auch für Ein- wanderer. Wer mit den Gesetzen dieses Landes nicht leben kann oder leben will, wem das Leben zu liberal und zu gottlos ist und wer sich nach feudalen Lebens- verhältnissen sehnt, dem sei viel Erfolg bei der Suche nach einem Ort irgend- wo auf der Welt gewünscht, der seinen Idealen besser entspricht.“

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REPORT

REPORT Kriminelle Schlamperei Interne Querelen und Parteigutachten behindern die Ermittlungen zum Einsturz des Kölner
REPORT Kriminelle Schlamperei Interne Querelen und Parteigutachten behindern die Ermittlungen zum Einsturz des Kölner

Kriminelle Schlamperei

Interne Querelen und Parteigutachten behindern die Ermittlungen zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor dreieinhalb Jahren

D a unten liegt die Antwort: 30 Meter in der Tiefe – mitten in der Kölner

City, im Krater. Die Antwort auf Fragen zu Schlampereien beim Bau der U-Bahn, die im März 2009 zum Einsturz des histo- rischen Stadtarchivs und dem Tod zwei-

er Anwohner führten. Die Antwort auf die Frage, wer den Schaden von gut einer Milliarde Euro zahlen und sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten muss. Dreieinhalb Jahre sind seit der Katas- trophe vergangen, noch immer schaut der Chefaufklärer der Unglücksursache, Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich, von oben in das Einsturzloch, ohne die exakte Antwort zu kennen. Juristische Scharmützel und Inkompe- tenz verzögern die Ursachenforschung. Das liegt nicht zuletzt an der Arbeits- gemeinschaft (ARGE) der Bauunterneh- mer, die nur ein verhaltenes Interesse an der Aufklärung zeigt. Denn womög- lich kommen auf die Firmen gigantische Schadensersatzforderungen zu. Die Ermittlungen in Köln gestalten sich äußerst schwierig. Schon kurz nach dem Unglück verfolgte die Staatsan- waltschaft eine These, wie das Unglück

passiert sein dürfte: Danach brach das Grundwasser, das die Archivmau- ern zum Einsturz brachte, durch eine defekte Schlitzwand (Lamelle 11) unter dem U-Bahn-Bauwerk ein. Zudem fand man heraus, dass Bauarbeiter bei der Installation der Stützwände geradezu kriminell geschlampt hatten. Doch alle Bemühungen der Sonder- kommission „Severin“ scheiterten, die überflutete mutmaßliche Schadstelle zu untersuchen. Dabei hatten die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) sowie die Stadt zunächst versprochen, die Ermittler könn- ten spätestens im Sommer 2010 in den Schacht. Doch ein sogenanntes „Beweis- sicherungsbauwerk“ bei Lamelle 11, das eine Besichtigung erst möglich macht, ist bis heute nicht errichtet – auch weil sich die Bergung der Archivalien schwieriger gestaltete als gedacht. Dass sämtliche Beteiligten – Stadt, KVB, Staatsanwalschaft und ARGE – ein ausgeprägtes Misstrauen gegeneinander hegen, erschwert das Ganze zusätzlich. Im maßgeblichen Zivilprozess um Scha- densersatz bekriegen sich die eigens von jeder Partei bestellten Gutachter.

Den zeitweiligen Versuch der Baufirmen, die Beweissicherung mit einem irrwit- zigen und noch dazu teuren Tiefbau- monstrum in Eigenregie zu übernehmen, konnte die Staatsanwaltschaft gerade noch verhindern. 2011 verstrich ungenutzt mit dem Streit der Kontrahenten über Haftungsfragen. Als die Stadt ihr papierenes Gedächt- nis endlich gehoben hatte, warnte im Mai 2012 ein Prüfingenieur vor statischen Problemen im „Kölner Loch“. Weitere Monate vergingen, weil der seit Jahren geplante Bau des Beweisschachts ausge- schrieben werden musste. Treten „weitere Unwägbarkeiten bei der Trockenlegung“ des U-Bahn-Bauwerks auf, fürchtet NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD), dass sich die Unglücks- ursache erst im Jahr 2014 klären lässt. Dem zuständigen Oberstaatsanwalt Elschenbroich bleibt nichts anderes übrig, als noch immer gegen unbekannt zu ermitteln. Nächstes Jahr will und muss er eine Liste mit konkreten Beschuldig- ten erstellen, denn Ende 2013 droht die Verjährung. Nach FOCUS-Informatio- nen richtet sich der Verdacht vor allem gegen Verantwortliche der ARGE und einige Personen von der Bauaufsicht der KVB. Gegenüber FOCUS will der Chefer- mittler dies nicht kommentieren. Nur so viel: „Manchmal muss man einen langen Atem haben, und den haben wir.“

AXEL SPILCKER

Der Einsturz des Stadtarchivs Zwei Menschen starben, als das Gedächtnis Kölns beim Bau der Nord-Süd-U-Bahn
Der Einsturz
des Stadtarchivs
Zwei Menschen starben, als
das Gedächtnis Kölns beim
Bau der Nord-Süd-U-Bahn
2009 durch enorme Grund-
wassermassen weggespült
wurde. Der mutmaßliche
Schaden beläuft sich auf
1
Mrd.
Euro
Foto: dpa

BRENNPUNKT

MAD

Über keinen deutschen Geheimdienst ist so wenig bekannt wie über den Militärischen Abschirmdienst. Kritiker fordern seine Abschaffung. Zu Recht?

E r gilt als der geheimste aller deutschen Geheim-

dienste. Sein Präsident gibt nie Interviews. Bürger und selbst Soldaten wissen wenig über ihn. Der Militärische Abschirmdienst, kurz MAD, arbeitet im Hintergrund. Zu seinen Stärken gehört nicht gerade die Öffentlichkeits- arbeit. Doch die hätte er momentan bitter nötig: Die Politik diskutiert über seine

Abschaffung. Wieder einmal.

Die Regierung streitet um

den Sinn des MAD – befeuert durch die Aufklärungspan- nen rund um die terroristische Mordserie des Nationalsozia- listischen Untergrunds (NSU). Der Geheimdienst hatte den Parlamentarischen NSU-Unter- suchungsausschuss nicht auf eine vorhandene Akte über den Neonazi Uwe Mundlos hingewiesen – Munition für er- bitterte MAD-Gegner wie Jus- tizministerin Sabine Leutheus- ser-Schnarrenberger (FDP). Sie will den MAD schon lange los- werden und plädierte erneut dafür. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) will den Dienst behalten, ihn aber umstrukturieren und ver- kleinern. Der MAD ist neben dem Bundesamt für Verfassungs- schutz (BfV) und dem Bun- desnachrichtendienst (BND) Deutschlands dritter Nach- richtendienst auf Bundes- ebene. Im Geschäftsbereich des Verteidigungsministeri- ums soll er die militärische Sicherheit und die Einsatz-

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bereitschaft der Bundeswehr gewährleisten. Darauf berufen sich die MAD-Befürworter: Das Mili- tär brauche wie jede Armee einen eigenen Geheimdienst, um gerade aus der Binnensicht extremistische Soldaten zu enttarnen. Der wehrpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Ernst-Reinhard Beck, hält den MAD für unverzichtbar: Ge- rade in Zeiten des internatio- nalen Terrorismus sei die über Jahrzehnte erworbene Exper- tise in Sachen Sicherheitsüber- prüfung und Spionageabwehr wertvoll, so Beck. FDP, Grüne und Linke wol- len die MAD-Aufgaben an- deren Geheimdiensten über- tragen, um so Geld zu sparen und Doppelstrukturen zu ver- hindern. Beispiel: Sobald ein rechtsextremistischer Soldat die Kaserne verlasse, sei der Verfassungsschutz zuständig. Ohne Skandale geht es auch beim MAD nicht: 1978 hörte er die Sekretärin von Vertei- digungsminister Georg Leber wegen angeblicher Spionage illegal ab. 1983 stufte er Gene- ral Günter Kießling wegen an- geblicher Homosexualität als Sicherheitsrisiko ein. Der Offi- zier wurde in den Ruhestand versetzt und später rehabili- tiert. Vize-Amtschef Joachim Krase, der 1988 starb, wurde erst nach dem Mauerfall als Verräter enttarnt. Er hatte laut Akten 15 Jahre für den DDR- Geheimdienst gearbeitet.

M. BAUER / J. HUFELSCHULTE

Innenministerium Kanzleramt BfV BND ❙ 2700 Mitarbeiter im Inland ❙ 6000 Mitarbeiter weltweit ❙
Innenministerium
Kanzleramt
BfV
BND
❙ 2700 Mitarbeiter
im Inland
❙ 6000 Mitarbeiter
weltweit
❙ Frühwarnsystem der
Regierung
❙ Geheimdienst der
Bundesregierung
❙ Schwerste Krise
durch NSU-Skandal
❙ Viele Skandale in
den eigenen Reihen
Das Bundesamt für Verfas-
sungsschutz (BfV) beob-
achtet Tendenzen, die sich
gegen Freiheit und Demokra-
tie richten: Spionage, Isla-
mismus, Rechts- und Links-
extremismus. Verhaften darf
aber nur die Polizei. Wegen
der Pannenserie rund um die
NSU trat Präsident Heinz
Fromm zurück.
Der Bundesnachrichten-
dienst (BND) beschafft für
die Bundesregierung sen-
sible Informationen aus aller
Welt, in erster Linie aus
Krisengebieten. Der Geheim-
dienst soll rechtzeitig im
Ausland Entwicklungen er-
kennen, die Deutschlands
innere und äußere Sicher-
heit bedrohen könnten.
GTAZ
Gemeinsames Terrorismusabwehrzentrum
❙ Schaltzentrale der Sicherheitsbehörden
❙ Koordinierte Aktionen gegen Terror
Vom GTAZ aus bekämpft der MAD seit 2004 zusam-
men mit anderen Sicherheitsbehörden den islamisti-
schen Terror. Die Experten tauschen Informationen aus,
erstellen Analysen und stimmen Operationen ab.
Die Gefahr auf dem Schirm – im GTAZ arbeiten deutsche
Behörden gemeinsam an der Abwehr islamistischen Terrors
FOCUS 39/2012

Fotos: action press, dapd, REUTERS, dpa (2), W. Schüring/FOCUS-Magazin

Minister Thomas de Maizière will Verteidigungs- ministerium den MAD und den Erstzugriff auf geheime Infos
Minister Thomas de Maizière will
Verteidigungs-
ministerium
den MAD und den Erstzugriff auf geheime
Infos aus der Truppe behalten. Geplant ist
eine Verkleinerung auf 1100 Mitarbeiter.
Geplant ist eine Verkleinerung auf 1100 Mitarbeiter. MAD ❙ 1200 Mitarbeiter im In- und Ausland ❙
MAD
MAD

1200 Mitarbeiter im In- und Ausland

Schutz der Bundeswehr

Politiker verlangen Auflösung

Abt. I ZENTRALE AUFGABEN
Abt. I
ZENTRALE AUFGABEN

Eine Wache am Kasernentor salutiert zur Begrüßung

Was der Spieß für die Truppe, ist die Abteilung Zentrale Aufgaben für den MAD: die Mutter der Kompanie. Sie kümmert sich um die personelle, organisatorische und materielle Absicherung des Betriebs. Sie sucht die Bewer- ber aus – sowohl Soldaten (rund zwei Drittel) als auch Zivi- listen (ein Drittel). Sie besorgt die nachrichtendienstliche Technik und hält die Informationstechnologie am Laufen.

Technik und hält die Informationstechnologie am Laufen. Der Militärische Abschirm- dienst (MAD) mit dem neuen

Der Militärische Abschirm- dienst (MAD) mit dem neuen Präsidenten Ulrich Birkenheier an der Spitze soll die Bundes- wehr vor inneren und äußeren Feinden schützen. Dafür hat er vier Fachabteilungen.

Feinden schützen. Dafür hat er vier Fachabteilungen. Abt. II EXTREMISMUS-/TERRORISMUS-/ SPIONAGE- UND

Abt. II

EXTREMISMUS-/TERRORISMUS-/ SPIONAGE- UND SABOTAGEABWEHR

EXTREMISMUS-/TERRORISMUS-/ SPIONAGE- UND SABOTAGEABWEHR Taliban liefern der Bundeswehr erbitterte Kämpfe

Taliban liefern der Bundeswehr erbitterte Kämpfe

Nachrichtendienstliche Kernaufgaben im Inland über- nimmt Abteilung II. Sie verfolgt Soldaten, die in Kontakt zu Extremisten stehen könnten. Der MAD wirbt dafür Agenten an. Durch Kooperation mit ausländischen Diensten erfährt er, welche Gefahren der Bundeswehr etwa in Afghanistan drohen. Mehrere Anschläge konnten so verhindert werden. Bislang starben 52 deutsche Soldaten am Hindukusch.

werden. Bislang starben 52 deutsche Soldaten am Hindukusch. Abt. III EINSATZABSCHIRMUNG Abt. IV
Abt. III EINSATZABSCHIRMUNG Abt. IV PERSONELLER/MATERIELLER GEHEIM- UND SABOTAGESCHUTZ
Abt. III
EINSATZABSCHIRMUNG
Abt. IV
PERSONELLER/MATERIELLER
GEHEIM- UND SABOTAGESCHUTZ
Abt. IV PERSONELLER/MATERIELLER GEHEIM- UND SABOTAGESCHUTZ Eine Bombe tötete vier Bundeswehrsoldaten in Kabul Seit

Eine Bombe tötete vier Bundeswehrsoldaten in Kabul

Seit Beginn der Auslandseinsätze schützt die Abteilung III deutsche Soldaten rund um die Welt – allerdings nur inner- halb der Lager. Den Anschlag auf den Bus der Internationalen Schutztruppe 2003 in Afghanistan konnte sie nicht verhindern. Der MAD berät den Kommandanten zur Abschirmung, sichert die Einsatzbereitschaft der Truppe und überprüft Ortskräfte wie Dolmetscher oder Fahrer, die für die Bundeswehr arbeiten.

Zapfenstreich für General Kießling mit Minister Wörner

Der Tiefpunkt des MAD. Wegen angeblicher Homosexualität stufte der MAD General Günter Kießling 1983 als Sicherheits- risiko ein. Minister Manfred Wörner versetzte ihn zu Unrecht in den Ruhestand. Die Sicherheitsüberprüfungen vollzieht Abtei- lung IV. Das betrifft alle Soldaten, die mit „sicherheitsempfind- lichen Tätigkeiten“ betraut sind – pro Jahr etwa 56 000. Außer- dem schützt der MAD Rüstungsprojekte und Liegenschaften.

betraut sind – pro Jahr etwa 56 000. Außer- dem schützt der MAD Rüstungsprojekte und Liegenschaften.

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REPORT

Werkzeuge der Mörder Die Polizeifotos zeigen einige Waffen der NSU-Killer, darunter die Ceska 83 mit
Werkzeuge der Mörder
Die Polizeifotos zeigen einige Waffen
der NSU-Killer, darunter die Ceska 83
mit Schalldämpfer (links, Mitte). Sie
gilt als „Hauptwaffe“ der Terroristen

Ein rätselhaftes Waffen-Arsenal

B evor sie sich erschossen, griffen die Terroristen zum Feuerzeug. Uwe

Mundlos und Uwe Böhnhardt zündeten am 4. November 2011 ihr Wohnmobil in Eisenach an. Stunden später steckte Beate Zschäpe die Wohnung des Trios in Zwickau in Brand und flüchtete.

Die Mitglieder der rechtsradikalen Zelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) wollten keine Spuren hinterlassen. Niemand sollte beweisen können, dass sie zehn Menschen ermordet hatten.

Fast wäre das Kalkül aufgegangen.

Doch im verkohlten NSU-Nachlass fanden sich eindeutige Hinweise: 20 Schusswaffen stellte die Polizei sicher, darunter jene Ceska 83, mit der zwi- schen 2000 und 2006 bundesweit neun Einwanderer erschossen worden waren. Mit Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe waren die Verantwortlichen der Mord- serie und anderer Straftaten offenbar gefunden. Doch woher hatten sie die Waffen? Wer waren die Helfer? Monatelang ermittelte das Bundeskri- minalamt (BKA) im In- und Ausland. Das Resultat ist ernüchternd. Nach FOCUS- Recherchen lässt sich bei einem Großteil der Waffen nicht mehr sagen, auf wel- chem Weg sie das Trio erreichten. Für immer ungeklärt bleibt vermut- lich die Herkunft der Pumpgun, mit der Mundlos und Böhnhardt Suizid begingen. Die Winchester war 1992 in

Die Mordfahnder hofften, über die Waffen der Zwickauer Terrorzelle die Helfer der Killer zu finden – und stießen dabei auf so manche Überraschung

einem Salzburger Waffenladen an einen Deutschen verkauft worden. Bernd B. war

Mitglied eines Schützenvereins und starb

2005 in Berlin. Was danach mit der Flinte

geschah, vermag niemand zu sagen. Ohne Ergebnis verliefen auch die Nach-

forschungen zu zwei Ceska-Pistolen. Die eine war in den 90er-Jahren bei einer Militäreinheit in Nordböhmen gestohlen worden, die andere hatten Unbekannte

1999 in Prag aus einem Auto geklaut.

In drei Fällen scheiterten die Ermittlungen

an fehlenden Waffennummern, die sich nicht rekonstruieren ließen. Betroffen war auch ein Revolver Alfa-PROJ. Damit hatten die NSU-Terroristen 2006 in Zwickau einen Bankangestellten schwer verletzt. Andere Pistolen waren zu alt, um ihre Geschichte nachzuvollziehen, etwa eine Radom VIS 35. Durch Schüsse aus dieser Waffe war der Polizist Martin A. 2007 in

Heilbronn schwer verletzt worden. Das BKA fand heraus, dass die Wehrmacht die

Radom während des Zweiten Weltkriegs in Polen produzierte. Dann verliert sich die Spur. Ähnliches gilt für die Pistole, mit der die Killer A.s Kollegin Michèle Kiesewetter hingerichtet hatten. Laut russischen Behörden wurde die TOZ TT33 zwischen 1930 und 1942 hergestellt. Unterlagen gebe es nicht mehr. Eine Bruni-Pistole benutzten die Neonazis bei zwei Mordanschlägen in Nürnberg und Hamburg. Die Waffe war ursprüng- lich eine Schreckschusspistole. Wie die Terroristen an das umgebaute Modell kamen, bleibt ein Rätsel. Etwas klarer sehen die Fahnder bei einer Flinte vom Typ Mossberg Maverick. Der Schweizer Michael S. hatte sie 1997 in Zürich legal gekauft und später weiterveräußert. Auf FOCUS-Anfrage erklärte S., der Käufer sei „definitiv kein Rechtsextremist“ gewesen. Was mit dem Gewehr anschließend passiert sei, wisse er nicht. Die Ermittlungen dauern an. Abgeschlossen sind die Recherchen laut Bundesanwaltschaft zur wichtigsten NSU-Waffe. Die Ceska 83 gelangte über einen Schweizer und eine weitere Station in die Hände eines Thüringer Kriminel- len. Der vertickte sie Mitte 2000 dem Mit- arbeiter eines Neonazi-Ladens in Jena. Dort hatten zwei Kameraden des Trios zuvor eine „scharfe Pistole“ bestellt.

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hatten zwei Kameraden des Trios zuvor eine „scharfe Pistole“ bestellt. ■ GÖRAN SCHATTAUER 4 8 FOCUS

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Foto: Peter Gercke/BILD-Zeitung

REPORT

Foto: Peter Gercke/BILD-Zeitung REPORT Schon wieder eine Panne Im Mai 2000 sah ein Zeuge die geflüchteten
Foto: Peter Gercke/BILD-Zeitung REPORT Schon wieder eine Panne Im Mai 2000 sah ein Zeuge die geflüchteten

Schon wieder eine Panne

Im Mai 2000 sah ein Zeuge die

geflüchteten Neonazis in Berlin, wo

sie offenbar den Helfer Jan W. trafen

D ie Affäre um einen V-Mann des Berliner Landeskriminalamts (LKA)

im Zusammenhang mit der Terror- gruppe NSU weitet sich aus. 2002 hatte Thomas S. die Polizei informiert, dass der Chemnitzer Neonazi Jan W. ein wichtiger Helfer des 1998 unterge- tauchten Trios sei. Der Hinweis wurde nicht mit Nachdruck weiterverfolgt. Die Panne wiegt umso schwerer, da die Sicherheitsbehörden bereits im Frühjahr 2000 um die entscheiden- de Rolle von Jan W. wussten. Ihnen lagen nach FOCUS-Recherchen sogar konkrete Hinweise auf ein Treffen von Jan W. mit den Terroristen in Berlin vor. Der sächsische Verfassungsschutz verdächtigte den heute 37-Jährigen schon früh, das Trio zu unterstützen. Die Auswertung seiner Telefondaten ergab, dass er am 7. Mai 2000 in Ber- lin war. Neben Jan W. hielten sich an diesem Tag offenbar auch zwei NSU- Leute in der Hauptstadt auf.

FOCUS liegt die Aussage eines Poli-

zisten vor, der Beate Zschäpe und Uwe Mundlos gegen Mittag nahe einer Syn- agoge im Bezirk Pankow gesehen haben will. Sie saßen angeblich im Außenbe- reich eines Restaurants. Zu diesem Zeit- punkt wusste der Polizist nicht, wer die beiden waren. Am Abend sah er zufäl- lig den Fahndungsaufruf im MDR-Fern- sehen, erkannte die Gesuchten wieder und informierte die Polizei. In einem Vermerk („Amtlich geheim-

gehalten“) notierten die sächsischen Staatsschützer, Jan W. habe die Flüch- tigen in Berlin vermutlich „kontaktiert“ und „nach Chemnitz verbracht“. Trotz der starken Indizien griffen die Fahnder nicht ein – weder im Jahr 2000 noch zwei Jahre später, als der V-Mann das Berliner LKA auf Jan W. hinwies. Damit war die Chance vertan, den Terror-Trupp frühzeitig zu stoppen.

GÖRAN SCHATTAUER

Terror-Trupp frühzeitig zu stoppen. ■ GÖRAN SCHATTAUER Schicksalhaft? Kerstin Gummert trauert am Grab ihrer Mutter

Schicksalhaft? Kerstin Gummert trauert am Grab ihrer Mutter Monika Felgenträger, die einen neuro- chirurgischen Eingriff nicht überlebte

die einen neuro- chirurgischen Eingriff nicht überlebte Arzt für Notfälle Früher in Sachsen- Anhalt, jetzt am

Arzt für Notfälle Früher in Sachsen- Anhalt, jetzt am Golf:

So präsentiert sich Munzir A. auf der Inter- net-Seite einer Klinik in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Dr. med. fraglich

In Magdeburg und Regensburg scheint ein falscher Arzt jahrelang heikle Operationen durchgeführt zu haben

W as Munzir A. im Mai 2011 in einem Operationssaal der Mag-

deburger Unversitätsklinik widerfuhr, ist unter Ärzten gefürchtet. Während eines Bandscheibeneingriffs riss ein Blutgefäß auf. Die Patientin, Monika

Felgenträger, 67, kollabierte. Rettung, so die medizinische Lehre, muss in solch einem Moment rasch und beherzt erfol- gen. Bei Felgenträger gelang das nicht.

Der Staatsanwalt ermittelte, ein Gut-

achter wiegelte ab – schicksalhafter Verlauf eben. Jetzt stellt sich heraus, dass Munzir A. nach deutschem Recht möglicherweise kein richtiger Arzt war. Die Magdeburger Ermittler sind wieder aktiv. Neben dem Verdacht der fahrläs- sigen Tötung geht es nun außerdem um Betrug und Urkundenfälschung. Das Phänomen des medizinischen Hochstaplers scheint mit diesem Fall eine Facette hinzuzubekommen. Wäh- rend der gelernte Briefträger Gert Pos- tel zwischen 1982 und 1997 Kliniken und „Kollegen“ beinahe im Wortsinn

narrte, dürfte Munzir A. zielstrebig eine Karriere vor Augen gehabt haben. Eine erste Spur findet sich 1983. Akten belegen, dass der gebürtige Jor- danier seither dauerhaft in Deutsch- land lebte. Doch nach dem Tod der Patientin Felgenträger sah eine Mag- deburger Behörde genau hin und ent- deckte, dass der vorgebliche Dr. med.

angegeben hatte, von 1986 bis 1995 in Kairo studiert zu haben. Bislang ist unklar, ob A. jemals einen medizini- schen Hörsaal von innen gesehen hat.

A. heuerte in mehreren Bundesländern

an, arbeitete in Marburg, war 2005 bis 2009 Assistenzarzt in Regensburg – an

jener Universitätsklinik, von der aus Aiman O. 2006 eine Leber regelwid- rig nach Jordanien brachte und einer Kranken einpflanzte (FOCUS 30/12). In der Oberpfalz kam A. gut an. Gemeinsam mit Neurochirurgie-Leiter Alexander Brawanski veröffentlichte er Forschungsarbeiten. Der Wechsel nach Sachsen-Anhalt war offenbar geplant. Der Dienstbeginn in Magdeburg datiert auf April 2009, die – befristete – Berufserlaubnis hatte das Landesver- waltungsamt in Halle Mitte Februar ausgestellt. Ein Jahr danach bestand A. die Prüfung zum Facharzt. Ein wei- teres Jahr später wurde die Erlaubnis in eine unbefristete umgewandelt. Im Oktober 2011, nach der verhäng- nisvollen OP, verließ A. die Klinik. Schriftliche Aufforderungen, sich zu äußern, blieben unbeantwortet. Heute weisen Klinik, Ex-Chef Rai- mund Firsching, das Amt in Halle und die Landesärztekammer den Verdacht der Schlamperei von sich. Sie legen nahe, dass eine bayerische Behörde bei der Erteilung der Arztzulassung nicht so genau hingeschaut haben dürfte. Unterdessen taucht ein Munzir A. auf der Internet-Seite eines größeren Krankenhauses in den Vereinigten Arabischen Emiraten als Leiter der Abteilung für Notfälle auf. Gegenüber FOCUS räumt der Mann ein, in Mag- deburg gearbeitet zu haben. Mehr sagt er nicht. Die Staatsanwaltschaft lässt die mögliche Spur kalt – mit den Emiraten habe Deutschland ohnedies kein Rechtshilfeabkommen.

KURT-MARTIN MAYER

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PROFILE

Zurück in die Herkunft

Am Ende seiner Reise wirkt PHILIPP RÖSLER, 39, beina- he erleichtert. „Wenn man zu Bosch kommt“, sagt der Wirt- schaftsminister beim Besuch

der Unternehmensrepräsen- tanz in Ho-Chi-Minh-Stadt (früher Saigon), „dann ist das ein bisschen so, als ob man nach Hause kommt.“ Pause. „Das war ja in den letzten Tagen durchaus ein Thema.“ Rösler untertreibt gnaden- los, denn das „nach Hause kommen“ des in Vietnam geborenen Vizekanzlers ist keine Randnotiz, es dominiert seine Asien-Visite seit dem Abflug. Da kann Rösler noch so oft betonen, dass er kei- ne Erinnerung an die ersten Lebensmonate in einem süd- vietnamesischen Waisenhaus hat, dass Deutschland für ihn die einzige Heimat ist – sei- ne Herkunft verfolgt ihn doch auf Schritt und Tritt. Viel zu stolz sind die Vietnamesen, die ihm hier begegnen, auf den berühmten Landessohn. Etliche Male bitten Passanten den freundlichen Fremden um ein gemeinsames Foto. Angesichts des Echos gibt sich Rösler irgendwann geschmeichelt geschlagen:

„Vielleicht kommt ihr ja eines Tages nach Deutsch- land und steigt in die Politik ein“, scherzt er mit den viet- namesischen Schülern einer deutschen Schule. „Ich liebe dich!“, rufen ihm einige Mitarbeiterinnen von Bosch auf Deutsch entge- gen. Warme Worte aus dem Herkunftsland, die Rösler in seiner Heimat – zumindest beruflich – lange nicht mehr

gehört hat.

Andreas Niesmann

– lange nicht mehr gehört hat. Andreas Niesmann Ehrendoktor in Fernost Wirtschaftsminister Philipp Rösler
– lange nicht mehr gehört hat. Andreas Niesmann Ehrendoktor in Fernost Wirtschaftsminister Philipp Rösler
– lange nicht mehr gehört hat. Andreas Niesmann Ehrendoktor in Fernost Wirtschaftsminister Philipp Rösler

Ehrendoktor in Fernost Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Nationalen Wirtschafts- universität Hanoi

Philipp Rösler (FDP) bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Nationalen Wirtschafts- universität Hanoi 52
Philipp Rösler (FDP) bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Nationalen Wirtschafts- universität Hanoi 52

Internet-König Per Gesetz darf er nur repräsentieren – doch Juan Carlos (l.) nutzt seine Popularität, um in der Krise die Reformen von Regierungchef Rajoy zu unterstützen

Krise die Reformen von Regierungchef Rajoy zu unterstützen Seine Majestät entdeckt das Netz Von harter Arbeit,

Seine Majestät entdeckt das Netz

Von harter Arbeit, Opfern und Solidarität ist die Rede in einem für Spanien historischen Dokument: König JUAN CARLOS I., 74, richtet sich persönlich an seine Untertanen – zum ersten Mal via Internet und zum ersten Mal mit einer eindeutig politischen Botschaft. Die Homepage des Monarchen existiert erst seit ein paar Tagen, und die Ermahnun- gen nennt er seinen ersten „Brief“. Rechts- wissenschaftler diskutieren, ob ihm per Ver- fassung das Recht dazu überhaupt zusteht.

Der Zeitpunkt ist schwierig. Während die konservative Regierung von MARIANO RAJOY, 57, fieberhaft abwägt, ob sie das Hilfsange- bot der EU zur Rettung aus der Schulden- krise annehmen soll, schwört der Monarch sein Volk schon mal auf harte Zeiten ein. Die Regionen warnt er vor Separatismus, den er eine „Chimäre“ nennt, und erinnert an den Geist der Aufbruchsjahre nach der Franco- Ära: „Jetzt entscheidet sich die Zukunft Euro- pas und Spaniens“, mahnt seine Majestät. mz

Kommissar »Sarko«? „Höllische“ Regierungszeit Nicolas Sarkozy sehnt sich nach erneuter Macht. Seine Frau eher
Kommissar »Sarko«?
„Höllische“ Regierungszeit Nicolas Sarkozy sehnt
sich nach erneuter Macht. Seine Frau eher nicht
Wenn es nach CARLA BRUNI, 44, ginge,
würde der französische Ex-Präsident NICO-
LAS SARKOZY, 57, nie mehr in den politi-
schen Ring steigen. Die vier Jahre als First
Lady empfand sie als „höllisch“, ein biss-
chen wie Bettina Wulff. Dennoch denkt ihr
hyperaktiver Gatte kein bisschen an den
Ruhestand. Sein nächstes Ziel, so Freund
und Ex-Minister Brice Hortefeux, hat sich
„Sarko“ bereits gesteckt: 2014 wolle er
José Manuel Barroso als Präsident der
EU-Kommission beerben. In Frankreich
genießt der Ex-Staatschef gerade neue
Popularität: Rutschten seine Umfragewerte
zur aktiven Zeit auf 34 Prozent ab, kletter-
ten sie nun auf 60 Prozent Zustimmung.
Zunächst will Sarkozy sich aber um die
einjährige Tochter Giulia kümmern. Mutter
Carla, die nun sechs Kilo Schwangerschafts-
speck weggehungert hat, konzentriert sich
auf ihr neues Album, das vor Jahresende
erscheinen soll. Und er verdient das Haus-
haltsgeld: Kürzlich kassierte er für einen
40-minütigen Vortrag vor Wirtschaftsgrößen
250000 Euro. 6250 Euro pro Minute.
maw
Fotos: dpa, SIPA, ISOIMAGES

SPRÜCHE

»Die Mitgliedsstaaten der EU sind nicht Würfelzucker im heißen Tee, sondern die Knotenpunkte in jenem Netz, das die europäische Integration ausmacht.«

UDO DI FABIO, ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht, Professor in Bonn

»Ich glaube, eine Errungenschaft der Europäer wird sich auf andere Regionen ausbreiten und Teile Asiens, und das ist der Wohlfahrtsstaat.«

HELMUT SCHMIDT

Altbundeskanzler

»Je nüchterner ich bin, umso weniger weiß ich über mich und umso schwerer fällt es mir, mich selbst zu erkennen.«

NEIL YOUNG

Rockmusiker

»Ich wünsche mir, dass die Spielvereinigung Deutscher Meister wird. Für die Welt: dass die Entwicklung friedlich und konstruktiv sein wird.«

HENRY KISSINGER ehemaliger US-Außenminister und Fan des Bundesligisten Spielvereinigung Greuther Fürt

»Je mehr Daten wir ins Netz übertragen, desto weniger haben wir sie im Griff.«

STEVE WOZNIAK Mitbegründer des Technologie- konzerns Apple

TITEL BARACK OBAMA Geboren: 4. August 1961, Honolulu/Hawaii Voller Name: Barack Hussein Obama Körpergröße: 185

TITEL

BARACK

TITEL BARACK OBAMA Geboren: 4. August 1961, Honolulu/Hawaii Voller Name: Barack Hussein Obama Körpergröße: 185 cm
TITEL BARACK OBAMA Geboren: 4. August 1961, Honolulu/Hawaii Voller Name: Barack Hussein Obama Körpergröße: 185 cm
TITEL BARACK OBAMA Geboren: 4. August 1961, Honolulu/Hawaii Voller Name: Barack Hussein Obama Körpergröße: 185 cm

OBAMA

Geboren: 4. August 1961, Honolulu/Hawaii Voller Name:

Barack Hussein Obama Körpergröße: 185 cm Religion: Mitglied der United Church of Christ. Thematisiert seinen Glauben nicht. Distan- zierte sich 2008 vom Radikal- prediger Jeremiah Wright Familienstand: verheiratet seit 1992; zwei Töchter Ausbildung: Studium an den Universitäten Harvard und Columbia. Promotion in Jura Fremdsprachen: Spanisch Erster Job: Sozialarbeiter in Chicago Karriere-Höhepunkte:

erster schwarzer Präsident der „Harvard Law Review“; Senator für den Bundesstaat Illinois; US-Präsident Vermögen: etwa sechs Millionen Dollar aus Tantiemen Partei: Demokraten

MR COOL und

der

Es soll um Freiheit oder Sozialismus gehen, um Härte oder Herz: Die Kandidaten der US--Wahl

Fotos: B. Baker/Redux/laif (2)

Fotos: B. Baker/Redux/laif (2) MITT ROMNEY Geboren: 12. März 1947, Detroit/Michigan Voller Name: Willard Mitt Romney
Fotos: B. Baker/Redux/laif (2) MITT ROMNEY Geboren: 12. März 1947, Detroit/Michigan Voller Name: Willard Mitt Romney
Fotos: B. Baker/Redux/laif (2) MITT ROMNEY Geboren: 12. März 1947, Detroit/Michigan Voller Name: Willard Mitt Romney
Fotos: B. Baker/Redux/laif (2) MITT ROMNEY Geboren: 12. März 1947, Detroit/Michigan Voller Name: Willard Mitt Romney

MITT

ROMNEY

Geboren: 12. März 1947, Detroit/Michigan Voller Name:

Willard Mitt Romney Körpergröße: 189 cm Religion: Mormone. Arbeitete 30 Monate lang als Missionar in Frankreich und war Pfarrer in der Kongregation Belmont/ Massachusetts Familienstand: verheiratet seit 1969; fünf Söhne Ausbildung: Studium in Stan- ford, Brigham Young, Harvard. Promotion in Jura und MBA Fremdsprachen: Französisch Erster Job: Wachmann in einer Chrysler-Fabrik Karriere-Höhepunkte: Gründer und Chef der Investmentfirma Bain Capital; Olympia-Organi- sator Salt Lake City 2002; Gouverneur von Massachusetts Vermögen: etwa 230 Millionen Dollar Partei: Republikaner

etwa 230 Millionen Dollar Partei: Republikaner PANNENMANN inszenieren eine SCHICKSALSENTSCHEIDUNG. Wer

PANNENMANN

inszenieren eine SCHICKSALSENTSCHEIDUNG. Wer wäre der Bessere für Deutschland?

TITEL EINSAM, LINKS PROMINENTE Auch zu seinen vielen Helfern hält der Mann im Weißen Haus
TITEL
EINSAM,
LINKS
PROMINENTE
Auch zu seinen vielen Helfern hält der Mann
im Weißen Haus Distanz. Rückhaltlos vertraut er
nur seiner Frau Michelle
UNTERSTÜTZER
Oprah Winfrey, 58
Amerikas Medien-Queen wirbt:
TOP-
SPENDER
Irwin Jacobs, 78
Mitgründer des Mobiltechno-
logie-Herstellers Qualcomm
und einst Professor am
Massachusetts Institute of
Technology (MIT). Zahlte
ebenfalls zwei Millionen
„Ich liebe Obama, und ich
habe höchsten Respekt vor
ihm und vor seinem Amt“
Jeffrey Katzenberg, 61
Der Hollywood-Produzent
und Chef des Filmunter-
nehmens Dreamworks
gab Obama zwei Millio-
nen Dollar
Eva Longoria, 37
Filmstar („Desperate House-
wives“) und Vorsitzende im
Wiederwahl-Komitee. Sie sagt:
Bill Clinton, 66
Der Ex-Präsident ist Obamas
wichtigste Wahlkampfwaffe.
Auf dem Demokraten-
Parteitag in Charlotte zer-
pflückt er Romneys Programm
und lässt den Saal johlen:
„Vier weitere Jahre!“
„Von Romney werden nur reiche
Leute wie ich profitieren“
WICHTIGSTER
BERATER
David Axelrod, 57
Inszenierte Obama 2008
als Messias, erfand Paro-
len wie „Mann der Hoff-
nung“. Nun lautet seine
Botschaft: Obama ist
das geringere Übel. Der
Slogan dazu: „Vorwärts!“
DER VIZE
Unternehmen für Obama
DIE
(nach Spenden)
DAS
in US-Dollar
Universität von
PARTNERIN
VORBILD
Kalifornien
491 868
443 748
Abraham Lincoln
Microsoft
(†1865)
Joseph Biden, 69
Bekannt als der „Hugger“,
weil er ständig Menschen
umarmt. Er gleicht Obamas
Kühle aus und ist seine
wichtigste Verbindung zum
US-Kongress. Dank ihm konn-
te Obama 2011 in letzter
Minute die staatliche Ver-
schuldungsgrenze erhöhen.
Biden bringt die Erfolge des
Präsidenten auf den Punkt:
Google
357 382
DLA Piper
(Anwaltskanzlei) 331 715
Harvard-
317 516
Der erste republikanische
US-Präsident führte
die USA erfolgreich
durch ihre größte Krise,
den Bürgerkrieg
Michelle Obama, 48
Die First Lady berät den Präsi-
denten und unterstützt ihn bei
der Gesundheitsreform. Auf dem
Parteitag beteuert sie: „Ich liebe
meinen Mann noch mehr als vor
vier Jahren.“ Ihre eigene Agenda:
„Osama bin Laden ist tot,
und General Motors lebt!“
Universität
Ihr Volk solle sich besser ernäh-
ren und mehr Sport treiben
Spenden
insgesamt
348 Mio.
Barack Obama
Hobbys: Basketball (Spitzname »O’Bomber«); trainiert in der Freizeit seine
beiden Töchter. Sammelt Comics, insbesondere »Spider-Man« und »Conan der
Barbar«. Hat alle »Harry Potter«-Bände gelesen. Spielt gern Scrabble und Poker
Laster: rauchte als Jugendlicher Marihuana, schnupfte
Kokain. Raucht heute noch Zigaretten
Leibspeise: Linguine mit Krabben. Für
zwischendurch: Protein-Schokoriegel mit
Erdnussbutter. Kocht selbst gerne Chili
Lieblingsgetränk: Eistee.
Autor von:
Follower
Verzichtet auf Kaffee, trinkt
nur selten Alkohol
»Hoffnung wagen«
(»The Audacity of Hope«)
bei Twitter:
19,9Mio.
Lieblingsbuch: »Moby Dick« von Herman Melville
+
Lieblingsfilm: »Einer flog über das Kuckucksnest«
Fotos:
Abaca, action press, AP (6), dpa (2), imago sportfotodienst, mauritius images
LINKISCH, RECHTS PROMINENTE Als Gouverneur von Massachusetts hat Herausforderer Romney moderat regiert. Nun müht er
LINKISCH, RECHTS
PROMINENTE
Als Gouverneur von Massachusetts hat Herausforderer
Romney moderat regiert. Nun müht er sich,
seine radikale Parteibasis hinter sich zu bekommen
UNTERSTÜTZER
John McCain, 76
Obamas Gegner bei der Wahl 2008 ist
der einzige hochrangige Republikaner,
der sich beim Parteitag in Tampa
mit einer Rede zu Romney bekannte
TOP-
SPENDER
Donald Trump, 66
Der Immobilien-Milliardär
zählt zu den „Birthern“.
Er behauptet, dass Obama
nicht in den USA geboren
wurde und illegal im Amt ist
Bob J. Perry, 79
Der Bauunternehmer aus
Texas spendierte acht
Millionen Dollar. Er
engagierte sich bereits
für George W. Bush
Clint Eastwood, 82
Der Schauspieler („Dirty
Harry“) soll vor allem
ältere männliche weiße
Wähler gewinnen. „Unser
Land braucht endlich
einen Schub“, meint er
Sheldon Adelson, 79
Der Casino-Baron aus
Las Vegas stiftete
für Romneys Kampagne
fünf Millionen Dollar
WICHTIGSTE
BERATERIN
DER VIZE
Beth Myers, 55
Arbeitet seit mehr als
zehn Jahren eng mit
Romney zusammen und
war seine Stabschefin in
Massachusetts. Insider
nennen sie „Romneys
Ehefrau fürs Büro“.
Sie suchte mit nach
einem Vizepräsident-
schaftskandidaten
Paul Ryan, 42
Der Mann mit dem Plan: Ryan
soll die christlich-fundamenta-
listischen Anhänger sowie
den radikal-konservativen Tea-
Party-Flügel der Republikaner
mobilisieren. Er schlägt einen
radikalen Sparkurs vor und pro-
pagiert militärische Stärke.
Der Kongressabgeordnete aus
Wisconsin ist der Partei so
wichtig, dass sein Name unter
Romneys auf dem offiziellen
Wahlkampf-Logo steht
DIE
Unternehmen für Romney
(nach Spenden) in US-Dollar
PARTNERIN
676 080
DAS
Goldman Sachs
Ann Romney, 63
Sie lernt ihren Mann in der
Schule kennen und tritt zum
mormonischen Glauben über.
Im Wahlkampf ist sie seine
wichtigste Stütze. Sie über-
stand Brustkrebs und lebt
mit multipler Sklerose
JP Morgan
VORBILD
Chase &
Co.
520 299
James Polk (†1849)
Der elfte US-Präsident
annektierte Texas,
siegte im Mexikanisch-
Amerikanischen Krieg
und trat dann auf
eigenen Wunsch ab
Morgan Stanley
513 647
Bank of
America
510 728
Credit Suisse
Group
427 560
Spenden
insgesamt
193 Mio.
Mitt Romney
Hobbys: Joggen, läuft jeden zweiten Tag ca. fünf Kilometer.
Skifahren, Wasserski, Reiten, Lesen, Fernsehen mit Ehefrau Ann
Laster: Romney liebt Streiche, die nicht immer
lustig sind. In der Schule schnitt er einem homosexuellen
Mitschüler »zum Spaß« die Haare ab
Leibspeise: Hamburger,
Lieblingsgetränk: Wasser, Säfte.
Autor von:
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Hot Dogs, Hühnereintopf,
Hackbraten
Verzichtet als gläubiger Mormone auf Alkohol,
Kaffee und Cola
»No Apology: The Case for
American Greatness«
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