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HU-Berlin PS Vertragstheorien Dozentin: Maja Bächler

18.06.2012

Referent: Lukas Zöllner

John Bordley Rawls(1921-2002) – Eine Theorie der Gerechtigkeit(1971)

Ausgangspunkt und Ziel:

Rawls stellt seine Theorie der Gerecht explizit als Gegenentwurf zum Utilitarismus vor.

Es sollen die Rahmenbedingungen für eine gerechte politische Grundordnung herausgarbeitet werden, die für alle Mitglieder einer Gesellschaft annehmbar ist.

Menschenbild:

Menschen denken und handel rational.

Menschen haben höherrangige Interessen:

1. einen Gerechtigkeitssinn auszubilden

2. eine Konzeption eines guten Lebens zu entwickeln und rational zu verfolgen

3. beim Verfolgen dieser Konzeption Erfolg zu haben

Ansprüche an die Grundordnung:

Wir müssen sie gutheißen können.

Wir müssen die Interessen, die sie hervorbringt, gutheißen können.

Sie muss den von Ihr produzierten Interessen angemessen sein

Gerechtigkeitsgrundsätze:

I. Grundsatz: Jede Person hat einen gleichen Anspruch auf ein völlig adäquates System gleicher Grundrechte und Freiheiten, das mit dem selben System für alle vereinbar ist, und innerhalb dieses Systems wird der faire Wert der gleichen politischen (und nur der politischen) Freiheiten garantiert. II. Grundsatz: Soziale und ökonomische Ungleichheiten müssen zwei Bedingungen erfüllen: Erstens müssen sie mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen gemäß fairer Chancengleichheit offenstehen (faire Chancengleichheit), und zweitens müssen sie sich zum größtmöglichen Vorteil für die am wenigsten begünstigten Gesellschaftsmitglieder auswirken (Differenzprinzip).

Differenzprinzip (gerechtfertigte wirtschaftliche Ungleichheit):

Rawls plädiert für einen Maximin-Standard, d.h. dass diejenige Grundordnung die gerechteste ist, in der die am schlechtesten gestellten Personen besser gestellt sind als in jeder anderen Grundordnung.

Faire Chancengleichheit:

Faire Chancengleichheit ist eine Mittelposition zwischen formaler Chancengleichheit, die erreicht ist, wenn die Institutionen einer Gesellschaft rechtliche Chancengleichheit sichern, und vollständiger Chancengleichheit, für die man tatsächliche soziale Gleichheit herstellen müsste.

HU-Berlin PS Vertragstheorien Dozentin: Maja Bächler

18.06.2012

Referent: Lukas Zöllner

Gleiche politische und bürgerliche Grundfreiheiten:

Beispiele: Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Gewissensfreiheit, Versammlungsfreiheit, Recht auf Wahl und Bekleidung öffentlicher Ämter, körperliche Unversehrtheit und Eigentum, soziale Grundlagen der Selbstachtung. Zwei Bedingungen für Einschränkungen der Grundfreiheiten:

Eine weniger umfangreiche Freiheit stärkt das Gesamtsystem der Freiheiten aller.

Die geringere Freiheit weniger ist für diese annehmbar.

Urzustand:

Die Grundordnung wird endgültig gewählt.

Die Vertragspartner sind zweckrational.

Doch sie haben drei höherrangige Interessen(s.o.).

Sie verfügen über grundsätzliche wirtschaftliche und psychologische Kenntnisse.

Doch die Wahl findet hinter einem Schleier des Nichtwissens statt: Niemand kennt seine Position in der zukünftigen Gesellschaft.

Rawls Gedankenexperiment ist rein theoretischer Natur. Innerhalb dieses Modells sind Urzustand, Verfassungsgebung, Gesetzgebung und Rechtsprechung zeitlich geordnet (in dieser Reihenfolge).

Weitere Merkmale, Kritik und Fragen:

Die Theorie der Gerechtigkeit zielt auf Staaten ab, in denen die Grundversorgung der Bürger gesichert ist. Nur vor diesem Hintergrund ist die absolute Vorangstellung politischer Grundrechte sinvoll. Rawls Menschenbild zweckrationaler Menschen mit übergeordneten Interessen (s.o.) scheint stark idealisiert zu sein. Welche Rolle spielen Menschen bei der Entstehung der Grundordnung, die diesem Bild nicht entsprechen? Würden Rawls Überlegungen zu dem gleichen Ergebnis führen, wenn sie nicht im Hinblick auf Staaten mit relativen Verteilungsproblemen, sondern bezogen auf die gesamte Weltbevölkerung unternommen werden? Ist die Theorie der Gerechtigkeit dem Utilitarismus wirklich überlegen?

Literatur:

Newen, Albert: Analytische Philosophie. Junius, Hamburg: 2005

Pogge, Thomas W.: Rawls. Beck, München: 1994

Rawls, John B.: Eine Theorie der Gerechtigkeit. Akademie-Verlag, Berlin: 1998

Rawls, John B.: Political liberalism. Columbia Univ. Press, New York: 1993