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Große Sorge um die Zukunft der Gilde

Nach der Ankündigung des Brauereikonzerns Inbev, 90 von 132 Mitarbeitern


der hannoverschen Gilde-Brauerei zu entlassen, wächst die Sorge, dass dies das
endgültige Aus für die Gilde bedeuten könnte.

Der Inhaber des "Gilde Brauhauses" in der Südstadt, Hans-Joachim Döding, ist traurig: "Da wird
eine Traditionsmarke langsam vom Markt genommen – ein großer Verlust für Hannover."
© Rainer Surrey
Betriebsrat und Belegschaft haben bereits angeregt, nach einem Investor zu suchen. Auf einer
Betriebsversammlung im Brauereigebäude an der Hildesheimer Straße sagte Oberbürgermeister
Stephan Weil den Beschäftigten gestern seine Unterstützung zu. „Mir fehlt jedes Verständnis dafür,
dass ein Unternehmen zwei Drittel der Belegschaft abbauen will, um sich erst dann Gedanken um
die Zukunft zu machen. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, wie es möglich sein soll, eine so
große Braustätte mit nur 40 Beschäftigten zu erhalten.“

In einem Gespräch mit Inbev-Geschäftsführern habe er den Konzern aufgefordert, mit der Stadt und
den Mitarbeitern nach einer Lösung zur Rettung der Gilde zu suchen. „Das aber setzt die
Bereitschaft von Inbev voraus.“

Nach den bisherigen Angaben des Konzerns ist nicht geplant, den Standort Hannover zu schließen.
Ab Ende April soll aber eine von zwei Braulinien stillgelegt werden. In Hannover werden dann nur
noch die lokalen Marken Gilde Pilsener, Gilde Ratskeller und Lindener Spezial gebraut.

Die Wirtschaftspolitiker in den Ratsfraktionen reagierten empört auf den angekündigten


Stellenabbau, sehen aber kaum Handlungsspielraum für die Stadt. „Die Stadt kann keine Brauerei
übernehmen. Uns bleibt nicht viel mehr, als an Inbev zu appellieren“, sagen Hans-Georg Hellmann
(CDU) und Wilfried Engelke (FDP). „Solange Inbev die Gilde nicht verkaufen will, sind der Stadt
die Hände gebunden“, meint Lothar Schlieckau (Grüne). Martin Hanske (SPD) nennt das Vorgehen
des Konzerns ärgerlich. „Der Fehler ist gemacht worden, als die Gilde an Inbev verkauft wurde.
Jetzt ist der Zug abgefahren“, sagt er.

Michael Beck, ehemals Gilde-Manager und jetzt Chef der Hannover Holding für
Wirtschaftsförderung und Marketing, sieht Schwierigkeiten, unter den gegebenen Umständen ein
Zukunftskonzept zu entwickeln. „Ich vermute, dass Inbev noch keine endgültige Lösung für den
Standort Hannover gefunden hat.“ Wenn Investoren gefunden werden sollen, müsse der Konzern
eventuellen Interessenten Zahlen zur Verfügung stellen, damit die Wirtschaftlichkeit geprüft werden
kann. Nach Einschätzung von Prof. Klaus-Peter Wiedmann, Marketing- und Managementexperte
von der Leibniz-Uni, lohnt es sich in jedem Fall die Marke Gilde zu erhalten. Sie habe „großes
Potenzial“, sagte Wiedmann.

Die Beschäftigten wollen den Standort Hannover keinesfalls kampflos aufgeben. Bei der
Betriebsversammlung mit rund 150 Beschäftigten kündigten Betriebsräte und Gewerkschafter
gestern massiven Widerstand gegen die Pläne des Braukonzerns Inbev an, 90 von derzeit noch 132
Beschäftigten bis August abzubauen. „Wir fordern von Inbev ein Moratorium, in dem alle
angekündigten Maßnahmen für ein Jahr ausgesetzt werden, um ein tragfähiges Konzept für die
Zukunft zu erarbeiten“, sagte Jens Klöpping, Berater der Inbev-Betriebsräte in Deutschland. Sollte
der Konzern darauf nicht eingehen, müsse deutschlandweit mit erheblichem Widerstand gerechnet
werden. „Das ist kein Problem, das nur den Standort Hannover betrifft.“

Während der Versammlung wurden auch Vorschläge laut, eine Bürgerinitiative zur Rettung der
Gilde zu gründen oder – wie im Fall der Wolters-Brauerei in Braunschweig – den Standort
Hannover aus dem Inbev-Konzern herauszulösen und eigenständig weiterzuführen.

Unterdessen formiert sich unter den Brauern erste Solidarität. Die Stadtbrauerei HBX bot dem
Gilde-Betriebsrat kostenlose Tagungsräume als Streiklokal an. Die Herrenhäuser Brauerei und das
Brauhaus Ernst August drückten ihr Mitgefühl für die Beschäftigten aus.

Von Bernd Haase, Veronika Thomas und Stefanie Kaune