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des Purimfestes.

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Purimfest direct aus dem babylonischen Zagmukfeste her- vorgegangen ist, oder erst auf Umwegen. Ja, es w re a n

sic h nicht unm

Vorstellungen hier in einen gemeinsamen Strom zusammen- geflossen w ren; und sogar f r den Namen ΟΉ;© k nnte, was wenigstens die griechische Form Φρονραία, Φονρόαία anbelangt, m glicher Weise eine Beeinflussung des Per- sischen nebe n dem Babylonischen anzunehmen sein. Auf alle F lle aber d rfte im Hinblick auf meine obigen Aus- f hrungen die de Lagarde'sche These jetzt dahin zu modi- ficiren sein, dafs ein Zusammenhang zwischen dem Purim- feste und dem babylonischen Neujahrsfeste als ziemlich gesichert angenommen werden darf, w hrend ein (gleich- zeitiger) Zusammenhang mit dem persischen Farwardfeste wenn auch nicht als unm glich ? so doch zum Mindesten als noch sehr problematisch bezeichnet werden mufs.

glich, dais babylonische un d persische

Hall e a. S., im Dezember 1890r

Miscellen,

Von Friedrich Schwally.

Im Folgenden lege ich eine Reihe von Beobachtungen vor, die sich mir in gr fseren Zusammenh ngen ergeben haben, die aber andererseits so sehr auf sich stehen, dafs sie allein ver ffentlicht werden konnten.

A,

Ideologisches.

Die Herausgeber des Handw rterbuches von Wilhelm Gesenius bemerken in der 8. Aufl. : „[Die] GB. [ist nicht

schlagen, wie Gesenius annahm, sondern]

anhangen, sich

170

ßchwally, Miecellen.

Davon 'loSa Ochsen-

stecken *)].* In Wahrheit verhält sich die Sache gerade umgekehrt und ist Gesenius im Rechte. In ID^D Ochsen- stecken blickt die Grundbedeutung der Wurzel „Stimulare" noch durch. ? bedeutet danach ursprünglich „mit dem

gewöhnen an, und daher lernen [„

IB^B anstacheln" (vgl. Hos. X ; 11 miWB nhxi), womit aber nickt gesagt sein soll, dafs es von 1D/D denominirt sei. Die Bildung der Instrumentalwörter mit präfigirtem

D scheint mir überhaupt nicht sehr alt zu sein. Die

Uebertragung dieses Terminus auf die Pädagogik kann dem Kenner der Geschichte der Kultur nicht befremdlich dünken.

2) %

^O.

Ich habe Beides zussammengestellt, da es etymologisch zusammengehört. Das thun zwar die Lexica auch, aber

ich glaube, dafs sie falsch combiniren, da sie von Specu- lationen über die Wurzel und sehr zweifelhafte Verwandte derselben ausgehen. Es ist vielmehr das Nomen zu Grunde

?£ in der leben-

zu legen und zu fragen :

den Sprache? Es bedeutet 1) Zweig, Rute, Jer. l, 11. Gen. 30, 37. 38. 39. 41. 2) Stab, Stock, auf den man sich

Jer. 48, 17. Bau' a 17,

stützt Gen . 32, 11. Ex. 12, 11.

40. 43, Zach. 11, 7. 10. 14; mit dem man schlägt Nu. 22,

27. Ez.

IV,

mit gutem Rechte ver-

39, 9. 3) den Stab, mit dem orakelt wird , Hos.

was bedeutet

11

T-P

h&W 1SJD

W

Zahlreiche

Analogieen

lassen

muten, dafs auch hier die religiöse bzw. cultische Bedeutung

des Wortes, der Stab des Losorakels, die ursprüngliche ist. Zur Gewifsheit erhebt sich mir diese Vermutung durch Ezech. 21, 26 : bpbp DDp A DDpS 7 DiT^N barr^ B 1DV Hin D^Dira htW D'SrD. Als eine Art des Orakel-

Schwally, Miscellen.

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suchens ist hier das Pfeilorakel genannt, bei dem, wie an- gegeben, die Pfeile geschüttelt werden. Als Technicus für diese Bewegung ist b$b$ gebraucht. Diese Bedeutung pafst vortrefflich zu ^po als dem Orakelstab. Derselbe hat seinen Namen von dem Schütteln, das dem Orakelwurfe (^ iniJ ßaö' a 14, 42) vorausgeht. Demnach ist schütteln die GB. der Wurzel. Zur Be- deutung „leicht sein a kommt man von hier aus bequem. Von „leicht^ könnte man dann durch die Mittelbegriffe „gering, gering geschätzt, verachtet" zu ^p = „verfluchen* kommen. — Die Ableitung des gering = verachtetseins von der primären Bedeutung des leichtseins, ist über allen Zweifel erhaben und hat gute Analogieen. TOD Ehre,

eigentl.

Schwere, ebenso das aram. 1^]. So nahe die

weitere Annahme liegt, dafs ^p demgemäfs eigentlich „verächtlich machen, beschimpfen" und erst in zweiter Linie „verfluchen" bedeutet*), so we'nig will mich dieselbe befriedigen.

Es ist allgemein anerkannt, dafs „fluchen" im Alter- tum eine religiöse, bezw. cultische Handlung ist, vgl.

nto, hm* wh

:-:·· ·

·

« ßao a 26,19 u.

-;

r

7

Nu. 23, l ff. So-

7

bald man das im Auge behält, wird man nicht umhin können, zwischen !?j?ö Losstab, bpbp die Lospfeile schüt- teln uijd b;?p verfluchen, Pi^p Fluch eine gewisse Bezie- hung für nicht unwahrscheinlich zu halten. — In der That gehören die genannten Dinge, so seltsam uns Moderne das auch anmutet, enge zusammen.

das in

der

Stelle Ezech. 41, 26 das

Zum Beweise dafür sei an hebr. DDp erinnert,

•f

'v

'

classischen

Losorakel

be-

17

') Vg 1 · löNl V3« nSjpp-Dt- 27, 16 mit ^

und iBirnN ' V2K-n«'

fa*!

VDN

Lev. 20, 9.

J30 Ex. 21, Hier ist

wohl Euphemismus, vgL den heutigen Gebrauch von Joü statt

172

Schwally, Miscellen.

deutet (ODp DDp das Losorakel befragen, ibid.) und an das zur gleichen Wurzel gehörende arabische ^+»&\ (QPpi?) schwören. Freilich reichen unsere dürftigen Kenntnisse der Antiquitäten nicht aus ; um nachzuweisen, wie der Schwur mit dem Losorakel in Verbindung steht. Aber die Thatsache des durch die Sprachvergleichung erschlos- senen Zusammenhanges wird dadurch nicht umgestofsen. Wellhausen ; Skizzen III 128 bemerkt: „In dem Verse Agfa. XIII 2, 16 heifst in der That das, was kurz vorher (2 , 13 ) ^**Sf schwören genann t is t aJUt *>» ^+%*A mi t Got t zusammen losen, d. h. gleichsam mit ihm auf eine Karte setzen, mit ihm teilen, gemeinschaftliche Sache mit ihm machen. Aber man kommt von da doch nicht leicht auf schwören und wahrscheinlicher ist es, dafs ^+»*$\ für ^^ zu lesen ist; denn die Lexika kennen die letztere Form in dieser eigentümlichen Bedeutung nicht." — Ich halte die Beziehungen zwischen „schwören" und „loosen" nach dem oben Auseinandergesetzten für unzweifelhaft. Unsere Un- kenntnifs über das Verfahren bei der Sache giebt uns, wie mir scheint, noch kein Recht, diese selbst in Frage zu stellen und ihr zu lieb einen Text zu ändern.

Nun handelt es sich bei unserer Untersuchung nicht um schwören und losen, sondern um fluchen und losen. Aber Eid und Fluch sind gar nicht verschiedene Dinge. Der Eid ist ein bedingter Fluch, vgl. den Sprachgebrauch von "6 *. Gerade der Zusammenhang von „fluchen" und „losen" schimmert noch in dem Urim- und Tummim-Orakel durch. Denn Urim D^IN gehört höchst wahrscheinlich zu " fluchen.

Von den jetzt noch vorhandenen Bedeutungen des Verbum b^\> ist „fluchen" die älteste. Es ist zu vermuten, dafs es auch einmal von dem „Schütteln" der Losstäbe gebraucht wurde. Während im Hebr. an h^h\> dieser Sinn hängen geblieben ist, ist das aramäische % nSn zu den

Schwally, Miseellen.

173

abgeleiteten

Bedeutungen „verfluchen* und „schelten α fort-

geschritten.

3)

Beide Bedeutungen

"ins 1) B ndel, 2) Sternchen.

haben mit einander nicht das min-

«H

-

>

Jb>jfa

dagegen Tn Nr. l ist zu ^ je, )j& zu stellen. In die-

ser Bedeutung wird es

bewahrung von Geld Gen. 42, 35 2 , Prov. 7, 20, von Myrrhe Gant, l, 13 und der Schleudersteine des Hirten, a a' 25, 29. Dort spricht Abigail zu David : „Wenn ein Mensch aufsteht, um dich zu verfolgen und aufzusp ren, so sei die Seele meines Herrn bei Jahve deinem Gotte in

vom, S ckchen zur Auf-

deste zu thun.

ΤΠ3 Steinchen

geh rt

zu

"IS, io^,

gebraucht

den Beutel des Lebens gebunden (θ"ΠΠ ΤΠ!Ο ϊΤΪΠΧ), aber die Seele deiner Feinde schleudere er auf der Schleuder!" Die Seele Davids wird hier mit einem chleudersteine ver-

(ΊΤ1Ϊ; 17, 40 BIpV 1 ,

glossirt durch D^jnn ^D) bleibt, das anderemal herausge- nommen und weggeschleudert wird.

ΤΠΧ Prov. 26, 8 bedeutet Schleuderstein, wie der Zusammenhang fordert, da wenigstens mir nichts davon bekannt ist, dafs der zum Wurf bestimmte Stein auf der Schleuder festgebunden wird (gegen Delitzsch), und wie

das daneben stehende ptf

glichen, der einmal in dem Beutel

richtig glossirt.

4) p».

ptp hat immer, soweit unsere Quellen zur ckreichen, zwei Bedeutungen gehabt: 1) Beh lter f r Getreide, Lebens- mittel u. dgl. Gen. 42, 28. 35, 2. Jos. 9, 4. Gen. 42, 27 J ist es vom Redactor f r rinnON eingesetzt, welch letz- teres Wort dem Jahvisten eigent mlich ist (42, 27. 28. 43, 21). 2) eine gewisse Trauerkleidung. Der gemein-

174

Seh wall y, Miscellen.

sarae Name bezieht sich auf den Stoff 1 }, wie die Lexica wohl richtig anmerken. Dagegen hat das Wort keine semi- tische Etymologie. Vielleicht ist es ägyptisch. Die Form und Gestalt des israelitischen Trauergewan- des ist deshalb lediglich aus dem Sprachgebrauche festzu- stellen. Von dem Anziehen desselben wird ^ gebraucht Joel l, 8. Jes. 3, 24. 15, 8. 22, 12. Jer. 6, 26. 4, 8. 49, 3 ßao ß' 3, 31. ' 20, 32. 21, 27 LXX Thren. 2, 10. Ez. 7,

18. 16,31. Man legt den Saq um die Hüfte n

D]OnD3 DH?

Gen. 37,2. ßao /20,3l; om^hy njgn Am. 8, 10 'wie 3

EMTIÖ3 ßao

2) und zwar trägt man ihn auf dem blofsen Leibe

der Saq kein aufge-

schnittener Kornsack, wie Kamphausen in Riehms Hand- wörterbuch II 1320 es sich vorstellt, sondern nichts als ein Lendentuch, ein Lendenschurz und soviel wie .3 . Vielleicht darf man nach Gen. 3, 7 vermuten, dafs das Lendentuch das einzige und gewöhnliche Kleidungs- stück der Israeliten in vorhistorischer Zeit gewesen ist. Dann würde sich begreifen, dafs man es in der historischen Zeit nur noch aus Religion, d. h. bei aufserordentlichen Anlässen, bei Trauerfeierlichkeiten, bei Bittgängen u. s. w. trägt. Dieses Lendentuch kommt noch Ascens. Is. II 10 als Trauergewand vor (vgl. S. 176). Als heilige Klei- dung wäre es von den Propheten gewählt worden. Je- saia trägt nach Jes. 20, 2 nichts als den Saq, Auf höheren Befehl entledigt er sich auch dieser dürftigen Hülle und tritt nackt (vgl. hierzu den folgenden Artikel) (und barfufs) vor das Volk 2 ). Alte, im Aussterben be- findlicheTrachten bekommen leicht heiligen Charakter. So-

21, 37. ßaö $ 6, 30. Deshalb ist

20,

20, 32 (Gegensatz

OTnrr^D

1

Jes.

T

%

! ) anders bei zona Gürtel u. Geldbeutel.

[ 2 )

Dafs er bei

diesem Anlafs

welche

völlig

nackt aufgetreten

folgt

Nur

vorbedeutend.

ist,

auch aus der Bedeutung,

bei dieser Auffassung ist sein Auftreten in vollem Mafse

der Vorgang nach v. 4 b hat.

Schwally, Miscellen.

175

bald der muslimische Pilger das heilige Gebiet, den Har m

(ffjp*) betritt, legt er alle vorher getragenen Gew nder

6

ab und zieht den Ihr m (>oty>l) an.

Im Zusammenhang mit der Verfeinerung der Gultur mag der Saq gr fser geworden sein. Deshalb wird wohl Esth. 4, 1. 2. Jon. 3, 5 vom Anziehen desselben Vfab ge- braucht. Johannes Baptistes tr gt nicht mehr das alte Lendentuch, sondern ein ενόυμα από τριχών καμήλου καϊ ζώνην οερματίνην περί την όΰφυν αυτόν Mtth. 3, 4.

5)

11J£ nackt,

ΏΓ\$ schlau.

Beide W rter, welche die Lexica zusammenstellen, haben nichts miteinander zu thun. Das braucht nicht weiter bewiesen zu werden. Es kann sich nur darum han- deln, die Etymologie beider W rter festzustellen. DVl^, schlau, geh rt zu GTJ7, ntf!"!, listig sein a a 23, 22. Bei dieser Erkenntnifs mufs man sich beruhigen. Eine Wurzel CT\y nackt sein, giebt es weder im Hebr. noch in den Dialekten. Nun unterliegt die Vocalisation DVl^ grofsen Bedenken. Sie findet sich Hiob 24, 7. 10. 26, 6. Qoh. 5, 14. Jes. 20, 2. 3. 4. Am. 2, 16. Mich, l, 8, defec- tiv Diy ao a 19. 24. Hiob l, 21 2 . Jes. 58, 7, fern. ΠΒΊΐ; Hos. 2, 5, der dazu geh rende pluralis Q^S'njy Gen. 2, 25. Hiob 22, 6. Daneben findet sich tiTJt; Gen. 3, 10. 11. Ezech. 16, 7. 22. 39. 23, 29. Deut. 28, 45, pluralis n*ffV$ Gen. 3, 7 ; dlj? Ez. 18, 7. 16. Die Form CJTJ? kann nun niemals von einer Wurzel Diy, sondern nur von einer mittelvocaligen Wurzel her- kommen. Als solche bietet sich ungesucht 1!y entbl fst sein, das in dieser Bedeutung nur im Niphal erhalten ist

T

i"

7

7

7

7

T

\ «;

Es handelt sich nat rlich nur um ein einmaliges Auftreten. v. 3 ist falsche Glosse, wie schon Gesenius richtig gesehen hat £. St]

176

Schwally, Miscellen,

,U, » 0 ^ * Bl fse, Scham , ein Nebenform

^5^ ^Sf* Hiervon ist TJJ eine Bil-

dung wie lB^tf. Die Vocalisationen ΟΤψ, D^ njtf ChJ?

sind falsch. Ob dieser Irrtum erst der Ueberlieferung oder schon der lebenden Sprache zur Last zu legen ist, kann nicht entschieden werden.

Der durch diese Etymologie herausgestellte urspr ng- liche Sinn von D1T»J? ist sonach ^mit entbl fster Scham" vgl nttQ"!T1J£ Mich, l, 11. Wenn Jesaia seinen Saq ablegt Jes. 20, 2 (vgl. den vorigen Artikel), so ist er QTj; ; ganz nackt ηΓΡΪ il^ Jes. 20, 2 wird er erst dadurch , dafs er auch seine Sandalen auszieht. Es ist m glich, dafs eine Person trotz ΓΙ3ΡΟ und ^flD : ϋΓΡ# ist. In der Extravaganz des Nacktgehens zeigt sich noch ein Zusammenhang der schriftstellernden Propheten mit den alten M nnern Gottes, den meschugga'im.

Erst als die eigentliche Bedeutung von DVP# der Sprache nicht mehr bewufst war, kann es berhaupt auf notd rftig Bekleidete bertragen worden sein. Die Stellen geben die Lexica. Am. 2, 16. Micha l, 8 liegt indessen noch der urspr ngliche Sinn vor. Ascensio Isaiae II, 10 ed. Dillmann Lips. 1877 heifst es von den auf dem Berge trauernden Propheten, trotzdem sie den Saq trugen, dafs sie nackt waren ΥΥ-Λ 3 ^.' ΙϋΦ."

(Hab. 3, 9), arab.

zu my ; rrn.JJ arab.

:

A:Ο4,φο°\·

6) Ί31 Mann, M nnchen; Ί01 gedenken.

Die 11. Aufl. des Hdwrtb. von W. Gesenius bemerkt unter

"Dl: „1) stechen, dah.yj, he. "Dt Mann (sexuell); 2) btr. fixiren, n mlich im Ged chtnifs ; sich an etwas erinnern. tt

Sehwally, Miscellen.

177

Für 3 Mann kann man sich diese Etymologie zur Not

gefallen

scheint dagegen gänzlich unbefriedigend. Hierdurch wird aber die für "DT gegebene Erklärung ebenfalls zweifelhaft, da beide Wörter zu einer Wurzel gehören, wie nicht nur das

Hebr., sondern auch das Arab. ; Aram. und Assyr.(j-sy, jf o sich

erinnern,

„nennen" 1 ), ]£Ä?, jfa, assyr. zikäru (seltener mit Synkope zikru) Mann) beweisen. — Vielleicht ist mit einer anderen Methode dem wahren Sachverhalte näher zu kommen. 3 im Hebr., Aram., Assyr., Arab., Sah. bezeichnetden Mann im sexuellen Sinne, im Arab. sogar das männliche Glied. Dafs im flebr. die Anwendung von "Dt auf Tiere erst im Priestercodex zu belegen ist, wird Zufall sein. In den ältesten Stellen des A. T.s begegnet nicht "Ot, sondern die dialektische Nebenform TDJ : Exod. 23, 17. 34, 23. Deut. 16, 16. 20, 13. An den drei erstgenannten Stellen steht sie in dem Festgesetze : „dreimal im Jahre sollen alle deine Männer vor dem Herrn Jahve erscheinen." Dafs 21 „Andenken, Erinnerung" heifst, bedarf keines Beleges. Das Wort hat aber in älterer Zeit noch eine besondere Bedeutung. Hos. 12, 6 : „Jahve, der Gott der Heerschaaren, Jahve ist sein IDT." Exod. 3, 15 wird IDT

da s is t IDT bis zu den

mein Gia* in Ewigkeit und das ist mein

durc h DE? erläuter t : „de r Got t eure r Väte r

lassen, ihre Anwendung auf 3 sich erinnern er-

assyr. zakäru,

präter.

izkur,

nur

in

der Bed.

fernsten Geschlechtern. tf In der Form lö$ D1K3S Vlto be- gegnet die Phrase denn auch gewöhnlich : Am. 4, 13. 5, 27. 8, 8. 9, 6. Demnach bedeutet IDT ursprünglich die Anrufung bezw. den Namen der Gottheit im Kulte (syno-

nym |ri3T,

*) Die assyrischen Nachweise

in diesem Artikel verdanke ich mei-

nem Freunde Privatdoz. Dr. H. Zimmer n in Halle a. S.

178

Schwally, Mlscellen.

Die Gottheit im Kulte anrufen

heifstD^« D#3 TOTPJ,

von Jahve Am. 6,10 (cf. Jos. 23, 7), von heidnischen Göttern

Exod. 23, 13 mit dem Accusativ construirt (TV3|R DBh), Jos. 23, 7 wie Am. 6, 10. Synonym ist DB>3 iOjJ. Als Passiv zu TDTD erscheint das Niphal 1313 Hos. 2, 17. Dieselbe Bedeutung des Thatwortes ist auch im Ara- mäischen zu belegen (Qal, Aph., Ethp.) und im Assyri- schen sehr Ä häufig. VgL z. ß. VRI, 35 (Assurbanipal-In- schrift) : „auf Befehl der grofsen Götter, sä az-ku-ru ni- bit-sun „deren Name (gew. sumu) ich aussprach." Die selbe Phrase findet sich auch im Sinne von „bei der und der Gottheit schwören.

Die Bedeutung „im Kulte anrufen" hat T3tn auch ßaa ß' 18, 18, wo Absalom sagt: 'öttf 3 naya p ~ «. Hier bezieht es sich freilich nicht auf die Anrufung Jahves, auch nicht auf die einer fremden Gottheit, sondern auf diejenige des Toten im Kulte der Ahnen 1 ). Aus der kul- tischen Bedeutung des Thatwortes ist die allgemeine erst geflossen. Eine Erinnerung an die Vergangenheit hat sich noch darin bewahrt, dafs 3 , "D), ] )3 zu dem eisernen Bestände der liturgischen Sprache des Judentums bis auf den heutigen Tag gehören. Von hier aus bietet sich eine viel plausiblere Deutung

,

also als kultische Person. Da aber im israelitischen, überhaupt im ganzen semi- tischen Altertum nur der Mann die Fähigkeit besais, selbstständig Kult auszuüben, bekam es sexuelle Bedeu- tung und wurde weiter vom Menschen auf die Tiere über- tragen , nicht nur im Hebräischen, sondern auch im

von

-Dl.

T

**

Es

läfst

sich

deuten

als DTlbi* G#3

3

#

l ) Ueber diese Dinge hoffe ich demnächst ausführlicher zu han- deln. Vorläufig verweise ich auf Oort , Theol. Tijdschrift XV (1881)

350 ff. und Stade , Geschichte I, 387—427.

Sehwally, Miscellen.

179

Arab., Sah.,

AH &*>La> ^*£&3 <5* J ^

hat ihre Spitze erreicht im arab. y'J = aram. l£s? (Bar Hebr. Chron. 382 nach Payne Smith 899, wie es scheint, nur an dieser Stelle) „das m nnliche Glied."

Das targumische TTOl (nur II Paralip. 33, 6 gut bezeugt)

hat dagegen diese Bedeutung nicht (gegen

W rterb. Targ. 3 Lpzg. 1881, I S. 176a), sondern ist so

viel wie VTDt (die Belege bei Levy a. a. 0. 221 f., ]l£s>\ ein paar Mal liosV Dieses Wort dient zur Wiedergabe

des hebr. 31N, WT, ^ , in Peschita nur von aW, rVOW, und heifst also „Totenbeschw rer", bezw. „Totengeist." lia^i hat f r unsere Untersuchung ein hohes Interesse,

(Bar

Diese Entwickelun g

im

Aram.

speciell

^y^Xlt) .

auf

den

Widder

Levy , Chald.

da

es nach fast allgemein herrschender Annahme zu der

in

diesem

Artikel behandelten Wortsippe geh rt. Lev y

a. a. O. S. 222 freilich betrachtet es als griechisches Lehn- wort (ζάχορος). Was hiervon zu halten sei, ergiebt sich aus einer Notiz des Babyloniers Jamblichus bei Photius Cod. XLIV, 133 ed. Hoeschel nach Payne Smith 1122 :

εγγαοτρίμν&οι

1*α^ ist in der That Lehnwort, da die Lautgesetze des

Syrischen im engern Sinne YTOT verlangen w rden, eine Gestalt, die sich aber nur ein einziges Mal (Targ. II Paral.

33, 6) findet. Aber woher stammt es? Jedenfalls nicht

aus dem Hebr ischen, da diese Sprache wenigstens in historischer Zeit das Wort nicht besessen hat, denn der Eigenname "VST geh rt schwerlich hierher; eher aus dem Mand ischen, welches in vielen Worten T neben l hat

Βαβυλώνιοι Σαχχονραν άποχαλονοιν.

(cf. N ldeke , MancL Gramm. S. 43), am wahrschein- lichsten aus dem Assyrisch-Babylonischen, obwohl das Wort m. W. bisher hier ebensowenig wie im Mand. nach-

gewiesen ist.

Beitr ge zur

Denn 1) im Assyr. ist z (t) das regelm fsige

Aequivalent f r he. t, ^, ? (vgl P. Haupt ,

12*

180

Schwally, Miscelien.

assyr. Lautlehre § 3 in Nachrichten d. königl. Gesellsch. d. Wissensch. Göttingen, 1883 Nr. 4 S. 89), 2) dieser Laut- wandel scheint aus dem Assyr. erst in das Mandäische eingedrungen zu sein. 3) Jamblichus a. a. 0. behauptet die babylonische Herkunft direct.

Es handelt sich nunmehr darum, die Bedeutung „To- tenbeschwörer, Totengeist" mit den Bedeutungen der

stammverwandten Worte zu

a. a. 0. sagt : l?os] „voc. a virilitate sive membro viri quo

magica exercebat hariolus derivatum sec. Buxtorf sub voce," Besser hätte er sich auf die Rabbinen berufen, deren Ansicht Buxtorf hier wiedergiebt, z. B. auf Raschi zu Sanhedrin 65 b nach Levy a. a. 0. 176 a unten. Diese an sich nicht unmögliche Deutung — man bedenke die Heiligkeit des Gliedes, die in der Beschneidung und im Schwur-ritus Gen. 24, 2. 47, 29 ( 3 GW) zum Ausdrucke kommt — scheitert ebenso wie die herkömmliche Etymologie von "Dt daran, dafs die Bedeutung des That- wortes: „nennen, anrufen, erinnern" in keine befriedigende Beziehung zu jener gesetzt werden kann.

Dagegen macht es durchaus keine Schwierigkeit, von der GB. „nennen, anrufen" zu der speciellen „Totenbe- schwörer" zu kommen, lioai ist der professionelle Anrufer. Wie im hebr. 21K, O#T waren dann auch hier die Bedeu- tungen „Beschwörer" und „Totengeist" durch einander ge- gangen.

Wenn diese Combinationen richtig sein sollten, so wären sie auch für die semitische Religionsgeschichte nicht ohne Wichtigkeit. Wir besäfsen dann in " ein kulti- sches Wort, das den Ursemiten eigen war, und würden von hier aus schliefsen können, dafs der Gült der Ahnen der semitischen Urzeit angehört.

vermitteln. Payn e Smit h

Schw lly, Miscellen.

181

7) PDjM Frau, Weibchen.

Die unzertrennliche Genossin von "Dt im Priester- codex ist das Weibchen, PDp3. Man erkl rt dieses Wort

gew hnlich als „perforata* im sexuellen Sinn. Das ist ja

m glich , obwohl das Verbum , dessen G. B. allerdings

„stechen, bohren ist, nirgends diese sexuelle Bedeu- tung hat. Es lassen sich aber noch andere Beziehungen zwischen rapJ und dem Verbum 2p3 aufstellen, die weniger natura- listisch sind, aber mindestens ebenso nahe liegen. Viel- leicht hat die Frau ihren Namen daher, dais mit ihr das- selbe oder etwas Aehnliches vorgenommenwurde wie nach Expd. 21, 4—6 mit dem optirenden Sclaven : V31N

ϊ3ητηκ van« JBTVI nnmrrfo Ίκ rAvrt« itwm :o5jn t-ojn vsi 3

: τ

IT

:

v

τ

τ

-; -

-;

- -

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:

--

τ

:

*

v

v v ~

v

·

·

:

Das Verst ndnifs dieses Verses h ngt ab von der Localisirung der Th re oder Schwelle und von der Auf-

fassung von CWlJwn. mhto heifst „Gott", „G tter^ (sin- gular !?«), „Geister« z. B. die der Todten ( aa a 28), niemals, auch Deut. 22, 7. 8. 23 nicht, die rechtsprechen- den Obrigkeiten. Uebereinstimmung herrscht bei den Auslegern nur dar ber, dafs mit ον&ί*ί"ΓΪ?Α Κ^Π ein Gang ins Heiligtum, d. h. zu einer Cultst tte Jahve's gemeint sei. — Dagegen wird die Thiire, bezw. Schwelle von den einen an das Haus des Herrn, von den anderen an das Heiligtum versetzt. 1) F r die letztere Meinung spricht die Syntax, da ein Localwechsel zwischen ΟΤ6>ΜΤ^Κ und n^rr^N durch nichts angedeutet ist. Der Ausdruck w rde sonst eine nigmatische K rze besitzen. 2) Die erstge- nannte Meinung l fst sich nicht minder gut verteidigen. Wenn n mlich die Durchbohrung des Ohres ein Zeichen der engen Zugeh rigkeit des Sclaven zur Familie (= IV3)

bedeutet, so hat diese Handlung nur einen Sinn,

wenn sie im Hause des Herrn vollzogen wurde. — Dieser

des Herrn

182

Schwaily , Miacollen.

Erwägung wird auf jeden Fall Eechnung zu tragen sein. Dies kann so geschehen, dafs man unter Ignorirung des sub l geltend Gemachten die Adoption in einen am Hei- ligtum Jahves und einem am Hause des Herrn geschehen- den Act zerlegt, oder so, dafs das Heiligtum ebenfalls in das Haus des Herrn verlegt wird. Nun gab es aber im altisraelitischen Hause keine Cult-

des Hauses war viel- ß' 28 DViipN genannt

werden. Derselbe wurde nicht nur an dem in älterer Zeit in oder in unmittelbarer Nähe des Hauses befindlichen (Joab, Samuel wurden in ihrem Hause begraben) Familien- grobe geübt — im Jerusalemer Königspalaste bis zum Untergange des Eeiches Ez. 43, 7. 8, man beachte die Zu- sammenstellung DiTD^D HJEQ1 DrVUja v. 7. 9 —, sondern auch vor dem Ahnenbilde, dem Teraphim. Den abge- schmackten Fabeleien der Rabbinen (vgl. Seiden , de dis syris Synt. I cp. 2) scheint hier einmal ausnahmsweise etwas Richtiges zu Grunde zu liegen. — Dieser Teraphim dürfte der D'Pliw sein, vor den der optirende Sclave gestellt wurde. Diese Vorstellung hatte den Zweck, ihn in die Cult- gemeinschaft des Hauses, mit anderen Worten, in die Familie aufzunehmen. Nach der Adoption ist das Band zwischen dem Sclaven und seiner Familie und deren Ahnen durchschnitten, indem die Familie des Herrn seine Familie, die Ahnen seines Herrn seine Ahnen werden (vgl. Gen. 24, 12. 27). Hieran schlofs sich die Durchbohrung des Ohres. Ebenso wie der Sclave muiste aber auch die Frau bei

Privatreligion

stätte Jahves 1 ).

mehr der

Cult

Die

der Ahnen,

die ßao

[*) Ganz im Gegentheil scheint vieles darauf hinzuweisen, dafs in vorexilischer Zeit JahveMlder im Besitze von Privaten waren, also auch in Privathäusern aufbewahrt und verehrt wurden. Vgl. aufser Ri. 17.

18 das m!T >JDi?

33

3

1 <*en. 27, 7,

B. St.]

Schwally, MisceUen.

183

der Heirat in die Cultgemeinschaft der Familie des Mannes aufgenommen werden, da sie aus ihrer eigenen Familie in eine fremde übertrat 1 ). Der Adoptionsact mag deshalb auch bei ihr Durchbohrung des Ohres in sich geschlossen haben. Mit dieser Durchbohrung war vermutlich eine Be- namung, bezw. Umnamung verbunden. Darauf bezieht sich vielleicht Jes. IV, l : „an jenem Tage werden sieben Weiber einen Mann anfassen mit den Worten: unser Brot wollen wir essen, und in unseren Mantel uns kleiden; nur dein Name werde über uns genannt! vgl. Tob. 111 8. Hier ist allerdings für „nennen" nicht 3p3, sondern Nlp ge- braucht. Dpi findet sich aber sonst wenigstens als Termi- nus für die namentliche Bezeichnung )1 #3 öjpj Nu. l,

17. I Paral. 12, 31. 16, 4L Paral. 28^ 15." 31, 19.

Ezra 8, 20. Ob die Sitte des Ohrringetragens (aram,

hierher gehört, steht dahin.

[*) Dafs es geschehen, ist allerdings wegen Ma. 2, 10—14 und des

Fehlens

Auf Vornahme cultischer Cerimonien beim Abschlüsse

der Ehe weist übrigens auch die Anschauung, dafs Ehebruch das Land

verunreinigt.

Semites 261 A. 4 : In Arabia, even in historical times, the wife was not

in den Sitten des alten Israel B. St.]

keine Parallele.

adopted

W. E. Smith' Satz, Lectures on the Religion of the

Vorsichtsmafsregeln im Gesetze wahr-

von

diesbezüglichen

scheinlich.

into

her

husband's kin"

hat