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Aspekte der Typenkomödie - Thomas Mann

Die für das Lustspiel der frühen Aufklärung bis zur Mitte des Jahrhunderts gültige und auch praktisch
verbindliche Gattungstheorie stammt von Gottsched. Die Critische Dichtkunst wertet die Komödie
entschieden auf, indem sie ihr einen zentralen Platz im didaktischen Konzept der literarischen
Moralerziehung einräumt. Schon die grundlegende Bestimmung des Lustspiels, die einem
gattungsgeschichtlichen Abriß von der Antike bis zu den Komödien Christian Weises folgt, verrät
durch ihre formale Nähe zur Tragödiendefinition die Auffassung, daß beide Dramenformen mit je
verschiedenen Mitteln ähnliche Ziele umzusetzen vermögen: »Die Komödie ist nichts anders, als
eine Nachahmung einer lasterhaften Handlung, die durch ihr lächerliches Wesen den Zuschauer
belustigen, aber auch zugleich erbauen kann.« . Nachdrücklich wird darauf verwiesen, daß
lächerliche Handlung und instruktive Wirkung des Lustspiels einander bedingen und wechselseitig
bestimmen müßten. Der durch das Lachen beförderte kontemplative Effekt, der wiederum die
moralische Belehrung einschließt, bildet den Richtpunkt der komischen Fabel, die Typenfiguren wie
Geizige, Hypochonder, Eitle und Schwärmer nicht aus Gründen des Selbstzwecks darstellen, sondern
mit deren Hilfe - auf der Basis abschreckender Beispieleffekte - tiefere Einsichten in die Problematik
habitueller Fehlhaltungen vermitteln möchte. Der als Sonderling charakterisierte Komödienheld wird
gemäß Gottscheds Bestimmungen im Rahmen einer witzigen Handlung durch die Kooperation seiner
zumeist als Repräsentanten des gesunden Menschenverstandes ausgewiesenen Widersacher der
Lächerlichkeit preisgegeben, idealiter aber am Schluß zu Lernbereitschaft und Selbsterkenntnis
geführt. Das Lustspiel empfängt derart, wie vielfach hervorgehoben, die Funktion eines
gesellschaftlichen Korrektivs, insofern es im Prozeß seiner Handlung die Reintegration des
Außenseiters ins soziale Gefüge darstellt und auf diese Weise dessen normative Kraft bestätigt .

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http://www.litde.com/grundfragen-der-textanalyse/problematisierungen-der-hermeneutik-
im-zeichen-des-poststrukturalismus/

Thomas Mann: Tristan


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