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Osten in Not Superman gesucht Digitaler Druck ITB: Alles rund um den Start der großen
Osten in Not
Superman gesucht
Digitaler Druck
ITB: Alles rund um den Start der
großen Tourismus-Messe in Berlin
Welche Länder EU-Hilfe
brauchen SEITE 2
Wer zieht Deutschland aus
dem Dreck? SEITE 10
Warum Buchhändler das
E-Book nicht fürchten SEITE 12
www.handelsblatt.com/itb

MITTWOCH, 11. MÄRZ 2009 | NR. 49

WWW.HANDELSBLATT.COM

**

G 0 2531 | DEUTSCHLAND | 1,90 ¤

Commerzbank prüft Verkäufe

Commerzbank-Chef Martin Bles- sing stellt nach dem Kauf der Dresdner Bank rund 20 Randakti- vitäten des Instituts auf den Prüf- stand. Darunter bef indet sich nach Informationen aus Bran- chenkreisen auch die 1947 gegrün- dete Privatbank Reuschel & Co. Mit der Sondierung sei die US-Investmentbank Goldman Sachs beauftragt worden, sagten Insider. Die Co mmerzb ank, die sich er st vo r wenig en Ta ge n vom Brasilien-Geschäft der Dresdner getrennt hatte, wollte sich zu Details nicht äußern. Sie bestä- tigte aber die Überprüfung von Randbereichen. „Wir wollen uns noch stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren, sagte ein Sprecher: „Es gibt aber keine Verkaufsliste. | h gn BERICHT SEITE 25

aber keine Verkaufsliste. “ | h gn BERICHT SEITE 25 FINANZMÄRKTE DAX 3886,98 +5,28% DOW JONES

FINANZMÄRKTE

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DOW JONES 6926,49 +5,80%
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EURO STOXX 50 1919,53 +6,05%
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EURO ($) 1,2679 +0,0068
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BUND 10J. 3,011% +0,089
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Stand: 22.10 Uhr

Handelsblatt.com/favoriten

Die Top-Klicks am 10. März 2009

1. Finanzkrise: Eine Last für Generationen

2. Schaeffler legt Auto-Fusion vorerst auf Eis

3. Opelaner wollen notfalls Werke lahmlegen

4. Citigroup verbreitet neue Hoffnung bei Banken

5. Porsche lässt sich für Kredit durchleuchten

WIR TS CHAFT & P OLITIK

Deutsche Exporte brechen zu Jahresbeginn ein

Die deutschen Exporte sind im Januar so stark ein- gebrochen wie seit 16 Jahren nicht mehr. Die Aus- fuhren lagen mit einem Wert von 66,6 Mrd. Euro um 20,7 Prozent niedriger als vor einem Jahr. SEITE 3

EU -Finanzminister haken 20 09 bereits ab

Die Finanzminister der Europäischen Union rechnen nicht mehr mit einer Erholung der Konjunktur in die- sem Jahr. Und auch die Perspektiven für 2010 seien schwer einzuschätzen. SEITE 3

Sc hiffbauer suchen Hilfe b eim Bund

Nach der Autoindustrie geraten jetzt immer mehr Werften in eine finanzielle Schieflage und wenden sich hilfesuchend an das Bundeswirtschaftsministe- rium. SEITE 5

UNTERNEHMEN & M ÄRK TE

Streiks b ei Lufthansa a bgewendet

Die Lufthansa hat in letzter Minute einen Streik ihres Kabinenpersonals abgewendet. Lufthansa, Verdi und die Flugbegleiter-Organisation UFO einigten sich gestern auf einen neuen Tarifvertrag. SEITE 11

Eo n s pürt die Krise

Die Krise hat nun auch Deutschlands größten Ener- giekonzern erwischt. Eon reduziert die Prognosen für die kommenden zwei Jahre, kürzt die Investitions- planungen und will Aktivitäten verkaufen. SEITE 11

A400M ve rhagelt EADS d as Gesc häft

Die weltweite Wirtschaftskrise und die Probleme mit dem Militärtransporter A400M vermasseln dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS in diesem Jahr die Geschäfte. SEITE 14

FINANZZEITUNG

Krise l ässt Bundesbank-Gewinn anschwe llen

Die Bundesbank hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück für das Jahr 2008 einen Gewinn von 6,3 Mrd. Euro überwiesen rund zwei Mrd. Euro mehr als im Jahr zuvor. SEITE 22

EZB öffnet To r z ur Nullzins-Politik

Als erstes Mitglied des sechsköpfigen Führungsgremi- ums der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Lo- renzo Bini Smaghi erklärt, die EZB sei bereit, ihren Leitzins wenn nötig bis auf null zu senken. SEITE 22

Aigner nimmt Finanzberater in die Pflicht

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will die Pro- duktinformationen und die Beratung im Finanzdienst- leistungsbereich verbessern. Finanzprodukte müss- ten transparenter werden, sagte sie. SEITE 26

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Festnetz, ggf. abweichende Preise aus Mobilfunknetzen) Belgien, Niederlande, Luxemburg 2,50 ¤ / Finnland 3,50 ¤

Belgien, Niederlande, Luxemburg 2,50 ¤ / Finnland 3,50 ¤ Frankreich 2,90 ¤ / Griechenland 3,20 ¤ / Großbritannien 2,60 £ / Irland 3,50 ¤ / Italien 2,90 ¤ / Polen 16,50 PLZ / Portugal 3,00 ¤ / Norwegen 35 nkr / Öster- reich 2,50 ¤ / Schweden 39,- skr / Schweiz 4,20 chf / Slowakei

2,50 ¤ (75,20 SKK) / Spanien

2,70 ¤ (Balearen 2,90 ¤, Kana- ren 3,20 ¤ ) / Tschechien 100,- CSK / Türkei 7,50 YTL / Ungarn

820,- HUF / USA 3,40 $

Konzerne schieben Elektroauto an

Eine Allianz von europäischen Versorgern und Autoherstellern entwickelt einheitliche Standards, um rasch den
Eine Allianz von europäischen Versorgern und Autoherstellern entwickelt
einheitliche Standards, um rasch
den Milliardenmarkt zu
erschließen
MARKUS FASSE | M ÜNCHEN
JÜRGEN FLAUGER | D ÜSSELDORF
Eine Allianz von mehr als 20 füh-
renden europäischen Versorgern
und Autokonzernen arbeitet mit ho-
hem Tempo an den Grundlagen für
die flächendeckende Einführung
des Elektroautos. Schon in weni-
gen Wochen wollen sie sich auf die
Eckpfeiler für die europaweite Ver-
einheitlichung der Ladestationen
einigen. Dies erfuhr das Handels-
blatt von Vertretern des RWE-Kon-
zerns, der gemeinsam mit Daim-
ler die Allianz initiiert hat . Im
April solle geklärt sein, wie Ste-
cker, Zapfsäulen und Anschluss-
buchsen prinzipiell gestaltet sein
müssen, damit die Elektroautos
überall betankt werden können.
Die Einigung ist nötig, um milliar-
denschwere Investitionen in die Zu-
kunftstechnologie anzustoßen.
Autoindustrie, Versorger und
Politik knüpfen riesige Erwartun-
gen an das Elektroauto. Die Tech-
nik soll einen klimaschonenden An-
trieb und ein lukratives Geschäft er-
möglichen. Branchenexperten wie
Professor Gernot Spiegelberg von
Siemens sehen allein in Deutsch-
land ein Potenzial von 4,5 Mio. Elek-
troautos bis zum Jahr 2020. Diese
seien aber nur in die bestehende In-
frastruktur zu integrieren, wenn
die Schnittstellen harmonisiert
würden. „Aus unserer Sicht ist das
Thema dringend zu lösen.“
In den vergangenen Monaten
sind fast alle namhaften Autoher-
steller vorgeprescht. Daimler hat
ein Pilotprojekt mit RWE gestartet,
BMW ko operiert mit Vattenf all
und Eon. Und Volkswagen arbeitet
ebenfalls mit Eon zusammen. Das
Problem: Es drohen Insellösungen.
Der Durchbruch für den Massen-
markt ist aber nur möglich, wenn
zügig eine flächendeckende Infra-
struktur mit leistungsstarken Lade-
stationen aufgebaut wird – die nor-
male Steckdose zu Hause wird bei
künftigen Batterie-Generationen
schon bald an ihre Grenzen
stoßen. Und die Infrastruktur
wiederum ist nur möglich,
wenn gewährleistet ist, dass je-
des Auto an jeder Anlage aufgela-
den werden kann.
RWE und Daimler haben im No-
vember eine Initiative gestartet,
der sich inzwischen die meisten
wichtigen Marktteilnehmer ange-
schlossen haben. Von den Autokon-
zernen sind Daimler, BMW, Volks-
wagen, Renault-Nissan, PSA,
Volvo, Ford, Toyota, General Mo-
tors, Mitsubishi und Fiat beteiligt.
Bei den Energiekonzernen sind es
neben RWE die deutschen Konkur-
re nten Eon, EnBW und Vattenfall
sowie Electricité de France (EDF),
Electrabel aus Belgien, Enel aus Ita-
lien, Endesa aus Spanien, die portu-
giesische EDP und die niederländi-
sche Essent.
Sie treffen sich in regelmäßigen
Arbeitsgruppen, um wichtige
Punkte abzuarbeiten. „Alle Beteilig-
ten sind an einer zügigen Lösung in-
teressiert und arbeiten konstruktiv
zusammen“, sagt Carolin Reichert,
die die Abteilung Neue Geschäfte
bei RWE leitet. „Die wesentlichen
Eckpfeiler sollen Mitte April ste-
hen.“ In vielen Fragen sei man sich
bereits einig, es gebe aber in eini-
gen Punkten auch noch unter-
schiedliche Positionen.
Andere Teilnehmer bestätigen
die Dringlichkeit und den Eini-
gungswillen. „Wir haben ein Inte-
resse an der Standardi-
sierung und machen da aktiv
mit“, heißt es bei Eon. Ähnlich
äußerte s ich Vatt enfall. „Einheitli-
che Standards sind sinnvoll, wir
wollen aber auch weitere Daten
aus unseren Feldversuchen“, heißt
es bei BMW.
Formelle Standards müssen
zwar in speziellen Normierungs-
gremien festgelegt
zwar weniger als die Sie-
mens-Schätzung. Aber
selbst dafür müsste in die In-
frastruktur vermutlich eine Mrd.
Euro investiert werden. Bis 2030
wären sogar 3, 5 Mrd. Euro nötig.
Notwendig sind flächendeckend
Ladestationen, die die Batterien zü-
gig laden. Sie müssen so ausgelegt
sein, dass sie sowohl mit den bald
verfügbaren, noch
werden. Das dauert
aber in der Regel
Jahre. So lange wollen
die Unternehmen
nicht warten, sondern
sich schon jetzt unter-
einander auf die
Grundzüge einigen –
und damit Fakten für
die formelle Standardi-
„Deutschland
hat Po tenzial
für 4, 5 M io.
Elektroa utos
bis 2020. “
Siemens
schwachen Batterien
als auch mit künftigen
leistungsstärkeren An-
lagen zurechtkommen.
Bei aller Koopera-
tion, was die Standards
angeht – beim Ge-
schäft hört die Zusam-
menarbeit auf. Den
Aufbau der Ladestatio-
sierung schaffen. In
Branchenkreisen ist von einer „De-
facto-Standardisierung“ die Rede.
„Wir benötigen rasch Planungssi-
cherheit für unsere Investitionen“,
sagt RWE-Managerin Reichert.
Der Energiekonzern sieht ge-
meinsam mit Partner Daimler bis
2020 in Deutschland ein Potenzial
von 2,5 Mio. Elektroautos. Das ist
Von Steckern und Kabeln
Wichtige Fragen
Geklärt werden muss
in den Arbeitsgrup-
pen, wie der Stecker
aussehen soll, ob das
Kabel im Auto mitge-
führt wird oder an der
Ladestation hängt,
wie der physische
Schutz und Schutz
vor Vandalismus ge-
währleistet werden
können, ob der Lader-
egler im Auto oder in
der Säule sein wird.
Zentrale Fragen sind
auch, wie die Daten
für die Abrechnung
verarbeitet werden
und welche Netzleis-
tung maximal zur Ver-
fügung gestellt wird.
Im Grundsatz einig
In zentralen Punkten
haben sich die Auto-
hersteller und die
Energieversorger
schon auf gemein-
same Standards geei-
nigt. So soll ein neuer,
universeller Stecker
definiert werden, der
einerseits handlich
und sicher sein soll,
andererseits aber
auch über einen Leis-
tungsbereich von
230 Volt/16 Ampere
bis hin zu 400 Volt
und höheren Strom-
stärken ausgelegt
sein soll. Das Kabel
soll lose im Auto un-
tergebracht werden.
nen und die Erschlie-
ßung des Markts wollen die Versor-
ger mit ihren jeweiligen Partnern
aus der Autoindustrie getrennt an-
gehen. Denkbar seien aber Roa-
ming-Modelle, vergleichbar dem
Mobilfunk, in denen die Benutzung
fremder Ladestationen geregelt
und vergütet wird, heißt es.
Parallel dazu treiben auch die
Regierungen von Deutschland und
Frankreich die Zusammenarbeit
bei der Entwicklung von umwelt-
schonenden Autoantrieben voran.
Nach Informationen des Handels-
blatts wird der deutsch-französi-
sche Ministerrat am Donnerstag
in Berlin eine Arbeitsgruppe ein-
setzen, in der sowohl Regierungs-
vertreter als auch Konzerne beider
Länder vertreten sind. Bis zum
Herbst soll die Arbeitsgruppe klä-
ren, wo deutsche und französische
Konzerne bei der Entwicklung zu-
sammenarbeiten können.
BERICHT, MEINUNG SEITEN 5, 8
Bilder und Videos: Die Elektro-
konzepte der Autobauer
handelsblatt.com/e-auto
Illustration: CAEPSELE / Fotos: ap (2)

Struck warnt USA vor Autohilfen

BERLIN. Angesichts der verfahre- nen Situation beim US-Autoher- steller General Motors und seiner deutschen Tochter Opel wächst in der SPD die Kritik am amerikani- schen Management des Konzerns und an der US-Regierung. Die Zeit dränge, aber Wa shingt on we rd e erst Ende März einen Beschluss zu GM fällen, sagte SPD-Fraktions- chef Peter Struck dem Handels- blatt: „Bis dahin ist es für Opel schwierig, notwendige Entschei- dungen zu treffen.Struck warnte eindringlich vor protektionistischen Subventionen. „Es sollte nicht so sein, dass die USA ihre Autof irmen mit Milliar- den Dollar gegen alle WTO-Re- geln am Leben halten und wir in Deutschland nur mit den Schul- tern zucken und die Marktbereini- gung auf dem Rücken von Opel stattf inden lassen.Auch in der Bundesregierung gibt es entsprechende Befürchtun- gen, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. So wie die EU jede Beihilfe innerhalb Europas kri- tisch prüfe, werde man in Berlin und Brüssel darauf achten, dass

die USA Staatshilfen zugunsten amerikanischer Unternehmen im Einklang mit den WTO-Regeln leisten, hieß es im Kanzleramt. Im Ringen um die Zukunft zeigt sich das Opel-Management auch offen für den Einstieg eines Finanz- investors. Erste Adressen der Fi- nanzszene hätten bereits ange- klopft, sagt ein GM-Europa-Mana- ger. Entsprechende Bereitschaft signalisierte auch Opel-B etriebs- ra tschef Kl aus Franz. Vertreter des Opel-Aufsichtsrats, die am heuti- gen Mittwoch erstmals nach Vor- lage des Zukunftskonzepts wieder zusammenkommen, dämpfen aller- dings die Erwartungen: „Finanzin- vestoren sind in erster Linie am Cash-Flow interessiert und der wird bei Opel noch lange negativ sein, sagte ein Mitglied des Auf- sichtsrats. GM rechnet erst 2011 wieder mit schwarzen Zahlen in Europa. Die Opel-Händler erneuerten gestern ihr Angebot, sich mit ei- nem eigenen Hilfsfonds an dem Au- tobauer zu beteiligen. dri /gof/hz

INTERVIEW, BERICHT SEITEN 4, 14

Banken starten gut ins Jahr

Hoffnung auf Quartalsgewinne treibt die Kurse Positive Signale von Postbank

NEW YORK/FRANKFURT. Bei

immer mehr Großbanken verdich- ten sich die Anzeichen für ein sehr prof itables erstes Quartal. Nach der Deutschen Bank spricht nun auch das angeschlagene US-Haus Citigroup von einem guten Start ins neue Jahr. Dies löste gestern bei Bankaktien weltweit ein Kurs- feuerwerk aus. Positive Signale sendete in Deutschland auch die Postbank. „Die ersten beiden Monate sind gut gelaufen, hieß es im Umfeld von Deutschlands größter Filial- bank. Das zuletzt verlustgeplagte Bonner Institut wollte diese Infor- mationen nicht kommentieren. Zuvor hatte Citigroup-Chef Vi- kram Pandit in einem Schreiben an die Mitarbeiter erklärt, die Bank habe im Januar und Februar trotz der Krise Gewinne erzielt. Aktuell liefen die Geschäfte so gut wie seit fünf Quartalen nicht mehr. „Die Stärke unseres Geschäfts hat mich sehr ermutigt, schrieb Pandit. Citi-Papiere sprangen an der Börse in New York um 38 Prozent in die Höhe. Optimistische Töne wa- ren zuletzt auch von Bank of Ame-

rica, JP Morgan und BNP Paribas gekommen. In Deutschland legten die Pa- piere von Postbank, Commerz- bank und Deutscher Bank um bis zu 17 Prozent zu. Zum Wochenauf- takt hatte sich Deutsche-Bank- Chef Josef Ackermann im Handels- blatt zufrieden über den bisheri- gen Geschäftsverlauf geäußert.

DJ Stoxx Banken

Ak tienindex in Punkten, 3-Tage-Verlauf

100

98

96

94

92

90

88

86

6.3.2009 9.3. 10.3. Handelsblatt | Quelle: Bloomberg
6.3.2009
9.3.
10.3.
Handelsblatt | Quelle: Bloomberg

Gebrummt haben dürfte Analys- ten zufolge vor allem das Geschäft mit Anleihen, Devisen und Zinsen. Hinzu kommen insbesondere bei Investmentbanken offenbar Ge- winne aus Sicherungsgeschäften, die nach der leichten Beruhig ung der Märkte wieder greifen. Darü- ber hinaus prof itieren alle Häuser von der durch die Notenbanken be- reitgestellten Liquidität. „Wenn ich mir Geld zu praktisch null Zin- sen leihen und es für sechs oder acht Prozent weiterverleihen kann, habe ich ein tolles Geschäfts- modell, sagte Joe Kinahan vom

US-Optionsmakler Thinkorswim. Noch gibt es Zweifel an der

Nachhaltigkeit der Entwicklung. „Wir sind etwas skeptisch, ob sich

der Trend für das gesamte erste Quartal hochrechnen lässt, sagte

Sal.-Oppenheim-Analyst Carsten Werle. Ähnlich sieht es Orin Kra-

mer, Hedge-Fonds-Manager bei Boston Provident und Berater von

US-Präsident Barack Obama: „Es steht den Banken noch eine lange

harte Zeit bevor.ali /ben /hgn

MEINUNG, BERICHT SEITEN 8, 44

FINANZKRISE

Zweitrangige

Agenda

D ie deutsche Politik verliert in diesen Wochen völlig den Fo-

kus auf die wirklich wichtigen Dinge. Noch haben wir die Finanz- krise und ihre vielfältigen realwirt- schaftlichen Nachbeben auch nicht annähernd überwunden, ja in ihren wahren Ursachen noch nicht ein- mal ausreichend intellektuell durch- drungen. Aber unsere Spitzenpoliti- ker bestücken die öffentliche Agenda mit immer neuen Zweit- und Drittrangigkeiten. SPD-Chef Franz Müntefering schwadroniert über Steuererhöhun- gen, während wir die Bürger doch eigentlich gerade durch Entlastun-

BERND

ZIESEMER

Chefredakteur

Handelsblatt

durch Entlastun- BERND ZIESEMER Chefredakteur Handelsblatt gen zum zukunftsfreudigen Ko nsu- mieren animieren wollen.

gen zum zukunftsfreudigen Konsu- mieren animieren wollen. Bundesf i- nanzminister Peer Steinbrück führt seine Privatfehden gegen Steueroa- sen, als ob uns das irgendwie mitten in der Bankenkrise helfen würde. Bundeswirtschaftsminister Karl- Theodor zu Guttenberg wirft sich mit medialer Verve in die öffentli- che Schlacht um Opel, obwohl sich das Schicksal der deutschen Volks- wirtschaft gewiss nicht in Rüssels- heim entscheidet. Und die Kanzle- rin? Taucht über weite Strecken in das zeremonielle Alltagsgeschäft ih- res Berliner Amts ab. Noch schlimmer sieht es in der Provinz aus: Nirgends bekommt man das Gefühl, dass die Minister- präsidenten mit voller Kraft an den Problemen ihrer Landesbanken ar- beiten, obwohl die sich mittler- weile zur Existenzbedrohung für ganze Länder wie Schleswig-Hol- stein oder Nordrhein-Westfalen aus- wachsen. Jürgen Rüttgers scheint partout nicht zu begreifen, dass die Folgen einer möglichen Schließung des Opel-We rk s i n B ochum Pe anu ts sind im Vergleich zur gesamtwirt- schaftlichen Belastung durch seine perspektivlose Landesbank. Ob es um die bedrohlich geschwächte HSH Nordbank in Kiel geht oder um die keineswegs sanierte Bay- ernLB: In den jeweiligen Landesre- gierungen spürt man nirgends das, was die Angelsachsen einen „sense of urgencynennen.

S olange die privaten und quasi- staatlichen Banken in Deutsch-

land ihre Probleme nicht konse- quent bereinigen, kann aber von ei- ner nachhaltigen wirtschaftlichen Stabilisierung keine Rede sein. Die Diskussion über die notwendige Au sgliederung toxischer We rtpa- piere in eine Bad Bank ist beispiels- weise völlig zu Unrecht wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein ver- schwunden. Natürlich arbeiten ei- nige Spezialisten wie Steinbrücks Staatssekretär Jörg Asmussen oder der Kanzlerberater Joachim Weide- mann hinter den Kulissen mit aller Kraft an Lösungen. Aber die Lasten verteilen sich auf zu wenige Schul- tern im Regierungsapparat. Und ge- fordert sind keineswegs nur die „Fachbeamten, sondern auch die große Politik. Als Gegenargument kann man aus Berlin hören, Steinbrück und Merkel bemühten sich doch mit großem Engagement um gemein- same Anstrengungen der G20-Staa- ten gegen die Finanzkrise. Schön und gut: Aber letztlich können sich die Nationalstaaten zwar interna- tional abstimmen, aber ihre jeweili- ge n B ankensys te me auf Vo rd er- mann bringen müssen sie schon selbst. In der Krise braucht man Staats- männer, so schrieb der berühmte Geschichtsphilosoph Jacob Burck- hardt, die „Verharrung und Bewe- gung in einer Persönlichkeitverei- nen. Die also, mit anderen Worten, schnell handeln, ohne in völlige po- litische Beliebigkeit zu verfallen. In Deutschland sucht man solche Poli- tiker zurzeit vergeblich. ziesemer@handelsblatt.com

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