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16 | * UNTERNEHMEN & MÄRKTE MITTWOCH, 11. MÄRZ 2009 | NR. 49 NACHRICHTEN Ryanair st

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UNTERNEHMEN & MÄRKTE

MITTWOCH, 11. MÄRZ 2009 | NR. 49

NACHRICHTEN

NACHRICHTEN

Ryanair st ellt Einchecken am Flughafen ein

Bei Europas größtem Billigflieger Ryanair können Reisende von Okto- ber an nur noch über das Internet einchecken. Schalter am Flughafen sind dann auch für Fluggäste mit aufzugebenden Gepäck Vergangen- heit. Vom 19. März an müssen Rei- sende, die bei der Buchung den Check-In am Schalter wählen, eine Gebühr von zehn Euro pro Strecke zahlen. Vom 1. Mai an stieg diese auf 20 Euro. Ryanair will mit dem Verzicht auf das Einchecken die Ti- cketpreise niedrig halten. | d pa

US-A irlines streichen Flugpläne zusammen

Wegen der weltweiten Nachfrage- schwäche streichen führende US- Fluggesellschaften ihr Linienange- bot zusammen. Marktführer Delta will bis September jeden zehnten Auslandsflug wegfallen lassen; Ame- rican Airlines will das Angebot an In- und Auslandsflügen um insgesamt 6,5 Prozent reduzieren. | A FP

Briten wo llen schnelle Züge

Die britische Regierung macht Ernst mit der Hochgeschwindig- keitsbahn: Verkehrsminister An- drew Adonis erteilte gestern einer Projektgesellschaft den Auftrag, eine Schnellzugstrecke von London über Manchester bis nach Schott- land zu planen. Bisher sollte die Strecke nur in die Region um Bir- mingham führen. Die neue Bahnver- bindung würde das europäische Schnellbahnnetz bis nach Schott- land erweitern und könnte Experten zufolge einen großen Teil der briti- schen Inlandsflüge ersetzen. | d ih

Bosc h Rex ro th will auf Kündigungen verz ichten

Trotz der Wirtschaftsflaute will der Antriebs- und Steuerungsspezialist Bosch Rexroth auf betriebsbe- dingte Kündigungen in Deutschland möglichst verzichten. Das sagte Bosch-Rexroth-Chef Albert Hieroni- mus. Um dem Nachfrageeinbruch entgegenzuwirken, setzt das Unter- nehmen auf Kurzarbeit. 5 000 Mit- arbeiter in Deutschland seien betrof- fen. Weltweit arbeiten für Bosch Rexroth etwa 35 300 Menschen, 18 700 davon in Deutschland. 2008 hat das Unternehmen den Umsatz um 9,8 Prozent auf 5,9 Mrd. Euro gesteigert. | d pa

Fu nkchipherst eller Smartrac gewinnt Pa tent-Streit

Der Funkchip-Hersteller Smartrac hat einen Patentstreit gegen einen Wettbewerber gewonnen. Die US- Behörde für Patent und Marken- schutz habe die Gültigkeit eines für Smartrac essenziellen Drahtverlege- technik-Patents bestätigt. Ein Rivale hatte die Rechte verletzt und als Smartrac sich wehrte das Patent in Frage gestellt. Smartrac hält mehr als 200 Patente und Patentan- träge. | R euters

Te chnotrans macht Ve rlust und st re icht die Dividende

Der Geschäftseinbruch in der Druckindustrie hat den Zulieferer Technotrans 2008 in die roten Zahlen getrieben. Bei einem Um- satzrückgang von 7,5 Prozent auf 141,7 Mio. Euro stand unter dem Strich ein Verlust von 2,9 Mio. Euro, nach einen Gewinn von 9,1 Mio. Euro noch vor Jahresfrist. Angesichts der schwierigen Lage werden die Aktionäre leer ausge- hen. Der Vorstand rechnet 2009 mit einem weiteren Umsatzrück- gang. | Reuters

Kreuzfahrer Aida er wa rtet

20 09 Reko rd erge bnis

Während sich die Deutschen ange- sichts der Wirtschaftskrise mit Ur- laubsbuchungen spürbar zurück- halten, wächst bei der Rostocker Kreuzfahrt-Reederei Aida Cruises die Gewissheit auf ein neues Re- kordjahr. „Gut 80 Prozent der ver- fügbaren Reisen sind schon ver- kauft, sagte Aida-Chef Michael Thamm. Im Februar habe Aida 50 Prozent mehr Reisen verkauft als im Vorjahresmonat. Aida Crui- ses zählte 2008 rund 336 000 Pas- sagiere, 30 Prozent mehr als 2007. Thamm rechnet auch für 2009 mit einem zweistelligen Plus. | d pa

Abwrackprämie besc hert Kfz- Gewe rbe Bo om

Dank der Abwrackprämie für Altau- tos gibt es bisher rund 420 000 mit der Prämie hinterlegte Kaufver- träge. Das sagte der Präsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewer- bes, Robert Rademacher. Für 2009 könne man daher die bishe- rige Prognose von 2,8 Millionen Neuzulassungen auf gut drei Millio- nen anheben. Allerdings sei die Branche 2008 auf ein neues Tief bei der Rentabilität abgerutscht, die Mehrheit der Autohäuser habe Verluste geschrieben. | d pa

Hoffnung auf den grünen Staat

DER BOOM DER ERNEUERBAREN ENERGIE bricht ab. J etzt hofft die Branche auf die Re gierungen

DIRK HEILMANN | L ONDON

Die weltweite Wirtschaftskrise hat den Boom der erneuerbaren Energien gebremst. Banken und klamme private Investoren haben sich ein gutes Stück zurückgezogen. Die Branche hofft nun, dass die grünen Elemente der ver- schiedenen nationalen Konjunkturpro- gramme helfen, die entstandene Lü- cke zu schließen. Auf einer hochkarä- tig besetzten Branchenkonferenz in London mischte sich darum vorsichti- ger Optimismus unter die allgemeine Ernüchterung. Die weltweiten Investitionen in er- neuerbare Energien haben sich nach den Statistiken des führenden Bran- cheninformationsanbieters New Energy Finance seit 2004 mehr als vervierfacht. 2008 wuchsen sie zwar kaum noch, erreichten aber immerhin noch den Rekordwert von 155 Mrd. Dollar. Dabei kompensierten Risikoka- pitalfonds und Projektfinanzierer die Halbierung der Einnahmen aus Bör- sengängen. „2008 war ein Jahr der zwei Hälf- ten, sagte Michael Liebreich, Chef von New Energy Finance, auf der von seiner Firma veranstalteten Konfe- re nz. Au f e in 40-pr oz entiges Wa chs- tum in der ersten Jahreshälfte folgte ein Minus von 23 Prozent in der zwei- ten. Kredite und Börsenkapital wür- den mindestens bis Mitte 2009 knapp bleiben, sagte er voraus. „Was dann passiert, hängt davon ab, ob die Zins- senkungen wirken und ob die Regie- rungen ihre Versprechen einhalten, In- vestitionen in saubere Energie zu ei- nem wichtigen Teil ihrer Konjunktur- programme zu machen.Ermutigende Anzeichen dafür sieht John Browne, Direktor des Fi- nanzinvestors Riverstone. Die Idee des „grünen Stimulus, der Konjunk-

Flaute Weltweite Investitionen in saubere Energie*, in Mrd. US$ 155 160 148 140 120 100
Flaute
Weltweite Investitionen in saubere
Energie*, in Mrd. US$
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2004 2008
Handelsblatt |
*Enthält Projektfinanzierungen, Börsengänge, Risikokapital, Forschungs- und
Entwicklungsausgaben und Eigenheimprojekte; Quelle: New Energy Finance

turhilfen mit Klimaschutz kombiniere, habe sich durchgesetzt, sagte der ehe- malige BP-Chef. Großbritanniens Pre- mierminister Gordon Brown propa- giert einen „Green New Deal, ein In- vestitionsprogramm, das innerhalb von acht Jahren 400 000 „grüne Jobsschaffen soll. Doch die größte Hoffnung ruht auch in dieser Frage auf den Schultern des neuen US-Präsidenten. Barack Obama sei fest entschlossen, mit mas- siven Investitionen in saubere Energie die Ziele Klimaschutz, Energiesicher-

heit und Arbeitsplätze zu verbinden, sagte Howard Learner, Leiter des Envi- ronment Law and Policy Center in Chi- cago und Energie-Berater des Präsi- denten. Oft übersehen wird hingegen, wie stark sich auch China im Bereich er- neuerbare Energien engagiert. Mit jährlichen Investitionen von rund

16 Mrd. Dollar ist das Land schon jetzt

einer der führenden Märkte für sau- bere Energie. Es hat gewaltige Produk- tionskapazitäten für Solar- und Wind- energietechnik aufgebaut. Erneuer- bare Energien und Kernenergie hätten bereits einen Anteil von neun Prozent an der Energieversorgung, sagte Siwei Cheng, Wirtschaftsprofessor und Ex- Regierungsmitglied. Für beide Ener- gieformen hat sich die Regierung ehr- geizige Ziele gesetzt. „China ist dabei, seinen industriel- len Apparat auf Energieeffizienz zu trimmen und ein bedeutender Spieler auf den Exportmärkten für Energie- technik zu werden, bestätigte Mark

Moody-Stuart, Chairman des Bergbau- konzerns Anglo American. China werde schon bald der Weltmarktfüh- rer für erneuerbare Energien sein, sagte Jeffrey Leonard, Chef des Fi- nanzinvestors Global Environment Fund. Die Investitionen in Schwellen- ländern könnten bald ein Vielfaches der Ausgaben in Industrieländern er- reichen. Der Schwerpunkt der Investitionen in erneuerbare Energien dürfte sich also in den kommenden Jahren von Europa in die USA und nach China ver- schieben. Auch andere aufstrebende Wirtschaftsmächte wie Brasilien und Indien spielen wachsende Rollen. Das zeigt sich auch in den nationa-

len Konjunkturprogrammen. Insge- samt 138 Mrd. Dollar sind darin laut New Energy Finance für Investitionen

in saubere Energie vorgesehen allein

66 Mrd. Dollar in den USA und 59 Mrd.

Dollar in China. Auch wenn hinter der konkreten Ausgestaltung noch man- che Fragezeichen stehen die Ambitio-

nen werden deutlich.

Fotos: picture-alliance/ dpa, NORM BETTS BLOOMBERG NEWS (r.)
Fotos: picture-alliance/ dpa, NORM BETTS BLOOMBERG NEWS (r.)

China steht häufig als Klimasünder am Pranger. Das Land investiert aber massiv in alternative Energien.

Das sollten sie auch, denn die He- rausforderungen sind gewaltig. 26 Bil- lionen Dollar muss die Welt bis 2030 in die Erneuerung ihrer Energie-Infra- struktur stecken, schätzt die Interna- tionale Energie-Agentur (IEA). Zwei Drittel der Summe müssen in Schwel- len- und Entwicklungsländern flie- ßen. Weitere neun Billionen Dollar sind nach Einschätzung des IEA-Chefs No buo Ta nak a n ötig, um die CO 2 -B e- lastung der Erdatmosphäre langfristig auf dem Niveau zu halten, das Wissen- schaftler für maximal verträglich hal- ten: 450 Teile CO2 per Million Teile. New Energy Finance kalkuliert, dass die Investitionen in erneuerbare

Energien bis 2020 auf jährlich 500 Mrd. Dollar steigen müssen, um zu diesem Zeitpunkt den Wendepunkt im weltweiten CO2-Ausstoß zu errei- chen. Das wäre mehr als dreimal so viel wie 2008. Für realistisch hält der Informationsanbieter aus heutiger Sicht bis dahin rund 350 Mrd. Dollar. Fast 150 Mrd. Dollar davon sieht er auf Solarenergie entfallen. Doch das alles hängt davon ab, dass der gegenwärtige Investitionsknick eine kleine Delle im Aufwärtstrend bleibt. Einen wichtigen Anschub für diese Investitionen könnte ein weltweites Abkommen auf dem Klimaschutzgipfel im Dezember in Kopenhagen geben. Je stärker die

USA sich engagierten und China ins Boot holten, desto größer sahen viele Experten auf der Konferenz die Chan- cen für eine schnelle Belebung des Weltmarktes für saubere Energie. Ein Vorteil sei, dass mit den gleichen Inves- titionen künftig größere Energiemen- gen zu erzeugen seien. Die Kosten für die Erzeugung von Wind- und Solarenergie seien in den vergangenen Jahren stark gesunken, gab etwa Ex-BP-Chef Browne zu be- denken. Die Wirtschaftlichkeit alterna- tiver Energien sei so gut wie nie. „So- bald die Investitionen wieder fließen, werden sie zuerst in saubere Energie fließen, sagte er voraus.

VIER FRAG EN AN:

MARK MOODY- ST UA RT

„Wir brauchen wirklich strenge Auflagen

Si r M ark, wie können wir hoffe n, den Energiehunger der Schwellen- länder zu stillen und zugleich die Kl imaschutzziele zu erreichen? Mindestens die Hälfte der Energielü- cke müssen wir durch höhere Ener- gieeffizienz schließen. Das können wir nur schaffen, wenn die Regierun- gen wirklich strenge Rahmenbedin- gungen setzen, etwa für Autoemissio- nen oder für den Energieverbrauch von Gebäuden. Die EU macht da keine schlechte Figur. Ich hoffe, dass die USA nachziehen. In Schwellen- ländern sind solche Standards aller- dings viel schwerer durchzusetzen. China etwa hat gute Gesetze, aber sie werden eben kaum befolgt.

MARK

MOODY-

ST UA RT

Chairman von Anglo American und Ex-Chairman von Shell.

UA RT Chairman von Anglo American und Ex-Chairman von Shell. Die Be ge isterung der Wi

Die Be ge isterung der Wi rtschaft wird n icht groß sein, we nn sie ge - rade jetzt mit neuen Umwe ltvo r- schrifte n b elegt wird . Das mag sein, aber die Erfahrung zeigt, dass es ohne strikte Regeln nicht geht. Anders hätte die Ölindus- trie nicht das Blei aus dem Benzin entfernt oder die Autoindustrie den Katalysator eingeführt. Wenn es ein- mal die Auflagen gibt, dann finden die Ingenieure gute Lösungen und die Kosten sinken schneller als ge- dacht. Ich sage immer: Gebt uns Grenzwerte, aber lasst uns selber he- rausf inden, wie wir sie einhalten. Sonst macht das ja keinen Spaß.

Wa s h alten Si e d avon, Auto ko n- ze rne mit St aatshilfen zu re tten? Die Autokonzerne, die jetzt die größ- ten Probleme haben, sind ja gerade die, die am längsten gezögert haben, emissionsarme Modelle zu entwi- ckeln. Die sollte man sterben lassen, auch wenn das für Politiker eine harte Entscheidung ist. Wenn die Re- gierungen ihnen jetzt Milliarden ge- ben mit der Auflage, Öko-Autos zu entwickeln, dann belohnen sie einen Mangel an Vo ra usschau.

Wa s m uss passieren, damit der Kl imaschutz-Gipfe l i n Kopenha- ge n e in Erfo lg wird? Am wichtig sten ist es, dass w ir die Schwe llenländer einbeziehen, denn vo n d ort wird p ra ktisch das ge - sa mte Wachstum des Energieve r- brauchs ko mmen. Die entwickelten Länder müssen glaubwürdig ze i- ge n, dass sie selber ihre CO2-Emis- sionen re duzieren. Au ßerdem müs- sen sie einen fi nanziellen Be itrag für die Re duzierungen im Re st der We lt leisten. Hier ge ht es vo r a llem um eine politische Gest e, wir kön- nen das natürlich niemals alles fi - nanzieren. Wenn wir die Schwellen- länder nicht ins Boot holen, dann sind wir ve rl oren.

Die Fragen stellte Dirk Heilmann.

Chemiekonzerne stöhnen unter Akquisitionen

Dow Chemical vollzieht Übernahme von Rohm & Haas Börsenbewertung bleibt trotz verbesserter Finanzierung unter Druck

SIEGFRIED H OFMANN | F RANKFURT

Großübernahmen in der Chemie- branche entpuppen sich zunehmend für die Käufer als gefährliche, zum Teil existenzbedrohende Transaktio- nen. Einen dieser finanziell äußerst unangenehmen Happen muss nun auch der amerikanische Chemie- riese Dow verdauen. Nach mehrmo- natigem Streit einigte sich die Num- mer zwei der Chemiebranche welt- weit am Montagabend mit Rohm & Haas darauf, die bereits im vergange- nen Sommer besiegelte Übernahme des Spezialchemieherstellers end- gültig zu vollziehen. Dow zahlt den damals vereinbar- ten Preis von rund 15,4 Mrd. Dollar, konnte gegenüber der ursprüngli- chen Vereinbarung aber Erleichte- rungen in der Finanzierung aushan- deln. So werden die Großaktionäre von Rohm & Haas (R&H) vom Kauf- preises drei Mrd. Dollar nicht in bar, sondern in Form von Dow-Aktien er- halten. Zusammen mit den bereits im vergangenen Jahr zugesagten En- gagements von Warren Buffetts Berkshire Hathaway und der Kuwait Investment Authority (KIO) kann Dow damit rund sieben Mrd. Dollar über neues Eigenkapital finanzieren.

Lasten der Übernahme Pro-forma Werte für 2008 in Mrd. US$* Dow+Rohm Ashland + Kennzahlen BASF+Ciba
Lasten der Übernahme
Pro-forma Werte für 2008 in Mrd. US$*
Dow+Rohm
Ashland +
Kennzahlen
BASF+Ciba
& Haas
Lyondell-Basell**
Hercules
Umsatz
97,1
67,1
54,6
10,7
Ebitda
14,8
5,6
3,5
0,7
Free Cash flow
3,6
3,0
-0,7
0,4
Netto-Verschuldung***
21,8
21,1
25,2
3,9
in Relation zum Ebitda
1,5
3,7
7, 2
5,4
in Relation zum Free Cash flow
6,0
7,1
n/a
11,2
* Umrechnung zu Jahresdurchschnittskursen 2008, **Werte geschätzt auf Basis der Neun-Monatszahlen 2008*** hochgerechnet auf Basis der 2008er
Bilanzwerte+Übernahmekosten
Handelsblatt | Quelle: Geschäftsberichte/HB-Berechnungen

Rezepte gegen die Finanznot

Desinvestitionen Um die Verschuldung nach dem Kauf von Rohm & Haas zu redu- zieren, will Dow Randak- tivitäten im Wert von vier Mrd. Dollar verkau- fen. Angesichts der schwachen Konjunktur dürfte es aber schwie- rig werden, gute Preise zu erzielen.

Kostensenkung Härtere Maßnahmen zur Kostensenkung sol- len zusätzliche Erträge generieren. Das Syner- gie-Ziel aus der Integra- tion des Spezialchemie- herstellers wurde da- her auf 1,3 Mrd. Dollar erhöht, bisher waren nur 910 Mio. Dollar ge- plant.

Dividende Um zusätzliche Cash- Reserven zu sichern, hat Dow Chemical seine Dividende um zwei Drittel reduziert. Durch die erste Dividen- denkürzung seit mehr als 90 Jahren verrin- gert sich die Ausschüt- tung um etwa 250 Mio. Dollar pro Quartal.

Zudem gelang es, längere Fristen für einen Überbrückungskredit von acht Mrd. Dollar aushandeln. Der US-Konzern war in erhebli- che Schwierigkeiten geraten, nach- dem der Verkauf seiner Basische- mie-Aktivitäten an ein Joint Venture mit der kuwaitischen Petroleum In- dustries Corporation (PIC) im De- zember überraschend scheiterte. Dieser sollte die R&H-Übernahme teilweise finanzieren. Ohne die Gel- der aus dem Deal mit PIC, fürchtete Dow-Chef Andrew Liveris noch vor kurzem, könnte der R&H-Zukauf Dow f inanziell zu Fall bringen. Die- ses Risiko scheint nach den Zuge- ständnissen der Käufer gebannt. Dennoch bleibt die Übernahme ein Kraftakt, der an den Grundfesten der amerikanischen Industrie-Ikone rüttelt. Immerhin wird mitten in der bislang heftigsten Konjunkturkrise die Nettoverschuldung des Kon- zerns auf etwa 21 Mrd. Dollar stei- gen, das ist fast das Vierfache des letztjährigen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Noch ungünstiger dürften die Bilanzrelationen 2009 aussehen. Wie skeptisch der Kapit almarkt die Transaktion beurteilt, ist an dem dra- matischen We rtve rfall vo n Dow ab-

zulesen: Nach Kursverlusten von g ut 80 Prozent seit Abschluss des Deals im Juli 2008, wird Dow Chemical heute weniger als halb so hoch be- wertet wie das Übernahme-Objekt Rohm & Haas. Dabei steht der US-Konzern kei- neswegs alleine mit solchen akquisi- tionsbedingten Herausforderungen. Ebenso wie Dow hat zum Beispiel auch Branchenführer BASF für seine bisher größte Übernahme, den einschließlich übernommener Schul- den rund 5, 2 Mrd. Dollar teuren Kauf der Schweizer Ciba-Gruppe, letzt- lich einen deutlich zu hohen Preis ge- boten. Denn das Ciba-Geschäft mit Pigmenten, Kunststoffzusätzen und Papierchemikalien leidet inzwi- schen ebenso wie die entsprechen- den BASF-Sparten massiv unter der Konjunkturkrise. Allerdings verfügt der Ludwigshafener Konzern über eine wesentlich höhere Finanzkraft und über günstigere Bilanzrelatio- nen als Dow. Als besonders eklatanter Fehl- schlag entpuppte sich die kreditfi- nanzierte Übernahme des US-Kon- zerns Lyondell durch den niederlän- dischen Kunststoffhersteller Basell. Nur ein Jahr nach Vollzug des Deals ist der neu formierte Chemieriese

Lyondell-Basell unter seiner Schul- denlast zusammengebrochen und musste sich mit seinen amerikani- schen Aktivitäten unter Gläubiger- schutz begeben. Als weiteres Übernahme-Opfer entpuppte sich der amerikanische Chemiekonzern Ashland, der im ver- gangenen Herbst 3, 3 Mrd. Dollar für den Spezialchemiehersteller Hercu- les auf den Tisch legte und nun fast vier Mrd. Dollar Finanzschulden zu bedienen hat. Der Börsenwert von Ashland dezimierte sich binnen Jah- resfrist um gut 90 Prozent. Fachleute gehen nun davon aus, dass die Probleme aufgrund der letz- ten Übernahmewelle nun neue Über- nahmen und Fusionen auslösen wer- den getrieben vom Zwang, die Bi- lanzen wieder ins Lot zu bringen. Wo hin die Re ise ge ht, ze igen et wa die Pläne von Dow, durch Desinvest- ments vier Mrd. Dollar zu erlösen. Verkaufen will der Chemiekonzern unter anderem Anteile an einer Raffi- nerie in den Niederlanden, das Salz- Geschäft von Rohm & Haas sowie eine Reihe von Basischemie-Aktivi- täten in Asien. Entgegen vielfältigen Spekulationen ist allerdings von ei- nem Verkauf der hochprof itablen Agrosparte nicht mehr die Rede.