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AKTUELL filmwirtschaft

Media-Salles-Studie Überdurchschnittliche Zuwachs- KURZ NOTIERT


raten bei der Digitalisierung er-

Digitales Kino breitet reichten Frankreich, wo sich die


Zahl der digitalen Leinwände mehr
als verdoppelte (von 66 auf 162),
Termin für
Potter-Finale
sich in Europa aus und Italien, wo sie von 38 auf 57
stieg. Unter den kleineren Kino-
märkten weisen Portugal, die
Harry Potter hat nun – zumin-
dest in Nordamerika – einen
Schweiz und Finnland signifikante Termin für das große Leinwand-
Die Digitalisierung der europäischen Zuwachsraten auf: Portugal von 14 finale: Verleih Warner Bros. will
Kinos kommt mit großen Schritten auf 26, die Schweiz von 16 auf 23 den achten und letzten Film der
voran. Innerhalb eines halben Jah- und Finnland von 1 auf 6. Reihe, „Harry Potter und die
res wuchs die Zahl der digitalisier- Einen beträchtlichen Beitrag zur Heiligtümer des Todes – Teil 2“
ten Säle um 25 Prozent. Zum Stich- digitalen Wachstumsrate in Europa am 15. Juli 2011 in die Kinos
tag 30. Juni 2008 gab es in 609 eu- leistete nach Angaben von Media bringen.
ropäischen Kinokomplexen 1 120 Ki- Salles im beobachteten Zeitraum die Der erste Teil der Verfilmung
nosäle, die mit Projektionsanlagen drittgrößte französische Kinokette des letzten Potter-Buches star-
auf DLP-Basis oder mit 4K-Technik CGR, die als erste des Landes an- tet in den USA am 19. Novem-
bespielt werden konnten. Sechs Mo- gekündigt hat, ihre fast 400 Kino- ber 2010 (in Deutschland am 18.
nate zuvor waren erst 897 Leinwän- säle komplett zu digitalisieren. November). Wegen der Kom-
de in 550 Standorten mit entspre- Die Generalsekretärin von Media plexität des siebten Bandes hat-
chenden Anlagen ausgerüstet. Die- Salles, Elisabetta Brunella, äußerte te sich das Warner-Studio für
se Zahlen stellte die italienische in London die Erwartung, dass der eine Zweiteilung der Kinofas-
Kino-Organisation Media Salles auf Wachstumstrend des ersten Halb- sung entschieden. ■
der Fachtagung „DigiTraining Plus digitale Vorführungen während des jahres 2008 sich im zweiten Halb-
2009: European Cinemas Experien- gesamten kommerziellen Auswer- jahr 2008 fortgesetzt hat. Brunella
cing New Technologies“ in London
vor.
tungszyklus eines Films zu garan-
tieren.
sagte weiter: „Die bisher verfügba-
ren vorläufigen Daten zeigen, dass
Eine neue
Laut Media Salles nimmt auch die
durchschnittliche Zahl digitalisier-
Europaweit liegt in puncto Digi-
talisierung Großbritannien weiter-
die Installation digitaler Projekto-
ren zunehmend von der Installati-
unendliche
ter Säle pro Filmtheater zu, die jetzt
bei 1,8 liegt. Dies belegt die Beob-
hin an der Spitze: Dort sind 298 di-
gitale Projektionsanlagen installiert
on zusätzlicher Systeme zur stereo-
skopischen Projektion begleitet
Geschichte
achtung, dass die Kinoketten dazu (Stand: 30. Juni 2008). An zweiter wird. Mit anderen Worten: 3D-Fil- Nach Berichten des „Hollywood Re-
tendieren, eine größere Zahl von di- Stelle liegt Deutschland mit 164 me sind heute eines der stärksten porter“ verhandelt Warner Bros. mit
gitalen Projektoren im jeweiligen Einheiten, nunmehr dicht gefolgt Motive für den Übergang zum di- zwei amerikanischen Top-Produzen-
Kinogebäude zu installieren, um von Frankreich mit 162 Einheiten. gitalen Kino.“ Reinhard Kleber ■ ten über eine Neuverfilmung von Mi-
chael Endes Fantasy-Roman „Die
unendliche Geschichte“, dessen
Filmrechte sich das Studio vor kur-

Steuer-Erleichterung für Defa-Filme? zem sichern konnte. Als Begrün-


dung für das Remake führte das
Fachblatt den bleibenden Einfluss
Der Geschäftsführer des Progress zubinden. Denn rein erbe zur weiteren Aus- des Films auf die Popkultur und
Filmverleihs, Jürgen Haase, setzt wirtschaftlich seien die wertung. Dazu zählen als Vorläufer von Harry Potter &
sich nachdrücklich dafür ein, das kul- Defa-Filme für die Art- mehr als 7 000 Spiel-, Co. an.
turelle Filmerbe der DDR lebendig zu house-Kinos nicht at- Kurz-, Dokumentar- Auf der WB-Wunschliste stehen
erhalten und fordert von der Kultur- traktiv. und Animationstrickfil- Leonardo DiCaprios Firma Appi-
politik eine stärkere Unterstützung. Daher müsse eine Form me, Periodika und Wo- an Way und die Kennedy/Marshall
„Die Politik müsse uns, als Repertoi- gefunden werden, wie chenschauen. Company (zuletzt „Der seltsame
rebewahrer des Kulturerbes der man Kinos unterstützen Laut Haase erreichen Fall des Benjamin Button“) als Neu-
DDR, in die Lage versetzen, neue könne, „die sich diesem allein die Defa-Spielfilme entwickler für das 1984 von Neue
Kopien der Filme herzustellen, um sie Kulturprogramm wid- noch heute in den Kinos Constantin und Wolfgang Petersen
entsprechend veröffentlichen zu kön- men“. Haase sympatisiert Jürgen Haase jährlich etwa 100000 Be- begründete Franchise, das einen
nen“, sagte Haase in der März-Aus- auch mit der Idee, bei der Foto: Jim Rakete sucher. Außerdem gebe Umsatz von 20 Millionen Dollar ge-
(Photo Selection) / Progress
gabe der Zeitschrift „Politik und Unesco einen Antrag auf es eine erfreuliche Zu- nerierte. Produzent Dieter Geissler
Kultur“ des Deutschen Kulturrates. Aufnahme des Defa-Filmstocks ins sammenarbeit mit den TV-Sendern: soll wieder mit von der Fantasien-
Dies sei auch wegen der technischen Weltkulturerbe zu stellen. „Die Ein- „Seit 1997 kommen wir jährlich im Partie sein, zusammen mit Sarah
Veränderungen notwendig. „Das zigartigkeit ergibt sich aus der Tatsa- deutschsprachigen Raum auf 350 Schechter und Jesse Ehrman, die das
DDR-Filmerbe muss als deutsches che, dass es sich um einen komplett ge- TV-Ausstrahlungen.“ Im Schnitt Projekt für das Studio betreuen.
Filmerbe betrachtet werden, wel- schlossenen Filmstock eines Landes werde demnach fast jeden Tag ein Während die von George Miller
ches es zu bewahren gilt.“ handelt, das nicht mehr existiert.“ Defa-Film ausgestrahlt. Dabei führe inszenierte Fortsetzung sechs Jah-
Haase schlägt vor, Kinos mit Defa- Der Progress Filmverleih, der in Progress 50 Prozent der Lizenzein- re später noch 17 Millionen Dollar
Filmen im Programm die Umsatz- der DDR eine Monopolstellung in- nahmen an die Defa-Stiftung ab, die einspielte, erschien der dritte Teil
steuer zu erlassen oder die Filme in nehatte, wurde 1997 privatisiert und sich ebenfalls für die Bewahrung des 1996 in den USA ganz schnell auf
die Referenzmittelausschüttung ein- übernahm das gesamte DDR-Film- DDR-Filmerbes einsetzt. rkl ■ Video. AFu ■

10/2009 filmecho | filmwoche 5