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Alexander Xaver Gwerder

Rondo

Ich bin wie schon gestorben.


Geh, es hat keinen Zweck!
Ich wiege mit der Ähre,
niemand weiß mein Versteck.

Ja, wenn ich wieder wäre …

Doch es hat keinen Zweck -


Jetzt wieg ich mit der Ähre,
fahr in des Windes Fähre,
im Wind ist mein Versteck.

(Dämmerklee. Arche Verlag., Zürich, 1955)

Eine tragische Grunddisposition und die melancholische Gewißheit, ein „erloschenes Spätherz“ zu
sein, haben das kurze Dichterleben des Schweizer Lyrikers Alexander Xaver Gwerder (1923-1952)
bestimmt. Im Juli 1949 hatte der der gelernte Buchdrucker und Offset-Kopist seine ersten Verse in
der Zürcher Tageszeitung „Die Tat“ veröffentlicht und viel Beifall dafür erhalten. Die Begegnung
mit den Gedichten Gottfried Benns empfand er 1951 als ein literarisches Schlüsselerlebnis; seither
artikulierten seine Verse das Lebensgefühl einer „großen Verlorenheit“.

Zusammen mit seiner „Traumgefährtin“, einer 19jährigen Baslerin, flieht Gwerder im September
1952 aus seiner bürgerlichen Existenz ins südfranzösische Arles, die Schicksalsstadt des von ihm
bewunderten Vincent van Gogh. Dort entstehen seine letzten Gedichte, einfache, liedhafte Verse wie
das „Rondo“, eingedunkelt von Todessehnsucht. Nach einem mißglückten Doppel-Suizid stirbt
Gwerder am 14. September 1952 im Armenkrankhaus in Arles, seine junge Gefährtin kann gerettet
werden.