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ALLGEMEINES

NSTLER^LEXIKON

LEBEN UND WERKE

DER BERÜHMTESTEN BILDENDEN KÜNSTLER

Vorbereitet von

HERMANN ALEXANDER MÜLLER

Herausgegeben von

HANS WOLFGANG SINGER

Fünfte unveränderte Auflage

ZWEITER BAND

GaabLezla

X-

19 2

1

LITERARISCHE ANSTALT RÜTTEN ö LOENING

FRANKFURT am MAIN

Q

^ N4-6

\qsb\

G.

Oaab, Ludwig Friedrich von, Architekt, geb. 1800 in Tübingen, f 23. Aug.

1869 in Stuttgart, Schüler des Oberbauraths Gross, bereiste Italien und P'-ankreich, begann 1825 seine praktische Laufbahn und machte sich durch zahlreiche Nützlichkeits- und Eisenbahnbauten sehr verdient. In und bei Stuttgart baute er die Infanterie-

kaserne, das Kronprinzenpalais, restaurirte das Hoftheater, baute 185355 die gothische

Kirche in Berg und die ebenfalls gothische Kirche in Loffenau (^Schw^arzweldkreis).

1846 wurde ei Oberbaurath und 1852 wurde ihm das Commenthurki-euz des Württemberg.

Kronordens verliehen. Oaal, Barent, s. Gael.

Gaal, Pieter, hoUänd. Maler, geb. 1769 in Middelburg, f 1819, Schüler seines

Vaters Thomas G. (f 1817) und später des Malers Wilh. Seh weickhart, machte Studienreisen nach London, Paris und einem Thtdl von Deutschland und lieas

sich in seiner Vaterstadt nieder, wo er lobenswerthe Genrebilder, Bildnisse, Lati-

schaften und Stillleben malte.

Oabbiani, Antonio Domenico, ital, Maler und Radierer, geb. 1652 in Florenz,

t 1722 das., Schüler des Dandini in Florenz und des Giro Ferri in Rom, malte

in beiden Städten vorzugsweise religiöse DarsteUungen, aber auch Genrebilder und Landschaften. Eine ; seiner wenigen bekannten Bilder ist Das Gastmahl beim Pharisäer

Simon (Museum in Dresden), andere in florentinischen Sammlungen. Man hat auch

4 radierte Blätter von ihm.

Gaber, August, Holzschneider der Gegenwart, geb. 14. Nov. 1823 zu Köpperning

bei Neisse in Schlesien, f Septbr. 1 894 in Berlin, war Autodidakt, den die Liebe zur Kunst zum Holzschnitt führte; er arbeitete in Berlin, wo er 1848 seine ersten Holzschnitte

nach Zeichnungen von Ludwig Richter verfertigte, um später in dieser Kunst grosses

Verdienst zu erringen.

Overbeck, andere Blätter nach Schnorr von Carolsfeld, Ludw. Richter und nach M. V. Schwind die Wandgemälde des Landgrafensaales auf der Wartburg.

Gäbet, Franz, Radierer, geb. 20. Jan. 1765 in Wien, f 1847 das., war nur

Er schnitt viel für illustrirte Werke, die 7 Sacramente nach

Dilettant, radierte aber sehr hübsche Landschaften nach Martin Molitor, 4 Blätter der Jahreszeiten nach Jan v. Goyen, 6 Blätter nach Weirotter und 6 nach Rechberger.

Gabiou, s. Chandet, Jeanne Elisabeth, unter €haadet, Antolne Denis.

Gabi, Alois, Genremaler, geb. 24. Sept. 1845 zu Wiesen im Pitzthal (Tirol), t 27, Febr. 1893 in München durch Selbstmord, wurde 1862 Schüler der Akademie

ili München, wo er unter Schraudolph, Raraberg und später unter Karl v

Piloty in die Fussstapfen Defreggers trat. Auf sein erstes bedeutendes Bild

Haspinger den Aufruhr predigend (1872) folgte bald nachher die ebenso gelungene Rekrutenaushebung in Tirol; weniger Glück machten 1875 Die Einsegnung des Braut-

bettes und Die verbotene Tanzmusik. Eines seiner Meisterwerke war 1877 Hoch-

vvürden als Schiedsrichter, ebenso Die heil. 3 Könige mit ihrem Stern (,:'.H82,

als

Genrebild;, Die Impfstule, Die Nähmaschinenprobe, Der Spinnunterricht und Die Bräuschenke.

Gabriel, Jacques Ange, franz. Architekt, geb. 1699 in Paris, f um 1782, Sohn und Schüler eines Architekten, baute die doppelte Kolonnade des Platzes Ludwigs XV. uud die später von Napoleon I. nach St. Cyr verlegte Militärschule (jetzt Kriegs- akademie) mit ihrer korinthischen Säulenstellung uud schweren Kuppel.

Gabriel, Paulus Joseph, holländ. Maler und Bildhauer, geb. 1785 in Amsterdam

t 1833 das., widmete sich anfangs der Miniaturmalerei,

AUgemeiues KQnstler-Lezicon 5. Aoil. 2. Band.

worin

er sich seit

1

1805 in

2

Gabriel Gadio.'

Paris vervollkommnete. Nach seiner Rückkehr führte sein Talent ihn zur Plastik; er ging 1809 abermals nach Paris, trat in das Atelier Cartelliers und später in

Italien in das Atelier Canovas.

Seit 1813 lebte

er

wieder in seiner Vaterstadt,

wo er 1820 Mitglied des Instituts und später Direktor der Akademie wurde. Unter seinen Werken nennt man einen Jüngling der sich einen Dorn aus dem Fusse zieht, einen Mercur, eine Reiterstatue des Königs Wilhelm I., das Grabmal des Schrift-

stellers Joh. Meermann in der Peterskirche zu teiden, das Denkmal des Admirals van Kinsbergen am Eingang der Neuen Kirche in Amsterdam und des Dichters Feith

in Zwolle (1825).

Gabriel, Paul Joseph Constantln, holländ. Landschaftsmaler, geb. 5. Juli 1828 in Amsterdam, lebt in Scheveningen. Er malte gute Landschaften aus Holland: An

einem schönen Nachmittage, Morgenthau, Bei Tagesanbruch in der Umgebung

Amsterdams, Windmühle, Torfgräber im Torfstich, Regenwetter in Holland u. dgl.

Gabrielis, Gabriel de, Baumeister, geb. 1671 in Roveredo. Von ihm das ehemalige Residenz? -^hloss der Markgrafen von Ansbach-Baireuth in Ansbach, ein

grosses Viereck im Stil der italienischen Renaissance, begonnen 1713.

Gabriello, Onofrio, ital. Maler aus Messina, geb. 1617, f 1706, Schüler von

Barbalunga, N. Poussin und Pietro da Cor ton a, malte in seiner Vater-

stadt in der Kirche S. Francesco di Paola und in einigen Kirchen Paduas Bilder von

ziemlich schwachem Colorit.

Gabroii, Willem, StiiUebenmaler, geb. 28. Oct. 1619 in Antwerpen, f 1679, besuchte Italien, lebte einige Jahre in Rom und trat 1640 in die Lucasgilde seiner

Vol ihm in der Pinakothek zu München ein gedeckter Tisch mit Trink-

Vaterstadt.

gefässeu und sonstigem Geschirr, im Museum zu Braunschweig ein Tisch mit einem

türkischen Teppich belegt (1652).

Gaddi, Aguolo, ital. Maler (Üorentinische Schule), geb. wahrscheinlich um 1333

in Florenz, t d^s. ig. Oct.

1396, Sohn und Schüler des Taddeo G.,

malte im Stil

Giottos, gab ihm aber eine Richtung auf das Amnuthige und Liebliche. Eines seiner

Hauptwerke sind im Chor von Sta. Croce zu. Florenz die Fresken von der Legende

der Auffindung des heil. Kreuzes auf blanem, goldgestirntem Grunde, worin besonders

die Auffindung des Kreuzes durch die Kaiserin Helena, von lebensvoller Aumuth,

das Historische

Noch bedeutender ist sein

Cyklus von 13 Fresken in d«r Kapelle della Cintola des Doms zu Prato,

ganze mit 2 Kreuzgewölben überdeckte Raum die Geschichte der Madonna und des

heil. Gürtels enthält. Ein reich gegliederte« Altar werk von ihm ist die thronende

Madonna in der Akademie zu Florenz ; aus dem Jahre 1383 auch die Entwürfe zi'

den Medaillons an den Aussenseiten der Loggia dei Lauzi, enthaltend die 6 theDlogischeu

Tugenden Gerechtigkeit, Klugheit, Mässigung. Stärke, Glaube und Liebe. Ein Tempera- bild der Maria mit dem Kinde im Museum zu Berlin. In seinen späteren Lebens-

jahren wurde er Kaufmann und gab die Malerei auf.

wo der

mit vielem Fleiss ausgeführt

ist.

Gaddi, Oaddo, ital. Maler, geb. 1260 in Florenz, f 1332, der Stammvater einer

Malerfamilie, war vorzugsweise Mosaicist, wurde 1308 von Clemens V. nach Rom

berufen, wo er in der Art des ihm befreundetea Cimabue grosse Mosaikbilder aus-

führte, von denen sich noch Bruchstücke in Sta, Mafia Maggiore erhalten haben;

andere ihm zugeschriebene Werke dieser Art sind nicht beglaubigt.

Gaddi, Taddeo, ital. Maler,

Florenz, f 1366 das., Sohn und in

der bedeutendste der Familie, geb. um 1300 in der Malerei Schüler des Vorigen, und 24 Jahre

lang Schüler Giottos, nach dessen Plänen er 1336 den Bau des Glockenthurms in Florenz fortsetzte. Als Maler diesem seinem Lehrer nachstehend, hat er zwar seine

Hauptwerke, (soweit wir sie kennen), die Fresken (135256) in der Kapelle Baroncelli

von Sta. Croce aus dem Leben der Maria, kräftig und breit gemalt, aber ohne tieferes

religiöses Gefühl, mit genrehaftigen Nebenfiguren und architektonischem Beiwerk;

wahrscheinlich auch ein grossartiges Abendmahl im ehemaligen Refektorium derselben

Kirche und Fresken in der Chorkapelle von S. Francesco in Pisa. Zweifelhaften

Urhebers sind die ihm zugeschriebenen, grossen Fresken in der Kapelle degli Spaguuoli

von Sta. Maria Novella. Ebenso unsicher fast alle ihm beigelegte Tafelbilder, z. B.

die im Berliner Museum vorhandenen : Ausgiessung des heil. Geistes und ein Wunder

aus der Legende des heil. Franciscus. Mit Sicherheit gehört ihm nur an das dortige Mittelbild eines Flügelaltars (Maria mit dem Kinde). Gadio, Bartoi-omnieo, ital. Architekt und Ingenieur, geb. 1415 in Creraoua,

t um 1482, schützte als Ingenieur Francesco Sforza» 1460 seine Vaterstadt gegen die Angriffe der Venezianer, .stellte die Befestigungen von (^assano wieder her,

Gacl Gä-rtner.

3

machte sich um die Oberleitung- rieler Civil- uud Militärbauteu in Oberitalien ver-

dient und baute in seiner Vaterstadt die 146S begonnene Kirche S. Sigismeudo in

schönem Frührenaissancestil. Gael (Gaal), Barent, holländ. Maler, geb.

um

die Mitte

des

17. Jahrb.,

Schüler von Ph. Wouwormau, malte, wie dieser, Jagdscenen, Landschaften mit Pferden, Dorfkirchweihen und dgl. Von ihm im Museum zu Rotterdam eine von

ihren Kindern umgebene Bauersfrau die Kuchen bäckt und ein abgestieg-ener Reiter

vor einem Bauernhause, in Augsburg Schweintaiiarkt, im Museum zu Braunschweig

Reiterstück mit Kartenspielern, in der Eremitage zu St. Petersburg', Fischer

am Strande der See.

Gaeleu, Alexander van, holländ. Schlachtenmaler, geb. 1670, Schüleic und Gehilfe von Huchtenbur gh, bereiste Deutschland, lebte lange in Düsseldorf,

malte am Hofe des Kurfürsten von Köln Schlachtenbilder und Thierstücke, und ging dann nach London, wo er ähnliche Bilder malte.

(lärtner, Eduard, Architekturmaler, geb. 2. Juni 1801 in Be lin, f 22. Febr.

1877 das.,

kam

schon 180G

nach Kassel,

wo er von dem

späteren Direktor der

Zeichenakademie in Darmstadt, Friedrich Müller (genannt Maler Müller), Unterricht

erhielt.

1813 kehrte er nach Berlin zurück, arbeitete 6 Jahre in einer Porzellau-

fabrik, machte Studienreisen, trat 1821 in Verbindung mit dem Decorationsmaler

Gropius und malte perspektivische Bi4der in Berliner Schlössern ; dann studirte er 3 Jahre in Paris unter B e r t i n und widmete sich in Berlin und für den Kaiser von

Russland in St. Petersburg und Moskau mit grossem Erfolg der Prospektmalerei. Unter

seinen wenigen Oelbildern sind zu nennen Der Marktplatz in Prag

Nationalgalerie zu Berlin Die Parochialstrasse in Berlin. Er war Mitglied der Berliner

Akademie seit 1833.

Gärtner, Friedrich, Architekturmaler, geb. 11. Jan. 1824 in München, Sohn

und in

der

und Schüler des Friedrich von G., den er 1840 und 1841

auf seinen Reisen in

Italien und Griechenland begleitete, später auch Schüler der Akademie in München,

des Marinemalers S i m o n s e n und in Paris des Genremeiers Claudius J a c q u a nd. 1848 bereiste er mit Ed. Gerhardt Spanien und das nördliche Afrika, besuchte London

und Paris und nahm zuletzt seinen Wohnsitz in der Vaterstadt. 1870 ging er noch

einmal nach Nordafrika. Seine trefflich beleuchteten Architekturbilder sind grossen

theils aus Spanien und Nordafrika entnommen, z. B. in der Neuen Pinakothek ein

Klosterhof im Mondlicht (1846), und das Innere eines raauriscben Hauses : ferner Au.s

der Alhaulbra, das Innere eines Hauses in Tetuan, Strasse in Algier. Brunnenhot

aus der Moschee El-Kebir in Algier.

Gärtner, Friedrich von, berühmter Architekt, geb. 1792 in Koblenz, f 21. April 1847 in München, war von 1809 an Schüler der dortigen Akademie, machte Studien-

reisen nach Paris, Italien and Sizilien, als deren Ergebnisse er 1819 „Ansichten der

am meisten erhaltenen griechischen Monumente Siziliens" herausgab

1820 begann

er in München seine erfolgreiche theoretische und praktische Thätigkeit, worin ei'

mit Ausnahme des Siegesthores in Müachen und des Pompejanischen Hauses in

Aschaffenburg (1842) meistens den romanischen Stil annahm, und hierin einen ent- schiedenen Sinn für massenhafte Wirkungen zeigte. Die namhaften Münchener

Gebäude sind die Ludwigskirche (182943), die durch ihr imposantes Treppenhaus

schöne Bibliothek (183234), die Universität (1840), die Feldherrenhalle, das Blinden-

institut und gothischen Stils der an Monotonie leidende Witteisbacher Palast (1843).

Die bedeutendsten seiner Bauten ausserhalb Münchens sind : die Kursäle in Kissingi;n

und in Brückenau, das kasernenähnliche Schloss in Athen (183438), die 1842 be-

gonnene, später durch K 1 e n z e veränderte Befreiungshalle bei Kelheim, und

die

protestantische Kirche in Kissingen, ausserdem die Restauration der Dome von

Bamberg, Regensburg und Speier. Nachdem Cornelius die Direktion der Akademie

der bildenden Ktinste niedergelegt, wurde sie ihm übertragen.

Gärtner, Heinrich, Landschaftsmaler, geb. 22. Febr. 1828 in Neustrelitz, Schüler des 1832 aus Rom zurückgekehrten Rusc he weyli, seit 1845 in Berlin Schüler von F. W. Schirmer und seit 1847 von Ludw. Richter in Dresden. Seine weitereu

Studien machte er in» Rom, wo ihn die alten Meister und Cornelius beeinflussten. Nach

seiner Rückkehr aus Italien malte er in Deutschland zunächst mehrere Wandbilder in

Privatvillen, z. B. beim Stadtrath Dürr in Connewitz bei Leipzig Scenen aus dem Leben

der Psyche, betheiligte sich bei den Wandgemälden im Hoftheater zu Dresden uud führte

dann als .sein Hauptwerk die 1849 vollendeten Wandmalereien im Museum zu

Leipzig aus, die in einem Cyklus landschaftlicher Darstellungen die wichtigsten

4

Gaesbeeck Gaillard.

:

Schauplätze -der geschichtlichen Entwickelung der Plastik zum Inhalt haben und ihm den

2. Preifl eintrugen. Dann folgten noch 1882 Wandgemälde im Treppenhause der iand-

wirthschaftlichen Hochschule zu Berlin und einige Oelbilder.

Gaesbeeck) Adriaen van, holländ. Maler geb. in Leiden, f im Jan. 1650 das.,

wahrscheinlich Schüler von Q. D o u, malte kleine Genrebilder. Im Museum zu Berlin

von ihm eine Näherin und iin Eeichsmuseura zu Amsterdam ein nur nüchtern gemalter junger Gelehi'ter in seinem Studirzimmer.

ClaSta, Enrico, ital. Landschaftsmaler, geb. i:n Nov. 1840 in Castellamare,

besu(dite die Akademie in Neapel, wo er sich der Landschaft widmete.

Bekannt

wurden von ihm Die Ruinen eines Peudalhauses, Triumphbogen in Eom, Die öffent-

lichen Bäder in Pompeji, Das Castell Angioino bei Castellamare, Ein tiefer Abgrund,

Auf dem Wege nach Sorrent, Ansicht von Reggio u. A.

Gaggiotti-Bichards, Frau Emma, Bilduiss- and Historienmalerin der Mitte

des 19. Jahrb., lebte in Italien.

Sie malte vorzügliche Bildnisse, darunter das im

Besitz des Kaisers Wilhelm IL befindliche von Alex. v. Humboldt, auch ihr Selbst-

bildniss vor der Staffelei. Unter ihren historischen Bildern nennt man Die Kreuz-

fahrer und eine Madonna. Gagini, Antonio, ital. Bildhauer, geb. 1480, von Geburt ein Lombarde, Haupt-

meister einer Künstlerfamilie dieses Namens, soll, was aber nicht nachzuweisen ist, in Rom unter Michelangelo gearbeitet haben. Gagliardi, Cav allere Bernardiuo, ital. Maler, geb. 1609 inCittädiCastello, "i- 1660, Schüler von Nuzzi, bildete sich nach den Carracci und nach Guido Reni,

malte Kirchenbilder in seiner Vaterstadt und in Rom. Von ihm wird genannt der

Heil. Pellegrinus in der Kirche S. Marcello zu Rom.

Gagliardi, Lnlgi, Gravem-, Ciseleur und Bildner, geb. 12, Jan. 1843 in Mailand,

Schüler von Giovanni Bellezza, lebte viele Jahre in Rom und kehrte dann La seine Vaterstadt zurück. Man rühmt von ihm einen silbernen Pokal mit der Dar- stellung der Geburt der Venus und einen noch schöneren Pokal mit der Darstellung

der Amazonenschlacht. Gagliardi, Paolo, Historienmaler der Gegenwart in Rom, schmückte 1852 die dortige Kirche S. Girolamo de' Schiavoni mit decorativen Fresken, ebenso die Kirche

S. Agostino mit mehreren Wajdfresken und die Basilika S. Paolo. Unter seinen Oel-

bildern nennt man Vincenz von Paula, wie er verlassene Waisenkinder aufnimmt

(1842).

Gagneranx, franz. Maler aus Burgund, thätig in Rom um 1784, f 1795 das., machte sich durch das jetzt im Rudollinum zu Prag befindliche Bild von kräftigem Colorit Besuch des Königs Gustav III. von Schweden bei Papst Pius VI. in Rom bekannt.

Er malte auch Bacchus und Ariadne, Die Erziehung des Achilles und Schlachtenbilder.

1832 in

Gaiani, Egisto, ital. Bildhauer und Holzschnitzer, geb. 16. Aug.

Florenz, bildete sich in den Werkstätten von Barbetti und Morini und schuf zahl-

reiche, auch in deutschen und englischen Sammlungen bekannt gewordene und in

Privatbesitz gekommene kunstvolle Schnitzarbeiten.

Sehr bewundert wurden 1880

in Turin 2 Holzreliefs Triumph der Venus und Venus und Amor. Er ist Honorar-

professor der Akademien von Florenz, Genua und Urbino.

Gail, Wilhelm, Landschafts- und Architekturmaler, geb. 7. März 1804 in

Müncheu, t 26. Febr. 1890 das., Schüler der dortigen Akademie und seit 1822 Schüler

von Peter Hess.i 1825 reiste er mit dem Baron von Malzen nach Turin und gab zu

dessen „Monuments romains dans les etats de Sardaigne" 13 Blätter und infolge seiner Reise nach Rom und dem südlichen Italien 12 Blätter Volksscenen und 30 selbst-

lithographirte Blätter „Erinnerung an Florenz, Rom und Neapel" (1827) heraus. 1830

ging er nach Paris und der Normandie, 1831 nach Venedig, wo sein Bild vom Corridor des Dogenpalastes entstand, und 1832 auf eine Forschungsreise nach Spanien. Dann

Hess er sich in München nieder, gab die Ergebnisse seiner Reise nach Spanien (1837)

heraus und malte zahlreiche Bilder der älteren spanischen Bauwerke. Dahin gehören

Der Löwenhof in der Alhambra (Rndolfinum in Prag), Sanctuarium der Moschee in

Cordova, Ruinen des Klosters San Juan de los Reyes in Toledo, ferner aus Venedig

der Dogenpalast, Kirche S. Lazzaro (beide in der Neuen Pinakothek) und das Innere

eines Klosterhofs (Kunsthalle in Karlsruhe) Mit ebenso viel Geschick und Geschmack wie seine Oelbilder sind seine Radierungen ausgeführt.

Gaillard, Claude Ferdinand, franz. Kupferstecher und Maler, geb. 5. Jan. 1834 in Paris, f 20. Jan. 1887 das., besuchte die Ecole des beaux-arts, war Schüler

und erhielt 1856 als Kupferstecher den Preis für Rom, wo er sich

von Cogniet

Gaillard Graisser.

5

bis 1866 aufhielt. In seinen Stichen arbeitete er mit Aetzwasser, Grabstichel und kalter Nadel und zeigte hierin eine feine, in den Geist des Originals eingehende

Technik. Auf den Eeformen Heni-iquel-Duponts fassend hat er die Grabstichelkunst verjüngt und gewissermaassen einen neuen Stil geschaffen. Anstat t der gleissnerischen Paradeführung des Stichels arbeitet er mit fast microscopischen kleinen Strichen,

wobei ihm die Hand so frei wie beim Eadieren bleibt, jedoch der stofflche Character,

den nur die Grabstichelarbeit zu eigen hat, gewahrt ist.

Auf den ersten Blick er-

scheinen manche seiner Blätter wie Heliogravüren, so zart sind sie gearbeitet.

Zu

seinen Hauptblättern gehören : die Madonna aus dem Hause Orleans nach Raffael, die Vierge au donateur und eine andere Madonna nach Giov. Bellini, Oedipus nach

Ingres, der Condottiere nach Antonello da Messina (im Louvre), der Mann mit der

Nelke nach Jan van Eyck (Mus. in Berlin), die Reiterstatue des Gattamelata von

Donatello in Padua, auch viele Blätter für die Gazette des beaux-arts". In seinen

Gemälden in Gouache und in Oel, namentlich in seinen Bildnissen, lehnt er sich häufig

an ältere, bedeutende Meister an.

Gaillard, Robert, franz. Kupferstecher, geb. 1722, f 1785, stach Genrebilder

nach Greuze, viele mythologische und Genrebilder nach Rousseau, Le Prince, Chevalier,

Eoslin u. A. Gainsborougrli^ Tliomas, berühmter englischer Landschafts- und Bildnissmaler,

geb. im Frühjahr 1727 in Sudbury (Suffolk), f 2. Aug. 1788 in London. Schon als Kind

zeigte er grosses Zeichnungstalent

und

er

sass

den ganzen

Tag

lang

in

Wald und Feld, um alle Bäume und Partien der Umgegend zu skizziren, fälschte

einmal sogar seines Vaters Unterschrift, um aus der Schule zu kommen, damit er dieser Liebhaberei nachgehen konnte. Er wurde demnach zuerst zum Kupferstecher

Gravelot, dann auf die Londoner Akademie geschickt, wo er unter Hayman

lernte. Nach vierjährigem Aufenthalt in der Hauptstadt zurückgekehrt, vermählte

er sich zwei Jahre darauf mit Margaret Burr, und zog nach Ipswich, wo er einen

Gönner fand. Hier hatte er eine Anzahl Bildnissaufträge und lebte ziemlich sorglos

aber auch träge dahin. Da meldete sich sein Ehrgeiz und er zog nach Bath, wo sich zur Zeit das elegante England gerne aufhielt. Er begründete seinen Ruf sehr

bald und konnte seinen Preis von 5 auf 40 Guineen für ein Brustbild, von 8 auf 100 für

ein Bildniss ganze Figur erhöhen.

1774 zog er nach London, wo er sich mit West

in die Gunst des Hofes, mit Reynolds in die Gunst des Volkes theilte. Unter Anderen

Sassen ihm Sterne, Reynolds, die Schauspieler Quin, Henderson, Garrick, Mrs. Siddons,

Sheridan, Burke, Olive etc.

Im Ganzen fühlte er sich zu den literarischen Grössen

weniger hingezogen als zu Musikern Er war leidenschaftlicher Musikliebhaber und betrieb

das Geigenspiel mit einem so grossen Eifer, dass manchmal die Malerei nur eine Erholung

ZTi sein schien Bei Lebzeiten wurden seine Landschaften, die uns heute vielleicht als

seine grösste Leistung erscheinen, wohl anerkannt aber nicht gekauft. Durch Constables

Sein

Vermittelung ist G. eigentlich der Vater der heutigen Stimmungslandschaft,.

Colorii ist glühend warm, sein Malvortrag meist virtuos flott; nur ist zu bedauern,

dass seine Bilder, wohl in Folge der schlechten Farben und Bindemittel, die ihm zur

Verfügung standen, (möglicherweise auch ein wenig infolge seiner Maltechnik) so

schnell verderben und gleich einer grossen Anzahl Reynolds'scher Bilder, heute fast nur noch Ruinen sind. G.'s bekanntestes Meisterwerk in Farbenstimmung ist Master

Buttall (Blue Boy), die Londoner Nationalgalerie besitzt über ein Dutzend seiner

Werke, weitere in South Kensington, und in der Dulwich Galerie (2. B, das pracht- volle Doppelbildniss der Mrs. Sheridan und Tickneil), das Meiste befindet sich jedoch in

Privatbesitz. Auf das Festland ist wenig gelangt ; Köppings ausgezeichnete Radierungen

haben dazu beigetragen, zwei seiner besten Bilder The market cart"und The cottage

door" in Deutschland wenigstens bekannt zu machen. Seine Lebensbeschreibung von P. Thicknesse 1788, von G. W. Fulcher 1856, Brock Arnold und Constable 1881.

Gainza, Martin de, span. Architekt und Bildhauer des 16. Jahrb., baute und schmückte mit Bildwerken um 1543 und 1561 in der Kathedrale zu Sevilla die Sacristia

mayor, die Sacristia de los Calieos (im Spitzbogenstil), die Sala capitular und andere

Bauten im Renaissancestil, namentlich die Capilla real daselbst (1651 55).

Gaisser, Jakob Emanuel, Genremaler, geb. 21. Nov. 1825 in Augsburg, dort

anfangs Schüler von Job. Geyer, später auf der Akademie in München Schüler von Gärtner, Zimmermann und Schnorr. Seine oft humoristischen Genrebilder

sind gewöhnlich sehr naturwahr und von kräftigem Colorit, z. B. Das Concert, Die

Einquartirung, Heimliche Liebesbotschaft, Das unterbrochene Schachspiel, Abgefasst,

Lupus

in fabula,

Coeur ä tout, Fatales Kartenspiel, Das Spiel um die Zech u

A.

6

Gajani Galimard.

€(ajani, Antonio, ital. Knpfersttcher, f 1820, Schüler von Longhi, war

Professor an der Akademie in Bologna. Die von ihm bekannten Stiche sind: Nach

Ann. Carracci Maria mit dem Kinde und dem kleinen Johannes und ein Cupido^ nach Perugino Maria Magdalena und nach seinem Lehrer Longhi das Bildniss des Staats-

manns Baldassare Castiglione.

Gajani, Egisto, s. Gaiani.

ßalanino, Baldassare, s.