You are on page 1of 108

Junge Union Baden-Württemberg

Chronik 40 Jahre
Heiner Geißler
1966–1967
Anton Pfeifer
1967–1972
Friedrich Volz
1972–1973
Burkhard Herzig
1973–1975
Dr. Dirk Notheis
1994–1999
Edith Grupp
1999–2002
Thomas Bareiß
2002–2006
Steffen Bilger
seit 2006
D
r. G
erd Langguth
197
5–1981
H
ans
-Jürgen Z
ahorka
1981
–1983
G
ünther H
. O
ettinger
1983
–1989
A
ndreas
R
enner
1989
–1994
40 Jahre Junge Union
Baden-Württemberg
Seit 40 Jahren arbeitet die Junge Union nunmehr als ein-
heitlicher Landesverband erfolgreich an der politischen
Gestaltung Baden-Württembergs mit. Aufbauend auf
der Chronik zum 20-jährigen Jubiläum im Jahr 1990 wid-
met sich die vorliegende Festschrift, die anlässlich der
Jubiläumsfeier am 16. Juli 2010 in Oberrot-Marhördt he-
rausgegeben wird, insbesondere den Jahren 1990-2010.
Ohne die Mithilfe und Unterstützung zahlreicher aktiver
und ehemaliger Mitglieder der Jungen Union Baden-Würt-
temberg wäre die Erstellung dieser Chronik dabei nicht
möglich gewesen. Eine Projektgruppe hat in vielen Stun-
den umfangreiches Material zusammengetragen und aus-
gewertet. Herzlicher Dank gebührt darüber hinaus den
weiteren Autoren und Interviewpartnern.
Besonderer Dank gebührt allen Inserenten, die durch ihre
großzügige Unterstützung diese Festschrift erst ermög-
licht haben. Wir bitten deshalb herzlich um freundliche Be-
achtung der Anzeigen. Gleiches gilt für unsere Spender
Schwäbische Bank AG, CDU Bezirksverband Südbaden,
Dr. Claudia Bechstein, Dr. Peter Bechstein, Dr. Dietrich
Birk MdL, Thomas Blenke MdL, Hartwig Bronner, Peter
Fuchtel, Alois Gerig, Klaus Herrmann MdL, Eberhard
Holm, Volker Kauder MdB, Martin Lorenz, Rita Mezger,
Ulrich Müller MdL, Paul Nemeth MdL, Günther-Martin
Pauli MdL, Werner Pfisterer MdL, Werner Raab, Lothar
Riebsamen MdB, Dr. Andreas Schwab MdEP, Dr. Hermann
Schwörer, Peter Straub MdL, Thomas Strobl MdB, Peter
Wernet, Guido Wolf MdL.
Seite 3 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Mitglieder der Projektgruppe Chronik: Thomas Wagenblast, Christina Egeler, Siegfried Lorek,
Ralf Stefan Hübner, Uwe Wiedmann
Abschließend möchten wir Reiner v. Bronewski danken,
der unter großem Zeitdruck die grafische Umsetzung der
Chronik übernommen hat. Dank für den hervorragenden
Druck gebührt des Weiteren der RöslerDruck GmbH mit
ihrem Geschäftsführer Ivo Odak.
Seite 4 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Grußwort des Landesvorsitzenden der
Jungen Union Baden-Württemberg
Steffen Bilger MdB .................................. Seite 7
Grußwort des Landesvorsitzenden der
CDU Baden-Württemberg Minister-
präsident Stefan Mappus MdL .............. Seite 9
Grußwort des Bundesvorsitzenden
der Jungen Union Deutschland
Philipp Mißfelder MdB.......................... Seite 11
Der lange Weg zum
einheitlichen Landesverband............... Seite 12
Interview mit Dr. Heiner Geißler,
Bundesminister a. D. ............................. Seite 14
Anton Pfeifer:
Die ersten Jahre des gemeinsamen
JU-Landesverbandes ............................. Seite 16
Interview mit Anton Pfeifer ................. Seite 17
Friedrich Volz:
Kritische Solidarität............................... Seite 21
Interview mit Friedrich Volz................. Seite 22
Burkhard Herzig:
Konstruktive Kritik an der CDU –
und das nicht zu knapp......................... Seite 25
Interview mit Burghard Herzig............ Seite 26
Dr. Gerd Langguth:
Das Thema „Umwelt“
gewinnt an Bedeutung ......................... Seite 32
Interview mit Dr. Gerd Langguth........ Seite 35
Zacki mit dem Seemannsbart:
Die Amtszeit Hans-Jürgen Zahorka .... Seite 39
Interview mit Hans-Jürgen Zahorka ... Seite 41
Günther H. Oettinger:
Zwischen dem „Cleverle“ und dem
„Leichtmatrosen vom Wolfgangsee“ .. Seite 45
Interview mit Günther H. Oettinger .. Seite 50
Andreas Renner:
Der Umweltpolitiker ............................. Seite 53
Aus dem Inhalt …
Seite 5 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Interview mit Andreas Renner............. Seite 55
Dr. Dirk Notheis:
Null Bock auf Ecstasy!
+ Politik in der Badehose!
x Parties and Politics
= DANKE, DIRK!...................................... Seite 58
Interview mit Dr. Dirk Notheis ........... Seite 62
Edith Grupp:
Die erste Frau an der
Spitze der JU im Land............................ Seite 66
Interview mit Edith Grupp ................... Seite 69
Wir sind der Motor:
Die JU mit Thomas Bareiß .................... Seite 73
Interview mit Thomas Bareiß............... Seite 77
Steffen Bilger:
Für Werte und Nachhaltigkeit ............. Seite 80
Interview mit Steffen Bilger................. Seite 83
Interview mit Claus-Peter Grotz:
„Bilanz und Würdigung der Jungen
Union Baden-Württemberg ................. Seite 88
Entwicklung der Mitgliederzahlen...... Seite 90
Die hg – Vier Jahrzehnte Magazin
„made by JU“ .......................................... Seite 92
Freundeskreis der
JU Baden-Württemberg........................ Seite 96
Sonderorganisationen .......................... Seite 98
Mandatsträger im JU-Alter ................ Seite 100
Die Landesgeschäftsführer
der JU Baden-Württemberg............... Seite 102
Landestage mit Themen..................... Seite 104
Impressum............................................ Seite 106
Pharmazie –
genau mein Ding.
Traumjob Apotheker: Wer nach dem Pharmaziestudium Apotheker wird,
hat einen verantwortungsvollen und sicheren Beruf. Apotheker sind DIE
Experten für Arzneimittel. Ihre Einsatzgebiete sind vielfältig: Etwa acht
von zehn Apothekern arbeiten in einer öffentlichen Apotheke.

Jetzt informieren über Studium und Job! www.studier-pharmazie.de
Nachwuchs2.indd 2 15.06.2010 18:43:18 Uhr
Seite 7 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Vielleicht sind diese gestalterischen Möglichkeiten aber
der Hauptgrund für unsere starke Stellung als mit Abstand
größte politische Jugendorganisation im Land, drittgröß-
ter Landesverband der Jungen Union und – besonders
wichtig – flächendeckend vertretener Stimme der jungen
Generation in Baden-Württemberg.
Heute ist unsere Arbeit wichtiger denn je: zwar leben wir
in Frieden und die Bedrohung des Kalten Krieges, die die
Junge Union jahrzehntelang beschäftigt hat, ist Geschich-
te. Dass jedoch in der Vergangenheit Politik zu Lasten der
jungen Generation gemacht wurde, grenzt die Spielräume
in der Zukunft massiv ein. Während die JU früher viel mehr
visionäre Ideen formulieren konnte, bei denen wir uns um
die Finanzierung zunächst weniger Gedanken machen
mussten, haben wir uns seit den 90er-Jahren immer mehr
zum Mahner entwickelt, wenn es um Generationenge-
rechtigkeit, die sozialen Sicherungssysteme und die Haus-
haltspolitik geht.
Die Entwicklungen der letzten Zeit stellen insbesondere
an unsere Generation große Aufgaben. Nur gemeinsam,
entschlossen und mit dem nötigen Idealismus können wir
die Herausforderungen der Zukunft stemmen.
Lasst uns deshalb dieses Jubiläum zum Anlass nehmen mit
Blick auf die vergangenen 40 Jahre die Junge Union auch
in den kommenden 40 Jahren jung und frisch zu erhalten
und die Zukunft zu einer vielversprechenden Zeit für uns
und unser Land werden zu lassen!
Euer
Grußwort
des Landesvorsitzenden der Jungen Union Baden-Würt-
temberg Steffen Bilger MdB
Liebe Freunde der Jungen Union Baden-Württemberg,
das 40-jährige Bestehen des JU-Landesverbandes gibt An-
lass innezuhalten und die vergangenen vier Jahrzehnte in
dieser Chronik aber auch durch verschiedene Veranstal-
tungen im Jubiläumsjahr Revue passieren zu lassen.
Nicht ohne Stolz blicken wir heute zurück auf bewegende
und bewegte, erfolgreiche und mitunter auch weniger er-
folgreiche Zeiten unserer gemeinsamen politischen Ar-
beit.
Während die Gründungszeiten Anfang der 1970er-Jahre
bestimmt waren von den Ausläufern der universitären und
gesellschaftlichen Veränderungen der 68er-Revolution, in
der junge wertebewusste Konservative manch harten
Kampf auszufechten hatten, änderten sich schon bald die
Prioritäten der politisierten Gesellschaft. Viele junge Men-
schen fanden in Zeiten kontroverser Diskussionen gerade
innerhalb der jungen Generation zur Jungen Union, wäh-
rend die besondere Herausforderung in Baden-Württem-
berg immer war, „Regierungsjugend“ zu sein. Wir werden
für alle Entscheidungen der Landesregierung in Mithaf-
tung genommen, haben die meisten aber auch mitgetra-
gen oder sogar selbst angestoßen.
Steffen Bilger
Celesio AG
Neckartalstraße 155
70376 Stuttgart
www.celesio.com
Die Gesundheit der Menschen
steht im Mittelpunkt unseres
unternehmerischen Handelns
und das seit unserer Unternehmensgründung am
1. Mai 1835 in Dresden. Bis heute leitet uns der
Anspruch unseres Gründers Franz Ludwig Gehe:
Arzneimittel sollen keine Luxusartikel, sondern für
jedermann erschwinglich sein.
2010 feiert Celesio ein stolzes Jubiläum –
sie wird 175 Jahre alt.
Heute ist Celesio eines der führenden internatio-
nalen Dienstleistungsunternehmen in den Pharma-
und Gesundheitsmärkten. Das Unternehmen ist in
26 Ländern weltweit aktiv und beschäftigt in den
drei Geschäftsbereichen rund 47.000 Mitarbeiter:
Q Patient and Consumer Solutions
Rund 2.300 eigene Präsenzapotheken
bedienen täglich über 550.000 Kunden
Q Pharmacy Solutions
Fast 140 Großhandels-Niederlassungen
beliefern Tag für Tag über 65.000 Apotheken
Q Manufacturer Solutions
Marketing, Vertrieb, Logistik und Distribution
für Pharmahersteller
Z
u
k
u
n
f
t

d
u
r
c
h

I
n
n
o
v
a
t
i
o
n
Seite 9 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Ministerpräsident
Stefan Mappus MdL
seit ihrem Bestehen immer wieder gelungen, neue The-
men in der Landespolitik zu setzen. Themen wie Umwelt-
politik, Generationengerechtigkeit und Haushalts-
konsolidierung hat die Junge Union debattiert und bear-
beitet - lange bevor sie in den Parteien des Landes und
dem Landtag angekommen sind. Für die CDU Baden-
Württemberg ist die Junge Union deshalb ein wichtiger
Partner, wenn es darum geht, die Erfolgsgeschichte unse-
res Landes weiter zu prägen.
Mein Dank gilt allen aktiven und ehemaligen Funktions-
trägern und Mitgliedern der Jungen Union im Land, in den
Bezirken und vor Ort in den Kreisen, Städten und Gemein-
den für ihr Engagement. Die CDU Baden-Württemberg
weiß, was sie an „ihrer“ Jungen Union hat und wünscht
auch für die Zukunft alles Gute. Als CDU-Landesvorsitzen-
der hoffe ich, dass viele von Euch auch in der CDU Fuß fas-
sen, politische Mandate erringen und so dazu beitragen,
dass die CDU Baden-Württemberg weiter die bestimmen-
de politische Kraft in unserem Land bleibt.
Mit freundlichen Grüßen
Grußwort
des Landesvorsitzenden der CDU Baden-Württemberg
Ministerpräsident Stefan Mappus MdL
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,
im Namen der CDU Baden-Württemberg gratuliere ich der
Jungen Union zum 40-jährigen Bestehen und wünsche ih-
ren Mitgliedern, Ehemaligen und Freunden ein gelungenes
Jubiläum.
Die Junge Union kann seit der Gründung eines einheitli-
chen Landesverbandes auf vier Jahrzehnte erfolgreicher
Arbeit zurückblicken. Viele tausend Mitglieder haben die
Junge Union nach der CDU und SPD zur größten politi-
schen Kraft im Land gemacht. Immer wieder steigende
Mitgliederzahlen dokumentieren eindrucksvoll, dass es
der Jungen Union erfolgreich gelingt, junge Menschen für
Politik zu begeistern.
Aber auch das politische Gewicht der Jungen Union ist
nicht zu unterschätzen: Der JU ist es in den Jahrzehnten
ALL THE SPACE
YOU NEED
Astrium vereint 15.000 hoch qualifizierte Mitarbeiter, die besten der Besten in ihrem Fach, begeistert von der Raumfahrt und inspiriert vom grš§ten
Abenteuer unserer Zeit: der Erschlie§ung des unerschšpflichen Potenzials des Weltraums fŸr das Wohl und den Fortschritt der Menschheit. Sicherheit
und Verteidigung, Telekommunikation und tŠgliche Dienstleistungen, Umweltschutz, Fortschritt in Wissenschaft und Technik Ð die Raumfahrt ist heute
unverzichtbar, und Astrium steht in Sachen Raumfahrttechnologie mit klangvollen Namen wie Ariane 5, Envisat, Eurostar Series, ISS oder Venus Express
an vorderster Stelle! Astrium bringt Ihnen den Weltraum nŠher.
Astrium, ein weltweit fŸhrendes Raumfahrtunternehmen.
www.astrium.eads.net
©
E
A
D
S
A
s
t
r
iu
m
, A
r
ia
n
e
s
p
a
c
e
, P
a
r
a
d
ig
m
TR€GERRAKETEN | SATELLITEN | DIENSTLEISTUNGEN
EADS ASTRIUM_AP Corpo Raumfahrt und Concret_210x297_ALL.indd 1 11/05/10 9:42:02
Seite 11 40 Jahre JU Baden-Württemberg
in der CDU zu sein. Dass dieser Kurs richtig ist, zeigen die
steigenden Mitgliedszahlen!
Für das vertrauensvolle Miteinander und die große Unter-
stützung danke ich insbesondere meinem Freund Steffen
Bilger, der als Landesvorsitzender und als stellvertreten-
der Vorsitzender der Jungen Gruppe der CDU/CSU-
Bundestagsfraktion hervorragende Arbeit leistet sowie
Ministerpräsident Stefan Mappus, der ebenfalls aus den
Reihen der JU stammt und das Land reformorientiert
regiert.
Ihr seid einer von 18 historisch gewachsenen Landesver-
bänden, die zusammen die größte politische Jugendorga-
nisation in Deutschland bilden. Diese Stärke wollen wir
gemeinsam nutzen, um unser Land auch in den kommen-
den Jahrzehnten voranzubringen – so, wie es Bundeskanz-
ler Dr. Helmut Kohl auf dem Deutschlandtag im Jahr 2004
formuliert hat: „Es ist Ihr Jahrhundert, und Sie haben es in
der Hand, es so zu gestalten, dass es ein glückliches Jahr-
hundert wird.“
Weiterhin auf gute Zusammenarbeit, beste Grüße
Grußwort
des Bundesvorsitzenden der Jungen Union Deutsch-
lands Philipp Mißfelder MdB
Liebe Freundinnen und Freunde,
lieber Steffen,
zum 40. Gründungsjubiläum der Jungen Union Baden-
Württemberg gratuliere ich allen Mitgliedern im Namen
des Bundesverbandes sehr herzlich.
Das Markenzeichen der JU Baden-Württemberg, die mit
Persönlichkeiten wie Matthias Wissmann gerade auf Bun-
desebene die Arbeit des Verbandes geprägt hat, ist es seit
vier Jahrzehnten, mit unideologischer Politik von der Kom-
munal- bis zur Landespolitik Stimme und Anwalt der jun-
gen Menschen zu sein – in der Bildungs- und der
Familienpolitik, bei der Reform der Sozialen Sicherungs-
systeme oder bei der Sanierung der öffentlichen Haushal-
te. Geleitet von den Werten des „C“, der Katholischen
Soziallehre und der Evangelischen Sozialethik hat die Jun-
ge Union den einzelnen Menschen mit seinen individuel-
len Fähigkeiten im Blick, um ihm die Möglichkeit zum
selbstbestimmten, verantwortungsbewussten Handeln zu
geben. Zugleich bleibt es der Anspruch, als Jugendorgani-
sation Motor der inhaltlichen und personellen Erneuerung
Bundesvorsitzender der
Jungen Union Deutschlands
Philipp Mißfelder MdB
1946–1953
Volksentscheid über das Land Baden-Württemberg im
ehemaligen Landesteil Baden für erforderlich. Erst wenn
das staatspolitische Problem gelöst sei, könne man einen
einheitlichen Landesverband der Partei und ihrer Jugend-
organisation bilden.
Im April 1963 lud der damals neu gewählte Landesvorsit-
zende der JU Württemberg-Hohenzollern, Dr. Heiner
Geißler, die Mitglieder der vier Landesvorstände und Lan-
desausschüsse zu einer Zusammenkunft in den „Jägerhof“
nach Seelbach in Südbaden ein. Man vereinbarte, künftig
enger zusammenzuarbeiten. Zum geschäftsführenden
Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft wurde Dr. Heiner
Geißler, als sein Vertreter der Mannheimer Landtagsab-
geordnete Willibald Kimmel gewählt.
Im November 1963 fand in Stuttgart das erste Landestref-
fen der Jungen Union Baden-Württemberg statt. Neben
einer Ansprache von Ministerpräsident Georg Kiesinger
wurde in vier Arbeitskreisen über Sozialpolitik, EWG und
Landwirtschaft, Kultur, Forschung, Wissenschaft sowie
junge Generation und Bundeswehr diskutiert. Zur Land-
tagswahl 1964 fand eine Großkundgebung in Mannheim
statt, bei der die Junge Union ein Jugendprogramm ver-
kündete. Nach der Regierungsbildung hatte die Junge Uni-
on einen unmittelbaren Draht zu den Mitgliedern der
Landesregierung: drei der vier CDU-Landesminister hat-
ten einen persönlichen Referenten, der auf Landesebene
in der Jungen Union aktiv war: Dr. Heiner Geißler (Arbeits-
ministerium), Anton Pfeiffer (Kultusministerium) sowie Dr.
Winfried Steuer (Wirtschaftsministerium).
Nach der Bundestagswahl 1965, bei der Dr. Geißler als Ab-
geordneter des Wahlkreises Tübingen in den Deutschen
Bundestag gewählt wurde, griff die Junge Union die Frage
nach einem Zusammenschluss zu einem einheitlichen Lan-
desverband wieder auf, weil das Gewicht der Baden-Würt-
Der lange Weg
zum einheitlichen
Landesverband
Bevor am 21. und 22. Februar 1970 die Junge Union
einen einheitlichen Landesverband gründete, gab es
verschiedene Vorstufen der Vereinigung, die jedoch die
Selbstständigkeit der bis dahin bestehenden vier
„Landesverbände“ in den Bezirken zunächst kaum ein-
schränkte.
Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurden in den Nach-
kriegsländern (Süd-Baden, Württemberg-Hohenzollern
und Württemberg-Baden) vier CDU-Landesverbände ge-
gründet. 1946/1947 bildeten sich in diesen Gebieten auch
vier Landesverbände der Jungen Union. Nach dem Zusam-
menschluss zum Bundesland Baden-Württemberg im Jah-
re 1952 behielten CDU und Junge Union ihre eigenen
Landesverbände bei, deren Abgrenzung sich an den jewei-
ligen Regierungsbezirken orientierte. SPD und FDP pass-
ten hingegen ihre Organisationsstruktur bereits 1952 an
die neu geschaffenen Landesgrenzen an.
Im Oktober 1958 forderte auf der Landestagung der Jun-
gen Union Nordwürttemberg in Göppingen der damalige
Landesvorsitzende Fyrnys, dass die CDU einen eigenen
gemeinsamen Landesverband Baden-Württemberg schaf-
fen solle. Die JU werde sich dann ebenfalls zusammen-
schließen. Nachdem drei Jahre später diese Forderung
erneut auf einem JU-Landestag in Nordwürttemberg er-
hoben wurde, meldete sich der südbadische JU-Landes-
vorsitzende Robert Ruder zu Wort: Er hielt zunächst einen
fi ‹
1946/1947
Gründung von
JU-Landesverbänden
in den Nachkriegsländern
1949
Gründung der NATO
und des Europarats
Verkündung des
Grundgesetzes
fi ‹
1951/1952
Volksabstimmung zur
Gründung des Landes
Zusammenschluss zum
Land Baden-Württemberg
1953
Gebhard Müller
wird erster CDU-
Ministerpräsident
Seite 12 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Der erste Landesvorsitzende:
Dr. Heiner Geißler
1958–1970
fi ‹
1958
Kurt Georg Kiesinger
wird Ministerpräsident
1966
Hans Filbinger
wird Ministerpräsident
fi ‹
1966
erste Landesdelegierten-
konferenz der
Jungen Union
21./22.02.1970
Gründung der
Jungen Union
Baden-Württemberg
temberger in Bonn viel zu gering sei. Als Zwischenlösung
schlug die Junge Union einen politischen Generalsekretär
für die CDU-Landespartei vor. Der 31-jährige neu gewähl-
te Bundestagsabgeordnete Dr. Manfred Wörner wurde für
diese Position ins Gespräch gebracht. Doch die vier CDU-
Landesvorsitzenden, die alle um ihren Posten fürchten
mussten, machten nicht mit.
Im Oktober 1966 fand in Donaueschingen die erste Lan-
desdelegiertenkonferenz der Jungen Union statt. Es wurde
eine Delegiertenkonferenz, die künftig jährlich tagen soll-
te, eingerichtet, ebenso ein „Landesvorstand“ der Jungen
Union, der aus einem Vorsitzenden, einem Stellvertreter,
den vier Landesvorsitzenden (den heutigen Bezirksver-
bänden) und fünf Beisitzern bestand. In den Medien wur-
de dieses neue Führungsgremium der Landes-JU „Elferrat“
genannt. Erstmals wurde der Vorsitzende der Jungen Uni-
on direkt von den Delegierten gewählt: Dr. Heiner Geißler,
der bereits seit 1963 die Arbeitsgemeinschaft führte, wur-
de der erste direkt gewählte Landesvorsitzende. In seinem
Vorwort zum ersten Landestreffen schrieb Dr. Geißler sei-
nerzeit: „Die Jugend erwartet von uns, dass sachliche Po-
litik geleistet wird und sie erwartet Gedanken und
Vorstellungen einer modernen und demokratischen Poli-
tik. Das ist unser Beitrag für die Demokratie, der zugleich
die Forderung in sich schließt, an alle, die dem politischen
Engagement noch fernstehen: „Die Mitarbeit der Besten
ist gerade gut genug für den politischen und demokrati-
schen Rechtsstaat“.
Beim Landestreffen am 25. November 1967 in Nürtingen
wurde für den als Staatsminister in die rheinland-
pfälzische Landesregierung berufenen Dr. Heiner Geißler
Anton Pfeifer zum neuen Vorsitzenden der Jungen Union
Baden-Württemberg gewählt.
Seite 13 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Vier Bezirke bilden den
Landesverband
1966
noch nicht erreicht, was sich heute in der europäischen Fi-
nanzkrise bitter rächt.
?
Was waren damals die Themen, die in der Jungen Union
diskutiert wurden? Was wären aus Ihrer Sicht die The-
men oder Argumente, mit denen man Jugendliche heute für
mehr politische Verantwortung begeistern könnte?
!
Junge Leute erwarten von der Jungen Union einen Bei-
trag im fundamentalen Streit um eine Humanisierung
des Globalisierungsprozesses – dem Zukunftsthema der
Jugend. Ihre Vorsitzenden präsentieren sich als Wester-
welle-Adepten (Witze auf Kosten von Behinderten und Ar-
beitslosen), zeigen sich eher als Vertreter einer etablierten
Klasse und neoliberale Verteidiger der SPD-Agenda 2010,
anstatt als Anwälte von Millionen junger Menschen auf-
zutreten, die durch das jetzige Wirtschaftssystem und die
entsprechende Politik eine unsichere Zukunft und eine
zerrissene Berufsperspektive haben.
Interview
mit Dr. Heiner Geißler,
Bundesminister a. D.
?
Was war Ihre Idee von der Jungen Union, als Sie den Lan-
desverband gegründet haben?
!
Wir verstanden uns als Avantgarde der CDU: europä-
isch, überkonfessionell, antinationalistisch, modern
mit ethischem Anspruch. Heute läuft die CDU Gefahr, ih-
ren Charakter als Volkspartei zu verlieren und seit dem
Leipziger Parteitag eine aufgeblasene FDP zu werden. Das
eigentliche Ziel, eine politische Union Europas, hat sie
fi ‹
Oktober 1966
Heiner Geißler wird der erste auf einer
Landesdelegiertenkonferenz gewählte
Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft
JU Baden-Württemberg
30.11.1966
Bundeskanzler
Ludwig Erhard reicht
seinen Rücktritt ein

01.12.1966
Die erste Große Koalition
aus CDU/CSU und SPD
beginnt unter dem
Bundeskanzler Kurt-Georg
Kiesinger ihre Arbeit
Seite 14 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Dr. Heiner Geißler (heute)
Dr. Heiner Geißler als aktiver Politiker
Dr. Heiner Geißler unterstützt die Junge Union – beim servieren
1967
fi ‹
19.04.1967
Verstarb Konrad Adenauer,
erster Bundeskanzler der
Bundesrepublik Deutschland
01.10.1967
Das erste lustige
Taschenbuch erscheint

25.11.1967
Dr. Heiner Geißler folgt seinem Ruf zum rheinland-pfälzischen
Staatsminister, Anton Pfeifer wird als sein Nachfolger gewählt
und bleibt Vorsitzender des „Elferrats“ bis zur Gründung des
Landesverbandes der Jungen Union Baden-Württemberg
!
Die Junge Union muss sich öffnen für gesellschaftliche
neue Bewegungen und kooperieren mit europäischen
und globalen Netzwerken junger Leute wie z. B. Attac, am-
nesty international, Greenpeace, Terre des Femmes und
Pax Christi. Es gibt auch in der Jungen Union eine Art Pi-
us-Brüder, die sich erregen, weil sie die Kanzlerin bei dem
offenbar konspirativen Versuch ertappen, neue Wähler für
die Partei zu gewinnen. Sie können offenbar nicht begrei-
fen, daß die sogenannten Stammwähler sich gar nicht
traurig fühlen, wenn sie nicht mehr so einsam sind. Die
CDU ist keine konservative Partei, sondern eine christlich
demokratische. Sie ist keine Tory-Partei, keine liberale
Klientelpartei, keine klerikale Partei mit christlichen Aja-
tollahs. Die Junge Union muß sich wehren gegen die Klein-
geisterei, die die CDU zu einer Variante anderer
politischer Strömungen machen will.
?
Mit Ihrem Beitritt zu Attac haben Sie den freien Kapita-
lismus angeprangert. Nach der Finanzkrise gibt man Ih-
nen heute mit der Diskussion über stärkere Kontrolle der
Finanzmärkte - auch in der CDU - Recht. Wie wird Ihrer Mei-
nung nach das Wirtschaftssystem der Zukunft aussehen?
!
Das jetzige kapitalistische Wirtschaftssystem muß er-
setzt werden durch eine internationale öko-soziale
Marktwirtschaft verbunden mit einem Global Marshall
Plan. Die Ökonomisierung der Gesellschaft und die De-
gradierung des Menschen zum Kostenfaktor sind die Tod-
sünden des Kapitalismus und eine Gefahr für eine
menschenwürdige Zukunft junger Menschen.
?
Mit Ihrer Kritik an der Globalisierung denken Sie anders
als ein Großteil der Menschen in der CDU. Auch die Jun-
ge Union Baden-Württemberg ist offen für ganz neue Wege,
beispielsweise einer schwarz-grünen Koalition auf Landesebe-
ne. Was sind Ihre Argumente dagegen, dass die CDU ihr kon-
servatives Profil verliere?
Seite 15 40 Jahre JU Baden-Württemberg
JU-Landestag. V.l.: Heiner Geißler, Ministerpräsident Erwin Teufel und der JU-Landesvorsitzende Andreas Renner
Der rheinland-pfälzische Staatsminister im Gespräch
1970–1971
Die neu eingeführte Zentrale Mitgliederverwaltung ver-
einfachte zwar die Akkreditierung und Verwaltung von
Mitgliedern enorm, verlangt bis heute aber einer detail-
reichen und korrekten Betreuung. Mit der Verpflichtung
von Charlotte Wehnert als Landessekretärin im Mai 1971
konnte die Junge Union Baden-Württemberg, die bis hier-
hin noch über keine Landesgeschäftsstelle verfügte, eine
hauptamtliche Halbtagskraft einstellen.
Auf Grund der angespannten Stimmungen in den ver-
schiedensten Gremien des Landesverbandes, kritisierte
der damalige südbadische JU-Vorsitzende Dr. Wolfgang
Schäuble in einem ausführlichen Beitrag das interne zer-
rüttete Verhältnis.
Er prangerte an, dass nicht mal im Landesvorstand eine
vertrauensvolle und offene Debattenführung möglich sei.
Eine Stärkung des Landesverbands sei dringend erforder-
lich.
Ein folgeschwerer und weit in die Zukunft reichender Be-
schluss wurde am 10. Juli 1971 auf einer Landesausschuss-
sitzung in Pforzheim nach langer Diskussion gefasst. Den
CDU-Bundesparteitagsdelegierten wurde empfohlen, den
rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und späteren
langjährigen Bundeskanzler Helmut Kohl anstelle von Rai-
ner Barzel zum CDU-Bundesvorsitzenden zu wählen.
Anton Pfeifer: Die ersten
Jahre des gemeinsamen
JU-Landesverbandes
Mit dem 1. Landestag am 21. und 22. Februar 1970 grün-
dete sich in Karlsruhe der einheitliche Landesverband
der Jungen Union Baden-Württemberg. Nach einigen
juristischen Fragestellungen verabschiedet der Landes-
tag um kurz vor Mitternacht die Satzung des frisch
gegründeten Landesverbandes.
Der neue Landesverband gliederte sich in vier Bezirksver-
bände, 71 Kreisverbände und 256 Ortverbände - die Mit-
gliederzahl belief sich auf ca. 10.500 Mitglieder.
Der damalige Vorsitzende des Landesverbandes der Jun-
gen Union Württemberg-Hohenzollern, Anton Pfeifer,
wurde mit breiter Mehrheit als Vorsitzender des JU-
Landesverbandes gewählt und ist somit der erste Landes-
vorsitzende des vereinten Landesverbandes der Jungen
Union Baden-Württemberg.
Die Ostpolitik der Bundesrepublik war einer der inhaltli-
chen Schwerpunkte des einheitlichen Landesverbandes im
politisch geprägten Jahr 1970.
Im Vorfeld der anstehenden Landtagswahlen stand am
17. und 18. April 1971 in Überlingen ein umfangreiches
landespolitisches Programm zur Diskussion und Abstim-
mung. Als umfangreiches Ergebnis konnte das „Überlinger
Programm“ mit bildungspolitischen Schwerpunkten ma-
nifestiert und verabschiedet werden.

14.05.1970
Gründung der
Roten Armee Fraktion

07.12.1970
Bundeskanzler
Willy Brandts Kniefall
von Warschau
Seite 16 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Anton Pfeifer
1971–1972

10.04.1970
Trennung der Beatles

07.02.1971
Die Schweiz führt das
Frauenwahlrecht ein
den der noch vier selbständigen Landesverbände den Zu-
sammenschluss der Jungen Union zu einem Landesver-
band, Baden-Württemberg, untergliedert in vier Bezirks-
verbände, in Angriff genommen und ohne Schwierigkeiten
binnen eines Jahres zum Abschluss gebracht.
Schwierigkeiten gab es auf diesem Weg in der Jungen Union
nicht. Sie gab es allenfalls da und dort in der CDU, denn je-
der der vier selbständigen Landesverbände der CDU hatte
plötzlich nicht mehr einen Landesverband, sondern einen
Bezirksverband der Jungen Union als Partner, und wir ließen
keinen Zweifel daran, dass wir als nächsten Schritt mit aller
Macht die Bildung eines gemeinsamen CDU-Landesverban-
des in Baden-Württemberg anstreben wollten. Das passte
manchem nicht, der in den Vorständen der vier selbständi-
gen CDU-Landesverbände seine Machtposition sah. Das
ging bis zu dem Argument, vier CDU-Landesverbände in Ba-
den-Württemberg seien schlagkräftiger als nur einer.
Dabei waren die vier Landesverbände der CDU längst rei-
ner Anachronismus.
Der Einfluss der vier getrennten Landesverbände auf die
Politik der CDU in Baden-Württemberg war nicht allzu
groß. Die vier Landesverbände fassten immer wieder Be-
schlüsse mit unterschiedlichen und manchmal auch einan-
der widersprechenden Positionen. Die Folge war: Es gab
kein geschlossenes Bild der CDU in Baden-Württemberg.
Wenn es gelegentlich vor Landtags- oder Bundestagswah-
len zu gemeinsamen Parteitagen kam, so wurden diese als
„Heerschau“ angesehen, denn Beschlusskompetenzen gab
es keine und keiner dieser Landesparteitage hat jemals ei-
ne kontroverse politische Frage entschieden. Die Folge
war, dass ausschließlich die CDU-Landtagsfraktion die
Landespolitik formulierte, und dies entsprach absolut
nicht unserem Verständnis von politischer Willensbildung
in der CDU.
Interview
mit Anton Pfeifer
?
1970 haben sich die vier selbständigen baden-württem-
bergischen JU-Landesverbände zum einheitlichen Lan-
desverband zusammengeschlossen. Welche Probleme gab es
dabei?
!
Der Zusammenschluss der vier Landesverbände der JU
erfolgte in zwei Schritten.
Zunächst bildeten die vier Landesverbände einen Landes-
zentralverband. Dieser bewirkte, dass die Junge Union in
den vier selbständigen Landesverbänden der CDU koor-
diniert und mit wachsender Durchschlagskraft Einfluss auf
die Politik der CDU nehmen konnte.
Außerdem trat die Junge Union gegenüber der CDU-
Landtagsfraktion, der Landesregierung und der Öffent-
lichkeit nicht mit vier Stimmen, sondern mit einer vom ge-
meinsamen Landesvorstand legitimierten Stimme auf, was
den politischen Stellungnahmen der Jungen Union we-
sentlich mehr Gewicht gab und vor allem das Profil der
Jungen Union in der jungen Generation wesentlich ver-
besserte.
Damals entstand die APO. Es entwickelte sich eine völlig
neue Art des Jugendprotestes und der Studentendemons-
trationen. Da der Zusammenschluss zum Landeszentral-
verband also ausschließlich Vorteile brachte, war es nur
logisch, alsbald den zweiten Schritt zu tun: Ich habe sofort
nach meiner Wahl zum Vorsitzenden des Landeszentral-
verbandes der Jungen Union zusammen mit den Vorstän-
Seite 17 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1971
allem für die Älteren in der CDU nicht verständlich, dass
junge Menschen nicht verstehen wollten, dass unser
Grundgesetz, dass die freiheitliche demokratische Grund-
ordnung (im Sprachgebrauch der APO als „F.D.G.O.“) be-
zeichnet), dass die Bindung an den Westen von vielen
jungen Menschen so radikal in Frage gestellt, ja teilweise
verlacht und verspottet wurden. Nicht wenige in der Uni-
on wollten nicht einsehen, dass man jede Generation von
Neuem für die Grundentscheidung unserer Verfassung,
für die in den 50er Jahren getroffenen politischen Grund-
entscheidungen durch geduldiges, verständliches Ge-
spräch neu gewinnen muss. Sie meinten, das Heil in
hartem reagieren suchen zu müssen, beispielsweise einem
scharfen Ordnungsrecht an den Hochschulen und sie sa-
hen gar nicht, dass sich gerade dadurch erst recht viele
junge Menschen mit der APO solidarisierten.
Ich war damals persönlicher Referent des Kultusministers
von Baden-Württemberg, Prof. Dr. Hahn, und ich habe
mich als Landesvorsitzender der Jungen Union entspre-
chend den Beschlüssen des Landesvorstandes gegen das
von der Landesregierung geforderte neue Ordnungsrecht
an den Hochschulen ausgesprochen und stattdessen mehr
Dialog mit der jungen Generation verlangt. Dies war zu-
gegeben ärgerlich für die Landesregierung, aber die Folge
war, dass es ernsthaft Leute gab, die meinten, man müsse
nun ein Disziplinarverfahren gegen mich einleiten. Prof.
Hahn hat dies allerdings kategorisch abgelehnt, ich weiß
nicht, was sich sonst daraus ergeben hätte, aber das Bei-
spiel zeigt, wie in der Union damals gedacht wurde.
Ein anderes Problem waren die wachsenden Stimmenge-
winne der NPD, die damals in Baden-Württemberg bei der
Landtagswahl fast 10% der Stimmen erhielt und trium-
phierend erklärte, sie werde jetzt – 1969 – auch in den
Bundestag einziehen.
Die Junge Union wurde dann auch ein entscheidender Mo-
tor für den Zusammenschluss der CDU zu einem Landes-
verband.
?
Heute werden viele Entscheidungen in einer „Nachsit-
zung“ getroffen. War das auch schon zu Ihrer Zeit als
Landesvorsitzender so? Welches Erlebnis fällt Ihnen dabei
ein?
!
Natürlich waren auch früher „Nachsitzungen“ von gro-
ßer Bedeutung, vor allem, wenn unsere Vorstands- und
Landesausschusssitzungen über zwei Tage dauerten und
der Abend sich oft bis in den Morgen ausdehnte. Aber für
wichtige Entscheidungen nahmen wir uns immer ausrei-
chend Zeit für Diskussion in den Gremien. Für die Kon-
sensbildung und für das gemeinsame Vertreten unserer
Beschlüsse nach außen war dies notwendig.
?
In Ihrer Amtszeit als JU Landesvorsitzender gab es in Ba-
den-Württemberg noch eine Große Koalition. Wie war
damals des Verhältnis CDU - JU? Hatte es die JU wegen der
Koalitionsregierung schwerer Einfluss auf die Landespolitik
zu nehmen?
!
Wie schon gesagt, waren Jugend- und Studentenpro-
teste am Ende der 60er Jahre und der damit einherge-
hende Wandel im Wertebewusstsein vor allem in der
jungen Generation einer der zentralen politischen Fragen,
mit denen sich die Junge Union damals auseinanderzuset-
zen hatte. Leider hat die CDU sich in weiten Bereichen die-
se Auseinandersetzung nicht zu eigen gemacht. In der
Jungen Union sahen wir es deshalb als unsere wichtigste
Aufgabe an, überhaupt einmal in der CDU das Denken und
die Positionen der jungen Menschen von damals verständ-
licher zu machen. Aufgrund der eigen Lebenserfahrung
aus der Zeit des Endes der Weimarer Republik der Zeit zwi-
schen 1933 und 1945 und der Nachkriegszeit war es vor

03.05.1971
Walter Ulbricht tritt als Erster Sekretär
des Zentralkomitees der SED zurück –
Erich Honecker word sein Nachfolger
Seite 18 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1971

01.09.1971
Das BAFöG wird
eingeführt

04.12.1971
McDonalds eröffnet
in München seine
erste deutsche Filiale
?
Wie beurteilen Sie heute die Arbeit der JU in Baden-
Württemberg?
!
Als das Wichtigste sehe ich, dass die Junge Union im-
mer wieder Denkanstösse, auch unkonventionelle,
nicht stromlinienförmige Denkanstösse in die Politik hi-
neinträgt. Sie sollte sich dabei auch nicht durch ärgerliche
oder verärgerte Reaktionen aus der CDU abschrecken las-
sen. Nur eines sollte vermieden werden: unreflektiertes,
eiferndes und populistisches Nachreden von dem, was an
den Stammtischen geredet wird oder vermutlich dem
Zeitgeist oder dem Denken angeblicher Mehrheiten ent-
spricht.
Für die Politik sollte die Richtschnur sein, dass die Junge
Union nur Positionen vertritt, die sie gut begründen und
mit durchdachten und nicht emotional entwickelten Ar-
gumenten untermauern kann. Und selbstverständlich soll-
ten sie in einer Weise entwickelt und vorgetragen werden,
dass am Ende unsere gemeinsamen Ziele davon keinen
Schaden nehmen, sondern wir alle dadurch gewinnen.
Wir haben damals in der Jungen Union große Versamm-
lungswellen gegen die NPD in Gang gesetzt. Dies mit aus-
drücklicher Unterstützung der CDU. Aber als die NPD
dann bei den Bundestagswahlen unter 5% blieb, gab es
auch Stimmen, die meinten, die CDU wäre in Bonn nicht
aus der Regierung geflogen, wenn die NPD in den Bundes-
tag eingezogen wäre. Dass dies staatspolitisch verheeren-
de Folgen gehabt hätte, musste dem einen oder anderen
Parteitaktiker erst mal verständlich gemacht werden.
In der Landespolitik hatten wir in der Jungen Union künf-
tig heftige Auseinadersetzungen mit der CDU. Beispiels-
weise wollten wir erreichen, dass die CDU 1968 in der
großen Koalition der SPD das Finanzministerium belässt
und das Arbeits- und Sozialministerium mit seinen sozial-
und gesellschaftspolitischen Kompetenzen die CDU be-
hält. Robert Gleichauf sollte nach unseren Vorstellungen
Arbeits- und Sozialminister werden. Damit setzten wir uns
nicht durch. Es gab andere Bereiche, in denen wir mehr er-
reichten:
Wir traten für die verfasste Studentenschaft ein und da-
mals blieb sie im Hochschulgesetz verankert. Wir unter-
stützten die Schulpolitik des Kultusministers, durch
dessen Schulentwicklungspläne sich die Bildungschancen
der Kinder in unserem Land wesentlich verbesserten, die-
se Schulpolitik wurde aus der CDU teilweise heftig be-
kämpft. Und wir lösten mit dem sog. „Überlinger
Programm der Jungen Union von Baden-Württemberg“
zum Teil heftige Diskussionen in der CDU auch über Poli-
tikbereiche aus, über die bis dato in der CDU wenig disku-
tiert wurde, beispielsweise über die Förderung von Kunst
und Literatur, auch wenn sie kritisch zu der von der CDU
vertretenen Politik stand. Gerade durch dieses Programm
haben wir auch in der CDU manches bewegt.
Seite 19 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Seite 20 40 Jahre JU Baden-Württemberg
LANDESVORSTANDSMITGLIEDER
IN DER AMTSZEIT VON ANTON PFEIFER
Landesvorsitzender Anton Pfeifer 1970-1972
stellv. Landesvorsitzender Friedrich Volz 1970-1972
Finanzreferent Erich Hoffmann 1970-1972
Pressereferent N.N.
Schriftführer Josef Müller 1970-1973
Beisitzer Meinhard Ade 1970-1972
Siegfried Schiele 1970-1971
Jörg Rauscher 1970-1973
Karl-Heinz Niedermeyer 1970-1972
Dr. Joachim B. Schultis 1970-1973
Bühler 1970-1972
Schrode 1970-1972
Häckel 1970-1972
Bezirksvorsitzende
Nordbaden Karl Weber 1970-1971
Willi Merkel 1971-1973
Bezirksvorsitzende
Nordwürttemberg Siegbert Alber 1970-1971
Klaus Fischer 1971-1974
Bezirksvorsitzender
Südbaden Dr. Wolfgang Schäuble 1970-1973
Bezirksvorsitzender
Württ.-Hohenzollern Dietmar Schlee 1970-1973
Landesekretärin Charlotte Wehnert 1971-1973
Über 100 mitreißende Attraktionen und spektakuläre Shows
in 13 europäischen Themenbereichen versprechen Faszination
pur! Bauchkribbeln zu jeder Jahreszeit: aufwendige Deko-
rationen, unterschiedlichste Themenfeste, hippe Partys und
zah lreiche Überraschungen! Das traumhafte Finale eines unver-
gesslichen Abenteuers ist eine Übernachtung in einem der vier
4-Sterne Erlebnishotels*, im Camp Resort* mit Tipis, Planwagen
und romantischen Blockhütten oder ganz entspannt im eigenen
Caravan.
*buchbar über Ihr Reisebüro oder direkt über das Europa-Park Resort
Unvergessliche Momente
35 Jahre – grenzenlos, begeisternd, atemberaubend
Deutschlands größter Freizeitpark
Info-Line 0 18 05/77 66 88** · www.europapark.de · Autobahn A5 Karlsruhe - Basel · Ausfahrt 57b Europa-Park · Öffnungszeitraum: täglich bis 7. November 2010
von 9.00 bis 18.00 Uhr (längere Öffnungszeiten während der Hauptsaison) und vom 27. November 2010 bis 9. Januar 2011 (außer 24./25. Dezember 2010)
**14 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk max. 42 Cent/Min.
EP10_AI_085_Chronik_Junge_Union_MBF.indd 1 31.05.10 12:11
1972
fi ‹
15./16.01.1972
Friedrich Volz wird
JU-Landesvorsitzender
beim Landestag
in Heilbronn
27.04.1972
Ein konstruktives
Misstrauensvotum
gegen Kanzler Willi Brandt
schlägt fehl
fi ‹
05.09.1972
Geiselnahme von israeli-
schen Sportlern durch
Palästinenser bei den
olympischen Sommer-
spielen in München
19.11.1972
Die SPD gewinnt unter
Willi Brandt die
Bundestagswahl
Ferner wurde gefordert, nach der Landtagswahl ein Um-
weltministerium einzurichten, den Regionalverbänden
Umweltbeauftragte zuzuordnen sowie Kindern vom 3. Le-
bensjahr an den Besuch von Kindergärten zu ermöglichen.
Nach einem engagierten Wahlkampf, bei dem unter ande-
rem über 80 Politpartys durchgeführt wurden, gelang es
der JU mit Dr. Renate Hellwig, Dietmar Schlee, Lothar
Späth und Erwin Teufel insgesamt 4 Mitglieder in den
Landtag zu wählen. Das gab auch Rückenwind für zahlrei-
che Forderungen an die neue Landtagsfraktion. So sollte
Erwin Teufel ein Ministeramt anvertraut werden. Der Frak-
tionsvorsitzende Erich Ganzenmüller sollte durch Lothar
Späth abgelöst, Norbert Schneider zum neuen Fraktions-
geschäftsführer ernannt und der Parteivorsitz vom Minis-
terpräsidentenamt per Satzung getrennt werden. Teile
dieses umfassenden Personalpakets konnten in die Tat
umgesetzt werden, andere nicht. So unterlag der damalige
Bürgermeister von Spaichingen Erwin Teufel bei der Wahl
in der Landtagsfraktion für das Sozialministerium Anne-
marie Griesinger, wurde dann aber zum politischen Staats-
sekretär im Innenministerium ernannt.
Wichtige Veränderungen brachte der Jahreswechsel
1972/73 mit sich. Die JU berief den ersten hauptamtlichen
Landesgeschäftsführer: Elmar Müller aus Nürtingen. Zu-
dem gab es aufgrund der Kreisreform in Baden-Württem-
berg nun nur noch 42 statt 72 Kreisverbände.
Für eine große Überraschung sorgte dann die Erklärung
von Friedrich Volz nicht wieder als Landesvorsitzender zu
kandidieren. Als Gründe nannte er insbesondere Versuche
des Staatsministeriums, ihn wegen seines politischen En-
gagements beruflich zu reglementieren. Seine berufliche
Tätigkeit und die kritische Distanz zur CDU in seinem Amt
als JU-Landesvorsitzender hatten Interessenskonflikte
entstehen lassen.
Friedrich Volz:
Kritische Solidarität
Mit Friedrich Volz übernahm ein Politprofi 1972 die Füh-
rung der Jungen Union im Land. Seine nur anderthalb-
jährige Amtszeit war geprägt von der Etablierung eines
Verhältnisses der kritischen Solidarität zur CDU.
Es war der Landestag im Januar 1972 in Heilbronn, als
Friedrich Volz das Amt des Landesvorsitzenden von Anton
Pfeifer übernahm. Der 27-jährige Pressesprecher des da-
maligen Finanzministers Robert Gleichauf aus Rottweil
setzte bereits bei seiner Vorstellungsrede Schwerpunkte,
indem er den Begriff der „kritischen Solidarität im Verhält-
nis zur CDU“ prägte. Dahinter stand die Absicht, die Junge
Union noch stärker als Vertreter der Interessen der jungen
Generation zu etablieren und nicht mehr nur als Publika-
tionsinstrument für Programme und Entscheidungen der
CDU zu verstehen. Dabei setzten die Delegierten auch auf
inhaltlichen Zündstoff und beschlossen beispielsweise die
zu jener Zeit heftig diskutierten Themen Bildungs- und
Ostpolitik zu wesentlichen Kernpunkten des bevorstehen-
den Wahlkampfs zu machen.
Erwin Teufel, der als Vertreter der Jungen Union in die Füh-
rungsmannschaft von Ministerpräsident Filbinger berufen
wurde, stellte den Delegierten die Grundzüge der Politik
der CDU in den nächsten Jahren vor. An allgemeinen An-
trägen beschloss der Landestag unter anderem die Einfüh-
rung eines schulfreien Samstags im Monat und das aktive
und passive Kommunalwahlrecht für Angehörige aus Mit-
gliedsstaaten der damaligen Europäischen Gemeinschaft.
Seite 21 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Friedrich Volz
Interview mit
Friedrich Volz
Der frühere Landesvorsitzende Friedrich Volz hat kurz
vor seinem plötzlichen Tod 1988 ein Interview für die
Festschrift der JU Nordwürttemberg gegeben. Dieses
Interview ist nachfolgend abgedruckt:
?
Sie waren 1972 der erste Nordwürttemberger, der zum
Landesvorsitzenden der JU Baden-Württemberg gewählt
wurde. Wie sind Sie dazu gekommen, sich auf einer höheren
Ebene zu engagieren?
!
Ich hatte 1965 mit dem Landesverband Nordwürttem-
berg ersten Kontakt, als es auf dem Landestag um die
Nachfolge von Theo Wengler ging. Die Auseinanderset-
Auf die Frage welche Empfehlungen er der zukünftigen JU
mit auf den Weg geben möchte, antwortete er einmal:
„Erstens muss sie den Mut haben, auch unpopuläre The-
men anzufassen und mehr Kontinuität in ihren inhaltli-
chen Aussagen schaffen. Zweitens muss die JU immer
bemüht sein, ihre Doppelrolle auszufüllen: Zum einen
Sprachrohr der jungen Generation in der CDU zu sein und
zum anderen auch als Sprachrohr der CDU gegenüber der
jungen Generation aufzutreten.“ Der spätere Bezirksge-
schäftsführer der CDU Nordwürttemberg und Landtags-
abgeordnete für Nürtingen verstarb plötzlich im frühen
Alter von nur 44 Jahren im Jahre 1988.
Seite 22 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Wir wachsen mit
erneuerbaren Energien
Die Energiefragen der Zukunft stellen uns vor große Herausforderungen - die wir gerne
annehmen. Die EnBW plant, in den nächsten Jahren insgesamt rund drei Milliarden Euro in
den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu investieren. Aktuell baut die EnBW mit Baltic I den
ersten kommerziellen Windpark in der deutschen Ostsee. Drei weitere Offshore-Projekte sol-
len folgen. Darüber hinaus hat die EnBW im letzten Jahr ihre Stromerzeugung mit Onshore-
Windparks deutlich ausgebaut, in den Bau von Photovoltaik- und Biogasanlagen investiert
und unter anderem mit dem Neubau des Wasserkraftwerks in Rheinfelden und dem Ausbau
des Wasserkraftwerks in Iffezheim Zeichen gesetzt.
www.enbw.com
Anz 210x10,5 JU BW.indd 1 01.06.10 10:58
1973
fi ‹
01.01.1973
Die JU BW hatte mit
Elmar Müller einen
hauptamtlichen
Geschäftsführer
01.01.1973
In Baden-Württemberg
trat die Kreisreform
in Kraft
fi ‹
01.01.1973
Großbritannien, Dänemark
und Irland werden
Mitglieder der EG
12./13.05.1973
Burkhard Herzig folgt
Friedrich Volz als
JU-Landesvorsitzender
Seite 23 40 Jahre JU Baden-Württemberg
?
Die JU hatte wohl Ende der sechziger Jahre stark um ihre
Verankerung unter den jungen Leuten zu kämpfen. Wie
erklären Sie sich, dass es zu dieser Bewegung kam?
!
Die Studentenunruhen sind nicht durch Hochschul-
missstände entstanden, sondern hauptsächlich durch
die großen Machtblöcke von CDU und SPD, die in Bonn
und Baden-Württemberg zusammen regierten. Der einzel-
ne hatte den Eindruck, dass er in dieser Gesellschaft nichts
bewegen könne und ihr hoffnungslos ausgeliefert sei, an-
gesichts einer Koalition die 80 bis 90% der Wählerstim-
men hinter sich hatte.
Wir haben uns dann auch sehr stark dafür eingesetzt, dass
es nicht mehr eine Verhandlungskommission war, die da-
rüber entscheidet, ob und wenn ja, welche Koalition ein-
gegangen wird, sondern die gewählten Gremien der
Partei. Wenn eine Koalitionsfrage entschieden werden
muss, dann ist dies ein Musterbeispiel dafür, dass hier an
erster Stelle die Partei gefragt ist.
?
Welche Empfehlungen würden Sie heute der JU auf den
Weg geben?
!
Erstens muss sie den Mut haben, auch unpopuläre The-
men anzufassen und mehr Kontinuität in ihren inhalt-
lichen Aussagen wahren. Zweitens muss die JU immer
bemüht sein, ihre Doppelrolle auszufüllen: Zum einen
Sprachrohr der jungen Generation in der CDU zu sein und
zum anderen auch als Sprachrohr der CDU gegenüber der
jungen Generation aufzutreten.
zung zwischen Wilfried Steuer und Eugen Volz wurde nicht
gerade mit sauberen Mitteln ausgetragen. Das hat mich
ziemlich gestört. Später gingen wir aber sehr solidarisch
miteinander um. Das lag vielleicht daran, dass man auf den
Seminaren in Welzheim – neben guten Informationen –
auch intensive persönliche Kontakte knüpfen konnte.
?
Sie haben die Junge Union auch sehr lange im RpJ (Ring
politischer Jugend) vertreten. In dieser unruhigen Zeit
Ende der sechziger Jahre sind die Gemeinsamkeiten zwischen
den politischen Jugendorganisationen zusehends ge-
schrumpft. Welche Diskussion führte man im RpJ?
!
Es war unübersehbar, dass sich die Basis der Gemein-
samkeiten verkleinert hatte, was letztlich auch 1968
zur Einstellung der Zeitung „Der gemeinsame Weg“ ge-
führt hat. In einem Punkt war man sich jedoch damals ei-
nig: Als die NPD in den Landtag einzog, war es nur noch
eine Frage der Zeit, bis sich deren Jugendorganisation um
Aufnahme in den RpJ – und damit Zugang zu weiteren
Geldquellen – bemühen sollte. Wir haben dann sehr
schnell die RpJ-Satzung geändert und auf meine Initiative
ein Quorum eingeführt.
?
Die Frage der Abgrenzung zur NPD war also kein Thema
mit unterschiedlichen Auffassungen in der JU?
!
Nein, wir haben sehr solidarisch einen Kurs der schar-
fen Abgrenzung zur NPD, zum Radikalismus insgesamt
gefahren. Da gab es in der JU keine Diskussion. Wenn sich
die CDU der NPD angenähert hätte, dann wäre die Union
heute keine Volkspartei mehr. Deshalb habe ich mich lei-
denschaftlich für eine Ausgrenzung der NPD eingesetzt.
Seite 24 40 Jahre JU Baden-Württemberg
LANDESVORSTANDSMITGLIEDER
IN DER AMTSZEIT VON FRIEDRICH VOLZ
Landesvorsitzender Friedrich Volz 1972 – 1973
stellv. Landesvorsitzender Meinhard Ade 1972 – 1973
Finanzreferent Norbert King 1972 – 1973
Schriftführer Josef Müller 1972 – 1973
Beisitzer Jörg Rauscher 1972 – 1973
Dr. Joachim B. Schultis 1972 – 1973
Burkhard Herzig 1972 – 1973
Wilfried Baur 1972 – 1973
Roland Schiedner 1972 – 1973
Suse Hildebrandt 1972 – 1973
Herman Riehl 1972 – 1973
Heinrich Wörner 1972 – 1973
Bezirksvorsitzender
Nordbaden Willi Merkel 1972 – 1973
Bezirksvorsitzender
Nordwürttemberg Klaus Fischer 1972 – 1973
Bezirksvorsitzender
Südbaden Dr. Wolfgang Schäuble 1972 – 1973
Bezirksvorsitzender
Württ.-Hohenzollern Dietmar Schlee 1972 – 1973
Landessekretärin Charlotte Wehnert 1972
Landesgeschäftsführer Elmar Müller 1973
MARKETING
BRAUCHT
TARGETING
www.schober.de
Das Schober Targeting System umfasst alle Aspekte
eines individuellen Multi-Channel-Dialogmarketings:
Unser systematisches Informationsmanagement schafft
Effizienz-Gewinne in der Neukundengewinnung,
im Verkauf, in der Markenbildung und Markenbindung.
Targeting-Strategien für Ihr Business.
Wir beraten Sie gerne telefonisch unter 07156 304 - 560.
Das Schober
Targeting System
AZ_MBT_210x105_JU.indd 1 31.05.2010 13:17:59 Uhr
1973

12./13.05.1973
Landestag der Jungen Union
Baden-Württemberg
in Ehingen

1973
In Baden-Württemberg tritt die Kreisreform in Kraft:
Die Zahl der Landkreise wird von 63 auf 35 reduziert;
die neun Stadtkreise bleiben erhalten
den Franz-Josef Strauß ausgesprochene Einladung zum
kommenden Landesparteitag in Reutlingen wieder rück-
gängig zu machen sei. Strauß sei mitnichten der geeignete
Mann, vor der CDU über die gewiss notwendige geistige
Erneuerung der Partei zu sprechen. Als politisch-inhaltli-
ches Papier wurde das aus dem Jahre 1971 stammende
„Überlinger Programm“ zu den Themen Bildung, Boden-
recht, Mitbestimmung und ausländische Arbeitnehmer er-
gänzt, fortgeschrieben und mehrheitlich beschlossen.
Am Anfang des Jahres 1973 wurde vom JU-Landesvor-
stand eine konzeptionelle Ausfertigung für Jugendfreizeit-
stätten im Land vorgestellt. Um dem Engagement der
Schülerinnen und Schüler in der JU breiteren Raum und
Möglichkeit zu schaffen, wurde ein Landesverband der
Schüler Union Baden-Württemberg gegründet. Für einen
jung-politischen Erfolg sorgte der JU’ler Erwin Teufel im
Mai 1973 auf dem CDU-Bezirkstag in Südbaden, als es ihm
gelang, gegen den damaligen Bundestagsabgeordneten
Heinz Eyrich die Wahl zum Bezirksvorsitzenden eindrucks-
voll zu gewinnen.
Die Geschichte der Jungen Union war aber nicht nur von
Erfolg gekrönt. Auf dem Landesparteitag der CDU im Ok-
tober des Jahres 1973 in Sindelfingen, scheiterte das ge-
meinsame Antragsprojekt von CDA und Junger Union
bezüglich paritätischer Mitbestimmung nur knapp am Vo-
tum der Delegierten.
Die Bildungsfrage wurde auch schon in den 70er Jahren
mehrfach diskutiert. Ein Bildungsarbeitskreis der Jungen
Am 12. und 13. Mai 1973 gastierte der Landestag der Junge
Union Baden-Württemberg im schönen Ehingen bei Ulm.
Bei den Neuwahlen des Landesvorstandes wurde Burkhard
Herzig aus Bühlertal zum neuen Landesvorsitzenden der
Jungen Union gewählt. Inhaltlicher Schwerpunkt seiner An-
trittsrede war, die von seinem Vorgänger Friedrich Volz ein-
geschlagene kritische Haltung gegenüber der
Mutterpartei, die Herzig beibehalten wollte. Ein weiterer
Höhepunkt der zweitätigen Tagung war die klare Auffor-
derung an Ministerpräsident Filbinger, beim nächsten
CDU-Landesparteitag nicht mehr für das Amt des CDU-
Landesvorsitzenden zu kandidieren. Dies sollte zur größe-
ren Mobilität der Parteiarbeit beitragen. Ebenso wurde
beschlossen, dass die an den bayerischen CSU-Vorsitzen-
Seite 25 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Burkhard Herzig: Konstruktive Kritik
an der CDU – und das nicht zu knapp
Deutsch-polnisches Seminar im Frühjahr 1974 in Bühlertal.
3. v. l.: Burkhard Herzig, 3. v. r.: Friedrich Ganter
1973
fi ‹
12.06.1973
Helmut Kohl wird
zum Vorsitzenden
der CDU gewählt
18.09.1973
Die Bundesrepublik Deutschland und
die Deutsche Demokratische Republik
werden per Akklamation als 133. und 134. Mitglied
in die Vereinten Nationen aufgenommen
Seite 26 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Interview mit
Burkhard Herzig
?
Herr Herzig, Ihre zweijährige Amtszeit als JU-Landesvor-
sitzender liegt nun 35 Jahre zurück. Wie geht es Ihnen
heute? Inwieweit beschäftigen Sie sich noch mit Politik?
!
Wenn man das 70. Lebensjahr erreicht hat, muss man
zufrieden sein, wenn man nicht mit schwerwiegenden
Krankheiten belastet ist. Und deswegen geht es mir per-
sönlich gut. Politik ist und bleibt mein Interessensschwer-
punkt. Jedoch endete bereits 1984 aus eigenem Entschluss
meine aktive politische Zeit. Bis dorthin war sie ausgefüllt
mit der Arbeit als Gemeinderat (16 Jahre), Kreistagsmit-
glied (6 Jahre) und einer 5-jährigen Stellvertretung des
Bürgermeisters in Bühlertal. Fortan galt mein Engagement
der beruflichen Arbeit als Rektor zunächst an der Grund-,
Haupt- und Realschule Iffezheim (1978-1983) und an-
schließend als Rektor der Realschule Sinzheim bei Baden-
Baden bis zur Pensionierung 2004. In dieser Zeit habe ich
mich bis heute punktuell – insbesondere im Bildungsbe-
reich – bei CDU-Gremien mit meiner Meinung einge-
mischt, aber kein Amt mehr übernommen.
?
Als damals neuer Landesvorsitzender erklärten Sie 1973
den von Friedrich Volz eingeschlagen Weg der „kritischen
Distanz“ gegenüber der CDU fortzusetzen. Was waren die
Hintergründe zu dieser Aussage? Wie waren die Beziehungen
JU – CDU in dieser Zeit?
!
Der Begriff der „kritischen Distanz“ als Beschreibung
des Verhältnisses zur CDU wurde von Friedrich Volz
geprägt. Dieses Verständnis des Binnenverhältnisses zur
CDU wurde von mir zunächst fortgesetzt, entwickelte sich
Union brachte 1974 einen eigenen Gesetzesentwurf zur
Schulverwaltung ein. Dieser und noch einige andere JU-
Gesetzesentwürfe wurden später von der CDU-Landtags-
fraktion übernommen.
Die anstehenden Kommunalwahlen prägten den Landes-
tag im Mai 1974 in Freiburg. Vordergründig standen
kommunalpolitische Themen und Thesen im Fokus der Be-
ratungen. So sollten beispielsweise Bürgerinitiativen mehr
Gewicht bei ihrer kommunalen Tätigkeit haben. Die Vor-
bereitungen und Strategien fanden ihre Wirkung: Bei den
Kommunalwahlen 1975 wurden insgesamt 328 JU-Mitglie-
der aus dem ganzen Land als Stadt-
bzw. Gemeinderäte und zusätzlich 132
Mitglieder in die Ortschaftsräte ge-
wählt – ein großer Erfolg für den Lan-
desverband Baden-Württemberg.
Am 1. April 1975 folgte Martin Schlind-
wein Elmar Müller im Amt des Landes-
geschäftsführers und brachte, ver-
bunden mit einer Renovierung, neuen
Wind in die Räume der Landesge-
schäftsstelle.
Das Wochenende des 24. und 25. Mai
1975 sollte im Rahmen eines Landesta-
ges und der Nachfolgerfrage für den,
aus Altersgründen scheidenden Vorsit-
zenden Burkhard Herzig die kritische
Distanz zur Mutterpartei in Baden-
Württemberg nachhaltig verändern.
Die Übereinkunft, Hand in Hand die
Probleme und Zukunftsfragen des Lan-
des anzupacken, verlieh dem Verhältnis
zwischen CDU und JU eine neue Grund-
lage.
Landesvorsitzender Burkhard Herzig bei einer Veranstaltung
1974

06.05.1974
Willy Brandt tritt als
Konsequenz aus der
Spionage-Affäre von
seinem Amt als
Bundeskanzler zurück

16.05.1974
Helmut Schmidt wird
zum neuen Bundeskanzler gewählt
Seite 27 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Burkhard Herzig (heute)
Die Beziehungen der JU zur CDU waren in manchen Berei-
chen durchaus angespannt, insbesondere in einigen sehr
konservativen Kreisverbänden, wo man der JU vorwarf, sich
auf Kosten der CDU zu profilieren. Wir hatten aber auch
Verbündete im Anliegen der programmatischen Erneue-
rung. Hier ist die gute Zusammenarbeit mit den Sozialaus-
schüssen der CDU zu nennen. Dass beim Reutlinger
Parteitag 1973 von der JU der Antrag auf Trennung der Äm-
ter von Ministerpräsident und Landesvorsitz gestellt wurde
- eine Konsequenz aus der Parteisituation (siehe oben) -,
diente natürlich nicht einem herzlichen Einvernehmen.
?
Welche Themen wurden in jener Zeit von der JU schwer-
punktmäßig behandelt?
!
„Für eine humane Gesellschaft“, so lautete das pro-
grammatische Leitwort der JU. Deswegen versuchten
wir für verschiedenste Bereiche der Gesellschaftspolitik
eine der Zeit und der jungen Generation angemessene
Antwort zu geben. Schwerpunktmäßig sind folgende
sechs Themenkreise behandelt worden:
Bildungspolitik (Sonderschul- und Vorschulbereich, Schul-
gesetz, berufliche Bildung); Kommunalpolitik; Humanisie-
rung der Arbeitswelt; ausländische Arbeitnehmer;
Alternativpapier zur Grundsatzprogrammvorlage der
CDU; Mitbestimmung.
In der Bildungspolitik war der Gesetzentwurf zum Schul-
gesetz der Hauptakzent, wobei das Prinzip der heutigen
Schulkonferenz durchgesetzt werden konnte, die Wahl des
Schulleiters durch ein Gremium vor Ort aber nicht. Die
Kommunalpolitik hatte einen besonderen Stellenwert,
weil dies die Basis jeder Gesellschaftspolitik ist. Gerade
nach der Kommunalreform war es uns wichtig, die Infor-
mations- und Mitwirkungsrechte der Bürger zu stärken.
Die Kommunalwahl 1975 brachte eine nie bisher erreichte
in der Praxis aber eher zu einer „kritischen Solidarität“, da
es mir darauf ankam, das Bemühen, die Inhalte der JU in
die CDU hineinzutragen, nicht noch durch vertiefte emo-
tionale Sperren seitens der CDU-Gremien zu erschweren.
Ob kritische Distanz oder kritische Solidarität, als Reiz-
wort und Motivation stand diese Haltung hoch im Kurs,
wodurch sich auch der Ehrgeiz entwickelte, sich ein deut-
liches Profil zu geben.
Zur grundsätzlichen Bedeutung dieser Begrifflichkeiten:
Es ging uns um eine Distanzierung von einer nicht lang-
fristig angelegten und die CDU-Grundpositionen vernach-
lässigenden Politik. Die Arbeit der CDU-Landespartei war
weitestgehend dem Sog der Politik der Landesregierung
und den Aktivitäten der Landtagsfraktion ausgesetzt. Die
„Denkergebnisse“ der Partei waren damals nicht bestimmt
durch die Eigendynamik der Partei, sondern durch die len-
kende Planung der Ministerialbürokratie. Nicht achtbaren
Erfolgen der Regierung, sondern der programmatischen
Lethargie der Partei galt die Distanz. Neben dieser grund-
sätzlichen programmatischen Bedeutung der kritischen
und distanzierten Haltung zur CDU hatte dies auch noch
einen funktionalen Charakter. Die Aufgabe der JU, mit der
gesamten jungen Generation einen offenen sachlichen po-
litischen Dialog zu führen, war damals aus der JU-Sicht
nicht ohne kritische Betrachtung und Abstand zu der in
die Regierungsverantwortung eingebundenen CDU zu
leisten. Man braucht hier nur an die „Anti-Establishment“-
Bewegung dieser Jahre in der Schuljugend und auf den
Universitäten sowie die totale Linkslastigkeit zu denken.
Es galt, auf diesem Weg die Ideenvielfalt der politisch in-
teressierten Jugend unvoreingenommen zu diskutieren
und damit die Zustimmungsbreite zur JU und letztlich
auch zur CDU zu vergrößern. Die Entwicklung der Mit-
gliedszahlen der JU gab uns recht. Sie stieg in dem Zeit-
raum 73-75 um 27 %, auch der Beitritt zur CDU aus der JU
heraus war stetig mitgewachsen.
1974

1974
Die Deutsche Fußball
Nationalmannschaft
holt den Weltmeistertitel
im eigenen Land

10./11.03.1974
Der Europäische Rat
trifft erstmals zusammen
Seite 28 40 Jahre JU Baden-Württemberg
!
Treffen mit der Spitze der Landtagsfraktion (Lothar
Späth) und Aussprachen im Staatsministerium bei Mi-
nisterpräsident Filbinger (Chef des Staatsministeriums
war Mayer-Vorfelder) hatten im Ergebnis mehr den Cha-
rakter einer Beziehungspflege als das wir mit unseren For-
derungen Einfluss auf Regierungshandeln hatten.
Gespräche mit Erwin Teufel, dem damaligen Staatssekre-
tär im Innenministerium und JU-Vertreter in der Landes-
regierung, waren da wenigstens von der Sache her
grundsätzlicher. Es war ein Weg, unsere Meinung wenigs-
tens in Teilen an den Regierungstisch zu bringen. Jedoch
brachten auch diese Begegnungen mehr einen ideellen
Auftrieb für unsere Arbeit als konkreten Einfluss. Durch-
schlagende Erfolge gab es nicht, mit einer Ausnahme:
beim Schulgesetz. Wir erarbeiteten einen eigenen Gesetz-
entwurf und konnten erreichen, dass die Schulkonferenz
eingerichtet wurde, nahezu paritätisch besetzt, und als
entscheidende Kooperationskonferenz einen breiten Ein-
fluss auf das Schulleben erhielt, so wie es unser Entwurf
vorsah. Günstiger lief es auf Parteiebene. Wer sich die Par-
teitage von Reutlingen und insbesondere Sindelfingen an-
sieht, wird feststellen, dass es dort der JU in einem bis
dorthin nicht gekannten Maße gelungen war – in den
meisten Fällen in enger Kooperation mit den Sozialaus-
schüssen – ein anerkannter Faktor einer problemorientier-
ten Programmdiskussion zu werden. Dies galt für die
Diskussion um das Grundsatzprogramm für die Bundes-
partei, wo wir vehement mehr konkrete Zielsetzungen for-
derten (siehe auch oben). Der Parteitag beschloss, auch
die Vorlage der JU der Grundsatzkommission der Bundes-
partei zu überweisen. In der Mitbestimmungsthematik
gab es eine gute Abstimmung mit den Sozialausschüssen,
die dazu führte, dass das Modell zur echten paritätischen
Mitbestimmung mehr als ein Drittel der Stimmen erhielt,
wobei noch zu erwähnen ist, dass in Teilbereichen wie bei
der Wahl von Arbeitnehmervertretern sich die JU- und
CDA-Auffassung durchsetzte. Auch im Bodenrecht konnte
Zahl von JU-Mitgliedern in die Gemeinderäte und Kreista-
ge. Die Humanisierung der Arbeitswelt war ein viel disku-
tiertes gesellschaftspolitisches Thema.
Die JU traf bei dieser Thematik ihre Grundwerteentschei-
dung mit der These „Freiheit und Menschenwürde stehen
im Mittelpunkt und haben im Konfliktfall Vorrang vor dem
ökonomischen Nutzen“. Bei dem Thema ausländische Ar-
beitnehmer standen nicht nur Fragen der Bildung und der
sozialen Sicherung zur Diskussion, sondern das Kernpro-
blem der Integration. Es wurde ein Alternativpapier zum
Grundsatzprogrammentwurf der Landes-CDU erarbeitet.
Kritisiert wurde am CDU-Entwurf unter anderem, dass es
eher eine Kampfschrift gegen den Marxismus als ein
Grundsatzprogramm für zukunftsweisende Ziele sei. Man
vermisste Klarheit in der politischen Konsequenz mancher
Begrifflichkeiten wie z.B. der „verantworteten Freiheit“
und einen zu vagen Bezug zur christlichen Soziallehre. Bei
unserem Mitbestimmungsmodell ging es uns um eine ech-
te Parität, die die Formeln von der sozialen Partnerschaft
und der Gleichgewichtigkeit von Kapital und Arbeit ver-
wirklichen sollte.
Das Spektrum der Arbeit war insgesamt so breit, dass teil-
weise bis zu 14 Arbeitsgruppen und ad hoc Arbeitskreise
eingesetzt waren, was auch durch Themen der CDU-Lan-
desparteitage mit bestimmt war. Das führte auch zu Über-
lastungen, mit einem auch bedauerlichem Ergebnis, dass
beim Parteitag in Pforzheim außer durch die JU-Mitglieder
in den CDU-Arbeitskreisen kaum etwas von der JU zu hö-
ren war und der positive Eindruck von Sindelfingen ver-
blasste.
?
In Ihrer Amtszeit regierte in Baden-Württemberg die
CDU unter Hans Filbinger mit absoluter Mehrheit. In-
wieweit ist es der JU gelungen Einfluss auf die Landespolitik
zu nehmen?
1975

04.03.1975
Charles Chaplin wird
durch die britische
Königin Elisabeth II.
zum Ritter geschlagen
24.04.1975
Geiselnahme von Stockholm:
Ein RAF-Kommando Holger Meins
überfällt die deutsche Botschaft in Stockholm
Seite 29 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Übernahme von Bezirksergebnissen oder durch auf Lan-
desebene erarbeitete Inhalte. Meines Erachtens haben die
Bezirksverbände ihre Berechtigung, weil dadurch eine brei-
tere und gegenseitig befruchtende politisch inhaltliche Ar-
beit durch die Nähe zu den Kreisverbänden gefördert wird.
Der gemeinsame Landesverband kann dadurch nur profi-
tieren. Es ist ihm unbenommen in seinen Gremien die nö-
tige Koordinierung zu leisten. Die Einführung der einjäh-
rigen Wahlperiode für alle Gliederungen der JU bewerte
ich positiv: Es wird dadurch ein heilsamer Druck auf die Ge-
wählten ausgeübt, sich engagiert und intensiv ihren Auf-
gaben zu widmen, zumal es für Ehrenamtliche nicht einfach
ist, immer die nötige Zeit dafür herauszuschneiden.
?
Wenn Sie zurückschauen, gibt es ein Erlebnis/Erlebnisse
aus dieser Zeit das/die Ihnen besonders prägend in Erin-
nerung geblieben ist/sind? Was sind die bleibenden Erinne-
rungen?
!
Die oft leidenschaftlichen Diskussionen innerhalb der
JU zu gesellschaftlichen Themen und die Versuche der
JU, ihre erarbeiteten gesellschaftspolitischen Inhalte auf
Parteitagen zur Geltung und Akzeptanz zu bringen, waren
und sind heute noch – unabhängig von Erfolgen – prägen-
de Erinnerungen. Besonders herauszuheben ist ein ganz
anderes Ereignis: Das deutsch-polnische Jugendseminar
im Frühjahr 1974 hier in Baden-Württemberg. Die JU des
Landes war die erste politische Jugendorganisation der
Bundesrepublik, die einen offiziellen Kontakt zur Födera-
tion der sozialistischen Jugendverbände der Volksrepublik
Polen herstellen konnte. Dies war für uns damals ein be-
deutendes Ereignis im Zuge der auch von der JU forcierten
Entspannungspolitik. Vorbereitende Gespräche fanden in
Warschau und Posen durch Dr. Hartmut Weisert, dem JU-
Beauftragten für Auslandsbeziehungen, und meine Person
statt, unter anderem mit dem Sekretär des Hauptverban-
des der polnischen Jugendorganisationen, Mitarbeitern
mit der Akzeptanz einer Besteuerung von Veräußerungs-
gewinnen zugunsten der Gemeinden ein Erfolg erzielt
werden. Wichtig für uns war aber auch, dass man diesmal
die Delegierten in eine vertiefte, so nie vorher erlebte le-
bendige Fachdiskussion zwingen konnte. Dazu eine Pres-
sestimme (Stuttgarter Zeitung): „Dagegen ist es der CDU
zum ersten Mal gelungen, mit Ernst, Sachlichkeit und Aus-
dauer eine Theoriediskussion überhaupt formal durchzu-
halten. Dies war das Verdienst der Sozialausschüsse und
der Jungen Union, die sich zu einem brillant taktierenden
und argumentierenden Flügel zusammengetan hatten und
es schafften, auf diese Weise auch die behäbigen Vetera-
nen der CDU zu einer Theoriediskussion zu zwingen.“
?
Unter Ihrem Vorsitz gelang der JU die Beschlussfassung
einer umfassenden Landessatzung sowie die Einführung
einer einjährigen Wahlperiode für alle Gliederungen der JU.
Wie wichtig waren diese Schritte?
!
Die erstmals gemeinsame Landessatzung, die jetzt für
alle Gliederungen der JU galt, wurde auf dem Landestag
im Mai 1973 verabschiedet, auf dem ich zum Vorsitzenden
gewählt wurde. Somit begann meine Arbeit unter diesen
neuen Satzungsverhältnissen. Es endete damit die Sat-
zungshoheit der Bezirksverbände. In der Vorbereitung zur
neuen Satzung war auch die Abschaffung der Bezirksver-
bände in der Diskussion: „Die Regierungspräsidenten der
Jungen Union gehören abgeschafft“, so Dr. Schäuble da-
mals. Diese Auffassung wurde durch die Erfahrung man-
cher bis in die Presse reichenden Auseinandersetzungen
zwischen Bezirksverbänden genährt. Die Bezirksverbände
blieben bestehen. Sie waren im Landesvorstand und im
Landesausschuss genügend eingebunden. Es war für alle
offensichtlich, dass die JU im Land nur erfolgreich sein
kann, wenn man bereit ist, unterschiedliche inhaltliche
Auffassungen in entscheidenden Fragen auf Landesebene
zu einer einheitlichen zu formen, durch Kompromisse,
Landesvorsitzender
Burkhard Herzig
im Jahr 1973

1975

18./19.05.1975
Gerd Langguth löst
Burkhard Herzig
beim Landestag in
Schwäbisch Gmünd als
JU Landesvorsitzender ab
Seite 30 40 Jahre JU Baden-Württemberg
unter dem Aspekt der Solidarität in der Gesellschaft zu
forcieren, damit die vergangenen fetten Jahre nicht mit ei-
nem neuzeitlichen Klassenkampf um Pfründe enden. Hier-
bei wäre es sicherlich ergiebig, die aktuelle Studie über
Subventionen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW)
einmal zu durchforsten, um Sparmöglichkeiten aufzude-
cken, die nicht gleich unverhältnismäßig die Schwächsten
belasten. Noch stichwortartig weitere Anmerkungen: Es
stünde der JU gut zu Gesicht, sich massiv und ausdauernd
für die gleiche Entlohnung bei gleicher Arbeit für Frauen
einzusetzen. Es sollte ein Anliegen der JU sein, die Leihar-
beit als gedachtes Konjunkturausgleichsinstrument aus
dem vielfachen Ausbeutungsmissbrauch herauszuholen.
In der Abschiebepraxis für bisher Bleibeberechtigte sollte
mehr Realitätssinn und die Beachtung der Menschenwür-
de insbesondere bei Familien mit Kindern, die hier gebo-
ren und integriert sind, in der Gesetzeslage und den
Verordnungen einkehren. Diese Problematik sollte eine
besondere Aufmerksamkeit durch eine christlich-demo-
kratische JU erfahren. Es könnte lohnend sein, sich bei der
neu konzipierten Werkrealschule sich einmal die inhaltli-
chen Kritikpunkte der bisherigen Landeselternbeiratsvor-
sitzenden anzusehen, denn breitere praktische
Berufsvorbereitung macht schwache Schüler noch nicht
ausbildungsfähiger, wenn in den Unterklassen die Förde-
rung der Grundfertigkeiten nicht intensiv genug stattfin-
det. Es wäre der JU angemessen – entsprechend dem
Gemeinwohlprinzip des Grundgesetzes – auch entschie-
den für Regulierungen einzutreten, die die Finanzmärkte
daran hindern können, ganze Volkswirtschaften zu ruinie-
ren.
Mit diesen Anregungen möchte ich schließen und hoffe,
dass sich die JU so viel Unabhängigkeit bewahrt, dass sie
unerschrocken Sachwalter der Solidarität in der Gesell-
schaft sein kann, auch wenn es Teilen der CDU manchmal
weh tut.
der Auslandsabteilung sowie dem Vizedirektor des West-
Instituts und dem dortigen Leiter der Rechtsabteilung. Zu-
dem kam es zu einem Gespräch mit Studenten an der
Universität Posen. Das Seminar in Baden-Württemberg,
das gleichzeitig mit einer Landesbereisung verbunden war,
befasste sich mit folgenden Themen: Konsequenzen des
Warschauer Vertrages, Probleme der Vergangenheit und
deren Zukunftsbedeutung, wirtschaftliche Kooperation,
das Bild Polens in den Medien und Schulbüchern, die Be-
teiligung der Jugend beider Länder am Entspannungspro-
zess in Europa.
?
Wie beurteilen Sie die heutige JU in Baden-Württem-
berg? Welche Themen sehen Sie als die zentralen Zu-
kunftsthemen an, auf welche die JU tatkräftig Einfluss
nehmen sollte?
!
Die JU von heute kann ich nicht objektiv beurteilen,
weil mir dafür der Überblick fehlt. Ich kenne sie über-
wiegend aus der Verbandszeitschrift und bin auf Grund
dessen positiv gestimmt. Was mir fehlt sind Verlautbarun-
gen des Landesverbandes, die durch eine Weitergabe an
die Kreisverbände und deren Verwertung dort über kreis-
bezogene Berichte eine breite Öffentlichkeitswirkung in
der Regionalpresse erzielen. Zur zukünftigen Arbeit möch-
te ich einige Hinweise geben. Zunächst zur Kommunalpo-
litik: Die generelle Finanzkrise macht politisches Gestalten
schwer. Deswegen sollte man Wege finden, die JU vor al-
lem in den Orts- uns Kreisverbänden strategisch und in-
haltlich zu befähigen, Initiativen für gezieltes Bürger-
engagement zum Abfedern des Rückzugs der Gemeinden
aus freiwilligen Aufgaben zu ergreifen. Das bringt vielfäl-
tige Kontaktchancen zu jüngeren Bürgern vor Ort und ist
die beste Werbung und ein Aufbauprogramm für Kommu-
nalwahlen. Gesellschaftspolitik: Die JU sollte sich insbe-
sondere jetzt generell aufgerufen fühlen, in Erinnerung an
die christliche Soziallehre das Thema soziale Gerechtigkeit
Seite 31 40 Jahre JU Baden-Württemberg
LANDESVORSTANDSMITGLIEDER
IN DER AMTSZEIT VON BURKHARD HERZIG
Landesvorsitzender Burkhard Herzig 1973 – 1975
stellv. Landesvorsitzende Dr. Joachim B. Schultis 1973 – 1974
Nikolaus Brender 1974 – 1975
Finanzreferent Norbert King 1973 – 1975
Pressereferenten Nikolaus Brender 1973 – 1974
Hartmut Brauswetter 1974 – 1975
Schriftführer Gerhard Rastetter 1973 – 1975
Beisitzer Hans- Joachim Fuchtel 1973 – 1975
Reinhard Küchler 1973 – 1974
Wilfried Baur 1973 – 1974
Friedrich Volz 1973 – 1975
Heinrich Haasis 1973 – 1975
Volker Kauder 1973 – 1974
Rainer Kaufmann 1973 – 1974
Udo Ehrbar 1973 – 1975
Roland Schieder 1973 – 1974
Michael Arnold 1974 – 1975
Franz Gantner 1974 – 1975
Adrian Ottnad 1974 – 1975
Josef Zolk 1974 – 1975
Bezirksvorsitzender
Nordbaden Hans-Joachim Lamprecht 1973 – 1975
Bezirksvorsitzende
Nordwürttemberg Klaus Fischer 1973 – 1974
Reinhard Küchler 1973 – 1975
Rolf Mugrauer 1973 – 1975
Bezirksvorsitzender
Südbaden Hans-Peter Repnik 1973 – 1975
Bezirksvorsitzender
Württ.-Hohenzollern Heinz Wiese 1973 – 1975
Landesgeschäftsführer Elmar Müller 1973 – 1975
Martin Schlindwein 1975
www.weisser-ring.de · £-MaiI: info®weisser-ring.de
5pendenkonto 34 34 34
Deutsche 8ank Mainz · 8LZ 550 700 40
W£I55£k kINC
GemeinnüIziger verein zur UnIersIüIzung
von KriminaliIaIsopIern und zur verhüIung
von SIraIIaIen e. v.
WebersIraße l6 · 55l20 Mainz
8undesweit 420 AußensteIIen
Danke!
1975–1976
Mit Blick auf die 1976 anstehende Landtagswahl fand
noch im selben Jahr am 13.12.1975 ein weiterer Landestag
in Balingen statt. Als Hauptreferent begrüßte die Junge
Union ein Kabinettsmitglied der Landesregierung aus den
eigenen Reihen, den damaligen Staatssekretär Erwin
Teufel MdL. Er führte damals u.a. aus: „Die Ausweisung des
Umweltschutzes ist ein Hauptziel der Landespolitik mit
Schwerpunktprogrammen für die Gewässerreinhaltung
und Abfallbeseitigung, mit einem Sonderprogramm für
den Bodensee und dem Übergang vom sanierenden zum
vorbeugenden Umweltschutz durch ein modernes Gesetz
über den Naturschutz und die Landschaftsplanung.“ Dies
sagte Erwin Teufel fünf Jahre vor dem Einzug der GRÜNEN
in den baden-württembergischen Landtag. In Balingen
verabschiedete der Landestag der Jungen Union ein um-
fangreiches Papier „Politik für die Jugend - Wahlkampfaus-
sagen der Jungen Union Baden-Württemberg“. Es
handelte sich um eine umfangreiche Ausarbeitung, die ne-
ben dem Grundsatzteil, in dem sich die Junge Union für
eine offene und solidarische Gesellschaft aussprach und
den damals bei der Jugend sehr populären „demokrati-
schen Sozialismus“ ablehnte. Die Junge Union engagierte
sich stark im darauf folgenden Landtagswahlkampf. Mit
Heinrich Haasis zog auch ein aktives Mitglied der Jungen
Union in den Landtag von Baden-Württemberg ein.
Bereits nach zwei Jahren wurde Haasis innenpolitischer
Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, nach vier Jahren
stellvertretender Fraktionsvorsitzender.
Der nächste Landestag fand am 12. und 13.6.1976 statt.
Hauptreferent war der ehemalige JU-Landesvorsitzende
Baden-Württembergs und damalige Staatsminister von
Rheinland-Pfalz, Dr. Heiner Geißler. Die JU verabschiedete
auf diesem Landestag den Antrag „Mut zum konsequen-
ten Realismus im Gesundheitswesen“ und erntete eine ho-
he Presseaufmerksamkeit. Viele Jahre vor der Gesund-
heitsreform von 1982/1983 wurden Kosteneinsparungen
Dr. Gerd Langguth:
Das Thema „Umwelt“
gewinnt an Bedeutung
JU-Landesvorsitzender 1975–1981 – vorher RCDS-Bun-
desvorsitzender. Später erklärt er Deutschland die Po-
litik als Publizist.
Mit Gerd Langguth wurde 1975 auf dem Landestag in
Schwäbisch Gmünd als ehemaliger Bundesvorsitzender
des RCDS und Mitglied im Bundesvorstand der CDU ein
„Prominenter“ an die Spitze des Landesverbandes der Jun-
gen Union Baden-Württemberg gewählt. Schon ein Jahr
später zog Gerd Langguth 1976 für den Wahlkreis Esslin-
gen in den Bundestag ein.
Die Ära Langguth war ganz ohne Zweifel durch Landesta-
ge geprägt, die häufig brisante Themen aufgriffen und auf
denen mit großem sachpolitischem Verstand debattiert
wurde. Beispielsweise wurde auf dem Landestag in Schwä-
bisch Gmünd 1975 „die Rolle der Verbände“, insbesondere
die der Gewerkschaften, diskutiert. Im Ergebnis heißt es:
„Die Verbände unterliegen einer besonderen Sozialpflich-
tigkeit. Verkrustete Führungsstrukturen der Verbände,
durch die die Spitzenfunktionäre den Bezug zu ihren Mit-
gliedern zu verlieren drohen, sind durch die Verpflichtung
zur innerverbandlichen Demokratie aufzubrechen.“ Die
Gewerkschaften wurden aufgefordert, sich neu auf ihre
verfassungsmäßige Rolle der Vertretung der Arbeitneh-
mer Interessen zu besinnen, der Sozialpartnerfunktion
müsse absolute Priorität eingeräumt werden.
fi ‹
24./25.05.1975
JU Landestag in
Schwäbisch Gmünd –
neuer Vorsitzender
Gerd Langguth
20.07.1975
Gründung des Bundes
für Umwelt und Natur-
schutz Deutschland e.V.
fi ‹
1975
In diesem Jahr
wird die Volljährigkeit
in Deutschland von 21
auf 18 gesenkt
23.09.1976
Einführung allgemeiner un-
mittelbarer Wahlen der Ab-
geordneten des
Europäischen Parlaments
Seite 32 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Dr. Gerd Langguth
fi ‹ fi ‹
Seite 33 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1976–1977
03.10.1976
SPD gewinnt die Bundes-
tagswahl – Helmut Schmidt
wird Bundeskanzler; Gerd
Langguth wird neuer Abge-
ordneter des WK Esslingen
1976
Der Montag wurde in
Deutschland als erster Tag
der Woche festgelegt
06.01.1977
Die Europäische Kommissi-
on nimmt als Organ der Eu-
ropäischen
Wirtschaftsgemeinschaft
(EWG) die
Arbeit auf
13.07.1977
Stromausfall in New York
und in Gebieten des West-
chester County, nördlich von
New York, in der Nacht
durch Blitzeinschläge
Matthias Wissmann MdB und Heinrich Haasis MdL durch-
gesetzt. Die Junge Union stimmte daher weit überwiegend
für Rommel in der Nachfolgefrage. Dieser unterlag in der
CDU-Fraktion aber eindeutig Lothar Späth. Das persönli-
che Verhältnis zwischen Langguth und Späth war, nicht
nur deswegen, in der Zukunft nachhaltig getrübt.
1979 fand der JU-Landestag am 30.6. und 1.7. in Esslingen-
Berkheim statt. Er stand unter dem Thema „Integration
der jungen Generation – Drogen, Jugendkriminalität und
sog. Jugendreligionen“. Von den Nachwuchspolitikern
wurde der Werteverlust beklagt, der zu Drogenmiss-
brauch, Kriminalität und zu der Flucht in Jugendsekten
führte. Als einer der Gründe wurde ausgemacht: „Das Buh-
len um Mehrheiten hat zum Verlust langfristiger Partei-
bei den Krankenhäusern und die Einbeziehung der Selbst-
beteiligung des Patienten in die Diskussion um Kosten-
bremsung und Kostensenkung gefordert sowie der
Ausbau der Sozialstationen angemahnt. Weitere Forde-
rungen wie z.B. die Abschaffung der Regierungspräsidien,
Abschaffung der Ministerialzulage sowie die Reduzierung
der Staatssekretäre in der Landesregierung, wurden von
der Presse als „harter Brocken“ bezeichnet, den die Junge
Union der Landesregierung vorsetzte. Gerd Langguth hat-
te hier überraschend mit einem Gegenkandidaten aus
dem Neckar-Odenwald-Kreis zu kämpfen, der ohne Unter-
stützung seines Bezirks- oder Kreisverbandes, den Landes-
vorsitzenden herausforderte. Langguth wurde jedoch
souverän mit 106 zu 13 Stimmen in seinem Amt bestätigt.
Ein Jahr später, beim Landestag am 4. und 5.6.1977 in
Mannheim, wurde neben dem damaligen Fraktionsvorsit-
zenden Lothar Späth, Ministerpräsident Filbinger als
Hauptredner in der Versammlung begrüßt. In Mannheim
diskutierte und verabschiedete die Junge Union ihr Papier
„Die Zukunft unseres Landes – Lernen, Arbeiten, Wohnen
– in Baden-Württemberg“. Gerd Langguth und sein Stell-
vertreter Frieder Volz wurden in ihren Ämtern bestätigt.
Im Rahmen des Landestages am 10. und 11.6.1978 in Do-
naueschingen wurden „Forderungen zur Landespolitik“
diskutiert. Fast das gesamte baden-württembergische Ka-
binett war – zur Halbzeitbilanz – bei der Jungen Union er-
schienen. Trotz massiver geübter Kritik an der
Landesregierung, zeigte sich die Junge Union noch in So-
lidarität mit dem bereits im Sturz befindlichen Minister-
präsidenten Dr. Filbinger. Dennoch war die Junge Union
die erste Organisation innerhalb der CDU, die den Rück-
tritt des Ministerpräsidenten forderte. Filbinger legte am
7.8.1978 sein Amt nieder. Aus der CDU bewarben sich Lo-
thar Späth und Manfred Rommel um seine Nachfolge.
Gerd Langguth hatte sich im JU-Landesvorstand mit sei-
nem Votum für Manfred Rommel unter anderem gegen
JU-Bundesvorsitzender Matthias Wissmann mit Helmut Kohl
fi ‹ fi ‹
Seite 34 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1977–1978
mit auch einige Direktmandate, die 1976 erobert werden
konnten. Eines der Opfer war Gerd Langguth, der nach nur
vierjähriger Tätigkeit in Bonn aus dem Bundestag ausschei-
den musste. Die Junge Union Baden-Württemberg hatte
versucht, ihren Landesvorsitzenden auf der Landesliste Ba-
den-Württemberg abzusichern, dies gelang aber weder auf
dem CDU-Bezirksparteitag in Nordwürttemberg, noch auf
dem Landesparteitag der CDU Baden-Württemberg. Be-
reits vor der besagten Bundestagswahl musste Gerd Lang-
guth Schadensbegrenzung betreiben, nachdem eine
Vielzahl von JU-Mitgliedern wegen der Nominierung von
Franz-Josef Strauß zum Kanzlerkandidaten aus der Jungen
Union ausgetreten waren. Er bat, den Blick nach vorn zu
richten und insbesondere bei Jungwählern, bei denen die
CDU große Defizite habe, für das Gedankengut der Jungen
Union und CDU zu werben. Gleichzeitig erläuterte er die
Leistungen von Franz-Josef Strauß insbesondere als Finanz-
minister der Großen Koalition. 1980 stand in Baden-Würt-
temberg auch eine Landtagswahl an, zu deren Vorbereitung
die Junge Union am 8.12.1979 einen außerordentlichen
Landestag in Markdorf abhielt. Er stand unter dem Motto
„Eine Politik für die junge Generation“. Gerd Langguth ver-
sicherte Späth, die Junge Union werde ihn „geschlossen wie
ein Mann“ im Landtagswahlkampf unterstützen. Im Gegen-
zug sicherte Späth seine Unterstützung einem Antrag der
Jungen Union zu, Langguth für die Bundestagswahl 1980
auf einen sichern Landeslistenplatz zu platzieren. Späth
blieb mit absoluter Mehrheit Ministerpräsident, Langguth
kam nicht auf die Landesliste….
In die Amtszeit von Gerd Langguth fiel auch das 10-jährige
Bestehen der Jungen Union Baden-Württemberg, das am
30.6.1980 in Stuttgart-Zuffenhausen würdig begangen
wurde. Wenig später, am 5. und 6.7.1980 fand in Sigma-
ringen der 11. ordentliche Landestag statt. Dieser beschäf-
tigte sich angesichts der heraufziehenden Nachrüstungs-
diskussion mit Fragen der „Außen- und Sicherheitspolitik“.
programme und deutlicher Opposition geführt. Politi-
sches Handeln wird ausgerichtet auf Tageserfolge. Alter-
nativen fehlen und sind nicht in Sicht. Parteipolitik
erschöpft sich im Schwarz-Weiß-Denken und Polemik. Par-
teibuchkarrieren, Politiker im Hauptberuf, sind nachwach-
senden Generationen nicht erstrebenswerte Ideale.“ Es
wurde das Zerschlagen der Familie beklagt und Ernst
Fromm wurde zitiert.
Im Zuge der Diskussion um den Kanzlerkandidaten für die
Bundestagswahl 1980 sprach sich die Junge Union Baden-
Württemberg mit Dr. Gerd Langguth, damals MdB, an der
Spitze für Ernst Albrecht aus. Dennoch, Franz-Josef Strauß
wurde zum Spitzendkandidaten der Union gekürt, die CDU
verlor bei der Bundestagswahl 1980 viele Stimmen und da-
1977
Höhepunkt des Terrorismus
in Deutschland
April 1977
Das US-amerikanische
Unternehmen Apple bringt
den Apple II auf den Markt,
der als erster komplett mit
Tastatur und Bildschirm
ausgestattet ist
01.01.1978
Großbritannien, Irland
und Dänemark werden
Vollmitglieder der
Europäischen Gemeinschaft
24.02.1978
Aufnahme Spaniens
in den Europarat
JU’ler auf dem Weg zum Landestag
fi ‹ fi ‹
Seite 35 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1978–1979
04.08.1978
JU Baden-Württemberg
fordert den Rücktritt
des Ministerpräsidenten
Prof. Dr. Hans Filbinger
07.08.1978
Dr. Filbinger tritt
von seinem Amt als
baden-württembergischer
Ministerpräsident zurück –
Lothar Späth wird neuer
Regierungschef
23.05.1979
Karl Carstens (CDU) wird
zum Bundespräsidenten
gewählt
Juni 1979
Erste allgemeine Wahlen
der 410 Mitglieder zum
Europäischen Parlament
aber erst ab dem 5. Semester. Die Auseinandersetzung mit
den Gegnern einer liberalen Demokratie hat mich, so den-
ke ich, ziemlich nachhaltig geprägt. Mit Befriedigung stel-
le ich heute gleichwohl fest, dass viele der damaligen
politischen Gegner inzwischen als überzeugte Demokra-
ten in unsere politische Ordnung "reintegriert" werden
konnten.
?
Was bedeutet für Sie Ihr damaliges Engagement in der
Jungen Union Baden-Württemberg aus heutiger Sicht?
!
Viele meiner Erfahrungen, die ich in der Studentenpo-
litik gemacht hatte, versuchte ich im Rahmen meines
Engagements in der Jungen Union Baden-Württemberg
Beim Landestag 1981 in Baden-Baden gab Gerd Langguth
sein Amt ab. Er ist der JU-Landesvorsitzende mit der bis
dahin längsten Dienstzeit. In seiner Amtsperiode lag eine
starke Steigerung der Mitgliederzahlen, die größten Wahl-
siege der CDU in Baden-Württemberg, eine starke Verjün-
gung der Mitglieder der Jungen Union, die allerdings wohl
auch schlussendlich einherging mit einem Rückgang des
Einflusses der Jungen Union auf die Politik der Landes-
CDU. Dieser rückgehende Einfluss hing aber sicherlich
auch damit zusammen, dass nunmehr Männer wie Lothar
Späth und Erwin Teufel führend in der Landes-CDU tätig
waren, die noch über gute persönliche Kontakte zu nun-
mehr führenden Leuten in der Jungen Union aus gemein-
samen Tagen in der Nachwuchsorganisation der CDU
verfügten.
Interview mit
Dr. Gerd Langguth
?
Was war ausschlaggebend für Ihr politisches Interesse
und Engagement in jungen Jahren? Gibt es ein politisches
Ereignis, das Sie nachhaltig geprägt hat: welches und wie be-
trachten Sie dies heute?
!
Mich haben in meiner frühen Jugend schon vielfältige
Ereignisse geprägt, sogar noch der Arbeiteraufstand in
der früheren DDR am 17. Juni 1953, auch die Niederschla-
gung des Ungarn-Aufstandes 1957. Während meiner Stu-
dentenzeit habe ich dann festgestellt, dass eine aktive
Gefährdung der Freiheit an den Hochschulen von der Stu-
dentenrevolte ausging, die am Anfang sicherlich emanzi-
patorische Wurzeln hatte, die sich aber zunehmend
radikalisierte. Deshalb wurde ich dann politisch aktiv -
Gerd Langguth mit weiteren Landesvorstandsmitgliedern bei einer Sitzung
fi ‹ fi ‹
Seite 36 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1979–1980
nen insgesamt in der Politik einen höheren Stellenwert -
das sieht man darin, dass es nach großen Wahlen viele Jah-
re damals eine eigene "Elefantenrunde" der jeweiligen
Bundesvorsitzenden der politischen Jugendorganisatio-
nen gab, die dann später mangels Interesses vermutlich
auch der Zuschauer ausgefallen ist. Irgendwie "brodelte"
es in den Jugendorganisationen früher mehr, als das heute
der Fall ist.
?
Was erwarten Sie von der Jungen Union?
!
Ich erwarte von der Jungen Union, dass sie junge Leute
überzeugt, warum es notwendig ist, etwa in politische
Parteien einzutreten und im Rahmen unserer Demokratie
mitzuwirken. Die Mitgliedschaften in den politischen Par-
teien sind dramatisch zurückgegangen. Das kann sich nur
ändern, wenn das Angebot - beginnend mit den Jugend-
organisationen - sich ändert.
Das ist zwar leichter gesagt als getan, weil noch zu meiner
Zeit die politischen Parteien weitgehend das Monopol
hatten, wenn es darum ging, politische Entscheidungen
beeinflussen zu wollen. Heute gibt es als Konkurrenz zu
Parteien und damit auch zu den traditionellen Jungendor-
ganisationen sogenannte Nichtregierungsorganisationen
(wie Amnesty International oder ATTAC), die vielleicht
sehr viel stärker Anziehungskraft auf junge Menschen ha-
ben. Von der Jungen Union erwarte ich, dass sie sich stär-
ker in politisch-inhaltliche Fragen einschaltet, bei aller
Bedeutung, des politischen Engagements jedes Einzelnen
und seiner Karrieremöglichkeiten mit Hilfe der Politik.
?
Welche Botschaft möchten Sie der Jungen Union Baden-
Württemberg für die Zukunft anlässlich des Jubiläums
mit auf den Weg geben?
einzubringen. Mein Ziel war es, etwas zu den geistigen
Grundlagen einer modernen Demokratie beizutragen,
aber auch die JU auf einen Weg zu führen, dass sie sich für
konkrete jugendpolitische Fragestellungen eingesetzt hat.
Ich war ja ziemlich lange Landesvorsitzender und denke,
dass die meisten Entscheidungen in die richtige Richtung
wiesen. Wir hatten allerdings auch eine Umbruchzeit in
der CDU mitzugestalten, weil wir die ersten waren, die
den Rücktritt eines Ministerpräsidenten und CDU-Landes-
vorsitzenden forderten und deshalb innerparteilich eine
ziemliche Kontroverse ausgelöst hatten. Jedenfalls denke
ich, dass ich die JU in geordnetem Zustand an meine Nach-
folger übergeben hatte.
?
Wie sehen Sie die Rolle politischer Jugendorganisationen,
jedoch speziell die der Jungen Union in der politischen
Landschaft heute, im Vergleich zu Ihrer aktiven Zeit als Lan-
desvorsitzender der JU und Bundesvorsitzender des RCDS?
!
Der Unterschied zwischen RCDS und JU bestand darin,
dass viele in der Jungen Union nicht "hauptberuflich"
Politik machten, weil viele ja auch als junge Arbeitnehmer
ihrem Beruf nachgehen mussten. Die Studentenpolitik
war insofern "totaler", als man trotz des Besuches von ei-
nem oder zwei Seminaren doch manchmal von früh bis
spät Studentenpolitik gemacht hat, "an einem Stück" so-
zusagen. Ein so großer JU-Landesverband wie der baden-
württembergische ist schwer zu integrieren, da es -
zumindest zu meiner Zeit - vier ziemlich selbständige Be-
zirksverbände gab, die eine eigene Finanzhoheit hatten.
Alles in allem lief jedoch die Kooperation zwischen Lan-
desverband und den Bezirksverbänden immer besser. Wir
hatten sogar nach mühsamen Beratungen einen für den
Landesverband günstigeren Finanzierungsschlüssel aus-
handeln können, da die finanziellen Möglichkeiten des
Landesverbandes anfänglich doch sehr begrenzt waren.
Zu meiner Zeit hatten die politischen Jugendorganisatio-
01.07.1979
Franz Josef Strauß
wird Kanzlerkandidat
der CDU/CSU für die
Bundestagswahl 1980
12.12.1979
NATO-Doppelbeschluss
zur Nachrüstung von
Atomwaffen
13.01.1980
In Karlsruhe wird die
Bundespartei Die Grünen
(heute Bündnis 90/
Die Grünen) gegründet
11.06.1980
Deutschlands Fußball-
Nationalmannschaft
wird in Italien
Europameister
fi ‹ fi ‹
Seite 37 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1980–1981
05.10.1980
Bundestagswahl. Helmut
Schmidt bleibt Kanzler
und setzt sich gegen
Franz Josef Strauß durch.
Gerd Langguth verliert
den Wahlkreis Esslingen
05.01.1981
Dreikönigstreffen der ba-
den-württembergischen
FDP, man vereinbart
Zusammenarbeit mit der
SPD bei Eigenständigkeit
der FDP
20.01.1981
Ronald Reagan
wird als 40. Präsident
der USA vereidigt
21./22.03.1981
JU-Landestag
in Baden-Baden
christlich-sozialen, der liberalen und der konservativen.
Das macht den eigentlichen Reiz einer Volkspartei und der
Jugendorganisation einer solchen Volkspartei aus, dass sie
damit auch in der Breite der Bevölkerung verwurzelt sein
kann. Vor allem dürfen Jugendorganisationen nicht nur al-
leine von Studenten geprägt werden, sondern es sollten
gerade junge Arbeitnehmer frühzeitig integriert werden.
!
Die Junge Union Baden-Württemberg hatte immer ei-
ne kritisch-konstruktive Funktion, die ich auch heute
noch bei ihre sehe. Allerdings sehe ich gelegentlich doch
auch arg konservative Strömungen, die die Junge Union
und die CDU nicht mehrheitsfähig machen würden. Auch
die Junge Union muss die Breite einer Volkspartei reprä-
sentieren - und die CDU basiert eben in ihrer historischen
Entwicklung aus drei grundsätzlichen Strömungen, der
LANDESVORSTANDSMITGLIEDER
IN DER AMTSZEIT VON DR. GERD LANGGUTH
Landesvorsitzender Dr. Gerd Langguth 1975 – 1981
stellv. Landesvorsitzende Michael Arnold 1975 - 1976
Friedrich Volz 1976 – 1978
Hans-Joachim Fuchtel 1978 – 1981
Finanzreferenten Norbert Kling 1975 – 1976
Richard Krieg 1976 – 1978
Ulrich Maurer 1979 – 1980
Rainer Trost 1980 – 1981
Pressereferenten Dr. Hartmut Brauswetter 1975 – 1978
Dr. Jürgen Tesdorph 1978 – 1979
Peter Weiß 1978 – 1978
Otto Hauser 1979 – 1981
Schriftführer Hans-Joachim Lamprecht 1975 – 1977
Peter Weiß 1977 – 1979
Eberhard Wurster 1979 – 1981
Beisitzer Gerhard Rastetter 1975 – 1981
Norbert Rehm 1975 – 1979
Hans-Joachim Fuchtel 1975 – 1978
Christoph Schrenk 1975 – 1976
Heinrich Haasis 1975 – 1977
Adrian Ottnad 1975 – 1976
Friedrich Volz 1975 – 1976
Josef Zolk 1975 – 1977
Dr. Jürgen Tesdorph 1976 – 1978
Monika Mooskopf 1976 – 1978
Peter Lutz 1976 – 1977
Hubert Wicker 1977 – 1981
Karl-Heinz Neser 1977 – 1980
Hans-Joachim Lamprecht 1977 – 1978
Gabi Holzwarth 1978 – 1979
Marcus Mattis 1978 – 1981
Michael Reiss 1978 – 1980
Wilhelm Rieber 1978 – 1980
Hans-Jürgen Zahorka 1979 – 1981
Peter Weiß 1979 – 1980
Gabi Unglenk 1980 – 1981
Axel Häberle 1980 – 1981
Siegfried Specker 1980 – 1981
Dr. Karl Lamers 1980 – 1981
Bezirksvorsitzende
Nordbaden Udo Ehrbar 1975 – 1977
Rainer Neutard 1977 – 1981
Bezirksvorsitzende
Nordwürttemberg Reinhard Küchler 1975
Rolf Mugrauer 1975
Rainer Vögele 1975 – 1981
Bezirksvorsitzende
Südbaden Hans-Peter Repnik 1975 – 1976
Michael Arnold 1976 – 1981
Bezirksvorsitzende
Württ.-Hohenzollern Heinz Wiese 1975 – 1980
Eberhard Wurster 1980 – 1981
Prof. Dr. Gerd Langguth (heute)
Foto: Regani|Wiki
1981
fi ‹
21./22.03.1981
JU Landestag in
Baden-Baden:
Hans-Jürgen Zahorka
wird zum Landes-
vorsitzenden gewählt
10.05.1981
In Berlin siegt die CDU bei den Wahlen
zum Abgeordnetenhaus –
Richard von Weizsäcker
wird Berlins Erster Bürgermeister
Seite 39 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Hans-Jürgen Zahorka
JU-Arbeit in dieser Hochzeit des Kalten Krieges kam nicht
ohne Initiativen zur Deutschlandpolitik aus. Der stellver-
tretenden Landesvorsitzende Karl A. Lamers richtete in ei-
nem offenen Brief an den damaligen DDR-Staatsrats-
vorsitzenden den leidenschaftlichen Appell, einen offenen
Dialog über den Eisernen Vorhang zu führen: „Sehr geehr-
ter Herr Staatsratsvorsitzender! Geben Sie Ihrem Volk Ge-
danken- und Redefreiheit [...] Die Junge Union
Baden-Württemberg ist zu einem Gespräch bereit – öff-
nen auch Sie Ihre Tore [...] Hochachtungsvoll Dr. Karl A.
Lamers.“ Keiner konnte damals ahnen, dass der Appell von
Lamers bereits im Herbst 1989 durch die friedliche Revo-
lution in Ostdeutschland Wirklichkeit werden sollte.
Hans-Jürgen Zahorka war ein Landesvorsitzender der pola-
risierte. Dies zeigte sich beim JU-Landestag in Bad Säckin-
gen im Jahr 1982. Der nordbadische Bezirksvorsitzende
Rainer Neutard kritisierte den Rechenschaftsbericht Zahor-
kas massiv: „Lieber Hans-Jürgen, dann wollen wird Dich
noch ein weiteres Jahr tolerieren, im Sinne von erleiden, er-
dulden, ertragen“. Die Wiederwahl fiel entsprechend knapp
aus: 78 von 154 abgegeben Stimmen entfielen auf den
Amtsinhaber. 60 Gegenstimmen sprachen eine deutliche
Sprache. Selbstkritische Töne waren nach dem Landestag
auch dem Mitteilungsblatt der JU Südbaden zu entnehmen:
„Die Junge Union verfügt über keine politischen Köpfe
(mehr). [...] Die JU-Delegierten haben immer noch nicht ge-
lernt, länger als 10 Minuten einem Redner zuzuhören.“
Einen politischen Knüller landete der Landesverband mit
seiner Forderung, die politischen Staatssekretäre in der
Am 21. und 22. März 1981 ging beim 12. Landestag in
Baden-Baden die Ära Dr. Gerd Langguth zu Ende. Mit
denkbar knapper Mehrheit setzte sich Hans-Jürgen
Zahorka aus Sindelfingen gegen den südbadischen
Bezirksvorsitzenden Dr. Michael Arnold durch. Dr. Karl
A. Lamers aus Nordbaden kam auf den dritten Platz. Die
Zeitungen titelten am Montag nach der Wahl eupho-
risch: „Die Nummer eins der Jungen Union: Zacki mit
dem Seemannsbart“ (Südwestpresse, 23.3.1981).
Ein erster inhaltlicher Schwerpunkt der Arbeit der JU im
Sommer 1981 war die Friedenspolitik. Die Junge Union
wollte mit ihrem Papier „Frieden in Freiheit“ einen eigenen
Beitrag zu den großen stattfindenden Diskussionen rund
um die Nachrüstung im Kalten Krieg und den NATO-Dop-
pelbeschluss leisten.
Zacki mit dem Seemannsbart:
Die Amtszeit Hans-Jürgen Zahorka
Landesvorsitzender Hans-Jürgen Zahorka auf dem Podium mit Dr. v. Bismarck
1981
fi ‹
26.08.1981
ein Autofahrer durchbricht
mit seinem Fahrzeug
die Berliner Mauer
17.09.1981
Bruch der
sozial-liberalen
Regierungskoalition
in Bonn
Seite 40 40 Jahre JU Baden-Württemberg
württembergische JU-Bezirksvorsitzende und spätere Mi-
nisterpräsident Günther H. Oettinger formulierte es so:
„Die Junge Union wird immer mehr zur Zierblende an der
CDU, die selbst zur Staatskarosse des Stuttgarter Staats-
ministeriums wird“.
Die Amtszeit von Hans-Jürgen Zahorka von 1981 bis 1983
gehört nicht zu den prägenden in der JU-Geschichte. Zu
sehr war sie eine Etappe zwischen der Ära Langguth und
der Ära Oettinger. Dass sie im Rückblick unscheinbar
bleibt, liegt sicherlich an den internen Streitereien im JU-
Landesvorstand und zwischen den vier Bezirksverbänden
sowie an den Zwistigkeiten gegenüber der CDU, die viel
Energie gekostet haben. Energie, die in der sachpoliti-
schen Auseinandersetzung sicherlich besser investiert ge-
wesen wäre.
Bleibendes aus der Amtszeit Hans-Jürgen Zahorkas war
die von ihm betriebene Öffnung der Jungen Union in Rich-
tung Europa und der Schwerpunkt auf der internationalen
politischen Arbeit. Als begeisterter Europäer ließ Zahorka
den Funken überspringen und warb für seine Idee der
Partnerschaften der Jungen Union Baden-Württemberg
mit anderen europäischen Regionen - z.B. mit den Young
Conservatives in Großbritannien.
Zahorka war auch ein politischer Vorkämpfer einer Idee,
die viel später erst den Durchbruch schaffte: „Das Europa
der Regionen“ – ein Ansatz der beispielsweise mit der mul-
tilateralen Arbeitsgemeinschaft der „Vier Motoren – Ba-
den-Württemberg, Lombardei, Rhone-Alpes und Kata-
lonien“ praktisch umgesetzt wurde.
Die Wahl Zahorkas in das Europäische Parlament war da-
her die logische Folge seiner politischen Orientierung und
machte im Juli 1983 den Weg frei zu einem Neuanfang an
der Spitze der Jungen Union Baden-Württemberg.
Landesregierung abzuschaffen. Der Antrag der JU Südba-
den wurde beinahe einstimmig verabschiedet. Dieser Vor-
stoß war aber auch ein Beleg für das gespannte Verhältnis
von CDU und JU in dieser Zeit. Selbst Ministerpräsident
Filbinger – bekanntermaßen wenig beliebt in der JU –
musste nicht erleben, was Ministerpräsident Lothar Späth
beim Landestag in Bad Säckingen passierte: Nahezu keine
Hand rührte sich zum Applaus als er den Saal betrat. Späth
konterte dieses protokollarische Foul in der ihm eigenen
Weise: „Liebe Freunde – wenn ich das hier noch richtig se-
he [...].“ Ursache dieser Missstimmung war das von vielen
so empfundene Zurückdrängen der innerparteilichen De-
mokratie in der CDU und Anzeichen eines „monarchisch-
hierarchischen Führungsstils“. Der damalige nord-
Hans-Jürgen Zahorka übergibt den Siegerpokal des JU-Landesfußballturniers an die JU Rastatt
1982

01.10.1982
Helmut Kohl wird nach einem
konstruktiven Misstrauensvotum
gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt
zum neuen Regierungschef gewählt
Seite 41 40 Jahre JU Baden-Württemberg
?
Nach Gerd Langguth waren Sie ein Landesvorsitzender
ohne Mandat. Wie hat sich das auf die Arbeit der JU aus-
gewirkt?
!
Ich glaube, dass der Vorsitzende, der gleichzeitig ein
Mandat innehat, immer beeinträchtigt ist in der Bewe-
gungsfreiheit, immer eingeengt ist in der politischen Ma-
növrierfähigkeit. Ich war damals Mitglied im Böblinger
Kreistag, was mir sehr viel gegeben hat. Ich kann nur emp-
fehlen, dass sich viele JU-Leute um kommunale Mandate
bewerben. Ich habe keinerlei Nachteile empfunden im Hin-
blick auf den Zugang zu anderen in der Partei. Ich war ge-
wähltes Mitglied im CDU–Landesvorstand. Was mich
damals daran schockiert hat, war, dass das eine bessere Ka-
binettssitzung war, in der eigentlich die Partei gar nicht
groß stattfand. Ich hatte den Eindruck, dass die JU durch-
aus für voll genommen wurde. Andererseits muss ich aus
der Retrospektive sagen, dass es aus der Sicht der Jungen
Union und des Stattfindens von unkonventioneller Willens-
bildung von unten nach oben in einer Partei schädlich ist,
wenn ein Vorsitzender einer Partei gleichzeitig Chef der
Exekutive ist und daher bestimmte Sachzwänge auf die
Partei ausübt.
Interview mit
Hans-Jürgen Zahorka:
?
Was hat Sie zur Kandidatur als JU-Landesvorsitzender
bewogen?
!
Ich hatte eigentlich gar kein so großes Interesse, Lan-
desvorsitzender zu werden. Aber mich hat das in ge-
wisser Hinsicht schon gereizt. Andererseits wusste ich
genau, dass das nicht einfach wird. Leute wie Hubert Wi-
cker und andere aus den Bezirken haben gesagt, sie wür-
den es begrüßen, wenn ein Mann meiner politischen Linie
kandidieren würde, die zwar abgehoben von der CDU ist,
aber die deren Grundsätze doch voll vertritt und die nicht
neben der CDU läuft, aber auch nicht in deren lammfrom-
men Windschatten. Eigentlicher Anstoß zur Kandidatur
war aber, dass mich eines Tages Karl Lamers und Franz
Wieser mit einem Blumenstrauß zu Hause heimsuchten,
den Blumenstrauß meiner Frau gaben und mir mitteilten,
ich hätte keinerlei Chancen, ich solle von der Kandidatur
Abstand nehmen. Daraufhin teilte ich den beiden mit, dass
ich mit Sicherheit kandidieren werde, denn wenn mich et-
was zu einer Handlung bestimmt dann eben solche Vor-
geschichten.
Was mich selbst betrifft, habe ich allerdings die Erfahrung
gemacht, dass ich kein idealer Parteiführer im weitesten
Sinne des Wortes bin. Mich schreckt dieses Apparatden-
ken ab. Ich habe gemerkt, dass man ständig versucht ist,
zum Apparatschik zu werden, wenn man so etwas macht
und viele JU-Leute sind es, bevor sie in der CDU nennens-
werten Einfluss bekommen haben, selbst geworden. Ich
hoffe, dass ich es niemals geworden bin.
Der JU Landesvorstand besichtigt ein Weingut
Zackis Stellvertreter
Dr. Karl A. Lamers
1982–1983
Union einen Ruck nach rechts bewirkten, wodurch man
viele interessante Leute aufgegeben hat, in der Mitte oder
auch im halblinken Teil des politischen Spektrums. Ich ha-
be mich damals selbst immer energisch gegen rechts ab-
gesetzt, was nicht immer sehr gerne gesehen wurde in der
JU und in der CDU. Damals hat eine Entwicklung einge-
setzt, die dazu führte, dass die JU seither Netto-Mitglie-
derverluste hatte. Das ist nicht nur aufgrund der
demographischen Situation so. Diese Entwicklung hängt
damit zusammen, dass die Junge Union auf Bundesebene
an Profil verloren hat. Wir hatten mit Matthias Wissmann
einen Vorsitzenden, der viel zu lange Vorsitzender war,
woraus eine mangelnde Innovationsfähigkeit resultierte.
Die Rekrutierung der Bundesvorstandsmitglieder war in
den vielen Landesverbänden, zum Teil auch bei uns nicht
unbedingt an Innovationsfähigkeit orientiert. Dies sieht
man am persönlichen politischen Schicksal vieler ehema-
liger Bundesvorstandsmitglieder.
?
Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie nach Jahren auf
Ihre Amtszeit zurückblicken. Was sind die bleibenden Er-
innerungen?
!
Die Junge Union Baden-Württemberg auf Landesebe-
ne ist ein schwer zu zähmendes System. Es ist schwer,
einen Verband zu führen mit Bezirksverbänden, die ich als
vollkommen überflüssig betrachte. Wenn die CDU und die
Junge Union auf Landesebene schlagkräftig Bleiben wol-
len, sollten sie diese Zwischendecks streichen und zwi-
schen Landesebene und der Basis eine stärkere Synergie
schaffen. Das ist mein bleibender Eindruck, was den Wil-
lensbildungsprozess in der Partei betrifft.
Ich kann mich daran erinnern, dass ich in der sachlichen
Arbeit nicht das machen konnte, was ich eigentlich wollte.
Ich habe darunter gelitten, dass immer dann, wenn ich ver-
sucht habe Sachpolitik zu betreiben, das in endlosen for-
?
In Ihre Amtszeit fiel 1982 der Wechsel der SPD/FDP-
Koalition zu einer CDU-geführten Bundesregierung.
Es ist nicht mehr so gelungen wie in den Jahren davor junge
Leute anzusprechen. Worauf führen Sie das zurück?
!
Aus der Sicht der Jugendorganisation einer Regie-
rungspartei ist das immer schwieriger als aus der Op-
position heraus. Ich glaube, dass damals auch eine Art
Zeitgeist herrschte, wo bestimmte exaltierte Formen aus
dem Bereich der Schüler Union aber auch der Jungen
fi ‹
10.06.1982
Die NATO-Gipfelkonferenz
tagt erstmals in Bonn
06.03.1983
Bei den vorgezogenen
Neuwahlen zum
10. Bundestag erreicht
die CDU/CSU
48,8 % der Stimmen
Seite 42 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Ministerpräsident Lothar Späth diskutiert mit JU’lern
1983

16./17.07.1983
Beim Landestag der JU Baden-Württemberg
wird Günther H. Oettinger zum Nachfolger
von Hans-Jürgen Zahorka gewählt
mellen oder personellen Diskussionen endete. Wenn ich
aus meiner politischen Tätigkeit eine Erfahrung für mich
gezogen habe: Ich kam mit den Wählern glänzend klar, mit
den Bürgern erst recht, mit den Parteimitgliedern sehr
gut, aber je höher die Funktionsträger Hierarchie ging,
desto mehr Probleme hatte ich. Ich glaube nicht, dass das
gegen einen spricht. Wir haben aber doch einem Bereich
Impulse gegeben. Wir sind an der Front der sogenannten
Friedensdiskussion gestanden. In dieser Diskussion sind
wir manchmal von der CDU auch ein bisschen allein ge-
lassen worden. Es hat aber sehr viel Spaß gemacht, diese
Diskussion mit Argumenten, manchmal auch mit Emotio-
nen zu führen.
Seite 43 40 Jahre JU Baden-Württemberg
LANDESVORSTANDSMITGLIEDER
IN DER AMTSZEIT VON HANS-JÜRGEN ZAHORKA
Landesvorsitzender Hans-Jürgen Zahorka 1981 – 1983
stellv. Landesvorsitzender Dr. Karl A. Lamers 1981 – 1983
Finanzreferent Rainer Trost 1981 – 1983
Pressereferent Otto Hauser 1981 – 1983
Schriftführer Claus-Peter Grotz 1981 – 1983
Beisitzer Gerhard Rastetter 1981 – 1982
Walter Bühler 1981 – 1983
Gabi Unglenk 1981 – 1983
Marcus Mattis 1981 – 1983
Rita Mezger 1981 – 1982
Axel Häberle 1981 – 1983
Dr. Thomas Ulmer 1981 – 1983
Michael Fuhrmann 1981 – 1983
Michael Reichardt 1982 – 1983
Roland Fehrenbach 1982 – 1983
Bezirksvorsitzender
Nordbaden Rainer Neutard 1981 – 1983
Bezirksvorsitzende
Nordwürttemberg Rainer Vögele 1981 – 1983
Günther H. Oettinger 1981 – 1982
Marcus Mattis 1982 – 1983
Bezirksvorsitzende
Südbaden Michael Arnold 1981 – 1982
Jürgen P. Graf 1982 – 1983
Bezirksvorsitzender
Württ.-Hohenzollern Eberhard Wurster 1981 – 1983
Landesgeschäftsführer Martin Schlindwein 1981
Josef Müller 1981 – 1983
Hans-Jürgen Zahorka im Gespräch
T R A D I T I O N U N D Z U K U N F T .
Viele jüngere Menschen sind mit einer
scheinbaren „Weisheit“ aufgewachsen: Am
Ende gehe es doch nur ums Geld, weil sich
alles um den Kapitalmarkt drehe. Obacht:
Ehe man mit Geld spielen kann, muss es
jemand verdienen! Was Deutschland stark
macht ist nicht der Kapitalmarkt, sondern
die soziale Marktwirtschaft und ihre Inno-
vationskraft. „Realwirtschaft“ heißt Aus-
bildung, soziales Engagement und vor
allem Freude an der Arbeit für die Kunden.
Das hat nicht nur Tradition, sondern sehr
viel Zukunft! Und das gilt auch für die
REMAG Unternehmensgruppe mit ihren
600 Mitarbeitern. Mehr Informationen
unter www.remag.de
„In der REMAG habe ich nicht nur alles
Wichtige über den Handel gelernt –
sondern auch darüber, wie man als Mensch
handeln sollte.“
Sandra Watzl, 22 Jahre, Ausbildung zur Groß-
und Außenhandelskauffrau bei der REMAG Süd-
bayern – vom BDS für soziales Engagement in
der Freizeit ausgezeichnet als Auszubildende des
Jahres 2009 in der Kategorie "Ausbildung plus".
Unternehmensgruppe REMAG AG:
Leistungsvielfalt in Stahl
WI R G R AT U L I E R E N D E R J U N G E N U N I O N B A D E N -
WÜ R T T E MB E R G Z U I H R E M 4 0 - J Ä H R I G E N J U B I L Ä U M!
REMAG Anz. Chronik JU_RZ 25.05.2010 10:27 Uhr Seite 1
fi ‹ fi ‹
Seite 45 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1983–1984
16./17.07.1983
Landestag in
Remshalden-Grunbach
24.01.1984
Der erste Mac wird
von Apple-Mitbegründer
Steve Jobs vorgestellt

25.03.1984
CDU erreicht mit
Lothar Späth bei der
Landtagswahl 51,9%
19.05.1984
VfB Stuttgart
wird Deutscher
Fußballmeister
ter einmal „enthüllte“, war das Revirement an der Spitze
Ergebnis eines Kompromisses zwischen den führenden
Männern des Bezirksverbandes Nordwürttemberg: Hans-
Jürgen Zahorka verzichtete auf eine erneute Kandidatur
zu Gunsten von Günther H. Oettinger, der wiederum zu
Gunsten von Marcus Mattis den Bezirksvorsitz räumte.
Gleichzeitig kamen die drei überein, Zahorka für einen
Landeslistenplatz zur Europawahl 1984 zu unterstützen.
Oettinger war mit dem Vorsatz angetreten, den Einfluss
der Vereinigungen in der CDU zu stärken. Deshalb war die
Arbeit des Landesverbandes jener Zeit darauf gerichtet,
auf die Arbeit der Gesamtunion Einfluss zu nehmen.
Gleichzeitig versuchte Günther H. Oettinger durch politi-
sche Provokationen die Diskussion voranzubringen. „Die
Arbeit der Zuspitzung“ bedeutete dabei auch, dass Oet-
tinger durchaus einmal über das Ziel hinausschoss, so als
er einmal die Zusammenkünfte der Frauen Union als „Kaf-
feekränzchen des Krampfadergeschwaders“ bezeichnete
oder von Helmut Kohl als dem „Leichtmatrosen vom Wolf-
gangsee“ sprach. Aber auch in der innerparteilichen
Empörung bewies der JU-Landesvorsitzende politisches
„Standing“ – gelegentlich half auch das „geordnete Abtau-
chen“.
Die Monate vor der Landtagswahl 1984 waren für die Jun-
ge Union Baden-Württemberg mit der Vorbereitung des
Landtagswahlkampfes gekennzeichnet. Mit „GHO“ war es
gelungen, im Wahlkreis Vaihingen einen JU’Ier als Direkt-
bewerber zu nominieren. Trotz des Erfolges von Günther
H. Oettinger in der Landtagswahl 1984 muss man die 80er
Günther H. Oettinger ist in der 40-jährigen Geschichte
der Jungen Union Baden-Württemberg der politisch bis-
lang erfolgreichste aller Landesvorsitzenden. Als spä-
terer Fraktionsvorsitzender, Ministerpräsident und
Mitglied der EU-Kommission hat er maßgebliche politi-
sche Gestaltungskraft.
Der 14. ordentliche Landestag der Jungen Union im Jahr
1983 in Remshalden-Grunbach vollzog den Amtswechsel
an der Spitze der Jungen Union Baden-Württemberg: Ein-
ziger Kandidat für den Landesvorsitz als Nachfolger von
Hans-Jürgen Zahorka war Günther H. Oettinger aus Dit-
zingen. Wie Günther H. Oettinger selbst einige Jahre spä-
Günther H. Oettinger
Günther H. Oettinger: Zwischen dem „Cleverle“
und dem „Leichtmatrosen vom Wolfgangsee“
Der Landesvorstand des Jahres 1983
fi ‹ fi
Seite 46 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1984–1985
und „Kunst und Politik“ statt. Ein anderes Diskussionsthe-
ma jener Zeit war die Umweltpolitik - ein Themenbereich,
in dem sich besonders Walter Bühler engagierte. Daneben
begann die Junge Union 1984/85 die Gemeindereform 10
Jahre nach ihrer Realisierung zu überdenken. Der 16. or-
dentliche Landestag der Jungen Union im Jahr 1985 fand
in Bühlertal statt. Dort diskutierten die Delegierten mit
dem Generalsekretär der CDU, Heiner Geißler und das
Hauptthema des Landestages war „Wie hält es die CDU
mit den Grünen - Koalition: Ja oder Nein?“ Mit 78 zu 73
Stimmen wurden seinerzeit Koalitionen mit den Grünen
auf allen Ebenen abgelehnt.
Dass man in nichts besser – als im eigenen Saft schmort –,
auf diese Erkenntnis kam die Junge Union immer wieder
einmal zurück. So wurde auf dem außerordentlichen Lan-
destag 1985 in Mühlacker leidenschaftlich, wie man es
sich manchmal bei einem politischen Thema gewünscht
hätte, über eine neue Satzung der Jungen Union Baden-
Württemberg diskutiert. Politisch ertragreicher war der
Deutschlandtag der Jungen Union 1985, denn mit Eber-
hard Wurster als Beisitzer gelang es neben Albrecht Geier,
dem Bundesschatzmeister, einen weiteren Baden-Würt-
temberger in den Bundesvorstand zu bringen. Ertragreich
Jahre unter den Gesichtspunkt der personellen Erneue-
rung der CDU Baden-Württemberg als Jahre der personal-
politischen Stagnation bezeichnen. War es in den 60er und
70er Jahren mit Lothar Späth, Erwin Teufel, Dietmar
Schlee, Heinrich Haasis, Heiner Geißler, Anton Pfeifer und
Matthias Wissmann noch vielen jüngeren Politikern in der
Altersstufe um 30 Jahre gelungen, in politische Ämter und
Mandate einzurücken, so bewegte sich in den 80er Jahren
wenig. Neben Otto Hauser und Hans-Joachim Fuchtel als
Bundestagsabgeordnete waren es lediglich Günther H.
Oettinger sowie Paul-Stefan Mauz und Hans Lorenz, die
1984 bzw. 1988 im aktiven JU-Alter politische Mandate im
Landtag erlangten. Bei der Bundestagswahl1990 folgten
Claus-Peter Grotz und Dr. Andreas Schockenhoff als JU-
Bundestagskandidaten.
1984 fand in Bisingen im Zollern-Alb-Kreis der JU-Landes-
tag zu den Themen „Privatisierung als politische Aufgabe“
01.07.1984
Richard von Weizsäcker
wird Bundespräsident
07./08.07.1984
Landestag in Bisingen
11.03.1985
Michail Gorbatschow
wird Generalsekretär
der KpdSU
Die JU Südbaden beim Landestag 1984
Die 1986 gewählten Damen des Landesvorstandes
‹ fi ‹
Seite 47 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1985
02.04.1985
Verurteilung der
RAF-Terroristen Klar
und Mohnhaupt
06./07.07.1985
Landestag in Bühlertal
16.10.1985
erste rot-grüne
Landesregierung
in Hessen
für den Landestag 1987 in Heilbronn wurde vom Vorstand
aufgrund der Brisanz und Aktualität der AIDS-Problematik
gekippt. Unter Leitung von Thomas Strobl wurde ein
umfangreiches Thesenpapier erstellt. 1988 gelang es der
Jungen Union mit dem JU-Bezirksvorsitzenden von Würt-
temberg-Hohenzollern Paul-Stefan Mauz und dem JU-
Kommunalpolitiker Hans Lorenz mit zwei weiteren
Abgeordneten in den Landtag einzuziehen. Die Junge Uni-
on tat sich im Landtagswahlkampf 1988 wieder einmal
mehr als die entscheidende Kraft in der Union Baden-
Württembergs hervor. In zahlreichen JU-Kandidaten-
teams, dem „Späth-Team“ und mit vielen Wahlkampf-
leitern aus den Reihen der JU „kämpfte die JU wie noch
nie“, so Lothar Späth.
Nach der Landtagswahl im Frühjahr und Sommer 1988
stand die Bundes-CDU im Mittelpunkt: Die geplante Steu-
war ebenfalls die Arbeit des AK Grundsatzprogramm, der
unter Andreas Erlecke den baden-württembergischen Bei-
trag zum neuen Grundsatzprogramm der Jungen Union
Deutschlands erarbeitete.
Beim Landestag 1986 vollzog sich eine längst überfällige
frauenpolitische Offensive: Neben Ulrike Miller als Schrift-
führerin gelang Annette Widmann-Mauz, Meike Stange
und Annette Limburger der Sprung in den Landesvor-
stand. Thematisch nahm der Hüfinger Landestag eine
Halbzeitbilanz der Landesregierung unter dem Motto „Soll
und Haben der Regierung Späth“ vor. Der Reaktorunfall
von Tschernobyl beschäftigte auch die Delegierten in Hü-
fingen. Für einen sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie,
wie von der JU Südbaden gefordert, sprach sich der Lan-
destag jedoch nicht aus. Marcus Mattis, damals noch Be-
zirksvorsitzender der JU Nordwürttemberg und noch nicht
wie heute fest in der Energiewirtschaft etabliert, gelang
es aber, eine knappe Mehrheit für einen mitteI- bis lang-
fristigen Ausstieg aus der Kernenergie zu erreichen.
Heftig spekuliert wurde in dieser Zeit über die Schaffung
des von der Jungen Union geforderten Umweltministeri-
ums. Lothar Späth entschloss sich 1987 im Zuge einer Re-
gierungsumbildung ein solches Ministerium einzurichten.
Das ursprünglich geplante Thema „Entwicklungspolitik“
Gespräch mit Innenminister Schlee
1987 in den Bundestag: Otto Hauser und Hans-Joachim Fuchtel
fi ‹ fi
Seite 48 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1986
die JU eine Kampagne zur Reform der Parteistruktur. Mit
„Überlegungen und Vorschlägen zur Erneuerung der CDU
Baden-Württemberg“ forderte die JU Maßnahmen und
Strukturen, die es ermöglichten, den Sachverstand der
erbefreiung für Flugbenzin sowie die Wehrdienstverlän-
gerung führten zu einer tiefen Vertrauenskrise in den po-
litischen Führungsstil und die Durchsetzungskraft Helmut
Kohls. Die JU Südbaden forderte beim Landestag 1988 in
Meersburg den Rücktritt Helmut Kohls als Parteivorsit-
zender. Nach Bekannt werden des Antrags, meldete sich
der Staatsminister im Bundeskanzleramt, Dr. Wolfgang
Schäuble, als Redner an. Im Vorstand hatte es sich am Vor-
abend des Landestages bereits abgezeichnet, dass die
Rücktrittsforderung breite Unterstützung finden könnte.
An die Reden Schäubles und Späths schloss sich eine
mehrstündige Debatte an. Am Ende stand die deutliche
Mehrheit der Delegierten hinter der vom Landesvorstand
eingebrachten Entschließung, die Helmut Kohl zum Rück-
tritt als Parteivorsitzender aufforderte.
Aber auch in der CDU Baden-Württemberg herrschten kei-
ne paradiesischen Zustände. Angesichts beträchtlich rück-
läufiger Mitgliederzahlen, einem deutlichen Trend zur
Überalterung, einer Unterrepräsentation von Frauen und
der zum Erliegen kommenden Diskussionskultur, startete
19.02.1986
Sowjetunion schießt
Raumstation Mir
in Erdumlaufbahn
25.02.1986
Gorbatschow fordert
Glasnost und damit
mehr Freiheit
26.04.1986
Reaktorkatastrophe
in Tschernobyl
Treffen mit dem mosambikanischen Ministerpräsidenten in Hongkong
Landesvorstand mit Lothar Späth im Staatsministerium
China-Reise 1987
‹ fi ‹
Seite 49 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1986–1987
05./06.1986
Argentinien
besiegt Deutschland
im Fußball-WM-Finale
12./13.07.1986
Landestag in Hüfingen
25.01.1987
Bundestagswahl
sichert Helmut Kohl
weitere Amtszeit
Bis zuletzt ließ sich Günther H. Oettinger auch den politi-
schen Fahrtwind kräftig entgegenwehen; mit dem Landes-
tag 1989 in St. Leon-Rot schied er dann altersbedingt aus
der JU aus. Mit Günther H. Oettinger verlor die Junge Uni-
on Baden-Württemberg ein großes politisches Talent:
Nach innen ausgleichend gelang es ihm, die vier traditio-
nell eher separatistisch veranlagten Bezirksverbände zu
einer „schlagkräftigen Truppe“ zu machen, ohne ihnen ihre
politische und strukturelle Eigenständigkeit zu nehmen.
Oettinger besaß Sachkompetenz und politisches Gespür
für Themen und Entwicklungen - auch personeller Art.
Menschlich war er ein guter Freund, ein fairer Diskutant
und ein aufrechter Streiter für die Sache der JU!
Mitglieder verstärkt zu nutzen. Anregungen der JU wie die
Wiedereinrichtung der Landesfachausschüsse wurden von
der CDU schließlich aufgegriffen und umgesetzt.
Nachdem im Jahre 1987 Eberhard Wurster und im Jahre
1989 Dr. Albrecht Geier den JU-Bundesvorstand verließen,
gelang es Christine Arlt-Palmer aus Stuttgart auf dem JU-
Deutschlandtag in Oldenburg 1989 für die JU Baden-
Württemberg das beste Ergebnis im Bereich der Beisitzer
zu erzielen.
Auf der Weihnachtssitzung des Landesvorstands 1988 in
Filderstadt legte Günther H. Oettinger dem Vorstand ein
Diskussionspapier zum Thema „Umwelt und Verkehr“ mit
folgenschwerer Bedeutung vor. Darin schlug er unter an-
derem vor, Motorradfahren als reine Sportausübung zu
betrachten und die Ausübung auf abgesperrte Strecken zu
bestimmten Zeiten zu begrenzen. Von Oettingers Ideen
zu diesem Thema sollten denn auch Fachzeitschriften le-
sende Motorradfans sehr schnell Wind bekommen.
Fußballspiel der JU gegen die Landesregierung
Im Gespräch mit Regierungssprecher Matthias Kleinert
fi ‹ fi
Seite 50 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1987
!
Die Junge Union hatte damals wie heute ihre Stärken
und Schwächen. Entscheidend ist aber vor allem, dass
es für die CDU ein gewaltiges Glück ist, eine Jugendorga-
nisation mit einem Idealismus und der Schlagkraft zu ha-
ben, wie es keine andere Partei sonst von sich sagen kann.
Darum würde ich der JU raten, ihre Eigenständigkeit pro-
grammatisch, aber auch ihre Bereitschaft zu parteiinter-
nen Diskussionen und Kritik weiter auszubauen.
?
Welchen Rat möchten Sie den jetzt aktiven und kommen-
den JU’lern mit auf den Weg geben?
!
Ein guter JU’ler sollte von Politik begeistert sein, aber
nicht mit 18 Jahren beschließen, seine berufliche Lauf-
bahn in der Politik zu nehmen, sondern sich durch die Be-
rufsausbildung seine persönliche Unabhängigkeit der
Politik gegenüber bewahren. Insgesamt sollte die JU dafür
sorgen, dass Politik getreu ihrem Moto „Politik und Party“
weiterhin Spaß macht, Freundschaften ermöglicht und
nicht zu verbissen und berechnend wird.
Interview mit
Günther H. Oettinger
?
Herr Oettinger, als Ministerpräsident haben Sie mit Pro-
jekten wie dem „Kinderland Baden-Württemberg“ und
der Haushaltskonsolidierung generationengerechte und
nachhaltige Politik im besten Sinne betrieben. Hat Ihre Zeit
in der Jungen Union Ihre Regierungsarbeit beeinflusst?
!
Auf jeden Fall. Die Junge Union war und ist der CDU
bei Themen und Positionen oft einen Schritt voraus.
Während in den Parlamenten noch über großzügige Aus-
gabenprogramme diskutiert wurde, hatte sich die JU
längst die Prinzipien der Generationengerechtigkeit und
Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Für mich war
immer klar, in der Landespolitik für die Umsetzung dieser
Themen und Positionen zu kämpfen und damit auch der
Jungen Union verbunden zu bleiben.
?
Was waren die Höhepunkte und die bestimmenden The-
men Ihrer Amtszeit als JU-Landesvorsitzender?
!
Wir hatten in meinen sechs Jahren als Landesvorsitzen-
der in den beiden Landtagswahlkämpfen 1984 und
1988 als Junge Union einen erheblichen Beitrag zu leisten,
um trotz widriger politischer Großwetterlage die absolute
Mehrheit in Baden-Württemberg zu halten. Sachpolitisch
hatten wir eine verstärkte Auseinandersetzung um um-
weltpolitische Themen mit den immer stärker werdenden
Grünen zu führen.
?
Gibt es Unterschiede zwischen der JU damals und
heute?
23.03.1987
Willy Brandt tritt als
SPD-Parteivorsitzender
zurück
12.06.1987
US-Präsident
Ronald Reagan
zur 750-Jahr-Feier
in Berlin
04./05.07.1987
Landestag in Heilbronn
Günther H. Oettinger
Landesvorsitzender 1983-1989
V.l.: Annette Widmann, Erwin Teufel und Güther H. Oettinger
fi ‹
Seite 51 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1988
20.03.1988
49,0% für die CDU
bei der Landtagswahl
02./03.07.1988
Landestag in Meersburg
LANDESVORSTANDSMITGLIEDER
IN DER AMTSZEIT VON GÜNTHER H. OETTINGER
Landesvorsitzender Günther H. Oettinger 1983-1989
stellv. Landesvorsitzende Andreas Erlecke 1986-1989
Dr. Karl A. Lamers 1983-1986
Werner Theis 1986-1987
Annette Widmann-Mauz 1987-1989
Finanzreferenten Thomas Hofmann 1988-1989
Franz-Josef Stadler 1983-1988
Pressereferenten Steffen Kärcher 1983-1986
Thomas Strobl 1986-1989
Schriftführer Claus-Peter Grotz 1983-1985
Raimund Gründler 1988-1989
Ulrike Miller 1985-1988
Beisitzer Stephanie Angele 1988-1989
Frank Armbruster 1987-1989
Rainer Balzer 1983-1985
Jürgen G. Bufka 1988-1989
Walter Bühler 1983-1985
Roland Burger 1987-1989
Andreas Erlecke 1985-1986
Roland Fehrenbach 1983-1984
Michael Fuhrmann 1983-1985
Hermann Glück 1987-1989
Raimund Gründler 1987-1989
Axel Häberle 1983-1984
Dr. Andreas Horn 1989
Annette Limberger 1986-1987
Michael Reichardt 1983-1985
Andreas Renner 1984-1987
Roland Richter 1986-1987
Christian Ringwald 1987-1989
Wolfgang Schnell 1987-1989
Meike Stange 1986-1989
Dr. Rainer-Udo Steck 1985-1988
Thomas Strobl 1985-1986
Thomas Sykora 1985-1987
Werner Theis 1984-1986
Gabi Unglenk 1983-1985
Martin Weigele 1985-1986
Annette Widmann-Mauz 1986-1987
Rainer Wieland 1984-1989
Hans-Jürgen Zahorka 1983-1984
Bezirksvorsitzende
Nordbaden Rainer Neutard 1983-1984
Klaus-Dieter Reichardt 1983-1986
Roland Richter 1986-1989
Bezirksvorsitzende
Nordwürttemberg Marcus Mattis 1983-1988
Dr. Christoph-E. Palmer 1988-1989
Bezirksvorsitzende
Südbaden Jürgen-Peter Graf 1983-1986
Dr. Hubert Müller 1988-1989
Andreas Renner 1986-1988
Bezirksvorsitzende
Württ.-Hohenzollern Paul-Stefan Mauz 1985-1989
Eberhard Wurster 1983-1985
Landesgeschäftsführer Josef Müller 1983-1987
Thomas Schäfer 1988-1989
Motorrad Services
Änderungsabnahmen
Was die Welt bewegt, machen wir sicher.
Fuhrparkmanagement
Kfz-Gutachten
Hauptuntersuchung
www.dekra.de Automotive Industrial Personnel
DEKRA – Ihre Experten für sichere Mobilität.
Kaum eine Erfindung hat unser Leben mehr geprägt als das Automobil. Doch je mobiler wir werden,
desto größer werden die Herausforderungen an Mensch und Fahrzeug. Gut, hier einen kompetenten
Partner an seiner Seite zu wissen: Bereits seit 1925 leisten die DEKRA Experten einen entscheidenden
Beitrag für mehr Sicherheit auf den Straßen. Ganz gleich, ob mit Motorrad, Lkw oder Personenwagen,
ob bei Hauptuntersuchung, Fahrzeuggutachten oder Fahrerschulung – mit DEKRA genießen auch Sie
das gute Gefühl, sicher an Ihr Ziel zu kommen.
Den nächstgelegenen DEKRA
Standort finden Sie unter:
www.dekra.de oder unter der
Service-Hotline: 01805.2099
(14 ct/min aus dem deutschen
Festnetz, höchstens 42 ct/min
aus Mobilfunknetzen.)
DEKRA_Image_210x210 plus 3mm.indd 1 31.05.10 11:27
fi ‹ fi ‹
Seite 53 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1989–1990
08./09.07.1989
Andreas Renner
wird beim 20. Landestag
der JU BW in St. Leon-Rot
Landesvorsitzender
11.09.1989
Ungarn öffnet seine Grenze
zu Österreich, Deutsche aus
der DDR gelangen in den
Westen
09.11.1989
Fall der Berliner Mauer
und Öffnung des
Eisernen Vorhangs
29.06.1990
Geburtstagsfeier zum
20-jährigen Bestehen
der JU Baden-Württemberg
Bundespolitisch war die Zeit von der Öffnung der Mauer
geprägt. Viele JU-Verbände leisteten engagiert Hilfe und
Unterstützung für die bürgerlichen Kräfte im Volkskam-
merwahlkampf in der DDR. Innerparteilich bewegte der
Streit um die Entscheidung von Helmut Kohl, den bisheri-
gen CDU-Generalsekretär und ehemaligen Landesvorsit-
zenden der JU BW Heiner Geißler nicht mehr als
Generalsekretär vorzuschlagen, die Gemüter. Die JU hielt
dies für einen Fehler und bezog klar Stellung gegen diese
Entscheidung.
Im Jahr 1990 konnte die JU Baden-Württemberg ihr 20-
jähriges Bestehen feiern. Es wurde zu einer großen Ge-
burtstagsfeier nach Stutensee-Blankenloch geladen. Als
Gäste konnten neben zahlreichen ehemaligen und aktiven
JU-Mitgliedern als Festredner Dr. Heiner Geißler MdB, und
Andreas Renner:
Der Umweltpolitiker
Beim 20. Landestag der Jungen Union Baden-Württem-
berg 1989 löste der bisherige südbadische Bezirksvor-
sitzende Andreas Renner aus Stockach Günther H.
Oettinger als Landesvorsitzender ab. Als einziger Be-
werber erhielt Andreas Renner ein beachtliches Wahl-
ergebnis. Inhaltlich stand der Landestag unter dem
Leitthema „Wir bringen Pfeffer in die Politik“ (Kommu-
nalpolitik). Daneben beherrschte ein weiteres wichtiges
Thema die Diskussionen: Die JU Baden-Württemberg
sprach sich entschieden gegen jegliche Zusammenar-
beit mit den rechtsextremistischen Republikanern aus
und unterstrich dieses mit der Forderung nach der An-
drohung eines Parteiausschlusses im Falle einer Zusam-
menarbeit.
Die JU Baden-Württemberg hatte zu diesem Zeitpunkt
18.802 Mitglieder (davon 23% weiblich) und war damit
der drittgrößte Landesverband in Deutschland. Der inhalt-
liche Tätigkeitsschwerpunkt des neuen Landesvorsitzen-
den war die Umweltpolitik. Für ihn war die Umweltpolitik
„nach wie vor das wichtigste Politikfeld überhaupt. Die
CDU hat in diesem Bereich ein Stück weit Kompetenz ver-
loren“, so Renner im Oktober 1989. So war es auch nur
konsequent, dass die JU beim CDU-Landesparteitag im
November 1989 ein Veto-Recht für Umweltminister in ei-
nem Antrag forderte, welchem die Delegierten allerdings
nicht zustimmten. Personell konnte die JU ihre Stellung
verstärken. Neben Andreas Renner gelang es dem nord-
badischen JU-Vorsitzenden Roland Richter in den CDU-
Landesvorstand gewählt zu werden.
Nachsitzung in illusterer Runde, u.a. Volker Kauder, Gerhard Mayer-Vorfelder, Andreas Renner, ...
fi ‹ fi ‹
Seite 54 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1990–1991
wesentlichen Themen im Zusammenhang mit der Golf-
Krise wie auch den existenziellen Nöten der neuen Bun-
desländer hat sich Bundeskanzler Helmut Kohl
„weggeduckt“. Politisch näherte sich die JU den Grünen
an. Sie konnte sich eine Regierungskoalition mit den Grü-
nen langfristig eher vorstellen als mit der FDP. Inhaltlich
setzte sich die JU mit Scientology auseinander. Andreas
Renner forderte die Landesregierung auf, Werbung für
diese selbsternannte Kirche sofort zu verbieten. Dieses
Thema beschäftigte die JU auch 1992. So wurde unter an-
derem ein umfassendes Thesenpapier zu Scientology ver-
abschiedet. Das politische Jahr war geprägt von der
Landtagswahl. Trotz des intensiven Einsatzes der JU er-
reichte die CDU das schlechteste Ergebnis ihrer Geschich-
te und musste die Regierung in einer großen Koalition mit
der SPD bilden. Daneben war die JU mit einer Forderung
nach einem generelles Tempolimit von 120 bis 130 Stun-
denkilometern auf den deutschen Autobahnen in der Pres-
se.
Dr. Heinz Eyrich MdL, begrüßt werden. Bei der Ausrich-
tung des Landestages 1990 setzte die JU ein deutliches
Zeichen, dass Grenzen in der Vision von Europa nur noch
Nebensache sind und richtete den Landestag in Straßburg
aus. Für Deutschland galt es in dieser Zeit wesentliche
Weichenstellungen für die Zukunft zu stellen. So wurde
beispielsweise intensiv und zugespitzt über die zukünftige
Hauptstadt Deutschlands diskutiert. Hierbei sprach sich
eine hauchdünne Mehrheit der Delegierten für Berlin aus.
Die Bundestagswahl im Dezember 1990 verlief aus Sicht
der Jungen Union sehr erfolgreich. In der CDU/CSU-Frak-
tion saßen 21 Abgeordnete unter 35 Jahren. Im Wahlkreis
Hechingen-Tübingen gelang es Claus-Peter Grotz gegen
die prominente SPD-Kandidatin Herta Däubler-Gmelin
das Direktmandat zu gewinnen. Ebenfalls das Direktman-
dat gewinnen konnte Dr. Andreas Schockenhoff im Wahl-
kreis Bodensee.
Im Februar 1991 konstatierte die JU in einer politisch be-
wegten Zeit eine „eklatante Bonner Führungskrise“. In den
08.07.1990
Deutschland gewinnt
die 14. Fußball-
Weltmeisterschaft
in Italien
03.10.1990
Deutschland wird
wiedervereinigt
und der 3. Oktober
Nationalfeiertag
02.12.1990
Die JU’ler Claus-Peter Grotz
und Andreas Schockenhoff
werden in den 12. Deut-
schen Bundestag gewählt
28.02.1991
Waffenstillstand mit dem
Irak nach dem Golfkrieg
Einstimmig: (v.l.) Christoph Palmer, Christine Arlt, Rainer Wieland
Sorgen für gute Laune: Andreas Renner und Thomas Strobl
fi ‹ fi ‹
Seite 55 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1991–1992
31.03.1991
Auflösung des
militärischen Strukturen
des Warschauer Pakts
04.10.1991
Volker Kauder wird
Generalsekretär der
CDU BW
07.02.1992
Der Vertrag über die Euro-
päische Union wird von den
Außen- und Finanzministern
der Mitgliedstaaten in
Maastricht unterzeichnet
05.04.1992
Nach der Landtagswahl
wird BW von einer
Großen Koalition regiert
Interview mit
Andreas Renner
?
Dem Landtag von Baden-Württemberg gehört aktuell
kein Mitglied der Jungen Union an. Dies wird sich nach
der Landtagswahl 2011 ändern. Wie siehst Du den Stellen-
wert der Jungen Union und damit die Vertretung der jungen
Generation innerhalb der CDU?
!
Die Junge Union hat nach wie vor den größten Stellen-
wert innerhalb der CDU, sowohl im Land als auch im
Bund sind fast alle Führungspositionen der CDU und der
von ihr getragenen Regierung mit ehemaligen JU-Füh-
rungspersönlichkeiten besetzt. Der Bundesvorsitzende
der JU sitzt sogar im Präsidium, das gab es noch nie. Ich
würde mir zuweilen eine etwas aggressivere Junge Union
Zum Jahreswechsel beschäftigte sich die JU mit rechtsra-
dikalen Gewalttätern und Ihren Sympathisanten. Um ein
deutliches Zeichen zu setzen richtete die JU Weihnachts-
feiern für Ausländer und Asylbewerber aus. Die Politik der
Landesregierung wurde wieder mit klaren Worten kom-
mentiert. Anlässlich der gescheiterten Ansiedlung des Pri-
vatsenders RTL II erklärte Andreas Renner: „Angesichts
der Lethargie hierzulande kann einem nur Angst und Ban-
ge werden.“
Nach 24 Amtsjahren eines SPD-Oberbürgermeisters in
Singen am Hohentwiel gelang dem JU-Landesvorsitzen-
den Renner mit über 60% der Sprung auf den Stuhl des
Singener Oberbürgermeisters. Er übte das Amt des JU-
Landesvorsitzenden neben seiner Funktion als Oberbür-
germeister noch weiterhin bis zum Landestag im Juli 1994
aus.
Beim Landestag mit Ministerpräsident Erwin Teufel
V.l.: Andreas Renner, Bundeskanzler Helmut Kohl, Anton Pfeifer, Peter Hauk
fi ‹ fi ‹
Seite 56 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1992–1993
!
Die Singener hat das nicht gestört, ich war über meine
ganze OB-Zeit hinweg sowohl im Landes- wie auch im
Bundesvorstand der CDU, das hat sie eher stolz gemacht.
Natürlich war es nicht immer einfach ein neues, nicht ganz
einfaches Amt anzutreten und gleichzeitig noch Landes-
vorsitzender der JU zu sein, ich hatte aber eine super Un-
terstützung durch meinen Vorstand und da ich am 1.
Dezember OB wurde und im Juli dann schon wieder Lan-
destag war, war die Zeitspanne nicht ganz so groß.
?
Unter Deiner Führung hat eine Annährung zu den Grü-
nen stattgefunden. Derzeit ist zu beobachten, dass die
Grüne Jugend sehr stark links orientiert ist. Eine Zusammen-
arbeit mit der Grünen Jugend ist nicht möglich. Wie siehst
Du die Koalitionsmöglichkeiten mit den Grünen auf Landes-
ebene?
!
Nach wie vor bin ich überzeugt davon, daß wir alles da-
ran setzten müssen, neben der FDP weitere Koalitions-
möglichkeiten zu haben. Alle vergangenen Wahlen haben
gezeigt, daß die Erosion der Volksparteien nicht gestoppt
werden konnte. Die SPD kann nicht mehr von sich als
Volkspartei reden, die CDU – wenn sie so weiter macht –
auch bald nicht mehr. Wenn dann am Ende eine große Ko-
alition zweier „abgewatschter“ ehemaliger Volksparteien
rauskommt, halte ich das nicht unbedingt für sexy. Dann
bleibt ja nur noch Schwarz/Grün oder wie im Saarland Ja-
maika. Daß dies funktionieren kann, ist inzwischen bewie-
sen und sollte daher auch für uns immer eine Option
beinhalten. Im Übrigen werden die Grünen nicht „rechter“
wenn wir sie dauernd ausgrenzen. Anbiedern sollten wir
uns allerdings auch nicht.
?
Was erwartest Du von der Jungen Union?
!
Daß sie sich zu Wort meldet, daß sie die Partei wo nö-
tig aufmischt, daß sie sich die Mandate im Ort, Land-
wünschen, wenn der Ministerpräsident mehr poltert als
der JU-Vorsitzende macht die JU etwas falsch. Wir waren
da nicht so brav und schon gar nicht so zimperlich.
?
Nach Deiner erfolgreichen Wahl zum Oberbürgermeis-
ter von Singen hast Du eine weitere Amtszeit das Amt
des Landesvorsitzenden der Jungen Union Baden-Württem-
berg begleitet. Wie ist der Spagat zwischen der Ausübung des
Amtes als Oberbürgermeister und der Spitzenposition im
Landesverband der Jungen Union möglich? Gab es Reaktio-
nen hierzu aus Singen?
17.05.1992
Hans-Dietrich Genscher
tritt nach 18 Jahren als
Außenminister aus
Altersgründen zurück
22./26.08.1992
Ausschreitungen
rechtsradikaler Jugendlicher
in Rostock
20.01.1993
Bill Clinton wird als
Nachfolger von George
H. W. Bush (Senior) der
42. Präsident der USA
21.01.1993
Der ehemalige
JU-Bundesvorsitzende
Matthias Wissmann wird
Bundesminister für
Forschung und Technologie
Andreas Renner wird OB von Singen
fi ‹ fi ‹
Seite 57 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1993–1994
12.09.1993
Andreas Renner wird mit 34
Jahren Oberbürgermeister
von Singen
01.01.1994
Aus der Deutschen
Bundesbahn wird die
Deutsche Bahn AG
23. 05.1994
Roman Herzog
wird Bundespräsident
09./10.07.1994
OB Andreas Renner gibt
beim 25. Landestag der JU
BW in Singen das Amt des
Landesvorsitzenden ab
?
Was wünschst Du der Jungen Union für die Zukunft?
!
Dass sie wächst, blüht und gedeiht und stets eine star-
ke Stimme der Jugend ist.
kreis im Landtag oder im Bundestag nimmt. Wir sollten
wieder aufhören uns für Gegenkandidaturen zu entschul-
digen, sie sind Bestandteil der Demokratie.
LANDESVORSTANDSMITGLIEDER
IN DER AMTSZEIT VON ANDREAS RENNER
Landesvorsitzender Andreas Renner 1989 – 1994
Stellv. Landesvorsitzende Annette Widmann 1989 – 1990
Andreas Erlecke 1989 – 1990
Rainer Wieland 1990 – 1992
Gabriele Sprecht-Kiehm 1990 – 1991
Edith Grupp 1991 – 1994
Jürgen G. Bufka 1992 – 1994
Finanzreferenten Thomas Hofmann 1989 – 1991
Oliver Mast 1991 – 1992
Christian Ringwald 1992 – 1994
Schriftführer Raimund Gründler 1989 – 1990
Stefan Wolf 1990 - 1991
Stefan Mappus 1991 – 1994
Pressereferenten Thomas Strobl 1989 – 1991
Michael Eilfort 1991 – 1992
Markus Schubert 1992 – 1994
Beisitzer Stephanie Bürkle 1989 – 1993
Christa Wamsler 1989 – 1990
Jürgen G. Bufka 1989 – 1992
Roland Burger 1989 – 1990
Dr. Andreas Horn 1989 – 1990
Stefan Mappus 1989 – 1991
Christian Ringwald 1989 – 1992
Wolfgang Schnell 1989 – 1990
Rainer Wieland 1989 – 1990
Anita Weining 1990 – 1993
Achim Bachmeyer 1990 – 1991
Oliver Mast 1990 – 1991
Eberhard Schollmeyer 1990 – 1991
Bodo Walther 1990 – 1991
Thomas Strobl 1991 – 1993
Stefan Wolf 1991 – 1994
Peter Hauk 1991 – 1992
Martin Herkommer 1991 – 1994
Oliver Hirt 1991 – 1993
Astrid Lüdicke 1992 – 1994
Hendrik Hunsinger 1992 – 1993
Axel Fischer 1992 – 1993
Kerstin Burgdorf 1993 – 1994
Hermann Glück 1993 – 1994
Petra Schmid 1993 – 1994
Christian von Stetten 1993 – 1994
Michael Schmidt 1993 – 1994
Alexander Hausser 1993 – 1994
Bezirksvorsitzende
Nordbaden Roland Richter 1989 – 1992
Michael Göpfarth 1992 -1994
Bezirksvorsitzende
Nordwürttemberg Christoph E. Palmer 1989 – 1994
Dietrich Birk 1994
Bezirksvorsitzende
Südbaden Dr. Hubert Müller 1989 – 1990
Klaus Thomas Schüle 1990 -1994
Bezirksvorsitzende
Württ.-Hohenzollern Dr. Paul-Stefan Mauz 1989 – 1991
Roland Bürkle 1991 -1994
Der Jurist Rainer Wieland
1994
fi ‹ fi
Seite 58 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Dirk Notheis formulierte am 9./10.7.1994 seine Vorstel-
lungen von der Arbeit der Jungen Union in einigen Punk-
ten, die seine Ära als Landesvorsitzender der JU mit
prägen sollten: Ziel war, die JU wieder stärker nach außen
zu öffnen, Kontakte zu Organisationen in den vorpoliti-
schen Raum zu festigen und zur Horizonterweiterung zu
nutzen. Um wieder verstärkt Anschluss an Jugendliche zu
finden, um Jungwählern einen neuen Zugang zur Politik
allgemein und zur CDU zu ermöglichen. Die „Politik in Na-
delsteifen“ sollte der „Politik in der Badehose“ weichen
und somit mehr Offenheit demonstriert werden.
Ein besonderes Anliegen von Dirk Notheis war der ver-
Es war das erste Ferienwochenende im Sommer 1994 in
Baden-Württemberg, an dem die Junge Union ihren 25.
Landestag in Singen abhielt und mit 155 Ja-Stimmen den
Kreisvorsitzenden der JU Karlsruhe-Land, Dirk Notheis
zum Nachfolger von Andreas Renner an die Spitze des
Landesverbandes wählte. Eine neuer Zeitabschnitt in
der Geschichte der Jungen Union Baden-Württemberg
konnte somit beginnen.
Doch zunächst dominierte ein Antrag der Nordwürttem-
berg die Presseresonanz auf den Landestag am Hohent-
wiel. Demnach sollte die baden-württembergische Große
Koalition aufgekündigt werden, sollte die SPD in Sachsen-
Anhalt in eine Minderheitsregierung unter Duldung der
PDS eintreten. 70% der Delegierten stimmten zu und be-
schäftigten sich weiter mit einem in Thesen dargestellten,
nicht ausformulierten „Leitantrag“, der sich mit der neuen
außen- und sicherheitspolitischen Rolle Deutschlands in
der Welt beschäftigte. Die JU sprach sich an diesem Lan-
destag für die schrittweise Aufnahme der neuen mitteleu-
ropäischen Demokratien in die NATO, auf der Grundlage
des Konzeptes „Partnership for peace“ als ersten Schritt
zu einer paneuropäischen Sicherheitsidentität; zudem
stellten sich die Delegierten hinter die Forderung nach ei-
ner aktiven UNO und das Konzept eines europäischen
Hauses, das die größtmögliche Zahl europäischer Staaten
umfassend, auf drei Säulen basiert: einem ausgeweiteten
Binnenmarkt, einem erweiterten Währungsverbund und
einem neuen Sicherheitsverbund.
09./10.07.1994
Dirk Notheis wird bei
Landestag der JU in Singen
zum neuen Landes-
vorsitzenden gewählt
16.10.1994
Helmut Kohl bleibt Kanzler
einer CDU/CSU-FDP-Koali-
tion im widervereinigten
Deutschland
13.11.1994
Michael Schumacher wird
erster deutscher Formel-1-
Weltmeister
Dr. Dirk Notheis:
Null Bock auf Ecstasy! + Politik in der Badehose!
x Parties and Politics = DANKE, DIRK!
Volker Kauder mit dem T-Shirt der JU-Mitglieder-Werbe-Kampagne „Voll die Peilung“
1995
‹ fi
Seite 59 40 Jahre JU Baden-Württemberg
07.02.1995
In Islamabad wird Ramzi Ahmed Yousef festgenommen.
Er wird verdächtigt, einer der Drahtzieher beim Bomben-
anschlag auf das World Trade Center 1993 gewesen zu sein.
Pakistan liefert ihn deshalb später an die Vereinigten Staaten
aus, wo er zu 240 Jahren Haft verurteilt wird.
Ostern 1995
Der JU Landesverband
reist nach China
tigt dies: Integration, Umwelt, Wirtschaft und Drogenprä-
vention sind nur einige herausragende Themen aus der
Ära Notheis. Die Jugend der CDU stimmt Anfang der 90er
Jahre für ein Landesförderprogramm für alternative Ener-
gieerzeugung, arbeitet an einem Konzept, das strukturelle,
finanzielle und psychologische Akzente setzt, wodurch Ba-
den-Württemberg zur „Unternehmensgründungsfreund-
lichen Zone“ entwickelt werden kann und fordert Ausbau
des Suchtpräventionslehrerkonzeptes in allen Schulen im
Land sowie Stärkung des Streetworker-Konzeptes. In den
Kampf gegen Designerdrogen wie Ecstasy zieht die Junge
Union mit dem stärksten aller Turbos für das menschliche
Gehirn: Traubenzucker.
Karlsruhe, 22./23.7.1995, die Junge Union Baden-Würt-
temberg blickt über den nächsten Wahltermin hinaus und
stärkte Dialog mit den Kreisverbänden. Dieser Ankündi-
gung folgten prompt Taten: Mit einer jährlichen Umfrage
bei den Kreisverbänden zu Kritik und Anregungen über die
Arbeit des Landesverbandes, Veranstaltungen, Material-
angeboten im Bundestagswahlkampf oder einem umfang-
reichen Referentenangebot, machte sich der Landes-
vorstand ein Bild über die Meinung und Bedürfnisse der
JU-Basis.
Und auch die Ära Dirk Notheis war geprägt, von zahlrei-
chen Anstrengungen, um die Reformbestrebungen gegen-
über der CDU weiter voran zu treiben. Die JU forderte die
Wiederkehr einer stärker konturierten Politik der CDU
und setzte neben strukturellen Positionen vor allem mit
inhaltlichen Positionen Akzente – ein Blick auf die ordent-
lichen und außerordentlichen Landestage bis 1999 bestä-
Günther H. Oettinger und Dr. Friedhelm Repnik beim Kicker spielen
Der JU-Landesvorsitzende überreich dem Finanzminister ein „Sparpaket“
1995–1996
fi ‹ fi ‹
Seite 60 40 Jahre JU Baden-Württemberg
dem außerordentlichen Landestag in Sparwiesen (GP) im
Beisein von Kultusministerin Dr. Annette Schavan klare
Forderungen im Hinblick auf die Landtagswahl 1996, die
sich konsequent in die bereits herausgestellten inhaltli-
chen Schwerpunkte der Notheis-Ära einreihen lassen.
Nach einer erfolgreichen Landtagswahl 1996 beschäftigte
sich der 27. Landestag mit dem Leitantrag „Ökologische
und soziale Marktwirtschaft“. Intensiv wurde dabei auf
drei Themenkreise eingegangen:
I. die Bewahrung der Schöpfung – die natürlichen Lebens-
grundlagen sichern,
II. Rahmenbedingungen für Unternehmertum und Wirt-
schaftswachstum sowie
III. Umbau des Sozialstaates und dem Ziel einer „Ökologi-
schen Union" im Sinne einer Wertegemeinschaft, die
Europa neben der Wirtschaftsgemeinschaft werden solle.
Gestärkt durch ein überragendes Ergebnis konnte Dirk
Notheis mit seinem frisch gewählten Vorstand in ein wei-
teres JU–Jahr ziehen.
folgt auf ihrem mitgliederoffenen Landestag ihrem Lan-
desvorsitzenden, der fordert, die JU müsse heute Konzep-
te entwickeln und Grundsteine legen, um den
Herausforderungen von morgen gerecht zu werden. Dabei
standen zentrale Fragen zur Zukunft des Landes im Mit-
telpunkt: „Wie soll ein Baden-Württemberg der Zukunft
aussehen? Welche Rolle soll Baden-Württemberg bis in
Jahr 2020 spielen?“ Unter dem Motto „Visionen braucht
das Land“ wurde im Leitantrag u.a. der Abbau der Staats-
verschuldung als Ziel formuliert.
Im selben Jahr feierte der Landesverband sein 25-jähriges
Bestehen, welches durch einen gemeinsamen Rückblick
mit prominenten Ex-JU’lern im Burlachinger-Melchinger
Theater Lindenhof aufgeführt wurde, und formulierte auf
03.08.1995
In Hannover beginnen die Chaostage, bei denen bis zum
6. August mehr als 2.000 Teilnehmer randalieren, Geschäfte
plündern und Straßenschlachten mit der Polizei unternehmen
Herbst 1995
JU Reise – diesmal gen
Westen nach Südamerika
24.03.1996
Die Landtagswahl in
Baden-Württemberg
wird für die JU zum Erfolg
Baden-württembergische Delegierte beim CDU-Bundesparteitag in Leipzig
V. l.: Joachim Class, Klaus Herrmann, Oliver Schenk, Thomas Schirocky
1996 –1997
fi ‹ fi ‹
Seite 61 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1996
Der Papst besucht
Deutschland und wir
werden im Home of
football Europameister
14./16.06.1996
JU Besinnungswochenende
im Kloster Beuron
03.11.1996
In Deutschland dürfen
Bäcker erstmals nach Auf-
hebung des Sonntagsback-
verbots sonntags frische
Brötchen verkaufen
21./22.03.1997
JU Bürgermeisterseminar
Wahlkampftauglichkeit des CDU Bundesverbandes und
wird mit 90% der Stimmen zum vierten Mal im Amt be-
stätigt. „Bildung“ ist das Thema des Landtages, bei dem
Hauptschulen als sozialer Brennpunkt ebenso wie G8, da-
mals noch „ja“ oder „nein“, im Zentrum der Diskussion mit
Kultusministerin Dr. Annette Schavan stehen.
1999 wartete für die Junge Union mit zwei wesentlichen
Ereignisse auf: um einen mit einer aus JU-Sicht sehr erfolg-
reichen Kommunalwahl, bei der mehr als 300 JU’ler im
ganzen Land der Einzug in die kommunalen Parlamente
gelingt und die JU somit die Anzahl ihrer Mandatsträger
auf dieser Ebene mit einem Schlag mehr als verdoppeln
kann. Zum Zweiten der Abschied von Dirk Notheis, der
nach fünf Jahren aus beruflichen Gründen beim Landestag
in Mudau im schönen Odenwald nicht mehr als Landes-
vorsitzender antrat. Danke für die Zeit, Dirk!
Der außerordentliche Landestag und die Verabschiedung
der „Straßburger Beschlüsse – Positionen zur Reform
Europas“ in den Räumen des europäischen Parlaments
eben in Straßburg lockte 200 JU’ler auch aus den entlege-
nen Ecken des Ländles über den Rhein und war somit ein
besonderes JU-Ereignis zum Ausklang des Jahres.
1997: In den Mai wurde in der Ortenau beim „Polittanz“
nicht nur getanzt, sondern auch über Sportförderung dis-
kutiert und mit „JUZI“ (JUgendZUkunftInitiative), einer
gemeinsamen Inhalts- und Mitgliederoffensive von JU und
CDU, wurde eine Initiative für die Zukunft gestartet. Beim
28. Landestag in Hechingen stellte sich die Junge Union
die Frage „Wie integrationsfähig sind Parteien und Gesell-
schaft?“ und schickte Dirk Notheis mit 85% Zustimmung
in eine weitere Runde als ihren Landesvorsitzenden.
In diesem wahlfreien Jahr beschäftigten sich viele ob der
aufgewirbelten Diskussion nach einem Generationen-
wechsel jedoch schon intensiv mit der anstehenden Bun-
destagswahl 1998. Dirk Notheis hinterfragt die
Landestagsdelegierte. In der Mitte: Dietrich Birk
Bei der Nachfeier: Michael Euchner, Klaus Herrmann und Peter Bechstein
1997–1998
fi ‹ fi ‹
Seite 62 40 Jahre JU Baden-Württemberg
?
Die Junge Union hat in ihrer Geschichte für ihre Forde-
rungen bei der CDU gekämpft und ist genauso über Ge-
nerationen hinweg für eine Verjüngung der Parlamente und
Mandatsträger in bzw. aus Baden-Württemberg eingetreten.
Warum, denken Sie, gibt es hier nur wenig Veränderung?
!
Es ist uns immerhin in meiner Amtszeit zwischen 1994
und 1999 gelungen, zwei JU'ler ins Landeskabinett zu
bringen. Der eine war Christoph Palmer und der andere re-
giert heute unser Land. Auch war die Landtagswahl 1995
für uns ein großer Erfolg mit erstmals sechs neuen Abge-
ordneten im JU-Alter. So schlecht sieht es also nicht aus.
Im Übrigen bin ich bekanntermaßen kein großer Freund
des politischen Dreisprungs: Kreissaal-Hörsaal-Plenarsaal,
wobei Ausnahmen natürlich die Regel bestätigen.
?
Was bedeutet für Sie Ihr damaliges Engagement in der
Jungen Union Baden-Württemberg aus heutiger Sicht?
!
Sie gehört zu den spannendsten und lehrreichsten Ab-
schnitten meines Lebens, den ich nie vergessen werde.
Interview mit
Dirk Notheis
?
Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie nach Jahren auf
Ihre Amtszeit als JU-Landesvorsitzender zurückblicken,
was sind die bleibenden Erinnerungen?
!
Die vielen inhaltlichen Schlachten, zum Beispiel zur
Nullverschuldung. Das Thema ist leider aktueller denn
je. Aber ich erinnere mich auch an solche, die wir in meiner
Zeit gewinnen konnten, zum Beispiel den Tierschutz in die
Landesverfassung oder das Schülerferienticket.
26.04.1997
Bundespräsident
Roman Herzog fordert in
seiner Berliner Rede
ein „Ruck“ müsse durch
Deutschland gehen
05.07.1997
Jugendparteitag der CDU
Baden-Württemberg
16.01.1998
Der Bundestag genehmigt
den Lauschangriff
13.-21.06.1998
Indien-Reise des
JU-Landesverbandes
Die JU im Kampf gegen die Scientology-Sekte
Hallo erst mal ...
1998–1999
fi fi ‹
Seite 63 40 Jahre JU Baden-Württemberg
27.09.1998
Wahlen zum 14. Bundestag der Bundesrepublik Deutschland
führen zum Ende der 16 Jahre andauernden „Ära Kohl“,
Gerhard Schröder wird Bundeskanzler in einer Koalition
von SPD und den Grünen
12.03.1999
NATO-Osterweiterung:
Polen, Tschechien und
Ungarn treten der NATO bei
16.-20.06.1999
Evangelischer Kirchentag
in Suttgart
Schiffes bereit sein und zwar jetzt. Die Sandbank wartet
schon, mit fatalen Folgen vor allem für die junge Genera-
tion.
?
Was erwarten Sie von der Jungen Union?
!
Dass sie die Hefe im Teig der Union bleibt.
?
Was wünschen Sie der Jungen Union Baden-Württem-
berg?
!
Bleibt mutig, schaut nicht auf euren persönlichen Vor-
teil, sondern macht Politik aus Spaß an der Sache und
für Euren Nächsten, dann werdet ihr die Erfolgsgeschichte
der JU Baden-Württemberg fortschreiben können. ?
Würden Sie heute den gleichen Weg gehen wollen?
!
Ich war ja damals eher ein Zufallsprodukt auf dem Pos-
ten des Landesvorsitzenden, da ich eigentlich vorhatte
einen Post-Doc in den USA zu machen und quasi auf ge-
packten Koffern saß. Ich habe mich dann von Freunden da-
zu überreden lassen das Amt zu übernehmen und ich kann
aus der Retrospektive heute sagen, dass ich es wieder tun
würde. Es war wohl eine der besten Entscheidungen mei-
nes Lebens. Im Übrigen habe ich in der Politik mehr fürs
Leben gelernt, als an der Universität.
?
Die aktuelle Finanzkrise hat verschiedene Ursachen.
Einige davon liegen auch im Verantwortungsbereich der
Politik. Welche Anregungen haben Sie als Finanzexperte mit
internationaler Erfahrung für heutige Jungpolitiker im Hin-
blick auf eine nachhaltige Haushalts- und Finanzpolitik?
!
Haushaltskonsolidierung wird zur Lebensversicherung
unserer Volkswirtschaften und das nicht nur in Grie-
chenland, sondern auch bei uns in Deutschland. Wenn wir
nicht unter den Zins- und Pensionslasten von Morgen er-
sticken wollen, müssen wir zum beherzten Umsteuern des
Am Ball: Heiko Kusche und Dirk Notheis
V.l.: Stefan Mappus, Ministerpräsident Erwin Teufel und Dirk Notheis
1999
fi ‹
Seite 64 40 Jahre JU Baden-Württemberg
23.05.1999
50-jähriges Jubiläum
der Gründung der
Bundesrepublik Deutschland
09./10.10.1999
Edith Grupp folgt
Dirk Notheis an der Spitze
des JU-Landesverbandes
LANDESVORSTANDSMITGLIEDER
IN DER AMTSZEIT VON DIRK NOTHEIS
Landesvorsitzender Dirk Notheis 1994 - 1999
stellv. Landesvorsitzende Astrid Lüdicke 1994 - 1997
Markus Schubert 1994 - 1995
Robert Braun 1995 - 1997
Roland Tralmer 1997 - 1998
Peter Bechstein 1998 - 1999
Edith Grupp 1998 - 1999
Finanzreferenten Christian Ringwald 1991 – 1998
Christian Himmelsbach 1998 - 1999
Pressereferenten Michael Schmidt 1994 - 1995
Birgit Fratzke-Weiß 1995 - 1998
Karsten Amann 1998 - 1999
Schriftführer Bernd Meyer 1994 - 1999
Beisitzer Kerstin Burgdorf 1994 - 1995
Stefan Mappus 1994 - 1995
Oliver Mast 1994 - 1997
Christian von Stetten 1994 - 1996
Stefan Wolf 1994 - 1995
Petra Schmid 1994 - 1995
Frank Schaier 1994 - 1996
Martin Herkommer 1994 - 1997
Roland Tralmer 1996 - 1997
Tanja Gönner 1995 - 1997
Peter Bechstein 1995 - 1998
Petra Wefels 1995 - 1998
Markus Nowak 1995 - 1997
Andreas Zwickl 1996 - 1998
Sven Sautter 1996 - 1999
Andreas Schwab 1996 - 1999
Andreas Züfle 1997 - 1999
Marion Gentges 1997 - 1999
Alexandra Hellstern-Missel 1997 - 1999
Florian Weller 1997 - 1999
Oliver Kirchner 1997 - 1999
Yvonne Eismann-Knorr 1998 - 1999
Steffen Wurm 1998 - 1999
Bezirksvorsitzende
Nordbaden Roland Richter 1994 - 1997
Carsten Striebich 1997 - 1998
Michael Lowak 1998 - 1999
Bezirksvorsitzende
Nordwürttemberg Christoph E. Palmer 1994 - 1997
Dietrich Birk 1997 - 1999
Bezirksvorsitzende
Südbaden Klaus-Thomas Schüle 1994 – 1998
Volker Schebesta 1998 - 1999
Bezirksvorsitzende
Württ.-Hohenzollern Roland Bürkle 1994 - 1997
Edith Grupp 1997 - 1999
Landesgeschäftsführer Martin Ringhof 1994 - 1997
Angelika Blessing 1997 - 1998
Oliver Mast
Astrid Lüdicke
RöslerDruck GmbH
Gmünder Straße 100
73614 Schorndorf
Telefon 07181/93993-0
Telefax 07181/93993-9
Infoline 07181/93993-20
E-Mail info@roeslerdruck.de
Internet www.roeslerdruck.de
HIGH-TECH. HIGH-SPEED. HIGH-END.
www.roeslerdruck.de
210x210_Strahlen.indd 1 30.04.10 09:57
1999
schäftigung mit aktuellen Themen den jugendlichen Sta-
chel in die politischen Debatten der Mutterpartei zu füh-
ren.
Unter der Frage „Im Rentenalter abgebrannt?“ startete die
Junge Union zu Beginn des neuen Jahrtausends eine Ini-
tiative für einen gerechteren Generationenvertrag. Ge-
meinsam mit dem Leiter des Arbeitskreises „Zukunft der
Rente“, Dieter Meßmer, stellte Edith Grupp fest: „Bisheri-
ge Konzepte zeigen der jungen Generation mit ihren stei-
genden Beiträgen, einem sinkenden Leistungsniveau und
einer Erhöhung der Steuermittel für die Rentenkasse ei-
nen inakzeptablen Weg auf.“
Die Junge Union Baden-Württemberg kam der CDU
Deutschlands mit der ersten weiblichen Vorsitzenden
um ein Jahr zuvor: Auf dem Landestag am 9. und 10. Ok-
tober 1999 in Mudau im Neckar-Odenwald-Kreis wurde
die bisherige stellvertretende Landesvorsitzende Edith
Grupp aus dem Landkreis Sigmaringen zur Landesvor-
sitzenden gewählt.
Auch wenn sie nur drei Jahre dem JU-Landesverband vor-
stehen sollte, setze sie schon früh Akzente: Es gelang ihr
in ihrer Amtszeit immer wieder, durch eine intensive Be-
fi ‹
09./10.1999
Edith Grupp wird in Mudau
zur neuen JU Landes-
vorsitzenden gewählt
03.09.1999
Die Quizsendung
Wer wird Millionär?
mit Günther Jauch als
Moderator startet auf RTL

16.12.1999
Der frühere Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Helmut Kohl
räumt ein, dass er in der CDU-Spendenaffäre insgesamt
2,1 Millionen DM illegale Parteispenden angenommen
und an die CDU weitergegeben hat
Seite 66 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Edith Grupp: Die erste Frau
an der Spitze der JU im Land
Edith Grupp
Fasching bei der JU mit Edith Grupp, Tanja Gönner und Martin Herkommer Es tanzen: v.v. Susanne Schwaderer, Thomas Bareiß und Florian Weller
1999–2000
fi ‹
26. 12.1999
In Europa fordert der Orkan
Lothar 110 Todesopfer und
verursacht große Schäden
31.12.1999
Wladimir Putin wird
Präsident Russlands.
Boris Jelzin tritt zurück
fi ‹
09.-11.04.2000
Auf dem 13. Parteitag
der CDU Deutschlands in
Essen wird Angela Merkel
zur CDU-Bundes-
vorsitzenden gewählt
01.06.2000
Eröffnung der EXPO 2000
in Hannover
Mandatsträgern wie Julia Klöckner, Philipp Mißfelder und
Marco Wanderwitz unterschrieb Edith Grupp nach der ver-
lorenen Bundestagswahl im Jahr 2002 einen öffentlichen
bundesweiten Aufruf an die Mutterpartei. Der Titel: „Mehr
Klarheit wagen!“
Die JU-Funktionäre machten deutlich: „Die CDU braucht
keine `Tafelsilber`-Debatten, weil niemand die Grundwer-
te und Ziele ihrer Gründungsväter verkaufen will.“ Und ei-
nen Vorschlag zur Verbesserung lieferten sie direkt dazu:
„Offene Kandidatenaufstellungen, Amtszeitbegrenzun-
gen, freiwillige Selbstverpflichtungen: Alle bereits vorhan-
denen und neuen Vorschläge müssen diskutiert werden.
Denn für die innerparteiliche Debatte und die Arbeit der
kommenden Jahre gilt: Die Union wird nur dann zu alter
Stärke zurückfinden, wenn sie mehr Klarheit und Profil
wagt.“
Beide stellten jedoch auch klar: „Unsere Kampagne richtet
sich dabei nicht gegen die aktuellen Rentner: Die junge
Generation ist sich ihrer Verantwortung gegenüber der El-
tern- und Großelterngeneration durchaus bewusst.“ So
sprach sich auf dem Landestag in Baden-Baden am 13. Mai
2000 eine große Mehrheit der rund 150 anwesenden Mit-
glieder für einen Abschied vom gegenwärtigen Umlage-
verfahren und für den Einstieg in die modifizierte
Kapitaldeckung aus.
Nur wenige Monate später, am 7. Oktober 2000, trafen
sich die Delegierten erneut zum Landestag und sprachen
sich für die von der rot-grünen Bundesregierung einge-
führten Ökosteuer aus – und zeigten der eigenen Mutter-
partei unmittelbar vor dem Landtagswahlkampf die kalte
Schulter. Edith Grupp begründete die JU-Position aus Sicht
der jungen Generation kurz, aber prägnant: „Wir brauchen
mehr statt weniger ökologische Elemente im Steuersys-
tem.“
Mit Kritik an der Mutterpartei sparte die Landesvorsitzen-
de nicht. Gemeinsam mit weiteren jungen Funktions- und
Seite 67 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Landestag der Jungen Union 1999
Edith Grupp und Dirk Notheis führen durch 25 Jahre JU-Geschichte
2000
So konnte die Junge Union als mitgliederstarke Organisa-
tion auch innerhalb der baden-württembergischen Uni-
onsfamilie immer eine starke Stimme erheben. Edith
Grupp jubelte im März 2001 auf dem Landesparteitag der
CDU: „Laptops für alle! Es steht im Regierungsprogramm!“
Die Junge Union hatte vorher erreicht, dass folgende Pas-
sage in das Wahlprogramm aufgenommen wurde: „Unser
Ziel ist es, dass Baden-Württemberg das erste Bundesland
sein wird, in dem der Laptop für jeden Schüler spätestens
ab Klasse 9 eingeführt wird.“
Ihr Engagement als Landesvorsitzende endete in den letz-
ten Wochen des Jahres 2002. Die starke Stimme der jungen
Generation engagierte sich aber auch in den folgenden Jah-
ren noch politisch in der CDU. So gehört sie seit vielen Jah-
ren dem Präsidium der CDU Baden-Württemberg an und
kandidierte 2009 für das Europaparlament.
Edith Grupp geht als eine JU-Landesvorsitzende in die
Chronik ein, die sich durchaus kritisch, aber stets kon-
struktiv äußerte. Als Vorsitzende der Jungen Union Baden-
Bevor Edith Grupp wenige Wochen später von dem JU-
Kreisvorsitzenden des Zollernalbkreises, Thomas Bareiß,
abgelöst wurde, setzte sie weitere kritische, aber stets kon-
struktive Diskussionsbeiträge inner- und außerhalb der
christlich-demokratischen Familie. Besondere Erwähnung
fand in der Presse die Forderung nach verpflichtenden Eng-
lischkursen für Beamte. Edith Grupp wird am 25. Juli 2001
in den Stuttgarter Nachrichten zitiert, „die Wahrnehmung
der Landesinteressen auf EU-Ebene scheitere oft an man-
gelnden Fremdsprachenkenntnissen. Deshalb müssten in
der Landesverwaltung regelmäßig während der Dienstzeit
kostenlose Sprachkurse angeboten werden.“
Zu dieser Zeit betrug die Mitgliederzahl der Jungen Union
Baden-Württemberg circa 11.500 Jugendliche und junge
Erwachsene. Der Stagnation setzte die Landesvorsitzende
eine Kampagne entgegen. Mit einer zeitlich gestaffelten
Plakatserie "Willst du?'', "Willst du rein?'', "Ich bin drin'' und
"Drin in der JU!'' ging die Junge Union im Südwesten er-
folgreich auf Mitgliederwerbung. Selbst vor der Verteilung
von Kondomen, die ähnliche Aussagen verkündeten,
schreckte die innovative Jugendorganisation nicht zurück.
fi ‹
22.10.2000
Michael Schumacher wird
zum ersten Mal Formel-1-
Weltmeister mit Ferrari.
Sein insgesamt dritter
WM-Titel
07.11.2000
Präsidentschaftswahlen in
den USA: George W. Bush
wird nach einer umstritte-
nen Wahl zum neuen Präsi-
denten der USA gewählt

16.11.2000
Erstes Fernsehduell in Baden-Württemberg:
Herausforderin und SPD-Landeschefin Ute Vogt traf im
Südwestrundfunk auf Ministerpräsident Erwin Teufel
Seite 68 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Erwin Teufel und Edith Grupp lauschen den Ausführungen von Philipp Mißfelder
Gut gelaunt: Edith Grupp und Rainer Wieland
2001

25.03.2001
Die CDU gewinnt die Landtagswahl in Baden-Württemberg
deutlich mit 44,8 Prozent der Stimmen.
Erwin Teufel bleibt Ministerpräsident

11.09.2001
Die Terroranschläge am 11. September in den USA
auf das World Trade Center und das Pentagon
fordern rund 3.000 Todesopfer
desvorstand. Mit welcher Motivation die Delegierten in
Mudau mich gewählt haben, kann ich selbst nicht beant-
worten. (lacht) Ich kann nur für mich sagen, dass ich mit
meinen politischen Ideen die Union weiter voranbringen
wollte und dafür gibt es kein schöneres uns kein geeigne-
teres Amt als das der JU-Vorsitzenden.
Württemberg schreckte sie nicht vor großen Namen zu-
rück, sondern sorgte immer für eine lebendige Diskussion
in der Unionsfamilie. Mit Edith Grupp hatte die junge Ge-
neration in Baden-Württemberg um die Jahrtausendwen-
de eine starke Stimme!
Interview mit
Edith Grupp
?
Du wurdest im Oktober 1999 zur Landesvorsitzenden
der Jungen Union Baden-Württemberg gewählt. Warum
fiel die Wahl auf Dich? Welche Stationen hattest Du vorher
in der Jungen Union und der CDU durchlaufen?
!
Ich bin der Jungen Union 1986 beigetreten und hatte
bis zu meiner Wahl als Landesvorsitzende auf allen
Ebenen vom Orts- bis zum Landeverband unterschiedliche
Ämter inne, die prägendsten davon waren die Zeit als Be-
zirksvorsitzende in Württemberg-Hohenzollern 1994-
1998 sowie als stv. Landesvorsitzende Anfang der 90er
Jahre und 1998/99. In der CDU war ich Beisitzerin im Lan-
Seite 69 40 Jahre JU Baden-Württemberg
JU-Landestag Edith Grupp im Gespräch mit Stefan Mappus und Christoph E. Palmer
Frischer Wind für den Ministerpräsidenten
2001
Bildungspolitik gesetzt wie die Verkürzung der gymnasia-
len Schulzeit auf 12 Jahre, Abschaffung der ZVS, Einfüh-
rung von Fremdsprachen in der Grundschule oder
computergestütztes Lernen. Forderungen, die inzwischen
alle umgesetzt sind.
?
Die Junge Union ist nicht nur Parteijugend, sondern
manchmal auch der Stachel im Fleisch der Mutterpartei.
Du hast beispielsweise mit weiteren jungen Funktionsträgern
um die Jahrtausendwende mehr Klarheit in der Politik der
Union gefordert. Wie kam es zu der enormen Kritik an CDU
und CSU? Gab es weitere Themen, wo sich die Junge Union
mit der Mutterpartei auseinandergesetzt hat?
!
Die konstruktiv kritische Auseinandersetzung mit der
Mutterpartei ist das Lebenselixier der Jungen Union.
Hier war die Bundestagswahl 2002 im historischen Tief
mit unter 40% verloren. Nach dem Spendenskandal war
die Union zu sehr mit sich selbst beschäftigt und verstrick-
te sich in unselige Debatten, ob mit dem Weggang der 'al-
ten Garde' der Ausverkauf von Unionswerten
stattgefunden hätte anstatt zu überlegen, was die Grund-
?
Welche Themen haben Dich damals als Vertreterin der
jungen Generation beschäftigt? Zu welchen Themen-
schwerpunkten hat sich die Junge Union Baden-Württemberg
geäußert?
!
Mich haben sehr stark gesellschafts- und sozialpoliti-
sche Fragen beschäftigt. Wie kann das Zusammenle-
ben der Generation bei einer demographischen Schieflage
funktionieren, welche Voraussetzungen müssen deshalb
bei der Gestaltung der Sozialversicherungssysteme bis zu
verschuldungsfreien Haushalten gesetzt werden, um die
Lasten nicht allein an unsere Generation abzugeben und
weiterhin politische Handlungsfreiheit zu gewähren.
Schwerpunkte lagen auch in der Europapolitik und bei Fra-
gen des Zusammenlebens mit Menschen ausländischer
Herkunft. Naturgemäß haben wir starke Akzente in der

19.-21.10.2001
Der JU Deutschlandtag 2001 findet in Heilbronn
unter dem Motto Generation 21: Projekt Deutschland –
Die moderne Gesellschaft in lebendiger Verantwortung – statt

17.12.2001
In Deutschland werden die
Euro-Starterkits im Nenn-
wert von 10,23 Euro zum
Preis von 20,00 Deutsche
Mark ausgegeben
Seite 70 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Edith Grupp mit Tanja Gönner
Let’s dance: Monica Wüllner und Stefan Kaufmann warten noch auf bessere Musik
2002

01.01.2002
Der Euro wird in 12 Staaten der Europäischen Union,
sowie in Andorra, Monaco, Montenegro, San Marino
und dem Vatikan als gemeinsame Währung eingeführt.
Das Euro-Bargeld ist seitdem gesetzliches Zahlungsmittel
fi ‹
31.05.-30.06.2002
Bei der 17. Fußball-WM
in Japan und Südkorea
wird Deutschland gegen
Brasilien Vizeweltmeister
01.07.2002
Flugzeugabsturz über
Owingen nahe Überlingen
am Bodensee, es sterben
71 Menschen, darunter
45 Kinder bzw. Jugendliche
zeugt davon, dass unser umlagefinanziertes Rentensystem
auf Dauer nicht tragfähig ist und der so genannte Gene-
rationenvertrag eine unannehmbare Schieflage zu Lasten
der Jüngeren hat. Diese zahlen hohe Beiträge ein, haben
damit wenig finanziellen Spielraum für die eigene zusätz-
liche Alterssicherung und können im Gegenzug kaum Leis-
tungen aus der gesetzlichen Rente erwarten. Das kann auf
Dauer nicht gut gehen. Wir wollten aber nicht einseitig an-
klagen, sondern haben uns konstruktiv in die Diskussion
mit einem eigenen Rentenmodell der Integrierten Kapi-
talstock- und Ausfallrente eingeschaltet. Damit wurde ein
Weg gewiesen, wie der grundsätzliche Umstieg vom um-
lage- auf ein kapitalgedecktes Verfahren möglich ist, ohne
bestehende Anwartschaften zu gefährden.
?
Kommen wir zur Organisation des Verbandes: Die Junge
Union Baden-Württemberg hat im Juli 2001 11.500 Mit-
glieder gezählt. Wie haben sich die Mitgliederzahlen in Dei-
ner Amtszeit verändert? Wie hast Du die Mitgliederwerbung
gestaltet?
!
In meiner Zeit hatten wir mit rückläufigen Mitglieder-
zahlen zu kämpfen, auch wenn ich die genaue Zahl
nicht mehr im Kopf habe. Das lag in erster Linie an den ge-
burtenstarken Jahrgängen, die bei in den hochpolitisierten
Zeiten um die Nachrüstung der NATO eingetreten und En-
de der Neunziger Jahre altershalber aus der JU ausgeschie-
den waren. Die größten Erfolge in der Mitgliederwerbung
wurden auch in meiner Zeit durch interne Wettbewerbe
und Kampagnen erzielt. Die innovativste war mit Sicher-
heit die 'Ich will rein'-Plakatserie.
?
Gab es Erkenntnisse in Deiner Zeit als JU-Landesvorsit-
zende, die bei der heutigen Arbeit in der Jungen Union
Baden-Württemberg weiterhelfen würden? Oder hast Du
vielleicht sogar Institutionen oder Arbeitsweisen etabliert,
die bis heute verwendet werden?
werte der Union für die Herausforderungen der Jahrtau-
sendwende heißen. Mit der Erklärung der Parteijugend
wollten wir die CDU wachzurütteln, die Oppositionsrolle
anzunehmen und alternative politische Ideen zur rot-grü-
nen Bundesregierung entwickeln. Diese Erklärung mehrer
JU-Landesverbände war sicher einer der Grundsteine für
den Leipziger Parteitag 2003 mit weit reichenden Be-
schlüssen zu der Neuausrichtung der Sozialsysteme.
?
Mit der Jahrtausendwende erhielt auch die Moderne Ein-
zug in die JU-Forderungen. Du hast im März 2001 bei-
spielsweise Laptops für alle Schüler gefordert und wolltest
wenige Monate später alle Landesbeamte in Baden-Württem-
berg zu Englischkursen verpflichten. Wie kam es zu den For-
derungen?
!
Beides waren Themen, bei denen mir das Zugehen auf
neue Herausforderungen zu langsam ging - auch wenn
beide Forderungen bewusst zugespitzt waren, um die Öf-
fentlichkeit zu erreichen. Beim ersten Thema ging es da-
rum aufzuzeigen, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit
eines Landes auch daran bemisst, ob junge Menschen in
der Schule rechtzeitig den Umgang mit neuen Medien ler-
nen. Und in der Zeit konnte sich noch nicht jede Familie
einen Rechner leisten. Beim zweiten Thema wollten wir
auf ein Defizit in der 'Europafähigkeit' das Landes auf-
merksam machen, wo viele Entscheidungen in der Vernet-
zung der Verwaltungsebenen stattfinden und dazu eben
auch die Kenntnis von Fremdsprachen gehört.
?
Für Aufsehen hat auch die Kampagne "Rente abge-
brannt" gesorgt. War dies nur eine Kampfansage der Ju-
gend oder ein erster Versuch auf dem steinigen Weg zur
Generationengerechtigkeit?
!
Keine unserer Kampagnen hatte das Ziel, Generations-
kriege anzuzetteln. Aber ich bin nach wie vor über-
Seite 71 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Edith Grupp
2002
bleibt, dass sie den Drang nach Veränderung wachhält. Sie
hat die große Chance, eine wichtige Stimme in der öffent-
lichen Debatte zu sein und Diskussionen anzuschieben.
Das ist neben der Vertretung der jungen Generation die
eigentliche Daseinsberechtigung. Der Grund, weshalb die
JU wahrscheinlich die wichtigste aller Vereingungen ist.
Sie ist aber auch ein stabiles und tragfähiges politisches
sowie privates Netzwerk. Ich selbst habe der JU nicht nur
eine aufregende Zeit, sondern vor allem außergewöhnli-
che Freundschaften zu verdanken. Und am Ende sind es
diese menschlichen Begegnungen, die eine Organisation
lebendig halten. In diesem Sinne happy birthday!
!
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass jede JU-Gene-
ration am besten selbst weiß, wie sie ihre Arbeit ge-
stalten möchte. Selbst wenn ich dieses Jahr das magische
Schwabenalter von 40 Jahren erreichen werde, widerstehe
ich der Versuchung, an dieser Stelle gute Ratschläge zu er-
teilen.
?
Wie siehst Du heute die Junge Union Baden-Württemberg?
!
Ich freue mich, dass die Junge Union mit dem Jubiläum
ein großes Geburtstagsfest feiert und sich damit Ihrer
Herkunft versichert. Ich wünsche ihr aber, dass sie jung

22.09.2002
Bundestagswahl: SPD und Grüne können ihre Regierungsmehr-
heit im Bund knapp behaupten. Der bayerische Ministerpräsi-
dent Edmund Stoiber war Spitzenkandidat der Union

23./24.11.2002
JU-Landestag:
Thomas Bareiß wird
zum neuen Vorsitzenden
gewählt
Seite 72 40 Jahre JU Baden-Württemberg
LANDESVORSTANDSMITGLIEDER
IN DER AMTSZEIT VON EDITH GRUPP
Landesvorsitzende Edith Grupp 1999 – 2002
stellv. Landesvorsitzende Daniel Caspary 1999 – 2002
Andreas Zwickl 1999 – 2002
Finanzreferent Christian Himmelsbach 1999 – 2002
Pressereferenten Karsten Amann 1999 – 2000
Dieter Meßmer 2000 – 2002
Schriftführer Matthias Pröfrock 1999 – 2002
Beisitzer Sven Sautter 1999 – 2002
Tobias Wald 1999 – 2000
Yvonne Eismann-Knorr 1999 – 2002
Florian Weller 1999 – 2002
Thomas Bareiß 1999 – 2002
Marion Gentges 1999 – 2000
Heike Friedebach 1999 – 2002
Oliver Kuhn 1999 – 2000
Oliver Kirchner 1999 – 2000
Dieter Meßmer 1999 – 2000
Dorothea Beetz 2000 – 2002
Monica Wüllner 2000 – 2002
Florian Seiler 2000 – 2002
Marc Bernhard 2000 – 2002
Tobias Müller 2000 – 2001
Daniela Schmauks 2001 – 2002
Bezirksvorsitzende
Nordbaden Michael Lowak 1999 – 2001
Daniel Caspary 2001 – 2002
Bezirksvorsitzende
Nordwürttemberg Christian von Stetten 1999 – 2001
Steffen Bilger 2001 – 2002
Bezirksvorsitzender
Südbaden Volker Schebesta 1999 – 2002
Bezirksvorsitzende
Württ.-Hohenzollern Roland Tralmer 1999 – 2000
Christoph Lüdtke 2000 – 2002
Landesgeschäftsführer Andreas Züfle 1999 – 2002
2002

23./24.11.2002
Landestag in
Niedereschach-Fischbach

13.12.2002
Der EU-Gipfel in Kopenhagen beschließt
die Aufnahme von zehn neuen Mitgliedern
am 1. Mai 2004 („Osterweiterung“)
Mit entsprechend hoher Drehzahl machte sich Thomas Ba-
reiß am Beginn seiner Amtszeit an eine Überarbeitung der
Satzung der JU, die – wie Bareiß betonte – bald 40 Jahre auf
dem Buckel hatte. Das kühn formulierte Ziel: Die JU Baden-
Württemberg solle die modernste Jugendorganisation
Europas werden. Den Startschuss bildete die Kampagne
Kampagne „moveJU“: Ein Fragebogen wurde an alle Mitglie-
der versendet, auf acht Regionalkonferenzen wurde das
Projekt vorangetrieben. Eine ähnlich flächendeckende Be-
fragung der eigenen Mitglieder war in der Union bis dato
einmalig. moveJU mündete in den mitgliederoffenen Lan-
destag in Reutlingen, der die Satzung des Landesverbandes
komplett umkrempelte. Bareiß Ziel, dass auch externe Ver-
bände bei den Inhaltlichen Beratungen auf Landestagen ein
Antragsrecht bekommen, fand indes keine Mehrheit.
Wir sind der Motor:
Die JU mit Thomas Bareiß
Die Ansage vor seiner Wahl zum JU-Landesvorsitzenden
in Niedereschach-Fischbach war klar. Als der Südkurier
Thomas Bareiß am 23. November 2002 fragte, wie ju-
gendlich eigentlich die Junge Union sei antwortete der
designierte Landesvorsitzende: „Wir setzen uns dahin
gehend ab, dass die Junge Union immer der Motor, der
Turbolader in der Partei war. Wir bringen neue Idee,
neue Denkansätze ein und sorgen dafür, dass verkrus-
tete Strukturen aufgebrochen werden“.
Seite 73 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Thomas Bareiß
Der Landesvorsitzende überreicht Geschenke: Zuerst Erwin Teufel … … und dann an den hessischen Ministerpräsident Roland Koch
2003
des Neujahrsempfangs der Landesregierung forderte. Der
JU-Chef folgte der Einladung folgerichtig nicht – im Gegen-
satz zu zahlreichen Mitglieder des JU-Landesvorstandes.
Gerade das Jahr 2004 sollte für die JU große Veränderun-
gen mit sich bringen. Die Junge Union stellte sich auf die
Kommunal- und Europawahlen mit dem Slogan „Ganz
frisch!“ ein. Der Lohn: Eine respektable Anzahl von über
300 Kandidaten schafften den Sprung in die kommunalen
Parlamente. Von der Schwäche der rot-grünen Bundesre-
gierung profitierten JU-Kandidaten auch bei der Europa-
wahl. Mit dem Bezirksvorsitzenden der JU Nordbaden
Daniel Caspary und Dr. Andreas Schwab aus Südbaden
schafften im Jahr 2004 gleich zwei JU’ler den Sprung ins
Europäische Parlament.
Folgenschwer waren die Diskussionen um eine mögliche
Nachfolge von Ministerpräsident Erwin Teufel. Vor allem
die JU erhöhte die Schlagzahl. Zunächst wuchs der Druck
aus den Bezirksverbänden Nordbaden und Nordwürttem-
berg. Schließlich erklärte der JU-Landesvorsitzende im
Vorfeld des JU-Landestages in Karlsruhe: „Wir erwarten Ein Hauptthema der Amtszeit von Thomas Bareiß war ein-
deutig die Finanz- und Haushaltspolitik. In seiner Bewer-
bungsrede sprach er von „der Pflicht des CDU-Nach-
wuchses, die Landesregierung ständig zum Sparen zu er-
mahnen“. Bareiß präzisierte diese Forderung im August
2003 und forderte die Aufnahme der Nullverschuldung in
die Landesverfassung. Diese Position löste in der Union
mitunter Kopfschütteln aus. Die JU blieb jedoch nicht nur
bei der Ankündigung sondern liefert darüber hinaus kon-
krete Sparvorschläge: Die von der Landesregierung be-
schlossene Schaffung von 5.500 Lehrerstellen – ein Projekt,
das vor allem der JU-Zielgruppe zugute kam - erachtete Ba-
reiß als „nicht sinnvoll“ angesichts der Krise der öffentli-
chen Haushalte. Dass das Sparen auch innerhalb der
Jungen Union seine Grenzen hat, musste der Landesvorsit-
zende erkennen, als er im Dezember 2003 die Streichung
fi ‹
01.02.2003
Deutschland übernimmt
für einen Monat den Vorsitz
im Weltsicherheitsrat
17.05.2003
a.o. Landestag der JU BW zu
Parteireform und
Satzungsänderung

24.05.2003
CDU Landesparteitag
zum Thema Parteirefom
Seite 74 40 Jahre JU Baden-Württemberg
… und noch ein Beschenkter: Thomas Strobl
Applaus für Günther Oettinger
2003–2004

24.09.2003
Karlsruhe. Das Bundesver-
fassungsgericht verkündet
das Kopftuch-Urteil
fi ‹
29.03.2004
Bulgarien, Estland, Lettland,
Litauen, Rumänien, Slowa-
kei und Slowenien werden
Mitglied der NATO
31.03.2004
JU Landesausschuss
zum Thema Familie
Oettinger siegte klar in der Mitgliederentscheidung und
übernahm schließlich im April 2005 die Regierung als neu-
er Ministerpräsident. Überlagert wurden die ersten Mo-
nate der neuen Landesregierung vom vorgezogenen
Bundestagswahlkampf 2005. Dieser Wahlkampf ermög-
lichte es zwei weiteren JU’lern, ein Direktmandat zu errin-
gen: Neben Thomas Bareiß schaffte Andreas Jung erstmals
den Sprung in den Bundestag.
Die nach der Bundestagswahl folgende Vorbereitungspha-
se hin zur Landtagswahl 2006 nutzte die Junge Union, um
inhaltliche Akzente zu setzen: Mit dem „Regierungspro-
gramm der jungen Generation“ legte sie eine Vielzahl von
Forderungen vor, die auch in das Programm der CDU zur
Landtagswahl Eingang fanden. Kernstück war die Forde-
rung nach einer Nullverschuldung und zur Einführung ei-
ner Schuldenbremse. Die CDU stand dem JU-Vorhaben
nach wie vor skeptisch gegenüber. Im Januar 2006 legte
die JU nach und bekräftigte ihren Beschluss bei einer Lan-
von ihm [Erwin Teufel], dass er im Sommer nächsten Jahres
seine Pläne offen legt“.
Im Juli 2004 bildete Erwin Teufel sein Kabinett um. Mit der
Sozialministerin Tanja Gönner und mit dem Umwelt- und
Verkehrsminister Stefan Mappus konnte die Junge Union
Baden-Württemberg gleich zwei ehemalige Spitzenkräfte
als Kabinettsmitglieder im aktiven JU-Alter beziehungs-
weise knapp darüber verzeichnen - ein großer Erfolg für
die Junge Union im Land.
Doch auch diese Verjüngung des Kabinetts ließen die Dis-
kussionen um die Zukunft des Ministerpräsidenten nicht
mehr vestummen.Am 6. Oktober 2004 war es schließlich
die JU, die bei einer Landesvorstandssitzung in Stuttgart
mit 16 Ja-, einer Nein- Stimme und einer Enthaltung den
Paukenschlag setzte: “Die JU erwartet ein klares Signal
von Erwin Teufel für einen Generationswechsel an der
Spitze. Mit Günther Oettinger steht hierzu eine geeignete
und von der Breite der JU im Land getragene Alternative
zur Verfügung“, so der Beschluss. Aus Sicht der Jungen
Union war dies eine logische Entscheidung: Oettinger war
lange Jahre JU-Landesvorsitzender und ist der JU bis auf
den heutigen Tag eng verbunden.
Seite 75 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Peter Hauk und Thomas Bareiß
Thomas Bareiß mit seinem Vor-Vor-...Gänger Heiner Geißler
2004–2005
in Stuttgart zur JU-Forderung für ein Rauchverbot an
Schulen war entsprechend hitzig. Die heutige Bundesbil-
dungsministerin Annette Schavan bezeichnete Rauchver-
bote an Schulen damals als „Fall für die Entbürokratisie-
rung“. Die JU hielt dagegen: „Köpfe sollen in Schulen rau-
chen, nicht Zigaretten“. Nach langen Diskussionen wur-
den Zigaretten nicht nur aus den Schulen, sondern aus
allen öffentlichen Gebäuden verbannt.
Auch die Zukunft von Bündnissen von CDU und Grünen
war für Bareiß früh ein Thema (humane gesellschaft
2009/04: „Schwarz-Grün – es tut sich was!“). Offen warnte
Bareiß öffentlich davor, schwarz-grüne Koalitionen auszu-
schließen, als dies noch viele innerhalb der Union entspre-
chende Forderungen maximal nur mit Augenrollen
quittierten.
desausschusssitzung. Die Lobbyarbeit hatte Erfolg: Die JU-
Forderung wurde beim CDU-Landesparteitag in Offen-
burg im Januar 2006 ins Wahlprogramm und im Mai 2006
in den Koalitionsvertrag aufgenommen.
Den „Turbolader“, den Bareiß von der JU im November
2002 von der JU forderte, um mit Impulsen innerhalb der
Union voranzugehen, wurde bei einigen anderen Themen
eingeschaltet – oft zum Zähneknirschen der Mutterpartei.
Letztendlich wurden einige Forderungen der JU politische
Realität. Die JU zeigte bei den Diskussionen auf jeden Fall,
dass die entsprechenden Themen grundsätzlich diskutier-
bar waren. Dass die JU als „politisches Seismometer“ fun-
gierte, ist nicht zuletzt auch ein wichtiger Verdienst des
Frontmanns in dieser Zeit.
Beispielhaft sei die Diskussion um ein flächendeckendes
Rauchverbot in Schulen und anderen öffentlichen Räumen
genannt. Die Debatte begann – sehr leidenschaftlich - in
der JU. Die Redeschlacht beim CDU-Landesparteitag 2005
fi ‹
13.06.2004
Europa- und
Kommunalwahl
19.04.2005
Erwin Teufel tritt von seinem Ministerpräsidentenamt
zurück – als sein Nachfolger wird
Günther H. Oettinger gewählt

19.04.2005
Deutschland wird Papst –
Kardinal Joseph Ratzinger
wird zum Papst Benedikt
XVI. gewählt
Seite 76 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Der JU KV Freudenstadt gewinnt den Mitgliederwettbewerb „moveJU“
Thomas Bareiß und Rainer Wieland mit dem Vorsitzenden des deutsch-
französischem Forums (Mitte)
2005–2006

11.-14.08.2005
obligatorische jährliche
Fahrt nach Cadenabbia –
„Auf den Spuren
Konrad Adenauers“
fi ‹
23.-25.09.2005
Südwestkonferenz mit den
JU Landesverbänden Saar-
land und Rheinland Pfalz
19.05.2006
Der Bundestag beschließt
die Erhöhung der Mehrwert-
steuer von 16 % auf 19 %
!
Wir haben inhaltlich Akzente gesetzt die bis heute
nachwirken. Dazu zählt das Thema Haushaltskonsoli-
dierung und Schuldenbremse, Verwaltungsreform, Füh-
rerschein mit 17 sowie die die Stabübergabe von Erwin
Teufel an Günther Oettinger. Gefreut hat mich, dass bei
den Kommunal- und Europawahlen viele unserer Mitglie-
der den Sprung in die Parlamente geschafft haben und da-
mit aktiv mitgestalten konnten. Was immer viel Spaß
gemacht hat, war die Diskussion mit den Mitgliedern und
das Ringen um den besten Weg sowie die Zusammenar-
beit mit den selbstbewussten Verbänden. Mir war immer
eine gute Teamarbeit wichtig. Persönlich sind in dieser
Zeit viele Freundschaften entstanden, die bis heute beste-
hen.
?
Ein einmaliges Projekt war sicherlich die Aktion „move-
JU“. Wir bewertest Du den Erfolg der Aktion im Rückblick?
!
Ja, das war eine große Sache! Ich hab damals gesagt:
Die JU Baden-Württemberg soll die modernste Jugend-
organisation werden. Viele waren zuerst einmal skeptisch.
Aber das Projekt „moveJU“ war ein großer Erfolg. Wir ha-
ben jeden Ortsverband bis zu den einzelnen Mitgliedern
einbezogen. Die Mitgliederbefragung und die Regional-
konferenzen hatten einen enormen Zuspruch. Wir sind da-
mals ganz neue Wege gegangen. Wir wollten vom
einfachen Mitglied bis zum Funktionsträger wissen, wo
der Schuh drückt, was die Mitglieder von unserem Ver-
band erwarten und neue Ideen abfragen.
Der Prozess und die Diskussionen haben sehr viel Spaß ge-
macht und wir haben viele Ideen und Maßnahmen in die
Tat umgesetzt.
?
Ein Dauerbrenner Deiner Amtszeit war das Werben für
eine konsequente Politik der Haushaltskonsolidierung.
Wie beurteilst Du den Erfolg der JU auf diesem Gebiet?
Leicht tat sich die Junge Union mit dem Kurswechsel der
Landesregierung von Günther H. Oettinger im Bereich der
Familien- und Betreuungspolitik, der durch das Projekt
„Kinderland Baden-Württemberg“ Einzug hielt. Was die JU
in den Jahren 2002 bis 2006 auszeichnete, war eine gute
Diskussionskultur. Selbstbewusste Kreis- und Bezirksver-
bände, eingespielte Teams bei der inhaltlichen Arbeit setz-
ten mächtig Akzente. Seine Amtszeit schloss Bareiß auf
dem Landestag 2006 in Tuttlingen mit dem Credo, das für
viele JU’ler gilt: „Ich wäre heute beruflich und persönlich
nicht das, was ich bin, ohne die Zeit in der Jungen Union“.
Interview mit
Thomas Bareiß
?
Was sind im Rückblick die Höhepunkte Deiner Amtszeit
als JU-Landesvorsitzender?
Seite 77 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Beim außerordentlichen
Landestag „Ganz frisch!“
Thomas Bareiß zu Besuch in Südbaden / Kaiserstuhl
2006
schaftsstudium an der Berufsakademie in Ravensburg ab-
solviert und konnte sehr viel Erfahrung in meinem Beruf
sammeln. Die beruflichen Erfahrungen machten mich von
der Politik unabhängig und haben mir in meiner politi-
schen Arbeit sehr geholfen. Also mein Rat: Neben der Po-
litik die Ausbildung nicht vernachlässigen. Ein weiterer
wichtiger Baustein ist für mich die Arbeit in der Kommu-
nalpolitik. Ich hatte das Glück, mit 23 Jahren in den Ge-
meinderat meiner Heimatstadt Meßstetten gewählt zu
werden. Da habe ich neben der JU das politische Grund-
handwerkszeug gelernt.
?
Wie sieht Dein Geburtstagswunsch an die Junge Union
Baden-Württemberg zum 40. Geburtstag aus?
!
Mut und Kraft auch in Zukunft unangenehme Themen
anzusprechen. Und ich wünsche uns allen eine CDU
die noch etwas öfter auf die JU hört!
!
Die Schuldenbremse ist heute fest im Grundgesetz ver-
ankert und vor dem Hintergrund der jüngsten Euro-
Krise hat sich es sich umso mehr gezeigt, wie wichtig das
Thema Haushaltskonsolidierung und sparsame Ausgaben-
politik ist. Wir haben es geschafft, das Thema Schulden-
bremse und Nullverschuldung nach langem Ringen mit der
CDU in das Wahlprogramm aufzunehmen. In den Jahren
2008 und 2009 wurde die Nullverschuldung in Baden-
Württemberg erreicht. Das zeigt, Politik ist das Bohren
von dicken Brettern und beharrlicher Einsatz für eine gute
Sache führt zum Erfolg.
?
Die Tätigkeit in der JU gilt als Schule für die richtige Po-
litik. Manche beklagen dagegen das Muster Kreißsaal -
Hörsaal - Plenarsaal. Was ist Dein Rat für junge Menschen,
die in der Politik aktiv werden wollen?
!
Für mich hatte immer meine Ausbildung und mein Be-
ruf die erste Priorität. Ich habe erst mein Betriebswirt-

09.06.-09.07.2006
Die Welt feiert in Deutschland das Sommermärchen
und die Fußball-WM.
Deutschland siegt im Spiel um Platz 3

31.07.2006
Versuchter Terroranschlag auf zwei Regionalzüge aus Köln.
In zwei herrenlosen Koffern werden im Dortmunder
und Koblenzer Hauptbahnhof Sprengsätze gefunden
Seite 78 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Landesvorstandsmitglieder beim außerordentlichen Landestag
Die stellvertretenden Landesvorsitzenden Dorothea Beetz (li.) und Nina
Bender sowie Sven-Joachim Otto und Thomas Bareiß
2006
fi ‹
25./26.11.2006
Landestag der Jungen Union
in Tuttlingen.
Thomas Bareiß MdB
übergibt an Steffen Bilger
19.10.2006
Das Bundesverfassungsgericht weist den
Normenkontrollantrag des Landes Berlin
auf Finanzhilfe des Bundes zurück
Seite 79 40 Jahre JU Baden-Württemberg
LANDESVORSTANDSMITGLIEDER
IN DER AMTSZEIT VON THOMAS BAREISS
Landesvorsitzender Thomas Bareiß 2002 – 2006
stellv. Landesvorsitzende Dorothea Beetz 2002 – 2005
Nina Bender 2002 – 2006
Florian Unger 2005 – 2006
Finanzreferenten Christian Himmelsbach 2002 – 2005
Annekathrin Keller 2005 – 2006
Pressereferenten Anselm Rodenhausen 2002 – 2005
Tobias Schumacher 2005 – 2006
Schriftführer Ralf Stefan Hübner 2002 – 2006
Beisitzer Andreas Deuschle 2002 – 2006
Christian Baron 2002 – 2005
Alexander Becker 2002 – 2005
Marc Bernhard 2002 – 2005
Sven Erb 2002 – 2005
Norbert Lins 2002 – 2005
Daniela Schmauks 2002 – 2005
Christian Sigwarth 2002 – 2005
Florian Unger 2002 – 2005
Fedor Zeyer 2003 – 2005
Chritsoph Schauder 2005 – 2006
Martina Hurst 2005 – 2006
Katharina Caspary 2005 – 2006
Peter Bausenhart 2005 – 2006
Viola Mahrenbach 2005 – 2006
Björn Hannemann 2005 – 2006
Kai-Markus Scheneck 2005 – 2006
Uwe Held 2005 – 2006
Sigfried Lorek 2005 – 2006
Bezirksvorsitzender
Nordbaden Daniel Caspary 2002 – 2006
Bezirksvorsitzender
Nordwürttemberg Steffen Bilger 2002 - 2006
Bezirksvorsitzender
Südbaden Volker Schebesta 2002 - 2006
Bezirksvorsitzender
Württ.-Hohenzollern Carsten Lüdtke 2002 - 2006
Landesgeschäftsführer Andreas Züfle 2002 – 2006
Christiane Schreck 2006
Landesausschuß zum Grundsatzprogramm der CDU Baden-Württemberg.
V.l.: Thomas Bareiß, Prof. Dr. Paul Nolte, Dr. Annette Schavan, Steffen Bilger
Während der Amtszeit des Bundeskanzlers Schroeder geben hier auch
Thomas Bareiß und Volker Kauder ihr „letztes Hemd“
2006
spruch ist die JU im Südwesten dann auch währen der ge-
samten Zeit der schwarz-roten Bundesregierung treu ge-
blieben. In dem zur Bundestagswahl 2009 von einer
Projektgruppe um Landespressesprecher Ralf Stefan Hüb-
ner erstellten Leitantrag „Chance 2009 - Die Erwartungen
Baden-Württembergs an die Bundespolitik“ distanziert
sich die JU von der „Koalition der großen Enttäuschun-
gen“, die in den guten Jahren es nicht vermocht habe,
Deutschland umfassend zu sanieren - und der dann in der
in der Krise überzeugende Antworten fehlten.
Zur programmatischen Leitschnur der Arbeit unter Steffen
Bilger entwickelte sich vor allem der Begriff „Nachhaltig-
keit“. Das konsequente Werben der JU für einen verant-
wortungsvollen Haushalt ohne Schulden, für eine Familien
entlastende Gesellschafts- und Bildungspolitik sowie für
eine gerechte Lastenverteilung zwischen den Generatio-
nen machten dabei jedoch deutlich, dass für die Junge Uni-
on unter Nachhaltigkeit mehr zu verstehen war und ist,
als nur Umwelt- und Klimaschutz.
Steffen Bilger:
Für Werte und
Nachhaltigkeit
Mit Steffen Bilger steht seit 2006 eine Persönlichkeit an
der Spitze des Landesverbandes, die sich in der Jungen
Union wie kaum ein anderer auskennt. Der aus Back-
nang stammende und heute für den Wahlkreis Ludwigs-
burg im Bundestag sitzende Rechtsanwalt konnte zuvor
Erfahrungen im Ortsverband und als Kreis- und Bezirks-
vorsitzender sammeln. Politisch sind die Jahre von Stef-
fen Bilger bislang vor allem von Themen wie
Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit sowie
dem Eintreten für eine wertebasierte Politik geprägt.
Das südbadische Tuttlingen war Schauplatz des bislang
letzten Stabwechsels an der Spitze der Jungen Union Ba-
den-Württemberg. Am 25. November 2006 trat dort der
damals 27-järige Jurist und nord-württembergische Be-
zirksvorsitzende Steffen Bilger die Nachfolge von Thomas
Bareiß an. In seiner Vorstellungsrede übte Steffen Bilger
deutlich und zur Freude der Delegierten aus dem ganzen
Land Kritik an der in Berlin regierenden Großen Koalition.
Die CDU müsse sich wieder auf ihr Wertfundament besin-
nen und wenn sie das nicht von alleine könne, dann müsse
eben die JU der stetige Mahner sein. Mit Blick auf das von
vielen JU-Mitgliedern als Zumutung empfundene Allge-
meine Gleichbehandlungsgesetz und andere Erblasten der
ehedem rot-grünen Bundesregierung kündigte Steffen Bil-
ger beispielsweise unter großem Applaus an: „Wo immer
die Union ihre Grundüberzeugungen verrät, muss die JU
zur Stelle sein und lautstark Kritik üben.“ Diesem An-

25.11.2006
JU-Führungswechsel:
Steffen Bilger folgt
Thomas Bareiß

26.11.2006
Leitantrag „Mobilität“
plädiert für PKW-Maut
Seite 80 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Steffen Bilger
Amtswechsel. Thomas Bareiß bei seiner Verabschiedung mit Steffen Bilger
2007
fi ‹
01.01.2007
Deutschland übernimmt
EU-Ratspräsidentschaft
und G8-Präsidentschaft
09.03.2007
Bundestag beschließt
Rente mit 67
Ebenso klar akzentuiert hat die JU im Südwesten die Bil-
dungspolitik aufgerollt. „Fünf ab Fünf“ lautete die Kern-
forderung des von Steffen Bilger und der stellvertretenden
Bundesvorsitzenden Nina Bender entwickelten JU-Kon-
zepts einer fünfjährigen Kinder- und Grundschule ab dem
fünften Lebensjahr. Die JU plädierte anlässlich des Landes-
tags 2008 dabei ferner für den Ausbau der Ganztagesschu-
len, die Einführung einer Kernarbeitszeit für Lehrer an
ihren Schulen sowie landesweit einheitliche Abschlussprü-
fungen in der Grundschule, die in eine bindende Empfeh-
lung münden sollten.
Dieses umfassende Verständnis einer Politik, die heute
schon an die Probleme vom morgen denkt, spiegelte sich
auch in den Themen der Leitanträge und Positionspapiere
der Südwest-JU in den Jahren seit 2006 wider.
So gelang es, Begriffe wie „Verschuldungsverbot“ oder
„Pensionsfond“ auf die Agenda der Landespolitik zu setzen
oder in der „Rottenburger Erklärung“ die Bedeutung der
Klima- und Energiepolitik für kommende Generationen
hervorzuheben. Nachhaltigkeit wurde damit zum Marken-
zeichen einer von der JU mitgestalteten Landespolitik.
Seite 81 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Gut aufgestellt. Der Landesvorstand 2008/2009.
2007
Um das Alleinstellungsmerkmal der Jungen Union als ein-
zige landesweit präsente politische Jugendorganisation zu
sichern - und damit sozusagen auch die Entwicklung der
JU nachhaltig zu gestalten - setzt die JU seit 2007 auf eine
Ortsverbandsgründungsoffensive, die die letzten weißen
Flecken auf der JU-Landkarte beseitigen soll. Zusammen
mit unterschiedlichen Mitgliederwerbekampagnen ist es
damit auch gelungen, den Anspruch der JU, vor FDP oder
Grünen die drittstärkste politische Kraft im Südwesten zu
sein, zu untermauern. Mit über 11.700 Mitgliedern im
Sommer 2010 hat die Junge Union Baden-Württemberg
diese beiden „kleineren“ Konkurrenten deutlich auf Ab-
stand halten können. Um diesen Vorsprung auch für die
Zukunft zu erhalten, setzt die JU seit 2009 in Ludwigsburg
auch auf ein komplett neues Layout der Landestage und
passte ihren gesamten öffentlichen Auftritt einer einheit-
lichen Linie an.
Aus der Erkenntnis, dass Programme auch mit Personen
verbunden werden müssen, hat die Junge Union in den
Jahren seit 2006 auch konsequent versucht, mit jungen
Kandidaten das personelle Tableau der Union abzurunden.
Mit landesweit über 1.000 Kandidaten bei der Kommunal-
wahl 2009, mit dem Erfolg junger Europaabgeordneter wie
Daniel Caspary sowie der Wahl von Steffen Bilger oder
Thomas Bareiß in den Bundestag und nicht zuletzt mit
fünf aussichtsreichen Landtagserstkandidaten zur Wahl
2011 ist der JU dies auch eindrucksvoll gelungen.
Die breite Verankerung der Jungen Union im ganzen Land
zeigt sich darüber hinaus in der in Steffen Bilgers Amtszeit
stetig wachsenden Zahl von Bürgermeistern aus den Rei-
hen der Jungen Union.

01.05.2007
Das Mitgliedermagazin hg
startet mit neuem Konzept
und Layout.

03.11.2007
In den Rottenburger Thesen
stellt die JU die Weichen
für eine nachhaltige
Umweltpolitik
Seite 82 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Im Zeichen der JU. Ministerpräsident Günther Oettinger beim JU-Landestag
Gute Stimmung. Ministerpräsident Stefan Mappus beim JU Landesvorstand
2008

01.01.2008
Baden-Württemberg
erreicht Nullverschuldung
fi ‹
27.04.2008
Leitantrag „Schule neu
denken“ plädiert für
die Kinderschule
07.09.2008
Politik im Freizeitpark -
Deutschlandtag in Rust
mit Merkel, Kauder
und Co.
Interview mit
Steffen Bilger
?
Viele frühere JU-Funktionäre kritisieren den Zustand der
politischen Jugendorganisationen heute. Teilst Du diese
Kritik?
!
Richtig ist, die Arbeit der politischen Jugendorganisa-
tionen hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte
spürbar verändert. Das gilt aber auch für das politische Le-
ben insgesamt und zeigt sich schon bei den Themen: Frü-
her ging es um Krieg und Frieden, um Freiheit oder
Sozialismus. Heute beschäftigen uns vor allem Themen
wie Generationengerechtigkeit, Haushaltskonsolidierung
oder Netzpolitik. Dazukommt, dass es in unserer altern-
den Gesellschaft schlicht nur noch halb so viele Jugendli-
chen im JU-Alter wie vor zwanzig oder dreißig Jahren gibt.
Das macht Mitgliederwerbung nicht einfacher und des-
halb sind wir auf unsere seit Jahren gegen den Trend stei-
genden Mitgliederzahlen besonders stolz.
?
Was hat sich bei der konkreten JU-Arbeit an der Basis ge-
ändert?
!
Einfach so wie früher - auch wie in meiner eigenen An-
fangszeit 1996 - geht es heute nicht mehr. Erstens kon-
kurriert die Politik heute mit jeder Menge anderer
Freizeitangebote. Zweitens haben Schüler, Auszubildende,
Studenten, einfach alle jungen Menschen heute viel we-
niger Raum für Freizeit und Hobbies. Schule, Studium,
Auslandsaufenthalte und Praktika - da bleibt kaum Zeit
fürs Ehrenamt und der JU-Langzeitstudent, der früher im-
mer noch ein paar Wochen für die eine oder andere Aktion
Zeit hatte, ist auch ausgestorben. Auf dieses Umfeld rea-
Seite 83 40 Jahre JU Baden-Württemberg
V.l.:Ralf Hübner, Viola Mahrenbach und Isabell Siedler
V.l.: Peter Bausenhart, Innenminister Heribert Rech, Steffen Bilger und
Siegfried Lorek
V.l.: Jan Mesina, die Europapark-Maus und Uwe Wiedmann beim DLT in Rust
2008–2009
gieren wir. Wir beklagen nicht die Konkurrenz des Inter-
nets, von Facebook & Co., sondern wir nutzen diese Ange-
bote. Während früher vielleicht noch intensiver über
Anträge beim Parteitag diskutiert wurde, finden solche
Diskussionen heute schon im Vorfeld im Web 2.0 statt. In-
ternet und neue Medien bieten aber auch andere und vor
allem dynamischere Formen der Kommunikation nach in-
nen und außen. Politik ist heute weniger Hinterzimmer
und Abendveranstaltung, Politik muss heute vielmehr
Straße und virtuelle Welt gleichermaßen abdecken.
?
Ist die Junge Union zu wenig kritisch im Umgang mit der
Mutterpartei?
!
Durch unsere Arbeit beweisen wir immer wieder aufs
Neue, dass wir keine Auseinandersetzung scheuen -
gerade wenn es um die Sache der jungen Generation geht.
Und man muss sich schon überlegen, ob andauernde, lau-
te Kritik im Ergebnis mehr nützt oder schadet. Konflikte
werden heute nicht mehr so plakativ und aggressiv ausge-
tragen wie früher. Das hat aber vielleicht auch etwas mit
einer guten Diskussionskultur zu tun. Im Ergebnis haben
wir uns vielfach auch in letzter Zeit nach harten Diskus-
sionen und teilweise gegen erbitterte Widerstände durch-
gesetzt: sei es beim Führerschein mit 17, dem Konzept
Kinderschule der Jungen Union, für das wir beim CDU-
Landesparteitag eine Mehrheit bekommen haben, bei der
Forderung nach Regionalkonferenzen auf Bundesebene
oder auch bei der innerparteilichen Verankerung des Ziels
der Haushaltskonsolidierung. Jedenfalls fallen mir etliche
Diskussionen in den letzten Jahren ein, bei denen mich
Mitglieder der Landesregierung oder der Parteiführung
angerufen haben und gar nicht glücklich über unsere Kritik
waren. Teilweise sind das sogar genau die gleichen Leute,
die in Sonntagsreden immer eine kritische JU fordern und
dann von alten Zeiten unter dem Motto "Was wir uns da-
mals alles getraut haben" erzählen.
fi ‹
03.11.2008
Ypsilanti scheitert
mit Rot-Rot in Hessen
10.01.2009
Freiburger Erklärung setzt
auf neue Möglichkeiten im
Kampf gegen
Jugendkriminalität

18.02.2009
Finanzmarktstabilisierungs-
gesetz als Reaktion
auf Finanzkrise
Seite 84 40 Jahre JU Baden-Württemberg
V.l.: Nina Bender, Steffen Bilger und Fedor Zeyer beim Landesvorstand
Generalsekretär Thomas Strobl bei der Ortsvorsitzendenkonferenz
Bundespolitik. Unionsfraktionschef Volker Kauder beim Deutschlandtag
2009–2010

12.07.2009
Leitantrag „Chance 2009“
gegen eine Neuauflage
der Großen Koalition
fi ‹
27.09.2009
Schwarz-Gelb
gewinnt Bundestagswahl
10.02.2010
Stefan Mappus wird neuer
Ministerpräsident -
Günther Oettinger
geht nach Brüssel
?
Was sind die großen Herausforderungen für die Junge
Union Baden-Württemberg in den nächsten Jahren?
!
Zunächst einmal müssen wir gemeinsam die Landtags-
wahl gut bestehen und alles daran setzen, dass unsere
JU-Kandidaten gewählt werden. Bei der Landtagswahl
geht es für uns auch darum, unsere inhaltlichen Vorstel-
lungen wieder im CDU-Wahlprogramm und dann auch in
der Koalitionsvereinbarung unterzubringen und damit un-
seren Anspruch als Stimme der jungen Generation zu un-
termauern. Abgesehen vom nahenden Landtagswahl-
kampf bleibt ständige Herausforderung jedes Jahr rund
1.000 ausscheidende Mitglieder zu ersetzen - ganz beson-
ders in den nächsten Jahren, wenn die geburtenschwachen
Jahrgänge ins JU-Alter kommen. Die Arbeit der JU wurde
sicherlich in den letzten Jahren immer professioneller,
aber trotzdem können wir beim Erscheinungsbild, bei der
Werbung, bei unseren Medien sicher immer auch noch
besser werden. ?
Du bist jetzt selbst seit der Bundestagswahl Abgeordne-
ter. Wie wichtig sind solche personellen Erfolge für die
JU und hemmen sie nicht manchmal auch in politischen Aus-
einandersetzungen?
!
Ich halte es vor allem für die CDU für sehr wichtig, dass
immer wieder JU-Kandidaten aufgestellt und dann
auch in die Parlamente gewählt werden. Nur mit einer gu-
ten Mischung können wir Volkspartei bleiben. Die Einbin-
dung der Jungen Union in die CDU und die Tatsache, dass
die meisten CDU-Funktionsträger aus der JU kommen,
trägt dazu bei, dass wir ernstgenommen werden und - im
Gegensatz zu anderen politischen Jugendorganisationen -
ernsthaft Politik gestalten können. Wir jungen Abgeord-
neten müssen dann aber auch im Sinne der jungen Gene-
ration etwas daraus machen. Deswegen sind wir gefordert,
ohne falsche Rücksichtnahme auf eigene Ambitionen
wichtige Forderungen einzubringen. Das machen wir als
Junge Gruppe im Bundestag so und dabei setze ich für die
Zukunft auch sehr auf unsere fünf JU-Landtagskandidaten.
Seite 85 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Männer mit Profil. JU-Bundeschef Philipp Mißfelder, Ministerpräsident Stefan Mappus
und Steffen Bilger beim Landestag
„Cleverle“. Alt-Ministerpräsident Lothar Späth bei der JU
2010
fi ‹
29.05.2010
Lena gewinnt
mit „Satellite“
den Grand Prix
16.07.2010
Die JU Baden-
Württemberg feiert
40jähriges Jubiläum

19.09.2010
Leitantrag „Politik für uns.“
zu Landtagswahl 2011
Seite 86 40 Jahre JU Baden-Württemberg
LANDESVORSTANDSMITGLIEDER
IN DER AMTSZEIT VON STEFFEN BILGER
Landesvorsitzender Steffen Bilger seit 2006
Stellv. Landesvorsitzende Peter Bausenhart 2006 - 2010
Frank Burkhard 2006 - 2008
Martina Hurst seit 2009
Siegfried Lorek seit 2009
Finanzreferenten Martin Wenig seit 2008
Dr. Annekathrin Keller 2006 - 2008
Pressereferenten Ralf Stefan Hübner seit 2008
Tobias Schumacher 2006 - 2008
Schriftführer Maria-Lena Weiss seit 2010
Sven Ganter 2008 - 2010
Ralf Stefan Hübner 2006 - 2008
Beisitzer Marcel Bonnet seit 2008
Andreas Deuschle 2006 - 2008
Christian Dusch seit 2008
Katharina Caspary seit 2008
Sven Ganter 2006 - 2008
Raid Gharib seit 2009
Björn Hannemann 2006 - 2010
Martina Hurst 2006 - 2009
Benjamin Koch seit 2009
Sigfried Lorek 2006 - 2009
Viola Marenbach 2006 - 2008
Swen Menzel seit 2008
Sigfried Lorek 2006 - 2009
Alexander Rechner seit 2008
Christoph Schauder bis 2008
Kai-Markus Scheneck 2006 - 2008
Thomas Wagenblast seit 2008
Maria-Lena Weiss 2008 - 2010
Martin Wenig 2006 - 2008
Bezirksvorsitzende
Nordbaden Nikolaus Löbel seit 2010
Jochen Fürniss 2006 - 2010
Daniel Caspary 2006
Bezirksvorsitzende
Nordwürttemberg Björn Hannemann seit 2010
Uwe Wiedmann 2006 - 2010
Bezirksvorsitzender
Südbaden Johannes Rothenberger seit 2006
Bezirksvorsitzender
Württ.-Hohenzollern Norbert Lins seit 2006
Landesgeschäftsführer Christiane Schreck 2006 - 2007
Jan Tielesch 2007 - 2009
Christina Egeler seit 2009
Alt JU’ler teffen sich immer wieder bei Vortragsveranstal-
tungen der CDU. Hier auf dem Bild u.a. Wolfgang Schäuble
MdB mit Willi Stächele MdL, Thomas Strobl MdB sowie
Andreas Renner.
Die barth Logistikgruppe ist Ihr kompetenter
Ansprechpartner, wenn es um die effiziente
Umsetzung individueller und exibler Logistik-
lösungen geht. Wir bieten Ihnen Antworten auf
sämtliche Fragen aus den Bereichen Transport-
und Lagerlogistik.
Unser leistungsfähiges Netzwerk in Kombination
mit hochqualizierten Mitarbeitern stellt hierfür
die entscheidende Basis dar – gemäß unserem
Slogan:
„Der Mensch macht’s aus.“
Die Aufgabe heißt Logistik. Die Lösung heißt barth.
Burladingen, Telefon +49 7475 891-0 · Wendlingen, Telefon +49 7024 9408-0 · Gundelngen, Telefon +49 761 59228-0
Langweid-Foret, Telefon +49 821 29760-0 · Donaueschingen, Telefon +49 771 1045 · Altshausen, Telefon +49 7584 811
München, Telefon +49 89 2737475-0 · Cottbus, Telefon +49 355 710724 · Kandel, Telefon +49 72 75 95 66-0 · Hechingen, Telefon +49 74 71 180 53 60
Landau/Pfalz, Telefon +49 63 41 987 75-0 · Umkirch, Telefon +49 76 65 93 21 10-0 · F-Metz, Telefon +33 3 87 73 67 48 · www.barth.eu
G
Claus-Peter Grotz
fi ‹
1972
Eintritt in die JU
(1973 in die Schüler-Union,
1974 in die CDU)
1973-1979
Ortsvorsitzender
der Jungen Union
Hechingen
fi ‹
1977-1983
Stv. Kreisvorsitzender
JU Zollernalbkreis
1977-1989
Bezirksvorstandsmitglied
JU Württemberg-
Hohenzollern
Seite 88 40 Jahre JU Baden-Württemberg
tiven JU-Zeit viel stärker als heute auch eine direkte Ausei-
nandersetzung mit dem politischen Gegner wie Jusos und
Judos/Julis stattfand – hat die Junge Union die Rekrutierung
in der CDU für Mandate und Ämter monopolisiert. Umso
erstaunter war vielleicht mancher JU’ler, als vor einigen Jah-
ren die Frauen Union u.a. berechtigte Ansprüche anmelde-
ten. Ob CDU-Landtagsfraktion oder auch die Landes-
regierung: man kennt sich aus JU-Zeiten.
?
Wie nachhaltig wirken dabei informelle Netzwerke und
landsmannschaftliche Verbindungen über die Zeit der JU
hinaus?
!
Die langfristige Wirkung lässt sich gut an der Entwick-
lung der CDU Baden-Württemberg studieren. Der Lan-
desvorsitz und die Ministerpräsidentschaft von Erwin
Teufel, Günther Oettinger und Stefan Mappus geben zu
dieser Frage reichlich Anschauungsmaterial, wobei zur
Klugheit auch gehört, „lager- und landsmannschaftlich-
übergreifend“ zu integrieren.
?
Oft wird die doppelte Rolle der JU hervorgehoben: Zum
einen Vertretung der jungen Generation als Vereinigung
der CDU und zum anderen eigenständiger politischer Verband.
Ist diese Rollenwahrnehmung auch für die JU Baden-Württem-
berg ein prägendes Muster?
!
In der Tat schwankt die JU wie jede politische Jugendor-
ganisation zwischen diesen beiden Polen. Ich meine al-
lerdings, dass die JU heute stärker als früher als Vereinigung
der CDU wahrgenommen wird. Mehr Eigenständigkeit und
?
Wie haben Sie ganz persönlich Ihre Zeit in der JU in Erin-
nerung? Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?
!
Meine Zeit in der Jungen Union – ich bin 1972 kurz vor
der Bundestagswahl eingetreten – hat mich in vielerlei
Hinsicht geprägt. Die JU-Mitgliedschaft brachte es anfäng-
lich mit sich, noch für einige Jahre, bis sich der Wind ge-
dreht hatte, gegen den „Mainstream“ zu sein; insbesondere
die jüngeren Lehrer an meinem Hechinger Gymnasium
konnten es nicht verstehen. Nach und nach hatte ich wohl
meine halbe Klasse für die JU „geworben“. Junge Union
hieß damals und heißt es wohl generell für alle politischen
Jugendorganisationen bis heute, dass Politik und Kamerad-
schaft, in vielen Fällen auch Freundschaft, eins in eins ge-
hen. Eine solche Verknüpfung gemeinsamer politischer
Ziele und enger persönlicher Beziehungen habe ich in der
CDU so nie erlebt, es sei denn, sie ging auf eine alte JU-
Freundschaft zurück. Das macht auch heute noch die JU-
Stärke aus und wenn man sich nach langer Zeit wieder
sieht, ist die alte Gemeinsamkeit sofort wieder da. Nicht
zum geringsten war, was ich in der Jungen Union bezüglich
des politischen Handwerks (Diskutieren, sich mit anderen
Positionen befassen, Sitzungsorganisation, Pressearbeit,
Wahlkampf usw.) gelernt habe.
?
Politische Jugendorganisationen sollen auch politischen
Nachwuchs rekrutieren. Hat die JU ihren Job in der Ver-
gangenheit gut gemacht?
!
Und ob. Stärker als die anderen politischen Parteien –
wobei ich anmerken möchte, dass während meiner ak-
Claus-Peter Grotz
Interview mit Claus-Peter Grotz: „Bilanz und
Würdigung der Jungen Union Baden-Württemberg“
Claus-Peter Grotz
fi ‹
1981-1985
Mitglied im
JU Landesvorstand
1988-1990
Mitglied der Zukunfts-
kommission der CDU
Baden-Württemberg
fi ‹
1990-1998
Mitglied des
Deutschen Bundestages
1991-1993
Mitglied der Grundsatz-
kommission der CDU
Deutschlands
Seite 89 40 Jahre JU Baden-Württemberg
terwegs“ waren. Heute beim Ortsverband in Crailsheim,
morgen bei der Diskussion in Freiburg. Meinen Respekt vor
unseren „Lavos“. Ansonsten waren es unterschiedlichste
Persönlichkeiten; ob bisweilen politisch-nassforsch wie
Günther H. Oettinger oder Andreas Renner (ja, so haben
wir sie schon vor 25 Jahren kennen gelernt), ob politisch-
nachdenklich wie Dirk Notheis oder Edith Grupp, ob stets
mit Humor für die europäische Einigung eintretend wie
Hans-Jürgen („Zacki“) Zahorka oder schon mal grundsatz-
politisch dozierend wie Gerd Langguth, ob wie in den ers-
ten Jahren Frieder Volz, in dessen Amtszeit das Wort von
der „kritischen Distanz der JU zur CDU“ fiel, oder kittend
und moderierend wie Burkhard Herzig – stets hatte die JU
eigenständige, in ihrer Unterschiedlichkeit prägende Per-
sönlichkeiten an der Spitze.
?
Ein Element des Selbstverständnisses der JU ist es, Motor
der Erneuerung mit Blick auf gesellschaftliche Entwick-
lungen zu sein. Wie werden künftige gesellschaftliche Entwick-
lungen der JU selbst verändern?
!
Die Frage ist natürlich richtig gestellt. Die JU war im-
mer auch ein Spiegel ihrer Zeit. Die größten Verände-
rungen für die JU: die Demographie wirkt sich auf Zahl
und Stellenwert von Jugend aus. Und bezogen auf das Po-
litikideal seit der Aufklärung: Politik wird immer defensi-
ver; anstelle von Leitbildern, Vorstellungen von
Fortschritt tritt Sicherung des Status quo, Abwehr von
Gefahren. In unserer Zeit gab es zumindest eine linke Al-
ternative, gegen die wir argumentierten und die von uns
ein Gegenbild verlangte (JU-Grundsatzprogramm 1972:
„Für eine humane Gesellschaft“). Heute fehlt der grund-
legende Streit. Doch Barack Obama hat es gezeigt: nur
mit kühnen Ideen kann ich begeistern und mitreißen. Wer
entwickelt in der Union eine Vorstellung von einer wün-
schenswerten Zukunft? „Dass wir an der Regierung blei-
ben“ wird nicht ausreichen. Der mangelnde Blick nach
Selbstbewusstsein täten der JU gut. Interessant wäre es
dann die Reaktion der heutigen CDU-Etablierten, früher JU,
zu sehen... Bei manchem befürchte ich, er würde genauso
wenig souverän wie damals der von ihm kritisierte CDU-
Vertreter reagieren. Es käme auf einen Versuch an. Denn
die CDU braucht dringend programmatische Impulse.
?
Wie ist ihr Eindruck: Wie haben sich die JU-Mitglieder im
Lauf der Zeit in diesem Spannungsverhältnis zwischen ei-
gener politischen Profilierung und der „Durchlauferhitzung“
hin zur CDU gewandelt?
!
Ohne Verklärung der Vergangenheit. Die Junge Union
der 70er und 80er Jahre war gegenüber der Mutterpar-
tei viel streitbarer; man hat teilweise den Konflikt mit der
CDU gesucht, um Profil zu gewinnen. Den Wahlergebnis-
sen seinerzeit im Vergleich zu heute hat dies übrigens nicht
geschadet.
?
Generiert die JU als mit Abstand größte politische Jugend-
organisation aus dieser Größe genug politischen Einfluss
in inhaltlicher und personeller Hinsicht?
!
Es sollte die JU umtreiben, dass zwar ganz bestimmt ihr
personeller Einfluss auf die Union wahrgenommen wird,
aber mit ihr kaum inhaltliche Positionen mehr verbunden
werden. Zumindest gelingt es nicht, diese in der Öffentlich-
keit zu vermitteln. Dies hat – allerdings zum geringeren Teil
– wohl auch mit der gewandelten Medienlandschaft zu tun.
?
Prägend für politische Organisation sind immer auch die
Frontmänner oder -frauen. Was macht die Landesvorsit-
zenden der JU aus? Was verbindet sie? Worin unterscheiden
sie sich?
!
Alle JU-Landesvorsitzenden zeichnete aus, dass sie eh-
renamtlich neben Ausbildung und Beruf landesweit „un-
Claus-Peter Grotz
fi ‹
1993-2005
CDU-Kreisvorsitzender
Zollernalbkreis
1993-1996
Vorsitzender des CDU
Bundesfachausschusses
„Verkehrspolitik“
fi ‹
2003-2005
Mitglied der CDU-
Kommission „Baden-
Württemberg 2012“
Seit 2003
Professor für Politik-
wissenschaft an der
Hochschule für Polizei
Villingen-Schwenningen
Seite 90 40 Jahre JU Baden-Württemberg
vorne korrespondiert meines Erachtens übrigens nicht zu-
fällig mit einem erstaunlichen Desinteresse an der eige-
nen Parteigeschichte in der Union.
?
Politikverdrossenheit oder Wahlmüdigkeit kennzeichnen
gerade die Zielgruppe der JU - die Junge Generation und
die Jugendlichen. Was raten Sie der JU, wie sollte sie sich auf-
stellen?
!
Politisches Engagement, das ist klar, war schon immer
eine Sache einer Minderheit. Neu ist jedoch – das ist das
Bedenkliche – die Abwertung, ja das Ignorieren von Politik
durch viele Jugendliche. Wer z.B. in einer geringen Wahlbe-
teiligung ein Zeichen von Zufriedenheit sieht und unbe-
kümmert bleibt, so lange er nur gewählt ist, schaue auf die
Endzeit der Weimarer Republik oder auf einige Landtags-
wahlen der 1990er Jahre, als vermeintlich zufriedene Nicht-
wähler wieder an die Wahlurne gegangen sind. Die JU muss
mit den Mitteln von heute, die unendlich besser als vor 40
Jahren sind – meinen ersten JU-Artikel schrieb ich auf einer
mechanischen Schreibmaschine mit Durchschlagpapier,
nicht einmal Kopierer gab es – als Lobby der Jüngeren eine
Vorstellung davon entwickeln, wie die Zukunft aussehen
sollte. Politische Grundlinien zu zeichnen ist Aufgabe und
Privileg einer politischen Jugendorganisation.
?
Wie sieht Ihr persönlicher Geburtstagsgruß an die JU Ba-
den-Württemberg aus?
!
Dem 40jährigen „Gesamtkunstwerk“ Junge Union Ba-
den-Württemberg meinen herzlichen Glückwunsch. Je-
de „Epoche“ hat ihre Handschrift hinterlassen und diese
Buntheit macht das Besondere der JU aus. Gleichzeitig
wünsche ich der heute aktiven JU-Generation, dass es ihr
einmal mehr gelingt, die JU neu zu erfinden. Denn nur
durch diese permanente Erneuerung bleibt die JU als poli-
tische Jugendorganisation zukunftsfähig. Best wishes!
31.12.1971 6.522 Mitglieder
31.10.1973 10.875 Mitglieder
30.04.1974 11.961 Mitglieder
30.04.1975 13.807 Mitglieder
30.04.1976 15.006 Mitglieder
30.04.1977 17.868 Mitglieder
30.04.1978 18.735 Mitglieder
30.04.1979 18.400 Mitglieder
30.04.1980 17.986 Mitglieder
30.04.1981: 19.108 Mitglieder
30.04.1982: 19.365 Mitglieder
30.04.1983: 19.773 Mitglieder
30.04.1984: 19.969 Mitglieder
30.04.1985: 19.849 Mitglieder
30.04.1986: 19.560 Mitglieder
30.04.1987: 19.638 Mitglieder
30.04.1988: 19.536 Mitglieder
30.04.1989: 18.802 Mitglieder
30.04.1990: 18.010 Mitglieder
30.04.1991: 17.255 Mitglieder
30.04.1993: 14.979 Mitglieder
30.04.1994: 14.272 Mitglieder
30.04.1995: 14.136 Mitglieder
30.04.1996: 13.780 Mitglieder
30.04.1997: 12.822 Mitglieder
30.04.1998: 12.421 Mitglieder
31.07.1999: 12.005 Mitglieder
31.07.2000: 11.425 Mitglieder
30.09.2001: 10.766 Mitglieder
31.08.2002: 10.497 Mitglieder
31.08.2003: 10.563 Mitglieder
31.08.2004 10.621 Mitglieder
31.08.2005 10.654 Mitglieder
31.08.2006 11.137 Mitglieder
31.08.2007 10.984 Mitglieder
31.01.2008 11.053 Mitglieder
30.04.2009 11.317 Mitglieder
30.04.2010 11.424 Mitglieder
E
n
t
w
i
c
k
l
u
n
g

d
e
r

M
i
t
g
l
i
e
d
e
r
z
a
h
l
e
n
Energiewirtschaft?
Regulierungs management und -recht?
Stadtwerke kooperationen und -fusionen?
Vergaberecht?
Steuern und Abgaben?
Arbeits- und Sozialrecht?
Öffentlicher Personennah verkehr?
Abfall- und Abwasserentsorgung?
So spezifsch die Anforderungen lhrer
Kommune auch sein mögen: Unsere
Berater fnden die richtigen Antworten in
allen betriebs wirtschaftlichen, steuerlichen
und rechtlichen Fragen. So schaffen wir
gemeinsam Handlungsspielraum. Für
richtungsweisende Entscheidungen. Und
für völlig neue ldeen.
Advisory
Klaus Gerdes
Tel.: +49 211 981-4454
klaus.gerdes
@
de.pwc.com
Assurance
WP StB Josef Rakel
Tel.: +49 211 981-2215
josef.rakel
@
de.pwc.com
Tax & Legal Public Services
RA Dr. Sven-Joachim Otto
Tel.: +49 211 981-2739
sven-joachim.otto
@
de.pwc.com
Hier entsteht
Freiraum.
Für lhre
Perspektiven.
© 2009. PricewaterhouseCoopers bezeichnet die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und die anderen selbstständigen und rechtlich unabhängigen Mitgliedsfrmen der
PricewaterhouseCoopers lnternational Limited.

ehrenamtliche Redaktionsteam mit dem Konzept der hg
auf dem richtigen Weg ist. Im Zentrum der Hefte stehen
die Titelthemen, die nicht nur Interviews mit prominenten
Gesprächspartnern aus allen politischen Ebene, der Wis-
senschaft und den Medien beinhalten, sondern auch die
Meinung der Landes-JU klar auf den Punkt bringen und
Raum für Stimmen direkt von der Basis lassen. Rubriken
wie „pro & contra“ beziehen regelmäßig auch Außenste-
hende oder politische Gegner mit ein und bereichern da-
mit die innerverbandliche Diskussion. Themen aus Sicht
der JU zu beleuchten, ist aber für Ralf Stefan Hübner und
Chef vom Dienst Swen Menzel nur ein Teil des Konzepts.
Beiträge über Aktionen des Landesverbandes, seiner Ar-
beitskreise und Projektgruppen sowie die Arbeit der Be-
zirksverbände spielen eine ebenso große Rolle. Denn
gerade damit hilft die hg, gelungen Projekte überregional
bekannt zu machen und Erfolgsmodelle anderen Verbän-
den zur Nachahmung zu empfehlen. Noch mehr Platz für
Die hg – Vier Jahrzehnte
Magazin „made by JU“
Seit den Anfängen des gemeinsamen JU-Landesverban-
des begleitet die „humane gesellschaft“ die Arbeit der
Jungen Union im Südwesten. Das abgekürzt schlicht
„hg“ genannte Magazin war dabei immer sowohl politi-
sches Diskussionsforum als auch Spiegelbild der partei-
internen Aktionen und Veranstaltungen.
Jedes Mitglied der Jungen Union im Land kennt sie und be-
kommt sie viermal im Jahr frei Haus geliefert. Die humane
gesellschaft ist fester Bestandteil des Kommunikations-
angebots der JU Baden-Württemberg. Mit einer aktuellen
Auflage von 13.000 Exemplaren ist sie das am weitesten
verbreitete Werbemittel der JU im Südwesten, Abgeord-
nete und wichtige CDU-Funktionsträge erfahren aus ihr,
was die junge Generation in der Partei umtreibt und für
so manches Neumitglied ist die hg der erste Kontakt mit
dem Landesverband.
Das von Chefredakteur Ralf Stefan Hübner geleitete Team
der hg setzt dabei seit der letzten „Komplettrenovierung“
2007 auf ein Magazin, das sich an den Ansprüchen der Le-
ser orintiert: Klare politische Statements, vielfältige Infor-
mationen aus der JU und genug Platz für spezielle Events
wie Deutschlandtage oder Wahlkämpfe. Das Ganze op-
tisch ansprechend verpackt, durchgehend vierfarbig und
mit einem wiedererkennbaren Design.
Zahlreiche positive Rückmeldungen und vordere Plätze in
bundeweiten JU-Rankings zeigen, dass das ausschließlich
Seite 92 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Die hg-Redaktion 2008: Swen Menzel (Chef vom Dienst), Uwe Wiedmann, Ralf Stefan
Hübner (Chefredakteur), Isabelle Weichselgartner, Alexander Dörr, Philipp Kordowich
Deutschland zu Gast im Ländle.
Die hg-spezial zum
Deutschlandtag 2008 in Rust.
Die JU-Mitgliederzeitung
hg (Humane Gesellschaft)
im Wandel der Zeit (v.l.):
Nr. 12/1973, Nr. 1-2/1976,
Nr. 3/1994, Nr. 1/ 2000,
Nr. 1/2003, Nr. 1/2005 und
Nr. 4/2009
unterstütze die hg den modernen Regierungskurs von
Lothar Späth und analysierte kritisch den Wahlverlust von
1992 und die darauf folgende Große Koalition im Land.
In den letzten zehn Jahren hat die hg den bundespoliti-
schen Kurs der Union immer wieder hinterfragt, die solide
Erfolgsgeschichte des Landes unter Ministerpräsident
Erwin Teufel begleitet und den Modernisierungskurs in der
Bildungs- und Familienpolitik in den Regierungsjahren von
Günter Oettinger unterstützt.
Am augenfälligsten hat sich in diesen Jahren aber das Er-
scheinungsbild der hg selbst geändert. Nach der Umstel-
lung von A5 auf A4 wurde das Magazin der JU schrittweise
auch bunter. Angelehnt an die von der Mutterpartei in
manchen Wahlkämpfen verwandten Farben bekam die
„humane gesellschaft“ zuerst einen roten, dann einen grü-
nen und schließlich einen blauen Farbakzent verpasst.
Gleichzeitig sorgte die stetig zunehmende Zahl an Fotos
dafür, dass die hg immer mehr auch zu einem Fotoalbum
der Jungen Union und ihrer Geschichte wurde. Die Jahr-
gangsbände der hg sind deshalb nicht nur liebgewonne
Erinnerungsstücke an vier Jahrzehnte Junge Union in
Baden-Württemberg, sondern spiegeln auch 40 Jahre
politischer Landesgeschichte wieder. Sie sind deshalb ei-
gentlich zu schade für das JU-Archiv, sie gehören eigent-
lich ins Haus der Geschichte.
die Berichterstattung aus den Orts- und Kreisverbänden
bietet die hg dabei in den vier Bezirksbeilagen im Innen-
teil, die den landesweiten, derzeit 16-seitigen Mantel er-
gänzen. Hier wird deutlich, wie breit aufgestellt die JU im
ganzen Land ist und wie vielfältig das Programm der Jun-
gen Union ist.
Das Miteinander von politischem Diskurs und Berichten
aus der alltäglichen Arbeit der JU hat die hg - wenn auch
in unterschiedlicher Akzentuierung - dabei schon immer
geprägt. Dafür standen unter anderem Chefredakteure
wie der spätere ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, der
bekannte Politikwissenschaftler Prof. Gerd Langguth, die
heutige Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner
oder die stellvertretende JU-Bundesvorsitzende Nina Ben-
der.
Die Anfänge waren dabei schwarz-weiß und im Format A5.
Die ersten Jahrgänge der hg in den 70er-Jahren setzten,
auch angesichts der damaligen technischen Möglichkei-
ten, ganz auf die Überzeugungskraft der Worte. Lange
Textstrecken und wenige graphische Anreicherungen - da-
für aber fundierte Diskussionen zu tages- oder gesell-
schaftspolitischen Fragen. Themen wie die neue Ostpolitik
der sozialliberalen Bundesregierung oder der erste Anlauf
Helmut Kohls aufs Bonner Kanzleramt haben die Autoren
der hg damals genauso beschäftigt, wie landespolitische
Themen rund um das mit absoluter CDU-Mehrheit regie-
rende Kabinett von Ministerpräsident Hans Filbinger.
In den 80er- und 90er-Jahren schwankte die JU und damit
auch die hg zwischen Unterstützung der schwarz-gelben
Bundesregierung und Kritik am „ewigen Kanzler“ Helmuth
Kohl. Themen wie die Deutsche Wiedervereinigung oder
der Europäische Einigungsprozess beschäftigten die Auto-
ren der hg und so mancher JU-Leitanträge. Landespolitisch
Seite 93 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Das neue Gesicht der hg
seit 2006: Ein Titelthema,
modernes Layout und vierfar-
bige Fotostrecken im Inneren
Kommunikation pur.
hg-Chefredakteur und
JU-Pressesprecher
Ralf Stefan Hübner
DIE HG CHEFREDAKTEURE DER LETZTEN JAHRE:
Ralf Stefan Hübner (Amtszeit Steffen Bilger)
Nina Bender (Amtszeit Thomas Bareiß)
Daniela Schmauks (Amtszeit Thomas Bareiß)
Heike Friedebach (Amtszeit Edith Grupp)
Alexandra Hellstern-Missel (Amtszeit Dirk Notheis)
Tanja Gönner (Amtszeit Dirk Notheis)
Kerstin Burgdorf (Amtszeit Dirk Notheis)
Seite 94 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Seite 95 40 Jahre JU Baden-Württemberg
1987–2010
Seite zu fördern. Als erster Vorsitzender des Freundeskrei-
ses konnte der damalige Justizminister des Landes Baden-
Württemberg, Dr. Heinz Eyrich, gewonnen werden. Neben
einem Mitgliedertreffen im September 1988 in Leonberg
wurden 1996 in Karlsruhe die Sonntagsgespräche durch-
geführt. Weitere Mitgliedertreffen folgten 1996 ebenfalls
in Karlsruhe und 1997 in Bühl-Vimbach.
Am 25. Oktober 2003 erfolgte die Neugründung des
Freundeskreises im Theaterhaus Stuttgart. Seit dieser
Neugründung bekleidet Rainer Wieland MdEP das Amt
des Vorsitzenden. Das erste Mitgliedertreffen fand 2004
im Römerkastell in Bad Cannstatt statt. Ein weiteres Mit-
gliedertreffen folgte im Jahre 2006.
Nachdem es in den vergangenen Jahren etwas ruhig um
den Freundeskreis war, haben der JU-Landesvorsitzende
Steffen Bilger und sein
Stellvertreter Siegfried
Lorek gemeinsam mit Rai-
ner Wieland MdEP die Ar-
beit des Freundeskreises
wieder aufgegriffen. Für
die Mitgliederwerbekam-
pagne wurde von Hendrik
Warda ein neuer Image-
flyer im aktuellen Corpo-
rate Design der JU
entworfen. Mit der dies-
jährigen Jubiläumsfeier
zum 40jährigen Bestehen
der JU Baden-Württem-
berg wird der Auftakt zu
jährlichen Treffen der
Mitglieder des Freundes-
kreises mit den JU-Mit-
gliedern gemacht.
Freundeskreis der JU
Baden-Württemberg
Viele der ehemaligen aktiven Mitglieder der JU fühlen sich
auch nach Erreichen der Altersgrenze von 35 Jahren wei-
terhin der JU verbunden. Um diese Verbundenheit mit Le-
ben zu erfüllen, wurde am 20. Oktober 1987 in Karlsruhe
der Verein der ehemaligen Mitglieder und Freunde der JU
Baden-Württemberg, besser bekannt als Freundeskreis
der JU Baden-Württemberg, gegründet. Ziel des Freundes-
kreises ist die Arbeit der JU zu unterstützen und den Aus-
tausch zwischen ehemaligen JU-Mitgliedern sowie
Freundinnen und Freunden der JU untereinander auf der
einen und mit den aktiven JU-Mitgliedern auf der anderen
fi ‹
20.10.1987
Gründung des
Freundeskreises
in Karlsruhe
25.10.2003
Neugründung im
Theaterhaus Stuttgart.
Rainer Wieland MdEP
wird Vorsitzender
fi ‹
25.05.2010
Fertigstellung des neuen
Freundeskreisflyers
16.07.2010
Jubiläumsfeier
zum 40jährigen
Bestehen der JU BW
Seite 96 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Seite 97 40 Jahre JU Baden-Württemberg
zur Systemüberwindung verstanden. Die Mehrzahl der
Schüler konnte mit dem „Schulkampf als Klassenkampf“
nichts anfangen und so erlangte die Schüler Union schnell
großen Einfluss in den Schülervertretungen und war be-
reits weit mehr als eine Protestaktion. Als größte politi-
sche Schülerorganisation des Landes setzt sich die Schüler
Union Baden-Württemberg für die Interessen und Belange
der Schülerinnen und Schüler mit Nachdruck ein. Zahlrei-
che JU’ler haben ihre politische Arbeit als Landesvorsit-
zende in der Schüler Union begonnen, wie beispielsweise
der heutige Landesvorsitzende Steffen Bilger oder der
ehemalige nordwürttembergische Bezirksvorsitzende
Uwe Wiedmann. Aber auch auf Bundesebene ist die SU
Baden-Württemberg stets sehr gut vertreten gewesen, un-
ter anderem unter der Amtszeit der Bundesvorsitzenden
Christian Jung und Younes Ouaqasse.
RCDS
Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten unter-
stützt seit vielen Jahrzehnten Studentinnen und Studen-
ten mit Serviceangeboten und Tipps rund um das
studentische Leben vor Ort an den Hochschulen im Land.
Die ersten christdemokratischen Hochschulgruppen wur-
den bereits einige Monate nach Ende des Zweiten Welt-
kriegs gegründet. Der RCDS leistet darüber hinaus in den
Gremien der akademischen Selbstverwaltung und gegen-
Sonderorganisationen
Die Junge Union hat schon immer von den aktiven Son-
derorganisationen der Schüler Union, des RCDS sowie
der jungen CDA profitiert, die im Bereich der Schulen,
Hochschulen und der Betriebe für die gemeinsame Sa-
che tätig sind. Auch sie können auf bewegte Jahrzehnte
politischer Arbeit zurückblicken.
Schüler Union
„Die Schüler Union ist eine Protestorganisation gegen die
linke Schülerrevolte” so beschrieben die Medien den groß-
artigen Erfolg der Schüler Union Anfang der siebziger Jah-
re. Nach Jahren der Vorherrschaft von linken bis
linksextremistischen Schülervereinigungen, die in Anleh-
nung an die Studentenrevolution der 68er eine Schülerre-
bellion initiieren wollten, durchbrach die Schüler Union
als konservative Schülerorganisation das Meinungsmono-
pol der Linken auch an Baden-Württembergs Schulen. Die
Schüler Union hatte ein ganz einfaches Erfolgsrezept, mit
dem sie den Linken haushoch überlegen war. Sie leistete
Sacharbeit für die Schüler, setzte sich aktiv für die Verbes-
serung des bestehenden Schulsystems ein, und bot somit
klare Alternativen gegenüber den marxistischen Schüler-
gruppierungen, die Schülerarbeit als ideologischen Kampf
Seite 98 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Aktive Mitglieder der Schüler Union RCDS Baden-Württemberg bei der Bundesdelegiertenversammlung
Arbeitnehmer. Ein offenes Ohr hat die Junge CDA gerade
auch für Behinderte, junge Familien, Schüler, Studenten,
alleinerziehende Mütter und Väter sowie andere sozial be-
nachteiligte beziehungsweise hilfsbedürftige Gruppen. Ei-
ner Beschäftigungsperspektive der Arbeitslosen fühlt sich
die Junge CDA in besonderer Weise verpflichtet. Sie agiert
jedoch gleichzeitig gegen den Missbrauch von Sozialleis-
tungen und tritt neben der sozialen Gerechtigkeit insbe-
sondere auch für Leistungsgerechtigkeit ein. Damit die
CDU auch in Zukunft Volkspartei bleiben kann, müssen
vor allem die Interessen junger Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer in die politische Entscheidungsfindung ein-
gebunden werden und das sozialpolitische Engagement
junger Menschen in der CDU große Unterstützung finden.
Themen, um die sich die Junge Arbeitnehmerschaft schon
vor 28 Jahren kümmerte, sind in der heutigen turbulenten
Wirtschaftslage wichtiger denn je. Die Junge CDA versteht
sich als Nachwuchs der Christlich-Demokratischen-Arbeit-
nehmerschaft sowie als soziales Gewissen der Jungen Uni-
on und sieht sich damit als Bindeglied. Die Landes-
vorsitzenden der Jungen CDA bzw. Jungen Arbeitnehmer-
schaft waren unter anderem seit der Gründung: Werner
Götz (1977-1980), Siegbert Kaiser (1980-1984), Wolfgang
Bandel (1984-1986), Ute Böhm (1986-1988), Jochen
Köhler (1997-2000), Sascha Müller (2000-2002), Hans-
Gerold Göbbel (2002-2004), Florian Enser (2004-2009)
und Manfred Benedikter (seit 2009).
über der Landesregierung seinen Beitrag zur Gestaltung
der Bildungs- und Hochschullandschaft. Grundstein für
spätere politische Karrieren legten dabei zahlreiche heu-
tige Spitzenpolitiker, wie etwa Bundesfinanzminister Dr.
Wolfgang Schäuble. Organisatorisch unabhängige Grup-
pen an vielen Universitäten und anderen Hochschulen
entscheiden beim RCDS selbst, wie sie im Studienalltag
aktiv werden. Trotz häufiger Wechsel der Vorsitzenden
und Mitglieder hat sich dabei in zahlreichen Gruppen eine
große inhaltliche und organisatorische Kontinuität heraus-
gebildet. In ihrer Arbeit werden sie vom Landes- wie vom
Bundesverband durch Angebote, wie z. B. Praktikums- und
Studienplatztauschbörsen, unterstützt. Wie die Schüler
Union in der Schule ist der RCDS ein wichtiges Bindeglied
für die Junge Union an den Hochschulen. Nach einer Zeit
größerer Distanz zwischen den beiden Organisationen
und der vorübergehenden Bildung von JU-Hochschulgrup-
pen hat sich in den letzten Jahren das Verhältnis entspannt
und es ist wieder zu einer engeren Verbindung zwischen
Junger Union und RCDS gekommen. Dies dokumentieren
nicht zuletzt der ehemalige RCDS-Bundesvorsitzende
Matthias Kutsch sowie die RCDS-Landesvorsitzenden Uwe
Wiedmann, Jan Mešina, Sebastian Berblinger, Steffen
Kirsch, Bernhard Maas, Thomas Volk und Romen Link, die
auch in der Jungen Union teils in führender Verantwor-
tung tätig waren und sind.
Junge CDA
Bereits seit dem Jahr 1977 hat die Junge CDA, die auch
Junge CDU-Sozialausschüsse genannt wird, in Baden-
Württemberg die Aufgabe, die Interessen und Anliegen
der „jungen Arbeitnehmerschaft“ wahrzunehmen und zu
transportieren. Bis zum Jahr 2000 wurde die Junge CDA
als Junge Arbeitnehmerschaft (JA) bezeichnet. Die Junge
CDA ist Ansprechpartner für Auszubildende, Berufsein-
steiger und alle anderen jungen Arbeitnehmerinnen und
Seite 99 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Klausurtagung der jungen CDA in Königswinter
Europaparlament:
Seit Daniel Caspary MdEP
Seit Andreas Schwab MdEP
1984 – 1989 Hans-Jürgen Zahorka
Abgeordnete des Landtags
von Baden-Württemberg
(unter 35 Jahre bei der Wahl):
Seit 2006 Stefan Teufel
Seit 2001 Dr. Bernhard Lasotta
Seit 2001 Volker Schebesta
2000 – 2001 Dirk Ommeln
Seit 1996 Dr. Dietrich Birk
Seit 1996 Georg Wacker
1996 – 2004 Dr. Ingeborg Gräßle
1988 – 2001 Paul-Stefan Mauz
1988 – 1996 Hans Lorenz
1984 – 2010 Günther H. Oettinger
(Ministerpräsident 2005 – 2010)
1979 – 2006 Erwin Teufel
(Ministerpräsident 1991 – 2005)
Mandatsträger
im JU-Alter
Die Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben bezügli-
cher der Mitglieder im JU Bundesvorstand sowie von Mit-
gliedern, die während ihrer aktiven JU Zeit ein Mandat
erlangt haben, können wir leider nicht gewährleisten. Wir
bitten um Ihr Verständnis. Sollten Sie Hinweise zur Ver-
vollständigung haben, bitte wir Sie um Information an die
Landesgeschäftsstelle.
JU Bundesvorstand:
Seit 2008 Thomas Bening
Seit 2006 Nina Warken
2006 – 2008 Florian Unger
2004 – 2006 Marc Bernhard
2004 - 2006 Steffen Wurm
2002 - 2004 Matthias Pröfrock
2002 – 2004 Konstantin Schwab
2000 – 2002 Tanja Gönner
2000 – 2002 Robert Hauber
1989 – 1997 Christine Arlt-Palmer
(Beisitzerin und stv. BuVo)
1981 – 1989 Eberhard Wurster
1979 – 1981 Dr. Albrecht Geier
1975 – 1979 Fritz Gantner
1973 – 1975 Meinhard Ade
1971 – 1983 Matthias Wissmann
(1973 – 1983 Bundesvorsitzender)
1969 – 1971 Siegbert Alber
Seite 100 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Seit 1998 Axel Fischer
1990 – 1998 Claus Peter Grotz
Seit 1990 Dr. Andreas Schockenhoff
Seit 1987 Hans-Joachim Fuchtel
1983 – 1998 Otto Hauser
1976 – 2007 Matthias Wissmann
(1993 – 1998 Bundesminister)
1976 – 1980 Dr. Gerd Langguth
Seit 1972 Dr. Wolfgang Schäuble
1965 – 1967 Heiner Geißler
Abgeordnete des
Deutschen Bundestags
(unter 35 Jahre bei der Wahl):
Seit 2009 Steffen Bilger
Seit 2005 Thomas Bareiß
Seit 2005 Andreas Jung
Seit 2002 Olav Gutting
Seit 2002 Dr. Joachim Pfeiffer
Seit 2002 Christian Freiherr von Stetten
Seit 1998 Thomas Dörflinger
Seite 101 40 Jahre JU Baden-Württemberg
m
Fon: +49 (0) 721 / 89 33 08 - 0 | Fax: +49 (0) 721 / 89 33 08 - 29 | info@merkur-finanz.d
Geschäftsführer: Tino Scraback, Torsten Holzwarth
merkur FinanzConsulting GmbH | Moltkestr. 25 | 76133 Karlsruhe | www.merkur-finanz.de
DER UNABHÄNGIGE FINANZ- & VERSICHERUNGSMAKLER
2x in Karlsruhe, 1x in Pforzheim - weitere Informationen: www.merkur-finanz.de







































- m i e h z r o f P n i x 1
N I F E G I G N Ä H




m . ww. w w : n e n o i t a m r o f n I e r e t i e w
N U R E H C I S R E V & - Z N A




e d . z n a n i f - r u k r e m
R E L K A M S G N










l u s n o C z n a n i F r u k r e m
o n i T : r e r h ü f ssf t fft ä h c s e G
8 / 1 2 7 ) 0 ( 9 4 + : n o F




. 25 | 76133 K estr estr. 25 | 76133 K Moltk | H b m G g n i t
h t rrt a w z l o H n e t sst r o TTo , k c a b a r c S
1 2 7 ) 0 ( 9 4 + : x a F | 0 - 8 0 3 3 9 8




-finanz.de ur .merk arlsruhe | www . 25 | 76133 K
r u k r e m @ o f n i | 9 2 - 8 0 3 3 9 8 /




m
-finanz.de
e d . z n a n i f -




m





Die Landesgeschäftsführer der JU BW:
Seite 102 40 Jahre JU Baden-Württemberg
21.02.1970 bis
31.12.1972
Charlotte Wehnert
01.01.1973
bis 31.03.1975
Elmar Müller
01.04.1975 bis
30.06.1981:
Martin Schlindwein
01.07.1981
bis 31.12.1987
Josef Müller
01.01.1988
bis 01.12.1989
Thomas Schäfer
01.12.1989
bis 31.12.1994
Martin Ringhof
01.01.1995 bis
30.09.1998
Angelika Blessing
01.10.1998
bis 31.12.2005
Andreas Züfle
14.01.2006 bis
30.09.2007
Christiane Schreck
01.11.2007
bis 31.10.2009
Jan Tielesch
Seit
01.11.2009
Christina Egeler
Seite 104 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Landestage mit Themen
Nr. Datum: Ort: Thema:
1 21./22.02.1970 Karlsruhe Allgemeine Anträge
2 17./18.04.1971 Überlingen „Überlinger Programm“ (Landespolitik)
3 15./16.01.1972 Heilbronn Beratung von Anträgen für das Wahlprogramm der CDU
4 12./13.05.1973 Ehingen Fortschreibung des Überlinger Programms zu den Themen Bildung,
Bodenrecht, Mitbestimmung, ausländische Arbeitnehmer + Satzung
5 18./19.05.1974 Freiburg Kommunalpolitische Thesen
a.o. 06.10.1973 Karlsruhe Grundsatzfragen in Vorbereitung zum CDU-Landesparteitag
Humanisierung der Arbeitswelt
Satzung
6 24./25.05.1975 Schwäbisch Gmünd Rolle der Verbände – Bildungspolitischer Orientierungsrahmen
a.o. 13.12.1975 Balingen „JU für offene und solidarische Gesellschaft in einer liberalen
Demokratie“ (Landespolitik)
7 12./13.06.1976 Metzingen Mut zum konsequenten Realismus im Gesundheitswesen
8 04./05.06.1977 Mannheim Die Zukunft unseres Landes – Lernen, Arbeit, Wohnen in Baden-
Württemberg
9 10./11.06.1978 Donaueschingen Forderungen zur Landespolitik
10 30.06./01.07.1979 Esslingen-Berkheim Integration der Jungen Generation - Drogen, Jugendkriminalität und
sogenannte Jugendreligionen
a.o. 08.12.1979 Markdorf Wahlaufruf zur Landtagswahl 1980
11 05./06.07.1980 Sigmaringen Außen- und Sicherheitspolitik
12 21./22.03.1981 Baden-Baden Hausebesetzungen lösen nicht die Probleme der Wohnungsnot +
Neue Medien
a.o. 03.10.1981 Weinsberg Umwelt und Energie – Gegensätze?
13 26./27.06.1982 Bad Säckingen Allgemeine Anträge
a.o. 26.03.1983 Karlsruhe Diskussion mit dem Präsidium der CDU
14 16./17.07.1983 Remshalden-GrunbachDer technische Fortschritt - Chancen und Risiken
15 07./08.07.1984 Bisingen Privatisierung also politische Aufgabe für Bund, Land und
Kommunen
16 06./07.07.1985 Bühlertal Jugend vor der Alternative
a.o. 16.11.1985 Mühlacker Satzungsänderungen
17 12./13.07.1986 Hüfingen Unsere Energiepolitik nach Tschernobyl
a.o. 18.10.1986 Kehl Neue Chancen für das Dorf
18 04./05.07.1987 Heilbronn Stirb nicht aus Unwissenheit! – Aids
Seite 105 40 Jahre JU Baden-Württemberg
a.o. 09.01.1988 Metzingen Jugend hat Zukunft in Baden-Württemberg (Landespolitik)
19 02./03.07.1988 Meersburg Europa - Solidargemeinschaft mit Zukunft?!
(Papier nicht verabschiedet)
a.o. 21.01.1989 Ditzingen-Hirschl. Anträge zum Grundsatzprogramm
20 08./09.07.1989 St. Leon-Rot Wir bringen Pfeffer in die Politik (Kommunalpolitik)
21 21./22.07.1990 Straßburg Europa, Maastricht II
22 13./14.07.1991 Tuttlingen
23 04./05.07.1992 Gerlingen Zukunft Bildung
24 03./04.07.1993 Metzingen Gewalt
25 09./10.07.1994 Singen Außen- und sicherheitspolitische Themen – Die Positionierung
Deutschlands
a.o. 05.05.1995 Furtwangen Familienpolitik
26 22./23.07.1995 Karlsruhe-Neureut Visionen braucht das Land
27 13./14.07.1996 Eppingen Ökologische Union
a.o. 09.11.1996 Straßburg Straßburger Beschlüsse – Positionen zur Reform Europas
28 26./27.07.1997 Hechingen Die Integration von ausländischen Mitbürgern
a.o. 28.02.1998 Karlsruhe Jugend in die kommunale Verantwortung
29 25./26.07.1998 Geisingen Bildungssystem muss Lust auf Leistung machen
30 09./10.10.1999 Mudau Leitlinien Baden-Württemberg
31 07./08.10.2000 Nürtingen-
Frickenhausen Werkstatt 200X
a.o. 03.02.2001 Künzelsau
32 01./02.12.2001 Bad Saulgau Wo bleibt das „C“?
a.o. 13.07.2002 Esslingen Europa
33 23./24.11.2002 Niedereschbach-
Fischbach Europäischer Konvent
a.o. 17.05.2003 Reutlingen Parteireform und Satzungsänderungen
34 22./23.11.2003 Karlsruhe-Rheinstetten Politik unter dem Einfluss neuer Technologien
a.o. 26.06.2004 Pforzheim moveJU
35 20./21.11.2004 Schorndorf Familienpolitik umfassend gestalten
36 19./20.11.2005 Ravensburg Unsere Energieversorgung von morgen
a.o. 14.01.2006 Stuttgart „Wo die Union regiert, geht es den Menschen besser“
37 25./26.11.2006 Tuttlingen Mobilität und Verkehr
a.o. 03.11.2007 Rottenburg Energie
38 26./27.04.2008 Renchingen Schule neu Denken
a.o. 10.01.2009 Freiburg Jugendkriminalität
39 11./12.07.2009 Asperg Chance 2009 – Unsere Erwartungen an die Bundespolitik
Seite 106 40 Jahre JU Baden-Württemberg
Impressum
Herausgeber
Junge Union Landesverband Baden-Württemberg
Landesvorsitzender Steffen Bilger MdB
Hasenbergstraße 49b | 70176 Stuttgart
T 0711 6690453 | F 0711 6690445
info@ju-bw.de | www.ju-bw.de
Projektgruppenmitglieder und Autoren
Peter Bausenhart, Manfred Benedikter, Steffen Bilger, Yannick Bury, Christina Egeler, Ralf Stefan Hübner,
Konstantin Kiesel, Siegfried Lorek, Younes Ouaqasse, Simon-Martin Ponzer, Felix Schreiner, Isabell Siedler,
Thomas Wagenblast, Hendrik Warda, Maria-Lena Weiss, Uwe Wiedmann
Fotonachweis
Jacques Grießmayer, Florian Weller
Gestaltung
Reiner v. Bronewski | moreVision | info@moreVision.de
Auflage, Druck und Erscheinung
3000 Exemplare durch RöslerDruck GmbH im Juli 2010
ISBN 978-3-00-031062-1
Unser Erfolg. Ein Gewinn für alle.
Der Geschäftserfolg der Sparkassen kommt nicht wenigen Anteilseignern, sondern
allen Bürgerinnen und Bürgern zugute. Wir engagieren uns für alle Bevölkerungs-
gruppen und beraten mit langfristiger Perspektive. Gewinne investieren wir in Kredite für
neue Investitionen und in viele soziale und kulturelle Projekte, die Deutschland in allen
Regionen attraktiv machen.
0em WohlsIand der Region und den dorI lebenden Menschen verpfichIeI: die Sparkassen.
Gut für Sie – und gut für Deutschland.
Kreditinstitute nicht für alle da sein?
Banken noch für die Gemeinschaft?
Sind Banken der Rendite vHUSÀLFKtet oder der Gesellschaft?
Engagieren sich Banken noch für die Gemeinschaft? Was ist eine „nachhaltige Geldanlage“?
Geldanlage“? Sind Banken der Rendite vHUSÀLFKtet oder der Gesellschaft?
Banken noch für die Gemeinschaft? Sollten Kreditinstitute nicht für alle da sein?
Kreditinstitute nicht für alle da sein? Engagieren sich Banken noch für die Gemeinschaft?
Kreditinstitute nicht für alle da sein? Was ist eine „nachhaltige Geldanlage“?
der Rendite vHUSÀLFKtet oder der Gesellschaft? Sollten Kreditinstitute nicht für alle da sein?
Engagieren sich Banken noch für die Gemeinschaft? Was ist eine „nachhaltige Geldanlage“?
Banken nur der Rendite vHUSÀLFKtet oder der Gesellschaft?
Sollten Kreditinstitute nicht für alle da sein?
Fragen zur Finanzw
irtschaft?
W
ir helfen Ihnen gern –
in Ihrer Sparkasse oder online unter
w
w
w
.gut-fuer-deutschland.de
Sparkassen-Finanzgruppe
S_210xH210_GfD22.indd 1 08.06.2010 09:29:54
ALLES GUTE!
zu 40 Jahre Junge Union in Baden-Württemberg
Ihre Europaabgeordneten aus Baden-Württemberg.
Daniel Caspary · Dr. Inge Gräßle · Elisabeth Jeggle · Dr. Andreas Schwab · Dr. Thomas Ulmer · Rainer Wieland
b
w
.
m
d
e
p
.
d
e