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ZEITUNG

www.haz.de ZEITUNG Nr. 94 • 16. Wo che • Preis 1,40 € Wir fe iern 2-jähriges

Nr. 94 16. Wo che Preis 1,40 €

Wir fe iern 2-jähriges und Kauf schenken Ihnen einen beim 20€-Douglas-Gutschein * eines Schuhpaares. *
Wir fe iern 2-jähriges
und
Kauf schenken
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*
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* Solange Vorrat reicht.
Ro senquartier Hannover
Ku rt -Schumacher-Straße 7
Bilanz am Schauspiel:
Hannover Ku rt -Schumacher-Straße 7 Bilanz am Schauspiel: Donnerstag, 21. April 2011 HANNOVERSCHER ANZEIGER VO N

Donnerstag, 21. April 2011

7 Bilanz am Schauspiel: Donnerstag, 21. April 2011 HANNOVERSCHER ANZEIGER VO N 1893 Patron mit Strohhut:
7 Bilanz am Schauspiel: Donnerstag, 21. April 2011 HANNOVERSCHER ANZEIGER VO N 1893 Patron mit Strohhut:

HANNOVERSCHER ANZEIGER VO N 1893

Patron mit Strohhut:

Der Designer Wrobel und sein Lebenswerk aus 16 Mühlen / S. 4

Bereit fürs Duell:

Im Kampf um Platz drei legen die „Roten“ heute in Freiburg vor / S. 21

Positiver Rückblick, große Pläne – und Sorge um den verunglückten Bernd Grawert / S. 5

Firmen wollen mehr unbefristete Jobs schaffen

Han nover (lr). De r Au fschwu ng soll in den kommenden Monaten fü r im mer mehr unbefr istete Jobs in Nieder sach sen sorgen. Nach ei ner Um frage der Indu s- tr ie - und Ha ndel skam me rn wi ll fast je- de s dritte Unte rneh men die Za hl seiner Beschä ftig ten au sbauen. Dabei plane ein wach sender Teil der Fi rmen die Schaf- fu ng fe ster Jobs, sagte der Hauptge- schä ftsf üh rer der IH K Ha nnover, Wi l- fr ied Prewo. Die Bedeut ung der an fa ngs favor isierten Zeitarbeit nehme ab. Die Stim mu ng unte r den Fi rmen bleibt na hezu unve rä nder t hoch. De r Anteil un- zu fr iedene r F ir men nähere sich dem Nu llpu nk t, um schrieb es Prewo. Die ho- hen Au ft ragsbest ände sorg ten in zw i- schen da fü r, dass so ma ncher Herstel ler Liefer probleme habe. Viele Fi rmen plan- ten deshalb Investitionen, um der Nach- frage He rr zu werden. Sei te 12

H E U T E I N D E R HAZ Gentest im Ihme-Zentrum

Hannover: 15 Monate nach dem Mord an de r 24 -jäh ri ge n Moni ka P. fü hr t ei ne Spur in s Ih me -Zentr um. Die Er mittler haben da mit begon nen, 600 Mä nner n in dem Gebäudekomple x ei ne Speichelpro- be abzuve rlangen. Sie hoffen, den Mörder mit dem Gentest zu finden. Sei te 13

Kirche erwägt Kündigungen

Hannover: De r eva ngelisch-lut herische Stadtk irchenve rband steht vor ei nem dramatischen Sparkurs. Selbst betr iebs- bedi ng te Kü nd ig ungen – et wa in der Dia- konie – si nd nicht au sgesch lossen. Hi n- te rg ru nd ist der an ha ltenden Mitg lieder- schw und der Ki rche. Sei te 14

Die Queen feiert Geburtstag

Welt im Spiegel: Königi n El izabet h II. hat es nicht im me r leicht gehabt mit ih rer Ve rwandtscha ft, doch nu n macht Pr inz Wi ll ia m seiner Großmutter zu ih rem 85. Gebu rt st ag mit seiner Hoch zeit das schönste Gebu rt st agsgeschen k. Sei te 8

RW E-Chef auf Atomkurs

Wirtschaft: RW E- Chef Jü rgen Großmann hat den Atom kurs des zweitg rößten deut- schen Versorgers gegen lautstarke Proteste verteidigt. „Unsere Regier ung hat nach dem Motto gehandelt: Erst abschalten, da nn pr üfen“, kritisie rte de r Ma nage r vor Aktionären das Atom-Morator iu m. Sei te 9

Dax 7249 ,19 (+20 9, 88) Dow J on es (2 0 Uhr) 12 44 2, 00 (+ 175, 25) Eu ro (E ZB) 1, 4515 (1,4 30 2) Do ll ar

Neuer erklärt Abschied

Spor t: Fußba ll-Nationa ltor wa rt Ma nuel Neuer hat au f ei ner Pressekon fe ren z un- te r Tränen seinen Absch ied vom Bu ndes- ligisten FC Schal ke 04 erklär t. Da mit wi rd ei n We ch sel zu m FC Bayern Mü n- chen im me r wa hr scheinlicher. Sei te 21

Lo tt oz ah le n: 13 , 20 , 36 , 39 , 40 , 44 (4 2) Su pe rz ah l: 9 Sp iel 77: 7 7 9 9 5 5 2 Su pe r 6: 8 8 9 1 9 3 (O hn e G ewäh r)

7 7 9 9 5 5 2 Su pe r 6: 8 8 9 1 9

Beilage heute:

„G esund & schön“

Beilage heute: „G esund & schön“ Neue Film e S eite 6 Roman Seite 6 Räts

Neue Film e

S eite 6

Roman

Seite 6

Räts el

Seite 7, 11

Börs en & Märk te

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Familienanzeigen

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Täglich (fas t) alle s

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Fern sehp ro gramm

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Medien

S eite 24

Fern sehp ro gramm Seite 23 Medien S eite 24 Vi el So nn en sc

Vi el So nn en sc he in mi t lo- ckeren Wo lken fel der n. Sc hwa ch er Wi nd au s ös tli- ch er Ri cht ung.
Sc hwa ch er Wi nd au s ös tli- ch er Ri cht ung. Vi el So nn en sc he in mi t lo- ckeren Wo lken fel der Sei te 24

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Wende bei Tierschutz in Niedersachsen

Minister Lindemann steuert um – mit einem umfassenden Stufenplan, der bis ins Jahr 2018 reicht

VON M AR INA K OR MB AKI

Han nover. Das La nd Nieder sach sen, of t gescholten wegen seiner Massentier- ha lt ung, wi ll in den kommenden Ja hren den Tier schutz in der La ndw ir tschaft ve rbesser n – und dabei soga r bu ndesweit neue Ma ßst äbe setzen. Ei n St ufenplan von Ag ra rm in ister Gert Li ndema nn zielt au f ei ne Um steue- ru ng in 38 Pun kten. Al le rd ings sollen

die Korrek tu ren zeit lich gest reck t wer- den: Letz te Ma ßnah men sollen er st im Ja hr 2018 in Kraf t treten. „A ls Minister bi n ich mit dem Ziel an- getreten, den Tier schutz deut lich voran- zubr ingen, und davon werde ich mich auch nicht abbr inge n lassen“, unte r- st rich der CDU-Pol itiker am Mitt woch bei der Vorstel lu ng seiner Entw ür fe vor Jour na listen in Ha nnover. Li ndema nn hatte sein Amt im Ja nuar dieses Ja hres über nommen. Sei ne Vor- gä nger in Astr id Grotelüschen wa r zu- rückgetreten, nachdem Vorw ür fe laut geworden wa ren, ih r Ehema nn arbeite mit Fi rmen zusam men, die ih rerseits den Tier schutz vernachlässig ten. Die neuen Pläne L indema nn s sehen in sgesamt 38 Verbesser ungsma ßnah men fü r zwöl f Tiergr uppen vor. Da zu zä hlen unte r anderem folgende Pun kte:

Die um st rittene Kü rz ung der Sch nä-

bel bei Puten soll bis 2018 ve rboten wer- den.

Bei Legehennen soll bereit s 2016 auf

Sch nabela mputationen verzichtet wer- den.

Fe rkel sollen ab 2015 nicht oh ne Be-

täubung kastr iert werden dü rfen; das

Kupieren der Schwä nze soll 2016 unte r- sagt sein.

Fü r Mast hü hner sieht der Plan ei ne

Ve rbesser ung der Stal lbed ingu ngen ab 2014 vor, mit Rück zugs- und Beschä fti- gu ngsmög lich keiten fü r die Tiere.

Zudem soll bis zu m Ja hr 2014 in Zu-

sa mmena rbeit mit dem Bu nd und der EU ei n speziel le s „Tier schutzlabel“ f ür Lebensmittel entw ickelt werden, fü r de- ren He rstel lu ng Tiere a rtgerecht geha l- ten werden mü ssen. „Dies si nd die weit reichend sten Tier- schutzak tivitäten, die es bu ndesweit bis- her in der la ndw ir tschaf tl ichen Nutz- tierha lt ung gegeben hat“, sagte Li nde- ma nn. Nicht obwohl, sonder n gerade weil Nieder sach sen das Bu ndesla nd ist, in dem die meisten Nutz tiere geha lten

Bu ndesla nd ist, in dem die meisten Nutz tiere geha lten Ihnen ging es im

Ihnen ging es im mer schon besser als den Schweinen und den Hühnern: Schafe an der Nordsee, fotografier t von Leserin Angela Brückner.

werden, sei es „d ie besondere Au fgabe“ des Ag ra rlandes Nu mmer ei ns, den Tier- schutz voran zubr ingen. De r Landw ir t- scha ftsm in ister, in dessen Zu st ändig- keitsbereich auch der T ierschut z fäl lt, geht bei seinem Plan davon au s, dass er ei ne „Reflex wi rk ung“ au f Bu ndes- und EU-Ebene haben wi rd: „Zwa r können wi r den anderen Bu ndeslä nder n und der EU keine Vorsch ri ften machen, in der Ve rgangenheit wa r es aber so, dass nie- dersächsische T ierschut zleitl in ien schnel l von anderen Lä nder n und oft auch von der EU-G esetzgebung über- nommen wu rden.“ Die Kosten der Tier schutz ma ßnah men

konnte Li ndema nn noch nicht benen- nen, sagte aber: „Ich bi n bereit, da fü r fi- na nz ielle Um schichtu ngen in meinem Haus vor zu ne hmen.“ Es sei nicht au sge- schlossen, dass du rch höhere Standa rds im Tier schutz nieder säch sische Ag ra r- produk te teurer wü rden. De r Minister betonte, die Nutz tierha l- tu ng mü sse auch in Zu ku nf t „ökono- misch vernünf tig“ bleiben. Die Massen- tierha lt ung al s solche steht da her nicht au f dem Prüfst and. Li ndema nn s Plan sieht denn auch keine Änderu ngen bei der sogena nnten Bestandsdichte von Ge- flügel oder Schweinen in den Stäl len vor.

Nach An sicht der Opposition im nie- dersächsischen La ndtag ist der Zeitrah- men L indema nn s zu g roß bemessen:

„Ein zelne Ma ßnah men lassen sich sofort um setzen“, sagt e Andr ea Sch röde r-Eh-

le rs, ag ra rpol itische Sprecher in der SPD. Die Gr ünen sprachen von ei nem „Sam- melsurium von A nkündigu ngen“: „Die Tier schutzskanda le zw ingen z um Ha n-

de ln, de r Worte si nd ge nug gewe ch se lt“,

sagte der Gr ünen-A grarex perte Christi-

an Meyer. Die Li nk sf ra ktion sieht in dem Papier ei ne „Ber uhigu ng spil le“.

Ko mm en ta r

„W ir brau ch en Ze it “

S ei te 2

S ei te 4

„A lkolocks“ gegen Promillefahrt im Auto

Berlin (dpa). Al koholsü nder könnten kü nf tig per elek tron ischer Wegfah r- sper re am Autofa hren gehi nder t wer- den. Mögl ich machen dies sogena nnte Al kolocks, die in ei nigen Staaten schon im Ei nsat z si nd. Sie analysieren den Al- koholgeha lt der Atem lu ft und verh in- dern, dass Betr unkene den Motor st ar- ten können. Die Frak tionen von Un ion und FDP haben nu n die Ide e au fgeg ri f- fen. Per Antrag forder n sie Ve rkeh rsmi- nister Pete r Ra msauer au f, den Ei nsatz der Geräte zu pr üfen.

Er st pu st en , dann fa hr en

Se it e 7

Privatbahnen setzen Streiks bis 1. Mai aus

Fran kf urt (dpa). Im laufenden Ta ri f- konfl ikt zw ischen der Lokfüh rerge- werk scha ft GDL und den Regiobah nen wi rd es zu mi ndest im Apri l keine St reiks mehr geben. Die Metronom züge, die in Ha nnover verkehren, bleiben da mit auf der St recke. Die Gewerk scha ft kü nd ig te am Mitt woch ei ne St reik pause bis 1. Mai an. Ih r ak tuel le r 60 -Stu nden-Ausst and lief bis Donner st ag fr üh um 2 Uh r. Die GDL hatte bereits am Dien st ag ei nen Ve rzicht au f A rbeitska mpfa ktionen a n den Oste rt agen beka nntgegeben. Oste r- montag fä llt au f den 25. Apri l, der 1. Mai ist der folgende Sonntag.

Goldpreis erreicht neuen Rekord

London (dpa). Gold auf Rekordjagd: Sor- gen wegen der Schuldenk rise haben den Kurs des Edelmetalls gester n auf den Höchststand von mehr als 1500 Dollar ge- tr ieben. Der Preis für eine Feinun ze Gold (31,1 Gramm) er reichte bis zu 1505,40 Dol- lar, so viel wie nie zuvor. Mit dem neuen Höchststand ist der Goldpreis seit Jahres- beginn um sechs Prozent geklettert. Im Vergleich zum tiefsten Stand 2011 ist Gold aktuell 14 Prozent teurer. Silber verteuer- te sich auf 45,13 Dollar je Un ze. Seit 1980 war Silber nicht mehr so teuer.

An le ger sc hi cht en um

Se it e 9

Sarrazin vor SPD-Parteigericht

Heute beginnt das Verfahren – mit Anklägerin Nahles und Verteidiger von Dohnanyi

VON R EI NH ARD U RS CH EL

Berlin. Bevor die Af fä re Sa rrazin voll- kommen in Ve rgessen heit gerät, sorg t die SPD nu n da fü r, dass sie in s Bewu sstsein der Öf fent lich keit zu rückgeholt wi rd. De r Bestsel le rautor, f rü here Bu ndes- ba nk vor st and u nd ehema lige Berl iner Fi na nzsenator, mu ss sich heute im Sit- zu ngssaa l 1141 des Rathauses Wi lmer s- dor f sei nem Par teiausschlussver fa hren stel len. Die Sch iedskomm ission des Ber- liner Kreisverba ndes Charlottenbu rg- Wi lmer sdor f wi rd ih n an hören. Die Öf- fent lich keit ist au sgesch lossen. Thi lo Sa rrazin hatte mit eigenw illigen Thesen zu r Integrationspoliti k in seinem Buch „Deutschla nd scha ff t sich ab“ sei- ne Pa rtei gegen sich au fgebracht. Auf dem au ßerordentl ichen Bu ndespa rteitag im vergangenen He rbst hat der Pa rtei- vor sitzende Sigmar Gabriel la nge Passa- gen seiner Re de zu ei ner Abrech nu ng mit Sa rrazin genutz t und die Af fä re au f die- se Weise sehr hoch gehä ng t. Das Buch ist in zw ischen 1,4 Mill ionen Ma l verkau ft worden. Da ri n spricht Sa rrazin vor al- lem muslim ischen Zuwa nderer n den Wi llen zu r Integration und die Bereit- scha ft zu r Leistu ng ab. Er ve rt ritt zu- dem die An sicht, dass Mu sl ime generell

schlechter gebi ldet seien und Intel ligenz größtenteil s erblich bedi ng t sei. Aus Sicht der SPD- Spit ze verstößt Sa rrazin mit seinen Thesen gegen Gr undsät ze der Sozialdemokratie. Vor al lem die abst ru- sen Gent heor ien hatte Gabriel gerügt. Ei n ha lbes Ja hr hat sich die SPD Zeit gelassen, den 66 -Jäh rigen z um Vorw urf des pa rteischädigenden Ve rhalten s zu befragen. In diesen Monaten ist der lu st- volle Provokateur me rk lich ru higer ge- worden, von seinen Gent heor ien abge- rück t und in Ta lk shows al lenfal ls du rch gela ng weilte Beit räge au fgefal len. Sa r- ra zi ns kä mpfe risch vorgetragene An- kü nd ig ung, er werde „bis zu m Lebens- ende Sozialdemokrat“ bleiben, ist der Beteueru ng gewichen, sich an die Ve r- trau lich keit des Ve rfah ren s zu ha lten. Zw ischen zeit lich wa r so der Ei nd ruck entsta nden, die SPD suche nach ei nem elega nten Weg, die Af fä re geräuscharm zu erle digen, zu ma l sich ei nzel ne Sozial- demokraten wie der Neuköl lner Bezi rk s- bü rger meister Hein z Bu schkowsk y ge- gen einen Rausschm iss au sgesprochen haben. Ei ne Ar t Me diation ist mit dem förm li- chen Begi nn des Ve rfah ren s kaum noch mögl ich, zu ma l die Interessen der Bu n- despar tei von SPD- Genera lsekretä ri n

der Bu n- despar tei von SPD- Genera lsekretä ri n „Bis zu m Lebensende Sozialdemokrat

„Bis zu m Lebensende Sozialdemokrat “? Best-

sellerautor Thilo Sarrazin.

dpa

Andrea Na hles ve rt reten werden. Ihr Re chtsbeista nd ist der Bonner Re chtsan- wa lt Helmut Neuman n, der die SPD schon in mehreren Pa rteiordnungsver- fa hren beraten hat. Sa rrazin s Rechtsbeist and, der f rü here Ha mburger Erste Bü rger meister Klaus von Dohnanyi, 82 Ja hre alt und SPD- Mitg lied seit 53 Ja hren, hä lt den Vor- wurf fü r nicht gerechtfer tigt. Die Sch iedskomm ission hat vier Wochen Zeit, ei ne Entscheidu ng zu verk ünden. Sollte Sa rrazin unte rl iegen, wi ll er sich nötigen fa ll s du rch al le In st an zen kla- gen.

Frankreich und Italien schicken Militärberater

Libysche Rebellen erhalten weitere Unterstützung

Misrata (a fp). Nach Großbrita nn ien

werden nu n auch Italien und Fran kreich

Mi litä rberater zu r Unter st üt zu ng der

Au fstä nd ischen nach Libyen entsenden.

Den Rebellen in der von Gaddafi-T rup- pen belagerten Stadt Misrata geht die

Hi lfe je doch nicht weit genug, sie fordern

den Ein satz inte rnationa le r Bodentr up-

pen. Italien s Ver teid ig ungsminister Ig na zio

La Ru ssa kü nd ig te am Mitt woch die Ent-

sendung von zehn Mi litä rberater n an. „Es ist klar, dass die Rebellen au sgebil- det we rden mü ssen“, sagte er nach ei nem Tref fen m it seinem br itischen Kollegen Liam Fox in Rom. London hatte bereits

am Dien stag angekü nd igt, die Rebell ion gegen Machthaber Muam ma r al-Gaddafi mit bis zu 20 Ausbildern zu unterstützen. Die fran zösische Regier ung wi ll mehrere Verbindu ngsoffi ziere sch icken, um die

hu ma nitä re Hi lfe fü r die belagerte Zivi l-

bevöl keru ng zu koordinieren. Der liby- sche Au ßenm in ister Abdelati Laabidi

wa rnte gegenüber BBC, die Hi lfe werde

den Konfl ikt verlängern. Bu ndesau ßenm in ister Gu ido Wester-

welle sprach sich dagegen er neut fü r ei ne politische Lösung des Konfl ikts au s. „Meh r und mehr sieht ma n gerade jetz t, wo auch nach Bodent ruppen geru fen

wi rd, dass ei ne schnel le mi litä rische Lö-

sung nicht au sgemacht ist“, sagte Wes- terwel le am Ra nde ei nes EU-T ref fens mit dem Golf kooperationsrat in Abu Dhabi. Misrata wi rd seit sechs Wochen von den Gaddafi-T ruppen belagert. In der Stadt ru nd 200 Ki lometer östl ich von Tri-

polis ma ngelt es in zw ischen an al lem. Am Hafen sitzen 4000 Auslä nder unter kata- strophalen Bedi ng ungen fest. Ei n von Kata r gecha rter tes g riechisches Sch iff stand gester n bereit, um tausend verletz-

te Libyer sowie Gastarbeiter abzu holen.

Die Gr enze n der Hilf e

S ei te 3

E i nh e i ts de nk mal

Auf Symbolsuche

VON J OH AN NA D I B LA SI

Schalen förm ig, wippend, golden – und riesig: So soll das Frei heit s- und Ei n- heitsden kmal au ssehen, wenn es 2013 tat- säch lich in vorgestel lter Weise au f dem

Berl iner Sch lossplat z ver wi rk licht sein

wi

rd. De r SPD-Pol itiker Wolfga ng Thier-

se

hat wu nderba re Worte fü r das Monu-

ment gefu nden, das fü r die fr iedl iche Re- volution und Volk sbeweg ung von 1989,

de n Mauerfal l und die Wieder ve rein i-

gu ng stehen soll. Es repräsentiere, so der

Vi zepräsident des Deutschen Bu ndesta-

ges, mit sei nen spielerischen Elementen

und seiner Heiterkeit ei nen „g lück lichen Moment“ deutscher Ge schichte. Nicht al len indes er scheint der gemein-

sa m von ei nem Arch itektenbüro und ei- ner Choreografi n er stel lte Entw ur f so

ei nleuchtend. Von der Choreografi n, der

prom inenten Berl iner Ta nz magier in Sas- ha Wa lt z, st am mt wohl das ungewöhnl i- che Bewegu ngsmome nt des Monu ments – oder sollte ma n nicht eher sagen: Mov i-

ments? Es ist ei ne Ve rbindu ng au s ei ner

al lein von den Au smaßen her – 55 Meter

breit, 20 Mete r tief – be ei nd ruckenden ki-

netischen Ku nsti nsta llation u nd pa rtiz i- patorischen Elementen zu ei nem Den k- ma l oder „M achmal“. Es ist ei n Monu ment, das ma n nicht an-

st au nen, sonder n betreten soll. Wenn man

sich in größeren Gr uppen da rauf ve rstä n- digt, das Gewicht zu verlager n, wi rd die Schale um gut ei nein ha lb Mete r nach rechts oder lin ks kippen – al s Sy mbol, dass Frei heit und Ei nheit stets von Neu- em er ru ngen werden mü ssen, so die Ent- wurfsgemei nschaf t.

Flut vo n H äm e und Bed enken

Mit ih rer „soz ia len Plasti k“ wollten sie „Bürger in Bewegu ng“ br ingen und der Bü rgerbeweg ung „G ew icht“ ve rlei hen, erklären die Urheber. Dieses Konzept ist zwei fellos zeitgemä ß. Gerade erleben wir

ei ne Renais sa nce der Bü rgerbeweg ungen.

Trot z seiner Ak tualität wu rde der Ent- wurf, kaum wa r die Entscheidu ng ve r-

kü ndet, wu rde sie mit ei ner Flut von

Hä me und Bedenken übergossen. Von Ei nigkeit und Re cht und Ha lf pipe wa r die Re de, und es wu rde gefragt, ob Bü rger womögl ich „ver schaukelt“ we r- den sollen. Au ßerdem wu rden Sicher- heitsbeden ken geltend gemacht–man könne acht Mete r in die Tiefe st ür zen. Die heiteren Aspekte des 10 -M illionen-Euro- Objekt s wu rden unte r der Rubr ik „Tou- rismusbespaßung“ ve rbucht. Doch bei diesem Über schu ss an unge- neröser Negativität wu rde das eigent liche Problem des Entw ur fs zu meist über se-

hen: Dieses betr iff t nicht in er ster Li nie ästhetische Fragen, auch wenn ma n si- cher sagen ka nn, dass mit der Wippe kein großer Wu rf gelu ngen ist. Die Schale ist nichts, was au f An hieb so ei nleuchtet wie das Denkm al der Bücher verbren nu ng

nu r wenige Hu nder t Mete r weiter am Be-

belplatz oder das Holocaust-Ma hnmal. Die eigent liche Frage aber ist, was das Denkm al „Bürger in Bewegu ng“ sy mbo- lisch mit der fr iedl ichen Revolution und dem Mauerfal l zu tu n hat. Sicher, ma n mag bei der schi ffar tigen Sch ale an ei ne „Wiege de r De mokr at ie“ denken, aber diese Assoziation mü ndet

eben so in s Leere wie das Bi ld ei ner Waa-

ge der Ge rechtigkeit. Bei genauerem Hi n-

sehen kommt ma n um die Fe ststel lu ng nicht her um: Der Entw ur f repräsentiert nicht den Ve rä nder ungswi llen der Ost- deutschen. In zw ischen räumte ei n Spre- cher der Arch itekten Milla & Pa rt ner ei n, ma n habe ga r keine Ve rbindu ng zu r da- ma ligen Wider st andsszene gehabt.

Wipp en im Stillstand

Ei ne hi n- und herw ippende Schale

steht sy mbol isch gerade nicht fü r ei ne re- volutionäre Bewegu ng, die in ei ne gr und- legende Ve rä nder ung mü ndet. Ma n ka nn sich au f ih r noch so viel bewegen, sie ver- ändert ih ren Standor t keinen Mill imeter. Mehr al s al le hochtrabenden Sy mbol iken repräsentier t ei ne de ra rtige Wippe vor al- lem ei ns: dass sich in Demokratien die Mehrheitsverhä lt nisse, die Gewichte im- me r wieder neu ju stieren, oh ne dass sich

gr undlegend et was ändert. So we nig de r Entw ur f de n fr ie dl ichen

Um st ur z von 1989 repr äsentier t, so se hr gibt er die heut ige St im mu ng slage wie-

de r. De nn „Bürge rbeweg un ge n“ wie be i-

spie ls we ise „Stuttga rt 21“ si nd vor al lem

ei ns: Bewegu ngen, um de n St at us quo zu

sicher n, de n St il lsta nd zu ga ra nt ie ren. Wa s die Deutschen heut e zu al le re rst in Bewegu ng ve rset zt, ist de r Wi lle zu r Blo-

ck ade. Ande rs al s 1989, al s es da rum

gi ng, au s ei ne m lä hmende n St il lsta nd

au sz ubre chen, br in gt heut e de r Be ha r-

ru ngsw il le de r ei ne n die ande ren au f die Ba rr ik ade n. Mit dem Ei nheitsdenkm al bekommt Deutschla nd kein ei nleuchtendes Sy mbol

fü r die Wieder ve rein ig ung. Es bekommt

aber ei ne wu nderba re Metapher fü r die gegenwär tig vorherr schende G esin nu ng:

Wippen im Stil lsta nd.

2 HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Politik

DONNERSTAG, 21. APRIL 2011 · NR. 94

t I e r s c h u t z

38 Trip pelschritte

D er Sk anda l um dioxinbel as tete Ei er ha tt e gerad e se in en Höhepu nk t er-

re icht , da trat Ge rt Li ndem ann se in Am t al s ni ed er sä chsi sc he r Ag ra rm in is te r an . Ti ef sa ß di e Be so rg ni s be i Ve rb ra uc he rn; viele frag te n sich , ob es no ch an st än di g is t, Fl ei sc h au s Ma ss en ti er ha ltung zu es- se n. Es gab au ch Zw eifel an der Ei gnun g Li ndem ann s a ls ober st er Ti er sc hü tzer des La nde s, gilt er do ch al s Ag ra rpolit iker der alte n Sc hule. Abe r gerad e der Rü ckha lt Li ndem ann s be i Bau er n der ko nv en ti o- ne ll en La ndw ir ts cha ft kö nnt e sich je tz t be i der Tier sc hu tz po li tik al s Tr umpf er- wei se n: Vo n ei ne m wi e Li ndem ann la ss en sich La ndw irte in Ve cht a od er Cl op pe n- bu rg sc ho n eher et was sa gen. Allzu gr oß dür ft e der Bau er np rote st gegen den 38 -P unk te -P la n de s Mi ni st er s ohneh in ni cht au sfallen. Li ndem ann will ke in e Ab ke hr von der Ma ss en ti er ha ltung , er pl ant pu nk tu elle Ve rä nder un gen . Un d st ellt sich in ei ne m je tz t ge st ar tete n Pilo t- pr oj ek t he ra us , da ss et wa Le gehen ne n einan der verl et ze n, ob wohl ih ne n di e Sc hnäbel ni cht gekür zt wo rd en si nd , dann st eh t di e Zu cht li ni e zu r Deb at te , ni cht ab er di e Ti er di cht e im St all. Es ble ib t dabei: Die Haltun gs bed in gun gen werd en ni cht den Er fo rd er ni ss en der Ti er e an ge- pa ss t, so nder n den Wü ns ch en der La nd- wi rt e un d Ko ns um en te n. Die 38 Ma ßn ah me n mö gen Tr ip pe l- sc hr it te in di e ri chtig e Ri cht un g se in , be- me rken sw er t si nd sie den no ch . Den Wi- derspr uc h zw is ch en Ma ss en ti er ha ltung un d ar tg er ec ht er Haltun g ni mmt Li nde- mann an der s al s se in e Vo rg än ger ni cht me hr ac hse lzu ckend hi n, so nder n ve r- sucht sich an ei ne r An näh er ung. Da ss er sich da für sie be n Ja hr e Ze it nehm en will , mu ss ni cht von Un en ts chlo ss en heit ze u- gen . Ma n ka nn di es au ch al s Au sd ru ck de s Rea li tä ts sinn s ei ne s Ma nn es de ut en , der di e Prax is gen au ke nnt . Li ndem ann wei ß, da ss au f di es em Feld sog ar Tr ip pe ls ch ri tt e Mühe un d Ze it ko st en werd en.

M ar ina K orMb aKi

a n d e r e a n s I c h ten

werd en. M ar ina K orMb aKi a n d e r e a n

zu Pl agi aten:

„Silvana Koch-Meh rin hat Nerven wie Drahtseile. Nach Stand der Dinge hat sie fast ein Dr ittel ih rer Doktorarbeit dreist abgekupfer t. Aber anders als Guttenberg, der sich stets befleißig t fühlte, seine Betr ü- gereien kleinzureden, schweigt Koch-Meh- rin beharrlich. Es ist ein erbärmliches Bild, das die FDP-Vorzeigefrau hier abgibt.“

erbärmliches Bild, das die FDP-Vorzeigefrau hier abgibt.“ zu Libyen: „Deutschland hat für die Rebellen nur leere

zu Libyen:

„Deutschland hat für die Rebellen nur leere Worte. Es vergisst, dass man seine Hände nicht in Unschuld waschen kann, indem man einfach wegschaut.“

z u r p e r s o n

kann, indem man einfach wegschaut.“ z u r p e r s o n Si lvan

Si lvan a Ko ch -M eh rin,

Vi zepräsidenti n des Eu ropapa rlaments, gerät in der Plagiats- af fä re um ih re Dok- tora rbeit i mmer st är- ker unte r Dr uck. Die Un iver sität Heidel- berg wi ll die Vorw ür- fe gegen die FDP-Po-

liti keri n bis Ende Mai au fk lä ren. Da nn werde ei n Ergebn is des Promotionsau sschusses erwar tet, sagte ei ne Sprecher in am Mitt woch. Nach ei- nem Bericht der Inte rnet plat tfor m „Vro- ni Plag Wi ki“ soll Koch-Meh ri n bei ih rer Doktorarbeit vor sätzl ich Tex te anderer Autoren kopier t haben. Au f der Plat tform arbeiten Inte rnet nutzer bei der Über pr ü- fu ng von Doktorarbeiten zusam men. „In der u nter suchten Dissertation wu rden in erheblichem Au smaß fremde Quel len ve rwendet, die nicht oder nicht hi nrei- chend al s Zitat geke nnzeich net wu rden“, hieß es in ei nem im Inte rnet ve röffent- lichten Bericht. Koch-Meh ri n, die seit 2004 FDP-Eu ropaabgeordnete ist, hatte ih re Arbeit „H istorische Wä hr ungsunion zw ischen Wi rt scha ft und Pol itik“ 2001 ve röffentl icht. Die FDP-Pol itiker in schweigt zu den Vorw ür fen. dpa

Hartz-IV-Eltern sollen Briefe bekommen

Ministerin von der Leyen berät heute mit Kommunen über Startprobleme beim Bildungspaket

Von G abi s T i ef

Berl in. Bu ndesarbe it sm in ister in Ur- sula von de r Leyen (CDU ) kä mpft um das He rz st ück ih re r Ha rt z-Refor m, das Bi ldun gs pa ket fü r 2,5 Mill ione n be dü rf- tige Ki nder. Bi sla ng habe n nu r se hr we- nige Elte rn entspreche nde Antr äge ge- st el lt. Ei ne n Tag vor de m heut igen Tr ef- fe n mit Kommunen und Lä nder n in Be r- lin schlug die Mini st er in de n Be hör den vor, jede Ha rt z-IV-Fam ilie ei nzel n an- zusch re iben, um sie au f die neue n ko s- ten lo se n A ngebot e w ie Es se nszuschuss und Ve re in sbeitr ag hi nz uwei sen. In Ha nnover si nd, wie be richtet, solche Ru nd schr eibe n be re it s ve rsch ickt wor- de n. Mit e iner Ve rlän ge ru ng de r A nt rags- fr ist wi ll von de r Leyen sicher st el le n, dass al le be re chtigt en Ki nder noch in de n G enus s r ückwirkender Le istu ngen kommen. Bi sla ng sollte die Fr ist in ei ner Woche ende n. SPD-Pol it iker und Sozi- alve rbände er neue rt en am Mitt woch ih re ge ne rel le Kr it ik an de m Ge setz und forder ten Nachbe sser un ge n. Die Kom- mu ne n wa rnten dagege n vor ei ne r al lzu au fger eg ten Debatt e über die St ar tpro- bleme de s Bi ldun gs pa kets. „Nicht al le si nd da ri n geübt, die rich- tige n An gebote zu finde n“, sagt e die Ar-

be it sm in ister in de r „Pas saue r Neuen Pr esse“. Die Ve rwaltu ng mü sse „a kt iv“ au f die Elte rn zu ge he n. Aber auch die Elte rn mü ssten ih ren Te il de r Ve ra nt- wort un g wa hr ne hmen: „Sie si nd ja in de r Lage, ih ren Ha rt z-IV-R egel satz und die Miet ko st en zu beantr agen, wa rum sollen sie ke inen Antr ag fü r das Bi l- du ngspaket de r Ki nder st el le n kön- ne n?“

Wide rs pr uch ka m vom Pa ritätischen Wohl fa hr ts ve rband. Ki nder und Ju- ge nd liche mü ssten an de n Schulen, in de n Kita s, in de n Ju ge nd ze nt ren und auf de r St raße an ge sproche n we rden, sagte Ve rbands pr äsident U lr ich Sch ne ider im ZDF. Es re ic he nicht, „d as s ma n ei nen Antr ag an die Wa nd nage lt und sagt, füllt de n ma l au s“. Nord rhei n-We st fa le ns Sozial mini st er

„Misstrauen ist fehl am Platz“

Brau nschweig (gst). Sie haben gesu nd- heit liche P robleme; häufi g reicht das Geld nicht bis zu m Monatsende, und dennoch sparen die wenigsten Elte rn bei den Ki nder n. Dies geht au s ei ner ak tuel- le St ud ie der Brau nschweiger Diakon ie hervor, fü r die über ei nen Zeit raum von zwei Ja hren mehr al s 300 Fa mi lien mit geri ngem sowie ei ne Kont rollgr uppe mit höherem Ei nkommen inte rv iewt wu r- den. Die St ud ie habe gezeigt, dass viele Fa mi lien mit geri ngem Ei nkommen ex- trem vera nt wort ungsbew usst mit Geld umgi ngen, sagte Diakon iedi rek tor Lo- tha r Stempi n. Ih nen könne guten Ge- wissen s di rek t das Geld au s dem Bi l- du ngspaket überlassen werden. Stempin

äu ßerte Ve rstä nd nis fü r die An laufpro- bleme de r Refor m. „Wen n richtige An- sätze im Gewa nd des Misstrauen s da her- kommen, ist die Zu rück ha lt ung der Be- troffe nen nachvollziehba r und die Skep- si s de r Kommunen ve rstä nd lich“, betonte der Dia konied irektor. Die St ud ie kommt unte r anderem zu dem Ergebn is, dass zehn Prozent der Ki nder au s Fa mi lien mit geri ngem Ei n- kommen Schulen besuchen, die eigent- lich unte r dem Niveau der Empfeh lu ng der Gr undschule liegen. Au ßerdem ga- be n fast 60 Prozent der Befrag ten an, dass das nötige Geld fe hle, um die Ki n- der und Jugend lichen in ei nem Ve rein an zu melden.

Gu nt ra m Sch ne ider (SPD) na nnte das Bi ldun gs pa ket „un au sgegor en, übe rbü- rokr at isie rt und u npra ktik abel“. Sch ne i- de r pläd ie rt e da fü r, das Ge ld di rek t den Ga nz tagsschulen, K inde rgär ten und au ße rschul ischen Ju ge ndei nrichtu ngen zu kommen zu la ssen. Nach Da rstel lu ng von de r Leye ns kommt d ie s aus ve rfas sungsr echt lichen Gr ünde n nicht in Fr age: Es ge he um ei ne Le istu ng, au f die das ei nzel ne Ki nd ei- ne n An spruch habe; ma n könne das Ge ld nicht an In st it ut ione n über we isen. De r La nd kr ei st ag erklär te, es se i nor- ma l, dass ei ne neue Le istu ng er st nach und nach in An spruch ge nommen we r- de. Ve rbands pr äsident Ha ns Jörg Dup- pr é sagt e, die Nach fr age st eige fa st täg- lich; in ei nige n Kr ei se n hätten be re its kn app 20 Pr ozent de r an spruch sberech- tigt en Ki nder ei ne n Antr ag ge st el lt. Auch de r Deutsche Ve re in, sozialpoliti- sche r I nt eressenve rband der Kommu- ne n, Lä nder und Ve rbände, wies Spek u- lationen über ei n Scheite rn de r Re form zu rück. Ver ei ns vor st and M ichael Löher sagt e, ei ne Abwick lu ng rück wi rkender Le istu ngen se i mit viel Bü rokr at ie ve r- bu nden. So gebe es be is piel sweise in ei- ne r Stadt 32 Schulen, die Mittage ssen anböten, aber au f 16 ve rsch ie dene Ar ten abre ch neten.

Ru ssla nd set zt au f alten Stec hschritt – und neue Ra keten

nd set zt au f alten Stec hschritt – und neue Ra keten Au ch 66

Au ch 66 Ja hr e nach dem En de de s Zw ei- te n We ltkr ie ge s pfle gt Ru ss la nd di e Er in- ne run g an den Sie g üb er Na zi -D eu ts ch-

la nd . In Al abi no be i Mo sk au üb te n be- re it s am Mi tt wo ch Ta us ende So ldat en St ec hs ch ri tt un d St ra mm st ehen für di e

Pa ra de au f dem Ro te n Pla tz am 9. Ma i. Mi ni st er präs id en t W ladimir Pu ti n kün- di gt e un te rd ess en vor dem Pa rla me nt

wei tere Au fr üs tu ng an . Er will di e Za hl der In te rkon ti ne nt alraket en von 2013 an

ve rd op pe ln .

d pa

Volksentscheid zu „Stuttgart 21“

Grüne und SPD finden Kompromiss zu umstrittenem Bahnprojekt

Stuttgart (dpa). Gr üne und SPD in Ba- den-Wü rt temberg haben sich nach wo- chen la ngem Tauz iehen auf ei nen Vol ks- entscheid über das Mill ia rden-Bah npro- jekt „Stuttga rt 21“ ge ei nigt. De r desig- nier te Minister präsident Winfr ied Kretschman n (Grü ne) sagte am Mitt- woch, die kü nf tigen Koalition spar tner hätten sich au f ei ne gemein sa me Ha l- tu ng ve rstä nd igt. „Daz u befü rwor ten beide Pa rteien die Du rchfüh ru ng ei ner Volk sabsti mmung.“ Der Gr ünen-Pol iti- ke r ve rsic he rt e: „Wen n es ei n Er gebn is gibt, dass zu m Beispiel ,Stuttga rt 21‘ ge- baut werden soll, werden wi r un s an so ei n Ergebn is ha lt en.“ SPD-La ndeschef Ni ls Sch mid kü nd ig- te an, die Bü rger in Baden-Wü rttemberg sollten im Ok tober nu r über den Fi na n- zier ungsanteil des Landes am Umbau des Stuttgar ter Kopf ba hnhofs in ei ne unteri rd ische Durchga ngsstation ent- scheiden. Die geplante Neubaustrecke nach Ul m soll au sgek la mmer t werden.

Gr üne und SPD si nd Kretschmann zu folge nicht bereit, ei ne mögl iche Preis- ex plosion bei dem Ba hnprojekt mitz u- tragen – „wen n die Kosten in klusive St resste st und Sch lichte rspr uch 4,5 Mi l- liarden Eu ro über steigen“. Sollte der St resste st fü r den geplanten Ba hnhof ergeben, dass kost spielige Nachbesse- ru ngen nötig si nd, we rde die neue La n- desreg ieru ng kein neues Geld da fü r ge- ben, sagte der kü nf tige Regier ungschef. Das um st rittene Ba hnprojekt „Stutt- ga rt 21“ wa r bei den Koalition sverha nd- lu ngen zw ischen Gr ünen und der SPD in den vergangenen Tagen heftig um- st ritten gewesen. Schon seit Tagen wa- ren sich die kü nf tigen Regier ungspa rt- ner unei ns in der Frage ei ner Volk sab- stim mu ng über die Ve rleg ung des Ba hn- hofs unte r die Erde und seinen An schluss an die geplante Sch nellba hntrasse nach Ul m. Die Gr ünen si nd st ri kt gegen „Stuttga rt 21“, die SPD hi ngegen ist mehrheit lich fü r das Projekt.

Am Dien st ag hatte die SPD noch ei- nen Komprom issvor schlag Kretsch- ma nn s zu rückgewiesen. Er hatte er- klär t, Gr üne und SPD mü ssten da rüber reden, ob der La ndtag neu über das Ba hnprojekt beschl ie ßt, fa ll s ei n Volk s- entscheid an den hohen Hü rden in der La ndesve rfassung scheiter t. Beide Pa r- teien hatten im Wa hl ka mpf angekü n- digt, den Bü rger n in dieser hochemotio- na l debattierten Frage in ei nem la ndes- weiten Volk sentscheid das letz te Wort zu geben. Im vergangen Ja hr wa r der Protest um ei nes der teuersten Ba hnhofsprojekte Deutschla nd s e skalier t. Bei zah llosen Demonstrationen wa ren in St uttgar t et- liche Protestler ve rlet zt worden. Er st der Ei nsat z ei nes Sch lichte rs, des CDU-Po- liti kers Heiner Geißler, beru higte d ie Lage et was. Unte r anderem das vorbe- ha lt lose Fe st ha lten am Projekt wu rde der a lten CDU-gefü hr ten La ndesregie- ru ng bei der Wa hl zu m Ve rhängn is.

Blutige Krawalle in Nigeria

Kadu na (a fp/r tr). Bei den Un ru hen nach der Wieder wa hl von Nigerias Prä- sident Good luck Jonathan si nd mehr als 200 Menschen getötet und fast 40 000 weitere in die Flucht getr ieben worden. Dies sagten am Mitt woch Mita rbeite r des Roten Kreu zes und ei ner Bü rger- rechtsgr uppe. Hu nder te seien bei den Un ru hen verlet zt worden. Jonathan hat die P räsidentenwa hlen am Wochenende fü r sich entsch ieden. Die meisten Stim- men erhielt er im ch rist lich gepräg ten Süden des La ndes. Im muslim ischen Norden votier ten hi ngegen die meisten Menschen fü r seinen Herausforderer Mu ha mmadu Bu ha ri. Dort ka m es zu den schweren Au ssch reit ungen. Zw ischen dem Süden u nd dem Nor- den gibt es seit Ja hr zehnten Span nu n- ge n. Wa hlbeobachter bewer teten die Absti mmung al s ei ne de r fa ir sten in der Geschichte des La ndes. Bu ha ri kriti- sier te Un regelmäßigkeiten bei der Wa hl, ma hnte aber seine An hä nger zu Zu rück ha lt ung.

I n l a n d Kommission lässt Termin offen

Berlin: Die Et hi k-Komm ission der Bu n- desreg ieru ng hat sich noch nicht au f ein konk retes Datu m fü r den Atomau sstieg fe stgelegt. Der fr ühere Bu ndesumwelt- minister und Komm issionschef Klaus Töpfer ließ am Mitt woch nach ei ner drei- tägigen Klau su r der 17-köpfigen Expe r- teng ruppe offe n, ob sie Ka nz le ri n Angela Merkel (CDU ) ei ne konk rete Ja hresza hl oder ei ne Zeitspan ne fü r den Absch ied von den AKW empfeh len wi rd. Ma n dü r- fe nicht nu r au f das Datu m schauen, „son- dern mu ss auch den Weg da hi n kenn- zeichnen“, sagt e Töpfer au f Sch loss Lie- benberg bei Berl in. dpa

Neue Anklage gegen Pfahls

Augsburg: Die Staatsa nwaltschaf t Augs- bu rg hat An klage gegen den fr üheren Ver- teid ig ungsstaatssekretä r Ludwig-Holger Pfah ls erhoben. Dem seit Dezember in Un- tersuchu ngshaf t sitzenden Pfah ls werde Ba nk rott, ei ne fa lsche Versicheru ng an Ei- des statt und Erpressung vorgeworfen, teilte ei n Sprecher mit. Der fr ühere CSU- Pol itiker, der auch Präsident des Bu ndes- amtes fü r Verfassungsschutz wa r, wu rde 2005 wegen Bestechu ng du rch den Rüs- tu ngslobby isten Karlhei nz Sch reiber und Steuerhi nterziehung zu einer Haftstrafe verurtei lt, die er abgesessen hat. afp

Linke will Streit belegen

Berlin: Nach wochen la ngen Personalque- relen wi ll sich die Li nke disziplin ieren. In ei ner K risensit zu ng verstä nd ig te sich der geschä ftsf üh rende Vorsta nd am Mitt woch da rauf, persön liche Angri ffe ei nz ustel len und zu r in ha ltlichen Au seinanderset zu ng zu rück zu kehren. Es dü rfe „kei n Inf rage- stel len des 2010 gewä hlten Fü hr ungsta- bleaus oder öffentliche Angri ffe gegen Mitglieder der Pa rteispit ze“ mehr geben, hieß es in ei ner gemein sa men Erklär ung. Die Pa rteivor sitzende Gesi ne Lötzsch räumte ei n, dass die Li nke sich in ei ner „kompl izierten Situation“ be finde. dpa

a u s l and Brüssel will mehr Geld

Brüssel: Die Au sgaben der Eu ropä ischen Un ion sollen nach Wu nsch der EU-Kom- mission im kommenden Ja hr um 4,9 Pro- zent au f 132,7 Mill ia rden Eu ro steigen. EU-H au shaltskomm issar Ja nu sz Lewa n- dowski sagte am Mitt woch bei der Vorla- ge des Hausha ltsent wurfs, die Mehrau s- gaben seien unabweisbar, er sei sich des Sparz wa ngs du rchaus bew usst. Vor al lem Deutschla nd, Fran kreich und Großbri- ta nn ien haben mehrfach EU-H au shalts- steigeru ngen st ri kt abgelehnt. dpa

Kurden dürfen kandidieren

Istanbul: Die populäre türkische Ku rden- politi keri n Leyla Za na da rf wohl doch bei der Pa rlamentswah l am 12. Ju ni antreten. Laut Fern sehber ichten vom Mitt woch ga- ben die zustä nd igen Gerichte gr ünes Licht fü r Za na und ei nige andere Ku rdenpoliti- ker, die von der Wa hl komm ission als Be- werber au sgesch lossen worden wa ren. Diese Entscheidu ng hatte Kr itik al ler Pa r- teien sowie Au ssch reitungen von Ku rden au sgelöst. Staatspräsident Abdul la h Gül lud fü hrende Ku rdenpoliti ker in den Prä- sidentenpa last von An kara ei n. afp

Manning wird untersucht

Washington: De r in US -M ilirhaf t sit- zende mut ma ßl iche Wi ki Leaks-„Maul- wurf“ Brad ley Ma nn ing wi rd au f seinen Geisteszusta nd unte rsucht. M an pr üfe, ob er zu rech nu ngsfä hig sei, teilten Penta- gon-Bea mte mit. De r 23 -jäh rige Soldat soll die Enthü llungsplat tfor m Wik iL ea ks mit gehei men Diplomatendepeschen ver- sorg t haben, was den USA erhebliche Peinlich keiten bescherte. Die Mi lir- staatsanwa ltscha ft wi rf t dem Gefreiten mehr al s 20 Ve rgehen vor, da ru nter auch „Kol laboration mit dem Feind“. Da für droht ih m die Todesstrafe. Die An kläger haben aber klargemacht, dass sie die Höchstst ra fe nicht forder n wollen. dpa

UN für strenge Atom-Regeln

Tschernobyl: Bei ei nem Besuch im vor 25 Ja hren hava rier ten Atom kraftwerk Tscher nobyl hat UN-G eneral sekretär Ba n Ki-moon schä rfere Regeln fü r die Atom sicherheit au f nationaler und inte r- nationaler Ebene geforder t. Au s der Ka- tast rophe von Tscher nobyl und dem Atomunfal l im japan ischen Fu ku sh ima im Mä rz mü ssten Lehren gezogen we r- den, sagte Ba n am Mitt woch. a fp

M e s t e r

gezogen we r- den, sagte Ba n am Mitt woch. a fp M e s t

B l I c k p u n k t k I r c h e

Von H ei nr icH T Hies

Han nover. Dü rfen ba ld laute Pa rt ys die Karfreitagsru he stören? Gleich in mehreren Bu ndeslä nder n ist die Forde- ru ng nach ei ner Au fhebung der gesetz- lich geschütz ten Feie rt agsr uhe laut ge- worden – zu m Leidwesen des fr isch ge- wä hlten ha nnover schen Landesbischofs Ra lf Meister. „Sti lle rel ig iöse Feie rt age si nd unverzichtba r, weil sie un s an die tragenden We rte un serer Ku lt ur er in- ne rn“, sagt e de r Bi schof am Mitt woch im Gespräch mit dieser Zeit ung. „L eid und Tod we rden nicht au sgeblendet, sondern al s Teil des Lebens begri ffen. Das sagt un s der Karfreitag, an dem wi r an den Kreu zestod Je su denken. Die Stil le dieses Tage s sollten wi r respektieren.“ De r Landesvor sitzende de r nordrhein- westfä lischen Grü nen, Sven Lehman n, hatte die Debatte eröf fnet. Ei n Ve rbot von Unterha lt ungsve ra nsta lt ungen passe nicht mehr in die Zeit, sagte Lehman n.

Party am Karfreitag?

„Es ka nn nicht sein, dass die Mi nderheit der Leute, die ch rist- lichen Glauben a ktiv prak ti zier t, der Mehrheit vor- schreibt, w ie sie den Tag zu ve rbri ngen hat, und ih r du rch das Ve rbot bestim m- te r Veran st altu ngen den Abend ver- miest.“ Doch schon der soz ia ldemok rati- sche Koalition spar t-

ner in Düsseldorf brem ste den Gr ünen. Arbeits- und Sozi- al minister Gu nt ra m Sch neider (SPD) wies den Vorstoß umgehend zu rück. Ei nen Bü nd nispar tner findet der Gr ü- ne Lehman n dagegen bei der FDP in Köln. Auch sie hä lt das Ve rbot von Unte r- ha lt ungsve ra nsta lt ungen an sogena nn- ten stil len Feie rt agen wie Karfreitag für

„Stille Tage unver- zichtbar“: Landesbi- schof Ralf Meister.

Steiner
Steiner

„sch lichtweg absurd“. Ga nz ande rs hi n- gegen denk t Nieder sach sens Ju stiz mi- nister Bernd Bu sema nn (CDU ) über den Karfreitag. „Jungpol itiker“ wie Leh- ma nn hätten „weder histor ische Kennt- nisse noch Gespür fü r die ch rist lichen We rte, die un seren Staat und un sere Ge- sell scha ft wesent lich gepräg t haben“, sagte Bu sema nn, der auch Mitg lied im Zent ra lkom itee deutscher Kathol iken ist. Es bereite ih m Sorgen, wenn Fü hr ungs- kräf te wichtiger politischer Pa rteien glaubten, mit ei ner zu r Schau getragenen anti ki rchl ichen Ha lt ung bei den Bü rgern Pun kte machen zu können, rü ffelte der Minister. Und rief da mit prompt die Ju- gendorgan isation des libera len Koaliti- on spar tner s au f den Plan: „Her r Bu se- ma nn ist nicht der Nach hi lfelehrer der Nation“, erklär ten die Ju ngen Libe ra le n. Die n iedersächsischen Gr ünen indes- sen si nd über den Vorstoß ih rer Pa rtei- freu nde in Dü sseldor f nicht sehr er freut. „Ich sehe keinen Beda rf fü r so ei ne De-

batte“, sagt Frak tion schef Stefan Wenzel. Pia Zim me rman n, nieder säch sische La ndtagsabgeordnete der Li nk spar tei, findet dagegen, dass „Par tys am Karfrei- tag schon erlaubt sein sollten“. Wichtig dabei sei nu r, au f die rel ig iösen Gefü hle der Nachba rn Rück sicht zu nehmen. Auch in Hessen und Bremen beschä f- tigt der Karfreitag die Pol itiker. In Bre- men hat der SPD-Kommunalpoliti ker Maurice Mäschig in ei ner Petition an den Senat ve rlangt, das Ve rbot öffent licher Ta nz ve ra nsta lt ungen au fz uheben, in Hessen spre chen sich Gr üne Jugend und Ju nge Libera le gegen die gesetzl ich ver- ordnete Ru he au s. Au f ki rchl icher Seite herr scht Über- ei nsti mmung, dass die Stil le unverzicht- ba r is t. „Wer Feie rt age oh ne ih ren pr ä- genden In ha lt wi ll, wi ll sie am Ende gar nicht me hr“, sagt de r Präses de r Evange- lischen Ki rche im Rhei nland, Ni kolaus Sch neider. „Denn oh ne ih ren prägenden In ha lt si nd Feie rt age verzichtba r.“

NR. 94 · DONNERSTAG, 21. APRIL 2011

Blick in die Zeit

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

3

Der Kampf für das Gute stößt an Grenzen

In Misrata scheitert jetzt die Libyen-Strategie von Paris und London: Die Kampfjets der Nato können den Umzingelten nicht helfen

Von S uS anne i den und C hR iS to ph eR Z ie dl eR

V on S uS anne i den und C hR iS to ph eR Z ie

Wer ist Rebell, wer ein Gaddafi-Getreuer? Häuserkampf in Misrata.

sein wü rden, den Ka mpf am Boden selbst zu über nehmen. Richtig ist, dass die Nato -A ng ri ffe zwar Gaddafi s Lu ft waffe und viele schwere Pa nzer ausgeschaltet, seine Ar mee als Ga nzes bisher aber nicht entscheidend ge- schwächt haben. Gaddafi hat seine Strate- gie den Lu ftschlägen angepasst – und ist den Nato -K ampf jets im Häuserka mpf auf den Straßen Misratas hof fnungslos über-

legen. „Es gibt ei ne Gren ze dessen, was mit Lu ftangri ffen in ei ner Stadt er reicht we rden ka nn“, sagt Nato -Brigadegene ral Ma rk va n Uhm diplomatisch. In Mi litä r- kreisen des Bü nd nisses werden die Schwier igkeiten plastischer gesch ildert. Soldaten des Regi mes liefen, teils in Zivi l, du rch die engen Gassen Misratas. Ra ke- tenwerfer und Mörser seien auch in Wohn- häuser n stationier t und somit nicht nur

schwer zu loka lisieren, sonder n nu r mit ei- nem unvertretbaren hohen Risi ko fü r die Ei nwoh ner der Stadt mit Bomben aus der Lu ft auszuschalten. Dasselbe gi lt fü r das verbliebene schwere Gerät der libyschen Ar mee, das in der Nä he von Schulen, Kran kenhäusern und Moscheen station ier wu rde. Auch hier verbieten sich – Präzisi- onswaf fen und GPS-Tech nolg ie hi n oder her – Bombena ng ri ffe aus der Lu ft.

afp

Die Nato ka nn der Idee von Bodentrup- pen dennoch nichts abgewi nnen: Westli- che Soldaten, heißt es in Fü hr ungskreisen des Bü nd nisses, könnten in dem arabi- schen La nd den Rück ha lt fü r die Oppositi- on schw inden lassen könnten. Das aber, sagt Abdul la h Abdulati als Sprecher der Rebe llen gege nübe r de r „Was hi ngton Post“, könne doch nu r die Ha lt ung gewe- sen sein, bevor die Gaddafi-T ruppen „K riegsverbrechen“ an der Bevöl keru ng begi ngen. Aus Pa ris und London ka men am Mittwoch trotzdem umgehend klare Absagen: Die Mächte, die so entsch ieden fü r den Lu ftkrieg wa rben, si nd jetzt eben- so entsch ieden gegen den Bodenk rieg. Ei n hoher Mi litä r ver sicher te dieser Zei- tu ng zudem, dass die Bitte der Rebellen um Bodentruppen in der morgend lichen Sitzung der 28 Nato -Botschafter „über- haupt kein Thema“ gewesen sei. Fran zo- sen und Br iten unterr ichteten die Pa rtner ledigl ich über die Entsendu ng von Mi li- tä rberater n, die aber – so wu rde es betont – nu r den Überga ngsrat und nicht die Au f- ständischen in der Ka mpfzone beraten sollen. Fü r ei ne „Eskalation“ des Kon- fli kts gebe es „kei ne Planungen“ in ner- ha lb der Al lian z. Ei n Wendepunk t sei noch nicht in Sicht, heißt es in Br üssel, andererseits sei man „noch weit davon entfer nt, sich gegensei- tig zu m Du rchhalten au fz ufordern“. Und, sich da nn doch selber Mut machen: „Jeder Lu ftangri ff macht ei nen Untersch ied.“ Da aber Bodentruppen politisch tabu si nd, rech nen die Mi litä rs jetzt da mit, dass der Ei nsatz sich noch la nge hi nziehen wi rd. Schon macht au f den Fluren des Nato- Hauptqua rtiers das hässliche Wort von ei- nem zweiten Afghan ista n die Ru nde: Auch dor t habe ma n, als die er sten Bomben fie- len, nie ei ne dauerhaf te Besatzung geplant - nu n aber seien westliche Soldaten dort bereits seit zehn Ja hren stationier t.

E s ist nicht so wie dama ls, am An fa ng des arabischen Fr üh lings. Die west li-

che Welt wa r elek tr isiert von der Au f-

br uchsti mmung, al s die Tu nesier und die

Äg ypte r au fsta nden gegen ih re Unte r-

dr ücker. Da hat ma n sie gesehen, die ju n-

ge n, begeisterten Menschen, ma n hat ih re

Stim men gehör t, wenn sie mitten im Ge-

tü mmel au f dem Kairoer Ta hri r-Platz

dieses ei ne Wort in die Mi krofone der in- te rnationa len Jou rnali sten br ül lten:

„F reiheit!“

Ja, auch dama ls hat es Tote und Verletz-

te gegeben. Aber ni rgends wa r die Lage so

unüber sichtl ich wie in Libyen. Ni rgends

ist aus dem Au fsta nd ei n Kr ieg geworden. Und ni rgendwo ist die Angst vor fü rchter- lichen Massaker n so groß wie in der seit vier Wochen von den Schergen des Colo- nels Muam ma r a l- Gaddafi eingekesselten Stadt M israta. Es gibt kein Wasser, keine Lebensmittel, keine Medi ka mente. Von Streubomben berichtet – glaubw ürdig – die Menschen- rechtsorgan isation Human Rights Watch. Von völl ig über füllten Kran kenhäusern, in denen die Menschen mit zerfetzten

Gl iedmaßen und Orga nen unter ih ren

Hä nden wegsterben, ber ichten er schöpf te

Är zte. Von Soldaten, die sich in der Nä he

von Schulen und Ki ndergä rten verste- cken, die Ki nder und Frauen als Schutz- schi lde m issbrauchen und von Moschee- dächer n au f Gläubige schießen, berichtet der Kommanda nt des Libyen-Einsatzes. Aber der Nato -G eneral Cha rles Bou- chard berichtet nicht davon, dass er die-

sem fü rchterlichen Treiben in den Straßen und Häuser n Misratas ei n Ende bereiten

wi ll, indem er seine gut ausgebildeten Sol-

daten in den Ka mpf gegen die Tr uppen des

Di ktator s schick t. Er tut es nicht, weil er

es nicht da rf. Auslä nd ische Bodentruppen, wie sie die

Rebellen am Dienstag erbeten haben,

„wei l wi r sonst al le sterben we rden“, könn- ten diesen mörderischen Kr ieg wa hr- scheinlich rasch entscheiden. Aber die Vereinten Nationen haben den Ei nsatz von „Besatzu ngstruppen“ ausdr ückl ich aus- geschlossen, als sie mit der Resolution Nu mmer 1973 das Ma ndat fü r die Ei nrich-

tu ng ei ner Flug verbotszone zu m Schutz

der Zivi listen in Libyen erteilten. In der Hoff nu ng, dass ei n paar Lu ftschläge auf

Mi litä rein richtu ngen des Gaddafi-Re-

gi mes den Rebellen den entscheidenden Ka mpfvor teil verschaf fen wü rde. Und in der – ir rigen – An na hme, dass die Rebellen gut genug orga nisier t u nd ausgestattet

N a c h g e f r agt

„Das Flugverbot hat den Bürgerkrieg verschärft“

Di e La ge in Mi srat a is t ka ta- strop ha l, di e R ebellen sprechen vo n 10 000 To te n im lib ys chen Bü rge rkri eg . W ir d d ie intern a- tion al e Koal it io n i hr em UN-Auf trag gerech t, di e Zivili sten zu sc hü tz en?

Sie ka nn diesem An spruch nur sehr beschränkt gerecht wer- den, wie sich zeigt. Ei nerseits ist die Ei nnah me der von Re- bellen besetz ten Stadt Bengha- si du rch Reg ieru ngst ruppen verh indert worden. A nderer- seits hat die Ei nrichtu ng ei ner Flug ve rbotszone den Bü rger- krieg seit dem 18. Mä rz sogar noch ve rschär ft.

rger- krieg seit dem 18. Mä rz sogar noch ve rschär ft. Prof. August Prad et

Prof. August Prad et to, Univer sität der Bunde swehr in Hamburg

Bodent ruppen au sgesch lossen. Und so wie im Kosovo sehen sich heute beide Konfl iktseiten – die Rebellen und St reitkräf te Gaddafi s – du rch das Ei ng rei- fen von au ßen zu ei ner Eska la- tion der Gewa lt vera nlasst: Mit dem UN-M andat im Rücken fü hlte sich die Opposition er- mutigt, mit bewaf fneten Mit- tel n gegen das Regi me vor zu- gehen. Und das Regi me ni mmt blutige Rache. In den 77 Tagen des F lugverbots im Kosovo ka m es zu ei nem erbitter t ge- fü hr ten Bü rgerkrieg. Fast 20 000 Menschen ka men ums Leben – zehnmal so viel wie zuvor in den zehn Ja hren ge-

Wi e kommen Si e zu d ieser Ei nsch ät zu ng?

 

wa ltsa me r Ausei na nder set- zu ngen zw ischen Serben und Alba nern.

In

Libyen wiederholt sich derzeit das, was

 

wi

r schon 1999 im Kosovo beobachtet ha-

Wa r di e hu ma nit är e In te rvention also ei n Fe hl er?

ben: Auch dama ls sollte die Zivi lbevöl ke-

ru

ng vor Angri ffen, Drang sa lier ung u nd

Ma n ist im mer in ei nem Di lemma – man ka nn die Di nge nicht ei nfach laufen las- sen, aber ma n muss Mittel wä hlen, die die Situation nicht noch versch lim mern. Die

Ve

rt reibung geschütz t we rden. Auch da-

ma ls wa r ei n Regi mewech sel beabsich- tigt. Auch dama ls wu rde der Ei nsat z von

Sicherheitsratsresolution, d ie ei n F lugver- bot installier t und sonst al les au ßer dem Nichteinsatz von Bodentruppen offen- lässt, ist ei ne wenig überlegte und eben nu r begren zt hi lfreiche Gr undlage. Und mit Bomben und Ra keten aus der Lu ft lassen sich die Menschen nu n ei nmal nicht schützen. Ei n Ei ng reifen unter solchen Gegebenheiten bew irkt im mer ei ne Ver- schl im meru ng des Bü rgerkriegs in den Städten und Dörfer n – mit kaum ab- schätzba ren Konsequenzen fü r die Zivi- listen.

Wi e s chwe r m üs sen di e M en sche nr ec ht s- ve rl et zu ngen sei n, bevo r ei n neu es Mand at Bod entr up pe n e rlau bt?

Dieses Ma nd at wi rd es nicht geben. Ru ss- la nd und Ch in a wü rden sofort ih r Veto ei nlegen. Das Ei ng re ifen mit Bode nt rup- pe n wä re unte r solche n Um st ände n nicht nu r völker re chtl ich il legiti m und wü rde sofort ei ne inte rn at iona le Eska lation des Konfl ikt s mit sich br in ge n. Sonder n sie wü rde auch ei ne fu nd amenta le Ve rsch är- fu ng de r Kr iegfüh ru ng gege n Libyen be- deut en und die hu ma nitä ren Zu st ände we it er ve rsch lim me rn.

Wird di e Na to am En de ihr e Sold ate n do ch am Bod en kä mpf en la ssen?

Ich bezwei fle, dass die Nato Bodent rup- pen ei nset zen wi rd, denn das mü ssten 28 Mitg liedsstaaten oh ne Veto beschl ie ßen. Aber es ist du rchaus vor stel lbar, dass ei n- zelne Ak teure wie die fran zösische, ita- lienische oder die br itische Regier ung sich in Formen, die unte rhalb ei ner Inva- sion liegen, da zu entsch ließen, weil sie sonst der Lage nicht Herr zu werden glau- ben.

Wird De ut sc hl an d sic h be i Fo rt sc hr ei te n des Ko nfl ik ts an einem er we it er te n Ei nsa tz mi t klar defin ier te n Zi elen in Li byen mö gl icher we is e d oc h n och mi lit är is ch be te ili ge n m üs sen?

Mü ssen tu n wi r nichts, das ist un sere freie Entscheidu ng. Ob Deutschla nd sich mi li- tä risch in Libyen beteiligt, wi rd st ark da- von abhä ngen, ob es am Ende des Bü rger- krieges ei n UN-M andat fü r ei ne Fr ie- densmission geben wi rd. Im Moment ist an Fr ieden aber noch ga r nicht zu den- ken.

In te rv iew : Su sa nn e Id en

Ägypten und sein Protokoll des Terrors

Von M aR tin g eh len

Kairo. Es kl ingt nach ei ner Horrorge-

schichte: Pol iz isten na hmen fr iedl iche Demonstranten unte r Feuer, Schar f- schützen von Anti-Ter ror-Ei nheiten mor- deten von Hausdächer n herab, gepa nzer-

te Pol izeiautos rasten gezielt in die Men-

ge, G ehei magenten folter ten Ve rhaf tete

zu Tode, und angeheuerte Schläger hie-

ben mit Knüppeln und Macheten au f ih re Mitbürger ei n. Doch das al le s wa r in Äg ypten Wi rk- lich keit. Er st ma ls zeichnet jetz t ein 400- Seiten-Unter suchungsbericht ein

Gesa mtbi ld der staat lichen Gewa ltex zes-

se

wä hrend der äg yptischen Revolution.

Mi

ndesten s 846 Menschen st arben wäh-

rend des dreiwöch igen Au fsta nd s gegen

Präsident Hosn i Muba ra k, doppelt so vie-

le wie bisher of fi ziel l beka nnt. Die meis-

ten Opfe r hatten Schussw unden in Kopf oder Br ust. Andere wu rden von Fa hr zeu-

ge n gezielt gejagt und über fa hren. Unter den Toten si nd auch 26 Poli zisten. 6467 Menschen wu rden ve rw undet, „eine ge-

wa ltige Za hl von ih nen hat Augenverlet-

zu ngen, Hu nder te ve rloren ih r Augen-

licht“, heißt es in dem Te xt. „Zumi ndest indi rek t“ machte der Ge- nera lsekretä r der Komm ission, Richte r Omar Ma rwan, den gest ür zten Di kt ator

fü r das Blutbad ve ra nt wort lich. Fü r den Ei nsat z von Schusswaf fen sei Muba ra ks Erlaubnis er forderlich gewesen, sagte er bei der Vorstel lu ng des Berichts. „Das Sch ie ßen dauerte mehrere Tage, und er hat nichts geta n, um es zu stoppen oder die Schüt zen zu r Ve ra nt wort ung zu zie- hen.“ Seit letzter Woche ist der 82-jäh rige ehema lige Staatschef in ei nem K ra nken- haus im Badeor t Schar m el-Scheich in- te rn iert, wo er zu den Gewa lt taten und der Korruption seines Regi me s vernom- men wi rd. Den Sch ie ßbefeh l al le rd ings gab der dama lige In nenm in ister Habib al-Adly, der zusam men mit den Muba- ra ksöh nen Alaa und Ga ma l im Gefä ng- nis sitz t und au f seinen Prozess wa rtet. 800 Videocl ips hat die Ju risten komm is- sion in den ve rgangenen Wochen au sge- wertet und 17 058 Au ssagen von Augen- zeugen und Of fi ziel len analysiert. So

wu rde de r „blutige Mitt woch“, al s Hor-

den von Regi metreuen zu Ka mel und Pferd au f dem Ta hri r-Plat z ei nfielen, von Mitg lieder n der in zw ischen au fgelösten National Demokratischen Pa rtei (N DP) Muba ra ks orga nisier t. Ma nche der Schlä- ger hatten Au sweispapiere dabei, die sie

al s Pol izeiof fi ziere oder N DP-M itgl ieder identi fiz ierten. T raurige Berü hmtheit e r- la ng te ei n Videocl ip, au f dem ei n weißer Kastenwagen zu sehen ist, der die Qasr- el-A in i St raße im Stadtzentr um entlang- raste und unte r Entset zensschreien gleich mehrere Menschen über rollte und mit- schlei fte. Die Komm ission konnte er mit-

tel n, dass der Wagen zuvor au s dem Be-

st and der amer ikan ischen Botschaf t ge- stoh len worden wa r und später zerstört

na he ei ner Pol izeiwache gef unden w urde.

Die Er mittler besitzen nach eigenen An- gaben Beweise, dass Zivi lpol iz isten am Steuer sa ßen, auch wenn die Täte r bisher nicht identi fiz iert werden konnten. Äg yptische Menschenrecht le r we rteten den Bericht al s ei nen wichtigen Meilen- stei n, um die Ve ra nt wort lichen tatsäch- lich zu r Re chen scha ft ziehen zu können.

„Der Te xt best ätigt, was al le Äg ypte r be- reit s wissen über die Rolle des In nenm i- nister iu ms beim Töten fr iedl icher De- monstranten“, erklär te Re chtsanwa lt Ta- her Abou al-Nasr von dem „Bündn is zur

Ve rteidigu ng äg yptischer Protestierer“.

Die zusam menget ragenen Beweise aber „werden un s helfen bei den kommenden St ra fproze ssen gege n das Regi me“.

Halbgötter in Weiß – und Schwarz

Die deutsche Küche ist besser als ihr Ruf – und die deutschen Starköche sind besser als die unzähligen brutzelnden TV-Stars

Von R aineR Wag neR

Hannover. Kochen ist offenbar ein Kin- derspiel. Mehr als zwei Dr ittel der Deut- schen behaupten jedenfalls, dass sie gut oder sogar sehr gut kochen. Das klingt

ziemlich selbstbew usst. Lieg t es vielleicht daran, dass immer neue Kochshows im deutschen Fer nsehen den A mateuren am Herd vorgaukeln, dass Kochen von leichter Hand keine Frage der Zeit, keine Frage des Könnens und erst recht keine Frage des Geldes ist? „Man“ kocht m it solcher Begeister ung, dass auch die pr ivaten Kochschu len und Kochpa rt y-Anbieter von ei ner „a nhaltend

er freu lichen Nach frage“ berichten. Er-

stau nl ich aber ist: Nu r ei n Dr ittel derer, die so gerne am Herd stehen, nennt das Kochen auch ei n Hobby – der Rest bereitet seine Speisen offenba r vor al lem deshalb selbst, weil ma n da nn weiß, was im Essen ist. Wa hre Genießer sehen anders aus. Aber Möchtegern-G en ießer ler nen ger ne

da zu. Und deshalb boomt nicht nu r der

al lgegenwä rtige Werbema rk t Kochsen-

du ng, sonder n auch das Geschäft mit den

Kochbücher n: Über 300 Mill ionen Eu ro wu rden im Ja hr 2009 fü r Ratgeber zum Thema Essen und Tri nken ausgegeben. Aber weil Lesen doch anstrengender ist als Zuschauen, si nd Kochsendungen Dau-

erbren ner. Sicher, es gibt sie noch die

Ha lbgötter in Weiß, die in der Sachsenkl i-

ni k oder im Emergency Room fü r den

Fernsehr uh m der Är zteschaf t kämpfen. Aber die Kollegen in der weißen Kochja-

cke si nd ih nen er folg reich au f den Fersen. Wobei ei n paar besonder s eigenw illige Küchenchefs wie Kolja Kleeberg oder Ale- xa nder Herrman n im schicken schwarzen Dress au ftreten. Die Ei nschaltquoten zu mi ndest in den öffentlich-rechtlichen Ka nä len bri ngen um die zehn Prozent Ma rk ta ntei l. Corne- lia Poletto hat am Sonntagm ittag zwar et- was mehr Zuschauer als ih r Ha mburger Kollege Ti m Mä lzer am Sonnabendm it- tag, aber ei nen et was geri ngeren Ma rk t- anteil – weil sonntags mehr Menschen fernsehen. Das ZDF wi rd von den beiden Koch mützen-Scher zbolden Johan n Lafer und Horst Lichter regelmäßig mit ei nem Ma rk ta ntei l von über zwöl f Prozent ver- sorg t. Und äh nl ich gute Za hlen der wo- chentägl ichen „Küchenschlacht“ brach- ten die Fernsehverantwor tl ichen da zu, mit „Topfgeldjäger“ gleich noch ei ne Kochsendung hi nterherzusch ieben. Die Produk tion skosten werden nicht gena nnt, können aber so gewa ltig nicht sein, weil die Mate rial kosten über schau- ba r bleiben: Mit echten Tr üf feln wi rd ni rgends gekocht. Und d ie Fern sehköche wissen, dass sie ih r Honorar in ei ner Mischkalku lation berech nen müssen: Die Popu la rität, die das Fe rn sehen verlei ht, ve rschaf ft den Köchen lu krative und vor al lem wenig zeitau fwendige Au ft ritte auf Hausfrauen me ssen, in Ein kaufsgaler ien oder Fein kost häuser n. Und da mü ssen die meisten nicht ei nmal mehr den Löffel schw ingen. Die (Selbst-)Verma rk tu ng lohnt sich. Wobei die Rek la me fü r das ei-

gene Ster ne-Restaurant noch die klei nste Rolle spielt: Viele der Fe rn sehköche ti n- geln nu r noch. Aber zu den Antr it tshono- ra ren fü r Autogram mstu nden kommen ja noch Li zenzgebü hren fü r Kochar ti kel

und Gewü rz mischu ngen. Da gibt es die Ti m-Mä lzer-Zange (durchau s pra ktisch) und jede Menge Kochgeschi rr und Sch neidwerk zeug mit Lafer s- Sch ri ft zug. Und Al fons Schuhbeck vermarktet neben

s- Sch ri ft zug. Und Al fons Schuhbeck vermarktet neben Allgegenwärtige Selbstvermark ter: Johann Lafer,
s- Sch ri ft zug. Und Al fons Schuhbeck vermarktet neben Allgegenwärtige Selbstvermark ter: Johann Lafer,

Allgegenwärtige Selbstvermark ter: Johann Lafer, Kolja Kleeberg.

obs/dpa

un zä hl igen Kochbücher n ei ne Un iver sa l- reibe, Öle, Fischölkapseln, Töpfe, Sa lz, Pfef fe r, Zucker und – me rk wü rd ig ste – Gewü rz mischu ngen. Dass die Fe rtig ge- richte und Tief kü hlproduk te, die unter seinem Na men verkau ft werden, von Gour metk riti kern ve rn ichtend abgeu r- teilt wu rden, ka nn der Meister da ve r- kraf ten. Im Gr unde gibt es zwei Sorten der Koch- sendungen – und in keiner von ih nen ist wi rk lich ei ner der kochenden Super stars der Republ ik dabei. In der ei nen Version kä mpfen A mateure u nterei na nder oder vereint gegen ei nen Profi. In der anderen Va riante fü hr t der Koch ei n paar Tricks vor, gibt An regu ngen und klär t au f. Aber weil er in der Regel dafü r wenig Zeit hat, wi rd viel kurz gebraten, ratzfatz gekocht, jede Abkürzung genutzt. Das mag dem Küchena lltag v ieler Zuschauer entspre- chen, die Qualität oder ga r die Raffinesse der Gerichte erhöht das nicht. Das ist auch der Gr und, wa ru m sich die Crème de la Crème der deutschen Koch- ku ltur von diesem Zi rk us fern hä lt. Dass die im Schei nwer ferl icht nu r ei nen Miche- lin-Stern tragen (wen n überhaupt), hat den schl ichten Gr und, dass die Koch ku nst der ga nz Großen Teamarbeit ist. Ei ne eingespielte Ma nnschaft produ- zier t w ie ei n hoch fu nk tionales Räderwerk die hohe Ku nst des Kochens. Das ist Prä- zisionsarbeit. Was ei n Sven Elverfeld in Wolfsburg, ei n Thomas Bü hner in Osna- br ück, ei n Ni ls Henkel in Berg isch Glad- bach oder der nach wie vor jugend fr ische

Altmeister Ha ra ld Wohl fa hr t in Baiers-

bronn au f die Teller zauber n, ist von Grob- motor iker n im Karohemd nicht zu meis-

ter n. Die Ku nst hat ih ren Preis. Der ist hoch, aber eigentlich nicht hoch genug – aus Sicht der Gastronomen. Die Personal kos- ten si nd al lein wegen der Menge der not- wend igen Mita rbeiter enor m (auch wenn Ju ngköche manch ma l eher P ra ktikanten-

ge hä lt er be kommen), de r „War enei ns at z“

ist noch enor mer, weil sich um die wi rk-

lich guten Produk te die wi rk lich guten Köche streiten. So viel geangelten Stei n- butt im Großfor mat gibt es nicht mehr – die Zu kurzgekommenen müssen sich mit Zuchtware zu fr iedengeben (aber den Un- tersch ied schmeckt ma n eben doch). Es ist

kein Zu fa ll, dass fast al le Top-Restau ra nts

in Deutschla nd zu ei nem großen und meist

auch teuren Hotel gehören – das er spart den dor t fest angestel lten und gut beza hl- ten Super stars ma nche schlaflose Nacht des freien Unterneh mers. Und wo die Großen Ha nd an legten, ist auch die deutsche Küche wiederbelebt und veredelt worden. Die regional inspir ierte Küche ist lä ngst internationa le Spitze, vereint d ie Neug ier der Experi mentatoren mit der Gelassen heit der Trad itiona listen. Wer sich al lerd ings ansieht, was nicht die Wettkämpfer in der medialen „Kü- chenschlacht“ als Leibger icht so au fti- schen, der wi rd den Spöttern recht geben, die meinen, mit dem Essen sei es wie mit dem Sex: Es wi rd viel da rüber geredet, aber zu selten (g ut) gemacht.

4 HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Niedersachsen

DONNERSTAG, 21. APRIL 2011 · NR. 94

K U R Z G E M E L D E T Busemann besucht Fregatte

Hannover: Der n iedersächsische Justi z- minister Bernd Bu sema nn (CDU ) besucht nach Ostern gemein sa m mit dem CDU- Pol itiker Thomas Kossendey die Fregatte „Niedersachsen“ in Dsch ibuti. Das Bu n- desweh rsch iff patrou illier t vor der ost- af ri ka nischen Kü ste im Ra hmen der „Ata la nta“-M ission zu m Schutz gegen Pi- raterie. „Die Fregatte ist von der Piraten- plage massiv betroffen“, sagte Bu sema nn. „Sechs der 107 in diesem Ja hr welt weit gemeldeten Fä lle von Piratena ng ri ffen betrafen Sch iffe, deren Reedereien in Nieder sach sen an sässig si nd.“ lni

Eier verletzen Lokführer

Weyhe: Au f diese Osterüberraschung hät- te ein Lokfüh rer in Weyhe bei Bremen wohl gerne verzichtet: Jugend liche bewar- fen den 36 -Jäh rigen am Mittwoch mit hartgekochten Eier n. Dabei erlitt er nach Angaben der Bu ndespoli zei eine schwere Prel lu ng am Ar m. Der Mann fu hr mit dem Güterzug gerade mit Tempo 50 an einem Abstel lgleis vorbei, als die Angreifer ih re Attacke star teten. Die etwa 16 - bis 17-Jäh- rigen waren au f den Kesselwagen gek let- tert, von wo sie die Eier in seine Richtu ng feuerten. Ei ns davon sauste du rchs geöff- nete Fenster und traf den Lokfüh rer. An- schließend sprangen die Jugendlichen vom Zug und flüchteten. lni

Auto begräbt Mann unter sich

Me pp en: Be i de m Ve rs uc h, in de r Ei n- fa hr t an ei ne m Auto zu ba st el n, is t ein Ma nn in Me pp en um s Lebe n ge kommen. Wie die Pol iz ei am Mitt wo ch mitt ei lt e, hatt e de r 34 -Jäh rige de n Wa ge n am Dien st agabe nd in ei ne r absc hü ss igen Au ffah rt mit ei ne m Wa ge nheb er ho ch- ge hob en und ei n Vorder rad abgebaut. Al s er unte r das Auto kr och , rutschte das Fa hr zeug vom Wa ge nheb er ab und fie l au f ih n. Die alar mier te Feue rwehr hob das Auto an und ve rs uc ht e, den Ma nn zu re an im ie ren . Er st arb ab er no ch an de r Un fa ll st el le. lni

Zoll fin det zwei Kilo Heroin

Bad Bentheim/Osnabrück: Zollbeamte haben bei ei ner Autokont rolle am Gren z- überga ng Gi ldehaus bei Bad Bent heim zwei Ki logram m Heroin im We rt von 80 000 Eu ro gefu nden. Es ha ndele sich um ei nen der größten Heroin fu nde in den ve rgangenen Ja hren, teilte das Haupt- zollamt Osnabr ück am Mitt woch mit. De r Fa hrer, ei n 24 Ja hre alte r Ma nn aus Osteuropa, sei bereits am Dien st ag bei ei- ner Routinekontrolle au fgefal len. Der Ma nn wu rde fe stgenommen und sitz t in- zw ischen in Unte rsuchu ngshaf t. lni

Autoterminal wird ausgebaut

Cuxhaven: De r H afendien st leister BLG Logistics wi ll 3,5 Mill ionen Eu ro in den Au sbau des C uxhavener Autote rm inal s inve stieren. An dem Standor t sollen ein neuer An leger und 53 000 Quad ratmeter große Stel lfl ächen fü r Fa hr zeuge entste- hen, sagte ei n Sprecher der Bremer Un- te rneh mensgr uppe. In Cu xhaven schlägt BLG Autos au s Großbrita nn ien nach Deutschla nd und Polen sowie deutsche Modelle nach Skandi navien um. 2010 wa- ren es nach Konzer na ngaben ru nd 110 000 Wagen, 2011 wi rd ih re Za hl au f 190 000 steigen. Nach dem Au sbau werden 2012 ru nd 250 000 Wagen mögl ich sein. lni

Deutlich mehr Verfahren zu Hartz IV

Unklare Rechtsbegriffe sind Grund für Klagen

VON P EER K ÖR NER

Celle. Im me r meh r H ar tz-I V-Empf än- ge r ziehen vor Ge richt. Be i de n ac ht nie- de rs äc hs ischen Sozi al ge richten si nd im ve rg an ge ne n Ja hr me hr al s 22 000 Ve r- fa hr en zu r „Gru nd sicher un g fü r Arbe it- suchende“ e in gega ngen . Das tei lt e L an- de ss oz ialger icht spräsident Pet er He ine be i de r Vors tel lu ng de s Ge sc hä ft sb e- richts 2010 am Mitt wo ch in Ce lle mit. Da mit komme be re it s kn app die Hä lfte al le r eingega ngenen Ve rf ah ren in der er st en In st an z au s diesem Be re ic h. Ih re Za hl habe so gege nübe r de m Vorjahr no ch ma ls um kn app 15 Pr oz ent zu ge- nommen. In sgesamt hat ten die n iedersächsi- schen Sozialgerichte fast 45 000 Klagen und Rechtsschut zver fa hren al s Eingä nge zu ve rzeich nen. Das si nd knapp 78 Pro- zent mehr al s 2004, dem letz ten Ja hr vor der Ei nfüh ru ng von Ha rt z IV. „Zu der hohen Za hl dera rtiger Ve rfah ren tragen auch die u nbesti mmten Re chtsbegri ffe bei“, betonte Gerichtspräsident Hei ne. Daher rü hr ten auch die vielen St reitig- keiten um die Kosten von Unte rk unft und Heiz ung. So spre che der Gesetzgeber nu r vage von „Angemessen heit“. „E s is t du rc haus da mit zu re ch ne n, dass wi r in diesem Ja hr no ch we it ere Zuwäch se erlebe n we rden , zu ma l die er st e I ns ta nz in zw ischen pe rsonel l noch we it er ve rs tä rk t we rden konnte“, sa gte Pete r He ine. Zu sätzl ic he Richte r von an- de ren Ge richten sollen auch kü nf tig Entl as tu ng br in ge n. Mit ih re r Hi lfe soll die Ve rf ah ren sd auer verk ür zt we rden. No ch im me r daue re kn app jede s dritte Be ru fu ngsver fa hr en vor de m L ande ss o- zi al ge richt lä nger al s zwei Ja hr e. Da ge- ge n se ie n die me isten Ei lver fa hr en in der er st en In st an z in we nige r al s zwei Wo- chen abge sc hlos sen, he ißt es im Ge- sc hä ft sb er icht 2010. Be i den ac ht nieder säch sisc he n S oz i- al ge richten sowie de m in Br emen wa r- ten in sges amt 55 000 unerle digt e Ve r- fa hr en au f ei ne Entscheidu ng. lni

Puzzlestücke eines Lebens

Herr über 16 Mühlen, Denkmalstifter, Schöpfer russischer Impressionen: Der Designer Horst Wrobel hat Gifhorn mit einem so monumentalen wie surrealen Lebenswerk beehrt / Vo n Ju tta Rinas

M anches wü rde ma n er wa rten, wenn ma n die staubige B 188 von Ha nnover au s Richtu ng Osten

entlangfäh rt: An sichten von Spargelfel- dern und La ndgaststätten bieten sich ei- nem entlang der Strecke nach Gi fhor n, Dörfer mit verfal lenen Bauern höfen und Städtchen mit feschen Neubausiedlun- gen, Wä lder, in denen entlang der Straße

Prostitu ierte in Wohnwagen mit bl in ken- den roten Herzen ih rem Beru f nachge- hen. Dass sich irgendwan n – just hi nter dem Or tssch ild „Stadt Gi fhor n“ – ei n wie aus der Zeit gefa llenes Pa norama aus exoti- schen Wi nd- und Wasser mü hlen au ftut, das er wa rtet ma n nicht. Schon von der Straße au s sieht ma n die mächtigen Aus-

stel lu ngsstücke des Internationa len Müh- len-Museum s – nicht nu r deutsche Wi nd- mü hlen, die an trad itionelles altes Lied- gut oder Schubertl ieder erinner n. Die aus weißem Stei n gebaute, griechische Wi nd- mü hle Ir in i beispielsweise verbreitet an diesem Fr üh lingstag med iter ra nes F la ir. Mit ih ren Flügel n au s weißem Segeltuch scheint sie au fs Poetischste den Hi mmel

zu zertei len, wä hrend au f der anderen Straßenseite der B 188 sehr viel prosai- scher ei n Kran in mitten ei ner Baustel le in die Höhe ragt. 16 solcher Mü hlen ka nn ma n in ei nem idyl lisch angelegten Pa r- cour s in Gi fhor n derzeit besichtigen:

Sch muck stücke der Zu nf t wie ei ne tai- wa nische Wasser tretmü hle au s Holz, ei ne alte Wi nd mü hle au s der Provence oder

au s Holz, ei ne alte Wi nd mü hle au s der Provence oder Wind

Wind mühlenflügel au s weißem Segeltuch: Eine por tugiesische Wind mühle verbreitet wie ihr griechisches Pendant mediterranen Glanz in der niedersächsischen Südheide.

Herzog (5)

Glanz in der niedersächsischen Südheide. Herzog (5) Id yllische Anlage: Neben der Mühle au s Sanssouci

Id yllische Anlage: Neben der Mühle au s Sanssouci ist ein Ru ndlingsdor f nachgebaut.

Mühle au s Sanssouci ist ein Ru ndlingsdor f nachgebaut. Der Glocken- Palast soll auch eine

Der Glocken- Palast soll auch eine Begeg nungsstätte für Kü nstler au s West und Ost werden.

Begeg nungsstätte für Kü nstler au s West und Ost werden. Ru ssische Impressionen, vermit telt

Ru ssische Impressionen, vermit telt durch eine Bauernw indmühle und eine Holzkirche.

telt durch eine Bauernw indmühle und eine Holzkirche. Moderner Mühlenpatron mit Strohhut , Eigenbrötler,

Moderner Mühlenpatron mit Strohhut , Eigenbrötler, Visionär: Der Desig ner Horst Wrobel.

ei ne Wasser mü hle au s Unga rn, die an ei- nem See angedock t ist. Herr der Mü hlen ist der 76 -jäh rige Horst Wrobel, ei ne Ar t moderner Mü h- lenpatron mit Strohhut, ei n so genialer wie versch robener Visionär, der mit sei- nem Tatendrang die Behörden vermutlich ma nchmal eher versch reck t a ls er freut. „Wer Vi sionen hat, soll laut Altk an zler Helmut Sch midt zu m Ar zt gehen. Horst Wrobel hat ma l wieder ei ne Vision. Er

ge ht nicht zu m Ar zt, sonder n an s We rk.“

So trockene Ei nschätzu ngen ka nn ma n in der Loka lpresse über den Ma nn mit den schlohweißen Haaren lesen. Ja ja, er wis- se es, ei nen „Ver rück ten“ wü rden ihn ma nche wegen seiner Ideen nennen, sagt Wrobel, wä hrend er in seinem mittler- weile 31 Ja hre alten Mü hlen mu seum in

ei nem nachgebauten Ru nd lingsdor f selbst gebackenes Brot au s der Museum sback- stube in Kar toffelsuppe stippt. Dass es den aus Oberschlesien stam- menden Sohn einer Handwerkerfam ilie wenig kü mmer t, was andere denken, dass der gelernte Dekorateur und später preis- gekrönte Desig ner einer großen deutschen Kauf hauskette keine Mü he scheut, um die Gifhor ner mit seinem eigenw illigen Le- benswerk zu beehren, das merkt man, wenn man den Blick weiter über den Mü h- len-Parcou rs schweifen lässt. Plötzlich entdeckt man etwas, das die- sem merk-w ürdigen Or t eine fast su rreale Note verleiht. Hinter dem Nachbau der berü hmten Potsdamer Wi nd mü hle von Sanssouci lugen die zw iebelför migen Kuppeln eines r ussisch anmutenden Mo-

nu mentes hervor. Mehr als 50 Kuppeln

aus Blattgold zieren den Glocken-Palast abseits der Mü hlen, ein „Europäisches Ku nsthandwerke r-In st it ut“, de ssen Gr undstein der fr ühere russische Staats- chef Michai l Gorbatschow gelegt hat. Da- vor ist, in Steinbögen gefasst, eine tonnen- schwere Glocke zu sehen, ein „Ein heits- denkmal“ an lässlich der Deutschen Wie- dervereinigu ng. Russische Impressionen also, verm ischt mit Monu menten deutsch- deutscher G esch ichte u nd der Leiden- schaft fü r „d ie ältesten Kraf tmasch inen der Welt“: Wie entsteht in der niedersäch- sischen Südheide nahe der fr üheren deutsch- deutschen Gren ze ein so ei n- dri ngliches wie disparates Bi ld? Wer Wrobel davon erzählen hör t, wie der begeisterte Hobbybastler zu nächst Mü hlen modelle nachbaut, die Wohnung und Garten bevöl kern, wie er – als Pr iva- tier, der weder in Sachen Museum noch in Sachen Mü hlen Experte ist – in Su hlen- dor f bei Uelzen und dann in Gifhor n ein Mü hlen museum au fbaut, der merkt schnel l, dass hier ein Besessener Lebens- träu me realisier t. Zeitlebens sei er oh ne staatliche Hilfe ausgekommen, sagt Wro- bel. Das Mü hlen museum mit seinen der- zeit etwa 90000 Besucher n jährlich trage sich selbst. Aber waru m gesellte sich zu den Müh len i rgendwan n eine r ussisch- or- thodoxe Holzki rche? Er habe wissen wol- len, wie r ussische Mü hlen aussehen, sagt Wrobel schlicht. Bei einer Reise nach

Russland sei er au f die Holzki rche des hei- ligen Nikolaus gestoßen und habe sie als Monu ment der Völ kerversöhnung in Gif- hor n wiederau fgebaut, sagt er, als sei es das Selbstverständ lichste von der Welt. Zu manchen Mü hlen kommt Wrobel wie andere Leute zu einem neuen Pullover oder einem schönen Hemd. Seine korean i- sche Wasser mü hle oder die russische Bau- er nw indmüh le bekommt er von reichen Museumsbesuchern aus den jeweiligen Länder n geschen kt. Nachdem sich selbst Michai l Gorbatschow per Antwor tfax be- geister t von der brieflich geschi lder ten Idee einer russisch-deutschen Begeg-

nu ngsstätte in Gifhor n zeigt, gibt es für

Wrobel auch in Sachen Glocken-Palast kein Halten mehr. In 15 Jahren erschafft er das monu mentale Bauwerk. Vom 1. Mai

an wi rd es jetzt ebenso wie das Ei nheits- denkmal fü r Besucher zugänglich sein. Es

wi rd, so prophezeit der rüstige Senior,

nicht das letzte Pu zzlestück in seinem Le-

be ns we rk se in. „Wen n ic h et wa s wi ll“,

sagt er, „gebe ich einfach nicht au f.“

Da s Gif ho rn er Mü hl en -M us eum is t no ch bi s 31. Ok to be r tä gl ic h vo n 10 bi s 18 Uhr zu se hen. We it er e In fos: (0 53 71) 5 54 66 od er www.m ue hl en mu se um .de

„Kein Fehler im System“

Lindemann sieht keine grundsätzlichen Mängel in der Massentierhaltung – Skandale seien die Schuld Einzelner

VON M AR INA K OR MB AKI

Han nover. Die vergangenen Monate wa ren nicht eben ar m an Skanda len in der n iedersächsischen La ndw ir tschaf t. Zu Ja hresbegi nn, Gert Li ndema nn s Vor- gä nger in Astr id Grotelüschen wa r gera- de als Ag ra rm in ister in zu rückgetreten, sorg ten diox inbelastete Eier und Futter- mittel fü r Schlagzeilen. Wenig später machte der C uxhavener Ge flügelkon zern Lohman n T ierz ucht wegen systemati- scher Ka mmamputationen bei Ge flügel von sich reden. Und er st zu Begi nn dieser Woche präsentierte die T ierschut zorga- nisation Peta der Öf fentlich keit verstö- rende Bi lder von toten und verlet zten Tieren im verd reck ten Stal l ei nes Puten- mästers au s dem Kreis Oldenburg. Dennoch: „Ei nen System fehler in der industriel len Landw ir tschaf t“, sag te Ag rarm in ister Gert Li ndemann gester n, den gebe es nicht. Viel mehr seien dies Be- lege fü r „Defi zite im Management“ Ei n- zelner. „Es wi rd im mer wieder Betr iebe geben, die den Tierschutz nicht beachten – das ist aber nicht nu r in Großbetrieben möglich, sonder n kommt auch au f kleine- ren Höfen vor.“ Li ndemann verwah rte

sich gegen die von Tierschützer n und der Landtagsopposition vorgebrachte K ritik, entsprechende Vorfäl le seien Belege da- fü r, dass sein Haus den Tierschutz nicht er nst nehme: „Es ist nicht Au fgabe des Landw ir tschaf tsminister iu ms, in d ie Stäl le rein zugehen.“ Die Kontrolle der Haltungsbedi ng ungen von Nutztieren sei Sache der Kommunen. Die R ah menbed ingu ngen der M assen- tierha lt ung aber sollen sich verbesser n, da zu hat Li ndema nn jetz t ei nen „T ier- schutz plan Nieder sach sen“ vorgelegt. Mit der Um setz ung ei nzel ner Ma ßnah- men dieses 38-P unk te -Pla ns soll in die- sem Ja hr begon nen we rden, bis spätes- ten s 2018 sollen die Ve rbesser ungen ver- wi rk licht sei n. Um herauszu finden, wie die ei nzel nen Ma ßnah men wi rken, sollen Pilot projek- te an laufen. So te stet derzeit ei n Hof im Kreis Osnabr ück, ob sich au f die Kü r- zu ng der Sch näbel bei Legehennen ver- zichten lässt. Wenn dor t Ka nn ibali smus und Ve rlet zu ngen unte r den Tieren zu- nehmen wü rden, müsste event uell die Zuchtl in ie der Hennen verä nder t we r- de n. „Wer be hauptet, die Tier sc hutzz ie le könnten schnel le r er reicht werden, st reut

der Öf fent lich keit Sa nd in die Augen“, sagte Li ndema nn. Zu ma l die Wi rt- scha ft lich keit der F leischproduk tion ober ste Pr iorität des Minister s bleibt:

„Es da rf au f keinen Fa ll da zu kommen, dass die Nutz tierha lt ung in s Au sla nd ve rlager t wi rd.“

die Nutz tierha lt ung in s Au sla nd ve rlager t wi rd.“ Agrarminister

Agrarminister Ger t Lindemann (CDU) bei der Vorstellung seines 38 -Punkte- Plans. dpa

Da s sieht der Tier sc hu tzpl an vo r:

Ma st hü hn er: Die Bevor zugu ng

schnel lw üchsiger Rassen kommt in die- sem Ja hr au f den Prüfst and, weil diese

of t massive Gesu nd heitsstöru ngen au f- weisen. Kü kenstranporte sollen 36 St un- den nicht über schreiten.

Pu ten: Entz ündete Fußba llen sollen

al s „I nd ikator“ fü r nicht ar tgerechte Ha lt ung gelten. La ndw ir te, deren Pu- tenbest and solche Ve rlet zu ngen au f- weist, mü ssen ab 2014 an Schulungen teil nehmen und die Tierdichte in den Stäl len ver ri nger n.

Le ge hennen: Ab 2016 soll das Kü rzen

der Sch näbel verboten sein, bei der Kleing ruppenha lt ung sollen Gru ndbe-

dü rf nisse der Tiere wie Ru he und Sa nd- baden berück sichtigt werden.

Männliche Küken: Ab 2013 soll die Tö-

tu ng von Kü ken „ohne vernünf tigen Gr und“ verboten sein. Sie sollen dann

etwa zu Futter mittel vera rbeitet werden.

Fe rkel: Kast rationen oh ne Betäubung

sollen ab 2015 nicht mehr zu lässig sein. Zudem sollen M aßna hmen entw ickelt werden, die Ka nn ibali smus in den Stäl- len von Fe rkel n und Mast schwei nen ab 2016 verh indern.

Migrantenkinder sollen Lobby erhalten

Han nover (h il). Um die Bi ldungssit uati-

on

ju nger Menschen au s Ei nwandererfa-

mi

lien zu ve rbesser n, wi ll die „A rbeitsge-

mein scha ft MigrantI nnen und Flücht lin-

ge in Nieder sach sen“ (A MF N) ei n speziel-

le s Elte rn netz werk fü r Fa mi lien mit Migrationshi ntergr und ein richten. Das Netz werk soll im Laufe der kommenden drei Ja hre entstehen. „Mit dem Thema

Bi ldung grei fen wi r ei nen wesent lichen

Aspekt der Integration au f“, sagte Habib

Esla mi, Geschä ftsf üh rer des AM FN. Vie-

le Ki nder au s Ei nwandererfam ilien wü r-

den mit Schwier igkeiten im nieder säch si- schen Bildu ngssystem konf rontiert. Die Schulabbrecherquote au slä nd ischer Ju- gend licher liege hier zu la nde mit 20 Pro- zent sehr hoch, sagte Esla mi. Ziel des Pro- jekt s sei es, den Elte rn dieser Ki nder ei ne st arke Interessenvert retu ng gegenüber der Pol itik zu verschaf fen. Im Vorfeld wollen Elte rnvert reter, Migrantenve reine und Lehrkräf te gemein sa m nach Lö- sungsa nsät zen suchen. Unte rstütz t w ird das Projekt vom nieder säch sischen Sozi- al minister iu m, dem Kultu sm in ister ium des La ndes und von der Ca rl-von- Ossietz- ky-Universität Oldenburg.

NR. 94 · DONNERSTAG, 21. APRIL 2011

Kultur

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

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Wie viel ist über Le onardo

da Vi ncis berü hmte s „Abend ma hl“ schon disk utiert und geschrieben worden? Wer sitz t wa ru m wo neben wem und schaut wen an, um mit wem gegen wen zu pa k- tieren? Woher kommt das Licht, wie ver- jü ng t sich der Raum nach hi nten, und was wi rd ve rzeh rt? Die Fasz ination fü r das neun Mete r breite und vierei nhalb Meter hohe Wa ndgemä lde, das da Vi nci Ende des 15. Ja hrhu nderts in der Ma iländer Domini ka nerk irche Santa Ma ria del le Graz ie schu f, ist ungebrochen. Zu Oste rn sowieso.

Über die Bescha ffen heit des Tisches auf dem Gemä lde ist al lerd ings sehr wenig

INITIAL

auf dem Gemä lde ist al lerd ings sehr wenig INITIAL Ma hl gan z an

Ma hl gan z an de rs in Ot te ns en:

Playm ob il ma ch t’s vo r.

überliefer t. Ei n Tapezier tisch aber wi rd es vermutlich nicht gewesen sein. Das wie- deru m ist den Ak tion sk ün stlern ega l, die am heutigen Gr ündonner stag das „Abend- ma hl“ als ei ne Ar t ei ntäg ige Tour neepro- du ktion in versch iedenen St raßen des Ha mburger Stadtteils Otten sen nachstel- len wollen. Zwar si nd es – natü rl ich – 13 Ak teure, doch wegen der Or tswech sel ist Prag matismu s gefragt. Also haben Jesus und seine zwöl f Jü nger zwei leichte und klappbare Tapezier tische dabei. Werk- treue ist auch nicht das entscheidende Kr iter iu m, sonder n eher Volk snähe, mit der die Kü nstler das Abendmah l als „G e- mein scha fts- und Er in neru ngsmah l“ wie- der au fleben lassen wollen. Berü hr ungs- ängste haben d ie Teil nehmer dabei n icht, der Dialog mit Passanten, so heißt es, sei au sd rück lich er wü nscht. Berü hr ungs- ängste mit abenteuerlichen Wortspielen haben sie auch nicht „Mah l ga nz anders“ heißt die Ak tion. Ob’s da Vi nci gefa llen hätte, bleibt Spe- ku lation. Ob’s dem Publ iku m in Otten sen

uj

gefä llt? Ma hl sehen.

Berl iner Un iversität beru ft Ai Weiwei

Die Berliner Un iver sität der Kü nste setz t sich fü r den in ha ftierten ch inesi- schen Kü nstler Ai Weiwei ei n und wi ll ih n al s Ga st profe ssor en gag ie ren. „Wir beru fen kei nen Dissidenten, sondern ei- nen herau sragenden Ex ponenten der zeit- genössischen Ku nst“, sagte Un iver sitäts- präsident Ma rtin Ren nert am Mitt woch. Wa nn der chi nesische Kü nstler, der seit dem 3. Apri l in Peki ng in Ha ft ist, nach Deutschla nd kommen ka nn, ist unklar. Das Ber ufungsve rfah ren bega nn Ende 2010. De r Kontak t sei über Ais Bü ro in Hongkong gelaufen. Die Un iver sität wolle das Angebot offe nhalten, bis sie mit dem Kü nstler gesprochen habe. Bi ldungssena- tor Jü rgen Zöllner sagte, der Zeit pu nkt der Beka nntgabe sei „eine ei ndeutige Po- sition ie ru ng im Konfl ikt um Ai Weiwei“. Er hoffe, dass die Beru fu ng weder zum Nachteil fü r Ai noch fü r die deutsch- ch i- nesischen Beziehungen we rde. dpa

Ju nges Voka lensem ble in Estland er folg reich

Drei facher Er folg fü r das Ju nge Voka l- en semble Ha nnover: Bei m I nter nationa- len Chor wettbewerb in der estnischen Hauptstadt Ta ll in n gewa nn die Gr uppe unte r der Leit ung von Klau s- Jü rgen Et- zold ei nen zweiten Preis in der Kategorie „Zeitgenössische Mu si k“ und zwei dritte Preise in den Kategorien „A lte Mu si k“ und „G emischte Chöre“. In sgesamt 42 Chöre au s 13 Nationen na hmen an dem Wettbewerb teil. Das Ju nge Vokalen semble Ha nnover, dessen Reise nach Ta ll in vom Goet he-I nstitut und dem nieder säch sischen Kultu rm in is- ter iu m unte rstütz t wu rde, ist der er ste deutsche Teil nehmer seit 1991, der ei nen Preis bei diesem Wettbewerb gewi nnen konnte. De r gemischte Chor besteht seit 30 Ja hren und hat sich in dieser Zeit schon

ei ne ga nze Rei he inte rnationa le r P reise

tur

er sungen.

Ma rx blei bt ak tuel l:

Kong ress in Berl in

Wissen scha ft le r aus al le r Welt wollen im Ma i in Berl in über die Ak tualität des Ph ilosophen u nd Kommunismusbeg rü n- ders Karl Ma rx debattieren. Zu m Kon- gress in der Humboldt-Un iver sität vom 20. bis 22. Ma i werden der Ph ilosoph Étienne Ba liba r (Unive rsité Pa ris/ Na n- te rre), die Soziolog in Saskia Saassen (C o- lu mbia Un iver sity New York), die Pol ito- logi n Wendy Brow n (Berkeley) und der Sozialph ilosoph Axel Hon neth (F ra nk- fu rt /M ai n) er wa rtet. Ru nd 50 Referenten werden Vorträge zu m Denken von Ma rx ha lten, et wa zu Ausbeutu ng, Recht, Rel ig ion und Kolonia- lismus. Mit der Welt wi rtschaftsk rise habe das Werk von Ma rx an Bedeutung gewon- nen, teilte die Un iver sität am Mittwoch mit. Sei ne Kr itik an Ausbeutu ng und Un- gerechtigkeit sei ak tuel ler denn je. dpa

Die Welt mit uns

Positiver Rückblick, große Pläne – und die Sorge um den verunglückten Schauspieler Bernd Grawert:

Das Schauspiel Hannover zieht Bilanz.

Bernd Grawert: Das Schauspiel Hannover zieht Bilanz. 30 Neuproduktionen haben sie auf dem Plan: Intendant Lars

30 Neuproduktionen haben sie auf dem Plan: Intendant Lars Ole Walburg und seine Dramaturgin Judith Gerstenberg.

Steiner

Na ch der ersten Sp iel ze it ha be n Si e sic h üb er di e U nb er ec henba rkei t d es Pu bl i- ku ms ge wu nder t, da s an ei ne m Ta g da s Ha us füll t un d am nä chs te n Ta g be im gl eichen St ück we gb leibt . Ha t sic h da s ge än de rt?

Es ist besser geworden, aber in der Zw i- schenzeit haben wi r un s das von vielen hiesigen Ku lt uri nstitutionen, m it denen wi r mittler weile guten Kontak t haben, best ätigen lassen, dass diese Nichtbe- rechenba rkeit offe nba r ei ne ha nnover- sche Eigenschaf t ist.

Si e wa ren in Ih re r ersten Sp iel ze it eher mu si ka bs tinen t, da s sche in t sic h zu än de rn . Wird es et was leic ht er im Ha us?

Wi r fü hlten un s ga r nicht so wa hn si nn ig schwer. Wi r si nd ja nicht beratu ngsre sis- tent. Es gibt in Ha nnover du rchaus ei ne st arke Vorl iebe fü r mu si ka lische Abende im Schau spiel, provozier t auch du rch die vielen Liederabende, die in der Zeit vor un s Er folg hatten. Und wi r haben diesen Wu nsch nach Mu si ka lischem im mer deut licher au s dem Ense mble gehör t, weil un sere Schau spiele r auch in dieser Rich- tu ng tätig werden. Wi r haben ja auch nie gesagt, wi r machen das nicht, wi r haben nu r gesagt, wi r beteiligen un s nicht an der L iederabend-Industr ie.

VON R AINER WAG NER

Jü rgen Kuttner, blick t man Richtu ng Na her Osten und hat so schon ma l „Bag- dad 3260 KM“ im Visier, ei n Stück von Ja n Neuman n, der auch die Urau ff üh-

ru ng besorg t. Da nn soll geklär t sein, ob es sich bei diesem Stück nu n um ei nen Kr im i oder „eine zugespit zte Globali sie- ru ngssatire“ ha ndelt. Weitere Urau ff üh ru ngen st am men von Ch ristia n K racht, dessen Roma n „Faser- la nd“ vom Ju ngen Schau spiel“ au f die Bü hne gebracht wi rd. Andere Novitäten dor t st am men von Neil Ga iman, Björ n Be- cker, At hi n Sen Gupta und Denn is Kelly. Nis-Momme Stock- ma nn, der Shooting- st ar der ju ngen Dra- mati ker, lässt sein Stück „Tod und Wie- deraufer stehung der Welt meiner Elte rn in mi r“ von La rs-Ole Wa lburg u rauffüh ren. We r bei m d iesjäh rigen Stückema rkt des Ber- liner Theate rt ref fens

Preist räger w ird (was Stockman n schon ge- lu ngen ist), da rf ein Stück f ür Ha nnover

schreiben. Fortgesetz t w ird das bota nische Lang- zeit heater „Die Welt oh ne un s“, fü r das jetz t Gastreg isseu re eingelade n w urden. Das g rößte I nteresse dü rf te dabei dem ha n- nove rschen Tota l- kü nstler Ti mm Ul- rich s gelten. Neben ih m we rden die Pup- pent heater-A na rchis- ten „Das Helmi“ und das Videok un st-Duo Daten st rudel an der Ve rgängl ichkeit he- ru mgär tner n. Ma n hat sich al so viel vorgenommen am Schau spiel Ha nnover, und ma n zieht zu fr ieden Zwischenbilan z. Sch ließlich spiegele sich die Anerkennung der kü nst- le rischen L eist ung in Gastspielei nladun- gen fü r acht der ak tuel len Produk tionen wider.

E in „feierlicher Moment“ sei es ei- gent lich, wenn ei n Theate r den Spielpla n der kommenden Sa ison

vor stel le, sagte La rs-Ole Wa lburg. Sch ließlich werde da die Arbeit von Mo- naten präsentier t. An diesem Mitt woch ist es anders, weil das ha nnover sche Staatsschau spiel noch im me r von dem

Bü hnenunfal l geschock t ist, bei dem am ve rgangenen Sonnabend der Schau spie- le r Bernd Grawer t bei der P rem iere von Grabbes „He rzog Theodor von G ot h- la nd“ in den Bü hnen- graben st ür zte und sich schwer verlet zte. Er lieg t noch im mer im kü nstl ichen Koma. Natü rl ich ber ichtet Wa lburg vom Stand der Di nge – siehe un- ser Inte rv iew – und der Erm it tlungen, ehe da nn die Zu ku nf t im Mittelpu nk t steht.

Knapp 30 Neupro- du ktionen an in sge- sa mt sech s Spielstät- ten wi rd das Schau-

spiel Ha nnover he- rausbr ingen, da ru nter za hl reiche Ur- und Er st au ff üh ru ngen. Selbst wenn ma n zum Spielzeitauf ta kt an Hein rich von Kleist er in nert, w ird das nicht m it Kleist-O ri- gi na len geschehen, sonder n m it neuen St ücken. István Tasnád is „Staat sfei nd Kohl- haas“ wi rd Hausherr La rs-Ole Wa lburg am 15. September al s deutschsprachige Er st- au ff üh ru ng präsentieren. Am Tag da- rauf gibt es ei nen zweiten Prosatex t des Jubi la rs al s Theate rabend: Kornél Mu nd- ruczó br ingt „Die Ve rlobung von Sa nto Domi ngo“ au f die Bü hne. Auch wenn sich das Sch au spie l zu m dritten Ma l „vor Kleist ve rneigt“ (so Chefdramat urgin Judith Gerstenberg), gesch ieht dies nicht mit ei nem Theate rstück, sonder n mit ei- nem L ivehör spiel, das ma n gemei nsam mit NDR Ku lt ur erarbeitet. Hi nter der Zu rück ha lt ung bei Kleist s Dramen ste- cke keine fa lsche Eh rf urcht, die seien nu r (fast) al le in jü ngerer Zeit schon in Ha nnover gespielt worden. Klassi ker gibt es auch: Sophokles’ „A ntigone“ (Reg ie: Ma rc Prät sch), Heb- bels „Die Nibelu ngen“ (Reg ie: Flor ian Fied le r) oder Shakespea res kaum weni- ger blut rü nstiges Drama „T roilus und Cressida“ (Reg ie: Thomas Da nnema nn). Au s dem 20. Ja hrhu nder t st am men die zusam mengefasste C arl- Ster nhei m-Tri- logie „Aus dem bü rgerlichen Helden le- ben“ und Horvát hs Volk sstück „K asimir und K arol ine“. Nach dem Er folg von Er ich Käst ners „Das doppelte Lottchen“ gibt es er neut ei ne Käst ner- Geschichte al s Fam ilien- st ück: „P ünk tchen und Anton“. Und das zu ne hmend mu si ka li scher ag ie rende Ense mble kommt mit Robe rt Wi lsons und Tom Wa it s’ „Woy zeck“- Ve rsion, Jü rgen Kuttner s a na ly tischer Hitpar ade „Kol late ra lschlage r“ und Ra iner von Vielen s und Flor ia n Fied le rs „Sandbürge r“ zu Wort. Diese „Ein- Eu ro -P rem ie re“ hat im Ju li 2012 unter de r Rubr ik „A nder nor ts“ im we nd lä n- di sche n Her renhaus Sa lder at ze n Ur- au ff üh ru ng, kommt aber auch hier or ts he raus. Mit „Stu lle und Bu lle: We r zu- letz t lacht, ist die Pol izei“ wagt sich das Sch au spie l in s „M ilieu de r Late Night Come dy“. Mit „Law rence von Arabien“, ei nem Theate rprojekt von Tom Kü hnel und

von Arabien“, ei nem Theate rprojekt von Tom Kü hnel und Top und Flop der Saison:

Top und Flop der Saison: „Der Goldene Drache“ (oben) und „Kampf des Neger s und der Hu nde“. Ribbe (2)

und „Kampf des Neger s und der Hu nde“. Ribbe (2) „Jetzt muss wieder Vertrauen aufgebaut

„Jetzt muss wieder Vertrauen aufgebaut werden“

Bl eibt di e I ns ze ni er un g in d ieser Fo rm be stehe n?

Jetzt muss er st ma l Bernd Grawer t gesu nd werden. Wi r hoffen, dass die positiven Aussagen der Är zte Wi rk lich keit werden. Ich wi ll da nicht spek ul ieren über die Zu- ku nf t. Aber wenn es so weit ist, muss er st ei nmal Vertrauen au fgebaut werden, dass diese Produktion so fu nktion ieren kann. Wenn dieses Vertrauen sich nicht wieder- herstel len lässt, wi rd niema nd Dr uck aus- üben. Aber diese Prozesse haben Zeit.

Wi e wi rk t sic h de r Au sfal l di es er Ins ze ni e- ru ng auf Ih re Planun g un d den Etat au s? Sch li eßlic h war en no ch mehrere Au ff üh- ru ngen eingep la nt.

Die fa llen ja nicht au s, al so gibt es auch keinen Ei nnah meverlust. Wi r spielen an- dere Stücke, am kommenden Sonnabend und am 26. Apri l et wa Ku rt Weil ls „Der Si lber se e“. Wi r si nd jetz t gegen Ende un- serer zweiten Spielzeit in der glückl ichen Lage, ei n Repertoi re zu haben, mit dem wi r au f ei ne solche Situation reag ieren können.

Si e ha be n in de r la ufe nden Sp iel ze it meh r Be su ch er al s im Vo rjahr. Be de ute t da s au ch Me hr ei nnah men?

Wi r haben im Moment die seltsa me Situa- tion, dass wi r zwar mehr Zu schauer ha- ben, die Ei nnah men aber nicht angestie-

gen si nd. Wenn ma n viel fü r Schüler und St udenten macht, ve rd ient ma n al s Thea- te r natü rl ich wenig Geld. Das schmer zt den Kaufman n, aber ich bi n trot zdem froh. Nicht nu r, weil die Häuser voller si nd, sonder n auch, weil ma n weiß, man arbeitet fü r die Zu ku nf t.

Wi e ho ch is t de rz ei t di e Pla tz au sn ut zu ng?

Die lieg t bei et wa 70 Prozent.

Da s is t et was meh r al s im Vo rjahr?

Fü nf Prozent. Und das ist ei ne ga nze Menge.

Wa s war in de r ak tu ellen Sp iel ze it di e er fo lgreichst e P ro duk tion?

Mich hat es sehr gefreut, dass ei n neues St ück wie Rola nd Sch im melpfenn igs „Der Goldene Drache“ so gut angenom- men wu rde. Und zwar im großen Haus auch von ei nem größeren Publ iku m, das nicht nur inten siv t heater interessiert ist, sonder n fü r das das Theate r zu nächst ei ne Form der Unte rhaltu ng ist.

Und we lcher Ab end wu rde am we ni gs ten ge li ebt?

Koltès „K ampf des Negers und der Hu n- de“ haben wi r viel leicht fa lsch einge- schätz t. Wi r konnten das Stück dem Pu- bl iku m nicht na hebr ingen, obwohl die Kr itiken gut wa ren.

In te rv iew : R ain er Wa gn er

He rr Wa lbur g, Si e ha be n gesa gt , de r Bü hn en un fa ll vo m vor igen Son na be nd üb ersch atte da s eigentlich fr eu di ge

Er eig ni s eine r po siti ve n Bi la nz un d eine r ta te nd ur stigen Vo ra us sc hau auf Ko mmen de s. Wi e is t di e St immu ng im

Ha us?

Wi r si nd al le noch geschock t. Al le si nd in Geda nken bei Bernd Grawer t. Wichtig ist, dass er wach wi rd, dass er hoffentl ich schnel l genesen ka nn, die Sch me rzen nicht zu st ark si nd und er ba ld wieder auf ei ner Bü hne stehen ka nn.

We iß man mi tt ler we il e meh r darüb er, wi e es zu di es em Un fa ll ko mmen ko nnte?

So ei n Un fa ll zieht Er mittlungen nach sich du rch die Un fa llversicheru ng, das Gewerbeaufsichtsamt und die Pol izei. Un s lieg t bisla ng nu r der mü nd liche Be- richt vor, aber wi r werden es in den näch s- ten Tagen auch schri ft lich bekommen, dass keine techn ischen oder sicherheit s- relevanten Probleme des Theate rs zu dem Un fa ll gefü hr t haben. Das ist fü r un s sehr wichtig, weil natü rl ich al le, die di rek t da- bei wa ren, aber auch die Ve ra nt wort li- chen unte r einem st arken psych ischen Dr uck stehen. Auch wenn die Sache so trau rig bleibt, wie sie ist, ist fü r un s ein wichtiger Pun kt, dass fe stgestel lt wu rde, es wu rde al le s geta n, um ei nen solchen Un fa ll zu vermeiden.

Setzen, bitte!

Einladung zur Neuentdeckung: Arno Schmidts Monumentalwerk „Zettel’s Traum“ im Literaturhaus Hannover

VON M AR TINA S UL NER

Z u „Zettel’s Trau m“ von Ar no Sch midt si nd den Fa ns schon viele Fragen

eingefal len. Seit Ja hren debattieren die An hä nger des Ba rg felder Autors in Le- sezi rkel n, Zeitschri ften und I nter net- foren über das Monu mentalwerk; Lite ra- tu rw issen scha ft le r sch reiben an Semi- na r- und Doktorarbeiten über Sch midts Opus magnum. Im ha nnover schen Lite- ratu rhau s stel lte Su sa nne Fischer jetz t, mit iron ischem Unte rton, ha nd fe ste Fra- ge n: „War um is t dieses Buch so dick?“ Und: „H at der Autor eigent lich in Re cht- schreibu ng im me r ei ne Fü nf gehabt?“ Su sa nne Fischer weiß genau, was es mit Um fa ng und Or thog ra fie des Ro- ma ns au f sich hat. Al s Geschä ftsf üh re- ri n der Ar no -Sch midt-Sti ft ung und He- rausgeberi n der Neuedition von „Zettel’s Trau m“ gehör t sie zu den Kenner n dieses Sch ri ftstel le rs. M it Bernd R au schen- bach, eben fa ll s Herausgeber der Neu- au sgabe, und Typog ra f Fr iedrich Forss- ma n präsentierte sie im Lite ratu rhaus die neue Au sgabe des Ba rg felder Bro- cken s – und na hm Le sern, die sich noch nicht an „Zettel’s Trau m“ heranget raut haben, die Scheu vor dem We rk. Das ist seit Herbst vergangenen Ja hres er st ma ls in ei ner gesetz ten Au sgabe lie- fe rbar – 40 Ja hre nach der Er st veröffent-

sgabe lie- fe rbar – 40 Ja hre nach der Er st veröffent- Wo der „Traum“

Wo der „Traum“ entstand: Arno Schmidts Arbeitsplatz in Barg feld.

Heuer

lichung. 1970 er schien das großfor mati- ge, 1334 Seiten st arke Buch. De r Autor hatte seinen Te xt au f DI N-A3 -Seiten ge- tippt, die in drei Läng sspa lten au fgetei lt si nd. In der mittleren, breite sten Spalte er zä hlt Sch midt seine Geschichte über ei nen Tag im Leben des Poe-Über setzers Da niel „Dän“ Pagenste cher. Die äu ßeren Kolu mnen geben Raum fü r An me rk un-

gen zu Edga r Al la n Poe und zu al lgemei- nen l iterat urwissen scha ft lichen Fragen; sie lassen Plat z fü r Kommentare zu m er- zä hlten Geschehen oder zu Pa ra llel- ha nd lu ngen. 1970 konnte ma n solch ei nen Te xt, in dem die Spalten an vielen Stel len in- ei na nder fließen, noch nicht setzen. „Zet- tel’s Trau m“ er schien nu r al s Fa ksimile.

Typog ra f Fr iedrich Forssman, der in den

acht ziger Ja hren mit dem Ar no -Sch midt-

Vi ru s in fiz iert wu rde, hat – mit ei nigen

Unte rbrechungen – fast 20 Ja hre an der neuen Au sgabe gearbeitet. Al s er begon- nen habe, sei seine Tochte r drei Ja hre alt gewesen, er zä hlt er in Ha nnover, al s er

die Arbeit abschloss, wa r die Tochte r sei- ner Tochte r drei. Am An fa ng, sagt der 46 -Jäh rige, habe

er sich gefragt, ob Sch midt viel leicht et- was gegen ei ne gesetz te Fassung des Bu- ches gehabt habe. Er st al s Forr sman das

au ssch ließen konnte, habe er mit der Ar-

beit begon nen. Wort fü r Wort, Zeichen

fü r Zeichen hat er den Roma n, der sich

nicht an gängige Re chtsch reibregeln

hä lt, abgetippt und in ei ne Form ge-

bracht. T ypog ra fie sei Dienstleist ung, sagt Forssman, doch er betont auch: „L i-

te ratu r braucht ei ne äu ße re Norm form.“

Er selbst habe „Zettel’s Trau m“ er st

da nn richtig le sen und genießen können,

al s er gesetz t, al s au s ei nem Te xt ein

Buch geworden wa r.

Dieses Buch lieg t jetz t in drei Au sga- ben (198, 298 oder 448 Eu ro, Su hrka mp

Ve rlag) vor. Mit 1500 Seiten ist es im mer

noch ei n Tr um m. We r behaupte, „Zet- tel’s Trau m“ im Bett zu le sen, so Bernd Rauschenbach, sei wohl ei n Schwi nd le r. Selbst der neue „T raum“ br inge noch sech s Ki lo au f die Waage.

13 Farben

Les Temps Modernes in der Musikhochschule

VON L UD OLF B AU CKE

Wie kl ingt ei n Sonnenunte rgang, und wie ka nn diese mu si ka lische Vorstel lu ng im Zu sa mmen spiel von Flöte, Klarinette, Viol ine, Violoncello und Klav ier hörbar gemacht werden? De r fran zösische Kom- ponist Trist an Mu ra il hat diese Fragen in ei nem z wölf mi nütigen Q ui ntett bea nt- wortet. Er zä hlt im We rk titel soga r 13 Fa rben au f, was das Publ iku m in der ha n- nove rschen Mu si khoch schu le zu m M it- zä hlen er mu nter te. Das bei Mu si k 21 Nie- dersachsen gastierende Ense mble Le s Temps Modernes bi ldete al le klangfarbl i- chen Abstu fu ngen präz ise ab. Die Mi- schu ng von za rten Viol in flageoletts und behutsamen Flötentönen et wa wa r ei ner dieser klangfarblichen Ak korde. Ei n an- derer kombin ierte ei ne abgr undtiefe Ton- ba llung mit nu r angedeuteten Spuren des extrem hohen Register s der Pi kkoloflöte. Le s Temps Modernes in form ierte ku n- dig über das Schaf fen Mu ra il s und liefer- te auch ei nen schlüssigen Bezugspu nkt des Kompon isten. Claude Debu ssys Rhap- sodie fü r Klarinette und Klav ier klang eben so wie dessen Sonate fü r Viol ine und Klav ier so zisel iert, dass der Weg zu Mu- ra il s Spek tral mu si k vorgezeichnet wa r. Das leider nu r klei ne Publ iku m applau- dier te zu nehmend a nimier t.

6 HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Kultur

DONNERSTAG, 21. APRIL 2011 · NR. 94

K

INO

Wettskandal im Hi nterhof

Joschi boxt sich durch:

„Der Himmel hat vier Ecken“

Von M alte b re de

Al s Joschis Vate r sich von seiner ka rr ie- rewütigen Frau tren nt, br icht fü r den

Ju ngen ei ne Welt zusam men. Joschi

(Mor it z Ja hn) zieht mit seinem arbeits- losen Vate r in ei ne wi nz ige Hi nterhof- wohnung in ei nem anderen Stadttei l.

Dort ist das Leben al le s andere al s lu stig. Der kasachische Nachba rsju nge Niko piesackt ih n, der H au smeister schi ka niert sowieso jede n, und in der neuen Klasse scheint ih n auch niema nd zu ak zeptieren. Ei n ha rtes Leben fü r ei nen sensiblen Ju n- gen, der gerne Klav ier spielt und im Kna- benchor si ng t. Doch in ei nem Fi lm mit dem Titel „Der

Hi mmel hat vier Ecken“ ka nn es nicht

la nge so trostlos bleiben. Ni ko wi rd Joschis bester Freu nd – auch wenn die beiden sich weiter in die Haare kriegen, soba ld es um die gemein sa me Freu nd in

Je ssica geht. Fü r ei nen Ki nofil m si nd die- se St reitereien al le rd ings ei n bisschen schl icht geraten. Viel zu spät kommt die Geschichte um das Wettkar tel l in Schwu ng – obwohl schon der Fi lmtitel

au f den Boxr ing verweist.

Regisseu r Klau s Wirbit zk y (beka nnt

du rch d ie Fern sehser ie „P fefferkörner“)

findet in diesem Fi lm um Wettska ndale,

Te enagerbeziehungen u nd Arbeitslosig-

keit keinen rechten Foku s. Lebensnah

wi rken je doch die Figu ren – und das ist

den ju ngen Da rstel le rn zu ve rdan ken.

Leben sn ah: J ugend dram a. Ki no s am R as ch pl atz. Die Sc ha us piele r s in d am Ost er so nnt ag um 14 Uhr zu Ga st.

u n d a u s s e r d e m

„L e Mac – Do pp el t kn al lt ’s be ss er “, Re- gie: Pascal Bourdiau x, mit: José Ga rcia, Alai n Fromager. Von Ga ngster n, Pol iz is- ten und Zw illingsbr üdern: Kr im ik la mot- te. (C inema xx Raschplatz)

„S anc tu m 3 D“, Regie: Al ister Gr ierson, mit: Richard Roxburgh, Rhys Wa ke field,

Al ice Park in son. Mä nner unte r Wasser:

Taucht hri ller. (C inema xx Raschplatz, Ci- nema xx Ni kolaist raße, Ci neStar)

xx Raschplatz, Ci- nema xx Ni kolaist raße, Ci neStar) „A n e in em Sam

„A n e in em Sam stag “, Regie: Alexander

Mi ndad ze, mit: Anton Shag in, Svet la na

Sm ir nova-M arci nkev ich, Stan islav Rja- di nsky. Unglauben im Angesicht der Ka-

tast rophe: De r Tag ei ns nach Tscher nobyl

in der Klei nstadt Pr ipjat. Wi r berichteten

am Sonnabend. (K inos am Raschplatz).

„Fra nc es co un d d er Pa ps t“, Regie: Ci ro Cappel la ri. Ei n Chorknabe da rf fü r den Heiligen Vate r si ngen. Doku mentation. (C inema xx Ni kolaist raße)

„F ou r L io ns“, Regie: Ch ris Morr is, mit Riz

Ah me d, Ar sher Al i, Nigel Li nd say. Auch

über Terror isten da rf gelacht we rden:

Bitterböse Satire über vier br itische Gotteskrieger. Wir berichteten gester n. (K inos am Raschplatz)

„N ew Kids Tu rb o“, Regie: Stef fen Haars,

Fl ip Va n der Ku il, mit: Fl ip Va n der Ku il, Stef fen Haars, We sley va n Gaalen. Blö- delkomöd ie au s den Niederla nden. (Ci ne-

ma xx Ni kolaist raße, Ci neStar)

Niederla nden. (Ci ne- ma xx Ni kolaist raße, Ci neStar) Noch ist die Stimmung der

Noch ist die Stimmung der Wochenendau sflügler bestens–aber das wird sich bald ändern.

Fugu

Gruppenbild mit Erzieherin

Einblicke in den Iran: Das Drama „Elly“ von Regisseur Asghar Farhadi

Von s te fan s to sch

J unge Leute au f dem Weg an s Me er,

au sgelassen, ei n bisschen albern. Sie

stecken die Köpfe du rchs geöf fnete

Autofenste r, si ngen, sch reien, witzel n. Das ga nze La nd scheint an diesem son- nigen Tag au f den Beinen und gut ge- launt zu sein. Beinahe jede s Fleckchen Gr ün am St raßenrand wi rd von pick- nickenden Men schen okk upiert. Zelte, Lu xu sl imou si nen, qual mende Gri ll feuer ziehen an den Autofa hrer n vor über. Au f- fä ll ig nu r, dass die Frauen Kopf tücher tragen, au fgehübscht mit schicken Base- ba ll kappen da rüber. Diese Wochenendpar tie findet im Iran st at t, in jene m La nd, das wi r sonst mit Hasspred iger n in Reg ieru ngsä mter n, mit Atombombenplänen, Unte rd rü- ck ung und Folter ve rbinden. De r iran i- sche Regisseu r Asghar Farhad i zeichnet im Ki nodrama „El ly“ ei n anderes Bi ld. Er zeig t un s ei ne de r Mode rne zugewa nd- te Mittelsch icht, Großst ädte r, die Spaß haben wollen wie überal l sonst auch.

Al le s scheint au f ei n paar lu stige Tage hi nauszu laufen zu Begi nn der La ndpa r- tie an s Kaspische Me er. Da nn wech selt die Tonlage dieser ve rmei nt lichen Ur- laubskomöd ie. Die Reisegesellschaf t um ih re Sprach- fü hrer in Sepideh (G ol sh if teh Fa ra ha ni) tr iff t am Zielor t ei n und mu ss in ei ner baufälligen Vi lla unte rkomme n, weil in der gebuchten schon andere Gäste einge- zogen si nd. Aber was soll’s: So leicht las- sen sich die drei Paare mit ih ren Ki ndern die gute Laune nicht verderben. Ohne die anderen ei nz uwei hen, hat Sepideh auch noch El ly (Taraneh Al idou sti) eingela- den, die Er zieher in ei nes der Ki nder. Mit dabei ist auch Ah mad (Shahab Hossei ni), dessen Ehe in Deutschla nd vor Ku rzem in die Br üche gega ngen ist. Ah mad und El ly sollen, aber davon hat zu mi ndest die ju nge Frau keine Ah nu ng, verk uppelt werden. Viel wi rd hi nter dem Rücken der beiden gewitzelt und getu schelt. El ly ist das unangenehm. Sie spielt lie- ber mit den Ki nder n am St ra nd, lässt Drachen in den blauen Hi mmel steigen.

Wenig später treibt der klei ne Sohn ei nes der Paare bew usst los im Wasser und ka nn gerade noch gerettet werden. Hat El ly et wa nicht au fgepasst? Und wo steckt sie überhaupt? Ist sie heimlich ab- gereist oder womögl ich selbst er tr un- ken? El ly bleibt bis au f Weiteres ve r- schw unden – oh ne Spuren im Sa nd. Farhad i hat mit dem Ehed ra ma „Na- der und Si mi n, ei ne Tren nu ng“ in die- sem Febr ua r den Goldenen Bä ren in Ber- lin gewonnen (K inosta rt: Mitte Ju li).

den laut, die Urlauber verschan zen sich hi nter Rollen kl ischees von Ma nn und Frau, wie ma n sie von diesen ju ngen Ira- nern nicht er wa rtet hätte. Und da nn taucht zu al lem Über flu ss auch noch El- lys Ve rlobte r au f, von dem die anderen nicht ei nmal wu ssten, dass es ih n gibt. Sie ka nnten ja auch nicht El lys Nach- na men, al s die Pol izei danach frag te. Die Wochenendaus flügler wagen es nicht, dem Ve rlobten die Wa hrheit zu sa- gen. Sie wollen El lys guten Ruf retten – der tatsächl ich ja nie gefä hrdet wa r. Im- me r mehr ve rstr icken sie sich in Lügen und St reit. Die eben noch so demonstra- tiv her vorgekehr te (Welt-)Offen heit kommt ih nen abha nden. Zu rück bleiben ei nige ju nge I ra ner, zerr issen zw ischen Trad ition und Mode rne. Gut mögl ich, dass es ih nen genauso ergeht wie ih rem La nd.

„El

ly“ entsta nd zuvor und zeig t schon

die

besondere Note des Regisseu rs. Fa r-

hadi er zä hlt keine hi ntergr ündigen Pa- rabeln wie sein La nd sman n Abbas Kia-

rosta mi, er provozier t auch nicht, wie es der Exi li ra ner Rafi Pitts mit sei nem Rachefi lm „Zeit des Zorn s“ (2010) getan hat. De r 1972 geborene Regisseu r Farha-

di

präsentier t v ielsch ichtige, packende

Geschichten au s dem In nenleben der ira- nischen G esellschaf t. Die Angst um El ly wächst, der Zu sa m- menhalt der St ra ndgemein scha ft schw indet. Gegenseitige Vorw ür fe wer-

Ei nb li cke in die

ir an is ch e G es el ls cha ft:

Pa ckend es Dr ama.

Kü ns tl er

ha us.

   

Bi lderg al erien zu de n Fil me n auf

    Bi lderg al erien zu de n Fil me n auf Wolf ohne Häubchen

Wolf ohne Häubchen

Sehr frei nach den Grimms:

„Red Riding Hood“

Von e rn st c or in th

„Rotkäppchen“ – die deutsche Über set-

zu ng von „Red Ridi ng Hood“ – hätte wohl

doch zu viele Te enager von ei nem Besuch im Ki no abgeschreckt. So bl ieb es beim schicken engl ischen Or ig inaltitel fü r ei- nen Fi lm sehr frei nach dem Mä rchen der Brüde r Grimm. Al le rd ings frag t auch hier das Mädchen mit dem roten Um ha ng seine Großmutter:

„War um has t du so gr oß e Zä hne? “ Do ch ist die Oma keineswegs ei n schlecht ge- ta rnte r Wolf im Schla frock und mit Häub- chen, sonder n bloß ei n Albt raum. Der

Wolf ist tatsächl ich ei n We rwol f, der wie das Or ig inal au s dem Mä rchen am Sch lu ss mit schweren Stei nen im Bauch im See

ve rsen kt wi rd. Das Rotkäppchen hat hier

im Unte rsch ied zu r Vorlage ei nen Na men.

Es heißt Va le rie und ist ei ne ju nge Frau, kein Mädchen. Gedreht hat „Red Ridi ng Hood“ die

Te en ie -Ver steher in und „T wi light“-Re-

gisseu ri n Cather ine Ha rdwicke mit pro-

mi nenten Schau spiele rn wie Ga ry Old-

n, Ju lie Ch ristie, Vi rg in ia Madsen und Amanda Seyfried in der Titel rolle. Die

ma

Äh

nl ichkeit zu der Va mpir saga ist kaum

zu

über sehen. Auch hier steht ei n myste-

riöses We sen im M ittelpu nk t, der besag te

We rwol f. Und ei ne ju nge Frau mu ss sich

ba ld schon zw ischen zwei ju ngen Mä n-

nern entscheiden – dem von ih r geliebten, aber ar men Pete r (Shi loh Fe rnandez) und dem reichen, aber im me rh in sy mpat hi-

schen Henr y (M ax Iron s). Se xuel le s Ve r- la ngen wi rd nu r keusch angedeutet. Die ei nz ige kurze Se xszene wi rd abrupt be- endet. Die Ge schichte spielt in ei nem du nklen

ve rw un schenen M ärchenwa ld zu ei ner Zeit, die wohl an das Mittelalte r er in nern soll. Nach la ngen Ja hren der Ru he und des Fr iedens in dieser Gegend schläg t der

We rwol f zu und tötet Va le ries Schwes-

ter n. Das ist ei n Fa ll fü r den fa natischen

Wolfjäger Solomon (Old ma n), der wie ein Großi nqu isitor au ft ritt und den Leuten im Dorf rasch klar macht, dass jede r das

mörderische Tier sein ka nn, dass al so je-

de r verdächtig ist. Auch Va le rie hat ei nen

Ve rdacht – und vor al lem hat sie offenbar

ei ne sonderba re Beziehung zu m We r- wolf.

So verwandelt sich dieses an fä ng lich

an

sehnl iche Ki nomä rchen i mmer mehr

in

ei nen klassischen, aber ziem lich ober-

fläch lich er zä hlten Kr im i, der le digl ich der Frage nachgeht: We r ist der Täte r? Ein psychologisch auf regendes Spiel ent- wickelt sich da raus nicht. Und auch die

Au flösung der Geschichte selbst ist eher

(wol fs-)haa rsträubend al s logisch. Die jugend lichen Ki nogä nger wi rd das al le r- di ngs kaum stören. Die dü rf ten sich so- wieso zuer st fü r die Liebesgeschichte in- teressieren.

Eh er sc hi ck al s sp ann end:

Mä rch en im Te en ie -L oo k. Ci ne ma xx Ra sc hp la tz , C in em axx Ni ko lai st ra ße, Ut op ia , C in eSta r.

Die Gute und das Biest

Porträt eines Verdammten: Der moralfreie Krimi „Brighton Rock“ nach dem Roman von Graham Greene

Von n or bert W eh rs te dt

D üste r glän ze n die Pfl aste rsteine. Un- heildrohend la ng fa llen die Sch at-

ten. Tief in de r Stir n sitzen die Hüte der Mä nner in de n grauen Mä ntel n. Ei ner flieht. De r Fl ie he nde stirbt an ei nem Me sser stich. Ba nden krieg in Br ig hton. Bi lder wie au s ei ne m Fi lm noir de r Vier- zige r. Bi lder wie ei n Ve rsprechen. Das Ve r- spre chen wi rd eingeha lten. Dem Br iten Rowa n Joffe ist mehr al s 60 Ja hre nach John Boulti ngs Gra ha m- Greene -Adapti- on von „Brighton Rock“ (deutsch: Am Abgr und des Lebens) ei ne fasz in ierende Neuver fil mu ng gelu ngen. Gangste rk ino, wie es schon la nge nicht mehr zu sehen wa r. Dieser Fi lm ist ei ne stilistische Ve r- beug ung vor den ex pressiven br itischen Ga ngsterdramen der späten vierziger

und fr ühen fü nf ziger Ja hre. Doch „Brighton Rock“ 2011 taucht nicht wie- der ei n in den Au fbruch der Nach krieg s-

zeit, sonder n in die fiebr igen Beat- Ja hre, in denen Mods au f Moped s und

Rocker au f Motorräde rn in den Badeor ten blutige Schlachten gegeneinander austr ugen. Pin kie Brow n (Sam Ri ley), der Junggangste r, der noch über den er sten Toten er schrick t, wi ll in seiner Ba nde au fsteigen. Pin kie tötet jene n Ma nn, der den Mitg lied seiner Ba nde töte- te. Das erle digt er unte r der Se e- br ücke mit h it ziger Bruta lität. Du mmer weise wu rde er kurz zuvor zu fä ll ig mit seinem Opfer fotografier t – neben der ver- schüchte rten Kellner in Rose. So sucht der Ma nn mit der Me s-

sernarbe im Ge sicht dieses Foto. Er macht sich an die na ive Rose hera n, umga rnt sie, ist char ma nt und drohend – und er weckt das Misstrauen ih rer kü hlen Chefi n Ira.

Rose je doch ist bl ind vor Liebe. Sie sieht nicht das lauernde Raubtier in Pin kie, der Rose soga r heiratet, da mit sie nicht gegen ih n au ssagen ka nn. Ei ne at mosphä risch dichte Die-

Gute -u nd-das-Biest-Va riation ist dabei herau sgekomme n, befreit von al l den rel ig iös unte rf ütte r- ten Mora llektionen Graham Greenes. Rowa n Joffes „Brighton Rock“ ist ha nd fe stes Kr im ik ino. Das Port rät ei nes Ve rdam mten, der sei nem Sch icksal nicht ent- kommen ka nn. Die Stud ie ei nes in nerl ich Zer rissenen, der Wut im Bauch hat, keine Liebe kennt – und au f ei n Mädchen tr iff t, das un schu ld ig ih re Liebe lebt. Das hat Joffe mit vibrierender Ei nd ri ng lich keit in wu nderbar zeitechten Ku lissen gedreht. Das

ng lich keit in wu nderbar zeitechten Ku lissen gedreht. Das Im mer bereit zu m

Im mer bereit zu m Töten: Pinkie Brow n (Sam Riley).

Kinowelt

Café, die Zi mmer, die Se ebrücke, die Hi n-

te rstraßen, der St ra nd – al le s at met un-

ru higen Geist und rebell ische Kraf t. Ge-

rade in der zent ra len Mord szene zeigt sich das Andere, Neue. Wä hrend Pin kie 1947 unbeweg t in der Geisterba hn tötet, la ndet er nu n mit ex- plodierender, patholog ischer Wucht in ei- nem anderen Leben. Das spielt Sa m Ri ley

(der auch Joy-Division- Sä nger Ia n Cu rtis in „Control“ spielte) mit ei ner Kraf t, die an den ju ngen Robert De Ni ro, und mit ei ner Besessen heit, die an Alai n Delon

er in nert. „Brighton Rock“ ist ei n gelu n-

gener Ver such, den Ga ngster fil m aus der Trad ition herau s zu e rneuer n.

De r M ör de r u nd di e S er vi erer in:

Pa ckender Gan gs te rfi lm im st il ec ht en Ge wa nd de r V ie rzig er. Kino s am R as ch pl atz.

42. Fort setz ung

Sch ließlich du rf te Tsch ick rein zum Arzt. Ei ne Mi nute später kam er wieder raus, und wi r mussten rauf zu m Röntgen. Ich wu rde im mer müder. Irgendwan n dös- te ich au f dem Gang ei n, und als ich wieder au fwachte, stand Tsch ick mit zwei Kr ü- cken und ei nem Gips vor mi r. Ei n richtiger Gips, nicht bloß so ei ne Plasti ksch iene. Ei ne Kran kenschwester dr ückte ih m ein paar Sch merztabletten in die Hand und meinte, dass wi r noch dableiben müssten, weil der Arzt sich den Fuß auch noch anse- hen wollte. Und ich frag te mich, wer denn den Verband gemacht hatte, wenn nicht der Arzt. Der Hausmeister? Die Kran ken- schwester zeig te uns ei n freies Zi mmer, in das wi r uns setzen konnten. In dem Zi m- mer standen zwei fr ischbezogene Betten. Es war jetzt keine sehr glückl iche Stim- mu ng mehr. Die Reise war zu Ende, auch wenn das au ßer uns noch keiner wusste, und wi r fü hlten uns ziem lich erbärm lich. Ich hatte überhaupt keine Lust, mit der Bahn irgendwoh in zu fahren. Tsch icks Sch merzmittel fingen erst langsam an zu wi rken. Er legte sich stöh nend in ei n Bett, und ich gi ng zu m Fenster und guckte raus. Es war noch du nkel drau ßen, aber als ich die Nase au f die Scheibe dr ückte und die Hände rechts und lin ks ans Gesicht hielt, sah ich doch schon den Morgen dämmer n. Sah den Morgen dämmer n und – Ich sagte Tschick, er sollte das Licht aus-

machen. Er benutzte die Krücke als Fernbe- dienung. Gleich wurde die Landschaft deut- licher. Ich sah eine einsame Telekom-Säule in der Krankenhauseinfahrt. Ich sah einen einsamen Waschbetonkübel. Ich sah einen einsamen Zaun und ein Feld, einen Acker, und irgendwas an diesem Acker kam mir vertraut vor. Es wurde heller, und ich konnte auf der anderen Seite vom Acker drei Autos unterscheiden. Zwei Pkw, ein Kran laster. „Du glaubst nicht, was ich sehe.“ „Was sieh st du de nn?“ „Ich weiß es nicht.“ „Na komm!“ „Guck’s di r an.“ „Einen Schei ß guck ich mi r an“, sagte Tsch ick. Und nach ei ne r We ile: „Was sieh st du denn?“ „Das musst du di r schon selbst anse- hen.“ Er stöh nte. Ich hör te, wie er mit den Kr ü- cken klapperte. Dann presste er sein Ge- sicht neben mi r au f die Scheibe. „Das ist doch nicht wa hr“, sagte er. „Kei ne Ah nu ng“, sagte ich. Wi r star rten über den umgepflüg ten Acker hi naus, den wi r vor wenigen Stun- den noch von der anderen Seite gesehen hatten, mit dem weißen Klotz gegenüber. Jetzt standen wi r in dem weißen Klotz. Die Sprachtherapeuti n war ei ne fü nf Ki lome- ter große Sch leife gefahren. Die Sonne hatte es noch im mer nicht über den Hori zont geschaff t, aber man konnte den schwarzlack ierten Lada schon

Tsch ick

VON WOLFGANG HERRNDORF

gut erkennen, in der Parkbucht neben der Autobahn. Er stand au f den Rädern. Je- mand musste ih n umgedreht haben. Die Koffer raumk lappe war offen. Drei Män- ner liefen um das Auto ru m, standen bei- sammen, liefen wieder ru m. Ei ner in Un i- form, zwei im Blau mann, wenn ich das richtig erkennen konnte. Der Kran wu rde über den Lada geschwen kt, ei ner befestig- te Ketten an den Rädern. Die Un iform schloss den Koffer raum, öffnete ih n wie- der und schloss ih n dann, um zu m Kran- laster zu gehen. Dann gi ngen zwei wieder zu m Lada. Dann gi ng ei ner wieder zum Laster. „Was machen die de nn da?“, fr ag te Tsch ick. „Siehst du das nicht?“ „Das mein ich nicht. Ich meine – was ma- chen die denn da?“ Er hatte recht. Sie liefen im mer hi n und her und machten al les drei mal, und eigent- lich machten sie gar nichts. Viel leicht Spu- rensuche oder so. Wi r schauten uns das noch ei ne Weile an, und dann legte Tsch ick sich wieder stöh nend ins Bett und sagte:

„Weck mich, we nn wa s pa ssie rt.“ Aber es passierte nichts. Ei ner machte sich an den Ketten zu schaffen, ei ner gi ng zu m Kran,

ei ner rauchte. Plötzl ich verschwand das Bi ld, weil im Zi mmer das Licht angi ng. In der Tü r stand schnau fend der Arzt. Er sah völl ig über- müdet aus. In seinem ei nen Nasenloch hi ng ei n rötl ich weißer Wattepfropfen bis fast zu r Oberlippe. Langsam schlurf te er zu Tsch icks Bett. „Ma Bein da hoch“, sagte er. Ei ne Stim- me wie Zweiter Weltkrieg. Tsch ick hielt ih m seinen Gips hi n. Der Arzt rüttelte mit ei ner Hand am Gips, mit der anderen hielt er den Stopfen in seinem Nasenloch fest. Er grapschte ei n Röntgen- bi ld aus dem Umschlag, hielt es gegen das Licht, warf es neben Tsch ick au fs Bett und schlurf te wieder raus. In der Tü r drehte er sich noch mal um. „Quetschung. Haar riss. Vier zehn Tage“, sagte er. Da nn ve rd rehte er plötzlich die Augen. Wie um Gleichge- wicht bemü ht, suchte seine Hü fte Halt am Tü rrah men. Er atmete ei nmal tief du rch und sagte: „Nicht so schl im m. Vierzehn Tage Ru he. Zu Hause Ar zt konsultieren.“ Er sah Tsch ick an, ob der ih n verstanden hätte, und Tsch ick nickte. Der Arzt machte die Tü r hi nter sich zu – und riss sie zwei Sekunden später wieder au f, jetz tve rg le ic hs we ise he llwach. „Wit z!“,

rief er, und sah uns freudig an. Erst Tsch ick, da nn mich. „Was is t de r Unte r- schied zw ischen ei nem Arzt und ei nem Ar- ch itekten oder so?“ Keiner wusste es. Er gab sich selbst die Antwor t: „Der Ar zt begräbt seine Fehler.“ „H ä? “, sagte Tsch ick. De r Ma nn wink te ab. „Wen n ih r ge ht, ich meine, wenn ih r müde seid, im Schwes- tern zi mmer gibt’s Kaffee, könnt ih r euch holen. Mit dem guten Koffei n.“ Er schlos s er neut die Tü r. Aber ich hat- te ke ine Ze it, mich über de n Ma nn zu wu nder n, we il ich sofort wieder an s Fe ns- te r st ür zt e. Tsch ick scha lt et e mit der Kr ücke das Licht au s, und ich krieg te ge- rade noch mit, wie das Pol izeiauto au f die Autoba hn fu hr. De r Absch leppkr an war schon weg. Al le in de r Lada st and noch au f de m Park pl at z. Tsch ick wollte es nicht g lauben. „K ran kaputt oder was?“ „Kei ne Ah nu ng.“ „Dan n jetzt oder nie.“ „Was?“ „Na, was?“ Er rammte die Kr ücke gegen die Scheibe. „Der fä hr t doch nicht mehr“, sagte ich. „Wie so de nn nicht? Und we nn nicht, ist auch egal. Wi r müssen wenigstens unsere Sachen rausholen. Wenn er nicht mehr fähr t –“ „Der fä hr t nicht mehr.“ „Wen n wer nicht me hr fä hr t? “, fr ag te die Kran kenschwester und kn ipste das Licht

wieder an. Sie hatte Tsch icks oder Andrés Kar teikar te in der ei nen und zwei Becher Kaffee in der anderen Hand. „Du heißt André Lang in“, flü ster te ich und rieb mi r die Augen, als sei ich vom Licht geblendet. Tsch ick sagte irgendwas von wegen, dass wi r ja jetzt auch nach Hause kommen müssten – und das war lei- der genau der Gr und, waru m die Kran- kenschwester uns sprechen wollte.

40

Sie meinte, Berl in wäre ja ei n bisschen weit weg und wo wi r denn jetzt hi nmüss- ten. Darauf hi n erklär te ich, dass wi r hier au f Besuch bei unserer Tante wären und al les kein Problem – und das hätte ich bes- ser nicht gesagt. Die Kran kenschwester frag te mich zwar nicht, wo diese Tante wohnte, aber dafü r schleppte sie mich so- fort ins Schwester nzim mer und stel lte mich vor ei n Telefon. Tsch ick verk niff sich den Sch merz, wedelte mit den Kr ücken und rief, wi r könnten eigentlich auch zu Fuß gehen, und die Kran kenschwester sagte: „P robier t’s halt erst mal. Oder wisst ih r die Nu mmer nicht?“

t’s halt erst mal. Oder wisst ih r die Nu mmer nicht?“ Fort setzung folgt „Tschick“

Fort setzung folgt

„Tschick“ von Wolfgang Herrndor f, © Rowohlt Verlag, Erscheinungsjahr 2010

NR. 94 · DONNERSTAG, 21. APRIL 2011

Welt im Spiegel

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

7

G E S A G T IST G E S A G T

Ich bin nicht Par is Hilton . In

me in er He im at stadt spricht

mich ke in Me nsch an , wenn

ich durch di e Straßen gehe.

Nur e in er. Und de r sag t: ,Sie habe n falsch ge parkt.

e in er. Und de r sag t: ,Sie habe n falsch ge parkt. ‘ De

De ut sc hla nd s neu e Te nni sh offnu ng An dr ea Pet kovi c be im Tu rni er in St uttgar t auf di e Fra ge , wi e sie mi t ihr er pl öt zl ichen Pr om in en z um ge he.

D

I E W I S S ENS C H AFT

H

A T F E S T G E S T E L LT

dass Bäume sich genetisch an Radioaktivität anpassen

Bäume können sich an extrem hohe Ra- dioa ktiv ität anpassen. Das fa nden Forst-

wissen scha ft le r der Un iver sität G ötti n- ge n in Zu sa mmena rbeit mit uk ra in ischen Kollegen bei Unte rsuchu ngen von Kie- fe rn in der Umgebu ng des Atom kraftwer- kes Tscher nobyl heraus. Bei Kiefer n ru nd um den vor 25 Ja hren hava rier ten Reak- tor seien genetische Prozesse beobachtet worden, die fü r Pfl an zenzel len ei nen ver- besserten Schut z bew irkten. Bei G enen, denen ei ne Bedeut ung f ür Anpassungen an a llgemeinen St ress und erhöhte St ra hlung zugeordnet wi rd, wu r- de ei ne erhöhte Ak tivität beobachtet. Bei Kiefer n in der Umgebu ng des Reak tors seien zudem erhöhte Mutation sraten nachgewiesen worden. Demnach wüch- sen die Bäume dor t la ngsa me r und zeig- ten viel fä ltige Abweichu ngen vom nor- ma len Wuchs wie beispielsweise Nade l- ve rfärbu ngen oder geänderte Ve rzwei-

gu ngsmuste r.

epd

H E U T E IM R A DIO
H E U T E
IM
R A DIO

DLF, �.�� Uhr „Kalenderblatt“:

Vor ��� Jahren wurde der Mediziner Viktor von Weizsäcker geboren. Der Begründer der psychosomatischen Medizin und der Medizini- schen Anthropologie war der Onkel des späteren Bundespräsidenten (auch DRadio um �.�� Uhr)

DRadio, ��.�� Uhr „Forschung und Gesellschaft“:

Die revolutionäre Kraft des Netzes: Wie politisch sind Facebook, Twitter und Co.?

DLF, ��.�� Uhr „Studiozeit“:

Mit dem Schwerpunkt: Leben in Zukunft Reiche im Zentrum und Arme am Stadtrand?

NDR Info, ��.�� Uhr „Zeitzeichen“:

Am ��. April ���� wurde die Serienmörderin Gesche Gottfried hingerichtet. Der „Engel von Bremen“ vergiftete �� Menschen.

N I C H T O H N E

tz

Regeln beim Eiersuchen

Bei der Suche nach Ostereiern und Scho- kohasen haben ä lte- re Geschw ister of t die Nase vor n. Da mit die Jü ngeren sich nicht benachteiligt fü hlen, stel len El- te rn am besten vorab ei n paar Regeln au f:

„A m besten ist es, al le gefu ndene Sachen werden gesa mmelt und da nn im An schlus s au fgetei lt“, sagt Er ziehungsberate r A nd reas Hu nd sa lz au s Ma nnhei m. De r Automatismu s „Das Ge- fu ndene gehör t mi r“ beschwöre zu leicht Konfl ikte herauf. Elte rn könnten den Äl- teren vor der Ostereiersuche auch zu r Sei- te nehmen und ih n bitten: „Kon zent rier dich au f die schwer zu findenden Sachen und lass die offe nsicht lichen Geschenke liegen“, rät Hu nd sa lz. dpa

nsicht lichen Geschenke liegen“, rät Hu nd sa lz. dpa Die neue Lässigkeit Tiefer gelegt: Swing-

Die neue Lässigkeit

Tiefer gelegt: Swing- Pants und andere weite Hosen sind im Vormarsch

VON J OH AN NA D I B LA SI

M it der Hosenmode ist es wie mit Flüssen. Ständig ändert sich der

Pegelstand. Mal schr umpf t die Hosen- bein länge, als wäre plötzlich Stoffk napp- heit ausgebrochen – und wi r haben Capr i- oder Hochwasser mode. Dann wieder schießen die Hosenbeine großzügig über den Knöchel hi naus und müssen gekrem- pelt oder geraff t werden – oder beides ist gleich zeitig en vogue, wie gerade jetzt. Dasselbe passiert mit dem Bu nd. Gera- de hatten wi r uns an Low Waist (also die nach unten gerutschte Tail le) gewöhnt, samt dem Umstand vor witzig hervorblit- zender Unterwäsche, da ist High Waist der letzte Sch rei. Doch es kommt au f das Modell an.Manche der aktuel l mod ischen Hosen mit High-Waist-Sch nitt werden au f halber Hü fte getragen – also wie Low Waist, aber mit du rchhängendem Sch ritt. Wenn man solche Bein kleider im Laden anprobiert, machen einen Verkäu feri n- nen dezent darauf au fmerksam, dass die Hose „lässig“ getragen werde. Lässig heißt: Deutlich nach unten gerutscht. Sch male Lederg ür tel verh indern, dass man die um die Hü ften plud rigen Sw ing- Pants verlier t. Lässig ist g ut gesagt. Tatsäch lich schwankt diese tiefer gelegte Hosenmode, die einst der Rapper MC Hammer zu Be- ginn der neun ziger Jahre bekannt mach- te, zw ischen extrem bescheuert und total lässig. Die Assoziation „volle Hose“ oder auch elefantös drängt sich au f. Aber man kann sich in den Bein kleidern merk wü r- digerweise tatsächlich cool vorkommen, vorausgesetzt man betrachtet sich aus ei- ner gü nstigen Perspektive im Spiegel (besser von vor n als von der Seite). Ein Vorteil der neueste Hosenmutation: Sie kasch iert Bäuchlein und breite Hü ften, al lerd ings sorg t sie fü r eine optische Kü r- zu ng der Beine. Stilistisch handelt es sich um extravagante Mischfor men: zw ischen Bu nd falten hose, Reithose und or ientali- sierender Haremshose, auch als Pump- oder Sarouelhose bekannt, und Karot- ten hose. An den Beinen si nd die Trendho- sen relativ eng. Neben der Bezeichnung Sw ing-Pants findet man fü r die bequeme Hosenform auch die Bezeichnung Ch ino-Hose, wobei bei Letzterer eher der Stoff angesprochen ist, der zu meist sand-, beige- oder khak i- farbene Ch ino-Tweed. Neben tiefer ge- legten Hosen bestim men sogenannte Play- oder Ju mpsu its die aktuel le Da- menmodeg rammatik. Es handelt sich um eine Ar t Strampelan zug fü r Erwachsene aus weichem, fließenden Stoffen. Kombi- nier t werden die Trendhosen und Hosen- an züge mit hoch hack igen Schuhen oder mit abenteuerlichen Variationen der gu- ten alten Römersandale. Die einstige Mi- litärlatsche ist im mer mal wieder aktuell gewesen, aber noch nie hat sie derartige Blüten getr ieben. Es gibt sie seit vor igen Sommer mit untersch iedlichsten Riem- chen formen und verziert mit Nieten,

iedlichsten Riem- chen formen und verziert mit Nieten, Bequem im Schritt: Sommerhose mit viel Stof f
iedlichsten Riem- chen formen und verziert mit Nieten, Bequem im Schritt: Sommerhose mit viel Stof f
iedlichsten Riem- chen formen und verziert mit Nieten, Bequem im Schritt: Sommerhose mit viel Stof f

Bequem im Schritt: Sommerhose mit viel Stof f rund um die Hü ften , Pops ängerin Rihanna mit einer braven Variante der sogenannten Haremsho-

se und elefantös anmutende „Swing- Pant s“.

adi/dpa/Archiv

Fransen, Blümchen oder Glitzerelemen- ten. Und es gibt darüber hi naus die höchst ex zentrische Sonder form der Sandal Boots, das ist eine Mischfor m aus Stiefel oder Stiefelette und Sandale. Diese

Schuhfor m ist an der Ferse geschlossen und bei den Zehen lu ftig – wie Schuhwerk fü r eine Zauber welt, in der es hi nterm Rücken frostig und vor n Sommer ist. Pump-Pluder- Ch inohose und Sanda l-

Fran sen-Boots: Mu ss das wi rk lich sein? „Mode“, sag te der a me ri ka nische Sch ri ftstel le r A mbrose Bierce (1842 – 1914) so schön, „ist ei n De spot, dem die Weisen lächel nd ge horchen.“

Der Promil le-Schnüff ler erteilt die Fahrerlaubnis

Verkehrsminister Ramsauer will Alkoholsünder mit dem freiwilligen Einsatz von Wegfahrsperren stoppen

VON R EI NH ARD U RS CH EL

D er Ei nfal lsreichtum des Bu ndesver- kehrsm in ister iu ms richtet sich d ie-

ser Tage au ffällig stark au f die Autofah- rer. Kaum ist der Schock über wu nden, dass auch fü r Autos kü nf tig Autobahn- maut erhoben werden könnte – was nach- dr ücklich dementiert wi rd –, si nd am Mittwoch Pläne aus dem Hause Rams- auer bekannt geworden, dass kü nf tig je- der Autolenker vor dem Star ten seines Fahrzeugs einen Prom il letest absolv ieren müsse. Solche Forder ungen kommen aus den Reg ieru ngsf raktionen, das Minister i- um pr üf t schon. Man sei au fgesch lossen fü r den Ei nsatz elektron ischer Wegfahrsperren, sag te eine Sprecher in von Verkeh rsminister Peter Ramsauer (CSU), aber selbstver- ständlich nu r au f freiwi lliger Gr undlage. Ei ne verpflichtende Ei nfüh ru ng von Al- kolocks, so heißen die Geräte, sieht das Minister iu m als problematisch an, weil damit alle Verkeh rsteil nehmer unter Ge- neralverdacht gestel lt wü rden. Außerdem stünden finan ziel le Gesichtspu nkte für Ei nbau, Wartung und Eichung der Geräte dagegen. In Neuwagen kosten die Prom il- le-Sch nü ff ler, fü r die ein deutscher Her- stel ler Marktf üh rer ist, um die 1000 Eu ro. Ei ne Nach rüstung kostet ru nd 400 Eu ro mehr.

1000 Eu ro. Ei ne Nach rüstung kostet ru nd 400 Eu ro mehr. Er st

Er st pu sten , dann star ten: „A lkolock s“ sollen Trunkenheit sfahr ten verhindern. dpa

Al kolocks messen den Atemal koholge- halt des Fahrers und unterbrechen im Zweifelsfall die Motorzündu ng, um das Losfahren zu verh indern. Die kleinen Ge- räte müssen in der Autowerkstatt mit der Zü ndung des Wagens verbunden werden – dann si nd sie bei jedem Star t aktiv. Der Fahrer wi rd au fgefordert, in das Mu nd-

stück zu pusten. Wi rd kein Al kohol in der Atem lu ft gemessen, spri ng t der Motor an. Andern falls wi rd die Zü ndung fü r eine Weile blockier t. Al lerd ings sollten die Fahrer vor dem Pusten weder tr in ken noch tssen, weil das die Werte verfälschen kann. Auch Mu nd- sprays oder al kohol haltige Medi zin si nd nicht zu empfeh len. Wie empfi nd lich ein Testgerät reag iert, kann eingestel lt wer- den. Die Herstel ler empfeh len, den Star t- wert nicht au f 0,0 Prom il le eichen zu las- sen, weil dies il lusorisch sei. Die Geräte eignen sich au f keinen Fall fü r eine generel le Über pr üfu ng der Fahr- tüchtigkeit. Gemessen wi rd nu r der Al ko- holgehalt im Atem, nicht etwa auch Dro- genkonsu m. Das Gerät zeig t auch nicht an, wie viel Al kohol der Fahrer im Blut hat. So kann sich niemand mith ilfe seiner Autozü ndung an die zu lässige Prom il le- gren ze herantri nken. Das Minister iu m hat zu nächst Auto- fahrer im Blick, die schon einmal wegen einer Al koholfahr t au fgefal len si nd und den Fü hrerschein abgeben mussten. Sie könnten ih rer Fahrerlaubnis fr üher wie- derbekommen, wenn sie ein solches Gerät freiwi llig in ih ren Wagen einbauen las- sen. Experten der Tech nischen Über wa- chungs-Vereine (T ÜV ) warnen al lerd ings davor, tr unkgefährdete Fahrer al lein mit einem Gerät wieder in den Verkeh r zu

entlassen. Der Ei nsatz der Geräte müsse verkeh rspsychologisch begleitet werden, forder n sie. Auch die Deutsche Pol izeigewerk- schaft (DPolG) hä lt die Ei nfüh ru ng in bestim mten Fa hr zeugen fü r si nnvoll. Da mit könne die Verkeh rssicherheit er- höht werden, weil Al kohol am Steuer eben tatsächl ich ei ne der Hauptu rsachen fü r Un fä lle im Straßenverkehr da rstel le, erklär te der er ste Vi zevor sitzende der Gewerk schaft, Herman n Benker, in Ber- lin. Die Al kolocks sollten dor t Pfl icht werden, wo es gelte, herausragende Ge- fa hren zu neutra lisieren. Dies gelte für Ki nder in Schulbu ssen oder bei Gefa hr- guttra nsporter n. In den USA, Kanada und Australien ist der Ei nbau in bestim mten Fahrzeugen in einigen Regionen vorgeschrieben. Auch in Schweden, Finn land und den Nieder- landen boomt der Markt. In Schweden darf ein Arbeitgeber von seinen Mitarbei- tern die Nutzung der Sper re einfordern, erklär t ein Sprecher des Autoherstel lers Volvo. Der Staat verlange die Nutzung von seinen Bü rger n aber nicht. Dennoch si nd nach Ei nschätzu ng des deutschen Herstel lers dor t 60 000 Al kolocks al ler Fabr ikate unterwegs. Volvo rü stet seine Neuwagen in Deutschla nd au f Wu nsch ab We rk fü r ru nd 1000 Eu ro mit dem „A lcog ua rd“ aus.

iPhone 5 kom mt angebl ich im Septem ber

Han nover (f rs). Apples Ma rketingstra- tegen gelten al s Meister ih res Faches:

Wi rd ei n neues Produk t entw ickelt, schweigen sie sich monatelang au s, füt- te rn Me dien und Blog ger höchsten s häpp- chenweise – und sorgen da nn beim Ve r- kaufssta rt fü r ei nen regelrechten Wett- lauf der Käufer. Auch bei der fü nf ten Ge- neration von Apples Smar tphone wi rd nach diesem bewäh rten Pr in zip verfah- ren. Am Mitt woch ließen In sider über die Nach richtenagent ur Reuter s verlauten, dass das iPhone 5 im Sommer in die Pro- du ktion gehen und ab September au f den Ma rkt kommen soll. Passend da zu tauch- te gester n ei n Video im Netz au f, das an- geblich ein entsprechendes Testexemplar zeigt. Seit Monaten wi rd im Internet heiß über das neue Apple-Gerät disk utiert. Fast im Wochen rhythmus tauchen neue, vermei ntlich abgesicher te Detai ls zu dem Smar tphone au f. Glaubt ma n dem Be- richt, bleibt zu mi ndest in Sachen Optik al les beim Alten. So sollen die Apple-Ent- wick ler weiter au f ei n Glasgehäuse set- zen, die Rück kehr zu m abgeru ndeten De- sig n wu rde vertagt. Wä hrend Apple bei der Ha rdwa re den großen Wu rf offenbar au f die sechste Generation versch iebt, ha- ben die Entw ickler beim In nenleben Ha nd angelegt. Demnach soll das iPhone 5 schnel ler sein als das Vorgängermodel l. Detai ls si nd noch nicht beka nnt, Exper- ten gehen aber davon au s, dass Apple sei- nen beim iPad2 eingeset zten neuen Pro- zessor ei nbauen wi rd. Zudem könnte das iPhone 5 mit dem neuen Betr iebssystem iOS 5 au f den Ma rkt kommen. Aber da zu, da bleiben sich die Ma rketingstrategen treu, wi rd vorer st weiter geschwiegen.

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Hacker legen Esa-Server la hm

Pa ris (dpa). Die Eu ropä ische Welt raum- orga nisation Esa ist Opfe r ei nes Hacker- angri ffs geworden. Ei n Unbeka nnter habe sich er folg reich Zugri ff au f mehrere Server ve rschaf ft, ber ichtete der br iti- sche Fachdien st „T he Register“ au f seiner Inte rnetseite. Al s Beweis habe der An- grei fe r an schl ie ßend Passwörter fü r Da- tenba nken und andere sensible Daten ins Netz gestel lt. Die Esa wa r bisher nicht für ei ne Stel lu ng na hmen zu er reichen. Nach Angaben von „T he Register“ hat sie die At tacke jedoch best ätigt. „Unsere H auptinte rnetseite war nicht betroffe n, und es gab keinerlei Au sw ir- ku ngen au f un se r inte rnes Netz werk“, zi- tier te der Fachdien st ei nen Sprecher. Es seien led ig lich öffe nt liche F TP-Ser ve r Server gehack t worden, über die bei- spielsweise Satel litendaten über die Di- cke der arktischen Eisdecke au sgetau scht werden. Um ei nen Missbrauch der ge- stoh lenen Infor mationen zu verh indern, hat die Esa-Zentrale in Pa ris nach Anga- be n von „T he Register“ al le FT P- Se rver vor übergehend of fl ine gestel lt und al le Passwörter zu rückgesetz t. Die Hi nter- gr ünde des Angri ffs si nd noch unbe- ka nnt. De r Täte r nennt sich im Inte rnet „T inKode“. In der Ve rgangenheit habe er bereit s die Webseite der Roya l Navy – der br itischen Ma ri ne – attack iert.

©SeHer

U M D I E E C K E G E DA CHT

Waagerecht 1 Freundliche Umschreibung für un- endliches Schwallen 11 Müssen Leu- te mit gewissen Mützen gelegent-

lich tun, genau wie jene mit Baretts

12 Welche s Boot is t als er stes voll?

13 Hät te guten Grund, bei Flugzeu-

gen im Bauch über Lärmbelästigung zu klagen 15 Steht quasi für das jün- gere Vermächtnis 16 Hängt – augen- blicklich – gern am Faultier, um sich einen asiatischen Touch zu geben 17 Spielt eine mediale Hauptrolle, geht es um die höchste Eisenbahn 18 Ei- genschaft , die Halm und Mahl um- stellungshalber gemein haben 20 Die brauchen Sie, außer Kleingeld, noch, um bei Uncle Sam ein Bierchen zu trinken (Abk.) 21 Sollte nur bei

Vergleichen von Gleichwertigem he- rangezogen werden 22 Allmor- gendlich auftretende Bitte der Fri- seurkundin, die einen Feuerkopf möchte 23 Etliche Euro gibt es für

manche Marken, das für Marken

oder Münzen 25 Hört! Hör t! Dem

englischen Adligen is t der Schwanz

abhanden gekommen,

jenen Re st hat dieser in zweifacher Au sführung 29 Kennt man vom Druck, der keines Papieres bedarf (Abk.) 31 Was man über nie sollte und unter nicht kann 33 Der natürli- che Freeclimber fällt einem beim Be- feuchten ins Auge 34 Leidenschaftli- cher solcher steht (!) meis t nicht auf eigenen Füßen 35 Läss t sich prima beschreiben–täglich (engl.)

und

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Senkrecht 1 Er frischt kühl von innen und feucht von außen 2 Von zwei Strömen mit eigenem Land der südliche 3 Kommt heraus , wenn man sich zum wieder- holten Mal ein Bild macht (Kurz- form) 4 Manch Single tät’ gar vieles

5

Was hatte Jek yll Hyde voraus? 6 Scheindemokratischer Ehemaliger Despotenverein 7 Um ein solches kümmer t sich wahrhaf tiger Pet Shop Boy 8 Hat viele sprichwörtliche Nach- fahren (wie Zeit und Traurigkeit) und Vorgänger (wie z. B. Wunder) 9 Was für die einen Krickelkrakel is t, mag anderen schon recht konkret er scheinen 10 So legt sich an duns ti- gen Tagen der Blick au s dem Fens ter

geben, könnt ’ springen er ins

analog aufs Gemüt 12 Wo persona non grata willkommen is t 14 Hängt dem Spieler an, der nicht anders kann 16 Wann sind Uner sättliche satt? 19 Bedachtes Gegenteil 24 Schaufelt man hinein, is t das 8 senkr. klein 26 Derer gibt’s eine (und doch viele) in Brüssel 28 Was wird in Hol- ly wood regelmäßig großge schrie- ben? 30 Ob die richtige Ergänzung der Börsenregel „Sell in may and go away“ wohl „ in July!“ lautet? 31 Der Schweigeaufruf is t im Rück spie- gel zu sehen, fähr t hinter Ihnen ein Trauns teiner 32 Wer bekommt die meis ten Anrufe?

Die Auflösung finden Sie in der morgigen Ausgabe.

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8 HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Welt im Spiegel

DONNERSTAG, 21. APRIL 2011 · NR. 94

Anklage fordert Videobeweis im Jackson-Prozess

Los Angeles (afp). Knapp drei Wochen vor Beginn des Prozesses gegen den Leib- arzt von Michael Jackson am 9. Mai hat die Staatsanwaltschaft die Verwendung von Filmaufnah men vor Gericht beantragt. Die Filme widerleg ten die Theorie der Verteidi- gung, wonach der 50-Jäh rige Selbstmord begangen haben könnte, erklär ten die An- kläger am Dienstag (Ortszeit) in Los Ange- les. Die Videos, die wenige Tage vor seinem Tod am 25. Juni 2009 aufgenommen wur- den, zeig ten Jackson singend und tanzend bei Proben für seine anstehende „This is it“-Tour und verdeutlichten, dass Jackson „jeden Gr und hatte, leben zu wollen“, er- klär ten die Staatsanwälte. Die Aufnah men widersprächen der Theorie der Verteidi- gung, wonach Jackson sich wenige Stunden nach Entstehen des letzten Films das Le- ben genommen habe. Jackson sei vielmehr „aktiv und voller Energie“ gewesen. Zusätzlich will die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Jacksons Arzt Conrad Murray Fotos von der Autopsie zeigen, um zu belegen, dass der Popstar zum Zeitpunkt seines Todes bei „bester Gesund heit“ war. Er sei zwar dünn gewesen, sein Gewicht habe aber „im nor malen Rahmen“ gelegen, erklär ten die Ankläger. Die Verteidigung lehnt sowohl die Zulassung der Videos als auch der Fotos ab. Die Bilder könnten die Geschworenen von vor nherein gegen Jack- sons Arzt einneh men, hieß es. Die Staatsanwaltschaft wirft Murray vor, seinem Patienten das starke Narkose- mittel Propofol gegeben und dann den Raum verlassen zu haben. Murray bestrei- tet besteht darauf, dass die Injektion auf Wunsch des Musikers geschehen sei und die Medikamenten menge nicht zum Tod hätte führen können. Die Verteidigung ar- gumentiert, Jackson habe womöglich selbst eine Extradosis Propofol genommen, nach- dem Murray den Raum verlassen hatte. Als mögliches Selbstmordmotiv sehen die An- wälte die Schuldenlast des Popstars.

sehen die An- wälte die Schuldenlast des Popstars. Bilder eines Lebens: Eliz abeth II. als achtjähriges
sehen die An- wälte die Schuldenlast des Popstars. Bilder eines Lebens: Eliz abeth II. als achtjähriges

Bilder eines Lebens: Eliz abeth II. als achtjähriges Mädchen (von link s), in einem unbekannten Jahr lässig am Strand und vor vier Jahren höchst vergnügt beim Pferderennen.

und vor vier Jahren höchst vergnügt beim Pferderennen. dpa/afp (2) B o u l e v

dpa/afp (2)

B o u l e v ard

Schreck im Präsidentenjet

Michelle Obama (47),

US -Präsidentengat-

tin, hat eine unge- mütliche Rückkehr nach Washington er- lebt. Die Boeing 737 mit der First Lady an Bord musste ih- ren Landeanflug auf den A rmeestütz-

punkt A nd rews nahe Washington abbrechen, weil ein Mili-

tä rt ra ns port er im Weg wa r, wie die „Wa- shington Post“ und der Fernsehsender ABC am Dienstag unter Berufung auf die zivile Luftfahr tbehörde FA A berichteten. Beim Landeanflug bemerkten die Fluglotsen in Andrews den Berichten zufolge, dass die Boeing einem Militärtransporter in die Quere kommen könnte, der im Begriff war

zu star ten. Sie wiesen die Präsidentenma-

schine an, eine Extrar unde zu drehen. Der Tower am Ar meestützpunkt machte einen zivilen Fluglotsen in der Region Washing- ton für den Fehler verantwortlich. afp

Hunde als Tr auzeugen

Rudi Assauer (66) hat am Dienstag in Gelsenkirchen zum zweiten Mal gehei-

ratet. Der lang jähri-

ge Manager des FC

Schalke 04 und sei- ne Lebensgefähr tin

Br itta Id rizi (45) lie-

ßen sich standesamt- lich auf Sch loss

Horst trauen, bestätig te seine Assistentin.

Sei ne Frau sei „u nhei ml ich okay“, sagte

Assauer laut „Bild“-Zeitung. Bei der Zere- monie waren nur die Hunde der Braut an- wesend. Assauer hatte vor zwei Jahren mit

einem handgrei flichen Streit mit seiner da- maligen Lebensgefähr tin Simone Thomal-

la Aufsehen er regt. Danach hatte der Ex-

fu ßballmanager der Zeitschrift „Das Neue“ gesagt: „Eine Frau im Haus brauche ich ei- gentlich nicht meh r.“ dpa

Auf Johnny Cashs Spuren

Jeff Bridges (61),

US -Schauspieler,

grei ft jetzt selbst zu

Mi krofon und Gi-

ta rre. Br idges, der

in „Cra zy Hear t“ ei-

nen abgeha lfter ten Countr ysänger ver- körper te, wi ll im

Fr ühsommer ei n ei-

genes A lbum veröf-

fentlichen. Das gab das Platten label Blue Note Records am Dienstag beka nnt. Ei ni-

Songs hat Br idges selbst geschrieben,

ge

aber auch Coverver sionen von Tom Waits si nd zu hören. Unterstütz ung erhä lt

Br idges unter anderem von Rosa nne Cash

(55), der ältesten Tochter von Countr yle- gende Johnny Cash. dpa

der ältesten Tochter von Countr yle- gende Johnny Cash. dpa Eine Hochzeit als Geburtstagsgeschenk Heute wird
der ältesten Tochter von Countr yle- gende Johnny Cash. dpa Eine Hochzeit als Geburtstagsgeschenk Heute wird

Eine Hochzeit als Geburtstagsgeschenk

Heute wird die britische Königin 85 – doch wichtig sind in diesem Jahr allein William und Kate

Von C hr is t i ane e iC km ann

lich keit und ei n fü r den Hochade l na he- zu sparsames Hoch zeitsfest), wi rd das

die Zu stim mu ng zu r Mona rchie fe stigen. Und dies ist der Queen sehr wichtig. Denn zuvor hatte noch jede Braut die Fa mi lie in die Negativschlagzei len ge- bracht: Sa ra h Fe rg uson, He rzog in von York und Ehefrau von Pr in z Andrew, gab sich zügellos beim Es- sen, Ei nkau fen und Fl ir ten.

Sophie Rhys- Jones, Ehefrau von Edwa rd, läster te im Ge- spräch mit ei nem al s Scheich verk leideten Reporter unter anderem über das „a lte Ta ntchen“. Und Cha rles la ng jä hrige Geliebte und jetz ige Ehefrau Ca milla Parker-Bowle s brachte Großbrita nn ien bei na he an

den Rand einer Staatskrise. Das Ja hr 1992, in dem ein Feuer große Teile von Sch loss Wi nd sor zerstörte und die Ehen von Andrew und „Fergie“ sowie Cha rles und Diana zer- brachen, bezeichnete El izabet h II. am Ja hresende al s ih r „A nnus hor ribi lis“. Fü nf Ja hre später, nach dem Tod Pr in- zessin Dianas, sollte es noch schl im mer

kommen. Stat t in London mit Hu nder t-

tausenden öffe nt lich zu trauer n, zog es El izabet h vor, sich mit Ehema nn Pr inz Ph ilip und dem Re st des Wi nd sor- Clans nach Schottland zu rück zu ziehen. Das Volk tobte. Dass sie zu dieser Zeit mehr beschützende Großmutter fü r die zu Ha lbwa isen gewordenen Pr in zen Wil- liam und Ha rr y wa r als Mona rchi n, sicher te ihr

er st später wieder Sympa- th iepu nk te. Nu r zwei Mona rchen in der t au sendjä hrigen G e- schichte der britischen Mo- na rchie sa ßen lä nger auf dem Th ron al s Queen El i- zabeth II. – Königi n Victo- ria und König Georg III. El izabet h mü sste mit 90

Ja hren noch amtieren, um den Rekord ih rer Ur ur- großmutter Victoria zu brechen. Das ist keineswegs au sgesch lossen – auch wenn ei ne jü ngste Um frage ergeben hat, dass die Mehrheit der Br iten mögl ichst ba ld ih ren En kel Wi ll ia m au f dem Th ron se- hen wi ll. Dabei wa r es eher ei nem Zu fa ll ge-

schu ldet, dass die ju nge Pr in zessin El i- zabeth zu r Nu mmer ei ns der Th ronfolge

au fstieg. Ih r On kel Edwa rd VI II., zwar schon König, aber noch nicht gekrönt,

ve rl iebte sich in ei ne ve rheiratete US-

Schau spiele ri n – und mu sste ve rzichten.

De shalb wu rde 1936 El izabet hs Vate r als

Georg VI. zu m König gekrönt. De r Kö- nig mit dem Sprach fehler st arb fr üh –

und plötzl ich wa r El izabet h, seine älte s- te Tochte r, an der Reihe. „Du ar mes

Di ng“, soll Pr in ze ssin Ma rgar et, ih re

Schwester, gesagt haben. Am 2. Ju ni

1953, al s sie gerade ei nmal 27 wa r, setz te der Er zbischof von Ca nterbu ry in der We st mi nste r Abbey der neuen Mona r-

ch in die Königskrone au f den Kopf.

Als „a rmes Di ng“ haben ma nche Kom- mentatoren vorausschauend auch schon Kate Midd leton bezeichnet. Zu tief sitzen die Er in neru ngen da ra n, wie sehr Pr in- zessin Diana unter den Wi ndsors und auch unter i hrer Schwieger mutter gelit- ten hatte. Doch die wi rd ih rem En kel und Kate wohl mehr Frei heiten lassen als sei- nerzeit Cha rles und Diana. Denn von Skanda len hat sie genug. (m it : dp a)

P Wie Hannover mitfeiert

Se it e 16

W äre da nicht jü ngst die ärgerl iche Debatte um Pri nz Andrews Lu xus-

reisen au f Staatskosten und seine Kon- ta kte zu ei nem Pädoph ilen gewesen, es hätte ei n perfektes Ja hr fü r El izabeth II. werden können. Endl ich ei nmal. Denn häufig hat die stets pfl ichtbew usste und skanda lfreie br itische Königi n in den vergangenen Ja hren so ih ren Ku mmer mit der lieben Verwandtschaft gehabt. Das wü rde sie selbst verstä nd lich nie zei- gen. Ha ltung bewah ren, Gefü hle verber- gen – niema nd der noch lebenden Wi nd- sors beherr scht diese Eigenschaf ten so gut wie El izabeth II. Dass sie heute 85 Ja hre alt wi rd, dü rf- te der Queen wohl weniger wichtig sein al s manch anderer r under G ebur tstag zuvor. Denn ei n Großteil der Br iten hat bereits seit Wochen nu r noch Augen und Oh ren fü r die „Hoch zeit de r Ja hres“. Für die Queen könnte diese Hoch zeit zum schönsten Gebu rt st agsgeschen k werden:

Sollten Pr in z Wi ll ia m und Kate sich wei- te rh in dera rt mu stergü ltig verhalten (kei ne großen Pa rt ys zu m Ju ng gesellen- abschied, ar tige Au ft ritte in der Öf fent-

Toter Junge in Keller in Berlin entdeckt

Berlin (dpa). Ein Zwölfjäh riger ist in Ber- lin Opfer eines Verbrechens geworden. Polizisten hatten den toten Schüler in der Nacht zum Mittwoch im Keller eines Wohn- hauses im Bezirk Reinickendor f gefunden, wie die Polizei mitteilte. Eine erste Obduk- tion ergab, dass der Junge durch stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper starb. Der Junge sei erschlagen worden, hieß es in Er- mittlerkreisen. Ein Sexualdelikt wurde ausgesch lossen. Ein zunächst Festgenom- mener wurde wieder auf freien Fuß gesetzt, weil sich der anfängliche Tatverdacht nicht bestätig te. Eine Mordkommission geht von einer „Beziehungstat“ aus. Die Tat habe ei- nen familiären Hintergr und.

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Bergung von Wrack und Leichen beginnt

Brasília (dpa). Fast zwei Jahre nach dem Air-France-Absturz vor der Küste Brasiliens soll nächste Woche die ent- scheidende Berg ungsaktion beginnen. Dabei sollen sowohl Wrackteile als auch Leichen aus einer Tiefe von fast 4000 Me- tern geborgen werden. Das teilte die bra- silianische Flugunfalluntersuchungsbe- hörde Cenipa nach einer Infor mation durch die fran zösische Partnerbehörde BEA mit. Die Aktion soll nächsten Frei- tag beginnen, wenn das fran zösische Berg ungsschiff von Senegal aus in See sticht. Es brauche etwa drei Tage bis zu der Stelle rund 1100 Kilometer von der brasilianischen Stadt Recife entfer nt, wo die Wrackteile geor tet wurden. Der Air- bus A330 war im Juni 2009 auf dem Weg von Rio nach Paris abgestürzt. Alle 228 Menschen an Bord starben.

Polizisten sollen Geld gestohlen haben

Mainz (dpa). Aus der Asservatenkam- mer des Polizeipräsidiums Main z sind Geld und Drogen verschwunden. Im Fo- kus der Er mittlungen stünden drei Poli- zisten und eine Angestellte, sagte der Lei- tende Oberstaatsanwalt in Main z, Klaus-

Pete r Miet h, am Mitt woch. „Wir ge he n da- von aus, dass in diesem Kreise der Täter zu suchen ist.“ Seit die Fälle bekannt wur- den, seien die drei Beamten an einem an- deren Arbeitsplatz eingesetzt. Bislang gel-

te niemand als Beschuldig ter, keiner sei

suspendier t worden, betonte der Staatsan- walt. Insgesamt fehlten aus der Asserva- tenkammer 1200 Euro und ein Tütchen mit 116 Gramm Amphetamin. Die „Bild“- Zeitung hatte berichtet, es seien auch He- roin, Kokain und Haschisch verschwun- den. Bislang habe es keine Fälle von Dieb- stah l in der Asservatenkammer gegeben.

K u r z G e m e l d e t

Zietlows Kampf für Hunde

Daun: Eine Frau, die im Haus von Fernseh- moderatorin Sonja Zietlow in der Eifel

zahl reiche Hunde verwah rlosen ließ, ist am Mittwoch zu einer Bewähr ungsstrafe ver-

ur teilt worden. Für den Verstoß gegen das

Tierschutzgesetz und Sachbeschädig ung verhängte das Amtsgericht Daun eine Frei- heitsstrafe von sechs Monaten auf Bewäh- rung. Laut Anklage hatte die Frau auf dem Anwesen in Üx heim-Nollenbach zeitweise 30 bis 50 Hunde gehalten, oh ne sich ausrei- chend um sie zu kümmer n. Mindestens sie- ben Tiere starben. Zietlow hatte der Frau das Haus verpachtet, weil sich diese als Tierschützer in ausgegeben hatte. dpa

Ke no

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(Oh ne Ge wä hr)

Pl us 5: 7 3 1 6 0

Japan sucht Hi lfe in Tschernobyl

regierung will rückkehr in die evakuierte zone von Fukushima nicht mehr dulden

Von L ars n iC oL ay sen

Tokio. Die japanische Regier ung wi ll ehemalige Bewohner am Betreten der strahlenbelasteten Sper rzone um die Atom ru ine in F ukushi ma hi nder n. Man er wäge, ein rechtlich bindendes Zutr itts- verbot zu erlassen, gab Regier ungsspre- cher Yu kio Edano am Mittwoch bekannt. Der Staat hat zwar im Um kreis von 20 Ki lometern um das havarier te Atom- kraftwerk eine Sper rzone verhängt. Den- noch kehren im mer wieder Menschen trotz der akuten Gefahr radioaktiver Strahlen in ih re fr üheren Wohngebiete zu rück, um ih r Hab und Gut zu holen. Mi- nister präsident Naoto Kan wi ll an diesem Donnerstag er neut in die Katastrophen- region reisen und in den Städten Tamu ra und Koriyama mit Flüchtlingen spre- chen. Japa n wi ll sich zudem Hi lfe in der Uk ra ine holen. De r Vi zeminister für La ndw ir tschaf t u nd Fischerei, Ta kashi Sh inohara, werde von Donner st ag an nach Tscher nobyl reisen, teilte die Regie- ru ng am Mitt woch in Tok io mit. Im La nd der Reak torkat astrophe von 1986 solle Sh inohara I nfor mationen sa mmel n, die bei der Dekontam in ieru ng verstrah lter Böden ru nd um die Atom ru ine von Fu- ku sh ima helfen könnten. Wie die Nach richtenagent ur Jiji Press weiter berichtete, soll der Vi zeminister unte r anderem ei n Rapsfeld und ei ne Biospritfabri k in der ei nst st ark ver- seuchten Sper rzone um das zerstörte Atom kraftwerk von Tscher nobyl besu- chen. Das Feld und die Fabr ik wü rden von einer gemein nütz igen japa nischen Orga nisation und ih ren Pa rt nern, da-

ru nter ei ner u krai nischen Universität, betr ieben. Sh inohara werde au ßerdem an ei ner i nter nationalen Wissen scha ft- le rkon fe ren z zu der Katast rophe von Tscher nobyl in der Hauptstadt Kiew teil- nehmen. Fü r die Zu ku nf t wi ll die japa nische Regier ung ei nem Presseber icht zu folge den Atom kraftwerkbet reiber Tepco un- ter staatl iche Kont rolle stel len. Die Re-

gier ung wolle mehrere Bi ll ionen Yen in öffent lichen Fond s a nlegen, aus denen die Fi rma im Fa lle ei ner Pleite Entschä- digu ngsza hlungen fü r die Opfer der Atom katast rophe beg leichen kön ne, wie die Zeit ung „Yom iu ri Sh imbu n“ berich- tete. Die Ak tien kurse des Konzer ns ha- ben seit dem Erdbeben und dem Tsu na mi vom 11. Mä rz Analysten zu folge fast 80 Prozent an Wert verloren. (m it : dp a/af p)

a n t w o r t e n z u F u K u
a n t w o r t e n z u F u K u s h ima

Woher kommt der radioaktive Dampf?

R ad ioak tiv belasteter Dampf behi n- dert derzeit den Roboter, der mit

Messgeräten ausgestattet ist und die Lage im Gebäude er fassen soll. Er wi rd über

ei n K amerabild fer ngesteuert. In Rea ktor 2 ist jedoch schon

beim er sten Befa h- ren die Ka mera lin- se du rch hohe Lu ft- feuchtigkeit be- schlagen, und das Gerät musste abge- zogen werden. Die sehr hohe Lu ft- feuchte stam mt ei-

nerseits aus dem so- gena nnten Venting-Vorgang, bei dem man nach dem vollständigen Strom- und Kü h- lu ngsausfa ll im Reak tor Ventile geöf fnet hat, um ei ne Beschädigu ng des Reak tor- dr uckbehä lter s zu verhi nder n. Au ßerdem

kommt weitere Feuchtigkeit aus den La- gerbecken da zu, weil diese teilweise bis zu 90 Grad wa rm wa ren. Die viel leicht

größte Quel le dü rf te jedoch ei n Leck im Torus der An lage und der defekte Kon- densator im Tu rbi-

nengebäude von Reak tor 2 sein, über die große Mengen heißes Kü hlwasser entw i- chen si nd. Um die Feuchtigkeit schnel l aus dem Reak torgebäude

zu bekommen, müsste ma n dieses belü ften. Das wä re aber mit der weiteren Freisetzung von gasför migen radioa ktiven Stoffen ver- bu nden. Also wi rd die Belü ftung nu r über Lu ftfi lter mögl ich sein. ze

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SEITE 9 – donnErSTAG, 21. AprIl 2011 – nr. 94

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Solitär

E s wi rd ei ns am um Jür gen Großm ann . Noc h vor we ni gen Mo na te n sc hi en es

so , al s hab e der RWE- Chef di e Bu ndesr e- gi er un g nah ezu im Alle in gan g zu r Ve rlä n- ger un g der AKW- La uf ze it en ge trie be n – nu n st eh t se in e Re stlau fzei t an der Ko n- ze rn sp it ze zu r Di sp os it io n. Ei ne ku ri ose Ko alit io n au s NR W- Ko mm un en un d Groß- inve st oren eint der Unwill e, den 59 -J ähr i- gen no ch bi s En de Sept em be r 2012 zu er- duld en un d im Am t zu be la ss en. Fü r di e neu e We nde in der At om po li tik is t RW E ähn li ch sc hl ec ht ger üs te t wi e di e üb ri gen AKW- Be treib er – an der s al s se in e Ko ll eg en lä ss t Großm ann in de s ni cht s un- ve rs uc ht , di e La ge no ch zu ve rs ch li m- me rn . Wä hr end e.on , En BW un d Va tt en- fa ll au f Ze it sp ie le n un d au f pos it iv e We n- dun gen in Fuku sh im a ho ff en , sucht der RWE- Chef di e Ko nfro nt atio n: mi t der Branch e, mi t der Bu ndesr eg ie run g un d se lb st mi t se in en ko mm un al en An te il se ig- ne rn , an deren Mac ht sich di e in st it ut io- ne ll en An le ger sc ho n la ng e st ören. Groß mann war im me r ei n So li tä r, sc ho n mi t se in er ma ss ig en Fi gur un d den flapsi- gen Spr üc he n ra gt e er au s der gr oßen grau en Gar de der üb ri gen Sp it ze nma na- ger he ra us . Im St ahlwerk Geo rg sm arie n- hü tt e ha tt e er mi t der At ti tü de de s Alle s- bes ti mm er s Er fo lg , be i RW E hä tt e man ger n et was me hr Ma nn sc ha ft ss piel ge se- hen. Se in e St ra tegi e ma g ri chtig od er fa ls ch se in – sc heit er n wi rd Großm ann an se in em Na tu re ll . J ens H ei tmann

k u r z G E M E l d E T

Lammfleisch teurer als 2010

Bonn: La mm fleisch ist in Deutschla nd zu Oste rn knapp und teuer. Das geht aus Daten des Gf K-Hausha ltspanel s hervor. Wä hrend demnach 2010 in der Woche vor Oste rn neuseelä nd ische La mm keule (tief- gekü hlt) ab 5,99 Eu ro je Ki logram m zu haben wa r, lieg t das Ak tion spreisn iveau in diesem Ja hr bei 7,99 Eu ro je Ki lo- gram m. Fr ische gekü hlte Wa re koste so- ga r ab 8,99 Eu ro je Ki logram m. afp

Eierverbrauch gestiegen

Berlin: De r Pro-Kopf-Verbrauch von Ei- er n ist in Deutschla nd im ve rgangenen Ja hr um 1,5 Prozent au f 214 Eier gestie- gen. Da mit lag der Ja hresve rbrauch bei in sgesamt 17,5 Mill ia rden Eier n, wie das Bu ndesla ndw ir tschaf tsminister iu m a m Mitt woch mittei lte. Gut die Hä lfte der Eier (52 Prozent) wu rde von pr ivaten Hausha lten gekauf t. De r Anteil an Kä fig- eier n sa nk au f 18,2 Prozent. afp

Russland will aufholen

Moskau: Ru ssla nd soll nach den Worten von Regier ungschef Wlad imir Puti n bis 2020 zu den fü nf wichtigsten Volk sw ir t- scha ften der Welt gehören. Da nn solle das Br uttoin la nd sprodu kt (BIP) je Einwoh- ner bei mehr al s 35 000 Dollar (r und 24 500 Eu ro) liegen, sagte Puti n bei der Vorstel lu ng seines jä hrlichen Rechen- scha ftsber ichts in der Staatsdu ma. 2010 wa ren es 16 200 Dollar. dpa

Anleger schichten in Edelmetalle um

Feinunze Gold notiert erstmals über 1500 Dollar / Auch Silberpreis ziehen an

Von J ür gen K rä mer

Frankf ur t. Der Glan z des Goldes be flü- gelt die Phantasien von Investoren. Die Schuldenk rise spitzt sich zu und treibt die An leger im Rekordtempo in die als si- cher geltenden Edel meta lle. In der Nacht zu m Mittwoch stieg der Goldpreis nun zu m er sten Ma l über die Ma rke von 1500 Dollar. Seit Begi nn des Ja hres legte er da- mit um mehr als 6 Prozent zu. In Eu ro ge- rech net wa r der Preisa nstieg wesentlich moderater, da die eu ropäische Wä hr ung gegenüber dem US -Dol la r an Wert ge- wonnen hat. Am Mittwoch kletterte der Eu ro -Kur s um mehr als 2 Dollar-Cent au f 1,4546 Dollar. Zu der Gold-Rekordfah rt und dem Si nk flug des Dollar tr ug auch der Wa rn- schuss ei ner f üh renden Ratingagentur

bei: Er ka m über raschend und traf ma n- che Investoren ins Ma rk. Kaum hatte Standa rd & Poor’s am Montag die Kre- ditw ürdigkeit der größten Volksw ir t- schaft der Welt infrage gestel lt, stiegen die Dollar-P reise fü r Edel meta lle. Zugleich gi ng auch der Preis fü r Si lber massiv nach oben und er reichte in der Spitze 44,34 Dollar je Un ze. Das ist der höchste Wert seit 1980. Seit Monaten ha- ben Exper ten mit steigenden P reisen bei den Edel meta llen gerech net und neue Re- kord ma rken in Aussicht gestel lt. Al ler- di ngs werden die Prog nosen derzeit viel schnel ler von der Realität eingeholt als er wa rtet. Dennoch hä lt der Rohstoffex perte Thor sten Proettel von der La ndesba nk Baden-Wü rttemberg vorer st an seiner Prog nose fest – und die lieg t bei knapp

über 1500 Dollar zu m Ja hresende. Die Kollegen von der Commer zban k si nd ak- tuel l et was opti mistischer gestim mt. Sie sehen den Goldpreis zu m Ja hresende bei 1600 Dollar. Da mit nä hern sie sich der Ei nschätzu ng der Experten von Gold man Sachs an. Diese hatten bereits zu Begi nn des Ja hres Goldpreise bei der Ma rke von knapp unter 1700 Dollar in Aussicht ge- stel lt. Die Zwei fel der Rati ngagentu r Stan- da rd & Poor’s an der Bonität der USA si nd das letzte Gl ied ei ner ga nzen Kette von Ereign issen, die die Veru nsicheru ng bei den An legern im mer weiter erhöht haben. Bereits seit Wochen sorg t die Schuldenk rise in der Eu ro -Zone fü r Un- ru he. Zu mi ndest bei den Investoren hat sich die Ei nsicht verfestigt, dass es nur noch ei ne Frage der Zeit ist, bis es zu ei-

nem Schuldensch nitt in Gr iechen la nd kommt. Daneben kä mpfen auch die Re- gier ungen von Portugal und Irla nd mit im mer neuen Spar prog ra mmen gegen die drohende Staatspleite. Zudem ist auch die In flationsgefah r zu rückgekehr t. Die Sor- ge vor ei ner stärkeren Geldentwertu ng lässt Gold und Si lber in den Augen vieler Investoren als ei n „sicherer Hafen“ er- scheinen. Aber auch Ak tien si nd als Sach- werte stärker gefragt. Am Mittwoch gi ng es an den A ktienbör sen entsprechend kräf tig nach oben. l Kaf fee so teuer wie 1977: Ei n k nappes Angebot tr ieb den Preis fü r Kaffee der Sorte Arabica in die Höhe. Der Ju li-Kon- trak t stieg au f 2,97 Dollar je Pfu nd und wa r da mit so teuer wie seit 1977 nicht mehr. Auch die Preise fü r Weizen und Mais zogen deutlich an. dpa/rtr

RWE-Chef

provoziert

Proteste

Großmanns Atomkurs spaltet die Aktionäre

Von T om K äc Ke nh off

Essen. Jü rgen Großma nn weicht nicht zu rück. Trot z laut st arke r Prot este von De monstranten und K leinak tion är en ve rteidigt e de r RW E- Chef seinen st ri k- ten Atom kurs. „Un se re Regier ung h at nach de m Motto ge ha ndelt: Er st abscha l- ten, da nn pr üfen“, kritisie rte de r bu ll ige Ma nage r au f de r teil s tu rbulenten Hauptver sa mmlung d as Atom-Morato- rium von Bu ndeska nz le ri n Ange la Me r- ke l. Gleich zu Begi nn seiner Re de in der Es se ne r Gr ugahal le ka m es zu Prot esten von Atom kraf tgeg ne rn. Ei ne Gr uppe ve rsch af ft e sich vor de m Podium mit Ru- fe n w ie „Abscha lten. Abscha lt en“ u nd Tran spar enten wie „Atomprofite? Sch lu ss jetz t“ laut st ark Ge hör. Vor der Ha lle hatten zuvor De monstranten mit Sitzblockade n und ge span nt en Woll fä- de n ve rsucht, de n Ak tion är en de n Zu- tr it t zu er schweren. „Die Ak tion äre mü ssen sich entscheide n: Rendite oder Lebe n“, scha llte es au s de m Laut spre- cher ei ne s de r et wa 150 De monstranten. Dutzende Pol iz isten ba hnten de n A n- teil seig ne rn de n Weg. Auch in de r Ha lle ka m es au f de n Rä ngen im me r wieder zu Zw ischen ru fe n u nd zu mitu nt er tu mu lt- ar tige n Szenen, bei dene n Ordner Tran s- pa rente he ru nt er ri ssen. Die AKW-G eg- ne r wu rden unte r de m Applau s von Ak- tion är en au s de m Saal gefü hr t. Großma nn ve rteidigte die Klage des Energiekon ze rn s gege n das Atom-Mora- torium mit de r vor überge he nden Stil lle- gu ng de s gewi nnträcht igen Meiler s in Bibli s: „Das si nd wi r Ih ne n, un se ren Ak- tion är en, schuldig.“ Der RW E- Chef wa rnte vor steige nden St rompreisen, die in Deutschla nd zu r Sch ließung von We r-

rompreisen, die in Deutschla nd zu r Sch ließung von We r- Eine Demonstrantin nut zt

Eine Demonstrantin nut zt ein Bildnis von RWE- Chef Jürgen Großmann als neues Anti-Atom- Logo.

ke n der energiei nt en sive n A lu minium- indu st rie fü hr en könne. Großma nn hat sich wie kein ande re r Ma nage r in Deutschla nd seit de r Reak torkat astro- phe in Japa n fü r die Atome ne rg ie in die Br esche geworfen. e.on, En BW und Vat- ten fa ll habe n au f ei ne Klage gege n das Atom-Morator iu m verzichtet. Fü r AKW-G eg ne r ist Großma nn so et- was wie das Ge sicht de r Atom indu st rie. Er weist dies zu rück und betont, dass die St rome rzeugu ng de s Konzer ns nu r zu 20 Prozent au f Ke rnenergie basier t: „Die deut sche n Ke rn kraftwerke er füllen ge l- tende Sicherheit sa nforde ru ngen. In je- de m ande ren Fa ll hätten sie be reit s zu- vor abge scha lt et we rden mü ssen.“ Ei nige Ak tion ärsve rt rete r r iefe n den 59 -Jäh rige n da zu au f, die Klage zu rück-

zu ziehen. „Ä nder n Sie ih ren Pro-Atom- Ku rs. Sonst forder n wi r Sie au f: Tr et en Sie zu rück“, kritisie rte de r Dachve rband „K ritischer Ak tion är e“. An de m ju ri sti- sche n Vorgehen hatte sich auch im Kreis de r Kommunen, die ru nd 25 Prozent an RW E ha lten, Kr it ik entz ündet. Die Ve r- tr et er von Ru hr metropole n wie Dort- mu nd oder Bochum dri ngen de m Ve r- ne hmen nach au f ei ne neue Konzer n- st rategie, die de n Ve rz icht au f Atom- kraf t bei nh altet. Ande re Ak tion är e lobten das Vorge- he n de s RW E- Chef s. „Her r Großma nn, Sie hatten keine ande re Wa hl. Die Klage wa r richtig.“ Gleich me hr ere An leger forder ten aber ei ne klar e St rategie von de m noch bi s He rbst 2012 be ru fe nen Vors ta nd sc he f. „Was bleibt von RW E üb-

rtr

rig, we nn die Atom kraftwerke abge- scha ltet we rden?“ Die Bu ndesregier ung wi ll nach ei ne r Sicherheit sübe rprü fu ng bi s Mitt e Ju ni entscheide n, wie es mit de n Atom kraftwerke n weit erge ht. RW E betr eibt fü nf AKW. Auch im Au sla nd wi ll das Unte rneh me n de n Bau neue r Meiler vorantr eiben. Du rch das Atom-Morator iu m e rwar tet RWE Groß- ma nn zu folge ei ne n Ergebn isve rlust im nied rige n d reistel lige n M illionenbe- reich. Faustfor me l seie n 30 Mill ionen Eu ro pro Block und Monat. De r Konzern re ch net 2011 auch wege n de r Bren ne le- me nt steuer mit ei ne m Rückga ng de s Be- tr iebsergebn isses um ei n Fü nf tel auf ru nd 6 Mill ia rden Eu ro. rtr

P Ko mm en tar

Aufsicht fordert stabile Stromnetze

Kraftwerksbetreiber sollen helfen

Berlin /Bonn (r tr). Die Bu ndesnetzagen- tu r verpflichtet die Energiekon zerne nach dem Atom-Morator iu m zu ei ner Stabili- sier ung des St romnet zes. Die Bet reiber von Kraftwerken mü ssten an der Siche- ru ng des Netzes mitw irken, teilte die Be- hörde am Mitt woch mit. Das drei monati- ge Moratorium fü r Altmei le r habe die St romleist ung um fast 10 000 Megawatt redu zier t, was Ei nfluss au f die Netzst abi- lität habe. Die Betreiber der Leit ungen seien da- her au f die Mita rbeit der Kraf twerksbe- sitzer angewiesen, um Lastüberhä nge oder Lücken au sz ug leichen. „Uns si nd Kraftwerksbetreiber beka nnt, die ih re zu kü nf tige Mitw irku ng an solchen Ma ß- na hmen unte r Vorbeha lt gestel lt haben“, sagte Behördenchef Matth ias Ku rt h. Dies rechtfer tige nu n eine Ver pfl icht ung der Betreiber. Die Frage der Netzst abilität hatte zum ei nen du rch die Atomwende der Regie- ru ng und den Au sbau des schwan kenden Ökostroms au s Sonne oder Wi nd an Br i- sa nz gewonnen. Zu m anderen haben aber auch die großen Konzer ne e.on und Vat- ten fa ll ih re Netze verkau ft, auch bei RWE gibt es nach Angaben au s Unte rneh mens- kreisen äh nl iche Überlegu ngen. Sola nge Hoch span nu ng sleitu ngen und Kraftwerke in der Ha nd nu r jeweil s ei nes Unte rneh men gebü ndelt wa ren, gab es dor t ei n hohes Interesse an ei nem st abilen Netz. Nach dem Ve rkau f der St romleitu n- gen sa hen die Kraftwerksbetreiber nicht lä nger die Ve rpflichtu ng, ih re An lagen zu drosseln oder hoch zu fa hren, um das Netz fü r ei n anderes Unte rneh men st abil zu ha lten. Wi nd räder, deren Leistu ng sich schnell be ei nflussen lässt, erh ielten bereit s bis- la ng ei ne höhere Förder ung wegen ih res Beit rags zu st abilen Netzen. Auch neue Sola ra nlagen mü ssen vom komme nden Ja hr an nach vorliegenden Plänen des Umwelt minister iu ms heru nter zu regeln sein.

Händler decken sich mit Tabak ein

Wiesbaden (dpa). Vor der Erhöhung der Taba ksteuer zu m 1. Ma i deck t sich der Ha ndel mit Ziga retten und Ziga rren ei n, um Preiserhöhungen hi nauszu zögern. „H ändler und Her stel le r beziehen jetz t ve rmeh rt Steuer zeichen, da mit sie ih re Ku nden lä nger gü nstiger bedienen kön- nen“, sagte Petra Ma rtin vom Statisti- schen Bu ndesamt. Von Ja nuar bis Mä rz wu rden in Deutschla nd 17,5 Prozent mehr Ziga ret- ten ve rsteuert al s im Vorjah reszeitrau m, der Absat z des Fein schn itts fü rs Selbst- drehen na hm um 24,7 Prozent zu. In sge- sa mt legte der Um satz mit Taba kwaren im Klei nverkauf um ru nd 18,7 Prozent au f 6,3 Mill ia rden Eu ro zu. Da mit na hm der Fisk us wieder mehr Geld au s der Ta- ba ksteuer ein: R aucher beza hlten ru nd 3,7 Mill ia rden Eu ro Steuer n – 19 Prozent mehr al s im er sten Quar ta l 2010.

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10 HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Börsen & Märkte

DONNERSTAG, 21. APRIL 2011 · NR. 94

DAX

EUROSTOXX 50

EURO

GEWINNER & V ERLIERER

7249,19 Punkte Stand: 20.04.2011 8000 7500 7000 6500 6000 5500 5000 M J J A
7249,19 Punkte
Stand: 20.04.2011
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AUF EINEN BL ICK

20.04.2011

(Vortag in Kl.)

Dax

7249,19 (7039,31)

L-Dax

7241,29 (7058,25)

M-Dax

10450,12 (10238,83)

TecDax

917,19 (897,88)

S-Dax

5245,50 (5172,74)

Nisax 20

2510,08 (2456,75)

Eurostoxx 50

2921,43 (2857,61)

Dow Jones (20 Uhr)

12439,24 (12266,75)

Nasdaq (20 Uhr)

2797,15 (2744,97)

Nikkei

9606,82 (9441,03)

US-Treasuries 30 J.

4,43 % (4,45 %)

Umlaufrendite Bundesanl. 3,10 % (3,07 %)

Bundesschatzbriefe A 2,53 %

Bundesschatzbriefe B 2,85 %

Bundesobl. S159 (5 J.)

Finanzierungsschätze (1 Jahr)

Leitzins Europ. Z entralb.

1,22 %

Basiszins n. § 247 BGB 0,12 %

EONIA (Vortag)

2,66 % (2,64 %)

1,04 %

1,25 %

Euro in Dollar (EZB)

Unze Fe ingold (London) 1505,00 $ (1495,00 $)

1,4515 $ (1,4302 $)

Rohöl (London/1 Barrel)

MDAX

123,22 $ (120,03 $)

2921,43 Punkte Stand: 20.04.2011 3300 3150 3000 2850 2700 2550 2400 M J J A
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BÖRS E A KTUELL

Dickste Ta gesplus seit fast einem Ja hr

An getr ie be n von US -U nt ernehmen s- za hl en ha t de r Da x am Mit twoc h da s dickste Ta ges plus se it kn ap p ei nem Jahr ei ng efahre n un d di e Ve rl uste vo m Wo- che nb eg in n meh r als we tt ge ma ch t. De r Le it in de x ge wa nn 2,98 Pr ozen t au f 7249,19 Pu nkte un d sc hl oss da mi t so hoch wi e se it En de Febru ar nic ht meh r. Unte r d en Ei nzelw er te n p rofitier ten insb es ondere Te chnol og ie akti en von de n s eh r g uten In tel -Res ultat en. En t- sp re che nd zä hl te n di e Pa pie re des Halb- leite rh erst eller s In fin eo n mi t plus 4,29 Pr ozen t au f 7, 45 Eu ro zu de n st är ks te n Da x-Ti teln. Im Te cD ax se tz te n si ch Dia- lo g S emic ond ucto r mit ein em Au fs ch lag vo n 9, 08 Pr ozen t au f 14 ,8 4 Eu ro an di e Sp it ze. Au to we rt e sc hlu ge n si ch ebe n- fa ll s ü berd urch sc hnit tlic h. Da x-Sp it ze n- we rt wa ren di e Vor zu gs akti en von Vo lk swagen , di e si ch um 4,78 Pr ozen t au f 118 ,4 0 Eur o ver teue rt en. Di e D urch sc hnit ts rendi te de r B un- des pap ie re st ie g au f 3,10 (3 ,07) Pr o- ze nt . De r Eu ro zog de utlic h an . Di e EZ B erre chnete de n Referen zk ur s mit 1, 4515 (1,43 02) D olla r.

1,4515 $ Stand: 20.04.2011 1,50 1,44 1,38 1,32 1,26 1,20 1,14 M J J A
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Stand: 20.04.2011
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DAX

Aktien aus Dax, MDax, Te cDax und SDax mit dem größten

Kurs gewinn des Ta ges (in %)

Kursverlust des Ta ges (in %)

Dialog Semicond.

+9,08

Adva Sky Deutschland SAF Holland Grenkeleasing Phoenix Solar DIC Asset Roth & Rau Rational Tom Tailor

-15,60

Singulus Tech.

+5,96

-1,76

Elexis

+5,68

-1,20

Wacker Neuson

+5,59

-1,18

Süss MicroTec

+5,36

-1,18

Bertrandt

+4,85

-0,99

Volkswagen Vz.

+4,78

-0,98

BASF

+4,76

-0,90

Bayer

+4,33

-0,89

Infineon

+4,29

ProSieben.Sat.1

-0,86

Medion

+4,16

Air Berlin

-0,49

Daimler

+4,16

GfK SE

-0,26

QSC

+4,10

Hamborner Reit

-0,09

 

Stand: 20 Uhr

 

20.04.

19.04. Veränderung

Tages-

52-Wochen- Börsenwert KGV(Schätzung) Divi-

Div.-

 

in %

Hoch

Tief

Hoch Tief (Mrd.Euro)

2010 2011

dende

Rend.

adidas

48,55

47,39

2,46

48,77 47,39

51,55

38,42

10,16

21,11

17,72

0,80 v

1,65 v

Allianz**

101,20

98,92

2,30

101,55 100,00 108,85

75,82

45,93

9,43

9,06

4,50 v

4,45 v

BASF*

65,30

62,33

4,77

65,30 63,50

65,30

39,94

59,98

15,97

14,77

2,20 v

3,37 v

Bayer*

56,36

54,02

4,33

56,36 54,40

59,17

43,27

46,61

19,04

16,82

1,50 v

2,66 v

Beiersdorf

44,66

43,88

1,78

44,94 44,13

49,36 39,67

11,25

20,30

18,38

0,70 v

1,57 v

BMW St.*

60,53

58,79

2,96

60,76 59,28

65,49

34,64

36,44

28,15

17,54

1,30 v

2,15 v

Commerzbank

4,37

4,25

2,75

4,38

4,28

7,37

4,15

5,85

4,28

8,56

0,00 v

0,00 v

Daimler*

51,12

49,08

4,16

51,41 49,80

59,09 35,30

54,25

16,65 14,01

1,85

3,62

Deutsche Bank*

40,40

40,00

0,99

40,82 40,21

51,61

35,93

37,55

6,59

7,21

0,75 v

1,86 v

Deutsche Po st

12,91

12,57

2,70

12,95

12,70

14,18

11,01

15,61

6,83

9,42

0,65 v

5,03 v

Deutsche Te lekom* 11,24

11,00

2,14

11,27

11,03

11,35

8,51

49,00

20,06

15,82

0,70 v

6,23 v

Dt. Börse*

54,64

52,76

3,56

54,74 53,10

62,48 46,33

10,65

16,46

12,68

2,10 v

3,84 v

e.on**

22,08

21,60

2,22

22,19

21,71

28,77

20,21

44,18

7,72

7,77

1,50 v

6,79 v

Fres. Med. Care

51,37

50,90

0,92

51,67 51,22

51,67

37,95

15,17

20,63

19,10

0,65 v

1,27 v

Fresenius SE

70,00

68,51

2,17

70,62 68,80

70,62 48,45

8,98

19,55

18,87

0,86 v

1,23 v

Heid. Cement

51,14

49,39

3,54