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Sechs Seiten Beilage

Iraq’s Delicate Balancing Act: Tilting
Away From Strict Islam · Mideast: U.S.
Dollars Are Fuelling Protests
Berlin – Nach der Entscheidung im Fall
Thilo Sarrazin hat sich SPD-Chef Sig-
mar Gabriel hinter Generalsekretärin
Andrea Nahles gestellt. „Frau Nahles
hat für ihr Handeln natürlich meine Rü-
ckendeckung“, sagte Gabriel der Süd-
deutschen Zeitung. Nahles hatte als Ver-
treterin der Bundespartei überraschend
einemVerbleib Sarrazins in der SPD zu-
gestimmt und war dafür parteiintern in
die Kritik geraten. Das Ergebnis der
Schiedskommission wollte Gabriel nicht
kommentieren. (Seite 6) nif
München – Im Nordwesten freundlich
und trocken, auch im Westen und Süd-
westen zunächst sonnig. Sonst teils be-
wölkt, teils starker Regen, örtlich kräfti-
ge Gewitter. Temperaturen zwischen 16
und 22 Grad (Seite 38).
D
ie Papiere aus Amerikas Gulag of-
fenbaren so manch neues Detail. Et-
wa, dass Abd al-Rahim al-Nashiri, der
Drahtzieher des Terroranschlags auf den
US-Zerstörer Cole, so besessen war von
seinem Kampf gegen den vermeintlichen
„SatanUSA“, dass er sichallerlei „Injek-
tionen zur Förderung der Impotenz“ set-
zen ließ – „um mehr Zeit zu haben für
den Dschihad (statt von Frauen abge-
lenkt zu werden)“.
So jedenfalls steht es, Wort für Wort, in
den US-Dokumenten, die über die Ent-
hüllungsplattform Wikileaks nun gleich
mehreren amerikanischen und europäi-
schen Zeitungen zugespielt wurden. An-
derswo liest man, wie amerikanische Ter-
rorjäger arme Seelen nach Guantanamo
verschifften, obwohl die eigenen Exper-
ten längst deren Unschuld und Demenz
bescheinigt hatten. Selbst die Ängste der
Lager-Gewaltigen schimmern durch:
Das Trauma, 2004 fälschlichden islamis-
tischenKrieger AbdullahMehsud freige-
lassen zu haben, der danach mindestens
31 Menschen tötete, verfolgt die Guanta-
namo-Wärter bis heute.
Es sind viele bunte Facetten, welche
die exakt 704 Detainee Assessment
Briefs (DABs) der Militärverwaltung von
Guantanamo freigeben. Und doch zeich-
nen diese „Unterlagen zur Einschätzung
eines Häftlings“, in denen die Bush-Re-
gierung von 2002 bis Januar 2009 beina-
he jedem Gefangenen entweder ein ho-
hes, mittleres oder nur geringes Gefähr-
dungspotential für Amerikas nationale
Sicherheit zuschrieb, kein neues Bild des
umstrittenen Lagers. Menschenrechtler
werden in den DABs neue Indizien für
Unrecht und Willkür finden, wie sie es
seit Jahr und Tag anprangern. Derweil
dürftenBefürworter des Kerkers auf Ku-
ba andere Passagen der Akten zitieren,
um Guantanamo zu rechtfertigen.
Genauer als bisher erzählen die an die
Öffentlichkeit gelangten Dossiers, wie
zum Beispiel ein angeblich unschuldiger
Häftling namens Said Mohammed Alam
Shah seine Vernehmer täuschte. Der
24-jährige Afghane mit dem amputier-
ten Bein hatte Mitleid erweckt; fast ge-
rührt notierten die US-Ermittler, er ha-
be sich bei den Gotteskriegern nur als
Fahrer verdingt, um „seinen jüngeren
Bruder von den Taliban zu retten“. „Der
Gefangene stellt kein weiteres Risiko für
die USAdar“, lautete die Bilanz. Zurück
am Hindukusch tauchte Said Shah flugs
unter – und als Abdullah Mehsud wieder
auf: Der militante Pakistani hatte die Su-
permacht mit einer falschen Identität
reingelegt undheckte drei Jahre lang blu-
tigste Anschläge aus, ehe er sich 2007
selbst in die Luft sprengte.
Desaster wie die Causa Mehsud prä-
genseither das Denkenander Guantana-
mo Bay. Das erklärt zwar nicht, wieso
das Pentagon 2002 sogar Greise wie den
89-jährigen Mohamed Sadiq, den offen-
bar senilen Haji Faiz Mohammed, 70,
oder den höchstens 14 Jahre jungen Na-
qib Ullah in Kuba internierte. Aber die
Dokumente enthüllen ein wenig die „Lo-
gik“ in diesem Absurdistan hinter Sta-
cheldraht: Wo sonst ist es möglich, dass
ein geisteskranker Gefangener wie Ya-
simBasardah als Belastungszeuge in den
Akten von 30 Mithäftlingen auftaucht,
mit den Aussagen in eigener Sache aber
nicht für voll genommen wird? Basar-
dahs Anschuldigungen wurden nie ge-
tilgt – er selbst kam nach Spanien frei.
Der Informationswert der Dokumente
ist begrenzt: Die Obama-Regierung hat-
te 2009 eine Neuüberprüfung aller Gefan-
genenangeordnet, die Bush-Dossiers gel-
ten als überholt. Obendrein fand Wiki-
leaks von 75 der aktuell 172 Insassen
überhaupt kein DAB. Christian Wernicke
Mobiles Leben
Aston Martin erfindet sich mit Lagonda
neu, um eine Alternative zu etablierten
Premiummarken zu werden. (Seite 35)
jetzt.de
Lennart ist inelf Monatenacht Mal umge-
zogen – ein Gespräch über seine Art, Ber-
lin kennenzulernen. (Seite 34)
Nach der Verständigung auf eine
Volksabstimmung über den geplanten
Tiefbahnhof Stuttgart 21 einigten sich
die künftigen Partner am Osterwochen-
ende auf umfangreiche Reformen in der
Bildungspolitik. Es gebe jetzt nur noch
„bei einigen Resten Abstimmungsbe-
darf“, sagte Kretschmann. Auch der
zweite große Streitpunkt neben Stutt-
gart 21, der Straßenbau, sei gelöst. „Wir
haben uns geeinigt“, sagte Kretschmann,
wollte aber noch keine Details nennen.
Aus Verhandlungskreisen verlautete, die
Grünen hätten sich gegen die Sozialde-
mokratendurchgesetzt, die rund50Milli-
onen Euro Mehrausgaben für den Erhalt
und Neubau der Straßen gefordert hat-
ten. Die Grünen wollendas Geld lieber in
den Schienen- und Fahrradverkehr in-
vestieren. Die Differenzen beim Thema
Verkehr waren auch amMontag noch of-
fensichtlich: SPD-Verhandlungsführer
Nils Schmid widersprach Kretschmanns
Forderung an Porsche und andere Auto-
mobilhersteller, sie sollten weniger und
zudem sparsamere Fahrzeuge bauen. Es
würden nicht weniger, sondern nur um-
weltfreundlichere Autos benötigt, ent-
gegnete Schmid. Porsche kündigte inzwi-
schen an, man wolle mit Kretschmann
das Gespräch suchen.
Die Bildungspolitik bezeichneten
Kretschmann und Schmid als „entschei-
denden Kernpunkt“ ihres gemeinsamen
Regierungsprogramms. „Hier wird der
Politikwechsel am deutlichsten erkenn-
bar“, sagte Kretschmann. Übergeordne-
tes Ziel aller Maßnahmensei es, „denBil-
dungserfolg von der Herkunft zu entkop-
peln“. VoraussichtlichschonzumWinter-
semester sollen die Studiengebühren ab-
geschafft werden, sagte Schmid. Den
Hochschulen werde dadurch nicht weni-
ger Geld zur Verfügung stehen. Er kün-
digte an, den Gebührenausfall in Höhe
von130 MillionenEuro durchUmschich-
tungen im Haushalt auszugleichen. Die
neue Regierung wolle den Hochschulen
„größere Gestaltungsfreiheit“ gewäh-
ren. Auch die Mitbestimmungsrechte der
Studenten sollen gestärkt werden.
Ganztagsschulen undGanztagsbetreu-
ung im Kindergarten sollen flächende-
ckend eingeführt werden. Das Konzept
der Gemeinschaftsschule, in der Kinder
bis zur zehnten Klasse zusammen lernen,
wollen Grüne und SPD fördern und im
Schulgesetz verankern. Eigenen Ideen
vonSchulträgernundElternvor Ort wer-
de man mit „großer Offenheit“ begeg-
nen, sagte Kretschmann. Bei der Schulre-
formwerde man „zielstrebig, aber behut-
sam“ vorgehen, versicherte er. Durch ei-
ne Erhöhung der Grunderwerbsteuer um
1,5 Prozent wollendie Partner 300 Millio-
nen Euro zur Investition in die frühkind-
liche Bildung gewinnen. Jedes Kind un-
ter drei Jahren solle bis 2013 einen
Rechtsanspruchauf einenKrippen-Platz
haben, sagte Schmid. Die vonder SPDan-
gestrebte AbschaffungvonKindergarten-
gebühren wird zunächst nicht umge-
setzt. „Das stellen wir erst einmal zurück
angesichts der Haushaltslage“, sagte
Schmid. Außerdem haben Grüne und
SPD beschlossen, die Landwirtschaft
frei von Gentechnik zu halten.
Der Koalitionsvertrag muss am 7. Mai
noch von Sonderparteitagen der Grünen
und der SPD gebilligt werden. Am
12. Mai will sich Kretschmann dann im
Landtag als Ministerpräsident zur Wahl
stellen. „Da die Wahl geheim ist, ist dies
der Stresstest für Grün-Rot“, sagte
Kretschmann. (Seite 4 und Wirtschaft)
Kandahar – Bei einemspektakulärenGe-
fängnisausbruch in der südafghanischen
Stadt Kandahar ist Hunderten Häftlin-
gen, darunter vielen Taliban-Kämpfern,
die Flucht gelungen. Die Vorbereitungen
hätten fünf Monate gedauert, teilten die
Taliban nach der Aktion mit. Der deut-
sche Isaf-General Josef Blotz wertet die
Gefangenenbefreiung „ohne Frage als
Rückschlag“ für die Bemühungen der
Nato, den SüdenAfghanistans zustabili-
sieren. Nun müsse „Schadensbegren-
zung“betriebenwerden, sagte er der Süd-
deutschen Zeitung. (Seiten 4 und 8) SZ
Berlin – Immer mehr Menschen in
Deutschlandarbeitenals Minijobber. En-
de September 2010 gab es mehr als
7,3 Millionen geringfügig entlohnte Be-
schäftigte, die bis zu 400 Euro abgaben-
frei verdienen können. Das sind fast
1,6 Millionen mehr als 2003. Dies geht
aus Zahlen der Bundesagentur für Ar-
beit hervor, die der Süddeutschen Zei-
tung vorliegen. Nach einer Studie des In-
stituts für Arbeit und Qualifikation an
der Universität Duisburg-Essen werden
Arbeitnehmerrechte bei Minijobs häufig
unterlaufen. DGB-Vorstandsmitglied
Annelie Buntenbach sagte der SZ: Für
viele Arbeitssuchende seien die 400-Eu-
ro-Jobs „eher eine Falle im Niedriglohn-
sektor als eine Hilfe. Minijobs werden zu-
dem missbraucht, um Schwarzarbeit zu
verschleiern“. (Wirtschaft) tö
Von Roman Dei ni nger
S t u t t g a r t – Die erste grün-rote
Landesregierung in Deutschland ist
nahezuperfekt. „Das meiste ist verhan-
delt“, sagte der designierte baden-
württembergische Ministerpräsident
Winfried Kretschmann (Grüne) am
Montag. Am Mittwoch wolle man den
Koalitionsvertrag vorstellen.
Von Tomas Avenari us
Kairo – Syriens Regime geht nun auch
mit Panzern gegendenlandesweitenAuf-
stand vor. Armee-Einheiten stürmten
nach Oppositionsberichten am Montag
die Stadt Daraa. Dabei sollen Artillerie
und Scharfschützen eingesetzt worden
sein. Mindestens elf Menschen sollen ge-
tötet wordensein, einige Oppositionsver-
treter sprachen gar von 25 bis 40 Toten.
Der erstmalige Einsatz von Truppen
bedeutet eine EskalationimKonflikt zwi-
schen Regime und Opposition. Er steht
auch im Widerspruch zu den Reformver-
sprechen von Präsident Baschir al-As-
sad. Bereits amFreitag und Samstag wa-
ren Sicherheitskräfte mit größter Härte
gegenDemonstrationeninStädtenvorge-
gangen. Bis zu126 Menschensollengetö-
tet wordensein. „Sie wollendie Revoluti-
on niederschlagen und gehen mit äußers-
ter Brutalität vor“, sagte ein Aktivist aus
Daraa. Die Stadt an der jordanischen
Grenze hat symbolische Bedeutung. Sie
war vor fünf WochenAusgangspunkt der
Revolte gegen das seit mehr als 40 Jahren
herrschende Regime. Bevor die Truppen
vorstießen, wurden die Grenze gesperrt,
die Stadt umstellt und die Telefonleitun-
genunterbrochen. Berichte der Oppositi-
on können jedoch nicht überprüft wer-
den, da Damaskus ausländischenJourna-
listen den Zugang verweigert.
Seit Ausbruch des Aufstandes in Syri-
en sollen bereits 350 Menschen ums Le-
ben gekommen sein. Die Revolte war
durch die Festnahme mehrerer Schüler
in Daraa ausgelöst worden, die regime-
kritische Parolen an Hauswände ge-
schrieben hatten. Assad reagierte wider-
sprüchlich: Er versprach Reformen und
hob den seit vier Jahrzehnten herrschen-
den Ausnahmezustand auf. Andererseits
setzt er seine Sicherheitskräfte immer
rücksichtsloser ein. Der Armee-Einsatz
inDaraa könnte einZeichensein, dass al-
le Proteste mit Waffengewalt unter-
drückt werden sollen. Assad scheint sich
der Streitkräfte sicher zu sein: Das Offi-
zierskorps ist mit Regimegetreuen oder
Mitgliedern der alawitischen Minderheit
besetzt, der auchdie Assad-Familie ange-
hört. In Ägypten und Tunesien hingegen
hattenOffiziere die Machthaber nachwo-
chenlangen Protesten gestürzt.
Am Sonntag startete das Regime zu-
demeine Verhaftungswelle inDaraa, Da-
maskus und anderen Städten: Es sollen
bereits 300 Menschenfestgenommenwor-
den sein. Ein Beleg für die Verschärfung
des Konflikts war der Rücktritt zweier
Parlamentarier und eines von der Regie-
rungeingesetztenIslamgelehrtenaus Da-
raa. Sie protestiertendamit gegendie Ge-
walt. Ein weiterer Islamgelehrter,
ScheichAhmedal- Sayasneh, tauchte un-
ter. Er hatte die Sicherheitskräfte als
„Mörder“ bezeichnet: „Wir haben einen
Punkt erreicht, an dem es kein Zurück
gibt. Sie töten unsere Söhne. Es gibt
nichts mehr, worüber man reden könn-
te.“ Die Zusammensetzung der Oppositi-
on ist undurchsichtig. Die Protestieren-
den fordern demokratische Reformen, in
ihren Reihen finden sich bekannte Men-
schenrechtler. Das Regime aber macht Is-
lamisten und „bewaffnete Kriminelle“
für die Unruhen verantwortlich.
US-Präsident Barack Obama warf As-
sad „empörenden Gewalteinsatz“ vor.
Assad suche bei der Niederschlagung der
Proteste zudem die Unterstützung seines
Verbündeten Iran. Damaskus wies dies
zurück. Als Antwort auf die Eskalation
erwägt Obama Sanktionen. Angeblich
sollen US-Konten syrischer Regimemit-
glieder eingefroren werden. (Seite 4)
HEUTE MIT
Flaggenmeer über der
Londoner Regent Street:
Kurz vor der auf der
ganzen Welt mit Span-
nung erwarteten Hoch-
zeit von Prinz William
und Kate Middleton am
Freitag schwelgt die
britische Hauptstadt im
nationalen Hochgefühl.
Am Wochenende wurde
die offizielle Gästeliste
für die Feierlichkeiten
bekanntgegeben. Unter
den fast 1900 Geladenen
sind erwartungsgemäß
Fußballer David Beck-
ham nebst Gattin Victo-
ria sowie der Sänger
Elton John. Doch es gab
auch Überraschungen
auf der Liste der Auser-
wählten, etwa den Schau-
spieler Rowan Atkinson
– „Mr. Bean“ ist ein
Freund von Prinz
Charles. (Panorama)
Foto: AFP
Die Untoten
Vor einem Jahr versanken die Griechen
imFinanzchaos. Da sind sie immer noch.
Von Kai Strittmatter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Schutzzonen für Libyen
Der Westen muss kampffreie Enklaven
durchsetzen: Sie bieten denMenschenSi-
cherheit und engen Gaddafis Spielraum
ein. Leitartikel von Stefan Kornelius . 4
Teufels Werk und Gottes Beitrag
In Tschernobyl erinnert man in Gedenk-
gottesdiensten an die Opfer der Reaktor-
katastrophe vor 25 Jahren. . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Quäle niemals vier zum Scherz
Juli Zehs kannibalistische Farce „203“
wurde amSchauspielhaus Düsseldorf all-
zu plakativ uraufgeführt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Auf Nummer sicher
Ständig liegen neue Hochglanzmagazine
amKioskaus. VoneinemBoomder Bran-
che kann trotzdem keine Rede sein. . . 15
„Für Lebensmittel kein Platz“
Kaufhof-Chef Mandac über Zusammen-
schlüsse von Kaufhaus-Konzernen. . . 19
Die Ergebnismaschine
Schalkes Gegner Manchester United
wird in England unterschätzt. . . . . . . . . . . . 25
Rätsel, TV- und Radioprogramm . . 9, 48
Politisches Buch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
München · Bayern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Familienanzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
Das Wetter
7,3 Millionen
Minijobber
Gewerkschaften warnen
vor Niedriglohnsektor
Koalitionsverhandlungen in Baden-Württemberg
Erstes grün-rotes Bündnis vor demAbschluss
Einigung auf Bildungsreform: Studiengebühren werden abgeschafft / Differenzen in der Verkehrspolitik
Assad setzt Panzer gegen Oppositionelle ein
Syriens Machthaber entsendet erstmals Militäreinheiten in die Stadt Daraa / USA drohen mit Sanktionen
Taliban befreien
Hunderte Häftlinge
Gabriel stützt Nahles
im Fall Sarrazin
A, B, E, F, GR, I, L, NL, P (Cont.), SLO,
SK: Q 2,70; dkr. 20; £ 2,70; kn 25; sfr. 4,80;
czk 80; TL 16; Ft 690
Baustelle Bologna – die ewige Studienreform/ Seite 40
Amerikas Absurdistan
Dokumente zeigen, wie Guantanamo-Insassen bewertet wurden
Süddeutsche Zeitung GmbH Hultschiner Straße 8
81677 München;Telefon 089/21 83-0,
Telefax -9777; redaktion@sueddeutsche.de
Anzeigen: Telefon 089/21 83-10 10 (Immobilien-
und Mietmarkt), 089/21 83-10 20 (Motormarkt),
089/21 83-10 30 (Stellenmarkt, weitere Märkte).
Abo-Service: Telefon 089/21 83-80 80,
www.sueddeutsche.de/abo
Dax
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geschlossen
Dow j
N.Y. 18 Uhr
12 459 Punkte
– 0,37 %
Euro i
18 Uhr
1,4571 US-$
+ 0,0020
Heute in der SZ
DEFGH
NEUESTE NACHRICHTEN AUS POLITIK, KULTUR, WIRTSCHAFT UND SPORT
DEUTSCHLAND-AUSGABE 67. Jahrgang / 17. Woche / Nr. 95 / 2,00 Euro München, Dienstag, 26. April 2011 HF2 HK2 HS2 HH2
Gewinnzahlen vom Wochenende
Lotto (23.04.): 6, 16, 18, 22, 29, 41
Zusatzzahl: 48, Superzahl: 2
Toto: 0, 1, 1, 2, 1, 2, 1, 0, 2, 1, 0, 1, 1
Auswahlwette: 1, 11, 14, 29, 38, 41
Zusatzspiel: 17
Spiel 77: 7 9 2 0 5 2 4
Super 6: 8 0 3 4 0 4
Weitere Gewinnzahlen: Wirtschaft,
Seite 23 (Ohne Gewähr)
(SZ) Helge Schneider hat in einem Lied
erläutert, dass Männer in der täglichen
Raumpflege keine befriedigendenErgeb-
nisse vorweisen können, deshalb die so
dringend wie zärtlich vorgetragene Bitte
an die Frau, mit ihren Fertigkeiten nicht
länger hintermBergzuhalten: „Baby, Ba-
by, dein ewiges Nein geht mir auf den
Sack, du Sau. Nimm schon den Lappen
und wisch den Tisch ab.“ Die Begrün-
dung liefert der Sänger in schöner Offen-
heit nach: „Ich kann es doch nicht. Ich
bin nur ein Mann, der nicht richtig put-
zenkann.“Schneider erklärt die Notwen-
digkeit der umstandslos zu bewerkstelli-
genden Hygienemaßnahme damit, dass
er in der Nacht zuvor einen Kringel mit
dem Pilsglas auf den Mahagonitisch ge-
macht habe, den es nun zu entfernen gilt
– eine Aufgabe, für deren Umsetzung er,
wie gesagt, die Frau im Blick hat. Zur
Ehrenrettung des Mannes sei gesagt,
dass er bereits einenkariertenLappenge-
kauft hat, „deine Lieblingsfarbe ka-
riert“, wie er lockend nachschiebt.
Feinde misogyner Lebenseinstellun-
gen mögen hier bitte noch nicht zur Be-
schwerde greifen, denn es ist offenbar
selbst bei aufgeklärtenundder Gleichbe-
rechtigung verschworenenPaaren gängi-
ge Praxis, dass der Fraudie tägliche Rein-
haltung der gemeinsamen Wohnung zu-
gewiesenwird. Das Umfrageinstitut For-
sa, jetzt kommen die reinen Fakten auf
den blank gewischten Tisch, hat erho-
ben, dass in 58 Prozent der Fälle die Frau
des Hauses putzt, als sitze ihr der Teufel
auf der Schulter. Nun könnte man sarra-
zinisch meinen, es liege in der Natur der
Frau, regelmäßig kompromisslose Rein-
lichkeit vorweisen zu müssen. Aber das
stimmt nicht oder nur bedingt. Es ist viel-
mehr so, dass die Versuche von Männern,
die gemeinsame Wohnung vor der Verun-
reinigung zu schützen, in den meisten
Fällen fehlschlagen. Männer können es
einfachnicht, undwas Männer nicht kön-
nen, müssen Frauen leisten, es gibt eben
nur zwei Geschlechter in der Welt.
DemMann, putzunfähig seit seiner Er-
schaffung, bleibt nur noch, die Frau für
ihre Fertigkeiten zu preisen – beimFens-
terputzen, beim Schränkeauswischen,
und nach dem Bettenmachen soll sich
der Mann nicht achtlos aufs Laken knal-
len, als gewahre er die Auffrischung
nicht; nein, der Mannsoll die Frauundih-
re Leistung feiern, wie es Rilke indenSo-
netten an Orpheus anmahnt: „singender
steige, preisender steige zurückindenrei-
nen Bezug“. Natürlich lässt die ganze
Chose auch die Männer nicht glücklich
zurück. Eigentlich wollen Männer keine
putzenden Frauen; sie wollen mit ihren
Frauen essen, ins Kino oder sonst wohin
gehen. Sie wollen glücklich sein mit ih-
ren Frauen, aber mit ständig putzenden
Frauen ist kein Mann glücklich. Deshalb
ist es immer ganz wichtig, dass Mann
undFraufür einpaar StundenamTag ge-
trennte Wege gehen, also dass jeder ein-
fach seinen Kram macht, nicht wahr?
London im
Brautkleid
4 190655 802008
2 1 0 1 7
Rolf Rosenbrock leitet die Forschungs-
gruppe Public Health im Wissenschafts-
zentrum Berlin. Seit dreißig Jahren setzt er
sich für eine Gesundheitspolitik ein, die auf
soziale Unterschiede Rücksicht nimmt.
SZ: Das Bildungspaket soll die Chan-
cenbenachteiligter Kinder erhöhen. War-
um sind Sie nicht zufrieden damit?
Rosenbrock: Abgesehen davon, dass
das Bildungspaket bislang nicht funktio-
niert – es ist bestenfalls ein sehr kleines
Teilchen in einem Puzzle, das viel größer
sein müsste. Arme Kinder brauchen
mehr als zehn Euro für den Sportverein.
SZ: Was verlangen Sie?
Rosenbrock: Wir braucheneine Strate-
gie, die auf den Abbau von Armut setzt.
Denn wir wissen: Kinder aus armen Fa-
milien sind deutlich häufiger krank als
ihre wohlhabenden Altersgenossen. Sie
leben seltener in einem Netzwerk siche-
rer Beziehungen und haben weniger Er-
folgserlebnisse. Sie erhalten weniger An-
regungen, entwickelnweniger eigene Zie-
le, sind dann schlechter in der Schule.
Sie landen später bestenfalls in eher un-
gesunden Jobs und entwickeln schon ab
Kindheit eine Lebensweise, von der wir
wissen, dass sie zu mehr Krankheit und
zu kürzerem Leben führt. Einen großen
Teil dieser Probleme kann man kompen-
sieren: mit partnerschaftlicher Betreu-
ung um die Geburt durch Familienheb-
ammen, mit systematischem Ausbau der
Frühförderung, mit besserer Unterstüt-
zung von Elterngruppen, mit starkenAn-
reizen zum frühen Kita-Besuch, einem
Ausbau der Kitas zu anregenden Lern-
räumen. All das ist bekannt und ist Kon-
sens unter Gesundheitswissenschaftlern.
SZ: Sie waren mehr als zehn Jahre
lang im Sachverständigenrat für das Ge-
sundheitswesen. Da hätten Sie das von
der Bundesregierung verlangen können.
Rosenbrock: Was glauben Sie, was wir
getan haben? Sie müssen sich nur an-
schauen, welche Expertise die Minister
der schwarz-gelben Bundesregierung
beim Amtsantritt auf ihren Schreibti-
schen vorfanden. Da lagen 300 Seiten
Gutachten des Sachverständigenrats zur
Kindergesundheit, indenengenaudas ge-
fordert wird. Der Kinder- undJugendbe-
richt kamzumgleichenErgebnis. Das Ro-
bert-Koch-Institut und die Bundes-
zentrale für gesundheitliche Aufklärung
– die beiden zuständigen Bundesbehör-
den– habeneinAktionsprogrammvorge-
legt. Doch was tut Gesundheitsminister
Philipp Rösler? Er sagt ein Jahr lang
nichts zum Thema Kinder und Jugendli-
che. Dann regt er eine neue Gebührenpo-
sition „Gesundheitsberatung“ für Kin-
derärzte an. Es fällt schwer, so was als
Ignoranz abzutun.
SZ: Dem Bund fehlt vielleicht nur das
Geld für ambitionierte Politik.
Rosenbrock: Wir brauchen keine Rie-
sensummen. Wir müssen nicht alle Kin-
der in Deutschland massiv unterstützen.
Den meisten geht es besser als je zuvor.
Ungefähr achtzig Prozent leben in besse-
rengesundheitlichenBedingungenals je-
de Generation zuvor – ihnen fehlen we-
der Geld noch Förderung noch elterliche
Zuwendung. Sie profitieren davon, dass
Deutschland seit sechzig Jahren in Frie-
den und relativem Wohlstand lebt. Aber
wir wissen, dass das bei zwanzig Prozent
nicht so ist. Diese Kinder müssen wir
schützenundunterstützen– es gibt Hand-
lungsbedarf bei einer ziemlich klar defi-
niertenGruppe. Hier zuhelfenist viel bil-
liger als eine Kindergelderhöhung.
Interview: Felix Berth
Von Fel i x Berth
D
ie Kluft öffnet sich früh. Kinder,
die in einem armen Stadtviertel
wie dem Berliner Wedding zur
Welt kommen, wachsen vergleichsweise
häufig mit Zigarettenqualm in der Woh-
nung auf. Etwa jede sechste Mutter mit
niedrigemEinkommenraucht, obwohl sie
einkleines BabyzuHausehat. InStadttei-
len wie dem wohlhabenden Berlin-Zeh-
lendorf ist das anders. Von den ökono-
misch bessergestellten Müttern rauchen
nicht einmal vier Prozent. „Das Risiko für
ein Kind, dem Passivrauch ausgesetzt zu
werden, ist in benachteiligten Familien
viermal sohochwie inbegünstigten“, sagt
der Epidemiologe Thomas Lampert vom
Robert-Koch-Institut.
Wie gesund ein Kind in Deutschland
aufwächst, hängt zu einem erheblichen
Teil vonWohlstandundBildungseines El-
ternhauses ab. Bestürzt stellen Forscher
fest, dass mit der Armut auchdie Gesund-
heitsrisikenrapide wachsen. Sogilt inzwi-
schenjedes siebte Mädchenaus der Unter-
schicht als fettleibig; in der deutschen
Oberschicht ist es nur jedes 25. Kind.
Mehr als jedes dritte Mädchenaus benach-
teiligtenFamilienberichtet vonFressatta-
cken mit anschließendem Erbrechen – im
wohlhabenden oberen Drittel der Gesell-
schaft sind davon halb so viele Mädchen
betroffen. Ähnlich ist es bei psychischen
Problemen: Jeder sechste Junge aus der
Unterschicht gilt laut Robert-Koch-Insti-
tut als verhaltensauffällig oder als psy-
chisch auffällig. In der Oberschicht ist es
nur jeder zwanzigste. Bei denMädchenist
der Unterschied noch ausgeprägter.
Egal ob Mediziner und Sozialwissen-
schaftler beobachten, wie viel Sport Ju-
gendliche betreiben, ob sie rauchen oder
gewalttätig werden– immer stellensie ein
soziales Gefälle fest: je wohlhabender und
gebildeter die Eltern, desto gesünder die
Kinder. Je ärmer die Eltern, desto gefähr-
deter die Kinder. Was natürlich nicht
heißt, dass das Leben aller Jungen und
Mädchen im Wedding oder im Münchner
Hasenbergl vorherbestimmt wäre – auch
dort kann man aufwachsen, ohne an Fett-
leibigkeit zu erkranken oder gewalttätig
zu werden.
Doch die sozialen Unterschiede sind
auf mehrfache Weise irritierend. Zum ei-
nen: Je größer sie werden, umso weniger
glaubt man Politikern wie dem Sozialde-
mokraten Franz Müntefering, wenn diese
beteuern, es gebe „keine Schichten in
Deutschland“–dennes gibt sie, undoffen-
bar stimmt das Selbstbild der Bundes-
republik als „nivellierte Mittelstandsge-
sellschaft“ nicht mehr. Zum anderen
stellt sich die heikle Frage, wen man für
die Ungleichheit verantwortlich macht:
die Betroffenen oder die Gesellschaft.
Mankönnte dieFrageauchpolemischstel-
len: Was kann die Allgemeinheit dafür,
dass eine junge Schwangere in Duisburg-
Marxloh zur Zigarette greift und mit dem
Qualm ihr Baby gefährdet? Mit solchen
Fragenlandet manmitteninder Sarrazin-
Debatteüber die Ursachensozialer Unter-
schiede. Der Medizinsoziologe Nico Dra-
gano von der Universität Duisburg-Es-
sen, der die wachsenden Ungleichheiten
seit Jahren mit Sorge beobachtet, warnt
davor, „die Opfer einseitig verantwort-
lich zu machen“. Sein Vorschlag konzen-
triert sich auf die Kinder: „Es muss dar-
um gehen, die nachwachsende Generati-
on zu befähigen, dem Kreislauf von Ar-
mut, geringer BildungundhohenGesund-
heitsrisiken zu entkommen.“ Damit helfe
man denen, bei denen sich die Schuldfra-
ge erübrigt: Ein Zweijähriger kann nun
mal nicht entscheiden, ob seine Mutter
rauchen darf oder nicht.
Ähnlich argumentieren die Wissen-
schaftler, diefür Unicef jüngst dieLebens-
welt der benachteiligtenKinder beschrie-
ben haben: „In den ersten Jahren haben
Kinder keinen Einfluss auf ihre
Lebensumstände. Wenn sie in Armut auf-
wachsen, wenn ihre Gesundheit bedroht
ist oder ihre kognitive Entwicklung
schlechter ist, dann ist das nicht die
Schuld der Kinder“, heißt es in einemun-
veröffentlichten Bericht des UN-Kinder-
hilfswerks.
Gesundheitswissenschaftler betonen,
dass Risiken der frühen Kindheit noch
Jahrzehnte später wirksam sind: „Briti-
sche Langzeitstudien zeigen, dass gefähr-
dete Kinder dann im Erwachsenenalter
häufiger Herzinfarkte und Schlaganfälle
erleiden“, sagt Lampert. Letztlich sei ihre
Lebenserwartung niedriger: Wer in einer
Familie aus dem ärmsten Fünftel auf-
wächst, lebt im Schnitt sieben bis zehn
Jahre kürzer als jemand, dessen Eltern
zum reichsten Fünftel gehören. Mag sein,
dass der Tod alle Menschen gleich behan-
delt – seinZeitpunkt aber hängt auchvom
Wohlstand ab.
„Kinder brauchen mehr als zehn Euro für den Sportverein“
Der Sozialwissenschaftler Rolf Rosenbrock über die Mängel des Bildungspakets für arme Familien und die jahrelange Ignoranz der Politik
U
nicef, das Kinderhilfswerk der Ver-
einten Nationen, beklagt die zuneh-
mende Ungleichheit der Lebensbedin-
gungenvon Kindern in den reichen Staa-
ten. IndemneuenBericht der Organisati-
on– „The children left behind“, übersetzt
etwa: „Kinder im Abseits“ – landet
Deutschland auf einem mittleren Platz:
In elf der 24 untersuchten Länder gelän-
ge es besser, die benachteiligten Kinder
zuunterstützen, so der Report; zwölf wei-
tere Länder schnitten schlechter ab als
die Bundesrepublik. Zu den Staaten, die
für erstaunlich viel Gleichheit bei Kin-
dern sorgen, gehören Dänemark, Finn-
land, die Niederlande und die Schweiz.
Die schlechtesten Plätze erreichen Grie-
chenland, Italien und die USA.
Dem deutschen Bildungssystem ge-
lingt es nach Angaben von Unicef zu we-
nig, benachteiligte Kinder zu fördern –
hier erreicht die Bundesrepublik nur
Platz 20 von 24. Allerdings stützt sich
Unicef nicht auf die neuesten Pisa-Da-
ten, bei denen die deutschen Ergebnisse
etwas besser waren. Beim Thema gesun-
de Ernährung landete Deutschland auf
Rang 15, weil arme Kinder oft nur wenig
Obst und Gemüse essen. Beim Thema
Sport schnitt Deutschland relativ gut ab:
Kinder aus ärmeren Familien treiben
zwar nicht so viel Sport wie ihre wohlha-
benden Altersgenossen – doch der Ab-
stand ist auch nicht riesig. fex
Platz 12
von 24
Fordert bessere Förderung: Gesund-
heitsexperte Rolf Rosenbrock. Foto: oh
Armut prägt das ganze Leben lang: Ein Kind in Berlin sammelt leere Flaschen. Jens Gyarmaty/Visum
Ärmer, dicker, kränker
Kinder aus benachteiligten Familien rauchen häufiger, ernähren sich schlechter und sind öfter gewalttätig
Sie nannten ihn „Harry“. Er war mehr
als 100 Meter lang und befand sich in et-
wa neunMeternTiefe. Er war mit Bettge-
stellen abgestützt, ineinandergeschobe-
ne, leere Milchdosen stellten die Luftzu-
fuhr sicher. „Harry“ist wohl einer der be-
rühmtesten Fluchttunnels, die seit jeher
die Phantasie der Menschen anregen –
und nicht zuletzt deshalb ist die Flucht
durch dieselben auch immer wieder ver-
filmt worden. So auch die Story über
„Harry“, der indem1963 gedrehten ame-
rikanischenKriegsfilm„Gesprengte Ket-
ten“ mit Steve McQueen eine entschei-
dende Rolle spielt. Der Film basiert auf
einer wahren Begebenheit: ImMärz 1944
gelang mehr als 70 alliierte Kriegsgefan-
gene inNiederschlesiendurcheinenTun-
nel die Flucht aus einem Lager. Seit der
Antike wurden Machtzentren, später
Burgen, mit langen Tunneln versehen,
die es der Besatzung ermöglichen sollten,
einer gegnerischen Übermacht ungese-
henzuentkommenoder heimlichVerstär-
kung zu holen. Die unterirdischen Bau-
werke wurden auch zur Flucht aus der
DDR genutzt: Durch mehr als 60 Flucht-
tunnel gelangten 300 DDR-Bürger nach
Westberlin. Jüngst grub sich eine nieder-
ländische Mörderin mit einemLöffel den
Weg aus demGefängnis. Und nun sind in
der afghanischen Provinz Kandahar of-
fenbar mehr als 470 Talibankämpfer
durcheinen300 Meter langenTunnel ent-
kommen. An Filmstoff dürfte es also
auch künftig nicht mangeln. rop
Aktuelles Lexikon
Fluchttunnel
Die Statistik ist eindeutig: Kinder aus armen und
ungebildeten Familien leiden deutlich häufiger un-
ter Krankheiten als ihre reicheren Altersgenossen.
So ist zumBeispiel das Risiko, Passivrauchen aus-
gesetzt zu sein, in benachteiligten Familien vier-
mal so hoch wie in begünstigten. Doch auch Fettlei-
bigkeit, Essstörungen, psychische Auffälligkeiten
und Gewalttätigkeit kommen bei armen Kindern
weitaus öfter vor. Ist das die Schuld der Eltern?
Der Gesellschaft? Jedenfalls ist es nicht die
Schuld der Kinder. Experten sehen den Trend mit
wachsender Sorge – und fordern von der Politik,
durch gezielte Förderung gegenzusteuern.
Ein Zweijähriger kann nicht
entscheiden, ob seine Mutter
rauchen darf oder nicht.
Jeder sechste Junge
aus der Unterschicht
gilt als verhaltensauffällig.
Seite 2 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 HF2 Dienstag, 26. April 2011
THEMA DES TAGES
Kinder im Prekariat
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2012. Time for Change
Ein Film von João Amorim
DVD, 80 Minuten,
19,95 Á (D)
ISBN 978-3-942166-29- 4
Der Dokumentarfilmerfolg mit Sting, David Lynch, Ellen Page und vielen mehr: Das Jahr 2012
wird keinen Zusammenbruch unserer Gesellschaft einläuten, wie apokalyptische Prophezeiungen
proklamieren, sondern die Geburt einer globalen nac h haltigen Kultur: Zusammenhalt statt
Wettbewerb. Das zeigt Bestsellerautor Daniel Pinchbeck eindrucksvoll im Gespräch mit Visionären,
Architekten, Ökonomen, Erfindern, Öko-Unternehmern und Prominenten.
Filmvorführung:
Do 28.04.11, 19.00 Uhr,
Gloria Filmpalast, Stachus
Einführung von Christian Strasser, Verleger
und Autor von Das erwachende Bewusstsein,
www.scorpio-verlag.de
Karten an der Abendkasse oder unter:
www.cosmic-cine.com
Der Film eröffnet das erste Cosmic Cine Filmfestival:
4 Wochen, 4 Städte und über 30 Filme zu den Themen
Bewusstseinswandel und Spiritualität.
Der Film für diese Zeit
DEUTSCH-
LAND-
PREM
IERE
IN
M
ÜNCHEN
»Ein optimistisches
Gegenstück zu all den
apokalyptischen
Prophezeiungen« BBC World
Von Kai Stri ttmatter
Athen / Stilida – Nein, es geht nicht ums
Geld, das sagenalle hier: Das ist keine Fi-
nanzkrise, das ist eine Krise unserer Poli-
tik, unserer Kultur. Es geht um uns. Ein
Landist imfreien Fall und mit einemMal
ist da ein Ort in Europa, wo das große
Brausen verstummt, und da ist Stille und
die Frage: Wozu? „Wenn du ein ‚Wozu‘
hast“, sagt die Psychotherapeutin, „er-
trägst du jedes ‚Wie‘.“
Zunächst aber hätten die Griechen
gern diese Frage beantwortet: Wie lange
dauert er noch, der Fall? Und wenn wir
unten aufprallen, brechen wir uns dann
bloß sämtliche Knochen imLeib oder den
Hals gleich dazu?
Länder sterben nicht, sagt der Berater
des Premierministers. Dafür gibt es uns
schonzulange. Die Frage ist nur, wie lan-
ge wir leiden. Länder sterben nicht, sagt
der Schriftsteller, Systeme schon. Und
das unsere ist mausetot. Die Frage ist, ob
wir ihm eine gute Beerdigung spendieren
oder ob wir die Leiche stinken las-
sen – riech mal, es stinkt zum Himmel.
Der Tod beschäftigt die Menschen jetzt,
sagt die Psychotherapeutin. „Meine Pra-
xis läuft gut, ich habe mehr Patienten als
je zuvor. Aber mir ist bang.“
SCHOCK! SCHOCK! SCHOCK! Die
Misere springt den Spaziergänger an im
HerzenvonAthen, auchinder Skoufa, je-
ner Straße im Nobelviertel Kolonaki, wo
eben noch das gedankenlose Leben zu
Hause war. Kostas Kalfopoulos, Essayist
bei der liberal-konservativen Zeitung
Kathimerini, hatte uns gewarnt. Manche
StraßenAthens, sagte er, mutetenihnheu-
te an wie ein verlassenes Westernkaff:
„Nur der Chinese ist noch da, der Saloon
und das Beerdigungsinstitut.“ Am 10.
Mai 2010 wurde das größte Rettungspa-
ket der europäischen Geschichte ge-
schnürt. Gerettet fühlt sich heute, ein
Jahr später, kaum einer. Der Schock, den
die lauten Plakate versprechen, der will
die gute Nachricht sein: Sie werbenmit ei-
nem Preissturz von 60 Prozent auf Anzü-
ge, 70 auf Schuhe, 80 auf Negligés. „Es ist
zum Heulen“, sagt eine Freundin, und
dann lacht sie: „Wir könnten uns nun alle
neu einkleiden für fast nichts – aber
selbst das bisschen Geld haben wir
nicht.“ZumerstenMal inihrem35-jähri-
genLebenhat sie anWeihnachtenvonnie-
mandem etwas geschenkt bekommen,
nicht vondenEltern, nicht vondenFreun-
den. Und so gähnen immer mehr schwar-
ze Höhlen, wo ebennoch Schaufenster ei-
nen Blick ins Schlaraffenland verhießen.
In der Solonos-Straße im selben Viertel
sechs leere Läden auf hundert Metern.
Am Fenster eines verlassenen Ladens ein
Plakat: „Es gibt noch Hoffnung“. Wer ge-
nauer hinguckt, erfährt, dass sich Herco-
lubus, der rote Planet, unserer Erde nä-
hert und der Untergang von Zivilisatio-
nen droht, es sei denn, der Mensch übte
sich in „astraler Loslösung“. Die gelingt
nicht jedem. Und doch sind nicht alle
schlechter Laune.
Es ist Sonntag. Es regnet. Das Volk er-
hebt sich heute in einem Einkaufszen-
trum in Cholargos im Norden Athens.
Von dort geht es in einer Kolonne von
fünfzehnKleinwagenzur nächstenMaut-
station auf der Flughafenautobahn. „Bis-
lang saßen wir nur da und tranken Kaf-
fee“, sagt der glatzköpfige Anführer Zer-
vas Dimitris, einTontechniker. „Jetzt fan-
gen wir mit der Revolution an.“ Bei der
Maut geht alles ganz schnell: Sie parken
ihre Autos auf dem Standstreifen, sprin-
gen heraus, laufen zu den Schran-
ken – und drücken sie auf. Dann schwen-
kensie ihre Banner undwinkendie heran-
fahrenden Autos durch. „Wir zahlen
nicht“, ruft ihnen einer durchs Megafon
zu: „Die Straßen gehören uns. Wir haben
sie schon bezahlt.“ Die meisten Autofah-
rer bremsen kaum ab, winken fröhlich,
hupen und rasen durch: Wo die Guerilla
der „Ich zahle nicht“-Bewegung auf-
taucht, ist sie ein voller Erfolg.
Wer die Guerilleros sind? Denlanghaa-
rigen Studenten und den anarchistischen
Intellektuellen gibt es auch in ihren Rei-
hen, aber sie stehen neben dem Ingenieur
im Parka, dem Rentner im abgetragenen
Anorak und dem eben vom Laufen dazu-
gestoßenen Ehepaar im Jogginganzug.
Hier rebelliert der Bürger. „Demokratie
wurde von den einfachen Menschen ge-
schaffen, erst danach kamen die Philoso-
phenundschriebenalles auf“, sagt die Im-
mobilienmaklerinArgyro Koukouta. „Da-
rum haben wir so gute Philosophen: Weil
wir immer einVolkder Tat waren.“Argy-
ro Koukouta ist schon seit August bei den
Demos gegen die Mautstationen dabei,
diewie Pilze aus demBodenschießen, seit-
dem die Maut privatisiert wurde. Geld
hat sie imletztenJahr mit ihrer Firmakei-
nes verdient. „Keiner kauft, keiner ver-
kauft. Egal. Ichhabwas zur Seite gelegt.“
Der Herr imblauen Pullunder war ein-
mal Diplomat, er möchte seinen Namen
nicht nennen, aber fragen möchte er die
EUschon gern, warumsie Griechenlands
korrupte Politiker mit Geld zugeschissen
hat, ohne sie je zu kontrollieren? „Und
jetzt sollen die einfachen Leute die Rech-
nung bezahlen.“ Seiner eigenen Regie-
rung hat er das zu sagen: „Sie nennen es
Unrecht, was wir hier tun. Das stimmt
nicht. Wir reagieren nur auf ihr Unrecht.
Wir haben Kinder, die müssen fortziehen
in andere Länder, weil sie keine Zukunft
hier sehen. Sie streichen unsere Renten,
unsere Löhne und wollen von uns mit ei-
nemMal Gebühren für Lehrer und Ärzte,
für Schulen und für Krankenhäuser, die
verfallen.“ Mit ihren Protesten gegen die
Maut ist die Bewegung bekannt gewor-
den und rasch gewachsen: 20 000 regis-
trierte Mitglieder zählt sie, angeblicheine
halbe Million Teilnehmer an ihren Aktio-
nen des zivilen Ungehorsams. Nun ruft
sie auch zum Schwarzfahren in Bussen
und U-Bahnen auf. Zum Abschied sagt
der Anführer, wenn es nach ihm ginge,
dann gelte der Slogan „Ich zahle nicht“
auch für die Schulden des Landes. „Es
sind nicht unsere Schulden“. Ja, sagt er
dann noch, sein Leben habe sich verän-
dert: „Zum Besseren. Wir nehmen jetzt
dieSache selbst indie Hand.“Er wirkt be-
schwingt.
ImCafé „Filion“ sitzt der Schriftsteller
und lacht. 65 000 Unternehmen haben im
letzten Jahr Insolvenz angemeldet. Die
Löhne wurden gekürzt, die Steuern er-
höht, viele einfache Griechen haben des-
halb 30 Prozent weniger Geld in der Ta-
sche als vor einemJahr. Viele habenüber-
haupt keine Arbeit mehr. UndPetros Mar-
karis, der Krimiautor, sitzt da und muss
lachen. Er muss einfach, weil er den Tag
sonst nicht übersteht, der um halb acht
Uhr mit Zeitungslektüre beginnt, einer
Lektüre, die stets frühmorgendliche Em-
pörung nach sich zieht, welche unweiger-
lich in spätmorgendliche Verzweiflung
umschlägt. „Es ist anstrengend“, sagt der
74-Jährige, der den Griechen Brecht und
Goethe übersetzt hat: Das Land tief ge-
spalten in Leidende und noch immer Pri-
vilegierte. Der Premier ein gutmütiger
Zauderer, der sich vor den nötigen Ent-
scheidungen drückt. Die Opposition:
noch schlimmer. Die politische Kaste von
außen rechts bis außen links: abgewirt-
schaftet. „Kennen Sie den Film ‚The
night of the living dead‘? Den Zombie-
film? Da steckenwir gerade drin.“Die Ju-
gend hat nur mehr eine Hoffnung: raus
aus Griechenland. „Wenn man aber den
Scheißapparat reformieren will, braucht
mandochdie jungenLeute.“ Der Galgen-
humor, er mag helfengegen die Verzweif-
lung, gegen die Empörung aber ist er
machtlos: „Ein Wahnsinn.“ Seine Toch-
ter ist gerade weg, nach Istanbul. Was
hält er dennvonder „Ichzahle nicht“-Be-
wegung? Im Prinzip hätten die Leute ja
recht, meint Markaris. „Aber mit einem
werde ich nie einverstanden sein: Die
Griechen ersetzen die eine Gesetzlosig-
keit durch eine andere. Natürlich ist das
Landda aus den Fugen.“ Es gehe, ergänzt
Makaris’ SchriftstellerfreundTakis Theo-
doropoulos, auch um verlorene Würde.
Ruiniert haben das Land auch schon an-
dere, der große Perikles zum Beispiel.
Aber der schenkte der Welt zuvor die De-
mokratie und der Stadt den Parthenon.
„Das ist der Unterschied“, sagt Theodoro-
poulos: „Der eine schuf den Parthenon,
die anderen tanzten im Nachtclub.“ Die
Schriftsteller wehren sich mit ihren Waf-
fen. Petros Markaris lässt seinenKommis-
sar Kostas Charitos gerade durch das
Athen der Krise stolpern. „Faule Kredi-
te“ heißt der Roman, Teil eins einer Trilo-
gie. Ein Mörder geht um und köpft Ban-
ker. Das liest sich, aus Markaris’ Feder,
auch lustig. „Griechenland ist zurzeit die
Hölle“, sagt er. „Aber für Krimiautoren
ist es das Paradies“. Er lacht laut.
Dem Herrn Markaris, sagt der nach-
denkliche Herr, der lieber namenlos blei-
ben möchte, würde er gerne ein paar Din-
ge zuflüstern für seine Romane. „Von un-
serenZeitungenschreibt die nämlich kei-
ne.“ Es folgt ein erstaunliches Gespräch
über die alte Oligarchie, über die Unbe-
rührbaren, die sichdie Presse wie die Poli-
tik kauften, und die jede Reformzu sabo-
tierensuchten, über die Omertà, das mafi-
öse Schweigen, das noch immer die wah-
renÜbeltäter imLandschütze. EinKoka-
insüchtiger, dessen Familie die Sucht
noch nicht wirklich angesprochen habe,
das sei Griechenland. Wer jagt sie, wer?,
fragt der Herr leise, all jene, die nicht 300
und nicht 30 000 Euro Steuern, sondern
300 Millionen Steuern hinterzogen ha-
ben? „Korruption ist eine Krankheit, die
die Seele einer Gesellschaft tötet“, sagt
er. „Undhier ist es die große Megakorrup-
tion, die das Systemerschafft, das die klei-
ne Korruption fördert undtoleriert.“ Wer
wirdder Eliot Ness Griechenlands, der Jä-
ger, der hier die Al Capones zur Strecke
bringt? „Man darf sich keine Illusionen
machen“, sagt er. „Diese Leute werden
ihr Leben riskieren.“ Der Herr ist gebil-
det, weit gereist, er hat in Ländern gelebt,
die zerfressen wurden vomGeschwür der
Korruption. Deshalb, sagt er, habe er
Angst vor dem, was er beobachte. Der Pre-
mier sei ein zutiefst ehrlicher Mensch.
„Aber früher oder später wird das nicht
mehr reichen. Wir nähernuns diesemMo-
ment.“ Er sagt, er setze sich oft in Cafés
und lausche den Menschen. „Mich wun-
dert, wie ruhig sie noch sind bei all ihrem
Zorn. Wenn wir Lynchjustiz und Vanda-
lismus sähen – es wären menschliche Re-
aktionen. Und doch gab es keinen Amok-
lauf bisher. Ich meine das wörtlich: Der
Amoklauf eines Vaters, der sich schämt,
weil er seinen Kindern das Essen nicht
mehr auf denTisch stellenkann, er würde
mich nicht überraschen. Manchmal glau-
be ich fast, wir bräuchten eine Revoluti-
on.“Der Herr ist vonNatur aus keinRevo-
lutionär. Er ist einBerater des Premiermi-
nisters, sein Freund zudem, deshalb, sagt
er: keinen Namen bitte.
Die Jagd, sie ist der Job dieses bulligen
Mannes, der jetzt mit beiden Händen auf
seinen Schreibtisch im Finanzministeri-
um klopft und ruft: „Sie haben ja recht!“
All die Griechen, die sagen: Warumsollen
wir Steuern zahlen diesem Staat, der uns
verhöhnt? Was insofern erstaunlich ist,
als er der oberste Steuereintreiber des
Landes ist: Yannis Kapeleris, Generalse-
kretär der Abteilung für Steuerfahndung
und Wirtschaftsverbrechen. Seit einem
Monat erst hat er dieses Amt, seinVorgän-
ger wurde wegen Erfolglosigkeit gefeu-
ert. Kapeleris ist ein erfahrener Steuer-
fahnder. Die Wette auf die Zukunft des
Landes, es hängt auch von ihm ab, ob sie
gut ausgeht. „Die Leute leiden“, sagt er:
„Wir müssen ihnen etwas zurückgeben.
Wir müssen ihnen zeigen, dass wir auch
die Reichen zur Verantwortung ziehen.“
Geschätzte 30 Milliarden Euro entgehen
dem Land pro Jahr an hinterzogenen
Steuern. Die Fahnder suchen jetzt Swim-
mingpools auf Satellitenaufnahmen, igno-
rieren nicht länger die Yachten und Lu-
xusvillen von Ärzten und Rechtsanwäl-
ten, die 20 000EuroJahreseinkommende-
klarierten. Noch2009 stelltendie Finanz-
ämter SteuerstrafeninHöhe von1,7Milli-
arden Euro aus, 2010 waren es schon fünf
und in diesem Jahr werden es elf Milliar-
den sein. „Das Messer des Chirurgen“,
sagt Kapeleris, „muss nun bis zum Kno-
chen schneiden.“
Die Chirurgen sind schon froh, wenn
man ihnen überhaupt ein Messer in die
Hand drückt, wo sie doch bisher mit blo-
ßen Händen operieren sollten. Giannis
Katsipis, Technikchef der Steuerfahn-
dung, führt stolz die neue Datenverarbei-
tung der Abteilung vor. Ein System, das
Datenabgleich vornimmt, die Beamten
die Akten der Steuerbürger elektronisch
ausfüllenlässt – undgleichzeitigdie Kon-
trolleure, die früher oft genug gegen
Schmiergeld arbeiteten, selbst kontrol-
liert. Katsipis ist stolz. „Bis Ende des Jah-
res führen wir das landesweit ein.“ Mo-
ment: EDV, Datenabgleich, Kontenkon-
trolle – all das gab es bislang nicht? „Das
gab es nicht. Wir arbeiteten auf Papier.“
Probleme haben sie noch genug: Es gibt
gerade mal 700 Fahnder und Buchprüfer
imLand, ausgerechnet die strengenAufla-
gen des Rettungspaketes verbieten dem
Finanzamt, mehr Leute einzustellen.
Dann ist da die marode Justiz: Wer er-
wischt wird, geht vor Gericht, und weiß,
dass sich Prozesse acht, neun, zehn Jahre
hinziehen. Im neuen Krimi von Petros
Markaris machen auf Twitter Mahnbot-
schaftengegenbekannte Steuerhinterzie-
her die Runde: „Bitte zahlenSie Ihre Steu-
ern. Sonst ist ihr LebeninGefahr.“Unter-
zeichnet: „Der nationale Steuereintrei-
ber“. Die ersten zahlen nicht und werden
prompt ermordet. „Das ist der einzige
Weg, in Griechenland Steuern einzutrei-
ben“, meint Autor Markaris. Yannis Ka-
peleris, der Jäger, bittet um etwas Ge-
duld. „Sie müssen verstehen. Wir hatten
bislang keinen Staat. Das ist es, was wir
hier tun: Wir bauen einen Staat auf.“
Eine Fahrt an die Baustelle. Stilida,
drei Stunden nördlich von Athen. 16 000
Einwohner, 70 Kilometer Küste, ein na-
gelneuer Bürgermeister: Apostolos Glet-
sos. Wer seinen Namen googelt, der
macht erst einmal mit dem schönen Kör-
per des Bürgermeisters Bekanntschaft:
Gletsos, nackt, in der Pose des altgriechi-
schen Diskuswerfers. Bilder aus einem
früheren Leben, da war Gletsos noch
Schauspieler, Star inTV-Serienwie „Her-
zensgeflüster“, Sexsymbol. Linker war er
auch und Heimatfreund dazu, und so ist
er seit Januar Bürgermeister in seinem
Heimatstädtchen Stilida. Ins Büro stürzt
er inSweatshirt undChinos. „Sindwir be-
reit für den Neuanfang?“ fragt er noch et-
was atemlos. „Die Griechen müssen se-
hen, dass die Betrüger ins Gefängnis ge-
hen. Dann halten sie es auch bei Brot und
Olivenöl aus.“ Olivenöl ist das Hauptpro-
dukt der Bauern hier. Wenn man an den
Nacktfotos im Netz vorbei blättert, dann
kommen andere Bilder. Sie zeigen Glet-
sos, wie er einen Bulldozer fährt und da-
bei die Leitplanke bei der Mautstationun-
ten an der Küste abreißt. Sein Protest da-
gegen, dass Tausende Olivenbauernplötz-
lich5,60 Euro bezahlensollten, jedes Mal,
wennsie von der einen Seite des Ortes auf
die andere fahren und dabei die Auto-
bahnkreuzen. Es läuft jetzt einVerfahren
auf Amtsenthebung. Und seine Leute lie-
ben ihn.
ImWahlkampf hatte er gesagt: Komme
mir bloß keiner ins Amt und verlange
„Rusfeti“ – die kleinen Gefälligkeiten,
die das System bisher schmierten. „Hier
korrumpiertendie Parteien das Volk, und
das Volk korrumpierte die Regierung“,
sagt Gletsos. „Ein Teufelskreis. Die Krise
ist unsere Chance, die Leute haben die
Schnauze voll. Ich bin hier angetreten,
um alle Seilschaften zu zerschlagen.
Auch bei uns am Ort wurde geschmiert.
Wir Griechen müssen endlich lernen, un-
ser Haus in Ordnung zu bringen, mit Re-
geln klarzukommen.“ Gletsos ist guten
Mutes. Das Budget der Gemeinde wurde
glatt halbiert? Es störe ihnnicht, behaup-
tet er, dass er statt fünf nur mehr zweiein-
halb Millionen Euro ausgeben darf: „Wir
schaffen es auch mit weniger. Man muss
das Geld nur richtig verteilen.“ Sie haben
jetzt Freiwilligendienste eingerichtet:
städtische Putzfrauen, die ohne Bezah-
lung noch eine Stunde länger schrubben,
Krankenhausärzte, die nach Dienst-
schluss noch behandeln. „Vielleicht lehrt
uns das die Krise“, sagt Gletsos: „Wie wir
glücklicher werden mit weniger Geld,
wenn wir Zusammenhalt und Mitgefühl
wiederentdecken.“
Wo führt das alles hin? Wohin gehen
wir? Ein letzter Besuch, im gutbürgerli-
chen Athener Vorort Kyfisia, bei der Psy-
chotherapeutin Evgenia Georganda, die
diese Fragen jeden Tag von ihren Patien-
ten hört. Führt es zu weniger Gier, zu
mehr Glück, mehr Solidarität, wie der
Bürgermeister hofft? Im besten Falle. Im
Moment, sagt Georganda, befänden sich
die Menschen noch immer im Stadium
des Schocks, des Leugnens. Angst undUn-
sicherheit beherrschten ihre Gedanken.
all das Gerede von der Umschuldung,
vom drohenden Bankrott. Selbst die De-
monstrationen auf den Straßen Athens
sind nicht das, was sie mal waren. „Die
Ruhe, die Stille da draußen, sie ist ge-
spenstisch“, sagt sie. „Wenn es wenigs-
tens große Proteste gäbe, dann würde
Dampf abgelassen. Aber so? Mir kommt
das Land vor wie ein Schnellkochtopf, in
dem sich Druck aufbaut. Die Frage ist:
Wann explodiert das Ding?“ Evgenia
Georgandasagt, sie sei einglücklicher, op-
timistischer Mensch. „Aber im Moment
stehe ich staunend da und bin verwirrt:
Wohin führt das alles?“
Die Untoten
Krimiautoren und Psychotherapeuten haben eine Menge zu tun. Steuerfahnder auch, sie arbeiten jetzt mit Computern.
Vor einem Jahr versank das Inselreich im Finanzchaos. Da ist es immer noch. Armes Griechenland. Eine Reise im Frühling.
Lynchjustiz oder ein Amoklauf?
Alles möglich. Den Berater des
Premiers wundert die Stille.
„Das Land kommt mir vor wie
ein Schnellkochtopf“, sagt die
Analytikerin. Druck ohne Ende.
Dienstag, 26. April 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 3
DIE SEITE DREI
Die Löhne? Wurden gekürzt. Die Steuern? Gingen rauf. Viele haben 30 Prozent weniger Geld in der Tasche als noch vor einem Jahr. Griechenland – alles andere als eine Postkartenidylle. Foto: vario images
„Die Krise ist unsere Chance“, sagt Stilidas Bürgermeister Apostolos
Gletsos. Sein Budget ist um die Hälfte geschrumpft. Foto: Strittmatter
Es gibt Leidende, und es gibt
noch immer Privilegierte, sagt
der Schriftsteller voller Wut.
V
or knapp zwei Wochen hat Franz
Müntefering seine erste Rede im
Bundestag nach fast zwei Jahren
gehalten. Es war auch seine erste Parla-
mentsrede nach der Schlappe der SPD
unter seinem Vorsitz bei den Wahlen
2009. Die Begründung für sein „Come-
back“ lieferte der 71-Jährige in der De-
batte zum Thema Potentiale des Alters
gleich mit: „Es gibt in der Demokratie
keinen Schaukelstuhl“, so Müntefering.
„Wenn ich älter werde und der Kopf in
Ordnung ist, habe ich Mitverantwortung
dafür, dass die Gesellschaft gelingt.“ Der
Redner erhielt zweimal Applaus aus den
Reihen der Union – offenbar genießt der
einstige Vizekanzler der großen Koaliti-
on noch überparteiliche Akzeptanz.
Vermutlich auch aus diesem Grund
hatte man Müntefering für eine „Kon-
sensgruppe“ angeworben, die sich mit
demThema Zuwanderung undFachkräf-
temangel beschäftigen soll. Die Gruppe
wurde von der privaten Mercator-Stif-
tung initiiert. Diese Stiftung war 1996
von den Duisburger Kaufleuten Schmidt
gegründet worden, derenFamilienunter-
nehmen ein Vorläufer der heutigen Me-
tro AG war. Vorsitzende der Konsens-
gruppe sind der frühere Integrationsmi-
nister in Nordrhein-Westfalen, Armin
Laschet (CDU), und Peter Struck, ehe-
demFraktionschef der SPDundVerteidi-
gungsminister. Insgesamt hat die Grup-
pe 13 prominente Mitglieder, besser ge-
sagt: hatte, denn Müntefering ist inzwi-
schen wieder ausgetreten.
So was passiert schnell mal bei Münte-
fering, wenn es nicht nach seinem Kopf
geht. Der notorische Sauerländer re-
agiert bisweilen in einer Mischung aus
Mimosenhaftigkeit und Sturheit. Seinen
Abschied vom Fußball als Jugendlicher
hat er mal so beschrieben: „Ich habe vor
demSpiel gesagt: Wenn wir nicht gewin-
nen, dann höre ich auf. Wir haben 1:1 ge-
spielt. Es hat mir leidgetan, aber ich ha-
be es trotzdem gemacht. Aus.“ Das be-
kannteste Beispiel als Politiker war Mün-
teferings Rücktritt als SPD-Chef 2005,
weil die Partei seine Personalvorstellung
nicht mittrug. Müntefering räumte
selbst einmal ein, dass er für seine gele-
gentliche Unverrückbarkeit „nicht nur
Ruhm, sondern auch Asche auf mein
Haupt“ verdiene.
An der Konsensgruppe stieß sich Mün-
tefering nun aus mehreren Gründen. In
einem Brief an die Stiftung, aus dem die
Frankfurter Rundschau zitiert, bezeich-
nete Müntefering es als „ungehörig“,
dass noch vor dem ersten Treffen der
Gruppe imMai bereits eine Pressekonfe-
renz abgehalten wurde. Auch kritisierte
er den zu hohen Anspruch der Gruppe,
dem Parlament einen konkreten Vor-
schlag vorlegen zu wollen. Selbst die Be-
zeichnung „hochrangig“ wollte er für
das Gremium nicht stehen lassen „Was
soll dieser selbstverliehene Orden?“, frag-
te Müntefering in seinem Brief.
Vielleicht warendemVeteranMüntefe-
ring mit Struck, Herta Däubler-Gmelin
und Ludwig Stiegler auch zu viele SPD-
Veteranen in der Gruppe, ergänzt zudem
von Rita Süssmuth und Theo Waigel.
Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier
dagegen hat seinen zweitältesten Abge-
ordneten jüngst berufen, umamLeitpro-
jekt „neue Generationenpolitik“ mitzu-
wirken. In dieser Gruppe ist Müntefering
alleiniger Methusalem. Nico Fried
Kubas letzter Kampf
Die dänische Tageszeitung Information (Ko-
penhagen) meint zum politischen Reform-
prozess in Kuba:
„Kuba kämpft gegen die Zeit. Raúl
Castro hat erklärt, dass die Partei fünf
Jahre für die Reformder Wirtschaft benö-
tigt. Er hat aber nicht gesagt, wie das ge-
schehen soll. Und ob er so viel Zeit be-
kommt, ist ebenfalls fraglich. Wenn Prä-
sident Hugo Chávez die nächste Wahl in
Venezuela verliert, ist auch sicher
Schluss mit billigemÖl und anderen Hil-
fen von dort, die die kubanische Wirt-
schaft rein faktisch über Wasser halten.“
Überforderte Europäer
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszei-
tung schreibt über den Erfolg EU-kritischer
Parteien in ganz Europa:
„Die Euro-Krise, die nicht nur dem
vermeintlichen Dolce Vita im Süden Eu-
ropas geschuldet ist, sondern auch der
haarsträubendenKonstruktionder Wäh-
rungsunion, hat einen großen Deal been-
det, mit dem die EU über Jahrzehnte gut
gefahren ist. Die nördlichen Länder, ins-
besondere Deutschland, profitierten von
der Ausweitung des Binnenmarktes, wäh-
rendmansichimSüdenüber Strukturhil-
fenfreute. Die EUdes Jahres 2011hat da-
gegen ein hässliches Gesicht: Den einen
wird tief in die Tasche gegriffen, den an-
derenwerdendrakonische Sparprogram-
me auferlegt. Widerwillen dagegen gibt
es nicht nur bei den Kreditgebern. In Ir-
land ist eine Partei mit dem Versprechen
an die Macht gekommen, die Brüsseler
Auflagen zu entschärfen. Es wird nicht
das letzte Mal in Europa sein. Die Leute
sind nicht dumm, sie spüren, dass sich
die EU gehörig übernommen hat.“
Von Kehl bis nach Indien
Die im Elsass erscheinende L’Alsace kom-
mentiert die Ostermärsche in Deutschland:
„Tschernobyl und Fukushima beleben
die österlichen Friedensmärsche. In
Deutschland zielte diese Tradition zu-
nächst mehr auf die Atombewaffnung
denn die friedliche Atomnutzung. Das
Ende der Ost-West-Konfrontation hat
sie viel Zulauf gekostet. Doch der Anti-
Atom-Protest wirderneut von der Aktua-
lität belebt – von Kehl heute bis nach In-
dien, wo eine ganze Regiondas Projekt ei-
ner gigantischen Anlage mit einer Leis-
tung von 10 000 Megawatt ablehnt.“
Von Ni col as Ri chter
Wäre nicht allen geholfen, wenn Mu-
ammar al-Gaddafi im Exil verschwän-
de? An der karibischen Küste Venezuelas
womöglich, bei Revolutionsfreund Hugo
Chàvez, oder an den Stränden Siziliens,
bei Kumpel Silvio Berlusconi? Dort ir-
gendwo könnte Gaddafi sein Beduinen-
zelt aufschlagen, den Herbst des Lebens
genießenund vielleicht sogar eine Zweit-
karriere als internationaler Vortragsred-
ner. Schön für ihn, und schön vor allem
für sein Volk – es wäre den Gewaltherr-
scher los, der arabische Frühling hielte
auch in Tripolis Einzug.
Solche Gemälde eines versöhnlichen
Epilogs mit lauter Gewinnern zeichnen
nicht nur einige Beobachter des Weltge-
schehens, sondernauchdessenGestalter:
Amerikanische Diplomaten loten offen-
bar aus, ob sich nicht irgendwo eine Zu-
flucht finden ließe, deren Verlockungen
Gaddafi von der Macht trennen könnten.
InWashington heißt es allerdings, die Su-
che sei kompliziert, weil der Fall Libyen
das Weltstrafgericht beschäftige, weswe-
gen Gaddafi bald ein Haftbefehl drohen
könnte. Damit fielen etliche Länder, die
das Tribunal unterstützen, als Gastgeber
weg. Sie müssten ihn ausliefern.
Unter Gegnern der internationalen
Justiz ist dies eine beliebte These: Die
„Haager Rechts-Fundamentalisten“ wür-
den die ohnehin so komplexe Weltpolitik
noch komplexer machen. Weil sie um je-
den Preis auf Strafverfolgung bestün-
den, verharrten die von ihnen verfolgten
Gewaltherrscher an der Macht. Nur dort
könnten sich die Despoten noch sicher
fühlen; wer hingegen loslasse, der ende
rasch in einer Zelle an der Nordsee – wie
Milosevic, Karadzic oder Taylor.
Besonders letzterer Fall dürfte rot um-
randet in den Überlebensfibeln von Dik-
tatoren stehen: Als Charles Taylor noch
Präsident Liberias war, ermittelte be-
reits ein internationales Tribunal gegen
ihn. Er zog sich unter der Bedingung von
der Macht zurück, dass ihmNigeria siche-
res Exil gewähre. Dort lebte Taylor eine
Weile unbehelligt ineiner Villa mit Meer-
blick, bis die Regierung Nigerias ihn
dann doch fallenließ. Inzwischen wird
Taylor in Den Haag der Prozess gemacht
wegen Kriegsverbrechen.
Natürlich künden solche Verfahren
von Fortschritt – der internationalen Po-
litik, des Strafrechts. Vielleicht sogar der
Menschheit, falls die Weltjustiz eines Ta-
ges tatsächlich so universell agierte, dass
sie Kriegs- und ähnliche Verbrechen ein-
dämmen, gar vereiteln würde. So, wie
das deutsche Strafrecht potentielle Täter
abschreckt, wenn auch nicht alle.
Noch aber ist das Weltstrafgericht zu
schwach für Generalprävention. Es ist
schwach, weil es keine Polizei besitzt:
Deswegen regiert der mit Haftbefehl ge-
suchte Präsident Sudans einfach weiter.
Es ist schwach, weil es nur die anderen
verfolgen soll: Die USA etwa wollen sich
dem Tribunal nicht unterwerfen, finden
aber, dass in Libyen ermittelt werden
darf. Das Gericht ist schwach, weil es der
Politik weitgehend ausgeliefert bleibt:
Dem Pragmatismus, zuweilen Opportu-
nismus der Diplomatie, die lieber schnell
Probleme löst, als auf langfristige Seg-
nungen des Rechts zu hoffen. Also lassen
die USA einerseits gegen Gaddafi ermit-
teln, andererseits würden sie ihn wohl
auch vor Fahndern im Exil verstecken,
wenn sie ihn dadurch loswürden.
Es gibt keinen Beweis dafür, dass Jus-
tiz Leben kostet. Despoten verharren
nicht nur aus Angst vor Haftbefehlen an
der Macht, sondern auch deswegen, weil
sie sich schon immer im Recht sahen,
weil sie auch Freunden imAusland nicht
trauen, weil sie glauben, dass nur ihr eige-
ner Apparat sie schützen kann. Was sie
aber nicht glauben dürfen: dass ihre
Schuld schon verweht. Wer Verbrechen
gegen die Menschlichkeit begeht, der
überquert eine Grenze, jenseits derer er
nicht mehr auf Nachsicht oder Desinter-
esse der Weltgemeinschaft hoffen kann.
Gaddafi hat mutmaßlichschwere Verbre-
chen gegen sein Volk begangen. Wenn es
noch einen Epilog am Strand geben soll-
te, dann an der Nordsee bei Den Haag.
Von Heri bert Prantl
Als vor 21 Jahren der frühere DDR-
Bürgerrechtler Joachim Gauck und sein
juristischer Direktor Hansjörg Geiger
darangingen, die Stasiunterlagen-Behör-
de aufzubauen, hatten sie einen Fahrer,
der ihnen eines Tages erzählte, dass er
auch beimDDR-Ministerium für Staats-
sicherheit schon Fahrer gewesen war.
Sie warfen ihn nicht hochkant hinaus, im
Gegenteil: Sie setzten sich bei Franz
Kroppenstedt, dem Staatssekretär im
CDU-geführten Bundesinnenministeri-
um, dafür ein, dass der Mann einen or-
dentlichen Arbeitsvertrag bekam – weil
sie ihn als einen ehrlich-selbstkritischen,
reuigen Mann kennengelernt hatten. Der
Mann durfte bleiben.
Bei Roland Jahn, dem Journalisten
und früheren DDR-Oppositionellen, der
seit wenigenWochenneuer Bundesbeauf-
tragter für die Stasiakten ist, wäre das
ganz anders gekommen. Jahn, der neue
Chef einer Behörde mit fast 2 000 Leu-
ten, will noch heute, nach 20 Jahren, die
47 Mitarbeiter, die irgendwie einst für
die Staatssicherheit tätig gewesen wa-
ren, aus dem Haus „entfernen“ – auch
wenn sie dort, zu Zeiten von Gauck und
Marianne Birthler, zu aller Zufrieden-
heit gearbeitet haben.
Nur einige wenige der 47 arbeiten mit
den Stasiakten; man hat diese wenigen
einst als Mohren gebraucht, weil sie die
Einzigen waren, die sich auskannten und
den Wust an Papieren erschließen konn-
ten; sie haben loyal gearbeitet; jetzt sol-
len die Mohren gehen.
Die meisten der 47 ehemaligen MfS-
ler waren als junge Soldaten im Wachre-
giment Feliks Dzierzynski gewesen; als
Hauspersonal in der Gauck-Birthler-
Jahn-Behörde gehören sie zu den Arbei-
tern und Angestellten der untersten Be-
soldungsstufen. Nach20 Jahrenordentli-
chem Dienst im Haus erklärt ihnen also
jetzt der neue Chef (Besoldungsstufe B9),
dass sie dort nichts zu suchen hätten,
weil das für die Stasiopfer „unerträg-
lich“ sei. Die kleinen Leute, die 20 Jahre
lang ihre Arbeit getan haben, werden al-
so plötzlich an den Pranger gestellt. Der
neue Bundesbeauftragte sieht sich offen-
bar weniger als Leiter einer staatlichen
Aufklärungsbehörde, denn als oberster
Sprecher der Opferverbände: Pardon
wird nicht gegeben! Jahn verweist dar-
auf, dass er Leiter einer „moralischen
Instanz“ sei, und reklamiert für sich und
seine Haltung die Moral und die Gerech-
tigkeit – die er gegen denRechtsstaat und
das Arbeitsrecht in Stellung bringt.
Das ist, mit Verlaub, ein Skandalon.
Roland Jahn macht sein subjektives
Rechtsempfinden zum objektiven Recht
und will die Regeln des Rechtsstaats, der
allein objektives Recht setzen kann,
nicht akzeptieren. Das ist mehr als un-
gut: Die Stasi-Unterlagenbehörde ver-
wahrt die Akten eines Staatssicherheits-
dienstes, der auf den Rechtsstaat pfiff
und ihn, im Namen der sozialistischen
Moral, mit Füssentrat. Eine rechtsstaatli-
che Behörde, die all dies aufklären soll,
darf nunnicht imNamenirgendeiner an-
ti-sozialistischen oder sonstigen Moral
den Rechtsstaat diskreditieren.
Vergangene Woche haben die Grünen
unddie SPDdengewaltigen Felsbrocken
beiseite geschoben, der ihremBündnis in
Baden-Württemberg imWege stand. Der
Felsbrockenwar der Streit umdas Bahn-
hofsprojekt Stuttgart 21, über das die
künftigen Koalitionäre im Herbst das
Volk entscheiden lassen wollen. Nun ist
der Blick frei auf das Land hinter dem
Bahnhof, auf ein grün-rotes Regierungs-
projekt, das in vielen Politikbereichen
ein tragfähiges Fundament hat. Ein sol-
ches ist auch nötig, denn die Pläne der
Partner sind ehrgeizig.
Grüne undRote eint vor allemder Wil-
le zu zwei großen Reformvorhaben. Da
ist zunächst der schnellstmögliche Aus-
bau der erneuerbaren Energien in einem
Land, das bisher wie kaum ein anderes
von Atomstrom gelebt hat. Und da ist –
von den Krippen bis zu den Universitä-
ten – die Neuausrichtung eines Bildungs-
systems, mit dem die Bürger trotz aller
Mängel durchaus zufrieden sind. Vor al-
lem die schrittweise Einführung der Ge-
meinschaftsschule kann zu einer schwe-
ren Prüfung werden für die neue Regie-
rung. Die Partner haben mit der Bil-
dungspolitik ein Feld zum zentralen
Schauplatz des grün-roten Wandels er-
klärt, auf dem sich nicht viel gewinnen
lässt. Das spricht für ihre Ambition und
ihr Vertrauen in die eigenen Konzepte.
Bei deren Umsetzung sollten Grüne und
Rote aber behutsam vorgehen: Ein wohl-
habendes Land wie Baden-Württemberg
braucht einen sanften Wandel.
Der erste Zusammenprall des desi-
gnierten grünen Ministerpräsidenten
Kretschmann mit der Autoindustrie hat
die wahrscheinlichen Konfliktlinien
schon mal vorgezeichnet – auch die der
Grünen mit demeigenen Koalitionspart-
ner SPD. rde
Mit dem Angriff seiner Streitkräfte
auf die Stadt Daraa bricht Syriens Präsi-
dent alle Brücken ab: Reformen und eine
friedliche Einigung mit der Opposition
sind nach der jüngsten Gewaltorgie
kaum mehr vorstellbar. Jetzt kann Ba-
schar al- Assadnur nochhoffen, dass sei-
ne Soldaten die landesweite Revolte
schnell zum Erliegen bringen. Die Alter-
native zu solch einemblutigen Sieg dürf-
te der Mann im Präsidentenpalast ken-
nen: Das Ende seines Regimes unddie Ra-
che gegen ihn und seine Gefolgsleute.
Assad fehlt es an politischer Phanta-
sie, mit dem Aufstand umzugehen. Das
zeigt, dass sein Regime reformunfähig
ist. Wie zum Beweis dessen setzt er nun
alles auf eine Karte: Die Armee. Deren
Führungskorps entstammt wie der Präsi-
dent der religiösenMinderheit der Alawi-
ten und gilt als regierungstreu. Die Offi-
ziere wurden schon von Vater Hafes al-
Assad mit Waffen und Privilegien ver-
wöhnt. Aber der alte Assadwar selbst Of-
fizier – er konnte sich der Loyalität sei-
ner Kameradensicher sein. SeinSohnBa-
schar ist studierter Augenarzt und damit
Zivilist. Auch wenn er vor der Kür zum
Staatschef ein paar Monate in Uniform
gesteckt wurde, um sich pro forma die
Achselstücke zu verdienen: Dem jungen
Baschar Assad fehlt jeder militärische
Stallgeruch.
Syriens Offiziere mögen treu zum As-
sad-Regime stehen und fürs Erste auf die
Opposition feuern lassen. Aber am Ende
besteht jede Armee aus Bürgern mit Fa-
milien. Sollte das Blutbad weitergehen,
könnten sich Offiziere und Soldaten fra-
gen, für wensie eigentlichauf ihre Lands-
leute schießen. Dann drohen die Spal-
tung der Armee oder der Putsch. Letzte-
rer hat Tradition in Syrien: Assads Vater
kamso an die Macht. ave
Die Taliban graben einen mehr als 300
Meter langen Tunnel und befreien Hun-
derte Mitstreiter aus demGefängnis. Für
die afghanischen Sicherheitskräfte ist
das – einmal mehr – eine Blamage. Hun-
derte Taliban gelangen in Freiheit; sie
sind bereit, den technisch überlegenen
westlichen Armeen notfalls als Selbst-
mordattentäter die Stirn zu bieten.
Die spektakuläre Flucht aus der Haft-
anstalt von Kandahar lässt sich auf zwei
Arten interpretieren: Entweder hat ein
Teil der Sicherheitskräfte gemeinsame
Sache mit den Taliban gemacht. Wie
sonst ließe es sich erklären, dass sie einen
so ausgeklügelten unterirdischen Gang
zu einem Gefängnis buddeln konnten
und niemand etwas von der stundenlan-
genAktionmitbekommenhat? Exakt die-
se Haftanstalt in Kandahar war schon
einmal Schauplatz einer großen Befrei-
ungsaktion– aber Lehren wurden daraus
offenbar keine gezogen. Erklärung Num-
mer zwei fällt banaler aus: Die Sicher-
heitskräfte sind überfordert. Die Zahl
der einheimischen Wachposten, Polizis-
tenundSoldatenwächst, aber ihre Quali-
tät ist mangelhaft. Auch gegen den Mob
Anfang des Monats in Masar-i-Scharif,
der das UN-Büro stürmte, wusste die
afghanische Polizei nichts auszurichten.
Beide Erklärungen müssen den Wes-
ten beunruhigen. Es gibt Fortschritte im
Kampf gegen die Aufständischen, weil
die zeitlich begrenzte Truppenaufsto-
ckung ihre Wirkung zeigt. Allerdings ist
das nur eine Momentaufnahme: Dreh-
undAngelpunkt aller westlichenKonzep-
te für den Frieden am Hindukusch ist,
dass einheimische Kräfte die Verantwor-
tung für die Sicherheit übernehmen. Das
ist ein schöner Plan. Von der Umsetzung
sind die Afghanen aber weiter entfernt,
als es der Westen wahrhaben will. toma
Als der Sicherheitsrat der Vereinten
Nationenam17. März die Libyen-Resolu-
tionverabschiedete, war die Weltgemein-
schaft getrieben von der Angst vor einem
zweiten Srebrenica. Dort, im bosnischen
Srebrenica, schauten im Juli 1995 vor-
nehmliche niederländische Blauhelmsol-
daten zu, wie eine bosnisch-serbische
Soldateska bis zu8000 muslimische Män-
ner und Jungen verschleppte und massa-
krierte. Srebrenica ist zum Inbegriff ge-
worden für die Seelenqualen der Weltge-
meinschaft, wenn sie wieder einmal ei-
nen Massenmord in einem der Kriege in
der Welt beobachtet - obwohl sie eigent-
lich auch helfen könnte.
Mit der Libyen-Resolution wurde der
Vormarsch der Gaddafi-Truppen in Ost-
libyengestoppt undeinSrebrenica inder
zweitgrößtenStadt des Landes, inBenga-
si, verhindert. Jetzt finden die Gräuel
dennoch statt, in der Stadt Misrata, der
drittgrößten Libyens. Hunderte Grana-
tenundRaketenschlagentäglichimZen-
trum ein, das einer Ruinenlandschaft
gleicht. In einem zynischen Spiel um die
Launen der Öffentlichkeit verkündet der
Vize-Außenminister in Tripolis zwar ei-
nen Rückzug, um den lokalen Stämmen
die Regelung der Angelegenheiten zu
überlassen. Das Manöver dient aber
wohl dazu, die Stämme in die Auseinan-
dersetzung zu ziehen und tatsächlich ei-
nen Krieg der Ethnien anzufachen – der
bisher ausgeblieben ist. Gaddafi lässt in
Tripolis Gewehre ausgeben und ist wohl
entschlossen, das Land auf breiter Front
in den Abgrund zu stoßen.
Wer in Libyen in welcher Stärke
kämpft und wie lange die Nation noch
ausbluten wird, ist kaumzu durchschau-
en und zu ermessen. Einmal triumphie-
ren die Aufständischen, dann zeigt Gad-
dafi wieder seine brutale Natur. Der liby-
sche Krieg wird nicht schnell beendet
sein, weil keine Seite wirklich stärker ist
als die andere. Die Rebellen werden Tri-
polis nicht einnehmen können, genauso
wenig wie Gaddafi Bengasi stürmen
wird. Es herrscht ein militärisches Patt,
so lautet das Urteil des amerikanischen
Generalstabschefs Mike Mullen. Wie al-
so soll das Ganze enden?
Die Nato und viele arabische Staaten
können nicht so tun, als wären sie nicht
Partei in diesem Krieg; das sind sie
längst. Die Regierungschefs Cameron,
Obama, Sarkozy und selbst Angela Mer-
kel haben den Sturz Gaddafis zum Ziel
erklärt. Kuwait gibt viel Geld für diesen
Zweck, Katar sogar Flugzeuge. Eine Zu-
kunft mit Gaddafi ist weder für sie noch
für denRest der Welt vorstellbar. Mit die-
sem Mann wird man keinen Frieden
schließen können. Welches Potential sein
Regime entwickeln kann, hat erst am
Sonntagabend ein Sprecher Gaddafis
klargemacht, der terroristische Rache-
akte in Aussicht stellte. Während der
Westen also längst Partei ist, tut er noch
immer so, als ginge ihn der Krieg nur aus
der Entfernung etwas an. Das Weiße
Haus schickt Drohnen und versteigt sich
in der Analyse, dass dies der Moment für
eine erzieherische Maßnahme sei: Die eu-
ropäischen Verbündeten hätten sich ge-
fälligst selbst umihrenHinterhof zuküm-
mern – ganz so, als könne ein Präsident
Obama die Verantwortung über Nacht
schrumpfen, die sein Land über Jahr-
zehnte behauptet hat. Obama spielt
leichtsinnig mit Amerikas Anspruch und
mit den Hoffnungen vieler.
Eine gute Handvoll Nato-Nationen
fliegenLuftangriffe, aber lediglich wohl-
dosiert. Damit halten sie das Patt künst-
lich aufrecht – mehr aber auch nicht. Sie
verlängern den Krieg, der ohne ihr Ein-
greifen längst entschieden wäre; aber sie
entscheiden ihn ebenso wenig für sich
oder die Aufständischen, zu deren Guns-
ten sie intervenieren. Dahinter verbirgt
sich keine Strategie, sondern vor allem
Furcht vor einer unpopulären Entschei-
dung, ein bisschen auch vor den arabi-
schen Nachbarn Libyens und natürlich
vor den militärischen Ungewissheiten.
So ergibt sich eine politische Planlosig-
keit, für die die Menschen in Misrata
einen Preis zahlen – sie zahlen häufig mit
ihrem Leben.
Drei Möglichkeiten bleiben: Erstens
könnte der Westen den Einsatz abbre-
chen. Damit bliebe Gaddafi wohl an der
Macht und das Gemetzel würde noch
schlimmer. Diese Option kann niemand
wollen. Zweitens könnte der Krieg noch
eine Weile lang weiter simmern. Gaddafi
gehen dann vielleicht die Waffen aus, der
Aufstand könnte sich wie ein Kabel-
brand nach Tripolis durchfressen – viel-
leicht, vielleicht auch nicht. Dieser Zu-
standkannnochlange anhalten, der Wes-
ten wird dieses zynische Geduldsspiel
nicht durchhalten. Die dritte Option
heißt Eskalation. Die Nato muss Schutz-
zonen für die Zivilbevölkerung am Bo-
den einrichten und so zeigen, dass sie so
zumindest partiell für eine Befriedung
sorgen kann.
Die Einrichtung von Schutzzonen wä-
re eindeutliches militärisches undpoliti-
sches Signal, sie wäre genau jene Bot-
schaft, welche die Gaddafi-Gegner im
Land brauchen, umglaubhaft Sicherheit
vor demunberechenbarenDiktator zube-
kommen. Das UN-Mandat verbietet die
Besetzung Libyens – Schutzzonen sind
aber keine Besatzungszonen. Schutzzo-
nen sind kampffreie Enklaven, die den
SpielraumGaddafis einengenundvor al-
lem eine unmissverständliche Botschaft
parat halten: Der Diktator wird diesen
Krieg nicht gewinnen.
Franz Müntefering
SPD-Veteran mit Hang
zu sauerländischer Sturheit
Brüderles stilles Gedenken SZ-Zeichnung: Dieter Hanitzsch
Blick in die Presse
Die Angst der Diktatoren vor der Nordsee
Wie das Weltstrafgericht in Den Haag die internationale Politik verändert
Mit Zorn und Eifer
Erst Gauck-Behörde, dann Birthler-Behörde – jetzt Behörde für die Rache an den kleinen Würstchen
Das Land hinter dem Bahnhof
Syrisches Blutbad
Blamierter Sicherheitsplan
Schutzzonen für Libyen
Von Stefan Kornel i us
DEFGH
Herausgegeben vom Süddeutschen Verlag
vertreten durch die Gesellschafterversammlung
Chefredakteur:
Kurt Kister
Stellvertretender Chefredakteur:
Wolfgang Krach
Mitglied der Chefredaktion, Innenpolitik:
Dr. Heribert Prantl
Außenpolitik: Stefan Kornelius; Christiane Schlötzer;
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Seite 4 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 HF2 Dienstag, 26. April 2011
MEINUNG
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München – Während der Osterfeiertage
habeninganz Deutschland wieder Zehn-
tausende Menschen für einen sofortigen
Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft
demonstriert. Die Anti-Atom-Organisati-
on schätzte die Zahl der Teilnehmer auf
insgesamt 120 000 – allerdings lassen
sich diese Angaben nur schwer überprü-
fen. Bei 80 Ostermärschen durch insge-
samt 100 Städte forderten die Teilneh-
mer zudem einen Abzug der letzten in
Deutschland noch gelagerten US-Atom-
waffen, Friedensgespräche in Libyen
und Verhandlungen auch mit den radi-
kalislamischen Taliban in Afghanistan.
Anlass für die Oster-Aktionen waren
nicht zuletzt die Reaktorkatastrophe in
Japanundder 25. Jahrestag des Atomun-
glücks in Tschernobyl. Zu den größten
Aktionen gehörte die Umzingelung des
Atomkraftwerks Grohnde bei Hameln,
wo nach Angaben der Veranstalter
20 000 Menschen zusammenkamen. Am
AKW Krümel protestierten demnach
17 000 Menschen. In Unterfranken ver-
sammelten sich nach Polizeiangaben
mehr als 15 000 Menschen in der Nähe
des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld.
Bisher komme von der Bundesregie-
rung nur Ausstiegsrhetorik, kritisierte et-
wa die Anti-AKW-Bewegung „ausge-
strahlt“. Obundwie viele Atomkraftwer-
ke nachdemMoratoriumwirklichstillge-
legt würden, sei noch völlig offen. Die
Protestveranstaltungen seien für viele
AKW-Standorte die größten Aktionen
seit Jahrzehnten gewesen, erklärten die
Veranstalter. Auch bei den Ostermär-
schen fiel die Bilanz positiv aus. „Vergli-
chenmit demvergangenenJahr verbuch-
ten die meisten Ostermärsche eine Zu-
nahme an Demonstranten, nur in weni-
gen Städten stagnierte die Zahl, nir-
gends gab es einen Rückgang“, teilte der
Bundesausschuss Friedensratschlag
schon am Montagmorgen mit, also bevor
es andenAtomstandortenüberhaupt los-
ging. AmOstermontag2010 warendie Or-
ganisatoren von bundesweit 40 000 De-
monstranten bei etwa 70 Veranstaltun-
gen ausgegangen.
Auch am genehmigten Atomendlager
Schacht Konrad bei Salzgitter und an
der Atommülldeponie Lubminbei Greifs-
wald gab es am Ostermontag Proteste.
Die Anti-Atom-Bewegung plant am
28. Mai weitere Proteste in 20 Großstäd-
ten. Für Pfingsten werden Blockaden vor
einigen Kernkraftwerken vorbereitet.
Auch die Kirchen in Deutschland ha-
ben an Ostern zu neuer Hoffnung nach
Katastrophen wie in Japan und zu einem
solidarischen Lebensstil aufgerufen. Der
Ratsvorsitzende der Evangelische Kir-
che in Deutschland, Nikolaus Schneider,
sagte in Düsseldorf, Christen verschlös-
sennicht die Augenvor schrecklichenRe-
alitäten, aber sie ließen sich auch nicht
lähmen durch Furcht. Aufgrund der Os-
terfreude über den Auferstandenen lie-
ßen sie sich bewegen zu Anteilnahme,
Mitleiden und Hilfe. Der Vorsitzende der
katholischen Deutschen Bischofskonfe-
renz, Robert Zollitsch, mahnte eine neue
Solidarität in Kirche und Politik an.
„Frontstellungen“ müssten aufgegeben
werden, sagte der Freiburger Erzbischof
im Freiburger Münster: „Visionen wer-
den selten umgesetzt, wenn sich Milieus,
Parteien und Glaubensgemeinschaften
in sich verkapseln.“ Dies gelte nach der
Reaktorkatastrophe von Fukushima und
mit Blick auf aktuelle Herausforderun-
gen mehr denn je. (Wirtschaft) SZ
Zehntausende protestieren gegen Atomkraft
Anti-AKW-Bewegung und Friedensaktivisten zeigen ihren Unmut über die Bundesregierung / Kirchen fordern solidarischen Lebensstil
Berlin/München – Trotz aller Kritik hält
der neue Beauftragte für die Stasi-Unter-
lagen, RolandJahn, daranfest, alsbaldal-
le noch in der Behörde verbliebenen ehe-
maligen Mitarbeiter der DDR-Staatssi-
cherheit loszuwerden. Diese Haltung be-
kräftigte Jahn nun in einem Interview
mit demDeutschlandfunk– er möchte of-
fenbar erreichen, dass die 47 ehemaligen
hauptberuflichen Stasi-Mitarbeiter ein
Versetzungsgesuch stellen. „Wir arbei-
ten daran, dass es Möglichkeiten geben
wird, in anderen nachgeordneten Bun-
desbehördenzuarbeiten.“ Seine Vorgän-
ger, JoachimGauck undMarianne Birth-
ler, hatten bei demlange bekannten Pro-
blem stets auf hohe Hürden im Arbeits-
recht verwiesen. Jahn betonte dagegen,
er stehe zu seiner „rigoros moralischen
Haltung“. Die ganze Behörde sei schließ-
lich eine „moralische Instanz“.
Der ehemalige Bürgerrechtler Jahn
hat denAbschiedder früherenStasi-Mit-
arbeiter offenbar zum Schwerpunkt sei-
ner ersten Monate gemacht. Bereits bei
seiner Einführung Mitte März hatte er
für große Aufregung gesorgt, als er be-
tont hatte, die Beschäftigung ehemaliger
Hauptamtlicher des Ministeriums für
Staatssicherheit (MfS) in der Behörde sei
„unerträglich“ und ein „Schlag ins Ge-
sicht der Opfer“. Diese Aussage hatte bei
den Opferverbänden große Genugtuung
ausgelöst, Jahn musste sich aber auch
heftige Kritik gefallen lassen. Der SPD-
Innenexperte Dieter Wiefelspütz sagte:
„Ich habe Respekt vor der Lebensge-
schichte von Herrn Jahn, aber ein so
wichtiger Posten ist nicht für einen Eife-
rer geeignet.“ Auch der Theologe und
Gründer der Ost-SPD, Richard Schrö-
der, sowie Bundestagsvizepräsident
Wolfgang Thierse (SPD) äußerten sich
kritisch. „Der Rechtsstaat ist ein hohes
Gut, mankannnicht einfachdas Arbeits-
recht aushebeln“, warnte Thierse.
Schon seit dem Aufbau der Behörde
zur Aufarbeitung der Machenschaften
der Staatssicherheit im Jahr 1990 sind
ehemalige Mitarbeiter des MfS dort tä-
tig, viele wurden bewusst aufgrund ihrer
Spezialkenntnisse bei der Aktenführung
eingestellt. Andere verschwiegen ihre
Vergangenheit, sodass immer wieder frü-
here Stasi-Mitarbeiter enttarnt werden,
jüngst ein ehemaliger Informeller Mitar-
beiter (IM), der seit 1992 bei der Behörde
arbeitete, zuletzt als Hausmeister. 2007
stellte dann ein Gutachten im Auftrag
von Kulturstaatsminister Bernd Neu-
mannfest, dass die ehemaligenMitarbei-
ter der Abteilung Personenschutz beim
MfS in den Statistiken bisher nie aufge-
taucht waren– vor allemumsolche Mitar-
beiter geht es jetzt bei Jahns Vorstoß. Es
handelt sich dabei um47 Angestellte von
insgesamt derzeit 1825. Laut Jahn sind
diese Leute vor allem im Wachschutz,
aber auch amEmpfang tätig. Genau dar-
auf bezieht sich auch eine Resolution der
Union der Opferverbände Kommunisti-
scher Gewaltherrschaft (UOKG), wo-
nach es den Opfern nicht zumutbar sei,
„ihre Akten einzusehen unddabei mögli-
cherweise ehemaligenIModer hauptamt-
lichen Stasi-Leuten begegnen zu müs-
sen“. Daher müsse deren „Entfernung“
mit allen rechtsstaatlich möglichen Mit-
teln betrieben werden.
Jahn argumentierte im Deutschland-
funk auch damit, dass es gerade die Op-
fer „unerträglich“ fänden, wenn in einer
Behörde – „die dazu da ist, den Opfern
Genugtuung zu verschaffen“ – ehemali-
ge MfS-Mitarbeiter tätig seien. Es gelte
nun, beidenGruppenzuhelfen. Er erken-
ne durchaus die Leistung der ehemaligen
Stasi-Mitarbeiter an, die nun schon fast
20 Jahre in der Behörde loyal arbeiten.
Er habe mit den Betroffenen auch „gute
und freundliche Gespräche“ geführt,
aber es gehe ihm „um die Glaubwürdig-
keit unserer Behörde und um den Re-
spekt vor den Opfern“. Zur Integration
in die Gesellschaft gehört nach Jahns
Auffassung nicht nur das Bekenntnis zur
Stasi-Mitarbeit, sondern auch glaubhaf-
te Reue, und die bestehe in diesem Fall
darin, das Empfinden der Opfer anzuer-
kennen – und ein Versetzungsgesuch zu
stellen. Eigens zudiesemZweck hat Jahn
ein Gutachten in Auftrag gegeben, um
die Fragen des Arbeitsrechts zu klären.
Auch an seinen Vorgängern übte Jahn
Kritik: „Und ich kann nicht sagen, nur
weil ich20 Jahre diesenMenschenins Ge-
sicht geschlagen habe, indem die Staats-
sicherheit bei uns gearbeitet hat, mache
ich es zehn Jahre noch weiter, sondern
ich sage erstmal: Stopp, wir kommen den
Opfern entgegen, wir setzen ein Zei-
chen.“ Eine Versetzung zu anderen Be-
hörden dürfte aber schwierig werden,
weil derzeit offenbar keine geeigneten
Stellen vorhanden sind. (Seite 4) rop
„Rigoros moralisch“
Roland Jahn will ehemalige Stasi-Mitarbeiter aus seiner Behörde entfernen
Dienstag, 26. April 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 5
POLITIK
Es geht um 47
von derzeit 1825 Mitarbeitern
in der Berliner Behörde.
Zum Demonstrieren statt zum Osterausflug: Auch in der Innenstadt von Biblis zeigten die Menschen ihre Sorgen vor den Gefahren der Reaktortechnik. Foto: dpa
Hoffnung auf
Einsicht: Roland
Jahn (rechts, auf
dem Bild mit
Wolf Biermann)
möchte, dass die
früheren Stasi-
Mitarbeiter, die
in seiner Behör-
de tätig sind,
„wirklich das
bereuen, was sie
gemacht haben.
Und das wäre ein
Zeichen, einfach
zu sagen, ich
bringe mich an
anderer Stelle in
diese Gesell-
schaft ein.“
Foto: PA/dpa
Zu Versetzungsmöglickeiten
wurde ein Gutachten
in Auftrag gegeben.
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W E I T E R E I N F O R M A T I O N E N E R H A L T E N S I E B E I B R E G U E T I N D E U T S C H L A N D + 4 9 6 1 7 3 – 6 0 6 . 3 1 0
Von Ni co Fri ed
Berlin – Die Vorsitzende der Berliner
SPD-Schiedskommission schätzt ein Zi-
tat von Johann Wolfgang Goethe. Es
stammt aus dem west-östlichen Diwan
und findet sich auf der Facebook-Seite
vonSybille UkenimInternet: „Getretner
Quark wird breit, nicht stark.“ Mögli-
cherweise war das auch Ukens Motto für
die Verhandlung über denAusschlussan-
trag mehrerer SPD-Gliederungen gegen
Thilo Sarrazin. Mit dem am Gründon-
nerstag von ihr geförderten Kompromiss
hat Uken jedenfalls dazu beigetragen,
dass sich das Verfahren gegen den um-
strittenen ehemaligen Bundesbank-Vor-
stand nicht weiter hinzieht und von In-
stanz zu Instanz getragen wird.
Die Verfahrensbeteiligtenhat Ukenei-
gentlich bis zum heutigen Dienstag zum
Schweigen verdonnert. „Damit wollen
wir verhindern, dass das Ergebnis mögli-
cherweise zerredet und die Debatte noch
weitergeführt wird“, sagte Uken am
Gründonnerstag. Doch schon zeichnet
sich ab, dass die Diskussion anhalten
wird. Zum einen regt sich Unmut in der
SPD. Zuüberraschend kamdas Ergebnis
für viele Sozialdemokraten, nachdemdie
Parteiführung zuvor klipp und klar auf
einenAusschluss Sarrazins gedrängt hat-
te. Zum anderen meldete sich Sarrazin
selbst schon am Ostermontag wieder zu
Wort. Aus seiner Sicht sei das Ergebnis
„ein Sieg der Vernunft“.
Die Sarrazin-Gegner richten ihre Kri-
tik nun vorrangig auf Generalsekretärin
Andrea Nahles. Sie war für die Bundes-
partei die Bevollmächtigte und stimmte
amEnde der fünfstündigen Verhandlung
für den Kompromiss, der Sarrazin den
Verbleib in der SPD ermöglichte. Nicht
wenige in der Partei dürften so denken
wie die stellvertretende Fraktionschefin
der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus,
DilekKolat. Sie forderte über Osternvon
Nahles eine „nachvollziehbare Erklä-
rung“ und begründete das damit, dass
sich nichts an der Sachlage geändert ha-
be, die zur Einleitung des Parteiord-
nungsverfahrens geführt habe. SPD-
Chef Sigmar Gabriel wollte das Ergebnis
der Verhandlung vor der Schiedskommis-
sion nicht bewerten. Gleichwohl stützte
er seine Generalsekretärin: „Frau Nah-
les hat für ihr Handeln natürlich meine
Rückendeckung“, sagte Gabriel der Süd-
deutschen Zeitung.
Trotzdem wird sich Nahles wohl auch
gegenüber der Bundes-Partei noch erklä-
ren müssen. Juso-Bundeschef Sascha
Vogt erinnerte bereits am Samstag dar-
an, dass im vergangenen November der
gesamte SPD-Parteivorstand den Aus-
schluss Sarrazins beschlossen habe. „Es
kann nicht sein, dass dieser Antrag ohne
eine Beratung weder in Vorstand noch
im Präsidium zurückgenommen wird“,
sagte er der Zeitung Die Welt.
Gerade in Berlin, dem Heimatlandes-
verband Sarrazins, gibt es offenbar viel
Kritik. Die Berliner SPDsowie der Kreis-
verband Charlottenburg-Wilmersdorf
warennebender Bundes-SPDundeinem
Frankfurter Kreisverband Antragsteller
gegen Sarrazin. Nun hat der Landesvor-
standfür Dienstagabendzueiner Sonder-
sitzung eingeladen. Die Deutsche Presse-
agentur zitiert aus dem Einladungs-
schreiben, das Ergebnis sei sicherlich
auch eine große Überraschung für all je-
ne, die den Ausschlussantrag unterstützt
oder wie der Landesvorstand beschlos-
sen hätten. Es habe aber Gründe für die-
se Entscheidung gegeben.
Wahrscheinlichist, dass Sarrazins Zu-
friedenheit mit dem Ergebnis die Kriti-
ker eher noch mehr verärgert. Der frühe-
re Berliner Finanzsenator zeigte sich
überzeugt, dass der Kompromiss der Ber-
liner SPD bei der Abgeordnetenhaus-
wahl am 18. September helfen werde.
„Die Einigung ist, so glaube ich, ein posi-
tiver Beitrag zu den Wahlchancen der
SPD“, sagte Sarrazin der Berliner Mor-
genpost. Einige Bürger hätten ihm be-
reits signalisiert, dass sie jetzt nach sei-
nem Verbleib in der Partei die SPD auch
wieder wählen könnten. Allerdings lä-
gen ihm keine Informationen vor, dass
Berlins Regierender Bürgermeister
Klaus Wowereit, der auch stellvertreten-
der SPD-Vorsitzender ist, gerade wegen
der Wahl auf ein schnelles Ende des Ver-
fahrens gedrängt habe.
Sarrazin und die Kläger hatten am
Donnerstag eine Erklärung akzeptiert,
die von der Vorsitzenden der Schieds-
kommission aufgesetzt wurde. Sarrazin
sagt darin, er habe zu keiner Zeit die Ab-
sicht gehabt, mit den Thesen in seinem
Buch „Deutschland schafft sich ab“ so-
zialdemokratische Grundsätze zu verlet-
zen. Darüber hinaus habe er in seinem
Buch nicht die Auffassung vertreten
oder zum Ausdruck bringen wollen, dass
sozialdarwinistische Theorienin die poli-
tische Praxis umgesetzt werden sollten.
Alle Kinder seien als Menschen gleich-
viel wert. Er habe in seinem Buch auch
keine „selektive Bevölkerungspolitik“
verlangt, betonte Sarrazin. Der SPD-In-
nenexperte SebastianEdathydrohte Sar-
razin für den Fall erneuter Provokatio-
nen mit einem neuen Ausschlussverfah-
ren. „Sollte er sich erneut biologistisch
äußern, wäre sein Ausschluss aus der
SPD unumgänglich“, sagte Edathy dem
Handelsblatt.
Berlin – Deutschlands Ärzte sollen nach
demWillender gesetzlichenKrankenkas-
sen jahrzehntealte Privilegien verlieren,
umdie hohe Medizinerdichte indenStäd-
ten zu verringern und die medizinische
Versorgung auf demLand zu verbessern.
Der Spitzenverband der gesetzlichen
Krankenkassen fordert, dass Mediziner
ihre Zulassung als Kassenarzt nicht
mehr verkaufen oder vererben dürfen.
Stattdessen sollen diese Zulassungen bei
Aufgabe der Praxis verfallen. Dies geht
aus einemEckpunkte-Papier hervor, das
der Süddeutschen Zeitung vorliegt.
Auf diese Weise wollen die Kassen die
Zahl der Ärzte inden Städtenschrittwei-
se abbauen. Gleichzeitig soll den Medizi-
nern, die sich in Gebieten mit einer ho-
hen Arztdichte ansiedeln wollen, die Ho-
norare gekürzt werden. Ziel beider Maß-
nahmen ist, dass sich die Ärzte auch in
weniger gut versorgten Regionen nieder-
lassen, beispielsweise in sozialen Brenn-
punkten oder auf dem Land. In dem Pa-
pier wird betont: „Es gibt nicht zu weni-
ge Ärzte, sondern insgesamt zu viele, und
sie sind schlecht verteilt.“ So sei die Zahl
der ambulant tätigen Mediziner zwi-
schen den Jahren 1990 und 2009 um
47 000 gewachsen, das bedeutet eine Stei-
gerung um 51 Prozent.
„Alle Anstrengungender schwarz-gel-
benKoalition, mehr Landärzte zugewin-
nen, verpuffen völlig wirkungslos, wenn
das Problem der Überversorgung nicht
angegangen wird“, sagte der Vize-Chef
des Spitzenverbands, Johann-Magnus
von Stackelberg. Ohne die vorgeschlage-
nen Änderungen werde das von Union
und FDP auf den Weg gebrachte Versor-
gungsgesetz außerdemzuhöherenAusga-
ben führen. „Die teure Überversorgung
wird auf Kosten der Beitragszahler ze-
mentiert, und die Versicherten allein
müssen die höheren Kosten am Ende
über die Zusatzbeiträge bezahlen“, warn-
te Stackelberg.
Nach früheren Angaben des Spitzen-
verbands entstehen durch eine Überver-
sorgung pro Jahr etwa fünf Milliarden
Euro Kosten allein aufgrund der ärzt-
lichen Honorare. Das entspricht 0,5 Bei-
tragssatzpunkten. Derzeit kannjeder nie-
dergelassene Mediziner die Lizenz, mit
den gesetzlichen Krankenkassen abzu-
rechnen, am Ende seines Berufslebens
verkaufen oder vererben. Der Wert einer
solchen Zulassung kann je nach Region
und Arztgruppe offenbar mehrere zehn-
tausend Euro betragen. Einmal vergebe-
ne Vertragsarztsitze lassen sich auf-
grund diesen Prozederes praktisch nicht
mehr zurückholen.
EinSprecher des Krankenkassen-Spit-
zenverbands schränkte aber ein, dass die
vorgeschlagenen Änderungen lediglich
für diejenigen Mediziner gelten sollten,
die nacheiner Gesetzesänderung eine Zu-
lassung neubekommenhaben. „Wer heu-
te bereits eine Zulassung hat, soll von der
Neuregelung nicht betroffen sein. Wir
wollen niemanden enteignen“, wurde
klargestellt.
Den Plan, Zulassungen nur noch auf
Zeit auszustellen, hatte schon die frühe-
re Bundesgesundheitsministerin Ulla
Schmidt (SPD). Im Jahr 2003 dachte sie
sogar offen darüber nach, die Verlänge-
rung der Erlaubnis an den Nachweis von
Fortbildungen und Qualitätsstandards
zu knüpfen. Durchgesetzt hat sie sich
aber nicht: Bis heute gelten die Zulassun-
gen für ambulante Vertragsärzte lebens-
lang undkönnennur ineinemkomplizier-
ten Verfahren aberkannt werden. SZ
Düsseldorf – Die defizitäre Bundesagen-
tur (BA) für Arbeit streicht Tausende von
Arbeitsplätzen. „Wir gehen davon aus,
dass wir bis 2015 rund 10 000 unserer
115 000 Stellen abbauen werden“, sagte
BA-Chef Frank-JürgenWeise der Rheini-
schen Post. Der Abbau werde alle Berei-
che der Bundesagentur treffen. Derzeit
sindnachWeises Angabeninder Arbeits-
losenversicherung und in den Familien-
kassen 70 000 Mitarbeiter beschäftigt,
um die Grundsicherung für Langzeitar-
beitslose kümmern sich weitere 45 000
Beschäftigte. „Es wird keine Kündigun-
gen geben. Aber befristete Verträge wer-
den wir nicht verlängern“, sagte Weise.
„Den Rest des nötigen Stellenabbaus
schaffenwir durchdie Fluktuation.“ We-
gen des Rückgangs der Arbeitslosigkeit
werde außerdemohnehin weniger Perso-
nal benötigt, fügte er hinzu. Die Bundes-
agentur hat mit Finanzproblemen zu
kämpfen: „Allein in diesem Jahr erwar-
ten wir ein Defizit von gut vier Milliar-
den Euro, welches wir bis 2015 voraus-
sichtlich nicht zurückzahlen können“,
sagte Weise. „Darüber hinaus sollen wir
bis 2015 jährlich bis zu drei Milliarden
strukturell einsparen.“ Die Politik müsse
nun sagen, wo gespart werden soll. „Ich
kannkeine Versicherung optimal führen,
die auf Dauer Schulden macht“, sagte
der BA-Chef. epd
E
s ist ein trauriger Brief, er be-
ginnt mit „Liebe Andrea“, ge-
meint ist Andrea Nahles, die General-
sekretärinder SPD. „Es gibt Momen-
te für schwere Entscheidungen“,
fährt Sergey Lagodinsky fort, „ein
solcher Moment ist für mich gekom-
men: Ich habe beschlossen, meine
Mitgliedschaft inder Sozialdemokra-
tischen Partei zu beenden.“
Lagodinsky ist nicht prominent,
aber wichtig für die SPD. 1993 kam
er als jüdischer Einwanderer aus der
Ex-UdSSR. Er ist imGemeindeparla-
ment der Berliner Kultusgemeinde,
manche sehen ihn dort als kommen-
den Vorsitzenden. Er gründete den
„Arbeitskreis jüdischer Sozialdemo-
kraten“; „als jüdischer Mensch sah
ichdie Möglichkeit, die lange Traditi-
on der Juden in Deutschland wieder-
zubeleben, nunmehr gemeinsam mit
anderen Minderheiten und Mehrhei-
ten– Christen, Moslems, Nicht-Gläu-
bigen“, schreibt er. Diese Hoffnung
sei mit der Rücknahme des Antrags
zum Ausschluss Sarrazins geschei-
tert. „Ich kann es in einer Partei mit
einem Sarrazin aushalten, aber ich
kann es nicht in einer Partei aushal-
ten, die sich aus Angst vor dem
Stammtisch einem Sarrazin nicht
stellen will. Oder noch schlimmer:
die nicht mal weiß, ob sie das will.“
„Pessach und Ostern zusammen“,
habe er mit sich gerungen, sagt der
Jurist Lagodinsky, „die SPDwar mei-
ne politische Heimat“, die habe er
verloren. Denn die Debatte um die
Thesendes früherenBerliner Finanz-
senators gehe nicht um Integration,
„das Thema Sarrazin ist Toleranz.
Das Thema Sarrazin ist nicht Mei-
nungsfreiheit, das Thema Sarrazin
ist Respekt.“ Dass die Parteispitze
dies nicht sehe, sei „ein Symptomfür
den Zustand der Partei, die nach sich
sucht und eine Leere findet.“
Ja, Integration sei ein schwieriges
Feld, schriebt Lagodinsky in seinem
auf den 23. April datierten Brief,
aber es schmerze, dass die SPD „vor
einemehemaligenBundesbanker ein-
knickt wie ein säumiger Kredit-
schuldner vor einemkleinenBankan-
gestellten“. Der Vorgang sei bezeich-
nend „für die allgemeine Orientie-
rungslosigkeit der Partei imUmgang
mit Vielfalt als brennendem Thema
unserer Gegenwart“. Weiter schreibt
er: „Selten waren zahlreiche junge
SPD-Mitglieder betrübter und be-
schämter über die eigene Partei als
sie es am Karfreitag waren.“
Er wolle weiter politisch aktiv
sein, sagt Lagodinsky. Wo, könne er
nochnicht sagen. Da brauche er noch
„Trauerzeit“. Matthias Drobinski
Berlin – In der schwarz-gelben Koalition
zeichnet sich eine Auseinandersetzung
über die Einführung einer Maut für Pkw
ab. FDP-Generalsekretär ChristianLind-
ner kündigte ineinemInterviewan, seine
Partei werde einen Vorstoß von CSU-
Chef Horst Seehofer, künftig auch Auto-
fahrer für die Straßennutzung zur Kasse
zu bitten, auf jeden Fall verhindern. „Ei-
ne Pkw-Maut ohne Mehrbelastung für
deutsche Autofahrer ist so wahrschein-
lich wie die Existenz des Osterhasen“,
betonte Lindner in der Bild amSonntag.
„Deshalb wird die FDP die Pläne von
Herrn Seehofer verhindern“, machte er
deutlich.
Seehofer hatte erklärt, er wolle unge-
achtet eines Vetos von Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) die Einführung
der Pkw-Maut noch in dieser Wahlperio-
de vorantreiben. „Ich werde das Thema
Maut mit Nachdruck auf die Tagesord-
nung setzen, sobald imSommer das neue
Energiekonzept der Regierung steht“,
sagte Seehofer demSpiegel. Als Größen-
ordnung nannte er 100 Euro pro Jahr für
eine elektronische Vignette.
„Ich will auch ausländische Autofah-
rer, die unsere Straßen benutzen, an den
Lasten beteiligen“, begründete er seine
Haltung. Österreich zum Beispiel erhebe
ebenfalls eine Autobahnmaut. Deutsch-
land habe ein großes Problem beim Bau
und Unterhalt von Straßen. Auf den Ein-
spruch Merkels gegen die Maut bis 2013
angesprochen, sagte Seehofer nur:
„Schaun’ wir mal.“
Die Maut-Debatte war aufgeflammt,
als Überlegungen zu ihrer Einführung
aus dem CSU-geführten Verkehrsminis-
terium öffentlich wurden. Merkel und
Verkehrsminister Peter Ramsauer ließen
zwar mitteilen, in dieser Wahlperiode –
also bis zum Jahr 2013 – werde es keine
Pkw-Maut geben, dies sei im Koalitions-
vertrag verankert. Ramsauer machte
aber deutlich, in seinem Ministerium ge-
be es „keine Denkverbote“.
Die Forderung Seehofers stößt auch
bei der rot-grünen Landesregierung in
Nordrhein-Westfalen auf Ablehnung.
Von einer solchen Maut wären „gerade
die vielen NRW-Pendler betroffen, die
keine Möglichkeit haben, auf öffentliche
Verkehrsmittel umzusteigen“, hieß es
aus dem SPD-geführten Verkehrsminis-
teriumdes Landes. Wirklich hilfreich sei
nicht die Einführung einer Pkw-Maut,
sondern vielmehr „eine wirklich kosten-
deckende Lkw-Maut“.
Automobilclubs wie der ADAC lehnen
die Maut strikt ab, selbst wennimGegen-
zug für ihre Einführung die Kfz-Steuer
abgeschafft würde. Reuters
Berlin – Fast 1,5 Millionen junge Men-
schen zwischen 20 und 29 Jahren haben
in Deutschland keinen Berufsabschluss
und befinden sich auch nicht mehr in
Qualifizierungsmaßnahmen. 46 Prozent
davon haben einen Migrationshinter-
grund. Dies geht aus einer Antwort der
Bundesregierung auf eine Anfrage der
SPD-Bundestagsfraktion hervor. Frau-
enstellen mit 49,1 Prozent dennur unwe-
sentlich kleineren Teil der 1,5 Millionen
Ungelernten. Vor allem soziale Herkunft
und beruflicher Status der Eltern ent-
scheiden in der Berufsbildung über den
Erfolg: Bei 60 Prozent der ungelernten
jungen Menschen hat mindestens ein El-
ternteil ebenfalls keinen Schul- oder Be-
rufsabschluss. Ziel der Qualifizierungsof-
fensive von Bund und Ländern sei es, die
Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss
auf vier Prozent und der jungen Erwach-
senen ohne Berufsabschluss auf 8,5 Pro-
zent zu senken. Derzeit verlassen pro
Jahr 60 000 Jugendliche (7 Prozent) die
Schule ohne Abschluss. Laut Bildungsbe-
richt 2010 von Bund und Ländern gelten
17 Prozent der Menschen zwischen
20 und 29 Jahren als ungelernt. dpa
Berlin– Wenige Tage nachder Gründung
der parteiübergreifenden„Konsensgrup-
pe Fachkräftebedarf undZuwanderung“
hat Ex-SPD-Chef Franz Müntefering un-
ter Protest das Gremium verlassen. „So
wie die Gruppe nun intoniert ist, habe
ichkeine Hoffnung, da nocheinennützli-
chen Beitrag leisten zu können“, schrieb
Müntefering laut Frankfurter Rund-
schau an die Mercator-Stiftung. Diese
hatte zusammen mit anderen Stiftungen
die Konsensgruppe unter Leitung des
einstigenNRW-Integrationsministers Ar-
min Laschet (CDU) und des Ex-SPD-
Fraktionschefs Peter Struck initiiert.
Müntefering ist verärgert darüber, dass
Struck und Laschet ohne Wissen der
Gruppe schon am Dienstag (19. April)
vor die Presse getreten seien. Obwohl
sich das Gremium erst am 13. Mai treffe,
seien dort bereits Ansprüche formuliert
worden, die er nicht teile. Die Initiatoren
zeigten eine „Attitüde von Rat der Wei-
senundVermittlungsausschuss gleichzei-
tig“, moniert Müntefering. (Seite 4) dapd
Berlin – Bundesarbeitsministerin Ursula
von der Leyen (CDU) kämpft trotz des
Widerstands auch in ihrer eigenen Partei
weiter für eine Frauenquote inFührungs-
positionen der Wirtschaft: „Ich bin über-
zeugt, dass wir ein Gesetz brauchen, das
klarstellt, dass im Jahr 2018 in den Vor-
ständenund Aufsichtsrätenbörsenorien-
tierter Unternehmen eine Frauenquote
von30 Prozent erreicht seinsollte“, sagte
von der Leyen in der Frankfurter Allge-
meinen Sonntagszeitung. „Das wäre im-
mer noch eine Männerquote von 70 Pro-
zent und sicher nicht der Untergang des
Abendlandes.“ImGegensatz zur Arbeits-
ministerin tritt Bundesfamilienministe-
rin Kristina Schröder (CDU) für eine fle-
xible Selbstverpflichtung der Wirtschaft
ein. Sie hatte dafür die Unterstützung
von Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) gewinnen können. Die Bundesre-
gierung einigte sich daraufhin bei einem
Treffen mit Vertretern der 30 DAX-Kon-
zerne auf eine Selbstverpflichtung der
Wirtschaft für mehr Frauen im Top-Ma-
nagement.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt
sagte jetzt im Hamburger Abendblatt:
„Eine starre, gesetzliche Quote zur Förde-
rung von Frauen in Führungspositionen
ist falsch.“ Das Ziel, mehr Frauenindeut-
schen Chefetagen zu beschäftigen, lasse
sichnicht gesetzlicherzwingen. Einwich-
tiger Schritt zur besseren Vereinbarkeit
vonFamilie undBeruf seien vielmehr fle-
xible Arbeitszeiten, sagte der Präsident
der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände. „Auch der Staat
muss die Rahmenbedingungen für die
Vereinbarkeit vonFamilie undBeruf ver-
bessern.“ Bei der Betreuung vonKindern
gebe es erheblichen Nachholbedarf.
Dagegen plädierte der Vorsitzende des
DGB, Michael Sommer, für einen gesetz-
lich geregelten Frauenanteil für Spitzen-
positionen in der Wirtschaft. „Wir brau-
chen eine gesetzliche Frauenquote, denn
die Selbstverpflichtung der Unterneh-
men hat in den vergangenen Jahren
nichts gebracht“, sagte Sommer dem
Hamburger Abendblatt. Darüber hinaus
verlangte der DGB-Chef, die soziale Si-
tuation der Frau in der Gesellschaft ins-
gesamt zu stärken. Die größte Gruppe
der Niedriglöhner seienFrauen, die größ-
ten sozialen Probleme hätten alleinerzie-
hende Frauen, sagte Sommer. Er beton-
te: „Wirklich helfen würde den Frauen
ein flächendeckender Mindestlohn von
8,50 Euro.“ dapd
Karlsruhe – Der Bundesgerichtshof
(BGH) in Karlsruhe hat die Arbeits-
pflicht geschiedener Alleinerziehender
verschärft. Nach einem jetzt veröffent-
lichten Urteil können Alleinerziehende
mit einem Erstklässler grundsätzlich
ganztags arbeiten, wenn ein Schülerhort
bis 17 Uhr zur Verfügung steht. Nur
wenn einzelfallbezogene Gründe ge-
nannt werden, warum ein Elternteil das
Kind neben dem Schülerhort persönlich
betreuen muss, kommt eine Verringe-
rung der Arbeit und ein Unterhaltsan-
spruch gegenüber dem ehemaligen Part-
ner in Betracht, lautet der Richter-
spruch. Im konkreten Fall hat eine ge-
schiedene FrauinSchleswig-Holstein ei-
nen Sohn in der ersten Klasse. In der
Schule gibt es einen Schülerhort, der bis
17 Uhr geöffnet ist. Der Schulanfänger
besucht die Schulbetreuung jedoch nur
zweimal wöchentlich bis 15 Uhr. Die Ge-
richte verpflichteten die Mutter zu einer
täglichen Erwerbstätigkeit von fünf
Stunden. dapd
Krankenkassen wollen Arzt-Zulassung befristen
Mediziner sollen die Erlaubnis, sich mit einer Praxis niederzulassen, nicht mehr vererben oder verkaufen dürfen
Ohne Schulabschluss
Müntefering sagt ab
Von der Leyen
pocht auf Quote
10 000 Stellen weniger
„Betrübt und
beschämt“
SPD verliert Gründer der
jüdischen Sozialdemokraten
Der Streit nach der Schlichtung
Die SPD hadert mit dem Verbleib Thilo Sarrazins in der Partei – nur er selbst ist restlos zufrieden
Koalition uneins über Pkw-Maut
Liberale lehnen CSU-Vorstoß zur Einführung einer Vignette auf deutschen Autobahnen vehement ab
Alleinerziehende unterliegt
Seite 6 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 HF2 Dienstag, 26. April 2011
POLITIK
Eine Quote wäre nicht
der Untergang des Abendlandes,
sagt die Ministerin.
Sarrazin ist überzeugt, dass die
Einigung die Wahlchancen
der SPD erhöht.
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, hier unterwegs zum Ausschlussverfah-
ren gegen Thilo Sarrazin, stimmte dessen Verbleib in der SPD amEnde zu. dpa
Ungleichgewicht
der Kräfte: Die
Kassen fordern den
Abbau der Überver-
sorgung in Bal-
lungsräumen. Zu-
gleich habe sich die
Lage in weniger
gut versorgten Ge-
bieten, vor allem
auf dem Land,
trotz hoher Hono-
rarzuwächse insge-
samt nicht verbes-
sert. Foto: dpa
Bis 2015 will die Bundesagentur für Ar-
beit 10 000 Stellen streichen. Getty
Inland
Noch im November war die
gesamte SPD-Spitze für Sarrazins
Ausschluss aus der Partei.
Von Thomas Urban
Kiew – Routinemäßig stellt sich der frü-
here ukrainische Staatspräsident Leonid
Kutschma seit vier Wochen bei der Kie-
wer Staatsanwaltschaft zur Befragung
ein, begleitet von mehreren Anwälten.
Dazu gehören Mitarbeiter der Kanzlei
des berühmtenamerikanischenStrafver-
teidigers Alan Dershowitz, den Kutsch-
ma engagiert hat. Ihmwird vorgeworfen,
den „illegalen Befehl“ zur Ermordung
des georgisch-ukrainischen Journalisten
Georgij Gongadse im Jahr 2000 gegeben
zu haben. Der 73-jährige Kutschma, der
von 1995 bis 2004 an der Spitze des Lan-
des stand, weicht der Presse aus, in einer
kurzen Stellungnahme erklärte er ledig-
lich, er nehme die „Höllenqualen dieses
Verfahrens“ auf sich, umseine Unschuld
zu beweisen.
Nur ein kleiner Teil der Kiewer Kom-
mentatoren vertritt allerdings die Mei-
nung, dass dieses Verfahren wirklich der
Suche nach der Wahrheit dienen solle.
Vielmehr sei es ein Teil der Maßnahmen,
um die Opposition gegen den seit einem
Jahr amtierendenStaatspräsidentenVik-
tor Janukowitsch zu schwächen. Es ziele
letztlich auf Oppositionsführerin Julia
Timoschenko ab und solle überdies den
Parlamentspräsidenten Wolodymyr Lyt-
wyn, der die Privatisierungspolitik der
Regierung öffentlich kritisiert hatte, un-
ter Druck setzen.
Gegen Timoschenko ermittelt die Ge-
neralstaatsanwaltschaft wegen angebli-
chenAmtsmissbrauchs. Sie soll als Regie-
rungschefin öffentliche Gelder nicht
nach dem Haushaltsrecht verwendet,
sondern mit ihnen vorschriftswidrig
Haushaltslöcher gestopft haben. Einhal-
bes Dutzend ihrer früheren Mitarbeiter
wurde unter ähnlichen Vorwürfen inhaf-
tiert, die in westlichen Staaten nicht Sa-
che der Staatsanwaltschaft, sondern ei-
nes parlamentarischen Untersuchungs-
ausschusses wären. Diese Zwangsmaß-
nahmendes Justizapparats gegendie Op-
position wurden weltweit scharf kriti-
siert, allen voran vomEuropäischen Par-
lament. Mit der Eröffnung des Verfah-
rens gegen Kutschma, der im Westen als
Ziehvater Janukowitschs gilt, obwohl
beide stets politische Rivalen waren,
kann dieser allerdings argumentieren,
dass die Behörden unabhängig in alle
Richtungen ermittelten.
Lytwyn wiederum spielt eine Rolle bei
den Gesprächen Kutschmas in seinen
Amtsräumen, die der damalige Major der
Palastwache Mikola Melnitschenko in
denJahren1998 bis 2000 heimlichmitge-
schnitten haben will, angeblich aus eige-
nemAntrieb. Ausschnitte aus diesen we-
nigen Wochen nach dem Tod Gongadses
denMedienzugespieltenBändern, auf de-
nenKutschma sich eines vulgären Krimi-
nellenjargons bedient, hatten in der
Ukraine für eine Welle der öffentlichen
Empörung gesorgt. Mehrmals hat dem-
nachLytwyn, damals Chef der Präsidial-
kanzlei, Kutschma auf den Internetjour-
nalisten Gongadse hingewiesen. Dieser
schädige das Ansehen des Präsidenten
durch Berichte über Korruption in der
Kiewer Führungsspitze. Allerdings war
Gongadse damals weitgehend unbe-
kannt, die von ihm gegründete Internet-
zeitung Ukrainska Prawda kam nie über
3000 Zugriffe pro Tag hinaus und fand in
anderen Medien kein Echo. Seit der Ver-
öffentlichung der Melnitschenko-Bän-
der kursiert im Land das Gerücht, Gon-
gadse habe Lytwyndie Geliebte, eine Kie-
wer Journalistin, ausgespannt, dieser ha-
be sich an ihm rächen wollen.
Jedenfalls sagte Kutschma schließlich
an einer Stelle, man solle Gongadse „die
Hosen herunterziehen“ oder ihn „den
Tschetschenen übergeben“. Ob dies ein
Mordauftrag war oder ob nur übereifrige
Polizeigeneräle Kutschmas Zornesaus-
bruch so interpretierten, ist in Kiew um-
stritten. Jedenfalls verschwand Gongad-
se am 20. September 2000, zwei Monate
später wurde seine enthauptete Leiche in
einem Waldstück in der Zentralukraine
entdeckt. Der Fall wirkte wie eine Initial-
zündung für die damalige Opposition um
Viktor Juschtschenko, er wuchs sich zu
einer der großen innenpolitischen Kon-
troversenaus, die Ende 2004indie „Oran-
gene Revolution“ mündeten.
Als Sieger der Bewegung ließ Juscht-
schenko als Staatspräsident den Fall neu
untersuchen. Aufsehen erregte im März
2005 der Tod des früheren Innenminis-
ters Jurij Krawtschenko, der ins Visier
der Ermittler geraten war. Er wurde we-
nige Stunden, bevor ihndie Staatsanwäl-
te erstmals verhören wollten, tot in sei-
nemSommerhaus aufgefunden. Die offi-
zielle Version lautete auf Selbstmord; in
einem Abschiedsbrief soll er Kutschma
belastet haben. Doch gerieten Protokolle
der Ermittler an die Presse. Demnach
wies die Leiche je einen Einschuss in die
rechte Schläfe und ins Kinn auf, was nur
auf Mord schließen lasse.
Im Jahr 2008 wurden drei Polizeioffi-
ziere als Mörder Gongadses zu hohen
Haftstrafen verurteilt. Wenige Monate
später wurde ihr früherer Vorgesetzter,
der Polizeigeneral Olexij Pukatsch, ver-
haftet, er hatte zuletzt mit falscher Identi-
tät als Holzfäller gearbeitet. Pukatsch
führte die Ermittler zu der Stelle, an der
Gongadses Kopf verscharrt worden war.
Der Prozess gegenihnist nochnicht abge-
schlossen.
Die Anwälte Kutschmas haben bereits
ihre Strategie erkennen lassen: Da sich
die Staatsanwaltschaft nur auf eine Stel-
le auf den Melnitschenko-Bändern
stützt, bezweifeln sie deren Echtheit.
Auch weisen sie darauf hin, dass die Auf-
zeichnungen illegal zustandegekommen
seien und deshalb als Beweismittel nicht
verwendet werden dürften. Melnitschen-
ko selbst, der im amerikanischen Exil
lebt, sagte der englischsprachigen Kyiv
Post, die Ausschaltungder Bänder als Be-
weismittel solle verhindern, dass diese
auch in anderen Verfahren verwendet
werden können. Dies sei das eigentliche
Ziel des Verfahrens gegen Kutschma:
Denn es gebe auch Aufzeichnungen von
Gesprächen zwischen Kutschma und Ja-
nukowitsch, der damals Gouverneur des
ostukrainischen Industriebezirks Do-
nezk war. Darin sei es ebenfalls um Kor-
ruptionundManipulationvonAusschrei-
bungen zur Privatisierung gegangen.
Dabei wird in Kiewnicht ausgeschlos-
sen, dass das Verfahren gegen Kutschma
durchaus imZusammenhang mit der gro-
ßen Privatisierungswelle der neunziger
Jahre zusehenist. Einer der großenProfi-
teure war nämlich Viktor Pintschuk, der
Schwiegersohn Kutschmas. Eine weitere
Schwächung des Kutschma-Lagers wür-
de auch Pintschuk angreifbarer machen,
an seinem Industrie-Imperium sollen ei-
nige der Oligarchen aus dem Januko-
witsch-Lager interessiert sein. Überdies
missfällt es der Führung um Januko-
witsch, dass Pintschuks Stiftung seit eini-
ger Zeit Projekte zur Stärkung der Zivil-
gesellschaft, insbesondere der Pressefrei-
heit, fördert.
London – Im Arsenal eines Berufspoliti-
kers ist es die schärfste Waffe – das
L-Wort. Daher würde man auch nur in
Ausnahmefällen den politischen Gegner
einer Lüge bezichtigen. Aber den politi-
schen Partner? Doch genau dies hat der
Führer der britischen Liberaldemokra-
ten und Vizepremier Nick Clegg nun ge-
tan – und damit die Spannungen inner-
halbder seit einemJahr regierendenKoa-
litionsregierung mit den Konservativen
deutlichverschärft. Die Partner, Premier-
minister David Cameron eingeschlossen,
sagte Clegg, verbreiteten„Lügen“ imZu-
sammenhang mit einem Referendum
über eine mögliche Reform des Wahlver-
fahrens im Vereinigten Königreich.
Zugleich stritt Clegg ab, dass er und
der Regierungschef „Kumpel“ seien:
„Wir sind nicht dazuda, Freunde zuwer-
den“, sagte er. „Ichbinnicht indiese Koa-
litionsregierung eingetreten, um nach
Freunden zu suchen.“ Dass die beiden
Parteien in der Frage des Wahlrechts ge-
spalten sind, war schon klar, als sie sich
vor zwölf Monaten auf die Volksabstim-
mung verständigten. Sie war damals der
Preis, den die Konservativen für die Re-
gierungsbeteiligungder Liberaldemokra-
tenbezahlten. Die Tories wollenamtradi-
tionellen Mehrheitswahlrecht festhal-
ten, das bisher meist eine der beiden gro-
ßen britischen Parteien – Labour und
Konservative – bevorzugte. Die Liberal-
demokraten kämpfen seit Jahren für eine
Art von Verhältniswahlsystem, in dem
sie sich bessere Chancen ausrechnen.
Am 5. Mai, zeitgleich mit Parlaments-
wahlen in Schottland, Nordirland und
Wales sowie Regionalwahlen in einem
Teil Englands, sollen die Wähler auf der
Insel auch über das künftige Wahlsystem
entscheiden. Zur Auswahl stehen das
Mehrheitswahlrecht und das System der
sogenannten Alternative Vote (AV). Da-
bei verteilt der Wähler mehrere Stimmen
je nach Präferenz auf mehrere Kandida-
ten. Nach jüngsten Umfragen hat sich
die Zahl der Gegner einer Reform in den
vergangenen Tagen deutlich erhöht und
liegt nun bei 58 Prozent. Nur 42 Prozent
der Befragten würden dagegen für das
AV-System stimmen.
Premier Cameron hatte AV unlängst
als „unbritisch“ bezeichnet und behaup-
tet, dass es höhere Kostenverursache. Ge-
rade dieses Argument hat die Liberalde-
mokraten verärgert und die Lügen-Vor-
würfe ausgelöst. Der liberaldemokrati-
sche Energieminister Chris Huhne droh-
te gar mit juristischen Schritten gegen
diese Behauptung. Wolfgang Koydl
Der Ex-Präsident, eine Enthauptung und ein falscher Holzfäller
Bizarres Verfahren gegen den ehemaligen ukrainischen Staatschef Leonid Kutschma wegen der Ermordung eines kritischen Journalisten
Von Chri stoph Nei dhart
Tokio – Japans Premier Naoto Kan ver-
liert immer mehr an Rückhalt. Bei den
Lokalwahlen amWochenende verlor sei-
ne Demokratische Partei DPJ sieben von
zehnBürgermeisterwahlengegen Kandi-
daten der liberaldemokratischen LDP,
der früheren Monopol-Partei. Am Wahl-
abend warf Ichiro Ozawa, der in der DPJ
als starker Mann im Hintergrund gilt,
Kanvor, er habe inder Tsunami- undNu-
klearkrise versagt. Ozawa, der wegen
Korruptionangeklagt ist, kontrolliert et-
wa 50 DPJ-Abgeordnete. Sie dürften
sich bei künftigen Parlamentsabstim-
mungen gegen die eigene Partei stellen.
Oppositionsführer Sadakazu Tanigaki
fordert Kan zum Rücktritt auf.
Bei den Wahlenin die Gemeindeparla-
mente schnitten beide Großparteien
schlecht ab, für viele Mandate hatten sie
allerdings gar keine Kandidaten gestellt.
62 Prozent aller Sitze inden293 Gemein-
deräten gingen an Unabhängige. Die
Kommunisten und die buddhistische
Neue Komeito-Partei gewannendeutlich
mehr Mandate als DPJ und LDP. Kan
sagte, er nehme die Resultate „ernst“,
wies Rücktrittsforderungen aber zurück.
Allerdings braucht der Premier die
Stimmen der eigenen Partei und Unter-
stützung aus dem gegnerischen Lager,
um die Spezial-Budgets und Gesetze
zum Wiederaufbau der Tsunami-Region
und zur Beilegung der Fukushima-Krise
durchzusetzen. Politische Beobachter in
Tokio meinen, die Wahlen hätten Kan
zwar geschwächt, aber auchnicht die Op-
positiongestärkt. Die Wahlenfandenwe-
nig Beachtung, die Politikverdrossenheit
in Japan ist groß. Am Sonntag wurde in
Tokio zum dritten Mal in Folge für den
Atomausstieg demonstriert. Im Yoyogi-
Park versammelten sich 5000 vorwie-
gendjunge Leute; die Organisatorenspre-
chen von einer „Revolte der Amateure“.
Unterdessen bezweifelte am Montag
Atsushi Kasai, ein Experte für Verstrah-
lung, die Durchführbarkeit des Zeit-
plans von Tepco, mit dem der AKW-Be-
treiber versprochen hat, die Strahlung
des havarierten Meilers in drei Monaten
in den Griff zu bekommen und die drei
Reaktoren bis Ende des Jahres vollstän-
dig abzuschalten. Tepco sagte am Mon-
tag, es fließe jetzt kein radioaktives Was-
ser mehr ins Meer. Nach einer Schätzung
sind bisher 520 Tonnen hochradioakti-
ves Wasser in den Pazifik gelangt.
Die Präfektur von Fukushima gab be-
kannt, das Vieh, das in der Sperrzone frei
herumläuft oder in den Ställen hungert,
werde abgetan. Die Gegendumdie AKW-
Ruine ist viehreich, allein in Minamiso-
ma gab es vor dem Tsunami 900 Rinder,
6200 Schweine und Hunderttausende
Hühner. Die Fischerei vor der Küste von
Fukushima und Ibaraki bleibt gestoppt,
nachdemvorige Woche erneut verstrahl-
ter Konago, ein Art Sand-Aal, sicherge-
stellt wurde. Weiter nördlich, an der vom
Tsunami amschwerstenbetroffenenSan-
riku-Küste der Präfekturen Iwate und
Miyagi, die allerdings kaum Strahlung
abbekommen hat, nahmen die Fischer
dieser Tagen einen beschränkten Fang
wieder auf. Allerdings hat der Tsunami
allein in den beiden Präfekturen 6000 Fi-
scherboote und mehr als 100 Häfen zer-
stört. Armee undPolizei begannamMon-
tag eine dritte große Suche nach Leichen,
erstmals auch intensiv innerhalb der Fu-
kushima-Sperrzone. Noch 11 889 Men-
schen werden vermisst. Die amtliche
Zahl der Toten liegt aktuell bei 14 358.
Krach im
Kabinett
Britische Regierung streitet
über Reform des Wahlrechts
Niederlage für Japans Premier Kan
Partei verliert bei Kommunalwahlen – und damit an Rückhalt beim Krisenmanagement
Masataka Shimi-
zu (Mitte), Chef
des Fukushima-
Betreibers Tepco,
auf dem Weg ins
japanische Parla-
ment. Dort
braucht die Regie-
rung Rückende-
ckung, um Bud-
gets zur Bewälti-
gung der Katastro-
phe zu beschlie-
ßen. Foto: Reuters
„Denkmal der Menschlichkeit“ heißt
das unvollendete Monument im Nordos-
ten der Türkei, dessen Abriss die Regie-
rung nun angeordnet hat. Das Hunderte
Tonnen schwere Denkmal stellt zwei
Menschen dar, die sich gegenüberste-
hen, kann aber auch als eine gespaltene
Figur gesehen werden. Der Bildhauer
wollte die Versöhnung zwischen Türken
und Armeniern symbolisieren. Die Bezie-
hungen sind wegen der türkischen Mas-
saker an den Armeniern im Ersten Welt-
krieg belastet. Hunderttausende Armeni-
er haben am Sonntag weltweit ihrer
getöteten Landsleute gedacht. Am
24. April 1915 hatte mit der Ermordung
von 800 Intellektuellen die Verfolgung
der Armenier auf dem Gebiet der heuti-
gen Türkei begonnen. Die Türkei lehnt
es bis heute ab, von einem Genozid zu
sprechen. Armeniens Präsident Serge
Sarkisian würdigte türkische Intellektu-
elle, die sich für Versöhnung einsetzten,
rügte die Politik der Türkei aber als
„Kurs des Leugnens“. Foto: AFP
Dienstag, 26. April 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 7
POLITIK
In heimlichen Tonaufnahmen
tritt Kutschma mit vulgärem
Kriminellenjargon auf.
Versöhnung
vor dem Abriss
Leiche des Ex-Innenministers
wies Schusswunden auf, die
nicht auf Selbstmord hindeuteten.
Ihr schickt mir Geld. Aber
ich brauche auch jemand,
der sich kümmert.
Die Soforthelfer. Jetzt bei ERGO.
Die sorgen vor Ort dafür, dass nach einem Schaden schnell wieder alles
in Ordnung kommt. Folgen Sie uns auf dem Weg zu Deutschlands bester
Versicherung: ergo.de
Von Tomas Avenari us
Kairo – Die Nato verstärkt ihre Luftan-
griffe auf das Gaddafi-Regime. AmMon-
tag wurde ein Militärgebäude bei Tripo-
lis attackiert, indemMachthaber Muam-
mar al-Gaddafi eine Empfangshalle für
Staatsgäste und ein persönliches Büro
unterhält. Das Gebäude befindet sich in
Gaddafis Residenz Bab al-Asisija, die ei-
ner Kaserne ähnlich ist. Fraglich war, ob
der Angriff dem Diktator selbst gegolten
hat. Auchinder westlibyschenStadt Mis-
rata wurde am Wochenende gekämpft:
Obwohl das Regime den Rückzug seiner
Truppenaus der seit siebenWochenbela-
gerten Stadt angekündigt hatte, wurde
sie weiter mit Raketen beschossen.
32 Menschen sollen getötet worden sein.
Nato-Flugzeuge hatten die Gaddafi-
Residenz bei Tripolis am Montagmorgen
mit Raketen angegriffen. Dabei sollen
mehrere Menschen verletzt worden sein.
Unklar blieb, wo Gaddafi sich zu diesem
Zeitpunkt aufhielt. Ein libyscher Regie-
rungssprecher bezeichnete den Angriff
dennoch als Versuch, den Machthaber zu
töten. Gaddafis SohnSeif al-Islamhinge-
gen machte sich über den Angriff lustig:
„Nur Kinder haben vor so etwas Angst.“
Er nannte die Aufständischen erneut
„Verräter und Spione“. Millionen Libyer
stünden hinter seinem Vater. „Nato – Ihr
seid Verlierer“, erklärte der Gaddafi-
Sohn. Ein Nato-Sprecher in Brüssel be-
stätigte nur, dass das Bündnis verstärkt
Militär- und Kommunikationseinrich-
tungen des Regimes als Ziele wähle.
InMisrata, der einzigenvondenRebel-
len kontrollierten Stadt in Westlibyen,
gingen die Gefechte am Sonntag und
Montag weiter. Gaddafis Vize-Außenmi-
nister KhaledKaimhatte zuvor angekün-
digt, die Regierungstruppen würden sich
zurückziehen. Stattdessen würdenAnge-
hörige der lokalenStämme die Aufständi-
schen vertreiben. Nach mehreren Erfol-
gen der Rebellen im Zentrum von Misra-
ta zogen sich die Gaddafi-Truppen aber
offenbar nur bis an den Stadtrand zu-
rück und beschossen von dort aus die
Stadt mit Raketen. Ein gefangen genom-
mener Regierungssoldat bestätigte nach
Angaben der Aufständischen den Rück-
zugsbefehl. Dieser diene dazu, unter Ver-
schonung eigener Einheiten ungehindert
mit Artillerie auf die Stadt schießen zu
können. Angeblich wird die Moral der
Gaddafi-Truppen aber schwächer: Ein
anderer vondenRebellengefasster Regie-
rungssoldat soll gesagt haben: „Der
Kampfgeist ist zusammengebrochen.“
Das Regime habe seinen Truppen er-
klärt, sie kämpftengegendas Terrornetz-
werk al-Qaida, so der Mann – und nicht
gegen libysche Bürger. Gaddafis Solda-
ten durchschauten dies aber inzwischen.
Trotz der Zurückhaltung des amerika-
nischen Präsidenten Barack Obama, sich
militärisch stärker in Libyen einzu-
mischen, steigt der Druck auf Washing-
ton. Senator Lindsey Graham, Mitglied
des Streitkräfteausschusses des US-Se-
nats, sagte: „Gaddafi muss jeden Morgen
aufwachen und sich fragen, ob dies sein
letzter Tag sein wird.“ Graham forderte
gezielte Angriffe auf den innersten liby-
schen Führungszirkel. Dies wäre von der
Libyen-Resolution der UN verboten.
Zudem bekommen die Rebellen jetzt
Geld vom Emirat Kuwait: Der Golfstaat
wolle etwa150 MillionenEuro für die Be-
zahlung der AngestellteninOstlibyenbe-
reitstellen. Der Osten wird von den Auf-
ständischen kontrolliert, das Gaddafi-
Regime hat dort alle Zahlungen einge-
stellt. Bisher war die Unterstützung an-
derer arabischer Staaten schwach: Nur
Katar, die VereinigtenArabischenEmira-
te und Jordanien beteiligen sich offiziell
mit Flugzeugen an der Umsetzung der
UN- Resolution. (Seite 4 und Wirtschaft)
Washington – Ein US-Berufungsgericht
hat das Strafverfahrengegenvier ehema-
lige Mitarbeiter des US-Sicherheitsun-
ternehmens Blackwater wegen der tödli-
chen Schüsse auf mindestens 14 iraki-
sche Zivilisten wieder aufgenommen.
Wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht,
kamen die Berufungsrichter zu dem
Schluss, dass ein Bezirksgericht „eine
Reihe systematischer Fehler“ gemacht
habe, als es das Verfahren im Dezember
2009 einstellte. Der irakische Minister-
präsident Nuri al-Maliki begrüßte die
Entscheidung. Er sei zuversichtlich, dass
die Familien der Opfer nun ihr Recht be-
kommen und „die Verbrecher bestraft“
würden. Die Einstellung des Verfahrens
hatte imIrak große Empörung ausgelöst.
Die Mitarbeiter von Blackwater, das
mittlerweile unter dem Namen „Xe Ser-
vices“ firmiert, sollen im Jahr 2007 in
Bagdad mehr als ein Dutzend Zivilisten
erschossenunddeutlichmehr verletzt ha-
ben. Sie hatten in die Menge gefeuert, als
ein Konvoi mit US-Diplomaten vorbei-
fuhr. Blackwater verlor daraufhin seine
Aufträge im Irak. AFP
Manama – Die Behörden des Golfstaates
BahrainhabennachAngabender Opposi-
tionspartei Wefak seit Ausrufung des
Ausnahmezustands im März 16 schiiti-
sche Moscheen und 14 weitere schiiti-
sche Gebetsstätten zerstört. Seit Beginn
der Unruhen in Bahrain am 14. Februar
sind mindestens 30 Menschen ums Leben
gekommen. Die sunnitische Regierung
des Landes verhängte im vergangenen
Monat den Notstand, um die vorrangig
von Schiiten angeführte Protestbewe-
gung einzudämmen. EinMilitärstaatsan-
walt forderte inzwischen die Todesstrafe
für sieben Regierungsgegner, die bei Pro-
testen zwei Polizisten getötet haben sol-
len. Das meldete die staatliche Nachrich-
tenagentur am Sonntag. dapd
Von Rudol ph Chi mel l i
Paris – Der jemenitische Präsident Ab-
dullah Salih klammert sich weiter an die
Macht. Am Samstag akzeptierte er zwar
einen Plan des Golf-Kooperationsrates,
der seinen Rücktritt binnen 30 Tagen ge-
gen eine Garantie der Straffreiheit für
ihn, seine Söhne undwichtige Helfer vor-
sieht. Salih soll demnach die Macht an
seinen Vizepräsidenten Mansur Hadi
übergeben. Danach sollen innerhalb von
zwei Monaten Präsidentenwahlen abge-
halten werden. Doch schon am Sonntag
stellte der Staatschef diese Prozedur inei-
nem Interview mit BBC wieder in Zwei-
fel. „Wemsoll ich die Macht übergeben“,
fragte Salih, „denen, die einen Putsch
versuchen?“ Die Opposition sei von der
al-Qaida unterwandert, und der Westen
werde teuer dafür bezahlen, dass er dies
nicht sehen wolle. Erst nach Wahlen sei
er zu einem Rücktritt bereit, sagte Salih.
Die Krise, die im Februar begann, als
unzufriedene Regimegegner nach dem
Vorbild Ägyptens und Tunesiens auf die
Straße gingen, ist somit keineswegs gere-
gelt. Die sieben Oppositionsparteien im
Parlament sind im Prinzip bereit, in ei-
ner Übergangsregierung mitzuarbeiten,
die der Plan des Rates vorsieht. Sie ma-
chen allerdings denVorbehalt, dass diese
Regierung nicht unter Salihs Führung
stehen dürfe. Die Protestbewegung be-
tont hingegen, die parlamentarische Op-
position spreche nicht in ihrem Namen,
und verlangt weiterhin Salihs sofortigen
Rücktritt. Die Regimegegner setzten ihre
Demonstrationen am Sonntag fort.
NachdemVorschlag hätte der gewähl-
te Nachfolger Salihs einen Ausschuss zu
ernennen, der eine Verfassung ausarbei-
tet. Über diese müsste dann ein Referen-
dumentscheiden. Der nächste Schritt wä-
renParlamentswahlen. Der Golf-Koope-
rationsrat, die EUunddie USAsollendie-
sen Kompromiss als Zeugen mitunter-
schreiben. Falls das jetzige Parlament, in
dem Salihs Partei die absolute Mehrheit
hat, seinenRücktritt ablehnensollte, wä-
re das Vorgehen in Frage gestellt.
Zwei Söhne Salihs kommandieren die
wichtigsten Sicherheitstruppen des Re-
gimes. Die versprochene Amnestie wür-
de sowohl sie als auch den Präsidenten
vor Strafverfolgung wegen der Tötung
vonDemonstrantenschützen, wie die Op-
position sie verlangt. Seinen Wert als Al-
Qaida-Bekämpfer hat Salih in den Au-
gender Amerikaner undder Saudis weit-
gehend verloren, da er einen erheblichen
Teil des Militärs zur Sicherung seiner
Herrschaft aus den unsicheren Provin-
zen nach Sanaa abgezogen hat.
Von Tobi as Matern
Delhi – Wie jeden Morgen erschienen die
Gefängniswärter zum Dienst, doch viele
der Gefangenen waren verschwunden.
Die Taliban haben in Afghanistan am
MontagHundertenInsasseneiner Haftan-
stalt in der Stadt Kandahar zur Flucht
verholfen. Monatelang hatten die Auf-
ständischen dafür nach eigenen Angaben
in der gleichnamigen Unruheprovinz ei-
nenTunnel zumGefängnis gegraben. Die-
ser soll mehr als 300 Meter lang gewesen
seinundbis zudenZelleneinzelner Insas-
sengereicht haben. Der Leiter der Haftan-
stalt erklärte, es werde noch untersucht,
ob der unterirdische Zugang von außen
oder innen gebuddelt worden ist.
Die Behörden teilten mit, 476 Häftlin-
ge seien aus dem Gefängnis entkommen.
Die Taliban, die zu Übertreibungen nei-
gen, gaben die Zahl mit 541 an. Überein-
stimmend hieß es aus beiden Quellen, un-
ter denEntkommenenseienKämpfer und
Kommandeure der Aufständischengewe-
sen. Es war nicht der erste Massenaus-
bruch aus dem Gefängnis in Kandahar.
Bereits vor drei Jahrenhattendie bewaff-
netenRegierungsgegner mehr als 1000Ge-
fangene aus der Haftanstalt befreit.
Die Flucht beganninder Nacht zuMon-
tag. In einer Stellungnahme der Taliban
unmittelbar nach der Aktion hieß es, die
Vorbereitungen hätten fünf Monate ge-
dauert. Nur drei Inhaftierte seien vorab
über denPlaninformiert worden. Sie hät-
ten die Mitgefangenen nachts geweckt
und zum Tunnel geleitet. Auch für den
Fall, dass die Sicherheitskräfte während
der Flucht Alarmgeschlagenhätten, wol-
len die Taliban nach eigener Darstellung
vorgesorgt haben: In ihrer Mitteilung
heißt es, Selbstmordattentäter undKämp-
fer seien in unmittelbarer Nähe des Ge-
fängnisses stationiert worden. Ihr Ein-
satz sei aber nicht erforderlich gewesen.
Provinzgouverneur Turjalai Wessa sagte,
einige der geflohenenMänner seieninzwi-
schen wieder verhaftet worden. Er erhob
schwere Vorwürfe gegen das Gefängnis-
personal.
Obwohl die Taliban in den vergange-
nenMonatengeschwächt wordensind, ist
es ihnen mit der Aktion erneut gelungen,
die afghanischenSicherheitskräfte zudü-
pieren. Bis 2014 will der Westen seine
Kampftruppen vom Hindukusch abzie-
hen. Das Konzept der Nato sieht vor, vom
Sommer dieses Jahres an die Verantwor-
tung für die Sicherheit in afghanische
Hände zu übergeben. Sieben Regionen
sind dafür ausgesucht worden. Darunter
ist unter anderemauchdie imEinflussbe-
reich der Bundeswehr liegende Stadt Ma-
sar-i-Scharif in Nordafghanistan. Dort
hatte Anfang des Monats ein wütender
Mob nach dem Freitagsgebet das Büro
der Vereinten Nationen gestürmt. Die af-
ghanische Polizei hatte der aufgebrach-
ten Menge wenig entgegenzusetzen.
Zwölf Menschen starben bei der Attacke.
Aus Sicht von Isaf-General Josef Blotz
in Kabul ist die Gefangenenbefreiung in
Kandahar „ohne Frage ein Rückschlag“
für die Bemühungen der Nato, den Süden
Afghanistans zu stabilisieren, wie er am
Montag im Gespräch mit der Süddeut-
schenZeitung einräumte. Die Nato werde
den einheimischen Sicherheitskräften so
gut wie möglich dabei behilflich sein, die
geflohenen Taliban „wieder dingfest zu
machen“. Nun müsse „Schadensbegren-
zung“ betrieben werden, sagte Blotz.
Für die Isaf gabes indiesemJahr imSü-
den Afghanistans nicht die sonst übliche
Winterpause, während der die Kampf-
handlungen abnehmen. Das Bündnis ha-
be mit afghanischen Einheiten zusam-
men Tag für Tag Operationen gegen die
Taliban durchgeführt, sagte Blotz. Er
zeigte sich überzeugt, das Bündnis sei im
Kampf gegen die Taliban „derzeit in der
Offensive“. Momentan seien die Angriffe
auf Nato-Truppen und einheimische Si-
cherheitskräfte abgeflaut. Grund dafür
dürfte auch die Mohn-Ernte sein, die
Grundlage für den Opiumhandel ist. Die
Aufständische nehmen den Bauern dafür
Steuernab. Das Geldaus demDrogen-Ge-
schäft ist ein wesentlicher Teil, mit dem
sie ihrenKampf finanzieren. Die Zahl der
Attacken auf die Isaf und afghanische
Truppen im Süden Afghanistans werde
nach dem Einholen der Ernte sicherlich
wieder zunehmen, sagt Blotz.
Vondenetwa140 000 Nato-Truppenin
Afghanistanist der Großteil imSüdensta-
tioniert. Die von US-Präsident Barack
Obama 2010 vollzogene Aufstockung
amerikanischer Truppen hat nach An-
sicht unabhängiger Beobachter dazu ge-
führt, die Macht der Taliban in Regionen
wie Kandahar einzuschränken. Jedoch
sindsie weiterhinstarkgenug, umspekta-
kuläre Aktionen wie am Montag zu orga-
nisieren. Auch lassen sie bislang trotz des
Werbens der afghanischenRegierungkei-
ne Bereitschaft erkennen, Friedensver-
handlungen aufzunehmen. (Seite 4)
Nairobi – Der südsudanesische Milizen-
führer Gabriel Tanginya hat sich nach
schwerenKämpfen imBundesstaat Jong-
lei der südsudanesischenArmee SPLAer-
geben. Das berichtete die Sudan Tribune
am Montag unter Berufung auf Regie-
rungsvertreter. Am Osterwochenende
waren bei Kämpfen zwischen Tanginyas
Miliz undder SPLAmindestens 57Rebel-
len getötet worden. Der Milizenchef will
seine Soldaten eigentlich in die SPLAin-
tegrieren. Etwa 5000 sollen bereits regu-
läre SPLA-Soldaten sein, hieß es. Die
SPLAist die einstige Bürgerkriegsarmee
des Südsudan, der imJuli einunabhängi-
ger Staat werden soll. dpa
Teheran– Iranist nachArmeeangabener-
neut zumZiel einer Cyberattacke gewor-
den. Der Computervirus namens Stars
sei über offizielle Dokumente in mehrere
Computernetzwerke eingeschleust wor-
den, sagte der iranische Armeekomman-
deur Gholam Resa Dschalali laut einem
Bericht der iranischen Nachrichtenagen-
tur Mehr vom Montag. Zunächst habe
der Virus nur „begrenzte Schäden“ ange-
richtet, Experten prüften aber weiter
sein Schadenspotenzial und das genaue
Ziel der Cyberattacke. Rechner irani-
scher Behörden waren vergangenes Jahr
Opfer des Computervirus Stuxnet gewor-
den, der offenbar die Atomanlagenlahm-
legen sollte. Stuxnet befiel mehr als
30 000 Rechner, so dass im Herbst ein
Teil der Zentrifugen zur Urananreiche-
rung in der Atomanlage Natans stillge-
legt werden mussten. Dschalali hatte den
USA und Israel vorgeworfen, hinter die-
ser Attacke zu stecken. AmMontag sagte
Dschalali, iranische Experten seien im-
mer nochdamit beschäftigt, Stuxnet voll-
ständig zu deaktivieren. AFP
Moscheen zerstört
Peking – In Peking hat die Polizei amOs-
tersonntagDutzende Christenfestgenom-
men, die sich unter freiem Himmel zu ei-
nem Gottesdienst versammeln wollten.
Die Mitglieder der Shouwang-Kirche
wurden in Busse verfrachtet, dabei san-
gen sie Kirchenlieder. Die Shouwang-
Kirche, derenName „Wachturm“ bedeu-
tet, hat den Unmut der Behörden auf sich
gezogen. Das Außenministeriumbezeich-
nete sie als „Organisation ohne rechtli-
che Grundlage“. Die etwa tausend Mit-
glieder sahen sich gezwungen, ihre Got-
tesdienste im Freien zu feiern, nachdem
ihnenangemietete Räumlichkeitenentzo-
gen worden waren. Nach Angaben eines
Kirchenmitglieds befindet sich etwa ein
Dutzendführender Vertreter unter Haus-
arrest oder in Haft. Reuters
Nablus – Palästinensische Polizisten ha-
benbeimJosefsgrab imnördlichenWest-
jordanland einen jüdischen Pilger er-
schossen und vier weitere Israelis ver-
letzt. Bei dem Toten handelte es sich
nachisraelischenMedienberichtenumei-
nen Neffen der Bildungsministerin Li-
mor Livnat. Premier Benjamin Netanja-
hu verurteilte den tödlichen Angriff un-
weit der Palästinenserstadt Nablus, die
Autonomiebehörde müsse den Schützen
zur Rechenschaft ziehen. Nach überein-
stimmendenBerichtender Palästinenser-
behörde und der israelischen Armee war
die Gruppe am Sonntag ohne Genehmi-
gung zum Josefsgrab gefahren. Die Poli-
zisten hätten zunächst Warnschüsse ab-
gegeben, erklärte der Gouverneur von
Nablus, Dschibril Bakri. Als die Israelis
sich nicht aufhalten ließen, schossen die
Sicherheitskräfte. Es handele sich um
ein Missverständnis und keinen An-
schlag, betonte Bakri. Jüdische Siedler
imWestjordanlandreagiertenmit Rache-
aktionen, es kam zu gewaltsamen Kon-
flikten. Repräsentantenbeider Seitenbe-
mühten sich um Klärung der genauen
Umstände. Aus israelischen Kreisen ver-
lautete, das Blutvergießen hätte vermie-
denwerdenkönnen, wennder Besuchab-
gestimmt worden wäre. Die Armee bietet
gesicherte Ausflüge zu der Stätte auf pa-
lästinensisch kontrolliertem Gebiet an.
Laut Überlieferung ist es die letzte Ruhe-
stätte des biblischen Patriarchen. dpa
Rückzug vom Rücktritt
Jemens Präsident Salih kündigt an, sich der Protestbewegung zu beugen, stellt dann aber Bedingungen
A
us Sicht seiner Anhänger war er
ein „lebender Gott“ und in der
Lage, Wunder zu vollbringen. Kriti-
ker saheninihmhingegeneinenSek-
tenführer, der mit simplen Zauber-
tricks Gläubige hinter’s Licht führ-
te. Am Wochenende ist der indische
Guru Sathya Sai Baba im Alter von
84JahrenanHerz- undLungenversa-
gen gestorben. Er sei „physisch nicht
mehr unter uns“, teilte das Kranken-
haus in seiner südindischen Heimat-
stadt Puttaparthi am Sonntag mit,
dort hatte Sai Baba die letzten 28 Ta-
ge seines Lebens verbracht. Millio-
nenMenschenzahlreicher Konfessio-
nen zählen weltweit zu seinen An-
hängern. Tausende Trauernde ver-
sammelten sich in der Stadt, in der
sein Leichnam aufgebahrt wurde.
„Sai Babas Tod ist ein nicht wie-
dergutzumachender Verlust für alle,
die ganze Nationist intiefer Trauer",
sagte Indiens Premierminister Man-
mohan Singh. Er sei ein inspirieren-
der Mann gewesen, der Werte wie
Liebe, Gewaltlosigkeit und Ehrlich-
keit vertretenhabe. Die Landesregie-
rung des Bundesstaates Andhra Pra-
desh, in demSai Baba gelebt hat, rief
eine mehrtägige Trauerphase aus.
An diesem Mittwoch soll er einge-
äschert werden. In Indien folgten
demspirituellenFührer mit der Afro-
Frisur Sport- und Filmstars, auch
der frühere Premier Atal Behari Vaj-
payee und Ex-Präsident Abdul Ka-
lam zählten zu seinen Anhängern.
Für die Gläubigen galt Sai Baba
als Reinkarnation eines Heiligen aus
dem19. Jahrhundert, der gleicherma-
ßen von Hindus als auch Moslems
verehrte wurde. Seine Mutter, heißt
es inMedienberichten, soll früher er-
klärt haben, ihr Sohn sei wie Jesus
durch eine Jungfrauengeburt zur
Welt gekommen. Die Menschen, die
ihmfolgten, waren davon überzeugt,
dass er mit magischenKräftenausge-
stattet sei und unheilbare Krankhei-
ten heilen konnte. Einige Ehemalige
Anhänger hingegenwarfenihmsexu-
ellen Missbrauch von Jungen und
jungen Männern vor. Sai Baba selbst
ließ die Vorwürfe stets zurückwei-
sen. Ein angeblicher Attentatsver-
such, bei demdie mutmaßlichen An-
greifer in seinem Haus erschossen
wurden, war nie aufgeklärt worden.
Der Guru galt als undogmatisch
underwartete imGegensatz zuande-
renSektenführernvonseinenAnhän-
gern nicht, ihren Glauben aufzuge-
ben, schreibt die Dokumentarfilme-
rin Tanya Datta in einem Nachruf
für die BBC. Eine von Sai Baba ver-
waltete Stiftung, die vor fast vierzig
Jahren gegründet worden ist, hat
nach Angaben indischer Zeitungen
einVermögen von umgerechnet etwa
sieben Milliarden Euro. Die Organi-
sation betreibt soziale Einrichtun-
gen wie Kliniken und Bildungsstät-
ten. Wer die Stiftung nun leiten
wird, ist nach dem Tod Sai Babas
noch unklar. Tobias Matern
Um private US-Sicherheitskräfte im
Irak gibt es immer wieder Ärger. AP
Cyberattacke auf Iran
Neuer Blackwater-Prozess
Christen festgenommen
Tödliche Schüsse
beim Josefsgrab
Nato bombardiert Gaddafi-Residenz in Tripolis
Bündnis verstärkt Angriffe auf strategische Zentren des libyschen Regimes / Weiter Kämpfe im belagerten Misrata
„Physisch nicht
mehr unter uns“
Indien trauert um bekannten
Sektenführer Sathya Sai Baba
Taliban-Häftlinge fliehen durch Tunnel
Im afghanischen Kandahar entkommen etwa 500 Gefangene – ein Rückschlag für den Friedensprozess des Westens
Anhänger gedenken in Puttaparthi
ihres Gurus Sathya Sai Baba. AP
Milizenchef ergibt sich
Bis 2014 will der Westen
eigentlich seine Kampftruppen
vom Hindukusch abziehen.
Seite 8 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 HF2 Dienstag, 26. April 2011
POLITIK
Ein afghanischer Polizist inspiziert das Loch zumFluchttunnel: Der Massenaus-
bruch aus dem Gefängnis von Kandahar bringt Unsicherheit für die Provinz. AP
Nato-Jets haben
in der Nacht zu
Montag eine
Regierungszen-
trale in Tripolis
zerstört. Berich-
te über mögliche
zivile Opfer
konnte das Bünd-
nis nicht bestäti-
gen. Gaddafi-Ge-
treue, die westli-
che Journalisten
zur Ruine führ-
ten, propagier-
ten dagegen die
Zahl von 45 Ver-
wundeten – ohne
deren tatsächli-
che Existenz
belegen zu kön-
nen. Foto: AFP
Islamabad
PAKISTAN
AFGHANISTAN
200 km
Kandahar
Masar-i-Scharif
KANDAHAR
Kabul
SZ-Karte
Ausland
Paris – NachdemFamiliendramamit fünf
Toten in Westfrankreich konzentriert
sich der Tatverdacht immer mehr auf den
verschwundenen50-jährigenFamilienva-
ter: einen Mann, der offenbar ein Doppel-
leben führte, zu dem eine Geliebte und
mehrere teure Statussymbole gehörten.
Wie der 50-Jährige das finanzierte, bleibt
unklar – beim Finanzamt versteuerte er
ein Jahreseinkommen von gerade mal
4000 Euro. Sein Ein-Mann-Werbeunter-
nehmen war alles andere als erfolgreich.
Die Leichender Frauundder gemeinsa-
menvier Kinder warenimGartendes Rei-
henhauses der Familie in Nantes gefun-
den worden. Laut Autopsie wurden sie
um den 4. April methodisch mit je zwei
Schüssenaus nächster Nähe imSchlaf ge-
tötet. Den Ermittlern drängt sich nun of-
fenbar der Verdacht auf, dass der 50-Jäh-
rige die Tat akribisch geplant hatte. Er
kaufte Leichensäcke, Schaufeln undKalk
zum Zersetzen von Organismen, schrieb
Kündigungen, übte den Gebrauch von
Schusswaffen und fragte nach Schall-
dämpfern. Nochwerdeer nur als Zeuge ge-
sucht, sagen die Ermittler. Die Geliebte,
die dem50-Jährigen50 000 Euro geliehen
hatte, meldete sich bei der Polizei, als sie
einen Drohbrief von ihm erhielt. dpa
Rom – Mehrere Stewards und Passagiere
an Bord einer Maschine der italienischen
Fluggesellschaft Alitalia haben amSonn-
tagabend eine Entführung des Flugzeugs
nach Tripolis verhindert. Wie die italieni-
sche Nachrichtenagentur Ansa unter Be-
rufungauf die Grenzpolizei des Landes be-
richtete, konnte ein mit einem kleinen
Messer bewaffneter 48-jähriger Kasache
überwältigt werden, der die Umleitung
des Flugs auf dem Weg von Paris nach
Rom in die libysche Hauptstadt verlangt
hatte. Dazu habe er eine Stewardess der
mit 131 Passagieren besetzten Maschine
gegen 21.30 Uhr mit seinem Messer be-
droht und sie dabei am Hals leicht ver-
letzt. Dankmehrerer KollegenundPassa-
giere habe der Mann allerdings schnell
überwältigt und zuseinemSitz zurückge-
bracht werden können. Dort sei ihm von
einemanwesenden Arzt ein Beruhigungs-
mittel verabreicht worden. Die Maschine
landete laut Ansa gegen 22 Uhr ohne wei-
tere Zwischenfälle auf dem internationa-
len Flughafen von Rom, wo der Angreifer
der Grenzpolizei übergeben wurde. War-
um der womöglich verwirrte Mann nach
Tripolis fliegen wollte, blieb zunächst un-
klar. Medienberichten zufolge soll er für
dieUN-KulturorganisationUnescoarbei-
ten. Im Zusammenhang mit terroristi-
schen Aktivitäten war sein Name bisher
offenbar nicht aufgetaucht. AFP
Von Wol fgang Koydl
H
ash ist so hektisch wie noch nie
in seinemLeben, und manchmal
weiß er gar nicht, was er zuerst
tunsoll. Neue Warenmüssenge-
ordert werden und Lieferungen einsor-
tiert. Dann hat er noch keine Vertretung
für den großen Tag, an dem er den Laden
ja nicht einfach schließen kann, auch
wenn das halbe Land frei hat. Der Leih-
frack samt Fliege und Weste will endlich
abgeholt werden, und nun ist auch noch
Ehefrau Chan nach Indien geflogen, um
sich einen festlichen Sari zu kaufen. Für
soeinenAnlass, hat sie gesagt, ist das Bes-
te gerade gut genug, und die besten Saris
gibt es eben nicht in England zu kaufen.
Der Anlass, der die Eheleute derart be-
schäftigt, ist die Hochzeit von Prinz Wil-
liam mit der Bürgerlichen Catherine
Middleton, und Hash und Chan Shinga-
dia aus Indien wäre es in den kühnsten
Träumen nie eingefallen, dass sie einmal
eine auf gestärktemBüttengedruckteEin-
ladungskarte erhalten würden, mit der
Lord Chamberlain sie im Auftrag der
Queen in den Buckingham-Palast bittet.
Aber Hash hätte auch nie geglaubt,
dass er einmal zum gefragtesten Ge-
mischtwarenhändler Großbritanniens
avancierenwürde. Es gabZeiten, dakonn-
ten seine Kunden ihre Autos nicht mehr
parken, weil alle Plätze von Übertra-
gungswagen in- und ausländischer Fern-
sehsender belegt waren. AmSortiment sei-
nes Spar-Ladens im pittoresken Dörf-
chenUpper Buckleburyinder wohlhaben-
denGrafschaft Berkshire kannHashs Pro-
minenz nicht liegen: Er verkauft Toast
und Eier, Konserven und Zeitungen, Sü-
ßigkeiten, Bier und Milch. Wer will, der
kann auch einen Brief aufgeben oder sein
Glückbei der Lotterie Euromillions versu-
chen. Der Laden unterscheidet sich nicht
von Tausenden anderen zwischen Corn-
wall und den Highlands.
Was Hash indes auszeichnet und sei-
nem Geschäft den nur teilweise spöttisch
gemeinten Spitznamen eines Royal Spar
eingetragen hat, ist die Kundschaft, und
zu der gehören seit einiger Zeit auch der
künftige KönigvonEnglandundseine zu-
künftige Königin. Denn in Chapel Row,
dem nächsten Weiler ein paar Kilometer
die Straße entlang, lebenMichael undCa-
role Middleton, die nun über ihre Tochter
Kate in die königliche Familie einheira-
ten. Und wenn Prinz William seine Braut
bei ihren Eltern besucht, dann führt kein
Weg an Hashs Tante-Emma-Laden vor-
bei, etwa wenn ihn ein prinzlicher Heiß-
hunger überfällt – nach einer Vienetta
Mint-Eiscreme zum Beispiel. Denn der
nächste Supermarkt ist in Reading, mehr
als eine halbe Autostunde entfernt.
Von der Eiscreme hat Hash einen Son-
dervorrat angelegt, weil Seine Königliche
Hoheit eine besondereSchwäche dafür ha-
ben soll. Diese wertvolle Neuigkeit hat
Hash zumindest der Weltpresse anver-
traut, als er mit den Reportern noch
sprach. Inzwischen gehen ihm die lästi-
gen Fragesteller auf die Nerven, die im-
mer nur das Gleiche wissen wollen und
ihn von der Arbeit abhalten. Daher ver-
stummt seinRedefluss schlagartig, sobald
er einenJournalistenvor sichzuerkennen
glaubt. Nicht viel anders verhalten sich
die meisten anderen Bewohner, die im
Dörfer-ViereckBucklebury, Upper Buck-
lebury, Stanford Dingley und Bradfield
SouthendimwohlhabendenStockbroker-
Gürtel westlich von London leben. Die
Felder, Wäldchen und Wiesen mögen
zwar lieblich englisch und saftig grün
sein; doch wenn von den Middletons die
Rede ist, senkt sich das Schweigegesetz
karger sizilianischer Bergdörfer herab.
„Wir im Dorf schirmen die Middletons
ganz gut ab, da gibt es eine Art guter Ka-
meraderie“, sagt Lynda Tillotson, die in
Chapel Row ein Geschäft für Luxus-
gardinen und andere teure Einrichtungs-
gegenständebetreibt. Nebendemgemütli-
chenBladebonePubundder bodenständi-
genMetzgerei wirkt der Schickimicki-La-
den wie ein Fremdkörper aus London-
Chelsea oder Mayfair. Mit den beiden Lä-
den ist allerdings auch schon die gesamte
Geschäftswelt des Ortes aufgezählt.
„Mehr gibt’s nicht“, meint Lynda und
zuckt mit den Schultern. Dann deutet sie
vage mit dem Kopf über die linke Schul-
ter. „Und dann haben wir halt noch Mi-
chael und Carole und die Kinder. Nette
Leute, die Middletons, ganz normal. Sie
kaufendrübenbeimMetzger einundtrin-
ken ihr Bier wie alle in der Kneipe.“
WennmanCatherine Middletonverste-
hen will, die sich den wohl begehrtesten
Junggesellen Europas geangelt hat und
einmal Königin Britanniens sein wird,
muss man hierher kommen nach Chapel
Row, wosie ihreKindheit undJugendver-
bracht hat. Ein Aschenputtel-Dasein war
es ganz sicher nicht, das sie in dem mit
Glyzinen bewachsenen Siebenzimmer-
haus ihrer Eltern erlebte, und in dem ihr
Zimmer angeblich noch immer so aus-
sieht wie zu ihren Teenager-Zeiten. Nein,
für eine Cinderella-Geschichte ging es
Catherine Middleton einfach von Beginn
an immer ein wenig zu gut.
Falls es überhaupt Armut gibt in dieser
Grafschaft, die den stolzen Ehrentitel
einer Royal County führt, dann wird sie
gut versteckt. Wer hier lebt, hat entweder
altes Geld geerbt oder neues verdient in
jenen verrückten Boomzeiten seit Mitte
der Neunziger. Die Middletons haben von
beidem: Väterlicherseits warenes über Ge-
nerationen betuchte Industrielle und An-
wälte, mütterlicherseits Bergleute und
Handwerker mit Durchsetzungskraft,
Mutterwitz und Unternehmergeist. Des-
halb können es sich die bürgerlichen
Schwiegereltern auch leisten, 100 000
Pfund zur königlichen Hochzeit zuzu-
schießen. BuckinghamPalace hat denBei-
trag nicht nur gnädig akzeptiert. Mittler-
weilehat sichdie Queensogar dazuherab-
gelassen, die Elternder künftigenFrauih-
res Enkels zum Lunch in den Palast von
Windsor einzuladen. Es sei entspannt und
informell zugegangen, ließ ein Höfling
später verlauten: „Es wurde viel gelacht.“
Windsor Palace liegt nicht weit ent-
fernt von Chapel Row, was die Queen und
die Middletons gleichsamzu Nachbarn in
derselben Grafschaft macht. Ruhig und
gesittet geht es hier zu, mit geducktenKir-
chen, bräsigen Wirtshäusern, schmucken
Reitern sowie akkurat gestutzten Hecken
und mächtigen Alleen, unter denen schon
die erste Königin Elisabeth vor 500 Jah-
ren dahinschritt. Anders als in Deutsch-
land, wo man mit dem Begriff Landleben
eher Güllefahrer undGummistiefel assozi-
iert, stand in England das Leben auf dem
Lande schon immer in erster Linie für
Gutsherren – und ebenfalls für Gummi-
stiefel, doch mit dem feinen Unterschied,
dass Letztere tunlichst aus französischer
Designer-Manufaktur stammenundmeh-
rere hundert Pfund kosten sollten.
Landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge tu-
ckern indes eher selten durch die engen
Sträßchen. Stattdessen flitzen Cabrios
deutscher Edelmarkenherum, indenenso-
genannte Yummie Mummies – adrette
undmodische Damenjenseits eines gewis-
sen Alters – den Nachwuchs zur Reitstun-
de, zum Yoga oder in die Klavierstunde
chauffieren. So eine appetitlich-attrakti-
ve Mutter war auch Carole Middleton,
und noch heute genießt sie es, wenn sie –
etwa beim gemeinsamen Shopping-Bum-
mel mit dem Nachwuchs am Londoner
Sloane Square – mit Kates Schwester ver-
wechselt wird, zumindest von hinten.
Auch William, so will ein ungenannter
Freundwissen, sei ganz begeistert vonder
„geistig so jungen und spaßigen“ Schwie-
germutter. Die revanchiert sich auf ihre
Weise: Den Screensaver auf Carole Midd-
letons Handy ziert ein Foto des Prinzen.
Welches Foto die Brautmutter herunter-
geladen hat, ist allerdings ein Geheimnis.
Die 56 Jahre alte Ex-Flugbegleiterin
war nicht nur die treibende Kraft hinter
„Party Pieces“, ihrem erfolgreichen On-
line-Geschäft, das Partybedarf für Kin-
dergeburtstage verhökert, sondern auch
für densteilengesellschaftlichenAufstieg
ihrer Töchter Catherine und der um ein
Jahr jüngerenPhillipa(„Pippa“). Ex-Boy-
friends und neidische Mitschülerinnen
verpassten den beiden früh den Spitzna-
men „Wisteria Sisters“: Wie die auch
Blauregenoder Wisteriengenannten Gly-
zinen am Elternhaus, so soll das heißen,
seien auch die Schwestern „dekorativ,
duftend und beim Hochklettern nicht zu
bremsen“, so sagen böse Zungen.
Carole war es, die darauf bestand, dass
Catherine sich nicht an der Universität
Edinburgh einschrieb wie ihre Geschiw-
ster Pippa und James, sondern am etwas
exklusiveren College von St. Andrews.
Dort studierte nämlich, was für ein Zu-
fall, Prinz William. „Alles, was Michael
und Carole für ihre Kinder wollten, war,
dass sie Erfolghabenundglücklichheira-
tenwürden– vorzugsweise ineinewohlha-
bende Familie“, vertraute ein Freund der
Familie demamerikanischenMagazinVa-
nity Fair an. „Doch noch nicht einmal in
ihren wildesten Träumen hätten sie sich
vorstellen können, dass eine von ihnen in
die königliche Familie einheiraten wür-
de.“ Nun ja. Ob beabsichtigt oder unfrei-
willig – es hat ja nungeklappt mit der bes-
seren Familie.
Und auch Pippa scheint nach oben zu
streben. Mit den Jungs von nebenan gab
sie sich noch nie ab; zu ihren Boyfriends
zählten schottische Adelige, Diamanten-
Erben, Unternehmer und Spitzensport-
ler. Gleichwohl missgönnen die Mitbe-
wohner in Chapel Row und Bucklebury
den Middletons den steilen Aufstieg nicht
– das jedenfalls behauptensie stets imGe-
spräch mit Fremden. Und für den Hoch-
zeitstag haben sie eine Fete geplant, wie
sie die Gegend noch nie gesehen hat.
Wynne Frankum, die Vorsitzende des
Gemeinderates, berief schon im Januar
erste wöchentliche – undgeneralstabsmä-
ßige – Planungssitzungen ein. Das Blade-
bone Pub beginnt den Festtag früh um
acht mit einem „Wedding Day Break-
fast“, undfalls Gäste der auf denMonster-
bildschirm übertragenen Fernsehbilder
aus der Westminster Abbey überdrüssig
werdensollten, gibt es Volkstänze undEn-
tenrennen. Claire Shepherd, vonderenbe-
gnadeten Bäckerinnenhänden die ganze
Umgebungschwärmt, wirdeine knappei-
nenMeter hohe Torte für 120Personenba-
cken: „Ein Traum in Silber“, verspricht
sie, „mit einem von innen beleuchteten
Schloss an der Spitze.“ Kates früherer
Klavierlehrer Daniel Nicholls wiederum–
gleichsamder Elton John von Bucklebury
– hat ein Lied für die Braut komponiert.
ImPub Old Boot Inn in Stanford Ding-
ley, wo Kate und Will früher mal gern auf
einPint einkehrten, beginnt das wirkliche
Fest erst am Abend: Livemusik, Disco
und ein Wettbewerb, bei dem das beste
Prinzen- und Prinzessinnen-Kostüm er-
mittelt werden sollen. Zuerst gibt Wirt
John Haley noch ein Interview. Nein,
nicht demLokalblatt, sondernder aus Ka-
lifornien eingeflogenen Oprah Winfrey.
ImGarten wirddann, ganz nach Art ei-
nes mittelalterlichen Gelages, ein
Schwein an den Spieß gesteckt. Gestiftet
hat es, wie die Lokalzeitung schrieb,
„Buckleburys andere berühmte Kate –
Kate Munro Ashman, die möglicherweise
glamouröseste Schweinezüchterin des
ganzen Landes“. Die andere berühmte
Kate wird es wohl verkraften, wenn sie
hier nicht mithalten kann.
Filderstadt – Einen rekordverdächtigen
Benzinpreis haben zwei Autofahrer am
Ostermontag an einer Tankstelle in Fil-
derstadt gezahlt. Als nur noch sehr we-
nig Superbenzin vorrätig war, hatte der
Tankwart in der Nacht zum Montag den
Literpreis auf 9,99 Euro heraufgesetzt,
umKunden vomTanken abzuhalten, wie
die Polizei mitteilte. An den Zapfsäulen
warenHinweise angebracht, kein Super-
benzin zu tanken. Dennoch tankten zwei
Kundenzehnund 20 Liter Super und wa-
ren verblüfft, als sie die Rechnung sahen.
Trotz ihrer Empörung mussten sie zu-
nächst die komplette Summe bezahlen
und hoffen nun auf eine gütliche Eini-
gung mit der Geschäftsleitung der Tank-
stelle. Insgesamt ist es über Osternentge-
gen verschiedener Warnungen aber nicht
zu Engpässen beim Benzin in Deutsch-
land gekommen. Entsprechende Berich-
te seien „Panikmache“ gewesen, sagte
ein Sprecher des ADAC am Montag in
München. Zuvor hattenmehrere Mineral-
ölkonzerne die Befürchtung geäußert, es
könne wegen Problemen mit dem neuen
E10-Benzin, dem Feiertags-Fahrverbot
für Tanklaster und der Umstellung von
Winter- auf Sommerkraftstoff zuVersor-
gungsengpässen kommen. AP, AFP
Stewards vereiteln
Flugzeugentführung
Franzose ist nach Tod
seiner Familie flüchtig
Mit Pfefferminz bist du mein Prinz
Mint-Eis, Kameraderie und Ehrgeiz: Wie sich Kate Middletons Heimat Chapel Row ihren Platz in der Geschichte des Königshauses sichert
Bis zur Gartenpforte, aber nicht weiter: Ein
einziges Mal – zur Verlobung ihrer Tochter
imNovember – stellten sich Carole und Mi-
chael Middleton in Chapel Rowden Fotogra-
fen. Unten: Hash Shingadia, Chef des Royal
Sparmarktes in Upper Bucklebury, mit Pos-
ter von Williamund Kate. Fotos: AFP, Visum
Tankstelle verlangt
9,99 Euro pro Liter Super
Dienstag, 26. April 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 9
PANORAMA
Als Bildschirmschoner
wählte die Brautmutter
ein Foto von William.
Man nennt sie „Wisteria Sisters“:
dekorativ, duftend – und beim
Hochklettern nicht zu bremsen.
Lösungen von Ostern
2 1 5 6
3 6 5 2 4 8 9 7
5 2 4 3 7 8 6
6 8 7 1 3 2
9 8 7 2 4 3
9 8 7 3 4 2
3 4 5 8 7 9 1
4 5 3 2 6 8 1 7
4 3 5 6
3
1
5
6 2
7 9
Die Ziffern 1 bis 9 dürfen pro Spalte und Zeile nur
einmal vorkommen. Zusammenhängende weiße
Felder enthalten eine lückenlose Menge von Zah-
len, die in beliebiger Reihenfolge stehen können.
Schwarze Felder trennen diese Straßen und wer-
dennicht ausgefüllt. Weiße Ziffern dienen lediglich
der Orientierung, sie gehören aber selbst zu keiner
Straße. Tipps imInternet: www.sz-shop.de/str8ts©
2010 Syndicated Puzzles Inc. 26.4.2011
2
5
7 3
7
6
9
4 7
9 6
1
2
7
9 3 4
1 6 9 7
2 6
2 9 6 7
8 1 9 2 6
5 7 6 8
8 3 4
6 2 8 5
8 4 9 1 6 3 7 5 2
5 6 3 8 2 7 1 9 4
7 1 2 9 5 4 3 6 8
3 5 4 7 1 6 8 2 9
6 2 8 3 9 5 4 1 7
1 9 7 2 4 8 5 3 6
4 3 5 6 8 2 9 7 1
9 8 6 5 7 1 2 4 3
2 7 1 4 3 9 6 8 5
Str8ts
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e
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Berlin – Nach dem brutalen Überfall auf
einen 29-Jährigen am Berliner U-Bahn-
hof Friedrichstraße ist gegendenHaupttä-
ter Haftbefehl wegen versuchten Tot-
schlags ergangen. Das teilte die Polizei
am Montag mit. Der 18-jährige Schüler
hatte in der Nacht zu Ostersamstag einen
Gas- und Wasserinstallateur mit mehre-
ren Tritten gegen denKopf so schwer ver-
letzt, dass dieser das Bewusstsein verlor.
Der Schläger räumte später inder Verneh-
mung ein, das Opfer aus reiner Streitlust
zufällig ausgesucht zu haben.
Sein ebenfalls 18-jähriger Kompagnon
hatte einen Zeugen durch einen Tritt in
den Rücken daran gehindert, den Haupt-
täter festzuhalten. Dabei fiel der 21-jähri-
ge Helfer hin und verletzte sich leicht.
Dennoch hat der Berliner durch sein Ein-
greifen nach Überzeugung der Staatsan-
waltschaft dem Opfer vermutlich das Le-
ben gerettet und die Angreifer in die
Flucht geschlagen. Beide stellten sich am
Ostersonntag freiwillig der Polizei und
legten ein umfassendes Geständnis ab.
Der Haupttäter muss sichlaut Staatsan-
waltschaft nun vor Gericht wegen ver-
suchten Totschlags, sein Komplize wegen
gefährlicher Körperverletzungverantwor-
ten. Beide sindinzwischenwieder auf frei-
en Fuß, der Haupttäter habe gegen Aufla-
gen Haftverschonung bis zum Prozess er-
halten, sagte eine Polizeisprecherin, der
Schüler müsse sich„dreimal inder Woche
bei der zuständigenPolizeiwache inReini-
ckendorf melden“. Falls er dagegenversto-
ße, werde der Haftbefehl wieder in Kraft
gesetzt. Die Berliner Staatsanwaltschaft
begründete die HaftverschonungamMon-
tag damit, dass keine Fluchtgefahr beste-
he. Der 18-Jährige lebe noch bei den El-
tern. Der Schüler war bisher bei der Poli-
zei nicht aufgefallen.
Die Jugendlichen gaben in ihrer Ver-
nehmungan, den29-JährigenimU-Bahn-
hof Friedrichstraße in Mitte zunächst ge-
gen3.30Uhr provoziert zuhaben. DieAus-
wahl des Opfers sei zufällig gewesen,
räumte der 18-Jährige laut Polizei ein. Er
sei aggressiv gewesen und habe Streit ge-
sucht. Zudem sei er erheblich betrunken
gewesen. Die Jugendlichensollenkurz zu-
vor bereits andere Menschen beleidigt
und beschimpft haben. Die 18-Jährigen
stellte sich freiwillig, als der Fahndungs-
druck offenbar zu groß geworden war.
Die Polizei hatte mit Fotos aus der Video-
aufzeichnungdes Überfalls nachihnenge-
fahndet. Darauf war zunächst zu sehen,
wie die Jugendlichen den 29-Jährigen,
der auf einer Bankauf eine U-Bahnwarte-
te, herausforderten. Als der Mann auf-
stand, schlugder Haupttäter ihmeine Fla-
sche auf denKopf. Das Opfer fiel der Län-
ge nach hin und blieb regungslos auf dem
Bauch liegen. Anschließend trat der An-
greifer mehrmals mit voller Wucht gegen
den Kopf des 29-Jährigen. Berliner Medi-
enberichten zufolge konnte das Opfer am
Montag die Klinik wieder verlassen. Eine
Sprecherinder Klinikwollte das aber we-
der bestätigen noch dementieren.
Keine 24 Stunden nach dem Angriff
wurdeamSamstagabendauf offener Stra-
ße in Friedrichshain ein ebenfalls 29-Jäh-
riger von vier Unbekannten bis zur Be-
wusstlosigkeit getreten und geschlagen.
Die Täter sind flüchtig. dpa
Von Thomas Urban
D
ie Natur hat sich längst den Sitz
der Kommunistischen Partei
von Tschernobyl zurückgeholt,
Birkenwachseninder Eingangs-
halle, das Dachist überwuchert, die Fens-
ter eingeschlagen. Vor 25 Jahren flohen
die Parteifunktionäre von hier. Eine der
beiden Frauen, die die Bordsteine auf der
Straße weiß anstreichen, sagt: „Zwei Ta-
ge vor allenanderensindsiehier abgehau-
en!“ Sie hätten damals sofort erfahren,
dass die ExplosionimAtomkraftwerkauf
der anderen Seite des Waldes das Leben
inder Kleinstadt mit ihren10 000Einwoh-
nern vorerst unmöglich machen würde.
Das Volk aber hätten sie belogen.
Das Haus auf der Leninstraße 26 war
einst die Synagoge. Doch in den zwanzi-
ger Jahren hatten es die Bolschewiken in
Beschlag genommen, sie vertrieben die
Rabbiner unddieGläubigen. Der kämpfe-
rische Atheismus war zur Staatsideologie
geworden. Ein paar Steinwürfe weiter
lugt hinter wild wachsenden Büschen ein
Denkmal Lenins hervor, des Mannes, der
damals der Religion den Kampf angesagt
hatte. Zwei überdimensionale Lenin-Sta-
tuen und eine Lenin-Büste gibt es noch in
Tschernobyl. Einer der Mitarbeiter von
Tschernobylinterinform, der staatlichen
Agentur, die ausländische Besucher hier
betreut, erzählt, dass ein altes Mütter-
chen, aufgewachsenmit denVersprechun-
gen von der großen Zukunft im Kommu-
nismus, bis zumvorletztenJahr die Denk-
mäler regelmäßig gesäubert und mit Blu-
men geschmückt habe. Dann habe ein
Priester in der orthodoxen Kirche gepre-
digt: „Lenins Werkwar des Teufels, er hat
seine HandgegenGott erhoben!“Dahabe
die Babuschka erschrocken genickt. Seit-
dembringe sie ihre Blumen in die Kirche.
Die Eliaskirche von Tschernobyl ist
prachtvoll renoviert. Sie sei hier der „sau-
bersteOrt“, erklärt der Führer vonTscher-
nobylinterinform. Sein Geigerzähler
zeigt hier den geringsten Wert an. An die-
sem Dienstag wird der orthodoxe Patri-
archhier einen Gedenkgottedienst für die
Opfer von1986feiern. Auchder Präsident
hat sich mit großem Gefolge angesagt.
Deshalb wurden nicht nur die Bordsteine
vor all den verfallenen und zugewachse-
nen Häusern geweißt, sondern auch die
Zufahrtstraße durchdie „Zone“bekamei-
ne neue Asphaltdecke. Und da man nicht
weiß, ob die präsidiale Delegation nicht
auf der anderen Straße wieder wegfährt,
wurde auch diese erneuert. „Für das
Geld, das sie für die eine Tour des Präsi-
dentenausgeben, könntemanalle Wasser-
leitungen hier erneuern“, sagt ein Arbei-
ter, der den Kirchgarten säuberlich har-
ken. Immerhin leben hier ja wieder mehr
als 300 Menschenund täglichkommen vi-
lee Dutzend zur Arbeit in die „Zone“.
Tschernobyl liegt indemweniger belas-
teten Gebiet im Südosten des Atomkraft-
werkes, der Wind wehte damals in die an-
dere Richtung, nach Nordwesten. Ein an-
derer Mann meint, es sei kein Zufall, dass
die Kirche nach dem Propheten Elias be-
nannt sei. Dieser habe schließlichGott ge-
beten, Feuer vom Himmel fallen zu las-
sen, um den Ungläubigen seine Kraft zu
zeigen. Nichts anderes bedeute der Brand
indemAtomkraftwerk. Sosei es ihnenim-
mer wieder in der Kirche erklärt worden.
Jedermann hier kennt auch die Stelle aus
der Geheimen Offenbarung des Johannes,
derzufolge ein brennender Stern namens
Wermut wie eine Fackel vom Himmel fiel
und nicht nur die Erde, sondern sogar das
Wasser in Brand setzte. Der wilde Wer-
mut heißt auf Ukrainisch Tschernobyl.
Das Feuer des Elias, die Fackel des Johan-
nes – für viele der Gläubigen, die in der
Kirchebeten, aber auchfür die Nachkom-
men der Juden von Tschernobyl, die all-
jährlichhierher kommen, war es eine Stra-
fe Gottes für den Abfall vom Glauben.
Die Ungläubigen, das waren für sie die
Kommunisten. Sie hatten nicht nur die
Synagoge entweiht und unter Stalin die
Kirche verwüstet, sondern auch auf der
anderen Seite des Waldes eine „gottlose
Stadt“ gebaut – Pripjat, benannt nach
dem Fluss, dessen Wasser auch die Anla-
gendes Kraftwerks kühlen sollte. InPrip-
jat, 1970 als „sozialistische Musterstadt“
feierlich eingeweiht, gab es keine Gottes-
häuser, dafür um so mehr Denkmäler für
den gottgleich verehrten Lenin und über-
all Großporträts der Parteiführer. Einige
von ihnen liegen bis heute im Requisiten-
raumdes Theaters, vergilbt, vonradioakti-
vem Staub überzogen. Das einst 50 000
Einwohner zählende Pripjat, das nur aus
Wohnblocks besteht, ist heute eine Geis-
terstadt, niemand wohnt mehr hier.
Aber in das 20 Kilometer entfernte
Tschernobyl kommt ein halbes Dutzend
Mal im Jahr das Leben zurück. Zu allen
kirchlichen Festtagen ist die Eliaskirche
überfüllt. Die Priester predigen immer
wieder, dass das Gotteshaus allen Stür-
mender Zeit standgehaltenhabe, denVer-
folgungen durch die Bolschewiken wie
auch der von den Ungläubigen hervorge-
rufenenStrahlenwolke. Auchfür die jüdi-
schen Pilger, die aus der ganzen Welt den
Weg in die „Zone“ finden, hat Gott in
Tschernobyl einZeichen gesetzt. Die heu-
te verfallendeSynagoge war einst einZen-
trumder chassidischen Juden. Hier wirk-
te im18. Jahrhundert der Rabbiner Mena-
chem Nachum von Tschernobyl, der Be-
gründer einer Dynastie vonSchriftgelehr-
ten. Zu seinemTodestag kommen alljähr-
lich mehrere Hundert Chassiden mit ih-
renSchläfenlockenundschwarzen Hüten
hierhin, oft direkt vom Flughafen Kiew
mit Bussen in die „Zone“.
Vor hundert Jahren waren mehr als die
Hälfteder Einwohner Tschernobyls ortho-
doxe Juden, es war ein typisches Shtetl.
Viele der verlassenenund zugewachsenen
Holzhäuser, die einst in satten Farben
leuchteten, zeugen von dieser Zeit, in der
auch der Markt und der kleine Hafen flo-
rierten. Mit demdeutschen Einmarsch im
Sommer 1941gingdas jüdische Tscherno-
byl endgültig unter. Ein Teil der Einwoh-
ner wurde deportiert und in Babij Jar bei
Kiew ermordet. Die meisten der Zurück-
gebliebenen mussten ein Massengrab ne-
ben dem orthodoxen Friedhof ausheben
und wurden dort erschossen. Ein David-
stern auf dem Friedhof und eine Gedenk-
tafel erinnern an ihr Schicksal.
Neben der Eliaskirche lädt das Muse-
um der orthodoxen Gemeinde Besucher
ein. Es will an die versunkene Geschichte
des 600 Jahre alten Ortes erinnern. ImBe-
sucherbuch steht der Satz: „Es ist ein tra-
gischer Ort, bitter wie Wermut.“
Avellino – Die italienische Polizei hat ei-
nen gefährlichen Boss der neapolitani-
schen „Camorra“ festgenommen. Der seit
2008 flüchtige Vincenzo Schiavone ging
den Fahndern in der Nacht zu Ostersonn-
tag in einer Klinik in Sant’Angelo dei
Lombardi bei Avellino in Süditalien ins
Netz, wie italienische Medien berichte-
ten. Der 1974 geborene Schiavone galt als
Killer des berüchtigten Casalesi-Clans
undwurde vomitalienischenInnenminis-
terium auf der Liste der 100 gefährlichs-
ten gesuchten Verbrecher geführt. In Ma-
fia-Kreisen sei er unter dem Spitznamen
„O’copertone“ (Reifendecke) bekannt ge-
wesen, weil er die Leichender vonihmEr-
mordeten stets erst verbrannt und dann
unter Reifendecken verborgen habe. dpa
Berlin – Der gewaltsame Tod des 12-jäh-
rigenJulienaus Berlin ist aufgeklärt. Am
Samstagabend wurde der Vater des er-
schlagenen Jungen in einemabgelegenen
Teil des Düsseldorfer Hafens festgenom-
men. Der 34-Jährige räumte bei einer ers-
ten Vernehmung ein, seinen Sohn getötet
zu haben, wie die Polizei mitteilte. Zur
Festnahme kames, als eine Polizeistreife
den Mann überprüfte, weil er sich uner-
laubt auf einem abgesperrten Hafen-
grundstück aufhielt. Was er dort machte,
blieb zunächst unklar. Die Leiche des
12-Jährigen war in der Nacht zum Mitt-
wochineinemKellerverschlag eines Ber-
liner Mietshauses gefundenworden. Aus-
löser für die Gewalttat könnte laut Poli-
zei ein Streit gewesen sein. dpa
Hamburg – Fische aus der Ostsee sind
deutlich stärker radioaktiv belastet als
aus der Nordsee. Der Unterschiedliegt et-
wa beim Faktor zehn. Das geht aus einer
Studie des staatlichen Johann Heinrich
vonThünen-Instituts (vTi) hervor. Es be-
stehe jedochauchbei Fischenaus der Ost-
see keine Gesundheitsgefahr durch Ra-
dioaktivität. Innerhalb der Ostsee sei die
Belastung in der Kieler und Mecklenbur-
ger Bucht geringer als weiter östlich vor
Bornholmer oder Danziger. „Die ist im-
mer nocheine Folge des Tschernobyl-Un-
falls, bei dem der Ostseeraum besonders
stark vom radioaktiven Niederschlag
(Fallout) betroffenwurde“, schreiben die
Autoren der Studie, die das Bundesum-
weltministerium herausgibt. dpa
Zeitzeugen im Gespräch, Leser-Erinne-
rungen an den Tag der Katastrophe,
alles über die Gedenkfeiern – die große
Serie zu 25 Jahren Tschernobyl auf
www.sueddeutsche.de/tschernobyl
Singles sind einsam und verzweifelt?
Von wegen: Ein Beziehungsexperte ver-
rät, was Partnerlose wirklich bewegt –
und wieso Münchner oft untreu sind.
www.sueddeutsche.de/muenchen
Motiv: Streitlust
Zwei 18-Jährige prügeln Mann an Berliner U-Bahnhof bewusstlos
Teufels Werk und Gottes Beitrag
In Tschernobyl erinnert man in Gedenkgottesdiensten an die Opfer der Reaktorkatastrophe vor 25 Jahren. Eine Reise in die „Zone“
Lady Gaga, 25, amerikanische Sängerin,
wirdPatentante vonEltonJohns SohnZa-
chary. Das Wohl des Kindes, das voneiner
Leihmutter zur Welt gebracht wurde, war
vor alleminkonservativenKreisenGegen-
stand von Diskussionen. Künftig werde
sichauchdie vor allemfür schrilleAuftrit-
te bekannte Popsängerin um seinen Sohn
kümmern, sagte der Sänger im Interview
mit dem US-Sender ABC, „das ist kein
Witz“. Lady Gaga sei imGegensatz zu ih-
rer Erscheinung in der Öffentlichkeit in
Wirklichkeit „ein einfaches Mädchen“.
Karl Lagerfeld, vermutlich 77, Designer,
würdegernNacktfotos vonder Schauspie-
lerin Veronica Ferres machen. Das sagte
Lagerfeldauf die Frage der BildamSonn-
tag, welche Deutsche er gern nackt foto-
grafieren wolle. Eine Begründung nannte
der Designer und Fotograf nicht. Lager-
feld schwärmte im Interview auch von
Charlene Wittstock, der Braut von Fürst
Albert von Monaco, die er gerade offiziell
fotografierendurfte. „Sie hat einetolle Fi-
gur.“ Den Bräutigamermahnte der in Di-
ätfragen erfahrene Designer indes: „Al-
bert muss dringend bis zur Hochzeit ab-
nehmen! Ich habe ihmDior-Anzüge schi-
cken lassen, die passten alle nicht!“
JoachimLöw, 51, Fußball-Bundestrainer,
hat es nach eigener Einschätzung nicht
leicht mit seiner Frisur. „Ich habe einfach
viel Haar, an meiner Frisur kann ich gar
nicht viel tun. Meine Haare wachsennäm-
lich, was michetwas stört, nachvorne. Ich
könnte sie gar nicht zurückkämmen“, ver-
riet Löwder Welt amSonntag. Darumha-
beer, seit er denkenkönne, diegleiche Fri-
sur. „Ich wasche meine Haare, föhne sie
zwei Minuten an, mach’ vielleicht etwas
Gel rein, und dann fallen die so. Ich geh’
auch mal mit nassen Haaren aus dem
Haus. Also, ich style meine Haare nie.“
Zum Gerücht, dass er ein Toupet trage,
sagte Löw: „Quatsch. Sie können gern
mal dran ziehen.“ Foto: dpa
Carla Bruni-Sarkozy, 43, französische
Präsidentengattin, wird das Gerücht
nicht los, sie erwarte einBaby. Diesmal ist
es das französische Klatschmagazin Clo-
ser, das der Première Dame eine Schwan-
gerschaft bescheinigt. Die Information
stammevon„einer demPaar sehr naheste-
hendenQuelle“, hießes. Carlas Mutter Ma-
risaBruni-Tedeschi dementierte die Nach-
richt umgehend. Vom Elysée-Palast gibt
es keine Reaktion. Mankommentiere Bru-
ni-Sarkozys Privatleben nicht, lautete die
übliche Formel. Mitgezählt hat mantrotz-
dem: „Das ist das achte Mal indenvergan-
genenMonaten, dass manihreSchwanger-
schaft ankündigt“, heißt es laut Parisien
aus der Umgebung von Bruni-Sarkozy.
Gabrielle Giffords, 40, US-Abgeordnete,
muss trotz ihrer Schussverletzung am
Kopf den Start des Weltraumflugs ihres
Mannes nicht vom Krankenbett aus ver-
folgen. Ihre Ärzte hätten erlaubt, dass sie
zum Start des Space Shuttle „Ende-
avour“ nach Florida reisen dürfe, sagte
NASA-Astronaut Mark Kelly dem US-
Sender CBS. Seine Frau habe die gute
Nachricht als „fantastisch“ bezeichnet
und eine Faust emporgereckt. Das Gehen
und Sprechen falle ihr noch schwer, aber
sie sei „zu hundert Prozent“ sie selbst, er-
gänzte Kelly. Giffords war im Januar in
TucsonimUS-Bundesstaat Arizonabei ei-
nem Attentat, bei dem sechs Menschen
starben, in den Kopf geschossen worden.
Camorra-Boss Vincenzo
Schiavone verhaftet
Vater erschlägt
seinen 12-jährigen Sohn
Ostseefisch noch immer
radioaktiv belastet
Heute bei
Der Tag, der alles änderte
So schön ist Alleinsein
Seite 10 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 HF2 Dienstag, 26. April 2011
PANORAMA
An kirchlichen Feiertagen pilgern Gläubige zu Gottesdiensten nach Tschernobyl. Nicht wenige von ihnen sehen in demSu-
pergau, der eine Strahlenwolke über Europa schickte, die Strafe Gottes für den gottlosen Kommunismus. Foto: Reuters
Das Überwachungsvideo zeigt, wie der
Täter auf das Opfer eintritt. Foto: dapd
LEUTE
In der Eliaskirche
zeigt der Geigerzähler
den geringsten Strahlenwert an.
Anmeldung und weitere Informationen unter www.businessgolfcup.de
Produktive Unternehmensführung:
Lösungsansätze mit Schwung.
Ob Neugeschäfts-Akquise, Kundenbindung oder Mitarbeiter-Motivation: Der Süddeutsche Zeitung Business Golf
Cup presented by Audi bietet erfolgreichen Managern erneut 15 Gelegenheiten, auf den schönsten Golfplätzen
Deutschlands Ball- und Business-Kontakte zu pflegen.
24.05.2011: Wittelsbacher Golfclub, Neuburg a. d. Donau
31.05.2011: Golf-Club auf der Wendlohe, Hamburg
07.06.2011: Golfclub Olching
21.06.2011: Kosaido International Golf Club, Düsseldorf
28.06.2011: Golf Club Ulm
07.07.2011: Golf Club am Reichswald, Nürnberg
12.07.2011: Golfclub München-Riedhof
21.07.2011: Golfclub Gut Neuenhof, bei Dortmund
26.07.2011: Golf- und- Landclub Kronberg e. V. /
Schlosshotel Kronberg, bei Frankfurt
09.08.2011: Golfclub Wörthsee
16.08.2011: Golfclub Hamburg-Walddörfer
30.08.2011: Golf- und Country Club Motzener See, Berlin
08.09.2011: Golfclub Domäne Niederreutin, bei Stuttgart
13.09.2011: Golf Club Würzburg
20.09.2011: St. Eurach Land-und Golfclub, Iffeldorf
Next Steps: Firmen-Vierer-Team zusammenstellen und einen Startplatz an dem Wunsch-Termin sichern.
Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung.
„Burgtheater-Krieg!“ titelte die Wie-
ner Gratiszeitung heute. Es gehe um ei-
nen Aufstand der Stars gegen Direktor
Matthias Hartmann. Gert Voss habe von
Umgangsformen gesprochen, die „nicht
behagen“. Der Anlass der Erregung war
eine Krise, wie sie am Theater bisweilen
vorkommt: Ein Star, in diesem Fall Bir-
git Minichmayr, gibt eine Rolle zurück,
indiesemFall die Titelrolle in Frank We-
dekinds „Lulu“. Die für den 14. Mai ge-
plante Premiere wurde daraufhin abge-
sagt (SZ vom 21./22. April).
Die Schauspielerin konnte sich mit ih-
rem Regisseur Jan Bosse nicht einigen.
Ihr Abgang sagt über den Theaterdirek-
tor aber zunächst gar nichts aus. Er sei
schwer zuertragen, cholerischundrau in
seinem Verhalten, heißt es. Seit langem
dringen die Klagen nach draußen. Fragt
man nach, tauchen die Ankläger ab.
Stars hätten die Möglichkeit, am Haus
Verbesserungen einzuklagen, weil sie
nichts zu befürchten haben. Aber spät
nachts in Kneipen lauthals Hartmann zu
verfluchen und G’schichteln zu erzählen,
ist wenig zielführend.
Matthias Hartmann ist ein offenes
Buch. Man kennt seine nassforsche Art,
seine Selbstherrlichkeit und seine Kon-
flikte. Aber man hat ihn ans Burgtheater
gerufen. Erschrickt man jetzt darüber,
dass er da ist? An vielen dieser Häuser
herrschen doch sowieso Umgangsformen
wie in Heimen für Schwererziehbare.
Das eigentliche Desaster an dieser „Lu-
lu“ ist deshalbdiese fast absurde Vorstel-
lung vom Theatermachen, die sich in ihr
abbildet. „Ein Mofa ist kein Sofa“, hieß
es bei Schlingensief, und ein Theater ist
kein Mädchenpensionat. Da reiten sich
die Kräfte der Egomanen freien Raum.
Die Zeiten der Ensemble-Seligkeiten,
der Traumvonder Theaterfamilie ist vor-
bei. Es wird eingeflogen und abgereist.
Da wird nichts mehr von innen heraus
entwickelt.
Ein Subventionsverschwendungsun-
ternehmung ist die Burg in diesem Fall:
Jede Menge auf dem Konto und nichts
auf der Pfanne. Stars leben mit gepack-
ten Koffern. Das ist nichts Neues. Aber
dass ein Haus dieser Dimension auf den
Ausfall keine Antwort weiß, könnte man
für eine Blamage halten. Müsste man
sichumGeldsorgen, würde maneiner be-
gabten jungen Frau eine Chance gegeben
haben. So wurden schon manchmal neue
Stars geboren. Aber auch die verwöhn-
ten Regisseure wollen nur noch mit Na-
men arbeiten. Können sie so wenig? Sind
sie nur noch Star-Arrangeure an den
hochdotierten Häusern? Aber diese Fra-
gen treffen natürlich nicht nur Hart-
mann. Er vertritt nur mit vielen anderen
dieses System. Jetzt schickt er eigens für
diese Produktion engagierte Schauspie-
ler, natürlich ausbezahlt, nach Hause.
Den wunderbaren Max Simonischek,
Sohn des bekannten Burg-Schauspie-
lers, genauso wie den Schauspieler und
Filmregisseur Peter Kern.
Vielleicht könnte es aber auch so sein:
Es geht schon gar nicht mehr anders. Das
System schlägt zurück. Die fliehenden
Schauspieler und Regisseure haben doch
längst einen Anschlussvertrag an einem
anderen Haus, in einer anderen Stadt. Es
ist gar keine Zeit mehr da, umzudenken
undneuzubesetzen. Das geht nicht mehr
in diesen Managementbetrieben, die un-
sere Theater geworden sind. Das müsste
auch Birgit Minichmayr wissen und hat
sichangesichts dieser Verhältnisse für ih-
re Entscheidung allerdings rücksichtslos
viel Zeit genommen.
Was Birgit Minichmayr angeht. Der
Wiener Dorffunk raunt dunkel von ener-
viertenAuftrittennachts inWiener Loka-
len. Wie, um Himmels willen, sollte diese
Künstlerin auch nicht entnervt sein? Die
Systemchefs haben sich ihre Begabung
geschnappt und sie von einer Hauptrolle
in die nächste geschickt, auch der Film
hat sie vermarktet, sogar die sogenannte
Gesellschaft hat sie präsentiert. Aber sie
ist keine Handwerkerinundkeine Virtuo-
sin, sie stellt sich mit ihrer ganzen Person
jeder Herausforderung neu. Dann ist es
keine Überraschung mehr, wenn sie sagt,
sie habe sich von „Lulu“-Regisseur Bos-
se nicht geschützt gefühlt. Vielleicht
meint sie überhaupt den Esel und haut
auf den Sack.
Demnächst wird sie, bei Erfüllung ih-
rer Wiener Verpflichtungen, am Bayeri-
schen Staatsschauspiel in München auf-
treten. Ist ihr dortiger Chef Martin Kušej
netter? Gibt es nette Chefs? Den Ort zu
wechseln bringt oft wenig, wenn es viel-
leicht eines Moratoriums bedürfte, um
sich fragen zu können, was sich jeder ab
und zu fragen sollte, der auf Höchstleis-
tung unterwegs ist: „Wo ist er noch, der
Mensch in mir?“ HELMUT SCHÖDEL
Was, fragt der Katalog der Ausstel-
lung „Auf die Plätze: Sport und Gesell-
schaft“, unterscheidet den Sport im ei-
gentlichenSinnvonder bloßenmenschli-
chen Bewegung? Gleich beim Betreten
der Räume im Dresdner Hygiene-Muse-
um springt den Besucher die Antwort
mit unwiderleglicher Evidenz an: die Ge-
räte! In einer riesigen Vitrine türmen sie
sichauf, eine Pyramide oder einScheiter-
haufen, in feierlicher Pracht wie an der
sakral markiertenGrenze von Lebenund
Tod. Hunderte Gerätschaften sind es,
nach Sachgruppen geordnet, Schläger,
Ruder, Wurfobjekte, selbst Rollstühle
mit nach innen gekippten Rädern.
Bälle! Die kleinsten überschreiten
nicht den Umfang einer Daumenkuppe,
bei den größten kann man sich kaumden
Athleten vorstellen, der sie stemmt und
schleudert. Und Schuhe! Keine zwei
Sportarten, mögen sie in den Augen des
Laien auch noch so nahe verwandt sein,
teilen sich denselben Schuh. Die Sohlen
nachoben, bietet sichdie unendliche Rei-
he dar, mit und ohne Stollen, profiliert
oder glatt, aber immer bunt gestückelt,
für Kurz-, Mittel- und Langstreckenläu-
fer, für Baseball, für Basketball, fürs
Speerwerfen; Ringerschuhe gibt es,
Schützenschuhe und wieder andere für
Bogenschützen. Wozu braucht, wer mit
denArmenpunktet, auchnochso speziel-
les Schuhwerk? So fragt wahrlich bloß
der Ahnungslose. Der Kraftfahrer benö-
tigt seinen Fuß nur noch zum Gasgeben?
Aber ja! Diesem und keinem anderen
Zweck dient der „Autorennsportschuh
Walter Röhrl“. So nähert man sich einer
ersten Definition: Sport ist, was sich aus
dem weiten spontanen Feld menschli-
cher Körperaktivität systematisch und
bis ins Allerfeinste ausdifferenziert und
dabei erhebliche Kosten verursacht. Was
nichts kostet, das heißt: keine Dingkul-
tur erschafft, ist auchkein Sport; der Un-
terschied zwischen bloßem Spazierenge-
hen und der Disziplin des Nordic Wal-
king liegt allein in den Stöcken.
Diese Dingkultur eben ist es, die eine
Ausstellung direkt ergreifen kann, wäh-
rend andere Komponenten – das Regel-
werk, der zeitliche Ablauf, die soziale In-
teraktion der Teilnehmer miteinander
und mit dem Publikum – sich ihr ästhe-
tisch sehr viel schwerer öffnen. (Zwar
werdenMatten, Sprossenwände undSei-
le dem Publikum durch Schilder „Bitte
springen!“ und „Bitte klettern!“ zur in-
teraktiven Benutzung empfohlen; aber
bei der Mehrzahl der Exponate, ein-
schließlich sichtlich robuster und durch
Gebrauch geprägter Großgeräte, heißt es
wie eh und je: „Bitte nicht berühren!“)
Selbst die Nudistenkultur der vor-
letzten Jahrhundertwende mit ihrer
Kampfansage an alles menschliche
Accessoire hat doch immerhin, zur Ver-
wendung bei gymnastischen Übungen,
ein rotes zungenförmiges Schamtüchlein
hinterlassen, ein sogenanntes Lobauf-
leckerl; erst nach wiederholter Lektüre
erschließt sichdas offensichtlichwieneri-
sche Objekt dem Besucher als „Lobau-
Fleckerl“.
Notwendig zieht sich so die Praxis der
jeweiligen Sportart ins Anekdotische zu-
sammen; vomBergsteigenbleibt das Gip-
felbuch und das gerissene Seil, vom Tur-
nerfest der verwelkte Eichenkranz. Ein
Komplex wie das Doping gar lässt sich
nur noch durch symbolische Unterpfän-
der vertreten: ein paar Kontrollgeräte
undPillenschachteln, dazu der „Doping-
Koffer“, den ein Fahrer der Tour de
France ganz selbstverständlichzumRen-
nen mitbrachte, denn ein Problembe-
wusstsein erwuchs hier nur langsam.
Und in der Tat, warumsollten die Sport-
ler sichnicht dopen? Es passt ins Gesamt-
bildeinseitiger Leistungsoptimierung, es
ist kaum gesundheitsschädlicher als das
bänderzerrende Training, und die erziel-
te Steigerung erfüllt das allerwichtigste
Kriterium im Spitzensport: Sie ist mess-
bar. Auf die Dauer wird sich das Doping-
verbot so wenig halten lassen wie der
Amateurstatus der Olympiateilnehmer,
einfach deswegen, weil auch hier der Ge-
setzestreue automatisch viel schlechter
abschneidet als sein illegal geförderter
Konkurrent.
Die Ausstellung ist nach dem Prinzip
des Parcours angelegt, das heißt, sie folgt
dem Vorbild des in den Siebzigern blü-
henden Trimm-dich-Pfads, wo es längs
einer vorgegebenen Strecke Übung nach
Übung zu absolvieren galt; das Phäno-
mendes Sports zerfällt hier fast zur Gän-
ze in seine Sparten. Als gestaltendes Ma-
terial für die Wände und teils sogar für
den Fußboden hat man Pressspanplatten
verwendet, die Beschriftung erfolgt
(manchmal fast unleserlich) auf bräunli-
chem Karton; so zeigt sich der Sport von
seiner unglamourösen Seite, es werden
Schulsport und Umkleide in all ihrer
müffelnden Schäbigkeit aufgerufen. Da-
mit ist zweifellos etwas Richtiges getrof-
fen; aber es bedrückt den Besucher doch.
Diese Anmutung steht jedenfalls in sehr
fühlbaremGegensatz zur lichtenGroßzü-
gigkeit, die das Gebäude des Hygiene-
Museums als Ganzes auszeichnet.
Auch sonst wird, wer den Sport bis-
langnicht liebte, ihnhier nicht lieben ler-
nen. Vieles von dem, was man zu sehen
bekommt, von den folterkellerhaften
Trainingswerkzeugen bis zu den orches-
trierten Massenveranstaltungen nordko-
reanischen Stils, die der Schuhhersteller
Nike mit ganz argloser Ironie als Werbe-
film zeigt, lässt die Nähe zu Zwang und
Gewalt erkennen. Was als Befreiung be-
gann, kommt in kürzester Zeit bei der Be-
herrschung heraus: Die Lebensreformer
um 1900 wetterten gegen die Modetor-
heit des weiblichen Korsetts, das starr
machte und die inneren Organe quetsch-
te – aber schon zehn Jahre später wird
der Turnerhaltung durch vomZweck her
neue, sonst jedoch ganz ähnliche Streck-
vorrichtungen nachgeholfen. Gerade soll
der Mensch sein, aber nicht schön in ei-
nemweichlichen Sinn – ein Ideal, das be-
sonders dem kulturgeschichtlich immer
formbarenweiblichenKörper schwer zu-
setzt. Überhaupt gibt das reiche Bildma-
terial Anlass zur Betrachtung, mit wel-
cher Konsequenz der sportliche Leib den
erotischen Leib aufzehrt und vernichtet.
Undnochetwas fällt auf amSport, wie
er sich hier präsentiert: seine gänzliche
Humorlosigkeit. Über den Sport macht
man keine Witze! Es gibt einen einzigen
zaghaften Versuch: ein paar satirische
Plakate der angeblichen Firma „iners“,
die durch Parallelisierung bestimmter
Kraftübungen mit besonders öden Ar-
beitsvorgängen vor Augen führen, wie
sehr beim systematisch betriebenen
Sport der enthusiastische Entschluss ei-
ne entfremdete Daseinsform kaschiert;
sie fügensichnicht ins Bild, sie gehenvöl-
lig unter. Eine Wandinschrift verkündet,
der Sport sei „mehr als Spiel und doch
nicht Arbeit“. Dieser frohgemute Satz
enthält noch anderes, als er meint. Mehr
als Spiel heißt: Es wird ernst. „Und doch
keine Arbeit“ verrät etwas von der Leere
dieser Anstrengungen in einem vollkom-
men symbolisch durchstrukturierten
Raum. Warum hat der Sport, der medial
wirksame Sport jedenfalls, seinen Ur-
sprung im Spiel aufgegeben und ist völ-
lig zum Kampf geworden, zu etwas, das
man nicht mit jemandem, sondern gegen
ihn treibt?
Diese Frage wird hier nicht aufgewor-
fen. Am modernen Sport ist so ziemlich
alles erstaunlich; am meisten jedoch,
dass er die physische Leistung des
menschlichen Körpers gerade dann zu
vergöttlichen beginnt, als die Maschinen
sie entbehrlich gemacht haben und weit
in den Schatten stellen. In Dresden aber
wird der Zustand, den wir haben, der
Breiten- wie der Spitzensport, bei aller
Bizarrerie imDetail, insgesamt als etwas
Gegebenes hingenommen und vorgewie-
sen. Mit dem Programm „Sport und Ge-
sellschaft“ hat das Hygiene-Museum
möglicherweise zu viel auf einmal ge-
wollt. Der Sport ginge ja noch so – aber
wie präsentiert man Gesellschaft? An-
ders als bei einigen der früheren Ausstel-
lungen, etwa zu Schlaf und Traum, zu
Krieg und Medizin, fehlt es den meisten
Exponaten hier auch an jenem teils be-
stürzenden Schauwert der Neuigkeit,
den zum Beispiel (bei „Krieg und Medi-
zin“) jenes Set besessen hatte, mit dem
ein schwer Kriegsversehrter sich jeden
Morgen eine Nase aus Paraffin goss, da-
mit er, wenn er das Haus verließ, wie ein
Mensch aussah.
Was den Sport betrifft, kennen wir
eben das Meiste schon; und auch wenn
einDutzendFernseher mit Fußball-Über-
tragungen nebeneinander stehen, hebt
sie das noch nicht über die Sportschau
hinaus. Dass der Sport, wie der Begleit-
text verheißt, wirklich alle betrifft,
selbst und gerade seine geschworenen
Feinde, trifft zweifellos zu; aber es hilft
der Veranstaltung nicht, im Gegenteil.
Der Katalog freilich hat andere Mög-
lichkeiten. Über das Verhältnis von
Sport und Gesellschaft liefert er einige
kluge und lesenswerte Essays. Indem er
es tut, hört er freilich auf, Katalog spezi-
ell dieser Ausstellung zu sein (ein
Problem, das viele Kataloge haben). Da
er zudemüberwiegendganz anderes Bild-
material enthält, wird der Faden, der bei-
des verbindet, sehr dünn.
„Auf die Plätze: Sport und Gesell-
schaft“. Deutsches Hygiene-Museum
Dresden. Bis 26. Februar 2012.
Stell dir vor, du erwachst und liegst
auf einem geschmacklos geblümten Sofa
mit Klarsichtschutzbezug, über dir
hängt ein monströser Plastikhirschkopf,
undvor dir haben sichdrei Personen auf-
gebaut, die wohl Vater, Mutter, Tochter
sindund singen: „Willkommen, willkom-
men auf 203 / Willkommen bei uns, du
bist wieder dabei / Die Welt ist groß, der
Mensch ist frei / Willkommen auf 203!“
So gehen Albträume. Oder Stücke von
Juli Zeh. Die Autorin mit dem Faible für
beängstigende Science-Fiction-Szenari-
en hatte schon bei ihrem Theater-Debüt
„Corpus Delicti“ die Schreckensvisionei-
ner Euthanasie-Gesundheitspolitik mit
den Big-Brother-Methoden von „1984“
verknüpft. Ihr neues Drama „203“ – als
Auftragswerk uraufgeführt am Düssel-
dorfer Schauspielhaus – knüpft daran
an: als grotesk überdrehte Gesellschafts-
satire aus naher, dunkler Zukunft.
In einem Wohnraum, mit Nr. 203, sit-
zen vier Personen (ein). Familie? Verhaf-
tete? Fahnder? Verurteilte Kriminelle,
Investmentbanker etwa? Es stellt sich
heraus, dass man hier überfüllte Gefäng-
nisse und leere Staatskassen entlastet:
Die Inhaftierten werden von teilnahms-
losen Wärtern wie Puten gemästet – man
pumpt ihnen Nahrungsbrei direkt in die
Speiseröhre – und schließlich gewinn-
bringendals neuster (Gaumen-)Kitzel an
Superreiche verkauft. Merke: Wir leben
in einer kannibalistischen Gesellschaft.
So wörtlich, wie Juli Zehdiese Diagno-
se weiterspinnt, zielt sie auf ein Wirt-
schaftssystem, das „Menschen zu Tieren
und Tiere zu Sachen macht“. Die Auto-
rinlässt dozieren: „So will manuns – klei-
ne Allesfresser, die möglichst viel kon-
sumieren und möglichst wenig Fragen
stellen.“ Und diskutieren: „Bedeutet die
Banken- undFinanzkrise aucheine allge-
meine Krise des Kannibalismus?“ Mit
pointierter Schärfe und augenzwinkern-
der Selbstironie konstruiert Juli ZehDia-
loge und einen Plot, die im Gewand der
Groteske quer durch den Leitartikel-
Gartenpflügen. Tierhaltung und Bio, Na-
tascha Kampusch und Thomas de Mai-
zière, Politikals Showbiz, BKAund Ban-
kenaufsicht, Rechtsstaat und Gehirn-
wäsche, Freiheit kontra Sicherheit – was
da alles angetippt und ausgespielt wird,
wenn die promovierte Juristin und kriti-
sche Bürgerin Zeh erst mal los legt!
Gewitzt, gescheit, aber auch gewollt
ist das. Relevanz! Relevanz! ruft es aus
allen Ecken – was ja in der zeitgenössi-
schen Dramatik selten genug der Fall ist.
DochdemSpannungsbogengeht dabei ir-
gendwann die Puste aus; man wartet auf
einen Clou am Ende, aber der bleibt lei-
der aus. So ist Zelle „203“ vor allem ein
Debattierclub. Und eine Quasselbude
aus Selbsterhaltungstrieb. Man redet
und redet: als letztes Alleinstellungs-
merkmal vor dem Tier, dem Schlacht-
vieh. Und um sich von der Haft abzulen-
ken, erzählt vongemeinsamenWeihnach-
ten, Zeiten in Buenos Aires, von Marot-
ten und Machenschaften; ein überspru-
delnder Strom von Erinnerungen, die in
Wahrheit Erfindungen sind. Ein Rollen-
Spiel.
Die drei, die hier Vater, Mutter, Toch-
ter geben, sind es gar nicht. Und Daniel,
der Neuzugang, der erwacht, nicht weiß,
wie ihmgeschieht, plötzlich Thomas hei-
ßen und der Mann der Jüngsten, Betty,
sein soll oder eher ihr Bruder – selbst er
fügt sich bald in den Psycho-Irrsinn und
spielt mit. Während die Zuschauer rät-
seln: Was geht hier vor?
In Düsseldorf setzt man weniger auf
Frage-, denn auf deutliche Ausrufungs-
zeichen. Grellbunte Kostüme, aseptisch
verpacktes Klischeemobiliar, darüber
das Livebild einer Überwachungskame-
ra, und alle tragen Wundmale am Kopf
und zeigen hospitalistische Macken –
hier kommt gar nicht erst der Verdacht
auf, wir befänden uns im glaubwürdigen
Heute. Ja, Juli Zeh hat eine Farce ver-
fasst, „Vater“ Leo soll sogar von einer
Frau und „Mutter“ Christa von einem
Mann gespielt werden; aber das enthüllt
sich erst nach und nach. In Düsseldorf
gilt sofort das Komikkommando. Dabei
wäre es viel irritierender, zunächst eine
ganz normale Familie zu sehen.
Denn Juli Zeh hat hinter dem Kla-
mauk mehr versteckt, als in Hans-Ulrich
Beckers zupackend plakativer Inszenie-
rung sichtbar wird. Die harmlos-haar-
sträubenden Erlebnisse, die sich die vier
erzählen, sind reinste Telenovela, und
das sarkastische Begrüßungslied von 203
ist dazu die Titelmelodie. Seifenopern
als Opium fürs Volk, während draußen
der Rechtsstaat abgeschafft wird. Vor
der Stahltür lauern Wärterinnen mit
Betäubungspistolen, während man sich
drinnen selbst sediert mit erfundenen
Storys. Leben als scripted reality. Doch
„real“ erscheint in Düsseldorf wenig.
So verblasst auch der philosophische
Background: Der Mensch, der sich –
nicht nur unter Arrest – „sein Leben wie
eine Geschichte erzählt, mit sich selbst
als Hauptfigur“. Die Frauen spielen die
Männer dabei an die Wand: Viola Po-
bitschka als erfrischend kesse Betty und
Karin Pfammatter als Familienvater
Leo, die Flippigste, schenkt sich nichts,
bis zum splitternackten Abtransport zur
Schlachtbank. „Freiheit gibt’s nur noch
zu Hause, draußen ist Massentierhal-
tung“, spottet Juli Zeh an anderer Stelle.
Frei nach Ikea: Wohnst du noch, oder
stirbst du schon? VASCO BOENISCH
Dienstag, 26. April 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 11
LITERATUR
Der Neffe des Kaisers
Andrea Camilleri legt eine bitterböse
Faschismus-Komödie vor Seite 14
MEDIEN
Eine Welt hinter Glas
Alkoholsucht imAlter: Intensive Filmrol-
le für Christiane Hörbiger Seite 15
DAS POLITISCHE BUCH
Der Bürokrat vom Nil
Mohamed ElBaradei kann mehr leiten
als nur die Atomenergiebehörde Seite 16
www.sueddeutsche.de/kultur
Höher, schneller, humorloser
Das Dresdner Hygiene-Museum zeigt in der Ausstellung „Sport und Gesellschaft“, dass Leibesertüchtigung kein Vergnügen ist
Quäle niemals vier zum Scherz
Komikkommando vorwärts: Juli Zehs kannibalistische Farce „203“ wurde am Schauspielhaus Düsseldorf allzu plakativ uraufgeführt
Die Büchse der
Pandora
Am Wiener Burgtheater rumort’s
– Zeit, mal innezuhalten
FEUILLETON
HEUTE
Das nannte man 1986 in der DDR „Pop-Gymnastik“ – Aerobic vor dem Deutschen Hygiene-Museum. Foto: Claudia Mokrzki, Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Ein Mann, zwei Typen: Sportskanone
und Schluffi. Dieses Exempel wurde
1928 statuiert. Foto: Hygiene-Museum
Szene mit Gunther Eckes und Karin
Pfammatter. Foto: Sebastian Hoppe
„Sport ist mehr
als Spiel und
doch nicht Arbeit“
Auf die Dauer wird sich
das Dopingverbot
kaum halten lassen
Die Gesellschaft verblödet
vor dem Fernseher, während der
Rechtsstaat abgeschafft wird
Den meisten Menschen fällt es leichter
zu gehen und sich zu verbeugen, als eine
fünfstündige Wagner-Oper zu dirigie-
ren. Für James Levine, der unter chro-
nischen Rückenproblemen leidet, ist es
offenbar umgekehrt. Als er am Freitag
die neue „Walküre“ der New Yorker
Metropolitan Opera dirigierte, holte er
fünfeinhalb Stunden lang alles aus Sän-
gern und Orchester heraus. Doch als er
danach unter frenetischem Beifall auf
die Bühne kam, mussten Deborah Voigt
und Bryn Terfel ihm stützend zur Hilfe
eilen.
Umdie Musikhattensichdie NewYor-
ker Operngemeinde wie auch die inter-
nationalen Wagnerianer, von denen viele
eigens nachNewYorkgeflogenwaren, al-
lerdings die geringsten Sorgen gemacht.
Levine, der die Walküre schon sechzig
Mal dirigiert hat, garantiert Qualität
ebenso wie historische Kontinuität. Und
seine angeschlagene Gesundheit schien
ihn eher noch anzustacheln.
Alles andere am neuen „Ring“ der Met
ist aber weiterhin Gegenstand ausgiebi-
ger Debatten. Kurz nachdemder Met-Di-
rektor Peter Gelb vor sechs Jahren mit
dem Ziel antrat, die damals für ihre Rü-
schenästhetik bekannte Oper in die Ge-
genwart zu befördern, verpflichtete er
denkanadischen Regisseur Robert Lepa-
ge für das Wagnersche Großwerk. Kein
anderes Projekt wird wie dieses über den
Erfolg oder Misserfolg von Gelbs Neue-
rungsversuchen entscheiden.
Mit der ersten Etappe, „Das Rhein-
gold“, die imSeptember die Saison eröff-
nete, überzeugten Gelb und Lepage das
New Yorker Publikum nur zum Teil. Die
begeisternde „Walküre“ dürfte nun we-
sentlichmehr der Traditionalistenumge-
stimmt haben, die noch Otto Schenks vor
zwei Jahren verrenteter Ring-Produkti-
on aus der Reagan-Ära nachhingen.
Lepages Regie machte es ihnen nicht
allzu schwer. Statt die Oper einer origi-
nellen, unorthodoxenRegieidee zuunter-
werfen und Gefahr zu laufen, den in New
Yorkverpönten„Eurotrash“ zuproduzie-
ren, lieferte er, wie schon beim „Rhein-
gold“, inspiriertes Micromanagement.
Die Sänger übersetzten dieses Konzept
mit Bravour: Bryn Terfels Wotan alter-
nierte spannungsreich zwischen Larmo-
yanz und schäumender Wut über seine
göttliche Unfreiheit. Stephanie Blythe
als Fricka zerlegte ihrenEhemannbei ih-
rem kurzen aber beeindruckenden Auf-
tritt mit metallener Schärfe. Und Jonas
Kaufmann begeisterte als strahlender,
leidenschaftlich liebender und todge-
weihter Siegmund. Etwas verhalten
wirkten nur die kränkelnde Eva-Maria
Westbroek, deren Rolle ab dem zweiten
Akt von Margaret Jane Wray übernom-
men wurde, und Deborah Voigt in der
Rolle der Brünnhilde.
Vielleicht lag es auch an dem kleinen
Fehltritt, der ihr unterlief, bevor sie noch
den ersten Ton gesungen hatte: Als sie
Wotans Felsen erklomm, rutschte sie aus
und fiel hin. Das lenkte wieder einmal
die Aufmerksamkeit auf das vom Büh-
nenbildner Chris Fillion entwickelte me-
chanische Monstrum, das man an der
Met nur „Die Maschine“ nennt. Wie Grä-
ten eines Riesenfischs sind ihre 26 Rip-
pen an einer Achse aufgehängt, um die
sie einzelnoder imVerbundrotieren kön-
nen. Sie richten sich vertikal auf als
Wald, in dem Siegmund vor den Feinden
flieht; neigen sich als Dach von Hun-
dings Haus; formieren sich wellenartig
zum Götterfelsen. Im letzten Akt reitet
Brünnhilde auf ihnen wie auf einem
Stealth Bomber. Sparsame Videoprojek-
tionen auf den weißen Planken – Baum-
rinde, Gestein, fließende Lava – reichen
aus, um die jeweilige Szene anzudeuten.
Einerseits stellt dieses 45 Tonnen
schwere MonstrumdenGipfel der Extra-
vaganz dar. Die Met musste eigens ihren
Bühnenboden verstärken lassen. Ande-
rerseits ist es ein Wunder der Ökonomie.
Mit dem riesenhaften Schweizer Ta-
schenmesser lassen sich sämtliche Büh-
nenbilder des neuen „Ring“ darstellen.
Als die Walküren am triumphalen Be-
ginn des dritten Akts auf den dramatisch
sich hebenden und senkenden Planken
einritten, brach das Publikumin sponta-
nen Applaus für die Maschine aus.
Dochso faszinierenddie Wandlungsfä-
higkeit dieses Bühneninstruments auch
ist, so sehr unterwirft es die Sänger sei-
ner Mechanik. Frickas hörnergeschmück-
ter Kampfrollstuhl bewältigte die Stei-
gung nur stockend; Terfel balancierte mo-
mentelang unsicher über die schwanken-
den Stufen. Und auch das Geknarze der
schweren Metallträger, das schon beim
„Rheingold“ moniert wurde, war noch
deutlich zu hören.
Viel problematischer ist jedoch die
übergroße Präsenz der Maschine. Mit je-
dem neuen atemberaubenden Trick, eta-
blierte sie sichmehr als heimliche Haupt-
darstellerin. Je expressiver die Posen, in
denen sie verharrte, desto mehr wurde
sie abstraktes Denkmal, eine große Meta-
pher – aber für was? Das hat Lepage bis-
her im Unklaren gelassen.
JÖRG HÄNTZSCHEL
Das Licht im Albert-Schäfer-Saal der
Hamburger Handelskammer ist ein
Kunstwerk. Ein Licht, das sich im Raum
wohl fühlt: Der April-Nachmittag
strömt durch hohe Fenster und geht in
der stillen Wärme der Wandleuchtenauf.
Randson P. Mwadiwa streichelt diese
Leuchten mit seinem Blick. Dann steht
er auf und geht ans Rednerpult.
Mwadiwa ist Staatssekretär im Minis-
terium für Bodenschätze, Energie und
Umwelt der RepublikMalawi, seinPubli-
kum sind Vertreter der deutschen Wirt-
schaft. Mwadiwa spricht vomLichtman-
gel in seiner Heimat. Er erzählt, dass
zwölf der dreizehn Millionen Malawier
keinen Stromanschluss haben. Fast alle
Frauen seines Landes müssen jeden Tag
Feuerholz sammeln, damit sie kochen
können. Mwadiwa beschwert sich nicht,
er berichtet. Er zeigt keine Kinder mit
großen Augen und keine Frauenrücken,
die sichnachReisig bücken. Seine Aufga-
be besteht darin, das Geschäftspotenzial
in seinem Land aufzuzeigen: Malawi als
Markt für deutsche Wasserkraftwerke.
Der Blick des Staatssekretärs gleitet
über die Köpfe im Saal, als könne er so
den Interessepegel der deutschen Wirt-
schaft ermessen und sagt: „Wir erwägen,
auch Atomenergie zu nutzen. Wir haben
eine Uranmine.“ Er hätte auchsagenkön-
nen, Malawi erwäge ein Raumfahrtpro-
gramm. Die Köpfe schmunzeln.
Was sich jährlich beim Deutsch-Afri-
kanischen Energieforum abspielt, könn-
te man in der Schublade „Hintergründe
undAbgründe des deutschenExportwun-
ders“ unterbringen. Staatssekretäre und
Minister aus Afrika rücken ihre Man-
schettenknöpfe zurecht und fliegen nach
Hamburg, um über den Investitionsbe-
darf und Infrastrukturprojekte in ihren
Ländern zu berichten. Es geht um Öl,
Gas, Windräder. Köpfe der deutschenIn-
dustrie hören zu und machen sich Noti-
zen, wobei auch ihre Manschettenknöpfe
zum Vorschein kommen. In den Pausen
gibt es Garnelen-RucolaundPangasiusfi-
let. Es geht sachlichzu, es sollenGeschäf-
te angebahnt werden.
Die deutschen Wirtschaftsbeziehun-
gen zu Afrika bieten eine Austauschebe-
ne, auf der Leid, Mitleid und Selbstmit-
leid – eine Mischung, die sonst das Bild
von Afrika überfrachtet – einmal keine
Rolle spielen. Über Politik spricht man
hier enpassant, so wie manüber das Wet-
ter spricht – es sei denn, neue afrikani-
sche Gesetze habeneinemgerade das Ge-
schäft verhagelt. Man stellt keine über-
flüssigen Fragen, auch an die wohlge-
nährten Gäste aus Simbabwe nicht. Da-
für ist die Zeit zu knapp, das Kapital so-
wieso, und die chinesische Konkurrenz
schläft nicht. „Unsere afrikanischen
Freunde“, sagen die Deutschen. „Unsere
deutschen Brüder und Schwestern“, sa-
gen die Afrikaner. Der Veranstalter, der
Afrika-Verein der Deutschen Wirt-
schaft, beherrscht die Kunst der hemds-
ärmeligen Gastfreundschaft. Es herrscht
ein künstliches Wahrnehmungsvakuum,
in dem Malaria und Bono ausgeblendet
werden, damit Afrika als Kontinent von
Powerpoint-Möglichkeiten erstrahlen
kann.
Die Bundesregierung wird in den
nächsten Wochen ein Afrika-Konzept
verabschieden, in dem wirtschaftliche
Beziehungen imVordergrund stehen sol-
len. Im vergangenen Jahr sickerte ein
Entwurf in die Medien, am Textrand
standeine anonyme Empfehlung: Das Zi-
tat des ehemaligen Bundespräsidenten
Horst Köhler solle gestrichen werden.
„Für mich entscheidet sich die Mensch-
lichkeit unserer Welt am Schicksal Afri-
kas“, hatte Köhler 2004 gesagt. Beamten-
kommentar: „Menschlichkeit allein ist
falsche Orientierung. Es geht um unsere
Interessen auf Augenhöhe.“
Seine Exzellenz Alberto do CarmoBen-
to Ribeiro, der Botschafter Angolas in
Berlin, könnte es nicht treffender formu-
lieren. Er spricht auf dem Energieforum
im Namen aller afrikanischen Diploma-
ten und sagt mit entwaffnendem Froh-
sinn: „Unsere wichtigste Aufgabe be-
steht darin, Geschäfte zwischenDeutsch-
land und unseren Ländern voranzubrin-
gen.“ Ein Botschafter, der sich öffentlich
auf die Rolle eines Wirtschaftsattaché re-
duziert. Es gibt Applaus.
Ribeiro ist ein erfahrener Diplomat, er
weiß, dass deutsche Ingenieure seit jeher
in Afrika gebaut haben, auch in Diktatu-
ren. Von Afrika aus gesehen bleibt
DeutschlandeinLand, dessenSpitzenpo-
litiker naiv bis ahnungslos erscheinen,
während deutsche Firmen das richtige
Knowhow mitbringen. Die Politiker
lässt man gerne ausreden, schließlich
meint es in Deutschland irgendwie jeder
gut mit Afrika. Die routinierte Oberfläch-
lichkeit des Diskurses wirdoft mit Emoti-
onenbemäntelt, wobei die Erregungskur-
ve vorhersehbar ist. Aber mit Demokra-
ten kann man immer reden. Mit deut-
schen Firmen muss man nicht lange re-
den, man versteht sich. Da fließt der
Fluss, da steht das Dorf, hier soll die Tur-
bine hin. Man spricht über Kilowatt und
nicht über Armut oder Kleptokraten. Die-
se Sachlichkeit kann erfrischend wirken.
Schließlich kann eine Turbine Licht in
ein paar Häuser bringen und dadurch
mehr „Menschlichkeit“ bewirken als je-
de Bundestagsdebatte. Außerdem kann
eine Turbine nicht veruntreut werden –
anders als Hilfsgelder. Die Turbine steht,
der Strom fließt, und auf das Konto der
deutschen Firma fließt Geld.
Deswegen mutet es theatralisch an,
wenn Nuhu Somo Wya, Staatssekretär
im nigerianischen Energie-Ministerium,
das Klischee vomhilflosen Afrikaner be-
müht. „Wir sind wie eine blinde Ziege“,
sagt er. „Wir liegenauf einemHaufenGe-
treide und verhungern. Bitte bückt euch
zu uns nieder und heilt uns von unseren
Problemen!“Stephan Auer vomAuswär-
tigen Amt ringt um Fassung. Eine blinde
Ziege passt nicht ins neue Afrika-Kon-
zept. Auer spricht lieber vom „Potenzial
des Anderen“, das es zu entdecken gelte.
Wya spricht auch auf demabendlichen
Empfang im Rathaus. Er steht auf dem
roten Teppich im Kaisersaal und sagt,
die Deutschen sollen „Afrika beleuch-
ten“, dann kämen auch keine „unnötigen
Flüchtlinge“ mehr. Die Gäste lachen.
Auch Wyas Kollege aus Malawi, Rand-
son P. Mwadiwa, lacht, aber sein Blick
wandert. Er blickt auf die schweren
Kronleuchter und auf die Frauenskulp-
tur, aus deren goldenem Haar Glühbir-
nen ragen. Das Licht im Kaisersaal ist
ein Kunstwerk, und Randson P. Mwadi-
wa sucht eine Weile nach der Quelle die-
ses Lichtes. TIM NESHITOV
Wäre James Cameron zweihundert
Jahre früher auf die Welt gekommen, wä-
re er wahrscheinlich als Pionier in den
Wilden Westen gezogen. Er lebt aber
jetzt, also ergründet er, die noch nicht
kartierten Gebiete der Gegenwart, vor-
nehmlich die Untiefen des Meeres – siehe
„Titanic“, „Abyss“ sowie eine Reihe von
Dokumentarfilmen – und die Untiefen
der digitalen Filmtechnik, Schwerpunkt
3D – da hat er mit „Avatar“ den bislang
geltenden Maßstab gesetzt.
Wennnunalso der Visionär einemneu-
en 3D-Film seinen Namen als Stempel
aufdrückt, lässt das auf ein Spektakel
hoffen – und „Sanctum“, inszeniert von
Alister Grierson, ist in gewisser Weise so
ein Spektakel. Es geht um Höhlenfor-
scher in Not, um eine Expedition in Pa-
pua Neuguinea in einunterirdisches Sys-
temvonHöhlenundGrotten(inAustrali-
en nachgebaut), das selbst hartgesottene
Taucher so nie zu Gesicht bekämen, von
hartgesottenen Landratten ganz zu
schweigen. Am Anfang tauchen zwei der
Forscher in eine gigantische Höhle und
schweben in einem riesigen Nichts aus
Wasser – solche Bilder sind für sich ge-
nommen schon spektakulär.
In ein paar Jahren, träumt James Ca-
meron, wird3Ddie Kinotechnikdominie-
ren. Die zweidimensionalen Filme wür-
dendann, glaubt er, in3Dgedreht undso-
zusagen erst hinterher amComputer ein-
geebnet. Das sei nötig, hat er unlängst
bei einer Messe erklärt, weil zwei Techni-
ken nebeneinander zu aufwendig seien.
Die Hoffnung ist groß, das Kino so zu er-
neuern, das Fernsehen am besten noch
dazu – aber ausgerechnet Cameron hat
sich sein eigenes 3D-Projekt gut ausge-
sucht, in „Avatar“ ging es eben nicht nur
um einen Varieté-Effekt, sondern auch
umeine Geschichte. Die ist aber in„Sanc-
tum“ irgendwie abgetaucht. Ein Unwet-
ter zerstört den Ausgang aus der Höhle,
die Forscher müssen einen neuen Weg
suchen, wobei sie sich schließlich gegen-
seitig zerfleischen.
Eine echte Stereotypentruppe hat sich
da untenzusammengefunden – unnahba-
rer Wissenschaftler, wilder Forschungs-
punk, Egomaniac, hysterisches Weib-
chen. Und des Oberhöhlenforschers
Sohn sucht sich auch noch diesen Mo-
ment aus, umall seine Kindheitstrauma-
ta abzuklären. In der beklemmenden En-
ge von langen Gängen und der erschre-
ckenden Weite der unterirdischen Seen
spielt sich ein B–Movie-Drama ab mit ei-
nem Hang zur unfreiwilligen Komik.
Und eine Sternstunde der Schauspiel-
kunst ist „Sanctum“ auch nicht. Es
bleibt eine Jahrmarktsattraktion, einBil-
derstrom, der keinenZusammenhang fin-
det, weder durch das, was den Figuren
widerfährt, nochinsichselbst, die Struk-
tur dieses Höhlensystems macht der Film
nicht begreifbar. Umgleichdas ganze Ki-
no zu revolutionieren, ist das nicht ge-
nug. Wenn die dreidimensionale Technik
nichts besseres zu bieten hat, wird 3D
auch in ein paar Jahren noch immer ein
Sonderfall sein, nicht die herrschende
Technik. SUSAN VAHABZADEH
SANCTUM 3D, USA 2011 – Regie: Alis-
ter Grierson. Buch: John Garvin, An-
drew Wight. Kamera: Jules O’Loughlin
Mit: Richard Roxburgh, Rhys Wakefield,
Alice Parkinson, Dan Wyllie. Constan-
tin, 109 Minuten.
Die Zeit, in denen das Album das For-
mat war, das die Entwicklung des Pop
prägte, geht zu Ende. Das Internet hat
die Rezeptionsgewohnheiten gründlich
verändert. Die Aufmerksamkeit liegt so
stark wie nie auf dem einzelnen Song.
Als Verfallsgeschichte sollte dies den-
noch nicht erzählt werden. Dass heute
schon kurz nach der Veröffentlichung
einzelner Songs unzählige, größtenteils
inoffizielle Remixe durch die Blogs geis-
tern, ist schließlich auch ein Aspekt des
Phänomens. Von einer Verarmung der
Popmusik kann also keine Rede sein. Es
lohnt trotzdem, noch einmal daran zu er-
innern, was an dem Pop-Format Album
eigentlich so großartig ist – und zwar
schon allein deshalb, weil am vergange-
nen Freitag „The English Riviera“ (Uni-
versal) erschienen ist, das dritte Studio-
Album der britischen Band Metronomy.
Bei der alten, aber immer wieder be-
liebten Frage, wer wohl die beste zeitge-
nössische Band Englands sei, hätte Me-
tronomy eine gute Chance auf demersten
Platz zu landen. Was nicht zuletzt daran
liegen dürfte, dass die Band so erfri-
schendunverbraucht ist – und sichoffen-
bar auch nicht verbrauchen lässt. Be-
kannt wurde die Londoner Gruppe um
den Multi-Instrumentalisten Joseph
Mount 2008 mit ihrem letzten Album
„Nights out“, das zum Höhepunkt der
New-Rave-Bewegungveröffentlicht wur-
de, jener sehr hysterischen, sehr grellen
Pop-Spielart, die vor ein paar Jahren als
das nächste große Ding gehandelt wurde.
Metronomy befand sich allerdings nur
im Windschatten des Hypes. Die halb-
elektronische, sehr nervöse Disko-Vari-
ante, die die Band anbot, hatte mit New
Rave nur die Hektik gemeinsam. Ansons-
ten war sie viel zu individuell, umin Sip-
penhaft genommen werden zu können
und nach dem Ende des Hypes nur noch
schal zu wirken.
Mit demneuenAlbumlassenMetrono-
mydie Bewegung weit hinter sichundda-
mit auch alle Hektik. Stattdessen er-
schafft sich die Band eine sehr seltsame,
sehr interessante Kunstwelt, die sich ir-
gendwie um das Leben in der Provinz
dreht. Der Titel des Album, „The English
Riviera“, verweist auf alten Seebäder im
Südosten Englands, die bekanntlich sehr
reizvoll Patina angesetzt haben. Das un-
glaublich schöne Cover des Albums ist in
Wirklichkeit ein offizielles Tourismus-
plakat dieser Region. Und obwohl die
dreizehn Lieder des Albums formal recht
unterschiedlich sind – zu hören sind Dis-
kokracher, Balladen undmeditative Stü-
cke – so spielen sie doch alle mit demsel-
ben Gefühl: dem des mondänen, zurück-
gezogenen Lebens.
In den meisten Liedern herrscht eine
Stimmung, die so angenehm kühl ist wie
eine abendliche Brise vom Meer. Das
liegt einerseits daran, dass alle Songs auf
ziemlich hohem Niveau produziert und
gewissermaßen„glatt“sind, undanderer-
seits an den Soundeffekten: etwa den,
aus der Frühphase der BandThe Cure be-
kannten Flanger-Gitarren. Dazu gesellt
sich der leichte und harmonisch immer
aus dem Vollen schöpfende Gesang von
Joseph Mount, der so gekonnt zwischen
Kopf- und Bruststimme wechselt. Da-
raus ergibt sich ein feines Soundge-
spinst, das gut zu den Geschichten, die
auf „The English Riviera“ erzählt wer-
den passt. Sie handeln von der Leere in
Landhäusern oder auch mal von den
traumschweren Nächten, die man in ih-
nen verbringt.
Für diese Art vonPop, der mit Oberflä-
chen und den Abgründen dahinter spielt,
gibt es freilich ein großes, erdrückendes
Vorbild: die britische Band Roxy Music,
die indensiebziger JahrendemAuthenti-
zitätsgedudel der Hippies eine aggressiv
glänzende Welt entgegensetzte (in der
das Country Life der Oberklasse auch ei-
ne gewisse Rolle spielte). Aber auch hier
laufen Metronomy nicht Gefahr, einfach
ein altes Konzept zu wiederholen. Wie so
oft bei gutem Pop lässt sich die Frage:
„Wie ist es gemeint?“ nicht beantworten.
Geht es der Band darum, die real existie-
rende Upper Class zu feiern? Oder soll sie
kritisiert werden? Geht es darum, sich in
eine patinierte Kulisse zu flüchten? Und
warum? All diese Fragenkönnte manstel-
len, allerdings mit geringer Aussicht auf
befriedigende Antworten. Man kann sich
aber auch einfach daran freuen, dass
„The English Riviera“ ein Albumimbes-
tenSinne ist: einkleines, insichgeschlos-
senes Gesamtkunstwerk.
PAUL-PHILIPP HANSKE
Brünnhildes Stealth Bomber
In der neuen „Wallküre“ an der New Yorker Met stehen die Sänger im Schatten einer monströsen Bühnenmaschine
Im Wahrnehmungsvakuum
Wie die deutsche Wirtschaft mit Afrikanern redet
Stereotypentruppe: „Sanctum“ bietet einen unnahbaren Wissenschaftler, einen
Forschungspunk, einen Egomaniac und ein hysterisches Weib. Foto: Constantin
Unterirdisch
„Sanctum 3D“ hält nicht, was James Cameron verspricht
In aller Ruhe
Der Band „Metronomy“ gelingt Landhauspop
D
ie Selbstdarstellung liegt dem Men-
schen im Blut und bedarf ständiger
Pflege – im Allgemeinen und besonders
imKulturbetrieb, wo erst die erkennbare
Gestalt von Individualität, Schönheit
und Eitelkeit zur öffentlichen Existenz
führt, zur Wahrnehmung eines künstle-
risch ertragreichen „Profils“. Künstler-
agenturen schießen deshalb aus dem Bo-
den, um an den Reliefs oder wenigstens
Halbreliefs all der männlichenundweib-
lichen Schauspieler, Sänger, Dirigenten,
Regisseure, Dichter, Maler, Kuratoren
herumzumodellieren und sie vorteilhaft
in die Öffentlichkeit zu befördern. Gera-
de hier gilt das Prinzip, dass der Erfolg
den Erfolg potenziert, durch Dauerbe-
werbung in den Medien.
Mindestens einmal imJahr geben auch
Institutionen, Großbetriebe wie Festi-
vals, Theater, Opernhäuser, ihr Profil in
offizieller Selbstdarstellung öffentlich
bekannt, jeweils auf einer eigens einberu-
fenen, meist gut besuchten Pressekonfe-
renz. Hier unterbreiten die Chefs selbst –
der Intendant, der Generalmusikdirek-
tor, vielleicht noch der Ballett- oder auch
der künstlerische Betriebsdirektor – ihre
Pläne und Programme für die nächste
Spielzeit, mit obligatem Selbstlob. Und
jüngere Damen und Herren der Abtei-
lung Öffentlichkeitsarbeit verteilen Bro-
schüren oder richtig schwere Bücher, die
man später in Ruhe durchblättern soll.
Neuerdings gehören solche Publikatio-
nen in die Rubrik Schöne Literatur und
Buchkunst, obwohl sie im Grunde nur
Warenkataloge sind.
Damit nicht genug gibt es parallel
noch den Internet-Auftritt derselben In-
stitution, der solche Inhalte noch schnel-
ler und übersichtlicher transportiert:
Nicht nur Tabellen und Grafiken, auch
kleine Videos wirken belebend, die
„Links“ greifen kühn aus. Gegen solche
Vernetzungstechniken bringt die Spiel-
planbuchkunst ihre ästhetischen Form-
und Farbphantasien in Stellung, ganz
wie es dem Layouter gefällt, dem visuel-
len Gestalter, dem Gesamtkunstwerker
des digitalen Zeitalters. Joseph Haydns
Kanon der „Zehn Gebote der Kunst“
überhört er gern, zumal das erste Gebot:
Du sollst dich ganz der Kunst weihen.
Nein, der Auftritt ist die Botschaft.
Das ästhetische Raffinement ist des
Layouts oberstes Gebot, es bedeutet
Handschrift und Physiognomie in einem.
Die Vermutung drängt sich auf: Je mehr
die Chefetagen der Theater- und Opern-
häuser von Machern und Managern ohne
viel Charisma-Aufwand geleitet werden,
desto kunstvoller, bunter, komplexer
müssen die Botschaften kommuniziert
werden, verführerisch wie ein Make-Up
schon auf dem Cover.
Das Gold in Dresden raunt nach Art
des Semper-Baus: Ich bin die Kunst des
kostbar Beständigen. Die symbolhafte
Objektsprache der Staatsoper in Mün-
chen verkündet: Ich bin die Kunst des
preziösen Einfalls. Das leere Weiß von
Brüssel verrät: Ich bin der Anspruch des
makellos Reinen. Die Deutsche Oper Ber-
lin will mit ihren weißen Noppen auf
Gold sagen: Ich kann alles. Und das
schlichte Weinrot mit Bauhaus-Logo des
Dauerfestspiels vonBaden-Baden unter-
treibt: Ich enthalte das opulent Beste.
Das Theater im thüringischen Gera be-
saß im vergangenen Jahr das aparteste
Programmbüchlein, in schwarzem Le-
der, griffig wie ein Kalendarium.
Richtig zur Sache aber geht es im In-
nern der Vorschau-Bücher. Da blühen
die werbegängigen Fotogirlanden der
Musiksuperstars wie in Baden-Baden.
Da lockt es denBenutzer indenbarocken
Farben- und Schriftzeichendschungel
vonBayerisch-Opernmünchen, wo Orien-
tierung schnell abhanden kommt. Wie
klar, übersichtlich dagegen der Katalog
der Pariser Oper, wie genügsam derjeni-
ge in Kopenhagen – so kühl wie das neue
Heft der Münchner Musica-Viva-Reihe,
das nicht ein einziges Foto benötigt, nur
ein paar lichte Farbflächen, hochwertige
knappe Texte undeine geordnete Schrift-
zeichenfolge.
WOLFGANG SCHREIBER
Seite 12 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 Dienstag, 26. April 2011
FEUILLETON
Jonas Kaufmann begeistert als strahlender, leidenschaftlich liebender und tod-
geweihter Siegmund. Foto: Cory Weaver / AP Photo / Metropolitan Opera
Wie ist es gemeint? Die Londoner Band
Metronomy Foto: Universal
ZWISCHENZEIT
Hohlspiegel
Man stellt keine überflüssigen
Fragen, auch an die wohlgenährten
Gäste aus Simbabwe nicht
Mit jedem neuen Trick etabliert
sich die mechanische Bühne
als heimliche Hauptdarstellerin
Statt des verpönten „Eurotrashs“
liefert Regisseur Lepage
inspiriertes Micromanagement
Dienstag, 26. April 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 13
FEUILLETON
Die Schauspielerin Marie-France Pi-
sier ist im Alter von 66 Jahren an ihrem
Wohnort imsüdfranzösischenSaint-Cyr-
sur-Mer gestorben. Die Französin wurde
nachAngabender BehördenamSonntag-
morgen tot in ihrem Swimmingpool auf-
gefunden. Die Polizei ermittelt die ge-
naue Todesursache, schließt ein Verbre-
chen aber aus. Am Dienstag wird es in
Marseille eine Autopsie geben. Pisiers
Karriere begann 1961, als Regisseur
François Truffaut sie entdeckte. Nach
ersten Theaterrollen debütierte sie 1962
in dem Abschnitt „Antoine und Colette“
des Episodenfilms „Liebe mit zwanzig“.
Neben der Arbeit als Schauspielerin stu-
dierte sie Politik- und Rechtswissen-
schaften. 1968 soll sie mit Daniel Cohn-
Bendit befreundet gewesen sein.
Nach mehreren Genre-Filmen gelang
ihr 1975 mit ihrer Rolle in„Cousin, Cousi-
ne“ der Durchbruch. Sie erhielt zweimal
den César für die beste weibliche Neben-
rolle. Marie-France Pisier spielte auch
an der Seite von Jean-Paul Belmondo
und anderen Größen der französischen
Filmindustrie und verfilmte zuletzt eines
ihrer Bücher, das von ihrer Kindheit in-
spiriert war („Le Bal du Gouverneur“).
Pisier kämpfte der Zeitung Le Parisien
zufolge seit mehreren Jahren gegen
Brustkrebs undwar abhängig vonSchlaf-
tabletten. Dass sie an einer Depression
litt, konnten die Ermittler nach Angaben
der Zeitung Le Figaro nicht bestätigen:
Die Schauspielerin hatte Pläne, wollte
anlässlich der Hommage an ihren Kolle-
gen Belmondo im Mai zu den Filmfest-
spielen nach Cannes reisen. dpa
Anfang des Monats gaben Verantwort-
liche des Kernkraftwerks Fukushima
Daiichi bekannt, dass sie Sägemehl, drei
Müllbeutel voller Zeitungspapier und
eine absorbierende Chemikalie, die nor-
malerweise in Windeln verwendet wird,
einsetzten, um zu versuchen ein Leck in
der Wand des Reaktors zu stopfen, durch
das tausende Liter radioaktives Wasser
in den offenen Ozean liefen. Als ich über
diese erschreckend steinzeitliche Lösung
für etwas las, das sich zu dem bislang
schwierigsten Umweltproblem des 21.
Jahrhunderts entwickelt, konnte ich
nicht anders als mich an die technisch
ähnlich simplen (und ähnlich schreckli-
chen) Lösungen zu erinnern, die man
angewandt hatte, um vor einem Jahr ein
anderes hochtechnisches Problemzu„lö-
sen“ – das massive Ölleck der British Pe-
troleum, das 1600 Meter unter der Mee-
resoberfläche indenamerikanischenGe-
wässern des Golfs von Mexiko aufgetre-
ten war und durch das zwischen 500 000
und einer Million Tonnen Rohöl auslau-
fen sollte.
Als sichdamals imFrühjahr 2010 in ei-
nem vor der Küste Louisianas planlos
agierenden Notfallteam aus Spezialisten
von BPund Regierung Panik breit mach-
te, versuchten es die Arbeiter mit einem
sogenannten „Junk Shot“ (Tonnen von
Golfbällen und alten Gummireifen, die
in die sprudelnde Öffnung der Quelle ge-
stopft wurden), einem„Top Kill“ (weite-
re Tonnen Bohrschlamm und Zement,
die ebenfalls erfolglos aus HundertenMe-
tern Höhe abgeworfen wurden), und als
all das schließlich gescheitert war, ver-
suchte man es mit einer weiteren Low-
Tech-Lösung für das Problem, die noch
auf Jahre hinaus massive Auswirkungen
auf die Region haben wird.
Als das Öl im vergangenen Frühjahr
auf die Küste zutrieb, entschied der Küs-
tenkoordinator des Gouverneurs die Süß-
wasser-Umleitungskanäle des Mississip-
pi zu öffnen. Diese Notmaßnahme ergriff
man in der Hoffnung, dass in Gegenrich-
tung strömendes Süßwasser das Öl von
der Küste wegtreiben würde. Ironischer-
weise waren die Süßwasserumleitungen
erst in jüngerer Zeit geschaffen worden,
um die Bedingungen für das Delta und
seine Austernbänke zu verbessern.
Dem Idealplan zufolge leiten die Um-
leitungen des Mississippi langsam einen
geringenSüßwasserstromindas Marsch-
land. Austern brauchen zum Leben so-
wohl Süß- als auch Salzwasser, und ein
langsamer Durchfluss des Süßwassers
bot die Möglichkeit, demsichverschlech-
ternden, und zunehmend versalzenden
Marschsystemzuhelfen. Zuviel Süßwas-
ser aber ist sehr schlecht für Austern.
Und als entschieden wurde, die Umlei-
tungen zu öffnen, führte der Mississippi
gerade extremviel Wasser – 2010 war ein
El-Niño-Jahr. So wurden Millionen Li-
ter Süßwasser über die Austernbänke ge-
schwemmt, veränderten auf für sie tödli-
che Weise den Salzgehalt des Deltas und
löschten nach manchen Schätzungen bis
zu80 Prozent der Bänke aus. Aus ökologi-
scher Sicht ist das gewaltig. Eine einzel-
ne Auster kann etwa zehn Liter Wasser
am Tag filtern, und die Millionen Aus-
tern in Louisiana gehören zu den Fakto-
ren, die den Golf als Ökosystem funktio-
nieren lassen.
Das alles ist noch schmerzlicher, wenn
man bedenkt, wie düster die Lage der
Austern allgemein ist. In einer Ausgabe
des amerikanischenJournals The Procee-
dings of the National Academy of Scien-
ces aus demJahr 2004 wurde das Phäno-
men als „eine Wanderwelle der Ausbeu-
tung“ bezeichnet. Der Kollaps der Aus-
tern zog sich die amerikanischen Küsten
entlang nach Süden, wobei immer weiter
entfernt gelegene Reviere die Aus-
tern-„Saat“ liefern mussten, um die
zusammenbrechenden Fischereibetriebe
im Norden am Leben zu erhalten. Die
Wasserverschmutzung beschleunigt den
Prozess.
Im 19. Jahrhundert war der Hafen von
New York die Austernhauptstadt Nord-
amerikas. Später wurde es Chesapeake
Bay, nahe Washington, D.C.. Die Aus-
tern im New Yorker Hafen sind ver-
schwunden, die in Chesapeake gehen zu-
rück, und viele andere Reviere müssen
nach und nach aufgeben. Dieser Trend
ist nicht nur auf die Vereinigten Staaten
beschränkt. Ein Papier der Nature Con-
servancy von 2011 berichtet über einen
weltweiten Rückgang der Austernriffe
um 85 Prozent. Die Elbmündung hat ei-
nen eben so großen Verlust an Austern
erlitten wie die Mündung des Hudson.
Die letzte große Bastion der wilden
Auster auf der Nordhalbkugel ist ihre
südlichste Hochburg – der Golf vonMexi-
ko. Und darum waren die „Lösungen“,
die im Golf im Laufe des letzten Jahres
ausprobiert wurden, so verheerend.
Wenn wir die Austern in Louisiana und
die Fischereibranche, die um sie herum
entstanden ist, verlieren, dann werden
wir den letzten lebenden Beweis verlie-
ren, dass wilde Austern und der Mensch
miteinander zum beiderseitigen Vorteil
auskommen können.
Und es regneten noch mehr schlechte
Lösungsversuche buchstäblich auf die
Austernfischer herab. Nachdem man
„Junk Shots“, „Top Kills“ und die Süß-
wasserumleitungen ausprobiert hatte
und damit gescheitert war, schlossen
sich die Austernfischer den heldenhaften
Versuchenan, das Öl vonder Wasserober-
fläche zu entfernen, nur um eine Dusche
des Lösungsmittels Corexit aus Flugzeu-
genabzubekommen, die über sie hinweg-
brausten. Insgesamt gerieten mehr als
470 000 Liter Corexit ins Wasser. Eine
Aktion, die das an der Oberfläche
schwimmende, möglicherweise abschöpf-
bare Öl in einen glitschigen, unsicht-
baren Todesengel verwandelte. Das Öl
sank ins Meer und tötete nicht nur ein-
fach viele Tiere, die imGolf laichten und
brüteten, sondern vielleicht gar mehr als
die nächste Million dieser Neugebore-
nen. Es war ein erheblicher Schlag für
Amerikas vielleicht wichtigste Fischbrut-
stätte; einem lebenswichtigen Laich-
grundfür denRotenSchnapper, die West-
atlantische Landkrabbe, den Blauflos-
sen-Thunfisch, den Schwertfisch, die
Weiße Garnele, die Graue Krabbe, die
Stachelmakrele undAberdutzende weite-
re Arten von großer Bedeutung.
Selbst wenn durch irgendein Wunder
kein signifikanter Rückgang bei den Fi-
schen im Golf auftreten sollte, werden
die Golf-Fischer auf Jahre hinaus damit
leben müssen, dass der Ruf ihrer von
ihnen so geschätzten Fische und Meeres-
früchte getrübt seinwird. Obwohl unzäh-
lige Testergebnisse besagen, dass Meeres-
früchte aus Louisiana weit unterhalb der
akzeptablen Grenzwerte für Verunreini-
gungen mit Kohlenwasserstoff liegen,
hat eine jüngst erfolgte Befragung von 18
Restaurants aus dem ganzen Land erge-
ben, dass nur 19 Prozent der Gäste dieser
Restaurants im Jahr 2010 eine gute Mei-
nung von Meeresfrüchten aus dem Golf
hatten, während es vor der Ölpest 75
Prozent waren. Ich würde gerne wissen,
welche Branche einen solchen Image-
schaden überstehen könnte.
Aber Fisch und Meeresfrüchte sind
nicht nur ein Geschäft für die Austern-
sammler, Garnelenzüchter undKrabben-
fischer von Louisiana. In den ländlichen
Gebieten des Staates sind sie die Schlüs-
selzutaten einer Art Grundmahlzeit. Un-
ten an den brackigen Überlaufkanälen
und den milchteefarbenen Bayous, wo
die meisten Fischer leben, ist das Stan-
dardmaß für die heimischen Meeres-
früchte ein „Sack“. Ein „Sack“ ist ein
Leinenbeutel, der ungefähr achtzehn
DutzendAustern, siebenunddreißig Dut-
zend Flusskrebse oder fünfzig Dutzend
Bigano-Meeresschneckenfasst. Jedes die-
ser Tiere kannin jedembeliebigenMonat
der Fischsaison im Sack landen, und es
kommt durchaus vor, dass eine Familie
in den Bayous mehrmals pro Woche den
Inhalt eines Sacks an nur einemeinzigen
Tag vertilgt. Es ist vielleicht eine der
schlimmstenSachen, die manin Louisia-
na heutzutage erleben kann, wenn ein
Austernsammler sich Sorgen macht, ob
er seine heimischen Meeresfrüchte noch
essen sollte – die ihm doch eigentlich das
Teuerste auf der Welt sind.
Nun ist also ein Jahr vergangen. Die
Umweltjournalisten sind größtenteils
von Louisiana nach Japan weitergezo-
gen, um zu beobachten wie der Ozean
selbst die „Lösung“ für das jüngste men-
schengemachte High-Tech-Problem
wird – als Mittel umHitze und Strahlung
aus einem Reaktor abzuführen, den man
überhaupt nie so nahans Meer hätte bau-
en dürfen.
Komplexe Technik zu entwerfen und
umzusetzenist teuer underfordert erheb-
liche Investitionenvon privaten Kapital-
eignern, der öffentlichen Hand oder bei-
den zusammen. Und im Bemühen solche
Technologien erschwinglicher erschei-
nen zu lassen, seien es Kernkraftwerke
aneiner erdbeben- undtsunamigefährde-
ten Küstenlinie oder Ölquellen, die 1600
Meter unter der Meeresoberfläche ange-
bohrt werden, unterlassen es ihre Vertei-
diger immer wieder, die Kosten für den
Schutz vonDingenwie FischundMeeres-
tieren in die Gesamtrechnung mit einzu-
beziehen. Die Nahrung, die wir demOze-
an entnehmen ist von astronomischem
Wert, sie ist die entscheidende Protein-
quelle für buchstäblich Milliarden Men-
schen weltweit. Man fragt sich, wann der
moderne Mensch sich endlich die Zahlen
ansehen und erkennen wird, dass er
nicht Atome spalten und Öl vomMeeres-
bodensaugenkann, wennder Preis dafür
ist, dass kein gesundes Essen mehr auf
den Tisch kommt.
Paul Greenberg ist ein amerikanischer
Autor und Essayist. Soeben erschien von
ihm„Vier Fische: Wie das Meer auf unse-
ren Teller kommt“ im Berlin-Verlag.
Filmkritiker, Fotograf, Jazz-Impressa-
rio, Produzent, Regisseur, Schauspieler.
„Es gibt niemanden in der Welt des Ki-
nos, der es mit Barbet Schroeders Vielsei-
tigkeit aufnehmen könnte“, sagt der US-
Kritiker Stanley Kauffmann. Er meint
die Vielseitigkeit des Talents, der Neu-
gierde, der Interessen. Schroeder dreht
versierte Thriller in Hollywood („Single
White Female“, „Murder by Numbers“),
waghalsige Dokumentarfilme in Afrika
(„Général Idi Amin Dada: Autopor-
trait“), er arbeitet mit Schriftstellernwie
Charles Bukowski („Barfly“) und Fer-
nando Vallejo („La virgen de los sicari-
os“) zusammen, er porträtiert Spieler,
Süchtige, obsessionell Getriebene: „Ich
drehe Filme, um– fast wie ein besessener
Ethnologe oder Psychologe – immer noch
mehr zu wissen: über ein Sujet, eine Per-
son, ein Land, oder über die Möglichkei-
ten eines Schauspielers.“
IhnfaszinierenGeschichten, die Zivili-
sation in Dschungel verwandeln, in de-
nenviel Platz ist für Ironie undexistenti-
elle Schwindelgefühle wie in Hitchcocks
„Vertigo“, seinem Lieblingsfilm. Wenn
Mickey Rourke alias Henry Chinaski zu
Beginn von „Barfly“ vomBarkeeper ver-
prügelt wird, liegt er nach kurzer Zeit
zerschunden imHinterhof. Es ist, als ha-
be er gerade diesenZustandabsoluter De-
mütigung gesucht, um sich wieder hoch-
rappeln und den Kampf wenden zu kön-
nen. Als er Bukowski überredet hatte,
das Drehbuch zu „Barfly“ zu schreiben,
musste er sechs Jahre um die Finanzie-
rung des Projekts ringen. Im letzten Au-
genblick wollte der amerikanische Pro-
duzent Menahem Golan abspringen. Da
erschien Schroeder mit einer elektri-
schen Säge in dessen Büro und drohte,
sich einen Finger nach dem anderen ab-
zuschneiden. Sein Auftritt überzeugte.
Ab undzuspielt er inFilmen mit: „Das
mache ich nur nebenbei, einmal im Jahr,
wenn mich befreundete Regisseure dar-
umbitten.“ So kannmanihnals französi-
schen Präsidenten in Tim Burtons „Mars
Attacks“ entdecken oder als bleiches
Phantomin Rivettes „Céline et Julie vont
au bateau“. Einmal übernahm er eine
Hauptrolle: in Eric Rohmers Spielfilm
„La Boulangère de Monceau“ (1963). Da
spielt er den Ich-Erzähler, der mit der
jungen Bäckerin flirtet. Eine Dandy-Fi-
gur wie Rohmer sie liebte, und Schroeder
fügt sich mit seiner lässigen Eleganz
prächtig in die Rolle. Er habe den Part
übernommen, „um Produktionskosten
zusparen“, sagt er. Eigentlichwar er Pro-
duzent des Films, gründete für ihn seine
Kompanie „Les Films du Losange“, die
sich legendäres Renommee verschaffen
sollte: mit Filmen von Rohmer, Rivette,
Fassbinder, Wenders, Duras und vielen
anderen namhaften Autorenfilmern.
Die Wurzeln seiner Vielseitigkeit?
„Das muss“, sagt er, „mit meiner Kind-
heit und Jugend zu tun haben: geboren in
Teheran, aufgewachsen in Kolumbien,
dann die Lehrjahre in Paris. Mein Herz
schlägt kolumbianisch, weil Kolumbien
das Land der Kindheit ist, meine kultu-
relle Prägung ist französisch, und das Ki-
no, das ich liebe, ist das amerikanische.“
Immer trägt er ein Dutzend Filmprojekte
mit sich herum. Am liebsten würde er in
Kolumbiendrehen: „Dort liegendie Stof-
fe auf der Straße und man könnte jeden
Monat einen tollen Film machen.“ Eines
seiner kolumbianischen Projekte heißt
„Machete“ und erzählt von der Verbin-
dung zwischen den Guerillas und dem
Heroin-Handel. Vor 30 Jahren schrieb er
den ersten Entwurf. Man darf sicher
sein, dass den Film drehen wird.
Heute wird Barbet Schroeder siebzig
Jahre alt. RAINER GANSERA
Paris schwelgt in diesem Jahr im
Rausch des Impressionismus. Wer daran
Anstoß nimmt, vergisst, dass es sich da-
bei umeine gewissermaßenmündelsiche-
re Ausschweifung handelt. Vonallenver-
gangenenAvantgardenist der Impressio-
nismus wohl jene, die den meisten Men-
schen die Chance gibt, sich für Kunst zu
begeistern. Das ließ sich schon im Früh-
jahr an dem alle Rekorde übertreffenden
Besucherstrom ablesen, den die große
Monet-Schau anlockte. Augenblicklich
konkurrieren sogar drei Ausstellungen,
die impressionistischen Malern gewid-
met sind, um die Gunst des Publikums:
Edouard Manet, Jean-Louis Forain und
Gustave Caillebotte. Übersättigung
steht dennoch nicht zu befürchten, denn
die drei unterscheidensichnicht nur hin-
sichtlich ihrer Bekanntheit, sondern
auch in ihrer malerischen Auffassung.
Der radikalste, weil ammodernstenan-
mutende dieser Künstler ist Gustave Cail-
lebotte. Das Musée Jacquemart-André
kombiniert in seiner Ausstellung Caille-
bottes Bilder mit den Fotografien seines
Bruders Martial, die bislang noch nie öf-
fentlich gezeigt wurden. Der Einfall ist
sehr einleuchtend, denn Gustave und
Martial stimmen in sehr vielen Sujets
oder Motiven überein. Das gilt für Por-
träts ebenso wie für die Perspektiven,
mit denen der Pariser Stadtraum nach
seiner gründlichen Umgestaltung durch
Baron Haussmann lockte, für die Idyllik
vonBlumengärten, die Freuden des Was-
sersports oder die neue Signatur, die der
Landschaft von der industriellen Moder-
ne aufgeprägt wurde.
Der VergleichvonMalerei undFotogra-
fie der Brüder zeigt aber auch sehr deut-
lich, dass nur der eine, der Maler Gustave
Caillebotte, als genuiner Künstler gelten
kann, während das Talent seines fünf
Jahre jüngeren Bruders Martial sich le-
diglich in einer Amateurfotografie nie-
derschlug, deren Bedeutung vor allem
mit ihrem heute als dokumentarisch er-
lebten Reiz in eins fällt. Gegen dieses Ur-
teil ist auch keine Revision möglich, die
sich etwa auf die vermeintlich plausible
Vermutung stützte, die bildnerische Auf-
fassung des Fotografen habe den Maler
beeinflusst, wie sie sich dem Besucher
der Ausstellung spontan aufdrängt. Den
Anstoß dazu geben weniger die dem
Schaffen beider Brüder identischen Su-
jets, als vielmehr der verblüffende Um-
stand, dass Gustave Caillebotte für seine
malerischen Kompositionen ein Blick-
feld wählte, das in seiner Quadrierung
wie seiner perspektivischen Auffassung
sehr fotografisch anmutet. Eben darin
verbirgt sich das Geheimnis seiner gro-
ßenkünstlerischenOriginalität, der Emi-
le Zola anlässlich der ersten Bilder, die
1876 in der „Exposition des Indépen-
dants“, der Gegenveranstaltung zumoffi-
ziellen Salon, gezeigt wurden, durch den
Vorwurf Anerkennung zollte, Gustave
Caillebotte verfertige „eine Fotografie
der Wirklichkeit“.
Der realistische Erzähler Zola hatte
das Auge eines Fotografen, denn das Bild
Caillebottes, das ihnzudiesemUrteil ver-
anlasste, waren dessen emblematische
„Raboteurs de parquet“, ein Gemälde,
für dessen Perspektive und Quadrierung
man eine fotografische Vorlage vermu-
ten möchte. Damit fiele man freilich
einem Irrtum anheim, denn in den Jah-
ren 1875 - 1880, in denen Gustave Caille-
botte diese nochheute verstörendmoder-
nen Bilder malte, die sich in ihrem rohen
Realismus stark von der „bella maniera“
eines Manet oder Monet unterscheiden,
gab es keine Fotografie, die ihm dafür
hätte als Vorbild dienen können. Also
war es genauumgekehrt: Mit seiner Bild-
auffassung beeinflusste Gustave Caille-
botte die Fotografie. Der Bruder Martial
liefert dafür den Beweis, denn der be-
gann erst 1891 zu fotografieren und wid-
mete sich dann nicht nur Sujets, die ihm
durch das Schaffen des Bruders vertraut
waren, sondern versuchte auch, dessen
Bildauffassung nachzuahmen, etwa in
den leeren Vordergründen der Stadtbil-
der, die sich in den grandiosen Perspek-
tivender HaussmannschenStraßenfluch-
ten verlieren und auf denen die Passan-
ten fernab der zentralen Blickachse
figurieren.
Auch wenn das künstlerische Talent
der Brüder Caillebotte sehr unterschied-
lich ausgeprägt war, so zeigt diese Aus-
stellungsehr schön, dass sie beide der Mo-
derne ihrer Zeit geradezu enthusiastisch
zugewandt waren. Vor allem der Realis-
mus unddie Lakonie, die Gustave Caille-
bottes meisterliche Bilder auszeichnen,
die bis 1882 in wenigen Schaffensjahren
entstanden, haben entscheidend dazu
beigetragen, dass sein Werk lange von
den gefälliger anmutenden Bildern sei-
ner Künstlerfreunde wie Renoir, Monet,
Degas, Pissarro, Cézanne oder Sisley
verdunkelt wurde. Das Urteil, das damit
gefällt wurde, ist heute zwar längst nicht
mehr nachvollziehbar, hat aber nach wie
vor große Folgen, denn Bilder Caillebot-
tes hängen entweder in amerikanischen
Museen oder sind in erstaunlich großer
Zahl im Besitz privater Sammler. Das
macht es begreiflich, dass Gustave Caille-
bottes verstörend modernes Oeuvre erst
durch die große Ausstellung, die aus An-
lass seines 100. Todesjahres 1994 in Paris
stattfand, einer breiteren Öffentlichkeit
bekannt gemacht wurde.
Auch wenn die jetzt im Musée Jacque-
mart-André gezeigte Ausstellung auf
Leihgaben ausländischer Museen ver-
zichten musste, wurde hier dennoch eine
Auswahl an Bildern versammelt, die ei-
nen repräsentativen Überblick über das
Schaffen Gustave Caillebottes gibt: So
sieht man einige seiner charakteristi-
schen Pariser Straßenszenen, den „Pein-
tres en bâtiment“, die auf der dritten Im-
pressionisten-Ausstellung von 1877 zum
ersten Mal gezeigt wurden und bei man-
chenKritikernwegenihrer sozialrealisti-
schen Darstellung Aufsehen erregten.
Vor allem aber sind zwei Interieurs her-
vorzuheben, die 1880 entstanden und die
der Schriftsteller Joris-Karl Huysmans
in einer Kritik begeistert feierte. Beide
Interieurs zeigen Paare, die sich allem
Anschein nach schon lange nichts mehr
zusagenhabenunddie eine Gelangweilt-
heit umwittert, die Huysmans als bour-
geoises Paradigma deutete. Diese Inter-
pretation beider Werke kann heute nicht
mehr überzeugen, umso mehr hingegen
die meisterliche Sicherheit in Farbge-
bung und Quadrierung, mit denen sich
Gustave Caillebotte als eingroßer Künst-
ler ausweist. JOHANNES WILLMS
Die Ausstellung „Dans l'intimité des frè-
res Caillebotte, peintre et photographe“
im Musée Jacquemart-Andre ist bis zum
11. Juli 2011 zu sehen. Der Katalog kos-
tet 39 Euro.
Ein Stern Truffauts
Marie-France Pisier gestorben
Mit Golfbällen
gegen die Ölpest
Fukushima und Deepwater Horizon zeigen, wie planlos und
stümperhaft Katastrophenmanagement oft betrieben wird
Ein Held muss im Hinterhof bluten
Der Regisseur, Produzent und Schauspieler Barbet Schroeder wird 70 Jahre alt
Zum ersten Mal werden die Grünen ein großes
Bundesland regieren. Die einstige Protestpar-
tei ist im Kern des Bürgertums angekommen.
Wie aber passen grüne Politik und grüne Le-
bensführung im heutigen Kapitalismus zusam-
men? Ist, wie nach der Baden-Württemberg-
Wahl an dieser Stelle behauptet wurde, „die
Stunde der Heuchler“ gekommen? Oder lässt
sich der ökologische Umbau mit Wohlstand
und Wachstum verbinden? Das SZ-Feuilleton
debattiert über Nachhaltigkeit, Zukunft und
grüne Werte – hier und im Internet unter
www.sueddeutsche.de/gruen
Gemalte Fotografien
Der Impressionist mit dem Kamerablick: Eine Ausstellung zeigt das Werk der Brüder Caillebotte
Ein Gemälde, dessen Perspektive und Quadrierung an eine Fotografie erinnern: „Les raboteurs de parquet“ von 1875. Foto: Alamy, Mauritius Images
Einmal drohte er, sich die Finger abzu-
schneiden: Barbet Schroeder. Getty
DIE GRÜNE
FRAGE
SZ-Serie, Teil 5
Im Golf von Mexiko sollten
Gummireifen helfen, in Japan
wird einfach das Meer verseucht
Der jüngere Bruder ahmte mit der
moderneren Technik
Gustavs Bildauffassung nach
Das ölzersetzende Mittel
Ceroxit ist ähnlich giftig
wie das Öl selber
Der Literatur-Nobelpreisträger Gün-
ter Grass hat ein Denkmal für die Göttin-
ger Sieben entworfen, das er zusammen
mit seinem Göttinger Verleger Gerhard
Steidl der Universität und der Stadt
schenken wird. Nach Angaben der Göt-
tinger Universität soll das Werk an die
sieben Göttinger Professoren um Jacob
und Wilhelm Grimm erinnern. Sie hat-
ten1837 gegendie Aussetzung des Staats-
grundgesetzes und die Ständeversamm-
lung durchKönig Ernst August von Han-
nover protestiert und waren daraufhin
entlassen worden. Das Denkmal soll am
28. April im Beisein von Grass vor dem
Zentralen Hörsaalgebäude der Univer-
sität enthüllt werden. dpa
Aufbau-Verleger Matthias Koch hat
auf die Spekulationen zur Kooperation
mit Eichborn reagiert: Zwar habe der
Betriebsrat denKündigungenwiderspro-
chenunddenUmzug möglicherweise ver-
zögert, doch bleibe es dabei, dass der
Frankfurter Verlag nach Berlin verla-
gert werde, sagte Koch gegenüber dem
Branchenblatt buchreport. Obwohl es
zur engen Kooperation mit Aufbau keine
Sanierungsalternative gebe, so Koch,
würden jetzt aber auch wieder die Ge-
spräche mit anderen möglichen Koope-
rationspartnern aufgenommen. Zum 1.
Juni übernehme Aufbau wie vereinbart
den Flächenvertrieb von Eichborn. SZ
Und wieder ist es Vigàta, das siziliani-
sche Städtchen, das Schauplatz aller sei-
ner Romane ist unddas Andrea Camilleri
seinem Geburtsort Porto Empedocle
nachgebaut hat: Im Herbst 1929 schreibt
sich ein Neffe des äthiopischen Kaisers
Haile Selassie an der dortigen Königli-
chen Bergbauschule ein. Das faschisti-
sche Regime will den hohen Besuch pro-
pagandistisch ausschlachten, Mussolini
selbst wünscht einen Brief, in dem der
Prinz dem– so der offizielle Titel – „Negu-
se Negest“ von – damals noch – Abessini-
enmitteilt, wie perfekt undwie glücklich
doch die italienische Gesellschaft seit
der Revolution geworden ist. Also müs-
sen die örtlichen Institutionen alles tun,
um den Prinzen bei Laune und vor allem
bei Kasse zu halten.
Was nicht nur deshalb nicht ganz
leicht ist, weil Vigàta eigentlich pleite
ist. Der junge Herr entpuppt sich näm-
lich als zunehmend maßlos und unbere-
chenbar. Sein Aufwand für Kleidung
und Mobiliar ist nicht einmal ansatzwei-
se so monströs wie sein sexueller Appe-
tit, der neben den Frauen des Städtchens
im Notfall auch vor den Männern nicht
haltmacht. Seine, nunja, archaischenEh-
renkodizes schockieren sogar den örtli-
chen Adelsklub, und seine Unverfroren-
heit schreckt am Ende nicht einmal vor
Mord zurück. Aber Befehl des Duce ist
nun mal Befehl des Duce. Also rotieren
in „Streng vertraulich“ Schulrektoren,
Polizeikommissare, Parteifunktionäre,
Bischöfe und Minister, auf dass der Brief
zustande komme, bevor die vielbeschwo-
rene faschistische Tugend vollständig in
sich zusammengebrochen ist.
Was nach einer Komödie voll absurder
Volten klingt, ist es auch. Andrea Camil-
leri ist vor allem für seine Krimireihe
rund um den Commissario Montalbano
und für seine historischen Romane be-
kannt, war aber vor einemrecht spätenli-
terarischen Durchbruch vor allem Thea-
ter- und Hörspielregisseur sowie Produ-
zent beim italienischen Fernsehen. Die
Eckdaten für seinen neuen Roman stellt
einverbürgtes Detail: Zwischen demers-
ten Italienisch-Äthiopischen Krieg und
Mussolinis Abessinienkrieg studierte tat-
sächlich einmal ein äthiopischer Prinz
an der Bergbauschule in Caltanisetta.
Wenn Camilleri in „Streng vertrau-
lich“ inhaltlich die Auseinandersetzung
mit Mussolinis Afrikapolitik aus „Der
zerbrochene Himmel“ fortschreibt, so
hatte er die Form schon im „Unschickli-
chen Antrag“ erprobt: In einer Mischung
aus Hörspiel und Briefroman kommen
die Beteiligten ausschließlich über Brie-
fe, quasi-szenische Dialoge und (fiktive)
Zeitungsausschnitte zu Wort. Der Leser
darf sich ranhalten beim Mitdenken,
denn der inzwischen 86-jährige Autor
collagiert in einem aberwitzigen Tempo.
Doch hat er dafür nicht nur das be-
kannte Vergnügen, stets mehr zu wissen
als die zunehmendverzweifeltenBeteilig-
ten, sondernliest aucheinige der geschlif-
fensten Komödiendialoge seit sehr lan-
ger Zeit. Virtuos spielt Camilleri auf dem
uralten Motivarsenal der bürgerlichen
Komödie: Da sind das Geld, der Brief,
die Verkleidung, dagibt es die Heirat zwi-
schen Alt und Jung, den Konflikt zwi-
schen dekadentem Adel und morali-
schemBürgertumund amEnde sogar die
Flucht des jungen Paars. Sollten Theater
noch immer auf der Suche sein nach ei-
nem Roman, der sich sogar sinnvoll dra-
matisieren lässt: Hier ist er. Den Rest be-
sorgen die Wortexplosionen der grandio-
sen Übersetzerin Sigrid Vagt. Schade
nur, dass aus demdeutlichgenre-adäqua-
teren Originaltitel „Il nipote del Negus“
nicht einfach„Der Neffe des Kaisers“ ge-
worden ist.
Denn schließlich überschreitet Camil-
leris Humor gern alle Grenzen so maßlos
wie sein Protagonist: Der groteske Pria-
pismus des afrikanischen Gastes, den
hier natürlich alle den Neger nennen,
scheint so fröhlich politisch unkorrekt,
wie wenn das hässlichste Mädchen zu-
gleichdie einzige Emanze vonganz Vigà-
ta ist oder der schwule Sohn des deut-
schen Vorzeige-Nazis pausenlos mit
Selbstmord droht. Doch was innerhalb
der Komödienkonstruktion die Schär-
fung des Typus, erweist sich zugleich als
brillantes Spiel nicht nur mit den Vorur-
teilen von Vigàta, sondern zuletzt sogar
des Lesers. Denn der exotische Prinz, um
den sich hier alles dreht, wird in keinem
der Dialoge auch nur einen Satz spre-
chen, gerade von ihm, nach dessen Brief
alles lechzt, wird Camilleri uns keinen
einzigen lesen lassen.
Wie der sprach- und namenlose Gast
inPier Paolo Pasolinis „Teorema“ lädt er
gerade als Abwesender seine Umgebung
mit erotischen und allen sonstigen Span-
nungen auf, die sich zuletzt als deren ei-
gene erweisen. „Streng vertraulich“ ist
ein Schelmenroman, und exakt wie Eu-
lenspiegel verdreht der Äthiopier alle Er-
wartungen in ihr Gegenteil, indemer nur
allzu wörtlich tut, was man von ihm er-
wartet: ein Neger zu sein.
Sein allesfressender, allesvögelnder
Amoralismus erweist sich als abwesen-
des, als nihilistisches Zentrum einer mo-
ralinen Gesellschaft, die auch moralisch
pleite ist. Konsequent zielt Camilleris
Spiel von Sein und Schein auf die innere
Leere des faschistischen Getöses, auf die
scharfen Hierarchien hinter der Behaup-
tung von neuer Gleichheit, den monströ-
sen Bürokratismus der Zentralisierung,
das miserabel Inszenierte der Haupt-
und Staatsaktionen. Denn die allgemei-
ne Kriecherei und Schmeichelei, die ge-
wöhnlichen Schwindeleien und Betrüge-
reien, der Machismo und der Aberglau-
be: Sie sind das optimale Schmiermittel
für den Faschismus, aber zugleich auch
dessen kräftigste Feinde. Mit den Pro-
vinzlern von Vigàta ist, auch wo diese es
unbedingt wollen, nun mal kein Staat zu
machen.
Das sizilianische Kolorit von Camille-
ris Tinte erweist sich nicht nur als wider-
standsfähig, weil es in jedem seiner Ro-
mane auftaucht. IndemCamilleri denFa-
schismus sich an ihm brechen lässt,
strahlt gerade im Derben, Fetthaltigen,
Geruchsechtendieses Humors der huma-
ne Impetus auf underinnert mehr als ein-
mal an die theatralste und gleichzeitig
menschlichste der Parodien auf die Dik-
tatur: an Ernst Lubitschs „Sein oder
Nichtsein“. MICHAELSTALLKNECHT
ANDREA CAMILLERI: Streng vertrau-
lich. Roman. Aus dem Italienischen von
Sigrid Vagt. Nagel & Kimche im Carl
Hanser Verlag, München 2011. 262 Sei-
ten, 19,90 Euro.
Fast zeitlos wirken die Gedichte Nad-
ja Küchenmeisters. Sie entfalten ganz
persönlich und ohne Pathos in liebevol-
ler Feinmalerei die Erinnerung, die Kind-
heit, die kleinen Dinge des Alltags, die
ewigen Themen von Leben und Sterben,
Willkommen und Abschied, Liebe und
Einsamkeit – so klingt das vielstimmige
Lob, das die Kritik der 1981 in Berlin ge-
borenen Autorin spendet. Im November
2010 wurde ihr der „Mondseer Lyrik-
preis“ zugesprochen. Zu Recht.
Es ist schon erstaunlich, dass nach ei-
nem Jahrhundert radikaler Infragestel-
lung des individuellen Ausdrucks die
Herzen einemWerk zufliegen, das nichts
Neues, dies aber mit einer neuen Nuance
individueller Fühlsamkeit auszudrü-
cken scheint. Dass dies vielleicht nicht
die ganze Wahrheit ist, haben einige Kri-
tiker bemerkt und in widersprüchliche
Formulierungen einfließen lassen: sanft
unddochwagemutig, exakt unddochver-
träumt, traumleicht und realitäts-
schwer, beruhigend und verstörend.
Ist da mehr als ein poetisch entfalteter
individueller Gefühls-, Erlebnis- undEr-
innerungshaushalt? Theodor W. Adorno
hat 1957 in seiner Rede über Lyrik und
Gesellschaft eine Perspektive eröffnet,
die zuUnrecht immer mehr inVergessen-
heit gerät: wenn das lyrische Gedicht ge-
lungen ist, meint er, hält es „den ge-
schichtlichen Stundenschlag fest“. Ist er
hier zu hören?
Das erste Gedicht imKapitel „Sag nur
kein Wort“ setzt selber ein Wort in Sze-
ne: „Linoleum“. Jemand kommt in ein
leeres und schon länger verlassenes Feri-
endomizil. Mit dem Wort wird auch eine
Sache in Erinnerung gerufen, deren Ver-
schwinden eigentlich keinen Anlass zu
Klage und Trauer bietet. Aber das Wort,
das mit der Sache aus dem Sprachge-
brauch verschwand und selber völlig
wertlos ist, demonstriert im Gedicht
doch etwas, das man in Anlehnung an ei-
nen Fachausdruck aus der Finanzbran-
che ein „Verlustpotential“ nennen könn-
te. Erinnerung ist eine schmerzhafte Syn-
these von Verlust und Besitz.
Das Foto ist die exakte Materialisie-
rung dieser Synthese. Immer wieder fin-
den wir in den Gedichten Fotos, „ver-
blasste Bilder“: „der kuchenteller leerge-
fegt / und wieder gut gefüllt in deiner
hand, als farbaufnahme“. Eine subtile
Verlusterfahrung steht auch hinter den
sparsam eingestreuten poetischen Zita-
ten. Sie scheinen zu passen wie geerbte
Kleidungsstücke, und erst beim Anpro-
bieren zeigt sich ihre ganze Fremdheit.
Eduard Mörike, Rainer Maria Rilke,
Stefan George, Gottfried Benn, Volks-
liedschnipsel oder jenes „bitte nicht be-
rühren jetzt“, mit dem Christof Schlin-
gensief das Publikum seiner „Kathedra-
le der Angst“ verstörte, relativieren das
Persönliche. Auch manche sinnreich ge-
wählten Motti (z.B. Helga M. Novak:
„mein Herz aber wird zerfallen schade“)
prahlen nicht, sondern stellen die Ver-
ständnis- und Gefühlskapazitäten der
Leser auf die Probe.
Ihre eigene lyrische Sprache, die kunst-
volle Komposition von Motiven und
Klängen, mit hohen Erwartungen an
Vers und Strophe, ist wie eine Beschwö-
rung verlorener oder doch gefährdeter
poetischer Ausdrucksformen und damit
aucheines geistigen Lebensraums. Sogar
der „Verlust“ von etwas nie Besessenem
lässt sich imaginieren, ohne Trauer: Das
Winzerstädtchen Edenkoben stellt sich
der Berlinerin in alten Fotos vor: „war
ich auch vorher niemals hier / sprechen
die Bilder auf einmal zu mir. ein vogel im
rebstock / sieht jetzt her: wer ich an die-
sem ort geworden wär, höre / ich ihn
noch lange singen; und wünsch ihm eine
gute zeit.“ Die Welt wirdinder Perspekti-
ve des Verlusts erkennbar und hat damit
auch einen utopischen Wert.
Nadja Küchenmeister hat ihre Kind-
heit inder DDRundihre JugendundStu-
dienzeit im Lande der „Wende“ verlebt.
Auch das Linoleum, eigentlich so wenig
DDR-typisch wie ihre „Klammerbeutel“
und „Wäschestangen“, dürfte seine reale
Existenz dort gehabt haben , wo die Zin-
nowitzer Gartenbank stand. Aber hier ist
keine Spur von Ostalgie. Alles Erinnerte
gerät ins Verlustkalkül, und die DDR
wird ein Emblem des Verlusts.
Vielleicht haben Leserinnen und Leser
eine gewisse Scheu, das emblematische
Gewicht der DDR im öffentlichen Be-
wusstsein Deutschlands anzuerkennen,
wobei diese Scheu im Westen anders be-
gründet sein mag als im Osten. Aber dass
in den Äußerungen zu dem Gedichtband
so selten oder nur beiläufig das Thema
DDR erwähnt wird, wo doch mindestens
die Hälfte der Gedichte einen direkten
oder indirekten Bezug zu diesem Thema
herstellen, hat vielleicht doch mit dieser
Konstellation zu tun.
Ein ganzes Kapitel aus acht zehnzeili-
gen Gedichten in „Alle Lichter“ heißt
„briefe aus eggesin“. Der Name dieses
Städtchens, Garnison der NVA, gehört zu
den verlorenen Namen des öffentlichen
Bewusstseins. Die Gedichte gebensichals
Briefe eines Soldaten an seine Frau. Da
sie „für meinen Vater“ überschrieben
sind, darf mansichvorstellen, dass wirkli-
che Briefe das Material und vielleicht
auchdenironischenStil undGestus gelie-
fert haben. Es sind Rollengedichte, inkei-
ne Trauer, keine Melancholie getränkt,
und das läppische Garnisonsleben, selbst
bei der NVA, bekommt einenSinnals Ab-
bild einer im Voraus verlorenen Zeit.
Wie jedes der Gedichte ist „Alle Lich-
ter“ insgesamt sehr kunstvoll aufgebaut.
Die Motti spielendabei eine wichtige Rol-
le, besonders das erste mit seiner Härte:
„Es ruht keinAuge auf demSperling“ aus
dem autobiographischen „Jahr magi-
schenDenkens“ vonJoanDidion, das fast
ganz am Schluss ein Echo findet in dem
Gedicht „der Sperling“: . . . und dort am
randdes blickfelds stiegund/ sankder au-
gentrost, der sperling, in den tag. verzeih,
dass / ich ihm folgte, folgte, nur immer
folgte nach und nach.“
In einem Interview auf dieses Gedicht
angesprochen, hat die Autorin gesagt: Ja,
es ist die Verneinung des Glaubens anden
Gottvater, der nach dem Evangelisten
Matthäus oder besser nach dem Common
Book of Prayer noch den kleinsten Sper-
ling behütet – und das Bekenntnis zu ei-
nem radikalen Humanismus: „Deshalb
habe ich in dem Gedicht ,Der Sperling’
selbst die Rolle des Schauendenübernom-
men; wenn es schon keinen gibt, der dem
Sperling mit demBlick folgt, kann es we-
nigstens das lyrische Ich.“
Ein solches Ich zu proklamieren, ist ein
Wagnis, das einen Preis verdient. Wenn
dieser DichterindieWelt als Verlustpoten-
tials entgegentritt, so ist ihre poetische
Antwort dochkeine ästhetisierte Resigna-
tion. Fast ernüchterndbehauptet sie: „Ich
glaube, dass es eine Empfindsamkeit gibt,
diese Dinge auszuhalten oder umzuwan-
deln. Für michist es eine Möglichkeit, die-
se Abschiede oder diese Stimmungenaus-
zutricksen“ – eine tröstliche Frechheit.
HANS-HERBERT RÄKEL
NADJA KÜCHENMEISTER: Alle Lich-
ter. Gedichte. Verlag Schöffling & Co.,
Frankfurt am Main 2010. 104 S., 16, 90
Euro.
Das AlltagslebenamHof vonVersailles
zur Zeit der Herrschaft der beiden Nach-
folger des Sonnenkönigs Ludwig XIV. de-
tailliert zu ergründen, hat die Historiker
langenicht interessiert. Das jähe Endedie-
ses Treibens, das mit der Französischen
Revolution hereinbrach, trug entschieden
dazu bei, das traditionelle Bild, das den
Hof von Versailles als einen goldenen Kä-
fig beschrieb, zu konservieren. Wie jede
Manege hatte auchVersailles eine doppel-
te Funktion. Zum einen scharten sich in
ihr die Angehörigen des hohen Adels um
die Person des Monarchen. Diese Nähe
zur Krone bot dieGewähr dafür, Machtge-
lüste zu kontrollieren und durch dauern-
de Rangstreitigkeiten wie durch Konkur-
renz um die Gunst des Herrschers zu
neutralisieren. Zum anderen war dieses
durchdas komplizierte Uhrwerk des Hof-
zeremoniells ständiginBewegunggehalte-
neBallett der Höflinge undSchranzenun-
verzichtbar, um den Glanz der absoluten
Monarchie propagandistischwirksamzur
Geltung zu bringen.
Wie gut sich diese Absicht erfüllte, den
Eklat des Hofes als diplomatisch-politi-
sche Waffe zu gebrauchen, lässt sich noch
heute an den Millionen Besuchern able-
sen, die alljährlich nach Versailles strö-
men, umdie prächtigenKulissendes eins-
tigen Hoflebens zu bestaunen. Dessen
glänzende Aspekte, den die verschwende-
rische Gestaltung von Park und Gebäu-
deninüberwältigender Fülle dokumentie-
ren, sind schon oft geschildert worden.
Was bislang aber fehlte, war eine detail-
lierte, aus denQuellengearbeitete Darstel-
lungder Lebensumstände all jener, die un-
mittelbar zum Hof gehörten und die die-
ses en suite gegebene Schauspiel in Gang
hielten.
Diese Lücke wird nun durch die Mono-
graphie „Hinter den Fassaden von Ver-
sailles“ des amerikanischen Historikers
William Ritchey Newton geschlossen.
Newton ist ein vorzüglicher Kenner der
reichen Memoirenliteratur wie vor allem
auchder Archivbestände, die Auskunft ge-
ben über das durch viele Reibereien,
Zwänge und Einschränkungen geprägte
Lebenbei Hofe. Nachzwei Büchern, inde-
nen er Organisation, Finanzen und den
hierarchisch aufgebauten und in stetigem
Wandel befindlichen Stab der Domesti-
kenbeschrieb, schildert Newtonindensie-
ben Kapiteln seines neuesten Buches das
Alltagsleben am Hof von Versailles in
seinen profansten Aspekten.
Newton ist dabei nichts Menschliches
fremd. Die bisweilen katastrophalen
Wohnverhältnisse, die Verköstigung der
Bediensteten, die sichoft vondemernähr-
ten, was von den Tischen der über ihnen
Rangierenden abfiel, die ihrerseits sich
auf das stürzten, was vonder Tafel des Kö-
nigs oder der höheren Würdenträger ab-
serviert wurde, werdenvonihmanhandei-
ner Fülle von eindringlichen Zitaten und
farbigen Details ebenso geschildert wie
die völlig unzulänglichen sanitären Ein-
richtungen, die überquellenden Sicker-
gruben, die Nachtgeschirre, die einfach in
den Park oder die Höfe des Schlosses ent-
leert wurden und deren Ausdünstungen
die Luft verpesteten. Weitere Themen
sinddie inVersailles besonders problema-
tische Wasserversorgung, Heizung, Be-
leuchtung, Reinigung und die Wäsche.
Für das Privileg oder die Ehre, in einem
der Nebengebäude des königlichen Pa-
lasts zu leben, so ahnt man unter der Lek-
türeschnell, musstenkleine wie großeHin-
tersassen des Monarchen zahlreiche Op-
fer bringen. Wir erfahren von überfüllten
und düsteren Wohnquartieren, die, wenn
sie nicht eisig kalt, vom Rauch primitiver
Öfen erfüllt waren, die von den Bewoh-
nern installiert wurden und die eine
dauernde Brandgefahr darstellten.
VondiesenundanderenUnbequemlich-
keiten und Gefahren berichten zahlreiche
Beschwerden, dieandieLiegenschaftsver-
waltung adressiert sind, die ausweislich
ihres Schriftverkehrs in einem ständigen
Kampf begriffenwar, wenigstens die ärgs-
ten Gefahren und Missbräuche zu verei-
teln, deren ungezügelte Überhandnahme
das Risiko barg, den prächtigen Anschein
vonVersailles nachdrücklichzubeschädi-
gen. Je weiter jedoch das 18. Jahrhundert
voranschritt, desto weniger scheint dies
gelungen zu sein, wie die Schilderung des
schottischen Schriftstellers Tobias Smol-
lett zeigt, der das Schloss des Sonnenkö-
nigs 1763 besuchte: „Versailles wirkt
trotz der verschwenderischen Dekoration
trist. Die Appartements sind düster,
schlecht möbliert, schmutzig und eines
Fürsten wenig würdig.“
Das rapide Verblassen des einstigen
Glanzes, den Smollett registrierte, der bei
seinemBesuchnur die königlichenPracht-
gemächer, nicht aber die elenden Unter-
künfte der Dienerschaft besichtigte, hatte
eine Reihe von Ursachen, die von Newton
verschiedentlich benannt werden. So der
Umstand, dass die königliche Familie,
Brüder undSchwesterndes Königs mit ih-
rem Anhang immer zahlreicher wurde.
Das hatte zur Folge, dass die Hofwürden-
träger ihre bequemenundprestigeträchti-
gen Wohnstätten räumen und weniger
glanzvolleRäumlichkeitenbeziehenmuss-
ten, aus denen andere vertrieben wurden.
Die Hauptleidtragenden dieses Prozesses
waren die unteren und untersten Chargen
des Hofdienstes, die noch enger zusam-
mengepfercht leben mussten. Wegen des
sich stetig verschärfenden Geldmangels
der Krone war an die Errichtung neuer
Wohngebäude aber ebenso wenig zu den-
ken wie daran, die vorhandenen Quar-
tiere zu renovieren.
Gleichzeitig aber wuchsen vor allem
die Ansprüche der adeligen Hofleute an
Komfort und Luxus, die von der Krone
forderten, ihre Wohnungenmit neuengrö-
ßeren Spiegeln, doppelt verglasten Fens-
ternund schmucken Kachelöfen oder Ka-
minen auszustatten. Der Umstand, dass
die meisten dieser Ansinnen von der Ver-
waltung abschlägig beschieden wurden,
trug das Seine dazu bei, in den Jahren un-
mittelbar vor Ausbruch der Revolution
die in Versailles konzentrierte Adelselite
der Krone zuentfremden. Darüber jedoch
erfährt man bei Newton leider nichts, der
sichlediglichdarauf beschränkt, die Wün-
sche und Beschwerden des Hofadels mit
schönen Beispielen ebenso wie die ableh-
nenden Antworten darauf zu illustrieren.
Ebendas jedoch mindert die Qualität des
Buches entschieden, das trotz der Fülle an
exemplarischen Beispielen und auf-
schlussreichenZitatennur wie eine Mate-
rialsammlung anmutet, die sich in ihrer
Aufzählungwiederholt unddeshalbrasch
monotonwirkt. WennNewtonseinebenei-
denswert genauen Kenntnisse des ein-
schlägigen Archivmaterials dazu genutzt
hätte, den von ihm ausgiebig dokumen-
tierten verblassenden Glanz von Ver-
sailles für eine Erzählung der heraufzie-
henden finalen Krise des Absolutismus in
Frankreich zu verwenden, wäre ihm da-
mit ein bedeutendes historiographisches
Werk gelungen. Am meisten irritiert dar-
anjedoch, dass der Kompilator dieser Ma-
terialsammlung diese Chance, die er nicht
ergriff, gar nicht als eine solche wahrge-
nommen zu haben scheint.
JOHANNES WILLMS
WILLIAM RITCHEY NEWTON: Hinter
den Fassaden von Versailles. Mätressen,
Flöhe und Intrigen amHof des Sonnenkö-
nigs. Aus dem Französischen von Lis
Künzli. Propyläen Verlag, Berlin 2010.
240 Seiten, 22,99 Euro.
Göttinger Sieben
Günter Grass stiftet Denkmal
Eichborn, wohin?
Aufbau-Verleger Koch reagiert
Der Neffe des Kaisers
Andrea Camilleris neuer Roman ist eine bitterböse Komödie über den italienischen Faschismus und dessen Afrika-Politik
Linoleum im leeren Haus
Im Echoraum der Wendezeit: Nadja Küchenmeisters Gedichtband „Alle Lichter“ ist voll von Verlusterfahrungen – und ganz frei von Sentimentalität
Der Glanz verblasste
Einblicke in die Kulissen des Hofes von Versailles
Seite 14 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 Dienstag, 26. April 2011
LITERATUR
Der Blick des Sizilianers auf die Politik
Italiens: Andrea Camilleri. Foto: ROPI
Rodolfo Graziani, der italienische Vizekönig des 1935-1937 eroberten abessinischen Reichs, lässt sich von faschistischen Milizen und Kolonisten feiern. Foto: Scherl
„Die Appartements sind düster,
schlecht möbliert, schmutzig
und eines Fürsten wenig würdig.“
„der kuchenteller leergefegt /
und wieder gut gefüllt in
deiner hand, als farbaufnahme“
Die Wünsche des Hofadels
wurden nicht erfüllt – ein Grund
zur Entfremdung vom König
„und dort am rand des blickfelds
stieg und / sank der augentrost,
der sperling, in den tag“
Das Faszinierende aneiner Frauenzeit-
schrift ist ja, dass man sich beim Durch-
blättern unweigerlich die Frage stellt,
was um Himmels Willen in der nächsten
Ausgabe drinstehen könnte. In dieser ist
schließlich schon alles drin, was in so ein
Heft gehört: Die aktuelle Ausgabe der Jo-
lie aus dem Vision Media Verlag (Ma-
dame, Mädchen) zum Beispiel gibt
50 Antworten auf 50 Sex-Fragen, er-
klärt, wie aus einem One-Night-Stand
noch die große Liebe wird, und weiß Hil-
fe bei Haarproblemen.
Rundzwei DutzendFrauen- undande-
re Lifestyle-Titel gibt es Deutschland –
die Blättchen mit Geschichten über den
europäischen Hochadel nicht mitge-
zählt. Finden kann man in allen unge-
fähr das selbe: Mode, Kosmetik, Lebens-
beratung und Promis, teils durchmischt
mit ein paar aktuellen Reportagen.
Zum Segment gehört auch eine Hand-
voll Magazine für Männer wie der Play-
boy (Burda) oder GQ(Condé Nast), in de-
nen Ähnliches steht, deren Titelfrauen
aber weniger Kleidung tragen.
Der Markt der hochglänzenden
Magazinunterhaltung scheint in den ver-
gangenen 18 Monaten enorm gewachsen
zu sein. Alle paar Wochen flatterte ein
neues Produkt in den umkämpften Bal-
lungsraum. G+J brachte diverse Line-Ex-
tensions – das sind Markenableger – sei-
nes People-Hefts Gala heraus (Gala Men,
-Wedding und kürzlich -Kids). Burda er-
fand Freundin Donna, eine Version der
Freundin für ältere Frauen, und Cover,
ein Frauenheft klassischer Mischung.
Für Männer entwickelte G+J das Karrie-
remänner-Magazin Business Punk, und
man ergänzte den Späte-Jugend-Titel
Neon um Nido für die Neon-Leser mit
Nachwuchs.
Und dochzeigtendie vergangenenMo-
nate vor allemeins: Die Verleger sindvor-
sichtiger geworden ist.
Es gibt kein Segment im deutschen
Zeitschriftenmarkt, dessen Niedergang
in den vergangenen Jahren so laut und
wiederkehrend verkündet worden wäre
wie eben das der Frauen- und Lifestyle-
magazine. Rund um die große Anzeigen-
krise 2009 musstenzahlreiche Titel einge-
stellt werden. Von der Krise waren zwar
alle Mediensparten betroffen. Auf einem
Markt aber, auf dem so viele Verlage mit
Magazinenvertretensind – der Jahreszei-
ten Verlag (Für Sie), Bauer (Maxi), die
Klambt-Gruppe (Grazia), MarquardMe-
dia (Cosmopolitan), Condé Nast (Vogue),
Gruner + Jahr (Brigitte) oder Burda (El-
le) – und alle Magazine mehr oder weni-
ger das Gleiche bieten, wurde ausge-
siebt: Burda trennte sich 2008 von Max
und 2009 von Amica, G + J schon 2007
vonWomanund2008 vonder ansich ver-
heißungsvollen Park Avenue; Con-
dé Nast launchte 2007 eine deutsche, wö-
chentliche Version des US-Monatshefts
Vanity Fair undkassierte sie 2009 wieder
ein. Matador, ein Männerheft das Bauer
Verlags, erschien 2008 zum letzten Mal.
Marquard Media verkündete 2008, seine
Celebrity Style nicht mehr monatlich,
sondern nur noch zu besonderen Anläs-
sen zu produzieren. Für das Männerma-
gazin FHM fand die Bauer Group erst
kürzlich in All Type Media einen neuen
deutschen Lizenznehmer, nachdem Eg-
mont Ehapa Ende 2010 das Aus des Ma-
gazins verkündet hatte. Und das sind nur
die prominentesten Beispiele.
Dass die neuen Titel kein Zeichen für
einen Boom nach der Krise sind, zeigt
schon allein die Tatsache, dass jedes Ma-
gazin zunächst einmal nur versuchs-
weise an den Kiosk gebracht wurde.
„One Shots“ nennt Henning Ecker, Ge-
schäftsführer der Burda Style Group
das. Neue Hefte werden also mit einer
einmaligen Ausgabe am Werbe- und Le-
sermarkt getestet und nur bei Erfolg in
Serie geschickt. „Man geht heute nicht
mehr mit so einem Gebrause in den
Markt wie das Vanity Fair damals ge-
macht hat. Heute herrscht mehr kauf-
männische Vernunft bei solchen Versu-
chen.“
Volker Breid, Verlagsgeschäftsführer
bei G + J für Frauen, Familie und People,
hat noch ein anderes schönes englisches
Wort dafür: den „Soft Launch“. Ein,
zwei Hefte als Versuchsballons heißt das,
und dann „steigert man langsamdie Fre-
quenz“. Burdas Freundin Donna zum
Beispiel wurde indiesemMonat nachein-
jähriger Testphase in Serie (monatlich)
geschickt. Alley Cat dagegen, ein Erotik-
magazin für Frauen, auch von Burda,
kam über die Testausgabe nicht hinaus.
Auf dem Markt, so viel ist klar,
herrscht keine Verzweiflung, aber auch
keine Euphorie. „ImPeople/Frauen-Seg-
ment gibt es seit Jahren kein substantiel-
les Wachstum mehr“, sagt G +J-Mann
Breid. In der Anzeigenkrise 2009 seien
dem Markt eine Milliarde Euro verloren
gegangen, sagt Burda-Mann Ecker.
„Unddie sind auchnicht mehr zurückge-
kommen.“
Die neuen Magazine sind kein Zeichen
für enormen Aufschwung bei den Hoch-
glanzheften. Dass dennoch ständig neue
Titel gelauncht werden, muss wohl mehr
als Versuch verstanden werden, An-
schluss zu halten. Die Neueinführungen
der vergangenen zehn Jahre, sagt Breid,
machen rund 30 Prozent der derzeitigen
Auflage aus. „Wer also nichts Neues
wagt, verliert Marktanteile.“
Was bei den großen Verlagen, bei Gru-
ner + Jahr und Burda, derzeit passiert,
sind möglichst risikofreie Neuentwick-
lungen. Die zahlreichen Gala-Ableger,
aber auch Hefte wie Business Punk sind
Nischenprodukte mit einer kleinen, abge-
steckten Zielgruppe – mit keinen allzu
großen Einnahmeerwartungen, aber
auch keinen allzu großen Kosten.
Mit Vanity Fair und Park Avenue
scheiterten während der Krise zwei Ma-
gazine, die thematisch breit aufgestellt
waren, also zu den General-Interest-Ma-
gazinen zählten. Diese haben keine ein-
deutig definierte Zielgruppe, müssen ak-
tuell sein und regelmäßig erscheinen und
kosten viel Geld.
Die heutigen Hefte richten sich an
Bräute (Gala Wedding), Frauen über 40
(Freundin Donna), junge Eltern (Nido,
Gala Kids). Die Verlage prüfen bei Neu-
gründungen genau, „ob in dem jeweili-
genTeilsegment nochPlatz für einenneu-
en Titel ist“, sagt Henning Ecker. Platz
sieht man derzeit, bei Burda und G + J in
der Zielgruppe „Frauen über 40“.
Klar ist aber auch, dass der Magazin-
markt nicht in demMaße bedroht ist, wie
man das vor zwei Jahren noch befürchtet
hatte. Es wurden Hefte eingestellt, aber
einige haben sichgerade indiesen Jahren
sehr positiv entwickelt. Neon, eine Zeit-
schrift, die das Lifestyle-Heft nicht neu
erfand, aber für eine bestimmte Alters-
kohorte neu interpretierte, ist dafür ein
gutes Beispiel: 2003 kam es heraus und
wuchs beständig. Im ersten Quartal 2011
wurden 233 375 Exemplare verkauft.
Der Frauentitel Myself von Condé Nast,
der nun seit 2005 erscheint, steigerte sei-
ne Auflage von 220 779 auf zuletzt
303 408 Stück. Condé Nast Deutschland,
sagt Geschäftsführer Moritz von Laffert,
hatte 2010 das beste Jahr seiner Ge-
schichte.
Schwierig sind heute vor allem zwei
Teilmärkte: der junger Frauen und der
junger Männer. In allen Jugend-Berei-
chen kämpfen die Verlage gegen das Un-
terhaltungsangebot des Internet, wo
man Stars, Kleider und Kosmetik auch
kostenlos zu sehen bekommt. Auch des-
halbhaben die Verlage das Pocketformat
erfunden: Das große Heft wird auf halbe
Größe zusammengeschrumpft und billi-
ger verkauft. Von Jolie, die Vision Media
2009 von Axel Springer übernahm, wird
fast die komplette Auflage im Pocket-
format abgesetzt, die Zahlenstiegen kon-
sequent (zuletzt 372 923 Stück).
Besonders kompliziert ist der Magazin-
Markt für Männer, mit Matador, Max
und FHMwar er von der Krise besonders
betroffen. Im Herbst 2010 brachte nun
Burda die erste Instyle Men an den Ki-
osk. Es ist eine Antwort der Münchner
auf Gala Men, das bei G + J in Hamburg
erscheint. Die aktuelle Ausgabe der Män-
ner-Gala erklärt, warumKosmetik, war-
um Fitness total wichtig und dass der
Twilight-Star undMädchenschwarmRo-
bert Pattinson gar kein Weichei, sondern
ein ziemlich guter Typ sei. Das Männer-
magazin der Zukunft, so scheint es, sol-
lenvor allemdie Frauen kaufen. Auch ei-
ne Lösung. KATHARINA RIEHL
Zuletzt machte der MDR wegen zwei-
er Personalien von sich reden. Zumeinen
ist er in der ARD für den Kinderkanal
(Kika) verantwortlich und musste einen
Betrugsfall erklären, der auch in seiner
Höhe beachtlich ist, denn es geht umeine
Schadenssumme von 8,2 Millionen Euro.
Zum anderen setzte MDR-Intendant
Udo Reiter als Aufsichtsratschef der
mächtigenARD-Produktionstochter De-
geto Bettina Reitz (vormals BR) als neue
Geschäftsführerin durch. Reitz beginnt
im Mai mit ihrer Arbeit. Ihr Ziel ist es,
die für ein Massenpublikum gedachten
seichten Degeto-Filme in Unterhaltung
mit Qualität zu verwandeln.
Das wäre mal wirklich neu, und Neues
plant auchder künftige MDR-Chefredak-
teur Stefan Raue. Im Leipziger Funk-
haus soll, wenn Raue im November sei-
nenDienst antritt, tatsächlichdie Trime-
dialität betrieben werden, sagte jeden-
falls Reiter jetzt. In der gegenwärtigen
Struktur, die zwischen Hörfunk, Fernse-
hen und Internet streng trennte, sei viel
nebenher gelaufen, viel verschenkt wor-
den. Insofern habe sich eine große Chan-
ce eröffnet mit der anstehenden, altersbe-
dingten Verabschiedung der bisherigen
Verantwortlichenfür FernsehenundHör-
funk. Andere ARD-Anstalten hätten es
da schwieriger: „Wer einen jungen Chef-
redakteur im Sender hat, bei dem kann
das weitaus komplizierter sein.“
Mit Raue verbindet Reiter offenbar ei-
ne Art TV 2.0. Darin soll der Einsatz von
Videoreportern, sogenannten VJs, kein
Tabu mehr im MDR sein. SZ/dapd
Es gibt Fristen, von denen man zwar
nebenbei gehört hat, die man aber nicht
genau benennen kann. So eine Frist en-
det am 30. April 2012. Mit diesem Tag
wird das analoge Satelliten-Fernsehen
in Deutschland abgeschaltet, darauf ha-
ben sich alle TV-Sender verständigt.
Nun, also ein Jahr vorher, wollen sie eine
Informationskampagne starten, wollen
auf Vorteile der Umstellung auf digita-
lenSatellitenempfanghinweisen, etwaei-
ne bessere Bild- und Tonqualität sowie
mehr Programmvielfalt. Die ARDhat be-
reits eine entsprechende Internetseite ein-
gerichtet (ard-digital.de). Tatsächlich
sparen die Fernsehveranstalter auch
Übertragungskosten, manche wollen die
alten Kapazitäten allerdings nutzen, um
mehr in HD auszustrahlen als bisher.
Betroffen von der Abschaltung sind
nach einer aktuellen Umfrage des Mei-
nungsforschungsinstitutes TNS Infra-
test im Auftrag des Satellitenbetreibers
Astra 2,9 MillionenHaushalte. Wie Infra-
test ermittelte, kennen nur etwa neun
Prozent der betroffenen Haushalte das
Abschaltdatum, 43 Prozent der Befrag-
tengabenan, bisher nichts vonder Verän-
derung zu wissen. Insgesamt wurden
6000 Fernsehhaushalte in Deutschland
befragt. Astra versorgt derzeit 135Millio-
nen TV-Haushalte in Europa. SZ
Einmal möchte jeder Schauspieler ei-
nenSüchtigenspielen. Die Rolle des Dro-
gen- oder Alkoholabhängigen gehört bei-
nahe zumPflichtprogrammauf demWeg
zum Charakterdarsteller. Man will und
kann Abgründe zeigen und damit, was so
alles in einem steckt.
Manchmal ist das auch tragisch wie im
Fall von Harald Juhnke. In der Verfil-
mung von Hans Falladas Roman Der
Trinker spielte Juhnke 1995 grandios
auf, doch besonders interessant war für
sehr viele, ob Juhnke sein wahres Leben
preis gab, ob er da an einem Punkt ange-
kommen war, an dem ihm alles egal war.
Christiane Hörbiger, 72, ist anders un-
terwegs als Juhnke es war. Den Beweis,
komplexe Figuren darstellen zu können,
muss sie (Schtonk!) nicht mehr antreten
– imübrigen musste auch Juhnke das da-
mals nicht mehr. In Wie ein Licht in der
Nacht (Regie: Florian Baxmeyer; Buch:
Thorsten Näter) spielt sie die alkohol-
kranke Ruheständlerin Carla Binder.
Hörbiger sagt, es sei die „intensivste Rol-
le ihrer Karriere“.
Die Rolle ist intensiv. Hörbiger muss
sich von einer erfolgreichen Geschäfts-
frau in einen Haufen Elend verwandeln,
gewissermaßen. Es ist eine zunächst kom-
promisslose, authentische Darstellung
auf Grundlage eines guten Drehbuches,
das die größten Klischees auslässt und
ein realistisches Milieu zeichnet. Statt
die saufenden Underdogs zu thematisie-
ren, wird in die obere Mittelschicht ge-
blickt. Dort wird der gesicherte Lebens-
abend, der Altersluxus zur Falle.
Und das ist die Handlung: Als die Im-
mobilienmaklerin Carla Binder in den
Ruhestand geht, zeigt sich bald, wie ein-
samsie ist. Ihr früherer Ehemann (Fried-
richvonThun) ist seit Jahrenineiner neu-
en Beziehung, die Tochter wurde ver-
nachlässigt und hat mit Mama ab-
geschlossen, die so genannten „Freunde“
haben keine Zeit mehr.
Anfänglich füllt Carla Binder die Lee-
re mit Champagner, bald mit Wein, dann
mit Wermut und schließlich Cognac. Das
Getränke-Regal im Supermarkt ist ihr
Munitionslager. Die ständige Alkohol-
fahne wird mit Pfefferminzpastillen ge-
deckt. Fragen des Hausmeisters (Klaus J.
Behrendt), der als trockener Alkoholiker
merkt, was mit der Frau von nebenan ge-
schieht, werden mit Empörung und
Kleinreden abgewehrt.
Carla Binder entwickelt sich zu einer
virtuosen Schauspielerin, die vorgibt,
sich und das Alter imGriff zu haben. Ein
Hund wird schließlich angeschafft als
Mittel gegen die Einsamkeit, doch er
reißt bei der ersten Gelegenheit aus.
In der stärksten Szenen fährt Carla
Binder betrunken zum Flughafen, weil
ihre Tochter (Susanna Simon) wieder
nach Amerika zurückkehrt. Getrennt
durch eine Fensterscheibe im Terminal
verabschiedet sich die Mutter von ihrem
Kind, ohne Worte. Hier ist das Thema
auf seinen Kern verdichtet. Die Sucht
trennt die Welt, in der Carla Binder nun
wie hinter Glas gefangen ist, vom Leben
der Anderen. Es folgen der körperliche
und geistige Zerfall, die einst erfolgrei-
che Frau bricht zusammen.
Ein konsequentes Ende wie in Leaving
Las Vegas oder Requiem for a dream,
gibt es in der Produktion der öffentlich-
rechtlichen Kitsch-Schmiede Degeto na-
türlich nicht. In Degeto-Deutschland
gibt es immer Hoffnung, auch für Carla
Binder. Der Film gibt das, so wie er an-
gelegt ist, nicht unbedingt her. Das Bun-
desgesundheitsministerium informierte
imvergangenenNovember, dass 1,3 Milli-
onen Menschen in Deutschland alkohol-
abhängig seien. Doch im Ersten soll das
Millionen-Publikum nicht verstört wer-
den. Bezeichnenderweise werdenwichti-
ge Momente musikalischaufgeweicht. Ei-
ne Stille, in der das einzige Geräusch das
Glucksen der Flasche ist, aus der sich der
Alkoholiker einschenkt oder aus der er
trinkt, könnte ja die Quote vergiften.
HANNO RAICHLE
Wie ein Licht in der Nacht, ARD,
20.15 Uhr.
Aus drei wird eins
Von November an sollen auch VJs
zum MDR nach Leipzig finden
Alles digital
Umfrage: Viele wissen nicht, dass
analoges Satelliten-TV endet
Eine Welt hinter Glas
Ihre „intensivste“ Rolle – Christiane Hörbiger als alkoholkranke Frau im Ruhestand
Auf Nummer sicher
Ständig liegen neue Hochglanzmagazine am Kiosk aus. Von einem Boom der Branche kann trotzdem keine Rede sein
Dienstag, 26. April 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 15
MEDIEN
Eine Frau ist be-
ruflich erfolg-
reich. Dann hat
sie die Altersgren-
ze erreicht, plötz-
lich wird klar, wie
einsam und bin-
dungslos sie im
Privaten ist. Sie
beginnt zu trin-
ken, beginnt zu
lügen, doch am
Ende bleibt, wie
so oft im öffent-
lich-rechtlichen
Fernsehen, Hoff-
nung – anders als
so oft im Leben.
Christiane Hörbi-
ger spielt die
Alkoholkranke im
Ruhestand aller-
dings sehr echt.
Foto: Degeto/von
Schultzendorff
„Wer nichts Neues
wagt, verliert
Marktanteile“:
Dass ständig neue
Magazine ge-
launcht werden,
ist auch der Ver-
such der Verlage,
Anschluss zu hal-
ten. Die Neu-
einführungen der
vergangenen zehn
Jahre machen
immerhin rund 30
Prozent der derzei-
tigen Auflage aus.
Die begehrteste
Zielgruppe sind
gerade „Frauen
über 40“. Kompli-
ziert ist der Markt
der Männertitel.
Und wer junge
Menschen anspre-
chen möchte,
kämpft um eine
Generation, die
im Internet meis-
tens kostenlos
unterhalten wird.
Fotos: Condé Nast,
Gruner + Jahr,
Burda
Verantwortlich: Christopher Keil
„Man geht heute nicht
mehr mit so einem Gebrause
in den Markt“
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A
ls Mohamed ElBaradei im
Februar 2010 nach mehr als 30
Jahren in der Ferne erstmals wie-
der nach Ägypten zurückkehrte, wurde
er in der Ankunftshalle des Kairoer
Flughafens von einer großen Menge er-
wartet, die ihn zu seinemFriedensnobel-
preis beglückwünschte. Die Regierungs-
zeitungen hatten in den Vortagen dro-
hende Ankündigungen veröffentlicht:
Wer kein Flugticket habe, dürfe den
Flughafen nicht betreten, eine Demons-
tration sei nicht erlaubt, die Polizei wer-
de jeden festnehmen, der sich dieser An-
ordnung widersetze. Doch das kümmer-
te die Demonstranten nicht. Sie kamen
in Scharen und riefen ElBaradei dazu
auf, bei den nächsten Wahlen gegen Prä-
sident Hosni Mubarak anzutreten.
Das geschah nicht von ungefähr: Eini-
ge Monate zuvor, als ElBaradei noch in
Wien war, kurz vor dem Ende seiner
Zeit als Direktor der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEO), hatte er er-
klärt: Sofern das politische System
Ägyptens entsprechend geändert wer-
de, wolle er sich als Präsidentschafts-
kandidat aufstellen lassen. Es war das
erste Mal, dass ein Mann von großer in-
ternationaler Reputation, der zudem
von Mubarak mit Ägyptens höchster Eh-
rung, dem Nil-Orden, ausgezeichnet
worden war, Präsident Mubarak heraus-
forderte.
Die Regierung hat darauf ihr gemäß
reagiert: Zunächst ignorierten die Regie-
rungszeitungen ElBaradeis Erklärung,
nur um ihn wenig später als politischen
Anfänger zu brandmarken, der zu lange
abwesend gewesen sei, um noch als ech-
ter Ägypter zu gelten.
Im Lauf der Zeit wurde die Kam-
pagne schärfer: Man beschuldigte ElBa-
radei, während seiner Zeit bei der IAEO
ein iranischer Spion gewesen zu sein;
gleichzeitig habe er die Bush-Regierung
bei der Invasion im Irak unterstützt;
und außerdem sei er ein Heuchler, der
über Israels großes Arsenal an Nuklear-
waffen kein Wort verliere und sich da-
für umso eifriger den angeblichen Auf-
rüstungsplänen muslimischer Länder
widme. Kurz: ElBaradei wurde als die
Marionette einer höchst unwahrscheinli-
chen politischen Allianz dargestellt.
In Wirklichkeit war er ein Gegner des
Krieges gegen den Irak, dies auch dann,
als seine Behörde unter Druck geriet, sie
möge Beweise für Saddam Husseins
Nuklearprogramm herbeischaffen. Im
Hinblick auf Israel waren ihm die Hän-
de gebunden, weil Israel den Nuklear-
waffensperrvertrag nicht unterzeichnet
hat. Und was Iran angeht, so hatte er
den Eindruck, der Irakkrieg habe sei-
nen Eindruck auf Teheran nicht ver-
fehlt: Iran sei zu Verhandlungen über
sein Nuklearprogramm bereit, wenn die
internationale Gemeinschaft dem Land
in ökonomischen und politischen Fra-
gen entgegenkomme.
Rückblickend kann man sagen, dass
ElBaradeis jahrelange Arbeit bei der
IAEO ihn für die Diffamierungen, de-
nen er in Ägypten ausgesetzt wurde, gut
vorbereitet hatte: In „Wächter der Apo-
kalypse“ erzählt er unaufgeregt und ge-
nau von den stürmischen Verhandlun-
gen auf dem Feld der Nukleardiploma-
tie und von der kontroversen Rolle, die
er bei den Debatten über den Irak, Iran,
Libyen und Nordkoreas echte oder ver-
meintliche Bemühungen um die Atom-
bombe innehatte.
Die Bush-Regierung manipulierte die
Medien, sodass ElBaradei sich Vorwür-
fen ausgesetzt sah, er sympathisiere mit
den Diktaturen im Irak und in Iran.
Ja, es gab sogar Versuche, ihn seines
Postens bei der IAEOzu entheben. Wich-
tige Informationen wurden der Behörde
regelmäßig vorenthalten. Manche Ange-
hörige der Bush-Regierung hielten sich
bei diesen Obstruktionsaktivitäten eher
zurück: so etwa Außenminister Colin Po-
well und die Sicherheitsberaterin Con-
doleezza Rice, die 2005 das Außenminis-
teriumvon Powell übernahm. Dafür tra-
ten Vizepräsident Dick Cheney und
Staatssekretär John Bolton, der 2005
UN-Botschafter wurde, umso prominen-
ter in Erscheinung.
Ein Ereignis war besonders denkwür-
dig: Kurz vor einem Treffen mit George
W. Bush nahmVizepräsident Cheney El-
Baradei beiseite und erklärte ihm klipp
und klar: Sofern er die amerikanische
Haltung gegenüber dem Irak nicht un-
terstütze, werde die US-Regierung da-
für sorgen, ihn bei den Medien in Miss-
kredit zu bringen. Bush selbst hat ElBa-
radei als durchaus angenehmen Zeitge-
nossen kennengelernt – bei ihren Zusam-
menkünften unterhielten die beiden
sich auch über Baseball. Trotzdem ist
dieser der Meinung, dass der frühere
Präsident und seine Regierung sich vor
dem Internationalen Strafgerichtshof
verantworten sollten: wegen Kriegsver-
brechen und der Manipulierung der Er-
kenntnisse über Saddam Husseins an-
gebliche Massenvernichtungswaffen,
die als Kriegsgrund herhalten mussten.
Oftmals beschreibt ElBaradei die offi-
ziellen Funktionäre und Nuklearwissen-
schaftler aus Ländern wie Irak, Libyen
oder Iran mit Sympathie: Er hat bei vie-
len den Eindruck gewonnen, dass sie um
die Zusammenarbeit mit der IAEO ehr-
lich bemüht gewesen seien. Von ihren
westlichen Gegenspielern kann er das
nicht immer sagen, deren Argumente
ihm vielfach allzu sehr von ideologi-
schen Überzeugungen informiert zu
sein schienen.
Wer sich von diesem Buch auch eine
Autobiographie erhoffte, wird ent-
täuscht. ElBaradei notiert Gedanken
und Erinnerungen eines Diplomaten in
nuklear-politischer Mission. Als lang-
jähriger IAEO-Funktionär hat er viel
Respekt für die Organisation und ihre
Ziele: nukleare Abrüstung, die Beförde-
rung der friedlichen Nutzung der Kern-
energie, die Kontrolle der Verbreitung
von Atomwaffen. Gleichwohl gibt die
Darstellung eines Insiders, der die
Nukleardiplomatie zwei Jahrzehnte
lang begleitet hat (nicht alles, was er
schreibt, ist ganz neu), auch einen Ein-
blick in seine Weltanschauung.
Der Jurist ElBaradei hegt eine stille
Passion für Multilateralismus und die
Anwendung internationaler Gesetze. Po-
litische Hasardspiele sind ihmein Gräu-
el, nur imgeduldig verfolgten internatio-
nalen Dialog können Differenzen zwi-
schen den Nationen beigelegt werden.
Und wie seine Dankesrede anlässlich
der Verleihung des Nobelpreises zeigte,
glaubt er, dass Themen wie Abrüstung
und Armut nur dann vernünftig ange-
gangen werden können, wenn die Betei-
ligten sich zu grundsätzlichen Prinzipi-
en bekennen. Dazu gehört die Achtung
der je anderen Seite.
Der Begriff der „Würde“ ist ihm be-
sonders wichtig: Nationale Würde und
Nationalstolz betrachtet er als Schlüs-
selwörter im Umgang der internationa-
len Gemeinschaft (also: des Westens)
mit Staaten wie Nordkorea oder Iran.
Beide Seiten wollen ihr Gesicht wahren,
auf beiden Seiten gibt es Falken und
Tauben, psychische Eigenheiten und po-
litische Zwänge. Dies im Sinn, hat El-
Baradei auch die Vereinigten Staaten
mehrfach davon zu überzeugen gesucht,
nicht mit imperialer Arroganz zu agie-
ren und auf Ultimaten zu verzichten.
Selten hat man ihm zugehört.
Aus all dem kann man ableiten, wie
ElBaradei sich als Ägyptens erster de-
mokratisch gewählter Präsident verhal-
ten würde: Er würde den internationa-
len Ausgleich auf multilateraler Ebene
suchen. Sein besonderes Augenmerk gäl-
te der regionalen Diplomatie, die Bezie-
hungenzwischen Ägypten und Iran wür-
de er wieder auf einen normalen Stand
bringen. An Ägyptens übergroßer Nähe
zu den USA würde er nicht festhalten.
Er würde die USA um etwas mehr Zu-
rückhaltung ersuchen, und er wäre strik-
ter im Umgang mit Israel. Anders als ei-
nige seiner Konkurrenten ist er kein Po-
pulist und kein Radikaler. Er baut auf
internationale Institutionen und deren
Beamte.
Das ist nicht besonders aufregend,
und in der Tat ist Mohamed ElBaradei
selbst nicht gerade ein Charismatiker.
Nach der Propaganda, die gegen ihn ein-
gesetzt wurde, ist es derzeit zwar un-
wahrscheinlich, dass er Präsident Ägyp-
tens werden kann. Aber für ein Land,
das sich nach mehr Demokratie und Sta-
bilität sehnt, könnte er genau der Richti-
ge sein. ISSANDR EL AMRANI
MOHAMED ELBARADEI: Wächter der
Apokalypse. Im Kampf für eine Welt oh-
ne Atomwaffen. Aus dem Englischen
von Jürgen Neubauer. Campus Verlag,
Frankfurt a.M. 2011. 220 S., 24,90 Euro.
Der Journalist Issandr El Amrani ediert
die Website www.arabist.net. Er lebt in
Kairo. (Übersetzung: Franziska Aug-
stein.)
I
n den Zeiten der globalisierten Wirt-
schaft hat die Mafia neue Wege gefun-
den, Geschäfte mit der Gewalt zu ma-
chen. Es geht um Geld, Lust und Macht.
Weltweit sind rund 1,4 Millionen Frauen
undMädchenindie Sexsklaverei gezwun-
gen.
Die Journalistin Lydia Cacho hat re-
cherchiert, wie das abläuft. In Kam-
bodscha traf sie die junge Da, die als
13-Jährige von ihrer Familie nach Phnom
Penh geschickt wurde. Der Besitzer eines
Nachtclubs hat Da dann für 750 US-Dol-
lar verkauft, weil sie ihm allmählich zu
alt geworden war und die Besucher „fri-
sches Fleisch“ wollten. Da sagt, sie habe
Glück gehabt: „Es gibt Mädchen, die sie
schonmit sechs Jahrenholen. Ichwar we-
nigstens schon dreizehn.“ Da hat ein
Kind von einem Polizisten. Sie würde
gern ein Stück Land kaufen, um Reis an-
zubauen und die Tochter vor Menschen-
händlerninSicherheit zubringen. Der Po-
lizist sagt, wenn seine Tochter größer ist,
wolle er selbst sehen, obsie nicht dochzur
Nutte geboren sei.
Als Lydia Cacho nach diesem Ge-
spräch ins Hotel zurückkehrt, wirft sie
sich aufs Bett und weint. Einige Frauen
haben sie gefragt: Wie fühlt es sich an,
wenn man machen kann, was man will?
DieGeschichtendieser Frauenhat die Au-
torin aufgeschrieben. Es sind unglaubli-
che Geschichten von großer Grau-
samkeit. In ihrem Heimatland Mexiko
hat LydiaCachodie Zeugnisse minderjäh-
riger Opfer sexueller Ausbeutung veröf-
fentlicht. Sie wurde mit Klagen überzo-
gen und im Dezember 2005 von einer
GangvonPolizistenentführt. Der Gouver-
neur des mexikanischen Bundesstaates
Puebla hatte ihre Verhaftung selbst ange-
ordnet.
Das Buch hat zwei Teile: Der erste be-
steht aus Reportagen. Von der Türkei
geht es in ein Gebiet, in dem Prostitution
äußerst lohnend ist: Israel/Palästina. In
Kambodscha undBirmasuchenvor allem
Europäer billigen Sex. In Argentinien
und Mexiko mischen die Behörden selbst
mit. Wo immer Soldaten stationiert sind,
floriert das Geschäft der Prostitution und
Zwangsprostitution besonders gut.
Der zweite Teil des Buches beschäftigt
sich systematisch mit Geldwäsche, dem
„Handwerk der Zuhälter“, der Mafia und
der Globalisierung. Fast überall auf der
Welt beträgt die Höchstsumme, die man
bar auf ein Konto zahlen kann, rund
10.000 US-Dollar. Aber daran hält sich
kaum jemand. Zur Not werden die Ge-
schäfte über mehr oder minder exotische
Steuerparadiese abgewickelt.
Anfang 2009 forderte die Finanzbehör-
de der USAeinige Schweizer Banken auf,
die Namen von Klienten preiszugeben,
die Steuern hinterzogen hatten. Natür-
lich taten die Schweizer Banken das
nicht. Warum auch? In Sachen Geldwä-
sche sind die USA groß. Das beste Bei-
spiel der jüngsten Zeit ist die Citibank.
Die Bankhatte für vier korrupte Politiker
Geldgewaschen. 80bis 100MillionenDol-
lar für Raúl Salinas, den Bruder des ehe-
maligen mexikanischen Präsidenten Car-
los Salinas; 40 Millionen für Asif Ali Zar-
dari, den gegenwärtigen Präsidenten von
Pakistan. Auchdas Geld, das die Verskla-
vung von Frauen einbringt, wird gewa-
schen. Es handelt sich nicht um Mini-be-
träge: Allein an der Ausbeutung von
50.000 minderjährigen Vietnamesinnen
in Kambodscha verdienen die Menschen-
händler 150 Millionen Dollar Euro pro
Jahr. RUPERT NEUDECK
LYDIA CACHO: Sklaverei. Im Inneren
des Milliardengeschäfts Menschenhan-
del. Aus demSpanischenvonJürgenNeu-
bauer. S. Fischer, Frankfurt a.M. 2011.
350 Seiten, 19,95 Euro.
Rupert Neudeck ist Vorsitzender des
„Friedenkorps Grünhelme“.
Hier sind zu sehen: Einige Beamte von der Internationa-
len Atomenergiebehörde auf dem Weg zu einer Inspekti-
on. Iranundder IrakhabenMohamedElBaradei, demfrü-
heren Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde,
die Arbeit nicht leicht gemacht. Wie seinen Erinnerungen
an seine Zeit als Atominspektor zu entnehmen ist, haben
die USA ihn aber mehr unter Druck gesetzt als alle soge-
nannten Schurkenstaaten. Unser Rezensent, der Journa-
list Issandr El Amrani, ist der Meinung, dass ElBaradei
kein Charismatiker sei, aber solide sowohl in moralischer
Hinsicht als auchin seiner diplomatischen Arbeit. El Am-
rani meint: So einen Regierungschef brauche Ägypten.
Welche Regierungschef die 175 Länder der Welt brau-
chen, in denenZwangsprostitutionpraktiziert wird, ist ei-
ne andere Frage. Lydia Cacho zeigt die Hintergründe des
Handels mit Frauen. aug / Zeichnung: Haderer
Wo Diplomaten nicht weiterkommen
Der Bürokrat vom Nil –
zu Größerem berufen
Mohamed ElBaradei beschreibt seine schwierige Arbeit
bei der Internationalen Atomenergiebehörde
Leckere Geschäfte
Lydia Cachos Reportagen über
Prostitution und Menschenhandel
Seite 16 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 Dienstag, 26. April 2011
DAS POLITISCHE BUCH
Der Jurist würde Ägypten gern
regieren. Derzeit könnte er der
Richtige für das Amt sein.
Mohamed ElBaradei wurde
verteufelt: Er sei ein Handlanger
der USA, Israels und Irans.
In Mexiko wurde die Reporterin
verhaftet, weil sie die Aussagen
Minderjähriger veröffentlicht hatte.
Cheney drohte: ElBaradei
müsse den Krieg gegen
den Irak unterstützen, sonst...
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Berlin – Der Chef der Bundesnetzagen-
tur, Matthias Kurth, sieht die Stabilität
der Stromnetze durchdas Atom-Morato-
rium der Bundesregierung nicht gefähr-
det und warnt vor Panikmache durch die
Energie-Industrie. Die Debatte umeinen
Blackout durchdas Abschalten der ältes-
ten Meiler zur Sicherheitsüberprüfung
werde „oft oberflächlich und interessen-
geleitet“geführt, sagte KurthSpiegel On-
line. Zwar habe die Sorge umdie Stabili-
tät der Netze einen berechtigten Hinter-
grund, die Art der Debatte sei aber nicht
hilfreich. „Jetzt in Panik zu verfallen,
bringt nichts“, sagte Kurth. Die Angst
vor Stromausfällen für die Interessen der
Stromkonzerne zu nutzen, sei nicht ziel-
führend. Sowohl technisch als auch
rechtlich gebe es zahlreiche Möglichkei-
ten, Kraftwerke anzuweisenundzu steu-
ern, umeinen Netzausfall zu verhindern,
sagte Kurth. „Nachallem, was unsere Er-
hebungen ergeben haben, sind die Effek-
te des Moratoriums auf die Netze be-
herrschbar“, stellte er klar.
Gleichwohl sei vorausschauendes Han-
deln nötig. So brachte der Behördenchef
die Verschiebung der Revision des Atom-
kraftwerks Brokdorf in Schleswig-Hol-
stein in die Debatte, umeinen Engpass in
Norddeutschland im Sommer zu verhin-
dern. Im Großraum Hamburg seien be-
reits die Meiler Krümmel und Brunsbüt-
tel wegen Reparaturen vom Netz, das
Atomkraftwerk Unterweser liege wegen
des Atom-Moratoriums der Bundesregie-
rung still. Sollte wie geplant der Reaktor
Brokdorf im Juni zur Revision herunter-
gefahren werden, sei die Netzstabilität
gefährdet, warnte er. Denkbar sei es da-
her, die Revision zu verschieben. Der an-
gepeilte Atomausstieg könne insgesamt
nur gelingen, wenn der Bau moderner
Kraftwerke, vor allemvon Gaskraftwer-
ken, beschleunigt werde, mahnte Kurth.
Die Bundesregierung strebt nach der Re-
aktorkatastrophe imjapanischen Fukus-
hima einen beschleunigten Ausstieg aus
der Atomkraftnutzung an und hat die äl-
testen Meiler zur Sicherheitsüberprü-
fung vom Netz genommen.
Kurth wandte sich auch gegen die Be-
hauptung, der Atomausstieg werde einen
dramatischen Preisanstieg zur Folge ha-
ben. „Die Auswirkungen des Moratori-
ums auf den Strompreis sind zurzeit
nicht dramatisch.“ Seriöse Berechnun-
gen zur Entwicklung in der Zukunft sei-
en derzeit noch nicht möglich. Der Bun-
desverband der Deutschen Industrie
(BDI) legte dagegen eine Untersuchung
vor, derzufolge der Strompreis bei einer
dauerhaften Abschaltung der acht ältes-
ten Meiler sowie einer Beschleunigung
des Atomausstiegs bis 2018 um fast ein
Drittel steigen würde. Bis 2020 kämen
auf die Stromverbraucher alleindurchei-
nenvorgezogenenAusstieg aus der Atom-
kraft Mehrkosten von insgesamt etwa
33 Milliarden Euro zu, heißt es in der
vom BDI verbreiteten Studie.
Die Europäische Investitionsbank
(EIB) hat unterdessen Unterstützung für
die Energiewende zugesagt. Vizepräsi-
dent Matthias Kollatz-Ahnen sagte der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die
Darlehen vor allem für Windkraftanla-
gen auf See und an Land sollten in die-
sem Jahr verdoppelt werden. „Ich gehe
davon aus, dass wir Ende 2011 eher bei
1,5als bei einer Milliarde Euro liegen, un-
ser Engagement wirdauf jedenFall deut-
lich steigen“, sagte Kollatz-Ahnen. SZ
Von Hans-Jürgen Jakobs
Es wirkt wie der klassische Konflikt.
Der eine will immer mehr Autos verkau-
fen, der andere erklärt, weniger Autos sei-
en „natürlich besser als mehr“. Der eine
träumt den Wachstumstraum, der ande-
re will grüne Mobilitätskonzepte. Der ei-
ne schwärmt vom kraftvollen 767-PS-
Motor, der andere spricht wie seine Par-
teifreunde indiesemFall voneinem„por-
nographischen Auto“. Matthias Müller,
seit einigen Monaten Chef von Porsche in
Zuffenhausen, und Winfried Kretsch-
mann, der sichinStuttgart anschickt, ers-
ter grüner Ministerpräsident der Re-
publik zu werden, trennen augenschein-
lich Worte und Welten.
Der Politiker hat nun per Interview
Grundsätzliches zumAutomarkt erklärt.
Zum ersten Mal nach der spektakulären
Landtagswahl in Baden-Württemberg
prallendie Wünsche der Grünen, der neu-
en Regierungspartei, mit den Ansprü-
cheneines der großenIndustrieunterneh-
men in der Region zusammen. Und was
für Porsche gilt, trifft auch für Daimler
oder Audi oder Bosch zu, allesamt Grö-
ßen dieses Autolandes: Der angestrebte
ökologische Umbau setzt der Ökonomie
einen neuen Rahmen.
Mit „Deindustrialisierung“, wie man-
che fürchten, hat das noch nichts zu tun.
Man kann Kretschmanns Credo auch so
verstehen, dass er die heimische Auto-
industrie zukunftsfähiger machen will.
Dass Autos gebaut werden, die leichtere
Materialiennutzenund die nur drei Liter
auf 100 Kilometer verbrauchen. Hier
könnte es schnell zum Verständnis mit
Porsche kommen: Schließlich ent-
wickeln die Schwaben derzeit einen neu-
en, extrem benzinsparenden Sport-
wagen. Wenn der vom Mutterkonzern
VWnachZuffenhausengeschickte Mana-
ger Müller wirklich, wie angekündigt,
statt heute 95 000 Autos schon in sieben
Jahren mehr als 200 000 Exemplare ver-
kaufen will, kommt er an solchen Kon-
zepten überhaupt nicht vorbei.
Am Ende wird beim grünen „Realo“
Kretschmann der übliche Ministerpräsi-
dentenstolz auf die heimischenIndustrie-
champions siegen. Auch er nutzt erst ein-
mal als Dienstfahrzeug jenen Daimler,
den noch sein Vorgänger bestellt hat. Die
großen Autofirmen sind es, die am Ende
für Arbeitsplätze und Steuern sorgen.
Weniger ist hier nicht mehr, da kann in
der Öffentlichkeit noch so sehr vom Ver-
zicht geredet werden. Wer an der Macht
bleiben will, braucht Wertschöpfung.
Man wird sich also arrangieren: Porsche,
Daimler und Audi machen, was sie ohne-
hin schon vorhaben, und setzen stärker
auf Ökokonzepte. Und die Grünen wer-
den mit ihrem Koalitionspartner SPDan
einem neuen Verkehrssystem arbeiten.
Alles andere ist Geplänkel, nach einer
Wahl, vor einer Regierungsbildung. Der
Wolfsburger Porsche-Mutterkonzern
VW ist im Übrigen von 1990 bis 1994 mit
einer rot-grünen niedersächsischen Lan-
desregierung alles in allem sehr gut zu-
rechtgekommen. Jürgen Trittin war da-
mals Minister für Bundes- und Europa-
angelegenheiten, und im Wolfsburger
Werk gingen die Lichter nicht aus.
Politisch lässt sich viel beeinflussen,
mittelbar über Steuern und Gebote auch
die Disposition der Autohersteller. Das
ist aber weniger die Sache der Bundeslän-
der, die vor allem über Kultur, Bildung
und Polizei direkt entscheiden und ihren
bundespolitischen Einfluss über den
Bundesrat geltend machen. Es ist auch
nicht so, dass Kretschmann im Auto-
geschäft über eine Landesbeteiligung
verfügt wie im Energiemarkt mit jenen
46 Prozent am Atomkonzern EnBW. Der
am Ostermontag vorgestellte Plan des
designiertenMinisterpräsidenten, mit öf-
fentlichen Investitionen jene Betriebe zu
fördern, die Zukunftsprodukte anbieten,
dürfte deshalb am Geschehen im Auto-
mobilgeschäft wenig ändern.
Eines aber ist sicher: Am Geschmack
der Konsumenten scheitert jeder politi-
sche Bekehrungsversuch. Es wird immer
Leute geben, die ein teures, ästhetisch
schönes Sportwagenmodell von Porsche
wählen, selbst wenn sie knapp 300 Stun-
denkilometer auf deutschen Autobahnen
kaum ausfahren können. Das hat auch
mit dem „Snob-Effekt“ zu tun, den der
Soziologe und ÖkonomThorstein Veblen
vor vielen Jahrzehnten beschrieben hat.
Wenn demnächst Matthias Müller und
Winfried Kretschmann, die Antipoden
aus demLändle, miteinander reden, wer-
den sie schnell feststellen: Damit können
sie gut leben. Dafür sind beide prag-
matisch genug. (Seite 19)
„Der Atomausstieg ist beherrschbar“
Matthias Kurth, Präsident der Netzagentur, wirft den Stromkonzernen Panikmache vor
Von Thomas Öchsner
Berlin – Sie sind Teil des deutschen Job-
wunders, und von Jahr zu Jahr werden es
mehr: In Deutschland gibt es einen Boom
der Minijobs. Immer mehr Menschen gel-
ten offiziell als „geringfügig entlohnte
Beschäftigte“. Sie verdienen nicht mehr
als 400 Euro und müssen keine Steuern
und Sozialbeiträge abführen. Die Bun-
desagentur für Arbeit (BA) zählte Ende
September 2010 gut 7,3 Millionen Mini-
Jobber. Das sind fast 1,6 Millionen mehr
als 2003, damals lockerte die rot-grüne
Bundesregierung die Regeln für diese Be-
schäftigungsform. Arbeitgeberverbände
und Gewerkschaften beobachten den
Ausbau der 400-Euro-Jobs jedoch mit
Sorge. Sie warnen vor Missbrauch oder
kritisieren staatliche „Fehlanreize“.
Die jüngsten Zahlen der Nürnberger
BAsindeindeutig: Jedes vierte Beschäfti-
gungsverhältnis ist inzwischen ein ge-
ringfügiges. Knapp fünf Millionen arbei-
ten ausschließlich als Minijobber. Mehr
als zwei Millionenhaben schoneine Stel-
le – und verdienen zusätzlich bis zu
400 Euro im Monat dazu. Bei diesen Ne-
benjobbern ist der Anstieg besonders
stark, ihre Zahl hat seit 2003 ummehr als
eine Million zugenommen (Tabelle). Das
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftli-
che Institut (WSI) in der gewerkschafts-
nahen Hans-Böckler-Stiftung sieht dar-
in eine „gravierende Fehlentwicklung“.
Der Staat stelle „ohne sachlichen
Grund“ Nebenjobber von Sozialbeiträ-
gen und Steuern frei. Zugleich habe sich
selbst während der Wirtschaftskrise die
Zahl der ausschließlichals Minijobber tä-
tigen Arbeitnehmer weiter erhöht. „Ein
Übergang auf eine Vollzeit- oder Teilzeit-
stelle mit mehr Stunden gelingt aber
selten“, sagt WSI-Arbeitsmarktforscher
Alexander Herzog-Stein.
Aus den Zahlen der Bundesagentur
geht hervor, dass vor allemimGroß- und
Einzelhandel, in Restaurants und Hotels
sowie im Gesundheits- und Sozialwesen
die 400-Euro-Jobs weit verbreitet sind.
ImHotel- undGastgewerbe hat sich zwi-
schen 2000 und 2008 die Zahl der Neben-
jobber um fast 500 Prozent erhöht. „Fast
jeder zweite Arbeitsplatz in der Gastro-
nomie ist inzwischen ein Minijob. Eine
ähnliche Relation gibt es auch in der Ge-
bäudereinigung“, heißt es in einer neuen
Studie des Instituts für Arbeit und Quali-
fikation der Universität Duisburg-Essen
für das Wirtschaftsministeriumvon Thü-
ringen. Die Forscher habendabei eingro-
ßes Problem ausgemacht: Auch wenn ge-
setzlich festgelegt ist, dass für Minijob-
ber die gleichenArbeitnehmerrechte gel-
tenwie für vergleichbare andere Beschäf-
tigte, wird dies häufig unterlaufen: „Die
Beschäftigtenwissen vielfach nicht, wel-
che Ansprüche sie haben, oder sie trauen
sich nicht, diese einzufordern.“ So bekä-
men im sächsischen Einzelhandel Mini-
jobber „zumTeil nur die Hälfte des Tarif-
lohns, üblicherweise kein Urlaubsgeld
oder Lohnfortzahlung im Krankheits-
fall“. Die Bezahlung sehr geringer Stun-
denlöhne sei dabei durch die Aufhebung
der Arbeitszeitgrenze von zuvor 15 Wo-
chenstunden begünstigt worden.
Annelie Buntenbach, Vorstandsmit-
glied im Deutschen Gewerkschaftsbund
(DGB), sagt: „Die Minijobs haben sich
als Irrweg erwiesen.“ Für viele Arbeitssu-
chende seiensie „eher eine Falle imNied-
riglohnsektor als eine Hilfe“. Vor allem
für Frauen hätten sich durch die Auftei-
lung von Arbeitsplätzen in Minijobs die
Eingliederungschancen verschlechtert.
„Minijobs werden zudem missbraucht,
um Schwarzarbeit zu verschleiern.“ Bei
der Kontrolle ließe sich nicht feststellen,
ob über die vereinbarte Arbeitszeit hin-
aus zusätzlich schwarzgearbeitet werde.
Dieses Problemgibt es auch bei denet-
wa 700 000 Hartz-IV-Empfängern mit
Minijob. Sie dürfen von den 400 Euro
160 Euro behalten. Um nachzuweisen,
dass einer von ihnen tatsächlich mehr
oder gar voll arbeitet, fehle es in denJob-
centern aber an Personal, sagt der Be-
zirksbürgermeister von Berlin-Neu-
kölln, Heinz Buschkowsky. Die Bundes-
vereinigung der Arbeitgeberverbände
(BDA) kritisiert bei den Regeln für die
Verdienstanrechnung „massive Fehlan-
reize“. Weil der Staat kleine Erwerbsein-
kommen begünstige, „ist es attraktiv,
Hartz IV nur mit einem geringen legalen
Hinzuverdienst zukombinieren, statt zü-
gig einen Vollzeitjob zu suchen“, sagt ein
BDA-Sprecher. Auch Albrecht von der
Hagen, Hauptgeschäftsführer des Ver-
bands „Die Familienunternehmer“, hält
dies für falsch. „Ein Arbeitsloser erhält
aus der KombinationHartz IVplus Mini-
job einen höheren Lohn pro Stunde als
mit einer Vollzeittätigkeit, die mit 1300
Euro brutto vergütet wird.“ Auch er for-
dert die Regierung auf, die Fehlanreize
zu beseitigen. Bei der jüngsten Reform
der Hinzuverdienstregeln 2010 hatte die
Koalition hier aber nichts geändert.
Dienstag, 26. April 2011 HBG Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 17
Kommentar
Spurwechsel
Auch ein grüner Landeschef muss sich mit der Autoindustrie arrangieren
Ärger imLand der Minijobber
Immer mehr Menschen werden geringfügig beschäftigt – Forscher warnen vor der Niedriglohnfalle
Meissners Strategen
WIRTSCHAFT
Politische Bekehrungsversuche
scheitern am
Geschmack der Konsumenten.
Guten Morgen an Bord, hier spricht Ihr Kapitän. Unser Reiseziel, Palma de Mallorca, haben wir mit Blick auf die angestrebte Energiewende storniert.
Als attraktive Alternative bieten wir Ihnen heute Paderborn. Cartoon: Dirk Meissner
Der Industriever-
band BDI droht
damit, dass Strom
deutlich teurer
wird, wenn der
vorzeitige Atom-
ausstieg kommt.
Davon könne kei-
ne Rede sein, hält
Netzagentur-Chef
Matthias Kurth
dagegen. Er warnt
vor Panikmache.
Foto: dpa
ausschließlich im Minijob tätig
Minijob als Nebentätigkeit
5,7
4,4
1,3
6,6
4,8
1,8
6,6
4,8
1,8
6,7
4,8
2,0
7,0
4,8
2,1
7,1
4,8
2,3
7,2
4,9
2,3
7,3
4,9
2,5
Minijobber in Deutschland
in Millionen, davon:
rundungsbedingte
Abweichungen SZ-Graphik; Quelle: Bundesagentur für Arbeit
08 07 06 05 04 2003 09 10
*
m
/
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D
ie amerikanische Notenbank Fe-
deral Reserve (Fed) hat auf die Im-
mobilien- und Finanzkrise in den
Vereinigten Staaten mit einer extrem
expansiv ausgerichteten Geldpolitik
reagiert. Nicht nur hat sie den Leitzins
innerhalb von eineinhalb Jahren von
5,25 Prozent auf nahe Null Prozent ge-
senkt, sondern auch die Finanz- und Im-
mobilienmärkte durch direkte Eingriffe
massiv gestützt.
Vor der Sitzung des Fed-Offenmarkt-
ausschusses – des Gremiums, das über
die Geldpolitik entscheidet – an diesem
Dienstag und am Mittwoch stellt sich
die Frage, ob die expansive Geldpolitik
noch angemessen ist, oder ob die Fed die
Märkte auf eine Kursänderung einstim-
men sollte. Denn zum einen ist die Null-
zinspolitik mittelfristig mit erheblichen
Risiken verbunden, und zum anderen
liegt der Höhepunkt der Finanzkrise,
der eine solche Politikrechtfertigte, hin-
ter uns.
Unserer Einschätzung nach ist der
Leitzins nahe Null nicht mehr angemes-
sen. Dies ergibt sich auch, wenn man die
sogenannte Taylor-Regel heranzieht,
die sich als ein Standardwerkzeug zur
Beurteilung der Geldpolitik einer Zen-
tralbank etabliert hat. Diese Regel be-
schreibt das angemessene Niveau des
Leitzinses unter anderemanhandder so-
genannten Produktionslücke, also dem
Verhältnis zwischen dem tatsächlichen
Bruttoinlandsprodukt und demProduk-
tionspotential.
Das Produktionspotential einer Volks-
wirtschaft kann man nicht beobachten,
es muss daher geschätzt werden. Derzeit
sind die Unterschiede bei den Schätzun-
gen erheblich. Mit einer besonders gro-
ßen Produktionslücke von 5,3 Prozent
rechnet die US-Behörde Congressional
Budget Office (CBO). Nur wenn man un-
terstellt, dass die amerikanische Wirt-
schaft tatsächlich immer noch so stark
unterausgelastet ist, lässt sich ein Leit-
zins von nahe Null rechtfertigen.
Daran sind jedoch erhebliche Zweifel
angebracht. So kommen internationale
Organisationen wie die OECD zu einer
deutlich niedrigeren Produktionslücke
(3,4 Prozent), andere Verfahren weisen
sogar eine noch geringere Unterauslas-
tung aus. Zwar weiß niemand, welche
Schätzung richtig ist. Gegen die Ein-
schätzung des CBOsprechenaber vor al-
lemzwei Dinge: Erstens lag demCBOzu-
folge das Bruttoinlandsprodukt in den
Jahren vor Beginn der Großen Rezession
etwa auf dem Potentialniveau; das er-
scheint unplausibel, denn in der Boom-
phase war es offensichtlich zu massiven
Übertreibungen auf dem Immobilien-
markt gekommen, mithinmuss eine nen-
nenswerte Überauslastung vorgelegen
haben.
Zweitens lassen sich die Schätzungen
und Prognosen des CBO nur schwer mit
den Ergebnissen der wirtschaftswissen-
schaftlichen Literatur in Einklang brin-
gen, die besagen, dass Immobilien- und
Finanzkrisen negative Auswirkungen
auf das Produktionspotential haben. Al-
les in allemscheint die Einschätzung des
CBObezüglich der Produktionslücke ei-
nen Extremwert in der Bandbreite der
verfügbarenSchätzergebnisse darzustel-
len. Wennsichdie Geldpolitikdaran ori-
entierte, wäre sie höchstwahrscheinlich
zu expansiv ausgerichtet.
Nimmt man hingegen andere Poten-
tialschätzungen als Maßstab, so wäre
derzeit ein Leitzins zwischen 1,5 und
2,0 Prozent angemessen. Es spricht also
vieles dafür, dass die Fedauf einenweni-
ger expansiven Kurs einschwenkt.
Vor diesem Hintergrund wäre es rat-
sam gewesen, die zusätzlichen Maßnah-
men zur quantitativen Lockerung der
Geldpolitiknicht durchzuführenundda-
mit zu beginnen, die Zinspolitik lang-
sam zu straffen. Allerdings hat die Fed
bereits angekündigt, im Rahmen der
quantitativen Lockerung bis Mitte des
Jahres Staatsanleihen mit einem Volu-
men von insgesamt 600 Milliarden Dol-
lar zukaufen. Zusätzlichhat sie kommu-
niziert, den Leitzins für einen längeren
Zeitraumauf demjetzigenNiveauzube-
lassen. An den Finanzmärkten wird dar-
unter in der Regel verstanden, dass sie
den Zins für zumindest ein halbes Jahr
unverändert lässt. Es wäre derzeit nicht
empfehlenswert, die bereits getroffenen
Ankündigungen zurückzunehmen, denn
andernfalls würde das Vertrauen in die
Fed sinken und die Märkte könnten ver-
unsichert werden.
Allerdings sollte die Fedkommunizie-
ren, dass sie von Herbst dieses Jahres an
beginnen wird, die Geldpolitik zu straf-
fen, sofern das die gängigen Indikatoren
weiterhin nahelegen. Zudem sollte sie
keine weiteren Maßnahmen zur quanti-
tativen Lockerung ergreifen, selbst
wenn die Arbeitslosigkeit nicht deutlich
zurückgeht. Es besteht keine akute Kri-
sensituation mehr, sodass eine allmähli-
che Rückkehr zur normalen Geldpolitik
angebracht ist. Das bedeutet: Die Zins-
politik sollte sich wieder an den Inflati-
onsaussichten und an der Konjunktur
orientieren. Dies sollte die Fedklar kom-
munizieren. Das wäre der beste Beitrag,
um den Risiken für die Preisstabilität
entgegenzuwirken.
Für die Fed steht viel auf dem Spiel.
Zwar steht sie unter großem öffentli-
chen Druck, Maßnahmen zu ergreifen,
umdie hohe Arbeitslosigkeit deutlich zu
verringern. Dies kann die Geldpolitik
letztlich jedoch nicht leisten. Mit ihrer
expansiven Politik riskiert die Fed viel-
mehr, dass die Inflation mittelfristig an-
zieht, wennbeispielsweise die Inflations-
erwartungen spürbar steigen. Auch be-
fördert sie ÜbertreibungenandenMärk-
ten, etwa bei Aktien und bei Rohstoffen,
die zu einer erneuten Krise führen könn-
ten. Das gilt besonders, weil eine zu lo-
ckere Geldpolitik in den USA nach dem
Urteil vieler Ökonomen bereits zu den
Übertreibungen an den Immobilien-
märkten, die mitverantwortlich für die
Finanzkrise waren, beigetragenhat. Da-
rüber hinaus wird die Glaubwürdigkeit
der Fed belastet, wenn sie den Eindruck
erweckt, sie nehme auf die hohe Staats-
verschuldung Rücksicht. Nicht nur die
amerikanische Finanzpolitik, auch die
Geldpolitik sollte ihren Kurs rechtzeitig
korrigieren, bevor die Märkte eine Um-
kehr erzwingen.
E
r war nicht nur ein Musikliebhaber.
Er war auch einer der einflussreichs-
ten Musikmanager. Und so konnte sich
Norio Ohga vor 30 Jahren diesen Wunsch
erfüllen: Beethovens neunter Sinfonie zu
lauschen, ohne Unterbrechung. Eine silb-
rig glänzende Scheibe brauchte es dazu.
Mit zwölf Zentimetern Durchmesser, für
74 Minuten, die bis dahinlängste Einspie-
lung von Beethovens Neunter. Ohne No-
rio Ohga, Amateur-Bariton-Sänger und
damals Sony-Chef, hätte es die Compact
Disc womöglich nie gegeben.
Seine Karriere bei dem japanischen
Unterhaltungskonzern Sony begann er,
der als Sohn eines wohlhabenden Holz-
händlers zur Welt kam und eigentlich
Opernsänger werden wollte, im Jahr
1953: Damals studierte Ohga Musik an
der staatlichen Universität von Tokio. In
einem Brief beschwerte er sich über die
schlechte Qualität von Tonbandgeräten,
machte gleich noch ein paar Verbesse-
rungsvorschläge – und beeindruckte die
Sony-Gründer Masaru Ibuka und Akio
Morita. Als Berater heuerten sie den
selbsternannten Ingenieur an. Ende der
sechziger Jahre führte Ohga die Verhand-
lungen mit CBS, die in die Gründung von
CBS/SonyRecords mündeten, demheuti-
gen Sony Music Entertainment. 1982
wechselte er an die Konzernspitze.
Und seine Leidenschaft für den guten
Klang sollte das Geschäft entscheidend
prägen: Anfang der achtziger Jahre
schloss sich der Sony-Konzern – der
auch schon den Walkman erfunden hat –
dem niederländischen Elektronikkon-
zernPhilips bei der Entwicklung der Mu-
sik-CD an. Sie sollte besser klingen als
Schallplatte und Kassette, und sie sollte
robuster sein. Den Dirigenten Herbert
von Karajan, mit demer befreundet war,
gewann Ohga als Werbebotschafter. Die
glitzernde Scheibe brachte neue Einnah-
men: Ob Beethoven oder Beatles – millio-
nenfach kauften sich die Menschen Mu-
sik, die sie auf LP besaßen, noch einmal
auf CD. Das Glück währte jedoch nicht
lange: Anfang der neunziger Jahre ka-
men die ersten CD-Brenner heraus und
ermöglichten Kopien ohne Klangverlust.
Wenig später folgte das MP3-Format.
Mit ihm ließen sich Musikdateien auf et-
wa ein Zehntel der CD-Größe reduzieren
und auch noch im Internet austauschen.
Bis 1995 blieb der ausgebildete Kon-
zertmeister Ohga an der Konzernspitze.
Er machte Sony internationaler und er-
oberte neue Felder: 1989 kaufte Sony für
3,4 Milliarden Dollar die Hollywoodstu-
dios Columbia Pictures. Trotz Gegenwin-
des im eigenen Unternehmen trieb Ohga
in den neunziger Jahren auch die Ent-
wicklung der Spielkonsole Playstation
voran, die 1994 auf den Markt kam und
später zu einem der Kerngeschäfte wur-
de. Zur gleichen Zeit musste der Mana-
ger auch seine größte Niederlage hinneh-
men: Mit seinem Videoformat Betamax
scheiterte er, während sich weltweit das
Konkurrenzformat VHS durchsetzte.
Schon 1990 kaufte Sony ein Grundstück
auf dem Potsdamer Platz in Berlin – für
seine Europazentrale. Zur Einweihung
des Sony-Centers dirigierte Ohga persön-
lich die Berliner Philharmoniker. Ge-
spielt wurde Beethovens Neunte.
AmSamstag starbNorio Ohga, der Va-
ter der CD, imAlter von 81 Jahren an Or-
ganversagen. Varinia Bernau
Von Ul ri ke Sauer
F
abrizio Palenzona sitzt unter einem
geschnitzten Kruzifix an seinem
Schreibtisch und gibt demFernseh-
sender RAI ein Interview. Der vollbärti-
ge Mann ist Vizepräsident des Aufsichts-
rats der italienischen Großbank Unicre-
dit, und die Fragen der Journalisten sind
unbequem. Aber Palenzona ist dennoch
gesprächig. Hemdsärmelig und gut ge-
launt nimmt er Stellung zu seiner „anstö-
ßigen Ämterfülle“ – er besetzt mehrere
Schlüsselpositionen in der italienischen
Finanzwelt. Zu Unicredit habe er über-
haupt nicht gehen wollen, sagt er.
Schließlich sei er Präsident der Provinz
Alessandria gewesen. „Meine Berufung
war die Politik“, erklärt der Christde-
mokrat. „Was verstand ich schon von
Banken? Ich war Brummifahrer“, koket-
tiert Palenzona. Selbstironie ist ein sym-
pathischer Zug des umgänglichen Auf-
steigers.
Die Szene spielte sich im vergangenen
September ab. Wenige Tage später brach-
ten die Aktionäre den damaligen Unicre-
dit-Chef Alessandro Profumo, den sie als
zu selbstherrlich empfanden, zu Fall.
Und der Drei-Zentner-Mann Fabrizio
Palenzona, der einst mit der Bank so gar
nichts am Hut hatte, wird zunehmend
zur starken Macht im Hintergrund. Er
vertritt die Turiner Sparkassenstiftung
CRT, die mit 3,7 Prozent zu den einfluss-
reichenitalienischenUnicredit-Aktionä-
ren gehört. Auch wenn das Aktienpaket
auf den ersten Blick eher schmal scheint:
Palenzona weiß seine Macht zu nutzen.
Erst entzog PalenzonaProfumo nachlan-
genJahreneiner gemeinsamvorangetrie-
benen Bankexpansion die Unterstüt-
zung. Danach führte er die Regie bei der
Nachfolgeregelung. Und dann kippte er
die Strategie von Unicredit.
Profumos Fixierung auf die Rendite
und sein Desinteresse an italienischen
Machtspielensinddamit passé. Das Dog-
ma der Wertsteigerung wurde aufgege-
ben, dafür betrachtet man nun gern Ge-
schäftsprojekte unter der Perspektive
einer italienischen Systemlogik. So prä-
sentiert sich am kommenden Freitag auf
der ersten Hauptversammlung der Post-
Profumo-Ära ein Geldinstitut, das die
Uhren zurückstellt und wieder in den
Mittelpunkt des Machtgefüges der italie-
nischen Wirtschaft drängt.
Palenzona füllt hinter Aufsichtsrats-
chef Dieter Rampl heute die Rolle eines
Schattenpräsidenten aus. Der frühere
HVB-Chef Rampl sei „der institutionelle
Paravent, hinter dem Palenzona sein
Tuch webt“, mokiert sich ein Mailänder
Finanzblatt. Die hartnäckig kursieren-
den Gerüchte über einen Abtritt Rampls
sindverstummt. Demweithinunbekann-
tenUnicredit-Manager Federico Ghizzo-
ni verhalf Palenzona zum Blitzaufstieg
an die Spitze.
Ghizzoni ist ein perfekter Anti-Profu-
mo, insofern er immer offen ist fürs Ge-
spräch. „Ich habe mein ganzes Berufsle-
ben auf den Dialog gesetzt“, sagt der
Bankchef. Das schätzt ein Vizepräsident,
der Profumos Alleingänge leid war. Pa-
lenzona spielt seine Stärken geschickt
aus. Er ist ein hervorragender Vermittler
und Verhandlungsführer – eben ein
Christdemokrat der alten DC-Schule. Er
ist kommunikativ, kompetent und tritt
gut vorbereitet auf. Sein Einflussbereich
geht weit über Unicredit hinaus. Ihm
traut man zu, im tief gespaltenen, skan-
dal- und krisengeschüttelten Italien ein
neues Machtzentrum zu errichten.
Palenzona wurde vor 58 Jahren in der
piemontesischen Kleinstadt Novi Ligure
geboren. Er studierte in Pavia Jura. Sei-
ne politische Karriere fing der Links-
katholik als Bürgermeister von Tortona
an, 1999 wählte man ihn zum Präsiden-
ten der Provinz Alessandria. Dass er dort
vom Regierungssessel direkt in den Auf-
sichtsrat der Mailänder Großbank wech-
selte, nennt er selbst „eine Anomalie“.
Am Lkw-Steuer saß der Jurist übrigens
nie. Er gründete vielmehr 1981 ein Kon-
sortium von Trucker-Firmen, das er bis
1995 leitete. Außerdemführte er 16 Jahre
denVerbandder italienischenFuhrunter-
nehmer, eine der mächtigsten Lobbys
des Landes.
Inzwischen fällt es Palenzona schwer,
all seine Ämter aufzuzählen. Es sind zur-
zeit wohl acht. Oft an Schlüsselstellen. In
denBlick gerät sein Posten imAufsichts-
rat der Mailänder Geschäftsbank Medio-
banca, traditionell ein Knotenpunkt der
eng verbandelten italienischen Finanz-
branche. Palenzona vertritt dort Unicre-
dit, die mit neunProzent die stärkste Ein-
zelaktionärin ist. Das ist nun wieder zu
spüren. Habe Unicredit zeitweise den
Eindruck erweckt, dass sie sich aus den
Angelegenheiten Mediobancas heraus-
halten will, „so wird dies nicht mehr pas-
sieren“, sagte Palenzona im März in ei-
nemInterviewmit demCorriere della Se-
ra. Auch die Mailänder Tageszeitung ge-
hört zu den Beteiligungen der Geschäfts-
bank. Das aber war nur einer der Grün-
de, warum Profumo bei Mediobanca
gerne ausgestiegen wäre. Palenzona da-
gegen nennt die Beteiligung an Medio-
banca „strategisch“ für Unicredit – wer
bei Mediobanca dabei ist, redet vieler-
orts mit.
Aber Palenzona bewegt sich nicht nur
in der Finanzszene. Die Industriellenfa-
milie Benetton setzte den schwergewich-
tigen Mann an die Spitze des Verbandes
der Autobahnbetreiber. Eine bessere
Wahl konnten die Eigentümer von Itali-
ens größtem Mautunternehmen Atlantia
nicht treffen. Palenzona verschaffte ih-
nen den besten Vertrag seit ihrem Ein-
stieg ins Autobahngeschäft. In Verhand-
lungen mit der Regierung sicherte er ste-
tig ansteigende Mautgebühren bis zum
Ende der Lizenz. Die Benettons machten
ihn gleich noch zum Präsidenten des rö-
mischen Flughafenbetreibers ADR – die
Rückkehr zu Dividenden ließ dort nicht
lange auf sich warten. Nun verhandelt
Palenzona in seiner Eigenschaft als Ver-
bandschef der Flughafengesellschaften
gerade mit dem Chef des römischen Re-
gierungsamts, Ex-Christdemokrat Gian-
ni Letta, über eine sukzessive Anhebung
der Flughafengebühren bis 2044. Einen
guten Draht hat er auch zu Finanzminis-
ter Giulio Tremonti. Palenzona, der milli-
ardenschwere Privatinvestitionen in Ita-
liens Infrastrukturen zusagen kann, ist
bei der Regierung des klammen Landes
sehr beliebt. Machtmenschen wie er erle-
ben in Italien heute Sternstunden. Der
Berlusconismus neigt sich dem Ende.
Das alte Machtgefüge gerät in Bewe-
gung. Wie bei einer Kettenreaktionstärk-
te der Aufstieg Palenzonas bei Unicredit
den Gegnern von Cesare Geronzi bei der
Triester Versicherung Generali den Rü-
cken. Ohne die Rückkehr von Unicredit
aufs Spielfeld der Macht wäre die Abset-
zung des 76-jährigen Geronzi als Auf-
sichtsratschef vor drei Wochen undenk-
bar gewesen. Palenzona beförderte als
Großaktionär vonMediobanca, die ihrer-
seits Generali kontrolliert, das Ende der
Geronzi-Ära.
Einen Markstein des Kurswechsels
setzten die Unicredit-Manager am
22. März. Die Bank stieg mit 6,6 Prozent
bei Italiens zweitgrößter Versicherung,
Fonsai, ein und rettete so das überschul-
dete Imperium von Salvatore Ligresti
vor dem Zusammenbruch. Damit sicher-
te Unicredit eigene Kredite und stoppte
die Avancen der französischen Groupa-
ma, die in Mailand die Gleichgewichte
beimRizzoli-Verlag und bei Mediobanca
zugunsten des Franzosen Vincent Bollo-
ré verschoben hätte. „Mister 5 Prozent“
alias Ligresti ist imNetzwerkder italieni-
schen Wirtschaft gut positioniert. Nun
bekommt Unicredit de facto seine zahl-
reichen Beteiligungen in die Hand. Die
Liste liest sich wie eine Kopie der Antei-
le, die Profumo im Lauf der Jahre abge-
stoßenhatte. Mit demunpopulärenArgu-
ment, eine Bank sollte ihren Job machen
und nicht in den Unternehmen mitreden.
Forum
Zinsen hoch,
aber schnell
Die US-Notenbank Fed entscheidet am Mittwoch über ihre
Politik. Die Zeit des billigen Geldes muss ein Ende haben
Von Nils Jannsen und Joachim Scheide
Fabrizio Palenzo-
na bewegt nicht
nur die Unicredit,
sondern die
ganze italienische
Finanzszene. Der
schwergewichtige
Christdemokrat
sitzt aber auch an
anderen wichtigen
Posten. Zum Bei-
spiel ist er Chef
des Verbandes der
Autobahnbetrei-
ber und Präsident
des römischen
Flughafenbetrei-
bers ADR.
Und Palenzona
hat einen guten
Draht zu Italiens
Finanzminister
Giulio Tremonti.
Foto: Ropi
Dieter Rampl kommt nicht weg. Eigent-
lich hatte der deutsche Aufsichtsrats-
chef des Bankkonzerns Unicredit vergan-
genen Herbst ziemlich klar durchblicken
lassen, dass er an einen frühzeitigen Ab-
schied aus Mailand denke. Ihm hatte
nicht geschmeckt, wie sich Unicredit
nach dem Ende der Ära von Alessandro
Profumo neu orientierte. Doch seither
hat den Münchner immer irgendwas dar-
an gehindert aufzuhören. Und so wird
Rampl auch bei der Hauptversammlung
an diesem Mittwoch wohl nicht klarstel-
len, ob er das letzte Jahr seines Vertra-
ges in der Unicredit-Zentrale an der Piaz-
za Cordusio noch voll macht.
Bis jetzt lassen die Probleme der Uni-
credit Rampl nicht los. Die Bank steckt
seit fast einem Jahr im Umbruch. Erst
wollte Rampl sicherstellen, dass die
europäische Ausrichtung der Unicredit
unter demneuen Chef Frederico Ghizoni
nicht verloren geht; dann suchte er einen
Vorstand, der das Gewicht des Invest-
mentbanking in der Bank wahrt, nach-
demder Profumo-Getreue Sergio Ermot-
ti die Bank zur Schweizer UBS verlassen
hat. Noch ehe Rampl dafür den Franzo-
sen Jean-Pierre Mustier gewinnen konn-
te, hatte er das nächste Problem am
Hals: Libyens Machthaber Muammar al-
Gaddafi führte Krieg gegen sein eigenes
Volk, plötzlich hat Unicredit einen inter-
national geächteten Großaktionär.
Damit schließt sich ein Kreis. Die Tur-
bulenzen bei Unicredit begannen, als im
August 2010 bekannt wurde, dass Liby-
en seinen Anteil an der Bank auf 7,5 Pro-
zent aufgestockt hatte. Profumo hatte
den Aufsichtsrat um Rampl darüber
nicht informiert und bot damit den An-
lass für seinen von vielen ersehnten
Rauswurf. Dass sich die Beteiligung Liby-
ens jedoch so schnell zu einem gravie-
renden Problem für Unicredit ausweiten
würde, hätten sich damals wohl selbst
Profumos Gegner nicht ausgemalt.
Jetzt ruht die libysche Beteiligung.
Die Tripolis zustehende Dividende für
2010 liegt auf einem Sperrkonto. Doch
blockiert ist auch die Bank selbst: Ende
März wurde an den Märkten spekuliert,
Unicredit müsse sich wie andere italieni-
sche Kreditinstitute frisches Kapital be-
schaffen, um sicher durch den europäi-
schen Stresstest zu kommen. Zentral-
bankchef Mario Draghi und Finanzminis-
ter Giulio Tremonti drängten die Banken,
sich zu stärken. Weil aber unklar ist, wel-
che Rolle Libyen künftig noch als Aktio-
när der Unicredit spielen wird, dürfte
sich die Bank schwertun, die Märkte für
eine Kapitalerhöhung zu gewinnen. Laut
Financial Times sollen Draghi und Tre-
monti Unicredit bis Ende des Jahres Zeit
gegeben haben, um die Kapitalausstat-
tung zu verbessern.
Bankchef Ghizzoni hat nun 2011 zum
Jahr der Wende für Unicredit erklärt.
Eine Wende ist auch bitter nötig. Das
Italiengeschäft siecht dahin, die Aktie
hat binnen eines Jahres ein Viertel ihres
Wertes verloren. Ob Dieter Rampl die
Wende noch als Aufsichtsratschef er-
lebt, ist nicht ausgemacht. Martin Hesse
Ihm traut man zu, im
krisengeschüttelten Italien ein
Machtzentrum zu errichten.
Vater
der CD
Der frühere Sony-Konzernlenker
Norio Ohga ist gestorben
Joachim Scheide (links) leitet das
Prognose-Zentrum des Instituts
für Weltwirtschaft an der Universität
Kiel, Nils Jannsen ist dort Mitarbeiter.
Fotos: IfW
Das Jahr der Wende
Seite 18 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 Dienstag, 26. April 2011
WIRTSCHAFT
Nun bekommt das Institut
seine zahlreichen Beteiligungen
in die Hand.
Der Schattenpräsident
Fabrizio Palenzona ist der neue starke Mann der Unicredit. Er kippte die Strategie des Ex-Chefs Profumo und führt die Bank in Italiens Machtspiele zurück
Im Blickpunkt
Zentrale der Unicredit in Mailand:
An diesem Mittwoch lädt die Bank
zur Hauptversammlung. Foto: dapd
Norio Ohga, 1991. Foto: dapd
Lissabon/Athen – Portugal steckt tiefer
im Schuldensumpf als gedacht. Das von
einer Staatspleite bedrohte Euro-Land
korrigierte sein Staatsdefizit für 2010
überraschendauf 9,1 vonbisher gemelde-
ten 8,6 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Derzeit verhandelt Portugal über die Be-
dingungen für Hilfen seiner Euro-Part-
ner und des Internationalen Währungs-
fonds (IWF). Im Gespräch ist eine Sum-
me von bis zu 80 Milliarden Euro, die
demLand Zeit für Reformen verschaffen
soll. Das höhere Defizit dürfte die Bemü-
hungen erschweren, den Fehlbetrag 2011
auf 4,6 Prozent zu reduzieren. Als Grund
für die Korrektur nannte das Statistik-
amt Ine die volle Einrechnung vondrei öf-
fentlich-privaten Partnerschaften.
Über die Ostertage verdichteten sich
zudemHinweise, dass die griechische Re-
gierung eine „sanfte Restrukturierung“
der erdrückendenStaatsschuldenimEin-
vernehmen mit den Gläubigern erwägt.
Die Europäische ZentralbankEZBwarn-
te aber vor der Illusion, die Krise könnte
dadurch gelöst werden. Die Reformen
müssten weitergehen, sagte ihr Chef-
volkswirt Jürgen Stark: „Es gibt keinen
schmerzfreien Weg.“ Eine Etatkrise las-
se sich nicht mit einer einfachen Schul-
denreduzierung lösen. Die Regierung wä-
re dadurch voraussichtlich auf unabseh-
bare Zeit von den Märkten abgeschnit-
ten, ergänzte er. Außerdem würde das
Bankensystem an den Rand der Insol-
venz gedrängt. Für die Banken-Stabili-
sierung müsste sich das Land dann er-
neut schwer verschulden. Die einzige
Möglichkeit seienReformenunddie voll-
ständige Rückzahlung aller Schulden.
Vor genau einem Jahr hatte Griechen-
landSonderhilfenvon110 MilliardenEu-
ro zugesagt bekommen. Eigentlich soll
das Land 2012 an den normalen Kapital-
markt zurückkehren. Die weiter horren-
den Zinserwartungen von 15 Prozent für
zehnjährige Anleihen haben aber Zwei-
fel an dem mit dem IWF vereinbarten
Fahrplangeweckt. Expertenrechnendes-
halb mit einem Schuldenerlass. Reuters
Von Ol i ver Bi l ger
München– Der amWochenende gemelde-
te Sieg über die Regierungssoldaten in
der libyschen Rebellenhochburg Misrata
erwies sich wenig später als Irrtum. Und
auch an einer weiteren Front läuft der
Kampf gegen Muammar al-Gaddafi nur
zäh: Die globalen Finanzströme des Des-
poten sind schwer unter Kontrolle zu be-
kommen. Zwar haben die USA und die
Europäische Union in den vergangenen
Wochen bereits 60 Milliarden Dollar an
Investitionenundauf Bankkonten einge-
froren. Mehrere Länder scheuten sich je-
doch, die beschlossenen UN-Sanktionen
gegen Gaddafi und knapp drei Dutzend
Vertrauter undOrganisationen umzuset-
zen und deren Guthaben zu sperren, be-
richtet die US-Zeitung Los Angeles
Times. Darunter die Türkei sowie Kenia
und weitere afrikanische Länder.
Das Blatt beruft sich auf nicht näher
genannte Behördenvertreter der US-Re-
gierung, der Europäischen Union und
den Vereinten Nationen, die an der Su-
che nach demlibyschen Vermögen betei-
ligt sind. Wenig Eile sollen vor allemjene
Länder zeigen, die wirtschaftlicheng mit
Libyen verbunden sind. Und Staaten, die
keine politischen oder wirtschaftlichen
Verbindungen zu Tripolis haben, suchen
bislang erst gar nicht nachGaddafis Ver-
mögen, schreibt die Zeitung unter Beru-
fung auf Diplomaten. In einigen Fällen
könnte es Regierungen auch an techni-
schen Möglichkeiten fehlen, versteckte
Guthaben aufzuspüren.
Libyen könne noch immer über Geld
verfügen, das außerhalb der Reichweite
europäischer oder amerikanischer Behör-
den liege, sagte Victor Comras, der bis
vor wenigen Jahren mit der Umsetzung
von Sanktionen im US-Außenministeri-
um und bei den Vereinten Nationen be-
traut war. Gaddafi soll seit Beginn der
RebellionMitte Februar mehrere Milliar-
den Dollar zurück in die Hauptstadt Tri-
polis transferiert haben. Die genaue Sum-
me ist unbekannt.
Waren die ersten Gaddafi-Milliarden
schnell gefunden, hat sichdie Suche mitt-
lerweile verlangsamt. Zum Teil verber-
gen sich libysche Investitionen in Unter-
nehmen, die die Beteiligung nicht offenle-
gen. Daher ist dieser Besitz nicht als In-
vestment des Diktators auszumachen.
Gaddafi hat nach Angaben der Ermittler
seit demJahr 2006 mindestens fünf Milli-
arden Dollar allein in afrikanische Ölge-
sellschaften investiert, in Pipelines und
Raffinerien sowie in Telekommunikati-
onsunternehmen, Hotels und Immobi-
lien.
In Kenia soll das Geld des libyschen
Machthabers in der Öl- und Gasgesell-
schaft Libya Oil Kenya Ltd. stecken und
auch im noblen Laico Regency Hotel in
der Hauptstadt Nairobi. In Simbabwe
soll Gaddafi die Commercial Bank of
Zimbabwe finanzieren, außerdemsoll li-
bysches GeldindenTourismus undinIm-
mobilien geflossen sein. Experten rech-
nennicht damit, dass Gaddafis langjähri-
ger Verbündeter, Simbabwes Diktator
Robert Mugabe, das Vermögen des Liby-
ers einfrieren wird.
Auch die Türkei wolle ihre wirtschaft-
lichen Interessen bewahren, sagt Bülent
Aliriza, Türkei-Experte des Washingto-
ner Forschungsinstituts Center for Stra-
tegic and International Studies. Die tür-
kische Wirtschaft hat 17 Milliarden Dol-
lar inLibyen angelegt, umgekehrt hat Li-
byenauchgroße Investitioneninder Tür-
kei getätigt.
Die deutsche Bundesregierung hinge-
genhabe Vermögendes libyschen Macht-
habers inHöhe von sechs MilliardenDol-
lar, also 4,15 Milliarden Euro, eingefro-
ren, hieß es Mitte des Monats in Medien-
berichten. Ein Sprecher des Wirtschafts-
ministeriums wollte die Zahl nicht bestä-
tigen undsprach nur von „mehreren Mil-
liarden“. Eine Sprecherin des Auswärti-
genAmtes erklärte auf Anfrage: Deutsch-
land habe sich von Anfang an für harte
Sanktionen eingesetzt und erwarte de-
ren „strikte Umsetzung von allen Län-
dern“.
Dhaka – Friedensnobelpreisträger Mu-
hammad Yunus und die von ihm in Ban-
gladesch gegründete Mikrokredit-Bank
Grameen sind von Vorwürfen der Miss-
wirtschaft beim Umgang mit Hilfsgel-
dern entlastet worden. „Bei finanziellen
Transaktionen gab es keinerlei Unre-
gelmäßigkeiten“, sagte Finanzminister
Abul Maal Abdul Muhith am Montag in
Dhaka. Die Regierung hatte im Januar
Ermittlungen gegen Yunus eingeleitet,
nachdem ihm fragwürdiger Umgang mit
Geld der norwegischen Regierung und
anderer Geber vorgehalten worden war.
Yunus hatte bestritten, die für die Gra-
meen-Bank bestimmte Unterstützung in
Höhe von mehr als 65 Millionen Euro
zweckentfremdet zu haben. Ein Medien-
bericht aus Norwegen hatte die Ermitt-
lungen ausgelöst. Bei einer Untersu-
chung in Norwegen erwiesen sich diese
Vorwürfe später ebenfalls als haltlos.
Die Affäre hatte für Yunus weitreichen-
de Folgen. Bangladeschs Premierministe-
rin Sheikh Hasina nutzte die Gelegen-
heit, um ihm die Leitung der Grameen-
Bank zu entziehen, offiziell mit der Be-
gründung, dass er die Altersgrenze von
70 Jahren erreicht habe und damit zu alt
für den Job sei. Inoffiziell beglich sie so
eine alte Rechnung mit dem Nobelpreis-
träger, der vor einigen Jahrenselbst poli-
tische Ambitionen zeigte und damit der
Premierministerin in die Quere kam.
Trotz der Entlastung durch die Ermittler
wird Yunus nicht mehr an die Spitze der
Grameen-Bankzurückkehren. Der „Ban-
kier der Armen“ und die Grameen-Bank
waren 2006 mit dem Friedensnobelpreis
ausgezeichnet worden. SZ
Berlin/Stuttgart – Die deutschen Auto-
bauer sollten nachAnsicht des designier-
ten Ministerpräsidenten von Baden-
Württemberg, Winfried Kretschmann,
künftig weniger undnicht mehr Fahrzeu-
ge herstellen und exportieren. In Zu-
kunft müsse manMobilitätskonzepte ver-
kaufen und nicht nur Autos, sagte er der
Bild am Sonntag. „Dazu gehören Lau-
fen, Fahrradfahren, Autofahren, Eisen-
bahnfahren. Das müssen wir so klug ver-
netzen, dass man gut vorankommt und
die Umwelt schont.“ Die Automobil-
industrie in Baden-Württemberg müsse
sich wegen der Wahl eines Grünen zum
Ministerpräsidenten keine Sorgen ma-
chen. Sie müsse jedoch„Autos bauen, die
viel weniger Sprit verbrauchen“, forder-
te Kretschmann. Der Sportwagenherstel-
ler Porsche sieht darin keinen Grund zur
Besorgnis. Sportwagenseienper se effizi-
ent und umweltschonend, sagte ein Fir-
mensprecher. (Kommentare)
SZ: Herr Mandac, wie teuer ist es, ein
Warenhaus so zu führen, dass es ständig
auf der Höhe der Zeit ist?
Mandac: Warenhäuser müssen fünf
Prozent ihres Umsatzes investieren,
sonst verlieren sie schnell den Anschluss.
Für den Kaufhof heißt das bisher, dass
imDurchschnitt jedes Jahr eindreistelli-
ger Millionenbetrag in die Häuser ge-
steckt wird. Früher hat man sie gebaut
und musste zehn Jahre keine großartigen
Veränderungen vornehmen. Heute stel-
len sich häufig schon nach fünf Jahren
neue Herausforderungen.
SZ: Warum ist das so?
Mandac: Die Welt umuns herumdreht
sich immer schneller. Auch der Wettbe-
werb entwickelt stetig neue Konzepte.
Darauf müssen wir reagieren.
SZ: Ihr Rivale Karstadt will mit 75 Mil-
lionenEuro27 Häuser verschönern, inde-
nen in den vergangenen Jahren nur das
Nötigste investiert wurde. Was kann man
mit diesem Budget machen, außer viel-
leicht neu zu streichen und Rolltreppen
auszuwechseln?
Mandac: Sie werden verstehen, dass
ich unserem Wettbewerber nicht vorge-
ben möchte, wie er sein Geld zu investie-
ren hat. Aber neue Rolltreppen sind bei
diesem Budget normalerweise nicht
drin. Die Treppe an sich ist nicht so teu-
er, aber das Rein und Raus verschlingt
viel Geld. Als wir in unserem Haus am
Berliner Alexanderplatz neue Rolltrep-
penmontiert haben, ging das nur mit Hil-
fe eines Hubschraubers.
SZ: Wenn der Karstadt-Konzern nicht
das Budget hat, umseine Häuser wettbe-
werbsfähig zu machen – kommt er dann
bald wieder in Schwierigkeiten?
Mandac: Bitte haben Sie Verständnis,
dass ich zu unserem Wettbewerber
nichts sagen möchte. Ich halte die Her-
ausforderung jedoch für groß.
SZ: 2011 läuft der Sanierungstarifver-
trag bei Karstadt aus. Dannmuss das Un-
ternehmen wieder 50 Millionen Euro zu-
sätzlich an Personalkosten verkraften.
Ist es möglich, in kurzer Zeit eine solche
Summe zu erwirtschaften?
Mandac: Ich kann nicht für Karstadt
sprechen. Es wäre aber auch für den
Kaufhof eine langfristige Herausforde-
rung, ein solches zusätzliches Ergebnis
zu erwirtschaften.
SZ: Karstadt hat wenig Geld, und der
Kostendruck wächst. Da dürfte es nicht
lange dauern, bis das Thema einer Fusion
mit Kaufhof wieder aktuell wird.
Mandac: Die Ankündigung des Eigen-
tümers Nicolas Berggruen, das Unterneh-
men in drei Bereiche aufzuteilen, hat ja
bereits zu Diskussionen geführt, dass es
Karstadt langfristig in seiner jetzigen
Form vielleicht nicht mehr geben wird.
Es wird in der Warenhausbranche eine
Konsolidierung geben, davon bin ich fest
überzeugt. Und Kaufhof wird daraus ge-
stärkt hervorgehen.
SZ: Ist die Konsolidierung in Deutsch-
land nur ein Zwischenschritt zu größe-
ren europäischen Bündnissen?
Mandac: Auch grenzüberschreitende
Bündnisse halte ichfür möglich. Aber vie-
le große europäische Warenhauskonzer-
ne, ob in Spanien, Frankreich oder Itali-
en, sind in Familienbesitz. Und da ist die
Bereitschaft für Partnerschaften oft
nicht so stark ausgeprägt.
SZ: Müssen zunächst Karstadt und
Kaufhof zueinander finden, damit es
dann zu einem grenzübergreifenden Ver-
bund kommt? Oder kann es nicht auch
sein, dass zunächst einer von beiden den
Eigentümer wechselt?
Mandac: Es muss nicht zwingend zu-
nächst eine nationale Lösung geben, da-
mit die Konsolidierung auch grenzüber-
schreitend in Gang kommt. Ich halte es
aber für unwahrscheinlich, dass eineuro-
päischer Mitspieler Karstadt als Ganzes
übernimmt.
SZ: Aber für Kaufhof würde sich in
Europa ein Interessent finden?
Mandac: Kaufhof ist ein sehr attrakti-
ves Unternehmen, das für Investoren ge-
nerell interessant ist. Das muss nicht
zwingend jemand aus Europa sein.
SZ: Ihr Vertrag läuft bis Ende 2013.
Werden Sie die großen Veränderungen in
der Branche noch im Amt erleben?
Mandac: Ich bin davon überzeugt,
dass es bis Ende 2013 Veränderungen in
der Warenhaus-Landschaft geben wird.
Wie diese aussehen werden, kann ich
aber heute noch nicht vorhersehen. Da-
bei stehen wir ja nicht nur im Wettbe-
werbmit Karstadt, sondernauchmit vie-
len internationalen Ketten.
SZ: Ob Real, Media Saturn oder die
Cash & Carry-Märkte – kein anderes Un-
ternehmen im Metro-Reich hat im ver-
gangenen Jahr besser verdient als Kauf-
hof. Trotzdem sucht Metro einen Käufer
für die Warenhäuser, weil sie keinen Bei-
trag zur Internationalisierung leisten.
Wie lässt es sich arbeiten, wenn man
weiß, dass die Mutter einen loswerden
möchte?
Mandac: Wir konzentrieren uns bei der
Arbeit auf unser tägliches Geschäft. Für
Pläne und Absichten unseres Aktionärs
bin ich der falsche Ansprechpartner.
SZ: Der Kaufhof im Besitz eines Fi-
nanzinvestors – wie fänden Sie das?
Mandac: Die Frage unserer Eigentü-
merstruktur beschäftigt mich nicht – ich
konzentriere michauf unser tägliches Ge-
schäft. Kaufhof ist aber so aufgestellt,
dass er sich sowohl bei einem Finanzin-
vestor als auch bei einem strategischen
Partner bewähren kann.
SZ: Wie müssenWarenhäuser ihre Sor-
timente zusammenstellen, umauchinZu-
kunft Kunden anzulocken? Gehören Le-
bensmittel noch dazu? Einige Häuser ge-
ben gerade diese Abteilung auf.
Mandac: Als ich Ende der achtziger
Jahre zum Kaufhof kam, verkauften wir
in mehr als 80 Häusern Lebensmittel.
Heute gibt es nur noch 28 sogenannte
Gourmet-Abteilungen. Das ist oft eine
Frage des Platzes. Mit einer Lebensmit-
telabteilung von 300 Quadratmetern
lohnt sich das nicht.
SZ: Was hat außerdemkeinen Platz im
Warenhaus der Zukunft?
Mandac: Wir können bei Technikarti-
keln zum Beispiel nur schwer gegen Me-
dia Markt, Saturnoder andere konkurrie-
ren. Aber Hausgeräte, Zubehör und Mit-
nahmeartikel wie Wecker oder Föhne
werdenwir auchkünftig anbieten. Bei al-
len Sortimentsentscheidungen stellen
wir uns die Frage: Was bringt pro Qua-
dratmeter den höchsten Rohertrag?
Dann entscheiden wir – und das von
Standort zu Standort oft sehr unter-
schiedlich.
SZ: Was rücken Sie statt Lebensmit-
teln und Technik in die Regale?
Mandac: Vor allem Mode und Acces-
soires. Da wollen wir noch mehr bieten
als heute. Warenhäuser sind für viele
Menschen ein Erlebnisbereich. Sie kom-
menrein, wollenschauen, fühlen, verglei-
chenundentscheidensicherst dann. Des-
halb ist die Verweildauer größer gewor-
den. An Samstagen sind die Leute bis zu
zwei Stunden in unseren Häusern; wo-
chentags höchstens eine Stunde.
SZ: Im vorigen Jahr hat Kaufhof drei
Standorte aufgegeben; in diesemFebruar
wurde ein Haus in Leipzig geschlossen.
Wird es weitere Schließungen geben?
Mandac: Alle Häuser unterliegen einer
ständigen Überprüfung, wenn die Miet-
verträge auslaufen. Das ist ein ganz nor-
maler Vorgang. Aktuell sind aber keine
Schließungen geplant.
SZ: Wann steigt der Kaufhof ins On-
line-Geschäft ein? Das, was Sie bisher
im Internet bieten, ist kaum der Rede
wert. Es handelt sich um Aktionsartikel
und seit kurzem auch um Spielwaren.
Mandac: Wir bieten schon jetzt 15 000
Artikel in unserem Online-Shop an. Von
Herbst ansind wir dann auchmit Textili-
en online und bieten unseren Kunden ein
echtes Multi-Channel-Angebot.
SZ: Das heißt?
Mandac: Die Warenvielfalt in unseren
Filialen soll es auch im Online-Shop ge-
ben. Und wir wollen beide Vertriebswe-
ge vernetzen, so dass die Kunden die
Wahl haben: Sie können im Internet be-
stellen und die Waren nach Hause gelie-
fert bekommen oder in den Warenhäu-
sern abholen. Und sie können online ge-
kaufte Ware vor Ort umtauschen. Das
dürfte die üblichen hohen Retouren, die
demVersandhandel imModebereichSor-
genbereiten, reduzieren– undmehr Leu-
te in die Filialen locken. Das erhöht wie-
derum die Chance auf zusätzliche Ge-
schäfte.
SZ: Warum bestellen manche Leute
zehn Hemden, wenn sie nur eins kaufen
wollen, und schicken dann neun ausge-
packt zurück?
Mandac: Weil es sie nichts kostet und
weil es so einfach ist. Aber wenn sie die
nicht gewünschte Ware ordentlich ver-
packt zurückschicken, ist es ja noch
okay. Manche Kunden verhalten sich
nicht gerade vorbildlich. Sie schickenge-
tragene oder beschädigte Ware zurück.
Die könnenwir mitunter nur wegschmei-
ßen.
SZ: Dagegen lässt sich nichts machen?
Mandac: Nein, wir sind verpflichtet,
die Ware zurückzunehmen. Solche Din-
ge muss manbei der Kalkulationberück-
sichtigen.
SZ: Welchen Umsatz strebt Kaufhof im
Online-Geschäft an?
Mandac: In den nächsten Jahren stre-
ben wir mehr als 100 Millionen Euro an,
das sind etwa drei Prozent unseres heuti-
gen Gesamtumsatzes. Weitere, noch ehr-
geizigere Ziele stecken wir uns erst ein-
mal nicht. Denn es ist nicht einfach, eine
stationäre Organisation wie denKaufhof
auf online umzustellen.
SZ: Seit der Liberalisierung der Öff-
nungszeiten können die Ladenbetreiber
ihre Türen wochentags lange offenhal-
ten. Ihnen reicht das nicht – warum?
Mandac: Die Menschen wollen auch
am Sonntag einkaufen. Dann haben sie
Zeit, dannkönnensie die Familie mitneh-
men. Als Händler würde ich zwar nie-
mals jeden Sonntag aufsperren. Aber
wer will, sollte amerstenSonntagimMo-
nat sowie an allen vier Adventssonnta-
gen öffnen dürfen. Dafür könnte er bei-
spielsweise am Montag später öffnen
oder am Abend früher absperren.
SZ: Ein hübscher Plan. Aber es gab
schon viele solcher Ideen, die folgenlos
blieben.
Mandac: Bei diesem Thema wünschen
wir uns mehr Offenheit bei der Politik
und den Arbeitnehmervertretern. Wenn
der Laden dann öffnet, wenn die Kunden
es wünschen, kommt Geld in die Kasse –
und mit diesem Geld werden schließlich
auchdie Mitarbeiter bezahlt undArbeits-
plätze gesichert.
Interview: Stefan Weber
Viel hat sich geändert in den deutschen
Warenhäusern, seit Lovro Mandac, 61,
vor 17 Jahren die Führung von Kaufhof
übernommen hat: Hertie und Horten sind
ebenso von der Bildfläche verschwunden
wie Kaufhalle und Kaufring. Rivale Kar-
stadt versucht nach der Insolvenz gerade
einen Neuanfang. Kaufhof hat allen Stür-
men getrotzt. Aber jetzt sucht Eigentümer
Metro einen Käufer für die Kette. Mandac,
Sohn eines kroatischen Einwanderers, ist
sicher: Bevor sein Vertrag als Kaufhof-
Chef Ende 2013 ausläuft, werden die
Karten in der Branche neu gemischt.
Erdrückende
Schulden
Portugals Staatsdefizit ist noch
größer als bisher bekannt
Die schwierige Suche nach Gaddafis Vermögen
Der libysche Diktator hat sein Geld gut versteckt. Es fällt schwer, die Investitionen einzufrieren – auch weil manche Regierungen nicht so genau hinschauen
Vorwürfe gegen
Yunus sind haltlos
Kretschmann will
sparsamere Autos
Dienstag, 26. April 2011 HBG Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 19
WIRTSCHAFT
„Von Herbst an
sind wir
mit Textilien online.“
„Ich halte
grenzüberschreitende
Bündnisse für vorstellbar.“
Die Blaue Mo-
schee in Istanbul
gehört zum Welt-
kulturerbe. Doch
internationale
Diplomaten inter-
essieren sich im
Moment mehr
dafür, wie viele
Milliarden aus
Libyen in der Tür-
kei versteckt sind.
Foto: dpa
Friedensnobelpreisträger Muhammad
Yunus hat Grund zur Freude. F.: AFP
Kaufhof-Chef Mandac plädiert für flexiblere Öffnungszeiten. „Die Menschen wollen auch am Sonntag einkaufen. Dann
haben sie Zeit, dann können sie die Familie mitnehmen.“ Fotos: Metro
„Für Lebensmittel ist kein Platz“
Kaufhof-Chef Lovro Mandac über neue Sortimente, das Internet-Geschäft und mögliche Zusammenschlüsse von Kaufhaus-Konzernen
Frankfurt – Die VW-Tochter Audi will
die Zahl ihrer Mitarbeiter bis 2020 um
mehr als 20 Prozent erhöhen. „Imvergan-
genen Jahr haben wir weltweit 58 000
Menschenbeschäftigt. Bis Ende des Jahr-
zehnts dürften es 70 000 Beschäftigte
sein“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler in
einemInterviewdes Magazins Automoti-
ve News Europe. Allein in diesem Jahr
stelle Audi 1200 neue Mitarbeiter ein.
Der weltweite Audi-Absatz soll laut
Stadler indiesemJahr auf etwa 1,2 Milli-
onen Fahrzeuge von knapp 1,1 Millionen
im vergangenen Jahr steigen und dann
bis 2015 auf 1,5 Millionen. „Wer Audi
kennt, der weiß, dass wir an dieser Marke
nicht haltmachen wollen. Zumal wir
noch Wachstumspotential in Märkten
wie China, Russland, Indien, Südameri-
ka, aber auch den USA sehen.“ Reuters
Frankfurt – Der Autohersteller Daimler
steigt im aufstrebenden Schwellenland
Indien in das Geschäft mit Autofinanzie-
rungen ein. Nach Angaben vom Montag
erhielt der Stuttgarter Autobauer von
denörtlichenBehördeneine entsprechen-
de Genehmigung und will vom dritten
Quartal 2011 an Finanzierungen anbie-
ten. „Indien ist einer der am schnellsten
wachsenden Fahrzeugmärkte der Welt,
und der Daimler-Konzern hat hohe Er-
wartungen an diesen Markt“, sagte das
für die Region zuständige Vorstandsmit-
gliedder Daimler Financial Services AG,
Richard Howard. Der Konzern erwarte
eine große Nachfrage indemLand. In der
Aufbauphase sollten mehr als 50 Millio-
nen Dollar investiert werden. Das Ange-
bot soll auch Leasing und Versicherung
umfassen. Reuters
Tokio – Das Erdbeben in Japan bringt
den weltweiten Spitzenplatz des Auto-
bauers Toyota in Gefahr. Wegen der ge-
waltigen Produktionsausfälle droht der
Konzern in diesemJahr deutlich zurück-
zufallen und von dem amerikanischen
Hersteller General Motors (GM) unddem
deutschen Volkswagen-Konzern über-
rundet zu werden. Der Analyst Koji En-
dovonAdvancedResearchJapangeht da-
von aus, dass GM mit einer Produktion
von mehr als acht Millionen Fahrzeugen
den ersten Rang übernimmt, VW mit et-
wa sieben Millionen Autos zur Nummer
zwei wird und Toyota auf den dritten
Platz abrutscht. Damit hätte Europas
größter Autobauer Toyota schneller über-
holt als geplant. Ziel des Wolfsburger
Konzerns war bisher, die Japaner bis
2018 vom Thron zu stoßen.
Seit 2008 kannsichToyota auf die Fah-
nen schreiben, der weltweit größte Auto-
bauer zu sein. Im vergangenen Jahr ver-
kauften die Japaner 8,42 Millionen Au-
tos, GM 8,39 Millionen und Volkswagen
7,2 Millionen. Wegen fehlender Teile und
unterbrochener Stromversorgung kam
Toyota im März auf nur gut ein Drittel
der üblichen Produktion.
Von den Bändern der japanischen Au-
tobauer sind in deren Heimat wegen des
verheerenden Erdbebens und des darauf
folgenden Tsunamis imMärz weniger als
halb so viele Autos vom Band gelaufen
wie noch vor einem Jahr. Allein die Pro-
duktion bei Toyota lag in Japan im ver-
gangenenMonat mit knapp130 000Fahr-
zeugen 62,7 Prozent unter dem Ergebnis
imMärz vor einemJahr. Der Konkurrent
Nissan kamimselben Zeitraummit etwa
48 000 in Japan zusammengebauten Au-
tos im Vergleich zum Vorjahresmonat
auf ein Minus von 52,4 Prozent. Bei Hon-
da liefen mit etwa 35 000 Fahrzeugen im
März 62,9 Prozent weniger Autos vom
Band als noch vor einem Jahr.
Zu schaffen machen den japanischen
Autobauern vor allem Engpässe bei den
Zulieferfirmen in der nordostjapani-
schen Region Tohoku. Dort waren durch
die Naturkatastrophenzahlreiche Fabri-
ken von Zulieferern beschädigt oder zer-
stört worden. Toyota rechnet erst zum
Jahresende mit einer Rückkehr der Pro-
duktion auf ein normales Niveau. Rivale
Honda äußerte sich am Montag ähnlich
zu den Aussichten für die heimische Fer-
tigung. Bis Ende Juni werde diese sich
auf lediglich die Hälfte der ursprüngli-
chen Pläne belaufen.
Zudem könnten Korrosionsschäden
den Autobauer Nissan zu einem Massen-
rückruf in den USA zwingen. Bei insge-
samt 195 991 Geländewagen droht we-
gen Rost im schlimmsten Falle die Len-
kung auszufallen. Betroffen sind Nissan
Pathfinder der Modelljahre 1996 bis
2004 sowie das Schwestermodell QX4
der hauseigenen Nobelmarke Infiniti.
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde
NHTSA machte den Rückruf am Montag
öffentlich. Allerdings sollen nur jene Au-
tos in die Werkstatt, die in Bundesstaa-
ten mit einem harten Winter angemeldet
sind. Denn erst die Kombination aus
Schnee und Streusalz setzt der Lenkung
zu. Offenbar sind Hersteller und Behör-
den nach Toyotas Debakel umklemmen-
de Gaspedale sehr sensibel, was techni-
sche Defekte angeht. SZ
Toronto – Auf der Jagd nach begehrten
Bodenschätzenwill der kanadische Gold-
förderer Barrick den kanadisch-austra-
lischen Kupferproduzenten Equinox
übernehmen. Aufgerufen ist ein Preis
von 5,3 Milliarden Euro. Die beiden Sei-
ten seien sich handelseinig, teilten die
Konzerne in einer gemeinsamen Erklä-
rung am Montag in Toronto mit. Barrick
ist nach eigenen Angaben mit 25 aktiven
Minen die Nummer eins unter den Gold-
produzenten. Equinox betreibt im We-
sentlicheneine große Kupfermine imafri-
kanischenSambia. Rohstoffe sindeingu-
tes Geschäft. Vor allem China scheint
schier unersättlich. Equinox selbst war
Anfang des Monats ins Visier einer chine-
sischenFirma geraten. Aber auchder Be-
darf der Industriestaaten nach den Bo-
denschätzenist nachdemEnde der Rezes-
sion wieder deutlich gestiegen. Damit
steigen die Preise. Die Übernahme von
Equinox durch Barrick muss noch von
den Wettbewerbshütern durchgewun-
ken und von den Aktionären akzeptiert
werden. dpa
Von Gunnar Herrmann
Stockholm – Die passenden Handtücher
zur Hose, die Tischdecke zum T-Shirt,
denBadvorleger zumBH– beimschwedi-
schen Modehändler Hennes & Mauritz
(H&M) könnten solche Kombinationen
bald Wirklichkeit werden. Vor einigen
Wochen hat die Einzelhandelskette in
Frankfurt einen Laden für Heimtextilien
eröffnet, den weltweit achten seiner Art.
Mit „H&MHome“, wie das Projekt heißt,
will der Konzern nach den Kleider-
schränken nun auch die Wohnräume der
Deutschen erobern. Das könnte span-
nend werden: Der Markt für Heimtexti-
lien befindet sich derzeit im Umbruch.
Neben H&M kämpfen dort noch weitere
neue Akteure um einen Platz, darunter
der spanische Konkurrent Zara. Und bei
der Kissenschlacht trifft H&M auch ei-
nenalten Bekannten aus der Heimat: den
Platzhirschen Ikea.
Nach einer Statistik des Bundesver-
bands für Textileinzelhandel gaben die
DeutschenimJahr 2009 etwa 2,5 Milliar-
den Euro für Handtücher, Tischdecken,
Bettwäsche und ähnliches aus. ZumVer-
gleich: In Kleidung steckten sie etwa
zehnmal so viel Geld. Dieses Verhältnis
spiegelt sichauchindenH&M-Home-Lä-
den wieder. Die sind klein und manch-
mal einer größeren Modeboutique des
Konzerns angegliedert.
In der Stockholmer Fußgängerzone
Drottninggatan etwa finden sich Kissen-
bezüge und Duschvorhänge etwas ver-
steckt in einem engen Obergeschoss. Um
Ladenfläche zu sparen, ist der Shop nur
ein Ausstellungsraum – ohne Regale und
Wühltische. Zu jedem Produkt gibt es
stattdessen kleine Magnetplättchen, die
manauf eine Blechtafel heften kann. Die-
se gibt manander Kasse abundbekommt
die Ware kurz darauf aus dem La-
ger. Das spart Platz und soll die Kunden
wohl auch an den Versandhandel heran-
führen. Der Versand ist nämlich bislang
der von H&M bevorzugte Vertriebskanal
für Heimtextilien. Online und per Kata-
log kann man auch in Deutschland seit
2009 seine Bettbezüge bei der schwedi-
schen Modekette bestellen. Ähnliche An-
gebote gibt es auch in Schweden, Däne-
mark, Finnland, Holland, Österreich und
Großbritannien. Von Anfang an stand
beim Home-Projekt das Internet im Mit-
telpunkt. Medienberichtenzufolge erwei-
terte das Unternehmen sein Sortiment
vor zwei Jahren, um in Zukunft auch et-
was ältere Kundschaft an sich zu binden.
Nach dem Motto: Wer Badvorleger und
Duschvorhänge einkauft, der ist schonet-
was reifer und sesshafter.
H&M hat seinen Einstieg in das neue
Segment allerdings eher vorsichtig be-
gonnen. Der spanische Inditex-Konzern,
mit seiner Modekette Zara härtester
Wettbewerber für H&M im Kernge-
schäft, macht schon seit 2003 in Handtü-
cher und Vorhänge. Heimtextilien kann
man in Deutschland bereits in vielen Za-
ra-Läden kaufen. Hauptkonkurrenz für
die Newcomer sind wohl Ketten wie Das
Depot oder Butlers, die sich auf Einrich-
tung spezialisiert haben, und dann gibt
es natürlich die Möbelhäuser, die Wohn-
textilien gern in der Wühlzone vor der
Kasse anbieten.
Ebenso wie Zara geht auch H&M da-
von aus, dass Inneneinrichtung mindes-
tens so gut zu Modehändlern wie zu Mö-
belhäusern passt, weil ein Kunde, der
sich neu einkleidet, gern auch gleich sein
Heim ein wenig aufhübscht. Die H&M-
Designerin Evelina Kravaev Söderberg
erklärte das bei der Eröffnung des neuen
Ladens in Frankfurt so: „Die Vision des
Home-Konzepts ist es, auchMode ins Zu-
hause zu bringen. Textilwaren sind hier
vergleichbar mit Accessoires. Es muss
nicht teuer sein, das Zuhause zu verän-
dernoder neuzu dekorieren. Es ist so ein-
fach, Kissenbezüge undDeckenzu wech-
seln, um einen neuen Look zu kreieren.“
Vor allem der letzte Teil dieser Marke-
ting-Prosa erinnert dann doch sehr stark
an die Pressemitteilung, die der Möbel-
Gigant Ikea immer verbreitet, wenn er
neue Sortimente vorstellt. Auch Ikea
erklärt seinen Kunden schon seit lan-
gem, dass ein gutes Zuhause sich immer
in Umgestaltung befindet und ständig
mit neuen Stoffen, Duftkerzen, Lämp-
chen und Deckchen versorgt werden
muss. Bei der Bewältigung dieser großen
Herausforderung werden Modebewusste
wohl künftig aus mehreren Quellen
schöpfen können.
Tokio – Der Betreiber des japanischen
Atomkraftwerks Fukushima reagiert mit
Gehaltskürzungen auf den Umgang sei-
ner Manager mit der schwersten nuklea-
ren Katastrophe seit 25 Jahren. Tokyo
Electric Power werde die gesamte Entloh-
nung seiner Vorstandsmitglieder um die
Hälfte senken, teilte der unter massivem
öffentlichen Druck stehende Konzern
amMontag mit. Nicht nur die Vorstands-
ebene ist betroffen: Die Jahresgehälter al-
ler Mitarbeiter werdenum20 Prozent ge-
kürzt. Die Investmentbank JP Morgan
schätzt die Summe der gesamten Scha-
denersatzleistungen, die Tepco allein in
diesem Geschäftsjahr leisten muss, auf
knapp 17 Milliarden Euro. Noch in die-
ser Woche könnte der Konzern einen Re-
strukturierungsplan veröffentlichen, zu
dem nach Einschätzung von Experten
auchBeteiligungsverkäufe sowie der Ab-
bau von Stellen gehören. Reuters
Audi stockt Belegschaft auf
Daimler wird Finanzierer
Von Peter Burghardt
Buenos Aires – WennvonCarlos SlimHe-
lúdie Rede ist, geht es meist umsagenhaf-
te Summen. Seit 2010 setzt das Fachblatt
Forbes den Mexikaner an die Spitze der
Reichen-Weltrangliste – zuletzt wurde
ihmeinVermögenvon 74 MilliardenDol-
lar zugeschrieben, mehr als seinenVerfol-
gern Bill Gates und Warren Buffett aus
den USA. Sein Wohlstand hat viel zu tun
mit dem Telekommunikationskonzern
Telmex, den er 1990 preiswert vomStaat
erwarb und aus dem später die Mobil-
funkfirma América Móvil mit ihrer mexi-
kanischen Vertretung Telcel entstand.
Damit verdiente Slimals nahezuuneinge-
schränkter Marktführer, jetzt bricht er
auchals Büßer Rekorde: Mexikos Kartell-
amt CFC hat gegen Telcel eine Geldstra-
fe inHöhe vonmehr als elf Milliarden Pe-
sos verhängt, gut eine Milliarde Dollar,
mehr als 700 Millionen Euro.
Das Urteil spricht von „monopolisti-
schenPraktiken“. Telcel nutze seine Posi-
tion, um Rivalen unfair zu verdrängen,
das behindere den Wettbewerbundscha-
de den Verbrauchern. Außerdem verlan-
ge das Unternehmenvon denWettbewer-
bern bei der Verbindung zu Telcel-Kun-
den Gebühren, die teilweise sogar noch
höher als die Kostenfür das Gesprächsei-
en. Die Schäden betrügen laut CFC jähr-
lich 72 Milliarden Pesos, sechs Milliar-
den Dollar, berichtet die Zeitung El Uni-
versal. Damit spricht die Aufsichtsbehör-
de aus, was Nutzer und Konkurrenten
von Telcel bereits seit langer Zeit erle-
ben. Telcel kontrolliert 70 Prozent des
Handynetzes in Mexiko, Mutter Telmex
sogar 80Prozent des Festnetzes. Die Tari-
fe gehören zu den höchsten der Welt.
Geklagt hatten Widersacher wie Tele-
fónica, Axtel, Alestra und Mercatel. An-
gesichts der Anzeigen untersucht die
CFC bereits seit 2006 Telcel, einen Gold-
esel inSlims Imperium. Auchdie interna-
tionale OrganisationOECDhatte wieder-
holt gewarnt, Mexikos Monopolwirt-
schaft hemme die Entwicklung. In der
erst 18 Jahre langenGeschichte der mexi-
kanischen Wettbewerbskontrolle ist dies
der schärfste Schiedsspruch, die Höhe
der Strafe entspricht zehn Prozent der
Aktiva von Telcel, das ist das gesetzlich
festgelegte Höchstmaß. Das Kartellamt
erläuterte dies mit Schwere und Dauer
der verbotenen Praxis sowie mit dem
wirtschaftlichen Gewicht des Unterneh-
mens. Obendrein ist Telcel Wiederho-
lungstäter.
Den Magnaten Slim mit seinen
250 000 Angestellten wirft das nicht um.
Aber die Causa Telcel wirft ein Schlag-
licht auf sein Geschäftsmodell. Der Sohn
libanesischer Einwanderer übernahm
den vormaligen Staatskonzern Telmex
vor mehr als zwanzig Jahren, als die Re-
gierung des korruptionsverdächtigen
PräsidentenCarlos Salinas vonder Revo-
lutionspartei PRI Staatsbetriebe privati-
sierte. Der Schriftsteller Mario Vargas
Llosa nannte das Regime einst „die per-
fekte Diktatur“. Dank seiner schon da-
mals erstklassigenPolitkontakte undsei-
nes famosenInstinkts für Sonderangebo-
te bekam Slim weite Teile des Festnetz-
systems seinerzeit für lächerliche 1,8 Mil-
liarden Dollar. Längst hat sich der Wert
dieses wohl besten Kaufs der mexikani-
schen Wirtschaftsgeschichte verviel-
facht. Aus Telmex ging die Tochter Amé-
rica Móvil hervor, zu dem Konglomerat
gehören außer Telcel ebenfalls erfolgrei-
che Filialenwie Claro, dessenNetz inzwi-
schen fast ganz Südamerika überzieht.
Für Mexikos Telefonierer undInternet-
nutzer ist der 1940 geborene Slimseit ge-
raumer Zeit die entscheidende Größe.
Telmex und América Móvil sind Slims
Basis seines märchenhaften Aufstiegs
zur modernen Version von König Midas,
der alles zu Gold macht, was er anfasst.
Als Schnäppchenjäger ist der Kunst-
freund und Anhänger von Baseball-Sta-
tistikenansonstenbereits seit denachtzi-
ger Jahren erfolgreich. Seine Holding
Carso vereint Einkaufszentren, Restau-
rants, Banken, Baufirmen. KaumeinMe-
xikaner schafft es, einen Tag ohne Slim
auszukommen, besonders Telmex zählt
zu den Schwergewichten der Börse.
El Ingeniero, wie der Bauingenieur ge-
nannt wird, greift gewöhnlich zu, wenn
es dem Investitionsobjekt schlecht geht.
Slim sicherte sich in günstigen Momen-
ten auch Anteile bei Apple und der New
York Times. Als nächste Coups sind der
Großeinstieg in der Formel 1 geplant so-
wie der gesamte Erwerbder Anteile anei-
nem brasilianischen Satelliten. Ansons-
ten tritt der Witwer wie gehabt als Mä-
zen auf, hat ein neues Museum für seine
gewaltige Kunstsammlung eröffnet, ver-
teilt billige Laptops oder will gemeinsam
mit Bill Clinton der von Gewalt gepräg-
ten Stadt Ciudad Juárez beistehen.
Mexikanische Funktionäre und Ge-
richte hatten bis zuletzt wenig getan, um
ihn zu bremsen. Doch in den ähnlich um-
strittenen Fernseh-Riesen Televisa und
TVAzteca fander mächtige Herausforde-
rer. Slim will in deren Markt, Televisa
und TV Azteca wollen in sein Telefon-
reich. In diese Schlacht der Kolosse
platzt nun das spektakuläre Wettbe-
werbsurteil gegen Telcel. Slimhat 30 Ta-
ge, es anzufechten. Das Kartellamt will
weiter ermitteln.
Osaka – Der japanische Spielekonsolen-
Hersteller Nintendo kämpft gegen die
wachsende Konkurrenz von Smart-
phones und Tablet-Computern. Weil die
veraltetenModelle Wii undDSimmer we-
niger verkauft wurden, brachdas operati-
ve Ergebnis im abgelaufenen Geschäfts-
jahr um52 Prozent auf umgerechnet 1,43
MilliardenEuro (etwa 171 Billionen Yen)
ein, wie Nintendo am Montag bekannt-
gab. Nach den Katastrophen in Japan im
März halten sich zudem die Kunden mit
Käufen zurück. Für das neue Geschäfts-
jahr geht der Konzern lediglich von einer
leichten Erholung des Betriebsergebnis-
ses auf 175 BillionenYenaus undliegt da-
mit unter den Erwartungen des Marktes.
Um gegen die Konkurrenz etwa von
Apples iPhone und iPad anzugehen,
brachten die Japaner Ende Februar ein
neues, tragbares 3D-Gerät, das ohne Spe-
zialbrille auskommt, auf den Markt. Ei-
nen Nachfolger der Spielekonsole Wii,
über die sich die Figur mit dem Körper
steuern lässt, will der Nintendo-Kon-
zern, der auf diesem Feld mit Sony und
Microsoft konkurriert, im kommenden
Jahr herausbringen. Ein funktionsfähi-
ger Prototyp werde im Juni auf der Spie-
lemesse E3 in Los Angeles präsentiert,
kündigte Nintendo an. Kürzlich hatte es
bereits einige Medienberichte über Nin-
tendos Pläne gegeben. Demnach soll die
neue Konsole im Gegensatz zur bisheri-
genWii auchBilder inHD-Auflösung un-
terstützen. Die Konsole hatte Nintendo
an die Spitze in der Spielebranche kata-
pultiert. Bis Ende März wurden gut
86 Millionen Geräte verkauft. (Zwischen
den Zahlen) dpa/Reuters
Japans Autoproduktion bricht um die Hälfte ein
Erdbebenschäden könnten die Fabriken noch bis Jahresende blockieren – und Toyota um die Marktführerschaft bringen
Übernahme
bei Minenbetreibern
Tepco kürzt Gehälter
Milliardenstrafe für den Milliardär
Carlos Slim beherrscht mit umstrittenen Geschäftspraktiken die Wirtschaft Mexikos. Nun setzen ihm die Wettbewerbshüter erstmals Grenzen
Handy verdrängt
Konsole
Mit neuen Spielegeräten will
Nintendo seine Verluste abfedern
Von Vari ni a Bernau
Mit Videospielen lässt sich auch in
Zukunft noch viel Geld verdienen. Ob
dieses aber an traditionelle Spieleher-
steller wie Nintendo geht, ist ungewiss.
Je mehr Menschen ein Smartphone oder
einen Tablet-Computer in der Tasche
haben, desto mehr werden sie diese auch
zum Daddeln nutzen. Und desto weni-
ger werden sie bereit sein, für ein eige-
nes Gerät Geld auszugeben.
Technisch gesehen können die inter-
netfähigen Mobiltelefone inzwischen all
das, was einst nur die mobile Spielekon-
sole konnte. Den Inhalt schaffen Pro-
grammierer heran, die in der Entwick-
lung der vielen kleinen Zusatzprogram-
me für die Telefone, sogenannte Apps,
ein neues Geschäft wittern. In den USA
nutzt bereits jeder Zweite sein iPhone
und sein iPad zum Spielen. Kein Wun-
der, dass Nintendo jetzt Apple zum
„Feind der Zukunft“ erklärt hat. Die
aktuelle Bilanz gibt Anlass zur Sorge.
Zur Verteidigung setzt Nintendo auf
seine alten Stärken: Es soll einen Nach-
folger der bislang äußerst erfolgreichen
Wii geben. Und auch mit neuen mobilen
3D-Geräten verspricht sich das Unter-
nehmen, wieder bessere Geschäfte zu
machen. Das ist klug, weil diese Geräte
eine neue Spielewelt erschließen – und
damit zu einem Lockmittel werden,
selbst für diejenigen, die schon auf
ihrem iPhone spielen.
Seite 20 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 HF2 Dienstag, 26. April 2011
WIRTSCHAFT
Der Kunstfreund ist schon
lange als Schnäppchenjäger
erfolgreich.
In ihre Kleidung stecken
Deutsche zehnmal so viel wie
in die Dekoration ihres Zuhauses.
Ein H&M-Laden für Heimtextilien in Frankfurt: Die Schweden wollen nach den
Kleiderschränken auch die Wohnungen der Deutschen erobern. Foto: ecopix
Noch verkauft sich Nintendos Konsole
Wii gut. Aber immer mehr Menschen
spielen lieber mit ihrem iPhone. F.: AP
Helme schützen:
Carlos Slimbesich-
tigt eine Baustelle
einer seiner Immo-
bilienfirmen in
Mexiko Stadt. Der
Milliardär gebie-
tet über ein Kon-
glomerat von Un-
ternehmen, die die
Wirtschaft Mexi-
kos beherrschen.
Doch seine Ge-
schäftspraktiken
sind umstritten.
Nun verhängt die
Kartellbehörde
des Landes eine
Milliardenstrafe
gegen den reichs-
ten Menschen des
Planeten.
Foto: Bloomberg
Kissenschlacht
Hennes & Mauritz möchte jetzt auch die Wohnungen der Deutschen erobern und macht damit nicht nur Ikea Konkurrenz
Unternehmen
Zwischen den Zahlen
Mut zur
eigenen Stärke
Von Rei nhard Lückmann
Es geschah an einemMittwochmorgen
imApril 2011. Auf demGelände der Mes-
se Hannover heulten gegen 9.45 Uhr die
Sirenen, die Feuerwehr eilte zur Halle 6,
in der sich eine Rauchwolke ausbreitete.
Was zunächst als Großeinsatz auf der Ce-
bit begann, endete relativ entspannt. Ein
Kabelbrand hatte die Alarm-Maschine-
rie ausgelöst. Das Feuer konnte schnell
gelöscht werden. Für die Messebesucher
bestand keine Gefahr. Entwarnung auch
in Essen. Dort gingen während der Holz-
messe im Oktober vergangenen Jahres
Filterelemente der Hallen-Lüftungszen-
trale in Flammen auf. Die Verantwortli-
chen hatten die Lage ebenfalls schnell im
Griff. Die Evakuierung der Halle ge-
schah diszipliniert. Nach dem Löschen
des Brandes konnten Aussteller und Be-
sucher wieder zurückkehren.
Die Beispiele scheinen die Selbstein-
schätzung der Großmessen zu belegen,
dass sie, im Gegensatz zu einigen Event-
veranstaltern, in der Regel über ein gut
funktionierendes Sicherheitsmanage-
ment verfügen. Dennoch wird die Bran-
che schärfer kontrolliert. „Wir konnten
unmittelbar nach den Ereignissen in
Duisburg feststellen, dass die Behörden
bei allen Veranstaltern die bisherige Art
und Weise zur Planung und Durchfüh-
rungvonVeranstaltungenkritischhinter-
fragt und auf bisher vernachlässigte oder
unzureichendbehandelte Risikopotentia-
le überprüft haben“, sagt Andrea Gränz-
dörffer von der Messe Düsseldorf.
Auch beim Nachbarn Köln registrie-
ren die Verantwortlichen eine Verschär-
fung der Kontrollen. Messesprecher Gui-
doGudat sieht dies vonder positivenSei-
te: „Daraus schöpfen wir neue Erkennt-
nisse zu Sicherheitsanforderungen, die
in unsere Maßnahmen einfließen.“ Die
Messe stehe kontinuierlich zu jeder Ver-
anstaltung im Dialog mit der Bauauf-
sicht der Stadt Köln, der Berufsfeuer-
wehr und der Polizei.
Für Harald Kötter vom Ausstellungs-
und Messe-Ausschuss der Deutschen
Wirtschaft (Auma) ist es verständlich,
dass sich die Gesellschaften selbstbe-
wusst zeigen. „Für die Sicherheit von
Ständen gelten die technischen Richtli-
nien der Messeveranstalter, die Bestand-
teil der Verträge mit den Ausstellern
sind“, sagt der Geschäftsbereichsleiter
Öffentlichkeitsarbeit beim Auma. Die
Einhaltung dieser Richtlinien werden
vom Veranstalter während des Aufbaus
kontrolliert. Im Übrigen gebe es einen
deutlichen Unterschied zwischen Groß-
veranstaltungen wie Sportereignisse,
Konzerte und Messen. „Bei Messen sind
praktisch nie zu einem bestimmten Zeit-
punkt die Leute irgendwo räumlich fi-
xiert. Das ist ein fundamentaler Unter-
schied“, sagt Kötter.
Dennoch sollte auch die Messewirt-
schaft mehr Selbstreflexion betreiben,
findet JörgBeier, Professor ander Berufs-
akademie Ravensburg. Wichtig sei, das
Risikomanagement aus dem Projekt her-
aus zu betreiben. „Das heißt, ich muss
mir bei jeder Messe, bei jeder Großveran-
staltung Gedanken machen, was passie-
ren kann“, sagt Beier. Eine Begehung des
Areals reiche nicht aus. „Es bedarf eines
Risiko-Katalogs, in dem steht, wie mit
den verschiedenen Risiken umzugehen
ist“, sagt der Messeexperte. Externe
Dienstleister würden diese Analyse in
der Regel nicht bieten. „Diese liefert das
Personal, das eingekauft wird. Das Risi-
komanagement machen die Projekt-
teams der Messegesellschaft“, sagt Beier.
InNürnbergbestätigt mandas: Die Ver-
anstaltungssicherheit überwache man
selbst, unterstützt durch einen externen
Servicepartner, der auch den Ordnungs-
dienst stellt. Düsseldorf fährt ein ähnli-
ches Sicherheitskonzept. „Mit der Klä-
rung von Sicherheitsfragen beschäftigen
wir ein Team aus Veranstaltungsfachleu-
ten. Die Koordination mit den Aufsichts-
behörden erfolgt durch eine Fachabtei-
lung“, erläutert Andrea Gränzdörffer von
der Messe Düsseldorf. Je nach Fragestel-
lung und Aufgabengebiet sei die Zusam-
menarbeit mit externenAnbieternvonSi-
cherheitsleistungen unumgänglich.
Für die Unternehmen der Sicherheits-
branche ist die Tätigkeit für Messegesell-
schaften ein willkommenes Zubrot, wie
beim Düsseldorfer Dienstleistungskon-
zern Klüh, der mit etwa 14 664 Mitarbei-
tern und einem Umsatz von 365 Millio-
nenEuro – davon entfallencirca 70 Milli-
onen auf Sicherheitsdienstleistungen –
zu den Großen der Branche gehört.
Hauptgeschäftsfeld des Unternehmens
ist der Objektschutz. Auf Messen arbeite
man in den Bereichen Einlasskontrollen
und Standbewachung, erläutert Unter-
nehmenssprecher Wolfgang Osinski.
Zu den kleinen Anbietern zählt die
R & G Security GmbH. Das in Herne an-
sässige Unternehmen beschäftigt etwa
100 Mitarbeiter und bietet neben Objekt-
schutz, Kurier- und Ermittlungsdiensten
auch Dienstleistungen imBereich Messe-
undVeranstaltungsschutz an. Dazugehö-
ren Aufgaben wie Empfangspersonal
undHostessenzumCheck-In, Legitimati-
onskontrolle, Kontrollen an den Ein- und
Ausgängen und im VIP-Bereich, Ordner-
tätigkeit im gesamten Veranstaltungsbe-
reich bis hin zur Parkplatzkoordination
und Bewirtschaftung. Die externen Si-
cherheitsdienste arbeiteninder Regel auf
Basis langfristiger Verträge. „Grundsätz-
lich kann man sagen, dass die Unterneh-
men, mit denen wir zusammenarbeiten,
Spezialisten ihrer jeweiligen Branche
sind und schon seit Jahren gemeinsam
mit uns für die Sicherheit unserer Veran-
staltungen sorgen“, sagt Gränzdörffer.
Einen hohen Aufwand in puncto Si-
cherheit betreibendie Organisatoren ins-
besondere dann, wenn es sich um Veran-
staltungenmit brisantenExponatenhan-
delt, wie etwa die IWA & OutdoorClas-
sics Nürnberg, einer Messe für Jagdwaf-
fen, Sportwaffen, Outdoor & Zubehör.
Gerade Aussteller wissen das zu schät-
zen. „Die Messe sorgt für die Kontrolle
der Besucher und für die Bewachung des
Geländes auch nachts, um Diebstahl zu
verhindern“, sagt Gunther Stoschek, Lei-
ter Marketing und Pressesprecher der
Blaser Jagdwaffen GmbH in Isny.
Die Aussteller haben darüber hinaus
mit zusätzlichen Maßnahmen für die Si-
cherheit auf dem eigenen Stand zu sor-
gen. „Bei uns sind die Produkte am
Stand mechanisch gesichert, damit sie
nicht entwendet werden können“, sagt
Hilmar Rein, Messeverantwortlicher bei
Heckler & Koch, Oberndorf, einem Her-
steller von Pistolen und Maschinenge-
wehren. „Ob wir dazu externe Sicher-
heitsdienste verpflichten, hängt davon
ab, auf welcher Messe wir sind.“
Auf Fachmessenmit besonders gefähr-
lichen Produkten, zum Beispiel Waffen,
gebe es, was die Sicherheitsvorkehrun-
gen betreffe, international große Unter-
schiede. „Nach unseremEindruck bieten
englische Veranstaltungendie höchste Si-
cherheit. Da müssen die Exponate über
Nacht in einen gesicherten Raum einge-
schlossen werden.“ Der deutsche Markt für Sicherheits-
dienstleistungen ist 2010 beim Umsatz
um 4,7 Prozent auf etwa 4,6 Milliarden
Euro gewachsen. Damit profitierten
auch die Sicherheitsdienste vom wirt-
schaftlichen Aufschwung, berichtet der
Bundesverband Deutscher Wach- und
Sicherheitsunternehmen (BDWS). Etwa
168 000 Beschäftigte waren im Jahr
2010 in diesem Bereich tätig, das sind
etwa so viele wie 2009. In Deutschland
gibt es zirka 4000 Anbieter von Sicher-
heitsdienstleistungen. „Die Branche
besteht aus wenigen großen Unterneh-
men, einzelnen mittelgroßen Firmen
sowie zahlreichen kleinen Anbietern“,
sagt Antonia Thieg von der Beratungsfir-
ma Lünendonk GmbH. Die Gesellschaft
veröffentlicht jährlich eine Liste der
wichtigsten Sicherheitsdienstleister in
Deutschland. Die Untersuchung für
2010 liegt noch nicht vor. In der Liste
des Jahres 2009 werden die Big Five
angeführt von der Securitas Deutsch-
land Holding, Berlin, mit einem Umsatz
von 550 Millionen Euro auf Platz eins.
Die Essener Unternehmensgruppe
Kötter erreicht mit 220 Millionen Euro
Platz zwei, gefolgt von der Niedersäch-
sischen Wach- und Schließgesellschaft
Eggeling & Schorling KG, Hannover,
(170 Millionen Euro) sowie den Unter-
nehmen Wisag Facility Service Holding
GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main, (129
Millionen Euro) und Pond Security Ser-
vice GmbH, Erlensee, (116 Millionen
Euro). Für das laufende Jahr erwartet
der BDWS ein Plus von drei bis fünf
Prozent beim Umsatz sowie eine etwa
gleiche Beschäftigtenanzahl. Ein gro-
ßes Marktpotential sieht die Branche im
Objekt- und Werkschutz. Die Anforde-
rungen in diesem Bereich würden stei-
gen, weil die Kunden zunehmend kom-
plexere Leistungen und grenzüber-
schreitende Lösungen nachfragten. lü
Die Branche für die Sicherheit
Das Bundesministerium für Wirt-
schaft und Technologie (BMWi) will sich
imkommenden Jahr im Rahmen der Ex-
portinitiativen „Erneuerbare Energien“
und „Energieeffizienz“ an zehn Aus-
landsmessen beteiligen. Dies wurde im
März in einer Sitzung in Berlin beschlos-
sen, an der Vertreter der beiden Export-
initiativen, der Außenwirtschaftsinstitu-
tionenund des Ausstellungs- und Messe-
Ausschusses der Deutschen Wirtschaft
(Auma) teilgenommen haben. Neun der
geplanten Messebeteiligungen legen den
Fokus auf erneuerbare Energien, eine
orientiert sich am Thema Energieeffizi-
enz. Deutsche Aussteller können an die-
sen Gemeinschaftsbeteiligungen zu
günstigen Konditionen teilnehmen. Das
Wirtschaftsministerium führt innerhalb
dieses Programms Gemeinschaftsbeteili-
gungen in zwei Kategorien durch: In
Ländern, indenen die Rahmenbedingun-
gen für den Einsatz grüner Energien
noch in den Anfängen stecken, finden
amInformationsstand des BMWi „Deut-
sche Tage“ statt. Hier halten Fachleute
aus Deutschland Vorträge, die sich the-
matisch an der Messe oder den jeweili-
gen Ländern orientieren. In Ländern,
die bereits mehrmals Ziel dieses Messe-
programms waren und in denen die Rah-
menbedingungen weiterentwickelt sind,
werden auf dem Gemeinschaftsstand
vorwiegend Exponate ausgestellt. Das
Ministerium unterstützt seit 2003 Fir-
menbei ihren Beteiligungen anFachmes-
sen imGreen Energy-Sektor, umden Ex-
port von Technologien imBereich der er-
neuerbaren Energien zu fördern. Bei der
Auswahl der Messen wirkt der Auma
mit. Informationen zu den geplanten
Messebeteiligungen sind in der Auma-
Messedatenbank des Bundes erhältlich
unter: www.auma.de/Messedatenbank/
Auslandsmesseprogramme. SZ
Ein eigenes Team für
Sicherheitsfragen – so
verfahren viele Messeplätze
Die Nürnberg Messe bekommt einneu-
es Führungsteam: Andie Stelle des schei-
denden Messechefs Bernd A. Diederichs
werden dessen bisheriger Stellvertreter
Peter Ottmann sowie der Nürnberger
Wirtschaftsreferent Roland Fleck treten.
Dies entschied der Aufsichtsrat, wie der
Vorsitzende des Gremiums, der Nürnber-
ger Oberbürgermeister Ulrich Maly
(SPD), mitteilte. „Die Messe hat inzwi-
schen eine Größe angenommen, bei der
es Sinn macht, diese Aufgabe auf zwei
Schultern zu verteilen.“ Der 44 Jahre al-
te Ottmann gilt als versierter Messefach-
mannundist der erste Nürnberger Messe-
chef, der aus den eigenen Reihen kommt.
Ottmann, bekannt für seinen guten Füh-
rungsstil und seine verbindliche Art,
sieht seine Berufung als Kompliment für
das gesamte Teamin Nürnberg. Gemein-
sam habe man die von ihm und Diede-
richs entwickelte Wachstumsstrategie in
den vergangenen Jahren sehr erfolgreich
umsetzen können, sagte er unlängst auf
einer Pressekonferenz. Als erste Probe
des neuen Duos gilt die ihnen vom Auf-
sichtsrat angediente Aufgabe: In den
kommendenWochensollen Ottmannund
FleckeinKonzept ausarbeiten, nach wel-
chem Muster sie die Zuständigkeiten an
der Spitze jeweils wahrnehmen werden.
Fleck, 50, gilt als ausgewiesener Wirt-
schaftsfachmann, der sich nach eigenen
Angaben auf das neue Amt freut. fan
Planung
Viele Menschen,
viele Risiken
Experten fordern für Messen und Events strengere
Regeln für die Sicherheit. Eine Bestandsaufnahme
Wasser Berlin International –
Fachmesse und Kongress für Wasser
und Abwasser, 2. bis 5. Mai, Berlin
CeMAT Hannover – Weltmesse für
Logistik, 2. bis 6. Mai, Hannover
Control – Internationale Fachmesse
für Qualitätssicherung, 3. bis 6. Mai,
Stuttgart
SMT/Hybrid/Packaging – System-
integration in der Mikroelektronik, 3.
bis 5. Mai, Nürnberg
Metpack – Internationale Fachmes-
se für Metallverpackungen, 10. bis
14. Mai, Essen
Transport Logistic – Fachmesse
für Logistik, Mobilität, IT, Supply
Chain Management, 10. bis 13. Mai,
München
Interpack – Fachmesse für Verpa-
ckungsmaschinen und -geräte. 12.
bis 18. Mai, Düsseldorf
PCIM Europe – Fachmesse für Leis-
tungselektronik, 17. bis 19. Mai,
Nürnberg
High End – Spezialmesse für hoch-
wertige Unterhaltungselektronik, 19.
bis 22. Mai, München
Laser World of Photonics – Welt-
leitmesse für optische Technologien,
23. bis 26. Mai, München
Techtextil – Fachmesse für techni-
sche Textilien und Vliesstoffe, 24. bis
26. Mai, Frankfurt/Main
Interzum – Messe für die Möbelin-
dustrie, 25. bis 28. Mai, Köln
Ligna Hannover – Weltmesse für
die Forst- und Holzwirtschaft, 30.
Mai bis 3. Juni, Hannover
Neues Programm für
Energietechnik-Export
Nürnberger Messeplatz
bekommt Doppelspitze
MESSEWIRTSCHAFT
Eine Sonderseite der Süddeutschen Zeitung
MESSEWIRTSCHAFT
Messekalender
Jeden einzelnen kontrollieren – per Fingerscan – so weit ist es auf Messen noch nicht. Doch Sicherheitsrisiken müssen überall minimiert werden. Foto: dapd
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Dienstag, 26. April 2011 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 21
Verantwortlich: Werner Schmidt
Redaktion: Friederike Nagel
Anzeigen: Jürgen Maukner
save FOOD
International Congress
and Exhibition
Düsseldorf, Germany
16
th
and 17
th
May 2011
An initiative of Messe Düsseldorf in collaboration with
the Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO).
Erstmals werden in dem übergreifenden Kongress SAVE FOOD und die interpack
begleitende Ausstellung die Ursachen der Nahrungsmittelverluste entlang der
Wertschöpfungskette aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt. International
renommierte Experten präsentieren neueste Studien und Konzepte für ressourcengerechte
Produktion und verantwortungsbewussten Konsum. Die Welternährungsorganisation (FAO),
die Messe Düsseldorf und die interpack bringen die Vertreter aller Prozessbeteiligten
zusammen – ein Meilenstein auf dem Weg zu einer nachhaltigen Versorgung.
Programm und Anmeldung: www.save-food.org
Dax 30 (* = Euro Stoxx 50 Werte)
21.04. 20.04. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt-
Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert
Dax – 7295,49 7249,19 +0,64 7317/7280 7427/5670 – 3145787 –
Adidas 0,35 49,02 48,55 +0,97 49,45/48,56 51,48/38,60 16 43552 10,26
* Allianz 4,10 102,20 101,20 +0,99 103/101 108/76,67 8 163258 46,45
* BASF 1,70 65,86 65,30 +0,86 66,50/65,60 65,86/40,71 11 226835 60,49
* Bayer 1,40 56,63 56,36 +0,48 57,19/56,39 58,62/44,12 13 123332 46,83
Beiersdorf 0,70 44,61 44,66 -0,11 44,95/44,45 49,00/39,77 26 25115 11,24
* BMW 0,30 61,00 60,53 +0,78 61,18/59,89 64,80/35,29 14 102353 36,75
Commerzbank – 4,37 4,37 +0,16 4,52/4,33 7,35/4,19 8 158396 5,68
* Daimler 1,85 51,30 51,12 +0,35 51,52/50,60 58,46/35,85 10 192666 54,67
* Deutsche Bank 0,75 41,10 40,40 +1,73 41,20/40,43 51,24/36,60 7 264477 38,20
* Deutsche Börse 2,10 55,10 54,64 +0,84 55,25/54,71 61,62/46,59 13 44829 10,74
Deutsche Post 0,60 12,85 12,91 -0,46 12,99/12,78 14,01/11,18 10 50154 15,54
* Dt. Telekom 0,78 11,06 11,24 -1,56 11,19/11,01 11,26/8,55 15 199558 47,79
* Eon 1,50 22,25 22,08 +0,77 22,32/22,09 28,38/20,94 8 115450 44,52
Fres.Med.Care 0,61 51,28 51,37 -0,18 51,66/51,15 51,37/38,21 15 25305 15,17
Fresenius SE 0,75 70,22 70,00 +0,31 70,47/69,53 70,22/49,62 16 20926 9,01
Heidelb.Cement 0,12 51,84 51,14 +1,37 52,18/51,26 52,60/31,40 14 53588 9,72
Henkel Vz 0,72 45,78 45,42 +0,79 45,95/45,30 48,40/35,83 14 36479 8,16
Infineon 0,10 7,42 7,45 -0,40 7,55/7,38 8,27/4,21 15 55842 8,06
K + S 0,20 54,85 54,85 - 55,00/54,39 58,60/35,94 16 34315 10,50
Linde 1,80 119,40 116,65 +2,36 120/118 119/81,55 17 82218 20,33
Lufthansa – 14,94 14,97 -0,17 15,03/14,81 17,77/10,34 10 39694 6,84
MAN 0,25 92,00 91,14 +0,94 92,06/90,78 96,44/63,65 16 51094 12,97
Merck KGaA 1,25 67,09 68,20 -1,63 68,90/66,99 72,28/57,65 9 38918 4,34
Metro 1,18 47,47 47,74 -0,57 47,98/47,29 58,53/39,37 13 45418 15,39
* Münchener Rück 6,25 109,65 115,20 -4,82D 112/109 125/99,74 8 210103 20,67
* RWE 3,50 42,96 46,24 -7,10D 43,40/42,89 62,64/42,86 8 222034 22,48
* SAP 0,50 45,85 44,97 +1,96 45,89/45,12 45,85/33,97 17 177096 56,25
* Siemens 2,70 95,97 95,46 +0,53 96,48/95,33 99,38/68,25 14 204420 87,74
Thyssen-Krupp 0,45 30,10 30,03 +0,23 30,34/30,03 32,00/19,82 14 43557 15,49
Volkswagen Vz 1,66 118,60 118,40 +0,17 119/117 137/66,05 9 94806 20,18
MDax
21.04. 20.04. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt-
Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert
MDax – 10513,2810450,12 +0,60 10518/10464 10611/7429 – 407104 –
Aareal Bank – 20,27 20,44 -0,83 21,09/20,12 26,25/12,77 10 16616 0,87
Aurubis 1,00 38,95 38,49 +1,21 39,15/38,32 45,78/31,35 11 8290 1,75
Baywa vink. Na 0,40 31,33 31,31 +0,06 31,60/31,31 35,04/26,50 15 1367 1,03
Bilfinger Berger 2,00 62,38 62,32 +0,10 62,50/61,95 64,97/41,54 12 14799 2,87
Boss Vz 0,97 63,72 63,53 +0,30 64,25/63,19 63,72/28,36 21 3267 2,20
Brenntag – 82,60 81,76 +1,03 82,74/81,65 82,60/48,90 15 5168 4,25
Celesio 0,50 16,36 16,39 -0,21 16,50/16,29 25,50/15,96 10 9430 2,78
Continental – 64,70 63,90 +1,25 64,84/63,37 66,84/36,04 10 28001 12,94
Demag Cranes 0,60 35,77 35,81 -0,10 36,17/35,36 38,96/23,09 18 2540 0,76
Douglas 1,10 39,60 39,82 -0,54 39,90/39,42 43,20/32,80 17 4056 1,56
Dt. Euroshop 1,05 26,54 26,45 +0,32 26,81/26,44 28,99/21,72 16 1621 1,37
Dt. Wohnen – 10,43 10,40 +0,24 10,52/10,34 11,40/6,13 22 1153 0,85
EADS – 21,18 21,24 -0,31 21,30/21,03 22,30/13,55 24 2243 17,29
Elring-Klinger 0,20 22,70 22,52 +0,80 22,95/22,31 26,98/16,97 15 3037 1,44
Fielmann 2,00 69,93 70,10 -0,24 70,10/69,50 73,00/54,64 22 2323 2,94
Fraport 1,15 53,44 53,05 +0,74 53,70/53,15 54,00/34,40 24 6702 4,91
Fuchs Petrol. Vz 1,70 110,45 107,50 +2,74 111/108 111/63,00 15 6365 1,31
Gagfah 0,50 6,12 6,10 +0,36 6,16/6,09 8,95/5,12 11 1743 1,38
Gea Group 0,40 24,50 24,20 +1,22 24,56/24,22 24,50/14,65 16 15571 4,50
Gerresheimer 0,50 32,70 32,91 -0,64 33,23/32,37 33,61/23,57 15 1863 1,03
Gildemeister 0,10 17,16 16,77 +2,36 17,33/16,81 17,24/7,53 19 7729 0,78
Hamburger Hafen 0,40 32,20 32,31 -0,33 32,60/32,05 35,81/24,11 26 2224 2,25
Hannover Rück 2,10 39,45 39,42 +0,08 39,75/38,99 43,29/31,87 8 8376 4,76
Heidelb.Druck – 3,06 3,15 -2,67 3,13/3,04 5,49/2,93 – 5628 0,71
Hochtief 1,50 60,60 61,10 -0,82 61,55/60,11 76,55/45,64 14 13104 4,67
IVG Immobilien – 5,62 5,48 +2,63 5,66/5,49 7,71/4,76 14 2302 0,78
Kabel Deutschland – 40,69 39,90 +1,98 41,00/39,83 40,80/22,66 – 10381 3,66
Klöckner & Co – 23,16 22,86 +1,29 23,50/23,05 25,55/13,65 11 16816 1,54
Krones – 52,78 52,46 +0,61 53,00/52,23 52,78/37,05 19 2995 1,67
Lanxess 0,50 58,92 56,78 +3,77 58,95/56,82 59,49/30,12 11 30896 4,90
Leoni – 35,00 34,15 +2,47 35,11/34,20 35,45/14,97 10 11690 1,04
MTUAeroEngines 0,93 51,11 50,85 +0,51 51,39/50,34 54,50/39,32 13 6247 2,66
Praktiker 0,10 7,64 7,73 -1,27 7,80/7,62 8,84/5,21 16 1376 0,44
ProSiebenSat1Vz 0,02 18,05 18,54 -2,64 18,70/17,99 24,80/10,67 8 23988 1,97
Puma 1,80 208,60 209,20 -0,29D 212/207 264/197 13 7248 3,15
Rational 3,50 177,90 176,20 +0,96 179/177 178/112 25 971 2,02
Rheinmetall 0,30 59,05 58,77 +0,48 59,40/58,34 66,46/42,50 10 8860 2,34
Rhön-Klinikum 0,30 15,08 15,13 -0,33 15,27/15,05 19,38/15,04 13 6283 2,08
Salzgitter 0,25 52,87 52,62 +0,48 53,44/52,75 64,72/45,95 16 13282 3,18
SGL Carbon – 37,89 37,02 +2,34 38,03/37,02 39,79/22,71 30 6956 2,48
Sky Deutschland – 2,94 2,91 +1,34 2,95/2,87 3,25/0,82 – 4356 2,08
Springer 4,80 108,25 109,90 -1,50 111/106 125/78,00 11 7919 3,57
Stada Arznei 0,55 29,52 29,48 +0,14 29,67/29,33 32,10/20,70 13 6548 1,74
Südzucker 0,45 20,40 20,39 +0,07 20,47/20,31 20,74/13,94 16 3789 3,86
Symrise 0,50 21,45 21,00 +2,14 21,77/20,73 22,38/15,98 15 15152 2,53
Tognum 0,35 25,90 26,03 -0,50 26,10/25,90 26,16/13,48 20 7909 3,40
TUI – 8,45 8,39 +0,72 8,54/8,36 10,86/6,75 11 4690 2,12
Vossloh 2,00 97,29 96,63 +0,68 97,90/96,53 99,58/66,52 13 3470 1,44
Wacker Chemie 1,20 161,50 160,60 +0,56 162/157 168/94,18 14 25910 8,42
Wincor Nixdorf 1,70 56,25 56,50 -0,44 57,21/55,96 62,98/43,31 15 3848 1,86
TecDax
21.04. 20.04. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt-
Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert
TecDax – 918,50 917,19 +0,14 927/917 949/691 – 112363 –
Adva – 5,47 5,52 -0,76 5,69/5,39 7,76/3,70 18 4919 0,26
Aixtron 0,15 28,99 28,70 +1,01 29,84/28,86 33,48/19,12 14 26093 2,93
BB Biotech 3,20 CHF 49,00 49,01 -0,02 49,91/48,90 50,93/39,90 20 585 0,89
Bechtle 0,60 31,25 31,22 +0,11 31,80/31,25 31,25/20,51 13 656 0,66
Carl Zeiss Med. 0,22+0,33 14,37 14,57 -1,37 14,65/14,36 15,05/10,97 19 364 1,17
Centrotherm – 37,90 37,18 +1,94 37,96/36,70 42,52/23,95 15 1330 0,80
Dialog Semicon. – 14,90 14,84 +0,40 15,42/14,81 19,57/7,71 15 13333 0,97
Drägerwerk Vz 0,40 69,50 69,38 +0,17 70,61/68,65 69,50/43,50 13 1411 0,44
Drillisch 0,30 7,36 7,27 +1,25 7,36/7,28 7,41/4,30 12 1574 0,39
Evotec – 3,10 3,09 +0,16 3,19/3,10 3,40/1,83 310 612 0,36
Freenet 0,20 8,43 8,50 -0,89 8,53/8,38 9,11/7,25 10 4000 1,08
Gigaset – 3,85 3,88 -0,72 3,95/3,79 4,63/1,02 5 480 0,15
Jenoptik – 5,58 5,68 -1,83 5,70/5,55 6,09/3,85 15 334 0,32
Kontron 0,20 8,04 8,08 -0,54 8,15/7,88 9,38/5,35 13 1900 0,45
Morphosys – 19,01 19,11 -0,52 19,30/18,95 21,68/13,56 45 718 0,44
Nordex – 6,98 7,11 -1,76 7,19/6,92 9,37/4,41 21 4264 0,47
Pfeiffer Vac 2,45 93,91 93,43 +0,51 94,00/93,30 99,50/52,77 14 2269 0,93
Phoenix Solar 0,20 20,20 20,60 -1,94 20,50/19,63 35,53/20,20 6 1527 0,15
Q-Cells – 2,88 2,91 -0,89 2,96/2,86 6,17/1,99 14 2910 0,43
Qiagen – 14,03 14,12 -0,60 14,24/13,99 17,64/12,20 14 5854 3,27
QSC – 2,59 2,64 -1,74 2,65/2,57 3,65/1,30 14 759 0,36
Roth & Rau – 23,90 22,85 +4,62 23,94/23,04 26,55/10,74 23 6700 0,36
Singulus Techn. – 4,63 4,63 +0,13 4,70/4,59 6,66/3,27 66 628 0,19
SMA Solar Techn. 1,30 78,64 79,00 -0,46 79,42/77,21 99,60/63,20 10 4641 2,73
Software AG 1,15 121,55 120,75 +0,66 122/120 123/75,73 17 8201 3,49
Solarworld 0,16 10,62 10,60 +0,24 10,93/10,56 11,95/7,00 16 6739 1,19
Stratec Bio. 0,50 31,35 31,00 +1,13 31,46/30,94 33,60/25,80 19 708 0,36
Süss MicroTec – 11,66 11,69 -0,30 11,89/11,53 13,57/3,74 15 1592 0,22
United Internet 0,2+0,2 13,02 12,91 +0,85 13,03/12,87 13,32/8,63 14 4907 2,93
Wirecard 0,09 12,34 12,35 -0,08 12,54/12,26 12,92/6,90 19 2356 1,26
SDax
21.04. 20.04. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt-
Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert
SDax – 5264,75 5245,50 +0,37 5266/5242 5354/3606 – 30824 –
Air Berlin – 3,05 3,02 +1,03 3,06/3,02 4,15/2,97 – 224 0,26
Alstria Office 0,50 10,45 10,28 +1,65 10,45/10,25 11,18/6,92 18 555 0,64
Amadeus Fire 1,45 31,75 31,35 +1,28 32,25/31,06 36,25/18,61 13 242 0,17
Balda – 8,97 8,88 +1,04 8,97/8,86 8,97/2,06 2 3746 0,49
Bauer 0,60 35,95 35,95 -0,01 36,43/35,80 38,49/27,38 12 796 0,62
Bertrandt 1,20 47,73 48,23 -1,04 48,60/47,42 59,40/25,30 11 539 0,48
Biotest Vz. 0,40 46,80 46,75 +0,11 47,00/46,41 48,01/26,90 18 310 0,24
Catoil 0,30 7,90 7,75 +1,94 8,00/7,68 8,55/5,81 16 670 0,39
Centrotec – 23,97 23,42 +2,33 24,50/23,50 24,00/11,59 13 1220 0,40
CeWe Color 1,05 33,50 33,44 +0,19 33,50/33,00 35,65/23,50 12 248 0,25
Colonia Real Est. – 5,14 5,22 -1,49 5,17/4,76 5,95/3,81 13 1268 0,16
Comdirect 0,41 8,08 8,15 -0,85 8,21/8,08 8,39/6,44 14 456 1,14
Constantin Med. – 2,07 2,08 -0,62 2,12/2,07 2,40/1,51 26 39 0,18
CTS Eventim 0,83 49,30 49,48 -0,36 49,48/49,10 49,63/34,54 21 454 1,18
Delticom 1,70 70,99 71,45 -0,64 71,73/69,77 71,45/36,00 27 672 0,84
Deutz – 6,15 6,19 -0,61 6,22/6,10 6,60/4,03 16 1755 0,74
DIC Asset 0,30 9,10 9,01 +1,00 9,10/8,95 10,88/5,30 19 510 0,36
Dt. Beteilig. 0,4+1,0 20,14 19,40 +3,81 20,18/19,39 23,40/15,43 8 406 0,28
Dürr – 25,62 25,70 -0,33 25,75/25,31 26,99/16,10 17 1102 0,44
Elexis 0,17 16,22 16,28 -0,34 16,22/15,80 16,28/9,00 13 383 0,15
Gerry Weber 0,85 42,70 42,65 +0,12 43,90/42,55 42,70/23,54 15 2491 0,98
Gesco Ind. 1,30 58,35 57,66 +1,20 58,46/57,96 61,90/37,70 13 48 0,18
GfK SE 0,30 37,93 38,00 -0,18 38,23/37,70 40,80/26,00 13 248 1,36
Grammer – 18,44 18,40 +0,22 18,78/18,40 20,50/8,22 9 1927 0,19
Grenkeleasing 0,60 40,58 40,15 +1,07 40,82/40,38 42,80/29,01 16 667 0,56
H&R Wasag 0,45 20,65 20,13 +2,61 20,76/20,13 22,78/14,75 13 557 0,62
Hamborner Reit 0,36 7,55 7,54 +0,13 7,56/7,49 8,30/7,03 38 208 0,26
Hawesko 1,35 34,20 34,60 -1,16 34,88/33,98 35,75/25,25 18 70 0,31
Highlight 0,17 CHF 4,78 4,78 +0,04 4,81/4,71 5,10/3,65 6 285 0,23
Homag – 14,66 14,19 +3,31 14,66/14,00 18,20/11,05 14 201 0,23
Hornbach Hld. 1,34 102,50 103,25 -0,73 104/103 111/62,52 11 62 0,41
Indus Hld. 0,50 21,07 21,06 +0,07 21,35/21,00 24,39/13,90 9 697 0,43
Jungheinrich Vz 0,12 29,57 29,35 +0,73 29,57/29,14 30,89/15,74 12 661 0,47
Koenig & Bauer – 16,01 16,00 +0,06 16,07/15,99 19,30/12,21 10 63 0,26
KUKA – 18,30 18,01 +1,61 18,44/17,72 18,30/10,17 20 2955 0,62
KWS Saat 1,90 154,05 156,00 -1,25 156/153 156/115 17 237 1,02
Medion 0,20 9,70 9,67 +0,30 9,82/9,65 13,82/8,75 16 240 0,47
MLP 0,25 6,60 6,58 +0,29 6,67/6,60 8,20/6,21 16 77 0,71
MVV Energie 0,90 27,28 27,42 -0,53 27,53/27,27 31,42/24,19 17 202 1,80
Patrizia Immo. – 5,07 5,00 +1,50 5,16/4,93 5,90/2,62 25 382 0,26
SAF Holland – 8,13 8,20 -0,85 8,26/8,02 9,21/4,22 8 535 0,17
Sixt 0,20 35,10 35,17 -0,20 35,32/34,88 38,89/18,30 11 173 0,58
SKW Stahl – 18,99 18,85 +0,72 19,05/18,61 21,00/14,62 11 282 0,12
Ströer – 22,20 22,00 +0,91 22,30/21,84 27,35/18,91 22 91 0,93
TAG Immob. – 6,96 6,99 -0,43 7,00/6,89 7,10/4,15 13 510 0,41
Takkt 0,32 11,40 11,00 +3,64 11,45/11,00 11,80/7,40 14 134 0,75
Tipp24 – 32,50 32,00 +1,58 32,50/31,40 32,65/20,00 10 332 0,26
Tom Tailor – 12,60 12,76 -1,22 12,88/12,54 16,99/10,38 12 185 0,21
VTG 0,30 17,22 17,09 +0,76 17,22/17,00 17,30/11,44 13 146 0,37
Wacker Neuson – 12,06 12,09 -0,21 12,12/11,92 13,49/9,15 17 564 0,85
Wechselkurse
1 € = Sorten* Devisen
25.04. Währ. Verk. Ank. Geld Brief
Australien AUD 1,2818 1,4376 1,3598 1,3608
Brasilien BRL 1,8812 2,6445 2,2767 2,2847
China CNY 7,5860 11,335 9,4606 9,4806
Dänemark DKK 7,0314 7,8832 7,4572 7,4577
Großbritann. GBP 0,8413 0,9271 0,8827 0,8829
Hongkong HKD 10,160 12,474 11,309 11,313
Japan JPY 113,60 126,14 119,31 119,35
Kanada CAD 1,3185 1,4639 1,3898 1,3902
Neuseeland NZD 1,6411 1,9926 1,8215 1,8229
Norwegen NOK 7,4058 8,2172 7,8033 7,8183
Polen PLN 3,6819 4,3062 3,9501 3,9528
Russland RUB 36,542 46,723 40,777 40,784
Schweden SEK 8,4003 9,3942 8,8632 8,8782
Schweiz CHF 1,2287 1,3520 1,2839 1,2842
Singapur SGD 1,6584 1,9410 1,7979 1,7991
Südafrika ZAR 8,4011 11,231 9,7895 9,8003
Tschechien CZK 21,494 26,861 24,067 24,097
Türkei TRY 2,0633 2,3863 2,2218 2,2232
Ungarn HUF 230,76 305,65 264,82 265,19
USA USD 1,3944 1,5383 1,4551 1,4553
Euroreferenzpreis öffentl. Banken 1,4613 Dollar je Euro
Schluss Börse Frankfurt 52-Wochen Heimatbörse W
21.04. 20.04. Hoch / Tief Div.
118000 2,19 2,15 5,21/1,95 – –
3U Holding 0,73 0,72 0,87/0,60 – –
4SC 3,75 3,90 4,82/2,61 – –
A
A-Power Energy 2,75 2,86 8,26/2,75 – –
A-Tec Ind. 1,92 1,96 10,59/1,80 2,00 –
A.S. Creation 30,31 30,00 34,00/26,75 – 1,20
AAP Impl. 1,10 1,08 1,65/0,94 – –
Acciona 75,77 74,36 80,01/49,74 76,62 3,01
Accor 30,22 31,18 44,62/22,60 30,20 1,05
AD Pepper 1,71 1,66 2,15/1,42 – –
Adecco 47,18 46,54 51,33/35,26 62,35 1,10 CHF
ADV Vision Tech 4,20 4,20 4,50/2,70 – –
Aegon 5,23 5,17 5,70/4,05 5,21 –
Aeroflot 173,14 172,25 205/140 – 0,62 USD
Ageas 2,06 2,06 2,55/1,69 2,07 0,06
Agennix 3,50 3,45 5,18/2,48 – –
Agfa Gevaert 2,87 2,78 6,00/2,77 2,81 –
Ahlers 10,05 10,00 11,30/6,85 – 0,30
Ahlers Vz 10,68 10,53 10,80/6,82 – 0,35
Ahold 9,66 9,62 10,75/9,05 9,65 0,29
Air France KLM 11,40 11,50 15,08/8,86 11,50 –
AIRE 8,95 9,15 9,50/6,75 – –
Akamai 27,36 27,61 40,82/24,95 40,23 – USD
Aker Solutions 15,87 15,74 16,45/8,41 123,0 2,75 NOK
Akzo Nobel 52,63 50,49 52,63/39,63 52,48 1,40
Alcatel Lucent 4,24 4,25 4,25/1,92 4,18 –
Aleo Solar 24,20 24,60 26,00/9,80 – –
All for One Mid 7,78 7,77 10,34/3,86 – 0,30
Alphaform 2,22 2,15 2,35/1,21 – –
AMD 6,00 5,83 7,64/4,48 8,45 – USD
Analytik Jena 9,90 9,82 10,77/7,70 – 0,15
Andritz 69,55 69,00 69,90/40,93 70,09 1,70
Anglo Platinum 66,16 66,43 87,54/64,68 6.57t – ZAR
Anglogold Ash. 34,57 34,64 37,77/29,60 3.37t 1,30 ZAR
Antena 3 6,42 6,46 7,90/4,29 6,47 0,45
Archer Daniels 24,75 24,80 27,51/19,69 35,58 0,64 USD
Ariba 21,85 21,59 24,59/10,14 31,62 – USD
Artnet 7,20 6,21 7,20/4,49 – –
Asian Bamboo 35,00 35,17 42,33/26,90 – 0,30
ASML 28,93 28,60 32,81/19,08 28,00 0,40
AT & S 14,92 15,01 18,19/8,77 14,85 0,10
Atlantia 15,85 15,79 17,20/13,64 16,15 0,73
Atoss Softw. 17,00 16,81 17,85/13,27 – 0,50
Augusta konv. 18,05 17,71 18,82/10,00 – 0,30
B
Baader Bank 2,90 2,89 3,67/2,80 – 0,13
Ballard Power 1,45 1,43 1,97/1,05 1,99 – CAD
Baloise Hold. 73,90 72,10 79,31/55,00 94,60 4,50 CHF
Bank of East Asia 2,84 2,86 3,46/2,66 32,80 0,94 HKD
Barrick Gold 37,70 37,81 41,18/30,27 50,25 0,47 CAD
Basler 14,21 13,85 14,58/6,42 – –
BayWa Na 33,10 33,00 34,43/26,30 – 0,40
BDI BioEnergy 16,76 16,85 23,30/15,50 – –
Beate Uhse 0,34 0,31 0,63/0,30 – –
Berkshire Hath. B 56,69 56,12 66,03/56,01 82,22 – USD
Beta Systems – 2,77 3,50/2,54 – –
Biolitec 3,53 3,53 4,45/3,21 – 0,10
Biotest 48,01 47,61 51,23/30,00 – 0,34
Blackstone 12,80 12,81 13,49/7,26 19,16 1,28 USD
BMP konv. 1,12 1,13 1,20/0,69 – –
BMW Vz 40,84 41,28 41,95/25,00 – 0,32
BOCHK 2,16 2,16 2,76/1,55 24,35 0,97 HKD
Bombardier b 4,86 4,85 5,22/3,23 6,84 0,10 CAD
Boss 58,97 59,00 59,00/24,30 – 0,96
Bouygues 34,00 33,93 39,47/30,72 34,37 1,60
Bridgestone 14,01 13,92 15,50/12,19 1.81t 20,00JPY
Broadcom 27,83 26,82 35,54/23,65 40,22 0,36 USD
Brüd.Mannesm. 2,05 2,05 2,15/0,99 – –
BT Group 2,07 2,12 2,32/1,25 189,0 7,00 GBp
Business China 3,00 3,00 4,89/1,10 – –
Bwin Party Dig. 1,83 1,91 3,80/1,45 1,86 –
BYD Co. 2,66 2,72 7,41/2,51 29,70 0,00 HKD
C
C-Quadrat Invest 28,05 28,20 33,39/11,85 – 2,21
Cameco 20,03 19,76 32,91/16,50 27,67 0,40 CAD
Cancom IT 9,89 9,82 11,44/5,26 – 0,15
Canon 29,79 30,20 39,51/29,20 4.53t 120,0JPY
Cap Gemini 41,29 40,81 42,83/32,40 41,44 1,00
Cathay Pacific 1,68 1,68 2,35/1,49 19,44 1,11 HKD
Cenit Syst. 5,15 4,98 6,02/4,43 – 0,30
Centrosolar 5,80 5,40 6,25/3,74 – –
Ceotronics 1,78 1,81 2,48/1,60 – 0,10
CEZ 37,51 36,43 37,51/29,70 – 53,00
Chalco 0,66 0,65 0,79/0,58 – 0,00
Check Point 36,36 36,20 37,56/23,07 53,06 – USD
Cheung Kong 11,21 11,01 13,06/8,90 126,0 2,95 HKD
China Life 2,61 2,57 3,74/2,53 – 0,48 HKD
China Mobile 6,35 6,45 8,44/6,32 71,95 3,01 HKD
China Nat. Build. 2,69 2,57 2,69/1,05 – 0,22 HKD
China Petroleum 0,71 0,70 0,82/0,58 – 0,25 HKD
China Precision 1,01 1,02 1,61/0,95 1,51 – USD
China Res. Enter. 2,75 2,82 3,44/2,45 31,65 0,87 HKD
China Unicom 14,32 13,30 14,32/8,63 16,12 – HKD
Clariant 13,84 13,52 15,27/8,65 17,75 – CHF
CNOOC 1,75 1,74 1,93/1,20 19,88 0,46 HKD
Colexon Energy 1,05 1,05 3,12/1,05 – –
Comarch Softw. 1,50 1,50 2,85/1,48 – –
CompuGroup – 10,86 12,80/7,73 – 0,25
Conergy 0,37 0,37 0,90/0,30 – –
Cor & FJA 1,91 1,88 2,23/1,65 – 0,10
Corning 13,93 13,96 17,01/12,44 20,40 0,20 USD
Crocs 13,82 13,34 14,85/7,32 20,59 – USD
Cropenergies 5,36 4,92 6,59/3,15 – 0,05
Curanum 2,30 2,23 2,55/1,96 – –
D
DAB Bank 4,22 4,20 4,95/4,01 – 0,30
Danaher Corp. 36,81 36,87 38,21/28,25 52,49 0,16 USD
Data Modul 15,00 15,00 15,77/8,75 – –
Deag 3,45 3,40 3,52/1,51 – –
Deere 64,50 64,70 71,07/43,21 94,41 1,40 USD
Derby Cycle 15,30 15,59 15,59/11,25 – –
Deufol 1,56 1,60 1,78/1,14 – –
Devon Energy 60,98 61,39 66,02/46,41 88,07 0,68 USD
DF Dt. Forfait 5,29 5,35 6,48/4,85 – 0,26
Dr. Hönle 9,90 9,75 11,00/5,85 – 0,30
Drägerwerk 55,48 55,65 56,00/40,40 – 0,34
Dt. Postbank 21,42 21,33 27,34/19,92 – –
Dyckerhoff 38,00 37,80 43,99/35,50 – 1,00
Dyckerhoff Vz. 36,47 36,25 44,20/34,52 – 1,00
E
Eckert & Ziegler 29,55 29,61 30,72/18,75 – 0,45
Ecotel Comm. 5,19 5,16 5,63/3,01 – –
EDF 27,76 28,17 40,82/26,39 27,87 1,19
Einhell Germany 40,15 41,70 43,25/28,91 – 0,60
Electronics Line 1,16 1,12 1,30/0,45 – –
Eli Lilly 24,82 24,83 28,62/24,29 36,16 1,96 USD
Elmos Semicon. 11,00 10,67 12,04/5,45 – –
Endesa 22,72 22,30 23,06/16,80 22,77 1,03
Envitec Biogas 10,55 10,86 12,28/9,99 – –
Epigenomics 1,60 1,63 2,63/1,54 – –
Erste Bank 34,72 34,82 39,30/24,95 35,30 0,65
Essanelle Hair 8,67 8,67 8,99/8,00 – 0,50
Estavis 1,90 1,94 2,23/1,73 – –
Euromicron 20,54 19,39 23,48/16,56 – 1,00
Evergreen Solar 1,20 1,25 5,40/0,88 1,77 – USD
F
Fabasoft – 4,02 4,98/2,90 – 0,21
Fair Val. Reit 4,50 4,50 4,92/3,69 – –
Fiat 6,82 6,70 8,10/4,00 6,87 0,09
Fiat Industr. 9,78 10,07 10,61/2,27 – –
Forsys Metals 1,33 1,35 3,03/1,09 1,84 – CAD
Fortec Elektr. 9,48 9,10 9,70/5,75 – 0,30
Fortum 23,31 23,25 24,16/17,49 23,04 1,00
Francotyp-Post. 3,63 3,54 3,80/2,10 – –
Freeport-McM. 37,48 37,09 47,14/23,16 54,37 1,00 USD
Fres.Med.C.Vz 41,37 42,70 42,70/31,80 – 0,63
Fuchs Petrol. 99,44 98,50 99,99/63,80 – 1,64
Fujitsu 3,74 3,62 5,73/3,62 729,0 10,00JPY
Funkwerk 6,90 6,77 8,95/5,99 – –
G
Gamesa 6,13 6,28 9,75/4,50 6,14 –
Gas Natural 13,50 13,40 13,75/10,23 13,62 0,79
Gazprom ADR 23,14 22,79 24,19/14,85 52,65 0,05 USD
Gen. Dynamics 49,64 49,44 59,24/44,09 72,10 1,88 USD
General Motors 20,48 20,43 30,07/20,43 30,50 – USD
Geratherm 7,66 7,75 9,20/6,88 – 0,40
Schluss Börse Frankfurt 52-Wochen Heimatbörse W
21.04. 20.04. Hoch / Tief Div.
GFT Techn. 4,20 4,19 4,91/2,86 – 0,15
Givaudan 743,26 722,25 813/611 963,0 21,50CHF
GK Software – 46,00 58,00/39,80 – 1,00
Gold Fields 12,28 12,28 13,72/9,66 1.21t – ZAR
Goodyear 11,02 10,75 11,12/7,19 16,04 – USD
Graphitw.Krpfm. 24,40 23,90 24,98/12,32 – –
GSW Immobilien 21,40 20,98 21,70/20,92 – –
GWB Immobilien 1,24 1,23 1,72/1,12 – –
H
Hang Lung 2,99 3,04 3,84/2,63 34,55 0,71 HKD
Harley Davidson 25,85 25,94 32,10/17,17 37,35 0,40 USD
Harmony Gold 10,30 10,27 10,93/7,00 1.01t 0,50 ZAR
HCI Capital 1,87 1,92 3,50/1,26 – –
Headwaters 3,60 3,67 4,59/2,14 5,26 – USD
Heineken 40,37 39,90 40,44/33,10 40,51 0,76
Heinz 34,39 35,00 38,12/33,71 50,30 1,80 USD
Heliad 2,85 2,90 4,31/2,85 – –
Helikos 9,75 9,70 9,85/9,25 – –
Henkel 38,20 37,98 40,39/30,60 – 0,70
Heritage Oil 2,86 2,75 5,85/2,75 3,78 – CAD
Höft & Wessel 3,81 3,83 4,29/3,36 – 0,08
Holcim 59,25 58,01 59,25/44,27 76,00 1,50 CHF
Honda Motor 25,77 25,24 32,56/22,61 3.31t 54,00JPY
Hongkong Ex. 16,10 15,91 18,63/11,89 182,0 4,20 HKD
Hornb.-Baum. 50,00 50,50 51,95/5,00 – 1,00
Hutchison 7,98 7,96 9,28/4,70 91,30 1,92 HKD
Hypoport 11,38 11,40 12,00/5,90 – –
Hyundai GDR 22,99 22,40 23,39/14,68 2.46t 1.50t KRW
I
IBS 4,25 4,25 4,73/3,05 – 0,10
ICBC 0,58 0,58 0,63/0,53 4,49 0,08 CNY
ICICI Bank 34,79 34,55 41,18/28,01 1.11t 12,00INR
Identive 2,37 2,47 3,92/1,13 3,41 – USD
IFCO Systems 13,75 13,82 14,20/10,00 – –
IFM Immobilien 9,54 9,75 10,55/7,22 – –
Impala Platinum 20,29 19,78 26,83/17,90 1.97t 3,20 ZAR
Inditex 59,64 59,56 63,55/42,63 59,64 1,60
Infosys ADR 44,40 44,16 59,41/43,20 2.94t 25,00INR
Init Innovation 18,10 18,40 18,40/12,84 – 0,30
Integralis 7,65 7,78 8,92/6,97 – –
Intercell 6,24 6,27 21,33/6,00 6,31 –
Interhyp 68,11 68,51 80,01/51,00 – –
Intershop konv. 2,12 2,10 2,24/1,57 – –
Intica 5,07 5,06 5,24/3,80 – –
Invision Softw. – 18,63 23,86/4,47 – –
Isra Vision 17,24 17,35 19,89/11,90 – 0,20
Itelligence 7,00 6,95 7,00/5,19 – 0,10
ITN Nanovation 4,55 4,51 7,60/3,40 – –
IVU Traffic Tech. 1,64 1,66 1,72/1,20 – –
J
Jaxx 1,41 1,42 2,30/1,32 – –
JDS Uniphase 12,84 12,39 20,90/7,21 19,74 – USD
Jetter 8,16 8,35 8,68/5,13 – –
JK Wohnbau 7,99 7,98 8,90/7,59 – –
Joyou 13,63 13,81 16,42/8,94 – –
Jubii Europe 0,08 0,08 0,08/0,07 – –
Jul. Baer 30,52 30,12 35,46/22,38 39,50 0,60 CHF
Juniper Netw. 27,04 26,60 32,71/17,92 39,90 – USD
K
Komatsu 22,37 22,59 24,70/14,00 2.78t 36,00JPY
KPN 10,82 11,72 12,26/10,13 10,78 0,80
Kromi Logistik 9,00 9,50 9,50/7,40 – 0,15
Kyocera 70,02 69,64 79,62/61,00 8.50t 120,0JPY
L
Lafarge 47,60 46,48 58,76/36,18 47,14 1,00
LDK Solar 7,52 7,45 10,66/4,21 10,97 – USD
Leifheit 25,42 24,96 25,42/14,86 – 0,60
Lloyd Fonds 2,04 2,04 3,75/1,61 – –
Lloyds Bank 0,68 0,66 0,94/0,60 59,90 – GBp
Loewe 6,60 6,81 10,00/5,72 – 0,25
Logitech 9,34 9,39 15,94/9,30 12,11 – CHF
Logwin 1,36 1,43 1,54/0,95 – –
Lonza Group 56,56 55,61 70,10/49,61 73,45 2,15 CHF
Lowe’s Corp. 18,23 18,51 21,34/14,95 26,41 0,44 USD
LPKF Las.&El. 13,84 13,57 14,75/6,50 – 0,20
Ludwig Beck 20,50 20,40 20,50/12,98 – 0,35
Lukoil ADR 48,12 48,36 53,72/36,44 69,30 1,65 USD
M
Magix 7,25 7,27 9,72/4,27 – 0,88
Man Group 2,81 2,73 3,81/2,42 244,0 21,09GBp
MAN Vz 68,69 67,66 69,92/40,82 – 0,25
Manz Autom. 46,79 48,06 58,39/43,10 – –
Marseille-Kl. 2,36 2,37 4,98/2,31 – –
Mastercard 182,94 183,56 199/150 273,0 0,60 USD
Masterflex 5,25 4,83 5,25/2,95 – –
Mattel 18,32 18,21 20,10/15,75 26,44 0,92 USD
MBB Industries 5,87 5,75 8,15/5,66 – 0,25
Mediaset 4,43 4,30 6,11/4,27 4,41 0,35
MediClin 4,24 4,10 4,45/3,36 – 0,05
Medigene 2,06 2,02 3,12/1,67 – –
Mediobanca 7,46 7,41 8,03/5,71 7,57 0,17
MetLife 29,63 29,63 35,61/27,66 44,01 0,74 USD
Metro Vz 31,34 30,80 39,24/29,70 – 1,30
Metso Corp 39,63 37,87 43,05/23,70 – 1,55
Mevis Med. Sol. 8,85 7,97 21,60/7,97 – –
Michelin 63,91 63,53 66,70/50,50 63,70 1,78
Mitsubishi Fin. 3,18 3,20 4,30/3,10 1.02t 12,00JPY
Mobile Teles 14,04 13,97 43,40/13,25 256,0 15,40RUR
Mobotix 53,80 53,60 59,40/26,15 – 1,00
Moduslink 3,56 3,60 6,77/3,53 5,23 – USD
Mol Magyar 92,58 91,86 96,59/60,66 2.43t – HUF
Mologen 8,98 8,70 9,90/7,57 – –
Monsanto 46,70 46,95 56,73/34,70 66,01 1,12 USD
Mood and M. 0,99 0,99 1,50/0,70 – –
Moody’s 24,19 24,83 25,30/15,57 35,79 0,46 USD
Mosenergo ADR 6,81 6,87 9,83/6,80 9,00 0,00 USD
Motorola Sol. 30,19 30,52 31,50/20,48 44,07 – USD
MPC Capital 3,90 4,05 6,46/3,00 – –
Mühlbauer 38,70 38,10 48,80/20,03 – 1,00
MWB Fairtrade 1,90 1,90 2,59/1,70 – –
N
Nemetschek 29,95 30,20 33,88/19,51 – 0,50
Newcrest Mining 31,29 30,71 31,77/20,10 42,66 0,20 AUD
Newmont Mining 41,22 40,90 50,55/35,86 58,17 0,60 USD
Nexus 7,00 6,30 7,00/2,83 – –
Nike 54,69 55,20 69,50/52,10 79,99 1,24 USD
Nikon 13,54 13,38 18,15/12,64 2.76t 19,00JPY
Nintendo 172,80 170,50 258/170 4.86t 550,0JPY
Nippon Steel 2,11 2,09 2,92/2,09 623,0 3,00 JPY
Nobel Biocare 14,86 14,85 20,98/11,53 19,44 0,35 CHF
Nomura Holding 3,45 3,43 5,40/3,40 1.60t 8,00 JPY
Nordea 7,93 7,87 8,93/6,19 6,94 – SEK
Norilsk.N ADR 18,82 18,74 19,70/11,20 27,14 6,85 USD
Norma Group 20,09 20,02 20,77/19,99 – –
Norsk Hydro 6,14 6,18 6,19/3,64 47,83 0,75 NOK
Novatek GDR 99,86 99,93 99,93/51,50 – 0,48 USD
Novavisions 0,14 0,14 0,20/0,12 – –
Novell 4,19 4,18 5,14/4,03 6,09 – USD
November 0,62 0,60 0,95/0,59 – –
Novo Nordisk 89,63 90,12 92,76/59,50 669,0 10,00DKK
NYSE Euronext 26,75 26,86 29,10/20,40 38,68 1,20 USD
O
OHB Technology 13,01 13,07 17,14/11,49 – 0,25
OMV 31,42 31,49 34,75/24,15 31,44 1,00
Orad HiTec 2,40 2,48 3,11/2,12 – 0,06
Orco Germany 0,73 0,77 0,99/0,26 – –
Orkla 6,80 6,53 7,58/5,04 53,50 2,50 NOK
OTP Bank 23,22 22,99 27,72/15,73 6.23t – HUF
OVB Holding 18,75 18,75 27,50/18,65 – 0,50
P
P & I 27,25 27,23 30,80/18,72 – 1,00
Paion 2,09 2,07 2,84/1,82 – –
Paragon 9,40 9,12 13,70/2,80 – –
Parmalat 2,29 2,26 2,52/1,81 2,31 0,04
Paychex 22,27 22,03 24,97/19,15 32,40 1,24 USD
Pernod-Ricard 65,71 67,11 72,38/58,60 66,14 1,34
Petrobras 23,42 22,80 29,20/20,80 33,62 1,31 USD
Petrochina 1,04 1,04 1,10/0,82 11,88 0,41 HKD
Petrotec 1,11 1,16 3,70/1,11 – –
Peugeot 29,18 28,50 33,04/18,00 29,19 –
Pfleiderer 0,77 0,82 5,38/0,74 – –
Schluss Börse Frankfurt 52-Wochen Heimatbörse W
21.04. 20.04. Hoch / Tief Div.
Pirelli 6,71 6,57 6,71/4,31 – –
PNE Wind 2,15 2,23 2,61/1,40 – –
Polis Immob. 10,60 10,15 10,60/7,58 – –
Polyus Z. ADR 24,65 24,67 28,88/17,35 36,65 0,11 USD
Porsche Vz 44,50 44,30 75,25/31,91 – 0,10
Portugal Telecom 8,18 8,14 10,74/6,78 8,18 0,58
Posco ADR 76,30 78,87 91,04/70,74 4.72t 1.00t KRW
Potash Sask. 39,63 39,90 47,09/22,51 57,60 0,28 USD
Powerland 14,49 14,50 15,09/14,49 – –
PPR 117,50 115,37 128/90,53 118,0 3,50
Priceline.com 368,92 365,51 369/140 544,0 – USD
Princess Private 6,27 6,23 6,58/4,39 – –
Procon Multim. 1,72 1,72 1,80/1,12 – –
Progress 39,10 37,80 39,10/25,01 – –
PSI 20,75 20,54 20,79/10,90 – 0,21
Pulsion 4,92 4,79 5,03/2,90 – –
PVA Tepla 4,59 4,50 5,29/3,62 – 0,20
R
R.Stahl 32,00 31,79 32,00/17,69 – 0,90
Raiffeisen Int. 37,26 37,49 44,89/29,35 37,62 1,05
Rambus 14,88 13,72 20,65/13,29 20,13 – USD
Randstad 38,67 37,41 43,04/27,96 38,77 1,18
Realtech 8,30 8,55 11,39/6,54 – 0,50
Reckitt Benckiser 38,13 38,07 43,51/34,81 3.29t 115,0GBp
Red Hat 32,70 33,12 36,83/22,05 47,08 – USD
Reed Elsevier 8,72 8,90 10,27/8,06 8,81 0,41
Reliance GDR 31,66 31,83 38,13/28,45 1.00t 7,00 INR
Renault 38,50 37,97 49,43/26,84 38,40 0,30
Renewable Energy 2,24 2,19 3,22/1,85 17,44 – NOK
Repower Syst. 142,55 142,80 157/98,30 – –
RHI 24,39 24,53 29,86/18,14 24,54 0,50
RIB Software 7,73 7,61 9,05/7,55 – –
Richemont 41,91 41,67 45,41/25,02 54,80 0,35 CHF
Richter Gedeon 144,62 139,94 178/130 3.78t 860,0HUF
Roche Inh. 119,78 118,94 125/102 155,0 0,40 CHF
Rofin Sinar 26,14 25,17 29,60/15,41 – –
Rosneft ADR 6,11 6,14 6,94/4,64 – 0,06 USD
Rostelecom ADR 23,30 24,10 27,00/15,00 35,00 – USD
Royal Bank Scot. 0,48 0,47 0,68/0,46 41,80 – GBp
Rücker 14,60 14,50 14,60/6,45 – 0,30
RWE Vz 41,25 44,00 58,39/40,30 – 3,50
S
SAF Simulation 17,00 17,00 18,30/11,56 – –
Saipem 37,90 37,26 38,63/23,30 37,83 0,63
Samsung El. 291,36 295,62 330/235 – 1.00t KRW
Samsung El. Vz 196,60 198,33 228/159 – 1.00t KRW
Sandvik 13,99 13,80 15,19/8,52 124,0 3,00 SEK
Sartorius 31,11 32,69 32,69/16,40 – 0,60
Sartorius Vz 32,05 34,07 34,56/16,75 – 0,62
Sasol 37,92 37,35 42,06/27,50 3.75t – ZAR
Satyam ADR 2,22 2,25 4,74/1,80 72,55 – INR
Sberbank GDR 273,01 280,00 340/182 – – USD
SBM Offshore 20,12 19,87 20,78/11,67 20,19 0,51
Scania 16,13 15,93 17,60/10,58 146,0 – SEK
Schaltbau 72,55 70,20 72,55/40,12 – 0,70
SEB 6,43 6,44 6,76/3,88 58,35 1,50 SEK
Secunet 10,44 10,55 12,41/8,96 – –
Securitas 8,56 8,43 8,97/6,85 76,55 3,00 SEK
Sedo Holding 3,20 3,15 4,50/2,60 – –
Severstal GDR 12,95 13,08 14,95/7,58 – – USD
SFC 5,05 5,20 6,18/4,08 – –
Sharp 6,18 6,15 10,65/5,75 2.02t 20,00JPY
SHS Viveon 12,95 12,90 14,06/7,20 – –
Silicon Sensor 9,56 9,55 11,04/6,24 – –
SinnerSchrader 2,53 2,52 2,68/1,83 – 0,08
Sixt Vz 26,12 25,63 27,12/13,99 – 0,22
Smartrac 15,00 15,10 20,05/12,89 – 0,45
SMT Scharf 22,59 22,20 22,70/10,99 – 0,85
Softbank 28,75 28,75 29,91/16,71 – 5,00
Softing 3,98 4,00 4,20/2,15 – –
Solar Fabrik 4,96 4,74 6,40/3,10 – –
Solon 3,91 4,20 6,40/2,05 – –
Sony 21,12 20,75 28,24/20,39 4.71t 25,00JPY
South. Copper 25,34 25,58 37,31/21,00 36,15 1,83 USD
State Bk of India 92,16 88,23 112/74,35 2.91t 30,00INR
Statoil 19,30 19,22 20,65/14,73 150,0 6,25 NOK
STMicroelectron 8,36 8,39 9,63/5,23 8,25 0,29
Stryker 40,31 40,37 46,53/33,95 58,07 0,72 USD
Suez Env. 14,67 14,60 16,26/12,45 14,74 0,65
Sunpower 10,78 10,51 13,65/7,69 15,72 – USD
Suntech Power 5,97 6,16 10,63/5,30 8,85 – USD
Sunways 5,40 5,17 6,30/3,60 – –
Surgutn. ADR 7,30 7,21 9,11/6,34 10,70 0,02 USD
Surteco 28,57 28,86 31,89/16,24 – 0,40
Svenska Hdlsbk. 23,86 23,55 24,97/18,51 216,0 9,00 SEK
Swatch Group 327,00 318,00 339/200 420,0 5,00 CHF
Swiss Life 121,86 118,76 125/74,14 157,0 – CHF
Swiss Re 39,47 38,35 45,76/31,01 50,70 2,75 CHF
Swisscom 318,06 318,00 335/252 411,0 21,00CHF
Sygnis Pharma 2,27 2,24 3,00/1,86 – –
Synaxon 5,00 5,00 5,22/3,56 – 0,20
Syngenta 239,15 239,69 245/166 310,0 7,00 CHF
Synthes 115,11 115,52 116/82,60 149,0 1,80 CHF
Syskoplan 9,30 9,31 9,80/8,61 – 0,15
Systaic 0,13 0,11 2,13/0,11 – –
Syzygy 3,75 3,74 3,93/3,23 – 0,20
T
Takeda Pharma 32,75 32,50 37,84/31,03 6.31t 180,0JPY
Tata Motors ADR 19,25 19,24 27,90/12,39 1.24t 15,00INR
Tatneft GDR 32,00 31,39 33,84/18,72 45,44 0,90 USD
Technotrans 6,68 6,83 7,76/4,87 – –
Telegate 8,65 8,73 9,46/6,15 – 0,70
Telekom Austria 10,22 10,20 11,31/8,97 10,23 0,75
Telenor 11,19 11,10 12,44/9,11 87,40 3,80 NOK
Teleplan 1,81 1,80 2,52/1,73 – 0,06
Teles 0,56 0,57 0,77/0,51 – –
Teliasonera 5,42 5,50 6,28/4,55 47,94 2,75 SEK
Thomps.Creek 8,34 8,38 11,77/6,53 11,75 – CAD
Thomson Reuters 28,17 28,44 31,38/26,38 39,09 1,24 CAD
TNT 16,31 16,40 23,39/16,02 16,35 0,57
Tomorrow Foc. 4,35 4,22 4,86/2,90 – –
Tomra Systems 5,54 5,53 5,79/3,04 43,70 0,60 NOK
TomTom 6,27 5,99 7,95/4,10 6,28 –
Toshiba 3,54 3,47 4,95/2,88 761,0 5,00 JPY
Toyota Motor 26,83 26,66 34,66/25,08 5.78t 45,00JPY
Travel24.com 10,45 10,30 27,00/9,00 – –
U
UMS Internat. 8,12 8,12 8,12/5,70 – 0,30
Unipetrol 7,66 7,65 9,19/6,99 186,0 – CZK
United Labels 4,50 4,65 5,80/2,22 – –
UPM Kymmene 14,67 14,77 15,67/9,43 14,76 0,55
UPS 49,83 50,00 56,55/45,30 72,90 2,08 USD
Uranium One 2,91 2,87 4,98/1,60 3,97 – CAD
USU Soft.konv. 5,00 4,66 5,11/3,29 – 0,15
V
Vale 21,10 21,00 26,80/17,00 46,44 – BRL
Vallourec 83,81 83,77 84,33/67,50 84,85 1,75
VBH 4,90 4,90 5,06/3,88 – 0,05
Veolia Envir. 21,73 21,89 24,57/18,21 21,72 1,21
Verbio 4,15 3,94 4,90/2,52 – –
Versatel 6,30 6,34 7,80/3,78 – –
Vestas Wind 24,39 23,99 48,17/21,00 178,0 – DKK
Villeroy & Boch 6,22 6,10 6,22/3,75 – –
Visa 52,72 53,45 72,00/50,50 77,53 0,60 USD
Vita 34 4,71 4,98 5,50/4,25 – –
Vizrt 2,80 2,84 3,28/2,31 – –
VMware 66,25 66,12 74,00/44,34 97,78 – USD
Voestalpine 33,30 32,64 36,87/21,24 33,42 0,50
Volkswagen 110,75 109,88 119/65,10 – 1,60
Volvo B 12,49 12,23 13,29/7,33 113,0 2,50 SEK
VTB Bank GDR 4,60 4,42 5,66/3,42 – 0,03 USD
Vtion Wireless 4,86 4,01 11,48/3,20 – –
W
WashTec 11,00 11,00 11,10/7,50 – –
Westag & Get. 19,32 19,47 19,79/16,60 – 0,94
Westag & Get. Vz 19,45 19,70 19,75/16,60 – 1,00
Wienerberger 14,40 14,30 16,25/9,82 14,23 0,10
Wilex 3,85 3,91 7,36/3,02 – –
Wizcom techs 0,34 0,34 0,44/0,17 – –
X Y Z
Xing 45,75 44,70 45,75/26,15 – –
Xstrata 17,81 17,30 18,75/10,33 1.55t 15,56GBp
Yara 36,56 36,37 44,83/21,82 285,0 5,50 NOK
Yingli Green ADR 8,01 8,09 9,82/7,02 11,69 – USD
Yoc 31,70 31,55 41,45/29,30 – –
Zapf Creation 1,69 1,66 2,67/0,69 – –
Zhongde 8,93 9,18 16,25/6,56 – 0,15
Zooplus 88,34 84,72 88,34/34,50 – –
Stoxx 50 / Euro Stoxx 50 (ohne Dax-Werte)
Schluss Heimatboerse Tages- 52-Wochen KGV Markt- Frankfurt
Div. W 21.04. 20.04. Veränderung in Prozent Hoch / Tief 2011 Wert 21.04. 20.04.
Euro Stoxx 50 – 2936,30 2921,43 +0,51 3068/2489 – – – –
Stoxx 50 – 2626,72 2613,36 +0,51 2769/2285 – – – –
ABB – CHF 22,31 22,21 +0,45 23,18/18,43 15 39,80 17,24 17,03
Air Liquide 2,25 97,90 96,78 +1,16 98,99/53,00 18 27,60 97,14 96,63
Alstom 1,24 44,08 43,73 +0,81 46,07/30,95 15 12,94 43,97 43,81
Anglo American – GBp 3,16t 3,16t -0,18 3,43t/2,25t 8 48,29 36,55 35,29
Anh.-Busch Inb. 0,38 42,88 42,88 - 45,85/35,70 14 69,02 43,00 43,22
Arcelor-Mittal 0,57 24,96 24,90 +0,24 32,44/21,33 13 39,02 25,00 24,84
Astrazeneca 44,90 GBp 3,02t 3,03t -0,29 3,38t/2,77t 7 47,59 34,22 34,60
Axa 0,55 15,11 14,93 +1,17 16,69/11,06 8 34,99 15,08 14,96
Banco Bilbao (BBVA) 0,42 8,39 8,39 - 10,79/6,92 8 37,75 8,41 8,21
Banco Santander 0,60 8,24 8,24 - 10,43/7,30 8 69,07 8,18 8,15
Barclays 2,50 GBp 298,85 295,80 +1,03 370,90/255,35 8 42,15 3,46 3,37
BG Group 12,35 GBp 1,53t 1,51t +0,80 1,56t/984,00 19 59,92 17,69 17,10
BHP Billiton 57,00 GBp 2,55t 2,53t +0,77 2,63t/1,68t 10 64,20 29,43 28,67
BNP Paribas 1,50 51,42 50,54 +1,74 58,97/41,48 7 61,68 51,46 50,71
BP 4,34 GBp 460,60 466,25 -1,21 626,80/302,90 7 98,71 5,25 5,25
Brit.Amer. Tobacco 99,50 GBp 2,59t 2,59t -0,05 2,59t/1,95t 14 58,73 29,42 29,60
Carrefour 1,08 31,09 30,94 +0,50 41,28/29,90 14 21,20 31,20 30,56
Credit Agricole 0,45 10,84 10,81 +0,23 12,72/4,15 6 25,94 10,80 10,79
Crédit Suisse 2,00 CHF 38,85 38,55 +0,78 51,75/37,04 8 36,10 30,43 29,80
CRH Plc 0,63 16,42 16,42 - 21,95/11,70 19 11,79 16,63 15,70
Danone 1,20 48,92 49,05 -0,27 49,05/39,96 16 31,75 49,01 49,12
Diageo 38,10 GBp 1,20t 1,21t -0,99 1,25t/1,02t 15 34,87 13,93 13,94
Enel 0,25 4,67 4,67 - 4,67/3,43 10 43,80 4,66 4,57
ENI 1,00 17,37 17,37 - 18,42/14,61 8 69,73 17,41 17,03
Ericsson 2,00 SEK 78,80 78,80 - 89,70/69,40 13 26,70 8,87 8,72
France Télécom 1,40 15,40 15,63 -1,47 17,36/14,15 9 40,82 15,41 15,68
GDF Suez 1,47 27,16 27,23 -0,28 29,94/22,80 14 61,21 27,20 27,21
Generali 0,35 15,48 15,48 - 16,99/13,50 13 23,79 15,28 15,35
Glaxosmithkline 64,00 GBp 1,24t 1,26t -1,10 1,31t/1,09t 11 73,54 14,18 14,18
Hennes&Mauritz 16,00 SEK 219,00 219,00 - 490,90/199,90 20 35,91 24,59 24,51
HSBC Holding 0,34 GBp 659,60 652,00 +1,17 730,90/596,20 11 133,42 7,54 7,36
Iberdrola 0,33 6,11 6,11 - 6,47/4,63 12 33,39 6,09 6,08
ING – 8,73 8,72 +0,14 9,41/5,52 6 33,47 8,74 8,70
Intesa San Paolo 0,08 2,17 2,17 - 2,70/1,89 11 24,84 2,10 2,10
L’Oreal 1,50 85,68 85,88 -0,23 89,50/72,24 19 51,32 85,64 85,98
LVMH 1,65 119,30 117,70 +1,36 128,00/80,00 19 58,61 119,46 117,79
Nestlé 1,60 CHF 53,85 53,70 +0,28 56,60/49,14 16 144,59 41,73 41,67
Nokia 0,40 5,96 5,96 - 9,36/5,69 12 22,08 5,90 5,94
Novartis 2,10 CHF 50,95 51,65 -1,36 57,35/48,10 9 104,17 39,50 39,91
Philips 0,70 20,09 20,52 -2,10 26,94/20,09 11 19,82 20,10 20,46
Repsol 0,85 23,47 23,47 - 24,79/15,54 11 28,73 23,54 22,78
Rio Tinto 28,84 GBp 4,40t 4,36t +0,83 4,71t/2,81t 7 76,20 50,06 49,51
Roche Hold. Gen. 6,00 CHF 136,60 136,30 +0,22 171,80/125,30 10 74,89 106,60 104,91
Roy. Dutch Shell 1,20 25,73 25,55 +0,70 26,60/19,75 7 91,88 25,78 25,52
Saint Gobain 1,00 46,76 45,67 +2,39 46,76/28,49 14 24,80 46,71 45,87
Sanofi-Aventis 2,20 52,73 52,50 +0,44 54,09/40,20 8 69,40 52,94 52,41
Schneider Electric 2,05 117,30 114,25 +2,67 123,20/75,38 14 31,87 117,20 114,15
Societe Generale 0,25 43,49 43,70 -0,47 52,04/30,33 7 32,50 43,54 43,61
Standard Chartered 42,79 GBp 1,62t 1,63t -0,46 1,95t/1,52t 13 43,44 18,50 18,50
Telecom Italia 0,05 0,98 0,98 - 1,14/0,89 8 13,27 0,99 0,99
Telefonica 1,30 17,61 17,61 - 19,60/14,88 9 80,71 17,69 17,81
Tesco 13,05 GBp 395,30 396,96 -0,42 454,40/377,50 12 36,76 4,57 4,56
Total 2,28 42,05 41,88 +0,42 44,41/35,88 8 99,12 42,19 41,73
UBS – CHF 16,59 16,42 +1,04 18,93/14,02 9 49,48 12,92 12,67
Unibail – 153,95 152,20 +1,15 166,10/120,50 18 14,15 154,25 150,05
Unicredit 0,03 1,69 1,69 - 2,22/1,47 19 32,36 1,68 1,65
Unilever NV 0,62 22,81 22,70 +0,48 24,02/20,94 14 35,13 22,88 22,77
Vinci 1,62 43,49 43,32 +0,39 44,96/33,18 13 24,25 43,65 42,61
Vivendi 1,40 20,34 20,57 -1,14 21,94/16,29 9 25,09 20,28 20,38
Vodafone 8,31 GBp 169,05 177,15 -4,57 182,75/129,45 10 100,76 1,95 2,00
Zurich Fin. 16,00 CHF 238,50 237,60 +0,38 274,50/223,30 8 27,23 185,70 183,20
Dow Jones
18 Uhr New York(in USD) Tages- 52-Wochen KGV Markt- Frankfurt
Div. 25.04. 21.04. Veränderung in Prozent Hoch / Tief 2011 Wert 21.04. 20.04.
Dow Jones – 12460,9212505,99 -0,36 12506/9686 – – – –
3 M 2,10 93,28 93,92 -0,68 93,92/74,74 15 66,40 64,77 63,77
Alcoa 0,12 16,76 16,97 -1,24 18,13/10,00 13 17,81 11,55 11,56
American Express 0,72 47,24 47,11 +0,28 47,60/37,71 13 56,80 31,74 32,34
AT & T 1,68 30,52 30,68 -0,53 30,77/24,13 13 180,40 21,02 20,77
Bank of America 0,04 12,49 12,31 +1,46 18,30/10,95 10 126,41 8,50 8,46
Boeing 1,68 74,69 75,44 -0,99 75,44/60,11 18 54,99 51,75 51,60
Caterpillar 1,76 108,34 109,42 -0,99 113/55,83 18 68,31 75,00 73,75
Chevron 2,88 106,91 108,13 -1,13 110/67,31 10 214,62 73,90 74,10
Cisco Systems – 16,99 16,94 +0,30 27,57/16,60 11 93,92 11,66 11,70
Coca-Cola 1,76 67,42 67,88 -0,68 68,31/50,03 17 154,68 46,44 46,87
Du Pont 1,64 54,91 55,91 -1,79 56,06/34,05 15 50,61 39,07 38,31
Exxon Mobil 1,76 85,89 86,36 -0,54 87,07/56,57 12 425,89 58,73 58,70
General Electric 0,48 20,03 19,95 +0,39 21,52/13,88 15 212,66 13,72 14,12
Hewlett-Packard 0,32 40,83 40,99 -0,40 54,26/38,00 8 88,78 28,05 28,47
Home Depot 0,95 37,49 37,80 -0,82 38,48/27,07 16 61,44 25,87 26,10
IBM 2,60 167,70 168,28 -0,34 168/122 13 204,52 115,18 113,71
Intel 0,72 21,78 21,46 +1,49 23,82/17,67 11 119,53 14,70 14,69
Johnson&Johnson 2,16 64,02 64,07 -0,08 65,33/57,02 13 175,11 44,02 44,31
JP Morgan Chase 0,20 45,00 44,68 +0,71 48,00/35,63 9 179,24 30,68 30,52
Kraft Foods 1,16 33,02 33,38 -1,08 33,56/27,82 15 57,75 22,85 23,15
McDonald’s 2,44 76,62 76,91 -0,38 80,34/65,87 15 79,93 53,15 53,45
Merck & Co. 1,52 34,22 34,04 +0,53 37,42/31,08 9 105,50 23,42 23,49
Microsoft 0,64 25,36 25,52 -0,63 31,11/23,01 10 213,08 17,47 17,82
Pfizer 0,72 19,98 19,79 +0,96 20,68/14,14 9 159,74 13,16 14,22
Procter & Gamble 1,93 62,85 63,27 -0,66 66,70/59,34 16 176,03 43,41 43,90
Travelers Cos. 1,44 61,91 61,32 +0,96 61,32/48,00 10 26,69 41,84 40,21
United Tech 1,70 86,64 87,10 -0,53 87,10/63,22 16 79,81 59,30 57,69
Verizon Comm. 1,95 36,95 36,91 +0,11 38,61/26,49 17 104,50 24,97 25,95
Wal-Mart 1,21 53,29 53,58 -0,55 57,57/48,00 12 189,80 36,97 37,13
Walt Disney 0,40 42,02 42,27 -0,60 44,07/31,38 16 79,79 29,02 28,84
weitere US-Aktien
18 Uhr New York(in USD) Tages- 52-Wochen KGV Markt- Frankfurt
Div. 25.04. 21.04. Veränderung in Prozent Hoch / Tief 2011 Wert 21.04. 20.04.
Nasdaq – 2814,48 2820,16 -0,20 2834/2092 – – – –
Adobe Systems – 33,33 33,48 -0,45 36,15/25,60 15 16,82 23,10 23,18
Amazon – 185,15 185,89 -0,40 191/109 58 83,50 127,00 126,75
Apollo Group – 39,84 39,80 +0,10 62,75/34,00 9 5,70 26,31 26,85
Applied Mats 0,28 15,23 15,25 -0,13 16,85/10,37 10 20,09 10,40 10,46
Baidu – 149,75 148,65 +0,74 150/62,01 61 39,38 102,86 104,05
Biogen Idec – 100,00 99,70 +0,30 99,70/46,22 17 24,09 69,32 57,96
Celgene – 56,23 56,40 -0,30 62,95/49,02 17 26,14 38,90 39,06
Citrix Sys. – 77,23 76,37 +1,13 76,37/41,92 33 14,49 51,72 50,56
Comcast 0,38 25,12 25,34 -0,87 25,77/16,77 17 52,04 16,97 16,84
Dell – 15,35 15,27 +0,50 17,02/11,59 9 29,62 10,40 10,37
EBay – 32,82 31,95 +2,72 34,69/19,26 17 42,79 21,80 21,76
Electronic Arts – 20,42 20,41 +0,05 20,51/14,33 30 6,83 14,14 13,99
First Solar – 136,35 137,22 -0,63 171/103 14 11,71 94,18 95,77
Garmin 1,50 34,29 34,15 +0,41 38,98/26,55 15 7,13 23,12 23,17
Gilead Sciences – 38,82 39,06 -0,61 42,81/31,83 9 30,87 27,21 27,95
Intuitive Surgical – 348,43 357,19 -2,45 372/248 31 13,67 247,05 246,35
Joy Global 0,70 97,07 98,46 -1,41 102/45,76 18 10,15 67,64 65,50
Microchip Tech. 1,38 38,90 39,10 -0,51 39,10/26,61 17 7,33 26,80 26,04
Millicom Intl. Celu. 2,64 106,69 105,68 +0,96 106/76,30 16 11,59 71,55 70,34
Network Appl. – 51,76 51,02 +1,45 60,60/31,47 25 18,71 33,63 32,83
Nvidia – 18,98 18,52 +2,48 25,68/8,88 18 11,03 12,90 12,86
Qualcomm 0,76 56,97 56,94 +0,05 59,58/31,96 19 93,64 38,97 37,83
Research in Motion – 53,51 53,77 -0,48 72,70/42,84 8 28,01 36,82 37,23
Sandisk – 50,48 48,99 +3,04 53,24/33,13 12 11,95 33,75 33,44
Starbucks 0,52 36,80 37,00 -0,55 37,97/22,82 25 27,45 25,00 25,50
Symantec – 19,02 19,03 -0,05 19,03/12,34 14 14,52 13,09 12,82
Tellabs 0,08 5,38 5,47 -1,65 9,44/4,92 538 1,95 3,66 3,69
Teva Pharm. 0,74 44,93 45,01 -0,18 60,92/45,01 9 42,21 31,72 33,80
Verisign – 37,14 37,30 -0,43 37,38/24,95 26 6,44 25,41 25,21
Vertex Pharms – 48,45 49,37 -1,86 51,07/32,15 – 9,90 33,50 33,25
Wynn Resorts 1,00 146,02 147,71 -1,14 148/74,79 47 18,20 101,78 101,64
Yahoo – 17,19 16,85 +2,02 17,77/13,11 23 22,51 11,49 11,51
S & P 500 – 1333,53 1337,38 -0,29 1343/1023 – – – –
Abbott Labs 1,76 51,27 51,80 -1,02 53,67/45,16 11 79,34 35,00 34,90
AIG – 31,54 32,16 -1,93 51,26/27,73 17 56,63 22,30 22,55
Altria 1,52 26,02 26,06 -0,15 27,01/19,57 13 54,43 17,88 17,96
Amgen – 53,58 53,69 -0,20 58,59/50,36 10 49,96 36,70 38,54
Apple – 352,06 350,70 +0,39 363/236 15 324,35 241,15 237,90
Avon Products 0,88 28,55 28,89 -1,18 35,49/25,73 14 12,27 19,63 19,39
Baker Hughes 0,60 73,69 74,48 -1,06 74,48/35,87 20 32,00 50,95 50,40
Bristol Myers 1,28 27,68 27,82 -0,50 27,93/22,44 13 47,12 18,63 18,95
Citigroup – 4,55 4,55 - 5,13/3,63 11 132,20 3,10 3,13
Colgate 2,12 79,87 80,65 -0,97 85,00/73,75 16 39,44 55,55 56,40
Conoco Philips 2,20 79,80 80,73 -1,15 80,79/48,82 12 114,09 55,46 55,12
Dow Chemicals 0,60 39,07 39,48 -1,05 39,48/22,97 15 45,62 26,76 26,50
EMC – 28,18 28,45 -0,97 28,45/17,68 19 58,28 19,62 19,20
Fedex 0,48 93,09 93,94 -0,90 98,32/70,11 19 29,33 63,84 63,93
Ford Motor – 15,46 15,43 +0,16 18,79/9,88 8 58,46 10,50 10,39
Goldman Sachs 1,40 151,93 153,51 -1,03 175/131 9 79,08 105,55 105,55
Google – 523,08 525,10 -0,38 640/436 15 131,22 359,40 363,10
Halliburton 0,36 50,14 50,48 -0,67 50,48/21,15 17 45,80 33,70 34,40
Honeywell 1,21 60,27 60,72 -0,74 60,72/38,53 16 47,26 41,18 40,02
Intern. Paper 0,50 29,88 30,00 -0,41 30,68/19,88 11 13,14 20,30 20,30
Lockheed Martin 3,00 77,30 77,78 -0,62 86,75/68,04 11 27,04 53,39 53,62
Medtronic 0,90 40,38 40,84 -1,12 44,13/31,21 12 43,35 27,81 28,28
Morgan Stanley 0,20 25,94 26,48 -2,05 31,31/22,83 9 40,09 17,83 18,15
Occidental Pet. 1,52 99,75 100,53 -0,78 107/72,23 14 81,08 68,68 69,03
Oracle 0,20 34,71 34,75 -0,12 34,75/21,46 17 175,37 23,72 23,36
Pepsico 1,92 67,06 67,41 -0,52 68,11/60,77 15 106,39 46,23 46,51
Philip Morris 2,56 67,44 67,61 -0,25 67,61/43,17 15 121,20 46,50 45,79
Schlumberger 0,84 88,08 89,78 -1,89 95,04/51,75 23 119,77 61,76 60,35
Texas Instruments 0,52 35,36 35,52 -0,45 36,56/23,02 13 41,44 24,31 24,10
Time Warner 0,85 36,49 36,51 -0,05 38,20/28,20 13 39,88 24,72 25,05
Wells Fargo 0,20 28,61 28,54 +0,25 34,10/23,25 10 150,72 19,55 19,78
Xerox 0,17 9,96 10,22 -2,54 12,01/7,91 9 13,94 7,43 7,34
Weltindizes
25.04. 21.04. Tages- Tages- 52-Wochen
18 Uhr Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief
MSCI World (berechnet in US-$) – 1360,95 - –/– 1362,62/1033,74
AEX All Shares Amsterdam geschl. 359,01 - –/– 374,19/305,03
BUX Budapest geschl. 23964,46* - –/– 24952,41/20221,37
OMX H25 Helsinki geschl. 2615,46 - –/– 2710,72/1979,65
HangSeng Hongkong 24138,31 24138,31* - 24185,49/24031,42 24964,37/18985,50
ISE Nat. 100 Istanbul 68829,32 68492,13* +0,49 69000,73/68597,95 71543,26/52257,07
JSE Top 40 Johannesburg 29457,17 29457,17* - 29564,63/29319,97 29922,75/23066,67
FTSE 100 London geschl. 6018,30 - –/– 6091,33/4805,75
IBEX 35 Madrid geschl. 10584,10 - –/– 11113,00/8669,80
MIB Mailand geschl. 21810,70 - –/– 23178,38/18382,71
RTS 1 Moskau 2044,26 2049,03* -0,23 2074,71/2044,26 2123,56/1242,46
Sensex Mumbai 19584,31 19602,23* -0,09 19697,49/19531,34 21004,96/16022,48
CAC 40 Paris geschl. 4021,88 - –/– 4157,14/3331,29
PX SE Ind. Prag geschl. 1251,60* - –/– 1314,60/1097,00
Bovespa Sao Paolo 67058,00 67058,00* - 67076,00/66164,00 72995,00/58192,00
Shanghai Co Shanghai 2964,95 3010,52* -1,51 3003,61/2964,64 3159,51/2363,95
Straits Times Singapur 3187,72 3194,73* -0,22 3208,34/3186,90 3313,61/2651,19
All Ordinaries Sydney 4995,70 4995,70* - 4996,50/4946,80 5064,90/4250,60
Nikkei 225 Tokio 9671,96 9682,21* -0,11 9748,40/9657,24 11212,66/8605,15
S & P/TSE 300 Toronto 13943,47 13972,02* -0,20 13997,90/13942,21 14270,53/11092,50
VDax Volatil.-Dax geschl. 16,94 - –/– 40,36/15,31
WIG Warschau geschl. 49966,31 - –/– 50329,73/39109,37
Austrian Tr. Wien geschl. 2868,87 - –/– 3000,70/2216,84
Swiss Market Zürich geschl. 6457,16 - –/– 6803,74/5942,25
ERLÄUTERUNGEN: Kursangaben: Notierungen in Deutschland verstehen sich in
Euro und basieren auf Kursen des Frankfurter Präsenzhandels. In den Spalten
mit der Bezeichnung Heimatbörse wird die Notierung und die Dividendenangabe
in der jeweiligen Landeswährung (W) dargestellt. Ausnahme: Bei Aktien aus
dem Euro-Raum erfolgt keine Währungsangabe. t nach dem Kurs: Darstellung
in Tausend. * zuletzt verfügbarer Kurs. Notierungen von Dax, MDax, TecDax
und SDax basieren auf Xetra-Kursen. Alle deutschen Werte sind mit Ausnahme
von Porsche im Prime Standard notiert. Dividendenangaben gelten für das
abgelaufene Geschäftsjahr. Bei US-Werten wird die letzte Quartalsdividende
auf das Jahr hochgerechnet. D: Titel mit Dividendenabschlag gehandelt. KGV:
Kurs-Gewinn-Verhältnis (Ibes-Schätzungen). Umsätze: Gesamtumsätze in Tausend
Euro. Marktkapitalisierung: Angaben in Milliarden Euro. Aktienarten: ADR = Ame-
rican Depositary Receipts, GDR = Global Depositary Receipts, Vz=Vorzugsaktien.
Währungskürzel: AUD=austral. Dollar, BRL=brasil. Real, CAD=kanad. Dollar,
CHF=Schweizer Franken, CNY=chines. Yuan, CZK=tschech.Krone, DKK=dänische
Krone, GBP=brit. Pfund, HKD=Hongkong Dollar, HUF=ungar. Forint, INR=Ind.
Rupie, JPY=japan. Yen, KRW=kor. Won, NOK=norweg. Krone, NZD=neuseel. Dollar,
PLN=poln. Zloty, RUR=russ. Rubel, SEK=schwed. Krone, SGD=Singapur Dollar,
TRY=türk. Lira, USD=US-Dollar, ZAR=südafrik. Rand; *Sortenkurse: Mitgeteilt von
der Reisebank Frankfurt, Darstellung aus Sicht des Bankkunden.
Kursgrafik: smallCharts, Quelle: GOYAX.de, AID Hannover, Morningstar
Leserservice: 089 - 2183 7770 (11 bis 15:00 Uhr)
Alle Angaben im Kursteil der SZ erfolgen ohne Gewähr
25/21.04. 25/21.04. 25/21.04.
Die Aktienmärkte in Fernost und
in den USA haben sich amOster-
montag wenig verändert präsen-
tiert. Da die meisten europäi-
schenBörsenfeiertagsbedingt ge-
schlossen blieben, sprachen die
Händler von geringen Umsätzen.
In Tokio warteten die Anleger ge-
spannt auf die ersten wichtigen
Geschäftszahlen japanischer Un-
ternehmen. Sie erhoffen sich
neue Erkenntnisse, wie stark die
Erdbeben- und Tsunami-Katas-
trophe die japanische Wirtschaft
in Mitleidenschaft gezogen hat.
Der 225 Werte umfassende Nik-
kei-Index beendete den Handel
0,1 Prozent tiefer bei 9671 Punk-
ten. Vor allem Schifffahrtsunter-
nehmen verhinderten ein weite-
res Abrutschennachdemdie Wirt-
schaftszeitung Nikkei am Wo-
chenende berichtete, dass die
drei wichtigsten Unternehmen
der Branche wieder deutlich
mehr verdient haben. Mit Span-
nung warten die Anleger in Tokio
aber auf Zahlen von Schwerge-
wichten wie Nintendo, Canon
und Honda, die imLaufe der Wo-
che ihre Berichte veröffentlichen
wollen.
An der Wall Street lag der Dow
Jones zur Handelsmitte 0,4 Pro-
zent im Minus bei 12 454 Punk-
ten. Die bisher weitestgehend er-
folgreiche Berichtssaison stand
imFokus der Anleger. 75 Prozent
der im S&P notierten Konzerne,
die bereits Einblickins abgelaufe-
ne Quartal gegebenhaben, schnit-
ten über den Erwartungen ab. In
denzurückliegendenvier Quarta-
lenlag der Schnitt bei 62 Prozent.
„Die Zahlen der letzten Woche
waren ziemlich positiv“, sagte
Analyst John Brady von MF Glo-
bal in Chicago. Besonders Apple
und Morgan Stanley konnten
überzeugen. ImLaufe dieser Wo-
che folgen Microsoft und Coca-
Cola.
Erneut im Mittelpunkt stan-
den die Entwicklungen bei den
Fusionsbestrebungen von Deut-
scher Börse und Nyse Euronext.
Die Euronext rechnet mit deut-
lichgrößerenKostenersparnissen
bei einem Zusammengehen mit
den Deutschen. Auch Konkur-
rent Nasdaq bemüht sich zusam-
men mit der Intercontinental Ex-
change umdie Nyse. Nyse-Papie-
re gaben ein Prozent nach, wäh-
rend die Anteilsscheine von
Nasdaq und ICE mit 1,7 bezie-
hungsweise 0,4 Prozent imMinus
lagen. Bei denEinzelwerteninter-
essierten sich Anleger für Aktien
des Elektronikhändlers Radio-
Shack an. Der Quartalsgewinn
war wegen des schwachen Ge-
schäfts mit T-Mobile-Produkten
zurückgegangen. Die Aktie gab
0,5 Prozent nach. SZ/Reuters
Die Berichtssaison bleibt im Fokus
Seite 22 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 HF2 Dienstag, 26. April 2011
GELD
Dax in Punkten
5500
6500
7500
8500
M J J A S O N D J F M A
1 Jahr
Vortag
Aktuell
+16,6 %
+0,6 %
21.4.2011 · Schluss 7295,49
MDax in Punkten
7000
8000
9000
10000
11000
M J J A S O N D J F M A
1 Jahr
Vortag
Aktuell
+23,1 %
+0,6 %
21.4.2011 · Schluss 10513,28
Euro Stoxx 50 in Punkten
2600
3000
3400
M J J A S O N D J F M A
1 Jahr
Vortag
Aktuell
+0,6 %
+0,5 %
21.4.2011 · Schluss 2936,30
Dow Jones in Punkten
10000
11000
12000
13000
14000
M J J A S O N D J F M A
1 Jahr
Vortag
Aktuell
+11,2 %
–0,4 %
25.4.2011 · 18 Uhr 12453,77
Von Andreas Ol dag
London – Rinat Achmetow hat eine Vor-
liebe für Luxus. Der Unternehmer aus
der Ukraine gehört zu den neuen Bewoh-
nern mit der wohlklingenden Adresse
„One Hyde Park“. Dort hat sich der
44-jährige Oligarch, der mit Kohleminen
und Telekom-Firmen in seinem Heimat-
land reich geworden ist, eine der teuers-
ten Wohnungen der Welt gekauft. Preis:
136,6 MillionenPfund(156 MillionenEu-
ro). Es handelt sich umein Penthouse mit
einer Fläche von 2323 Quadratmetern.
Das Appartement hat einen 24-Stunden-
Zimmerservice, einen Weinkeller und
Bunker sowie schusssichere Fenster. Die
Wohnung mit Blick über den Londoner
Hyde Park ist Teil eines Luxusquartiers,
das von Stararchitekt Sir Richard Ro-
gers entworfen und von den Bauträgern
Christian undNick Candy gebaut wurde.
IndemKomplex sollennoch 30 Wohnun-
gen zu haben sein. 33 sind angeblich be-
reits verkauft, für einen Wert von insge-
samt 727 Millionen Pfund.
Immobilienhändler sprechen von
einem regelrechten Ansturm auf Luxus-
immobilienin der Themse-Metropole. So
sind die Preise in diesem Segment seit
dem Ende der Finanz- und Bankenkrise
2009 nach einer Schätzung der Firma
Knight Frank um 30 Prozent gestiegen.
„One Hyde Park steht für einen neuen
Boom. Zu Anfang gab es ein paar Zwei-
fel, ob die Investoren damit Erfolg ha-
ben. DochTatsache ist, dass die Nachfra-
ge steil nach oben geht“, meint Nigel
Lewis vonPrimeLocation.com. Dennvie-
le reiche Investoren aus Russland, China
und dem Nahen Osten betrachten Groß-
britannien als „sicheren Hafen“.
Zwei Jahre nach der Finanzkrise ist
der britische Immobilienmarkt tief ge-
spalten. Auf der einen Seite boomt das
kleine Segment von Luxusdomizilen, auf
der anderen Seite stagniert der Markt für
Normalverdiener. So sinddie Hauspreise
nachAngabender HypothekenbankHali-
fax im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent
gefallen. ImDurchschnitt liegendie Prei-
se für Eigenheime umetwa 13 Prozent un-
ter dem Niveau des Rekordjahres 2007.
Damals kostete einHaus inGroßbritanni-
en im Schnitt 184 000 Pfund. Ende 2010
waren es nach Angaben der Bauspar-
kasse Nationwide Building Society etwa
163 000 Pfund. Die Unterschiede sind
zwischen den Regionen allerdings erheb-
lich. So rauschten die Hauspreise im
nördlichen Newcastle um 28 Prozent in
den Keller. Imangesagten Seebad Brigh-
ton, das im Nahverkehrsbereich Lon-
dons liegt, gingen die Preise dagegen nur
um neun Prozent zurück. Immobilien-
makler rechnen damit, dass sich der
Markt in diesem Jahr nur wenig erholt.
Hintergrund sind sinkende Realeinkom-
men infolge harter Sparmaßnahmen der
konservativ-liberalen Regierung. Dies
trifft vor allemauchmittelständische Fa-
milien.
Viele Briten sind Opfer ihrer Spekula-
tionslust: Sie kauften in den Boomjahren
2003 bis 2007 Wohnungen und Häuser
teilweise ganz ohne Eigenkapital und
bauten auf einen stetigen Wertzuwachs.
Das funktionierte, solange die Banken
mitspielten und Darlehen zumSchnäpp-
chenpreis anboten. Bei der Bonität drück-
ten die Kreditvermittler häufig ein Auge
zu. Doch im Zuge der Finanzkrise haben
die Banken ihre Bonitätsprüfungen er-
heblich verschärft. Nach Angaben der
Londoner Analystenfirma Hometrack
wurden im vergangenen Jahr etwa
1,2 Millionen Hypothekenkredite verge-
ben, etwa die Hälfte weniger als imBoom-
jahr 2007.
Makler raten indes ausländischen Im-
mobilien-Interessenten, nach Schnäpp-
chen Ausschau zu halten. Günstig für
Käufer aus der Euro-Zone wirkt sich vor
allem auch das schwache Pfund aus. Als
für Londoner Verhältnisse geradezu bil-
lig gelten beispielsweise derzeit gut ver-
mietbare Neubauwohnungen im Osten
undSüdender Stadt. Viele Quartiere fan-
den infolge der Krise zunächst keinen
Käufer und kommen jetzt mit hohen
Nachlässenauf denMarkt. Die Preise lie-
gen für Dreizimmerapartments bei
450 000 bis 550 000 Pfund.
Bei Gewerbeimmobilien ist London in
Europa nach wie vor eine „prime locati-
on“, erste Wahl. Nach einem Marktein-
bruch imzweistelligen Prozentbereich in
den Jahren 2008 und 2009 haben sich die
Preise wieder auf das Vor-Krisen-Ni-
veau erholt. Fonds, die in Büroimmobi-
lien investieren, erzielen eine Rendite
von mindestens fünf Prozent.
Vom neuen Boom zeugen zahlreiche
Bauprojekte in der Londoner City. So
wächst beispielsweise derzeit südlich der
Themse das mit einer geplanten Höhe
von306 Meterngrößte Gebäude Londons
indenHimmel. Es ist der „Shard“ – Glas-
splitter –, entworfen von dem italieni-
schen Stararchitekten Renzo Piano und
finanziert von einer Investmentgesell-
schaft aus Katar. Baukosten: 400 Millio-
nen Pfund. In den Wolkenkratzer sollen
Büros vor allem für die Finanzindustrie
einziehen. Die Nachfrage ist groß, weil
die Banken und Finanzfirmen nach der
Krise wieder Mitarbeiter einstellen. Ana-
lysten von BNP Paribas schätzen den
jährlichen Büroraum-Neubedarf in der
City auf mindestens 300 000 Quadrat-
meter. Das knappe Angebot treibt die
Mieten in diesem Jahr um 25 Prozent
nach oben.
New York – Die Deutsche Börse und die
New York Stock Exchange (Nyse) trom-
meln angesichts des Gegenangebots der
Nasdaqfür ihre geplante Fusion. Die bei-
den Börsenbetreiber kalkulieren mit hö-
heren Kosteneinsparungen, was den Ge-
winn nach oben treiben und den Zusam-
menschluss damit für die Aktionäre at-
traktiver machen würde. Die Unterneh-
men rechneten statt mit 300 Millionen
Euro jetzt mit Einsparungen, die „näher
an400 MillionenEuro“ lägen, sagte Nyse-
Chef Duncan Niederauer der Financial
Times. Niederauer soll nachder vollzoge-
nen Fusion den deutsch-amerikanischen
Börsenbetreiber führen. Damit dieses
Vorhaben gelingt, müssen aber die Nyse-
Aktionäre mitmachen. Mit den neuen
Sparschätzungen käme das Gespann aus
Deutscher Börse und Nyse nun nahe an
die von der Nasdaq kalkulierten Syner-
gien von 740 Millionen Dollar heran. Die
US-Technologiebörse Nasdaq umgarnt
die Nyse-Aktionäre mit dem Verspre-
chen, höhere finanzielle Vorteile heraus-
zuschlagen. Die Nasdaq hat sich mit der
Rohstoffbörse IntercontinentalExchan-
ge verbündet, um die Nyse zu überneh-
men. Das Nyse-Management wehrt sich
gegen diese Zerschlagung. dpa
Glücksspirale: 10 Euro auf Endziffer 7, 20 Euro auf
Endziffer 05, 50 Euro auf Endziffer 383, 500 Euro auf
Endziffer 9 392, 5000 Euro auf Endziffer 10 623, je
100 000 Euro auf die Endziffern 708 354 und 321 604.
Prämienziehung: je 7 500 Euro monatlich auf die
Losnummern 6 001 650 und 3 233 140.
Süddeutsche Klassenlotterie: 1 000 000 Euro fiel
auf die Losnummer 0 357 122; je 100 000 Euro auf die
Losnummern 0 173 162, 0 942 994, 1 133 000,
1 498 940, 1 645 829, 1 767 803, 1 982 922,
2 245 426; je 50 000 Euro auf die Losnummern
0 177 971, 0 247 050, 0 840 067, 1 449 291,
1 474 812, 1 669 975, 1 903 463, 1 999 825; je 25 000
Euro auf die Losnummern 0 207 869, 0 225 294,
0 282 178, 0 416 102, 1 144 222, 1 164 960,
1 377 242, 1 411 400, 2 029 292, 2 293 106; je 1 000
Euro auf die Endziffern 3 766, 6 916, 7 050, 8 635; je
200 Euro auf die Endziffern 26 und 96. Es sind keine
Ergänzungszüge angefallen.
ARD-Fernsehlotterie (nur Mega-Lose): 1 000 000
Euro oder Haus auf Losnummer 0 741 934; 100 000
Euro auf Endziffer 464 471; 10 000 Euro auf Endziffer
91 728; 1 000 Euro auf Endziffer 9 147; 10 Euro auf
Endziffer 67. Wochenziehung: VW Golf Trendline auf
Losnummer 7 229 450; VW Passat Variant Trendline
auf Losnummer 3 128 130; 7-tägige Kreuzfahrt f. 2
Pers. mit TUI Cruisis im Mittelmeer auf Losnummer
5 128 291; 1 Wellness-Woche im Hotel „Dollenberg„
im Schwarzwald auf Losnummer 0 509 912; 100 000
Euro auf Losnummer 9 953 737. (Ohne Gewähr)
Deutsche Börse und
Nyse werben für Fusion
Gewinnzahlen
Dienstag, 26. April 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 23
GELD
Viele Reiche
betrachten Großbritannien
als sicheren Hafen.
Weiches Ruhekissen für Investoren: Luxuswohnungen in London wie diese sind rar und begehrt. Foto: Bloomberg
Der Geldadel kennt keine Krise
In London boomt der Markt für Luxusimmobilien. Die Schwäche des Pfunds lockt auch ausländische Käufer an
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Leitzinsen
Basiszins gemäß
Bürgerlichem Gesetzbuch seit 01.1.11 0,12%
Leitzins EZB seit 13.4.11 1,25%
Leitzins FED seit 16.12.08 0-0,25%
Indizes/Renditen 21.04. 20.04.
Bund-Future 122,26 121,88
Rex Perf. Dt.Renten-Idx 383,93 383,76
Umlaufrendite 3,11 3,10
10j. Bundesanleihe 3,31 3,32
10j. Staatsanleihe USA 3,40 3,40
10j. Staatsanleihe Großbrit. 3,57 3,59
10j. Staatsanleihe Japan 1,24 1,24
Euribor Dollar-Libor
in % 21.04. 20.04. 21.04. 20.04.
3 Monate 1,356 1,349 – –
6 Monate 1,655 1,649 – –
Eurogeldmarkt
1
)
21.04. Tagesgeld 1 Monat 6 Monate 1 Jahr
Euro 1,25–1,75 1,04–1,29 1,50–1,75 1,97–2,22
US-$ 0,10–0,60 0,10–0,35 0,40–0,65 0,71–0,96
brit-£ 0,45–0,95 0,52–0,77 0,88–1,13 1,32–1,57
sfr 0,01–0,51 0,01–0,31 0,19–0,49 0,52–0,82
Yen 0,01–0,51 0,01–0,26 0,16–0,41 0,25–0,50
Bundesemissionen
Bundesschatzbriefe Typ A 2,53% Endrendite
Typ B 2,85% Endrendite
Finanzierungsschätze 1 Jahr 1,04% Rendite
2 Jahre 1,57% Rendite
Bundespapiere (sortiert nach Restlaufzeit)
Kupon Anleihe 21.04. 20.04. Rend.
1,5 BS v. 09/11 100,07 100,07 0,86
5 BA v. 01/11 100,70 100,76 1,11
1,25 BS v. 09/11 II 100,08 100,08 1,02
3,5 BO S.149 v. 06/11 101,09 101,09 1,13
1,25 BS v. 09/11 III 100,02 100,03 1,21
1 BS v. 10/12 98,91 98,83 –
5 BA v. 02/12 I 102,62 102,62 1,20
1 BS v. 10/12 99,69 99,67 1,35
4 BO S.150 v. 07/12 102,44 102,43 1,46
0,5 BS v. 10/12 98,85 98,84 1,52
5 BA v. 02/12 II 104,00 104,02 1,55
0,75 BS v. 10/12 98,85 98,78 1,59
4,25 BO S.151 v. 07/12 103,74 103,68 1,63
4,5 BA v. 03/13 104,70 104,58 1,66
1,5 BS v. 11/13 99,53 99,40 1,75
3,5 BO S.152 v. 08/13 103,34 103,20 1,76
2,25 BO v. 07/13 Inflat. 105,25 105,08 –
3,75 BA v. 03/13 103,88 103,87 1,91
4 BO S.153 v. 08/13 104,77 104,77 1,99
4,25 BA v. 03/14 105,65 105,62 2,07
2,25 BO S.154 v. 09/14 100,41 100,43 2,11
4,25 BA v. 04/14 106,12 106,15 2,23
2,5 BO S.155 v. 09/14 100,70 100,72 2,28
3,75 BA v. 04/15 105,04 104,86 2,31
2,5 BO S.156 v. 10/15 100,31 100,35 2,42
2,25 BO S.157 v. 10/15 99,28 99,32 2,44
3,25 BA v. 05/15 102,96 103,00 2,49
1,75 BO S.158 v. 10/15 96,57 96,64 2,57
3,5 BA v. 05/16 103,79 103,84 2,63
2 BO v. 11/16 97,25 97,01 2,61
2,75 BO v. 11/16 100,54 100,31 2,63
1,5 BA v. 06/16 Infl. 105,15 104,93 0,54
6 BA v. 86/16 II 115,47 115,24 2,73
4 BA v. 06/16 106,27 106,06 2,68
5,63 BA v. 86/16 113,60 113,65 2,86
3,75 BA v. 06/17 105,02 104,81 2,78
4,25 BA v. 07/17 II 107,36 107,40 2,92
4 BA v. 07/18 106,32 106,10 2,94
0,75 BO v. 11/18 Inflat. 99,50 99,73 0,82
4,25 BA v. 08/18 107,51 107,54 3,06
3,75 BA v. 08/19 104,54 104,33 3,08
3,5 BA v. 09/19 102,62 102,39 3,13
3,25 BA v. 09/20 100,17 100,15 3,22
1,75 BA v. 09/20 Infl. 106,50 106,50 –
3 BA v. 10/20 98,21 97,92 3,22
2,25 BA v. 10/20 91,93 91,92 3,26
2,5 BA v.10/21 93,34 93,34 –
6,25 BA v. 94/24 127,39 127,22 3,53
6,5 BA v. 97/27 132,57 132,67 3,77
5,63 BA v. 98/28 122,39 122,15 3,78
4,75 BA v. 98/28 II 111,42 111,53 3,83
6,25 BA v. 00/30 132,03 132,15 3,82
5,5 BA v. 00/31 122,60 122,25 3,84
4,75 BA v. 03/34 113,45 113,19 3,86
4 BA v. 05/37 101,90 102,17 3,88
4,25 BA v. 07/39 I 107,00 107,17 3,84
4,75 BA v. 08/40 115,80 116,04 3,84
3,25 BA v. 10/42 89,95 90,09 3,80
Tagesanleihe des Bundes 100,17 Tageszins 1,07%
Ausl. Staatsanleihen
Kupon Anleihe 21.04. Rend. Bonit.
0 Argent.GDP-Lnkr 05/35 14,55 16,09 B-
v.2,26 Argentinien 05/38 36,36 8,07 B
3,5 Belgien 09/15 100,49 3,36 AA+
7,5 Bulgarien 02/13 105,82 3,93 BBB-
4,25 China 04/14 103,27 3,24 AA-
4,25 Finnland 07/12 103,25 1,84 AAA
3 Frankreich 09/14 101,68 2,44 AAA
4,3 Griechenland 09/12 86,62 – BB-
6,1 Griechenland 10/15 61,50 – BB-
5,9 Irland 09/19 76,88 10,06 A-
4,6 Irland 99/16 76,00 11,13 A-
3,75 Island 06/11 98,90 5,58 BB+
10,5 Jamaika 04/14 109,23 7,37 B-
11,5 Kolumbien 01/11 100,75 2,67 BB+
4,25 Lettland 04/14 102,04 3,51 BBB-
3,75 Niederlande 04/14 104,19 2,37 AAA
3,4 Österreich 09/14 102,40 2,66 AAA
6,5 Österreich 94/24 120,20 4,39 AAA
4,2 Polen 05/20 95,15 4,88 A-
3,85 Portugal 05/21 65,00 9,41 BBB-
6,4 Portugal 11/16 81,68 11,56 BBB-
3,13 Schweden 09/14 101,72 2,52 AAA
4,9 Spanien 07/40 84,70 6,02 AA
5,5 Spanien 11/21 100,28 5,45
5,25 Südafrika 03/13 103,60 3,38 BBB+
6,5 Türkei 04/14 107,10 3,77 BB+
5,63 Ungarn 01/11 100,50 2,37 BBB-
7 Venezuela 05/15 87,65 11,06 B+
Unternehmensanleihen
Kupon Anleihe 21.04. Rend. Bonit.
5,38 Allianz Fin.perp. 06/– 95,50 – A
4 BASF 05/12 101,45 1,99 A+
3,25 Bay.Lbk.Pfb 05/15 100,98 2,98 AAA
4,63 Bayer Capital 09/14 105,00 3,06 A-
7,88 Bertelsm. 09/14 112,04 3,19 BBB+
4,13 BMW Fin. 06/12 101,64 1,90 A-
5 Commerzbank 09/15 104,70 3,21 A
5,13 Cred.Suisse 09/12 102,63 2,24 AA-
9 Daimler 08/12 105,22 2,07 BBB+
7,88 Daimler 09/14 112,34 3,09 BBB+
3 Daimler 10/13 100,90 2,56 A-
7,75 Daimler Int. 09/12 104,98 2,22 BBB+
5 Dt. Börse 08/13 103,90 2,96 AA
4,88 Dt. Post Fin.03/14 104,77 3,05 BBB+
3,75 Dt. Postbank 09/14 103,13 2,58 AAA
4 Dt.Telek.Int.Fin.05/15 102,80 3,19 BBB+
5,5 Eon 07/17 109,27 3,84 A+
4,88 Eon 09/14 105,12 2,92 A+
4,13 Eon Intern. 09/13 103,00 2,51 A+
7,25 France Telecom 10/13 107,96 2,57 A-
8,38 General Motors 03/33 – –
4,75 Goldman Sachs 06/21 91,53 5,85 A
7,5 Heid.Cem. 10/20 106,25 6,55 BB
4,25 Henkel 03/13 103,54 2,50 A-
3,38 KfW 08/12 101,28 1,59 AAA
6,75 Linde 08/15 114,42 3,32 A-
4,63 Lufthansa 06/13 103,42 2,84 BB+
4,5 Maxingvest 04/14 103,30 3,46
4,88 Merck Fin.Serv. 09/13 104,62 2,86 BBB
4,63 Metro Fin. 04/11 100,23 1,39 BBB
6,12 Philips Electr.01/11 100,20 1,56 A
8,5 Pongs & Zahn 03/14 – –
3,87 Porsche 06/16 100,85 3,68
4,375 Shell 09/19 104,26 3,67 AA+
4,5 Shell Intern. 09/16 105,15 3,32 AA+
5,75 Siemens Fin. 01/11 100,77 1,47 A+
4,13 Siemens Fin. 09/13 103,18 2,33 A+
5,13 Siemens Fin. 09/17 107,86 3,61 A+
5,75 Südzucker Int. 02/12 103,00 2,13
8 ThyssenKrupp 09/14 112,95 3,55 BBB-
6,63 Toyota Mot.Cr. 09/16 101,95 2,67
5,13 VW Credit 08/11 100,21 1,20 A-
Genussscheine 21.04. 20.04.
Bertelsmann 01 ff. 15% 227,50 227,60
Bertelsmann 92 ff. 3,97% 128,00 128,00
Depfa 86/10 7,5% 106,60 106,60
DG Bank 84/11 111,00 111,00
Magnum 03/50 12% 78,50 78,50
Pongs&Zahn 06/50 8,5% 0,35 0,35
Salvator Grund. 04/50 9,5% 27,25 27,25
Sixt 04/11 9,05% 114,10 114,10
WGZ Tr.B 86/11 8,25% 111,00 111,00
Münzen und Barren
21.04. 20.04.
London Gold (11:30) $/Uz. 1507,00 1505,00
London Gold (16:00) $/Uz. 1504,00 1501,00
London Silber (14:00) US-cts/Uz 4626,00 4479,00
Kupfer (DEL) 665,78–668,11 658,93–661,27
Münzen
2
) ( 19:55 ) Ankauf Verkauf Ankauf Verkauf
1 Uz Am.Eagle 1030,50 1101,00 1028,00 1098,50
1 Uz Platin Noble 1207,00 1428,50 1193,50 1416,50
1 Uz Maple Leaf 1030,50 1090,50 1028,00 1088,00
1/2 Uz Am. Eagle 520,50 579,00 519,00 577,50
1/2 Uz Philharm. 520,50 571,00 519,00 570,00
1/4 Maple Leaf 264,50 292,50 263,50 292,00
1/4 Uz Philharm. 264,50 291,00 263,50 290,50
1/10 Uz Am.Eagle 107,00 124,50 106,50 124,00
1 Uz Krüger Rand 1030,50 1078,50 1028,00 1076,00
1 Uz Britannia 1030,50 1095,50 1028,00 1093,00
1 UZ W. Philh. Silber 32,50 33,60 31,30 32,40
1 Uz Platin Koala 1207,00 1428,50 1193,50 1416,50
1/10 Uz Platin Koala 126,00 166,00 124,50 164,50
2 Rand Südafrika 236,50 259,00 236,00 258,50
100 österr. Kronen 984,50 1068,50 982,50 1066,00
4 österr. Dukaten 444,50 485,00 443,50 483,50
1/2 Uz Känguruh 520,50 571,00 519,00 570,00
1/10 Uz Känguruh 107,00 122,50 106,50 122,50
10 Rubel (Tscherwonetz) 250,00 284,50 249,50 284,00
20 sfr (Vreneli) 188,00 208,00 187,50 207,50
20 Goldmark (Wilh.II) 230,50 261,00 230,00 260,00
Barren
2
) Ankauf Verkauf Ankauf Verkauf
Gold, 1 kg 32957,00 33580,00 32882,00 33507,00
Gold, 100 g 3303,00 3388,00 3296,00 3381,00
Gold, 10 g 335,00 356,00 334,00 356,00
Silber, 1 kg 988,00 1067,00 950,00 1029,00
Platin, 1 kg 38299,00 41794,00 37852,00 41461,00
Platin, 100 g 3850,00 4300,00 3806,00 4267,00
Für Industrieabnehmer
3
)
Feingold
Feingold, 1 kg 32250,00 34960,00 32450,00 35180,00
verarbeitet, 1 kg – 36630,00 – 36860,00
Feinsilber
Feinsilber, 1 kg 981,70 1087,40 958,10 1061,30
verarbeitet, 1 kg – 1138,20 – 1110,90
Platin / Palladium
Platin (per Gramm) 37,46 40,81 37,61 40,98
Palladium (per Gramm) 15,82 17,41 15,76 17,35
Rohstoffe
Energie 24.04. 21.04.
Rohöl (Ldn.) Jun 124,56123,99
Brent Jul 124,19123,63
ICE $/Brl Aug 123,86123,30
Rohöl (NY) Jun 113,08112,29
WTI Jul 113,53112,75
Nymex $/Brl Aug 113,81113,02
24.04. 21.04.
Benzin (RBO) Mai 3,34 3,31
Nymex $/gal Jun 3,30 3,27
Heizöl (NY) Mai 3,21 3,20
Nymex $/gal Jun 3,23 3,22
Gasöl (Ldn) Mai 1023,31014,0
ICE $/t Jun 1027,01017,8
Edelmetalle
Gold (NY) Apr 1511 1503
Comex $/oz Mai 1514 1503
Jun 1514 1504
Silber (NY) Apr 4910 4606
Comex cts/oz Mai 4832 4606
Jun 4832 4607
Platin (NY) Apr 1847 1834
Nymex $/oz Mai 1834 1834
Jun 1855 1831
Palladi. (NY) Jun 769,8 769,1
Nymex $/oz Sep 776,5 770,6
Apr 768,8 758,6
Basismetalle
Kupfer (Ldn) Kse 9611 9451
LME $/t 3-Mt. 9646 9475
Nickel (Ldn) Kse 26655 25965
LME $/t 3-Mt. 26700 26025
Zink (Ldn) Kse 2337 2334
LME $/t 3-Mt. 2364 2352
Blei (Ldn) Kse 2670 2661
LME $/t 3-Mt. 2638 2601
Zinn (Ldn) Kse 32675 32825
LME $/t 3-Mt. 32675 32900
Alumini. (Ldn)Kse 2732 2714
LME $/t 3-Mt. 2740 2731
Agrarprodukte
Weizen (Pa) Mai 252,3 253,8
Matif Euro/t Nov 225,0 224,8
Sojaboh. (Ch) Mai 1385 1381
CME cts/bu Jul 1394 1390
Mais (Chi.) Mai 752,5 737,3
CME cts/bu Jul 760,0 744,5
Kaffee (NY) Mai 292,7 291,3
ICE cts/lb. Jul 296,4 294,6
Kakao (NY) Jul 3109 3130
ICE $/t Sep 3119 3130
Zucker (NY) Mai 25,49 25,48
ICE cts/lb. Jul 23,75 23,80
Rentenmarkt
ERLÄUTERUNGEN: Anleihen: Kurse in Prozent; BA=Bundesanleihe; BO=Bundesobligationen; BS=Bundesschatzanweisung;
PfB=Pfandbrief; Laufzeit (Emissionsjahre/Fälligkeit) hinter dem Namen; alle Bundespapiere besitzen Bonität AAA; Bonitäts-
einstufungen soweit verfügbar von S&P: AAA=exzellent, AA=sehr gut bis gut, A=gut bis befriedigend, BBB=befriedigend bis
ausreichend, BB=mangelhaft, B=mangelhaft, CCC bis C=ungenügend, Insolvenz absehbar, D=zahlungsunfähig; Euribor=Zinssatz
f. Termingelder in Euro unter Banken; Dollar-Libor=Zinssatz f. Termingelder auf Dollarbasis; 1) Unicredit Lux., Münzen und Bar-
ren; 2) pro aurum, Schalterpreise München, Angaben in Euro 3) W.C.Heraeus, Basis Londoner Fixing; Rohstoffe: CME=Chicago
Mercantile Exchange, Comex=Commodity Exch., ICE=Intercontinental Exch., LME=London Metal Exch., Matif=Marché à terme In-
ternat. de France, Nymex=New York Mercantile Echange Kursgrafik: smallCharts, Quelle: GOYAX.de, AID Hannover, Morningstar
Der Euro ist am Montag leicht ge-
stiegen. Im Vorfeld der US-Zins-
entscheidung am kommenden
Mittwoch und trotz schlechter
Nachrichten aus Portugal kletter-
te die europäische Devise erstmals
seit Dezember 2009 über die Mar-
ke von1,46 Dollar. Während EZB-
Chef Jean-Claude Trichet mit der
Straffung des Leitzinses um einen
Viertelprozentpunkt auf 1,25 Pro-
zent der anziehenden Inflation
den Kampf angesagt hat, steuert
die US-Notenbank unbeirrt einen
lockerengeldpolitischenKurs. Ex-
perten sind sich weitgehend einig,
dass Fed-Chef Ben Bernanke den
Leitzins am Mittwoch nahe null
halten und zugleich die Konjunk-
tur mittels Notenpresse weiter an-
kurbeln wird. In der europäischen
Schuldenkrise gab es erneut
schlechte Nachrichten: Portugal
steckt tiefer im Schuldensumpf
als gedacht. Das von der Pleite be-
drohte Euro-Landkorrigierte sein
Staatsdefizit für 2010 überra-
schendauf 9,1 vonbisher gemelde-
ten 8,6 Prozent.
Die anhaltende Schwäche der
US-Währung trug dazu bei, dass
Gold einen neuen Rekordstand
von1518,10 Dollar je Unze erreich-
te. Silber stieg auf ein 31-Jahres-
Hoch. Der Ölpreis kletterte auf
rund 113 Dollar. SZ/Reuters/dpa
Von Si l ke Bi gal ke
München – Hermann Hesse, John Irving
und Guru Bhagwan haben ihn sein Le-
ben lang begleitet. Irving im Studium,
Hesse auch später noch. Und Bhagwan
brachte ihn auf die skurrile Idee, in ro-
tem Gewand zur Psychologie-Prüfung
zu erscheinen. Zum Ärger der Dozenten.
Deswegen konnte sich Roland Kopp-
Wichmann lange nicht von den Werken
trennen. Doch nun ist Schluss: Der Lite-
ratur-Liebhaber gab nahezu 1000 Bü-
cher weg. Fünf Wochenenden dauerte
die Auswahl, nur 400 Exemplare ließ er
übrig. DochdemTrennungsschmerz folg-
te die Erleichterung. „,Ichhatte nachJah-
ren wieder Raum für mich“, sagt Kopp-
Wichmann, inzwischen 62.
Platz für Neues, damit werben auch
die zahlreichen Ratgeber, die beim Aus-
misten helfen wollen. Die Mode der lee-
ren Räume begann mit dem Bauhaus-
Stil in den 20er Jahren und gipfelt heute
imBeruf des Wegwerfberaters, der Woh-
nungen von allemÜberflüssigem befreit.
Als solcher arbeitet Clemens Neuhauser
nach dem Motto „Besitz soll uns berei-
chern, nicht belasten“.
Wer zu ihm kommt hat einen langen
Leidensweg hinter sich. Ein Klient etwa
hielt es in seinem vollgestopften Schlaf-
zimmer nicht mehr aus, sein Sexleben
litt. Neuhauser sortierte als Erstes einen
Kartonmit altenRechnungenaus, die Fo-
tos von verflossenen Partnerinnen und
die Kuscheltiere der ausgezogenen Kin-
der. Danach ging es dem Bewohner bes-
ser. Eine Frau versuchte seit Jahren ver-
geblich, sich vom Hochzeitsgeschenk ih-
res Ex-Mannes zu trennen, einem Set
Sektgläser. „Während unserer Gesprä-
che wurde ihr klar, dass sie die Gläser als
Art Reparationszahlung für das Leid in
ihrer ersten Ehe betrachtete“, sagt Neu-
hauser. Am Ende warf sie die Gläser
nicht nur weg, sondern gegen die Wand.
Mit der Frage, wann Besitz zur Last
wird, hat sich auch die britische Autorin
Karen Kingston befasst: Dinge, die wir
nicht benutzen, die keinen festen Aufbe-
wahrungsort haben, als ewig unerledigte
Aufgabenherumliegenoder schlechte Er-
innerungen wecken, sollten raus. „Wir
halten nur aus Angst, wir könnten das
Zeug doch noch brauchen, daran fest“,
sagt die Space-Clearing-Expertin. So
ängstlichundbepackt könne niemander-
folgreich sein. Wer drei Sektkühler be-
sitzt, obwohl er nie einen benutzt, kann
das nur schwer erklären. Trotzdem ha-
ben wir vieles doppelt, nehmen aus je-
dem Urlaub nutzlose Erinnerungsstücke
mit und lassen den Haufen ungelesener
Magazine jede Woche höher werden.
Der Mensch bunkert aus Angst vor
Mangel. Diese Überlebensstrategie funk-
tionierte 7600 Generationen lang, hat
Neuhauser errechnet. Erst seit zwei Ge-
nerationen leben wir in anhaltendem
Überfluss. „Wir haben nie gelernt, damit
umzugehen“, sagt Neuhauser.
Der Durchschnittseuropäer besitzt
heute 10 000 Gegenstände. „In den Din-
gen, die wir aufheben, spiegelt sich unse-
re Persönlichkeit“, sagt Kulturhistoriker
Hannes Siegrist. ,„Sie festigen unsere
Identität.“ Halt geben etwa Sachen, die
ein junger Mensch aus dem Elternhaus
mitnimmt, wenn er auszieht. Aber auch
der schwarze Anzug, den auf der Arbeit
alle tragen, versichert uns unserer Rolle.
Früher hat Eigentumdie Menschen mehr
als heute einer Gruppe zugeordnet. In
der frühen Neuzeit sorgte beispielsweise
die Luxusverordnung dafür, dass reiche
Bauern nicht zu sehr in ihremWohlstand
schwelgten. Sie regelte sogar, welchen
Schmuck ein Bräutigam seiner Braut
schenkendurfte. „Heute gibt es keine all-
gemeinverbindlichen Regeln, wir müs-
sen uns selbst kontrollieren und auswäh-
len, was wir habenwollen“, sagt Siegrist.
Was einmal in unserem Besitz ist, hat
für uns allein deshalb mehr Wert, weil
wir es besitzen. Ökonomen haben diesen
Endowment- oder Besitztumseffekt, der
den rationalen Homo oeconomicus ein-
mal mehr widerlegt, in zahlreichenExpe-
rimentengetestet. Es war immer das Glei-
che: Bekamen alle Versuchspersonen als
Belohnungeine Tasse geschenkt undwur-
de ihnen angeboten, diese gegen Schoko-
lade einzutauschen, wollten das die We-
nigsten tun. Bekamen sie anfangs hinge-
gen Schokolade geschenkt, wollten sie
diese nicht für die Tasse hergeben.
Georg Kirchsteiger, Verhaltensöko-
nom an der Université Libre in Brüssel,
gibt der Evolution die Schuld an unse-
remBesitztumswahn. Menschenmit star-
kem Endowment-Effekt haben sich in
der Vergangenheit besser durchgesetzt
als andere. „Wer bei einemTausch weni-
ger bereit ist, sein eigenes Gut herzuge-
ben, hat gegenüber demanderenDrohpo-
tential, um den Preis hochzutreiben“,
sagt Kirchsteiger. Das ist einüberlebens-
wichtiger Vorteil bei jedem Handel.
Heute nützt uns das höchstens noch
auf dem Flohmarkt. Manche Ökonomen
warnensogar vor SchädendurchdenEn-
dowment-Effekt, etwa wenn der Besit-
zer an einer Aktie auf Talfahrt festhält,
nur weil sie sein ist. „Für denjenigen, der
sein Vermögen maximieren will, ist das
ein Nachteil“, sagt Kirchsteiger. Wer
aber auf den Nutzen schaue, entdecke
keinen Schaden. „Egal ob der Kurs
schlecht ist, für den Besitzer ist die Aktie
eben wertvoll.“ Weil der Besitzer sein
Eigentumso schätzt, pflegt er es. EinBei-
spiel: Sobald in den neuen Ländern die
Eigentumsfragengeklärt waren, verwan-
deltensichdie grauenFassadendes Sozi-
alismus in frischrenovierte, farbenfrohe
Gebäude. Eben deshalb setzt sich Otto
Depenheuer, der an der Universität Köln
Rechtswissenschaften lehrt, für den
Schutz des Privateigentums ein. „Wir tra-
gen Verantwortung für unser Eigentum
und sind in ständiger Sorge darum“, sagt
er und gesteht ein: „Insofern kann Besitz
auch zur Last werden.“
Kopp-Wichmann hat diese Last lange
mit sich herumgetragen. Trotzdemhat er
gelitten, als er seine Bücherkisten zur
Spende fuhr: „Es hat mich mit meiner
eigenen Endlichkeit konfrontiert“, sagt
er. „Diese Bücher werde ichnie wieder le-
sen, nie wieder besitzen.“ Wenn er sich
heute ein Buch kauft, gibt er es weg, so-
bald er es ausgelesen hat. Dann ist der
Abschiedsschmerz noch nicht ganz so
groß.
Euro steigt unbeirrt weiter – Gold auf Rekordhoch
Gold
1300
1500
1700
21.1.11 25.4.11
Öl
80
95
110
21.1.11 25.4.11
Frankfurt – Die Commerzbank hat an
den Osterfeiertagen die Daten von mehr
als drei Millionen Dresdner-Privatkun-
denauf die IT-Systeme der neuengemein-
samen Bank übertragen. Damit sind die
beidenGroßbankengut zweieinhalbJah-
re nachdemKauf der Dresdner durch die
Commerzbank auch technisch ein Insti-
tut geworden. „Alle Daten sind inte-
griert“, sagte ein Commerzbank-Spre-
cher amMontag. Nach demPraxistest an
diesem Dienstag will die Bank eine Be-
wertung abgeben. Das Online-Banking
stehe seit Montagmorgenwieder zur Ver-
fügung. Während der Umstellung habe
es nicht wesentlich mehr Kundenanfra-
gen gegeben als sonst an Feiertagen.
Die Umstellung der Computersysteme
bringt einige Änderungen für die Kun-
den der zweitgrößten deutschen Bank:
So kann die Kontoführung für manchen
Ex-Dresdner-Kunden teurer werden –
um maximal 95 Cent monatlich. Eine
Rückerstattung der Quellensteuer bei
einem ausländischen Wertpapier kostet
künftig 20 Euro. Umdiesen Betrag güns-
tiger werden kann ein Wertpapierauf-
trag im Online-Depot. Insgesamt gibt es
etwa 150 Änderungenfür einstige Dresd-
ner-Kunden. 90 Prozent davon hätten je-
doch keine Auswirkungen auf Gebühren
oder Konditionen, hieß es. dpa
Moskau – Nach nur zwei Jahren macht
die britische Großbank HSBCihr Privat-
kundengeschäft in Russland wieder
dicht. Die Bank wolle sich auf das Fir-
menkundengeschäft konzentrieren, ging
aus einemamMontag andie Kunden ver-
sandten Dokument hervor. Darin wur-
den diese aufgefordert, ihre Konten bis
zum 30. Juni dieses Jahres zu schließen.
HSBC hat in Russland erst Mitte 2009
mit dem Privatkundengeschäft begon-
nen. Dieser Markt wird aber von staatli-
chen Instituten wie der Sberbank und
VTB dominiert. Auch die britische Bank
Barclays zieht sich aus dem Sektor zu-
rückundkündigte bereits imFebruar an,
ihr Privatkundengeschäft in Russland zu
verkaufen. Reuters
Berlin – Jeder siebte Internetnutzer in
Deutschlandhat schoneinmal illegal Mu-
sik, Filme oder Software aus dem Inter-
net heruntergeladen. Das entspreche sie-
ben Millionen Bundesbürgern, erklärte
der Hightech-Branchenverband Bitkom
amMontag unter Berufung auf eine Um-
frage. Zwei Drittel dieser Befragten ga-
ben allerdings an, nur in der Vergangen-
heit illegale Downloads getätigt zu ha-
ben. Am häufigsten greifen der Umfrage
zufolge junge Internetnutzer auf illegal
angebotene Musik, Filme und Software
im Internet zurück. Demnach hat jeder
dritte Internetnutzer zwischen 18 und
29 JahrenErfahrung mit illegalenDown-
loads. Fünf Prozent der Befragten woll-
ten sich allerdings nicht dazu äußern, ob
sie schoneinmal illegale Downloads getä-
tigt haben, bei den jüngeren Internetnut-
zern waren es sogar 13 Prozent. In einer
Bitkom-Umfrage im vergangenen Jahr
hatte ein Viertel der Befragten Raubko-
pien von Musik, Filmen und Software als
akzeptabel bezeichnet. AFP
Von Ol i ver Bi l ger
München – Das Studentenleben ist, das
weiß jeder, der eine Hochschule besucht
hat, eine ganz besondere Lebensphase;
lehrreich und aufregend zugleich. Es fal-
len aber auch ganz besondere Kosten an.
Für eine Wohnung zum Beispiel oder
Fahrtkosten, teure Lehrbücher reißenLö-
cher ins Portemonnaie. Dabei können
sich die Ausgaben zu einer stolzen Sum-
me addieren – und es kann die Idee auf-
kommen, die Ausgaben beim Fiskus gel-
tend zu machen.
In einem gerade verhandelten Rechts-
streit einer BWL-Studentin geht es um
eine fünfstellige Summe. Die junge Frau
schrieb sich Anfang 2005 an einer Fach-
hochschule ein. Im Jahr 2007 zahlte sie
10 500 Euro für Studien- und Prüfungs-
gebühren. Das Finanzamt berücksichtig-
te die Studienkostenlediglichals Sonder-
ausgaben, die maximal mit 4000 Euro im
Jahr absetzbar sind. Damit wollte sich
die Wirtschaftsstudentin nicht zufrieden
geben, sie klagte gegen diese Entschei-
dung. Doch die Richter am Finanzge-
richt Münster unterstütztendie Sichtwei-
se des zuständigen Finanzamts: Aufwen-
dungen für ein nach dem Abitur aufge-
nommenes Erststudiumkönnen nicht als
Werbungskosten, sondern nur als Son-
derausgaben berücksichtigt werden,
hieß es.
Dabei sind Feinheiten zu beachten, et-
wa der Zeitpunkt der Immatrikulation:
Wird das Studium nicht direkt nach dem
Abitur, sondern erst nach einer Berufs-
ausbildung begonnen, können anfallen-
de Kosten sehr wohl als Werbungskosten
abgesetzt werden. Das gleiche gilt für ein
duales Studiumoder eine klassische Aus-
bildung. Voraussetzung: EinAnstellungs-
vertrag muss unterschrieben worden
sein. Wegen der grundsätzlichen Bedeu-
tung des Rechtsstreits hat das Finanzge-
richt die Revision zum Bundesfinanzhof
(BFH) in München zugelassen.
Bei denoberstendeutschenSteuerrich-
tern ist imMoment noch ein vergleichba-
res Verfahren anhängig. Der Bund der
Steuerzahler unterstützt das Musterver-
fahrenzumUmgang mit den Studienkos-
ten und hofft, dass ein Studium steuer-
lich bald besser berücksichtigt wird.
Denn zwar zahlen die wenigsten Hoch-
schüler Steuern, bei einem Urteil zu
Gunsten der Studenten könnten sie den-
nochprofitieren. Kostenfür Bücher, Stu-
diengebühren, Prüfungsgebühren oder
Kosten, die imRahmen eines Praktikums
anfallen, könnten als vorweggenommene
Werbungskosten festgestellt werden und
beim Berufseinstieg steuermindernd ge-
gengerechnet werden. Sonderausgaben
können hingegen nur im Jahr ihres Ent-
stehens berücksichtigt werden. Später
werden sie nicht mehr beachtet. „Kosten
für das Studium verpuffen in der Regel
ungenutzt“, sagt Isabel Klocke, Referen-
tin des Steuerzahlerbundes. Der Verein
empfiehlt Studenten, schon jetzt Belege,
Studienquittungen und sonstige Nach-
weise über die Kostenaufbewahren. „Un-
ter Umständen können auch die Kosten
für eine Studentenbude bei der Steuer an-
gesetzt werden, wenn der Student noch
eine weitere Wohnung bei den Eltern
oder dem Partner besitzt“, heißt es. Un-
klar ist, wann die Münchner Steuerrich-
ter über den Fall der Wirtschaftsstuden-
tinentscheiden werden. Die Klägerin hat
die Fachhochschule mittlerweile als Di-
plomkauffrau verlassen.
Commerzbank
vor Praxistest
HSBC macht Rückzieher
in Russland
Internetnutzer geben
illegale Downloads zu
Schon mal Belege sammeln
Der Bund der Steuerzahler hofft, dass ein Studium steuerlich besser berücksichtigt wird
Seite 24 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 HF2 Dienstag, 26. April 2011
GELD
Schätzt jemand
sein Eigentum,
pflegt er es.
„In den Sachen, die wir aufheben,
spiegelt sich
unsere Persönlichkeit.“
US-Anleihe 10J.
3,2
3,5
3,8
21.1.11 25.4.11
Bundesanleihe 10J.
3,2
3,4
21.1.11 21.4.11
Wenn Besitz zur Last wird
Der Mensch bunkert viele Dinge aus Angst vor Notlagen. Wegwerfberater helfen, Ordnung in das Leben zu bringen
Nicht immer ist das Freizeitvergnügen
im Netz legal. Bildagentur Waldhaeusl
Bücher haufenwei-
se, gelesen, ungele-
sen, zu schade
zum Wegwerfen.
Der Durch-
schnittseuropäer
besitzt heute
10 000 Gegenstän-
de. Vieles davon
wird nie benutzt,
aber dennoch be-
halten. Ratgeber
empfehlen, sich
von unnötigem
Ballast zu befrei-
en und so auch ein
Stück Vergangen-
heitsbewältigung
zu betreiben. Was
schlechte Erinne-
rungen weckt,
sollte ihrer An-
sicht nach raus.
Foto: Bildmaschine
Garantierte Monatsrente in Euro
Rürup-Rente
Mann Frau Versicherer
MO FR
Kredite
D0
Tagesgeld
MI
Telefon
DI
Festgeld
SA
Sparbriefe
Asstel 1098,78 1018,48
Hannoversche Leben 1093,03 1013,23
Huk24 1088,16 1011,03
Debeka 1072,52 995,72
Huk-Coburg 1057,56 982,89
Condor 1044,46 968,12
Hanse Merkur 1040,64 962,57
Aachen-Münchener 1035,14 959,06
Allianz 1031,32 957,00
Zurich Dt. Herold 1030,48 956,37
Berechnungsgrundlage: Mann / Frau, 30 Jahre alt bei Versicherungsbeginn
01.05.2011, monatlicher Beitrag 500 Euro, dynamischer Rentenbezug, fällig mit
65 Jahren, Beitragsrückgewähr in der Ansparzeit, Rentengarantiezeit 10 Jahre.
Angaben ohne Gewähr, Stand: 21.04.2011
Quelle: biallo.de / Datenbasis MORGEN & MORGEN
Täglich aktualisierte Tarife: www.sueddeutsche.de/sparmeister
London – Es ging um furchtbares Leid,
um den Tod und um das Leben danach.
Die Passionsgeschichte spielte in Mün-
chen-Riem und Manchester, nicht in Je-
rusalem, dochder SendeterminamOster-
sonntag war von der BBC schon bewusst
gewählt: „United“ erzählte ja auch von
einer übernatürlichen Wiederauferste-
hung, die eine neue Religion begründete.
Der Fernsehfilm handelte vomSchicksal
der „Busby Babes“, jener legendären
Manchester-United-Mannschaft, die
beim Flugzeugunglück 1958 fast alle
Stammspieler verlor. Knapp14 Tage spä-
ter wusste Assistenztrainer Jimmy Mur-
phy bis kurz vor dem FA-Pokalspiel ge-
gen Sheffield Wednesday nicht, wen er
spielen lassen konnte; im Stadionheft
wurden die Namen in der Startaufstel-
lung blank gelassen. Die zum Großteil
von Reservisten und Nachwuchsleuten
besetzte Notelf siegte wundersam 3:0.
„United will go on!“, stand damals auf
der Titelseite des Heftes.
Am Tag vor der Ausstrahlung gewann
United 1:0 am Ostersamstag gegen Ever-
ton. Das Tor von Javier Hernández fiel
spät (84.), aber 80 000 Zuschauer im Old
Traffordundmehr als 300 MillionenMen-
schen, die sich laut Marktforschungsstu-
dienweltweit als Fans der Red Devils be-
greifen, wussten, dass es fallen würde.
Die Zeit schien für, nicht gegen den Ta-
bellenführer zu laufen; ohne den Hauch
von Nervosität spielten sie weiter, immer
weiter, bis Hernández den unvermeidli-
chen Haken hinter die Angelegenheit
setzte. Der 19. Titel, Rekordauf der Insel,
scheint bei sechs Punkten Vorsprung vor
dem FC Chelsea nur noch eine Formali-
tät zu sein. „Sie haben diese unglaubli-
che Belastbarkeit, diesen Wagemut“, re-
ferierte Everton-Keeper Tim Howard,
der selbst vier Jahre bei den Roten spiel-
te. „Die Fans, die erfahrenen Spieler, das
Management: Alle wissen, dass sie die
Meisterschaft gewinnen werden – und sie
sorgen schlichtweg dafür, dass es auch
dazu kommt.“
United will go on. Kein englisches
Team ist so beseelt vom eigenen Mythos,
auch weil ihn der 69-jährige Chef-Agita-
tor tagtäglich vorbetet. Alex Ferguson
liefert mit seinemunersättlichen Hunger
nach Erfolgen höchstpersönlich den
Strom für die Ergebnismaschine, schon
seit 25 Jahren. Der Sohn eines Werftar-
beiters aus Glasgow ist mittlerweile län-
ger imAmt als Sir Matt Busby, der selbst
imMünchner Crash schwer verletzt wur-
de, den Klub danach erneuerte und 1968
zum Gewinn des Europapokals führte.
„Busby war lange da, für immer“, sagt
Sir Alexüber die nie vergehende Aura sei-
nes Übervaters.
Wer nicht weiter geht, ist amEnde, das
glaubt er fest: „Mein Vater ging an sei-
nem 65. Geburtstag in Rente, ein Jahr
später war er tot. Man hat kein Recht auf
Ruhe, im Gegenteil. Man muss aktiv und
in Schuss bleiben.“ Oft hat man ihm und
seinen Teams den Niedergang prognosti-
ziert, doch beide kommen pünktlich mit
dem Frühling stets zurück – dies ist die
vierte Halbfinal-Teilnahme für ManUni-
tedinder Champions League infünf Jah-
ren. Uniteds Konstanz ist umso erstaunli-
cher, wenn man bedenkt, dass der Klub
seit der Übernahme durchdie Glazer-Fa-
milie zunehmend weniger Geld für neue
Spieler ausgeben konnte. Der famose
Hernández (sieben Millionen Euro) und
Neun-Millionen-Euro-Flop Bébé aus
Portugal waren im Sommer die einzigen
Zugänge; das Team bleibt frisch, weil
Ferguson das Personal radikal rotiert. In
166 Spielen und mehr als drei Jahren
schickte er keine unveränderte Elf auf
den Platz. Stets werden – für Außenste-
hende nicht nachvollziehbar – Leistun-
gen und Systeme überprüft, den jeweili-
gen Gegnern angepasst. In dieser Saison
hätten einige Reporter vor lauter Ver-
zweiflung die „voraussichtliche Aufstel-
lung“ in ihren Vorberichten am liebsten
ebenfalls leer gelassen.
So stillos wie der Schotte immer noch
gegenSchiedsrichter wettert, spielt mitt-
lerweile auch seine Elf. Und das ist ein
Kompliment. United braucht keine
„Identität“, die Elf spult ideologisch ent-
kernten Multifunktionsfußball ab, der je
nach den aktuellen Bedürfnissen alle Fa-
cetten zwischen wuchtig-dominant und
kühl-abwartend auf den Rasen bringt.
Grundlage dafür ist Fergusons unbeding-
ter Zugriff auf seine Kicker, die sich bei
ihmgut aufgehoben, aber nie ganz sicher
fühlen dürfen.
„Ferguson ist der Freud des Fußballs:
einpsychologischer Fallanalytiker mit ei-
ner unheimlichen Intuition“, schrieb der
Telegraph, „er versteht Persönlichkeit,
Charakter, Macht, soziale Dynamik“.
Der einstige United-Profi Eric Cantona
sieht in Ferguson „eine Art Genie“, da er
es schaffe, sich jeder neuen Spielergene-
ration anzupassen.
Dass Ferguson seine Mannschaft mit
den ständigen Wechseln mitunter selbst
einwenig bremst unddamit der ganz gro-
ße Glanz fehlt, nimmt er in Kauf. „Jetzt
kommen die wichtigen Spiele, jetzt gut
drauf zu sein, ist entscheidend“, sagte er
vor der Fahrt zum Halbfinal-Hinspiel
bei Schalke 04.
In England wird die Elf trotz ihrer un-
geheuren Zähigkeit unterschätzt, weil
sie zu pragmatisch siegt. „Keine schlech-
te Mannschaft, aber gemessen an den ei-
genenAnsprüchennur Durchschnitt“, ur-
teilte der BBC-Experte und frühere Li-
verpool-Verteidiger AlanHansen. Fergu-
son wird es mit Vergnügen gelesen ha-
ben: wieder ein Gegner mehr, dem man
es zeigen kann. Raphael Honigstein
Dortmund – Die Worte waren dieselben
wie stets, wenn Borussia Dortmund in
dieser beinahe sorglosen Bundesliga-
Rückrunde wieder einmal zwei oder gar
drei Punkte liegengelassen hatte. Kevin
Großkreutz, sonst ein strahlender junger
Mann, verzog ungnädig das Gesicht:
„Nur, weil wir jetzt einmal verloren ha-
ben, kriegen wir doch jetzt nicht die gro-
ße Flatter. So ein Quatsch.“ Ganz so un-
beeindruckt fuhren die Dortmunder
nachdiesemseltsamen0:1 beimNamens-
vetter aus Mönchengladbach dann aber
doch nicht nach Hause. Das erneute
Schmelzendes Vorsprungs auf Bayer Le-
verkusen auf nun wieder fünf Punkte
mag keine Nervenkrisen heraufbeschwö-
ren, aber Jürgen Klopps „Jungs“, wie der
Trainer sie zu nennen pflegt, war doch
die Erkenntnis anzumerken, dass ihnen
trotz geradezu demütigender Überlegen-
heit gegen die bisher schwächste Abwehr
der Liga kein Tor gelungen war. Allein
Marcel Schmelzer, Mario Götze und Lu-
kasz Piszczek tankten sichfast zwei Dut-
zendMal bis zur Torauslinie durch, scho-
ben den Ball vor das Gladbacher Tor –
undfandendort keinen, der ihnhineinge-
drückt hätte. Nach Torschüssen gewann
Dortmund 21:7, nach Flanken 41:6, nach
Eckbällen 11:3. Aber Mönchengladbach
gewann das Spiel, weil sich Neven Sub-
otic bei einer der beiden Gladbacher
Chancen von Mo Idrissou verladen ließ.
Natürlich verzeichnete Dortmund
nochdenbeimBVBobligatenLattentref-
fer (Götze) sowie einen Pfostentreffer
(Schmelzer), aber trotz leidenschaftli-
cher Dauerbelagerung des Strafraums
stand amEnde eine Niederlage, die mehr
Nachdenklichkeit verbreitete als die
Punktverluste zuvor. Schongegen Schal-
ke und Mainz, gegen Stuttgart und Kai-
serslautern und im 0:1 verlorenen Spiel
in Hoffenheim hatte Dortmunds eigent-
lich titelreif wirkende Elf ihren wunden
Punkt verraten, in Gladbach lag er nun
offen wie selten zuvor: Chancen werden
enmasse produziert, Tore werden daraus
aber viel zu wenige erzielt.
Die Gründe sind großteils bekannt.
Die Gegner behandeln Dortmund seit
Monaten so, als müssten sie sich wie ge-
gendentatsächlichenMeister verbarrika-
dieren. In Shinji Kagawa, der sich im
Winter bei Japans NationalteamdenMit-
telfuß brach, fehlt der anfangs torgefähr-
lichste Mittelfeldspieler der Liga, mit
acht Treffern aus der Hinrunde. Torjäger
Lucas Barrios erfreut sich intensiverer
Bewachung, seit Kagawa nicht mehr ne-
ben und hinter ihm Verwirrung stiftet.
Gegen Gladbach konnte der Argentinier,
der zuletzt verletzt war, nicht von An-
fang anspielen, hinzukommt, dass Regis-
seur Nuri Sahin bis zumSaisonende aus-
fällt. In Gladbach schaute Sahin mit di-
cker Knieschiene (Innenbanddehnung)
von der Bank aus der großzügigen Ver-
geudung der Kräfte zu.
Kagawa, Barrios und Sahin gleichzei-
tig zu ersetzen, wird schwer. Sahins Ver-
treter Toni da Silva, immerhin schon 32,
leitete mit einemseiner Fehlpässe das Ge-
gentor ein. Barrios-Ersatz Robert Lewan-
dowski verschusselte zwei frühe, große
Torchancen. Dortmund braucht, wegen
seines um satte 22 Tore besseren Torver-
hältnisses, noch maximal vier Punkte
zum Titel. Bei Heimspielen gegen Nürn-
berg und Frankfurt sowie einer Fahrt
nach Bremen dürfte das zu schaffen sein.
Doch angesichts der Tatsache, dass die
Konzentration vor dem Tor fehlt, ist das
kein so toller Trost. Denn dass es am En-
de darum geht, ein Tor mehr zu schießen
als der andere, ist imfußballerischen Ex-
zellenz-Center Dortmund zuletzt etwas
leichtfertig weggewischt worden. Und
sei es mit dem steten Hinweis auf nun
schon 22 Aluminiumtreffer. Alles Pech,
nur eine Momentaufnahme. „Dass wir
unsere Chancen verschwenden“, sagte
Nuri Sahin schon vor Wochen unbe-
schwert, „ist dochnichts Neues.“ Der ste-
te Hinweis darauf, dass die Mannschaft
schon viel Erstaunliches geleistet habe,
kontert jede Widerrede fast von selbst.
Für die kommende Saison in Champi-
ons League und Bundesliga wird Dort-
mundmindestens drei neue Spieler brau-
chen, torgefährliche vor allem, selbst
wenn Kagawa und Kapitän Sebastian
Kehl dann wieder fit sind und die Talen-
te Moritz Leitner (aus Augsburg) und Ju-
lian Koch (aus Duisburg) zur Alternative
werden sollten. Mit dem Ruhrpott-Ge-
wächs Ilkan Gündogan (aus Nürnberg)
scheint eine Ergänzung zu Regisseur Sa-
hinbereits festzustehen. Gladbachs Mar-
co Reus hätte dem BVB auch gefallen,
aber für den gebürtigen Dortmunder, der
sich im BVB-Nachwuchs einst nicht
durchgesetzt hatte, stehen Ablöseforde-
rungen im Raum, die vielleicht der
FC Bayern stemmen könnte, falls Glad-
bach in die zweite Liga muss. Der Kroate
Ivan Perisic, 22, vom FC Brügge hat es
Dortmund ebenfalls angetan, nicht nur
wegen seiner bereits 15 Saisontore.
In Gladbach schien es, als wollten die
Dauerdribbler Schmelzer, Götze, Groß-
kreutz den Ball mit purer Energie – und
mit Unterstützung ihrer über 20 000
Fans – ins Tor zwingen. Wie das in den
letzten drei Spielen klappen soll, das be-
reitet inzwischen doch einigen ein wenig
Kopfzerbrechen. Freddie Röckenhaus
Dienstag, 20.45 Uhr (Sat 1)
FC Schalke 04 – Manchester United
Rückspiel am 4. Mai.
Mittwoch, 20.45 Uhr
Real Madrid – FC Barcelona
Rückspiel am 3. Mai.
Finale: 28. Mai in London (Wembley).
Wenn sie bei Borussia Mönchen-
gladbach von dieser Saison etwas in
Erinnerung behalten wollen, sollten
sie sich ihre Tore im Video zusam-
menschneiden. Von Reus, Dante,
Idrissou, de Camargo – viele waren
wirklich wunderschön. Mit 45 Toren
ist Hannover Dritter, trotz nun
schon 44 Toren steigt Gladbach ver-
mutlich ab. Das sagt schon fast alles:
Was bei den Erben des Berti Vogts
hinter der Offensive geschah, ist frei
fürs blitzschnelle Vergessen.
Würde man eine Tabelle jener
Mannschaften aufstellen, die in die-
ser Saison am wenigsten das Talent
genutzt haben, das imjeweiligen Ka-
der vermutet werden muss, gäbe es
um Platz eins ein totes Rennen: zwi-
schen Mönchengladbach und dem
FC Bayern. Was am Beispiel dieser
höchst unterschiedlichen Ex-Meis-
ter nur bestätigt, dass in der Traditi-
on verwaltetes Knowhow zwar die
Vitrinen schmückt, niemals aber Er-
folg imAbonnement garantiert. Ver-
eine müssen sich stets neu behaup-
ten, bewiesen am Beispiel des baldi-
gen deutschen Meisters Dortmund.
Dessen0:1 vomSamstaginMönchen-
gladbach!!! sollte für den Verlierer
nichts mehr bedeuten, während es
für denTagessieger erneut all die ver-
passten Chancen der Spielzeit
schmerzvoll zusammenfasste.
Man könnte nun noch eine weitere
Tabelle entwerfen. Eine, die unter-
sucht, wer aus seinem eingesetzten
Kapital dengrößtensportlichenNut-
zengezogenhat. In dieser wärenhin-
ter dem neuen Dortmund, das aus
demChaos einer Fast-Insolvenz ent-
standen ist, Hannover, Mainz und
Nürnberg, aber auch Kaiserslautern
die hartnäckigsten Verfolger. In bei-
den Sondertabellen – jener der Ta-
lent-Verschwender undjener der Ka-
pital-Maximierer – fielenzwei weite-
renKlubs äußerst unrühmliche, aber
zentrale Rollen zu: dem Hambur-
ger SV und dem VfL Wolfsburg.
Der Unterschied zu Bayern und
Gladbachern ist nur, dass dort die
Vielzahl der sündteuer verpassten
Saisonziele zu Personalwechseln ge-
führt hat, während die Manager
Christian Nerlinger und Max Eberl
weiterwirken dürfen. Beide können
neben ihrer Jugend ja auch mildern-
de Umstände reklamieren: Nerlin-
ger, 38, hat zwischen, neben und un-
ter all den Großkopferten des
FC Bayern die Uli-Hoeneß-Nachfol-
ge unddamit einschweres Erbe ange-
treten; Eberl, 37, war es immerhinge-
lungen, einen (in Teilen) attraktiven
Kader zu komponieren. Und so groß
ist das Talentreservoir der Bundesli-
ga-Manager auch wieder nicht, als
dass beide nicht eine zweite Chance
bekommensollten, aus demnüchter-
nenKapitaleinsatz einen Fußball für
Schwärmer zu entwickeln.
Stanislawski kann auch anders. Der
liebe, nette Stanislawski, mit dem jeder
Hamburger blindeine Dose Labskaus tei-
len würde, der Stani, der Aufstiegsheld
vonnebenan, der beimTschüs-Sagen lei-
se Salzwasser weint, der Hafenstädter
mit Herz, außen rau, innen weich usw. –
das ist die eine Seite von Holger Stanis-
lawski, Trainer des FCSt. Pauli. Aber we-
he, wenn seine Spieler ihn enttäuschen,
wie sie es bei der Niederlage gegen Wer-
der getan haben. Dann wird Stanislaw-
ski zumMonster, dann straft er grausam:
Am Sonntag musste das Team die zweite
Halbzeit des Werder-Spiels auf Video an-
sehen. In voller Länge.
Stanislawski muss selbst wissen, ob
Gewalt das richtige Mittel ist, umFußbal-
ler zurück auf den Pfad der Tugend zu
führen. In der Kindererziehung jeden-
falls ist man im Laufe des vergangenen
Jahrhunderts immer mehr vom Bestra-
fen abgekommen. So sehr sogar, dass es
schon wieder zu viel der Milde geworden
ist und die Eltern des 21. Jahrhunderts
erst wieder eine gesunde Härte beige-
bracht bekommen müssen. Lektion eins:
auch mal Nein sagen, wenn der Kleine in
seiner ganzen Niedlichkeit ein Wandge-
mälde aus Kuchenteig anfertigt.
Grenzen setzen, das ist wichtig – inso-
fernliegt inder Brutalität des Stanislaw-
ski durchaus auch ein richtiger Gedanke.
Wo käme er denn hin, wenn ihm seine
Profibälger mit ihrer Minus-Zweikampf-
bilanz auf der Nase rumtanzen würden?
Und hat seine Osterstrafe nicht auch et-
was Feines, Vornehmes? Ein Magath
lässt Runden laufen. Das ist grob und ge-
wöhnlich. Und das Konzept Geldstrafe
scheitert imFußball oft amReichtumder
Spieler. Warum also nicht ein paar klei-
ne, fiese Stiche setzen, wie Stanislawski
es tut, die Hirne martern, nicht die Kör-
per. Ein abgeschlossener Raum, ein Vi-
deo, eine selbstgespielte unterirdische
zweite Halbzeit. Jeder Fehlpass, jeder fal-
sche Laufweg wird so zur quälenden Be-
gegnung mit sich selbst. Und wen das
kalt lässt, der bekommt das Video halt
nochmal zu sehen und nochmal. So lan-
ge, bis die Spieler umGnade winseln und
geloben, nie, nie, nie wieder so vogelwild
über einen Fußballrasen zu stolpern.
Und dann hat er seine Leute da, wo er sie
haben will. Stanislawski, der geniale Rä-
cher der Grasnarbe. Thomas Hahn
Gelsenkirchen – „Du bleibst immer un-
ser Manu“, standamOstersamstag auf ei-
nemjener Transparente, die die Schalker
Fans beim Bundesliga-Heimspiel gegen
den 1. FC Kaiserslautern präsentierten.
Eine extrovertierte Sympathie für den
Gegner im Halbfinale der Champions
League war das allerdings nicht. Die Ko-
seform„ManU“mit demgroßenUamEn-
de steht für den angehenden englischen
Meister Manchester United. Die Kose-
form„Manu“mit demkleinen„u“ amEn-
de steht für Schalkes Torwart Manuel
Neuer. Dieser wird zwar im Sommer
ziemlich sicher zum FC Bayern wech-
seln, hat nach 20 Jahren Mitgliedschaft
beim FC Schalke aber genug Kredit bei
den Fans, um den Wechsel halbwegs un-
beschadet zu überstehen. Gerade der
„Manu“ könnte an diesem Dienstag-
abend gegen „ManU“ viel dazu beitra-
gen, dass ein Höhepunkt der reichhalti-
gen Schalker Historie derart gestaltet
wird, dass die Schalker vielleicht sogar
mit einer Chance ins Rückspiel gehen.
Das 0:1 gegen Kaiserslautern hat auf
Schalke niemanden bestürzt. Der Klub
steht am21. Mai imDFB-Pokalfinale ge-
gen den Zweitligisten MSV Duisburg so-
wie nun im Halbfinale der Champions
League, da ist den Menschen in Gelsen-
kirchen-Buer die Bundesliga ungefähr so
bedeutsam wie Fön in den Alpen. Gegen
Duisburg winkt ein Titel und in der
Champions League mindestens der große
Reibach, denn bereits durch den Einzug
ins Semifinale haben die Schalker mehr
als 50 Millionen Euro eingenommen.
„Die Welt schaut nach Gelsenkirchen“,
stellt der Innenverteidiger Christoph
Metzelder fest. „Das ist das größte Spiel,
das ich als Trainer bislang zu bestreiten
hatte“, sagt Ralf Rangnick.
Wie bereits die Teilnahme an diesem
Halbfinale (mit Manchester, Real Ma-
drid, demFC Barcelona) für einen konti-
nental zuvor eher bedeutungsarmen
Klubwie denFCSchalke 04 einzuordnen
ist, hat der vormalige Madrilene Raúl
treffend ausgedrückt, als er witzelte, der
Verein müsste eigentlich schon für einen
möglichen Einzug ins Endspiel „einen
kleinenPokal“ erhalten. Dieses Halbfina-
le ist den Schalkern ein gefühltes End-
spiel, „davon werden die Jungs noch in
20 Jahren sprechen“, vermutet Manager
Horst Heldt. Schalkes erste Halbfinale-
Teilnahme gegen Manchesters zwölfte
„macht dieses Duell ja gerade so reiz-
voll“, sagt Rangnick.
Alle Heimspiele gewonnen
Die Tatsache, dass ManUnited vonsei-
nen vorherigen fünf Auswärtsspielen der
Champions-League-Saison vier gewon-
nen und nie ein Gegentor erlaubt hat, be-
wegt Rangnick zu der Prognose, „dass es
ein knappes Resultat geben könnte“. Im-
merhin haben die Schalker zwar ihre
fünf Heimspiele gewonnen, aber Metzel-
der warnt: „Ich kann mir nicht vorstel-
len, dass wir fünf Tore schießen wie im
Hinspiel in Mailand.“ Der Verteidiger
glaubt trotz Schalkes ansehnlicher Leis-
tung im Viertelfinale gegen Inter, „dass
ManU sich die Hände gerieben hat, dass
sie im Halbfinale gegen uns spielen und
nicht gegen Barcelona oder Real“.
Die Schalker B-Elf mit Spielern wie
Junmin, Escudero, Pliatsikas oder Ave-
lar, die Rangnick zur Schonung seiner
bestenMänner gegen Kaiserslauternauf-
bot, wird sich gegen Manchester wieder
in weitgehend jene Startelf verwandeln,
die im Viertelfinale Mailand ausgeschal-
tet hat. Der Einsatz des Innenverteidi-
gers Benedikt Höwedes bleibt wegen ei-
ner Bauchmuskelzerrung fraglich, für
ihn würde wohl Joel Matip spielen.
„Es gilt, die Reise fortzusetzen“, sagt
Metzelder, was nichts anderes bedeutet,
als dass die Schalker denEinzug ins Fina-
le am 28. Mai in London anstreben und –
obwohl Außenseiter – keineswegs für un-
möglich halten. Ulrich Hartmann
Dienstag, 26. April 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 25
Champions League
Halbfinale, Hinspiele
Tabellenführer
Gladbach
Von Klaus Hoeltzenbein
Verschwender aus dem Ruhrgebiet
Dortmunds ewig offensive Dauerdribbler erhalten der Meisterschaft eine Restspannung, weil sie wie so oft das Tor nicht finden
Auch mal
Nein sagen
Die Ergebnismaschine
Trotz Zähigkeit und Wandelbarkeit wird Manchester United in England noch immer unterschätzt
Borussia Dortmund
(1. Platz/62:19 Tore/69 Punkte)
1. FC Nürnberg (Heim),
Werder Bremen (Auswärts), E. Frankfurt (H)
Bayer Leverkusen (2./62:41/64)
1. FC Köln (A), Hamburger SV (H), Freiburg (A)
Hannover 96 (3./45:41/57)
Gladbach (H), VfB Stuttgart (A), Nürnberg (H)
FC Bayern München (4./67:37/56)
Schalke 04 (H), St. Pauli (A), VfB Stuttgart (H)
Schalke im Halbfinale
Das Ziel
bleibt London
FUSSBALL
Frustrierend abhängig
Die Bayern müssen wieder auf Hanno-
vers Patzer hoffen. Seite 26
Stets schiefgegangen
St. Pauli, Frankfurt, Köln und Gladbach
mit den schlechtesten Karten Seite 27
TENNIS
Die neue Jule
Das Stuttgarter Turnier als Wende in der
Karriere der Siegerin Görges Seite 29
SPORT
Von Gladbachs Mo Idrissou verladen,
vom Spielverlauf verwirrt: Dortmunds
Verteidiger Neven Subotic Foto: dapd
Hängende Spitze
Stets imZentrum aller Überlegungen: Wer gegen Manchester United bestehen will, muss Wayne Rooney unter Kontrolle halten. Foto: Reuters
Restprogramm
Champions-League-Anwärter
Sport heute
Oft schon wurde Ferguson
und seinen Teams der
Niedergang prognostiziert.
Neuer, Boateng, Höwedes, van der
Wiel, Coentrao, Ilicevic, Reus – die Lis-
te möglicher Sommerzugänge für Bay-
ern München ist lang, unvollständig
und naturgemäß sind manche der
Tipps heiß, manche irreführend. Mir-
ko Slomka, dem Trainer von Hanno-
ver 96, wäre diese Liste egal wie sonst-
was, wäre ihm nicht zu Ohren gekom-
men, dass auch Didier Ya Konan in
München begehrt sein soll. Sein ivori-
scher Torjäger (13 Saisontreffer) hat
maßgeblichen Anteil daran, dass Han-
nover aufmüpfig Anspruch erhebt auf
den dritten Platz, der in die Champi-
ons League führt – indirekter Konkur-
renz zu den Bayern. Ya Konan hat al-
lerdings offenbar auch: eine Ausstiegs-
klausel im Vertrag bis 2014.
Um solche Klauseln – bei Ya Konan
soll sie an zehn Millionen Euro Ablöse
gekoppelt sein – „mache ich mir schon
Sorgen“, sagte Slomka der Bild am
Sonntag. Der Trainer klang, als gebe
es wirklich eine Offerte der Bayern für
seinen Topstürmer: „Ich nehme so et-
was schonernst. Aber indemFall glau-
be ich in der Tat, dass die Bayern bei
uns Unruhe stiften wollen“, mutmaßte
Slomka. Direkte Rivalenanempfindli-
chen Stellen zu provozieren, gehört
seit je her zu den Münchner Erfolgs-
strategien. Wenn dies auch imkonkre-
ten Fall so wäre, empfände Slomka es
als Auszeichnung: „Das beeindruckt
uns nicht. Wir freuen uns, wenn wir
den Bayern Paroli bieten können.“
Gewinnt Hannover auf der Zielgera-
dendaheimgegenGladbachundNürn-
berg sowie in Stuttgart, bleiben sie si-
cher Dritter. Zwei schwere Auswärts-
prüfungen haben sie zuletzt gut ge-
meistert (0:0 in Hamburg, 3:1 in Frei-
burg), ohne weiche Knie. Auch Slom-
ka zeigt sich mutig: „Wir können uns
dauerhaft in der Spitzengruppe eta-
blieren. Mit punktuellen Verstärkun-
gen können wir sogar in der Champi-
ons League mithalten, Deutschland
muss sich keine Sorgen machen.“ SZ
1. FC Kaiserslautern – FC St. Pauli Fr. 20.30
SV Werder Bremen – VfL Wolfsburg Fr. 20.30
Borussia Dortmund – 1. FC Nürnberg Sa. 15.30
1. FC Köln – Bayer 04 Leverkusen Sa. 15.30
Hannover 96 – Bor. Mönchengladbach Sa. 15.30
FSV Mainz 05 – Eintracht Frankfurt Sa. 15.30
Hamburger SV – SC Freiburg Sa. 15.30
TSG 1899 Hoffenheim – VfB Stuttgart Sa. 15.30
FC Bayern München – FC Schalke 04 Sa. 18.30
SC Freiburg – Hannover 96 1:3 (0:2)
VfB Stuttgart – Hamburger SV 3:0 (1:0)
FC St. Pauli – Werder Bremen 1:3 (1:0)
Bayer Leverkusen – 1899 Hoffenheim 2:1 (1:1)
FC Schalke 04 – 1. FC Kaiserslautern 0:1 (0:1)
Eintracht Frankfurt – Bayern München 1:1 (0:0)
B. Mönchengladbach – Borussia Dortmund 1:0 (1:0)
VfL Wolfsburg – 1. FC Köln 4:1 (2:1)
1. FC Nürnberg – FSV Mainz 05 0:0
Verein Schnitt
FC Schalke 04 61 673 61 384
Eintracht Frankfurt 51 500 47 106
Borussia Mönchengladbach 54 057 44 946
1. FC Nürnberg 48 548 41 612
VfB Stuttgart 39 000 39 012
VfL Wolfsburg 30 000 28 817
Bayer 04 Leverkusen 29 313 28 535
FC St. Pauli 24 487 24 431
SC Freiburg 24 000 23 044
Gesamt 362 578 42 339
Nürnberg – Ob er womöglich denselben
Friseur besuche wie Gerald Ehrmann,
das hätte manChristianWetklo sicher ge-
fahrlos fragen können. Wer vor demTor-
wart mit den prachtvollen Oberarmen
steht und ihn bei der Arbeit beobachtet,
der muss ja unweigerlich denken an den
heutigen Lauterer Torwarttrainer Ehr-
mann, der einst zu Recht und dennoch
mit Stolz den Spitznamen „Tarzan“
trug. Wetklo gilt als eine Art Wiedergän-
ger des Pfälzer Kraftmeiers, und derlei
Vergleiche hätte die aktuelle Nummer
eins von Mainz 05 am Sonntag ohne Wi-
derworte geduldet. Denn Wetklo war
nach Ansicht der Fernsehbilder erleich-
tert und „sehr zufrieden“ mit sich und
denReferees, welche seinenletzte Ballbe-
rührung im Spiel beim 1. FC Nürnberg
als regelkonform gewertet hatten. „Eher
drauf als draußen“, bilanzierte Wetklo,
der in der Nachspielzeit sein Tor für ei-
nen finalen Noteinsatz verlassen musste
und den Ball offenbar mit der Hand in
Höhe der Strafraumlinie fortpritschte.
Dass nach dem 0:0 sehr viel über eine
von den Gastgebern heftig geforderte ro-
te Karte für Wetklo debattiert wurde,
war bezeichnend für ein entsetzliches
Spiel, das streng genommendenStraftat-
bestand der Körperverletzung erfüllte.
Nicht anzusehen war es, wie sich Nürn-
berger undMainzer inihremdirektenDu-
ell um Tabellenplatz fünf überboten mit
Serien von Fehlpässen und Befreiungs-
kerzen, als habe diesmal jemand die Tore
im herrlichen Frühlingshimmel veran-
kert. Die Aussicht auf den Startplatz in
der Europa League hemmte die Präzisi-
on beider Teams – wobei den Nürnber-
gern als Heimmannschaft vor ausver-
kauftemHaus die zwangsläufig größeren
Spielanteile zum „Verhängnis“ wurden,
wie Club-Trainer Dieter Hecking ange-
sichts von 62 Prozent Ballbesitz und null
herausgespielten Torchancen einräumte.
Die Nürnberger taten sich schwer ge-
gendie Mainzer Fähigkeit, Räume zuver-
dichten. Ob dies nunim„fleißigen 4-4-2“
gelang, wie es der Mainzer Mittelfeldspie-
ler Andreas Ivanschitz formulierte, oder
im„flachen4-4-2“ (Wetklo), war eine De-
tailfrage für Puristen. Die Laienrealisier-
tenauchso, dass es Nürnbergs sonst wen-
digen Zentrumstechnikern wie Cohen,
Ekici oder Gündogan nie gelang, das Ge-
strüpp aus Beinen zu durchdringen.
Offenkundig war dabei, dass dem
Club die gesteigerte Erwartungshaltung
zusetzte, sie äußerten sich mehr als sonst
in zunehmendem Murren und fränki-
schen Flüchen.
„Unsere jungen
Leute sind nervös
und noch nicht so
abgeklärt“, sagte
Torwart Raphael
Schäfer, 32.
„Aber das ist doch
auch normal,
wenn man so eine
Möglichkeit hat.“
Mehmet Ekici, 21,
der per Freistoß
den Pfosten traf
(20.), erklärte:
„Der positive
Druck ist neu, für
die Fans und für die Spieler.“
Die etwas cooleren Mainzer behaupte-
ten dank ihrer Spielanlage und trotz un-
genutzter Chancen Rang fünf und blei-
benzwei Punkte vor demFCN. „Ein Teil-
sieg“ sei das 0:0, freute sich Trainer Tho-
mas Tuchel, der sichzumAnspruchEuro-
pacup bekennt und findet, man verdiene
das auch: „Wir haben das absolute Ziel,
die einzige Mannschaft zu bleiben, die
die ganze Saison unter den Top 5 stand.“
Das Restprogrammwirkt bei zwei Heim-
spielen erträglicher als das des Clubs,
der nunnachDortmundmuss undamEn-
de zu Hannover. „Das mag so aussehen“,
meint Hecking, „aber man weiß ja, dass
am Ende Ergebnisse zustande kommen,
an die keiner glaubt.“ Andreas Burkert
Hannovers Torjäger Ya Konan
Störfeuer der Bayern?
Ostersonntag
1. FC Nürnberg – FSV Mainz 05 0:0
Nürnberg: Raphael Schäfer – Chandler, Wollscheid,
Wolf, Pinola (76. Plattenhardt) – Cohen (60. Mak), Si-
mons – Hegeler (46. Gündogan), Ekici, Eigler – Schie-
ber. – Trainer: Hecking.
Mainz: Wetklo – Bungert, Svensson, Noveski, Fathi –
Polanski, Soto – Marco Caligiuri (84. Ivanschitz), Chris-
tian Fuchs (65. Risse) – Allagui (79. Sliskovic), Schürr-
le. – Trainer: Tuchel.
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin). – Gelbe Karten: Gündo-
gan (2), Pinola (7), Wolf (11), Eigler (2), Mak – Soto (3),
Marco Caligiuri (2), Polanski (9).
VfL Wolfsburg – 1. FC Köln 4:1 (2:1)
Wolfsburg: Benaglio – Riether, Kjaer, Arne Friedrich,
Marcel Schäfer – Josue – Polak (66. Hasebe), Cicero
(34. Dejagah) – Diego – Grafite (81. Madlung), Mand-
zukic. – Trainer: Magath.
Köln: Rensing – Brecko, Geromel, Mohamad, Eichner
– Lanig (64. Matuschyk), Yabo (78. Sanou) – Freis, Ja-
jalo, Clemens (63. Chihi) – Novakovic. – Trainer:
Schaefer.
Tore: 1:0 Mandzukic (14.), 2:0 Mandzukic (39.), 2:1
Freis (40.), 3:1 Dejagah (58.), 4:1 Dejagah (88.). –
Schiedsrichter: Perl (Pullach).
Ostersamstag
B. Mönchengladbach – Bor. Dortmund 1:0 (1:0)
Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Stranzl,
Brouwers, Daems – Nordtveit, Neustädter – Herrmann
(62. Marx), Arango – Reus (85. Schachten), Idrissou
(79. Matmour). – Trainer: Favre.
Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hum-
mels, Schmelzer – S. Bender, da Silva – Blaszczykow-
ski (64. Zidan), Götze, Großkreutz (85. Stiepermann) –
Lewandowski (64. Barrios). – Trainer: Klopp.
Tor: 1:0 Idrissou (35.). – Schiedsrichter: Stark (Ergol-
ding).
FC Schalke 04 – 1. FC Kaiserslautern 0:1 (0:1)
Schalke: Neuer – Hao, Matip, Metzelder, Escudero –
Pliatsikas (46. Jurado), Avelar – Farfan (46. Baumjo-
hann), Draxler – Edu (62. Karimi), Raul. – Trainer:
Rangnick.
Kaiserslautern: Trapp – Dick (13. Kirch), Abel, Rodnei,
Jessen – Petsos, Moravek – Tiffert (84. Rivic), Hlousek
– Hoffer, Lakic (77. de Wit). – Trainer: Kurz.
Tor: 0:1 Lakic (42.). – Schiedsrichter: Fritz (Korb). –
Gelbe Karten: Hlousek (3), Moravek (4), de Wit.
Eintracht Frankfurt – Bayern München 1:1 (0:0)
Frankfurt: Fährmann – Jung, Rode, Russ, Köhler –
Schwegler, Clark – Ochs, Halil Altintop, Fenin (90.+4
Caio) – Gekas (89. Marcel Heller). – Trainer: Daum.
Bayern München: Butt – Lahm, van Buyten, Luiz Gusta-
vo, Contento – Timoschtschuk (69. Toni Kroos),
Schweinsteiger – Thomas Müller, Klose, Ribéry – Go-
mez. – Trainer: Jonker.
Tore: 1:0 Rode (54.), 1:1 Gomez (89., Foulelfmeter). –
Schiedsrichter: Drees (Münster-Sarmsheim). – Gelbe
Karten: Köhler (3), Ochs (6), Jung (3), Fenin (2) –
Schweinsteiger (6), Gomez (2), Luiz Gustavo (5).
FC St. Pauli – SV Werder Bremen 1:3 (1:0)
St. Pauli: Pliquett – Bartels, Thorandt, Gunesch, Lech-
ner – Boll (18. Daube), Lehmann – Bruns (74. Naki),
Takyi (66. Ebbers), Kruse – Asamoah. – Trainer: Stanis-
lawski.
Bremen: Wiese – Fritz, Mertesacker, Pasanen, Silves-
tre – Frings – Wesley, Bargfrede (67. Hunt) – Marin –
Wagner (88. Schmidt), Pizarro. – Trainer: Schaaf.
Tore: 1:0 Bartels (29.), 1:1 Thorandt (50., Eigentor),
1:2, 1:3 Pizarro (73., 74.). – Schiedsrichter: Weiner
(Giesen). – Gelbe Karten: Bartels (2), Lehmann (8).
VfB Stuttgart – Hamburger SV 3:0 (1:0)
Stuttgart: Ulreich – Boulahrouz, Tasci, Niedermeier,
Molinaro (82. Didavi) – Träsch, Kuzmanovic (76. Gent-
ner) – Harnik, Hajnal, Okazaki (66. Boka) – Cacau. –
Trainer: Labbadia.
Hamburg: Rost – Diekmeier, Kacar, Westermann, Ao-
go – Jarolim – Torun (46. Tesche), Ze Roberto, Elia
(61. Guerrero) – Ben-Hatira (79. Son), Petric. – Trai-
ner: Oenning.
Tore: 1:0 Cacau (6.), 2:0 Gentner (78.), 3:0 Cacau
(88.). – Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne). – Gelbe Kar-
ten: Ulreich (2), Molinaro (3).
Bayer Leverkusen – 1899 Hoffenheim 2:1 (1:1)
Leverkusen: Adler – Vidal, Schwaab, Hyypiä, Kadlec –
Rolfes (46. Derdiyok), Lars Bender – Sam (77. Barnet-
ta), Ballack, Renato Augusto – Kießling (86. Balitsch).
– Trainer: Heynckes.
Hoffenheim: Starke – Beck, Vorsah, Compper, Braaf-
heid – Rudy – Firmino, Sigurdsson, Alaba, Babel – Mla-
pa (78. Ibisevic). – Trainer: Pezzaiuoli.
Tore: 0:1 Sigurdsson (28.), 1:1 Kadlec (40.), 2:1 Vidal
(51.). – Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf). – Gelbe Kar-
te: Beck (6).
Gründonnerstag
SC Freiburg – Hannover 96 1:3 (0:2)
Freiburg: Baumann – Mujdza, Krmas, Toprak, But-
scher – Schuster – Nicu, Makiadi (75. Williams), Dani-
el Caligiuri (38. Rosenthal), Putsila (72. Jäger) – Cissé.
– Trainer: Dutt.
Hannover: Zieler – Cherundolo, Haggui, Pogatetz,
Christian Schulz – Schmiedebach, Lala (87. Eggi-
mann) – Stindl, Rausch (71. Carlitos) – Schlaudraff
(90.+1 Chahed), Abdellaoue. – Trainer: Slomka.
Tore: 0:1 Abdellaoue (24.), 0:2 Schlaudraff (31.), 0:3
Rausch (58.), 1:3 Rosenthal (79.). – Schiedsrichter: Win-
genbach (Diez). – Gelbe Karten: Schulz (4), Stindl (5).
1. Mario Gomez (FC Bayern München) 23
2. Papiss Demba Cissé (SC Freiburg) 20
3. Theofanis Gekas (Eintracht Frankfurt) 16
4. Milivoje Novakovic (1. FC Köln) 14
Srdjan Lakic (1. FC Kaiserslautern) 14
6. Lucas Barrios (Borussia Dortmund) 13
André Schürrle (FSV Mainz 05) 13
Didier Ya Konan (Hannover 96) 13
9. Lukas Podolski (1. FC Köln) 12
Raúl (FC Schalke 04) 12
11. Mladen Petric (Hamburger SV) 11
12. u.a. Thomas Müller (FC Bayern München) 10
Frankfurt – „Wie eine Achterbahnfahrt“
sei diese Saison, seufzte Mario Gomez
nachdemSpiel, aber das war ein schiefes
Bild. Denn Achterbahnfahrten, mit ra-
santen Aufs und Abs, bereiten den Leu-
tenVergnügen– es sei denn, sie habenzu-
vor im Festzelt ein fettes Hendl verzehrt
und ihr Magen ist sensibel. Im Bauch des
Frankfurter Stadions klang Andries Jon-
ker, der schmächtige Interimstrainer des
FC Bayern, nach dem 1:1 (0:0) ganz und
gar nicht vergnügt, er sprach von „Fehl-
pässen“, „verlorener Kontrolle“ imSpiel
und demalten Manko dieser Saison, dass
sich sein Team selten volle 90 Minuten
konzentrieren kann. Oder will. Oder bei-
des. Die Bayern hatten in der Frankfur-
ter Sonne geschwitzt, geflucht unddisku-
tiert, auchmit demSchiedsrichter, Spaß-
faktor: null. Die VereinsdirektorenRum-
menigge, HoeneßundHopfner tateninih-
ren Ledersesseln auf der Ehrentribüne
dasselbe. Sie schwitzten, fluchten und
diskutierten, und die Kameramänner
vom Fernsehen richteten wieder lustvoll
ihre Linsen auf die leidende Troika.
Nur eine Woche nach der Gala gegen
Leverkusen(5:1), der vermeintlichenEnt-
fesslung vom dominanten Trainer Louis
van Gaal, verfielen die Bayern auf dem
Platz inalte Verhaltensmuster. Als Tabel-
lenvierter unterbieten sie wieder ihre ei-
gene Toleranzgrenze. Stand jetzt müss-
ten sie nächste Saison durch die Europa
League tingeln– unddas wäre für ihr teu-
res Ensemble vergleichbar mit einer Geis-
terbahnfahrt. „Psychologischanspruchs-
voll“ sei nun die Aufgabe, Hannover
noch zu überholen, knurrte Sportdirek-
tor Christian Nerlinger. Sogar drei Siege
im Endspurt genügen nicht, die großen
Bayern haben keinen eigenen Zugriff
mehr auf die Champions League. Sie müs-
senhoffen, dass das kleine Hannover Ner-
venzeigt undstrauchelt. „Das ist bedenk-
lich, Abhängigkeit ist im ganzen Leben
nie etwas Gutes“, philosophierte Bayern-
Angreifer Thomas Müller, das sei – rohe
Ostern! – „ein Scheißgefühl“
Die Bayern sind keine Radfahrer, die
gerne im Windschatten strampeln, schon
gar nicht hinter einem Widersacher aus
der niedersächsischen Fußballprovinz.
Hannover als Gradmesser – das wirkte
noch vor Monaten aberwitzig. Doch der
FC Bayern vermochte auch kämpferisch
starke Frankfurter spielerisch nicht zu
beherrschen. „Der Gegner ist abstiegsbe-
droht, deshalb ist das Ergebnis enttäu-
schend“, sagte Jonker nüchtern.
Seit dessen Beförderung hat das Team
keine Ausreden mehr, der Trainer kann
nicht mehr der Hauptschuldige der Mise-
re sein. Mit Jonker verband man wichti-
ge Kurskorrekturen: Mehr taktische Sta-
bilität! Weniger Waghalsiges im Spiel-
aufbau! Mehr Freiheit und Spielfreude!
Bei freundlicher Betrachtung, knüpften
die ersten und letzten 15 Minuten in
Frankfurt an den Kantersieg der Vorwo-
che an. Dazwischenaber lagen: viel Leer-
lauf, halbe Sachen, wenig Geschwindig-
keit, Biss Esprit, und wie unter van Gaal:
wenig Druck auf den Gegner, wenn der
am Ball war. Müller und Ribéry dribbel-
ten sich außen oft auf den letzten Metern
fest, inder Mitte passierte seltenZünden-
des undGomez vergabdicke Chancen, be-
vor er per Elfmeter spät (89.) das 0:1 (54.)
ausglich. „Insgesamt war es zu wenig“,
tadelte Jonker, nur das Aufbäumen am
Ende fand er lobenswert.
Gomez, der als Führender der Torjä-
ger-Wertung (23 Treffer) wohl Bayerns
einzigenTitel 2011 erringen wird, sah bei
seiner Elf „vor dem Tor Hacke, Spitze,
eins, zwei, drei. Vielleicht waren wir uns
nach Leverkusen ein bisschen zu sicher.“
Dabei hätten die Bayern wissen müssen
dass bisher kaum ein Aufwärtstrend in
ihrer Berg-und-Tal-Saison über den Tag
hinaus Wirkung hatte, nie gaben schöne
Siege Sicherheit. Beschwingt gegen Le-
verkusen, bleiern in Frankfurt – das war
bezeichnend. Und es ist mental offenbar
ein riesiger Unterschied, ob die Bayern
umgroße, positive Ziele kämpfen, die sie
als ihrer würdig erachten, umTitel! Oder
ob der letzte verbliebene Ansporn des
Jahres die Vermeidung einer Katastro-
phe ist. So ungern sie in die Europa
League wollen – die unbedingte Bereit-
schaft, für dieses Ziel über Grenzen kör-
perlicher und geistiger Ermüdung zu ge-
hen, sie war zuletzt selten zu erkennen.
Manche Siege gelangen mit Ach und
Krach, Spaß amBeruf zeigtendie Bayern
nur, wennihnenSpielverlauf undVerfas-
sung des Gegners halfen (HSV, Leverku-
sen). „Wir glauben noch zu 100 Prozent,
dass wir Dritter werden“, sagt Nerlinger
trotzig, aber er weiß: Dann muss mehr
kommen gegen Schalke, in St. Pauli, ge-
gen Stuttgart. Arjen Robben wird nach
verbüßter Sperre wieder ein Faktor sein,
und sein Partner Ribéry hat nur noch in
diesendrei Partiendie Chance, einSpiel-
jahr versöhnlich abzuschließen, in dem
er sein Versprechen einer „großen Sai-
son“ nicht ansatzweise eingelöst hat – ei-
ne Zeit lang auch verletzungsbedingt.
Unlängst gegen Inter Mailand, als es
um viel ging und Frankreichs National-
trainer Blanc zu Besuch war, hatte Ribé-
ry motiviert angedeutet, was er kann; die
Saison-Statistik weist ihn trotz allemals
bestenVorlagengeber der Ligaaus (15 As-
sists). Doch die Erwartungen sind höher
an einen, der Spiele, in denen es um die
Wurst geht, genial entscheiden soll.
Auch in Frankfurt tauchte Ribéry ab, in
der Defensive ließ er links den jungen
Contento oft alleine, das kennt man.
Gehadert – zu recht – hatten Ribéry
und Kollegen mit Schiedsrichter Drees,
der den Bayern nach der Pause zwei Elf-
meter verwehrte (Foul an Müller, Hand-
spiel vonClark), ehe er nacheiner Kollisi-
on von Luiz Gustavo mit Fenin doch
noch einen Strafstoß verhängte. Der war
zwar keine so krasse Fehlentscheidung,
wie wütende Frankfurter behaupteten.
aber sogar die Bayern gingen von einer
Konzessionsentscheidungaus: „Der Schi-
ri“, vermutete Gomez, „hatte wohl ein
schlechtes Gewissen“. Moritz Kielbassa
Teilsieg mit Kerzen
Mainz will nach dem 0:0 im direkten Duell beim FCN nach Europa
32. Spieltag 31. Spieltag
Zuschauer
Frustrierende Abhängigkeit
Berg- und Talfahrt durch die ganze Saison: Der unbeständige FC Bayern fürchtet wieder ums Minimalziel
Sicher vor dem
Mainzer Dickicht:
Torwart Wetklo rtr
Torjäger
Seite 26 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 HF2 Dienstag, 26. April 2011
SPORT
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Hey, Schiri, das war ein klarer Elfer! Die Münchner Müller, Kroos, Schweinsteiger und Ribéry (v.li.) kreideten Jochen
Drees zwei nicht gegebene Strafstöße an – bis die dritte strittige Szene geahndet wurde und zum 1:1 führte. Foto: M.i.S.
DIE BUNDESLIGA AUF EINEN BLICK
Vereine Sp. g u v Tore Dif. Pkt. Heim Auswärts
1 (1) Borussia Dortmund 31 21 6 4 62:19 +43 69 30:7 34 32:12 35
2 (2) Bayer 04 Leverkusen 31 19 7 5 62:41 +21 64 32:23 31 30:18 33
3 (4) Hannover 96 31 18 3 10 45:41 +4 57 29:15 34 16:26 23
4 (3) FC Bayern München 31 16 8 7 67:37 +30 56 42:11 35 25:26 21
5 (5) FSV Mainz 05 31 15 4 12 44:37 +7 49 17:15 20 27:22 29
6 (6) 1. FC Nürnberg 31 13 8 10 45:38 +7 47 27:17 29 18:21 18
7 (7) Hamburger SV 31 12 7 12 44:48 -4 43 28:21 25 16:27 18
8 (8) SC Freiburg 31 12 5 14 39:47 -8 41 24:23 26 15:24 15
9 (9) 1899 Hoffenheim 31 10 10 11 46:44 +2 40 26:16 26 20:28 14
10 (10) FC Schalke 04 31 11 7 13 35:35 0 40 23:15 24 12:20 16
11 (11) SV Werder Bremen 31 9 11 11 43:57 -14 38 24:22 21 19:35 17
12 (13) 1. FC Kaiserslautern 31 10 7 14 41:48 -7 37 20:17 18 21:31 19
13 (14) VfB Stuttgart 31 10 6 15 55:55 0 36 31:26 20 24:29 16
14 (12) 1. FC Köln 31 10 5 16 41:61 -20 35 26:20 29 15:41 6
15 (15) Eintracht Frankfurt 31 9 7 15 30:41 -11 34 13:22 19 17:19 15
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16 (16) VfL Wolfsburg 31 7 11 13 38:45 -7 32 26:24 21 12:21 11
17 (18) B. Mönchengladbach 31 8 5 18 44:64 -20 29 24:31 15 20:33 14
18 (17) FC St. Pauli 31 8 5 18 33:56 -23 29 20:27 15 13:29 14
Sein Versprechen einer
„großen Saison“ hat Ribéry
nicht ansatzweise eingelöst.
Beschwingt gegen Leverkusen,
bleiern in Frankfurt –
das war bezeichnend.
Glasklar? Hun-
dertprozentig?
Tausendprozen-
tig? Es war – wie
immer man es
ausdrücken woll-
ten – eine selten
große Torchance,
die Frankfurts
Stürmer Theofa-
nis Gekas (re.)
vergab. Bayern-
Keeper Jörg Butt
(li.) staunte, wie
alle im Stadion,
dass Gekas den
Ball vorbeischob
statt zum 2:0 ins
Tor. Foto: Fishing4
Am schönsten ist der Spieltag mit
München – Einst lautete die magische
Zahl 40. Soviele Punkte galtenals ausrei-
chend, um nach 34 Spieltagen mindes-
tens den viertletzten Platz zu belegen
und sich ein weiteres Jahr Spielberechti-
gung für die Bundesliga zu sichern. Seit
der Drittletzte aber wieder ein Relegati-
onsspiel gegen denZweitliga-Drittenbe-
streiten darf, braucht es nicht mal mehr
die 40, sondern vielleicht bloß noch 35
Punkte für Platz 16 unddie letzte Chance
auf den Klassenerhalt. So kalkulierten
bis Sonntagnachmittag jedenfalls die
Mönchengladbacher mit ihren 29 Punk-
ten. Dochdannsankder Mut wieder dras-
tisch. Nach 35 Zählern sieht es über-
haupt nicht mehr aus, seit der VfLWolfs-
burg mit dem 4:1 gegen den 1. FC Köln
die Gladbacher deprimiert hat und die
Kölner, Frankfurter und sogar die Stutt-
garter dazu. Sie alle stecken wieder drin
im Abstiegssumpf.
Bei noch neun möglichen Punkten pro
Mannschaft könnten amEnde gar 38 not-
wendig werden, um Platz 16 zu belegen
und in die Saisonverlängerung zu gehen.
Während vor allem die Kölner nach drei
NiederlageninSerie und„fehlendemZu-
sammenhalt auf demPlatz“ (Torwart Mi-
chael Rensing) massiv Angst aufbauen,
haben sich die Gladbacher an ihre
Furcht offenbar gewöhnt. „Unsere Mann-
schaft steht schon so lange da unten
drin“, sagt der Innenverteidiger Stranzl,
„die kann nichts mehr schocken.“
Das wäre vorteilhaft im Teilwettbe-
werban der Tabellenbasis, indemvonei-
nem Abstiegsgespenst schon lange nicht
mehr die Rede sein kann. Gespenst, das
klingt romantisch, der Bundesliga-Über-
lebenskampf 2011 ist aber kein niedli-
cher Gruselfilm, sonderneher einHorror-
streifen mit ständig neuen Überraschun-
gen und Wendungen, und wie in jedem
Schocker kommt das Monster am Ende
zähnefletschend zurück, wenn niemand
mehr damit rechnet. Das Monster ist in
diesem Fall die Borussia aus Gladbach,
die zur Winterpause schon abgeschlagen
wirkte. Sportchef Max Eberl klang glei-
chermaßenamtlich wie bedrohlich, als er
nach dem Gladbacher 1:0 gegen den Ta-
bellenführer Borussia Dortmundmitteil-
te: „Die Mannschaft, die alle schon abge-
schrieben hatten, ist wieder da!“
Im Borussia-Park feiern sie die Tatsa-
che, drei Spieltage vor Saisonende noch
Chancen zu besitzen, als Zeichen der
Hoffnung, dabei stehen ihre Aussichten
trotz der zuletzt recht ansehnlichen Leis-
tungen angesichts eines harten Restpro-
gramms nach wie vor schlechter als jene
der besser platzierten Konkurrenz. „Die
Hoffnung ist da, das ist klar“, reimte
Gladbachs Trainer Lucien Favre im
Rausch des Sieges über Dortmund, doch
„ob es reicht, das weiß ich nicht“, schloss
er seine Einschätzung aus demTabellen-
keller eher nüchtern ab.
Nur 21 Stunden nach demGladbacher
Überraschungscoup gegen den gleich-
wohl noch immer höchstwahrscheinli-
chen Meister Dortmund und demSprung
über den deprimierten FC St. Pauli hin-
weg auf den vorletzten Tabellenplatz
war die Hoffnung im westlichen Rhein-
land fast schon wieder verpufft. Denn
nach dem 4:1 dürfen auch die Wolfsbur-
ger auf eine Trendwende setzen. Es war
der erste Sieg unter dem neuen Trainer
Felix Magath, so deutlich gleich, dass
nuneine gängige These bemüht wird: Ein
derart hochkarätig besetztes Team wie
der VfL könne, dürfe und wolle doch si-
cher nicht absteigen. Auch wenn das
2011 fast für das gesamte untere Tabel-
lendrittel gilt.
Der Dortmunder Trainer Jürgen
Klopp hat in sein Kompliment an die
Gladbacher am Samstag etwas eingear-
beitet, was bezeichnendfür dendiesjähri-
gen Abstiegskampf ist. „Gladbach hat
nicht mal imAnsatz wie eine Mannschaft
gespielt, die in der Tabelle ganz unten
steht“, hat Klopp gesagt. Doch bis auf
Köln und St. Pauli, die vom negativen
Momentum derzeit geradewegs in die
Bredouille gerissen werden, trifft das ei-
gentlich auf alle Mannschaften zu, die
noch für den Abstieg in Frage kommen.
Stuttgart besiegte die Hamburger 3:0,
Wolfsburg die Kölner 4:1, Gladbach die
Dortmunder 1:0 und Frankfurt hatte den
FC Bayern am Rande einer Niederlage.
Mindestens eine dieser Mannschaften, de-
nen das vor der Saison niemand so rich-
tig zugetraut hätte, muss in drei Wochen
direkt absteigen oder in die Relegation.
Während Wolfsburgs Trainer Magath
hofft, „dass uns das 4:1 gegen Köln Si-
cherheit gibt“, sorgen sich die Fußballer
aus der Domstadt um ihre alte Weisheit,
dass letztlichdochimmer alles gut gegan-
gen ist (et hett noch immer joot jejange).
„Wir dürfen jetzt bloß nicht die Nerven
verlieren“, sagte der Trainer Frank
Schaefer nachder NervenraubendenNie-
derlage. Die Kölner fürchten sich nach
vier deutlichen Niederlagen (2:6, 1:5, 1:3,
1:4) binnen fünf Spielen vor den nächs-
ten Aufgaben gegen Leverkusen und in
Frankfurt. Dass Köln am letzten Spiel-
tag den FC Schalke empfängt, macht es
ein bisschen aussichtsreicher, denn vor
dem Bundesligateam Schalke braucht in
dieser Saison niemand Angst zu haben.
„Ich kann nicht tolerieren, dass wir
den Glauben verloren haben“, sagte der-
weil St. Paulis Trainer Holger Stanislaw-
ski über die 1:3-Niederlage gegen Wer-
der Bremen. Allerdings ist der Nieder-
gang bei den Hamburgern nach zuletzt
nur einem Punktgewinn aus neun Spie-
len doch ebenso langfristig wie eindeu-
tig. St. Pauli ist nun Letzter. Drei Siege
könnten den Klub vielleicht noch retten,
aber das wird schwer in Kaiserslautern,
gegen Bayern München und in Mainz,
und wenn den Hamburgern zuletzt eine
Sache zum Nachteil gereicht hat, dann
die, dass sie ziemlich leicht zu schocken
waren. Schreckhaft zu sein, ist im Ab-
stiegskampf 2011 aber eine unverzeihli-
che Schwäche. Ulrich Hartmann
Stuttgart – Es gab wieder das eine oder
andere zu kritisieren, so ist es ja nicht.
Insbesondere die Angreifer des VfBStutt-
gart zeigten sich nicht in jedem Moment
dieses Nachmittages in Hochform, viel-
mehr sind sie mit ihren Chancen so fahr-
lässig umgegangen wie Hans-Guck-in-
die-Luft mit der Straßenverkehrsord-
nung. Fehlpässe imMittelfeld ließen sich
auch ein paar zählen, und doch – mit zu-
nehmendem Spielverlauf gerieten die
Nörgler auf den Stuttgarter Tribünen in
Unterzahl. Und am Ende reichte es nach
den Treffern von Cacau (6./88.) und
Christian Gentner (78.) zu einem 3:0 und
zu jeder Menge Glücksgefühl im Schwä-
bischen. So viel Freude war plötzlichvor-
handen, dass man zwischendurch glaub-
te, mit nun36 Punktensei der Abstieg für
den VfB faktisch kein Thema mehr.
Doch auch wenn am nächsten Tag der
Relegationsplatz wegen des Wolfsburger
Sieges gegen Köln wieder auf vier Punk-
te an die Stuttgarter heranrückte, so
stand doch fest: Zum ersten Mal in der
Rückrunde hatte der VfB gezeigt, dass er
qualitativ nichts imTabellenkeller verlo-
ren hat. Es war tatsächlich „beeindru-
ckend“ (VfB-Manager Fredi Bobic), wie
intelligent vor allem das Mittelfeld um
Tamas Hajnal, Shinji Okazaki, Zdravko
Kuzmanovic und Christian Träsch kom-
binierte. Vor allemder Transfer von Haj-
nal, der zuvor bei Borussia Dortmund
nicht eine Minute zum Einsatz gekom-
men war, scheint die Spielweise des VfB
nachhaltig befruchtet zu haben. Der Un-
gar stand seit Dezember acht Mal in der
Startformation und war an acht Treffern
direkt beteiligt. Er war auch amSamstag
bester Mann auf dem Platz – neben dem
Doppeltorschützen Cacau, versteht sich.
Der Nationalspieler hat eine Adduktoren-
Operation verschoben und „in den letz-
ten Wochen sehr hart gearbeitet“, wie
sein Trainer lobte. So etwas gefällt Bru-
no Labbadia, der als Spieler auch ein
paar Mal lustvoll auf die Zähne biss, wo-
von eine angemessen verformte Nase
zeugt – die Zierde eines jedenechten Mit-
telstürmers.
Aus der schwerfälligen Truppe, die
Labbadia offenbar mit akut abstiegsver-
dächtigen Fitnesswerten übernommen
hatte, ist eine Mannschaft erwachsen,
die auch endlich kombinationssicher ist.
Die Spieler können die notwendigen Ki-
lometer ohne Ball nun auch laufen, ohne
dabei zu japsen. In der Rückrunde hat
der VfB bislang in 14 Spielen 24 Punkte
geholt. Nicht auszudenken, wo manstün-
de, wenn sich im Schwäbischen herum-
spräche, dass zu einer Saison auch die
Vorrunde gehört.
So oder so: Labbadia, dem auf seinen
Stationen in Leverkusen und Hamburg
der Ruf anhing, seine Mannschaften zu
überfordern, hatte in den vergangenen
Wochen viel zutun. Er musste mit der di-
cken Feile am Fitnesszustand der Stutt-
garter arbeiten. Und er musste das demo-
ralisierte Teamermuntern, sichjene flüs-
sigen Kombinationen zuzutrauen, die
auch am Samstag spielentscheidend wa-
ren. Letzteres hat er vielleicht auch des-
halb geschafft, weil er nebenbei Korrek-
turen am eigenen Image vornahm. Von
Beginn an gab er kaum Interviews, um
seinen Spielern nicht den Eindruck zu
vermitteln, es gehe ihm um etwas ande-
res als um den Gesamtauftrag. Bei Nie-
derlagen wirbt er stets um Verständnis,
bei Siegenlobt er ausführlichdas Spieler-
Kollektiv, aber nur sehr dezent die eige-
nen taktischen Vorgaben.
Auch dann, wenn die so konstruktiv
sind wie gegen sein ehemaliges Teamaus
Hamburg. Labbadia, der vage „die Spiel-
beobachtung“ seines Trainerstabes er-
wähnte, weiß natürlich, dass der HSV in
dieser Saison ein dankbares Opfer ist,
wenn ein Team entschlossen auftritt, in
den Zweikämpfen dagegenhält und
schnell in die Spitze spielt. „Uns war
klar, dass wir Vorteile haben, wenn wir
schnell umschalten“, sagte Labbadia. Ei-
ne in Fachchinesisch gekleidete Um-
schreibung war das für die Tatsache,
dass die flinkenVfB-Spieler die HSV-De-
fensive mit Seitenverlagerungen und
schnellenBällenindie Spitze wie Fußbal-
ler in Zeitlupe aussehen ließen.
Ganz nebenbei scheint dieser Bruno
Labbadia schließlich gelernt zu haben,
die Leinen auch einmal zu lockern. Am
Samstagabend war er so zufrieden, dass
der Ostersonntag glatt trainingsfrei
blieb – es war der erste trainingsfreie
Sonntag, seit er am12. Dezember vergan-
genen Jahres das Traineramt übernom-
men hatte. Zuvor sagte er noch einen
Satz, den man auf seinen bisherigen Sta-
tionen eher selten von ihm gehört hat:
„Zum Fußball, wie wir ihn uns vorstel-
len, gehört auch Spaß."
Wer sich auskennt in der Stuttgarter
Fan-Mentalität, der konnte am Samstag
feststellen, dass auch die notorisch kriti-
schen VfB-Anhänger reichlich Spaß mit
ihrer Mannschaft haben mussten. Die
Haupttribüne pfiff bei denwenigenFehl-
pässen jedenfalls deutlich leiser als
sonst. Christoph Ruf
Das 1:1 war ein Spiel mit zwei Verlie-
rern, und Christoph Daumwar noch eine
Nuance enttäuschter als der „enttäusch-
te“ Kollege Jonker aus München, er fühl-
te: „eine Riesen-Enttäuschung“. Dabei
hatte der Trainer von Eintracht Frank-
furt, der so gerne über Psychologie im
Profisport referiert, seherische Fähigkei-
ten bewiesen: „Na, wie viele Tore hast du
schon? Heute fängst dudamit an!“So hat-
te Daum – laut eigener Schilderung – vor
dem Spiel den jungen Innenverteidiger
Sebastian Rode angestachelt. Und weil
Daum, wie jeder weiß, ein motivierender
Prophet ist oder mindestens einpropheti-
scher Motivator, traf der Junioren-Natio-
nalspieler Rode, 20, mit einem trockenen
Rückraumschuss zum 1:0 (54.).
Daums erster, dringend benötigter
Sieg im vierten Spiel für die abstiegsge-
fährdete Eintracht wäre eingetütet gewe-
sen– hätte nicht auchTheofanis Gekas ei-
ne Weissagung seines Trainer allzu wört-
lich umgesetzt: „Auch wenn mal eine
Chance nicht reingeht, du kommst dem
Tor immer einen Schritt näher“, versi-
cherte Daum seinem griechischen Torjä-
ger, der in der Rückrunde an Ladehem-
mung leidet. In der 82. Minute kam Ge-
kas dann dem Bayern-Tor so nahe – nä-
her geht’s nicht! Er setzte die Kugel aus
zwei MeternamleerenTor vorbei, eine fa-
mose Fehlleistung mit fataler Wirkung:
kein 2:0, kein Befreiungsschlag im zähen
Ringen um den Klassenerhalt. Sondern –
es musste dannso kommen– 1:1 durchei-
nen strittigen Elfmeter (89.). Entsetzt
schlug Gekas die Hände vors Gesicht.
Daum wechselte ihn sofort aus, später
kommentierte er die verbaselte Monster-
chance aber mild:„Sowas haben wir im
Fußball doch schon öfter gesehen.“
Seinen Lieblingsfeind Uli Hoeneß hat
Daum am Samstag nicht gesehen, auch
nicht, als ihn der Schiedsrichter amEnde
auf die Tribüne verwies. Daum, der den
Strafstoß zum1:1 fürchterlichfand(„nie-
mand will Konzessions-Elfmeter“), hat-
te sich über vier Minuten Nachspielzeit
beschwert. Nach Wolfsburgs Sieg amOs-
tersonntag hat er nun noch ganz andere
Sorgen: Mit Blick aufs schwere Restpro-
gramm gilt Frankfurt als heißer Anwär-
ter für die Abstiegs-Relegation. mok
Wolfsburg/Köln (dpa/sid) – Die deutli-
che Niederlage in Wolfsburg droht beim
1. FC Köln neue Debatten aufzureißen.
Trainer Frank Schaefer steht zuneh-
mend in Frage. Er war vergangene Wo-
che zurückgetreten, allerdings zumEnde
der Saison, nun könnte das sofortige En-
de seiner Arbeit beimFCnahen. Sportdi-
rektor Volker Finke kündigte an, „alles
zu tun, damit der Klub in der ersten Liga
bleibt“. Was dies bedeutet, ließ Finke zu-
nächst offen und kündigte eine Analyse
an. Auch eine vorzeitige Trennung von
Schaefer schien nicht mehr tabu zu sein.
Die sofortige Demission des Trainers
schloss Finke zwar aus („Da denke ich
momentan überhaupt nicht dran“), eine
Garantie dafür, dass Schaefer auch am
Samstag imDerby gegen Leverkusen auf
der Bank sitzt, wollte er aber auch nicht
geben. „Ich gehe davon aus“, sagte Finke
lediglich am Sonntag. Einen Tag später
klang die Rückenstärkung für den Coach
dann etwas deutlicher: „Es ist klar, dass
wir nicht darüber nachdenken, bis zum
Saisonende irgendetwas ohne Frank
Schaefer zu machen“, sagte Finke.
Dessen Verhältnis zu Schaefer soll al-
lerdings nicht das Beste sein. Schaefer
sei zermürbt vonFinkes ständiger Einmi-
schung in die Trainerarbeit, wurde in ei-
nigen Medien gemutmaßt. „Dass dieses
Thema überhaupt aufgemacht wurde, ist
ein bisschen schade. Ich denke, dass ich
ihm bislang in allen Situationen gehol-
fen habe“, widersprach Finke.
Hamburg (dpa) – Michael Oenning wird
beim Hamburger SV bis 2013 unter-
schreiben, doch der Trainer muss mit be-
scheidenen Mitteln arbeiten. Auf den
neuen Chefcoach, der zu Wochenbeginn
beim HSV für zwei Jahre verpflichtet
werden soll, kommt ein hartes Stück Ar-
beit zu. Zumal nach beim VfB Stuttgart
verspielten Europa-League-Teilnahme
feststeht, dass er den anstehenden Um-
bruch beim HSV ohne Zusatzeinnahmen
angehen muss. Am Ostersonntag hatte er
bei Sky die bevorstehende Vertragsunter-
schrift für zwei Jahre bestätigt: „Alles ist
ausverhandelt, wir sind uns einig. Ich
denke, dass wir den Vertrag amDienstag
besiegeln werden.“
Obwohl seine Vorgänger Martin Jol,
Bruno Labbadia und Armin Veh jeweils
nicht mal ein volles Jahr blieben, wird
Oennings bis 2012 laufender Kontrakt
umein Jahr verlängert. Seine Jahresgage
wurde dem Vernehmen nach auf knapp
eine Million Euro aufgestockt, man will
ihm die nötige Zeit einräumen. Oenning
muss denältestenKader der Liga verjün-
gen und reduzieren. Er akzeptiert, dass
der HSV die Kosten für die teure Mann-
schaft vonderzeit 47auf 35 MillionenEu-
ro reduzieren muss. Fest steht, dass Oen-
ning Leistungsträger wie Torhüter
Frank Rost, Stürmer Ruud van Nistel-
rooy und Nationalspieler Piotr Trochow-
ski nicht mehr zur Verfügung stehenwer-
den. Sie verlassen den HSV ablösefrei, so
dass Spielerverkäufe (Guerrero, Elia, Pi-
troipa, evtl. auchMathijsen) wahrschein-
lich sind. Während Nachwuchskräfte
wie Änis Ben-Hatira und Tunay Torun
verlängernsollen, ist offen, was die ande-
ren und eigentlich nicht zu ersetzenden
Topspieler planen. „Ich weiß nicht, ob
Mladen Petric nächste Saison noch bei
uns ist und ob Zé Roberto weiter für uns
spielen wird“, erklärte Oenning.
1. B. Leverkusen 14 0 1 3 27:16 31
2. B. München 14 8 3 3 26:17 27
3. B. Dortmund 14 7 5 2 23:9 26
4. Hannover 96 14 8 2 4 20:14 26
5. 1. FC Nürnberg 14 7 4 3 23:10 25
6. VfB Stuttgart 14 7 3 4 23:20 24
7. 1. FC Köln 14 6 2 6 23:28 20
8. Mönchengladbach 14 6 1 7 18:17 19
9. Werder Bremen 14 4 7 3 20:22 19
10. Hamburger SV 14 5 4 5 17:20 19
11. Schalke 04 14 5 3 6 10:11 18
12. Mainz 05 14 4 4 6 14:18 16
13. Kaiserslautern 14 4 4 6 14:21 16
14. Hoffenheim 14 4 3 7 14:22 15
15. VfL Wolfsburg 14 3 4 7 14:20 13
16. SC Freiburg 14 3 4 7 14:22 13
17. FC St. Pauli 14 3 3 8 17:26 12
18. E. Frankfurt 14 1 5 8 6:20 8
Werder Bremen (11./43:57/38)
Wolfsburg (H), Dortmund (H), Kaiserslautern (A)
1. FC Kaiserslautern (12./41:48/37)
St. Pauli (H), VfL Wolfsburg (A), Bremen (H)
VfB Stuttgart (13./55:55/36)
Hoffenheim (A), Hannover 96 (H), Bayern (A)
1. FC Köln (14./41:61/35)
Leverkusen (H), Frankfurt (A), Schalke 04 (H)
Eintracht Frankfurt (15./30:41/34)
Mainz 05 (A), 1. FC Köln (H), B. Dortmund (A)
VfL Wolfsburg (16./38:45/32)
Bremen (A), Kaiserslautern (H), Hoffenheim (A)
Mönchengladbach (17./44:64/29)
Hannover (A), Freiburg (H), Hamburger SV (A)
FC St. Pauli (18./34:58/29)
Kaiserslautern (A), B. München (H), Mainz (A)
Überragender Patient: Stuttgarts Stürmer Cacau hat wegen der Notlage
des VfBeine Operation verschoben – beim3:0 gegen den Hamburger SVge-
langen ihm zwei Treffer. Foto: Avanti
Daum mit Frankfurt weiter sieglos
Trauriger Prophet
Kölner Krise setzt sich fort
Schaefer unter Druck
Cheftrainer beim Hamburger SV
Oenning bleibt bis 2013
Laufen ohne zu japsen
Der VfB Stuttgart findet gerade noch rechtzeitig zu alter Kombinationsstärke, zu besserer Kondition und zu mehr Spaß am Fußball spielen
Es ist noch immer schiefgegangen
Der Abstiegskampf 2011 spitzt sich zu – St. Pauli, Gladbach, Köln und Frankfurt haben die schlechtesten Karten
Die neuesten Trendwenden: Kölns
Spieler, eben noch gerettet, befinden
sich in Abstiegsgefahr, weil Wolfs-
burgs Angreifer Mandzukic (oben
rechts) und Dejagah (auch Mitte)
plötzlich doch treffen. Gladbachs
Torschütze Mo Idrissou (unten) ver-
höhnt Dortmunds fröhliche Fans –
tags darauf stellt sich heraus, dass
er sich selber zu früh gefreut hat.
Fotos: Getty, dapd, dpa
Dienstag, 26. April 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 27
SPORT
Die Rückrundentabelle
Restprogramm
Die Abstiegskandidaten
Borussia Mönchengladbach
war wieder im Rennen –
jedenfalls für einen Tag.
Der erste
trainingsfreie Sonntag
seit vier Monaten.
Bamberg/München – 52:85, das ist kein
erfreuliches Ergebnis im Basketball, zu-
mindest nicht für denjenigen, der so hoch
verloren hat. Die Mannschaft des BBC
Bayreuth hatte diese Saison schon eine
Menge Spiele verloren, 24 Niederlagen
waren es bis zum Abschluss der Haupt-
runde in der Basketball-Bundesliga
(BBL), darunter aucheinpaar enge Resul-
tate. 52:85 hieß es also zum Abschluss
einer Saison, von Beginn an chancenlos
war der Aufsteiger im oberfränkischen
Derby beim deutschen Meister Brose
Bamberg, der denBayreutherndie höchs-
te Niederlage beifügte. Aber während
die Baskets nach dem 32. Sieg im
34. Spiel ohne große Emotionen das Par-
kett verließen, lagensichdie Gäste glück-
selig indenArmen, die mitgereistenBBC-
Fans besangen noch lange nach Spiel-
schluss ihre Helden. Dennsie steigen nun
dochnicht ab. Absteigenmuss der Mittel-
deutsche BC, der sich diese Saison lange
in Sicherheit wähnen durfte.
Krankheit spielt Schlüsselrolle
Das Spiel in Bamberg ist in Wahrheit
reine Nebensache gewesen für Bayreuth,
zumal die Baskets früh zu erkennen ga-
ben, dass sie keine Nachbarschaftshilfe
leisten wollten und konnten. Viel wichti-
ger war der Spielstand in Weißenfels, wo
der MBCzeitgleich gegen die BGGöttin-
gen einen Sieg zum Klassenerhalt benö-
tigte. Doch zur Pause feierte in Bamberg
bereits das BBC-Publikum, trotz eines
niederschmetternden 26:57-Rückstands.
Denn Göttingen führte beim MBC 40:19.
AmEnde hieß es 50:71 aus Sicht der Gast-
geber, die zum zweiten Mal nach dem
Zwangsabstieg infolge einer Insolvenz
2004 die BBL verlassen müssen. Die
Giants Düsseldorf, gegen die der MBC
übrigens beide Partien verlor, standen
bereits vorher als erster Absteiger fest.
Mit ausschlaggebend war wohl für die
große Ernüchterung in Weißenfels die
Krankheit von Chefcoach Björn Harm-
sen, der Anfang Februar wegen einer
schweren Erkrankung an der Bauchspei-
cheldrüse sein Amt niederlegen musste;
unter dem finnischen Interimscoach
Anton Mirolybov und dessen beratenden
Landsmann, des früherendeutschenBun-
destrainers Henrik Dettmann, wurden
nur noch zwei von 13 Spielen gewonnen.
„Unsere Probleme waren hausgemacht“,
sagte MBC-Geschäftsführer Jörg Hexel.
„Wir haben die Schwere der Krankheit
von unserem Coach unterschätzt und
hätten viel eher reagieren müssen.“ So
scheiterte das einzige ostdeutsche BBL-
Team auch an Disziplinlosigkeiten.
Weißenfels und Düsseldorf werden in
der BBL durch die Aufsteiger FC Bayern
(angeblich mit dem früheren National-
spieler Marko Pesic als Sportdirektor an-
stelle des zunächst gehandelten Don
Beck) und die Baskets Würzburg ersetzt.
Der dritte fränkische Klub sicherte sich
durch ein 77:61 im direkten Duell mit
Konkurrent Chemnitz die Rückkehr
nach dem Abstieg 2005. Den zweiten
noch zu vergebenden Playoff-Platz hol-
ten sich neben Göttingen die Eisbären
Bremerhaven, die Ulm 102:92 besiegten;
Ludwigsburg verloren den Kampf um
die Plätze sieben und acht durch das
79:94 gegen den Tabellenzweiten Sky-
liners Frankfurt umderenHauptrunden-
MVP DaShaun Wood, der mit im Schnitt
19 Punkten auch die Scorerliste anführt.
Nach Malaga ins Trainingslager
Am kommenden Wochenende starten
nun die Playoffs, in welche die Bamber-
ger als Gejagte gehen. Auch nach dem
Pokalsieg habe man in den fünf restli-
chenPartien„keinenZentimeter nachge-
geben“, bilanzierte Manager Wolfgang
Heyder zufrieden, „wie die Trainer das
hinkriegen, ist schon beeindruckend“.
Das Team von Chris Fleming reiste am
Montag zu einem fünftägigen Trainings-
lager nach Malaga, „es ist gut, wenn die
Mannschaft mal rauskommt und etwas
anders sieht“, sagte der Coach. Sein
Team trifft im Viertelfinale auf Bremer-
haven; im Halbfinale ginge es gegen die
Dragons aus Quakenbrück oder Pokal-
finalist Braunschweig, während dann
die vermeintlichen größten Konkurren-
ten Berlin und Frankfurt nach allgemei-
ner Einschätzung Bambergs Endspiel-
partner ausspielen sollten. Ergebnisse
mit 33 Punkten Differenz gelten dann als
ausgeschlossen. Andreas Burkert
BBL-Playoffs (Best of 5), Viertelfinale, 1. Spieltag;
Sa., 30.4.: Skyliners Frankfurt – BG Göttingen
(18 Uhr); Berlin – Oldenburg (18.20 Uhr/Sport 1; So.,
1. Mai: Baskets Bamberg – Eisbären Bremerhaven,
Artland Dragons – Braunschweig (jeweils 17 Uhr).
Selige Verlierer
Die Basketball-Bundesliga beendet die Hauptrunde: Weißenfels steigt ab, Göttingen und Bremerhaven erreichen noch die Playoffs
Lionel Messi hat einen weiteren Rekord
aufgestellt: Der Argentinier erzielte
beim 2:0 des FC Barcelona gegen
CA Osasuna in der laufenden Saison
seinen 50. Treffer. Damit ließ er den
legendären Ferenc Puskas hinter sich.
Dem Ungarn waren in der Saison
1959/60 insgesamt 49 Tore in allen Wett-
bewerben geglückt. Dabei hatte Trainer
Josep Guardiola Messi mit Blick auf das
anstehende Champions-League-Halbfi-
nale gegen Real Madrid an diesem Mitt-
woch gar nicht die ganze Zeit über mit-
spielen lassen. Fast 60 Minuten lang
schonte er seinen Top-Torjäger. In der
88. Minute markierte Messi dann in
seinem 49. Saisonspiel den Endstand.
Für die Führung im Camp Nou hatte
David Villa in der 24. Spielminute ge-
sorgt. Mit dem schmucklosen Erfolg
gegen den Abstiegskandidaten kamen
die Katalanen ihrem 21. Meistertitel
wieder ein gutes Stück näher. Acht
Punkte liegt der Titelverteidiger nach
33 Spieltagen vor Real Madrid, daran
konnte auch die 6:3 (4:0)-Gala der
Königlichen beim FC Valencia nichts
ändern. Wenn sich die beiden Klubs am
Mittwoch in der Königsklasse begegnen,
wird neben Nationalspieler Mesut Özil
noch ein Deutscher eine wichtige Rolle
spielen: Schiedsrichter Wolfgang Stark
aus Ergolding wird die Partie leiten, das
gab die Europäische Fußball-Union am
Montag bekannt. sid/Foto: AFP
München (dpa/SZ) – Statt eines Fußball-
festes eine Nullnummer, anstelle einer
Aufstiegsfeier eine lange Busfahrt: Han-
sa Rostock erlebte die Rückkehr in die
zweite Fußball-Bundesliga nicht eben
so, wie man sich die Würdigung eines Er-
folgserlebnisses vorstellt. Es war am Os-
tersamstag kurz vor 16 Uhr, als die Nach-
richt vonErfurts Sieg inWehendie Rosto-
cker Spieler erreichte – in diesem Mo-
ment war ihre Rückkehr in die zweite Li-
ga rechnerisch perfekt, 20 Jahre nach der
letzten DDR-Meisterschaft. Knapp 24
Stunden später spielte der Klub aus
Mecklenburg dann beim 0:0 gegen Bay-
ern Münchens zweite Mannschaft eher
nicht wie ein Aufsteiger. Gestört hat das
später aber niemanden. Die beiden Ma-
cher des FC Hansa ohnehin nicht.
Trainer Peter Vollmann, 53, undSport-
chef Stefan Beinlich, 39, haben eines ge-
meinsam: Sie scheuen das Rampenlicht –
aber nicht die Verantwortung. Der erfah-
rene Fußball-Lehrer Vollmann, der die
Niederungen der zweiten und dritten
Liga kennt wie nur wenige, und der
Manager-Novize Beinlich haben inner-
halb kürzester Zeit geschafft, was ange-
sichts der jüngsten Chaos-Jahre beim
Traditionsklub kaum jemand erwartet
hatte: Das Duo holte den sportlichen Er-
folg zurück und vermittelte dem Verein
ein neues Wir-Gefühl.
Das sah vor zwölf Monaten noch ganz
anders aus: sportlicheinTotalschaden, fi-
nanziell vor der Insolvenz, letzte Chance
Totalsanierung. Der neue Vorstand ver-
ordnete einen finanziellen Sanierungs-
kurs mit schwerwiegenden Einschnitten.
Inzwischen hat sich Hansa halbwegs er-
holt: Vorstands-Chef Bernd Hofmann
will eine schwarze Null für die laufende
Saisonschreiben. Angesichts der steigen-
den Zuschauerzahlen – im Schnitt sind
es schon jetzt über 14 000 – dürfte un-
term Strich sogar etwas übrig bleiben.
Das wiederumhabenVollmannundBein-
lich zu verantworten, die praktisch über
Nacht ein neues Teamzusammenbauten.
20 Spieler gingen, zwölf neue kamen. Al-
les richtig gemacht – auch, weil das Duo
Vollmann/Beinlich harmoniert. „Besser
geht es kaum. Wir tauschen uns täglich
aus. Selbst wenn wir nicht sofort einer
Meinung sind, kommen wir doch auf ei-
nen gemeinsamen Nenner“, beschreibt
Beinlich das Verhältnis.
Prüfstein für die Nachhaltigkeit wird
nun die zweite Liga sein. Für die nächste
Saison plant Hansa mit einem Etat von
13,1 Millionen Euro. Sechs neue Spieler
sollen bei der Wiedereinrichtung in der
zweitenEtage des deutschenFußballs be-
hilflich sein, sie alle sollen ablösefrei an
die Ostsee wechseln. In Angreifer Tino
Semmer aus Erfurt ist der erste bereits
verpflichtet. Zudem soll unter anderem
demfrüheren Rostocker Tobias Rathgeb,
der jetzt wieder für den VfB Stuttgart
kickt, eine Rückkehr schmackhaft ge-
macht werden. Aus dem eigenen Nach-
wuchs, der nach dem deutschen Meister-
titel 2010 in diesem Frühjahr das DFB-
Pokalfinale erreicht hat, rücken Tom
Weilandt und Pelle Jensen auf.
Alles wieder gut also inRostock? Nicht
ganz. Auch das zeigte sich bei der Auf-
stiegsfeier in München. Als die Ordner
die Tore zum Spielfeld geöffnet hatten,
damit das Teamunddie etwa 1000 mitge-
reisten Fans auf dem Rasen gemeinsam
feiernkonnten, stürmtenauchvermumm-
te Randalierer den Platz und feuerten
mehrere Leuchtraketen auf den Münch-
ner Fanblock und die Polizei ab. Fünf
Beamte, die sich mit Schlagstöcken und
Pfefferspray wehrten, wurden leicht ver-
letzt. Zehn Personen wurden angezeigt,
sechs davon wegen des verbotenen Zün-
dens von Pyrotechnik. Beinlich zeigte
sich bestürzt: „Das darf es nicht geben,
dass gewisse Personen das hier ausnut-
zen.“ Der gewalttätige Anhang bleibt
das große Problem des FC Hansa.
Der deutsche Fußball-Nationalspieler
Sami Khedira hofft nach seinemMuskel-
riss im rechten Adduktorenbereich doch
noch auf eine Rückkehr in dieser Saison.
„Ich möchte alles daran setzen, so
schnell wie möglich wieder fit zu wer-
den“, teilte der 24-Jährige auf seiner
Facebook-Seite mit. Er versuche, „even-
tuell noch mal eingreifen“ zu können „in
das Geschehen mit einem möglichen
Champions-League-Finale. Wir werden
sehen, was passiert“, erklärte Khedira
weiter. Die Verletzung hatte sich der Mit-
telfeldspieler beim Pokalsieg gegen den
FCBarcelona amvergangenen Mittwoch
zugezogen. Zunächst hatte der frühere
Stuttgarter Bundesliga-Profi noch ge-
sagt, dass „diese Saison gelaufen“ sei.
Definitiv fehlen wird er an diesem Mitt-
wochimHalbfinal-Hinspiel inder Cham-
pions League gegen Barcelona. dpa
Der FC Arsenal hat seine wohl letzte
Chance auf die englische Meisterschaft
verspielt. Der Verein, bei dem der einsti-
ge deutsche Nationaltorhüter Jens Leh-
mann erneut auf der Bank saß, verloren
bei denBoltonWanderers inletzter Minu-
te 1:2 (0:1). Vier Spieltage vor Saisonen-
de hat Arsenal als Tabellendritter neun
Punkte Rückstand auf Spitzenreiter
Manchester United. Boltons Tamir Co-
hen versetzte Arsenal in der 90. Minute
den K.o. Zuvor hatte Robin van Persie
(48.) Boltons Führung durchDaniel Stur-
ridge (38.) ausgeglichen. Kurz nach der
Pause parierte Arsenal-Keeper Wojciech
Szczesny zudem einen Elfmeter von Ke-
vin Davies. sid
Der AC Mailand kann die große Party
planen. Nach einem 1:0 (0:0) bei Brescia
Calcio beträgt der Vorsprung auf den
Stadtrivalen Inter Mailand acht Punkte,
vier Spieltage vor dem Saisonende der
italienischen Meisterschaft. Im Idealfall
könnte Milan schon am 1. Mai gegen den
FC Bologna Meister werden, falls Inter
tags zuvor nicht beim AC Cesena ge-
winnt. Der entthronte Triple-Gewinner
schob sich durch ein 2:1 (1:1) im Verfol-
gerduell mit Lazio Rom aber zumindest
wieder auf den zweiten Platz vor, vorbei
am SSC Neapel. Als erster Absteiger
steht AS Bari fest. Das Schlusslicht un-
terlag im Kellerduell gegen Sampdoria
Genua 0:1 (0:0) und kann den Klassener-
halt nicht mehr schaffen. Die Süditalie-
ner kehren damit nach zwei Jahren in die
Serie B zurück. Der AS Rom, der unter
der Woche das Halbfinal-Hinspiel imita-
lienischen Pokal gegen Titelverteidiger
Inter 0:1 verloren hatte, feierte einen
wichtigen Sieg: Das Team setzte sich 1:0
(1:0) gegen Chievo Verona durch und hat
weiter die Chance, sich für die Champi-
ons League zu qualifizieren. sid
Der niederländische Fußball-Erstli-
gist Feyenoord Rotterdam hat die
PSV Eindhoven als Revanche für das
0:10-Debakel imHinspiel von der Tabel-
lenspitze der Ehrendivision geschossen.
Der 14malige Meister, der im Oktober
die höchste Niederlage der Klubgeschich-
te kassiert hatte, gewann gegen den Erz-
rivalen 3:1 (1:0). Zwei Spieltage vor Sai-
sonende fiel Eindhoven mit 65 Punkten
hinter Titelverteidiger Twente Enschede
(68 Punkte) und Rekordmeister Ajax
Amsterdam(67 Punkte) auf Platz drei zu-
rück. Feyenoord liegt nach demPrestige-
erfolg auf dem zehnten Rang. sid
Portland (dpa) – Mit gesenktemBlick saß
Dirk Nowitzki am Spielfeldrand und
suchte nach Worten für den historischen
Einbruch seiner Dallas Mavericks in der
amerikanischen Basketball-Profiliga
NBA. Verkorkste Playoff-Spiele hatten
die Texaner in den vergangenen Jahren
zwar zuhauf hingelegt, aber die Blama-
ge, die sich in der Nacht zum Ostersonn-
tag in Portland zutrug, schockte selbst
den deutschen Ausnahme-Basketballer.
„Das zählt definitiv zudenfrustrierends-
ten Niederlagen“, sagte der 32-Jährige
nach dem 82:84 bei den Trail Blazers. 13
Minuten vor Schluss hatten die Maver-
icks noch mit 23 Punkten vorne gelegen,
dann brachen sie auseinander und ver-
spielten eine 64:41-Führung. „Das war
ein hartes Viertel für uns“, gab Nowitzki
zu, „wir konnten sie nicht stoppen.“
Nachdem die ersten beiden Siege in
Dallas bei Nowitzki die vage Hoffnung
genährt hatten, mit Dallas dochnoch den
ersten Titel holen zu können, ist nun mit
dem 2:2-Ausgleich in der bis zu sieben
Spiele andauerndenSerie sogar der Vier-
telfinaleinzug in Gefahr. „Wir haben
noch zwei Heimspiele, das ist das einzig
Positive“, murmelte Nowitzki. Beson-
ders bitter ist, dass das Scheitern System
zu haben scheint: Dallas fügte seiner Se-
rie an Playoff-Aussetzern ein weiteres
Kapitel hinzu. 2006 scheiterten die Mavs
trotz einer 2:0-Führung in den Finalspie-
len an den Miami Heat, ein Jahr später
gab es – als bestes Team der regulären
Saison – eine sensationelle Auftaktnie-
derlage gegen die GoldenState Warriors.
Das fünfte Spiel gegen Portland stand
(nach Redaktionsschluss) in der Nacht
zum Dienstag auf dem Programm.
ImEiltempo zogen dagegen die Boston
Celtics ins Halbfinale der EasternConfe-
rence ein. Nach dem deutlichen 101:89
am Sonntag im Madison Square Garden
hieß es bereits 4:0 inder „best-of-seven“-
Serie gegen die New York Knicks.
Hoffnungslos un-
terlegen bei den
Baskets Bamberg
mit Kyle Hines
(Mitte), aber am
Ende dennoch
glücklich: Da
Konkurrent Wei-
ßenfels zeitgleich
gegen Göttingen
unterlag, bleibt
Aufsteiger BBC
Bayreuth (links
Stefan Schmidt,
rechts Jaivon Har-
ris) der Abschied
aus der BBL
erspart.
Foto: Zink
Messi überflügelt
Ferenc Puskas
„Besser geht es kaum“
Hansa Rostock verdankt den schnellen Wiederaufstieg vor allem Manager Beinlich und Trainer Vollmann
Khedira hofft
Arsenal fällt zurück
AC Mailand plant Party
Revanche für 0:10
Dallas vergibt 23-Punkte-Vorsprung
Nowitzki fassungslos
Seite 28 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 HF2 Dienstag, 26. April 2011
SPORT
2. Bundesliga
31. Spieltag, Ostermontag
MSV Duisburg – Hertha BSC Berlin
Ostersonntag
FC Augsburg – Alemannia Aachen 1:2 (1:2)
FC Augsburg: Jentzsch – Verhaegh, Callsen-Bracker,
Sankoh, Bellinghausen – Sinkiewicz (70. Brinkmann),
Hosogai – Baier, Werner (62. Traore) – Hain, Oehrl
(46. Thurk). – Trainer: Luhukay.
Alemannia Aachen: Hohs – Casper (46. Gueye), Stehle
(53. Feisthammel), Olajengbesi, Achenbach – Kratz –
Höger, Radjabali-Fardi – Stieber, Uludag – Auer (90.
Radu). – Trainer: Hyballa.
Tore: 0:1 Radjabali-Fardi (13.), 0:2 Kratz (24.), 1:2
Hain (40., Foulelfmeter). – Schiedsrichter: Dingert (Le-
becksmühle). – Gelbe Karten: Sinkiewicz (4), Werner
(5), Sankoh (4) – Radjabali-Fardi (3), Hohs (3). – Zu-
schauer: 25 173.
1. FC Union Berlin – FC Ingolstadt 1:1 (0:0)
Union Berlin: Glinker – Menz, Göhlert, Madouni (81.
Rauw), Kohlmann – Peitz – Quiring, Mattuschka, Ede
(89. Brunnemann) – Benyamina, Savran (62. Skrzybs-
ki). – Trainer: Neuhaus.
FC Ingolstadt: Kirschstein – Görlitz, Biliskov, Matip, To-
bias Fink – Karl (65. Manuel Hartmann), Metzelder –
Bambara, Caiuby – Leitl, Moritz Hartmann (72. Budd-
le). – Trainer: Möhlmann.
Tore: 0:1 Caiuby (61.), 1:1 Benyamina (67.). – Schieds-
richter: Osmers (Hannover). – Gelbe Karten: Göhlert (9)
– Karl (5). – Zuschauer: 14 105.
Fortuna Düsseldorf – Arminia Bielefeld 2:0 (1:0)
Fortuna Düsseldorf: Ratajczak – Weber, Lukimya-Mu-
longoti, Langeneke, van den Bergh – Oliver Fink, Bod-
zek (63. Dum) – Beister, Lambertz – Ilsö (81. Bröker),
Rösler (90.+1 Costa). – Trainer: Meier.
DSC Arminia Bielefeld: Platins – Appiah, Bollmann,
Schuler, Uzoma (75. Denneboom) – Kauf (75. Christi-
an Müller), Fischer – Ivanov, Vidosic (66. Fort), Guela –
Tadic. – Trainer: Lienen.
Tore: 1:0 Rösler (41.), 2:0 Lambertz (69.). – Schiedsrich-
ter: Schriever (Dorum). – Gelb-Rote Karte: Bollmann
(87.), wiederholtes Foulspiel. – Gelb: Bodzek (6), We-
ber (5) – Uzoma (3), Guela (5). – Zuschauer: 18 100.
Ostersamstag
Rot-Weiß Oberhausen – Karlsruher SC 2:1 (1:1)
Rot-Weiß Oberhausen: Pirson – Pappas, Gordon,
Klinger, Embers – Tim Kruse – Petersch (64. Landers),
Schmidtgal – Kaya (88. Schlieter) – König, Terranova
(69. Schönfeld). – Trainer: Schneider.
Karlsruher SC: Robles – Matthias Zimmermann, Sebas-
tian Langkamp, Matthias Langkamp, Andreas Schäfer
(76. Zoller) – Staffeldt, Mutzel (81. Porcello) – Terrazzi-
no, Iaschwilli, Buckley (68. Cristea) – Chrisantus. –
Trainer: Scharinger.
Tore: 0:1 Chrisantus (6.), 1:1 Terranova (29.), 2:1 Ter-
ranova (65.). – Schiedsrichter: Steinhaus (Hannover).
– Gelbe Karten: Terranova (5), Gordon (7) – Iaschwilli
(11). – Zuschauer: 8393.
1860 München – SpVgg Greuther Fürth 3:0 (2:0)
TSV 1860 München: Kiraly – Rukavina, Aygün, Buck,
Ignjovski (58. Benjamin Schwarz) – Stahl (85. Rakic),
Bülow – Aigner (77. Bierofka), Halfar – Lauth, Volland.
– Trainer: Maurer.
SpVgg Greuther Fürth: Walke – Nehrig, Kleine, Mavraj,
Prib – Fürstner, Pekovic (84. Geis) – Klaus (66. Alek-
sic), Haas (72. Karaslawow) – Sararer, Nicolai Müller.
– Trainer: Büskens.
Tore: 1:0 Stahl (26.), 2:0, 3:0 Lauth (32., Foulelfmeter,
82.). – Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg). – Gelb-Ro-
te Karte: Mavraj (69.), wiederholtes Foulspiel: – Gelbe
Karten: Bülow (3), Rukavina (3) – Fürstner (6), Karasla-
wow. – Zuschauer: 25 000.
Gründonnerstag
Erzgebirge Aue – Energie Cottbus 1:2 (0:1)
Erzgebirge Aue: Männel – le Beau (46. Braham), Lach-
heb, Paulus, Klingbeil – Hensel, Schröder (46. Curri) –
Schlitte, Kempe, Hochscheidt – Enrico Kern (56. Glas-
ner). – Trainer: Schmitt.
Energie Cottbus: Kirschbaum – Bittroff, Hünemeier,
Brzenska, Ziebig – Kurth (65. Roger), Kruska – Sören-
sen, Adlung (86. Reimerink) – Petersen, Velimir Jova-
novic (67. Jula). – Trainer: Wollitz.
Tore: 0:1 Adlung (25.), 0:2 Petersen (90.+5), 1:2 Pau-
lus (90.+7). – Besonderes Vorkommnis: Kirschbaum
hält Foulelfmeter von Paulus (61.). – Schiedsrichter:
Gagelmann (Bremen). – Gelbe Karten: Schlitte (3), Bra-
ham – Kruska (9), Adlung (9). – Zuschauer: 14 000.
VfL Osnabrück – FSV Frankfurt 1:1 (1:1)
VfL Osnabrück: Berbig – Schnetzler, Stang, Mauersber-
ger, Krük – Engel, Hansen (80. Adler) – Siegert, Tyrala,
Pauli (76. Schmidt) – Kastrati. – Trainer: Flottmann.
Frankfurt: Langer – Christian Müller, Schlicke, Gled-
son, Dahlen – Heitmeier, Cinaz (55. Hickl) – Sven Mül-
ler (74. Manuel Konrad), Fillinger – N’Diaye (62. Galle-
go), Mölders. – Trainer: Boysen.
Tore: 0:1 Schlicke (5.), 1:1 Tyrala (38., Handelfmeter).
– Schiedsrichter: Leicher (Landshut). – Gelbe Karten:
Mauersberger (3), Engel (5) – Dahlen (3), Cinaz (10),
Mölders (4), C. Müller (12). – Zuschauer: 13 200.
SC Paderborn – VfL Bochum 0:0
Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden) Beste Spieler: Mohr,
Krösche – Dabrowski, Maltritz Gelbe Karten: Raitala (5)
– Maltritz (4), Dabrowski (10). – Zuschauer: 10 369.
1 (1) Hertha BSC Berlin 30 20 5 5 63:25 65
2 (2) FC Augsburg 31 18 7 6 54:23 61
3 (3) VfL Bochum 31 17 5 9 40:33 56
4 (4) Greuther Fürth 31 15 9 7 41:25 54
5 (5) Erzgebirge Aue 31 15 7 9 38:35 52
6 (6) Energie Cottbus 31 15 6 10 59:46 51
7 (8) Fortuna Düsseldorf 31 15 3 13 43:35 48
8 (9) TSV 1860 München 31 13 9 9 45:31 46
9 (7) MSV Duisburg 30 13 7 10 45:33 46
10 (10) Alemannia Aachen 31 12 8 11 52:56 44
11 (11) 1.FC Union Berlin 31 10 9 12 33:37 39
12 (12) FSV Frankfurt 31 11 5 15 41:46 38
13 (13) FC Ingolstadt 04 31 9 8 14 39:44 35
14 (14) SC Paderborn 07 31 8 9 14 27:42 33
15 (15) Karlsruher SC 31 7 8 16 40:66 29
16 (16) VfL Osnabrück 31 7 7 17 38:58 28
17 (17) RW Oberhausen 31 7 7 17 28:54 28
18 (18) Arminia Bielefeld 31 3 7 21 25:62 13
München wurden 2 Punkte abgezogen, Bielefeld 3.
32. Spieltag; Freitag, 29.4., 18 Uhr: Aachen – Ober-
hausen, Karlsruhe – Düsseldorf, VfL Bochum – Union
Berlin, Paderborn – Osnabrück, Hertha BSC – 1860
München; Samstag, 30.4., 13 Uhr: Frankfurt – Duis-
burg, Fürth – Bielefeld, Ingolstadt – Aue; Montag, 2.5.,
20.15 Uhr: Cottbus – Augsburg.
Torjägerliste
1. Nils Petersen (Energie Cottbus) 24
2. Benjamin Auer (Alemannia Aachen) 17
3. Benjamin Lauth (TSV 1860 München) 16
4. Sascha Mölders (FSV Frankfurt) 15
5. Nando Rafael (FC Augsburg) 13
Stefan Leitl (FC Ingolstadt 04) 13
Adrián Ramos (Hertha BSC) 13
8. Pierre-Michel Lasogga (Hertha BSC) 12
9. Raffael (Hertha BSC) 10
Chong Tese (VfL Bochum) 10
Fußball
Scheut das
Rampenlicht,
nicht aber die
Verantwortung:
Hansa-Trainer
Peter Vollmann.
Foto: Getty
Delhi (sid) – Wegen Korruptionsvorwür-
fen rund um die Commonwealth-Spiele
hat die Polizei am Montag den ehemali-
gen Chef des Organisationskomitees Su-
reshKalmadi festgenommen. Die Ermitt-
ler werfen dem 66-jährigen Inder Unre-
gelmäßigkeitenbei der Vergabe vonWer-
beverträgen vor. Das teilte Bundespoli-
zeisprecherin Dharini Mishra nach der
mehrstündigen Vernehmung Kalmadis
mit. Bereits Ende November hatte die Po-
lizei Häuser von Spitzenfunktionären
der Commonwealth-Spiele durchsucht.
Die Spiele im Oktober in Delhi sollten
rund zwei Milliarden Dollar kosten, ver-
ursachtenaber imEndeffekt Gesamtkos-
ten von geschätzten sechs Milliarden.
Insgesamt sollen rund 1,8 Milliarden
Dollar zweckentfremdet worden sein.
Als auch Vorwürfe gegen Kalmadi laut
wurden, entfernte ihnder indische Sport-
minister im Januar vom Posten des OK-
Chefs, um eine reibungslose Aufklärung
der Betrugsvorwürfe zu gewährleisten.
Pietra Ligure (sid) – Der vor elf Wochen
schwer verunglückte polnische For-
mel-1-Pilot Robert Kubica hat amOster-
wochenende das Krankenhaus im italie-
nischenPietra Ligure verlassen. Dies teil-
te die Klinik mit. Kubica werde „nun ei-
ne neue Rehabilitationsphase starten“,
heißt es in der offiziellen Erklärung.
Kubica hatte sich am 6. Februar als
Gastfahrer bei einer Rallye in Italien bei
einemUnfall erhebliche Verletzungen an
der rechten Körperseite zugezogen und
musste viermal operiert werden. Seinen
Platz im Lotus-Renault-Team hat der
Mönchengladbacher NickHeidfeldeinge-
nommen. In einigen Tagen soll Kubica,
26, das Aufbauprogramm bei seinem
Arzt Riccardo Cecarelli aufnehmen. Ce-
carelli erklärte, der Zustand von Kubi-
cas rechter Hand sei weiter schlecht, da
die Beweglichkeit nochnicht wieder voll-
ständig hergestellt sei. „Man kann erst in
ein paar Monaten sagen, wie gut die Hei-
lung verlaufen wird“, so Cecarelli.
Stuttgart – Gewinnen kann gefährlich
sein, das sollte Julia Görges wissen. Die
22-Jährige aus Schleswig-Holstein hat
am Sonntag alle überrascht mit ihrem
TriumphbeimStuttgarter Tennis-Grand-
Prix, der erst der zweite einer Deutschen
ist seit dem Sieg von Anke Huber 1994.
Nach 98 Minuten verwandelte Julia Gör-
ges den zweiten Matchball gegen die
Weltranglistenerste Caroline Wozniacki
zum 7:6 (3), 6:3 und genoss anschließend
das Bad in der Menge. Gleichzeitig
schmiedeten ihre Fed-Cup-Freundinnen
Andrea Petkovic und Anna-Lena Gröne-
feld schon Pläne. „Ich würd’ sagen, ich
kidnappe sie, du klaust das Auto und wir
machen rüber nach Südamerika – wenn
sie liebist, darf sie mit!“, twitterte Petko-
vic an Grönefeld. Die antwortete: „Per-
fekter Plan! Ich bin dabei!“
Görges wird also aufpassen müssen,
wenn sie den schicken Sportwagen, den
sie für ihrenSiegvomTurniersponsor be-
kommen hat, zu Hause in Bad Oldesloe
parkt. Wahrscheinlich wird sie ihre „Ol-
len“, wie sich die Spielerinnen nennen,
aber freiwillig mitnehmen. So eng wie
zur Zeit waren die Bande zwischen
Deutschlands Tennisprofis schon lange
nicht mehr. Auch das dürfte ein Grund
gewesen sein dafür, dass Julia Görges
nach dem 5:0-Erfolg im Fed-Cup gegen
die USA Mitte April nahtlos an ihre gute
Leistung anknüpfte und nach ihrem Er-
folg in Bad Gastein 2010 in Stuttgart ih-
ren zweiten Titel gewann.
Vorbild Petkovic
Andrea Petkovic hatte es vor vier Wo-
chen beimTurnier in Miami vorgemacht,
wie es geht: Sie schlug dort die ehemalige
Nummer eins Jelena Jankovic und dann
die aktuelle Nummer eins Caroline Woz-
niacki. „Zu sehen, welche Spielerinnen
Andi geschlagen hat, hat uns anderen
Spielerinnen Mut gegeben“, sagt Görges.
Dieser Mut hat sie nun erstmals unter die
Top-30 der Weltrangliste gebracht – seit
Montag steht vor Görges’ Name die Num-
mer 27. Viele sahen imStuttgarter Tradi-
tionsturnier einen Wendepunkt für das
deutsche Tennis. Vier Spielerinnen im
Viertelfinale, das gab es zuletzt 1984.
Rechnet mandie Doppel-Konkurrenz da-
zu, waren es noch mehr. Hier standen
sich in Kristina Barrois/Jasmin Wöhr
und Sabine Lisicki/Samatha Stosur
gleich drei Deutsche im Finale gegen-
über. Im Halbfinale waren zuvor Gör-
ges/Petkovic an den späteren Turnier-
Siegerinnen Lisicki/Stosur gescheitert.
Viel mehr dürfte es aber ein Wende-
punkt in der Karriere von Julia Görges
gewesen sein, die während der ganzen
Turnierwoche eindrucksvoll ihr Können
unter Beweis stellte – mental und phy-
sisch. Die Härte ihrer Grundschläge und
vor allem ihrer Aufschläge waren beein-
druckend. Im Endspiel gab sie nicht ein-
mal ihr Service ab und schlug manche
Bälle mit soviel Risiko zurück, dass wohl
keiner mehr an ihrem Sieg zweifelte. Ju-
lia Görges hat sich endgültig zueiner Ge-
fahr für die Besten der Branche entwi-
ckelt. „Ichhabe die ganze Woche hart ge-
arbeitet, aber mit ihren Schlägen hat Ju-
lia es mir sehr schwer gemacht, ins
Match zurückzukommen“, sagte Caroli-
ne Wozniacki niedergeschlagen.
Die Dänin wirkte während des End-
spiels oft ratlos, unddass einFan sie zwi-
schendurch an ihre Stärke erinnerte,
half auch nichts. „Vergiss nicht, du bist
die Nummer eins!“, rief er. Da stand es
schon 5:2 imTie-Break des ersten Satzes.
Dass Görges nicht noch höher gewann,
lag allein an ihr selbst. Ohne Not schlug
sie einfachste Bälle ins Aus oder ins Netz,
nachdem sie die Ballwechsel druckvoll
diktiert hatte. Es fehlt eben doch noch
einbisschen, umzudenWeltbestenzuge-
hören. Aber Görges ist auf einem guten
Weg: Früher wäre sie nach diesen Feh-
lern eingebrochen – in Stuttgart reichte
der Zuspruch von Trainer Sascha Nen-
sel, umsie zumotivieren. „Ichhabmir im-
mer gesagt: Jule, behalt jetzt bloß einen
kühlen Kopf“, sagte Julia Görges. „Und
dann hab ich mich selbst überrascht.“
Trotz der Freude über ihren Erfolg
bliebsie nüchtern: „Manmuss die Eupho-
rie etwas bremsen und vorsichtig sein.
Das war eine super Woche für das deut-
sche Frauentennis, aber man muss uns
auch Zeit geben“, sagte sie. Sie selbst
will sichSchritt für Schritt nachobenar-
beiten, so wie bisher auch. Ohne Auf-
merksamkeit wird das jetzt aber nicht
mehr gehen. Das Medien- undZuschauer-
Interesse, das zuletzt vor allem Andrea
Petkovic beschäftigte, ist nach dem
Durchmarsch von Stuttgart auch auf sie
übergesprungen.
Erste Anzeichen konnte Julia Görges
direkt nach dem Match vermelden: „In
meiner Tasche brummt es schon die gan-
ze Zeit, ich hab noch gar nicht auf mein
Handyschauenkönnen.“Es wirdsichzei-
gen, wie sie mit der neuen Situation um-
geht. Eine neue Görges, die wie Petkovic
unterhält, wird es nicht geben. Das stell-
te sie schon am Sonntag klar: „Wir sind
ganz andere Charaktere und jeder geht
anders damit um. Ich muss die letzten
Wochenerst verarbeitenunddannschau-
en, wie es weiter geht.“ Anna Dreher
Commonwealth-Spiele
Ex-OK-Chef in Haft
SZ: Herr Haas, nacheiner Verletzungs-
pause von 14 Monaten spielen Sie bei den
BMW-Open in München zum ersten Mal
wieder auf einem internationalen Tur-
nier. Im Doppel treten Sie an diesem
Dienstag an der Seite von Radek Stepa-
nek gegen Simon Aspelin und Paul Han-
ley an. Wie fühlen Sie sich?
Haas: Ich fühle mich wunderbar. Al-
les, was in meinem Leben geschieht,
könnte nicht besser sein. Mit Ausnahme
meiner Verletzungen, die mich immer
wieder so weit zurückwerfen. Anfang Fe-
bruar habe ich damit begonnen, wieder
ein wenig härter zu trainieren. Aber mit
demTennis ist es ja so, dass man niemals
wirklich verlernt oder vergisst, wie das
Spiel funktioniert. Mir fehlt eigentlich
nur die Fitness und es bleibt die Frage,
wie mein Körper nun reagieren wird.
Wie gut er alles verträgt. Deshalb ist das
Doppel nun eine optimale Lösung, um
wieder Anschluss zu finden. Ich brauche
Matchpraxis und muss wieder lernen,
mit der Nervosität umzugehen. Aber ich
weiß genau, was nun auf mich zukommt.
Ich hatte ja schon einmal ein Comeback
nacheiner Schulterverletzung, die für je-
den Tennisspieler bekanntlich die
schlimmste aller möglichen Verletzun-
gen ist. Und diesmal war es halt die rech-
te Hüftseite, die mir Schwierigkeiten be-
reitet hat. Und der Ellbogen.
SZ: Wann haben Sie die Entscheidung
getroffen, beim Turnier in München wie-
der aufzuschlagen?
Haas: Erst vor Kurzem. Mein Doppel-
partner Radek Stepanek ist ja ebenfalls
meindirekter Nachbar inFlorida. Irgend-
wann nach dem gemeinsamen Training
hat er mal zu mir gesagt, dass er hier in
München spielen wolle. Und dann habe
ich ihm zu ihm gesagt: „Weißt Du was,
vielleicht spielen wir ja einfach zusam-
men Doppel.“ Aber das war eher im
Scherz. Natürlich habe ich hier in Mün-
chen auch das gesamte Team an Physios
und Ärzten, die mich bei meinem Come-
back unterstützen. Ich denke ja schon
weiter, an die entscheidenden Turniere
in der nahen Zukunft, die mir wichtig
sind: Halle, Paris undWimbledon. Bis da-
hin möchte ich wieder fit sein. Auch im
Einzel. Vielleicht reicht es sogar für eines
der beiden Vorbereitungsturniere für die
French Open. Für Madrid oder Rom.
Aber wenn ich in Halle aufschlagen soll-
te, dann werde ich mich jedenfalls wie
der Titelverteidiger fühlen. Auch wenn
ich imvergangenen Jahr gar nicht antre-
ten konnte.
SZ: Können Sie Ihre Gefühle der ver-
gangenen Monaten beschreiben?
Haas: Wenn man spürt, dass plötzlich
Schmerzenauftre-
ten, die niemals
wirklich wegge-
hen? Das ist ein
Schock. Auch
wenn einem die
Ärzte dann sagen,
dass man nach ei-
nigen Monaten
wieder auf die
Tour zurückkeh-
ren kann. Mir hat
es mental in dieser
Zeit unheimlich
geholfen, dass ich
wusste, dass ich Vater werden würde. Ich
spürte: Es gibt einLebennebendemTen-
nis, und in diesem Leben könnte es nicht
besser laufen. Aber neben dem ganzen
Aufbau- und Rehatraining, das man ab-
solviert, gibt es natürlich immer wieder
Rückschläge, und man beginnt sich zu
fragen: Macht das Tennis eigentlichüber-
haupt noch Sinn?
SZ: Was motiviert Sie zu Ihrem Come-
back?
Haas: Ich habe noch Ziele, ich bin im-
mer noch ehrgeizig. Und es macht mir
nach wie vor Spaß, mich richtig zu quä-
len. Außerdem würde es mich freuen,
wenn meine fünf Monate alte Tochter ih-
ren Vater in ein bis zwei Jahren noch ein-
mal auf dem Tennisplatz erlebt. Und
zwar nicht auf der Senior-Tour – son-
dern auf der richtigen Tour. Doch ob das
alles noch einmal so klappt, wie ich mir
das vorstelle, das wird sich in den nächs-
ten Monaten herausstellen. Ich hätte
auch hier in München bereits sehr gerne
Einzel gespielt, aber dafür bin ich ein-
fach noch nicht weit genug.
Interview: Philipp Schneider
Istanbul (sid) – Nesthäkchen Luise Mal-
zahnundOlympiasieger Ole Bischof sorg-
tenfür die Lichtblicke, zwei Medaillenin
den Teamwettbewerben für einen ver-
söhnlichen Abschluss: Die deutschen Ju-
doka sind trotzdem mit einer mittel-
prächtigen Bilanz von den Europameis-
terschaften in Istanbul zurückgekehrt.
„Die Mannschafts-Medaillen schönen
die Bilanz zwar etwas, aber insgesamt ha-
ben wir uns sicherlich mehr verspro-
chen“, sagte Lutz Pitsch, Vizepräsident
des Deutschen Judo-Bundes (DJB). 16
Monate vor Olympia inLondonoffenbar-
tendie deutschenKämpfer einigenNach-
holbedarf. Nur zwei ihrer vier Medaillen
holten sie in den olympischen Einzel-
Konkurrenzen. Damit war der DJBnicht
erfolgreicher als im Vorjahr, als er in
Wien mit ebenfalls zwei Bronze-Medail-
len das schlechteste EM-Ergebnis seit
der Wiedervereinigung verbuchte.
Die erst 20 Jahre alte Malzahn (Hal-
le/Saale) hatte am Samstag mit Bronze
in der Klasse bis 78 kg für die erste deut-
sche Frauen-Medaille nach den Misser-
folgen bei EM und WM 2010 gesorgt. Die
deutschen Männer sorgten in Abwesen-
heit des WM-Zweiten Andreas Tölzer
nicht nur wegen der Bronzemedaille
durch den starken und endlich schmerz-
freien Vorzeigekämpfer Ole Bischof für
verhaltenen Optimismus. Bischof wurde
indennicht-olympischenTeam-Konkur-
renzenamSonntag geschont, trotzdemsi-
cherte sich das DJB-Quintett nach einem
3:2 imkleinen Finale gegen Polen Bronze
und damit den Startplatz für die WM in
Paris (23. bis 28. August). Die deutschen
Frauen wurden erst in einem denkbar
knappen Finale von Frankreich mit 2:3
gestoppt. „Das zeigt, dass die Mädels Nie-
derlagen wegstecken können. An guten
Tagen sind sie mit den Topleuten auf Au-
genhöhe, dass lässt hoffen“, sagte Pitsch.
Hilton Head Island/Jakarta (dpa) – Nach
acht Wochen an der Spitze ist der deut-
sche Golfprofi MartinKaymer seit Oster-
montag nicht mehr die Nummer eins in
der Welt. Lee Westwood aus England ist
der neue Weltranglistenerste. Während
Kaymer pausierte, beschenkte sichWest-
woodamSonntag zuseinem38. Geburts-
tag mit demSieg bei denIndonesianMas-
ters und rückte auch deshalb auf den
Spitzenplatz vor, weil sein Landsmann
Luke Donaldbeimmit 5,7 MillionenDol-
lar dotierte PGA-Turnier in Hilton Head
Island knapp scheiterte. Donald musste
sich im Stechen am dritten Extra-Loch
dem Amerikaner Brandt Snedeker ge-
schlagen geben.
Der bisherige Weltranglistenzweite
Westwood setzte sich bei dem mit
750 000 Dollar dotierten Asian-Tour-
Turnier in Jakarta mit 269 Schlägen
durch. „Was für ein Tag“, sagte West-
wood, der seine Führung auf der Schluss-
runde verteidigte. „Ich bin erfahren ge-
nug, um zu wissen, dass Geduld der
Schlüssel ist.“ Er führte die Rangliste be-
reits 17 Wochen an, ehe er am 27. Febru-
ar von Kaymer abgelöst wurde.
Kaymer war Ende Februar durch den
Einzug ins Finale der Matchplay Cham-
pionship, das er gegen Luke Donald ver-
lor, als zweiter Deutscher nach Bernhard
Langer an die Spitze der Golf-Welt ge-
stürmt. Sein Vorgänger aus Anhausen
stand zur Premiere der Rangliste als ers-
ter Spieler überhaupt für drei Wochen
vom7. bis 27. April 1986 ganz vorn. Kurz
vor seiner Ablösung als Nummer eins hat-
te der 26-Jährige aus Mettmann bei ei-
nem Pressetermin in Wentworth erklärt:
„Alles, was ich mir für meine Golfkarrie-
re erwünscht habe, ist bereits erreicht.
Wir werden sehen, was die Zukunft
bringt, aber an neuen Zielen mangelt es
sicher nicht.“ Seit Sonntag gehört für
Kaymer auch der Kampf um die Num-
mer eins wieder dazu.
Kubica aus Krankenhaus entlassen
Neue Reha-Phase
Die neue Jule
Das Stuttgarter Tennisturnier markiert einen Wendepunkt in der Karriere der jungen Finalsiegerin Görges
„Es macht mir nach wie vor Spaß, mich richtig zu quälen“
Tommy Haas, 33, über sein zweites Comeback in München und die Gründe dafür, dass er auch nach 14 Monaten Verletzungspause immer noch Tennisprofi sein will
EM-Bilanz der deutschen Judoka
Vier Medaillen
Neue Nummer eins im Golf
Westwood
überholt Kaymer
Tommy Haas
Foto: dpa
Dienstag, 26. April 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 29
SPORT
„Ich habe mich selbst überrascht“: Tennisprofi Julia Görges in Stuttgart. Foto: dapd
Zurück an der Spitze: Lee West-
wood aus England Foto: dpa
Stefanie Michl www.ladiesgermanopen.com
19. - 22. Mai 2011
Golfpark Gut Häusern
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Borussia Düsseldorf mit Rekord-
europameister Timo Boll und Vorjahres-
finalist TTF Ochsenhausen bestreiten
2011 zum dritten Mal in Serie das Finale
um die deutsche Tischtennis-Meister-
schaft der Herren. Die Spiele finden vom
20. bis 22. Mai in Ochsenhausen und
vom 3. bis 5. Juni in Düsseldorf statt.
Handballerin Grit Jurack, 33, hat
amSonntag in Völklingen beim27:23 ge-
gen Norwegen ihr 300. Länderspiel ab-
solviert. Die Dänemark-Legionärin von Vi-
borg HK ist damit die erste Frau, die in
den 300er-Klub aufstieg. Bislang hatten
nur Frank-Michael Wahl (344), Klaus-
Dieter Petersen (340) und Christian
Schwarzer (319) diese Grenze geknackt.
19:10-Favorit Big Titus mit Jockey
Andreas Helfenbein hat am Ostersonn-
tag das Hauptrennen auf der Galopprenn-
bahn Hoppegarten gewonnen. Der Köl-
ner Jockey siegte in dem Vierjährigen-
Rennen über 1800 Meter mit zweiein-
halb Längen Vorsprung vor Mountain Hill
(Norman Richter/Warendorf) und Glenti-
re (Wladimir Ponow/Hannover).
Die Grizzly Adams Wolfsburg ha-
ben die ersten drei neuen Spieler für die
kommende Saison verpflichtet. Von den
Mannheimer Adlern wechselt Torhüter
Lukas Lang, 25. Als Verteidiger wurde
Benedikt Schopper von den Krefeld Pin-
guinen verpflichtet und aus der zweiten
Liga kommt Stürmer Stephen Werner
von den Star Bulls Rosenheim.
Jordy Prins, Motorrad-Pilot aus den
Niederlanden, ist nach einem Sturz auf
dem EuroSpeedway Lausitz ins künstli-
che Koma versetzt worden. Bei der Auf-
wärmrunde zumRennen der Internationa-
len Deutschen Meisterschaft war der
125er-Pilot mit Marvin Fritz kollidiert.
Kurz gemeldet
3. Liga
3. Liga, 35. Spieltag
Heidenheim – Babelsberg 03 1:1 (1:0)
1:0 Spann (42.), 1:1 Makarenko (78.). Zuschau-
er: 4600.
Saarbrücken – Bremen II 1:0 (0:0)
1:0 Sieger (66.). – Zuschauer: 4795.
Sandhausen – TuS Koblenz 0:0 (0:0)
Zuschauer: 2500.
Carl Zeiss Jena – W. Burghausen 1:0 (0:0)
1:0 Eckardt (84.). – Zuschauer: 5056.
Dresden – Unterhaching 4:0 (1:0)
1:0 Esswein (37.), 2:0 Esswein (55.), 3:0 Scha-
hin (76.), 4:0 Schahin (87.). – Z.: 17002.
Braunschweig – K. Offenbach 2:1 (1:0)
1:0 Kumbela (19.), 2:0 Bellarabi (47.), 2:1 Feld-
hahn (69.). – Zuschauer: 21225.
Wehen – Erfurt 0:1 (0:1)
0:1 Pfingsten-Reddig (11.). – Z.: 6095.
Regensburg – VfR Aalen 1:1 (1:1)
0:1 Lechleiter (9.), 1:1 Laurito (15.). – Z.: 2775.
FC Bayern II – Hansa Rostock 0:0 (0:0)
Zuschauer: 2000.
VfB Stuttgart II – RW Ahlen 5:1 (1:0)
1:0 Schipplock (4.), 1:1 Taylor (47.), 2:1 Rath-
geb (48./Foulelfmeter), 3:1 Schipplock (60.),
4:1 Schipplock (74.), 5:1 Müller (88.). – Zu-
schauer: 450.
1 Braunschweig 35 24 6 5 73:19 78
2 Hansa Rostock 35 22 5 8 63:33 71
3 RW Erfurt 35 17 7 11 59:40 58
4 Dynamo Dresden 35 17 7 11 49:34 58
5 SV Wehen 35 16 10 9 49:35 58
6 K. Offenbach 35 16 9 10 49:38 57
7 1.FC Saarbrücken 35 14 8 13 52:47 50
8 TuS Koblenz 35 13 10 12 37:40 49
9 1.FC Heidenheim 35 13 8 14 55:51 47
10 VfB Stuttgart II 35 11 14 10 43:43 47
11 Jahn Regensburg 35 11 12 12 30:39 45
12 Babelsberg 03 35 12 8 15 37:43 44
13 Unterhaching 35 11 11 13 39:49 44
14 SV Sandhausen 35 11 10 14 42:45 43
15 Carl Zeiss Jena 35 10 10 15 37:57 40
16 VfR Aalen 35 8 13 14 36:50 37
17 W. Burghausen 35 9 9 17 41:58 36
18 RW Ahlen 35 10 9 16 41:61 36
19 Werder Bremen II 35 7 11 17 30:51 32
20 FC Bayern II 35 5 9 21 23:52 24
36. Spieltag
Freitag, 29.4., 18 Uhr: Babelsberg – Dres-
den, 19 Uhr: Unterhaching – Saarbrücken, Of-
fenbach – Jena. – Samstag, 30.4., 14 Uhr:
Burghausen – Heidenheim, Bremen II – Sand-
hausen, Koblenz – FC Bayern II, Erfurt – Regens-
burg, Rostock – Wehen, Braunschweig – Stutt-
gart II, Aalen – Ahlen.
Regionalliga
Süd, 29. Spieltag
Karlsruher SC II – SV Darmstadt 98 1:3 (0:2)
SC Freiburg II – 1.FC Nürnberg II 3:3 (0:1)
Greuther Fürth II – Großaspach 3:0 (1:0)
Hessen Kassel – Stuttgarter K. 0:0 (0:0)
FSV Frankfurt II – Memmingen 4:1 (4:0)
SV Wehen II – 1860 München II 1:1 (0:0)
E.Frankfurt II – SC Pfullendorf 4:2 (3:2)
spielfrei: Hoffenheim II
spielfrei: Wormatia Worms
1 Hessen Kassel 26 14 6 6 48:30 48
2 Stuttgarter K. 25 14 5 6 45:24 47
3 SV Darmstadt 98 25 13 8 4 36:22 47
4 Greuther Fürth II 25 14 4 7 45:31 46
5 E.Frankfurt II 25 13 3 9 48:36 42
6 Hoffenheim II 25 12 5 8 52:28 41
7 SC Freiburg II 27 10 6 11 52:48 36
8 Memmingen 26 9 9 8 33:40 36
9 1860 München II 26 9 7 10 33:49 34
10 Karlsruher SC II 25 9 6 10 34:32 33
11 1.FC Nürnberg II 25 9 5 11 31:35 32
12 SC Pfullendorf 26 9 4 13 30:40 31
13 Wormatia Worms 25 7 5 13 31:40 26
14 Großaspach 25 6 8 11 22:36 26
15 FSV Frankfurt II 25 5 8 12 28:41 23
16 SV Wehen II 27 4 5 18 22:58 17
Weiden & Ulm aus der Wertung genommen
West, 29. Spieltag
SC Verl – 1.FC Köln II 2:2 (1:0)
Kaiserslautern II – B. M'gladbach II 0:0 (0:0)
Eintracht Trier – B. Leverkusen II 3:1 (1:0)
Preußen Münster – FC Homburg 3:0 (2:0)
Wuppertaler SV – Elversberg 1:3 (0:1)
F. Düsseldorf II – Sportfr. Lotte 1:2 (0:2)
B. Dortmund II (A) – VfL Bochum II 2:1 (1:1)
Mainz 05 II – Schalke 04 II 3:0 (1:0)
A. Bielefeld II – Wiedenbrück
1 Preußen Münster 29 19 6 4 48:20 63
2 B. M'gladbach II 29 14 11 4 48:29 53
3 Eintracht Trier 29 15 6 8 46:31 51
4 Kaiserslautern II 29 14 8 7 45:32 50
5 Sportfr. Lotte 29 13 10 6 35:27 49
6 1.FC Köln II 29 12 10 7 50:31 46
7 Wuppertaler SV 29 12 8 9 46:48 44
8 B. Dortmund II (A) 29 12 7 10 45:38 43
9 Schalke 04 II 29 11 8 10 30:36 41
10 Elversberg 29 9 12 8 35:37 39
11 Mainz 05 II 29 10 8 11 42:37 38
12 SC Verl 29 9 10 10 31:31 37
13 Wiedenbrück 28 9 6 13 37:48 33
14 VfL Bochum II 29 7 10 12 38:48 31
15 FC Homburg 29 5 9 15 22:39 24
16 B. Leverkusen II 29 6 6 17 27:49 24
17 F. Düsseldorf II 29 5 6 18 32:50 21
18 A. Bielefeld II 28 5 5 18 22:48 20
Nord, 29. Spieltag
Hallescher FC – Hamburger SV II 0:2 (0:1)
Türkiye. Berlin – Hannover 96 II 0:5 (0:1)
ZFC Meuselwitz – Wilhelmshaven 3:1 (1:0)
VfB Lübeck – Braunschweig II 1:0 (0:0)
Energie Cottbus II – Oberneuland 6:1 (2:0)
TSV Havelse – Holstein Kiel (A) 0:1 (0:0)
VFC Plauen – VfL Wolfsburg II 1:2 (0:1)
Hertha BSC II – RBS Leipzig 1:1 (0:0)
Chemnitzer FC – 1.FC Magdeburg 3:0 (2:0)
1 Chemnitzer FC 29 20 7 2 70:19 67
2 VfL Wolfsburg II 29 19 6 4 47:24 63
3 VfB Lübeck 29 18 5 6 49:30 59
4 RBS Leipzig 29 15 9 5 47:23 54
5 Hallescher FC 29 14 9 6 46:28 51
6 Hertha BSC II 29 14 6 9 44:41 48
7 Holstein Kiel (A) 29 12 9 8 47:29 45
8 Hannover 96 II 30 13 6 11 51:35 45
9 Hamburger SV II 29 12 6 11 41:39 42
10 Energie Cottbus II 29 11 5 13 41:41 38
11 ZFC Meuselwitz 29 11 5 13 34:41 38
12 VFC Plauen 29 11 3 15 40:42 36
13 Wilhelmshaven 29 9 8 12 39:56 35
14 1.FC Magdeburg 29 7 8 14 27:42 29
15 Braunschweig II 30 6 8 16 25:40 26
16 TSV Havelse 29 7 5 17 35:56 26
17 Oberneuland 29 6 4 19 32:65 22
18 Türkiye. Berlin 29 0 5 24 11:75 2
International
Italien, 34. Spieltag
AS Rom – AC Chievo Verona 1:0
Inter Mailand – Lazio Rom 2:1
FC Bologna – AC Cesena 0:2
Cagliari Calcio – AC Florenz 1:2
CFC Genua – US Lecce 4:2
US Palermo – SSC Neapel 2:1
AS Bari – Sampdoria Genua 0:1
Udinese Calcio – FC Parma 0:2
Brescia Calcio – AC Mailand 0:1
Juventus Turin – Catania Calcio 2:2
1 AC Mailand 34 60:23 74
2 Inter Mailand 34 60:38 66
3 SSC Neapel 34 54:34 65
4 Lazio Rom 34 46:32 60
5 Udinese Calcio 34 59:37 59
6 AS Rom 34 52:47 56
7 Juventus Turin 34 52:42 53
8 US Palermo 34 52:55 50
9 AC Florenz 34 40:36 46
10 CFC Genua 34 38:39 45
11 Cagliari Calcio 34 42:42 44
12 FC Bologna 34 34:46 40
13 AC Chievo Verona 34 32:35 39
14 FC Parma 34 34:45 38
15 AC Cesena 34 32:45 37
16 Catania Calcio 34 33:47 37
17 Sampdoria Genua 34 27:39 35
18 US Lecce 34 40:60 35
19 Brescia Calcio 34 28:44 30
20 AS Bari 34 20:49 21
Spanien, 33. Spieltag
FC Valencia – Real Madrid 3:6
FC Barcelona – CA Osasuna 2:0
Athletic Bilbao – Real Sociedad 2:1
Hercules Alicante – Deportivo La Coruna 1:0
RCD Mallorca – FC Getafe 2:0
Racing Santander – FC Málaga 1:2
Sporting Gijon – Espanyol Barcelona 1:0
Atlético Madrid – UD Levante 4:1
FC Sevilla – FC Villarreal 3:2
Real Saragossa – UD Almeria
1 FC Barcelona 33 88:17 88
2 Real Madrid 33 79:26 80
3 FC Valencia 33 57:41 63
4 FC Villarreal 33 51:39 57
5 Athletic Bilbao 33 51:47 51
6 Atlético Madrid 33 54:44 49
7 FC Sevilla 33 51:49 49
8 Espanyol Barcelona 33 40:46 45
9 UD Levante 33 37:46 42
10 RCD Mallorca 33 35:45 42
11 Sporting Gijon 33 31:37 41
12 Real Sociedad 33 43:57 38
13 Deportivo La Coruna 33 27:41 38
14 FC Getafe 33 43:53 37
15 Racing Santander 33 32:49 37
16 FC Málaga 33 44:63 36
17 CA Osasuna 33 37:41 35
18 Real Saragossa 32 31:45 33
19 Hercules Alicante 33 30:50 33
20 UD Almeria 32 32:57 26
England, 34. Spieltag
Stoke City – Wolverhampton
Manchester United – FC Everton 1:0
Aston Villa – Stoke City 1:1
FC Blackpool – Newcastle United 1:1
FC Liverpool – Birmingham City 5:0
AFC Sunderland – Wigan Athletic 4:2
Tottenham Hotspur – Bromwich Albion 2:2
Wolverhampton – FC Fulham 1:1
FC Chelsea – West Ham United 3:0
Bolton Wanderers – FC Arsenal 2:1
Blackburn Rovers – Manchester City
1 Manchester United 34 71:32 73
2 FC Chelsea 34 64:27 67
3 FC Arsenal 34 67:36 64
4 Manchester City 32 50:30 56
5 Tottenham Hotspur 33 49:41 55
6 FC Liverpool 34 51:39 52
7 FC Everton 34 47:42 47
8 Bolton Wanderers 33 48:44 46
9 Newcastle United 34 49:48 41
10 AFC Sunderland 34 39:49 41
11 Aston Villa 34 43:55 41
12 Bromwich Albion 34 49:64 40
13 FC Fulham 33 37:36 39
14 Stoke City 33 40:43 39
15 Birmingham City 34 34:51 38
16 Blackburn Rovers 33 40:54 35
17 FC Blackpool 34 48:70 34
18 Wigan Athletic 34 34:57 34
19 Wolverhampton 33 37:57 33
20 West Ham United 34 39:61 32
Schottland, Meisterschaftsrunde,
1. Spieltag
Dundee United – FC Kilmarnock 4:2
Heart of Midlothian – FC Motherwell 3:3
Glasgow Rangers – Celtic Glasgow 0:0
1 Glasgow Rangers 34 72:28 81
2 Celtic Glasgow 33 70:18 80
3 Heart of Midlothian 34 50:34 62
4 Dundee United 34 48:43 55
5 FC Kilmarnock 34 49:45 47
6 FC Motherwell 34 39:46 45
Abstiegsrunde, 1. Spieltag
Hibernian Edinburgh – FC St. Mirren 1:1
Hamilton Academical – FC Aberdeen
FC St. Johnstone – Inverness
1 Inverness 32 41:40 38
2 Hibernian Edinburgh 34 37:53 37
3 FC St. Johnstone 33 18:39 34
4 FC Aberdeen 33 34:54 31
5 FC St. Mirren 34 32:55 29
6 Hamilton Academical 33 20:55 19
Frankreich, 32. Spieltag
AJ Auxerre – RC Lens 1:1
Girondins Bordeaux – AS St. Etienne 2:0
Stade Brest – Paris St. Germain 2:2
SM Caen – FC Toulouse 1:1
AS Monaco – Stade Rennes 1:0
AS Nancy – AC Arles 0:0
FC Valenciennes – FC Sochaux 1:1
FC Lorient – OSC Lille 1:1
1 OSC Lille 32 54:31 60
2 Olympique Marseille 31 46:27 58
3 Olympique Lyon 31 52:29 53
4 Paris St. Germain 32 47:33 53
5 Stade Rennes 32 33:26 51
6 Girondins Bordeaux 32 40:35 44
7 FC Lorient 32 39:37 44
8 AS St. Etienne 32 40:39 44
9 FC Sochaux 32 47:40 43
10 Montpellier HSC 31 27:33 43
11 Stade Brest 32 34:37 40
12 FC Valenciennes 32 37:34 39
13 FC Toulouse 32 32:35 39
14 OGC Nizza 31 25:33 39
15 AS Monaco 32 32:32 38
16 AJ Auxerre 32 36:37 38
Belgien, Meiterschaftsrunde,
5. Spieltag
KRC Genk – KAA Gent 3:0
KSC Lokeren – RSC Anderlecht 1:2
FC Brügge – Standard Lüttich
1 KRC Genk 5 9:6 41
2 RSC Anderlecht 5 6:8 40
3 Standard Lüttich 4 11:3 37
4 FC Brügge 4 5:4 32
5 KAA Gent 5 4:9 32
6 KSC Lokeren 5 3:8 27
Wertung: halbe Punktzahl aus Vorrunde über-
nommen.
Platzierungsrunde, 4. Spieltag,
Gruppe A
Cercle Brügge – KV Mechelen 3:1
Lierse SK – KVV St. Truiden 1:1
1 Cercle Brügge 4 4:2 6
2 Anderlecht 4 4:4 5
3 KV Mechelen 4 4:5 5
4 KVV St. Truiden 4 4:5 3
Gruppe B
SV Zulte-Waregem – KV Kortrijk 2:0
KVC Westerlo – Germinal Beerschot 1:0
1 KVC Westerlo 4 8:4 8
2 SV Zulte-Waregem 4 4:3 7
3 Germinal Beerschot 4 6:5 5
4 KV Kortrijk 4 1:7 1
Niederlande, 32. Spieltag
Willem II Tilburg – AZ Alkmaar 2:1
Heracles Almelo – De Graafschap 2:0
Roda Kerkrade – NAC Breda 5:1
VVV-Venlo – SC Heerenveen 2:2
Ajax Amsterdam – Excelsior Rotterdam 4:1
FC Utrecht – Vitesse Arnheim 4:2
Feyenoord Rotterdam – PSV Eindhoven 3:1
FC Groningen – NEC Nijmegen 3:1
1 Twente Enschede 32 60:31 68
2 Ajax Amsterdam 32 67:28 67
3 PSV Eindhoven 32 77:33 65
4 AZ Alkmaar 32 49:38 56
5 Roda Kerkrade 32 65:45 54
6 ADO Den Haag 32 61:48 54
7 FC Groningen 32 61:50 53
8 FC Utrecht 32 49:47 44
9 Heracles Almelo 32 60:55 43
10 Feyenoord Rotterdam 32 50:50 43
11 SC Heerenveen 32 59:52 40
12 NEC Nijmegen 32 51:55 39
13 NAC Breda 32 42:58 37
14 Vitesse Arnheim 32 40:55 35
15 De Graafschap 32 29:51 35
16 Excelsior Rotterdam 32 38:64 29
17 VVV-Venlo 32 31:73 18
18 Willem II Tilburg 32 37:93 15
Schweiz, 30. Spieltag
FC Luzern – Bellinzona 3:2
FC Basel – YB Bern 2:1
St. Gallen – FC Sion 0:1
FC Thun – Grassh. Zürich 0:1
1 FC Basel 30 64:38 62
2 FC Zürich 29 59:37 58
3 YB Bern 30 55:42 48
4 FC Sion 30 39:28 46
5 FC Luzern 30 54:43 44
6 FC Thun 30 36:34 37
7 Grassh. Zürich 30 33:47 28
8 Bellinzona 30 37:65 28
9 Neuchâtel 29 38:38 27
10 St. Gallen 30 26:54 26
Österreich, 30. Spieltag
Kapfenberger SV – Sturm Graz 0:5
SV Mattersburg – LASK Linz 1:1
RB Salzburg – FC Wacker Innsbruck 2:3
Rapid Wien – SC Wiener Neustadt 4:1
SV Ried – Austria Wien 1:1
1 Sturm Graz 30 55:30 52
2 Austria Wien 30 51:28 51
3 Rapid Wien 30 47:33 48
4 SV Ried 30 43:33 48
5 RB Salzburg 30 36:24 47
6 FC Wacker Innsbruck 30 38:35 45
7 SC Wiener Neustadt 30 37:43 42
8 Kapfenberger SV 30 36:51 33
9 SV Mattersburg 30 25:47 26
10 LASK Linz 30 20:64 17
Türkei, 30. Spieltag
Kardemir Karabükspor – Sivasspor 2:1
Bursaspor – Manisaspor 2:1
Galatasaray Istanbul – Kayserispor 1:1
Ankara – Kasimpasa Istanbul 1:1
Gaziantepspor – Antalyaspor 2:1
Istanbul BB – MKE Ankaragücü 1:4
Bucaspor – Fenerbahce Istanbul 3:5
Konyaspor – Besiktas Istanbul
1 Fenerbahce Istanbul 30 71:31 70
2 Trabzonspor 30 57:21 70
3 Bursaspor 30 46:25 55
4 Gaziantepspor 30 41:29 52
5 Eskisehirspor 30 34:32 44
6 Kayserispor 30 39:38 44
7 Besiktas Istanbul 29 44:34 43
8 Istanbul BB 30 38:39 40
9 Kardemir Karabükspor 30 44:47 40
10 MKE Ankaragücü 30 49:52 39
11 Antalyaspor 30 33:40 37
12 Galatasaray Istanbul 30 33:41 37
13 Manisaspor 30 42:48 36
14 Genclerbirligi Ankara 30 38:45 36
15 Sivasspor 30 37:50 32
16 Bucaspor 30 28:53 24
17 Kasimpasa Istanbul 30 28:59 22
18 Konyaspor 29 23:41 21
Basketball
Männer, 1. Bundesliga, 34. Spieltag
TBB Trier – Quakenbrück 65:66 (37:33)
Joyce 16, Faßler 15, Dojcin 12 – Peavy 16, Bai-
ley 12. – Zuschauer: 4051.
Ludwigsburg – Frankfurt 79:94 (32:47)
Harris 21, Zavackas 13, Green 12, Bowler 10 –
Powell 28, Wood 19, Robertson 14, Z.: 3850.
Mitteld. BC – Göttingen 50:71 (19:40)
Ross 21, Bernard 10 – Dale 17, Bailey 16, An-
derson 13, Little 12. – Zuschauer: 2650.
Hagen – Gießen 83:73 (44:40)
Bell 26, Dorris 15, Burtschi 13 – Smith 16, Ovci-
na 16, Peacock 11, Brooks 10. – Z.: 3065.
Oldenburg – Düsseldorf 77:64 (35:42)
Campbell 13, Lukauskis 13, McNaughton 13,
Paulding 10, Stevic 10 – Haynes 14, Rizvic 13,
Wright 12. – Zuschauer: 3148.
Berlin – Tübingen 88:76 (40:33)
Raduljica 23, Allen 14, Jenkins 10 – Kaschirow
20, Watts 17, Ratkovica 14. – Z.: 9444.
Bamberg – BBC Bayreuth 85:52 (57:26)
Suput 20, Pleiß 15, Jacobsen 10 – Ibekwe 8,
Wachalski 8, Gibson 8. – Zuschauer: 6800.
Ulm – Bremerhaven 92:102 (52:52)
Bryant 26, Benzing 14, Collins 12 – Schwet-
helm21, Brewer 20, Drevo 17, Callahan 15, De-
nison 10. – Zuschauer: 2900.
Bonn – Braunschweig 78:86 (46:40)
Wise 20, Jaacks 17, Tyndale 17, King 11 – Tho-
mas 18, Greer 16, Cain 11, Hamilton 11, Visser
10. – Zuschauer: 4430.
1 Bamberg 34 2786:2213 64:4
2 Frankfurt 34 2629:2365 52:16
3 Berlin 34 2802:2526 48:20
4 Quakenbrück 34 2736:2484 46:22
5 Braunschweig 34 2647:2563 40:28
6 Oldenburg 34 2603:2599 40:28
7 Göttingen 34 2514:2403 38:30
8 Bremerhaven 34 2670:2698 36:32
9 Ludwigsburg 34 2699:2769 36:32
10 TBB Trier 34 2380:2383 34:34
11 Hagen 34 2904:2959 30:38
12 Tübingen 34 2600:2698 30:38
13 Bonn 34 2527:2602 28:40
14 Ulm 34 2755:2806 24:44
15 BBC Bayreuth 34 2528:2746 18:50
16 Gießen 34 2368:2657 18:50
17 Mitteld. BC 34 2338:2612 16:52
18 Düsseldorf 34 2249:2652 14:54
2. Bundesliga Pro A, 30. Spieltag
Bayern München – Freiburg 101:52 (47:24)
Kirchheim – UBC Hannover 110:83 (64:48)
Karlsruhe – USC Heidelberg 73:81 (40:45)
Crailsheim – S.C. Jena 107:76 (51:25)
Würzburg – Chemnitz 99 77:61 (40:30)
Saar-Pfalz Braves – Cuxhaven 71:84 (39:45)
ETB Essen – Rhöndorf 85:65 (37:38)
1 FC Bayern München 28 2347:1836 54
2 Würzburg Baskets 28 2154:1915 49
3 BV Chemnitz 99 28 2143:2007 47
4 Saar-Pfalz Braves 28 2137:2063 44
5 VfL Kirchheim 28 2362:2325 44
6 Crailsheim 28 2243:2214 43
7 Paderborn 28 2369:2354 42
8 USC Heidelberg 28 2242:2306 41
9 BG Karlsruhe 28 2097:2168 40
10 ETB Essen 28 2108:2182 40
11 UBC Hannover 28 2302:2449 39
12 Cuxhaven B.C. 28 2124:2271 39
13 USC Freiburg 28 2179:2376 37
14 S.C. Jena 28 2080:2250 36
15 Rhöndorf 28 2150:2321 35
NBA, Playoff-Viertelfinale (Best of 7),
Eastern Conference,
4. Spieltag
Indiana Pacers – Chicago Bulls 89:84
(Stand: 1:3), Philadelphia 76ers – Miami Heat
86:82 (Stand: 1:3) New York Knicks – *Boston
Celtics 89:101 (Stand: 0:4), Atlanta Hawks – Or-
lando Magic 88:85 (Stand: 3:1). * im Halbfinale
Western Conference, 4. Spieltag
Portland Trail Blazers – Dallas Mavericks
84:82 (Stand: 2:2), New Orleans Hornets – Los
Angeles Lakers 93:88 (Stand: 2:2).
Frauen, Bundesliga,
Playoff-Finale (Best of 5), 3. Spiel
TSV Wasserburg – Eisvögel USC Freiburg 83:80
(36:45). – Endstand: 3:0.
Golf
US-Tour, Turnier in
Hilton Head Island/South Carolina
(5,7 Millionen Dollar, Par 71)
Endstand nach vier Runden und Stechen
über drei Extra-Löcher: 1. Snedeker (USA) 272
(69/67/72/64/Stechen: 3/3/4), 2. Donald (Eng-
land) 272 (67/65/70/70/Stechen: 4/3/4), 3.
Gainey (USA) 273 (71/67/67/68), 4. Barnes
(USA) 274 (71/67/67/69) und Herron (USA) 274
(65/71/71/67), 6. Crane (USA) 276 (69/66/
71/70), Perez (USA) 276 (71/67/68/70) und
O’Hern (Australien) 276 (70/66/72/68); 36. un-
ter anderem Poulter (England) 281 (69/66/
75/71), 46. u.a. Cejka (München) 282 (69/73/
70/ 70).
Europa-Tour, China Open in Chengdu
(2,1 Millionen Euro, Par 72)
Endstand nach vier Runden: 1. Colsaerts (Bel-
gien) 264 (65/67/66/66), 2. Martin (Spanien)
268 (70/68/67/63), Lee (Australien) 268
(66/68/69/65), Lawrie (Irland) 268 (68/64/68/
68) und Kjeldsen (Dänemark) 268 (65/71/66/
66), 6. Nilsson (Schweden) 269 (70/65/70/64);
22. u.a. Garcia (Spanien) 274 (66/67/72/69). –
am Cut nach zwei Runden (139) gescheitert:
u.a. 89. Siem (Ratingen) 141 (68/73), 113. u.a.
Yang (Südkorea/TV) 143 (68/75).
Weltrangliste
1. (2) Westwood (England) 7,653 Durch-
schnittspkt., 2. (1) Kaymer (Mettmann) 7,524,
3. (3) Donald (England) 7,375, 4. (4) Mickelson
(USA) 6,520, 5. (5) McDowell (Nordirland)
5,840, 6. (6) Woods (USA) 5,715, 7. (7) McIlroy
(Nordirland) 5,641, 8. (8) Casey (England)
5,590, 9. (9) Stricker (USA) 5,478, 10. (10) Ku-
char (USA) 5,212; 166. (162) Cejka (Las Vegas)
1,018.
Handball
Bundesliga Männer, 29. Spieltag
Magdeburg – HSG Wetzlar 24:20 (9:9)
Coßbau 7/2, Weber 6/2 – Friedrich 5/4, Salzer
5, Valo 4. – Zuschauer: 4502.
Melsungen – Friesenheim 35:26 (18:12)
Karipidis 9/1, Vasilakis 9, Vuckovic 5, Allendorf
4, Sanikis 4 – Kogut 6/1, Dissinger 4. – Zu-
schauer: 1988.
Flensburg-H. – Gummersb. 29:25 (13:10)
Eggert 11/9, Mocsai 6, Bøsen 5 – Pfahl 6/2. –
Zuschauer: 6050.
1 HSV Hamburg 29 936:762 52:6
2 THW Kiel 30 979:762 49:11
3 Rhein-N. Löwen 29 942:828 47:11
4 Füchse Berlin 28 787:721 43:13
5 F.a. Göppingen 30 833:782 42:18
6 Flensburg-Handew. 29 896:816 37:21
7 SC Magdeburg 29 869:804 37:21
8 TBV Lemgo 29 829:803 31:27
9 VfL Gummersbach 29 846:821 30:28
10 TV Großwallstadt 29 759:794 27:31
11 HSG Wetzlar 29 742:830 22:36
12 MT Melsungen 30 792:887 19:41
13 TuS N-Lübbecke 28 780:806 18:38
14 Balingen-Weilst. 29 773:869 17:41
15 Hannover-Burgdorf 29 771:874 17:41
16 DHC Rheinland 29 708:858 12:46
17 TSG Friesenheim 28 771:883 11:45
18 HSG Ahlen-Hamm 29 775:888 11:47
Männer, Champions League,
Viertelfinale, Hinspiele
Flensburg-H. – Ciudad Real 24:38 (8:19)
Mogensen 6, Mocsai 5, Szilagyi 4 – Lazarov
9/3, Abalo 6, Aguinagalde 4, Entrerrios 4. – Zu-
schauer: 5000.
Hamburg – Tschechow 38:24 (20:15)
Krzysztof Lijewski 7, Hens 6, Schröder 5, Lind-
berg 5/5, Vori 4 – Filippow 4/2. – Zuschauer:
5963.
RN Löwen – Montpellier 27:29 (12:9)
Gensheimer 7/1, Tkaczyk 6, Cupic 4, Müller 4 –
Kavticnik 7, Accambray 6, Luka Karabatic 6. –
Zuschauer: 10292.
FC Barcelona – THW Kiel 27:25 (14:15)
Rutenka 6/2, Nagy 5, Noeddesbo 5 – Jicha 5,
Ilic 5/2, Fernandez 4. – Zuschauer: 5368.
Männer, Europapokal der Pokalsieger,
Halbfinale, Hinspiele
Gummersbach – Skopje 33:21 (19:10)
Zrnic 12/4, Pfahl 7/1, Putics 4, Wagner 4, Anic
4 – Sudzum 4, Markicevic 4. – Zuschauer:
1367.
Pamplona – Tremblay 27:23 (12:11)
Männer, EHF-Pokal,
Halbfinale, Hinspiele
TBV Lemgo – TV Großwallstadt 24:26 (13:15)
Göppingen – Ciudad Logroño 32:23 (13:14)
Frauen,
Vier-Länder-Turnier in Völklingen
Frankreich – Norwegen 22:18 (10:11),
Deutschland – Spanien 25:24 (12:14), Spanien
– Norwegen 20:37 (10:17), Deutschland –
Frankreich 25:25 (13:12), Frankreich – Spani-
en 25:22 (11:11), Deutschland – Norwegen
27:23 (15:13).
1 Frankreich 3 72:65 5:1
2 Deutschland 3 77:72 5:1
3 Norwegen 3 78:69 2:4
4 Spanien 3 66:87 0:6
Hockey
Männer, Euro Hockey League
in Bloemendaal/Niederlande
Achtelfinale: Beeston HC – Dinamo Kasan
2:0 (0:0), Club de Campo Madrid – Pembroke
Wanderers 11:0 (6:0), Wassenaar – Glenanne
HC 2:0 (1:0), Mannheimer HC – Atlétic Terrassa
3:4 n.P. (1:1,1:1,1:0), East Grinstead – Reading
3:5 (0:2), Oranje Zwart Eindhoven – RC Polo
Barcelona 4:3 n.P. (2:2,2:2,0:1), Bloemendaal
– Uhlenhorster HC 2:1 (0:0) Dragons Bras-
schaat – Rot-Weiß Köln 3:2 (1:1).
Viertelfinale: Atlétic Terrassa – Club de Cam-
po Madrid 1:3 n.P. (1:1,1:1,1:0), Beeston –
Wassenaar 3:4 (1:2), Dragons Brasschaat –
Reading 3:4 n.P. (2:2,2:2,1:1), Bloemendaal –
Oranje Zwart Eindhoven 1:3 n.P. (1:1,1:1,0:1).
Finalrunde am 11./12. Juni.
Frauen, Hockey-Club Champions Cup
in ’s-Hertogenbosch, Vorrunde
Gruppe A: HC ’s-Hertogenbosch – Royal Ant-
werpen 8:0, Royal Antwerpen – Leicester HC
1:3, Leicester HC – HC ’s-Hertogenbosch 1:3.
Tabelle: 1. HC ’s-Hertogenbosch 10, 2. Leice-
ster HC 6, 3. Royal Antwerpen 1.
Gruppe B: Berliner HC – Ritm Grodno/BLR
4:0, Ritm Grodno/BLR – CD Terrassa 2:3, CD
Terrassa – Berliner HC 0:7.
Tabelle: 1. Berliner HC 10, 2. CD Terrassa 5,
3. Ritm Grodno/BLR 1.
Gruppe C: Club de Campo Madrid – Wolga
Telekom 5:0, Wolga Telekom – Uhlenhorster
HC 1:3, Uhlenhorster HC – Club de Campo Ma-
drid 2:2.
Tabelle: 1. Club de Campo Madrid 7, 2. Uh-
lenhorster HC 7, 3. Wolga Telekom 1.
Gruppe D: Slough HC/ENG – Atasport Baku
2:0, Atasport Baku – Larensche HC/NED 0:2,
Larensche HC/NED – Slough HC/ENG 3:0.
Tabelle: 1. Larensche HC/NED 10, 2. Slough
HC/ENG 5, 3. Atasport Baku 2.
Wertung: Sieg=5 Pkt., Remis=2, Niederlage
bis -2 Tore=1.
Viertelfinale: Uhlenhorster HC – Larensche
HC 1:5, Leicester HC – Berliner HC 1:0, Club de
Campo Madrid – Slough HC 5:6 n.P. (2:2,2:2,
1:2), HC ’s-Hertogenbosch – CD Terrassa 10:0.
Finalrunde 11./12. Juni in ’s-Hertogenbosch.
Relegation: Wolga Telekom – Atasport Baku
2:5, Royal Antwerpen – Ritm Grodno/BLR 2:3.
– Vertreter Russlands und Belgiens Absteiger
zur Club Champions Trophy.
Judo
Europameisterschaft in Istanbul, Männer
bis 73 kg: 1. Pina (Portugal), 2. Kodsokow
(Russland), 3. Hasan (Türkei) und Jezek (Tsche-
chien), 5. Darbelet (Frankreich) und Scharinger
(Österreich); 9. Völk (Abensberg).
bis 81 kg: 1. Mammadli (Aserbaidschan), 2.
Toma (Moldau), 3. Magomedow (Russland) und
Bischof (Reutlingen); 9. Maresch (Berlin).
bis 90 kg: 1. Iliadis (Griechenland), 2. Denis-
sow (Russland), 3. Liparteliani (Georgien) und
Nyman (Schweden); 9. Lambert (Holle).
bis 100 kg: 1. Mekic (Bosnien), 2. Schorscho-
liani (Georgien), 3. Borodavko (Litauen) und Zire-
kidse (Georgien); 7. Pfeiffer (Karlsruhe); 9. Pe-
ters (Rotenburg).
über 100 kg: 1. Riner (Frankreich), 2. Bor (Un-
garn), 3. Padar (Estland) und Wojnarowicz (Po-
len); 9. Zimmermann (Potsdam).
Frauen
bis 63 kg: 1. Emane (Frankreich), 2. van Em-
den (Niederlande), 3. Zolnir (Slowenien) und
Drexler (Österreich); 17. Malzahn (Halle/Saale)
und Ahrens (Potsdam).
bis 70 kg: 1. Bosch (Niederlande), 2. Blanco
(Spanien), 3. Decosse (Frankreich) und Barbieri
(Italien), 5. Meszaros (Ungarn) und Sraka (Slowe-
nien), 7. Thiele (Leipzig); 9. Marzok (Berlin).
bis 78 kg: 1. Tcheumeo (Frankreich), 2. Lou-
ette (Frankreich), 3. Velensek (Slowenien) und
Malzahn, 5. Joo (Ungarn) und Matrosowa (Ukrai-
ne).
über 78 kg: 1. Iwaschtschenko (Russland), 2.
Mondiere (Frankreich), 3. Polavder (Slowenien)
und Dongusaschwili (Russland), 5. Sadkowska
(Polen) und Mathe (Frankreich), 7. Konitz (Ber-
lin).
Radsport
Lüttich-Bastogne-Lüttich (255,5 km)
1. Gilbert (Belgien) Omega Pharma-Lotto
6:13:18 Std., 2. Frank Schleck (Luxemburg) Le-
opard-Trek, 3. Andy Schleck (Luxemburg) Leo-
pard-Trek beide gleiche Zeit, 4. Kreuziger
(Tschechien) Astana + 24 Sek., 5. Uran (Kolum-
bien) Sky, 6. Sørensen (Dänemark) Saxo Bank
SunGard beide gleiche Zeit, 7. van Avermaet
(Belgien) BMC 27, 8. Nibali (Italien) Liquigas-
Cannondal 29, 9. Leukemanns (Belgien) Vacan-
soleil 39, 10. Sánchez (Spanien) Euskaltel-Eus-
kadi gleiche Zeit; 13. Martens (Maastricht/Nie-
derlande) Rabobank 43, 52. Martin (Kreuzlin-
gen/Schweiz) HTC-Highroad 7:16 Min., 105.
Wegmann (Freiburg) Leopard Trek 13:32, 113.
Fröhlinger (Freiburg) Skil - Shimano 13:32, Vo-
igt (Berlin) Leopard Trek, Knees (Euskirchen)
Sky, Nerz (Wangen/Allgäu) Liquigas-Cannonda-
le und Geschke (Berlin) Skil - Shimano alle aus-
geschieden.
Tennis
Männer, ATP-Turnier in Barcelona
(1,995 Mio. Euro/Sand)
Viertelfinale: Nadal (Spanien/1) – Monfils
(Frankreich/7) 6:2, 6:2, Dodig (Kroatien) – Lo-
pez (Spanien) 6:4, 2:6, 6:4, Ferrer (Spanien/4)
– Melzer (Österreich/6) 6:3, 6:3, Almagro (Spa-
nien/8) – Ferrero (Spanien) 6:3, 6:3.
Halbfinale: Nadal – Dodig 6:3, 6:2, Ferrer –
Almagro 6:3, 6:4.
Finale: Nadal – Ferrer 6:2, 6:4.
Männer, ATP-Turnier in München
(450 000 Euro/Sand)
1. Runde: Juschni (Russland/1) – Bachinger
(Dachau) 7:5, 6:2, Stachowski (Ukraine/6) – Is-
tomin (Usbekistan) 5:1 Aufgabe, Baghdatis (Zy-
pern/4) – Benneteau (Frankreich) 7:6 (2), 6:3,
Zeballos (Argentinien) – Kendrick (USA) 6:4,
6:4.
Frauen, WTA-Turnier in Stuttgart
(721 000 Dollar/Sand)
Halbfinale: Wozniacki (Dänemark/1) – Rad-
wanska (Polen) 7:5, 6:3, Görges (Bad Oldesloe)
– Stosur (Australien/5) 6:4, 3:6, 7:5.
Finale: Görges – Wozniacki 7:6 (3), 6:3.
Frauen, WTA-Turnier in Fès/Marokko
(220 000 Dollar/Sand)
Viertelfinale: Flipkens (Belgien) – Lalami (Ma-
rokko) 6:0, 6:1, Halep (Rumänien/7) – Arn (Un-
garn) 6:2, 6:1, Brianti (Italien) – Oudin (USA)
7:5, 5:7, 6:0, Safina (Russland) – Piwowarowa
(Russland) 6:4, 2:6, 6:4.
Halbfinale: Halep – Flipkens 7:5, 6:4, Brianti
– Safina kampflos.
Finale: Brianti – Halep 6:4, 6:3.
Tischtennis
Männer, Meisterschaftsrunde,
Halbfinale, Rückspiele
Saarbrücken – *Liebherr Ochsenhausen 1:3.
– Hinspiel: 3:2. – *Borussia Düsseldorf – TTC
Zugbrücke Grenzau 3:1. – Hinspiel 2:3. * im Fi-
nale (Hinspiel 20.-22. Mai in Biberach, Rück-
spiel vom 3.-5. Juni in Düsseldorf).
Frauen, Bundesliga
TTC Berlin – Essen-Holsterhausen 6:1
Schwabhausen – FSV Kroppach 1:6
Hassia Bingen – TTK Anröchte 6:0
Essen-Holsterhausen – MTV Tostedt 2:6
FSV Kroppach – TTC Berlin eastside 6:3
SV Böblingen – Schwabhausen 6:3
Saarlouis-Fraulautern – TTK Anröchte 6:1
1 FSV Kroppach 16 96:31 32:0
2 TTC Berlin eastside 16 85:48 24:8
3 Hassia Bingen 16 80:49 24:8
4 SV Böblingen 16 71:67 18:14
5 MTV Tostedt 16 65:72 14:18
6 Saarlouis-Fraulautern 16 71:70 12:20
7 Schwabhausen 16 50:85 9:23
8 Essen-Holsterhausen 16 48:84 7:25
9 TTK Anröchte 16 32:92 4:28
Volleyball
Männer, Bundesliga,
Meisterschaftsrunde,
Playoff-Halbfinale (Best of 3), 2. Spieltag
*SCC Berlin – Generali Haching 3:0
(25:18,25:22,25:13). – Endstand: 2:0, evivo
Düren – *Friedrichshafen 1:3 (22:25,22:25,
25:19,14:25). – Endstand: 0:2. * im Finale
Playoff (Best of 5), Finale, 1. Spieltag: Sams-
tag, 30.04.2011: Friedrichshafen – SCC Berlin
20 Uhr. – Weitere Spieltage: 4., 7., 11. 14. Mai.
Abstiegsrunde, 3. Spieltag
CV Mitteldeutschland – VC Gotha 0:3
(22:25,21:25,26:28), Titans Berg. Land – TV
Bühl 0:3 (22:25,20:25,19:25).
Tabelle: 1. VC Gotha 20:34, 2. CV Mittel-
deutschland 20:34, 3. TV Bühl 18:36, 4. Titans
Berg. Land 12:42.
Modus: 3. und 4. Absteiger in die 2. Liga.
Frauen, Bundesliga, 28. Spieltag
SV Sinsheim – VCO Berlin 3:1
(20:25,25:13,25:22,25:19). – außerdem: USC
Münster – Schweriner SC, Köpenicker SC –
Dresdner SC, VfB Suhl – Allgäu Sonthofen VT
Aurubis Hamburg – Alemannia Aachen, Rote Ra-
ben Vilsbiburg – SC Potsdam, 1. VC Wiesbaden
– Allianz Stuttgart.
Tabelle: 1. Dresdner SC 44:6, 2. Rote Raben
Vilsbiburg 40:12, 3. Schweriner SC 36:12, 4. Al-
lianz Stuttgart 36:14, 5. VC Wiesbaden 34:16,
6. VfB Suhl 32:18, 7. VT Aurubis Hamburg
30:20, 8. USC Münster 30:20, 9. Alemannia Aa-
chen 26:24, 10. SC Potsdam 18:32, 11. Köpeni-
cker SC 16:34, 12. SV Sinsheim 16:34, 13.
SWE Erfurt 12:40, 14. Allgäu Sonthofen 8:42,
15. VCO Berlin 0:54.
16. Veranstaltung
1 Eintracht Frankfurt – B. München 1:1 0
2 Bor. M’gladbach – Bor. Dortmund 1:0 1
3 B. Leverkusen – 1899 Hoffenheim 2:1 1
4 Schalke 04 – 1. FC Kaiserslautern 0:1 2
5 VfB Stuttgart – Hamburger SV 3:0 1
6 FC St. Pauli – Werder Bremen 1:3 2
7 VfL Wolfsburg – 1. FC Köln 4:1 1
8 1. FC Nürnberg – 1. FSV Mainz 05 0:0 0
9 FC Augsburg – Alemannia Aachen 1:2 2
10 Fort. Düsseldorf – Arminia Bielefeld 2:0 1
11 FC Union Berlin – FC Ingolstadt 04 1:1 0
12 Bolton Wanderers – Arsenal London 2:1 1
13 Chelsea London – West Ham United3:0 1
(Ohne Gewähr)
Der Toto-Tipp
Fußball in Zahlen Aktuelles in Zahlen
Der Belgier Philippe Gilbert, 28, vom Team Omega Pharma Lotto hat am Sonntag nicht einfach nur den Rad-Klassiker Lüttich-Bastogne-
Lüttich gewonnen. Sondern, nach eigener Aussage, „den sportlich schönsten Tag“ seines Lebens geschenkt bekommen. Er ist jetzt nämlich der
zweite Radprofi nach Davide Rebellin, der den sogenannten „Ardennen-Grand-Slam“ erringen konnte: also drei Klassiker-Triumphe in Serie,
beim Amstel Gold Race, beim Fleche Wallonne und schließlich beim ältesten noch ausgetragenen Eintagesrennen in Lüttich. Philippe Gilbert
siegte nach 255,5 Kilometern in 6:13:18 Stunden vor demLuxemburger Andy Schleck und dessen Bruder Frank. Gilbert ist kaum30 Kilometer
vomZiel entfernt in Verviers geboren, jetzt ist er der, wenn auch ungekrönte, „König der Ardennen“. Der ehemalige Gerolsteiner-Profi Rebellin
ist indes ein fragwürdiges Vorbild; er wurde später als Doper entlarvt. Foto: dpa
Seite 30 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 HF2 Dienstag, 26. April 2011
SPORT
Moskau (sid/dpa) – WM statt Urlaub:
Normalerweise legen Aljona Savchenko
und Robin Szolkowy Ende April die
Füße hoch – ohne Schlittschuhe. Doch
wegen der Katastrophe im Kernkraft-
werk in Fukushima ist in diesem Jahr
auch für Eiskunstläufer vieles anders.
Tokio musste die Welttitelkämpfe zu-
rückgeben, kurzfristig sprang Moskau
ein, wenn auch mit vierwöchiger Ver-
spätung. Den Paarlauf-Europameistern,
die in der russischen Metropole ihren
dritten WM-Titel anstreben, brachte das
einige Motivationsprobleme ein. „Zeit-
weise war es so, als hätte jemanddenSte-
cker gezogen“, sagt Trainer Ingo Steuer.
Überbrückt haben Savchenko/Szolkowy
die Wartezeit mit einigen Show-Auftrit-
ten. „Man tut sich vomKopf her ein biss-
chen schwer“, sagt Robin Szolkowy, 31.
Die längere Saison barg für die Chem-
nitzer auch logistische Probleme. In der
Halle amKüchwald, inder sie trainieren,
gibt es eigentlich nur bis Ende März
Kunsteis. Den Winter bis Ostern zu ver-
längern, kostete 40 000 Euro, die sich das
Bundesinnenministerium, die Stadt
Chemnitz und das sächsische Kultus-
ministerium teilten.
In dieser Saison sind Savchenko und
Szolkowy noch ungeschlagen. Die WM-
Titelverteidiger Pang Qing und Tong
Jian aus China bezwangen sie beim
Grand-Prix-Finale überzeugend. Ihren
ersten Auftritt in Moskau haben Sav-
chenko und Szolkowy am Mittwoch. Im
Kurzprogrammtreffen sie dann erstmals
auf ein neu zusammengestelltes Duo aus
Russland, das als aussichtsreich gilt: Die
ehemalige ukrainische Läuferin Tatjana
Wolososchar, die lange bei Steuer trai-
nierte, startet nach einer einjährigen
Sperre nun mit Maxim Trankow, 27. Für
die beiden ist es der erste internationale
Wettkampf. „Die machen das schon ganz
gut“, weiß Steuer. An der Zielsetzung für
sein Paar ändert das aber nichts: „Wir
wollen gewinnen“, sagt Steuer.
Geht der Plan auf, könnten die Sach-
sen einen Titel mehr sammeln als Marika
Kilius und Hans-Jürgen Bäumler, die
ihren WM-Titel 1964 nur einmal vertei-
digten. Dafür wollen Savchenko und
Szolkowy weniger Risiko eingehen: Statt
des oft wackligen dreifachen Salchows
hat Steuer empfohlen, den Doppel-Axel
ins Programm zu nehmen. Am Tag nach
der WMwerdendie drei dannnachSt. Pe-
tersburg reisen, umsichdort aneiner Eis-
gala zugunsten der Erdbebenopfer in
Japan zu beteiligen. „Das unterstützen
wir natürlich“, so Steuer.
Die WM findet in der Megasport-
Arena in Moskau statt. Die Veranstal-
tung so kurzfristig zu organisieren, war
für den Eislauf-Weltverband ISU eine
große Herausforderung. ISU-Sportdirek-
tor Peter Krick sagt: „Es geht jetzt nur
umdie reinen Fakten, dass alles funktio-
niert und passt. Man macht einfach nach
einer Prioritätenliste das, was notwen-
dig ist. Das Wichtigste ist, dass die Leute
dahin kommen, wo sie hinwollen und
dass sie einBett habenunddass es irgend-
wann auch mal was zu essen gibt.“
Neben Aljona Savchenko und Robin
Szolkowy sind für die Deutsche Eislauf-
Union in den Einzel-Wettbewerben
Peter Liebers, 23, und Sarah Hecken, 17,
am Start. Eine Top-Ten-Platzierung
dürfte für sie aber ebenso schwer werden
wie für die Eistänzer Nelli Ziganschina
und Alexander Gazsi sowie die Paar-
läufer Maylin Hausch und Daniel Wen-
de, die alle in Oberstdorf trainieren.
International viel Beachtung dürfte
Olympiasiegerin Kim Yu-Na finden, die
sich in diesem Winter rar gemacht hat.
Berlin (dpa) – ImKampf umdie deutsche
Volleyball-Meisterschaft muss Titelver-
teidiger VfB Friedrichshafen gegen den
SCCBerlinantreten. „Wennwir anunse-
re Leistungen in den letzten beiden Spie-
len anknüpfen können, ist auch im Fina-
le alles möglich“, sagte Berlins Kapitän
Jaroslav Skach nach dem Erfolg gegen
Haching. Vor 3570 Zuschauern machte
der SCCamSamstag in eigener Halle mit
einem 3:0 nach nur 71 Minuten das Wei-
terkommen perfekt. Die erste Partie hat-
te der Verein aus dem Stadtteil Charlot-
tenburg 3:1 für sich entschieden.
Zum Auftakt der Finalserie hat Fried-
richshafen, das die Hauptrunde als Ers-
ter abgeschlossen hatte, am kommenden
Samstag Heimrecht. Am4. Mai treten die
Berliner, die ihren letzten von bislang
drei nationalen Meistertiteln 2004 hol-
ten, vor eigener Kulisse an. „Wir haben
darauf hingearbeitet, dass die Mann-
schaft in den Playoffs ihr Bestes zeigen
kann“, sagte Trainer Mark Lebedew:
„Ein erstes Saisonziel haben wir er-
reicht, aber der Weg ist noch nicht zu
Ende. Vielleicht sogar erst am 14. Mai.“
Das wäre der Termin für das letzte der
möglichen fünf Finalspiele. Friedrichs-
hafen, das seit 2005 sechs seiner insge-
samt elf Meistertitel in Serie holte, setzte
sichgegenDürenebenfalls inzwei Begeg-
nungendurch. Demglatten3:0 vor heimi-
scher Kulisse ließ der Titelverteidiger
von Trainer Stelian Moculescu einen
3:1-Auswärtssieg folgen.
Barcelona (dpa) – Mit gemischten Ge-
fühlen traten die Handballer des THW
Kiel ihre Rückreise aus Barcelona an.
Einerseits lässt dem Titelverteidiger die
25:27 (15:14)-Niederlage im Hinspiel des
Champions-League-Viertelfinales beim
FC Barcelona noch alle Chancen, an-
dererseits hat Barcelona schon öfter be-
wiesen, dass es auch auswärts punkten
kann. „Es ist immer noch alles offen, wir
können Barcelona mit drei Toren Unter-
schied schlagen. Für das Rückspiel am
Sonntag in Kiel ist also ein Handball-
Krimi zu erwarten“, sagte THW-Coach
Alfred Gislason.
Mit jeweils fünf Treffern waren Filip
Jicha und Momir Ilic die besten Kieler
Torschützen im Palau Blaugrana, der
mit 5300 Zuschauern nicht voll besetzt
war. Bester Kieler Akteur war Torhüter
Thierry Omeyer. Der Franzose, der sein
Formtief überwunden hat, parierte ins-
gesamt 15 Würfe und hielt die Nieder-
lage im Rahmen. Speziell in der ersten
Halbzeit funktionierte das 6:0-Abwehr-
systemnahezu perfekt. „Das Zusammen-
spiel zwischen Abwehr und Torhüter hat
in den ersten 30 Minuten sehr gut ge-
klappt“, lobte Gislason. AmEnde des ers-
ten Abschnitts hätten die Kieler schon
die Weichen auf das Final Four Ende Mai
in Köln stellen können. Doch nach dem
11:15 (27. Minute) durch Fernandez leis-
teten sich die Schwarz-Weißen eine
zwölfminütige Torflaute.
Mühe mit der Abwehr
„Ich habe mich schwarz geärgert, dass
wir nicht mit einem höheren Vorsprung
in die Kabine gegangen sind“, meinte
Gislason nach der Partie. Die Gäste
hatten große Mühe, sich auf das neue
5:1-Abwehrsystemeinzustellen, mit dem
der FC Barcelona nach der Pause auf-
wartete. „Wir habendannunserenRhyth-
mus ein wenig verloren und einfach zu
langsamgespielt“, analysierte CoachGis-
lason. Insgesamt leistete sich der THW
zu viele technische Fehler (zehn) und
auch zu viele Fehlversuche. Daniel Nar-
cisse riss zwar zunächst Lücken für seine
Mitspieler, leistete sich im Abschluss
aber wie Linkshänder Christian Zeitz zu
viele Fehlversuche. Auch Linksaußen
Dominik Klein hatte mit drei Fehlwür-
fen eine hohe Fehlerquote. Entsprechend
frustriert zeigte er sich nach der Partie:
Zwei Sekunden vor Schluss hatte er noch
einmal verkürzt, doch am Ende warf er
wütend sein Schweißband über das Feld.
Mannheim – Die Enttäuschung hatte ein
Gesicht, und es war zweifelsohne das des
Trainers. An guten Tagen sieht es ja so
aus, als läge stets ein feines Lächeln auf
demAntlitz vonGudmundur Gudmunds-
son, und die Äuglein funkeln dann voller
List und Fröhlichkeit hinter der schma-
lenBrille hervor. AmSonntagabend aber
war davon nichts zu sehen. Kein Lä-
cheln. Kein Funkeln. Der Trainer der
Rhein-Neckar Löwen sah in diesem
Moment nur nochsehr müde aus, sehr ab-
gekämpft, undsehr enttäuscht. „Wir hat-
ten uns heute mehr vorgenommen“,
sprach er schließlich den unvermeidli-
chen, zu seinemGesicht passenden Satz.
Mehr vorgenommen, als diese
27:29-Heimniederlage gegen Montpel-
lier AHB im Viertelfinal-Hinspiel der
Handball-Champions-League, sollte das
heißen. Wahrscheinlich sogar: viel mehr.
Die Chancen, gegen die Mannschaft des
einstigen Welthandballers Nikola Kara-
batic ins Final Four der europäischen
Königsklasse einzuziehen, schienen im
Vorfeld blendend zu sein. In der Bundes-
liga hatten die Handballer aus Mann-
heim zuletzt drei Galaauftritte in Serie
abgeliefert unddabei sogar beimRekord-
meister THWKiel gewonnen, zumersten
Mal im zehnten Anlauf. Gegen die Fran-
zosenwar vondieser Ausnahme-Formin-
des nichts zusehen. Vor alleminder zwei-
ten Halbzeit – die erste hatten die Löwen
noch 12:9 für sich entschieden – ging
ihnender Fadenvöllig verloren. „13 tech-
nische Fehler“ hatte Gudmundsson am
Ende der Partie zusammenaddiert. Fast
trotzig klang es, als er feststellte: „An der
Konzentration hat es nicht gelegen.“
Vielleicht war es die Nervosität, die
den Mannheimer Nationalspieler Uwe
Gensheimer und seine Kollegen imzwei-
ten Durchgang ungewöhnlich viele Feh-
ler produzieren ließ. Schließlich spielte
die Mannschaft am Sonntag immerhin
um den größten Erfolg ihrer Vereins-
geschichte, die Teilnahme am Champi-
ons-League-Halbfinale. Was diese für
den Verein bedeuten würde, hatte Trai-
ner Gudmundsson, schon vor dem Spiel
angedeutet: „eine neue Dimension“.
Von der sind die Löwen nunwieder ein
schweres Auswärtsspiel weit entfernt.
Gelingt ihnennächstenSamstag inMont-
pellier nicht noch die Kehrtwende, dürf-
te sich auch die Sache mit der neuen
Dimension fürs Erste erledigt haben.
Denn die Löwen stehen nach dieser Sai-
son vor einem Umbruch der besonders
einschneidenden Art, sportlich wie wirt-
schaftlich. Im schlimmsten Fall könnten
sieben Leistungsträger den Klub verlas-
sen, eine ganze Mannschaft voller Welt-
klasse also. So einen Umbruch nennt
man anderswo vermutlich: Problem.
Dass im Verein und drumherum jetzt
jede Menge Aufregung herrscht, versteht
sich von selbst, zumal der Mannheimer
Umbruch weitgehend hausgemacht ist.
Und einen Namen trägt: Jesper Nielsen.
Der Däne, millionenschwerer Schmuck-
händler, ist seit drei Jahren nicht nur
Hauptsponsor, sondern auch Aufsichts-
ratsvorsitzender der Löwen. Er ist de
facto der mächtigste Mann im Verein.
Das Problem ist, dass er in ähnlicher
Funktion auch beim dänischen Spitzen-
klub AG Kopenhagen agiert, seinem
Heimatverein. Dorthin, so plant es Niel-
sen, soll einTeil des Löwen-Rudels trans-
feriert werden. Olafur Stefansson, Kopf
der Mannschaft, und Kapitän Gudjon
Valur Sigurdssonhabenbereits inKopen-
hagen unterschrieben, Ähnliches wird in
Bälde von Karol Bielecki, Robert Gun-
narsson und Krzystof Lijewski erwartet.
Ein richtiger Verschiebebahnhof für
Handballer könnte das werden. Die Euro-
päische Handball-Föderation (EHF) hat
das Vorhaben bereits zu Konsequenzen
veranlasst: Künftig müssen alle Vereine,
die amEuropapokal teilnehmen, schrift-
lich bestätigen, dass es bei ihnen keine
Einflussnahme durcheinenBesitzer oder
Hauptsponsor eines anderen Klubs gibt.
In der Gegenwart hilft diese Lex
NielsendenRhein-Neckar-Löwen (RNL)
aber nur bedingt weiter. Der Däne hat in-
zwischen versprochen, sich „künftig
nicht mehr indensportlichenBereichein-
zumischen“, seinen Posten als Aufsichts-
ratsvorsitzender des Klubs gibt er am
1. Juli ab. Welche Einbußen am bis dato
prall gefüllten Löwen-Etat sich daraus
allerdings ergeben, ist derzeit noch nicht
absehbar. Der Kontrakt mit Nielsens
Firma Pandora läuft bis Ende der nächs-
tenSaison, Nielsen selbst ist bis 2015 ver-
traglich an die Löwen gebunden. Bis auf
weiteres geht RNL-Manager Thorsten
Storm davon aus, dass der Däne sich an
diese Vereinbarungen hält. Storm
spricht allerdings auch von einem „Sin-
neswandel“, der einsetzen müsse.
„Wir müssen noch intelligenter haus-
halten, weil wir weniger Geld zu Verfü-
gung haben“, blickt er in die Zukunft. Ob
es sich die Löwen in dieser leisten kön-
nen, jede Position doppelt mit Welt-
klasse zu besetzen, sei derzeit zumindest
offen. Immerhin verspricht Storm, „wie
ein Löwe“ dafür zu kämpfen, „dass wir
nächste Saison dort weitermachen kön-
nen, wo wir derzeit sind“. Also endlich
auf Augenhöhe mit den Besten, kurz vor
neuen Dimensionen. Ob das gelingt?
„Das weiß ich nicht“, sagt Storm, „das
werden wir erleben“. Frank Ketterer
Chicago (sid) – Christian Ehrhoff und die
Vancouver Canucks haben in der nord-
amerikanischen Eishockey-Profiliga
NHL auch ihren dritten Matchball ver-
geben. Das beste Team der Vorrunde
unterlag bei den Chicago Blackhawks
3:4 nach Verlängerung und musste durch
die dritte Niederlage in Serie gegen den
Titelverteidiger den 3:3-Ausgleich in der
Best-of-seven-Serie hinnehmen. Keinen
guten Tag erwischte Christian Ehrhoff.
Der Verteidiger stand zwar beim 2:1
seiner Canucks auf dem Eis, allerdings
auch bei drei Gegentreffern. So auch bei
Chicagos Siegtor durch Ben Smith in der
16. Minute der Verlängerung. Das ent-
scheidende siebte Spiel findet am Diens-
tag in Vancouver statt.
Auch den Buffalo Sabres steht eine
siebte Partie bevor. In eigener Halle un-
terlag die Mannschaft des verletzten
deutschen Nationalspielers Jochen
Hecht den Philadelphia Flyers 4:5 nach
Verlängerung und musste den 3:3-Aus-
gleich hinnehmen. Dabei gab Buffalo
eine 3:1-Führung nach dem ersten
Drittel noch aus der Hand. Der Mann-
heimer Jochen Hecht steht den Sabres
wegendenFolgeneiner Gehirnerschütte-
rung weiter nicht zur Verfügung. Dage-
genhabendie Nashille Predators als drit-
tes Team nach den Detroit Red Wings
und den Washington Capitals das Play-
off-Viertelfinale erreicht. Das Team des
verletzten Marcel Goc besiegte Anaheim
4:2 und setzte sich in der Serie 4:2 durch.
Friedrichshafen im Volleyball-Finale
Diesmal gegen Berlin
Mittwoch
ab 11.30 Uhr: Männer Kurzprogramm
ab 17.30 Uhr: Paarlauf Kurzprogramm
Donnerstag
ab 11.00 Uhr: Männer Kür
ab 16.00 Uhr: Paarlauf Kür
Freitag
ab 11.30 Uhr: Frauen Kurzprogramm
ab 16.30 Uhr: Eistanz Kurztanz
Samstag
ab 11.30 Uhr: Frauen Kür
ab 16.30 Uhr: Eistanz Kür
Extra lange Saison: Aljona Sav-
chenko und Robin Szolkowy
beim Üben. Foto: dapd
Keine Lust, kein Eis
Die späte und nach Moskau verlegte WM hat Aljona Savchenko und Robin Szolkowy einige Probleme beschert
Daheim will Kiel Barcelona ärgern
„Können hoch
genug gewinnen“
Jesper Nielsens
Verschiebebahnhof
Ein Sponsor entkernt seinen Klub: Die besten Spieler
der Rhein-Neckar-Löwen wechseln nach Kopenhagen
Ehrhoff und Vancouver bangen
Siebtes Playoff-Spiel
Das mit der Augenhöhe haben sie sich anders vorgestellt: Im Champions-League-Viertelfinale gegen Montpellier
bestaunt Mannheims Bjarte Myrhol (rechts) die Sprungkraft von Nikola Karabatic. Foto: dpa
Dienstag, 26. April 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 31
SPORT
Die Entscheidungen
Zeitplan der WM in Moskau
Sogar Kiel hatten sie besiegt.
Dann kam der Rückschlag in
der Champions League.
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München – Der Chef der bayerischen
Landtags-FDP Thomas Hacker will die
Runderneuerungder Liberalen. Dazuge-
höre der Rückzug von Wirtschaftsminis-
ter Rainer Brüderle und ein Posten als
Parteivize für die bayerische Landesvor-
sitzende Sabine Leutheusser-Schnarren-
berger. In einemdpa-Gespräch legte Ha-
cker Brüderle erneut den Rückzug nahe –
sowohl als Partei-Vize als auch als Bun-
deswirtschaftsminister.
„Ich erwarte, dass der Parteitag die
Führungsspitze komplett neu aufstellt“,
betonte Hacker. Mit dem Wechsel an der
Spitze von Guido Westerwelle zu Philipp
Rösler sei es nicht getan. Das reiche nicht
aus, um die FDP glaubwürdig bis zur
Bundestagswahl 2013 zu führen. „Meine
Einschätzung ist nach wie vor, dass der
künftige Bundesvorsitzende sich in ei-
nem anderen Amt als seinem jetzigen als
Bundesgesundheitsminister deutlichbes-
ser entfalten könnte“, sagte Hacker.
„Auch zum Vorteil für die Zukunft der
FDP.“ Eine Möglichkeit wäre das Bun-
deswirtschaftsministerium.
Hacker betonte, die FDP brauche ein
neues Team um Philipp Rösler. „Unsere
bayerische Landesvorsitzende ist eine
der profiliertesten Bürgerrechtspolitike-
rinnen. Glaubwürdigkeit ist ihr Marken-
zeichen“, sagte er. Bürgerrechtspolitik
müsse wieder stärker ins Zentrum rü-
cken. In der öffentlichen Wahrnehmung
seien die Wirtschaftspolitik und der Ruf
nach Steuersenkungen zu stark in den
Vordergrund getreten.
Auf die schwarz-gelbe Koalition in
Bayern lässt Hacker nichts kommen:
„Wir arbeiten gut zusammen.“ Aller-
dings gebe es „gelegentlich kleine Schar-
mützel“. Er zielte damit auf Warnungen
von CSU-Chef Horst Seehofer vor einer
„Infektionsgefahr“ der Union durch die
FDP-Schwäche. dpa
Ingolstadt – Der Autohersteller Audi will
seine Belegschaft in den nächsten neun
Jahren weltweit um 20 Prozent aufsto-
cken und auch den bayerischen Standort
Ingolstadt personell verstärken. „Unser
Wachstumgeht HandinHandmit zusätz-
lichenKapazitäten, ProduktenundMen-
schen. Im vergangenen Jahr haben wir
weltweit 58 000 Menschen beschäftigt.
Bis Ende des Jahrzehnts dürften es
70 000 Beschäftigte sein“, sagte Audi-
Chef Rupert Stadler der Fachzeitschrift
Automotive News Europe. Allein in die-
sem Jahr stellt Audi laut Stadler
1200 neue Mitarbeiter ein, übernimmt
200 Leiharbeiter und bietet zusätzlich
mehr als 700 Auszubildenden ein Lehr-
verhältnis. In Ingolstadt arbeiten knapp
33 000 Menschenfür Audi, amnächstgrö-
ßeren Standort Neckarsulm in Baden-
Württemberg sind es 13 700. Dort wur-
den in den ersten Monaten 2011 bereits
100 Leiharbeiter übernommen. Nach der
Wirtschaftskrise ist Audi wieder durch-
gestartet. Das WerkIngolstadt produzier-
te 2010 mit 553 010 Autos die bisher
höchste Stückzahl (plus 7,5 Prozent), Ne-
ckarsulm legte mit einem Plus von
21,7 Prozent auf 216 322 Autos zu.
Nach Angaben eines Audi-Sprechers
kommt die Personalaufstockung vor al-
lem dem Standort Ingolstadt zugute. So
würden dort rund 800 neue Techniker
und Ingenieure eingestellt und 200 der
derzeit beschäftigten 300 Leiharbeiter in
feste Arbeitsverhältnisse übernommen.
Auch rund zwei Drittel der von Audi-
Chef Stadler genannten 700 Azubis wür-
den am Standort Ingolstadt übernom-
men. „Ingolstadt wird von den Ausbau-
plänen spürbar profitieren“, sagte der
für die Standorte zuständige Audi-Spre-
cher Joachim Cordshagen.
Vor allemplant Audi aber den Ausbau
des Werks Györ an der Donau in Ungarn,
wo derzeit rund 5600 Mitarbeiter be-
schäftigt sind und in erster Linie Moto-
renfertigen. Zudemgibt es nochdengro-
ßenStandort ChangchuninChina mit et-
wa 6400 Leuten. Bis 2015 will Audi die
Entscheidung treffen, ob es auch in den
USA eine Produktionsstätte geben soll.
„Und sollten wir uns für eine Fertigung
in den USA entscheiden, könnten noch
mal 1000 bis 2000 Mitarbeiter oben dar-
auf kommen“, sagte Stadler. Der globale
Absatz soll dieses Jahr auf etwa 1,2 Milli-
onen Einheiten steigen, bis 2015 auf
1,5 Millionen. „Wer Audi kennt, der
weiß, dass wir andieser Marke nicht halt-
machen wollen. Zumal wir noch Wachs-
tumspotenzial in Märkten wie China,
Russland, Indien, Südamerika, aber
auch den USA sehen“, so Stadler. rabe
Kaum ein anderes Projekt wird so sehr von
Rückschlägen begleitet wie der Aufbau des
Digitalfunknetzes in Deutschland. Seit
mehr als 15 Jahren laufen die Planungen,
fast ebenso lange währt der Streit umKom-
petenzen und Geld. Eigentlich hätten Poli-
zei und Rettungskräfte schon zur Fußball-
Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland auf
die neue Technik umsteigen sollen, die ei-
ne bessere Sprachqualität verspricht und
zudem einen höheren Datenaustausch so-
wie sicherere Verbindungen erlaubt. Mittler-
weile nennt die Bundesanstalt für den Digi-
talfunk 2014 als neues Datum – wenn denn
bis dahin alle Schwierigkeiten aus dem
Weg geräumt sind. In Bayern leisten noch
etwa 50 Gemeinden Widerstand gegen
Sendemasten, die bei ihnen aufgestellt wer-
den sollen. Die Kosten sind längst aus dem
Ruder gelaufen. Bayern hat die geschätz-
ten Kosten nach oben korrigiert: von 780
auf 920 Millionen Euro.
Nürnberg – Mehrere tausend Menschen
haben am Ostermontag in Bayern für
FriedenundAbrüstungdemonstriert. Al-
lein in Nürnberg beteiligten sich daran
nach Veranstalterangaben schon amfrü-
hen Nachmittag rund 600 Friedensakti-
visten. Vor der Lorenzkirche fand eine
Abschlusskundgebung statt. Dort ver-
sammelten sich auch Ostermarschierer
aus Fürth, die amVormittag inihrer Hei-
matstadt gegen weltweite Kriegseinsätze
der Bundeswehr protestiert hatten. dpa
Nürnberg – Zwei Tage nach dem gewalt-
samen Tod einer 76 Jahre alten Ge-
schäftsfrau in Nürnberg hat die Polizei
weiter keine Ergebnisse zu Täter, Tat-
hergang und Motiv. Bislang seien kaum
Hinweise aus der Bevölkerung eingegan-
gen, sagte ein Polizeisprecher in Nürn-
berg. Über Details sowie die genaue
Todesursache der Inhaberin eines Lotto-
Geschäftes, die laut Obduktion erwürgt
oder erdrosselt wurde, machte die Polizei
aus ermittlungstaktischen Gründen kei-
ne Angaben. dpa
Hacker gegen
Brüderle
Bayerischer FDP-Fraktionschef will
Runderneuerung der Liberalen
Feldkirchen – Eine Party amHeimstette-
ner See im Münchner Osten endete am
Samstagabend mit einem schrecklichen
Unfall. Ein 17-Jähriger aus dem Land-
kreis Ebersberg starb gegen Mitternacht
an einem Stromschlag. Er war mit etwa
15 anderen Jugendlichen auf dem Weg
zur S-Bahn Feldkirchen. Als sie über die
Bahngleise gingen, kletterte der 17-Jähri-
ge auf einen dort abgestellten Kesselwa-
gen. Dabei kamer mit der 15 000Volt füh-
renden Stromleitung in Kontakt und
ging in Flammen auf. Die Begleiter des
Verunglückten reagierten panisch. Die
Jugendlichen sollen nach Polizeianga-
ben teils betrunken gewesen sein. beitz
Von Claudia Henzler
M
an wäre ja gerne dabei gewesen in
jenen Sommertagen 1972, bevor
aus den heiteren so tragische Spiele wur-
den. In jener Zeit, in der sich das moder-
ne Deutschland erfundenhat, nicht mehr
bombastisch, sondern leicht und freund-
lich. Oder man würde doch gerne eine
Zeitreise dorthin unternehmen. Leider
ist der Olympiapark bisher der falsche
Ort, umden Geist von 1972 aufzuspüren.
Die Olympiaparkgesellschaft sahdas his-
torische Erbe bisher vor allem als riesige
Fläche, ständig von Ödnis bedroht, und
als Kostenfaktor. Sie wollte einen leben-
digen, keinen historischen Ort.
Es kommt immer wieder vor, dass
Städte allzu pragmatisch mit ihrer Ver-
gangenheit umgehen, weil sie nicht senti-
mental sein wollen, sondern nach vorne
schauen. Später ärgert man sich dann,
den ganzen historischen Schutt wegge-
schafft und durch schicke Neubauten er-
setzt zu haben. Die Reparatur kann dann
mühsam werden, etwa in Berlin, wo
Dank großflächiger Vergangenheitsbe-
wältigungdennachfolgendenGeneratio-
nen erst erklärt werden muss, wo eigent-
lich die Mauer verlief, die Deutschland
teilte.
In München ist es noch nicht zu spät.
Dort gibt es die Chance, einfür viele Men-
schenprägendes StückGeschichte erleb-
bar zu machen. Das Olympiagelände ist
noch fast original erhalten, durch kleine
Veränderungen kann es wieder dem Er-
scheinungsbildvon1972angenähert wer-
den. Schön wäre, wennes danndort auch
einen Ort gäbe, an dem sich Besucher
über die wegweisendenIdeender Olympi-
schen Spiele in München informieren
könnten. Denn lebendig und historisch
schließen sich nicht aus. Es besteht keine
Gefahr, dass das nur vier Kilometer vom
Marienplatz entfernte Gelände verwai-
sen könnte. Die Münchner haben es
längst als Erholungspark erobert. Des-
halbkannsichdie Stadt trauen, das histo-
rische Erbe selbstbewusst zu zeigen.
Friedensaktivisten
ziehen durch Nürnberg
Polizei sucht Mörder
einer Geschäftsfrau
Kommentar
Schwangau – Ein 30 Jahre alter Gleit-
schirmflieger aus Hessen ist am Oster-
samstag am Tegelberg im Ostallgäu aus
rund 100 Metern Höhe tödlich abge-
stürzt. Nach Polizeiangaben hatte sich
seinSchirminder Luft aneiner Seite ein-
geklappt. Er sei ohne Auslösenseines Ret-
tungsschirms in einem felsdurchsetzten
Steilgelände aufgeschlagen. Wiederbele-
bungsversuche blieben erfolglos. dpa
Von Mike Szymanski
München – Die Einführung des Digital-
funks für Polizei und Rettungskräfte in
Bayern ist abermals ins Stocken geraten.
Hinter den Kulissen ist ein Streit zwi-
schen demFreistaat und der mit der Um-
setzungbeauftragtenBerliner Bundesan-
stalt für den Digitalfunk sowie den Fir-
men entbrannt, welche die Technik für
den Digitalfunk liefern. Es geht darum,
wer für Fehler haftet, um Nachzahlun-
genundeinoffenbar unzureichendes Pro-
jekt-Management der Bundesanstalt.
Die Folge: Die Polizei in München, die
längst den Digitalfunk einsetzen sollte,
funkt nun wieder wie früher analog, weil
die Technik imProbebetrieb versagt hat.
Der Testlauf bei der Münchner Polizei,
die die neue Technik für Bayern auspro-
bieren sollte, musste Mitte Februar nach
zweieinhalb Monaten abgebrochen wer-
den. Die Sprachqualität war im Digital-
netz so schlecht, dass sich die Beamten
nicht verstanden. AuchhättensichGerä-
te in falsche Funkzellen eingewählt. Die
Münchner Polizei vertraut der Technikje-
denfalls noch nicht. „Es wird bei uns
nach wie vor analog gefunkt“, sagte ein
Sprecher. Das heißt aber auch: Polizei
und Rettungskräfte können nicht direkt
kommunizieren, an den Ampeln rauscht
es meist so, dass die Töne aus den alten
Funkgeräten unverständlich sind.
Die Hoffnung auf eine rasche Lösung
ist mittlerweile geschwunden. Nach In-
formationen der SZ wird die Fehlersu-
che von einem Streit überlagert – nie-
mand will an dem Debakel schuld sein
und womöglich in Haftung genommen
werden. Die Probleme sind grundsätzli-
cher Natur. Offenbar ist versäumt wor-
den, eine Firma mit der Prüfung zubeauf-
tragen, ob die Einzelkomponenten für
den Digitalfunk zusammenpassen. Nun
besteht der Verdacht, dass jede beteiligte
Firma womöglich für sich durchaus in-
takte Technik geliefert hat, aber dass die
im Zusammenspiel nicht funktioniert.
Ursprünglichhattender Freistaat Bay-
ern und die Bundesbehörde in Berlin den
Fehler bei der Systemtechnik vermutet,
die die Firma Cassidian liefert, die Rüs-
tungstochter imEADS-Konzern. Aus Do-
kumenten, die der SZvorliegen, geht her-
vor, dass die BehördendenTestlauf abge-
brochen haben, weil in der Systemtech-
nik Fehler der „Priorität 1“ aufgetaucht
sind: Durchderart schwerwiegende Män-
gel erübrigt es sich, den Probebetrieb
fortzusetzen. Jedoch bestreitet die Firma
Cassidian, dass der Fehler an ihrer Tech-
nik liege. Die Probleme müssten von an-
deren Komponenten verursacht worden
sein. NachSZ-InformationenkannCassi-
dian bei der Behebung der Probleme hel-
fen, aber das würde über die vertraglich
vereinbartenZahlungenhinaus Geldkos-
ten. Allein für Messungen dürften Kos-
ten von 30 000 Euro anfallen. Wer dafür
aufkommt, ist offen. Bei den Bayern ist
die Bereitschaft nicht ausgeprägt, noch
mehr Geld für den Digitalfunk auf den
Tisch zu legen. „Der Freistaat Bayern ist
Kunde. Wir bestehen auf einwandfreie
Qualität“, sagt Innenstaatssekretär Ger-
hardEck, der für denAufbaudes Digital-
funks in Bayern zuständig ist.
Die Berliner Bundesanstalt für denDi-
gitalfunk räumt zwar Probleme ein, wei-
gert sich aber, detaillierter auf den Sach-
verhalt einzugehen. Die Firma Cassidian
lehnt eine Stellungnahme ab und ver-
weist auf die Bundesanstalt. Innenstaats-
sekretär Eck macht seinem Ärger Luft:
„Es ist übersehen worden, das Zusam-
menspiel zu überprüfen. Damit war kei-
ne Firma beauftragt. Hier müssenwir ge-
meinsam eine Lösung finden, damit die
Probleme nicht wieder auftau-
chen.“ Erst einmal geht es aber darum,
die Technik überhaupt zum Laufen zu
bringen. „Wir erwarten, dass die Fehler
so schnell wie möglich behobenwerden.“
Von Claudia Henzler
München – Die Stadt München strebt ei-
nen Kurswechsel im Umgang mit dem
Olympiapark an. Nach Jahren, in denen
die Suche nachimmer neuenkommerziel-
len Nutzungsmöglichkeiten des weltbe-
rühmten Geländes im Vordergrund
stand, will mansichverstärkt umdas ide-
elle Erbe von1972kümmern. Auswirkun-
gen könnte das beispielsweise auf die Art
und Zahl der Veranstaltungen auf dem
Gelände haben. Ein Jahr vor dem40. Ge-
burtstag des Olympiaparks lässt die
Stadt derzeit ein Leitbild für den Um-
gang mit dem Gelände erarbeiten.
Der Einschnitt ist deutlich, denn die
städtische Olympiapark GmbH hatte in
den vergangenen Jahrzehnten stets be-
tont, dass sie mit dem Gelände in erster
Linie Geld verdienen müsse. Für die
Olympiapark GmbH war es ein erklärtes
Ziel, dass der ParkkeinMuseumseindür-
fe. Denn das wurde gleichgesetzt mit der
Angst, das weitläufige Gelände könnte
brach liegen.
Das Olympiagelände ist weit mehr als
eine Ansammlung von Sportstätten,
mehr als das spektakuläre Zeltdach – es
ist eine visualisierte Idee: Deutschland
gelanges imAugust 1972, der Welt zuzei-
gen, dass es die dunklen Jahre der Nazi-
Zeit hinter sich gelassen hatte. Erreicht
wurde das durch eine Gesamtästhetik,
zu der alles zählt, von Otl Aichers Farb-
konzept über die spielerisch-leicht wir-
kende Architektur Günter Behnischs, bis
hin zu den für jedermann zugänglichen
Rasenflächen und den Verzicht auf Ver-
botsschilder. Und hinter allem lag der
Grundgedanke der Demokratie, der sicht-
bar gemacht werden sollte.
Das neue „Leitbildfür einvisuelles Ge-
samterscheinungsbild“ will die Stadt un-
abhängig davon umsetzen, ob sie erneut
Gastgeber olympischer Spiele sein wird.
Sollte München im Winter 2018 Austra-
gungsort werden, muss das Leitbildaller-
dings auch noch mit den geplanten Neu-
baumaßnahmen und der Erweiterung
des Parks in Einklang gebracht werden.
Im Arbeitsauftrag für das Leitbild hat
StadtbaurätinElisabethMerkdie Proble-
matik deutlich benannt: „Das für die
Wahrnehmung und überörtliche Bedeu-
tungdes Olympiaparks maßgebliche visu-
elle Erscheinungsbild, das für die Olym-
pischenSpiele 1972 konzipiert wurde, ist
bei späteren Ergänzungen im Olympia-
parknicht stringent fortgeführt oder aus-
reichend beachtet worden.“ Das habe
„ein sich schleichend veränderndes Er-
scheinungsbild zur Folge“. Zu befürch-
ten sei ein fortschreitender Qualitätsver-
lust, soMerk. Deshalbsollte die Stadt bei-
spielsweise auf demzentralenCoubertin-
platz nicht mehr jede Jahrmarktsveran-
staltung zulassen .
Derzeit lässt die Stadtverwaltung er-
fassen, wie viel vomursprünglichenKon-
zept noch übrig ist, an welchen Stellen
Wildwuchs herrscht. Dabei soll auch un-
tersucht werden, welche kleineren Bau-
werke wie Kassenhäuschen, Verkaufs-
stände, welche Lampen, Bänke und Zäu-
ne aus dem Park verwendet werden.
Schon vor der Bestandsaufnahme wurde
imRathaus auf besonders kritische Punk-
te hingewiesen: der Platz unterhalb des
Olympiaturms etwa, auf dem sich diver-
se ImbissbudenundeinSchilderwaldan-
gesammelt haben, und der – offenbar in-
spiriert vom „Walk of Fame“ in Holly-
wood– die Handabdrücke von Künstlern
zeigt, die im Olympiapark aufgetreten
sind. Teil des Leitbilds könnte auch sein,
die Bäume im Park stärker zu beschnei-
den, umSichtbeziehungen wieder herzu-
stellen. (Kommentar)
Audi wächst
global und lokal
Auch Ingolstadt soll vom Ausbau
profitieren – 800 neue Stellen
Tod auf
dem Kesselwagen
Bayerisches Digitalfunknetz
Keine Angst
vor der Ödnis!
Gleitschirmflieger
stürzt im Ostallgäu ab
ImFunkloch
Seit 15 Jahren wird der Digitalfunk vorbereitet, nun hat München das Projekt gestoppt, und der Freistaat ist sauer
München will olympisches Erbe bewahren
Initiative gegen den reinen Kommerz: Ein Leitbild soll das ästhetische Prinzip des Olympiaparks wieder stärker herausstellen
Seite 32 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 Dienstag, 26. April 2011

MÜNCHEN · BAYERN
„Das Erscheinungsbild ist
nicht ausreichend beachtet
worden“, sagt Elisabeth Merk.
Tradition trifft Moderne: Zuschauer blicken bei den Spielen 1972 vomOlympiaberg auf das Stadion. ImSee ist eine Wasserwolke zu sehen – eine Installation,
die längst in Vergessenheit geraten ist. Die Stadt München will nun das damalige gestalterische Konzept wieder besser beachten. SZ-Photo: Baumeister
Mehr Ingenieure, mehr Azubis.
Und 200 Leiharbeiter
werden übernommen.
Alles sollte gut werden, der Ton, die Verbindung. Doch Rettungskräfte und Poli-
zei müssen weiter analog funken. Foto: dpa
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Ich bin Student
Das Fernweh ist ein Gefühl, dem sich
vor allem Abiturienten gerne hingeben.
Kaum ist die Schule überstanden, wer-
den große Pläne geschmiedet: Die einen
träumen vom Studium im Ausland, die
anderen vom Umzug in die große Stadt.
So wird es auch dieses Jahr wieder dut-
zendfach auf den Jahrgangs-Steckbrie-
fen in den Abizeitungen dieses Landes
nachzulesen sein.
Dass nur wenige Abiturienten ihren
Plan vom Studium in der großen, weiten
Welt tatsächlich umsetzen, beweist nun
eine Studie der Kultusministerkonferenz
zur Mobilität der Studienanfänger. Aus
der Anfang April veröffentlichten statis-
tischen Untersuchung geht hervor: etwa
zwei Drittel der Studierendensind„terri-
torial sesshaft“. Sie studieren also im
gleichen Bundesland, in demsie auch ihr
Abitur gemacht haben.
Zählt man die sesshaften Studienan-
fänger mit denjenigen zusammen, die in
unmittelbar angrenzenden Nachbarlän-
dern studieren, klingt das Ergebnis noch
weniger nach Fernweh. Nur 13,5 Prozent
der Studienanfänger wandern in eine
Universitätsstadt ab, die über der Gren-
ze des Nachbarlandes liegt.
Besonders hoch ist die so genannte
„Sesshaftigkeitsquote“ in Nordrhein-
Westfalen (80,2 Prozent), Bayern
(76,5 Prozent) und Baden-Württemberg
(68,9 Prozent). In Brandenburg und im
Saarland hingegen studieren weniger als
die Hälfte der AbiturienteninihremHei-
matland.
Von dengut zwei Millionen Studieren-
den aller deutschen Hochschulen sind
überhaupt nur rund14 Prozent indenost-
deutschen Flächenländern eingeschrie-
ben. Kampagnen wie die auf fünf Jahre
angelegte „Studieren in Fernost“-Initia-
tive versuchen, das zu ändern. Abiturien-
ten für ein Studium im Osten Deutsch-
lands zu begeistern, ist ein dringendes
Ziel: Wegen des doppelten Abiturjahr-
gangs drohen die westdeutschen Univer-
sitäten bald aus allen Nähten zu platzen.
Den Umzug in eine Universitätsstadt,
die nicht gleich in unmittelbarer Nähe
liegt, wagen vor allem die Abiturientin-
nen. Das belegen ebenfalls die Zahlen
der Kultusministerkonferenz. So betrug
die Mobilitätsquote der Frauen im Jahr
2009 genau 37,1 Prozent, die der Männer
hingegen nur 33,1 Prozent.
Die Mobilität der Studienanfänger
hängt außerdem von dem angestrebten
Studienfach ab. Überdurchschnittlich
häufig gehen Studienanfänger in den vor
allem von Frauen favorisierten Fächern
Veterinärmedizin, Humanmedizin, Er-
nährungswissenschaften sowie Kunst
und Kunstwissenschaft zum Studium in
ein anderes Land. Bei den männlich do-
minierten Ingenieurwissenschaften ist
der Anteil der Auswanderer amGerings-
ten.
Woran es imEinzelnen liegt, dass viele
ihrer Heimat so treu bleiben, verrät die
Studie natürlichnicht. Aber wahrschein-
lich ist das beste Mittel gegen Fernweh
immer noch Mamas gedeckter Tisch.
anna-kistner.jetzt.de
Anweisungen
Wer umzieht, muss sich dauernd ent-
scheiden, muss seinen Helfern klare An-
weisungen geben und mal eben vom In-
ternetklickschlumpf zum Alltagskapi-
tän werden. Angeblich bauen gerade im-
mer mehr Personalchefs in ihre Assess-
ment-Center Umzugssituationen ein,
umso die Belastungsfähigkeit der Kandi-
daten zu testen.
Besserwisser
Nur wenige Helfer haben ihr Hand-
werk beimSherpa gelernt. Vielen ist das
Wort Demut deshalb fremd. Sie mi-
schen sich in die Abwicklung des Um-
zugstages ein („Bevor wir alle rumräu-
men – wollen wir nicht erst einen Plan
machen?“) und glauben, nur weil sie hel-
fen, im Besitz des Meckerrechts zu sein.
(„Ich hab’ ja gesagt, wir sollten erst die
Matratze und dann die Lavalampe rein-
tun. Jetzt schwappt die ganze Lava im
Transporter rum.“)
Chaos
Es entsteht, wenn der Umzieher ein
Spätaufsteher ist und von seinen Helfern
morgens aus dem Bett geklingelt werden
muss. Im Umzugsjargon spricht man
dann von einem UKASTA, einem Um-
zugskaltstart.
Durst
Tragen macht Trocken. Leider steht
die wohnzimmerwarme Kiste mit Mine-
ralwasser in Durstmomenten zuverlässig
inder altenWohnung, währendmangera-
de dabei ist, die neue Wohnung einzuräu-
men. An das kühle Bier traut sich vor
16 Uhr niemand. Also zieht jemand den
Wasserkocher und das verheerend alte
Cappuccino-Pulver aus einer Kiste.
Entschuldigungen fürs Nichthelfen-
kommen
1. „Ich habe mir vergangene Woche
beim Lachen die Backen gezerrt.“
2. „Mein Vater hat sich bei so was ei-
nen Bandscheibenvorfall geholt. Ich
habe Angst.“
3. „Ach, das ist jetzt blöd – an dem
Wochenende wird meine Oma selig-
gesprochen.“
4. „Du hast mir auch nicht geholfen.“
Freunde
Umzugshelfer sind nicht zwangsläufig
die besten Freunde. Sehr häufig handelt
es sich bei den Helfern nur umBekannte.
Das ist inOrdnung. So entsteht einenTag
lang eine Art echtes Arbeitsverhältnis.
Gehsteig
Während man seinen Transporter
zum Einzug auf den Gehsteig stellt, er-
kennt man die Stimmung imneuen Vier-
tel: Wer die zwei Reinräumstunden ohne
Anwohnermosereien hinter sich bringt,
obwohl er alle Zufahrten verparkt, darf
auf eine erquickliche Wohnzukunft in
gelassenem Ambiente hoffen.
Heucheln
Helfer trägt seine erste Kiste in die
Wohnung und versucht sich in einer
netten Einschätzung der neuenWohnsi-
tuation des Einziehers: „Hui, super,
ganz wenige Fenster. Wird’s im Som-
mer nicht so heiß.“ – „Der Herd auf
dem Gang! Das hab’ ich mir bei mir
auch schon mal überlegt.“ – „Ach, cool,
das sind diese alten Gründerzeitwoh-
nungen, in denen man die Kloschüssel
noch neben den Nachttisch gestellt
hat.“
Intimes
Wer sein Leben verfrachtet, muss ge-
zwungenermaßen private Sachen her-
zeigen. Manchmal fällt was aus der Kis-
te und sorgt für Fragen. „Hast du echt
immer noch die Schablonen aus den Nu-
tella-Deckeln, mit denen man den Pu-
muckl zeichnen kann? Krass.“
Jeminee
Anders als ein Fußballspiel kann
man einen Umzug nicht einfach verlas-
sen. Fachleute empfehlen zur Seelen-
entlastung deshalb dahingemurmelte
Seufzer. „Jeminee“ zum Beispiel.
Kaputt
Siehe Buchstabe B, letzter Satz.
Lastkahn
Wer einen Bulli hat, hat automatisch
viele „Freunde“ mit vielen Wohnungen
und muss sich umdie Gestaltung seiner
Samstage keine Sorgen machen.
Mann
Ein für einen Umzug leider immer
noch unentbehrliches Geschlecht (wg.
Waschmaschinen, Sofamonstern et al.).
Nur zehn Kisten
Der gewöhnliche Umzieher checkt
meist nicht, wie viele Kubikmeter Kis-
tenraum sein Graffel braucht. Eine
Faustformel besagt, dass unerfahrene
Umzieher meistens dreimal so viele Kis-
ten benötigen wie ursprünglich ge-
schätzt.
Obstsalat
Ist zur Verköstigung von Umzugshel-
fern nicht geeignet.
Pizza
Treibstoff für menschliche Umzugs-
maschinen. Firmiert während des Um-
zugs als „Möbelfladen“. Dazu gibt es
„Schlepperplörre“ (Bier).
Quer
„Probieren wir es halt mal quer“ ist
ein gern gesagter Satz von Umzugshel-
fern, der häufig die Lösung eines
Problems einleitet.
Rückgrat
Natürlich hat die AOK-Rückengym-
nastikbroschüre recht. Sie zeigt Frau-
en, die kleine Wasserkästen anheben
und dabei, zur Schonung ihrer Wirbel-
säule, in die Hocke gehen, den Rücken
gerade halten und immer „heeebt an“
zu sich sagen, ehe sie die Sache wuch-
ten. Allerdings halten das Leben und
ein Umzug nur wenige Broschüren-
situationen bereit. Tja, Rückgrat: Face
it!
Schwitzige Helfer
Eine gute Achselnässe ist ein Zei-
chen für ein intaktes Körpertempera-
turmanagement. Schön, soweit. Aber
wie geht man während eines Umzugs
mit riechenden Schwitzkästen um, oh-
ne einen Naseninfarkt zu erleiden? Man
schickt sie in die Gegenrichtung. In den
Keller. Zum Auto. In die alte Wohnung
– hin zum warmen Mineralwasser.
Treppenhaus
WirdinNeubautenimmer enger. (Um-
zugshelfer, leise seufzend: „Jeminee.“)
Übergabe
Bei Wohnungsübergaben fehlt es
meist an drei Dingen: Licht, Klopapier,
Kugelschreiber. Gut sind jene Woh-
nungsübergeber, die genau diese Dinge
da lassen. Wer zusätzlich eine Flasche
kühles Mineralwasser stehen lässt, be-
kommt ein „Gefällt mir“-Schild.
Voll
Natürlich geht in einen Transporter
immer noch was rein. Nur sollte der
Umzieher abwägen: Eine gewiefte
Schlichtung nimmt viel Zeit in An-
spruch, die wiederum von der Ladezeit
abgeht.
Wohin?
Die meist gestellte Frage amUmzugs-
tag. Die meist gebrauchte Antwort lau-
tet überraschenderweise: „Wo Platz
ist.“
Xylophon
Ein bisschen Kindheit zieht immer
mit in eine neue Wohnung.
Yps
Gepresster Atemlaut beim Anheben
einer großen Kiste.
Zu schwer
Zwei Signalwörter, mit denen der
überladene Zustand von Bücherkisten
kommentiert und der zu erwartende
Siegeszug digitaler Lesegeräte begrüßt
werden kann. peter-wagner.jetzt.de
jetzt.de: Lennart, für die meisten Leu-
te ist Umziehen eine Qual. Du machst
das freiwillig: Warum?
Lennart: Warum tue ich das Ganze?
Weil ich nach Berlin gekommen bin und
wusste, dass ichsehr viel arbeitenundei-
ne Fernbeziehung führen werde. Die bei-
den Sachen haben mich ahnen lassen,
dass ich nicht viel von Berlin mitbekom-
men werde, wenn ich mich nicht ein biss-
chen dazu zwinge und mich quäle. Ich
wollte nicht nur die Kastanienallee se-
hen. Es ging mir darum, ganz unter-
schiedliche Kieze zu sehen.
Muss man denn in einem Viertel woh-
nen, um es wirklich kennenzulernen?
Nein, muss man nicht. Aber das schien
mir die schnellste Methode zu sein, umin
kurzer Zeit möglichst viel kennenzuler-
nen. Die hippen Bezirke lernt man auch
so ganz gut kennen, weil mansichdort so-
wieso öfter mit Leutentrifft. Aber ichwä-
re normalerweise nie auf die Idee gekom-
men zu sagen: Ich hock’ mich jetzt in die
Bahn und schau mal, was abends am
Stuttgarter Platz in Charlottenburg ab-
geht. Ich bin deshalb bewusst nicht nur
in die hippen Bezirke gezogen. Ich war
auch in Charlottenburg, in Schöneberg,
im Süden von Pankow und im südlichen
Neukölln. Ich wollte mich mit diesen
Vierteln auseinandersetzen müssen.
Hast du dort schöne Orte gefunden?
Oder ist es begründet, dass diese Viertel
nicht so angesagt sind wie andere?
Ich habe immer wieder was gefunden.
ZumBeispiel habe ich in Charlottenburg
ein Kino entdeckt. Das heißt „Die Kur-
bel“, einFünfziger- oder Sechzigerjahre-
Kino, in demalles so belassen wurde, wie
es damals war. Und ich habe eigentlich
überall etwas gefunden, was ich noch
nicht kannte, von demichnochnichts ge-
hört hatte, das mir aber gut gefallen hat.
Habendeine Freunde dich denn imtie-
fen Westen von Charlottenburg besucht?
Die Coolness der Bezirke hat schon
mit der Anzahl der Besuche korreliert,
die ich bekommen habe. Bis ins unterste
Neukölln ist niemand gekommen. Als ich
in Pankow war, ist manchmal ein Kum-
pel gekommen, der inPrenzlauer Berg ge-
wohnt hat – was allerdings auch nicht so
weit ist. Als ichinKreuzberggewohnt ha-
be, kamendie Leute, weil sie dort amWo-
chenende eh unterwegs waren.
Wie lange dauert es, bis man sich in ei-
nem Viertel auskennt?
Genau kann ich das nicht sagen. Aber
ich war überrascht, dass ich mich meis-
tens extrem schnell heimisch gefühlt ha-
be.
Gab es Momente, an denen du das fest-
machen kannst?
Irgendwann stellen sich gewisse Auto-
matismen ein und man fängt an, nichts
mehr wahrzunehmen. Man schaut nicht
mehr interessiert in jedes Schaufenster
und ist nicht mehr gespannt, was in der
nächsten Straße auf einen wartet. Alles
ist schon irgendwie bekannt, man schaut
beim Laufen nicht mehr auf, sondern
trottet nur noch vor sich hin. Aber diese
Routine kann man bekämpfen. Nicht im-
mer den kürzesten Weg zur S-Bahn lau-
fen, sondern Umwege gehen. Oder den
Bus nehmen, der ein bisschen weiter weg
hält.
Was sind die Indikatoren, an denen
sich die Unterschiede zwischen einzel-
nenViertelnfestmachenlassen? Die Prei-
se?
Ich gebe dir ein Beispiel, das man viel-
leicht die Club-Mate-Messlatte nennen
könnte. Mir ist aufgefallen, dass die An-
zahl von Club-Mate-Flaschen in den
Kühlschränken der Spätkaufläden ein
deutlicher Gradmesser für den Zustand
eines Viertels ist. Auch die süddeutschen
Biere wie Tegernseer, Tannenzäpfle und
Augustiner gibt es vor allem da, wo die
Hipster rumlaufen. Im südlichen Neu-
kölln tut man sich schon schwer, Club
Mate und diese Biere zu finden. Da stan-
dendann nur Sternburg undbillige Biere
in den Kühlschränken.
Was sind denn die Faktoren, die ein
Viertel für dich lebenswert machen?
Der Zeitpunkt ist wichtig. Ich glaube,
es ist langweilig, wenn man in einem der
Stadtteile ist, die angeblich im Kommen
sind, es de facto aber doch nicht sind.
Oder umgekehrt: Wenn die Entwicklung
schonso weit fortgeschrittenist, dass das
Viertel die wirklich spannende Zeit hin-
ter sich hat und es ins Touristische um-
kippt.
Nach all den Umzügen bist du wahr-
scheinlich auch ein Experte für WG-Cas-
tings, oder?
Ichhatte indenvergangenenelf Mona-
ten ungefähr 15 Vorstellungstermine in
Wohngemeinschaften und habe davon
sechs oder sieben Absagen bekommen.
Was eine ganz gute Quote ist.
Das lag glaube ich daran, dass ich nie
wirklich auf eine Wohnung angewiesen
war, weil ich jederzeit auch in eine ande-
re Ecke oder eine andere Wohnung gezo-
gen wäre. Die Chancen, in eine WG zu
kommen, nimmt man sich glaube ich am
meisten, wenn man zu penetrant ist.
Wenn man es zu sehr will. Bei den Absa-
gen habe ich meistens schon nach den
Vorstellungsterminen gedacht, dass es
nichts wird.
Warum?
Weil die Menschen wenige Fragen ge-
stellt haben, beziehungsweise belanglose
Höflichkeitsfragen – ob ich mit dem Rad
gekommenbinoder so. Es wirkte, als hät-
ten sie sich schon entschieden und woll-
ten eigentlich gar nicht wirklich etwas
über mich wissen. Normalerweise waren
die Menschen eher misstrauisch und ha-
ben viele Fragen gestellt – über Beruf,
Feiergewohnheiten und Drogenkonsum.
Wahrscheinlich waren sie so neugierig,
weil sie ihre Zimmer voll möbliert und
mit all ihren Sachen vermietet haben.
Sie haben dich quasi in ihre Privat-
sphäre gelassen.
Ja. Ursprünglich ging es mir gar nicht
umdie Wohnungen, noch nicht mal wirk-
lich um die Leute, bei denen ich wohnen
würde. Aber es wurde nach und nach im-
mer interessanter, in relativ kurzer Zeit
in die Privatsphäre anderer Menschen
einzutauchen. Manche haben mich auch
ermuntert: „Hier sind meine Bücher und
CDs, bedien’ dich!“ Und dann hatte ich
plötzlich Bücher mit Widmungen in der
Hand oder mit einem halben Liebes-
brief.
War bei den acht WGs keinReinfall da-
bei?
Es gab schon seltsame Episoden. Ein-
mal hatte ich einen alten Schwaben als
Mitbewohner, der viele Verhaltensregeln
in der WG mit Feng Shui begründet hat.
Der Toilettendeckel musste geschlossen
werden, weil sonst das gute Karma in
den Gulli entweicht.
Hast du noch Kontakt zu Gastgebern?
Eine Zweier-Jungs-WGwürde ichheu-
te auf jedenFall zumeinen Kumpels zäh-
len. In einem anderen Fall habe ich mich
mit meinem Mitbewohner sehr gut ver-
standen. Wir haben gegrillt, getrunken,
uns gut unterhalten– undimzweitenMo-
nat ist seine Freundinnochbei ihmeinge-
zogen. Die war auch etwas penibel, und
aus der Männer-Kumpelschaft des ers-
ten Monats wurde ein etwas angekratz-
tes Verhältnis.
Wie lange wird dein Nomadentum
noch andauern?
Ichbinjetzt bei einemgutenFreundge-
landet, und es könnte sein, dass ich hier
jetzt erstmal eine Weile bleibe. Meine
letzte Station war ja Neukölln, und das
war tatsächlich eine etwas fiese Gegend.
Ichhabe inder Wohnung dort denSchlüs-
sel für die Haustür verloren. Die Vermie-
terin hat mir keinen neuen gegeben, statt
dessen hat sie mir gesagt, ich solle mich
einfach kräftig gegen die Haustür wer-
fen, umrein zukommen. Ichhabe also ei-
nen Monat lang jeden Abend so Tatort-
SEK-mäßig die Tür aufgerammt, und
keineinziges Mal hat sichjemandgewun-
dert oder beschwert – noch nicht mal ein
älterer Mann, der das von innen mitbe-
kommen hat. Dem flog die Tür fast ins
Gesicht, aber alles, was er sagte, war:
„N’Abend.“
Interview: christian-helten.jetzt.de
So ein Umzug führt Umzieher und Umzugshelfer an ihre Grenzen.
Immerhin aber ist er nie langweilig.
Weg hier und rein da
Der Umzug ist neben der Geburt der einzige echte Ausnahmezustand im Leben des modernen Menschen – ein Alphabet des Ortswechsels
„Stadtteile, die angeblich
imKommen sind, es de facto
aber nicht sind, sind lang-
weilig“: Lennart Frank,
Profiumzieher.
„Man muss die Routine bekämpfen“
Lennart Frank ist in elf Monaten acht Mal umgezogen – ein Gespräch über eine etwas andere Art, Berlin kennenzulernen
Vor allemAbiturientinnen wagen
sich hinaus, schreibt die Kultusminis-
terkonferenz in ihrer Studie.
Die Mobilitätsquote ist vier Prozent
höher als bei Männern.
Wir sind
Glucken
Nur wenige Abiturienten
ziehen in die Fremde
Seite 34 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 Dienstag, 26. April 2011
JETZT.DE
Verantwortlich: Dirk von Gehlen
Illustrationen: Katharina Bitzl
„Ich habe
jeden Abend
die Tür aufgerammt.“
Die Pizza firmiert
einen Tag lang
als „Möbelfladen“.
Die Mobilität der
Studierenden hat mit dem
Fach zu tun.
D
as bewegte Leben ist an Dr. Ul-
richBez, 68, fast spurlos vorbei-
gegangen. Trotz Krähenfüßen,
graumeliertemHaar und leicht
getrübter Nachtsicht hat sich der drahti-
ge Schwabe mit dem spitzbübischen Lä-
cheln die engagierte Gestik und den elo-
quenten Redefluss des bei BMW, Porsche
und Daewoo gereiften Jungspunds be-
wahrt. Der Ingenieur fühlt sich am Len-
ker des selbstgebauten superleichten
Mountainbikes immer noch genauso
wohl wie am Steuer des selbstentwickel-
ten 24-Stunden-Renners. Der Mann, den
sie auf der Insel ehrfürchtig „Herr doctor
Bez“ nennen, leitet seit 2001 „Äschddn“
Martin, das 2007 von Ford an eine Inves-
torengruppe unter Vorsitz der englischen
Motorsport-Größe David Richards ver-
kauft wurde. Obwohl Bez die Modellpa-
lette zügig ausbaute und erneuerte,
schreibt das Unternehmen seit 2004
schwarze Zahlen. Weil Aston nicht alle
Projekte im Alleingang stemmen kann,
wird der Cygnet-Kleinwagen von Toyota
zugekauft und der für 2012 geplante La-
gonda-Crossover von der nächsten Mer-
cedes M-Klasse abgeleitet.
Die neue Firmenzentrale in Gaydon
zwischen Birmingham und London ent-
stand noch unter der Regie von Ford,
kurz nachdem der frühere BMW-Vor-
standWolfgang Reitzle die Premier Auto-
motive Group mit den Marken Aston
Martin, Land Rover, Jaguar und Lincoln
gegründet hatte. Nach den Engländern
Walter Hayes, John Oldfield, David
Price und Bob Dover übernahm vor elf
Jahren Ulrich Bez das Steuer. Er stoppte
den projektierten Mittelmotorsportwa-
gen, trieb dem unfertigen Vanquish die
Kinderkrankheiten aus und optimierte
den weit gediehenen DB9, der 2002 die
Wende zumBesseren brachte. ImGegen-
satz zum extrem kompliziert konstruier-
ten Vanquish bauten der DB9 und der
2005 eingeführte V8 Vantage bereits auf
einer neuen modularen Matrix auf. Die
sogenannte VH-Architektur, die sich
durchhohe vertikale undhorizontale Fle-
xibilität auszeichnet, versorgt inzwi-
schen die gesamte Palette vom Zweisit-
zer bis zum viertürigen Rapide.
„VH ist keine Plattform, sondern eine
Philosophie ohne erkennbares Verfalls-
datum“, erklärt Bez, „durchdie Integrati-
on neuer Systeme, Elemente und Werk-
stoffe haltenwir die Matrixstets auf neu-
estem Stand. Was sich ändert, sind die
technischen Inhalte, die Abmessungen
und Aufbauvarianten, das Gewicht.
Durch intelligente Mischbauweise kann
zum Beispiel das Verhältnis zwischen
Karbon und Aluminium modellspezi-
fisch variiert werden: Beim Super-
sportwagen dominiert Kohlefaser,
beim V8 Vantage Leichtmetall.“
Ein Gang durch die Werkshal-
len zeigt, wie VH in der Praxis
funktioniert. Die geklebte Grund-
struktur unterscheidet sich primär
imBereich des Vorder- undHinter-
wagens. Fahrgastzelle, Radaufhängung
und die Hilfsrahmen sind weitgehend
identisch; nach ähnlichemMuster fertigt
Magna in Graz imLohnauftrag den vier-
türigen Rapide. Für den kleinen Cygnet,
einemToyota iQim Luxus-Look von As-
tonMartin, wurde dagegeninGaydon ei-
ne eigene Montagestraße eingerichtet, an
der entlang individuell lackiert und be-
sonders nobel tapeziert wird.
Die Aston-Martin-Produktion erin-
nert eher an eine japanische Vorzeigefa-
brik als an eine englische Autoschmiede
klassisch-düsterer Art. Die Hallen sind
hell ausgeleuchtet und weiß gestrichen,
jede Arbeitsstation ist von Ablaufplänen
und Qualitäts-Charts flankiert, konfe-
riert und optimiert wird in kleinen Be-
sprechungsnischen direkt am Band. Der
Chef moniert beimRundgangeinenange-
rostetenContainer, klaubt höchstpersön-
lich Papierschnipsel vom glänzenden
Hallenboden, checkt hier den Sitz eines
Kabels und dort die Ausrichtung eines
Keders. Die Werker tragen schwarze
Kluft mit weißem Logo, der Herr doctor
trägt modisches englisches Tuch, austra-
lische McWilliams-Stiefel und eine me-
chanische Uhr vom Partner Jaeger-le-
Coultre. Nur die Autos werden immer
verwechselbarer – das belegt schon die
triste schwarz-weiße Farbwelt, deren
Phantasie sich augenscheinlich in immer
neuen Grautönen erschöpft.
Ulrich Bez mag es auch lieber bunt
und markant: „Die Kunst ist es, Emotio-
nen zu vermitteln, individuelle Stärken
herauszuarbeiten, Eintönigkeit im Keim
zu ersticken. Deswegen bin ich gar nicht
scharf auf die vielen Assistenzsysteme,
die manchmal eher bevormundenals hel-
fen. Für den Charakter eines Autos und
den Umgang damit ist es wichtiger, die
Motor-Getriebe-Kombination unver-
wechselbar zu kalibrieren, markentypi-
sche Fahreigenschaften zu erschaffen
und das Design wie aus einem Guss er-
scheinen zu lassen.“ Wenn Aston Martin
in den nächsten Jahren seine Palette er-
setzt, dann wird wieder die hohe Schule
der Evolution zelebriert. Meister Bez
sieht dabei den DB9 als zentrales Grund-
muster, das behutsamnach oben und un-
ten verändert wird.
Wie so eine Mutation aussehen kann,
zeigt der Supersportwagen One-77, des-
sen kantigere und bösere Formensprache
künftig querbeet den Ton angeben soll.
Darüber hinaus
müssen die neuen
Autos leichter wer-
den, die Zukunft des
V8 wird derzeit kritisch
hinterfragt, die Variantenviel-
falt dürfte eher zu- als abnehmen. „Der
Zwölfzylinder wird weiter gepflegt und
läuft noch bis 2020, mindestens“, ver-
spricht der drahtige Zampano, „V8 und
V6 lassen sich dagegen bei Bedarf auch
zukaufen.“ Doch der inoffizielle Königs-
weg führt eher zu einem komplett neuen
Reihensechszylinder, von dem sich mit
wenig Aufwand ein Vierzylinder ablei-
ten lässt. Der Vierer gilt als potentielles
Trumpf-As, denn sobald sich der For-
mel-1-Zirkus zum Downsizing bekennt,
stehen auch die Sportwagen-Hersteller
vor einem Paradigmenwechsel.
Dass Aston Martin mit Mercedes flir-
tet, ist seit Jahren ein offenes Geheimnis.
Würde es neben der M-Klasse-Connecti-
on nicht auch sinnvoll sein, an die neue
Mercedes Heckantriebs-Architektur an-
zudocken, sich in die AMG-Kohlefaser-
entwicklung einzuklinken oder zumin-
dest Motoren zuzukaufen? Ulrich Bez
überlegt kurz, dann schüttelt er den
Kopf: „Wir hättenschonlieber einenRei-
henmotor als einen V6, mit Karbon kön-
nenwir inzwischenselber ganz gut umge-
hen, und die VH-Struktur ist noch lange
nicht ausgereizt. Einen V8 könnte man
von Dritten beziehen, und nachdem so-
gar der Diesel seit dem Le-Mans-Sieg
hoffähig ist, gibt es da möglicherweise
ebenso Potential. Aber unsere Kernkom-
petenz wollenwir nicht unbedingt teilen,
sondern gezielt ausbauen.“ In Stuttgart
sieht man das wohl ähnlich, denn statt
Aston Martin als verlängerte Werkbank
für Maybach zu nutzen, sollen die Nobel-
modelle künftig in das S-Klasse-Portfo-
lio eingegliedert werden. Wenn das wirk-
lich so kommt, stehen die Zeichen
schlecht für das angedachte schwäbisch-
englische Duett aus einer großen Lagon-
da-Limousine und dem Maybach 57-
Nachfolger. „Lagonda braucht mehr als
ein Modell, um als Marke überleben zu
können“, weiß der oberste Vordenker.
Herr doctor Bez ist keinFreunddes Hy-
bridantriebs und Kers – jenem System
zur Rückgewinnung kinetischer Energie,
das in der Formel 1 seit 2009 genutzt
wird. Während die Energiebilanz des Hy-
brids der Umwelt seiner Meinung nach
mehr schadet als
nützt, kritisiert der
gelernte Techniker
Kers ob des Mehrge-
wichts und der im All-
tag kontraproduktiven Leis-
tungsspritze. Stattdessen plädiert er für
den kleinen Schwan Cygnet als sparsa-
mes Kurzstreckenfahrzeug, das für bis
zu 50 000 Euro mit fast allen Luxus-
extras ausgestattet werden kann, die
man von den Sportwagen kennt. Vom
Drei-Meter-Knubbel soll es bald auchei-
ne Elektrovariante und einen Zweisitzer
mit integrierter Haustierbox geben. Und
wenn der in Warwickshire eingekleidete
Toyota tatsächlich 1500 Käufer pro Jahr
findet, könnte Bez an einem ausgewach-
senen Schwan Gefallen finden, der ver-
mutlich als Lagonda das Fliegen lernt.
Kein Problem – solange es kein unter
Vollnarkose zur Lordschaft auf Rädern
mutierter Auris Hybrid ist.
Die Frage, wie er denndas Produktpro-
gramm von morgen strukturieren möch-
te, entlockt dem ausgefuchsten Manager
nur einwissendes Grinsen. Ober dennzu-
rückkehren würde zu einer Dreiteilung
in DB5, DB7 und DB9? – „Dann hätten
wir doch den Rapide DB11 taufen müs-
sen. Wir gehen weg von den DB-Bezeich-
nungen. Deshalb heißt das neueste Mo-
dell Virage, und der Top-Aston One-77.“
Trotzdem bleibt es bei der Dreiteilung
zwischen V8, DB9 und DBS, die künftig
noch deutlicher werden soll. Dazu
kommt ungefähr alle sechs Monate eine
neue Variante, „so wie Apple das beim
iPhone und iPad macht“. Parallel dazu
soll die Marke durch Motorsport-Erfolge
in noch hellerem Glanz erstrahlen. 2012
will Aston mit einemGT3-Auto unter die
TopFünf amNürburgring fahren, undei-
nes Tages sollen die grünen Renner sogar
reif sein für einen Sieg in Le Mans.
Wenn sich das so anhört wie ein Stück
Porsche-Geschichte, dann ist das kein
Zufall. Denn der Vater des 993 will es
denSchwabennoch einmal so richtig zei-
gen– mit kleiner Münze, großenAmbitio-
nen und der geballten Erfahrung aus
mehr als 40 Berufsjahren. Georg Kacher
Tadellose Doktor-Arbeit
Aston Martin erfindet Lagonda neu, um eine sportliche Alternative zu etablierten Premiummarken zu werden
Fern-Blick
Auf der „Auto Shang-
hai 2011“ präsentie-
ren sich die deut-
schen Hersteller
stark wie nie. Micha-
el Specht hat sich
umgesehen. Seite 36
Wunsch-Zettel
Harley-Davidson sucht junge Kund-
schaft und will die Bikes zukünftig ganz
nach Wunsch des Käufers bauen, wie
Norbert Meiszies berichtet. Seite 36
Früh-Start
Lilly ist elf Jahre
jung und startet im
Mai bei der Surf-WM
in Peru für Deutsch-
land. Daniel Haut-
mann stellt das Ta-
lent vor. Seite 37
Lese-Probe
Immer häufiger werden elektronische
Bücher auf Smartphones statt mit Lese-
geräten genossen. Ben Schwan erklärt
die verschiedenen Systeme. Seite 38
Früher war alles besser. Die Währung
hart, die Politik stabil und die Stoßstan-
gen hielten noch, was sie versprachen.
Diese Zeiten sind lange vorbei – wer
heute versehentlich die aufgerüschte
Front jener kontaktscheuen Automobi-
lien touchiert, muss tief in die Tasche
greifen. Denn: „Billig gibt es nicht
mehr“, sagt der Mitarbeiter eines Auto-
hauses, als der Autor im Zuge der Re-
cherche wissen will, wie viel eine Stoß-
stange – pardon, eine sogenannte Schür-
ze kostet. „500 Euro für einen Kleinwa-
gen, bei der Oberklasse sind es schnell
1500 Euro“. Das kracht.
Lieber Stoßfänger, früher warst du
noch ganz selbstlos dazu da, dir eine
einzufangen. Wir vermissen dich! Wo
bist du nur geblieben? Denn an deine
Stelle gerückt sind hochglanzlackierte
Designspielereien mit integrierten Ne-
belleuchten, Einparksensoren und ande-
rem Schickschnack. Musste das denn
wirklich sein?
Ehedem, als Stoßstangen noch hart
im Nehmen waren und die Autos sie mit
Würde vor sich hertrugen, gab es das
Ersatzteil Stoßstange praktisch nicht.
Heute ist es eines der meistgefragten –
das ist gut für die Hersteller, schließlich
verdienen sie an jedem Kratzer. Aber
alle anderen ärgert es. Denn zu der Zeit,
als Stoßstangen aus stabilem Blech und
oft sogar verchromt waren, war Anrem-
peln noch okay. Einige dieser Bollwerke
hatten zusätzlich dicke Gummis, mit
denen man selbst gegen betonharte Pol-
ler poltern durfte. Man konnte wunder-
bar einparken, eine enge Lücke notfalls
elegant vergrößern. Und verpennte der
Vordermann an der Ampel das grüne
Licht, wurde nicht hupend die gesamte
Nachbarschaft mitgeweckt – er wurde
dezent angestupst. Das alles hatte ent-
scheidende Vorteile, weil wertvoller
Parkplatz nicht aus Sorge um kleine
Blessuren vergeudet wurde und die Au-
tofahrer noch mit einer gewissen Lässig-
keit unterwegs waren.
Doch wie so oft musste Blech Plastik
weichen. Längst steckt hinter zarter
Kunststoffhaut eine Art Matratze, die
die Aufprallenergie absorbieren soll.
Natürlich, liebe Konstrukteure, die Si-
cherheit, ihr habt ja recht. Aber muss
sich denn die Stoßstange gleich dem
optischen Gesamtkonzept unterwerfen
und zerbrechlich sein wie ein rohes Ei?
Habt Mut und enthüllt mal wieder ein
Auto mit einer echten Stoßstange. Ei-
ner, die ihrem Namen gerecht wird.
Kleiner Tipp: Es gibt auch stabilen
Kunststoff.
Noch schlimmer als das Fehlen der
Chrombügel aber sind jene, die in ihrem
Auto eine Art Lebewesen sehen und
nach jedem noch so kleinen Rempler die
Fahrzeugfront liebevoll umsorgen.
Geht’s noch? Daniel Hautmann
Mobilität im Minutentakt
Nach Car2go von Mercedes startet nun auch BMW mit einem Projekt, bei dem man Autos in Innenstädten spontan mieten kann – am Ziel lässt man den Wagen einfach stehen
Auch wenn es nicht stimmt, sind es
dennoch hübsche Gerüchte: Weder die
Chinesische Mauer noch die 100 Kilome-
ter langen Staus rund um Peking sind
vomMondaus mit bloßemAuge zuerken-
nen. Wahr ist allerdings, dass sichin Chi-
na die Zukunft der städtischen Mobilität
abzeichnet, denn Zulassungen für neue
Autos werdeninPeking mittlerweile ver-
lost. Es ist nur noch eine Frage der Zeit,
bis Verbrennungsmotoren in solchen
Smog-geplagtenMetropolenkomplett re-
glementiert werden. Zudem sind Park-
plätze in Riesenstädten meist so teuer
wie der Unterhalt des Fahrzeugs selbst.
Wird also Autofahren in Millionenstäd-
ten schon bald unbezahlbar?
Wer sich kein eigenes Auto leisten
kann oder will, teilt eben eines mit ande-
ren. Nach dem Vorreiter Car2go bietet
nun auch BMW eine völlig flexible Form
der Automiete an: In München und spä-
ter in Berlin startet DriveNow mit rund
800 Fahrzeugen der Einser-Serie und des
Mini. Im Durchschnitt soll jeder Kunde
im Radius von höchstens 500 Meter das
nächste verfügbare Fahrzeug finden; so
will BMWsicherstellen, dass die Kunden
jederzeit spontan ein Auto mieten kön-
nen. Abgerechnet wirdüber die Mietdau-
er: Im Preis von 29 Cent pro Minute sind
sämtliche Kosten enthalten, vom Treib-
stoff bis zu den Parkgebühren. In den
kommenden Jahren sollen weitere euro-
päische Metropolen erschlossen werden.
Langfristig ist geplant, dieses Carsha-
ring-Modell auch auf anderen Kontinen-
ten einzuführen. „Bis zum Jahr 2020 soll
DriveNowweltweit eine Million Mitglie-
der haben“, beschreibt BMW-Vertriebs-
vorstand Ian Robertson das Ziel.
In Ulmgibt es einenderartigen Mobili-
tätsclub schon seit mehr als zwei Jahren;
rund 500 000 Mal haben die registrierten
Nutzer einen Smart statt eines öffentli-
chen Verkehrsmittels gewählt. „Nutzen
ohne Nachzudenken“ nennt Robert Hen-
rich, Geschäftsführer der Car2go GmbH,
die Freiheit bei der Kurzzeitmiete. Statt
imVoraus zu planen und einFahrzeug zu
reservieren, öffnet der auf den Führer-
schein aufgeklebte Mikrochip jeden frei-
en Car2go-Smart. Einsteigen, beliebig
lange fahren – und das Auto überall dort
imStadtgebiet abstellen, wo es einenfrei-
en Parkplatz gibt. Strafgebühren für
Zeitüberschreitungenoder für One-Way-
Fahrten gibt es nicht. Mitglieder können
mittlerweile nicht nur in Ulm und Aus-
tin/Texas einen Smart Fortwo mieten.
Auch in Hamburg stehen nun 300 Smart
mit neuester Telematikausstattung für
gelegentliche Nutzer bereit.
In Ulmwird jedes Fahrzeug imSchnitt
vier bis acht Mal täglich angemietet. Ei-
ne Marke, die in dicht besiedelten Millio-
nenstädten wie Hamburg noch übertrof-
fen werden soll. Entweder die Nutzer en-
tern spontan einen Smart oder sie reser-
vieren ihn über das Internet oder über
Smartphones. Der geringe Aufwand
lohnt sich schon für kurze Strecken – im
Durchschnitt fahren die Smarts nur zehn
bis 15 Kilometer pro Miete. Im Laufe des
Jahres wird Car2go auch in Amsterdam
starten. Da die Touristenmetropole be-
reits über mehrere Bike- undCarsharing-
Programme verfügt, sollen dort aus-
schließlich Elektrofahrzeuge angeboten
werden. Mit günstigen Konditionen wird
Daimler versuchen, möglichst viel Inter-
esse für den neuen Smart Electric Drive
zuerzeugen. Auch BMWwill von 2013 an
sein Elektrofahrzeug BMW i3 im Rah-
men von DriveNow einsetzen.
Die Carsharing-Projekte sollendas ab-
gasfreie Pendeln in urbanen Zentren er-
schwinglich machen. Das Geschäftsmo-
dell, sagt Mercedes-Entwicklungsvor-
stand Thomas Weber, könne „eine Ant-
wort für den Verkehr der Zukunft in glo-
balen Ballungszentren“ bieten. Noch
aber sind wichtige Fragen offen. Bei der
technischen Erprobung in Ulm und Aus-
tin war Vandalismus kein Problem. In
Großstädten könnten die Schäden durch
willkürliche Zerstörung allerdings zu-
nehmen. Überhaupt ist die Kostenfrage
ein entscheidender Punkt bei der Spon-
tanmiete. „Nach den beiden Pilotstädten
Ulm und Austin werden wir in Hamburg
zeigen, dass ein Systemwie Car2go in ei-
ner Millionenstadt wirtschaftlich erfolg-
reich sein kann“, sagt Robert Henrich.
Ohne Partner bei der Flottensteue-
rung und Logistik haben die Newcomer
aber wenig Chancen. Car2go hat sich in
Hamburg daher mit Europcar verbün-
det. Das Stationsnetz des Autovermie-
ters bietet Anlaufpunkte für Registrie-
rung und Beratung neuer Nutzer. Drive-
Now ist ebenfalls ein Joint Venture, das
finanzielle Risiken mindern und Kompe-
tenzen bündeln soll. Während BMW vor
allemFahrzeuge unddie Telematikdiens-
te im Auto einbringt, stellt Sixt als Part-
ner das Vermiet-Know-how, die IT-Sys-
teme sowie ein flächendeckendes Stati-
onsnetzwerk zur Registrierung der Kun-
den zur Verfügung. Audi-Chef Rupert
Stadler sieht die Initiativen der Wettbe-
werber jedochmit Skepsis: „Unsere Kun-
den wollen ein Auto nicht nur nutzen, sie
wollen es auch besitzen“, sagte der Audi-
Chef dem Fachmagazin Automotive
Agenda, „ich binnicht der Meinung, dass
inzwei, drei Jahrenalle Welt mit der Kre-
ditkarte kleine Autos auf Leihbasis
nutzt. Das wirdso nicht massenhaft funk-
tionieren.“ Joachim Becker
Dienstag, 26. April 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 35
Ikone: Der
DBR2 – 1957
bei Lagonda
für Aston
Martin ent-
wickelt.
Unterwegs
Hommage an
die Stoßstange
Zum Mitnehmen: 300 Smart stehen in Hamburg zur Kurzmiete bereit.
Familien-
Bande: Der
Supersportler
One-77 (oben)
zeigt die neue
Formenspra-
che. Braver
und prakti-
scher rollt der
kleine Cygnet
durchs Leben.
Zum Portfolio
gehören auch
der Rapide
und der ambiti-
onierte Virage
(kl. Fotos, von
oben nach
unten).
Inhalt
MOBILES LEBEN
W
enn Shanghai ruft, gehorcht
die Welt – besonders die mit
den vier Rädern. Denn für
die Autobranche ist die Me-
ga-Metropole in China so etwas wie das
Symbol des ungebremsten Wachstums.
Woeinst Fahrräder das Straßenbildpräg-
ten, schiebt sich heute sechs- und acht-
spurig der Verkehr durch endlose Hoch-
hausschluchten. Und schon der Blick aus
dem Taxi, das uns zur „Auto Shanghai“,
der alle zwei Jahre stattfindenden Auto-
messe, fährt, reicht, um zu erkennen:
Mehr geht nicht.
Dochdie Realität sieht anders aus, Chi-
nas Verkehr wächst und wächst. Der
Hunger nach Mobilität scheint bei wei-
tem nicht gestillt zu sein, trotz der mehr
als 13 Millionen Pkw, die jährlich neuzu-
gelassen werden. Schon bald sollen es
30 Millionen sein. Kein Wunder, dass vor
allem die deutschen Autohersteller hier
das ganz große Rad drehen. VW-Chef
Martin Winterkorn bezeichnet China gar
als das „Gravitationszentrumfür Wachs-
tum“, will mit denchinesischen Partnern
bis 2015 mehr als zehn Milliarden Euro
investieren. Vergangenes Jahr setzten
die Wolfsburger, die in China bereits
1984 die erste Tür aufstießen, dort mehr
als 1,8 Millionen Autos ab.
Mit nach Shanghai brachte Volkswa-
gen den Beetle. Die neue Generation
sieht nun endlich so aus, wie man es sich
gleich gewünscht hätte. „Wir haben dem
Käfer maskulinere Züge gegeben“, sagt
VW-Designchef Walter de’Silva. Und
Entwicklungsvorstand Ulrich Hacken-
berg liefert die technischen Daten: „Mit
bis zu 200 PS ist der Beetle der stärkste
und schnellste Käfer aller Zeiten.“ Zu
dendeutschenHändlernrollt der inMexi-
ko gebaute VW im Okto-
ber. Glaubt man den Ge-
rüchten, soll der Preis bei
rund 17 000 Euro starten.
Zufriedene Gesichter
auchbei Mercedes. Obwohl
die chinesische Regierung
ausländische Edelkarossen
teils mit deftiger Steuer be-
legt, die den Neupreis
leicht verdoppeln kann,
wollendie Reichenauf Sta-
tus nicht verzichten. Nir-
gends auf der Welt ver-
kauft Mercedes mehr
S-Klasse-Modelle als in
China, vergangenes Jahr
waren es 25 000. Auch die unteren Bau-
reihen sind prächtig im Geschäft – allein
im ersten Quartal 2011 entschieden sich
42 990 Chinesen für den Stern, 78 Pro-
zent mehr als im gleichen Vorjahreszeit-
raum. „Es gibt derzeit keinen besseren
Ort als China, um ein neues Modell zu
präsentieren“, sagte Daimler-Chef Die-
ter Zetsche amVorabend der Messe. Und
so zog Zetsche zusammen mit Entwick-
lungsvorstand Thomas Weber das Tuch
von der neuen A-Klasse. Genauer gesagt,
von einer Studie, die so aussieht wie die
nächste A-Klasse. Und die kommt einem
Paradigmenwechsel gleich: Weg vomho-
hen und Van-artigen Vorgänger, hin zu
einemflachen undsportlichenKompakt-
modell. Im Visier hat man vor allem den
Audi A3 und denBMWEinser. Undnicht
nur in Sachen Qualität will man die Bay-
ern überholen – serienmäßig wird ein ra-
dargestützter Notbremsassistent an
Bord sein, der einen Auffahrunfall spür-
bar lindern soll.
Audi, in China führende Premium-
marke, nutzt die Bühne für das Debüt
des Q3, obwohl der Wagen bei uns erst im
September in den Handel geht. Mit ihm
könnte es noch längere Lieferzeiten als
beim Q5 geben, denn: Größe, Design und
Verbrauch passen bei diesem Kompakt-
SUV bestens zusammen. Und auch
BMW, mit 55 000 verkauften Einheiten
imerstenQuartal auf Platz zwei der deut-
schenLuxusanbieter, weiß umdie messe-
lose Zeit bis zur IAAin Frankfurt imSep-
tember und zeigt in Shanghai den neuen
M5 sowie die äußerst elegante Coupé-Va-
riante der Sechser-Baureihe.
Fast schon Heimvorteil genießt Volvo.
Die Schweden wurden vom chinesischen
Geely-Konzern übernommen, was aber
Designchef Peter Horbury nicht davon
abhielt, bei seinen nordisch-kühlen For-
men zu bleiben. Und so gehört der mehr
als fünf Meter lange Universe zu den
schönsten Limousinen der Messe. Den
Beauty-Preis imCrossover-Segment ver-
dient dagegen Citroën; der DS5 dürfte
mit seinemavantgardistischenDesignso-
gar notorische Van-Gegner bekehren.
Dochso vertraut für denwestlichenBe-
sucher der Auftritt der deutschen, euro-
päischen, koreanischen und japanischen
Autohersteller auch sein mag – schier er-
schlagen wird er von der Vielfalt chinesi-
scher Modelle und Marken. Hersteller
wie SAIC, BAIC, Chery,
BYD, Dongfeng, Changan,
Brilliance, Great Wall und
FAWgehörennochzudenbe-
kanntesten. Schwieriger
wird es bei Zotye, Jonway,
Haima, Hawtai, Huanghai,
Luxgen, JAC oder GAC.
Und als wäre das alles
noch nicht genug, versuchen
die Lokalakteure, sich mit
lauter Musik, schlechten
Tanzdarbietungen oder hüb-
schen Hostessen zu übertref-
fen. Hinzu kommt mehr oder
weniger hilfloses Personal,
das freundlich lächelt, je-
doch bei der englischen Sprache wortlos
bleibt. Schon nach kurzer Zeit ist in die-
sem Trubel das Gehirn überfordert, die
Fülle an Neuheiten abzuspeichern,
weil sich doch alles irgendwie
ähnlich ist. Abwechslung
bietenda einpaar fre-
che Plagiate, die der
Mercedes B-Klasse,
dem Porsche Ca-
yenne oder demRan-
ge Rover täuschend
ähnlich sehen. Wir
sind schließlich in
China. Michael Specht
Neue Gesichter: Das Elektro-Thema besetzt
Audi mit einem Hybrid auf Basis der künfti-
gen A3-Limousine. Der VW Beetle bekommt
endlich die passenden Proportionen, BMW
zeigt mit dem Sechser, wie elegant große
Coupés sein können und Mercedes weist
den Weg hin zur nächsten A-Klasse (kl.
Fotos oben, v.l.n.r). Volvo überrascht mit
dem Universe, Citroën mit dem Cross-
over DS5. Und bei Brilliance geht nichts
ohne eine schöne Frau. Fotos: spe (4)
Rechtzeitig zur vierten Auflage des
Volvo Ocean Race 2011/2012, der härtes-
ten Hochsee-Regatta der Welt, hat Volvo
Sondermodelle für vier Baureihen auf
die Räder gestellt. Erkennbar sind sie an
den Sonderlackierungen Ocean-Race
Blau-Metallic undElectric-Silber-Metal-
lic; im Inneren soll die Art der Nähte der
Lederpolster andie Verarbeitung vonSe-
geln erinnern. Die Sondermodelle gibt es
für die Baureihen V60, XC60, V70 und
XC70. Die Preisliste startet mit 31 500
Euro für den Volvo V60 Ocean Race
(110 kW/150 PS) und geht bis 52 650 Eu-
ro für den 224 kW(304 PS) starken XC70
Ocean Race AWD Geartronic.
Der Einsatz eines neuen Dieselmotors
soll den Porsche Cayenne sparsamer und
stärker machen. Der Sechszylinder mit
drei Liter Hubraum, bei demunter ande-
rem das Einspritzsystem überarbeitet
wurde, leistet 180kW(245PS), die Höchst-
geschwindigkeit wird mit 220 km/h an-
gegeben. Laut Werk soll der Verbrauch
imDurchschnitt 7,2Liter für 100 Kilome-
ter betragen.
Ein siebensitziges Crossover mit dem
Namen JX hat Infiniti angekündigt.
Nach ersten Informationen kommt das
neue Modell mit einer sportlich-langgezo-
genen Karosserie, einem flachen, leicht
nach hinten abfallenden Dach und
schmalen Fenstern; den Passagieren ste-
hen drei Sitzreihen zur Verfügung. Die
Weltpremiere ist für die Los Angeles Au-
to Show im November angekündigt; der
Marktstart ist für 2012 geplant. op
Der zweithäufigste Name, den sich
Menschen weltweit tätowieren lassen,
lautet Harley-Davidson – keine andere
Motorradmarke freut sichüber einender-
art lebenslang engen Bezug zuihrenKun-
denwie der 1903 inMilwaukee gegründe-
te Motorrad-Hersteller. „Wir kreieren
Träume underfüllensie“, sagt Bill David-
son, Urenkel des Firmenmitbegründers
William A. Davidson und derzeitig die
Gallionsfigur des US-Unternehmens,
„mit unseren Motorrädern wollenwir er-
reichen, dass die Biker immer mit einem
Lächeln unterwegs sind.“
Harley-Davidson selbst dagegen hatte
in den vergangenen Jahren nur wenig zu
lachen. Die Delle im Zweirad-Geschäft
in Verbindung mit der US-Wirtschafts-
krise hatte das Unternehmen arg gebeu-
telt. Seit 2006, als noch knapp 350 000
Harleys weltweit verkauft wurden, ging
es stetig bergab; 2010 waren es nur noch
210 000 Exemplare. Nur inEuropa, spezi-
ell in Deutschland, gingen die Sportster,
Softails undE-Glides weg wie geschnitte-
nes Brot. Mit knapp 9000 Verkäufen und
knapp zehn Prozent Marktanteil ist man
Herstellernwie Yamaha, Suzuki undKa-
wasaki hierzulande dicht auf denFersen.
Nun aber scheint Harley auch in den
USA unter dem neuen geschäftsführen-
den Vorstandsmitglied Keith E. Wandell
dank drastischer Sparmaßnahmen und
neuer Produktionsabläufe die Kurve be-
kommen zu haben. Der Harley-Chef
scheute nicht einmal davor zurück, der
Belegschaft mit demUmzug der Produk-
tion aus dem Stammwerk in Milwaukee
zu drohen, wenn die Gewerkschaft nicht
mitziehen würde. „Neben allem notwen-
digen Sparen geht es uns mit dem neuen
Produktionssystem darum, dem Kunden
sein Motorrad genau so zu liefern, wie er
es haben will“, erklärt Wandell die An-
fang des Jahres vorgestellte H-D1 Facto-
ry Customization Initiative. „JedemCus-
tomer sein Custom-Bike“ lautet der
Kennsatz des Programms, das derzeit an
der neuen XL1200 Sportster Custom ge-
testet wird.
„Bisher konnte der Kunde nur zwi-
schenwenigenOptionenwie anderenRä-
dern oder einigen Sicherheits-Extras
wählen“, erläutert Harley-Manager Jeff
Smith, „mit der Sportster Custom bieten
wir dem Käufer nun bis zu 2600 Varian-
ten an, um sein Motorrad zu individuali-
sieren.“ So gibt es jetzt die Möglichkeit,
aus einer Anzahl verschiedener Räder,
Lenker, Farben, Fußrasten, Scheiben,
Auspuffanlagen und Motorlackierungen
das ganz persönliche Custom-Bike schon
ab Werk zu ordern. In den USA läuft das
Programmbereits, inEuropa soll es dem-
nächst eingeführt werden. Und wenn die
Resonanz weiterhin so positiv ist wie bis-
her, dann soll H-D1 auf weitere Modelle
ausgeweitet werden. „Im Motorradbe-
reich hat das noch kein Hersteller durch-
gesetzt“, meint Bernhard Gneithing,
Marketingchef bei Harley-Davidson
Deutschland, „undes hat keiner die Vari-
antenvielfalt wie wir. Anhand unseres
Zubehörkataloges wären theoretisch
280 000 Kombinationen möglich – da
muss man sicherlich eine Grenze zie-
hen.“ Die Hoffnung aber ist, mit dieser
neuen Strategie der Factory Custom
Bikes vor allemeine junge Zielgruppe an-
zusprechen, die Wert auf Individualität
und Eigenständigkeit legt.
Auch wenn Harley-Davidson immer
betont, wie innig man mit demCustomer
verbunden sei – Bill Davidson ist ehrlich
genug, um zuzugeben, dass Customizati-
on, also die kundenindividuelle Massen-
produktion, ein Riesengeschäft ist: „Un-
ser Programm hilft dabei, die Leute an
die Marke zu binden.“ Derzeit investiert
jeder der Harley-Fahrer im Schnitt etwa
2500 Euro zusätzlich beim Neukauf in
Anbau- undZubehörteile; rund 1500 Eu-
ro gibt er durchschnittlich noch einmal
pro Jahr für Merchandise, Bekleidung
und weitere Umbaumaßnahmen aus.
„Das ist wie eine Reise, die niemals en-
det“, freut sich Jeff Smith, „das Wissen
darum, dass meinBike nicht aussieht wie
alle anderen, ist Ausdruck der eigenen
Persönlichkeit und des eigenen Lebens-
stils. Eine Harley-Davidson ist nicht nur
einfach eine Maschine.“
Und nur der Vollständigkeit halber:
Das am häufigsten tätowierte Name der
Welt lautet Mummy. Norbert Meiszies
Marken & Modelle
Jedem Kunden sein Motorrad
Harley-Davidson geht neue Wege: Factory Custom Bikes sollen eine auf Individualität setzende, junge Zielgruppe erreichen
Nicht ohne Grund lässt VW-Chef Mar-
tin Winterkorn ungewohnt häufig den
Namen Kia fallen, wenn es um die größ-
ten Konkurrenten von morgen geht.
Dennder Ehrgeiz unddas Tempo, das die
Koreaner derzeit an den Tag legen, ist
ihm fast schon unheimlich. Keine Gra-
fik, bei der die Kurve nicht nach oben
zeigt – trotz Wirtschaftskrise 2009. In
den vergangenen sechs Jahren hat Kia
seine Produktion auf zwei Millionen Au-
tos verdoppelt. Zusammen mit der Mut-
ter Hyundai liegt man mit 5,7 Millionen
Fahrzeugen bereits auf Platz vier der
weltgrößten Autohersteller – vor Ford.
Die Gründe dafür sind einfach: Die
Qualität stimmt, der Preis passt und seit
einigen Jahren fährt Kia auch beim De-
sign auf der Überholspur. Jüngstes Bei-
spiel, nach dem SUV Sportage und dem
Mini-Van Venga, ist der Picanto, das
kleinste Modell im Portfolio der Korea-
ner. Nach dem Motto „Niedlich war ges-
tern“ stellte Ex-Audi-Designer Peter
Schreyer einen rundumgefälligen Klein-
wagen auf die Räder, dem, zumindest
nach optischen Maßstäben, andere im
Segment hinterherfahren.
UndauchinanderenDisziplinendürf-
te es für die Konkurrenten eng werden.
DennVerarbeitungundAuswahl der Ma-
terialien überzeugen, billiges Hartplas-
tik sucht man imPicanto vergeblich. Oh-
ne KritiksindauchBedienung, Handlich-
keit und Fahrkomfort. Mit 3,60 Meter
Länge (plus sechs Zentimeter gegenüber
dem Vorgänger) bleibt der kleine Korea-
ner kurz genug für den engen City-
verkehr, bietet aber dennoch gute Platz-
verhältnisse imInnenraum; selbst hinten
müssen sich Erwachsene nicht krüm-
men. Der Kofferraum liegt mit 200 Liter
über dem Klassendurchschnitt und lässt
sich mit einfachen Handgriffen auf bis
zu 857 Liter erweitern, ebener Lade-
boden inklusive.
Auf der Pole-Position steht der Kleine
auch beimVerbrauch, für viele Kleinwa-
genkunden ein wichtiges Kaufkriterium.
DenBasisantrieb bildet einkomplett neu
entwickelter 1,0-Liter-Benziner, für den
Kia einen Verbrauch von 4,2 Liter
(99 Gramm CO2) verspricht. Der Dreizy-
linder leistet 51 kW(69 PS), nimmt mun-
ter Gas anundlässt höchstens auf der Au-
tobahn hin und wieder das Gefühl auf-
kommen, ein bisschen mehr Kraft könn-
te es schon noch sein. Für diejenigen In-
teressenten bietet Kia nicht nur einen
1,2-Liter-Vierzylinder mit 63 kW(85 PS)
an, sondern erstmals ab Werk auch eine
60 kW(82 PS) starke Flüssiggasvariante,
die für den Herbst des Jahres angekün-
digt ist; der 1,0-Liter-Dreizylinder soll
so auf einen CO2-Ausstoß von 95 Gramm
pro Kilometer kommen. Bestellt man das
optionale Start-Stopp-System, sollen es
dann gar nur noch 90 Gramm sein.
Die Preise für
denvorerst nur vier-
türig lieferbaren
Picanto – Händler-
start ist der
30. April – begin-
nen in der Ausstat-
tungslinie Attract
mit 9390 Euro. Der
etwas sportlichere
Zweitürer kommt
imHerbst und star-
tet mit wenigstens
8990 Euro. Das ist
äußerst knapp kal-
kuliert, und der
Kunde sollte wissen, dass er es hier mit ei-
nemVerzichtsmodell auf kleinen Rädern
zu tun hat. Gewohnte Annehmlichkeiten
wie Klimaanlage, elektrische Fensterhe-
ber undZentralverriegelung fehleneben-
so wie ESP, höhenverstellbare Gurte, la-
ckierte Stoßfänger und diverse Ablagen
sowie Dekorelemente. Deutlich besser
fährt man mit der nächsthöheren Linie
Vision, die viertürig 10 030 Euro kostet
und für die es zwei optionale Pakete gibt,
die unter anderemKlimaanlage, Zentral-
verriegelung und ESP beinhalten. Wer
zusätzlichdankStart-Stoppnochdie Ru-
he an der roten Ampel genießen will,
muss zur Topausstattung Spirit greifen
und zahlt dann 13 150 Euro.
Kia will dieses Jahr in Deutschland
5000 Picanto verkaufen, 2012 sollen es
drei Mal so viele werden. Diese Progno-
sendürftennachkoreanischer Art tief ge-
stapelt sein. Schließlich punktet der Pi-
canto mit einem Trumpf, den kein ande-
rer Kleinwagen auf der Welt bietet: sie-
ben Jahre volle Hersteller-Garantie. spe
ImOsten viel Neues
Die deutschen Hersteller sind auf der „Auto Shanghai 2011“ so stark wie nie zuvor und setzen im größten Markt der Welt Zeichen
Niedlich war gestern
Mit dem neuen Picanto will Kia im Rudel der Kleinwagen ganz vorne fahren / Eine Flüssiggasvariante ist für den Herbst angekündigt
www.sueddeutsche.de/automobil
Seite 36 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 Dienstag, 26. April 2011
MOBILES LEBEN
Einzelstücke: V-Rod (links) und Fat Boy von Harley-Davidson.
Frisch gemacht:
der neue
Kia Picanto.
Teilt sich die Technik
mit dem VW Tiguan:
der neue Audi Q3.
D
ie Welle drückt Lilly lange un-
ter Wasser. Spült sie von ihrem
Bodyboard auf ein Riff. „Nur
ein paar Schürfwunden“ habe
sie sich dabei geholt, schildert Lilly von
Treuenfels, elf Jahre alt, grinsend ihre
erste Erfahrung mit einem Bodyboard.
Als sie wieder trockenen Boden unter
den Füßen hatte, fällte sie trotzdem eine
Entscheidung: „Ich wollte nie wieder
Bodyboarden und lieber richtig surfen –
also auf dem Brett stehen statt liegen.“
Genau wie ihr Vater. Und Lilly schnapp-
te sich Papas Longboard.
Keine zwei Jahre ist das her. Zwei Jah-
re, in denen die junge Surferin so manche
Welle geritten hat. Und längst ist sie so
gut, dass sie Ende Mai bei der Surf-Welt-
meisterschaft inPerufür die Deutsche Ju-
nioren-Nationalmannschaft antreten
wird. „Ich sehe das eigentlich ganz lo-
cker“, sagt sie, „es macht mir einfachrie-
sig Spaß, im Wasser zu sein.“ Einschät-
zen, welches Potential Lillyhat, kannNa-
tionaltrainer ArndWiener, Leiter der Ju-
gendarbeit im Deutschen Wellenreit-
verband (DWV): „Lilly ist noch sehr
jung. Da ihre Eltern sie beimSurfen aber
sehr starkunterstützen, hat sie gute Mög-
lichkeiten, sich weiter zu entwickeln.“
Aber wie steigt ein junges Mädchen,
das in Hamburg auf-
wächst und das Meer
nur gelegentlich bei den
Großeltern an der
Flensburger Förde
sieht, zum Surftalent
auf? Die nächste surfba-
re Welle ist schließlich ein
paar hundert Kilometer
weit weg – denkbar schlechte
Trainingsbedingungen. Der
Hauptgrund für Lillys
Hangzur Welle ist Vater Hu-
bertus, selbst leidenschaftli-
cher Wellenreiter. Denn es
war ein sehr langer Urlaub,
der sie aufs Brett holte.
2009/2010verbrachte die gan-
ze Familie einJahr auf der Ka-
ribikinsel Barbados. „Wir
wollten irgendwo hin, wo es
warm ist und wo man surfen
kann“, sagt von Treuenfels,
der unter anderem mit ei-
ner Job- und Praktikums-
börse selbständig ist und
seine Arbeit von unterwegs erledigte;
Mutter Ilka ist Lehrerin und konnte ein
Sabbatjahr nehmen. Nur Lilly musste
ran: Sie ging auf Barbados in die fünfte
Klasse. Und während Kinder hierzulan-
de Radfahren, geht man auf Barbados
surfen. „Teilweise war ich schon vor der
Schule im Wasser“, erzählt Lilly.
Hier erwischte Lilly auch jene Welle,
die sie aufs Riff spülte. Doch die Schmer-
zensindlängst vergessen. Zuihremzehn-
ten Geburtstag, den Lilly auf Barbados
feierte, bekamsie ihr erstes Surfboardge-
schenkt. „Ein 6,4er“, wie sie fachmän-
nisch erklärt – 6,4, das ist die Länge ihres
Brettes in Fuß. Damit ritt sie Wellen ab,
die mehr als zwei Meter hoch sind. Inzwi-
schen surft Lilly noch kleinere Boards in
noch größeren Wellen. Auf Barbados
lernte sie viele surfende Kinder und Ju-
gendliche kennen, von denen sie sich alle
möglichen Tricks abschaute. Gegen En-
de des Aufenthalts riet der Trainer Lillys
Eltern, das Kind zu
fördern; also
meldete Mut-
ter Ilka ihre
Tochter nach der Heimkehr aus Barba-
dos für ein Sichtungscamp des DWV im
französischen Cap Ferret an. Während
solcher Camps schauen sich erfahrene
Surfer den Nachwuchs an, geben Tipps,
bieten Trainings und beurteilen das Ta-
lent der jungen Surfer. „So wähle ich die
besten für den Juniorkader aus“, sagt
Arnd Wiener. Lilly schlug sich gut; dabei
wusste sie gar nicht, was so ein Camp für
sie bedeuten könnte. „Als die mir sagten,
dass ich im Kader bin, wusste ich gar
nicht, was das ist. Das mussten die mir
erst mal erklären.“ Bis zu zwölf Kinder
kommen in den Kader, wobei es eine
Mädchenquote gibt – vier müssen es sein.
Beim Camp in Cap Ferret waren nur
neun sogenannte Groms aus Deutsch-
land dabei – so heißen die, die noch keine
16 Jahre alt sind. Lilly hatte also nicht
viel zu befürchten. „In ihrer Altersklasse
ist die Konkurrenz in Deutschland prak-
tisch nicht vorhanden, international
wird sie mit steigendem Alter aber sehr
groß“, weiß Arnd Wiener, „bei Wett-
kämpfen auf internationaler Ebene hat
Lilly deshalb aktuell noch eher geringe
Chancen. Ichsehe aber reichlichPotenti-
al, sich zu entwickeln. Es wird interes-
sant, wie sie sich in Peru bei der WMver-
hält – eine gute Möglichkeit, Erfahrun-
gen zu sammeln, auf denen wir aufbauen
können.“ Gegen die Konkurrenz aus den
USA, Australien oder Südamerika anzu-
surfen, ist nicht gerade ein Spaziergang.
„Deutschland und Surfen ist wie Jamai-
ka und Bobfahren“, bringt es Hubertus
vonTreuenfels auf denPunkt. Würde Lil-
ly aber tatsächlichgewinnen, wäre sie je-
denfalls die erste deutsche Surferin mit
einem WM-Titel. Immerhin schnitt das
deutsche Teambei der letzten EMinPor-
tugal mit einem ansehnlichen fünften
Platz ab. „Da haben wir ein Zeichen ge-
setzt“, sagt Wiener.
Den Grund dafür, dass sich die Deut-
schen relativ gut in den Wellen machen,
erklärt der DWV-Nationaltrainer damit,
dass „viele Kinder mittlerweile viel Zeit
amMeer verbringen. Das ist alles eine Sa-
che der Förderung durch die Eltern und
des Engagements“. Lilly ist die einzige
im Kader, die noch in Deutschland lebt.
Undsie träumt davon, aneinemOrt zule-
ben, in dessen Nähe meterhohe Wellen
an den Strand klatschen. Sie lacht: „Ich
will einfach nur irgendwohin, wo man
surfen kann.“
Dass die Eltern ihr das Auswandern in
absehbarer Zeit genehmigen werden,
darf bezweifelt werden. Die Unterstüt-
zung für den Sport ist Lilly aber garan-
tiert. „Besser kann es doch gar nicht lau-
fen“, sagt ihr Vater, „ich kann mit mei-
ner Tochter und meiner Frau gemeinsam
surfen.“ Und um den Bekanntheitsgrad
ihrer Tochter zu steigern, legen sich Lil-
lys Eltern ganz schön ins Zeug: Inter-
views, Filmchen im Netz, zuletzt ein
Buch über Kinder, die surfen lernen.
Und Lilly, die meint es sowieso richtig
ernst. In den Frühjahrsferien war sie ge-
meinsam mit ihrem Vater zum Trainie-
ren auf Barbados. Jetzt, Mitte April,
folgt ein weiterer Trip hin zu den Wellen
nach Teneriffa – diesmal mit ihrer Ma-
ma. Da möchte Lilly ihren Cut-Back ver-
bessern. Doch Surfen allein macht noch
keine Wellenreit-Weltmeisterin: Um
Kondition und Koordination zu trainie-
ren, geht sie zu Hause regelmäßig
Schwimmen und zumYoga. Und abends,
gemütlich vor dem Fernseher, da macht
Lilly Sit-ups. Daniel Hautmann
Lilly von Treuenfels
Auf Barbados stieg Lilly erstmals auf
ein Surfbrett. Und bald gewann sie ih-
re erste Trophäe: erster Platz bei den
Unter-Zwölfjährigen des Junior-Surf-
Clubs. Zu Hause in Hamburg kommt
sie eher selten aufs Brett, was nicht
nur an den fehlenden Wellen liegt. Lil-
ly ist eher mit Schule und Hausaufga-
ben beschäftigt, schließlich besucht
sie die sechste Klasse des Gymnasi-
ums. In ihrer Klasse ist sie
nicht die einzige Surferin
– eine Mitschülerin, ei-
gentlich auf Sylt zu
Hause, surft eben-
falls leidenschaft-
lich. Zusammen auf
demWasser waren
die beiden aber
noch nicht. dha
Fünf Distanzen können Läufer am
8. Mai beim Frühjahrslauf München in
Angriff nehmen: Neben dem Halbmara-
thon auch fünf und zehn Kilometer oder
zwei Mini-Marathons mit 500 und
1600 Meter. Die Strecken verlaufen über
einen fünf Kilometer langen Rundkurs
durch den Olympiapark. Infos:
www.halbmarathon-muenchen.de.
Von 20. bis 22. Mai treffen sich Skate-
boarder zumClash 2011 in der Skatehal-
le Berlin-Friedrichshain. Zum siebten
Mal gibt es diese Veranstaltung schon,
nachvier JahrenPause ist dieses Mal wie-
der ein Vert-Contest im Programm – auf
Europas größter Skaterampe. Informatio-
nen: www.skatehalle-berlin.de.
Er ist der größte Landschaftslauf Mit-
teleuropas: der Rennsteiglauf, der über
den Höhenweg des Thüringer Waldes
führt. Dieses Jahr gehen die etwa 15 000
Läufer, Nordic Walker und Wanderer
am 21. Mai an den Start des Crosslaufs,
der vor allem in Ostdeutschland sehr be-
kannt ist. Der seit den siebziger Jahren
stattfindende Lauf war die größte Brei-
tensportveranstaltung der DDR– wer er-
folgreich war, konnte mit viel Anerken-
nung inSportlerkreisenrechnen. Die Kö-
nigsstrecke ist der Supermarathon mit
72,7Kilometer; danebengibt es einenver-
längerten Marathon mit 43,5 Kilometer
und einen Halbmarathon. Wanderer und
Nordic Walker können zwischen 17,
35 und 50 Kilometer wählen, Crossläufe
für Kinder undJugendliche gibt es vonei-
nembis neun Kilometer und einen Renn-
steig-Special-Cross für Menschen mit
geistiger Behinderung von 3,7 Kilome-
ter. Infos: www.rennsteiglauf.de.
Die Veranstalter des Marathons von
Venedig organisieren in diesem Jahr
noch einen zweiten Lauf – gemeinsam
mit den Nachbargemeinden Jesolo und
Cavallino Treporti veranstalten sie am
21. Mai den Moonlight Half Marathon.
Der neue Halbmarathon startet bei Son-
nenuntergang um 20 Uhr und führt von
Punta Sabbioni nach Cavallino Treporti
über eine schnelle und freie Strecke ent-
lang der Lagune und der Küstenstraße
Venedigs. Durch im Abendlicht liegende
Landschaftengeht es bis ins ZentrumJe-
solos zumZiel auf der Piazza Mazzini. In-
fos: www.moonlighthalfmarathon.it.
Im vergangenen Jahr kamen mehr als
20 000 Zuschauer – wahrscheinlich auch
deshalb, weil die Strecke beim einzigen
UCI Mountainbike Weltcup (Foto) in Of-
fenburg überall entlang des Kurses gut
einsehbar ist. Bereits zumfünften Mal ist
die Stadt am 28. und 29. Mai Austra-
gungsort dieses beliebtenRadrennens. In-
fos: www.scheiderbauer-sports.com.
Für Mountainbiker sind die Berge
rund um den Gardasee ein Traumziel.
Deshalb findet dort schon seit 18 Jahren
im Mai das große Bikefestival Garda
Trentino statt. Von 27. bis 29. Mai kann
man dort den Mountainbikesport in sei-
nen verschiedenen Ausprägungen erle-
ben. Der Höhepunkt des zweiten Tages
ist der Rocky Mountain Bike Marathon,
bei dem die mehr als 2000 erwarteten
Teilnehmer zwischen vier unterschiedli-
chen Distanzen von 27 bis 105 Kilometer
und 600 bis 3561 Höhenmeter wählen
können. Daneben werden etliche andere
Wettbewerbe ausgetragen. Informatio-
nen: www.bike-festival.de bilu
Kleine Lilly, große Wellen
Eine elf Jahre alte Schülerin aus Hamburger startet bei der Surf-WM in Peru für Deutschland
Gesehen & gelesen
Es gibt Menschen, die ihren berufli-
chen Erfolg und das hoffentlich reichlich
verdiente Geld nutzen, um sich irgend-
wann zurückzuziehen und dann gemüt-
lich vor sich hin leben. Anders Reiner
Meutsch, Jahrgang 1955: lange Jahre
ganz obeninder Chefetage eines Reiseun-
ternehmens, nebenbei TV- undRadiomo-
derator, vor allem aber begeisterter Pri-
vatpilot. Er gründete 2009die Fly&Help-
Stiftung, die sich zumZiel gesetzt hat, in
Entwicklungsländern Schulen, Kinder-
gärten und Waisenhäuser zu bauen –
100 Adressen sollen es bis 2025 sein.
Das sehenswerte Buch erzählt von sei-
nem „Abenteuer Weltumrundung“, mit
dem er sich im vergangenen Jahr nicht
nur einen Lebenstraum erfüllte, sondern
auch die ersten Projekte seiner Stiftung
besuchte und Neues anschob. Zusammen
mit Copilot Arnim Stief legte Meutsch
mehr als 100 000 Flugkilometer zurück,
überflog 77 Länder auf fünf Kontinen-
ten. Der Idee eines Logbuches folgende
Band macht es auf sympathische und
spannende Weise möglich, diese außerge-
wöhnliche Reise nachzuvollziehen.Denn
Meutsch erzählt in kurzen, aber inhalts-
vollen Texten nicht nur von dem, was er
gesehenunderlebt hat, sondernsehr auf-
merksam und sensibel auch von denen,
die er unterwegs getroffen hat. Das alles
wird getragen von den sehr guten, repor-
tagehaften Fotografien, die Copilot Stief
gemacht hat.
UntermStrich also ein Buch, das nicht
nur Fernwehweckt, sondernauch vonet-
was Gutem erzählt. op
Reiner Meutsch: Abenteuer Weltum-
rundung; erschienen im Eigenverlag;
264 Seiten; über 250 Fotos; 29,90 Euro.
Der Erlös des Buches kommt der Reiner
MeutschStiftung Fly &Help zugute; wei-
tere Infos unter www.fly-and-help.de.
Termine im Mai Mittel & Wege
Bei Kälte geraten Gaskocher an ihre
Grenzen. Der Hersteller Jetboil hat des-
wegeneinenKocher konstruiert, der mit-
tels einer Druckregulierung dafür sorgt,
dass dem Kocher auch bei Minusgraden
nicht die Puste ausgeht. Der Sol Titani-
umAdvanced Cooking, den man bequem
mit einem Druckknopf anzünden kann,
hält seine Brennleistung bis mindestens
minus sechs Grad Celsius konstant. Der
sehr leichte Kocher kommt mit einemauf-
steckbaren Wassertopf. 155 Euro. Infor-
mationen: www.jetboil.com.
Wild Race’R heißt ein Mountainbike-
reifen von Michelin, der jetzt auf den
Markt gekommen ist. Der Reifen ist nach
Herstellerangaben dank seiner hohen
Spurtreue, gutem Grip und der stabilen
Seitenführungvor allemfür schnelles Ge-
lände gedacht. In der Advanced-Version
verfügt der Reifen über eine 127-TPI-
Karkasse undsoll somit auchfür denhar-
ten Wettkampfeinsatz geeignet sein. Alle
Tube-Type-Reifen der Wild-Serie sind
zudem „tubeless ready“, also auch
schlauchlos einsetzbar. Die Preise begin-
nen mit unverbindlichen 28,95 Euro. In-
fos: www.michelin-fahrrad.de.
Tubus bietet einen 538 Gramm leich-
ten Gepäckträger fürs Fahrrad, bei dem
die Taschenlinks undrechts vomHinter-
rad hängen; so können Zelt oder Schlaf-
matte quer über die Ladefläche ge-
schnallt werden. Der Träger besteht aus
Titan und ist besonders witterungsbe-
ständig. Er kostet 200 Euro und hat
30 Jahren Garantie. Informationen:
www.tubus.com. bilu
Dienstag, 26. April 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 37
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Parrots neuer Autoreceiver namens
Asteroid bietet nicht nur Freisprechtele-
fonie, sondern soll auch das Internet ins
Auto bringen. Das Gerät läuft mit Goo-
gles Betriebssystem Android und wird
mit einemexternen GPS-Empfänger ge-
liefert. Umeine Internetverbindung her-
zustellen, brauchen die Kunden zusätz-
lich einen handelsüblichen UMTS-
Stick mit einer SIM-Karte und einem
Datentarif. In Deutschland sollen von
Mai an drei Applikationen erhältlich
sein: Standortbestimmung, ein Karten-
dienst, der aber nur Informationen zu
nahegelegenen Einrichtungen anzeigt,
sowie ein Tank-App, das günstige Tank-
stellen in der Umgebung anzeigt. Mit
Sprachanweisungen navigieren kann
Asteroid derzeit noch nicht, um als Na-
vi zu dienen, wäre auch der Bildschirm
etwas zu klein. Über das Internet soll
das Gerät zudem in der Lage sein, Tau-
sende Internetradio-Stationen zu emp-
fangen. Als Musikquellen lassen sich au-
ßerdem auch USB-Medien sowie SD-
Karten und iPods und iPhones von
Apple andocken. Das Gerät soll für
299 Euro angeboten werden.
Mit der Alert App können die Nutzer
von Logitechs Videoüberwachungssys-
temen nun auch auf demBildschirmdes
iPads überprüfen, ob zu Hause oder in
der Firma noch alles in Ordnung ist.
Die App ist kostenlos, wer allerdings
nachträglich Aufzeichnungen abrufen
will, die durch Bewegungen ausgelöst
wurden, muss 59 Euro für ein Zusatz-
programm investieren. Überwachungs-
kameras für drinnen und draußen gibt
es von 279 Euro an.
Kino-Erlebnis mit 7.1-Raumklang,
aber ohne Kabelsalat und ohne die
Nachbarn zu stören – das verspricht So-
nys neuer Kopfhörer MDR-DS6500.
Das Gerät kommt mit einer Basisstati-
on, die mit einem optischen Kabel an
der Quelle angeschlossen wird. Dies
kann beispielsweise ein Blu-ray-Player
sein. Die Basisstation überträgt das Si-
gnal dann laut Hersteller bis zu 100 Me-
ter weit drahtlos zum Kopfhörer. Die-
ser lässt sich aber auch direkt per Kabel
an digitalen oder analogen Quellen an-
schließen. Der Hörer enthält einen Ak-
ku, der an der Basisstation aufgeladen
wird. Sonys Preisvorstellung liegt bei
249 Euro (mit Basisstation).
Der Softwarekonzern Oracle hat an-
gekündigt, künftig keine kommerzielle
Version der Büro-Programmsuite Open
Office mehr anzubieten. Damit voll-
zieht die Firma eine Kehrtwende. Die
Sache begann, als Oracle den Serverher-
steller und Softwarekonzern Sun Micro-
systems übernahm, der bis dahin als
Geldgeber für das Projekt Open Office
fungiert hatte. Nachdem man erst ver-
sucht hatte, ein kommerzielles Produkt
auf die Beine zu stellen und damit zahl-
reiche Mitarbeiter der freien Bürosoft-
ware verprellt hatte, hält man es nun
wieder für das Beste, das Projekt von
der Gemeinschaft freier Programmie-
rer managen zu lassen. Einige davon
hatten bereits ein neues Projekt namens
Libre Office gegründet. Ob Oracle sich
auch finanziell beteiligen will, ist bis-
her noch offen. ma
Bücher für die Hosentasche
Verschiedene Systeme buhlen um die Gunst der Leser elektronisch gespeicherter Bücher
A
uch wenn viele sich von ihrer
Liebe für gedruckte Bücher
kaum abbringen lassen wer-
den – elektronische Lesege-
räte haben ihren Anteil amMarkt er-
obert. Krimis etwa, die man zuvör-
derst wegen der Spannung und we-
gendes „Wer war’s“ liest, aber sel-
ten ein zweites Mal, bieten sich
für sogenannte E-Book-Reader
an. Durchgesetzt haben sich
aber weniger die reinen Lese-
geräte mit ihren monochro-
men Bildschirmen, sondern
Smartphones und Tablet-
PCs. Es lohnt daher, einen
Blick auf die Dienste zu wer-
fen, mit denen sich Smart-
phones und Tablet-PCs zu Bi-
bliotheken imTaschenformat ma-
chen lassen.
Reine Lesegeräte für elektronische
Bücher werden zwar mittlerweile von
vielen Herstellern angeboten. Doch der
Onlineshopping-Riese Amazon musste
den Preis seines neuesten Kindle-Mo-
dells zuletzt massiv (rund 105 Euro
plus Mehrwertsteuer, Versand und
Zoll) senken und nennt gegenüber
Medien und Analysten auch drei Jah-
re nach Markteinführung noch keine of-
fiziellen Verkaufszahlen.
Denn im Gegensatz zu den Lesegerä-
ten mit ihremSchwarzweiß-Bildschirm
bieten Handys und Tablets eine bunte
Anzeige; mit ihnen kann man auch Spie-
le spielen oder Videos gucken. Und sie
kommen gegenüber den reinen Readern
moderner daher, obwohl man über den
praktischen Nutzen streiten kann.
Denn bei Handys und Tablets wird man
beim Lesen der Hintergrundbeleuch-
tung wegen schneller müde, die Mo-
nochrom-Anzeigen bei Lesegeräten da-
gegen lassen sich wie Papier lesen.
Dennoch greifen mittlerweile viele
lieber zu ihrem Smartphone. Das Dis-
play etwa eines iPhone 4 oder eines
Google Nexus S ist dafür gut geeignet,
hohe Auflösungen mit bis zu 300 Bild-
punkten pro Zoll bilden auch kleine
Schrift scharf ab. Hinzu kommt, dass
die angebotenen Leseprogramme im-
mer besser werden. Wir stellen im Fol-
genden vier interessante Apps für Han-
dys und Tablets vor.
Kindle: Amazon setzt nicht allein auf
sein Schwarzweiß-Lesegerät – stattdes-
sen versucht der Konzern, das Risiko
mit dem Dienst Kindle zu streuen. Die
Anwendung gibt es deshalb für Compu-
ter (PC, Mac), Smartphones (Android,
iPhone, Windows Phone 7) und Tablets
(iPad). Hat man ein Buch erst einmal ge-
kauft, kann man es sich auch auf die an-
deren Plattformen holen. Dabei wird
praktischerweise die Leseposition syn-
chronisiert; auch Notizen werden in der
sogenannten Cloud, also auf Servern im
Internet, abgelegt.
Nach langen und schwierigen Ver-
tragsverhandlungen mit den Verlegern
deutschsprachiger Bücher brachte Ama-
zon das Kindle-Konzept nun kurz vor
Ostern nach Deutsch-
land. Im aktuellen Pro-
gramm finden sich 25 000
Bücher sowie einige Zei-
tungen und Magazine. Das
Lesegerät selbst kann so
auch in Deutschland bestellt
werden und kostet 139 Euro;
soll ein UMTS-Modul dabei
sein, werden 189 Euro in Rech-
nung gestellt.
Google eBooks: Erst imDezem-
ber des vergangenen Jahres gestar-
tet, versucht sich auch der Internet-
Riese amVerkauf elektronischer Bü-
cher. Das Angebot soll bald auch bei
uns verfügbar sein, wir haben uns die
US-Version angesehen. Sie bietet eine
Auswahl aus mehreren Millionen meist
englischsprachigen Titeln. Auch Goog-
le lässt den Nutzer die Buchsammlung
auf den verschiedensten Plattformen le-
sen – sei es nun im Browser, auf Smart-
phones oder Tablets. Dabei geht aller-
dings das Gefühl, ein E-Book wirklich
zu besitzen, verloren – und ohne Inter-
netverbindung sind bestimmte Funktio-
nen nicht nutzbar.
Etwas zu schnell entwickelt scheinen
außerdem die Lese-Anwendungen für
iPhone, iPad und Android gewesen zu
sein: Sie machen an vielen Stellen einen
noch rauen Eindruck. So fehlt etwa
beim iPhone die Möglichkeit, auch im
Querformat und nicht nur im Hochfor-
mat zu lesen, was auf Dauer anstren-
gend werden kann. Außerdem muss
sichder Nutzer bewusst sein, dass Goog-
le wie auch Amazon erfassen, was er
wann liest – nur so ist es möglich, dass
man zum Beispiel auf dem Handy dort
weiterliest, wo man auf einem Tablet
aufgehört hat.
Txtr: Die junge Firma Txtr in Berlin
arbeitete lange Zeit an einem eigenen
Lesegerät in E-Ink-Technik, das aber
nie fertig wurde. Mittlerweile ist das
Start-up deshalb auf eine Lesesoftware
umgestiegen, die mit einemInternetauf-
tritt kombiniert wurde. Sie läuft auf An-
droid- und iPhone-Smartphones und
ist an einenfirmeneigenen, deutschspra-
chigen E-Book-Laden angedockt. Ne-
ben dem Schmökern gekaufter Bücher
kannman Txtr auch als Plattformfür ei-
gene Dokumente nutzen, die dann mit
allen angeschlossenen Geräten synchro-
nisiert werden. Dabei werden verschie-
dene Formate unterstützt.
Die Txtr-Software hat hier und da
noch Macken, weil sie beispielsweise
PDFs anders darstellt als gekaufte Bü-
cher; die Programmierer versprechen
aber regelmäßige Updates. Das alte Pro-
blem, dass man etwa mittels Amazon
Kindle gekaufte Bücher nicht in eine an-
dere Anwendung exportieren kann,
bleibt aber aus Kopierschutzgründen
bestehen – dafür kann Txtr nichts.
Textunes: „Immer und überall in ak-
tueller Literatur stöbern“ – das verspre-
chen die Macher von Textunes. Auch
hier handelt es sich umeine Kombinati-
on aus Online-Laden für deutschspra-
chige Bücher im Web und einer eigenen
Anwendung, die für das iPhone und das
iPadsowie für Geräte mit Android ange-
boten wird. Dabei finden sich im Ange-
bot neben großen Verlagen wie Fischer
oder Dumont auch kleinere unabhängi-
ge Imprints. Einige Titel werden zudem
in einer Kombination aus Hörbuch und
digitalem Druckwerk angeboten, dann
meistens allerdings als eigenständige
Anwendung.
Textunes bietet mittlerweile auch ei-
ne Android-Fassung seiner regelmäßig
aktualisierten und gut gestalteten Lese-
software an. Bislang liegen aber nur ein-
zelne Titel – darunter passenderweise
auch„Das Google-Imperium“ – als eige-
ne Apps vor. Bei den Preisen kann man
indes, wenn man Textunes einfach nur
mal ausprobieren will, wenig falsch ma-
chen: Bereits mit 6,99 Euro pro Titel
geht es los. Ben Schwan
Notebooks sind praktisch, weshalb
sie die grauen Kisten unterm Schreib-
tisch schon ziemlich stark verdrängt ha-
ben. Während Letztere aber immer an
einem Platz stehen und es daher auch
kein Problem ist, Soundboxen aufzu-
stellen, muss man sich bei Laptops oft
mit dem begnügen, was aus den inte-
grierten Lautsprechern dringt – und
das ist meist nur sehr blechern. Wer
aber will schon Boxen samt Kabel und
Netzgerät herumschleppen? Hier sollen
die QSB getauften Mini-Lautsprecher
des niederländischen Herstellers Roby-
tone ansetzen. Sie sind klein und brau-
chen nur ein Kabel.
Die Würfelchen, Preisempfehlung 99
Euro, stecken in einer schwer zu öffnen-
den, verschweißten Plastikverpackung,
der beim Aufschneiden mit einem Cut-
ter – alles andere hätte die Gefahr be-
deutet, sich die Haut aufzuritzen – auch
noch unangenehme Gerüche nach Nitro-
verdünnung entströmten. Der erste Ein-
druck leidet somit schon merklich. Mit
schwarzem Klavierlack und Chrom
hübsch designt, machen die Lautspre-
cher jedoch optisch einiges her und neh-
men auf dem Schreibtisch nicht viel
Platz weg. Ihre Kantenlänge liegt nur
bei 8,5 Zentimeter – das ist weniger als
bei den meisten jener Billiggeräte, die
in den Computerzeitschriften gerne lie-
bevoll Brüllwürfel genannt werden.
Deren schlechte Qualität aber über-
trifft das QSB-Pärchen ein gutes Stück.
Die Lautsprecher werden über USBan-
geschlossen, was bedeutet, dass die Qua-
lität des Sounds nicht vomChip imCom-
puter bestimmt wird, sondern von dem
in den Boxen. Aus dem USB-Anschluss
beziehen die Würfel auch den Strom,
was gleich zur nächsten Frage führt:
Wie können die Würfel mit den 500 Mil-
liampere bei nur fünf Volt (also 2,5
Watt), die der USB-Anschluss laut Stan-
dard zur Verfügung stellt, Spitzen von
bis zu 30 Watt erzeugen, die der Herstel-
ler verspricht? Um das zu umgehen,
verfährt das System nach dem Motto
„Spare in der Zeit, dann hast du in der
Not“. Will sagen: Energie wird zwi-
schengepuffert und eben dann abgeru-
fen, wenn sie gebraucht wird.
Die Installation ist denkbar einfach.
Die beiden Boxen werden mit einem
Cinch-Kabel verbunden, eine der Bo-
xen wird dann per USB-Kabel an den
PC angeschlossen – das ist alles. Am
Rechner steuert man auch die Lautstär-
ke, die Boxen selbst haben weder Knopf
noch Regler, Anschlüsse und Kabel wir-
ken hochwertig.
Das würde man sich auch für den
Sound der Lautsprecher wünschen. Für
ihre Größe ist zwar die Bassleistung der
Boxen erstaunlich und weit über dem,
was man von Laptop-Lautsprechern er-
warten darf. Sie klingen aber mittenbe-
tont, die Treibersoftware bietet keine
Möglichkeit, dies zentral zu ändern. So
ist man auf Abspielprogramme wie den
freien VLC-Player angewiesen, der
auch einen Equalizer mitbringt. Und
dann können sich die kleinen Boxen
wirklich hören lassen. ma
24 Stunden mit . . .
. . . den Lautsprechern
für USB von Robytone
Technik & Trends
Auf Sendung: Sonys
MDR-DS6500.
Seite 38 / Süddeutsche Zeitung Nr. 95 Dienstag, 26. April 2011
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Washington
wolkig 19°
Schauer 19°
Schauer 22°
bedeckt 21°
heiter 20°
wolkig 20°
Schauer 13°
sonnig 16°
Schauer 17°
wolkig 14°
wolkig 22°
heiter 23°
sonnig 26°
wolkig 19°
heiter 22°
heiter 21°
sonnig 14°
wolkig 22°
wolkig 21°
sonnig 23°
Gewitter 15°
bedeckt 20°
Schauer 17°
bedeckt 16°
sonnig 15°
heiter 21°
Schauer 14°
Schauer 18°
wolkig 32°
wolkig 36°
Schauer 14°
sonnig 37°
wolkig 25°
sonnig 23°
Schauer 17°
wolkig 31°
Regen 11°
Schauer 32°
wolkig 27°
Schauer 34°
Gewitter 31°
wolkig 22°
Schauer 21°
sonnig 28°
sonnig 31°
sonnig 32°
Schauer 16°
wolkig 20°
sonnig 27°
wolkig 31°
Gewitter 35°
sonnig 37°
wolkig 25°
Gewitter 31°
Schauer 12°
sonnig 43°
wolkig 17°
Gewitter 32°
wolkig 22°
sonnig 25°
sonnig 34°
Schauer 24°
sonnig 14°
Gewitter 35°
Schauer 20°
wolkig 25°
wolkig 27°
wolkig 18°
wolkig 10°
Schauer 25°
Maximum 1969 25,8 °C
Minimum 1955 -4,1 °C www.wetterkontor.de
N
O W
S
N
O W
S
17°

20°

21°

21°

21°

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14°


17°

17°

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17°

H
H
H
T
T
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1030
1025
1020
10
15
10
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10
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1005
1010
1005
1015 1020
Weltwetter 12.00 Uhr UTC
Madrid
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Stockholm
Berlin
Wien
Berlin
Genf
Hamburg
Münster
Köln
Rostock
Kiel
München
Zürich
Innsbruck
Salzburg
Wien
Stuttgart
Dresden
Frankfurt
Paris
Warschau
Kiew
Belgrad
Moskau
Istanbul
Athen
Tunis
Rom
Urlaubsorte Luft Wasser
Helgoland
Rügen
Sylt
Agadir
Antalya
Heraklion
Malaga
Palermo
Rimini
Tunis
Venedig
Cypern
Mallorca
14°
17°
15°
27°
23°
20°
21°
18°
19°
18°
18°
24°
21°



18°
19°
18°
18°
16°
16°
16°
15°
18°
17°
Helsinki
München
20°

Das Wetter heute: Im Tagesverlauf wechselhaft
Der Hochdruckeinfluss
über Mitteleuropa lässt nach. Im Nord-
westen Deutschlands und in Benelux
scheint noch häufig die Sonne, sonst
wird es wolkiger, und gebietsweise ent-
wickeln sich Schauer oder Gewitter.
Im Nordwesten bleibt es
meist freundlich und trocken. Auch im
Westen und Südwesten beginnt der Tag
mit viel Sonnenschein. Sonst ist es wech-
selnd bewölkt, und es kommt gebiets-
weise zu Regengüssen, örtlich entladen
sich zum Teil kräftige Gewitter. Die
Höchstwerte bewegen sich zwischen 16
und 22 Grad, an den Küsten ist es teil-
weise kühler. Der Wind weht schwach
bis mäßig aus Nord bis Nordost, bei Ge-
wittern können starke Böen auftreten.
Mittwoch Donnerstag Freitag
unter -10°
-10° bis -5°
-5° bis 0°
0° bis 5°
5° bis 10°
10° bis 15°
15° bis 20°
20° bis 25°
25° bis 30°
über 30°
Kanaren
06:05
20:19
03:05
13:39
03.05. 17.05. 10.05. 24.05.
2300 m Nullgradgrenze bei
Aussichten
Wetterlage
Denver
Houston
Havanna
Singapur
Hanoi
Bangkok
Manila
Hongkong
Shanghai
Tokio
Peking
Chengdu
Miami
Washington
Chicago
Toronto
New York
Los Angeles
Vancouver
Nordamerika
Europa
Asien
Warmfront
Kaltfront
Mischfront
Kaltluft
Warmluft
H
T
Hoch
Tief
Schauer 22°
Norden
Osten
Westen
Süden
(Angaben für München)
Nordwind 15 km/h
Nordwind 30 km/h
In Deutschland zugelassene Qualitätsfonds im Wochenvergleich – mitgeteilt von vwd group
Name Währung Ausg. Rücknahme ZWG ISIN
21.04. 21.04. 18.04.
Name Währung Ausg. Rücknahme ZWG ISIN
21.04. 21.04. 18.04.
Name Währung Ausg. Rücknahme ZWG ISIN
21.04. 21.04. 18.04.
Name Währung Ausg. Rücknahme ZWG ISIN
21.04. 21.04. 18.04.
Name Währung Ausg. Rücknahme ZWG ISIN
21.04. 21.04. 18.04.
Name Währung Ausg. Rücknahme ZWG ISIN
21.04. 21.04. 18.04.
Name Währung Ausg. Rücknahme ZWG ISIN
21.04. 21.04. 18.04.
Aberdeen Immobilien KAG
DEGI EUROPA* € 39,83 37,93 37,92 0,23 DE0009807800
DEGI Internat.* € 47,21 44,96 44,95 0,27 DE0008007998
Advance Bank AG
Ametos EurWachst A* € 38,01 38,01 38,01 0,00 LU0078096202
Ametos IntChance A* € 27,28 27,28 27,13 0,00 LU0078097192
Ametos IntWachst A* € 37,28 37,28 37,19 0,00 LU0078095816
Europa Ertrag A* € 45,23 45,23 45,16 0,00 LU0078095576
Trendscout Global A* € 61,79 61,79 61,26 0,00 LU0111645528
Adviser I Funds, SICAV
Alb&Cie Optiselect* € 173,90 165,62 164,81 0,00 LU0107901315
Alceda Fund Management
IVP-Global Wachstum* € 9,05 8,62 8,65 0,00 LU0415256576
IVP-Globale Werte* € 14,72 14,02 14,06 0,01 LU0155721912
NV Strat-Kons. P* € 55,04 53,44 53,40 0,06 LU0212363658
NV Strat-Kons. POA* € 47,39 47,39 47,36 0,03 LU0319455936
NV Strat-Kons. POT* € 48,19 48,19 48,16 0,03 LU0307990381
Ourworld-Mezzo* € 96,34 91,75 91,17 0,00 LU0401896880
Ourworld-Piano* € 83,27 79,30 79,08 0,00 LU0401895726
Allianz Global Investors KAG mbH
Adifonds* € 79,32 75,54 74,13 0,00 DE0008471038
Adirenta P* € 13,32 12,93 12,91 0,28 DE0008471079
Adireth* € 82,37 79,97 79,84 1,12 DE0009769554
Adiselekt* € - 170,38 167,02 0,00 DE0009769562
Adiverba* € 90,98 86,65 87,46 0,00 DE0008471061
Akt Dtschld AE* € 129,44 123,28 120,36 0,00 DE0008471434
Akt Europ AE* € 62,64 59,66 59,29 0,00 DE0008471483
Concentra AE* € 68,65 65,38 63,69 0,00 DE0008475005
Europazins AE* € 45,66 44,33 44,35 0,47 DE0008476037
Fl Rentenfd AE* € 72,04 69,60 69,26 1,55 DE0008471921
Flex Eur Ba AE* € 55,59 53,45 52,93 0,21 DE0009789867
Flex Eur Dy AE* € 56,26 53,58 52,80 0,00 DE0009789834
Flexi Immo A* € 108,89 104,70 104,65 3,82 DE0009797332
Fondak P* € 119,39 113,70 110,96 0,00 DE0008471012
Fondirent* € 39,96 38,80 39,15 0,00 DE0008471111
Geldmarkt AE* € 49,83 49,83 49,82 0,84 DE0008471442
Geldmkt SP AE* € 50,49 50,49 50,48 0,75 DE0008476276
Industria AE* € 78,66 74,91 74,42 0,00 DE0008475021
Interglobal AE* € 148,89 141,80 142,14 0,00 DE0008475070
Kapital + AE* € 46,49 45,14 44,85 0,45 DE0008476250
Mobil-Fonds AE* € 54,18 53,12 53,15 0,95 DE0008471913
Nebenw DE AE* € 152,21 144,96 142,20 0,00 DE0008481763
RCM Reale Werte A* € 54,68 52,58 52,64 0,17 DE0009797407
Rentenfonds AE* € 73,62 71,82 71,76 1,40 DE0008471400
Rohstofffonds AE* € 141,16 134,44 131,64 0,00 DE0008475096
Thesaurus ATE* € 576,82 549,35 535,93 0,00 DE0008475013
Vermögenb DE AE* € 118,13 112,50 109,98 0,00 DE0008475062
Wachst Eurld AE* € 64,75 61,67 60,52 0,00 DE0009789842
Wachst Europ AE* € 68,09 64,85 63,72 0,00 DE0008481821
Allianz Global Investors Luxembourg S.A
Abs Ret ATE* € 112,07 106,73 106,95 0,53 LU0360457872
AGIF B St E IE* € 9,20 9,20 9,03 0,00 LU0178440839
AGIF Eu EqD ATE* € 178,86 170,34 169,56 0,00 LU0414045822
AGIF EuBd AE* € 10,09 9,80 9,79 0,07 LU0165915215
AGIF Gl AgTr AE* € 126,29 120,28 120,23 0,00 LU0342688198
AGIF GlEcoT AE* € 83,45 79,48 79,85 0,00 LU0250028817
All Comm Stra A* € 118,11 112,49 111,39 0,00 LU0353377335
Bond Pf* € - 1114,04 1113,73 7,00 LU0087745443
Eur Bd TR AE* € 57,18 55,51 55,40 0,40 LU0140355917
Europe 25 ATE* € 104,62 99,64 99,65 0,30 LU0360457955
Fondak Euro.A(EUR)* € 46,56 44,34 43,81 0,00 LU0257507052
Fondak Wait or Go* € 71,01 67,63 67,75 0,00 LU0391761227
Mlt.AsiaAct.A(EUR)* € 50,60 48,19 48,91 0,00 LU0294651343
Oriental Income AT* € 121,59 115,80 115,41 0,19 LU0348784041
RCM BRIC Equity AT* € 98,06 93,39 93,89 0,00 LU0293313325
RCM EM.MrktsA(EUR)* € 412,09 392,47 395,89 0,00 LU0081500794
RCM Enh ST Euro AT* € 106,22 106,22 106,21 0,87 LU0293294277
Sm.Cap Europa AE* € 111,99 106,66 104,55 0,00 LU0096450639
Allianz Global Investors Ireland Ltd.
Emg Mrkt Bd AE* € 60,53 58,77 58,71 0,89 IE0032828273
Gl Emg Mrkt AE* € 42,28 40,27 40,27 0,00 IE0000597124
US Eq AE* € 45,26 43,10 43,55 0,00 IE0031399342
Alte Leipziger Trust
€uro Short Term* € 48,38 47,90 47,88 0,63 DE0008471699
Aktien Deutschland* € 87,69 83,51 82,00 0,00 DE0008471608
AL Trust €uro Relax* € 50,52 49,05 49,02 0,31 DE0008471798
Trust €uro Cash* € 48,27 48,27 48,27 0,55 DE0008471780
Trust €uro Renten* € 42,05 40,83 40,69 0,73 DE0008471616
Trust Aktien Europa* € 45,33 43,17 42,45 0,00 DE0008471764
Trust Global Invest* € 52,89 50,37 50,51 0,00 DE0008471715
AmpegaGerling Investment
Gerling AS* € 35,71 34,17 34,12 0,17 DE0008481193
Gerling Flex* € 35,34 33,74 33,70 0,17 DE0008485129
Gerling Global* € 17,15 16,53 16,55 0,14 DE0008481086
Gerling Money Sav.* € 57,04 57,04 57,07 0,19 DE0005322234
Gerling Pf. Chance* € 9,19 8,75 8,75 0,06 DE0009847392
Gerling Pf.Tot.Ret* € 97,57 93,82 93,64 1,36 DE0009847467
Gerling Pf.Wachst.* € 9,65 9,19 9,19 0,05 DE0009847400
Gerling Rendite* € 19,73 19,16 19,17 0,21 DE0008481052
Gerling Reserve* € 51,33 51,07 51,11 0,49 DE0008481144
Gerling Vario P(a)* € 24,43 23,49 23,40 0,08 DE0008481136
Gerling Zukunft* € 6,70 6,41 6,39 0,00 DE0009847301
GerlingEuroStar 50* € 36,60 36,60 36,50 0,00 DE0005322176
GerlPf Real Estate* € 110,46 105,20 105,02 1,88 DE0009847483
JF Renten W.* € 102,89 100,87 100,61 1,94 DE000A0F5HA3
KAPITAL PROZINS* € 23,27 22,27 22,26 1,07 DE0008481078
MPC Europa Meth.* € 163,01 155,25 153,65 0,00 DE0007248627
PF Glob ETF Aktien* € 16,45 15,97 15,90 0,02 DE0009847350
PF Multi ETF Strat* € 19,79 19,21 19,14 0,15 DE0009847327
terrAssi.Akt.I AMI* € 14,41 13,79 13,77 0,00 DE0009847343
terrAssisi Renten I AMI* € 100,65 100,15 100,13 0,78 DE000A0NGJV5
TOP TREND AMI* € 115,97 110,45 110,90 0,49 DE000A0EAFX1
Zan.Eu.Cor.B.AMI P* € 103,45 101,42 101,72 0,78 DE000A0Q8HP2
Zantke Eu.HY AMI Pa* € 110,40 108,24 108,12 1,77 DE000A0YAX56
Axxion S.A.
Altera Security A* € 41,28 39,13 39,12 0,00 LU0380153204
M-AXX InCap Taurus* € 66,50 63,33 63,18 0,00 LU0140029017
Mwert Sup.Abs.Ret.* € 4,74 4,50 4,50 0,00 LU0208670512
Berenberg Funds-of-Funds
Balance Select* € 65,46 62,05 62,10 0,00 LU0130077059
Globalway Fonds* € 51,98 49,27 49,32 0,00 LU0123053893
Berenberg Global Opportunity
Glb. Opp.Conc.Pf.* € 76,72 72,72 72,65 0,56 LU0146485932
BNY Mellon Service KAG
www.bnymellonkag.com
Balanced* € 54,46 51,87 51,63 0,26 DE0008006263
BHW Laz.Short T.Pl* € 47,46 46,53 46,52 9,99 DE0008006297
www. .lu
LBBW Bal. Konzept* € 44,26 43,39 43,47 0,00 DE000DK094K6
LBBW Exportstrat.* € 54,63 52,44 51,44 0,00 DE0009771964
LBBW-Rentenf.Euro* € 40,04 38,87 38,85 0,81 DE0008480682
MF Weltkonz. kons.* € 101,52 101,52 101,40 0,54 DE000DK1CHT1
MF Wertkonz. ausg.* € 102,96 102,96 102,72 0,57 DE000DK1CHU9
RenditDeka* € 20,42 19,83 19,80 0,09 DE0008474537
RenditDeka TF* € 25,75 25,75 25,72 0,10 DE000DK2D640
S-BayRent-Deka* € 48,29 46,60 46,57 0,73 DE0008480773
UmweltInvest CF* € 81,81 78,85 78,22 0,00 DE000DK0ECS2
UmweltInvest TF* € 76,47 76,47 75,86 0,00 DE000DK0ECT0
Deka Immobilien Investment
Deka Immob Europa* € 49,11 46,66 46,65 0,13 DE0009809566
Deka Immob Global* € 59,76 56,77 56,78 0,32 DE0007483612
Deka International (Lux.)
Corp.Bd. Euro CF* € 51,48 49,98 49,99 0,74 LU0112241566
Corp.Bd. Euro TF* € 49,70 49,70 49,71 0,64 LU0112250559
Deka-Conv.Akt. TF* € 180,12 180,12 180,50 0,00 LU0133666759
Deka-Conv.Aktien CF* € 199,87 192,65 193,06 0,00 LU0133666676
Deka-Conv.Rent. TF* € 49,52 49,52 49,51 0,79 LU0133666247
Deka-Conv.Rent.FT* € 111,76 107,72 107,71 1,98 LU0342414900
Deka-Conv.Renten CF* € 51,72 49,85 49,84 0,99 LU0133666163
Deka-Gl.Con.Rent. CF* € 44,26 42,66 42,86 2,07 LU0245287742
Deka-Gl.Conv.Re.TF* € 42,24 42,24 42,44 1,78 LU0245302137
DekaLux-BioTech CF* € 126,11 121,55 123,55 0,00 LU0348461467
DekaLux-BioTech TF* € 119,16 119,16 121,12 0,00 LU0348461897
DekaLux-MidCapTF A* € 47,61 47,61 46,72 0,00 LU0075131606
GlobalResources CF* € 97,06 93,55 92,40 0,00 LU0349172485
GlobalResources TF* € 92,34 92,34 91,20 0,00 LU0349172725
Wandelanleihen CF* € 52,72 51,18 50,82 0,00 LU0158528447
Wandelanleihen TF* € 50,25 50,25 49,90 0,00 LU0158529254
Deutsche Postbank Fonds
Telefon 0180 3040500 Internet www.postbank.de
Best Inv.Chance* € 49,99 48,07 48,01 0,00 DE0009797787
Best Inv.Wachst.* € 53,11 51,31 51,18 0,36 DE0009797779
Business Basic EUR* € 51,79 51,53 51,56 0,64 DE0009797746
Euro Cash EUR* € 55,76 55,76 55,77 0,00 DE0009797795
Europaf. Aktien* € 46,87 45,07 44,79 0,00 DE0009797720
Europaf. Plus EUR* € 51,66 50,16 49,88 0,58 DE0009797712
Europaf. Renten* € 51,68 50,17 50,15 1,00 DE0009797704
G&H VV Balance* € 48,81 46,49 46,46 0,45 DE0002605334
G&H VV Chance* € 45,56 43,39 43,48 0,08 DE0002605326
Global OptiMix EUR* € 36,64 35,23 34,79 0,28 DE0007019861
Global Player EUR* € 25,79 24,80 24,76 0,00 DE0009797753
H&S FM Global 100* € 96,43 91,84 91,66 0,20 DE0002605359
H&S FM Global 60* € 102,78 99,79 99,59 0,94 DE0002605342
Protekt Plus* € 121,71 117,31 117,32 0,18 DE0007019879
VL Invest EUR* € 38,23 36,76 36,24 0,02 DE0009797738
Deutsche Postbank Int. S.A. (Lux)
Nach Auskunft des Emittenten wurde das Ertragsausgleichsverfahren für die u.g.
Fonds angewendet.
PB Dyn.Best Garant* € - 47,35 47,10 0,00 LU0336084545
PB Dyn.DAX®* € 94,92 91,93 89,74 0,07 LU0074279729
PB Dyn.DAX®Gar.II* € - 49,86 49,76 0,21 LU0432109477
PB Dyn.Garant 2013* € - 48,72 48,69 0,00 LU0252591499
PB Dyn.Innovation* € 19,77 19,06 18,80 0,00 LU0111266267
PB Dyn.KlimaGarant* € - 44,84 44,77 0,00 LU0353730392
PB Dyn.Protekt* € 49,94 48,02 47,82 0,19 LU0483311063
PB Dyn.Vision* € 49,90 48,10 47,35 0,00 LU0130393993
PB Dyn.Zuk.Gar.* € - 54,48 54,22 0,00 LU0372819135
PB Dyn.Zuk.Gar. II* € - 54,34 54,03 0,00 LU0387940785
PB Strat. Prt.+ II* € 113,08 108,73 108,16 0,48 LU0401737738
PB Strat. Rt Medi* € 50,58 49,11 49,09 0,44 LU0268918090
PB Strat. Rt Short* € 52,13 52,13 52,14 0,40 LU0268917522
DJE-Renten Glob I* € 141,77 141,77 141,91 3,74 LU0159550580
DJE-Renten Glob P* € 140,82 138,06 138,07 2,38 LU0159549574
DJE-Renten Glob XP* € 119,84 119,84 119,95 4,15 LU0229080659
DJE-Zins&Divid I* € 98,71 98,71 98,60 0,00 LU0553169458
DJE-Zins&Divid XP* € 98,98 98,98 98,87 0,11 LU0553171439
Gamma Concept* € 193,87 186,41 186,99 7,93 LU0124662932
GoldPort Stab.Fd.I* CHF 123,79 122,56 121,42 3,88 LU0344733745
GoldPort Stab.Fd.P* CHF 125,79 119,80 118,69 1,71 LU0323357649
LuxPro-Euro Rent I* € 1026,27 1001,24 1000,82 15,90 LU0211481055
LuxPro-Euro Renten P* € 104,20 101,66 101,62 1,43 LU0304837403
LuxTopic-Akt.Eu A* € 18,49 17,61 17,84 0,00 LU0165251116
LuxTopic-Akt.Eu B* € 962,06 962,06 974,84 0,00 LU0592234537
LuxTopic-Bk.Schill* € 15,75 15,00 15,04 0,11 LU0165251629
LuxTopic-Cosmopoli* € 156,99 149,51 150,09 0,38 LU0185172052
LuxTopic-Flex* € 157,45 149,95 151,92 0,00 LU0191701282
LuxTopic-Pacific P* € 22,12 21,07 21,07 0,02 LU0188847478
LuxTop-VPEPentagon* € 3,60 3,43 3,42 0,00 LU0165252197
D W S Investmentfonds
Telefon 01803 10111011 Telefax 01803 10111050
DWS Investment GmbH
DWS Akkumula* € 596,99 568,56 568,63 0,13 DE0008474024
DWS Akt. Str. De.* € 193,09 183,89 179,02 0,00 DE0009769869
DWS Bonus Aktiv* € 46,69 44,89 44,49 0,00 DE0005152458
DWS Convertibles* € 123,73 120,12 121,14 0,53 DE0008474263
DWS EURO Strat.Ren* € 41,67 40,65 40,75 0,51 DE0009769778
DWS Eurol.Strat.* € 36,52 35,62 35,66 0,23 DE0008474032
DWS Europ. Opp.* € 172,63 164,41 160,23 0,01 DE0008474156
DWS Eurovesta* € 99,73 94,98 92,46 0,01 DE0008490848
DWS Geldmarkt Pl.* € 67,56 67,56 67,54 0,12 DE0008474230
DWS Inter Genuss* € 35,71 34,67 34,67 0,42 DE0008490988
DWS Inter-Renta* € 13,38 12,99 13,13 0,14 DE0008474040
DWS Investa* € 111,85 106,52 103,20 1,14 DE0008474008
DWS Klimawandel* € 35,71 34,01 34,43 0,00 DE000DWS0DT1
DWS Plusinv.Wach.* € 41,47 39,49 39,65 0,00 DE0009769943
DWS Select-Invest* € 273,83 260,79 253,88 3,42 DE0008476565
DWS Select-Rent* € 48,16 46,98 47,01 0,56 DE0008476532
DWS TOP 50 Asien* € 108,76 104,57 103,97 0,00 DE0009769760
DWS TOP 50 Europa* € 99,65 95,82 93,32 0,01 DE0009769729
DWS TOP 50 Welt* € 58,26 56,01 55,37 0,01 DE0009769794
DWS Top Dividende* € 83,48 79,50 79,30 0,01 DE0009848119
DWS Vermögensb.I* € 93,69 89,22 89,22 0,01 DE0008476524
DWS Vermögensb.R* € 16,74 16,25 16,25 0,13 DE0008476516
DWS Vors. AS Dyn.* € 86,59 83,26 82,34 0,79 DE0009769885
DWS Vors. AS Flex* € 83,46 80,25 79,42 0,38 DE0009769893
DWS Zukunftsress.* € 54,29 51,70 51,94 0,00 DE0005152466
Immoflex* € 106,11 101,05 100,93 1,24 DE000DWS0N09
DWS Investment S.A.
DWS Eurorenta* € 50,74 49,26 49,32 0,41 LU0003549028
DWS Global Value* € 144,78 137,88 137,51 0,02 LU0133414606
DWS Gold Plus* € 1726,00 1675,72 1685,48 0,00 LU0055649056
DWS Rendite Garant* € 81,87 81,06 81,06 0,31 LU0034353002
DWS Rendite Optima* € 73,11 73,11 73,11 0,12 LU0069679222
Rend Opt 4 Seasons* € 103,00 103,00 103,01 0,17 LU0225880524
Vermögensmand Bal* € 97,38 93,63 92,83 0,47 LU0309483435
Vermögensmand Def* € 103,67 100,64 100,96 0,70 LU0309482544
Vermögensmand Dyn* € 98,70 94,00 93,00 0,54 LU0309483781
VermögensmanProt80* € 87,46 83,29 82,96 0,33 LU0309484086
DWS Invest SICAV
Alpha Strat.FC* € 121,80 121,80 121,34 0,00 LU0195140214
Alpha Strat.LC* € 121,80 118,14 117,72 0,00 LU0195139711
BRIC Plus LC* € 227,40 216,03 213,36 0,00 LU0210301635
Convertibles FC* € 145,77 145,77 144,32 0,66 LU0179220412
Convertibles LC* € 143,51 139,20 137,83 0,00 LU0179219752
Divers.FI Strat.FC* € 110,28 110,28 110,31 1,31 LU0363466045
DWS Inv.EO.Bds.LC* € 111,61 108,26 108,08 0,60 LU0254489874
DWS Inv.Gl.Agri.L* € 128,42 122,00 120,75 0,00 LU0273158872
FT EuropaDynamik P* € 190,01 180,96 178,23 0,00 DE0008478181
FT Frankfurter-Eff.* € 175,63 167,27 162,86 0,00 DE0008478058
FT Gl.InfraSt.Div.P* € 64,51 61,44 61,41 0,00 DE000A0NEBS3
FT InterSpezial* € 23,16 22,06 22,18 0,00 DE0008478009
FT Navigator 40* € 58,28 56,04 56,03 0,06 DE0009770354
FT Navigator 70* € 55,13 52,76 52,76 0,00 DE0009770347
UnternehmerWerte* € 50,56 48,15 47,31 0,00 DE000A0KFFW9
Franklin Templeton Investments
Temp.Grth.Inc.A* $ 20,64 19,45 18,84 0,00 US8801991048
Generali Fund Management S.A.
Generali FondsStrategie
Dynamik* € 42,38 42,38 42,27 0,00 LU0136762910
Generali Komfort
Balance* € 54,77 54,77 54,62 0,03 LU0100842029
Dynamik Europa* € 46,94 46,94 46,73 0,00 LU0100847093
Dynamik Global* € 39,26 39,26 39,13 0,24 LU0100847929
Wachstum* € 53,03 53,03 52,90 0,00 LU0100846798
HansaInvest Lux S.A.
MultiAStr-Balanc P* € 8,94 8,60 8,58 0,06 LU0105418833
MultiAStr-Growth P* € 6,56 6,25 6,24 0,00 LU0105425887
MultiAStr-Income P* € 9,32 9,05 9,03 0,13 LU0105418759
Hauck & Aufhäuser
www.hua-invest.lu
CF Eq.-Global Opp.* € 90,14 85,85 85,67 0,00 LU0266124972
CF Eq.HAIG-Flex* € 50,66 48,25 48,29 0,00 LU0105452691
CF Eq.-Pharma* € 68,69 65,42 65,13 0,00 LU0100181295
CF Eq.-Resources* € 28,57 27,21 27,01 0,00 LU0100181535
H&A Lux Wandel* € 71,42 69,34 69,28 0,00 LU0195337604
H&A Lux Wandel CI* € 55,23 53,62 53,58 0,00 LU0204014780
HAIG Eq.Val. Inv.B* € 64,95 61,86 61,94 0,00 LU0100177426
MMT Glbl Balance* € 47,41 45,59 45,64 0,57 LU0121596844
MMT Glbl Select* € 35,99 34,28 34,46 0,00 LU0108788612
MMT Glbl Value* € 53,87 51,30 51,57 0,00 LU0346639395
Vermögensauf.HAIG* € 14,06 13,72 13,68 0,00 LU0144224713
Ideal Invest Sicav
Ideal Global A* € 133,90 127,52 129,23 0,00 LU0098624041
International Fund Mgmt. S.A.
LBBW Bal. CR 20* € 41,12 40,31 40,24 0,67 LU0097711666
LBBW Bal. CR 40* € 41,45 40,64 40,52 0,65 LU0097712045
LBBW Bal. CR 75* € 41,42 40,61 40,57 0,15 LU0097712474
Ludwigsburg Bof15* € 90,84 89,06 89,13 2,25 LU0224175843
Ludwigsburg Bof35* € 95,70 93,37 93,45 2,00 LU0224175926
Ludwigsburg Bof70* € 97,25 94,65 94,82 0,59 LU0224176221
Ludwigsburg BoG 1* € 103,01 99,53 99,52 0,00 LU0306023408
Ludwigsburg BoG 2* € 102,04 98,59 98,57 0,00 LU0321011867
Ludwigsburg BoG 3* € 101,44 98,01 98,00 0,00 LU0334107355
IPConcept Fund Management S.A.
Aktien Global F* € 152,03 144,79 144,32 0,05 LU0320532970
Aktien Global I* € 150,84 143,66 143,20 0,00 LU0097333701
Aktien Global P* € 121,46 115,68 115,31 0,00 LU0366178969
apo Medical Opp.* € 70,72 67,35 67,12 0,00 LU0220663669
Stabilit.Gold&ResP* € 69,15 65,86 65,83 0,00 LU0229009351
Stabilit.Sil&WeißP* € 75,18 71,60 71,42 0,00 LU0265803667
Umweltfonds DE* € 93,28 88,84 89,26 0,00 LU0360172109
Umweltfonds Welt* € 86,59 82,47 83,15 0,00 LU0378884190
Wandelanl.Global F* € 145,01 138,10 138,03 2,51 LU0097335235
Wandelanl.Global I* € 146,15 139,19 139,11 2,69 LU0320533861
Wandelanl.Global P* € 127,65 121,57 121,51 5,08 LU0366179009
KanAm Grund Kapitalanlagegesellschaft mbH
grundinvestFonds* € 58,55 55,50 55,48 0,00 DE0006791809
US-grundinvest Fd.* $ 23,72 22,48 22,48 0,00 DE0006791817
KAS Investment Servicing GmbH
Informationen unter Telefon 01805 252580
ComfortInvest C* € 41,85 39,86 39,92 0,12 DE0002605318
ComfortInvest P* € 47,80 45,52 45,53 0,12 DE0002605367
ComfortInvest S* € 56,52 54,87 54,84 0,75 DE0002605300
MultiManager 1* € 60,83 59,06 59,00 0,20 DE0007013583
MultiManager 2* € 60,90 58,84 59,03 0,13 DE0007013591
MultiManager 3* € 61,71 59,34 59,87 0,52 DE0007013609
MultiManager 4* € 55,18 52,80 53,10 0,00 DE0007013617
MultiManager 5* € 48,83 46,50 46,83 0,00 DE0007013625
H&S FM Global 100* € 96,43 91,84 91,66 0,20 DE0002605359
H&S FM Global 60* € 102,78 99,79 99,59 0,94 DE0002605342
G&H VV Balance* € 48,81 46,49 46,46 0,45 DE0002605334
G&H VV Chance* € 45,56 43,39 43,48 0,08 DE0002605326
FM Core Ind.Select* € 63,94 61,48 61,29 0,04 DE0007013658
Euro Anlage AAll B* € 99,69 99,69 99,48 0,00 DE000A0RABT0
Euro Anlagef A B* € 104,79 104,79 102,85 0,00 DE000A0RABV6
Euro Anlagef C B* € 98,18 98,18 98,03 1,83 DE000A0RABY0
Euro Anlagef G* € 100,44 100,44 100,44 0,90 DE000A0RABW4
Euro Anlagef P B* € 97,74 97,74 97,60 1,17 DE000A1C61S8
Convert. America* $ 135,98 135,98 133,96 0,41 LU0246000094
Convert. Europe* € 162,76 162,76 160,99 0,58 LU0114314536
Convert. Far East* € 1664,70 1664,70 1663,96 0,00 LU0061927850
Convert. Global* € 123,78 123,78 122,84 0,31 LU0245991913
Convert. Japan* € 1218,38 1218,38 1216,80 0,00 LU0063949068
Gl. Futures XI* € - 2094,47 2094,47 - BMG3921Z1059
Man AHL Trend CHF D* CHF - 93,29 93,29 0,00 LU0428380470
Man AHL Trend EUR D* € - 99,36 99,36 0,00 LU0424370004
Man AHL Trend EUR I* € - 97,90 97,90 0,00 LU0428380124
Man AHL Trend GBP D* £ - 100,00 - - LU0428380553
Man Lg/Sh Europe D* € - 100,89 100,89 - LU0503882630
Man Lg/Sh Europe I* € - 102,05 102,05 - LU0503882713
Man Multi Manager D* € - 85,04 85,62 0,00 LU0361196081
MEAG MUNICH ERGO KAG mbH
Tel.: 09281 72583020
EuroBalance* € 41,71 40,11 40,16 0,53 DE0009757450
EuroErtrag* € 53,85 52,03 51,98 1,35 DE0009782730
EuroFlex* € 51,71 51,20 51,26 1,86 DE0009757484
EuroInvest A* € 65,97 62,83 62,43 0,00 DE0009754333
EuroKapital* € 56,09 53,42 54,79 0,00 DE0009757468
EuroMediorent* € 56,04 54,67 54,67 0,00 DE0009782755
EuroRent A* € 30,94 29,89 29,91 1,24 DE0009757443
Floor EuroAktien* € 48,51 46,42 46,42 0,03 DE000A0JDAV9
GlobalBalance DF* € 43,27 41,61 41,72 0,54 DE0009782763
GlobalChance DF* € 34,50 32,86 33,03 0,00 DE0009782789
MEAG FairReturn A* € 54,38 52,80 52,79 0,53 DE000A0RFJ25
Nachhaltigkeit A* € 65,00 61,90 61,74 0,00 DE0001619997
Osteuropa A* € 45,66 43,49 43,67 0,00 DE000A0JDAY3
ProInvest* € 107,75 102,62 101,56 0,00 DE0009754119
ProZins A* € 50,24 50,24 50,24 0,46 DE0009754192
MK Luxinvest
Telefon +49 911 180 - 1009
C.Risk TopMixWelt* € 12,30 11,69 11,65 0,00 LU0211525950
MVM SICAV
MVM LUX S-frontr e* € 11,39 10,85 10,84 0,00 LU0155611493
MVM LUX S-frontr g* € 7,42 7,07 7,01 0,00 LU0134237253
Nomura Asset Management
Telefon 069 153093-020 Internet www.nomura-asset.de
Asia Pacific* € 112,85 107,48 106,82 0,00 DE0008484072
Asian Bonds* € 58,48 56,78 57,54 2,16 DE0008484429
Euro Convertible* € 44,62 43,32 43,35 0,04 DE0008484098
Fundamental Europe* € 46,32 44,11 43,53 0,00 DE0008484445
Fundamental Japan* € 37,47 35,69 35,80 0,00 DE0008484411
Japan Equity* € 25,96 24,72 24,79 0,00 DE0008484122
Medio Rent* € 66,10 64,80 64,74 0,10 DE0008484106
Real Return* € 571,50 560,29 560,07 68,60 DE0008484361
NORAMCO Asset Management
Telefon 0800 9932847 Internet www.noramco.de
Quality Fd.Europe* € 11,02 10,47 10,41 0,00 LU0131669946
Quality Funds USA* € 5,21 4,95 4,96 0,00 LU0113590789
Norddeutsche Landesbank Luxembourg S.A.
N.Lux Renten Cap.* € 67,94 67,94 68,02 0,72 LU0078525416
N.Lux Renten Dis.* € 41,20 41,20 41,25 1,86 LU0072178972
Oppenheim Asset Management
Albatros EUR* € 63,28 60,27 59,71 0,07 DE0008486465
DELB.B.Maf. I.rent* € 55,73 53,85 53,81 0,24 DE0008490509
DELB.B.Maf.Clas.OP* € 34,32 33,32 33,26 0,00 DE0009799312
MedBioHealth EUR* € 141,67 134,92 135,13 0,00 LU0119891520
OP DAX-Werte* € 198,70 189,24 184,62 0,00 DE0008486382
OP Euroland Werte* € 60,33 57,46 56,54 0,00 DE0009778563
OP Food* € 166,33 158,41 159,20 0,00 DE0008486655
OP Global Securiti* € 81,35 77,48 76,79 0,00 DE0008486606
OP GlStr Worldwide* € 111,62 111,62 111,79 0,21 LU0389034462
Special Opp.* € 48,53 46,22 45,86 0,00 LU0099601980
Spezial 3* € 101,64 98,68 98,67 0,00 DE0008486051
Top Ten Balanced* € 58,87 56,88 56,85 0,00 LU0099591223
Top Ten Classic* € 71,63 68,22 68,07 0,00 LU0099590506
PEH Quintessenz Sicav
PEH-Q.Europa* € 68,61 65,97 66,03 0,00 LU0070356083
PEH-Q.Goldmines* € 92,84 89,27 89,08 0,00 LU0070355788
PEH-Q.Renten Glb I* € 102,78 98,83 99,19 0,00 LU0350900451
PEH-Q.Renten Glb P* € 103,04 99,08 99,10 0,00 LU0350899695
PEH SICAV
Empire Pdist* € 88,14 84,75 84,94 0,00 LU0086120648
Infl Link Bds Fl I* € 99,83 95,99 96,09 0,00 LU0498681898
Infl Link Bds Fl P* € 99,30 95,48 95,59 0,00 LU0498681468
Renten EvoPro Pcap* € 109,46 105,25 105,52 0,77 LU0291408713
RentenEvoProVR2 d* € 49,36 48,16 48,32 0,46 LU0432813052
RentenEvoProVRdist* € 50,55 49,32 49,49 0,46 LU0343003991
Strat.Flexibel I* € 108,66 104,48 105,01 0,00 LU0451530025
Strat.Flexibel P d* € 71,67 68,91 69,28 0,00 LU0086124129
PEH Trust Sicav
Balanced cap* € 102,39 98,45 98,12 0,00 LU0336716443
Chance cap* € 104,68 100,65 99,94 0,00 LU0336716872
Rendite Plus cap* € 103,56 99,58 99,95 0,00 LU0336722177
Pioneer Investments
Tel. 0800 8881928 Internet www.pioneerinvestments.de
PF-Commod.Alpha T* € - 49,68 50,55 - LU0313643024
PF-Glob.Ecology T* € - 154,19 151,89 - LU0271656133
PF-Glob.Select T* € - 53,69 52,95 - LU0271651761
PF-US.Pioneer Fd T* € - 4,15 4,15 - LU0133643469
PI German Equity* € - 130,95 127,52 - DE0009752303
PI Tot.Ret.A* € - 48,42 48,68 0,57 LU0149168907
RREEF Investment GmbH
grundbesitz eur RC* € 43,21 41,15 41,13 0,05 DE0009807008
grundbesitzglob RC* € 55,24 52,60 52,58 0,23 DE0009807057
Sarasin Multi Label SICAV
www.sarasin.de
New Energy EUR* € 6,18 5,83 5,80 0,00 LU0121747215
Siemens Kapitalanlagegesellschaft
EuroCash* € 12,37 12,37 12,37 0,20 DE0009772632
Euroinvest Aktien* € 9,58 9,21 9,09 0,00 DE0009772582
Euroinvest Renten* € 14,28 14,00 13,99 0,37 DE0009772590
Global Growth* € 3,73 3,59 3,57 0,00 DE0009772657
SKAG Balanced* € 14,09 13,68 13,63 0,31 DE000A0KEXM6
SKAG Euroinv.Corp.* € 12,69 12,32 12,32 0,17 DE000A0MYQX1
Weltinvest Aktien* € 8,74 8,40 8,45 0,00 DE0009772624
Star Capital
SC Argos* € 1358,85 1319,27 1319,19 5,87 LU0137341789
SC Huber-Strategy1* € 1114,72 1082,25 1080,93 0,00 LU0350239504
SC Pergamon* € 1933,01 1840,96 1848,90 0,00 LU0179077945
SC Priamos* € 1493,55 1422,43 1429,89 0,00 LU0137341359
SC SIC.Ger.Masters* € 92,43 88,03 88,81 0,00 LU0105752140
SC SIC.Starpoint* € 1623,28 1545,98 1544,40 0,00 LU0114997082
SC SIC.Winbonds+* € 1443,06 1401,03 1400,63 119 LU0256567925
SC Special Values* € 1617,74 1540,70 1529,79 1,77 LU0150613833
StarPlus AllocA-CHF* CHF 1094,11 1094,11 1072,85 221 LU0429465833
StarPlus Allocator* € 1323,24 1284,70 1262,96 250 LU0425811519
Union-Investment Privatfonds
BBBank Chance Uni.* € 27,13 26,47 26,21 0,01 DE0005314223
BBBank Kont.Uni.* € 59,39 58,23 58,13 1,10 DE0005314231
BBBank Wach.Uni.* € 44,87 43,78 43,63 0,85 DE0005314249
BBV-Fonds-Union* € 43,85 42,57 42,57 0,03 DE0008491077
BBV-Invest-Union* € 102,44 97,56 94,74 0,01 DE0009750018
Condor-Fd.Union* € 47,12 45,75 45,88 0,56 DE0008491101
Delbrück Renten* € 54,01 52,44 52,53 0,92 DE0009750042
FLEXIB.-NET* € 44,81 44,81 44,80 0,62 DE000A0KDYD5
Flexibel* € 45,28 43,96 43,94 0,84 DE000A0KDYC7
Geno AS:1* € 48,01 46,61 46,25 0,20 DE0009757682
GenoEuroClassic* € 47,39 46,01 45,52 0,02 DE0009757781
GenoEuroClassic II* € 44,34 43,05 42,59 0,57 DE0009757997
Global* € 38,17 37,06 37,11 0,00 DE000A0KDYA1
Global -net-* € 37,84 37,84 37,89 0,00 DE000A0KDYB9
Invest Euroland* € 42,30 41,07 39,99 0,00 DE0009757914
Invest Global* € 48,76 47,34 47,12 0,07 DE0009757922
KCD Uni. Aktien* € 32,12 32,12 31,85 0,00 DE0005326532
KCD Uni.Renten+* € 47,77 47,77 47,88 0,84 DE0005326524
KCD-Union Nachh.Mix* € 49,80 48,35 48,18 1,18 DE0009750000
KCD-Union-AS* € 48,29 46,88 46,53 0,25 DE0009757724
LIGA-Pax-Aktien-U.* € 29,64 29,64 28,95 0,00 DE0009750216
LIGA-Pax-Bal.S.U.* € 29,92 29,92 29,86 0,63 DE0005314215
LIGA-Pax-K-Union* € 39,41 38,83 38,87 1,12 DE0009750141
LIGA-Pax-Rent-Unio* € 25,00 24,27 24,32 0,70 DE0008491226
Münch.Bk.Glob.Sel.* € 45,55 44,22 44,21 0,28 DE000A0KDYK0
Priv.Fonds:Flex.* € 101,26 101,26 101,14 0,00 DE000A0Q2H14
Priv.Fonds:FlexPro* € 105,35 105,35 105,18 0,00 DE000A0RPAL7
Priv.Fonds:Kontr.* € 102,43 102,43 102,16 0,22 DE000A0RPAM5
Priv.Fonds:Kontr.p* € 107,31 107,31 106,63 0,00 DE000A0RPAN3
Pro Mundo Fonds* € 49,87 48,65 48,68 0,79 DE0009750166
Stuttg.Bk.Rentinv.* € 43,53 42,26 42,27 1,21 DE0009750026
SüdwBk.Interselect* € 44,90 43,59 43,54 0,66 DE0006352727
Südwestbk.-Inter.* € 39,42 38,27 38,45 1,40 DE0008491291
Uni21.Jahrh.-net-* € 22,08 22,08 21,69 0,00 DE0009757872
UniBalancePlus* € 108,43 105,79 105,83 1,38 DE0009750489
UniDeutschland* € 133,90 128,75 125,00 0,26 DE0009750117
UniDeutschland XS* € 76,14 73,21 71,34 0,00 DE0009750497
UniEu.Renta-net-* € 45,94 45,94 46,03 0,82 DE0009750240
UniEuroAktien* € 51,15 48,71 47,42 0,00 DE0009757740
UniEuroBond* € 68,67 66,67 66,66 1,32 DE0009750059
UniEuropa-net-* € 45,13 45,13 44,03 0,02 DE0009750232
UniEuroRenta* € 64,30 62,43 62,51 0,97 DE0008491069
UniEuroRentaHigh Y* € 35,91 34,86 34,84 0,02 DE0009757831
UniFonds* € 41,31 39,34 38,01 0,00 DE0008491002
UniFonds-net-* € 60,16 60,16 58,17 0,00 DE0009750208
UniGlobal* € 116,64 111,09 110,63 0,19 DE0008491051
UniGlobal-net-* € 67,19 67,19 66,89 0,10 DE0009750273
UniJapan* € 28,36 27,01 27,66 0,00 DE0009750125
UniKapital* € 107,63 105,52 105,58 1,47 DE0008491085
UniKapital-net-* € 43,44 43,44 43,52 0,56 DE0009750174
UniNordamerika* € 123,10 117,24 117,31 0,01 DE0009750075
UnionGeldmarktfonds* € 50,69 50,69 50,69 1,29 DE0009750133
UniRak* € 84,26 81,81 80,78 0,80 DE0008491044
UniRak -net-* € 44,55 44,55 43,99 0,34 DE0005314462
UniReits* € 68,49 65,86 65,33 0,00 DE0005326797
UniRenta* € 18,18 17,65 17,87 0,21 DE0008491028
UniStrat.Offensiv* € 29,27 28,42 28,25 0,00 DE0005314447
UniStrat: Ausgew.* € 41,73 40,51 40,45 0,61 DE0005314116
UniStrat: Dynam.* € 33,04 32,08 31,96 0,25 DE0005314124
UniStrat: Konserv.* € 53,45 51,89 51,86 0,92 DE0005314108
Union-Investment (Lux)
Berliner VB Garant* € - 123,62 123,52 0,00 LU0192723897
Divid. Ass A Net* € 49,30 49,30 48,38 0,00 LU0186860663
DividendenAss A* € 50,28 48,35 47,45 0,00 LU0186860408
EuropeanEquities A* € 60,00 57,69 56,32 0,00 LU0136659587
EuroRent.Corp.2012* € - 43,34 43,38 0,27 LU0238232689
Gl. Hi.Yi. Invest* € 41,05 41,05 41,03 2,44 LU0220302995
LIGA-Pax-Cattol.-U* € 1174,97 1154,76 1135,68 0,00 LU0152554803
LIGA-Pax-Corp.-U.* € 40,52 39,34 39,44 0,90 LU0199537852
Local-EM-Invest* € 95,49 95,49 95,49 1,27 LU0356243922
UGaTop: Europa III* € 108,49 103,28 103,46 1,29 LU0229392385
UGDouble(2011)* € - 99,14 99,23 0,11 LU0220687924
UGGTitan(2011)* € - 99,53 99,53 0,00 LU0213165987
UGGTitan(2011)II* € - 98,81 98,84 0,08 LU0220683931
UGPBestW(2011)* € - 117,04 117,05 0,00 LU0207408179
UGPEurop(2011)II* € - 131,20 130,89 1,68 LU0179397855
UGTEuropa* € 123,40 117,46 117,65 0,18 LU0183299055
UGTEuropa II* € 112,21 106,81 106,96 0,16 LU0214294224
UniAsia* € 44,44 42,32 42,72 0,00 LU0037079034
UniAsia Pacif. net* € 96,53 96,53 97,42 0,00 LU0100938306
UniAsia Pacific A* € 98,00 94,23 95,10 0,00 LU0100937670
UniDyn.Eur-net A* € 34,35 34,35 33,33 0,00 LU0096427066
UniDyn.Europa A* € 57,05 54,86 53,23 0,00 LU0085167236
UniDyn.Gl.-net- A* € 20,40 20,40 20,19 0,00 LU0096426845
UniDynamic Gl. A* € 32,50 31,25 30,93 0,00 LU0089558679
UniEM Fernost* € 1202,19 1144,94 1151,46 0,00 LU0054735278
UniEM Osteuropa* € 2811,11 2677,25 2633,10 0,00 LU0054734388
UniEMGlobal* € 82,66 78,72 78,30 0,01 LU0115904467
UniEuReal Zins-net* € 58,73 58,73 58,79 6,66 LU0192294089
UniEurKapital-net-* € 42,85 42,85 42,89 0,56 LU0089559057
UniEuroAspirant* € 52,23 50,71 50,52 2,58 LU0097169550
UniEuroFlex* € 966,36 956,79 957,19 43,60 LU0040305913
UniEuroKapital* € 67,65 66,32 66,37 0,96 LU0046307343
UniEuropa* € 1418,21 1350,68 1318,82 0,35 LU0047060487
UniEuropaRenta* € 42,63 41,39 41,47 0,59 LU0003562807
UniEuroRenta 5J* € 48,69 46,80 46,63 0,17 LU0194854047
UniEuroRenta Co.11* € - 41,74 41,74 0,96 LU0219921789
UniEuroRenta Co.16* € 43,20 41,94 42,01 1,71 LU0207948281
UniEuroRentaCor.A* € 43,87 42,59 42,69 3,22 LU0117072461
UniEuroRentaCor.T* € 85,38 82,89 83,10 6,40 LU0045581039
UniEuroSt.50 A* € 42,69 41,05 40,00 0,00 LU0090707612
UniEuroSt.50-net* € 35,15 35,15 34,26 0,00 LU0096427496
UniEurRentRealZins* € 58,87 57,16 57,23 6,62 LU0192293511
UniFavorit: Renten* € 29,72 28,85 28,83 0,93 LU0006041197
UniGar.Top: Eur.IV* € 114,65 110,24 110,40 0,14 LU0234773439
UniGar: Dtl.(2012)* € - 100,11 100,16 1,23 LU0240510726
UniGl.Tit.50-net-A* € 23,93 23,93 23,82 0,00 LU0103246616
UniGl.Titans50 A* € 24,16 23,23 23,12 0,00 LU0103244595
UniM.&S.Caps:Eur.* € 32,96 31,69 30,88 0,00 LU0090772608
UniMoneyM.: USD* $ 991,38 991,38 991,40 7,53 LU0059863547
UniMoneyM.:EURO A* € 498,51 498,51 498,47 18,26 LU0055734320
UniOptima* € 735,60 728,32 728,96 2,45 LU0051064516
UniOptimus-net-* € 726,65 726,65 726,94 4,87 LU0061890835
UniProt.Europa II* € 115,20 111,84 111,50 0,88 LU0168936093
UniProtect:Europa* € 114,71 111,37 111,08 0,08 LU0165183871
UniRenta Corp A* € 69,69 67,66 69,14 2,77 LU0039632921
UniRentaEURPlus 5J* € 101,58 99,59 99,64 0,00 LU0578911900
UniSec. Bas. Ind.* € 93,12 89,54 87,68 0,00 LU0101442050
UniSec. BioPha.* € 46,97 45,16 45,06 0,00 LU0101441086
UniSec. Cons.Goods* € 65,04 62,54 62,53 0,00 LU0101441912
UniSec. Finance* € 34,72 33,38 33,42 0,00 LU0101441839
UniSec. GenTech A* € 50,13 48,20 48,16 0,02 LU0125232032
UniSec. High Tech.* € 35,76 34,38 34,27 0,00 LU0101441672
UniSec. MultiMe.* € 19,22 18,48 18,40 0,00 LU0101441169
UniVa. Europa A* € 40,73 39,16 38,30 0,00 LU0126314995
UniVa. Global A* € 54,25 52,16 52,00 0,01 LU0126315885
UniVa.Euro.-net-A* € 40,06 40,06 39,18 0,00 LU0126315372
UniVa.Glb-net-A* € 52,64 52,64 52,48 0,01 LU0126316180
Union-Investment Real Estate
UniImmo:Dt.* € 100,72 95,92 95,91 0,54 DE0009805507
UniImmo:Europa* € 59,98 57,12 57,11 0,25 DE0009805515
UniImmo:Global* € 54,18 51,60 51,60 0,11 DE0009805556
Universal-Investment
BW-Renta-Internat.* € 42,11 41,08 41,14 0,42 DE0008483678
BW-Renta-Univ.* € 26,10 25,46 25,53 0,38 DE0008491549
Concept Aurelia Gl* € 142,81 136,01 134,65 0,00 DE000A0Q8A07
G&P-Univ.Aktien A* € 64,31 61,25 61,06 0,04 DE0009767301
H&A Akt.Eurol.-UI* € 137,51 130,96 127,78 0,00 DE0008491341
J. Führ-UI-Aktien* € 90,21 85,91 84,42 0,00 DE0009781906
J. Führ-UI-Renten* € 43,39 42,54 42,60 0,69 DE0009790790
SC BondValue UI* € 68,88 66,87 67,05 1,21 DE0009781872
Trend-Uni- Glbl* € 114,62 109,16 107,50 0,00 DE0009767392
Universal AS Fd. I* € 70,10 67,40 66,34 0,14 DE0009790774
WM Akt. Gl. UI* € 80,75 76,90 74,33 0,00 DE0009790758
WM Akt. Gl. US$* $ 294,55 280,52 270,85 0,00 DE0009781898
VERITAS INVESTMENT TRUST GmbH
A2A Aggressiv* € 10,70 10,09 10,04 0,00 DE0009763391
A2A Basis* € 15,01 14,43 14,34 0,00 DE0005561633
A2A Chance* € 15,60 14,72 14,60 0,00 DE0005561658
A2A Defensiv* € 12,59 12,22 12,16 0,02 DE0005561666
A2A Wachstum* € 14,96 14,25 14,15 0,02 DE0005561641
ASS-Global* € 31,55 30,05 29,90 0,00 DE0005561625
ETF-Dachfd AktienP* € 12,21 12,21 12,11 0,00 DE0005561682
ETF-Dachfd RentenP* € 10,62 10,62 10,59 0,00 DE0005561690
ETF-DACHFONDS P* € 13,75 13,75 13,62 0,00 DE0005561674
ETF-Dachfonds VDH* € 13,93 13,93 13,80 0,00 DE000A0MKQL5
ETF-PTFOLIO GLOBAL* € 10,67 10,67 10,62 0,00 DE000A0MKQK7
RWS-BALANCE* € 15,20 14,62 14,52 0,01 DE0009763383
RWS-DYNAMIK* € 23,12 22,02 21,83 0,00 DE0009763334
RWS-ERTRAG* € 13,50 13,11 13,04 0,03 DE0009763375
VERI-COUPONS* € 34,18 32,87 32,86 0,16 DE0009763219
VERI-Eurovaleur* € 22,54 21,26 21,38 0,00 DE0009763276
VERIFONDS* € 137,91 131,34 130,28 0,38 DE0009763235
VERI-GLOBAL* € 15,99 15,23 15,23 0,00 DE0009763342
VERI-LIQUIDE* € 30,75 30,60 30,61 0,06 DE0009763250
VERI-SELECT* € 21,44 20,62 20,45 0,00 DE0009763326
VERI-TRESOR* € 36,03 34,64 34,79 0,05 DE0009763268
VERI-VALEUR* € 81,26 76,66 74,79 0,00 DE0009763201
VERSIKO AG
Klima* € 37,77 35,97 36,10 0,00 LU0301152442
New Energy EUR* € 6,18 5,83 5,80 0,00 LU0121747215
Ökotrend Bonds* € 53,21 51,41 51,75 1,15 LU0183092898
ÖkoTrust* € 113,48 108,08 108,23 0,00 LU0380798750
ÖkoVision Classic* € 93,52 89,07 89,08 0,00 LU0061928585
ÖkoVision Europe* € 34,03 32,41 32,34 0,00 LU0309769247
ÖkoVision Gar.20C* € 112,76 107,39 107,52 0,70 LU0332822906
Water For Life C* € 101,89 97,04 97,19 0,00 LU0332822492
Wallberg Invest S.A.
Lux Euro-Europ P I* € 70,73 70,73 70,81 0,00 LU0229405112
Lux Euro-Europ P P* € 71,37 69,29 69,36 0,88 LU0229404818
Wallb.AfricanASt P* € 11,95 11,38 11,25 0,00 LU0357146421
Wallb.Real Asset P* € 10,01 9,53 9,52 0,09 LU0322787366
Wallberg ProtManSe* € 97,15 92,09 92,19 0,00 LU0111456637
WWK Investment S.A.
WWK Sel-Balance* € 11,33 10,79 10,82 0,05 LU0126855641
WWK Sel-Chance* € 9,38 8,93 8,96 0,00 LU0126855997
WWK Sel-EuRe B* € 10,16 9,86 9,85 0,16 LU0489465855
WWK Sel-EuRe C I* € 9,79 9,79 9,78 0,16 LU0524861225
WWK Sel-TopTen* € 7,83 7,46 7,45 0,00 LU0126856375
Europa* € 39,01 37,15 36,52 0,00 DE0009770289
Eurorent* € 53,60 52,04 51,94 0,68 DE0008006255
Megatrend* € 47,70 45,43 44,97 0,00 DE0005317374
Triselect* € 47,59 45,32 44,95 0,03 DE0009770370
Commerz Grundbesitz-Invest
hausInvest* € 45,00 42,86 42,85 0,15 DE0009807016
www.cratoncapital.com
Precious Metal* $ - 379,64 361,10 0,00 LI0016742681
CSAM Immobilien KAG mbH
CS EUROREAL* € 62,17 59,21 59,21 0,11 DE0009805002
Deka
BW Portfolio 20* € 41,84 41,02 40,96 0,47 DE000DK094G4
BW Portfolio 40* € 40,61 39,81 39,72 0,53 DE000DK094H2
BW Portfolio 75* € 36,87 36,15 36,17 0,16 DE000DK094J8
BW Zielfonds 2020* € 34,45 33,77 33,78 0,33 DE000DK0ECN3
BW Zielfonds 2025* € 33,19 32,54 32,59 0,14 DE000DK0ECP8
BW Zielfonds 2030* € 33,16 32,51 32,56 0,09 DE000DK0ECQ6
DekaFonds* € 77,72 73,84 72,09 0,00 DE0008474503
DekaFonds TF* € 187,97 187,97 183,53 0,00 DE000DK2D7T7
Deka-MegaTrends CF* € 39,47 38,04 37,99 0,00 DE0005152706
Deka-MegaTrends TF* € 35,70 35,70 35,67 0,00 DE0005152714
DekaRent-intern.TF* € 103,82 103,82 104,60 0,67 DE000DK1A6Q9
DekaRent-Internat.* € 16,85 16,36 16,48 0,11 DE0008474560
Eur. Disc.Strat.CF* € 43,79 42,21 41,69 0,00 DE000DK0AYM7
Eur. Disc.Strat.TF* € 40,41 40,41 39,92 0,00 DE000DK0AYN5
EuropaBond CF* € 105,93 102,84 102,82 2,77 DE000DK091G0
EuropaBond TF* € 37,68 37,68 37,68 0,88 DE0009771980
GlobalChampions CF* € 95,91 92,44 92,61 0,00 DE000DK0ECU8
GlobalChampions TF* € 89,57 89,57 89,75 0,00 DE000DK0ECV6
PB Vermog + Chance* € 44,36 42,86 42,77 0,00 LU0313082835
PB Vermog + Ertrag* € 48,10 46,47 46,42 0,05 LU0313082678
PB Vermog + Wachst* € 45,77 44,22 44,15 0,00 LU0313082751
DJE Investment S.A.
DJE - Div&Sub I* € 257,51 257,51 256,43 0,00 LU0159551042
DJE - Div&Sub P* € 253,72 241,64 240,50 0,00 LU0159550150
DJE - Div&Sub XP* € 151,79 151,79 151,14 0,00 LU0229080733
DJE Inv.Karitativ* € 1324,69 1249,71 1251,99 19,76 LU0194682679
DJE Inv.Lux Select* € 195,50 186,19 185,90 0,38 LU0159520088
DJE Inv.Primus* € 2293,76 2163,92 2160,77 44,70 LU0174656271
DJE INVEST-StiftRI* € 10,47 10,21 10,20 0,26 LU0423128866
DJE INVEST-Vario P* € 1075,05 1014,20 1012,64 2,14 LU0356605427
DJE-Absolut I* € 243,83 243,83 243,34 0,00 LU0159550408
DJE-Absolut P* € 244,36 232,72 232,25 0,00 LU0159548683
DJE-Absolut XP* € 100,14 100,14 99,93 0,00 LU0229080576
DJE-Ag&Ernährung I* € 125,39 125,39 124,34 0,00 LU0350836184
DJE-Alpha Global I* € 210,71 210,71 210,05 0,00 LU0159550747
DJE-Alpha Global P* € 207,55 199,57 198,84 0,00 LU0159549145
DJE-Asien Hi D XP* € 147,14 147,14 148,19 0,00 LU0374457033
DJE-Asien High D I* € 145,89 145,89 146,95 0,00 LU0374456811
DJE-Asien High D P* € 149,76 142,63 143,66 0,00 LU0374456654
DJE-Div&Sub.IH-CHF* CHF 113,12 113,12 112,65 0,00 LU0383655254
DJE-Gold&Ressour I* € 239,29 239,29 237,57 0,00 LU0159550820
DJE-Gold&Ressour P* € 242,81 231,25 229,26 0,00 LU0159550077
DJE-InterCash I* € 125,04 125,04 125,00 1,46 LU0159551125
DJE-InterCash P* € 125,37 124,13 124,10 1,30 LU0159549814
DJE-Real Estate I* € 932,93 923,69 924,41 20,30 LU0200037074
DJE-Real Estate P* € 9,27 8,83 8,84 0,10 LU0188853955
Euro Bds (short)LC* € 132,36 128,39 128,46 0,71 LU0145655824
Europ.Di.+LC* € 125,47 119,20 117,33 0,00 LU0195137939
Total Return Bd.LC* € 119,50 115,91 116,01 1,60 LU0179217541
Flossbach & Storch
Telefon +49 221 33 88 290 Internet www.fvsag.com
Aktien Global P* € 121,46 115,68 115,31 0,00 LU0366178969
Ausgewogen R* € 112,21 106,87 106,47 1,65 LU0323578145
Bond Diversifik P* € 105,57 100,54 100,37 1,74 LU0526000731
Bond Opport. P* € 108,93 103,74 103,61 1,92 LU0399027613
Defensiv R* € 111,55 106,24 105,95 1,88 LU0323577923
Fundament* € 124,49 118,56 118,10 0,00 DE000A0HGMH0
Multiple Opp. R* € 143,14 136,32 135,30 0,00 LU0323578657
Stiftung* € 100,02 99,03 98,87 2,19 LU0323577766
Wachstum R* € 110,16 104,91 104,46 1,11 LU0323578491
Wandelanl.Global P* € 127,65 121,57 121,51 5,08 LU0366179009
Frankfurt Trust
Basis-Fonds I* € 137,87 137,87 137,76 2,27 DE0008478090
FMM-Fonds* € 393,45 374,71 371,67 0,00 DE0008478116
FT AccuGeld PT* € 70,60 70,60 70,58 0,33 DE0009770206
FT AccuZins* € 236,18 229,30 230,60 4,85 DE0008478082
FT EmergingArabia* € 32,35 30,81 30,56 0,06 LU0317905148
FT Euro High Div.* € 56,88 54,17 53,66 0,00 DE0005317424
FT EuroCorporates* € 54,90 53,30 53,25 1,95 LU0137338488
FT EuroGovernm. M* € 51,47 49,97 49,93 0,89 DE000A0NEBR5
Währung: € = Euro, $ = US-Dollar, ¥ = Yen, £ = Brit. Pfund.
Ausg.: Ausgabepreis eines Fondsanteils zumangegebenen Tag.
Rücknahme: Rücknahmepreis eines Fondsanteils zum angegebe-
nen Tag.
Akt.G: Der aktuelle Aktiengewinn (Veräußerungsgewinn bei Invest-
mentanteilen) wird täglich in Prozent mit Ausnahme der Montagsaus-
gaben veröffentlicht.
ATE: Akkumulierte Thesaurierte Erträge ausländischer Fonds seit
1.1.1994 nach Auslandsinvestmentgesetz (AIG).
ISIN: Die Internationale Wertpapierkennummer eines Fonds wird
ausschließlich in den Montagsausgaben veröffentlicht.
ZWG: Zwischengewinn seit 1. Januar 2005
*: Fondspreise etc. vomVortag oder letzt verfügbar.
Alle Fondspreise etc. ohne Gewähr - keine Anlageberatung und -
empfehlung
Weitere Fonds-Infos unter http://fonds.sueddeutsche.de
Dienstag, 26. April 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 39
GELD
.
Ein einmütiges Urteil über die Bologna-Re-
form gibt es auch unter Studenten nicht.
Schon bei Studierendenvertretern ist das
Echo geteilt: Während vor allemlinke Grup-
pen den Reformprozess seit jeher bekrit-
teln und anfangs (teils auch immer noch) ei-
ne Komplett-Umkehr zum früheren Sys-
tem fordern, verwies etwa der konservati-
ve RCDS stets darauf, dass nur die Umset-
zung und keinesfalls der Grundgedanke
verpatzt seien. Und die konkrete Sicht auf
den Bologna-Prozess in den Hörsälen der
Bundesrepublik hängt nicht zuletzt von der
individuellen Situation ab. Eine Umfrage.
Susanne Münch, Bachelor BWLbeendet,
Hochschule Rhein-Main Wiesbaden, nun
Unternehmensberaterin bei Accenture:
„Der Direkteinstieg nach dem Bachelor
hat bei mir prima geklappt. Wir hatten
imStudiumauch so viele Lehrveranstal-
tungen und Prüfungen, dass ich mich mit
meinemBachelor imVergleich zumalten
Diplomkeinesfalls schlechter auf das Be-
rufsleben vorbereitet fühle. Es gab sogar
ein berufs-
praktisches Se-
mester, das im
Studienver-
lauf fest einge-
plant ist. In
dieser Zeit
konnte ich bei
einer Bank in
Frankfurt
schonwertvol-
le Erfahrun-
gen sammeln,
die mir dann
für den Berufseinstieg geholfen haben.
Aber natürlich sind einige Unternehmen
auchnochskeptischgegenüber Bachelor-
Absolventen. Das habe ich einmal bei ei-
ner Bewerbermesse gemerkt: Manche Un-
ternehmen interessierten sich wirklich
nur für Diplom und Master.“
Jan Behrens, Lehramt für Mathematik
und Geschichte, Universität Mainz, Ba-
chelor, 1. Semester:
„Die Idee der Bologna-Reform, schneller
ins Berufsleben zu starten, ist gut. Im
Lehramtsstudium sind die neuen Ab-
schlüsse auch noch recht neu. An meiner
Uni wird vie-
les sehr praxis-
nah gelehrt,
aber manch-
mal fehlt dann
auch die Tiefe.
Ich fühle mich
eigentlich
nicht schlech-
ter auf den
Lehrerberuf
vorbereitet als
jemand, der
noch ein
Staatsexamengemacht hat. Dennochhät-
te ich gerne mehr Freiheiten, mir meine
Kurse auszusuchen. Das geht immodula-
risierten Bachelorstudium kaum noch.“
Lennard Riebandt, Informatik, Fach-
hochschule Kiel, Bachelor-Abschluss,
nun Master-Programm, 3. Semester:
„Natürlichhört sichder Titel Diplom-In-
formatiker gut an. Ichhabe trotzdemkei-
ne Sorgen, dass ich mit meinem Master-
Abschluss in Informatik keinen Job fin-
de. Der Studiengang ist sehr praxisnah,
es gibt viele
Projekte mit
Firmen, bei de-
nen man Kon-
takte knüpfen
kann. Dazu
kommt, dass
meine FH die
Studiengänge
schonvor eini-
ger Zeit umge-
stellt hat. Ich
sehe eigent-
lich keinen
Nachteil zwischen Master und Diplom:
Man braucht für beides etwa fünf Jahre.
Allerdings werden im Masterstudium
mehrere Themenfelder behandelt und
dann meist nur angeschnitten.“
Matthias Seebauer, Diplom-Geographie,
Universität Bamberg, 9. Semester:
„DurchdenBologna-Prozess nimmt mei-
ner Erfahrung nach die Belastung der
Kommilitonendurcheinhohes Prüfungs-
aufkommen spürbar zu – bei gleichzeiti-
gem Konkurrenzdruck hinsichtlich der
Option, ein Masterstudium zu beginnen.
Auchengagierensichimmer weniger Stu-
dierende inInstitutionenundEinrichtun-
gen wie der Studierendenvertretung.
Dort konnte ich zum Beispiel drei Jahre
aktiv sein, etwa als Fachschaftssprecher.
Außerdem ha-
be ichdenEin-
druck – das
hat sich auch
in Gesprächen
mit Dozenten
aus dem Mit-
telbau bestä-
tigt –, dass das
verschulteSys-
tem Unselbst-
ständigkeit un-
terstützt und
durch die
zwangsläufige Ballung des Stoffes
Grundlagen nicht ausreichend vermit-
telt werden können. So sinkt das Niveau
von Ausarbeitungen. Die Entwicklung
beimÜbergang zumMaster ist erst abzu-
warten, denndie derzeitigenQuotenrege-
lungen schränken die Zahlen signifikant
ein – obwohl hohes Interesse besteht.“
Protokolle: Kim-Björn Becker
und Johann Osel (Fotos: privat)
Von Ki m-Bj örn Becker
D
ie Entscheidung war schnell getrof-
fen. Zwar bietet die Ludwig-Maxi-
milians-Universität (LMU) München ih-
ren Studenten der Politikwissenschaften
viele Möglichkeiten, ins Ausland zu ge-
hen. Doch Eva Blomberg, 23, war der
Preis für diesenSchritt zu hoch. „Ich hät-
te in jedem Fall ein Semester länger stu-
dieren müssen und wertvolle Zeit verlo-
ren“, sagt sie. „Den Wunsch, während
meines Studiums ins Ausland zu gehen,
habe ich mir dann schnell aus dem Kopf
geschlagen.“ Blomberg gehört innerhalb
ihres Fachs zur erstenGenerationvonBa-
chelor-Studenten. Sie sollten es nach
dem Willen der europäischen Staaten
besser haben als ihre Kommilitonen, die
noch nach den alten Abschlüssen stre-
ben. Denneinwichtiges Ziel der Bologna-
Reform war es, die Mobilität zu fördern.
Im Fall Blombergs führte die Reform
aber zum Gegenteil. Ein Einzelfall?
Die Geschichte scheint nicht mit den
Zahlenzusammenzupassen, die das Bun-
desbildungsministeriumund die Kultus-
ministerkonferenz (KMK) verbreiten.
Sie zitiereneine Studie des Internationa-
len Zentrums für Hochschulforschung in
Kassel, wonach 27 Prozent aller Absol-
ventender neuenAbschlüsse Auslandser-
fahrungen gesammelt hätten, während
es in den alten Studiengängen bloß 19
Prozent seien. Dochdiese Lesart der Stu-
die ist etwas willkürlich, weil verschiede-
ne Formen von Auslandsaufenthalten
vermischt werden. Tatsächlich liegt die
Quote der Studenten mit Auslandsauf-
enthalten in allen Kategorien – vomAus-
landssemester über kurze studienbezoge-
ne Projekte wie Sprachkurse bis zu Aus-
landspraktika – bei den alten Abschlüs-
sen deutlich höher als bei den neuen. Mit
Blick nur auf Bachelor-Studenten ist der
Unterschied sogar gravierend.
Dies wirdvoneiner Umfrage des Hoch-
schul-Informations-Systems (HIS) aus
demJahr 2007 gestützt. Vieles spricht al-
so dafür, dass es nicht übertrieben ist,
wenn Studentin Blomberg sagt, vielen
Kommilitonen gehe es so. „Das Haupt-
problem ist, dass die Universitäten zu
sehr darauf achten, ob im Ausland wirk-
lich identische Lehrveranstaltungen an-
geboten werden. Wenn nicht, erkennen
sie die Leistungen nicht immer an. Dabei
sollte es doch eigentlich um die Kompe-
tenzen gehen, die man dort erwirbt.“ An
dieser mangelnden Flexibilität sei letzt-
lich ihr Gang ins Ausland gescheitert.
Für Andreas Keller von der Gewerk-
schaft Erziehung und Wissenschaft re-
den sich Bund, Länder und Hochschulen
das Problem schön, indem sie jetzt die
Phase zwischen Bachelor und Master als
ideale Zeit für einen Auslandsaufenthalt
propagieren. „Das ist aber ein Wider-
spruch, denn der Bachelor soll ja der be-
rufsqualifizierende Abschluss sein, der
Master nur Zusatz.“ Um die Mobilität
der Studenten zu erhöhen, sollen die
Hochschulen in ihre Studienordnungen
nun gezielte „Mobilitätsfenster“ einbau-
en. Das hat auch die KMK jüngst unter-
strichen. Ein „Mobilitätsfenster“ könnte
organisatorische Probleme eines Aus-
landsaufenthalts natürlich erleichtern.
Doch ist dieser Punkt in der Praxis
kaumvonder Frage der Anerkennung im
Ausland erbrachter Leistungen zu tren-
nen. Laut HIS scheiterte 2007 jeder vier-
te geplante Auslandsaufenthalt daran,
dass Probleme bei der Anerkennung vor-
hersehbar waren. Oliver Jahraus, Profes-
sor und Bologna-Beauftragter an der
LMU, erkennt einengrundsätzlichen„In-
teressenkonflikt“: zwischen den Zielen,
den Studenten einerseits ein schnelleres
Studium zu ermöglichen, und anderer-
seits ihre Mobilität zu erhöhen. „Dahin-
ter steht aber auch eine Mentalitätsfra-
ge. In vielen Fächern herrscht ein Dün-
kel, dass ihre Studienordnung die einzig
richtige sei. Das Studium ist woanders
nicht per se schlechter, nur weil dort an-
dere Module angeboten werden.“
Dabei sollte das im Zuge des Bologna-
Prozesses eingeführte Systemder Kredit-
punkte (ECTS) genau dieses Problemeli-
minieren. Bereits 90 Prozent aller euro-
päischenHochschulennehmenamECTS-
System teil. „Eine pauschale Anerken-
nung von Studienleistungen kann es je-
doch nicht geben. Die neuen Studienpro-
gramme sind sehr stark ausdifferen-
ziert“, sagte Margret Wintermantel, Prä-
sidentin der Hochschulrektorenkonfe-
renz, der SZ. Die Studenten müssten sich
darum kümmern, was von ihrer Hoch-
schule anerkannt wird und was nicht.
Jahraus hingegen sieht die Unis in der
Pflicht: Sie selbst müsstendie vomBolog-
na-Prozess geforderte Flexibilität nun
aufbringen. „Es ist noch immer so, dass
die Studenten in der Praxis nachweisen
müssen, dass ihre Leistungen im Aus-
land gleichwertig sind. Dabei müsste es
umgekehrt sein, die Beweislast liegt