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Hizbullah - Name einer blutigen Geschichte

Viel wurde über die Hizbullah in der Türkei geschrieben, wenig über ihre Aktivitäten seit Anfang der 90er
Jahre berichtet - sie waren in der Regel auch in der BRD den Platz für eine Meldung nicht Wert. In der
Türkei fiel ihr Name erstmals Ende der 80er Jahre. Ihren eigentlichen Bekanntheitsgrad erlangte sie aber in
den 90er Jahren, als täglich auf den Straßen von Diyarbakir, Batman und Silvan Dutzende Menschen am
hellichten Tag vor aller Augen bestialisch getötet wurden - durch Axthiebe auf den Kopf oder mit einem
Schuss in den Hinterkopf. Ihre Operationsgebiete waren also die vom Krieg beherrschten und von
insgesamt über 300.000 Sicherheitskräften - Armee-, Gendarmerie- und Polizeiangehörigen - belagerten
Städte Kurdistans. Wir dokumentieren einen aus der Özgür Politika übersetzten Hintergrundbericht.

Durch die Entführung von Geschäftsmännern in Istanbul und die anschließende bewaffnete
Auseinandersetzung in Beykoz wurde die Hizbullah bekannt .
Das Gefecht in Beykoz war die erste Auseinandersetzung zwischen dem Staat und der Hizbullah.
Die Hizbullah ist für hunderte ja sogar tausende bewaffnete Aktionen verantwortlich, aber seit
ihrer Gründung bis heute führte sie keine einzige Aktion gegen den Staat durch. Sie operierte in
den kurdischen Gebieten mit dem Ziel der Vernichtung der PKK und ging später auch gegen
Intellektuelle, Unternehmer, Politiker und Geistliche vor, die eine positive Einstellung zur
kurdischen Frage hatten. Der Staat unternahm bis Ende 1997 nichts gegen die Hizbullah, begann
danach aber mit der Verhaftung von Mitgliedern, die vor allem in Diyarbakir, Sirnak und Batman
bekannt waren. Von April bis Juni 2000 wurden bei Operationen des Polizeipräsidiums Diyarbakir
annähernd tausend Personen in Gewahrsam genommen, denen vorgeworfen wird, 163
Menschen getötet, 102 Menschen verletzt, Gelder erpresst und Brandsätze gelegt zu haben. 400
davon kamen in Untersuchungshaft. Es wird behauptet, dass bei den Operationen im Juni
Disketten mit Informationen über die Hizbullah beschlagnahmt wurden.

Während die Verhaftungen fortgesetzt wurden, haben am 20. Dezember 1999 in Diyarbakir
Vertreter der Ausnahmezustandsbehörde (OHAL), der Sicherheitskräfte und der Gendarmerie der
Wijalet ein "Hizbullah Gipfeltreffen" durchgeführt.

Bei der Operation in Beykoz wurde Hüseyin Velioglu, der Anführer der Hizbullah, getötet und Edip
Gümüs und Cemal Tutar verhaftet, die hochrangige Vertreter des bewaffneten Armes der
Organisation sind. Der Staat verstärkt damit seine Angriffe gegen die Hizbullah und hat jetzt das
Ziel, die Hisbullah zu vernichten. Aber vor allem die Kurden werden sich an die Machenschaften
der Hizbullhah erinnern, durch die unzähligen Morde, die sie begangen hat und durch die Fragen,
die dadurch offen blieben.

Hizbullah heißt auf arabisch "Partei Gottes" oder "Angehöriger Gottes"; sie trat zuerst Ende 1970
im Libanon in Erscheinung. Es waren radikale islamistische Schiiten, die sich in verschiedenen
Zentren , in erster Linie in der Bekaa-Ebene, organisierten und auf Grundlage des Islam den
bewaffneten Kampf befürworteten. Sie wurde besonders durch ihre Selbstmordaktionen und die
Raketenangriffe auf Israel zur Befreiung der besetzen palästinensischen Gebiete bekannt.

Später gründeten sich in verschiedenen islamistischen Ländern Organisationen mit demselben


Namen. Ob diese Organisationen untereinander in Verbindung stehen, kann nur vermutet
werden.
Auch in der Türkei wurde der Name Hizbullah von verschiedenen Gruppen benutzt. Offiziell
registrierten sie die türkischen Sicherheitskräfte 1983-84 wegen verschiedener Raubüberfälle und
Entführungen in Istanbul.

Die Aktivitäten der Organisation setzten sich mit dem Vertrieb der Zeitschrift Yeryüzü fort, die
durch Burhan Kavuncu, ein ehemaliges MHP-Mitglied, herausgegeben wurde. Nach Berichten
des türkischen Geheimdienstes führte diese Organisation keine Aktionen durch. Die Hizbullah,
die in den kurdischen Regionen Hunderte von blutigen Aktionen durchführte, wurde nach
offiziellen Angaben 1987 von Hüseyin Velioglu (aus Batman) in Diyarbakir gegründet.

Hüseyin Velioglu nahm sein Studium 1972 an der Fakultät für Politikwissenschaften in der
Universität Ankara auf. Während seines Studiums war er in Müslüman Kardesler (muslimische
Brüder), Ülkücüler (türkische Faschisten, auch bekannt als Graue Wölfe) und in Akinci Genclik
(etwa ‚stürmische Jugend) organisiert. Vor 1980 war er innerhalb der Milli Türk Talebe Birligi
(Nationalistische türkische Studentenunion) aktiv. Velioglu organisierte die Hizbullah von der
Buchhandlung Ilim aus, die er in Diyarbakir eröffnete. Für die Aktivitäten der Organisation in
Diyarbakir waren Sevket Boru aus Bingöl und Haci Beyancik verantwortlich, der bei den
Bürgerschaftswahlen 1984 als Unabhängiger kandidierte.

Die Geschichte der Hizbullah, die vor allem in der wichtigsten Kampfphase der PKK während der
Serhildans (Volksaufstände) in den Jahren 1990-91 aktiv wurde, ist sicherlich nicht so
durchsichtig, wie es die offiziellen Quellen darstellen.
Die PKK gewinnt an Stärke, die Hizbullah taucht auf

In den Jahren 1990-91 war der Erfolg der PKK in Sirnak, Mardin, Diyarbakir und Batman und
anderen Städten bei der Bevölkerung sehr groß, und fast täglich fanden Massenproteste statt. So
wurden z.B. aus Protest Geschäfte nicht geöffnet. Die Hizbullah verstärkte ihre Aktionen
besonders in den Städten, in denen die PKK großen Einfluss auf die Menschen hatte. Seit dem
Auftauchen der Hizbullah begriff die kurdische Öffentlichkeit, dass sie mit der Unterstützung des
Staates gegründet wurde, um den Einfluss der PKK zu brechen.

Die erste Region, in der sich die Hizbullah organisierte, war die Kreisstadt Kiziltepe bei Mardin.
Ab Frühjahr 1991 war bekannt, dass in bestimmten Häusern der Kreisstadt "islamistische
Militante" ausgebildet wurden. Die Autos der Marken BMW und Mercedes mit Kennzeichen aus
Yozgat, Zonguldak, Trabzon, Urfa, Izmir und Aydin wurden in Kiziltepe vermehrt gesichtet. Nach
kurzer Zeit wurden die Orte bekannt. Es handelte sich um zwei "Koranschulen" in den Stadtteilen
Yenimahele und Balili (Cumhuriyet), in denen hauptsächlich Jugendliche aus Elazig und einige
Jugendliche aus Kiziltepe geschult wurden.

Auffallend war, dass auf dem Dach dieser beiden Koranschulen Spezialteams Wache hielten. Die
Aktivitäten wurden in kurzer Zeit auf Geschäftsstellen, Schulen, Häuser und Moscheen
ausgeweitet, die sogar von der Polizei bewacht wurden. Das Ziel dieser Aktivitäten wurde durch
ein Flugblatt deutlich, das am 13. Februar 1992 in Wohnungen und Geschäftsstellen verteilt
wurde. In diesem Flugblatt mit der Unterschrift der "Union der Patriotischen Religiösen
Kurdistans" hieß es: "Patriotische Imams, beteiligt euch an dem Widerstand gegen die PKK.
Fürchtet euch nicht. Erzählt in den Gebetsstunden über Apo's Lügen von Befreiung und
Unabhängigkeit." Parallel zu den Entwicklungen in Kiziltepe wurden in Diyarbakir und Batman in
Moscheen und bestimmten Häusern unter dem Deckmantel von Bildung und Schulung
Versammlungen abgehalten, in denen über ein Vorgehen der Hizbullah gegen die PKK diskutiert
wurde.

In einer Ausgabe der Zeitschrift "2000'e Dogru" (Richtung 2000) am 16. Februar 1992 wurde
berichtet, dass nach Aussagen von Augenzeugen und Sympathisanten der Hizbullah, Mitglieder
der Organisation in Diyarbakir in der Zentrale der türkischen schnellen Eingreiftruppen
ausgebildet wurden. Nach Aussagen eines Wachpostens kamen einige Personen mit Bärten und
den typischen Pluderhosen von 23.00 bis 1.00 Uhr in die Zentrale der Schnellen Eingreiftruppe
und hielten dort eine Versammlung ab. Zwei Tage nach dem Erscheinen dieses Artikels wurde
der Verfasser Halit Güngen durch Unbekannte ermordet.

Täglich ein paar Leichen

Die Hizbullah führte parallel zu ihrer fortschreitenden Organisierung immer auch blutige Aktionen
durch. Die Landkarte der Morde erstreckt sich von Batman, Nusaybin, Idil, Mazidagi, Diyarbakir,
Mardin, Kiziltepe, Silvan, Ceylanpinar, Viransehir, Cizre und später Van, Urfa und Antep. Am 3.
Dezember 1991 wurde Mikail Bayro, der von der Bevölkerung von Idil sehr geschätzt wurde, von
der Hizbullah ermordet. Bayro war Yezide. Er wurde ermordet, um die Widersprüche zwischen
den Yeziden und Kurden zu verschärfen. Der Mord führte zu großen Protesten in der
Bevölkerung. Die Hizbullah suchte für ihre Politik des Terrors ihre Opfer in allen Schichten der
Gesellschaft: Schüler, Lehrer, Geistliche, Intellektuelle, Geschäftsmänner und Arbeitslose.

Am 12. Januar 1992 wurde Abdulsamet Cetin, Student der Dicle Universität in Diyarbakir, am 24.
Januar der yezidische Dorfvorsteher des Dorfes Feyiran in Batman, Hüseyin Pamukcu, und am
11. Februar der Gymnasiast M. Nuri Ekinci von der Hizbullah ermordet. Das sind nur einige von
mehreren hundert Morden.

Auf Grund der hohen Anzahl von Morden der Hizbullah gab die Bevölkerung Batmans der Stadt
den Namen die "Stadt der Morde unbekannter Täter". Die Hizbullahmitglieder, die Waffen der
Marke Makarov, Cekvizor und Takarov u.ä. benutzten, näherten sich ihren Opfern entweder früh
morgens oder abends von hinten, gaben ein paar Schüsse auf den Kopf ab und entfernten sich
rasch vom Tatort. Von Zeit zu Zeit wurden bekannte Personen zum Ziel erklärt, aber oft wurden
beliebig Menschen ausgewählt, um bei jedem die Furcht zu erzeugen, eventuell das nächste
Opfer der Hizbullah sein zu können.

Genau das war die Absicht der Hizbullah. Schüler und Studenten wurden hauptsächlich mit Äxten
ermordet, Personen, bei denen es kein eindeutiges Mordvorhaben gab, wurden mit
Schlagstöcken und Ketten schwer verletzt. Die Angriffe mit Äxten wurde hauptsächlich in
Diyarbakir durchgeführt. Die Täter benutzten selten Schusswaffen mit Schalldämpfern und waren
meistens nicht maskiert.
Neben den Morden wurden hauptsächlich Unternehmen angegriffen. Allein in Sivan wurde
zwischen dem 21. und dem 23. Dezember Dutzende Angriffe gegen Restaurants,
Möbelgeschäfte, Schneidereien, Lebensmittelläden usw. durchgeführt.

Polizeischutz für die Täter

Bei vielen Vorfällen wurde neben ihrer Haltung zur PKK auch die Beziehung der Hizbullah zum
Staat deutlich. Einer der eindeutigsten Fälle ereignete sich am 3. April 1992 in Silvan. Einer der
bekanntesten Mörder der Hizbullah, Fikri Bayram, ermordete den Geschäftsmann Menaf Simsek
an seinem Arbeitsplatz.

Izzet Simsek, der Vater des Opfers, der sich zufällig im Laden aufhielt, schoss auf den Täter.
Durch die Schüsse alarmiert, verfolgte die Bevölkerung den Täter und fasste ihn. Der Täter, der
eine kugelsichere Weste trug, wurde durch die Sicherheitskräfte vor der Bevölkerung geschützt
und festgenommen. Bayram, der im Militärkrankenhaus behandelt wurde, war eine Woche später
wieder frei. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich in Diyarbakir. Täter, die von der Bevölkerung
gefangen wurden, wurden von der Polizei ‚festgenommen' und nach einigen Tagen freigelassen.
(...)

Ein weiterer Beweis für die Beziehung zwischen Hizbullah und Staat ist die Ermordung von
Cemal Sonuk durch türkische Spezialeinheiten, nachdem Sonuk sich von der Hizbullah gelöst
hatte.

Die Beziehungen zum Staat führten zur Spaltung der Hizbullah


Die Hizbullah hat Beziehungen zum Staat nie abgestritten. Sowohl die engen Beziehungen zum
Staat als auch die brutalen Angriffe gegen kurdische Patrioten führten zu Auseinandersetzung in
der Organisation. Die Hizbullah spaltete sich 1993 (in diesem Jahr wurden insgesamt 400
Menschen von ihr getötet) in zwei Flügel: Menzil und Ilim. Der Geistliche Mansur Güzelsoy führte
die Gruppe "Tevhidci", auch Menzilgruppe genannt, an und vertrat die Haltung, dass das Ziel des
Islams durch eine Vermittlung erreicht werden sollte, während der andere Flügel, die Gruppe Ilim,
unter der Führung von Hüseyin Velioglu, darauf beharrte, an den bisherigen Mitteln festzuhalten.
Die Menzilgruppe führte Diskussionen und unterzog ihre Kader einer theoretischen Schulung. In
diesen Schulungen wurde u.a. auf die Gefahren hingewiesen, die aus einer Beziehung mit dem
Staat resultieren können.

Die Auseinandersetzung zwischen Ilim und Menzil

Im August 1993 wurde ein Kader der Gruppe Menzil von den Mitgliedern des Ilimflügels verletzt.
Das war der Anlass für die Auseinandersetzung zwischen den beiden Flügeln. Der Menzilflügel
veröffentlichte im September desselben Jahres ein Flugblatt mit der Überschrift "An unser
moslemisches Volk". In diesem Flugblatt schreiben sie, dass die Hizbullah unter der Anführung
von Hüseyin Velioglu keine Hizbullah ist, sondern Hizbul-Barbaren. Sie hätten seit vier Jahren
das unschuldige moslemische Volk mit Äxten, Schlagstöcken und Waffen getötet. Sie
unterdrückten die Muslime. Die Hizbul-Barbaren seien unter dem Einfluss von dunklen Mächten".
Bis November 1994 wurden 30 Mitglieder der Gruppe Menzil von der Hizbullah (Ilimgruppe)
ermordet.
Es ist auffällig, dass die türkischen Sicherheitskräfte zur gleichen Zeit ihre Operationen gegen
Mitglieder der Menzilgruppe begannen.

Die Polizei nannte die Ilimgruppe "gute Islamisten", während sie die Menzilgruppe als
"gefährliche Moslems" bezeichnete. Im Oktober 1994 wurde Fidan Güngör, einer der
hochrangigen Funktionäre der Menzilgruppe, mit Kalaschnikows angegriffen. Dabei kamen 5
Personen ums Leben, und Güngör verließ die Stadt. Bis jetzt gibt es keine Informationen über
seinen Verbleib. Auch 1999 hielten die Auseinandersetzungen zwischen der Ilim- und der
Menzilgruppe an. Es wird geschätzt, dass bei diesen Auseinandersetzungen mindestens 300
Personen getötet wurden.

Tolerierung der Hizbullah

Die Beziehungen zwischen der Hizbullah und dem Staat kamen auch in den folgenden Jahren
öfters ans Licht. Nafiz Kayali, der ehemalige Gouverneur von Diyarbakir, gestand in seiner
Stellungnahme vor den Wahlen, wenn auch verdeckt, diese Beziehung ein. In einem Artikel von
Tugba Hacibayramoglu in der Zeitung Radikal vom 6. April 1999 wird die folgende Aussage des
damaligen Governeurs Kayali über die Beziehung des Staates zur Hizbullah zitiert: "Die Hizbullah
war anfänglich eine Gegenkraft zur PKK. Daher wurde sie toleriert. Die PKK wurde marginalisiert.
Die Hizbullah führte ihre Organisierung fort. Wenn keine Maßnahmen getroffen werden, kann sie
in Zukunft eine Gefahr darstellen." Die Toleranz setzt sich in anderer Form fort. Im gleichen Artikel
spricht er sich dafür aus, dass bei den bevorstehenden Wahlen der HADEP keine Möglichkeit für
einen Erfolg zugestanden werden sollte, und findet zugleich unterstützende Worte für Ahmet
Bilgin, den Kandidaten der Tugendpartei (Fazilet Partisi).

Imam-Morde im Namen Allahs

Den größten Schaden bei der Aufteilung der Moscheen zwischen den beiden Flügeln Menzil und
Ilim hatten die Imams, die die Hizb-i-Kontra unterstützt haben. Die Hizbullah hat die Moscheen
als Organisierungsmöglichkeiten genutzt. Ihre Mitglieder, die behaupten, Anhänger Allahs zu
sein, haben allein zwischen 1990-93 in Diyarbakir 22 Imams ermordet, die die Hizbullah nicht
unterstützt haben.
Die Hizbullah hat vom dem ersten Tag ihrer Gründung an die Moscheen als Orte zur Werbung
und Organisierung von Anhängern genutzt. Die Mitglieder schleusten sich als erstes in die
Moscheegemeinschaft ein, um Anhänger zu gewinnen, danach brachten sie die Imams mit oder
ohne Gewalt auf ihre Seite und später wurden in den Moscheen organisatorische
Versammlungen durchgeführt. Die Moscheen dienten auch als Versteck für die Waffen. 1993 war
in Diyarbakir allgemein bekannt, dass die Moscheen in den Stadtteilen Korhat, Huzurevleri und
Seyrantepe sowie Peyas unter der Kontrolle der Menzilgruppe standen, während die Ilimgruppe
Yanikkosk, Fatih, Kaynartepe, Kosuyolu, Balikcilarbasi und Mardinkapi kontrollierte. Gleichzeitig
war die Stiftung der Nationalen Jugend, bekannt für ihre Nähe zur Wohlfahrtspartei Refah, bei der
Aufteilung der Moscheen beteiligt und kontrollierte die Moscheen in den Stadtteilen Sedhitlik und
Ofis. Vor allem nach 1993 führten die Menzil- und die Ilimgruppe um die Aufteilung der Moscheen
erbarmungslose Kämpfe.

Darunter litten vor allem die Imams. Die Hizbullah hatte keine Bedenken, die Imams zu töten, die
sich nicht auf ihre Seite stellten und die Interesse für die kurdische Frage zeigten. Die Imams, die
während der Gottesdienste keine Antipropaganda gegen die PKK machten, wurden von den
Mitgliedern der Hizbullah als Ungläubige diffamiert. Der erste Anschlag auf einen Imam wurde im
Juli 1991 in Batman durchgeführt. Der Imam Resul Ibak von der Nur Moschee wurde ermordet.
Drei Tage später wurden der Imam Abdurrahman Akyuz von der Amediye-Moschee sowie der
ehemalige Imam Ahmet Baytar nach dem Morgengebet auf dem Weg nach Hause von der
Hizbullah angeschossen. Beide Imams starben am Tatort. Am 24. August wurde der Imam Talat
Turhan Angriffsziel der Hizbullah.
Der Geistliche Ubeydullah Dalar, der für seine gemäßigte Einstellung zur kurdischen Frage
bekannt war, gehörte zu denen, die sich dagegen wehrten, dass die Moscheen als
Propagandaorte und Waffenverstecke der Hizbullah missbraucht wurden. Am 21. Dezember 1992
wurde er nach dem Morgengebet angegriffen. Eine große Gruppe von Hizbullahmitgliedern hat
ihn mit Stockschlägen brutal ermordet. Die Hizbullah hat bis Anfang 1996 allein in Diyarbakir 22
Imams getötet und 12 Imams verletzt. In den anderen Städten der Region und nach 1996 wurden
über 100 Imams ermordet.
Eine weitere Aktionsform der Hizbullah waren Entführungen. Diese wurden vor allem 1994/95 in
Batman praktiziert. Es wurde oft gesagt, dass die Entführten in Bunkern der Hizbullah eingesperrt
werden. Im Bericht der Untersuchungskommission des türkischen Parlaments zur Untersuchung
von Morden unbekannter Täter unter der Leitung von Sadik Avundukluoglu wird erklärt, dass in
drei Dörfern bei Gercus Bunker gefunden wurden, aber es wird verschwiegen, dass das Militär
vor Ort Kenntnis davon hatte.

Sakir Tanrikulu, Halit Teymur, Selahattin Yasak, Halit Aydin, Osman Kuntes, Arif Gezici, Ahmet
Günbati und Ekrem Sasmaz wurden 1994/95 entführt und erst am 11. Januar 1996 freigelassen.
Welche schreckliche Erfahrungen sie in den Bunker der Hizbullah gemacht haben, kann man sich
nicht vorstellen. Der Grundschullehrer Selahattin Yasak, der am 11. Januar 1995 von zwei
Hizbullahmitgliedern, die sich als Polizisten ausgaben, entführt wurde und ein Jahr lang in einem
1-2 m² großen Bunker eingesperrt war, schildert seine Erlebnisse folgendermaßen: "Da ich das
Zeitgefühl verloren hatte, dachte ich, ich wäre schon sechs Jahre eingesperrt. Sie haben mir nicht
gesagt, warum sie mich verschleppt haben und was sie mit mir vorhaben. Von meiner
Verschleppung bis zur Freilassung haben sie mit mir nur ein paar Worte gesprochen. Außer
trockener Nahrung und Kerzen, die sehr sparsam benutzt werden mussten, haben sie mir nichts
gegeben. Die Kleider, die ich am Leib trug und meine Jacke, auf der ich schlief, verfaulten. In
dieser Zeit habe ich mich nicht gewaschen und rasiert. Um das Sprechen nicht zu verlernen,
habe ich Selbstgespräche geführt und gesungen (...) Wenn sie mir nur gesagt hätten, warum sie
mich entführt haben, dann hätte ich mich von den Gedanken, die meine Seele aufgefressen
haben und meine Psyche angegriffen haben, befreit."
Einer von den acht Freigelassenen ist der Gewerkschaftsfunktionär Osman Kuntes, der am
6.Februar 1995 entführt wurde. Kuntes erklärte, dass man ihn alleine in einen Bunker gesperrt
hatte und er außer Brot und Zwiebeln nichts zu essen erhielt. Er wurde immer wieder mit der
Erklärung, jetzt freigelassen zu werden, von einem Bunker in den anderen gebracht. Seine
Erfahrungen in einjähriger Bunkerhaft voller Angst beschreibt er folgendermaßen:

"Weil ich ein Gewerkschafter bin, wollten sie eineinhalb Milliarden Lira Lösegeld haben. Ich habe
ihnen gesagt, dass ich nicht so viel Geld habe und diese Summe nicht zahlen kann. Während
unserer Gefangenschaft wurden wir in zwei Meter breiten unter Häusern gegrabenen Bunkern
eingesperrt. Wir mussten dort auch auf Toilette gehen. Das Datum meiner Freilassung habe ich
als meinen Geburtstag festgelegt."

Folterkammern unter den Moscheen

Diese Berichte beleuchten die Machenschaften und Verbrechen der Hizbullah, von der die
Menschen mit Angst erzählten, noch mehr. Der größte Bunker, dessen Existenz in Batman und
Diyarbakir immer bekannt war, wurde 1997 in Silvan (im Dorf Yolac) aufgedeckt. Das Dorf Susa,
das seit 1992 Stützpunkt der Hizbullah war und aus dem seit 1995 alle Menschen, die nicht
Anhänger der Hizbullah waren, vom türkischen Militär vertrieben wurden, rückte ins Licht der
Öffentlichkeit, als der Friedhof, der für die getöteten Mitglieder der Hizbullah gebaut wurde und
den Namen Märtyrerfriedhof erhielt von den Unterstützern und Anhängern der Organisation in
Massen besucht wurde. Die Menschen, die aus ihren Dörfern vertrieben wurden, durften 1997
wieder in ihre Dörfer zurückkehren, wenn sie sich bereit erklärten, Dorfschützer zu werden. Als
der Unternehmer Halis Güneyli im Juli 1997 ermordet wurde, und für diesen Mord Mitglieder der
Hizbullah in Susa verantwortlich gemacht wurden, führte das zu Spannungen zwischen den
Dorfschützern und der Hizbullah.

20 Personen aus diesem Dorf wurden wegen dieses Mordes verhaftet. Als die Hizbullahmitglieder
nach dem Verhör bei der JITEM freigelassen wurden und wieder in ihr Dorf zurückkehren wollten,
kam es am Dorfeingang zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Dorfschützern, die
dem Unternehmer Güneyli nahe standen und den Mitgliedern der Hizbullah. Bei dieser
Auseinandersetzung kam ein Mensch ums Leben, 30 wurden verletzt. Nach diesem Vorfall waren
die Anhänger und Mitglieder der Hizbullah gezwungen, das Dorf zu verlassen. Danach wurde in
der Dorfmoschee, die von der Hizbullah als Stützpunkt genutzt worden war, mehrere Bunker
entdeckt. In den Bunkern wurden Foltergeräte und blutige Kleidung sichergestellt, aber bislang ist
es noch unklar, ob auch Leichen gefunden wurden. Es wird angenommen, dass das Leben von
mindestens 20 Menschen aus Batman in den Bunkern entweder in Susa oder in einem anderen
Dorf endete.

Die Hizbullah ist nicht gegen den Staat

Auf Grund der Nachrichten, dass eine Beziehung zwischen dem Staat und der Hizbullah besteht
und die Organisation vom Staat benutzt wird, um den Einfluss der PKK zu brechen, hat das
Polizeipräsidium 1992 einen 71-seitigen Bericht anfertigen lassen. Dieser Bericht ist angefertigt
worden, um die Behauptung über die Beziehung zur Hizbullah zu widerlegen. Er beinhaltet
Äußerungen, die diese Behauptung eher bestätigen. Der Bericht, der vom Vorsitzenden des
Geheimdienstes Halil Tug vorbereitet wurde und mit einem Vorwort von Yilmaz Ergiun, damals
Chef des Polizeipräsidiums, versehen ist, unterstreicht immer wieder, dass die Hizbullah nicht
das Ziel verfolgt, das Land zu teilen und den Staat zu stürzen.

Der Kampf zwischen der Hizbullah und der PKK wird im Bericht als eine zwingende
Notwendigkeit dargestellt. "Die PKK, die eine Vertreterin der Denkweise ist, die die Mosleme
ermordet, mit den Armeniern zusammenarbeitet, dem Kommunismus dient und die Nation zu
spalten versucht, wird von der Hizbullah als Feind betrachtet, gegen den man kämpfen muss, ja
der sogar vernichtet werden muss." heißt es im Bericht.

Die Informationen über die Beziehung zwischen Staat und Hizbullah werden in diesem Bericht
mit klassischen denunziatorischen Äußerungen des Staates verleugnet: "Indem man versucht ein
Bild auszumalen, wonach die Hizbullah vom Staat organisiert und unterstützten wird, und der
Staat somit im Kampf gegen die PKK illegale Wege einschlägt und Menschen ermordet, versucht
man, das Ansehen des Staates, sowohl im Inland als auch im Ausland zu schädigen."

Ist die Hizbullah kurdisch-nationalistisch ?

Nachdem die Beziehung zwischen Staat und Hizbullah oft erwähnt wurde, behaupteten offizielle
Kreise 1995, es gebe eine Beziehung zwischen der PKK und der Hizbullah und dass die
Hizbullah kurdisch-nationalistisch sei. Diese Behauptungen waren in den letzten beiden Jahren
noch häufiger öffentlich zu hören und man versuchte in Nachrichtensendungen nachzuweisen,
dass es von Anfang an ein Bündnis zwischen der PKK und der Hizbullah gegeben habe. Nach
der Auseinandersetzung in Beykoz wurde in den Medien behauptet, die Hizbullah wäre kurdisch
bzw. nationalistisch-kurdisch eingestellt. Trotz offizieller Behauptungen weiß man, dass es kein
Bündnis zwischen der PKK und Hizbullah gibt.

Weil in den kurdischen Gebieten das Bewusstsein weit entwickelt ist, hat die Hizbullah in den
letzten Jahren verstärkt mit Definitionen und Äußerungen gearbeitet, die als kurdisch-
islamistische Synthese bezeichnet werden können, um Sympathisanten zu gewinnen. Die
Organisation hatte eingesehen, dass sie mit ihrer Politik auf Grundlage der Kurdenfeindlichkeit
auf die Dauer keine Basis finden wird. Aber die Hauptpropaganda der Hizbullah ist nach wie vor
die Ideologie eines Systems, das an der Scharia (im Koran festgelegte Rechtsprinzipien; Anm. d.
Übers.) angelehnt ist.

Organisationsschema

Die Hizbullah zeichnet sich neben den vielen offenen Fragen auch durch ihre Konspirativität aus.
Sie hat keine Presseorgane. In den Büchern und Broschüren, die die Anhänger und Mitglieder
lesen müssen, steht geschrieben, dass die Herrschaft auf der Welt allein Allah zusteht und daher
ein Staat gegründet werden muss, der sich auf die Ordnung stützt, die dem Koran, den Aussagen
des Propheten Mohammed und den einheitlichen Ansichten islamischer Gelehrter zu entnehmen
sind. Die Organisation führt ihre Aktivitäten unter der Leitung zweier Führungsebenen, einer
politischen und einer militärischen, durch. Die Hizbullah definiert den Heiligen Krieg und die
Missionierung als Ziel. Die Missionierung wird als erste Stufe gesehen. Sie beinhaltet die
Einladung zum Islam und die Ausbildung zum Kader. Der heilige Krieg hingegen wird als Gewalt
definiert, die mit der Zielsetzung, das Verständnis vom Islam zu verankern, gegen diejenigen
angewandt wird, die als "Ungläubige" oder "Falsche" diffamiert werden.

Die Verhöreinheiten befragen diejenigen, die die Missionierungsversuche nicht akzeptieren.


Gegen den Verhörten wird eine der folgenden Methoden angewandt. Wenn sie nur ermahnt wird
oder zahlt, wird die Person freigelassen, andernfalls wird sie getötet. Das Töten führen die
Einsatzgruppen durch. Bevor diese Einheiten jemanden töten, erhalten sie einen Befehl von der
Führung der Organisation und von den Verhör- und Liquidationseinheiten. Die Hierarchie in der
Organisation wird nach der Literatur des Islam benannt. Die hochrangigen Verantwortlichen
werden als Musaid (Helfer), neue Mitglieder als Muntesib (Schützlinge), aktive Mitglieder Amil
(treibende Kraft), Mitglieder, die die Aktionen durchführen, Mucahid (Glaubenskämpfer),
hochrangige Kader Nakip (Führer), Vorsitzende von Einheiten und ihre Stellvertreter Naib
genannt.

Das höchste Beschlussorgan nennen sie Sura. Die Sura setzt sich aus den hochrangigen
politischen und militärischen Funktionären zusammen. Die Hizbullah organisiert sich
hauptsächlich in Moscheen, weiterführenden Schulen, in den StudentInnenheimen und in den
Jugendorganisationen der Parteien, die die Grundsätze der Religion akzeptieren.

Die Hizbullah ist einer der Akteure in den jahrelangen blutigen Szenarien in den kurdischen
Gebieten von 1990 bis 1994. Neben den offenen Angriffen wie z.B Dorfverbrennungen und
Morden während der Polizeihaft, gab es noch Aktivitäten, die im Zusammenhang mit den
Untersuchungen zum Verkehrsunfall von Susurluk bekannt wurden. Das Resultat sind über 3000
politische Morde unbekannter Täter, hauptsächlich in Diyarbakir, Batman, Mardin, Bingöl, Sirnak
und Hakkari. Der Susurlukskandal, der Militär, Polizei, Dorfschützer und Politiker umfasst, konnte
nicht aufgeklärt werden. Die Täter bewegen sich bis heute mit dem Wissen von Hunderten
Aktionen in Freiheit. Die Berichte über Banden in Yüksekova oder andere Enthüllungen wurden
mit geringfügigen Strafen für ein paar Polizisten entschärft und abgeschlossen. Man versucht
jetzt, die blutige Phase in den kurdischen Regionen zu verschleiern, indem all diese Morde mit
der Hizbullah erklärt werden. Diese Tendenz kann man in den letzten zwei Jahren erkennen. In
Diyarbakir sind Hunderte von politischen Morden bei der Justiz anhängig. Das auffälligste
Beispiel für politischen Mord stellt der Fall von Mehmet Sincar dar.

Im September 1993 wurde Habib Kilic, Kreisverbandsvorstandsmitglied der Partei der


Demokratie (DEP) von Batman, ermordet und sein Bruder Hikmet Kilic verletzt. Danach begab
sich eine große Delegation der Parteizentrale, darunter auch der Abgeordnete Mehmet Sincar, in
die Region. Die Delegation wurde neben dutzenden von Polizisten auch von vielen Verrätern, u.a.
Alaatin Kanat am Flughafen von Diyarbakir empfangen. Der Bruder von Habib Kilic, Nesim Kilic,
wurde am Flughaften verhaftet. Die Delegation wurde anschließend zur Polizeiwache Diyarbakir
gebracht, wo sie die Verräter sahen, die sie auch später verfolgten. Sie setzten ihre Reise nach
Batman fort und beschlossen Geschäftsleute zu besuchen, um gegen die Morde unbekannter
Täter zu protestieren. Die Polizisten, die die Delegation seit ihrer Ankunft überwachten, waren am
4. September nicht zu sehen. Die Delegation wurde an diesem Tag gegen 17.00 Uhr auf offener
Straße mit Maschinenpistolen beschossen. Bei diesem Angriff wurden Mehmet Sincar und Metin
Ozdemir ermordet und viele Personen, darunter Nizamettin Togus, wurden verletzt. Unmittelbar
nach dem Angriff wurde eine Ausgangsperre verhängt und die Polizei, die bis zum Angriff nicht zu
sehen war, versuchte zu verhindern, dass die Verletzten ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Die DEP-Führung sagte, dass der Staat für die Morde verantwortlich sei und erklärte außerdem,
dass Alaattin Kanat und sein Team die Täter sind. Vier Jahre später sagte der Verräter Murat
Ipek, ehemaliges PKK-Mitglied, aus, dass der Angriff auf Mehmet Sincar von Alaattin Kanat und
seinem Team durchgeführt worden sei. Weiterhin wird die Beteiligung Kanats an dem Mord von
Sincar auch im Susurlukbericht beschrieben. In einem Bericht des Vorsitzenden des
Untersuchungsausschusses des Ministerrates Kutlu Savas, steht, dass der DEP-Abgeordnete
Sincar von Alaattin Kanat, Mahmut Yildirim, Mesut Mehmetoglu und Ismail Yesilmen getötet
wurde.

Die Polizei benutzte die Hizbullah

Im März 1999 führten Sicherheitskräfte des Polizeipräsidiums von Diyarbakir in Mardin, Batman
und Diyarbakir eine breite Operation gegen die Hizbullah durch. Dabei wurden 122 Personen und
insgesamt 20.000 Seiten Dokumente sichergestellt. In einer Stellungnahme des
Polizeipräsidiums wurde erklärt, dass von den Verhafteten der Imam Ubeydullah Dalar und Imam
Tahsin Ibiceker ermordet worden seien. In der Stellungnahme heißt es weiter, dass Mehmet
Sincar ebenfalls von Mitgliedern der Hizbullah ermordet wurde und die Täter Orhan Ilcin und
Veysi Kovan auf der Flucht seien.

Die Beziehung Staat/Hizbullah

Die Beziehung zwischen Staat und Hizbullah wird inzwischen auch von staatsnahen Kreisen
akzeptiert und von einigen Verantwortlichen mit "Toleranz" zu erklären versucht. Sie wird mit den
Entdeckungen von Dutzenden von Morden deutlich.

Der Unternehmer Mikail Bayro wurde am 3. Dezember in Idil bei Sirnak von der Hizbullah
angegriffen und überlebte nicht. Die Menschen, die durch die Schüsse alarmiert zum Tatort
kamen, sahen die Täter und griffen sie an. Muhammet Ata Zengin, einer der Täter, wurde ein
paar Meter vom Tatort entfernt erschossen und der zweite Täter angeschossen. Das Militär griff
schließlich ein und nahm sowohl den getöteten als auch den verletzten Attentäter mit. Wegen des
Mordes an Bayro wurde Anklage erhoben und das Verfahren wurde ohne Ergebnis
abgeschlossen, weil es ein "Mord unbekannter Täter" gewesen sei.

Am 20. Januar 1992 wurde das Haus des Dorfvorstehers Mehmet Yavuz bei Sirnak von 10
Personen umzingelt. Mehmet Yavuz benachrichtigte telefonisch seine Bekannten und
Verwandten. Nach kurzer Zeit kamen ca. hundert Personen vor das Haus von Yavuz. Die
Angreifer flohen in einen etwas weiter entfernt stehenden Panzer und fuhren weg. In der gleichen
Nacht gegen 21.00 Uhr wurde das Haus von Besir Dolasmaz, dem Kreisverbandsvorsitzenden
der HEP, in Dargecit von bewaffneten Kontraguerillas umstellt. Auch er benachrichtigte
telefonisch seine Parteifreunde und Bekannten, die schnell vor Ort waren. Daraufhin liefen die
Angreifer in das Gebäude des Gendarmarie-Bataillons von Dagecit. Die Freunde von Besir
Dolasmaz forderten, dass die Täter, die der Hizbullah angehören, ihnen übergeben würden. Sie
protestierten bis zum nächsten Tag vor der Gendarmerie-Station. (...)