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WISSEN

WISSEN

Oliver Sacks

16. Juni 1995 - 14:00 Uhr

Er ist vielleicht der populärste Neurologe unserer Zeit. Denn der 1933 geborene Arzt, der heute in New York lebt, besitzt die seltene Fähigkeit, sein Fachwissen in ebenso einfühlsamen wie unterhaltsamen Geschichten einem großen Publikum mitzuteilen. Oliver Sacks hat dabei die übliche Krankengeschichte zur Kunstform erhoben - unter seiner Feder werden die Schicksale seiner farbenblinden, autistischen oder an Schlafkrankheit leidenden Patienten zu "Überlebensgeschichten".

Der Mensch steht dabei im Mittelpunkt - und seine Fähigkeit, sich auch an die schwierigsten Situationen anzupassen. Sacks Sichtweise der Medizin und der Hirnforschung vermittelt dabei das hoffnungsvolle Bild einer menschlichen Wissenschaft, die noch nicht das Staunen verlernt hat. "Jeder Essay wirkt wie der lange Telephonanruf eines altmodischen Hausarztes", schrieb das Time magazine treffend über Sacks.

Damit kommt er offenbar dem Bedürfnis vieler Menschen entgegen: Sein erster großer Bucherfolg, "Awakenings - Zeit des Erwachens" (1973), wurde mit Robert de Niro verfilmt, seine Geschichtensammlung "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" (1985) von Peter Brook zu einer Oper verarbeitet. Mit seinem neuesten Buch ("Eine Anthropologin auf dem Mars", Rowohlt Verlag ) hat der sensible Schwergewichtler jetzt eine neue Sammlung seiner paradoxen Fallgeschichten vorgelegt, die vermutlich ebenfalls zum Bestseller werden dürfte.

COPYRIGHT: DIE ZEIT, 25/1995 ADRESSE: http://www.zeit.de/1995/25/Oliver_Sacks