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1 Stammzellen

Stammzellen sind ursprüngliche Zellen mit zwei besonderen Fähigkeiten. Durch


Teilung können sie einerseits wieder Stammzellen bilden, andererseits aber auch
spezialisierte Zellen, die zu verschiedenen Zelltypen (z.B. Herz-, Muskel- oder
Leberzellen) ausreifen. Stammzellen finden sich im Embryo und im erwachsenen
Körper, wo sie zur Bildung und Regeneration von Geweben zuständig sind.

1.1 Aufgabe der Stammzellen

Im menschlichen Körper gibt es verschiedene Typen von Stammzellen. Das


bekannteste Beispiel sind die so genannten hämatopoetischen Stammzellen
(Blutbildungszellen) im Knochenmark, die sämtliche Zellen des Blutes wie z.B. rote
und weiße Blutkörperchen ständig neu bilden. Aber auch in anderen Organen wie
z.B. in der Haut und im Darm kommen Stammzellen vor, die laufend absterbende
Zellen in diesen Geweben ersetzen und die Wundheilung ermöglichen.

Ein Ziel der Stammzellforschung ist es, erkrankte, verletzte oder vorzeitig abgenützte
Gewebe zu reparieren oder zu ersetzen. Dies soll durch die Transplantation von
Stammzellen oder daraus gezüchteten, reiferen Zellen geschehen. Erste Erfolge
wurden bereits erzielt. Derzeit wird intensiv daran geforscht, welche Faktoren
Stammzellen dazu veranlassen, sich in eine bestimmte Richtung zu spezialisieren.

1.2 Medizinischer Nutzen von Stammzellen

1.2.1 Heilen von Krankheiten

Die Fähigkeit der Stammzellen, verschiedene Gewebe und Organe zu bilden, weckt
große Hoffnungen, in PatientInnen fehlende Zelltypen nachwachsen zu lassen bzw.
die benötigten Zellen im Labor vorzuzüchten und dem/r Patienten/in zu implantieren.

Beim Menschen werden Blutstammzellen aus Knochenmark oder aus Blut bereits bei
Krebspatienten nach Chemo- oder Strahlentherapien sowie zur Behandlung von
Leukämie eingesetzt. Das Knochenmark dafür kann entweder vom Patienten oder
der Patientin selbst (vor der Behandlung) oder von einem Spender oder einer
Spenderin stammen.
Es besteht auch die Hoffnung, verschiedene Krankheiten wie Rheuma, Diabetes,
Herzerkrankungen, verschiedene Bluterkrankungen, Parkinson, Alzheimer und
Multiple Sklerose durch entsprechende Stammzell-Transplantationen heilen zu
können. In Tierversuchen ist dies bereits teilweise gelungen. Auch bei
Verbrennungen, schlecht heilenden Knochenbrüchen und Rückenmarksverletzungen
hofft man, die Erfolge aus Tierversuchen auf den Menschen übertragen zu können.

1.2.2 Pharmazeutische Forschung

Forscher erhoffen sich, mit Hilfe von Stammzellen die Wirkung von Medikamenten
auf verschiedene Zelltypen besser und mit weniger Tierversuchen als bisher
erforschen zu können.

1.3 Gewinnungsmöglichkeiten für Stammzellen

1.3.1 Embryonale Stammzellen

Eine befruchtete Eizelle entwickelt sich durch Zellteilung innerhalb von vier bis acht
Tagen zu einem Embryo von etwa 0,15 Millimeter Größe.

Stammzellen aus sehr frühen Stadien des Embryos sind in ihrer Funktion noch in
keiner Weise festgelegt- totipotent. Aus ihnen kann praktisch jeder der rund 200
verschiedenen Zelltypen und somit jedes Gewebe des menschlichen Körpers
hervorgehen. Embryonale Stammzellen werden hauptsächlich aus überzähligen
Embryonen im Zuge künstlicher Befruchtungen oder aus dem Gewebe abgetriebener
Föten gewonnen.

Stammzellen durch Therapeutisches Klonen

Der Begriff Klonen bezeichnet allgemein die künstliche Herstellung einer genetisch
identischen Kopie eines Lebewesens durch Fortpflanzungstechniken. Beim
therapeutischen Klonen werden aus den Körperzellen von Patienten Embryonen
geklont, aus denen sich nach wenigen Tagen Embryonale Stammzellen gewinnen
lassen.

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WissenschaftlerInnen hoffen, aus diesen Stammzellen Gewebe für eine
Transplantation erzeugen zu können, das vom Patienten/von der Patientin nicht
abgestoßen wird.

Probleme und Risiken

Die klinische Anwendung von embryonalen Stammzellen ist in nächster Zukunft noch
nicht absehbar, da einige Probleme und Risiken noch nicht geklärt sind. Bei der
Transplantation von Zellen, die aus embryonalen Stammzellen kultiviert wurden,
besteht die Gefahr der Tumorbildung. Wenn sich unter den transplantierten Zellen
noch embryonale Stammzellen befinden, die sich noch nicht in den gewünschten
Zelltyp spezialisiert haben, können diese zu einem so genannten Teratom
heranwachsen, einem Tumor aus unterschiedlichsten Zelltypen.

Ein weiteres Risiko birgt die Tatsache, dass das genetische Material von
embryonalen Stammzellen und daraus gezüchteten Zellen und Gewebe genetisch
nicht stabil ist. Im Laufe der Zeit könnten sich Mutationen entwickeln, die in der Folge
zu Krebs führen könnten.

Außerdem besteht die Gefahr, dass Viren über das Kulturmedium in die embryonalen
Stammzellen gelangen.

1.3.2 Erwachsenen Stammzellen- Adulte Stammzellen

Erwachsenen-Stammzellen findet man im Knochenmark, im Blut und in


verschiedenen Organen wie z.B. Knochen, Knorpel, Haut und Darm. Sie sind nicht
mehr so flexibel wie embryonale Stammzellen, sondern sie entwickeln sich zu den
Zelltypen „ihres“ jeweiligen Organs, in dem sie bereits vorspezialisiert wurden-
pluripotent.

Hier gab es einen Durchbruch in der Forschung:

Stammzellen des Knochenmarks – aus denen sich normalerweise Blutzellen


entwickeln – wurden so behandelt („umprogrammiert“), dass sich daraus
Nervenzellen entwickelten. Im Tierversuch ist dies bereits auch mit verschiedenen
anderen Geweben gelungen. Allerdings sind die Bedingungen und Faktoren, die ein
solches Umprogrammieren ermöglichen, derzeit noch nicht geklärt.
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Bei der Transplantation von Erwachsenen-Stammzellen besteht ein gewisses Risiko,
dass sie Zellen Viren enthalten, die vom Spender auf den Empfänger übertragen
werden können. Außerdem besteht die Möglichkeit einer Abstoßungsreaktion.

1.3.3 Stammzellen aus Nabelschnurblut

Als relativ neue und vielseitige Quelle verschiedener Stammzellen gilt das
Nabelschnurblut. Diese Zellen sind zwar schon geprägt, entsprechen aber noch am
ehesten den Embryonalen Stammzellen. Sie haben das Potential, das gesamte
blutbildende System des Menschen neu aufzubauen. Aber auch Stammzellen für
Leber-, Knorpel-, Muskel-, Herzmuskel- und andere Gewebe wurden gefunden.
Wenn diese Zellen in die jeweiligen Organe gelangen, können sie vermutlich die
entsprechenden Gewebe bilden.

Stammzellen aus Nabelschnurblut sind flexibler als Erwachsenen-Stammzellen, sind


noch frei von möglicherweise krankmachenden Viren und sind für die Immunabwehr
des Empfängers nicht so leicht als fremd zu erkennen.

Das Blut aus der Nabelschnur kann nach der Geburt gewonnen werden. Mit dem
Einverständnis der Eltern kann es anonym einer Blutbank zur Verfügung gestellt
werden. Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit, das Nabelschnurblut als „Vorsorge“
individuell lagern zu lassen. Man hofft damit bestimmte spätere Krankheiten
behandeln zu können. Derzeit gibt es allerdings noch keine gesicherten
Anwendungen.

1.4 ethische Aspekte der Forschung mit embryonalen Stammzellen

Die Verwendung embryonaler Stammzellen ist mit ethischen Problemen verknüpft,


weil sie theoretisch das Potential haben, einen vollständigen Menschen
hervorzubringen.

Auch die Herkunft embryonaler Stammzellen – ob sie nun aus „überschüssigen“,


abgetriebenen oder speziell für diesen Zweck geklonten Embryonen gewonnen
werden – ist in jedem Fall ethisch bedenklich. Deshalb gilt es sorgfältig abzuwägen
zwischen der Würde und dem Schutz jedes menschlichen Individuums und der
Heilung schwerster, bislang meist unheilbarer Krankheiten.

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Alternativen zu den embryonalen Stammzellen stellen die Erwachsenen-
Stammzellen und die Stammzellen aus Nabelschnurblut dar. Manche Experten
glauben, dass fast alle Ziele, die man sich aus der Züchtung embryonaler
Stammzellen verspricht, auch mit denen aus Nabelschnurblut erreichbar sind.
Allerdings gibt es dazu bisher nur wenige Forschungsergebnisse.

1.5 rechtliche Situation

Es ist weltweit verboten, aus embryonalen Stammzellen einen Menschen


heranzuziehen.

Unterschiedlicher ist die rechtliche Situation in verschiedenen Ländern bei der Frage,
ob menschliche Embryonen für die Gewinnung embryonaler Stammzellen geklont
werden dürfen. Auch der Embryo steht nach der Rechtsordnung vieler Länder von
Beginn an unter dem Schutz der menschlichen Würde. Dies gilt aber nicht für alle
Länder und muss deshalb international diskutiert werden.

In Österreich gibt es bezüglich Klonen grundsätzlich eine ablehnende Haltung. Im


österreichischen Gesetz ist festgelegt, dass die Würde des Menschen geachtet
werden muss. Nach dem österreichischen Fortpflanzungsgesetz von 1992 dürfen
entwicklungsfähige Zellen, also Embryonen, nicht für andere Zwecke als für die
medizinische Fortpflanzung verwendet werden. As dürfen weder Embryo- noch
Körperzellen geklont werden.

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2 Klonen
2.1 Definitionen

Ein Klon ist die genetisch identische Kopie eines Lebewesens. Der Begriff Klonen
bezeichnet die künstliche Herstellung eines Klons durch Fortpflanzungstechnik.

Klonieren ist ein Begriff aus der Gentechnik und Biotechnologie und bedeutet die
Vermehrung ausgewählter Stücke des Erbguts (DNA), so dass davon viele Kopien
entstehen.

2.2 Anwendungen des Klonens

• Klonen von Nutztieren- um die Qualität eines Tieres oder seiner Produkte zu
steigern und sie für zukünftige Generationen zu erhalten

• Klonen von Haustieren

• Klonen von Menschen- Das Klonen von Menschen zu Fortpflanzungszwecken


ist aus ethischen Gründen grundsätzlich abzulehnen. Experten warnen neben
prinzipiellen ethischen Bedenken vor der zu erwartenden hohen Sterbe- und
Missbildungsrate. Der rasche Fortschritt beim Klonen von Tieren zeigt jedoch,
wie wichtig die Auseinandersetzung mit diesem Thema.

2.3 Techniken des Klonens

2.3.1 Klonen aus Embryozellen

Embryoteilung

Eine befruchtete Eizelle entwickelt sich durch Zellteilung zu einem Embryo. Die
Embryoteilung wird unter dem Mikroskop mit einer feinen Glasnadel ausgeführt. Dies
muss allerdings sehr früh nach der Befruchtung der Eizelle erfolgen. Denn die
Embryozellen spezialisieren sich bald und verlieren damit die Fähigkeit, zu einem
vollständigen Lebewesen heranzuwachsen. Inzwischen konnte man durch
Embryoteilung Mäuse, Rinder und Rhesusaffen klonen. Aus Embryozellen lassen
sich nicht nur vollständige Lebewesen klonen. Sie enthalten im frühen Stadium
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Stammzellen, aus denen sich alle Zelltypen entwickeln. Wissenschaftler hoffen,
Stammzellen eines Tages in der Medizin einsetzen zu können.

Kerntransfer

Dabei entfernt man mit einer dünnen, hohlen Glasnadel den Zellkern aus einer
Eizelle und ersetzt ihn durch einen anderen Zellkern. Durch einen Stromstoß
verschmelzen die Eizellhülle und der neue Kern und bilden einen künstlich
geschaffenen Embryo. Dieser wird einem Ammentier eingesetzt und entwickelt sich
zu einem normalen Tier. Die ersten Kerntransfer-Versuche wurden mit Zellkernen
aus Embryozellen durchgeführt.

2.3.2 Klonen aus Körperzellen

Die Merkmale von Vater und Mutter vererben sich zufällig. Daher kann man nicht
vorhersagen, welche Eigenschaften die entstehenden Lebewesen haben werden.
Dies gilt auch für Lebewesen, die durch Embryoteilung oder Kerntransfer geklont
wurden. Seit einigen Jahren gelingt es jedoch, Klone mit vorhersagbaren
Eigenschaften herzustellen. Denn Kerntransfer kann auch mit Zellkernen aus
Körperzellen bereits erwachsener Tiere durchgeführt werden. 1997 wurde das erste
so geklonte Säugetier geboren, das Schaf „Dolly“.

Körperzellen können nicht alles, was Embryozellen können, weil sie bereits
spezialisiert sind. Mit bestimmten Methoden kann diese Spezialisierung aber
aufgehoben werden. Die Zellen entsprechen dann wieder dem embryonalen
Urzustand, in dem ihr Zellkern wieder die komplette Information für die
Embryoentwicklung verfügbar hat. Möglicherweise gelingt das Zurückprogrammieren
der Körperzellen aber nicht vollständig. Dies könnte die geringe Erfolgsrate dieser
Technik erklären.

Viele geklonte Tiere sterben frühzeitig, oft bereits während der Schwangerschaft.
Häufig findet man fehlerhafte Chromosomen und Missbildungen. Die Ursachen
hierfür kennt man noch nicht.

2.4 Ethische und rechtliche Überlegungen

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Die Möglichkeit des Klonens eröffnet neue Aussichten in der Ernährung, Forschung
und Medizin. Allerdings müssen wir uns dringend mit den ethischen und rechtlichen
Problemen auseinandersetzen, die damit verknüpft sind.

2.4.1 Tiere
Das Klonen von Tieren ist wirtschaftlich bereits bedeutend. Durch Klonen können
Nutztiere mit der besten Fleisch- und Milchleistungsqualität gezielt vermehrt werden.
Im Weiteren könnten durch Klonen vom Aussterben bedrohte Tierarten erhalten
werden. Für die Forschung und unser Gesundheitswesen bedeutet die Möglichkeit,
Tiere zu klonen, einen großen Fortschritt. Die Sicherheit und Wirksamkeit neuer
Medikamente können schneller und genauer als bisher untersucht werden.

2.4.2 Mensch
Die Grundeinstellung unserer Gesellschaft zum Leben erlaubt das Klonen von
Menschen zu Fortpflanzungszwecken nicht. Ein Mensch darf nicht für einen Zweck
missbraucht werden. Das wäre bei einem geklonten Menschen aber der Fall, wenn
er einen bestimmten Menschen ersetzen oder z.B. als Organspender/in dienen soll.
Außerdem ist die Missbildungsrate hoch. Darüber hinaus könnte ein geklonter
Mensch unter der hohen Erwartungshaltung leiden, die an ihn gestellt würde. Das
Erbgut eines geklonten Menschen wäre nicht sicher vor Missbrauch. Als Alternative
könnten für Ersatzgewebe möglicherweise auch Stammzellen aus Erwachsenen
verwendet werden, die man in den verschiedenen Organen findet. Sie entwickeln
sich in diejenigen Zelltypen, die diese Organe jeweils brauchen. Der Embryo steht
nach der Rechtsordnung vieler Länder von Beginn an unter besonderem Schutz.
Daher ist das Klonen menschlicher Embryos in vielen Ländern strikt verboten. In
Österreich sind Klon-Experimente beim Menschen durch das
Fortpflanzungsmedizingesetz von 1992 untersagt. In Großbritannien wurde kürzlich
der Weg zum Therapeutischen Klonen frei gemacht. Damit wurde die Herstellung
menschlicher Embryonen mittels Kerntransfer für die Erforschung und Therapie von
menschlichen Erkrankungen, aber auch die Erforschung von Alternativen zu
Stammzellen aus menschlichen Embryonen ermöglicht. Es wurde jedoch auch
deutlich auf die damit einhergehenden ethischen und biologischen Probleme
hingewiesen.

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3 In Vitro Fertilisation (IVF)

Nach einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke werden die Eizellen aus dem
Körper der Frau entnommen und in einem Gefäß (”Reagenzglas”) mit den Spermien
des Ehemannes zusammen gebracht. Die Spermien befruchten die Eizellen und die
so entstandenen Embryonen werden in die Gebärmutter zurückgegeben. Dort
wachsen sie im Idealfall an und es resultiert eine Schwangerschaft.

Die Eileiter werden dabei nicht benötigt, da die Eizellen über den Umweg des
Reagenzglases direkt in die Gebärmutter gebracht werden. So wurde diese Methode
zunächst auch für Frauen mit verschlossenen oder aus anderen Gründen
funktionsunfähigen Eileitern entwickelt, bei denen eine operative Behebung dieser
Sterilitätsursache nicht möglich ist. In den letzten 31 Jahren (Geburt des ersten durch
IVF gezeugten Kindes im Jahre 1978) fand die Methode eine große Verbreitung und
wird nunmehr auch für andere Gründe der Kinderlosigkeit eingesetzt. Mittlerweile
wird nur noch die Hälfte aller IVF-Behandlungen wegen eines Eileiterschadens
durchgeführt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird diese Methode als “Künstliche Befruchtung”


bezeichnet. Dieser Ausdruck ist letztlich unrichtig, denn die Befruchtung zwischen
Spermien und Eizelle läuft genauso ab, wie sonst im Eileiter. Es ist also nicht die
Befruchtung selbst, sondern nur ihr Ort “künstlich”. Dies mag wie Haarspalterei
klingen, jedoch hat dies möglicherweise bedeutende Folgen hinsichtlich des Risikos
von Fehlbildungen der entstehenden Kinder, über welches man sich bei der echten
künstlichen Befruchtung (ICSI) nicht abschließend im Klaren ist.

3.1 Ablauf der Behandlung

Die Therapie beginnt mit der hormonellen Stimulation. Bei dem am häufigsten
verwendeten “langen Protokoll” wird zwischen dem 18. und 22. Tag des Zyklus die
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Stimulation der Eierstöcke zunächst mit der Gabe eines GnRH-Medikaments zur
“Downregulation” der Eierstöcke begonnen. Meist wird an diesem Tag auch ein
Ultraschall bei der Frau durchgeführt, um Zysten an den Eierstöcken
auszuschließen. Beim Mann wird das Ejakulat untersucht und meist eine Diagnostik
auf Bakterien im Ejakulat durchgeführt.

Die GnRH-Spritze braucht ca. 2 Wochen, um die Funktion der Hirnanhangsdrüse


“auszuschalten”. Wenn die Hormone unterdrückt sind, kann mit der eigentlichen
hormonellen Stimulation der Ovarien begonnen werden. Zur Stimulation wird meist
hMG oder FSH verwendet, welches dem Körper in täglichen Spritzen zugeführt wird.
Die Dosis wird dabei so gewählt, dass eine ausreichende Menge an Eibläschen an
den Eierstöcken entsteht.

Die Stimulationsspritzen werden zunächst 1 Woche lang täglich verabreicht. Dann


erfolgt ein sogenanntes Zyklusmonitoring, wobei in bestimmten Abständen
Ultraschall- und Hormonkontrollen durchgeführt werden. Aufgrund der Ergebnisse
der Untersuchungen wird die Dosis der Hormone angepasst. Diese Kontrollen
werden solange fortgeführt, bis die Untersuchungswerte optimal sind.

Wenn die Voraussetzungen optimal sind, wird ein weiteres Hormon gegeben. Mit
hCG werden die Eizellen auf ihre Entnahme vorbereitet. HCG löst den Eisprung ca.
36 Stunden nach der Injektion aus. Wenn man die Spritze um Mitternacht gibt und
die Eizellen am Morgen des übernächsten Tages entnimmt, dann sind die Eizellen
hormonell auf den Eisprung vorbereitet, jedoch noch nicht gesprungen und damit
unter Ultraschallsicht gut aus den Eibläschen zu gewinnen.

3.2 Punktion unter Ultraschallsicht

Die Eizellentnahme wird auch als Punktion bezeichnet. Während früher immer durch
die Bauchdecke punktiert wurde (Bauchspiegelung), ist die heute übliche Technik
durch die Scheide unter Ultraschallsicht. Dazu wird auf einen normalen Schallkopf
eine besondere Punktionsvorichtung gesetzt, durch die eine Nadel durch die
Scheidenwand in die Eibläschen eingestochen wird. Die so gewonnenen Eizellen
werden unter dem Mikroskop aus der Flüssigkeit. An dem Tag der Punktion muss der
Mann erneut Spermien abgeben. Nach entsprechender Aufbereitung werden die
Spermien zu den Eizellen gegeben.
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3.3 Vorkernstadium

Nach ca. 18 Stunden wird die Befruchtung der Eizellen kontrolliert. Eine befruchtete
Eizelle erkennt man an den zwei Vorkernen, die dem genetischen Material von
Spermium und Eizelle entsprechen. Man spricht dann von dem sogenannten
“Vorkernstadium”. Zu diesem Zeitpunkt werden die Eizellen, welche später
zurückgegeben werden sollen, ausgesucht.

3.4 Vierzeller

Etwas mehr als 48 Stunden nach der Punktion werden die


Embryonen üblicherweise in die Gebärmutter
zurückgegeben (Transfer). Zu diesem Zeitpunkt haben sie sich bereits geteilt und
liegen im 4-8-Zellstadium vor. Auf dem gynäkologischen Stuhl wird ein flexibler
Schlauch in die Gebärmutter geschoben, in der sich die 2-3 Embryonen befinden.
Möglichst schonend werden die Embryonen in die Gebärmutterhöhle gespritzt.

Man kann den Transfer der Embryonen auch zu einem späteren Zeitpunkt
durchführen, z. B. am 5. Tag nach der Eizellentnahme. Dies wird als
“Blastozystentransfer” bezeichnet.

Zur Unterstützung der Gelbkörperphase wird nach dem Transfer Gelbkörperhormon


in Tabletten oder Zäpfchenform verabreicht und hCG-Spritzen gegeben. Gut 2
Wochen nach dem Transfer kann das Schwangerschaftshormon im Blut bestimmt
werden und man erkennt, ob “es geklappt hat”.

3.5 ethische Probleme

Die künstliche Befruchtung wird, um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft


zu erhöhen, meist an mehreren Eizellen durchgeführt. Die so entstandenen Zygoten
werden jedoch oft nicht alle in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Wie mit den
„überschüssigen“ Embryonen umgegangen wird bzw. werden soll, ist ein ethisch-
moralisches Problem, das in vielen Ländern unterschiedlich gehandhabt wird.

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Zum großen Teil werden diese Embryonen „verworfen“, also abgetötet, zum kleinen
Teil im Rahmen der umstrittenen Embryonenforschung verwendet. Eine andere
Möglichkeit, die überzähligen Embryonen zu bewahren, ist die Kryokonservierung,
bei der die Embryonen in flüssigem Stickstoff konserviert und für eine spätere
Behandlung aufbewahrt werden.

3.6 Sozialrechtliche Situation in Österreich

Bei bestimmten Indikationen übernimmt der österreichische IVF-Fonds seit dem Jahr
2000 bei bis zu vier IVF-Behandlungen 70 Prozent der Arzneimittel- und
Behandlungskosten. Tritt bei einer Behandlung eine Schwangerschaft bis zur achten
Woche ein (Herzschlag muss am Ultraschall ersichtlich sein), dann können wieder
bis zu vier Behandlungszyklen beansprucht werden. Des Weiteren ist im Gegensatz
zu Deutschland, in Österreich die weitere Kultivierung aller imprägnierten Eizellen
und damit auch aller entstehenden Embryonen sowie die anschließende
Embryoselektion erlaubt.

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4 Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Die ICSI ist eine Behandlungsmethode, welche entwickelt wurde, um Paare zu


behandeln, bei denen der Kinderwunsch wegen einer schlechten Spermienqualität
unerfüllt bleibt. Oft reicht bei eingeschränkter Zahl oder Beweglichkeit der Spermien
schon eine Insemination oder eine normale IVF aus, um die
Schwangerschaftswahrscheinlichkeit zu erhöhen und den Kinderwunsch zu erfüllen.
Allerdings ist bei einer IVF eine Mindestanzahl von 50.000 bis 100.000
funktionsfähigen und schnell beweglichen Spermien pro Eizelle notwendig, um eine
Befruchtung zu erzielen. Wenn das Spermiogramm so schlecht ist, dass diese
Zahlen nicht erreicht werden können, dann ist die ICSI eine letzte und
erfolgversprechende Therapieoption.

4.1 Prinzip und Vorgehensweise

Das Prinzip der ICSI liegt darin, dass die Eizelle “gezwungen” wird, sich von nur
einem Samenfaden befruchten zu lassen. Dazu wird die Eizelle mit einer dicken
Glaskanüle fixiert und eine sehr feine Pipette wird verwendet, um ein Spermium
unter dem Mikroskop direkt in die Eizelle einzuspritzen.

Ansonsten unterscheidet sich diese Therapie in nichts von der IVF. Auch für die ICSI
wird dieselbe hormonelle Stimulation durchgeführt und anschließend die Eizellen
durch eine Punktion gewonnen. Auch die Rückgabe der befruchteten Eizellen
(Transfer) wird auf die gleiche Weise durchgeführt.

Der einzige Unterschied liegt also darin, dass man nicht der Eizelle die Auswahl
eines Samenfadens überlässt, sondern einen aussucht, welcher dann injiziert wird.

4.2 ethische und rechtliche Betrachtungen

Die ICSI-Methode wird aufgrund unterschiedlicher Standpunkte diskutiert. Der


häufigste Diskussionspunkt ist, dass durch den direkten Eingriff in die Natur die
komplizierten Wechselbeziehungen und die biologische Selektion zwischen
Spermium und Eizelle außer Kraft gesetzt wird

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Eine erhöhte Rate von schwerwiegenden Fehlbildungen konnte bisher nicht
abschließend bewiesen werden, Studiendaten weisen jedoch auf einen
Zusammenhang zwischen Infertilitätsbehandlung und die Rate angeborener
Fehlbildungen hin, wobei bisher unklar blieb, ob es an der Behandlung oder der
Störung an sich liegt.

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5 Präimplantationsdiagnostik (PID)

Die Präimplantationsdiagnostik ist ein diagnostisches Verfahren zur Untersuchung


der Embryonen im 4-8 Zellstadium auf genetisch bedingte Erbkrankheiten. Sie wurde
zu Beginn der 90er Jahre entwickelt und wird vor allem in Australien, Belgien,
England und den USA angewandt.

Voraussetzung für die Präimplantationsdiagnostik ist die In Vitro Fertilisation, da nur


in Vitro dem Embryo 1 bis 2 Zellen entnommen werden können. Anschließend
werden die Embryonen im Labor auf genetische Fehler untersucht. Dazu stehen je
nach Fragestellung zwei verschiedene Verfahren zur Verfügung, die
Chromosomendiagnostik und die molekulargenetische Diagnostik. Mittels der
Chromosomendiagnostik können Chromosomenfehlverteilungen, wie z.B. bei der
Trisomie 21 festgestellt werden, mittels der molekulargenetischen Diagnostik
Krankheiten, die auf einzelne Gendefekte zurückzuführen sind, wie Zystische Fibrose
oder Chorea Huntington.

Außer Chromosomenfehlverteilungen können bestimmte genetische Defekte vor


Einpflanzung eines Embryos diagnostiziert werden, somit können Implantation und
eventuell spätere Abtreibung eines erkrankten Embryos verhindert werden.

5.1 Ethische und rechtliche Betrachtung

In Österreich ist jegliche Manipulation am Embryo durch das


Embryonenschutzgesetz verboten, damit auch die Präimplantationsdiagnostik. Mit
den in der Reproduktionsmedizin verfügbaren Methoden könnte Paaren mit
bestimmten Erkrankungen zum Eintritt einer Schwangerschaft mit einem nicht
betroffenen Kinde verholfen werden. Zur Zeit muss die Frau eine "Schwangerschaft
auf Probe" und gegebenenfalls eine ( gesellschaftlich anerkannte) Abtreibung in Kauf
nehmen - es sei denn, sie verzichtet auf Kinder. Es ist möglich, dass in Zukunft die
Präimplantationsdiagnostik für eng definierte Fragestellungen auch in Österreich
zugelassen wird.

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*Samenspende

Die Samenspende kommt zum Einsatz in der Behandlung der Kinderlosigkeit bei:

• Zustand nach operativer Entfernung beider Hoden


• Zustand nach Chemotherapie oder Bestrahlungstherapie infolge bösartiger
Erkrankungen.
• Die Hodenfunktion kann auch aus anderen, meist nicht bekannten Ursachen
so gestört sein, dass auch nach operativer Entnahme eines Gewebsstückes
aus dem Hoden das Auffinden von Spermatozoen nicht möglich ist, weil dort
keine mehr gebildet werden.
• Bei normaler Hodenfunktion ist es möglich, dass in Folge genetischer
Erkrankungen die Vererbung von Missbildungen eine Fortpflanzung nicht
sinnvoll erscheinen lässt. Auch in diesem Falle ist eine Samenspende
angezeigt.

Wenn die Partnerin gesund ist, kann durch Insemination mit einer
Fremdsamenspende eine Schwangerschaft erzielt werden.

Voraussetzungen für Spender:

1.) Alter: mindestens 20 Jahre, maximal 35 Jahre

2.) Der Spender muss gesund sein und darf keine erblichen Leiden aufweisen. Auch
in seiner Familie bis zum 2. Verwandtschaftsgrad hinaus, darf keinerlei Auffälligkeit
diesbezüglich bestehen.

3.) Der Spender darf keine Infektionskrankheiten haben. Die Samenproben müssen
absolut frei von einem Infektionsrisiko sein.

4.) Die Samenqualität muss normal sein (nach WHO-Kriterien)

5.) Vom Spender werden persönliche Daten aufgenommen: Blutgruppe,


Rhesusfaktor, Körpergröße, Körpergeweicht, Haarfarbe, Augenfarbe und

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Abstammung. Er darf keiner Risikogruppe angehören, z.B. Drogen, Promiskuität,
Homosexualität usw. Die Blutproben sind zum Zeitpunkt der Spende zu entnehmen.

Pro Spender dürfen maximal 3 Behandlungen mit dem Erfolg eines Kindes
vorgenommen werden. Alle Proben werden tiefgefroren, erst nach einer Kontrolle der
Infektionsparameter (Hepatitis B, C, HIV) sechs Monate nach dem Eingefrieren der
letzten Probe wird der Samen zur Spende freigegeben. Der Samenspender darf laut
österreichischem Fortpflanzungsmedizingesetz nur an einer Krankenanstalt den
Samen abgeben und muss die Gesetzeslage zum Samenspenden genau kennen.

*Eizellspende

Eine Eizellspende ist die Methode der Wahl, doch noch ein Kind zu bekommen:

• nach operativer Entfernung beider Eierstöcke


• nach Chemotherapie bzw. Bestrahlung des kleinen Beckens
• nach Behandlung bösartiger Erkrankungen
• bei sogenannter prämaturer Menopause, also vorzeitigem Nachlassen der
Funktion der Eierstöcke (im Englischen: premature ovarian failure = POF)
• bei genetischen Erkrankungen
• bei wiederholtem Auftreten pathologischer Embryonen im Rahmen der
IVF/ICSI
• bei wiederholtem Fertilisierungsversagen im Rahmen der IVF/ICSI
• bei wiederholt negativen Schwangerschaftstests nach Transfer schöner
Embryonen.

Die POF vor dem 40. Lebensjahr tritt bei ca. 1% aller Frauen auf. POF kann in Folge
einer zu geringen Follikelanzahl, durch erhöhten vorzeitigen Abbau der Follikel, durch
eine Resistenz gegenüber Stimulationspräparaten oder durch Erkrankungen der

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Eizelle oder der umgebenen Zellen resultieren. Die meisten Fälle von POF sind
genetisch bedingt.

Voraussetzung für eine Eizellspende ist eine intakte Gebärmutter.

Die Vorbereitung der Gebärmutter geschieht durch orale, intramuskuläre oder


transdermale Verabreichung von Östrogenen und Gestagenen, um den normalen
Schleimhautaufbau nachzuahmen. Es ist relativ leicht, eine Schwangerschaft mit
Hilfe einer Eizellspende zu erzielen, vorausgesetzt, dass die Gebärmutter unauffällig
und die Spenderin idealerweise unter 30 Jahre alt ist und gesunde Eizellen zur
Verfügung stellt.

Die Eizellspende ist derzeit in Österreich, Deutschland, Italien und in der Schweiz
nicht erlaubt, in Tschechien jedoch möglich.

*Leihmutterschaft

Im Zusammenhang mit ungewollter Kinderlosigkeit bzw. unerfüllten Kinderwunsch


fällt oft der Ausdruck Leihmutterschaft. Als Leihmutterschaft bezeichnet man den
Vorgang des Austragens des Kindes durch eine so genannte Leihmutter.

Reproduktionsmedizinisch gibt es dafür folgende Möglichkeiten:

• Der Embryo, der das genetische Potential der bestellenden Eltern hat, kann
der „Tragemutter" implantiert werden. Die genetische Mutter, die den Auftrag
gegeben hat, wird später die soziale, die „Sorgemutter" sein. Die soziale
Mutter und die gebärende Frau sind verschiedene Personen.

• andere Variante: Die „Tragemutter" kann mit dem Sperma des Mannes, des
auftraggebenden Paares inseminiert werden. Dann sind genetische und
austragende sowie gebärende Frau identisch, die soziale Mutter ist „nur" die
Frau des genetischen Vaters.

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Diese Möglichkeit besteht, wenn die auftraggebende Frau wegen einer
Gebärmuttererkrankung oder einer Gebärmutteroperation nicht schwanger werden
kann. Die Patientin muss aber befruchtungsfähige Eizellen bilden können.

Sowohl in Österreich als auch in Deutschland ist die Leihmutterschaft verboten.

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