You are on page 1of 2

29.08.

2007 

Regierungsplan
Trojaner in der Mail vom Amt

5Das Innenministerium will private Computer mit Mails von Behörden ausspionieren. 
In der Amtspost soll sich Schnüffelsoftware verstecken. VON CHRISTIAN RATH

Die Polizei soll Schnüffelsoftware künftig per elektronischer Amtspost verschicken 
dürfen. Das legen interne Papiere des Innenministeriums nahe. "In begründeten 
10Ausnahmefällen", so schreibt das Bundesinnenministerium (BMI) von Wolfgang 
Schäuble (CDU), könne der so genannte Bundestrojaner auch als getarnte 
Behörden­E­Mail an Verdächtige verschickt werden. Das müsse allerdings mit der 
entsprechenden Behörde abgesprochen werden. Das Bundesjustizministerium (BMJ) 
von Brigitte Zypries (SPD) findet so etwas allerdings gar nicht gut, weil es "das 
15Vertrauen in Mails von staatlichen Stellen beeinflussen könnte".

Am Freitag werden BMI, BMJ und Abgeordnete der Koalitionsfraktionen erneut über 
die Einführung der so genannten Onlinedurchsuchung verhandeln. Bisher dürfen 
Polizei und Verfassungsschutz private Festplatten nicht heimlich ausspähen. 
20Schäuble will allerdings möglichst schnell rechtliche Grundlagen hierfür schaffen. 
Dagegen sind Zypries und die SPD­Fraktion noch zögerlich. Vor der Sommerpause 
haben sie umfangreiche Fragenkataloge an Schäuble geschickt, die seine Leute jetzt 
in zwei je rund zwanzig Seiten langen Vermerken beantwortet haben. Dokumentiert 
sind die vertraulichen Schreiben im Webdienst www.netzpolitik.org.
25
Je nach technischen Voraussetzungen und Verhalten der "Zielperson" gebe es eine 
"Vielzahl" von Möglichkeiten, das RFS­Tool auf dem Rechner eines Gefährders zu 
installieren. Die RFS­Software würde auf dem fremden Rechner bestimmte Dateien 
suchen und diese, sobald eine Internetverbindung besteht, auf einen Polizeiserver 
30übertragen. Dies könne Minuten bis zu einigen Tagen dauern, wenn der Zielrechner 
selten online ist. Damit der Überwachte keinen Verdacht schöpft, sollen jeweils 
möglichst wenige Daten übertragen werden. 

Die neuen Paragrafen für die Onlinedurchsuchung werden nicht für das Mitlesen von 
35E­Mails und das Mithören von Internettelefonaten gelten. Darauf will das BMI aber 
nicht etwa verzichten, vielmehr glaubt es, dass dies schon durch die heutigen 
Befugnisse gedeckt ist. Auch die Fernsteuerung von Mikrofonen und Webcams im 
Computer ist nach Ansicht des BMI heute schon im Rahmen der 
"Wohnraumüberwachung" rechtlich möglich. Ob die neue Software auch zu diesen 
40Zwecken eingesetzt werden könne, werde derzeit aber noch geprüft.

Quelle: http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-ueberwachung/online-durchsuchung/artikel/1/trojaner-in-
der-mail-vom-amt/ (gekürzt)

45Arbeitsauftrag: Fasse das Vorhaben der Bundesregierung stichpunktartig zusammen.