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Sitz Kultur.

Das Magazin für


exzellente Bürositzmöbel
Ausgabe 2008
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Fast jede

Erfolgsgeschichte
beginnt mit einem Stuhl.

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Klöber

Von einem, der vorsitzt.


Frank Zander, Vorsitzender der Geschäftsführung der Klöber GmbH – ein Porträt.

„Wir sind eine Mehrwertveranstaltung.“ Der Volks- und Betriebswirt über Erfolgsgeschichten, Exzel-
lenz, Design und die Rolle des Vorsitzenden des badischen Stuhlherstellers, der in über 70 Jahren zum
Begriff für qualitativ hochwertige Bürositzmöbel geworden ist. Klöber agiert in mehr als 60 Ländern
der Welt und beschäftigt am Firmenstandort Owingen rund 170 Mitarbeiter.

Es kann durchaus sein, dass er einen kühnen Blick unter Dass der Stuhl nicht nur einiges über seinen Besitzer aus-
den Tisch riskiert. Vor allem dann, wenn er sich von seinem sagt, sondern auch den Verlauf eines Gesprächs maßgeblich
Gastgeber unbeobachtet fühlt. Und was er sieht, spricht beeinflusst, ist für Zander kein Geheimnis. Kommunikation
meist Bände für Frank Zander. „Wie heute Möbel im Allge- heißt heute das Zauberwort. Das Interesse für diese Zusam-
meinen und Stühle im Besonderen gekauft werden, hängt menhänge hat nichts damit zu tun, dass Zander gerne psy-
maßgeblich vom Geschäftsmodell eines Unternehmens chologisiert. Ganz im Gegenteil. Dieses Wissen gehört zu
ab.“ Trifft man dabei beispielsweise auf eine ungemütliche seiner Profession.
Atmosphäre, hat das meist nichts mit den finanziellen Seit 2006 ist Zander Vorsitzender der Geschäftsführung
Möglichkeiten zu tun, sondern ist Konzept. „Ich hab früher der Klöber GmbH und verantwortet insbesondere Marke-
Taschenrechner verkauft und dabei viele Warenhäuser be- ting und Vertrieb. Klassisch, elegant, innovativ, hochwertig,
sucht – da ist alles darauf angelegt, dass man nicht auf die anspruchsvoll – mit einem Wort: exzellent. Das sind für
Idee kommt, lange zu bleiben“, erzählt Zander. Aber er Zander die Begriffe, die die Marke Klöber am besten cha-
kennt auch die anderen Unternehmen, denen Wertigkeit rakterisieren. Und was wäre, wenn die Marke eine Person
wichtig ist, wie zum Beispiel im Dienstleistungsbereich. wäre …? Zander grübelt einen Augenblick, in seinen Augen

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Der Herr der Stühle
Frank Zander hat mehr als zehn Jahre Erfah-
rung im Vorsitzen: Bevor er 2006 Vorsitzender
der Geschäftsführung der Klöber GmbH wurde,
war er CEO des Schweizer Büromöbelherstel-
lers Sitag International. Begonnen hat er seine
internationale Karriere bei Toshiba Europa.

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Klöber

„Der Kunde kauft mehr als einen Stuhl bei uns.


Er kauft vor allem eins: keinen Ärger.“

blitzt es geheimnisvoll, und er führt den Satz so zu Ende:


„... dann wäre sie George Clooney. Seine Ausstrahlung be-
ruht auf seiner Persönlichkeit. Der wirkt mit Krawatte ge-
nauso wie ohne – immer authentisch.“
Dass das 1935 in Überlingen am Bodensee gegründete
Unternehmen bis heute auf eigene Entwicklungen setzt und
alle wichtigen Bauteile und Mechaniken selbst entwickelt
und fertigt, macht den feinen Unterschied von Klöber zu
anderen in der Branche. Klöber war immer eine eigene
Marke und wird es auch bleiben. Auch wenn das Unterneh-
men seit 1999 Tochter der Sedus Stoll AG ist. „Wir haben
die Freiheit, unsere Markenidentität ausleben zu können.
Das ist wichtig für die Identifikation mit dem Unterneh-
men. Das ist eine große Sache“, sagt Zander. Deshalb steht
für ihn primär im Fokus, konsequent am bisherigen Kurs
Unternehmenssitz
2007 wurden alle Unternehmensbereiche in Owingen am Bodensee zusammen- festzuhalten. Sprich: zeitgemäßes, eigenständiges Design
gefasst und der Sitz in Überlingen aufgelöst. Ein klares Bekenntnis eines Global mit hohem Qualitäts- und Ergonomieanspruch zu verbinden
Players zu Region und Qualität made in Germany. und die Vertriebsstrategie auf den Fachhandel zu konzent-
Rechts: Stuhlkreis à la Klöber. Frank Zander und Erich Bösselmann (Geschäfts- rieren.
führung) wissen, dass Kommunikation heute ein Zauberwort ist.
„Auch in Zukunft werden wir großes Gewicht auf die
Formensprache legen.“ Denn die Entscheidungsträger sind
keine homogene Masse. Das hat Zander jüngst erlebt, als
Klöber einen Großauftrag für die Ausstattung der neuen
Büroräume des Mobil- und Festnetzbetreibers O2 in Mün-
chen bekam. „Da gibt es einen Einkäufer, einen Arbeits-
mediziner, einen Betriebsrat, kurz: Da entscheiden vier bis
fünf Menschen mit unterschiedlichsten Aufgabenstellungen
über einen Stuhl. Entscheidungsträger verändern sich und
damit verändert sich unsere Zielgruppe. Es gibt heute viele
Menschen, die den gleichen Wert auf gute Materialien,
schöne Formensprache und ausgereifte Technik legen.
Letztere ist heute selbstverständlich und muss funktionie-

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ren – ganz einfach.“ Die Zukunft mitgestalten bevor sie nachten auf einen Stuhl steigen, um nachzusehen, wo die
Realität wird, lautet also die Mission. ganzen Geschenke versteckt waren. „Ich hab sie dann
Was aber keinen Freibrief für Wolkenkuckucksheime nicht aufgepackt – so ehrlich bin ich ja erzogen. Wichtiger
bedeutet: „Wenn wir selbstverliebt Stühle entwerfen, die als der Inhalt war mir damals die Anzahl.“ Für den gebürti-
uns gefallen, aber in einem Raum alle Blicke auf sich zie- gen Hochheimer (bei Frankfurt am Main) lässt sich sein
hen, haben wir keine Chance. Denn der Architekt wird ver- persönlicher Erfolg jedenfalls auf einen einfachen Nenner
suchen zu vermeiden, was sein Raumkonzept wesentlich bringen: „Dass ich nicht Sänger geworden bin, das ist ein
verändert.“ großer Erfolg“, sagt er und lacht verschmitzt. „Nein, im
Ein exzellentes Produkt allein mache zudem noch keinen Ernst: Ich bin ein bescheidener Mensch. Wichtig sind mir
Erfolg. Erst wenn alles, was um das Produkt herum ablaufe, Dinge wie Gesundheit, Zufriedenheit und mein schönes,
ebenso erstklassig sei, könne man sich Exzellenz auf die funktionierendes Privatleben. Freiheit und Unabhängigkeit,
Fahnen schreiben. Bei Klöber ist man soweit: Die Aussage nicht um jeden Preis etwas erreichen wollen, das zählt für
„Exzellent seit 1935“ steht in allen Unternehmensbereichen mich.“
auf einer soliden Basis. „Als auftragsbezogene Fertigung Was seinen Erfolg bei Klöber angeht, ist er als passio-
punkten wir mit Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Qualität nierter und ungedopter Rennradfahrer ganz Sportsmann:
sowie Flexibilität und schneller Reaktion. Wir sind eine „Erfolge sind immer die gute Arbeit eines ganzen Teams.“
Mehrwertveranstaltung. Der Kunde kauft mehr als einen Ob es gelingt, neue Kunden zu gewinnen, bestehende zu
Stuhl. Er kauft vor allem eins: keinen Ärger.“ binden und die Marke Klöber weiter zu prägen, daran will
Mit der Zusammenführung aller Unternehmensbereiche Zander den gemeinsamen Erfolg messen.
im 2007 fertig gestellten Verwaltungsgebäude in Owingen So gerne er Erfolge mit anderen teilt, in einem Punkt ist
brach Klöber einmal mehr eine Lanze für die Region. Ein der Vorsitzende des Owinger Stuhlherstellers egoistisch:
Bekenntnis eines Global Players, das in unserer globalisierten Wenn es um seinen absoluten Lieblingsplatz geht. Der ist
Welt etwas Besonderes ist. „Made in Germany“ wird bei nicht auf einem Klöber-Stuhl. Es sei denn, dieser Stuhl
Klöber zu einem ehrlichen Qualitätsversprechen. würde auf 1800 Metern Höhe im Freien stehen und den
Auf welchem Stuhl sitzt man als Vorsitzender in einem Blick auf ein liebliches Bergpanorama freigeben. Irgendwo
Unternehmen, in dem es mehr Stühle als Menschen gibt? in den Alpen. „Wenn ich da zwei Stunden sitze, bin ich
„Auf einem Ciello. Der gefällt mir und ist bequem“, erzählt völlig entspannt.“ Mehr wird nicht verraten. Ein bisschen
Zander. Der Stuhl hat 2005 den begehrten red dot design Egoismus tut manchmal gut. Zumindest wenn man weiter-
award gewonnen und wurde 2006 für den Designpreis der hin die Ruhe genießen will.
Bundesrepublik Deutschland nominiert.
Was sind Zanders persönliche Erfolgsgeschichten? An
seine früheste kann er sich gut erinnern: Kurz vor Weih-

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Die Lizenz zum Sitzen.

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Klöber

Die wohl berühmteste aller Sitzengelassenen.


Oder: Wie macht man Stühle bequem?

Dies ist die wahre Geschichte von James Bond. Sie han- Hier kommt die Ergonomie ins Spiel: Es gilt, Arbeitsbe-
delt nämlich von den wahren Helden. Deshalb kommt James dingungen zu verbessern, indem Arbeitsmittel auf die
Bond auch nicht darin vor. Denn während er draußen ver- anatomischen und physiologischen Besonderheiten des
gnügt die Welt rettet, halten andere drinnen tapfer die Menschen angepasst werden.
Stellung. Zum Beispiel eine adrette, tipptopp frisierte Dame, Ein Meilenstein in der Produktgeschichte von Klöber
die vergeblich täglich viele Stunden im kleinen Schwarzen war ein Stuhl, der 1998 auf den Markt kam: Klöber Canos.
am Schreibtisch sitzt. Ihr Name: Moneypenny. Eine Kultfigur, „Die besten Merkmale, Funktionen und alle Anforderungen,
der die kanadische Schauspielerin Lois Maxwell bis Mitte die am Markt an einen perfekten Arbeitsstuhl gestellt wur-
der 80er-Jahre ein kühl-charismatisches Gesicht verlieh. den, sollten in einem Produkt erfüllt werden“, beschreibt
Eine Heldin der Arbeit. Unzweifelhaft die berühmteste aller Joachim Steinmann, Technischer Leiter, den Auftrag. Und
Sitzengelassenen. Von den leeren Versprechungen eines die Erfinder und Tüftler von Klöber führten ihn aus. In einer
Herrn Bond einmal abgesehen: Wohl kaum eine Figur in bis dato einzigartigen Produktentwicklung wurde zusammen
der Filmgeschichte sitzt so viel am Schreibtisch wie sie. mit Ergonomen und Arbeitsmedizinern ein umfassendes An-
Dafür gibt es im realen Leben Tausende, die täglich min- forderungsprofil erstellt und umgesetzt. Der Canos – ein
destens genauso viel Zeit im Büro verbringen. Mehr als richtiger „Checklistenstuhl“. Ein Projekt, das „Q“, dem ge-
70 000 Stunden dürften in einem Arbeitsleben schon zu- nialen Chef-Erfinder in den Bond-Filmen, sicher gefallen
sammenkommen. Im Namen exzellenter Bürostühle kann hätte. Zugegeben: Der Stuhl kann nicht auf Wasser fahren,
man bei Klöber diese Zeit zumindest angenehmer gestalten. hat keinen eingebauten Schleudersitz und es fliegt auch
Die perfekte Synthese zu schaffen zwischen exzellentem sonst nichts in die Luft, wenn man einen Hebel betätigt.
Design, exzellenter Qualität und exzellenter Ergonomie ist Die Stuhlentwickler bei Klöber haben ihre eigenen Raffi-
die Mission des badischen Unternehmens. Bereits 1935, mit nessen. Mit dem Canos war der erste Stuhl mit multifunk-
dem ersten Stuhl, will Klöber langes Sitzen komfortabler tionaler Synchronmechanik geschaffen: „Damit gab es
machen. Eine Stahlfeder soll dem Namen „Polstergleich“ erstmals am Markt einen Stuhl, der zwei Grundsitzhaltungen
alle Ehre machen. Denn Sitzen ist nicht so leicht wie es ermöglichte“, sagt Steinmann. Die Sitzneigung ist vor-
aussieht. Der Körper leistet Schwerstarbeit: Muskeln, Wirbel- wählbar und kann fest eingestellt oder beweglich gehalten
säule und Bandscheiben müssen über Stunden für eine auf- werden. Dynamisches Sitzen wird gefördert, wechselnde
rechte Haltung sorgen. Arbeiten im Sitzen ist Sitzarbeit. Arbeitshaltungen ermöglicht und eine ganze Menge an-

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„Q“ wäre stolz auf uns.


1 ●
2 ●
3

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Klöber

Leder, Stoffe, Farben – das Polster eines Bürostuhls


ist eine Wissenschaft für sich. Entwicklungspolsterer
arbeiten an den besten Materiallösungen.

1 +●
● 2 Erfinder lieben raffinierte Details: derer Eigenschaften, die das Sitzen folgreichen Canos“, erinnert er sich.
Die „450er-Mechanik“ ist Teil der patentierten am Arbeitsplatz nicht zur Qual werden „Wir holen immer das Beste heraus.
Schnellverstellung, die ein einfaches Einstellen lassen. Auch wenn wir akzeptable Lösungen
auf das individuelle Körpergewicht ermöglicht. Mittlerweile sind diese Entwicklun- gefunden haben, arbeiten wir weiter,
●3 Unsichtbar und wirkungsvoll: Die Lordose- gen selbstverständlich. Der Begriff bis das Optimum erreicht ist.“
stütze sorgt als in das Rückenpolster integriertes von Ergonomie hat sich an veränderte Ein ganz normaler Tag in der Ent-
Luftpolsterkissen für zusätzlichen individuellen Arbeitsbedingungen angepasst: Ein wicklung ist Knochenarbeit für die Kon-
Komfort beim Sitzen.● 4 Für einen echten Klöber Arbeitsstuhl wird von mehr als einer strukteure, die durchschnittlich zehn
zählt jedes Detail – auch unter dem Sitz. Person besessen, und so lautet „un- Stunden am Tag an 3-D-Planungen
sere heutige Definition von Ergonomie: arbeiten. Die Werkstatt setzt Ideen
einfache Bedienbarkeit für jeden Nut- in Volumenmodellen um – das bedeu-
zer“. Die patentierte Schnellverstel- tet Handarbeit und ein Gespür für die
lungsmechanik bei Klöber Cato, Ciello Feinheiten des Designs. Entwicklungs-
und Duera wurde deshalb deutlich polsterer arbeiten intensiv an den
sichtbar gemacht. „Mit beinahe jeder besten Polster- und Materiallösungen
Produktentwicklung haben wir ein und sorgen für effektvolle Nähte.
neues Patent auf eine Funktion, eine Erfinder zu sein, hört überdies
Mechanik oder Polsterart angemeldet“, nicht nach Feierabend auf. Erfinder ist
erzählt Steinmann. Joachim Steinmann auch privat beim
Statt wie „Q“ im Dienste Ihrer Ma- Ballonfahren. „Wie schaffe ich es,
jestät, wird bei Klöber im Auftrag der dass das Startklar-Machen und das
Exzellenz erfunden. Harte Arbeit. Nicht Einpacken des Ballons mit nur drei
immer kommen gute Ideen im Büro. statt üblicherweise fünf Personen
Beim „Checklistenstuhl“ verfolgten funktioniert?“ Hilfsmittel müssen her.
Steinmann die Probleme, die der Proto- Und Träume hat Steinmann auch noch:
typ noch aufwarf, und die Anregungen, „Eines Tages einen Stuhl zu erfinden,

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die er von der Verkaufsmannschaft be- bei dem der Besitzer nur noch die Sitz-
kommen hatte, bis in den Urlaub. „Auf höhe einstellen muss und sich die Ar-
meiner Terrasse am Meer, frühmorgens beit von alleine macht.“ Au ja. Den
zwischen 3 und 4 Uhr entstand dann würde nicht nur Moneypenny kaufen.
die Zeichnung für den später so er-

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Klöber

Unsere Stühle
werden so lange gequält, bis sie gestehen.

Ein Blick in das Klöber Prüflabor:


Hier werden Stühle auf Herz und Nieren
geprüft. Es werden Daumenschrauben an-
gelegt und Gewichte aufgelegt. Oft tage-
lang. Denn Gerhard Schwenke hat einen
knallharten Auftrag: Herauszufinden, ab
wann ein Bauteil, ein Material oder eine
Neuentwicklung schlimmstenfalls in die
Knie geht.

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Klöber

Kennen Sie die


Marmeladenbrottheorie?

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Es ist jedem von uns schon mindestens einmal passiert: griffslustig auf. Was muss ein Stuhl mindestens aushalten?
Man schmiert sich ein leckeres Marmeladenbrot, will ge- Dafür gibt es Normtests. Die DIN EN 1335 schreibt unter
nüsslich hineinbeißen, doch das Brot landet nicht im Mund, anderem vor, die Festigkeit des Stuhles zu testen. Acht
sondern auf dem Boden. Natürlich mit der Marmeladen- Stunden täglicher Belastung mit 110 Kilogramm sollte ein
seite zuerst. Schöne Sauerei. Es gibt Wissenschaftler, die Stuhl zehn Jahre lang standhalten können. Dafür bearbeitet
dieses Phänomen untersucht und herausgefunden haben, Schwenke genau ausgemessene Angriffspunkte in fünf Ar-
dass das nicht an unserer Schusseligkeit liegt. Zumindest beitsschritten. Nur um einen Teilschritt dieser Norm abzu-
nicht nur. Es liegt am Tisch, von dem das Brot fällt. Und an prüfen, läuft ein Test mehr als zwei Tage. Rund 120 000 Mal
der Größe der Brotscheibe. Darauf muss man erst mal wird die Mitte der Sitzfläche mit 150 Kilogramm belastet.
kommen. Die Erklärung leuchtet ein: Beim Herunterfallen Um alle fünf Schritte zu erfüllen, vergehen 108 Stunden
dreht sich das Brot. Weil viele Tische genormt und etwa Prüfzeit – etwa fünf Arbeitstage. Die Ansatzpunkte sind
gleich hoch und auch die Brotscheiben ähnlich groß sind, aus dem Alltag abgeleitet: Welche Kräfte treffen auf welche
schafft das Brot meist nur eine halbe Umdrehung. Das Er- Stelle und vor allem wie oft? „Ein Stuhl wird hier richtig
gebnis kennen wir aus unserem Alltag, in dem auch gerne durchgeknetet“, sagt Schwenke. Da hilft kein Ächzen und
Honigbrote, Salamibrote oder Pizzastücke mit der leckeren kein Stöhnen.
Seite nach unten fallen. Das Wichtigste an seiner Arbeit sei, so viele Schwach-
So ähnlich ist das auch, wenn man Stühle auf ihre All- punkte wie möglich zu finden, erklärt Schwenke. Und zwar
tagstauglichkeit testen will. Auf manche Dinge muss man so früh wie möglich im Entwicklungsstadium und in so kur-
erst einmal kommen. Ein Szenario so durchspielen, dass zer Zeit wie möglich, damit es schnell weitergehen kann.
man zu verwertbaren Aussagen kommt. Deshalb ergibt es Schwenke bringt konstruktiv Lösungsvorschläge ein – ein
Sinn, immer das schlimmste aller möglichen Szenarien Unmensch ist er ja schließlich nicht.
durchzuspielen. Da braucht man schon ein bisschen Fanta- „Ich bin ein Sadist“, sagt er, lacht mit Unschuldsmiene,
sie, wenn es darum geht, sich auszumalen, was schlimms- drückt einen großen grünen Knopf, und die große Ma-
tenfalls passieren könnte. Essen am Arbeitsplatz zählt schine in der Mitte des Raumes nimmt fünf Stühle gleich-
jedenfalls nicht dazu: Klebrige Marmelade oder fettige zeitig in die Mangel. „Die kann alles.“ Schwenke macht
Pizza auf dem Bezug – das wäre ja viel zu harmlos. Im keinen Hehl aus seiner Begeisterung für die Maschine mit
Prüflabor von Gerhard Schwenke geht es schon etwas def- dem universalen Prüffeld. Für den Falltest lässt sie Gewichte
tiger zu. auf Sitzflächen poltern, fährt für den Rollentest unentwegt
Hier werden Schmerzgrenzen ausgereizt. Schwenke ist mit dem Drehkreuz hin und her, stemmt einen Metallarm
eine wichtige Schnittstelle in der Produktentwicklung. Erst mit aller Kraft gegen Stuhlrücken, um die Bruch- und Kipp-
wenn ein Bauteil, eine Baugruppe oder gar ein ganzer Pro- sicherheit zu überprüfen und vieles mehr.
totyp seine Tests übersteht, sind sie gut und werden weiter Doch das reicht Schwenke noch nicht. Er setzt der je-
verwendet. „Je früher ich einen Stuhl kaputt kriege, umso weiligen Norm eins obendrauf. Sorgt für ungünstigste Be-
besser“, sagt Schwenke, seine blauen Augen flackern an- dingungen für den Prüfling. Geht ein Stuhl nach fünf

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1 Dem Alltag auf die Finger geschaut: Was muss ein Stuhl in der großen

weiten Welt alles aushalten? Marmeladenbrote sind da noch harmlos.


●2 Selbst erfunden: Die Walkmaschine prüft gnadenlos, ob Polster, Nähte

und Stoffe halten, was sie versprechen. ●


3 Noch mehr gemeine Werkzeuge:

Sandsäcke und stapelweise Gewichte. Gerhard Schwenke fällt immer noch


ein Test ein. ●
3

Prozent mehr Krafteinwirkung als die Norm vorschreibt, in erhöht – die Maschine zerrt regelrecht am Material.
die Knie, weiß Schwenke, dass alles im grünen Bereich ist. Schwenke hat damit ein unbarmherziges Verfahren ent-
„Dann sind da auf jeden Fall noch gut Reserven drin.“ wickelt, um die Nahttechnik zu überprüfen. Ab wann zer-
Schließlich kommt es immer darauf an, wo ein Stuhl später reißt der Stoff? Stimmen die Stichlängen? Außerdem liefert
eingesetzt wird. So entspricht ein Bürodrehstuhl an der Re- sie ihm wertvolle Aussagen über die Qualität des Polster-
zeption eines Krankenhauses, der im Dreischichtbetrieb materials.
von unterschiedlich schweren Personen acht Stunden an Kein noch so kleines Einzelteil entrinnt Schwenkes
365 Tagen im Jahr besessen wird, nicht mehr dem Standard- Prüflabor. Auch nicht die Arretiertaste, die die Klöber
gebrauch. „Da sind dann drei Jahre so wie anderswo neun Stühle für jeden Nutzer so einfach zu bedienen macht. Um
Jahre“, sagt Schwenke. Aber auch in diesen Bereichen will ihre Festigkeit zu prüfen, setzt Schwenke einen Hydro-
Klöber beste Qualität liefern. pulser ein. Ohne Unterlass betätigt die Maschine die einge-
Schwenke ist nicht nur für das Prüfwesen zuständig. spannten Tasten. Vor und wieder zurück. Solange es klickt,
Auch für Sonderanfertigungen wird er zu Rate gezogen. ist alles gut. Und damit der Prüfmeister sofort hört, wenn
Ein bestimmtes Einzelteil soll in einem neuen Modell Ver- eine Taste nicht mehr schön klickt, hat er sich eine ausge-
wendung finden. Hier muss Schwenke zuverlässige Aussa- fuchste Taktik ausgedacht: Er schaltet zwei Tasten gegen-
gen treffen. Oder auch bei Kundensonderwünschen eine läufig, so dass sich ein markanter Klick-Klick-Rhythmus
ehrliche Meinung abgeben: „Ich prüfe zum Beispiel, ob ein ergibt. Fällt eine Taste aus, ist der Rhythmus dahin – ein
bestimmtes Material für eine Sonderanfertigung geeignet Alarmsignal der musikalischen Art.
ist.“ Auf individuelle Kundenwünsche reagieren zu kön- Schwenke, der seit fast 30 Jahren im Unternehmen ist,
nen, ist eine der großen Stärken des Unternehmens. Auch prüft aber nicht nur die Stühle und ihre Einzelteile auf Mark
wenn sich ein Kollege aus der Fertigung nicht ganz sicher und Bein. Er analysiert auch das jeweilige Testergebnis sehr
ist, ob beispielsweise eine Schweißnaht stabil ist, steht ihm genau: „Ich muss mich natürlich immer fragen, wie Werte
Schwenke mit „technischer Hilfeleistung“ – wie er es zustande kommen. Sind es Konstruktionsfehler, Montage-
nennt, zur Seite. fehler oder vielleicht weil ich zu hart geprüft habe.“ Alles
Für fast jede Gemeinheit hat der Werkzeugmachermeis- muss schließlich im Rahmen bleiben. Der Teufel steckt
ter, Betriebswirt und Qualitätssicherungsassistent indes meist im Detail.
eine Maschine ausgetüftelt. Eine seiner Lieblinge ist die Dabei geschieht alles, was Schwenke tut, nicht etwa in
Walkmaschine. „Was die kann, geht über jede Norm hi- einem düsteren Kellerverlies an einem geheimen Ort auf
naus. Das ist eine Schwenk'sche Idee, eine Zusatzfunktion, dem Betriebsgelände. Nein, es geschieht am helllichten Tag,
die wir abprüfen“, sagt er stolz. Und schon legt die dicke mitten in den Fertigungshallen, in einem vollverglasten
Gummiwalze los. Wälzt sich ächzend über ein Sitzpolster, Raum. „Transparenz ist eine der tragenden Säulen unserer
bremst an der Kante, der empfindlichsten Stelle, hart ab Philosophie. Wir zeigen gerne, dass wir nicht nur behaup-
und fährt langsam wieder zurück. Durch die Gummierung ten, unsere Stühle seien exzellent. Wir beweisen es.“
wird der Reibungswiderstand zwischen Stoff und Walze

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Ciello | der Konferenz-Drehsessel
NEUheit

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Ciello | der Konferenz-Drehsessel
NEUheit

Preisgekröntes Design trifft intelligente Technik –


der Klöber Ciello.

Der red dot design award ist einer der international wichtigsten Designerpreise – Klöber hat ihn
2005 mit dem Bürodrehstuhl Ciello gewonnen. Die begehrte Trophäe wird an Arbeiten vergeben, die
Kriterien wie Innovation, Funktionalität, formale Qualität, Ergonomie sowie einen hohen Selbsterklä-
rungsgrad erfüllen und zu herausragender Designqualität zusammenführen. Mit rund 7000 Anmeldungen
aus 60 Ländern gehört der red dot design award zu den größten Designwettbewerben der Welt.
Das Geheimnis des preisgekrönten Ciellos, entworfen von Matthias Dohm und dem Klöber Design-
Team, ist seine unglaublich schlanke Figur. Die ausgefeilte Polstertechnik Duo-Latex, die aus einer
unsichtbaren Netzbespannung unter Sitz und Rücken besteht, macht das klare Profil und die leichte,
zeitlose Eleganz möglich – und zwar bei höchster Funktionalität. Die S-förmig geschwungene Rücken-
lehne schmiegt sich optimal an die Körperform an und sorgt für höchsten Sitzkomfort. Der Ciello
verspricht ein himmlisches Sitzerlebnis – nicht nur mit seinem Namen.
Das brachte dem Klöber Ciello 2006 außerdem eine Nominierung für den Designpreis der Bundes-
republik Deutschland ein. Das Besondere daran: Es ist die höchste deutsche Design-Auszeichnung, um
die sich Unternehmen nicht bewerben können, sondern von hochoffizieller Seite vorgeschlagen wer-
den – wie z. B. von den Wirtschaftsministerien und Wirtschaftssenatoren der Länder oder vom Bundes-
ministerium für Wirtschaft und Technologie.

Lesen Sie mehr über den Klöber Ciello unter


www.kloeber.com

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