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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]

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„60 Prozent der Männer, die haben so ´nen Leichenfrust. Halt mit
Familie, man hat sich irgendwie arrangiert, aber man braucht abends
einen, der´s mal sagt.“
Harald Schmidt, Entertainer

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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„Das sind
s keine Jugendsünd
J den. Ich glau
ube, dass ess relativ viell mehr
von Dingen gibt, zu
z denen man ungebro
ochen, bis heute
h stehen kann.
Ich kann das jedenfaalls, als Dingge, die falsch waren."
Jürgen Trittin
n zu seiner Veergangenheit im Kommunisstischen Bund

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„Denk ich an den 68er in der Nacht,


N dann
n werd´ ich
h um
den Scchlaf gebracht.“ Könn
ntest du au
uch kotzen,, wenn du daran
denkstt, was du alles verpassst hast? Kaannst du dich
d trotz ersten
Gedächtnislücken und Trau
uer über de
eine kleinee Rente nocch an
die gutte alte Zeitt erinnern?? Weißt du noch, warrum er sich
h so
entwicckelt hat, und
u wieso die
d Bezeich
hnung zu einem Teil sseiner
Persön
nlichkeit geeworden isst?
Vieles lieggt im Dunkeeln der Gesschichte. Das
D Wenigee, oft
nur im
m engsten Familienkre
F eis an die gelangweilt
g ten Kinder und
Enkel weitergege
w eben, ist seentimental verklärt, wie
w die
Erinnerungen ein
nes Revolutionärs, de
er die Revo
olution verp
passt
ber gern in Woodstocck dabei ge
hat, ab ewesen wääre, wenn eer
gedurfft und hinggegangen wäre,
w was er
e aber nicht getan hat,
weil err noch zu klein
k und der Weg nach Amerikaa zu weit w
war.
Zurückkblickend, aber
a einigee Jahre spääter und no
och zu sein
nen
Lebzeitten hat Joh
hn (Nickelb
brille) Lenn
non über die Zeit gesaagt:
„Leben
n ist das, was
w dir zusttößt, währe
end du eifrrig dabei bist,
anderee Dinge zu planen.“ Die
D darauf folgenden
f Ereignissee sind
bekann
nt und bed
dauerlich.

Seite 3
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Man redet von ihm, er (Frauen eher seltener) redet gern


von sich, manchmal schreibt er über seine Erlebnisse (oder das
was er dafür hält) ein Buch das keiner lesen wird. Niemand weiß
eigentlich genau, was das Besondere am Original-68er, dem
unbekannten Wesen aus einer längst abgelebten Zeit ist?
Stimmt das, was über ihn, den revolutionär bewegten Original-
68er, oft mit wehmütig weggedrücktem Wehmuts-Tränchen, im
kleinen Freundeskreis beim gepflegten Edel-Italiener, und bei
einem guten Tröpfchen aus der Toskana erzählt und
geschrieben wird, oder ist alles nur ein verblassender Mythos,
den er hin und wieder fürs ramponierte Ego aufpoliert und ganz
nach Bedarf mit Erlebtem, Gehörtem und Erfundenem
ausschmückt?

Viele der nicht zum Malle-Musikantenstadl


abgewanderten Fossilien behaupten auch heute noch, dass nur
unter den einmaligen Bedingungen eines spießbürgerlichen
Nachkriegs-Biotops sein neues Bewusstsein heranreifen konnte.
Aufwachsend im braunverdrängten Mief der entnazifizierten
Adenauer-Ära, soll er angeblich der heranwachsende Stachel im
Fleisch des wohlgenährten und anständigen Bundesbürgers
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gewesen sein. Waren es seine glorreichen, revolutionären

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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Taten, die im kap


pitalistischeen Großstaadtdschunggel, die
derungen der
Veränd d unhaltbaren Umsstände im
Nachkriegsdeutschland bew
wirkten? Hat
H der 68eer hat mit sseiner
n Love-and
kleinen d-Peace-Reevolution die
d Welt tattsächlich u
und
nachhaaltig verändert, und wie
w konnte
e so etwas legal-Illegaales im
schwarzrotgoldenen Rechtsstaat gescchehen? Hat die nur
ngende Auffregung um
ausklin m den 68err einen tieffen
mytho
ologischen Sinn, oder war es ein
n Irrweg, deer zwischen den
Instanzzen zerrieb
ben, nur zu
um bekann
nten Ikea-R
Regal-
Selbstaaufbau-Irrssinn und niicht weiterr geführt hat?
Erwiesen und ausfüh
hrlich doku
umentiert ist,
i dass deer
Allerwelts-68er im Jahr 196
68 in den Dörfern
D eheer seltenerr, dafür
in den Großstädtten Berlin, München,, Frankfurt und Hamb
burg,
und nicht nur angeheizt von der mein
nungsbildenden
Springerpresse, sondern
s au
uch von der BRAVO (eeiner damaals
opulären, heute fast vergessenen Jugendzeitschrift)) seine
sehr po
größtee Verbreitu
ung fand.
Ein Merkm
mal der Oriiginal-68err-Zeit ist au
ugenfällig u
und soll
nicht nur
n weil es der Wahrh
heitsfindun
ng dient, so
ondern aucch
wegen
n dem Sach
hverhalt un
nd der Ordn
nung halbeer nicht
unerw
wähnt bleiben. Damalss gab es au
uch weiblicche 68er(-innen).
Ja vereehrte Leserrin. Du musst nicht begeistert den
d Arm reecken
und die faltige Faaust zum reevolutionäären Gruß ballen.
b Es ist
keine Geschichts
G sklitterung.. Es gab sie
e wirklich, die
d fanatisch-

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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revolutionäre, vom kopflosen Geist der unlängst in der Berliner


Charité wieder aufgetauchten Rosa Luxemburgs angehauchte,
Gouloise Blondes rauchende und mit einem Palästinenser-
Feudel geschmückte 68erin. Aber wie mir aus zuverlässigen
Quellen, von anonymen Zeitzeugen und hautnah Dabei-
Gewesenen zuverlässig berichtet wurde, waren gutaussehende,
politisch aktive 68erinnen in den Kommunen, den Straßen und
Brennpunkten der damaligen Szene eher exotische
Randerscheinungen. Zwar wurden vom anonymen,
langhaarigen Feld-, Wald- und Wiesen-68er die wenigen
weiblichen Ikonen, wie zum Beispiel die überaus vorzeigbare
und darum berühmte Uschi O., deren frühe Bilder als
Riesenposter an (noch vorhandenen) WG-Türen hängten, ohne
die geringste Aussicht auf Erhörung oder andere greifbare
Ergebnisse angebetet, aber für den 68er-Normalo war sie
unerreichbar, weil mit Jimi H., oder Mick J. beschäftigt. Die
Mehrzahl der „sogenannten“ 68erinnen war politisch eher
unbedarft - und man muss es so deutlich und schonungslos
sagen - eigentlich nur praktisch-schmückendes Beiwerk,
vergleichbar mit den Chromzierleisten an den damaligen
Bürger-Autos, und willige Objekte für die gräulichen Flokatis auf
den fleckigen Matratzen in diesen Jahren.
Wie konnte der 68er so werden, wie er nach der Legende
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geworden ist? Was ist nur noch schmeichelnde Erinnerung,

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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oder bleibt
b die ko
ollektive Melancholie
M e beim Anb
blick von
Schafeen? Hat Rud
di D. mit seeinen demagogischen
n Reden un
nd den
utopiscch weltfrem
mden Plän
nen von ein
ner vereinten Rotfron
nt- und
Rätestadt (Groß--) Berlin lettztendlich nur
n bewirkkt, dass Millionen
deutsccher Frauen
n zwangslääufig in einen kollektiiven Strickrausch
verfallen mussten und bis heute
h ihre weichgeko
ochten
nkelpartnerr mit unsägglich hässlichen Ringeelpullis und
Sitzpin d
selbstggezogenem
m Kamillenttee nerven
n?
Für interessierten Leeserinnen und
u Leser, die den langen
Marsch
h durch diee Institutio
onen (oder „Illusionen
n“) ohne größere
körperrliche und seelische
s S
Schäden üb
berstanden
n haben, m
möchte
ich diee Entwicklu
ung des Original-68errs in einer gerafften,
g aaber
umso liebevoller
l recherchieerten Form
m darlegen. Die Vorzeeige-
68er, wie
w zum Beeispiel den ehemalige
en Taxifahrrer, gegen
Villenb
besitzer demonstriereenden Putzzmacher und heutigeen
Großgrrund- und Feudalhau
usbesitzer Joschka
J (Tu
urnschuh) F., das
ehemaalige Mitgliied des Kom
mmunistischen Bund
des Jürgen T., den
Veganer und Sexxverweigerer Rainer (Schmuse-L
( Lockenköp
pfchen)
L., odeer den verstorbenen Rudi
R (Streifen-Pulloveer) D. mit sseinen
marxisstisch gepräägten Ford
derungen nach
n einer Einheitsfro
ont von
Arbeiteern und Studenten, dazu
d die to
otale Befreiung der
Menscchheit von Krieg, Hun
nger, Unme
enschlichkeeit und
Manipulation durch eine Weltrevolut
W tion, lasse ich in mein
nem
Bericht aus. Ich konzentrier
k re mich auf den klasssischen, alsso den

Seite 7
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Original Feld-, Wald- und Allerwelts-68er.

Es war einmal, vor unendlich langer Zeit, in der


beginnenden zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Ganz
Paris träumte von der Liebe und bei Capri versank am Abend die
rote Sonne im Meer. Das Inbus-Elchwunder von Eching, das die
deutsche WG Wohnkultur nachhaltig revolutionieren sollte, lag
noch in ferner Zukunft. An die Klo-Türen war noch nicht das
Poster von Zappa (dem Älteren) gepinnt, und die Strumpfhose
für die Fräuleins gab es auch noch nicht.
Nach einem großen Krieg und dem geplatzten Traum von
einem Großdeutschen Reich, das europäisch gesehen, von der
Etsch bis an den Belt hätte reichen können, wenn der Gröfaz
noch bei Verstand gewesen wäre, verlief das Leben des
rechtschaffenen Bundesbürgers endlich wieder in geordneten,
und wie es sich mit Anstand und Sitte auch gehört, in
rechtsstaatlichen Bahnen. Man dachte noch nicht an die
Zukunft, denn Mann und Frau waren froh, mit einem hübschen
Persilschein in der Tasche, unwissend und rein weiß, tausend
braune Jahre überstanden zu haben.
Manchmal wird behauptet, dass der 68er, sozusagen als
kleiner Vorgeschmack auf spätere Umstände, die Ursache für
die Hälfte der Eheschließungen in diesen frühen Jahren
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gewesen sei. Angeblich waren in den fünfziger Jahren bis zu

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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vierzigg Prozent der jungen Ehefrauen beim Gang zum


Standeesamt und zur Kirche in gesegneten Umsttänden. Ich
h
denke,, dass es sich um ein Märchen aus
a grauer Vorzeit haandelt,
denn der
d Vollzugg des Liebesakts war vom
v Kleruss nur in der Ehe
erlaubt, und werr durch Willlkür die Weckung
W neeuen Leben
ns
verhinderte, versstieß gegen
n das Gese
etz Gottes und
u der Naatur,
und die solches tun
t befleckken bekann
ntlich ihr Gewissen
G m
mit
schwerer Schuld. Das sagtee damals diie klerikalee Obrigkeit.
merken ist noch,
Anzum n dass die Bräute
e beim Gan
ng in die Kirche
weiße Brautkleid
der (stumpffe Seide od
der Spitze,
hochgeeschlossen mel)1 mit geschlossen
n, lange Ärm g nen
nkränzchen2 und Sch
Myrten hleier truge
en.
nio war von der Kirch
Knaus-Ogn he auch niccht gern geesehen,
außerd
dem mangels Aufklärrung über die
d korrektte Anwend
dung
ziemlicch riskant. Kondome gab es beim Friseur und wurdeen vom
Inhabeer persönlicch aus eineem gut verrschlosseneen Schrankk
geholt und mit sttrengem Blick der erw
wachsenen
n und tunlichst
verheirateten Ku
undschaft ausgehänd
a igt. Wem beim
b Gangg zum
Friseurr nicht nur der Haarschnitt in de
en Sinn kam, oder die
Frage nach
n Kondomen zu peinlich
p waar, der mussste die
sogenaannten „Eh
hehygieneaartikel“ übe
er einschläägige Chiffrre-
Anzeiggen bestelleen. Die jun
nge Beate (Beischlaf)
( Uhse war noch

1
Aus „Stil und Etikette“ von
n Karlheinz Graud
denz und Erika Paappritz Südwestvverlag München SSeite 133
2
Der gesch
hlossene Myrtenkkranz war das Zeichen der Jungfrääulichkeit. Witween trugen einen o
offenen
Myrtenkraanz.

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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mit einem Vertreterköfferchen in deutschen Landen unterwegs,


um fachkundig und frisch auf den Tisch selbst Hand anzulegen.
Wen wundert es da noch, dass die Planung und Produktion des
ersten 68ers nicht sehr sorgfältig, sondern eher nach dem
Zufallsprinzip verlief. Das war von ihm nicht so beabsichtigt, das
hatte sich so ergeben. Daran war er nicht schuld, denn die
Gebräuche waren damals strenger als heute.
Erwiesen ist, dass um das Jahr 1950 herum die
Vorbereitungen zur Produktion des 68ers wegen beengter
Nachkriegswohnverhältnisse oft im Grünen (am Busen der
Natur), eher selten in (weil beschädigt oder sehr beengt), dafür
manchmal auf einem Käfer, der (hier ist ein Hinweis für die
später Geborenen angebracht) ein schwarzes, einem Auto
entfernt ähnlichem Fortbewegungsgerät (die abgerundete
vordere Haube war die ideale Freiluft-Bauchliegeunterlage, der
Motor war hinten) mit zweigeteilter Sicht nach hinten war und
noch nicht unter strengem Naturschutz stand, stattfanden.
Doch diese extravagante Zeugungsmethode war eher die
seltene Ausnahme, denn damals konnten sich Arbeiter noch
keine Autos leisten. Leider konnte ich trotz intensiver
Recherchen nur den Januar 1950 und einen zugigen Hausflur als
Empfängnisdatum des allerersten 68ers, des sogenannten Beta-
Modells ermitteln, aber ich denke, dass solche kleine
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

Versäu
umnisse deen Wert meeiner Recherchen niccht
wesentlich schmälern werd
den.
n von mir beschrieben
Unter den b nen,
werten Vorraussetzungen sah ess anfangs
erschw
nicht so
s aus, als ob
o sich derr Original-6
68er zu
einem progressivv-staatstragenden Erffolgsmodeell
entwicckeln könntte. Führende Experte
en vermuteen
auch heute
h noch, dass dam
mals, sozusaagen in der
Penetrrationsphase, die erstten Fehler gemacht
wurden, aber erw
wiesen ist es
e nicht. Unstrittig
U ist,
dass er sich trotzz ungünstigger
Rahmeenbedingungen als üb
beraus rob
bust erwiessen hat, un
nd auch
gute Anlagen
A bessaß.

Lautstark protestiereend war err im Herbstt des Jahrees 1950


da. Do
och schon bald
b sollte er den Dru
uck konservvativer Engge zu
spüren
n bekommeen. Nach wenigen
w Taagen bekam
m er seine erste
Lektion
n wie Dem
mokratie fun
nktioniert. Christlich,, Demokrattisch
und un
ngefragt em
mpfing er den
d Segen der Kirchee in Form von
m Wasser auf sein nocch unbedarftes Kleinhirn getröp
kaltem pfelt.
Anzunehmen ist,, dass die in
n dieser frü
ühkindlichen
ngsphase erfahrene
Prägun e R
Repressalie
e die Ursacche für sein
nen
späteren Drang war,
w sich vo
on staatlichen Autoriitäten
pitscheepatsche nassspritze
n n.
n zu lassen

Seite 11
1
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Sein Lebensweg im engen Rahmen der


durch Adenauer geprägten, christlich
demokratischen Grundordnung schien
vorbestimmt, doch mit nassen Windeln (damals
gab es noch keine Pampers) empfand er laut
protestierend die Umstände und die Lage ziemlich
beschissen, obwohl es ihm angesichts der
Umstände eigentlich gut ging. Nach den schweren
Kriegsjahren, aber dank der von den Amerikanern
erfundenen und vom Bundeswirtschaftsminister
Ludwig Erhard als behäbige Leitfigur propagierten
Sozialen Marktwirtschaft (die Älteren unter uns erinnern sich
vielleicht noch), ging die Genesung der jungen, aber durch
vielerlei Umstände arg lädierten Bundesrepublik schnell voran.
Anders als heutzutage war die Welt noch friedlich und
heiter. Aus den Musiktruhen klang: „Das machen nur die Beine
von Dolores“, und beim Fräuleinwunder waren Nylonstrümpfe
als Tauschware für Liebe nicht mehr begehrt, weil überall für
wenig Geld erhältlich.
Nach den schweren Kriegs- und
Nachkriegsjahren wurde der kleine 68er relativ
gut und zu festen Zeiten ernährt. Er wuchs in
einem behüteten, aber strengen Elternhaus auf,
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und auf den Straßen herrschte Ruhe und

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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Ordnung. Die Fam


milie, besteehend aus Mann, Fraau
und Kind(ern), so
ofern sie du
urch die Ze
eit vor 45
(über die
d man beesser schwieg) nicht zu
z sehr
dezimiiert war, hiielt noch feest und die
e Gardinen
zusammen. Als Schutz
S gegeen Atombo
omben wurrde
die übeer den Kop
pf zu halten
nde Aktenttasche
empfo
ohlen. Atom
mkraftwerkke gab es auch
a noch
nicht, dafür
d kam der Strom
m aus der Stteckdose und
u
war daarum noch nicht liberral gelb, ab
ber dafür saaubillig. Po
olitisch
geseheen war die bundesdeutsche We
elt schwarzz (die bayerische
tiefsch
hwarz).
Der kleinee 68er schliief in einem
m Kinderbeettchen, daas mit
einer Farbe
F angeestrichen war,
w von de
er man nich
ht ahnte, w
welche
Zutateen darin steeckten, und
d die Zeit verging
v uneendlich lan
ngsam
und beehäbig.
Vielleicht erinnern sich
s meine älteren Leser noch an das
Jahr 19
952. Um 12
2 Uhr mittaags war es auf den Sttraßen
beunru
uhigend still. Das hattte seine tie
efgehendeen Ursachen. Fast
wie im
m wirklichen
n Leben musste auch
h Gary Cooper (damals 54,
heute tot) hinauss in die Weelt, um für Recht und
d Ordnung zu
kämpfen. Es hingg ein Pferdehalfter an d3, und weeil die
n der Wand
Rückkeehr des Helden bis zu
um Schluss ungewiss war, stand
d am
häuslicchen Herd,, treu wartend und vo
or Sorge un
nd Sehnsucht
schmachtend, seeine sieben
nundzwanzzig Jahre jüngere
3
„Es hängtt ein Pferdehalfteer an der Wand“ Schlagertext von Ronny und Bruce Low

Seite 13
3
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Filmpartnerin, fest im Glauben an einen guten


Ausgang der Geschichte. Die Botschaft an die
Werktätigen war unmissverständlich: Der Mann
muss hinaus und jagen, die Frau gehört an den
Herd.
Braune Soße gab es reichlich und pünktlich
zum Mittagessen über den Schweinebraten. Ohne
Widerspruch wurde „gegessen wird was auf den
Tisch kommt …“, und er aß nach Hesselbachscher
Manier und ohne zu Murren das was auf den Tisch kam, denn
das väterliche Machtwort: „Solange du die Füße unter meinen
Tisch streckst …“ galt in der Familie so unumstößlich wie eine
päpstliche Bulle. So wie es schon immer war, immer ist und wie
man dachte, auch immer sein wird. Das Publikumm war
begeistert und die Kinos, die es
damals an jeder Ecke gab, trotz
Foxens volltönenden
Wochenschauen immer überfüllt.
In seiner Kinderzeit konnte
der zukünftige 68er den lieben langen Tag unbewacht auf den
wenig befahrenen Straßen, den Hinterhöfen, oder falls er auf
dem Land aufwachsen sollte, spielen, wo er wollte. Bären und
Wölfe gab es schon lange nicht mehr, aber man konnte überall
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sehen, wie sich Fuchs und Hase am Hintern der Provinz eine

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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gute Nacht
N wünsschten. Diee Mütter ve
erspürten noch
n nicht den
unwideerstehlicheen Drang, zwei
z bis vie
ermal am Tag
T in langen
Autoko
onvois zum
m Kindergarten oder zur
z Schule fahren, um
m die
verwöhnten Plaggen abzulieefern und abzuholen,
a weil Arbeiter
keine Autos
A zu haben hatteen, und der Führersch
hein für Frauen
ein niccht notwen
ndiges Übel war. Das sollte sich bis zum En
nde
der 50er-Jahre nicht ändern, denn Au
utofahren war
w in der jungen
Bundesrepublik Männersac
M che und daamit basta. Ohne die
hmigung dees Ehemanns blieb de
Geneh er Ehefrau zwar nichtt der
graue Wischlapp
W pen erspartt, aber der amtliche graue
g „Lappen“
verwehrt. Dafür war die Sittzordnung im Kraftfahrzeug gerregelt.
hrenplatz fü
Der Eh ür eine Dam
me war de
er Platz neb
ben dem
„Herreenfahrer.“4
Oft schon im Morgengrauen sttapfte der kleine 68er,
bepackkt mit seinem schwerren Schulraanzen, eineem
Margarinebrot und manchm
mal einem Apfel, mutig und alleein
ngen Weg zum Kindeergarten od
den lan der zur Sch
hule. Die Zeeit
vergingg immer no nd das ADSS Syndrom war
och sehr laangsam, un
noch nicht
n erfunden, weil es
e noch keiinen Fernseher, keineen
Compu
uter und keeine Dattelspiele gab ne 68er war ein
b. Der klein
braverr und aufmerksamer Schüler, un
nd er lernte fleißig fü
ür das
spätere Leben an
n Fließband
d, Schippe und Werkbank.

4
Aus „Stil und Etikette“ von
n Karlheinz Graud
denz und Erika Paappritz Südwestvverlag München SSeite 246

Seite 15
5
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Am Dienstag, den 24. Juni 1952 kam Bewegung in die


meinungsbildende Medienlandschaft. Die erste BILD Ausgabe
wurde mit vier Seiten und einer Startauflage von 455.000
Exemplaren verkauft. Eine Zeichnung der langbeinigen „BILD-
Lilli“ mit kess wippendem Pferdeschwanz und zeichnerisch
leicht, aber für damalige Verhältnisse obszön angedeuteten
Brüsten war das Zugpferdchen der BILD und wurde zur
inspirierenden Vorläuferin der amerikanischen
Barbie-Puppe, die das Idol einer ganzen
Generation kleiner Mädchen werden sollte. Das
BILD-Erfolgsrezept war einfach: Nicht tröge
Politikeransprachen sorgen für Auflage, sondern
Titten, der Kinderschänder von nebenan und das
blutbeschmierte Brotmesser des Frauenmörders.
Sogar Konrad Adenauer war von der BILD-Zeitung
begeistert und kommentierte seine Lektüre mit
den Worten: „Weil ich als einfaches Gemüt immer
sofort verstehe, was gemeint ist.“
Ob diese staatstragende Erfolgsmischung
Auswirkungen auf die Entwicklung des kleinen
68ers hatte, ist noch nicht abschließend erforscht.
Aber ich behaupte, dass weder Adenauer, noch Strauß, auch
nicht Ludwig Erhard, dafür aber Lilli & Co. und die Kataloge aus
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Weiden und Burgunstadt schon früh die Laufbahn des 68ers

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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beeinfflusst haben.
nd gab es noch
James Bon n nicht,, aber der
Herr vo
on Welt tru
ug Karos, nach
n dem Modevorb
M ild
des Meeisterdetektivs Nick Knatterton
K n aus einem
m
uralten
n Adelsgeschlecht beei Kyritz an der Knatteer.
Seine Gegenspieelerinnen verfügten
v über
ü
voluminös gezeicchnete Brü
üste, was die klerikaleen
wächter, allen voran auch die Freiwillige
Sittenw F
Selbstkkontrolle (FSK) zu lau
utstarken
Empörrungsschreeien veranlaasste. Der kleine Rao
oul
bekam
m zum Gebeet von sein
ner Großmu
utter den Rat:
R „Bub,
behandle Frauen
n wie Engell. Sei imme
er zartfühleend wie zu einer
zerbrechlich en Rose
R und vergiss
v nie deine
d gutee Erziehungg. Und
vor alleem – keinee schmutziggen Worte
e!“
Musikaliscch gab es 1956
1 für de
en jungen
68er das „das altte Haus von
n Rocky Do
ocky“ und
„Tiritomba“, den
nn damals fraßen
f die süßesten
Früchtte nur die großen
g Tiere. Dazu ge
ehörte der
Raoul nicht, denn
n er war ja noch klein
n, während
d
hierzulande weittgehend un
nbemerkt der
d
dzwanzigjährige Elvis etwa zehn
einund n Millionen
n
Schallp
platten verrkaufte. Ab
ber den kleinen 68er
interesssierte das nicht, den
nn Musik vo
on der
Befreieer-Besatzungsmacht Amerika war
w in

Seite 17
7
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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rechtschaffenen, deutschen Familien verpönt, und die


Musiktruhe durfte nur vom Familienoberhaupt eingeschaltet
werden.
Sonntags, häufig auch noch an den späten Nachmittagen
(weil doppelt hält bekanntlich besser), ging die Familie in die
Kirche. Dazwischen und wenn das Wetter schön war, packte der
kleine Raoul brav seine Badehose, sein Küchenhandtuch und
ging Hand in Hand mit der kleinen Conny und seinem Bruder ins
Freibad, damit die Eltern auch mal unter sich sein konnten,
denn die Wohnverhältnisse waren immer noch beengt. Nie
zuvor und zu keiner Zeit danach, waren so viele Menschen zu
Fuß unterwegs um die übriggebliebenen Verwandten zu
besuchen, als in den 50er Jahren. Wenn das Wetter schlecht
war kam die Familie, aber auch die weit entfernte
Verwandtschaft zum Kaffeetrinken zusammen und an den
Kaffeekannen waren noch lustige Tropfenfänger aus buntem
Schaumstoff, die mit einem farbigen
Gummibändchen befestigt, und einem
Plastikschmetterling geschmückt waren.
In der Schule lernte er das was zu lernen
war, und die geschichtlichen Ereignisse in
Deutschland endeten, weil im Felde unbesiegt, nach
allgemeiner Lehrmeinung um das Jahr 1918 herum. Das war
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verständlich, denn unter den Talaren herrschte noch der Muff

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

eines untergegan
u ngenen, tausendjähriigen Reichss.
Aber der
d heranw
wachsende 68er war noch
n zu
klein, um
u über diie spurlos verschwun
v ndenen,
tausen
nd Jahre naachzudenkeen.
Oft und geern spielte er Fußballl, so wie ess
Jungs in
i seinem Alter
A auch heute nocch gern tun
n. Aufmerksam,
mit kurzen Lederrhosen und
d brav fasso
ongescheittelt lauschtte er
den Worten
W im Religionsun
R nterricht „…
… und erlösse uns von
n dem
Übel …“

Eigentlich war er ein
n braver, kleiner 68err, obwohl sschon
früh eiin Hang zu subversiveer Lektüre mit dem Anarchisten
A n
Donald
d Duck, der allein und
d unverheiratet leben
nden Minn
nie
Mousee (im beden
nklich kurzzen Röckch
hen) und ih
hrem Loverr
Mickeyy (Single) erkennbar
e w
war.
Die Zeit veerging fast wie im Flu
ug. 1957
erschü
ütterte der erste Sexsskandal die
e Republik.
Die vieerundzwanzigjährige Edelhure Rosemarie
R
Nitribittt wurde vermutlich von einer
hochgeestellten Persönlichkkeit (Ruhrge
ebiet)
ermord
det und au
uf ihrer Kun
ndenliste befand
b sich
h
ein rep
präsentativver Querschnitt der
bundesdeutschen Nachkrieegspromine
enz.
Als ob daas noch niccht genug gewesen
g
wäre. 1959 kam im fernen Kuba Fidell Castro an

Seite 19
9
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

die Macht. Er versprach in stundenlangen Reden


seinem unterdrückten, aber im erträglichen
Zustand lebenden Volk ein befreites und
glückliches Kuba mit einer sozial gerechteren
Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums
zugunsten der ärmeren Schichten der
Bevölkerung. Nach einer etwa vier- bis
vierzehnstündigen Ansprache erkannten die
Kubaner den Ernst der beschissenen Lage. Sie zeigten sich
einsichtig, denn sonst hätte der Máximo Líder (Übersetzt:
„größter Führer“) noch einige Stunden ohne Punkt, Komma und
größere Pausen weitergeredet, und Dixi-Toiletten waren damals
noch nicht erfunden.
Nach Jahren der Sprachlosigkeit gab es auch an der Spitze
der jungen Bundesrepublik wieder einmal einen großen Redner.
Der fünfundsechzigjährige Heinrich Lübke wurde zum
Bundespräsidenten gewählt. Er erlangte, mit Unterstützung
seiner acht Jahre älteren, sich aber beharrlich als gleichaltrig
ausgebende Ehefrau Wilhelmine, und dazu mit konfusen Reden
Weltruhm. Seine Ansprache bei einem
Staatsbesuch 1962 in Liberia gehört bis heute zu
einem Klassiker staatsmännischer Rhetorik, die
ich dir nicht vorenthalten möchte. Wie
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überliefert begann die Rede mit den Worten:

Seite 20
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
________________
______

„Sehr geehrte
g Daamen und Herren, lie
ebe Neger
…“, und endete anlässlich
a e
einer späte
eren Rede
mit den Worten: „… die Leu
ute müssen
n ja auch mal
m
lernen, dass sie sauber
s werrden.“
Auch das berühmte:
b : „Equal go
oes it loose
…“, wird Heinrich
h Lübke zugeschriebe
en, und dass
Nachriichtenmagazin „Der Spiegel“
S maulte
sauertöpfisch: „Irgendwer muss Frau Wilhelmin
ne
Lübke auch mal sagen,
s dasss sie auf
besuchen ihren
Staatsb i Mann nicht mitt dem Ruf
'Heini, wir gehen
n zu Bett' in
ns Quartierr beordern
kann.““
Das Jahrr 1960 brachte für die
Entwiccklung des angehenden 68er nicchts
Außerggewöhnlich
hes, wenn man davon absah,
dass Nikita Chrusschtschow vor der UN
NO Vollverrsammlungg mit
m Schuh au
seinem uf dem Tiscch trommelte, und Clark Gable mit
neunundfünfzig Jahren
J starrb. Bedäch
htig ging daas Jahr vorb
bei,
uch 1961 brachte keine größere
und au en Überrasschungen. Gerd
Wendlland sang: „Tanze mit mir in den Morgen““, und Rex Gildo
spieltee in dem Musical
M „Myy Fair Lady““ im Berliner Theaterr des
Westens und trällerte sich mit „Es grü
ünt so grün
n, wenn Sp
paniens
n blühen …““ in die Herzen der bundesrepu
Blüten ublikanisch
hen
Fräuleins und Fraauen.

Seite 21
1
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

Die Deutschen zog es in Massen mit


hochbepackten Volkswagen über die Alpen nach
Jesolo (Italien). Ganz Mutige wagten sich auf den
weiten Weg nach Spanien und Hemingway
erschoss sich versehentlich mit einem
Jagdgewehr. Wenn es nach den anständigen Bürgern in
unserem Land gegangen wäre, dann hätte es immer so weiter
gehen können (nicht mit Hemingway, der hatte Pech. Aber mit
der Besetzung von Italien und Spanien).
Apropos Hemingway: 2006 wurde durch die Recherchen
eines FOCUS-Redakteurs bekannt, dass sich in Briefen und alten
Biographien Hemingways Hinweise auf mehrfachen Mord an
deutschen Kriegsgefangenen finden. Dabei soll er gegenüber
dem verstorbenen amerikanischen Literaturprofessor Arthur
Mizener von der Cornell-Universität gestanden haben,
insgesamt 122 Deutsche erschossen zu haben. Aber das war vor
der Geburt des 68ers und dürfte auf seine Entwicklung und
seine politische Einstellung keinen Einfluss gehabt haben. Denn
er war noch so ahnungslos wie der alte Mann auf dem weiten
Meer.
1960 sang Tony Sheridan in Hamburg auf der
Reeperbahn. Seine Begleitgruppe nannte sich großspurig The
Beatles. Unter der Leitung des Musikproduzenten Bert
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Kaempfert nahm Tony Sheridan 1961 mehrere Titel mit den

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
________________
______

Beatles auf, die aufgrund


a eines Einwaandes der
nfirma bei dieser Auffnahme alss Beat
Platten
Brotheers in Ersch
heinung traaten. Darun
nter war
auch der
d Titel „M
My Bonnie““, der Ende
e 1961
immerrhin bis auff Platz 32 in
n der deutschen
Hitparade kam und so den Erfolg der Beatles
mitbeggründete.
d uns jetzt etwas auss dem Jahr
Raoul wird
1960 erzählen:
e „A
Also ich weeiß ja nichtt, ob das hier

passt. Soll ich das wirklich erzählen?“


e “
„Ja natürliich. Das istt doch interessant. Nur
Mut. Wir
W erzähleen es nicht weiter.“
„Also gut, dann erzähle ich es einfach.
e Als
Heranw
wachsendeer, so mit zehn,
z vielle
eicht war es
auch mit
m elf Jahren hatte icch ein mein
n Leben
prägen
ndes Schlüssselerlebniis. Es war nicht
n die
üblichee jugendlicche Erregun
ng für Fußb
ball oder die
d
Mitglieedschaft im
m Verein ch
hristlicher junger
j
Männeer. Für das Erstere waar ich zu un
nsportlich,
andrerrseits habee ich seit frühester Kin
ndheit einee
nachkrriegsgepräggte Abneiggung gegen
n Koppelschlösser und
Uniformhemden. Auch jedee Form von
n Lagerfeuerromantik ist
wider. Micch, den pub
mir zuw bertierenden Jungen hatten meehr die
geistiggen und feinstofflicheen Dinge be
egeistert. Meine
M Obssession

Seite 23
3
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

konzentrierte sich schon damals auf gehobene Literatur der


Buchgattung Science Fiktion. Bücher über die Welt von
Übermorgen hatten es mir besonders angetan und ich muss
zugeben, auch bis heute inspiriert. Ich kann sogar behaupten,
dass Buck Rogers, Tailspin Tommy und die intergalaktischen
Reisen von Flash Gordon (die älteren, männlichen Leser wissen
wen ich meine) meinen Lebensweg wesentlich mitgeprägt
haben. Daran kannst du erkennen, dass mein Forscherdrang
auch schon in jungen Jahren unergründlich war. Der heimliche
Blick in die Zukunft erschien mir spannend und auch
verheißungsvoll. Zum einen wusste ich als neugieriger und
darum auch phantasievoller Mensch, sowohl körperliche, als
auch geistige Qualitäten zu verbinden. Andrerseits empfand ich
den Gang in die öffentliche Leihbücherei am Sindelfinger
Marktplatz, zu der blonden Bibliothekarin mit dem
Pferdeschwanz (ein in den sechziger Jahren gebräuchlicher
Ausdruck für eine sportliche Damenfrisur) als mystische
Kulthandlung, denn ich war nicht nur literarisch interessiert,
sondern hauptsächlich unsterblich, aber zu meinem damaligen,
und auch heutigen Kummer unerreichbar (ich war zu jung, sie zu
alt) in die unnahbare Dame verliebt.
Der Leihbestand der von mir bevorzugten Buchgattung in
der besagten öffentlichen Bibliothek bestand aus vier ziemlich
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abgegriffenen Büchern mit aufgeklebtem, glatt- und

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

glänzendem Plasstik-Schutzzeinband. Es
E war natü
ürlich pureer
Zufall, dass die vier Sciencee Fiction Bü
ücher im errsten
Bücherregal (vorrne rechts) ganz unten und genaau gegenüber
vom Scchreibtisch
h der besaggten Bibliotthekarin sttanden.
Geprägt durch ein ko
onservatives Elternhaaus konntee ich
damalss noch nich
ht das ausd
drücken waas ich, der schwäbiscche
Jungmann tief in meinem Innern emp
pfand. Heu
ute und nacch
Jahrzehnten des Suchens weiß
w ich es.. Lass mich
h knien, lass mich
schaueen, lass micch sterben, lass mich leben, waaren meinee
mannw
werdenden
n, aber fraggmentierte
en Gedankeen. Oft
verbrachte ich gaanze Nachm
mittage daamit, in kurrzen Lederh
hosen
und mit gesenkteem Kopf kn
niend, den weichen Plastikeinb
P and
ücher zu fühlen, währrend die Bibliothekarrin mit
der Bü
prüfen
ndem, aberr gelangweeilten Blick aus ihren Augenwink
A keln,
mich nicht
n beach
htete, um manchmal,
m , wenn ich vielleicht zzu laut
blätterrte, fast un
nmerklich die
d sorgfälttig zu schm
malen Strich
hen
ausrasierten Auggenbrauen zu heben. Mit ganzeen Herzen ssehnte
ich micch danach,, dass diesee mystische Stille in der
d
Leihbib
bliothek du
urch ein leiises, kaum hörbares Geräusch
unterb ürde. Mancchmal habe ich es geehört, das leise,
brochen wü
fast raschelnde Geräusch
G d nur dan
das nn entstehtt, wenn Nyylon an
Nylon gerieben wird
w - wenn
n sie die Sttellung ihreer Beine
derte, oderr sogar, waas nur sehr selten gesschah, die Beine
veränd
übereinander sch
hlug.

Seite 25
5
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

Du siehst, ich kann mitreden. Denn ich habe eine


wichtige Lektion fürs spätere Leben gelernt. Sie lautet: Willst du
etwas Extravagantes erleben, musst du bezahlen.
Damals habe ich nach langen und sorgfältigen Prüfungen
und in wechselndem Rhythmus eines der Bücher ausgeliehen.
Ich habe meinen Obolus bezahlt und nachts mit fiebrigem Blick
unter der Bettdecke, im Schein einer funzeligen Taschenlampe
zu lesen und am nächsten Tag mit hochrotem Kopf und
stotternd zurückzubringen. Jedes dieser vier Bücher habe ich
mindestens zwanzigmal ausgeliehen und nicht nur die
Einbände, sondern auch der Geruch und jede Zeile ist mir auch
heute noch gut in Erinnerung. Ich habe aber nie erfahren, ob
mich die blonde Bibliothekarin jemals so bemerkt hatte, wie ich
es gerne gehabt hätte. Dazu war sie als
Aufseherin über die stramm stehenden und
akkurat sortierten Bücher zu beschäftigt.
Nur ein einziges Mal durfte ich mich mit
ihr ausführlich unterhalten. Genauer gesagt, sie
hat mich angesprochen und ich habe mit
hochrotem Kopf und schweißnassen Händen
geschwiegen. Vermutlich dachte sie, dass meine
Treue belohnt werden müsste. Exzentrisch wie
sie nun mal war, empfahl sie mir einen Western,
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und zwar das Buch Blonder Panther Rocky von

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

Frank Wells
W aus dem
d Paul Feldmann
F Verlag.
V Bis heute hütte ich
dieses Buch wie einen
e kostbaren Schaatz, denn ich bin danach
nie wieeder in die Leihbiblio
othek gegan
ngen. Die Leihgebühr
L r von
vierzigg Pfennigen
n für sieben
n Tage, und
d die Nach
hgebühr in Höhe
von zw
wanzig Pfen
nnigen für je drei Tagge bin ich ih
hr bis heutte
schuldig gebliebeen, und daffür schäme
e ich mich..
Später, es muss so um
u das Jahr 1966 gew
wesen sein,, habe
ich sie noch hin und
u wiederr gesehen. Sie war die erste Fraau die
nem BMW--Kraftrad und
auf ein u in einer grünen Ledermontu
ur
durch Sindelfingeen gefahreen ist – eine
e unerreich
hbare Götttin in
eng sittzendem Leeder. Diesee Erlebnisse sind mir auch heute noch
so in Erinnerung,, als ob sie gestern ge
ewesen wäären.“
„Da fällt mir
m noch ettwas ein. Möchtest
M du erfahren
n, was
mich bis
b heute bewegt?“
„Es ist derr letzte Satz in dem Buch. Er lau
utet: ‚Ja, Ro
ocky.
Ich will!‘
Soweit der Bericht eines
e Zeitze
eugen, auf dem Weg zum
68er. Wenden
W wir uns nun wieder de
en weltbew
wegenden
Ereignissen zu.
Als Vorbotten kommenden Unh
heils zogen
n 1962 die ersten
Wolken am bis dahin wohlggeordneten Himmel deutscher
Gemüttlichkeit au
uf. Mit eineem leisen „Blobb“
„ staartete die eerste
Tupperware-Partty, und im Januar kam
men die schmächtigeen
Jungs aus
a Liverpo
ool, damals noch mitt Stuart Suttcliff, zu ersten

Seite 27
7
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

Probeaufnahmen in einem Studio der Londoner Plattenfirma


Decca zusammen. Aber sie wurden mit der Begründung „Wir
mögen den Sound nicht und außerdem ist Gitarrenmusik
sowieso am aussterben“ abgelehnt. Dann, im Frühjahr 1962 sah
man überall in Hamburg leuchtend orangerote Plakate mit der
provokanten Ankündigung, dass die Zeit der Dorfmusik nun ein
Ende habe. Am Freitag, den 13. April 1962 öffnete der Star Club
auf der großen Freiheit 39 seine Türen zu Deutschlands
allererster Rock und Twist Parade.
Sieben Wochen, vom 13. April 1962 bis zum 31. Mai 1962
spielten die Beatles (mit Tony Sheridan) im Star-Club. Zu allem
Unglück kam in diesem Jahr auch noch die Antibabypille auf den
Markt und führende Kirchenvertreter warnten vor einer alles
und insbesondere die westliche Zivilisation zerstörenden
Sexwelle, weil man den Frauen, sexuell gesehen nicht so recht
über den Weg traute. Dabei waren die Ängste unbegründet. Die
stramm sitzende Miederhose war ein wirkungsvolleres
Verhüterli als jede Pille.
In Amerika dachte John F. Kennedy an Atombomben
gegen Castro, besann sich dann aber eines Besseren. Er regelte
die Kubakrise mit Bedacht, und die sechsunddreißigjährige
Norma Jeane Mortenson, besser bekannt auch als Marylin
Monroe, stöhnte am 19. Mai 1962 im Madison Square Garden:
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„Thanks, Mr. President for all the things you´ve done

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

the battles that you´´ve won …““


Danach saah sie im Sp
piegel die ersten
e
Falten,, und nach einem wo
ollüstigen Stand
S auf
einem Abluft-Sch
hacht der New-Yorke
N er U-Bahn sah
s
die Weelt, dass siee eine unraasiert und unechte
Blondie im weißeen Schlüpfeer war, wo
ofür sie von
n
ihrem Ehemann, dem Baseballstar Joe DiMaggio
o
ordenttlich Dresche bekam. Am 5. Auggust 1962
nahm sie sich, waas bis heutte bezweife
elt wird, mit
m
einer Überdosis
Ü S
Schlaftable
etten das Leben.
L
Dann, im Jahr
J 1963 begannen
b u
sich die Ereignisse zu
überscchlagen. Am
m 3. Januar 1963 wurrde Fidel Castro
C vom
einund
dachtzigjäh
hrigen Papsst Johanne
es XXIII exkommunizieert,
der am
m 3. Juni 19
963 starb. In
I England löste der Profumo-S
P Skandal
eine Reegierungskkrise aus, und
u das Call-Girl Chrisstine Keeleer
gelanggte zusamm
men mit ihrrer Kollegin
n Mandy Rice-Davies
R s, und
mit inttimen Gesttändnissen über die Gewohnhe
G iten der
Londoner High-Society und en Fotos (rittlings auff einem
d freizügige
ner-Sperrho
Design olzstuhl), zu
z kurzfristigem Welttruhm.
Am 8. Juli 1963 hörten die Deu
utschen ersstmals die Sätze:
„same proceduree than last year?“ und Miss Sop
phies Antw
wort:
„same proceduree than every year!“ Heinz
H Piperr musste deen
Zuschaauern noch
h die Handlung erklärren, denn die
d verstan
nden
kein En
nglisch.

Seite 29
9
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Der zum Bundeskanzler avancierte Ludwig


Erhard versprach wieder Wohlstand für Alle, und
das Schweigen führte dazu, dass sich in der
Bundesrepublik Deutschland elf Millionen
Zuschauer (jeder dritte Erwachsene) über zwei
kurze Koitus- und eine kleine Masturbations-
Szene empören konnten.
In Amerika wurde John F. Kennedy in
Dallas von drei Kugeln aus unterschiedlichen
Richtungen, abgeschossen vom Einzeltäter Lee
Harvey Oswald, tödlich getroffen, und der beharrlich leugnende
Mörder anschließend vom Nachtclubbesitzer Jack Ruby
ermordet.
Auch auf der Bonanza-Ranch wurde geschossen und
geritten. Aus unerfindlichen Gründen hauste ein Vater mit vier
Söhnen, alle immer in ordentlich gebügelten Hemden und
bedenklich engen Hosen gekleidet, aber dafür ohne Frauen auf
einer Ranch. Die Polizei war blind, denn niemand
dachte darüber nach, warum alle Frauen die den
Söhnen zu nahe kamen, verstarben. Von den
komplizierten Ereignissen bekam der
heranwachsende 68er nichts mit, denn er lebte in
einer behüteten Welt zwischen Schule,
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Fußballplatz und der Angst vor dem Fegefeuer,

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

oder dem Erziehungsheim mit katholischen Non


nnen, falls er
(oder das
d 68er Frräulein) zu aufrührerisch war.
Mit einem
m fröhlich gekrähten
g „Yeah,
„ Yeah, Yeah“ kkam
endlich
h das Jahr 1964. Die Mädchen fielen
f Reihenweise in
n
Ohnmaacht und „Oben-ohne“, das ersste öffentlicche zeigen
n
unbedeckter Brü
üste löste ein
e mediale
es Gezeter über „Freiheit
für allee, auch für Möpse“ und den Verfall der Moral
M aus. D
Der
junge 68er
6 war in
nteressiertt und sah sich in den Freibädern
n um,
aber er konnte weit
w und brreit keine Oben-ohne
O e-68erin, daafür
aber viele Badekappen und
d Mädchen
n, die sich aus
a für ihn
ndlichen Gründen niccht ins Wassser trauteen, entdeckken.
unerfin
Die Zeicheen der neuen Zeit waren nicht zu
z überseh
hen,
und no
och wenigeer zu überh
hören. Von
n den Religionslehrern in
den Scchulen, abeer auch von
n den Kanzzeln in den Kirchen klangen
düsterre Reden mit
m seltsamen Warnun
ngen. Es ging um
Selbstb
befleckungg, um kurzee Röcke un
nd Dinge vo
on denen d
der
junge 68er
6 noch keine Ahnung hatte. Und auch seine
Großm
mutter nahm mer öfter ins moralische Gebet. Sie
m ihn imm
sprach
h mit ernsteer Stimme zum pube
ertierenden
n Raoul: „B
Bub,
behandle Frauen er zartfühleend wie zu einer
n wie Engell. Sei imme
zerbrechlichen Rose
R und veergiss nie deine
d gute Erziehung. Und
vor alleem – sag niemals
n sch
hmutzigen Worte!“
Danach wurden die Wiederauffnahmeantträge von V
Vera
Brühnee abgelehn
nt und die blonde Mö
örderin mu
usste eine

Seite 31
1
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

lebenslängliche Zuchthausstrafe antreten.


Ansonsten war das Jahr 1964 eher ruhig, so ruhig
wie die bekannte Ruhe vor dem gewaltigen
Sturm.
Wenigen ist es bekannt und häufig wird es
vehement geleugnet, aber das Jahr 1965 kann
man mit dem eigentlichen Erweckungsjahr des
68ers bezeichnen. Von strebsamen Eltern
zunächst unbemerkt und wie über Nacht, war die
alte, die geordnete Welt mit Fußball,
Geigenunterricht und Brillantine untergegangen.
Eines schönen Tages, es muss in der ersten Maiwoche im
Jahr 1965 gewesen sein, drangen aus den elterlichen
Musiktruhen und Kofferradios (ja, liebe Kinder, so etwas gab es
damals) seltsame, nie gehörte Klänge. Fünf
Noten, ein einprägsamer Gitarrenriff und ein bis
ins Mark dringendes „I can’t get no… satisfaction“
veränderte die heile Welt des pubertierenden
68ers. „My Generation“, der Schlachtruf des
jungen 68ers führte dazu, dass er plötzlich die
Welt mit ganz anderen Augen sah. Wenn er die
Klänge hörte, begann er am ganzen Körper
ekstatisch zu zucken. Sein sehnlichster Wunsch
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war eine elektrische Gitarre, oder falls der 68er

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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ein jun
nges Fräuleein war, ein
nen Freund
d mit einerr elektrisch
hen
Gitarree. Zwar wu
urde der junge Musikffreund zu oft
o von
Geräusschen beso
orgter Eltern gestört, die mit deem barscheen
Hinweis: „Mach endlich
e diee Negermu
usik aus …“,, schwere,
seeliscche Störunggen bei ihm
m auslösten und verm
mutlich aucch eine
hoffnu
ungsvolle Karriere
K als Beat-Star zerstörten
n. Aber die neue
Zeit waar nicht meehr aufzuh
halten und nur noch der
d richtigee
Schnittt der mit Toilettenrei
T inigungsmittel kunstvvoll gepein
nigten
LEE- od
der noch besser
b Leviss-Jeans fürr das zukün
nftige Lebeen des
68ers entscheide
e end.
Am 15. Seeptember 1965
1 spielten die Rollling Stoness, fünf
junge Männer,
M neben deneen John, Paaul, Georgee und Ringo
o wie
brave Milchbubiss aussahen
n, in der Be
erliner Waldbühne un
nd die
Fans machten
m au
us der Einriichtung kurzerhand handliches
h
Kleinho
olz.
dlich war ess soweit. Am
Dann, end A Samstag, den 25.
Septem
mber 1965 kam der Leibhaftige
L live und wahrhaftig
w aus
zehn Millionen
M reegistrierten
n Schwarz--Weiß-Fern
nsehern (es gab
damalss auch scho
on Farbferrnseher. Daazu wurden
n grün-rot--blau
ein
ngefärbte Folien
F d Scheibee geklebt) und
auf die
braach wie ein
ne höllische Urgewaltt in die
bundesdeutsschen Woh
hnstuben ein.
e Es war keine
üstenhalterrreklame, denn
Bü d die war
w damals im
deutschen Feernsehen noch
n verbo
oten. Es waar auch

Seite 33
3
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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nicht Robert Lembke mit der Frage: „Welches Schweinderl


wollen Sie haben?“ Es war der einzige, der echte und
authentische Beat-Club aus Bremen. Zwar wurde der ersten
Sendung der seriös mahnende Aufpasser Wilhelm Wieben
vorangestellt, der um das Seelenheil des älteren Publikums
besorgt, eine Sendung mit tanzenden Jugendlichen und lauter
Musik ankündigte. Mit salbungsvollen Worten und einem
Gesichtsausdruck der die Jugendlichen in die Nähe von
Geistesgestörten und Grenzdebilen brachte, bat er um
Verständnis für die grauen Bilder und die nun kommenden
Geräusche. Eingeleitet mit „a Touch of Velvet a Sting of Brass“
von der heute längst vergessenen Gruppe „the Mood Mosaic“
und danach den Rattles mit dem entsetzlich falsch singenden
Achim Reichel (der damals angeblich weder Englisch sprach,
noch singen konnte) klang Musik, die von entsetzten Eltern als
„Hottentottenmusik“ oder mit anderen Namen belegt wurde,
aus den Furnierholzkästen, die geschmückt mit Häkeldeckchen
(den heutzutage etwas aus der Mode gekommenen
Fernsehdeckchen) in den Wohnstuben standen.
Jetzt, zur besten Kaffeezeit, in diesen wertvollen Minuten
zwischen elterlicher Abscheu („Die hätte man früher alle ins KZ
gesteckt“) und bedingungsloser Hingabe lernte der jugendliche
68er die erste wirklich wichtige Lektion, die ihn sein ganzes
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Leben begleiten sollte. Sie lautet, und liebe Eltern sie gilt auch

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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heute noch und wird


w bis in alle Ewigkkeit gelten: „Ist die M
Musik
zu lautt, bist du zu alt.“
Da war siee, und niem
mand ahnte
e, dass sie nicht mehr
gehen wollte. Diee glorreich
he Zeit von Beat, Gam
mmlern und
d
Flowerr-Power waar angebro
ochen. Plöttzlich hasstte der jungge 68er
Fußball. Die Pom
made in Rao
ouls Haaren und der Plastik-Kam
mm
verschwanden wie
w über Naacht und zu
uerst zaghaaft, dann im
mmer
mutigeer wuchsen
n die ersten Haare zu
uerst ganz vorsichtig
v ü
über
die Oh
hren und daann immerr mehr. Der beste Friseur war d
der, der
nichts abschnitt. Die jungen
n, zukünftigen 68er-FFräuleins
kämpftten derweil noch mitt den knielaangen Slogggis, mit
hochto
oupierten Frisuren,
F fü
ür die unerrreichbare Pille und d
die
ersten Strumpfho
osen. Die engen
e Röckke beganneen zuerst
millimeeterweise, dann imm
mer schneller immer kürzer
k zu
werden, und die Büstenhalter wurden ersatzweeise mit Tempo-
Tascheentüchern unterlegt und
u hatten
n immer no
och Drahtb
bügel
und eine eigenarrtig spitze Form,
F die sich
s unter engen
e
Rippen
npullis hervvorhebend eten. Dem Phänomen
d abzeichne n
fassungslos gegeenübersteh
hend, befasssten sich seriöse
s
Wissen
nschaftler mit der kniefreien Mode und erkannten eeinen
direkteen Zusamm
menhang zw
wischen Wohlstand,
W Hochkonju
unktur
und ku
urzen Röcken. Aber die
d Lehrer und
u die Kirchen wolltten die
Vorteile nicht seh
hen und waren
w empö
ört. Das waar damals n
nicht,
aber aus heutigeer Sicht verständlich - sie waren ja keine 68er.

Seite 35
5
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

Auch die Eltern verstanden die Welt nicht


mehr und begannen sich besorgte Fragen zu
stellen: „Ist der Junge mit seinen langen Haaren
und seiner entsetzlichen Kleidung etwa ein
Gammler, oder noch schlimmer, ein 175er?“
So wurde einige Monate mehr oder
weniger erfolgreich um längere Haare und
kürzere Röcke gekämpft.
„Under My Thumb“ war 1966 der
Lieblingssong des 68ers und beim Schicksal des
Studenten Benno Ohnesorg wollte sich die korrekte politische
Gesinnung noch nicht einstellen. Vielleicht intuitiv das damals
Undenkbare ahnend, dass der Täter ein durchgeknallter Stasi-
Spitzel war. Dagegen berührte der gewaltsame Tod des ersten,
politischen Popstars die Seelen der wenigen angehenden
68erinnen. Der argentinische Freiheitskämpfer und
Revolutionär Ernesto (Che) Guevara de la Serna verlor am 9.
Oktober 1967 in Bolivien sein Leben. Zwar hatte er sich, anfangs
zusammen mit Fidel Castro, in den bedingungslosen Dienst der
Massen der Dritten Welt in ihrem Kampf gegen Unterdrückung
und Ungerechtigkeit gestellt, aber er war mit seinen Idealen
grandios gescheitert. Weder im Kongo, noch in Bolivien wollte
die Menschen befreit werden, und was für ihn noch schlimmer
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war, die unterdrückten Massen dachten nicht im Traum daran,

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

ihm, dem Messiaas einer neuen Zeit naachzufolgeen. Der


utage etwaas angestau
heutzu ubt klingen
nde Sponti--Spruch: „SStell dir
vor es gibt Krieg (Revolutio
on), und keiner geht hin“
h bekam
m im
Nachhinein eine ganze neu
ue Bedeutu
ung.
Ein post mortem
m Tro
ost bleibt. Weniger
W w
wegen seineer
verworrenen Theeorien, abeer wegen charismatis
c scher Bildeer
avanciert Che zum glorreichen und he
eimlichen Jungmädch
J hen-
Star feeuchter Finger-Nächtee für den eigenen,
e heeimischen
Befreiu
ungskampff von einem
m ungerechten ausbeeuterischen
System
m, und zum
m heimlicheen Überlovver einer vo
orwiegend
weiblicchen Fan-SSchar, die sein
s Posterr gern nebeen das vom
m
dunkelhäutigen Jimi
J (Wuscchelkopf) Hendrix
H übeers Bettcheen an
die Waand pinnte. Ches (und
d Jimis) me
ediale Botsschaft spraach
direkt und ohne Umwege das
d zerebraal-sinnlichee Gefühlszeentrum
ottee-Slip der
im hellblauen Fro d Jung-68erinnen und
u deren
prägtem Haang zur Reettung der unterdrückkten Masseen vom
ausgep
Joch des Kapitalismus in deer großen weiten
w Welt an.
Auch Osw
wald Kolle erkannte
e diie Zeichen der Zeit un
nd die
Kraft der
d Medien
n. Mit durcchschlagendem Erfolgg schrieb er
seinen
n ersten Sexx-Ratgeberr, bis in die
e Niederun
ngen der BR
RAVO
und au
uch auf derr Alb, auf der
d es bis dahin keinee Sünde geggeben
hatte. Und siehe da, aus deem zarten bundesdeu
b utschen
Sexwellchen entsstand in weenigen Jah
hren ein Sex-Tsunami.

Seite 37
7
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

Das Jahr 1968 begann nicht anders als die Jahre zuvor,
aber die Besonderheiten des Jahres kündigten sich schon früh
an. Am 28. Januar 1968 traten die Notstandsgesetze in Kraft,
und am 30. Januar 1968 begann im fernen Vietnam die TET-
Offensive. Nordvietnamesische Truppen und Einheiten der
Nationale Front für die Befreiung Südvietnams, großzügig
finanziert vom gütig lächelnden Mao Zedong, überrannten die
bekifften und darum vollkommen überraschten Amerikaner.
Der schwäbische 68er war über das aggressive Verhalten der
Invasoren empört. Für den politisch noch anfangsbewegten
Raoul war es ein wunderbarer Anlass an seinem ersten
Sindelfinger Event teilzunehmen, und auf dem Sindelfinger
Marktplatz mutig ein erstes „Ho-Ho-Ho-Tschi-Minh“ zu rufen.
Doch strömender Regen führte nicht zu der gewünschten
Mobilisierung der Massen.
Die amerikanische Wirtschaft hatte andere Sorgen. IBM-
Ingenieure fragten sich angesichts der Erfindung des
Mikroprozessors „Aber für was soll das gut sein?“ Sie fanden
keine Antwort und IBM steht vermutlich auch heute noch vor
einem Rätsel. Das Forscherteam Masters und Johnson ließ in
seinem Labor in St. Louis Paare (verheiratete und unverheiratet)
kopulieren, um deren physiologische Reaktionen
sekundenbruchteil- und millimetergenau festzuhalten.
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Seite 38
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
________________
______

Am 4. Aprril 1968 wu
urde in Tennessee der Baptisten
nführer
Martin
n Luther Kin
ng ermordet. In der Springer-Pr
S resse gab ees
Schlagzeilen wie: „Lasst Bauarbeiter ruhig
r schafffen, weg m
mit
langbeehaarten Affen!“, und
d am 11. April 1968 fügte Josef
Bachm
mann dem Studentenf
S führer Rud
di Dutschkee
lebenssgefährliche Schussveerletzungen
n zu. Das Gerücht,
G daass
Augsteein und Nannen die „Enteignet Springer“ Kampagnee
finanziiert haben sollen, waar nicht bis zu Raoul vorgedrung
v gen,
und daarum war ihm die Traagweite niccht bewussst, und es w
war ja
auch nur
n ein Gerrücht.
Irgendwan
nn im Aprill 1968 war Frauen-Po
ower angessagt
und Raaoul war daafür. Die Ursache
U fürr sein frühees Interessee ist
unbekaannt, aber als am Sam
mstag den 6. April 19
968 Julie Driscoll
und die Brian Auger Trinityy im Beat-C
Club auftratten, war diie
Sensattion perfekkt. Julie Driscoll trug keinen
k BH. Zwar mussste
man ziiemlich gen
nau hinseh
hen, und Niemandem
m, am
allerweenigsten dem unerfaahrenen 68
8er wäre ess aufgefalleen,
wenn die ht darüberr berichtet hätte,
d seriösee Springer-Presse nich
aber die ersten Anzeichen
A d Frauen
der nbewegungg waren im
m
öffentllich rechtlichen Fernssehen ange
ekommen..
m ´s just ano
„Freedom other word
d for nothin
ng left to lo
ose ...“
Den Scchrei spürte der jugen
ndliche 68er bis in seeiner
adolesszenten Geefühlswelt, und darum
m zog es ih
hn im Somm
mer
1968 nach
n Londo
on, dem Mekka der neuen
n Zeit mit dem

Seite 39
9
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

Zentrum der Bewegung, der Carnaby-Street.


Politisch war er zwar noch ein Neutrum, aber er
spürte, dass die Revolution zur Befreiung von …,
also irgendetwas, aber so genau wusste er es
damals noch nicht, in der Luft lag. Hören wir uns
nun seinen authentischen Bericht an: „… ich erinnere mich noch
genau. Es war einige Tage vor den Bank-Holidays. Ein heißer
Nachmittag und ich sitze zusammen mit fünfzig oder mehr
Jungs aus den Provinzen Deutschlands in einer langen Reihe auf
dem Boden, mit dem Rücken an eine graue Hauswand gelehnt.
Alle haben olivgrüne Parkas an und wir sind das erste Mal in
London. Noch keine achtzehn Jahre alt und das erste Mal raus
aus den miefigen Kleinstädten. Gleich gehen die Türen zum
Marquee auf - in der Wardour Street, nicht in der Oxford Street
wie oft behauptet wird. Auf dem orangeroten Plakat steht die
Sensation des Nachmittags (damals traten die Gruppen noch
nachmittags auf) John Mayall und die Bluesbreakers mit dem
neuen Gitarristen Mick Taylor. In irgendeinem anderen Club der
sich Crawdaddy nennt soll auch noch eine neue Band (Ten Years
After mit Alvin Lee) spielen, aber die kennt kein Mensch und ist
darum vollkommen uninteressant. Ich in London und weit und
breit keine interessanten Gruppen. Irgendwo tritt ein Joe
Cocker (vollkommen unbekannt) auf und Bob Dylan ist Megaout
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seit der eine Band und eine elektrische Gitarre dabei hat. Von

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
________________
______

David Bowie hab


be ich noch nie etwass gehört. Deer heißestee Gig
oche ist John Mayall.. Ein blondes langhaaariges Mädchen
der Wo
im sup
perkurzen Minirock
M drängelt sich vor. Sie hat
h keinen Slip
an und
d ich bin scchockiert. So
S etwas habe ich noch nie zuvo
or
geseheen. Dann die Treppe runter in einen
e miefigen Keller. Das
Konzerrt ist superr (ich kann mich noch
h genau an die gestreeiften
Markissen über deer Band errinnern, an die Musikk leider nich
ht
mehr).. Am nächssten Tag, zum Sunbu
ury Blues Feestival, weeit
draußeen vor London. Ich biin schockie
ert, die Kidss sitzen auf den
Autos und mein erster
e Ged
danke ist „d
die zerkratzzen ja den Lack“.
Starke Bands tretten auf, deeren Name
e und Musik ich wiedeer
vergesssen habe. Als Vorgru
uppe eine zwei
z Mann
n Gruppe die sich
Tyrann
nosaurus Rex
R nennt (das wissen
n die
Weniggsten, aber die nannteen sich am
m Anfang
wirklicch so und die
d waren zu
z Zweit) mit
m einem
Sängerr der Markk Bolan heiß
ßt. Ein unggewohnter
os und unvverstärkter Gitarre. Als
Sound mit Bongo
es dun
nkel wurde eine wenige Monate
e alte
Gruppe die sich Jethro
J Tull nennt mitt einem
Verrücckten in ein
nem alten Soldatenm
S mantel an der
d Querflö
öte.
Danach sind alle anderen nur
n noch An
nfänger. Eiin Song forr
Jeffreyy geht mir nicht
n mehrr aus dem Kopf. Weitt nach
Mitternacht zurü
ück quer du
urch Londo
on zum Cam
mpingplatzz am
Christaal Palace. Am
A nächsteen Abend ein
e schüchtterner Flirtt mit

Seite 41
1
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

einer sechzehnjährigen Engländerin. Die Eltern sind unterwegs


und ich darf die ganze Nacht in den Wohnwagen zum
knutschen. Damals wusste ich noch nicht, dass Sex etwas
anderes ist. Heute weiß ich, woher der schlechte Ruf der
Deutschen kommt ...“
Soweit der Original-Bericht eines Original 68ers der dabei
gewesen ist. Es ist nicht überliefert, ob er den smarten
Fotografen in Antonionis „Blow-up“ beobachten konnte, wie er
nach imaginären Tennisbällen griff. Tatsache ist auch, dass
Raoul das spektakuläre Crashkonzert der Yardbirds verpasst und
die Reste der zertrümmerten Gitarre auf der Oxford-Street
übersehen hat. Aber sein Berufsziel war nach dem heißen
August 1968 klar definiert – er wollte nach der Reifeprüfung ein
berühmter Fotograf werden, Mörder in englischen Parks
überführen und dürre Groupies in bunten Strumpfhosen fi*
knipsen.
Nach seiner Rückkehr in die schwäbische Heimat gab es
für ihn kein Halten mehr. Der längste Weg beginnt immer mit
einem kleinen Schritt. Das wusste Raoul noch nicht, aber er
verspürte den Drang, die große weite Welt zu erforschen. Er
wollte nicht zur Waffe greifen, darum gedachte er seine Zeit im
damals noch hoch ummauerten Berlin zu verbringen. In seinen
Rucksack kamen seine sieben Sachen, von seiner Großmutter
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bekam er die strenge Ermahnung: „… bleib immer anständig

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
________________
______

und mach mir keeine Schand


de. Behand
dle die Frau
uen wie En
ngel.
mer zartfühlend wie zu einer ze
Sei imm erbrechlich
hen Rose und
vergisss nie deine gute Erzieehung. Und
d vor allem
m – keine
schmu
utzigen Worte!“ mit auf
a den We
eg. Dann um
marmte err die
weinen
nden Eltern und auch
h seine Gro
oßmutter, und wie
unzähllige Anderee auch, maachte sich Raoul
R auf den
d Weg, u
um in
der Großstadt Beerlin seinen
n Studien nachzugeh
n en.
Heutzutagge wird oft und gern kolportiertt, dass sein
n
hluss mit deer politisch
Entsch hen Entwicklung in deer
Bundesrepublik Deutschlan
D nd zusamm
men hing. Aber
A die vo
on ihm
gern veerschwiegeene Wahrh
heit ist nun
n mal, dasss der angeh
hende
68er absolut kein
ne Lust hattte, kurzgeschoren un
nd mit der Waffe
in der Hand Platzzpatronen zu verballe
ern.
An einem grauen un
nd regnerisschen Herb
bsttag kam Raoul
in der großen Staadt an. Beim Anblick des Bahnh
hofs fühlte er sich
m und traurrig, aber seeine Berufu
einsam ung war stäärker. Er w
wollte
nicht zurück
z in deen Zoo derr schwäbiscchen Beliebigkeit. Er wollte
mit revvolutionäreer Kraft diee Welt veräändern, veerbessern u
und die
Menscchheit mit Freiheit,
F Gleichheit, Brüderlichk
B keit und viel
buntem
m Allerlei beglücken.
b Dann, auff dem langeen Weg naach
Kreuzb
berg sah err eine hohee Brandmauer mit deer Aufschrifft
„Grieneisen“. Waar es das Menetekel
M an der Wand? Lag hinter
der Maauer der Horizont, un
nd ging es dahinter weiter,
w imm
mer
weiterr? Raoul daachte sich nichts
n dabe
ei, denn seein geistigeer

Seite 43
3
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Horizont war noch begrenzt. Aber er war jetzt


dabei – er war ein echter 68er - mitten im
Zentrum der Bewegung, am Nabel der
revolutionären Zeit.
Raoul aß bei Aschinger am Zoo
Bohnensuppe für eine Mark und schon am
zweiten Tag in Berlin, bekam er beim Italiener in
der Uhlandstraße seine erste Pizza auf die Hand.
Die ungewohnte Speise verzehrte er mit großer
Ehrfurcht, denn so etwas hatte es in seiner
schwäbischen Heimat nicht gegeben. Dazu trank er Rotwein aus
bauchigen Korbflaschen und einige Wochen später, Tee in
Teestuben die keine waren, sondern Studentenkneipen hießen,
und in denen unterm Tisch Haschisch und Berliner Tinke vertickt
wurde.
Er engagierte sich bei Demonstrationen
gegen BILD und für den ewig lächelnden Ho Chi
Minh und seinem Gesinnungsgenossen Mao. Mit
viel Begeisterung begann sich der 68er gegen
alles Imperialistische und den Satan Amerika zu
engagieren. Er wollte im Sinne der KomIntern
und der kleinen roten Mao-Bibel umstürzlerisch
tätig werden, wusste aber noch nicht, dass
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Denkmäler innen hohl sind und die Sockel häufig

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

eine neeue Verweendung für neue Denkmäler find


den.
Der 68er Raoul
R übtee er seine Stimme
S im rhythmischen
Sprech
hgesang miit gleichgessinnten Brü
üdern, um nach williggen
Zwillingsschwesttern von Usschi Oberm
maier zu schielen.
dem erforsschte er diee ballistischen Kurven von frisch
Außerd
gebrocchenen Pflaastersteineen. Es gab einige zerb
brochene
Fensteerscheiben am Berlineer Amerikaahaus und die
Wasseerwerfer veeranstalteten schöne Wasserspiele, von denen
am Staammtisch auch
a heutee noch gern
n erzählt wird,
w wenn es
darum
m geht, ältere, grauhaarige Damen die imm
mer noch kkeine
Büsten
nhalter anh
haben, zu beeindruck
b ken.
Sehr am Herzen
H lag ihm die psychologiscche Wirkun
ng von
bemaltten Bettlakken, die er zu Studien
nzwecken aus
a den Feenstern
fremdeer Häuser hängte.
h Un
nd er führte, schon frrüh sein
rhetorisches Gesschick erkennend, Disskussionen
n gegen allees
Imperiialistische, für radikal Sozialistissches und eine
e bessere
Welt, zu
z der er die von eineer kapitalisstischen Au
usbeutercliique
unterd
drückten Massen
M in den
d Fabrike d Fließbändern
en und an den
zu führren gedach
hte.
Den Geist der Zeit errkennend schwärmte
s e er für Len
nin und
die Maarxschen Werke.
W Nich
ht wissend, dass der übelgelaun
nte
Karl Marx einen Furunkel am Arsch hatte und nicht nur daarum,
sonderrn auch weeil er nie eiine Fabrikh
halle von in
nnen geseh
hen
hatte, aber der Ahnung
A folggend körpe
erliche Arb
beit scheueend

Seite 45
5
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

und auf Engels (vermögender Fabrikantensohn) Kosten lebend,


seine Theorien zuerst an Mäusen ausprobieren hätte sollen,
bevor er die Welt damit beglückte.
Um mitreden zu können las er auch aus den Theorien
Bakunins die Schlagwörter und manchmal die ersten Seiten der
Schriften von Marcuse, die kurzzeitig die Bibel der
studentischen Bewegung war.
Auch modisch verspürte der aufrührerische 68er die
Zeichen der Zeit. Um seiner richtigen Gesinnung Nachdruck zu
verleihen, trug er jetzt einen Dufflecoat und dazu einen hübsch
verknoteten Palästinenserfeudel.
Bald erkannte der revolutionäre Neu-Berliner, dass seine
Schwärmereien für Marx und Mao, und seine Reden über die
Bekämpfung bourgeoiser Strukturen bei den jungen 68er-
Frauen aus wild-westdeutschen Landen gut ankamen. Raoul
ahnte nicht, dass Mao ein übler Stinker war, angeblich soll er
sich sein Leben lang nie gewaschen, streng aus dem Mund
gerochen, und ein Faible für sehr junge Chinesinnen im
Doppelpack gehabt hat. China war fern und der 68er im
ummauerten Berlin. Darum wusste der junge Raoul auch nicht,
dass Mao grob geschätzte 10 bis 30 Millionen Chinesen einfach
so nebenbei verhungern ließ.
Mit fundamental zusammengelesenem Wissen und
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einigen einprägsamen Sätzen konnte er in verräucherten

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

Gaststätten, die damals noch Studenttenkneipen


n hießen,
stundeenlang übeer die herrsschenden autoritär-h
a hen
ierarchisch
Struktu
uren in derr kapitalistischen Gessellschaft, und die
Machttausübung des Staatees gegen se
eine Arbeitter
schwadronieren,, und damit den mind
derbelesen
nen Mädelss aus
den rechtschaffeenen Pfarreersfamilien
n der westd
deutschen
Provinzen impon
nieren. Da er
e schon im
mmer ein leernfähigess
hen hatte, begriff er sehr
Köpfch s schne
ell die Mach
ht des groß
ßen
Wortes, den Wirkungszusammenhang von zweii Buchmeteern
d gut gemisscht mit Baakunin (Michail
Marx, Engels und
ndrowitsch), und der damit verb
Alexan bundenen Garantie ssofort
und jede Junge, ohne
o langee kritisch zu
u hinterfraagen, auf seeinem
ziemlicch fleckigen Flokati flachzulegen. Gern sprach er auss was
er dach
hte: „Wer zweimal mit
m Derselben pennt, der gehörtt zum
Establiishment.“ Damit zeiggte der dem
monstrativ seine
revolutionäre Veerachtung der deutscchen „Sofakissendiktaatur.“
Zwischen Revolution
n und jugen
ndlicher Em
mpörung
verfolggte er den Prozess geegen Andre
eas Baaderr und Gudrun
Ensslin
n wegen Brrandstiftun
ng in einem
m Frankfurtter Kaufhau
us, und
Otto Schily spracch von eineer unschuld
digen Gewissenstäterrin, der
hlüsselerleebnis Vietnam die Augen für den Widersp
das Sch pruch
zwisch
hen bürgerlichen Ideaalen und de
er Wirklich
hkeit geöffn
net
habe. Wie
W Zeitzeeugen bericchteten, so
oll Otto Sch
hily am End
de
seines Plädoyers soll Otto Schily
S sogar geweint haben. Niccht

Seite 47
7
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

bekannt ist, ob es Tränen der Rührung waren, oder ob die


Zähren wegen der genialen rhetorischen Formulierung
geflossen sind.
Das Orwellsche 1984 lag noch in ferner Zukunft, aber
trotz seines Engagements gegen die Ungerechtigkeiten der Welt
war der 68er (Version 1950), politisch gesehen noch ein
Neutrum, mit einem Verstand, der sich noch in einem frühen
Entwicklungsstadium befand.
Raoul erprobte das Leben in Wohngemeinschaften und
scheiterte an der Frage der Müllentsorgung und der Freundin,
die nicht seine, sondern die eines anderen war und der bei
freier Liebe und fremden Filzläusen keinen Spaß verstand. Er
raucht das erste Mal Haschisch und aß einen lila
Haschischkuchen mit silbernen Liebesperlen um sein
Bewusstsein zu erweitern und gelbe U-Boote mit Blaumiesen zu
sehen. Sylvester 1968 musste er kotzen und die Ereignisse
überschlugen sich. Am 1. Januar 1969 war 68 nur noch
Geschichte, und die Zeit verrann immer schneller.
Es war im Frühsommer 1969. Auf einer seiner
solidarischen Wanderungen durch die große Stadt, geriet er in
eine kleinere Frauenansammlung in einer lila geschmückten
Buchhandlung. Neugierig wie es Raouls Natur entsprach,
versuchte er die Ursache für das Gedränge mit Henna im
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Selbstgestrickten zu erforschen. Und siehe da, eine Frau im

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

biblischen Alter von


v 38 Jahren las auss ihrem neu
uesten Bucch vor.
nge Raoul fand das frreischwinggende Gew
Der jun woge sehr
erbaueend, und die ältere Frrau fand Gefallen an dem ergrifffen
lauschenden Jungmann, deenn damalss war der Raoul
R ein
hes, schlan
hübsch nkes Kerlch
hen. Die älttere Frau wurde
w auf ihn
aufmerksam, und
d sie nahm
m ihn behuttsam an deer Hand. Daann
führte sie ihn in ihr
i großes Haus mit vielen
v Zimm
mern und eeiner
herrlichen Aussiccht auf Wasser (Berlin hat viele Seen) und
d
Wälder. Da war der
d neugierige, aber mittellose Raoul eineen
Momeent sprachlos. Wegen
n der ungew
wohnt luxu
uriösen
Umgeb
bung etwas kleinlaut,, kamen die zögerndeen Worte aaus
seinem
m Mund: „D
Darf ich dicch etwas frragen?“
Sie schautte ihn mit ihren
i tiefblaugrauen Augen lächelnd
an und
d antworteete, zwischeen zwei Zü
ügen an ihrer filterlossen
Zigarettte, mit ein
ner seltsam
m kehligen Stimme: „A
Aber klar, frag
doch.““
Da nahm der junge Mann
M all se
einen Mut zusammen:
„Was muss
m ich tu
un, damit ich auch so
o leben kan
nn?“
Und die ältere Frau lächelte un
nd sagte: „Das ist gan
nz
einfach
h, tu immeer nur das, von dem du
d hunderttprozentig
überzeeugt bist. Beobachte
B die Menscchen, achtee auf die Deetails,
höre niemals auff den Rat Anderer.
A Su
uch das Ech
hte, das
ntische, un
Authen nd dann sch
hreib es mit deutlichen Worten
n so
auf, wiie du es sieehst und so
o wie du de
enkst. Und
d vergiss niemals

Seite 49
9
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

meinen Rat: Nur wenn deine Leser den Geruch aus deinen
Geschichten einatmen können, bist du wirklich gut.“
Der junge Raoul lachte laut auf, und in seiner lockeren
Art sprach er mit kleinem respektlosem Unterton: „Das ist alles?
Das ist ja ganz einfach.“
Dann, nach einem kurzen Moment des Überlegens sagte
er zu der älteren Frau: „Na ja, nur weil du ein Buch geschrieben
hast, kannst du dir das alles leisten. Das mache ich auch.“
Da sah ihn die ältere Frau nachdenklich an und mit einem
Lächeln sprach sie: „Das ist der Unterschied zwischen uns. Du
redest nur darüber, aber ich habe es getan. Ob du es kannst,
wird sich zeigen.“
Dann nahm sie den jungen Raoul an der Hand und führte
ihn in einen großen Raum, in dem ein luxuriöses Bett stand.
Plötzlich erinnerte er sich, was ihm seine längst verstorbene
Großmutter (mütterlicherseits) schon in frühen
Kindergartenjahren mit auf den Lebensweg gegeben hatte. Es
waren die göttlichen Gebote der Bibel, und das, was ein
anständiger, schwäbischer Mensch im Leben zu tun, und was
wegen den Nachbarn tunlichst zu unterlassen sei. Er hörte eine
innere Stimme, die wie aus dem Jenseits kam. Es war die
Ermahnung seiner seligen Großmutter: „Junge, behandle Frauen
wie Engel. Sei immer zartfühlend wie zu einer zerbrechlichen
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

Rose und
u vergisss nie deine gute Erziehung. Und
d vor allem –
verwende niemaals schmutzzige Worte
e!“
Wie er es gelernt haatte, verspü
ürte er dass Bedürfniss, der
n Frau etwas Nettes zu
älteren z sagen: „Du
„ hast so
o wunderscchöne
Brüstee und deinee Knospen sprießen so
s zart“, waar das Lieb
blichste
was Raaoul spontaan einfiel. Und wegen der ungeewohnten
Situation fragte er
e etwas scchüchtern: „Möchtesst du mit m
mir
schlafeen?“
Da fiel diee ältere Fraau vor Lach
hen aus dem
m großen Bett.
Als sie sich mit Trränen in deen Augen etwas
e beru
uhigt hattee,
drehtee sie dem ju
ungen Man
nn ihre wo
ohlgeformtee Rückseitee zu
und saagte: „Du weißt
w was du
d zu tun hast.“
h
Der bravee Raoul auss dem klein
nen schwäb
bischen Orrt
wusstee es nicht, denn er waar noch jun
ng und uneerfahren. A
Aber
sein an
nalytischerr Verstand und ihre faachkundigee Hilfe warren
wertvo
olle Lehrmeeister.
Einige Stu
unden später, zum Ab
bschied hau
uchte ihm die
ältere Frau, etwaas atemlos und mit eiinem leichtten Zittern
n, das
ihren Körper
K durrchlief, eineen Zauberssatz ins Ohr, der ihn n
noch
viele Jaahre begleiten sollte..
„Sag geilee Sau zu mir“ waren die
d magisch
hen Wortee und
der jun
nge Raoul brannte
b innerlich. Nu
ur so eine Frau
F wolltee er.
Sie war es, die seein ganzes Leben mit ihm teilen
n sollte. Aber was
konntee er tun? Er war ein 68er
6 aus Sindelfingen
n, und da gab es

Seite 51
1
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

ja noch seine verstorbene Großmutter. Doch die ältere Frau


hatte anderes vor, und nach wenigen Wochen verstieß sie ihn.
Der junge Mann verstand die Welt nicht mehr, denn er hatte
doch alles richtig gemacht. Er war brav gewesen, er gehörte zu
den Guten, er war kein Chauvi-Schwein, und er hatte sich
immer für die unterdrückten Frauen und deren zarten Seelen
eingesetzt. So hatte er es gelernt, und die ältere Frau ging ihm
nicht aus dem Sinn. Nur sie allein hatte es geschafft, ein
unauslöschliches Feuer in ihm zu entzünden. Doch welche
tiefere, mystische Bedeutung war in dem Satz, den sie ihm ins
Ohr geflüstert hatte? Einsam und ob der Zurückweisung
leidend, begann er seine Gedanken auf einer frisch erstandenen
Schreibmaschine niederzuschreiben, auf das es ihm besser
gehe, und er ein besserer Raoul werde. Doch es war ein
einsames Vorhaben und niemand wollte seine literarischen
Experimente verstehen.
Das Jahr verging, und auch im Jahr 1971 geschah nichts,
was das alte Feuer in seinem Innern wieder zum lodern bringen
konnte. Nur Raouls Ideale begannen sich zu verändern. Sein
Verstand sagt ihm, dass der Traum von einer baldigen,
erfolgreichen Revolution, den klinischen Tatbestand der
Wahnvorstellung erfüllt.5 Raoul begann sich auf seine
kapitalistischen Wurzeln zu konzentrieren, und eröffnete ein
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kleines, damals gut florierendes Unternehmen. Eines Tages, es


5
Zitat nach Jürgen Habermas

Seite 52
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
________________
______

war im
m Frühsomm
mer des Jahres 1972,, geschah wieder
w etw
was,
was Raaouls Leben beeinflusssen sollte. Vielleichtt erinnert ssich
der ein
ne oder andere, älterre Leser (jü
üngere können das niicht
wissen
n) an die Mythen
M der angebliche
en, rituelleen Büstenh
halter-
Verbreennungen zwischen
z d Jahren 1968 und 1972, die als
den
revolutionäres Faanal gedaccht, die Frauen erst so
o richtig un
nd
politiscch gesehen
n, in Beweggung gebraacht haben
n soll. Raou
ul hat
mir ehrenwörtlicch versicheert, dass es keine Märrchen aus gguten
alten spät-68er
s Z
Zeiten sind. Solche Ve
erbrennungsaktionen
n gab
es, enttgegen deffätistisch fo
ormulierter Meldungen tatsäch
hlich.
Raoul kann von sich
s behaupten, und das erfüllt ihn mit Sto
olz und
Ehrfurcht, dass er
e im Juni 1972
1 im Berliner Grun
newald an einem
Ort, deen Eingeweeihte auch als Bullenw
winkel bezzeichnen, aals
autorissierter Bild
dberichtersstatter für ein
e kläglich
h gescheiteertes
Berlineer Szenemaagazin und
d als einzige
er zugelasssener,
männlicher Teilnehmer an einer ritue
ellen BH-Veerbrennungg
hmen durftte. Leider sind
teilneh s die Au
ufnahmen in
i den Wirren
der vorrevolution
nären Emaanzipationsszeit verlorren geganggen.
m möchte icch an dieseer Stelle allle Leserinn
Darum nen und Lesser
aufford
dern, in altten Archiveen, auf Spe
eichern und
d in
Familieenalben naachzusehen
n, und mir interessan
nte Funde zzum
Themaa und aus der
d Zeit zuzzusenden.
Im glutheißen Somm
mer 1972 war
w die gro
oße Zeit der 68er
Revolu
ution unwieederbringlich vorbei, und Raoul, der

Seite 53
3
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

übriggebliebene 68er fühlte sich wie ein Ladenhüter und etwas


einsam. Seine große Liebe schrieb an ihrem vierten Buch und
hatte sich zwecks Inspiration noch jüngere Jünger (oft unter
dem erlaubten Datum) als den verstoßenen Raoul zugelegt. In
seinem Liebesschmerz fühlte der zweiundzwanzigjährige Raoul
die Nuance eines ersten Anflugs von früher Midlife Crisis und er
begann über den Sinn des schnell vergehenden Lebens
nachzudenken. Immer öfter dachte er an seine unlängst
verstorbene Großmutter und deren Rat. Mit Cremaschnäuzchen
und ochsenherzigem Augenaufschlag versuchte er sich in Prosa
und er übte sich als sensibler Frauenflüsterer und -versteher.
Aber es war ein mühsamer und steiniger Weg. Die Frauen
denen er begegnete waren keine Engel und sie wollten ihn nicht
erhören. Es war wie ein Fluch den er nicht abschütteln konnte,
die mahnenden Worte seiner im Jenseits weilenden
Großmutter: „Bub, bleib immer brav und werd´ kein Chauvi-
Schwein.“
Ein Chauvi-Schwein wollte der immer noch bärtige Raoul
niemals werden. Aber wenn er die Frauen in seinem sozialen
Einzugsgebiet betrachtete, spürte er, dass seine wachsenden,
ästhetischen Anforderungen nicht in der Lage waren, einem
Realitätsprinzip Gültigkeit zu verleihen.6 Probeweise, manchmal
ketzerisch auf Marx und Mao fluchend faltete er die Hände, und
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6
Zitat frei nach Herbert Marcuse. Aus „Triebstruktur und Gesellschaft“ Ausgabe 1967 Bibliothek
Suhrkamp. Seite 171 (ISBN gab es damals noch nicht, oder ich hab die Nummer nicht gefunden)

Seite 54
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

schon nach wenigen Tagen


n geschah etwas
e Wun
nderbares. Vor
ihm staand ein blo
onder, wun
nderschöne
er Engel mit
m grünblau
uen
Augen, zartblond
den Achselhaaren und unanstän
ndig engen
n
Jeans. Raoul kleb
bte wie ein Insekt am
m klebrigen Fliegenfän
nger,
nicht wissend,
w daass das Weesen der Sinnlichkeit durch
Empfänglichkeit und Mangel beeinflu
usst wird. Er
E war wied
der
bt und bereeit alles zu tun, so wie er es sein
verlieb ner Großm
mutter
immerr versproch
hen hatte.
Er behand
delte Petra wie einen
n Engel, und
d anfangs d
dankte
es ihm
m Petra mit ihrer schamlosen Un
nersättlichkkeit. Raoull war
zartfüh
hlend, wie zu einer zeerbrechlich
hen Rose, und
u Petra n
nahm
lächeln
nd sein Geld und verggnügte sich
h nächtelang woandeers.
Raoul dachte
d imm
mer an seine gute Erzziehung, und Petra an
Anderee, die nichtt so brav und liebevo
oll waren wie
w Raoul. SSo ging
das üb
ber Monatee und fast zwei
z Jahre. Raoul litt und schrieeb
seiner Petra Gedichte, weill ihm der blöde
b Ernst des Leben
ns
einflüssterte: „Lyrrik kommt bei den Mädelz gut. Und vielleicht ist
sie dir dann treu.“ Das klan
ng einleuch
htend und Raoul
R bescchrieb
in zarten Zeilen seine
s Gefühle und die
e Schönheiit seines Seehnens
- so wie er dachte, dass sein blonder Engel versttehen würrde,
wenn sie
s eines Tages seine Gedichte lesen würd
de, was siee aber
nie gettan hat.
Raoul warr verzweifeelt. Er versttand die Welt
W und diee
Frauen
n nicht meh
hr. In einerr mondhellen Nacht, als sein geeliebter

Seite 55
5
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

Engel, wieder einmal mit seinem Geld und seinem Auto


woanders war, fiel ihm die ältere Frau aus dem Jahr 1968 ein,
die ihm den Zaubersatz ins Ohr geflüstert hatte, und plötzlich
verstand er. Die Liebe seiner Petra galt nicht ihm. Sie war nicht
echt, es war eine gespielt Liebe, und Petras anfängliche
Unersättlichkeit hatte monetäre Gründe, die Raoul auf Dauer
nicht erfüllen konnte. Nach dieser einsamen Nacht voller
Schmerz hatte er begriffen, dass in der Liebe das
Realitätsprinzip ewige Gültigkeit haben wird, und Lust und
Leistung eine innige Beziehung eingehen. Und noch etwas war
ihm aufgefallen: Petra hasste Poposex, und der sensible Raoul
war entliebt.
Dann kamen neunundneunzig Luftballons, und die
Lehren von Marx, Engels und Bakunin, entschliefen sanft im
New-Wave. Eine neue Zeit brach an. Raoul war zum
kapitalistischen Ausbeuter seiner lohnabhängigen Sklaven, in
einem System von Ge- und Verbrauch mutiert. Seine Firma lief
ohne den konstanten Kostenfaktor Petra wieder gut, und
eigentlich hätte er zufrieden sein können, doch um ihn herum
wurde es immer einsamer. Nur noch zu viel Kaffee (schwarz),
Wein beliebiger Färbung und andere alkoholhaltige Getränke
blieben seine ständigen Begleiter. Raoul war inzwischen mit
einer braven Frau gutbürgerlich verheiratet und das was er tat,
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war frei von jeder Sünde. Zwar war er ihr zwei endlos lange

Seite 56
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

Jahre treu
t gewessen, aber danach
d kon
nnte allem widerstehen,
nur niccht der Verrsuchung.7 Wenn er im
i Federbeett lag, und
d mit
offeneen Augen seeinen Träu
umen nachhing, kam ihm die Stimme
der ältteren Frau aus dem Jaahr 1968 in
n den Sinn. Die Teufeelin
flüsterrte ihm mitt verführerrischer Stim
mme ins Oh
hr „Sag geile Sau
zu mir …“, und Raouls Frau schlief braav neben ih
hm.
Eines Tagees, es war im
i Oktober im Jahr 1983
1 geschah
etwas,, was sein Leben
L veräändern sollte. Seine harmlosen
h One-
Night-Liebeleien,, seine Ehee, die vergaangenen Lieben wareen nur
noch dünner
d Ersaatzkaffee in einem gleichförmigg verlaufen
nden
Leben.. Das Irrealle war die Zeit
Z seinerr revolution
nären
Vergan
ngenheit, der
d er nichtt mehr hinterher lauffen durfte..
Raoul, derr revolution
näre Alt-68
8er brauch
hte die hartte
Droge im Hier un
nd Jetzt. Leeibhaftig saah er das, was
w er scho
on
immerr gesucht und
u was ihm
m wie die Luft
L zum Atmen
A gefeehlt
hatte. Es war dass perfekte Zusammen
nspiel von Bewegungg und
hung – die reine
Bezieh r Manifestation der
d Schönh
heit in ihreer
n Form.8 Groß, schön
idealen n und mit einem
e ästhetisch
proporrtionierten
n Körper staand sie vorr ihm – ein
n Wesen, w
wie aus
einer anderen
a W
Welt. Eine makellosen
m Herrscherrin, die in seiner
Phantaasie schon lange vorh
handen waar.

7
Zitat von Prof. Dr. Fritz Kn
nobel
8
Zitat frei nach Herbert Maarcuse. Aus „Triebstruktur und Ge
esellschaft“ Ausgaabe 1967 Biblioth
hek
Suhrkamp.. Seite 177 (wie bereits
b erwähnt: ISBN
I gab es damaals noch nicht, od
der ich hab die Nummer
nicht gefun
nden)

Seite 57
7
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Ja meine Freunde. Damals war das noch so. Lack, Leder


und Latex waren für den braven Bundesbürger noch Sauereien,
die so weit auseinander waren, wie unser alter Mond von der
höllisch heißen Venus. Madonna, Lady Gaga und die vielen
namelosen One-Hit-Wonder tanzten noch nicht in Straps-
Netzstrümpfen am Korsett auf den Bühnen herum, und sie
vollführten auch noch keine Bewegungen wie drei Jahre in
Einzelhaft gehaltene Nymphomaninnen. Des braven Michaels
Welt in den Vorstädten bewegte sich zwischen Strumpfhosen
und behaarter Muschi-Marianne, und unserem ehemaligen
Revoluzzer Raoul war es nicht anders ergangen.
Plötzlich spürte er einen brutalen Stich in seiner linken
Herzkammer. Sanfte und ausdrucksvolle Augen sahen ihn
unvermittelt an, durch ihn hindurch und nahmen ihn nicht
wahr, denn er saß klein und unbedeutend, tief unter ihr auf
seinem mit rotem Samt bespannten Stuhl. Das eng geschnürte
Leder, oder war es Latex, wir wissen es nicht, glänzte wie mit
nassen Morgentautropfen beschlagen an ihrem Körper. Ihr
sinnlicher Mund verhieß all das, was es im biederen
Alltagsleben eines Veteranen aus der glorreichen 68er Zeit
niemals geben würde, denn Obszönitäten gehören nicht zu
einer klassisch strukturierten Ehe. Sie besaß zweifellos mehr
Esprit als die Standard-Alltagsgebrauchsfrau an der Constructa.
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Staunend nahm er zur Kenntnis, dass sie sich mit einer

Seite 58
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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tiefen kehlig-vibrrierenden Stimme


S ge
ewählt ausd
drücken ko
onnte.
Dazu war
w sie aucch noch intelligent un
nd belesen. Mit einerr
magiscchen Aussttrahlung, unnahbar und unberü
ührbar, wussste
sie wass sie sagte. Jetzt, dich
ht vor ihm und überleebensgroß
ß
beweggte sich diee selbstbew
wusste Frau
u von er im
mmer geträäumt
hatte. Es war diee ultimativee Versöhnu
ung der der Sinnlichkeit mit
ntellekt - eine exklusive Symbio
dem In ose der Lust mit der
nft.9
Vernun
Raouls neue Göttin war
w verwerflich käuflich. Nicht für
jeden Preis - nur für einen exquisiten
e Kreis ausggesuchter
Kenner, die es sicch leisten konnten.
k Auf
A der Kinoleinwand
d
beweggte sich Gudrun Landggrebe als Domina
D in dem
Filmmeelodram „d
die flambieerte Frau“ von
v Robert van Ackeeren.
Nie zuvvor hatte Raoul
R ein Wesen
W in ähnlicher Vo
ollendung
geseheen. Und plö
ötzlich, wiee eine mystische Einggebung, hö
örte er
klar un
nd deutlich
h die rauchige Stimme
e der älteren Frau au
us dem
glorreiichen Jahr 1968, die mit
m heißem
m Atem zu ihm flüsterte:
„Sei au
uthentisch - und bevo
or ich es ve
ergesse - saag geile Sau zu
ihr …“
Tief beweegt ging Rao
oul durch die
d mondh
helle Nachtt,
zurückk in sein Haaus, zurückk zu seiner zweckmäß
ßige Ehe oh
hne
Zweck,, und den ehelichen
e G
Gesetzmäß
ßigkeiten ohne
o Gesettz.
Dieser Film war für
f ihn der Auslöser zum
z Aufbru
uch in einee neue
9
Zitat frei nach Herbert Maarcuse. Aus „Triebstruktur und Ge
esellschaft“ Ausgaabe 1967 Biblioth
hek
Suhrkamp.. Seite 171 unten.

Seite 59
9
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Welt. Walk on the wild side war die Botschaft, und Raoul wollte
in eine andere Welt und nicht zurück zu seiner Allerweltsehe.
Jetzt verstand er, warum sich brave nichtrauchende Ehemänner
aufraffen, zum Zigarettenautomaten gehen und ohne sich
umzusehen, alle Brücken zur alten Welt abbrechen. Solche
Gedanken wollte der verheiratete Raoul in Zukunft beschreiben,
aber immer noch hatte seine Vernunft seinen Drang nach
Freiheit unter selbst erlassenen Gesetzen zu moralischen
Zwecken konditioniert.10
In seinen postkoitalen Tagträumen sah er alles noch
einmal vor sich, als ob es erst gestern gewesen wäre. Siebzehn
Jahr und Stretch-BH (mit Metallbügel und verwirrenden Haken,
was zu einem ersten Tasttrauma geführt hat). Die putzigen
Bärchen auf den hellblauen Frotteeslips unter den
unüberwindbaren Sloggy-Festungen seiner ersten Lieben. Die
Demos auf dem Kurfürstendamm gegen Imperiales und
irgendwas Weltumstürzlerisches. Alles nur noch verklärte
Heldentaten eines schütteren Veteranen im Epizentrum der
Spießigkeit. In seiner Vorstellung mied ihn das wahre Leben, als
ob er Mundfäule hätte. Raoul, der 68er war zu einem Relikt aus
der Vergangenheit geworden. So ähnlich wie wir heute mit
wohligem Gruselschauer Dinosaurier und ähnlich
ausgestorbenes Getier betrachten.
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10
Zitat frei nach Herbert Marcuse. Aus „Triebstruktur und Gesellschaft“ Ausgabe 1967 Bibliothek
Suhrkamp. Seite 172 oben.

Seite 60
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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______

Den größtten Schockk bekam se


eine labile Psyche,
P alss er mit
Freund
den in eineer Szenekneeipe saß und die sehr junge (un
nd
offensichtlich kurzsichtige Biernachsc
B chubverwaalterin) die neben
mir Sittzenden reihum mit einem
e herzzlichen „waas kann ich
h dir
bringen“ und ihn
n mit einem
m kühlen „w
was möchtten Sie trin
nken“
ßte. „Du bist Megaou
begrüß ut“ war die
e unüberhö
örbare Botsschaft
und Jim
m Morrison
n sprach ih
hn direkt und ohne Umschweifee aus
dem Jeenseits an: „This is th
he end, my friend …” und das m
musste
ausgerrechnet deem sensibleen Raoul paassieren. Er
E konnte vvon
sich beehaupten „Ich
„ war daamals dabe
ei“, und on
n the road aagain.
Jimi haatte ihm mit jaulendeen Gitarren
nriffs eine Foxy
F Lady
versprochen, und
d Raoul hatte im Verttrauen auff die
Versprrechungen eine großee Schallplattensamm
mlung der sp
päten
sechzigger, aber auch
a der frü
ühen siebzziger Jahre des letzten
Jahrhu
underts zussammengeetragen. Au
uch seine voluminöse
v e und
von seiner Frau gehasste
g Comicsamm
mlung war beeindruck
b kend,
und die Begriffe „Harley“ und „Easy Rider“
R wareen ihm nicht ganz
fremd..
Raouls Diaagnose war klar und katastroph
hal ernüchtternd:
hts für Feiglinge. Raou
Das Altter ist nich ul litt an einer schweren
Sinnkrise, für jed
den Wissen
nden sofortt erkennbaar. Er war m
mit den
wenigeen noch lebenden 68
8ern aus „M
My Generation“ nach
h einer
viel zu kurzen Zeitreise im mittleren
m Alter
A angekkommen.
Raoul wolllte neue Kraft
K durch Freude un
nd suchte H
Hilfe in

Seite 61
1
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

Büchern. Nächtelang, im Schein einer gelbtrüben Glühbirne las


er alles, was er in gedruckter Form bekommen konnte. Es war
vergeblich. Der einsame Raoul fand nicht den richtigen, seinen
Weg. Was er auch las - in seinen kritischen Augen war es nicht
authentisch. Klassische Liebesromane, beginnend bei der
neugierigen und etwas oberflächlichen Eva, der sehr
nachtragenden Frau Kriemhild, über Anna Karenina bis zum
einfühlsamen Doktor Schiwago konnten ihn, den
Perfektionisten, nicht mit praxisnahen Details überzeugen.
Banale Verrichtungen, wie der korrekte Besuch der Toilette,
oder der fachgerechte Gebrauch und die ökologisch
einwandfreie Entsorgung von zweiflügeligen Slip-Einlagen
waren nirgendwo beschrieben. In seinen fiebrigen
Wachträumen erkannte er, dass es so nicht gewesen sein
konnte. Stundenlange Schlittenfahrten im eisigen, russischen
Winter, mit Reifröcken, Korsetts, Pelzmänteln und dergleichen.
Wurde da etwa zart ans Kutscherfensterchen geklopft:
„Kutscher, halt Er mal an. Wir müssen mal Pipi!“
Raoul, der manisch schreibende Alt-68er, begann
Authentizität in der Zukunft, in fernen Galaxien zu suchen. Aber
er fand nur eine trostlose Illusion von Kunstbrause. Bei genauer
Betrachtung schien ihm Luke Skywalker, erotisch gesehen, ein
ziemlicher Langweiler, oder vom anderen Stern zu sein. Warum
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konnte ihn die leckere Prinzessin nicht aus der Gefühlsreserve

Seite 62
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
________________
______

locken
n? Flog Lukees Großmu
utter mit durch die Universen? Das
konntee kein erstrrebenswerrtes Leben sein, immeer nur durcch
ferne Galaxien
G jeetten, nur um
u sich mit chrombliitzenden
Masch
hinchen oder faltigen Yeti-Ritterrn zu vergn
nügen. Und
d die
Liebe in der Zuku
unft? 2000 Light Yearrs from Hom
me. Mick aaß
einst einen
e Marssriegel aus Marianness Weichteilen und diee
wahre Lust war zusammen
z mit der re
evolutionärren Leidenschaft
vom Winde
W verw
weht.
Auch sein nächtelan
nges herum
mhängen vo
or und in d
der
flimmeernden Lindenstraße führte nurr zu der banalen
Feststeellung, dasss sich gutee und schle
echte Zeiten wie ein
Dauerllutscher un
nd immer gleichschm
g meckend ab
bwechseln.. Die
immerr gleichen sympathisc
s chen Mensschen mit perfekt
p gesstyltem
Dentalllächeln, geesponsert vom
v Zentralverband der
Zahnarrztindustriee, tun Dingge, die so anständig
a s
sind, dass ssie
nicht anständig
a s können.
sein
Dann war da noch das
d luxuriösse Wohnen
n im
großrääumigen Lo
oft? Raoul wusste
w auss eigener Erfahrung,
E dass in
Berlin solche Traumwohnanlagen für Normalverdiener
unerreeichbar, weeil unerschwinglich siind. Und allle Akteuree sind
vorbild
dliche Nich
htraucher mit
m gutbezaahlten Jobss in einer
Moccaakneipe, in der nur Brrausegetränke oder Cappuccino
C o
servierrt werden. Niemand liegt besofffen unter der Theke..

Seite 63
3
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Auch spirituell war keine Hilfe zu erwarten. Wie war die


Kopulationsfrequenz zwischen Adam und Eva? Immerhin, und
das war ihm bald klar, trugen die Beiden die Verantwortung für
die heutige Überbevölkerung und die Verschmutzung dieses
Planeten. Er suchte nach der Wahrheit im voll korrekten
Glauben. Raoul wusste, dass der Herr zuerst sein Machtwort
gesprochen hatte. Danach sollte es heller werden. Oder war es
doch ganz anders? Dann konnte das Wort nicht am Anfang
gestanden haben. Solche Widersprüche in der Heiligen Schrift
ließen ihn verzweifeln. Und was hatte es mit der unbefleckten
Empfängnis auf sich?
Sein revolutionärer Geist begann sie wieder zu regen,
sich zu strecken und zu dehnen. Er ging in große Häuser mit
Türmen und legte vor den Stellvertretern des Göttlichen und
Allwissenden Zeugnis ab. Obwohl unüberhörbar fragend, was
das geschichtliche Gegenteil von „Unbefleckt“ sei, entstanden
keine religiösen Diskussionen über die fachgerechte, also
spirituell legitimierte Form der Befleckung. War „beflecken“ das
verspritzen der Flüssigkeit Sperma auf ein beliebiges Objekt,
zum Beispiel die Bettdecke, die Hauswand oder eine beliebige,
äußere oder innere Körperregion einer Frau oder wem auch
immer. Man verwies ihn ob seines Wissensdurstes des Hauses
und Raoul der 68er fühlte sich noch unverstandener.
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Seite 64
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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Manchmaal verspürtee, der inzw


wischen Vieerzigjährigee, das
Bedürffnis, anderre Menscheen an seine
en Gedankken teilhaben zu
lassen. Aber diesses Vorhaben gestalte
ete sich sch
hwieriger aals
erwarttet. Von seeiner für seine Sorgen
n und Nötee kein
Verständnis aufb
bringenden
n Ehefrau war
w der Rao
oul inzwiscchen
geschieeden. Dageegen hattee er an sich
h nichts ein
nzuwenden
n. Denn
sie hattte sich niee für seine Fragen, un
nd noch weeniger für sseine
literariischen Werke interesssiert. Aberr als sie mit einem
symbo
olischen Sch
hnitt die Häkeltischdecke zerschnitt, die aauf
seinem
m ehemaliggen Tisch im
m Wohnzim
mmer seinees ehemaligen
Hausess lag, traf ihn das sch
hon sehr. Im
mmerhin hatte er diee
Tischdecke von seiner
s Groß
ßmutter ge
eerbt.
Die zwei Schritte
S vom Anarchissten zum Oberlehrer
O r und
zurückk waren nur klein gew
wesen, abe
er frei von Besitz
B und Frau
war err immer no
och rastlos auf der Suche nach dem
d Gerucch der
Authen
ntizität. Au
uf seinen Fo
orschungsreisen durcch die Berliner
Szene stand er vo
or den Abggründen menschlicheer Laster. Er sah
junge Frauen
F mitt bis zum Hals
H hochge
erutschten
n Kleidern iin
Männeerurinale kotzen.
k Und
d er traf Daamen vor denen
d ihn sseine
Großm
mutter imm
mer gewarn
nt hatte, un
nd Frauen die keine w
waren.
Jetzt erst erkannte er die ganze Tragw
weite des Rats
R seinerr
oßen Liebee. Ehrliche und unverrfälschte
ersten, seiner gro
ntizität kan
Authen nn zu einerr unüberwiindlichen Hürde
H werd
den,
wenn es
e ihm nich
ht gelänge,, das zu be
eschreiben,, was die

Seite 65
5
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Stinknormalen zwischen Einbauküchen und geregelten


Mahlzeiten nie zu Gesicht bekommen. Er begann seine
technische Ausrüstung zu perfektionieren. Nächtelang quälte er
sich mit den verschiedensten Personal Computern herum. Er
verbrachte mit blutunterlaufenen Augen Tage und Nächte im
Internet und in dubiosen Chatrooms, nur um mit suchenden
Damen und Herren der verschiedensten Interessensgebiete
selbstlos zu diskutiert. Auch das geschriebene Wort hielt ihn
gefangen. Er gab zu Testzwecken unzählige Kontaktanzeigen in
Tageszeitungen und Szeneblättern auf und antwortete auf viele
Inserate. Immer auf der Suche nach der reine Wahrheit und
purer Authentizität.
Wie ein Besessener schrieb er das auf, was er sah, was er
erlebt hatte, und was ihm mit heißerem Atem ins Ohr geflüstert
wurde. Doch seine flehentlichen Bitten an ihn innig liebende
Freundinnen „mal seine Werke zu lesen“ wurde zu einem
ernüchternden Flop. Die Antworten waren durchgängig: „Ich les
es dann, wenn es fertig ist“, verbunden mit abwehrenden Hand-
und schnellen Fluchtbewegungen. Er bekam viele Ratschläge
von ihm vermeintlich wohl gesonnenen Freunden. Und je mehr
er schrieb, umso mehr Rat bekam er. „Lass das doch, das bringt
doch nichts“, oder „das liest doch keiner“ waren die
Meinungen. Raoul hatte den Rat nicht gefordert, aber er
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zweifelte an seinen Werken. Manchmal dachte er: „Es ist

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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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schwieeriger mit guten


g Ratschlägen fertig zu werrden, als m
mit
einem Buch.“
ngen Marscch durch die Institutionen gestäählte
Der im lan
Raoul wurde
w muttlos. Seine zweitbeste Freundin
n Regina, d
der er
einige Seiten auss seinem neeuesten Werk
W vortru
ug, wollte d
damit
nichts zu tun hab
ben und au
uf keinen Fall erwähn
nt werden. Das
war veerständlich, denn Reggina war se
eriös und hatte einen Job
im Stad
dtrat und Verpflichtu
V ungen in de
er Fraktion
n. Aber wass war
mit seiiner besten
n Freundin
n Viola? Vio
ola hatte nur ihren
nachdeenklich-skeeptischen Gesichtsau
G usdruck derr zwischen „der
hat siee nicht meh
hr alle“, un
nd „der spin
nnt“, nichtts anderes als
nichts Gutes bed
deuten konnte. Der Rest war eissiges Schweigen
ofortige Flu
und so ucht, zurück in den Krreis ihrer scchützendeen
Familiee und ihress fleißig arb
beitenden Werner un
nd Eheman
nns in
Person
nalunion. Zurück
Z blieb ein niede
ergeschlagener und
zweifeelnder Raou
ul. Nur Alicce, eine kurrzzeitige Leebensgefäh
hrtin
konntee er unter Zuhilfenah
Z hme preisgü
ünstig ersttandener Stricke
aus deem Baumarrkt und dem
m Hinweis auf neue sexuelle
s
Erfahru
ungen so anbinden,
a d keine Flucht mö
dass öglich war.
„Schreib so ht, wenn das jemand liest, müsssen wir
s was nich
umzieh
hen“ war ih
hr flehentlicher Rat nach
n einer Stunde
Zwanggsvorlesen der ersten
n Seiten. In einem unb
beaufsichtigten
Momeent konnte sich Alice befreien und fliehen. Er hat siee nie

Seite 67
7
[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
____________________

wieder gesehen, aber die Stricke hatte sie zurückgelassen – die


ehrliche Haut.
„Warum hat mich das Schicksal zum Schreiberling
verdammt? Warum nicht zum Rockstar, oder zum Heiligen?“
waren seine Gedanken, und Raoul war mit seinen Nöten wieder
allein. Nach vielen, langen Jahren hatte Raoul zwar das eine
oder andere erreicht, aber sein künstlerisches Schaffen, sein
tiefstes revolutionäres Sehnen wollte niemand anerkennen.
Immer dann, wenn er dachte, „jetzt ist mein Buch fertig …“
holte ihn die Realität wieder ein. Es war wie ein Fluch. Seine
Großmutter sprach leise zu ihm. Zwar nicht mehr so laut, aber
er hörte noch ihre Stimme „… behandle Frauen wie Engel. Sei
immer zartfühlend wie zu einer zerbrechlichen Rose und vergiss
nie deine gute Erziehung. Und vor allem – keine schmutzigen
Worte!“ Raoul befolgte ihren Rat, denn so hatte er es gelernt.
Jahre gingen ins Land und der inzwischen ältere und
abgeklärte Raoul hatte, nicht nur wegen seiner sensitiven
Fähigkeiten und seinen Kenntnissen des Zwischenmenschlichen,
eine kleine Gruppe Frauen um sich geschart, die regelmäßig den
weisen Worten aus seinem Mund lauschen wollten. Eines Tages
kam eine ihm bis dahin unbekannte Frau hinzu. Und als sie
alleine waren, zündete sie sich langsam eine Zigarette an, und
sah ihn lächelnd, mit blitzenden tiefblaugrauen Augen an. Dann
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setzte sie sich langsam auf sein Gesicht und sagte: „Mach die

Seite 68
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[Aus meiner Kurzgeschicht


K tensammlung]
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Augen auf“. Am nächsten


n M
Morgen flü
üsterte er ih
hr leise inss Ohr:
„Schattz du hast einen
e geileen Arsch“, und
u sie flüssterte heisser
zurückk: „Sag geilee Sau zu mir“.
m Er spürte wie ihrr Herz schlu
ug und
das leichte Zitterrn, das ihreen Körper durchlief,
d k
kam ihm beekannt
vor. Daa wusste der Schreiberling, dass er angekommen waar. Er
hatte nach
n langeen Jahren der
d Suche, endlich wieeder eine gganz
besond
dere Frau gefunden.
g e den Zaubersatz, sie
Sie kannte
gehörtte zu den Eingeweiht
E en und sie wollte ein
n Stück sein
nes
Lebenssweges mitt ihm geheen. Jetzt schien ihm die
d Zeit
gekom
mmen, ihr ein
e streng gehütetes
g Geheimniss zu verrateen. Er
erzähltte ihr von seinen
s Schreibversucchen, und er
e sah das
Leuchtten in ihren
n Augen. Es war die erste
e Frau die
d von ganzem
Herzen
n und aufriichtig neuggierig war. Er las ihr in
n vielen Näächten
viele Seiten aus seinen
s Werken vor, und
u sie hingg an seinen
n
n und lauscchte andächtig, und es
Lippen e tat ihm und
u seiner
gequällten Schreiiberseele gut.
g Zum Scchluss fragtte er sie, w
was sie
von ein
nem guten
n Buch erw
warten würd
de, und siee sagte: „Ess muss
z lesen seein. Es solltte Sex, Horror und Lieebe enthalten.
leicht zu
Am Ende muss es ein Happ
py-End geben, und deer Autor so
ollte
das Deenken überrnommen haben.
h Und bevor ich
h es vergessse, du
musst Emotionen
n auslösen. Nur wenn
n sie dich beschimpfe
b en bist
du wirklich gut.“
m er sich zu Herzen, und er schw
Das nahm wor, Rat nu
ur noch
nem kleineen Kreis deer klügsten Frauen un
von ein nd Männer

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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anzunehmen. Und nur diesen besonderen Menschen wollte er


gestatten, ihm die Wahrheit zu sagen. Er wollte auch keinen Rat
mehr, den er nicht ausdrücklich eingefordert hatte. Und wenn
er eine Meinung hören wollte, dann nur zu Dingen, nach denen
er gefragt hatte. Er musste auf seinem Weg bleiben, auch wenn
ihm manche Schmeichler das Gefühl gaben, er würde nur für sie
schreiben. Und es machte ihn wütend, wenn ihm Antworten
vorenthalten wurden.
Er sprach viel mit seiner neuen Liebe, und er hörte auch
genau auf das was sie sagte, und was sie nicht aussprach. Erst
dann traf er seine Entscheidungen. Raoul war endlich auf dem
richtigen Weg, und er dachte an den Rat der Frau aus seinen
Jugendjahren. Jetzt erst verstand er, warum Michelangelo, als
er den Auftrag eines Papstes zur Ausschmückung der Sixtinische
Kapelle erhalten hatte, jeden Besucher, den Auftraggeber
eingeschlossen, vor Fertigstellung mit einem knorrigen
Eichenknüppel zum sprichwörtlichen Teufel gejagt hatte. Und
heute, wenn eine seiner Leserinnen, oder einer seiner Leser das
Bedürfnis hatte, ihn als Chauvi-Sau zu beschimpfen, dann freut
er sich. Und wenn der eine oder andere Leser die Lust verspürt,
sein Geschriebenes mit abfälligen Worten zu verreißen, dann
weiß er genau, er hat den Zentralnerv in der braven Seele
getroffen. Es macht ihm nichts mehr aus, von wilden Tieren
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zerfleischt zu werden, er hat keine Empfindungen mehr, er

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hörte nicht
n mehrr auf den Rat,
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meintlich wohl
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Gesonnener. Er gibt
g seinen
n empörten
n Lesern so
ogar einen
ollen Rat mit
liebevo m auf den Weg: „Gib
b mir einen
n beliebigeen
Tiernamen, spricch ihn mehrere Male laut aus, aber
a dann, du
machst es ja doch, lies weitter.“
Der alte 68er
6 ließ sicch nicht me
ehr beirren
n. Er ging ggerade
ufrecht sein
und au nen, den riichtigen Weg.
W Er verb
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mehr, er sprach das
d aus, was er dachtte und er schrieb
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nau
o wie er es beobachteet und erle
das, so ebt hatte. Er
E schwor ssich:
Nie wieder wollte er erlebeen, dass ein
ne Frau vor Lachen aus
dem Bett fällt. Und mit derr Zeit sagte
e man ihm nach, dasss er
sehr viiel Gefühl im
i Stift hab
be. Denn nur
n seine Erinnerungeen
brachtten ihm diee glorreichee Vergange
enheit zurü
ück.
Hin und wieder,
w er isst immer noch
n auf deer Suche naach
dem Geruch
G der Authentiziität, trifft er
e die eine oder andeere,
etwas ältere und
d erfahrenee Frau, die den Zaubeersatz kenn
nt. Und
wenn sie
s ihm ateemlos ins Ohr
O flüstertt: „Sag geile Sau zu m
mir“,
dann küsst
k er siee liebevoll auf
a den Haals und flüsstert zurückk:
„Schattz, du hast geile Titten“ und er denkt,
d aber nur für siich:
„Geile Hängetitteen“. Denn dass was tief
t in seineer Seele
verborrgen ist, traaut er sich immer nocch nicht zu
u sagen.
Nur eines ist schadee, seine Gro
oßmutter spricht
s nich
ht
mehr mit
m ihm. Ob sie ihren Frieden ge
efunden haat, oder ob
b sie in
der Hö
ölle schmolllt?

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung]
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Nachsätze

Verehrte Leserin, lieber Freund. Was ich hier, auf diesen


wenigen Seiten geschrieben habe, stammt aus meiner privaten
Schreib-Werkstatt. Ich habe es mir in langen, einsamen Nächten, im
Schein einer Glühlampe, oft frierend, hungrig und durstig,
ausgedacht.
Vielleicht denkst du: „Das ist doch alles dummes Zeug. Das
stimmt doch nicht. Das kann doch niemals so geschehen sein, was
der da geschrieben hat ...“
Du hast recht, es stimmt nicht und es kann nicht stimmen.
Obwohl, manches ist tatsächlich so geschehen. Darum schüttle nicht
gleich mit dem Kopf, wenn es bei dir ein bisschen anders ist. Oft ist
das ist nur eine Laune des Zufalls. Wenn du aber sagst: „Das ist es.
Das muss ich Werner (oder wem auch immer) schicken, dem
Blödmann!“ dann fühle ich mich reichlich belohnt ...
Übrigens: Falls du es noch nicht bemerkt hast, das Zitat ist frei
nach Kurt Tucholksky

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R
Raoul Yanniik

Geboren im
m Oktober 1950
1 in der damals besschaulichen
n,
schwäb
bischen Kleiinstadt Sind
delfingen. Nach Abitur und Ausbild
dung
ngeres, aus heutiger Sicht ziemlich
schlosss sich ein län h nutzloses
Studium
m in Berlin an.
a Heute, nach
n einer kurzen
k Ehe und andereen
Missgeschicken lebe ich aus Lebens-
L und
d Liebesgrün
nden in Essen. Ich
schreib
be Essays, Kurzgeschich
hten und Ro
omane überr die Abgrün
nde der
Seele, über
ü die Irrw
wege der Liiebe, über das
d was sein
n könnte un
nd was
ist.
Meine Schrreib-Werkstatt: www.rao
oulyannik.de
Meine Web
b-Tagebücher für Kommentare
K und Tipps: http://raaoulyannik.blogspot.com/
und http://raaoulyannik.wordpress.com/
Hier gibt ess noch mehr von mir:
m http://w
www.scribd.com/people/documentss/12496102-raoul--yannik
Kontakt und Fragen an mich: kontakt@
@raoulyannik.de
Tweet mich
h: http://tw
witter.com/RaoulYYannik

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