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MJB Mission News ISSN 1999-8414

Studenten-Proteste in Deutschland: Ausschreitungen beim Bildungsstreik

Hochschul-politischer Sprecher hat Verständnis für Schüler und Studenten -


„Studenten und Schüler sollten ihre Ziele nicht durch gewalttätige Übergriffe
gefährden“ - Kritik am Bildungs- und Hochschul-System ist berechtigt

Von Andreas Klamm

Berlin. 18. Juni 2009. Nach Angaben der Veranstalter befinden sich in dieser Woche
(15. bis 19. Juni 2009) bis zu 100.000 Studenten und Schüler in ganz Deutschland im
Bildungs-Streik.

Am 17. Juni 2009, dem Tag der früher als „Tag der deutschen Einheit“ gefeiert wurde,
soll es in mehreren Bundesländern zu gewalttätigen Ausschreitungen im Rahmen des
Bildungs-Streiks gekommen sein. Der hochschul-politsche Sprecher der FDP-
Bundestags-Fraktion, Uwe Barth kritisierte die Übergriffe der Gewalt: „Die FDP hatte
das grundsätzliche Bestreben des Bildungs-Streiks, eine Verbesserung der Rahmen--
Bedingungen an Schulen und Hochschulen herbeizuführen, begrüßt. Viele der Kritik-
Punkte geraten aber durch Gewalt in Misskredit. Niemand kann erwarten, dass er als
ernsthafter Gesprächs-Partner in Betracht kommt, wenn er zu Mitteln wie
Hausfriedensbruch oder Sachbeschädigung greift. Kritik am Bildungs- oder
Hochschulsystem ist berechtigt und legitim. Schüler und Studierende erreichen ihr
Ziel aber nicht, wenn der Bildungsstreik durch anarchistische Gewalt missbraucht
wird.“

In mehreren Städten kam es am 17. Juni bei Demonstrationen von Schülern, Studenten und
Menschen in Deutschland zu Zwischenfällen. In Mainz wurde das Abgeordnetenhaus des rheinland-
pfälzischen Landtags gestürmt und erhebliche Schäden angerichtet. Dabei wurde auch eine
Ausstellung zur Wende in der DDR beschädigt.

Das könne keiner rechtfertigen und kein Mensch könne dafür Verständnis haben, kritisierte der
FDP-Politiker.

Die pauschale Kritik an der Aktions-Woche durch Bundesbildungs-Ministerin Annette Schavan ist
allerdings wenig hilfreich.

Uwe Barth ergänzte: „Ich habe Verständnis, dass junge Menschen für bessere Bildung eintreten,
auch wenn ich zahlreiche Forderungen des Bildungsstreiks nicht unterstütze. Ich erwarte im
Gegenzug aber auch von den Organisatoren, sich sehr kritisch mit der Durchführung der

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Aktionswoche auseinander zusetzen. Die Liste der unterstützenden Organisationen ist nämlich
lang und zum Teil erschreckend. Ich bin mir sicher, dass zahlreiche Ausschreitungen von
gewaltbereiten Organisationen gewollt waren. Damit läuft das eigentliche Ziel der Aktionswoche
völlig ins Leere. Die Organisatoren müssen sich dies vorhalten lassen.“

Die Schüler und Studenten beklagen: „Die derzeitigen Zustände und Entwicklungen im
Bildungssystem sind nicht weiter hinnehmbar! Weltweit sind Umstrukturierungen aller
Lebensbereiche nicht mehr Gemeinwohl-orientiert, sondern den so genannten Gesetzen des
Marktes unterworfen. Seit ein paar Jahren ist auch das Bildungs-System in den Fokus solcher
“Reformen” geraten: Bildungs-Gebühren und die Privatisierung treffen uns alle!
Die Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt deutlich, dass die Auswirkungen wettbewerbsorientierter
Entscheidungs-Kriterien verheerend sind. In vielen Ländern protestieren Menschen dagegen, so
beispielsweise. in Mexiko, Spanien, Italien, Frankreich und Griechenland. In diesem internationalen
Zusammenhang steht der Bildungsstreik 2009.“

Der anhaltende Protest gegen Studien-Gebühren und Sozial-Abbau in den letzten Jahren habe bei
den Verantwortlichen in Medien, Wirtschaft und Politik zu wenig Wirkung gezeigt. Deswegen riefen
die Studenten in Deutschland dazu auf, demokratischen Rechte in Form eines bundesweiten
Bildungs-Streiks wahrzunehmen.

Im Bildungs-Streik werden pluralistische Aktionsformen, gemeint sind Demonstrationen, Blockaden,


Besetzungen stattfinden. Während einer bundesweiten Aktionswoche vom 15. Juni bis 19. Juni 2009
werden die Schülerinnen und Schülern im gesamten Bundesgebiet demonstrieren.

Die Schüler und Studenten suchen das Bündnis mit vielen gesellschaftlichen Gruppen, wie
Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, die ausdrücklich eingeladen sind, im Bildungs-Streik zu
protestieren, denn man sei überall mit der gleichen Politik konfrontiert: An der Hochschule, in den
Schulen und im Betrieb.
Ziel des Bildungsstreiks ist es, eine Diskussion zur Zukunft des Bildungs-Systems anzuregen. Des
weiteren sollen Möglichkeiten einer fortschrittlichen und emanzipatorischen Bildungs- und
Gesellschaft-Politk aufgezeigt und durchgesetzt werden. Dem Einfluss der maßgeblichen politischen
und ökonomischen Interessen im Bildungsbereich wollen die Schüler und Studenten Alternativen
entgegen setzen.

Die Schüler und Studenten setzen sich unter anderem für folgende Ziele ein: Selbstbestimmtes

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Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungsdruck und Konkurrenzdruck.

Einen freier Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungs-Gebühren wie Studien-
Gebühren, Ausbildungs-Gebühren und Kita-Gebühren, die öffentliche Finanzierung des
Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft unter anderem auf Lehrinhalte, Studien-
Strukturen und Stellenvergabe und Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung
in allen Bildungseinrichtungen.
Schüler und Studenten beklagen zudem die massiven und Gewalt-erfüllen Einsätze der Polizei
gegen Schüler und Studenten in mehreren Städten in Deutschland.

Weitere und ausführliche Informationen zum bundesweiten Bildungs-Streik der Schüler und
Studenten in Deutschland sind bei www.bildungsstreik.net zu finden.

Am 17. Juni 1953 wurden bei Aufständen gegen das totalitäre Regime in der Deutschen
Demokratischen Republik (DDR) mehr als 100 Menschen durch Polizei und das Militär getötet.
Rund 6.000 Menschen wurden verhaftet. Der Tag ging als Arbeiter-Aufstand oder als als Volks-
Aufstand bezeichnet, in die Geschichte von Deutschland ein. Die Proteste im Jahr 1953 wurden
von Schülern, Studenten und auch mehreren christlichen Gruppen unterstützt. Bereits damals
wollten sich eine Vielzahl von Menschen gegen eine massive staatliche Repression (Unterdrückung)
wehren. Im Osten Deutschlands wurde das Kriegsrecht ausgerufen und der Aufstand der
Studenten, Menschen, Arbeitern und Bürger mit zum Teil brutalster militärischer Gewalt
niedergeschlagen.

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