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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]

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Für

Petra

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Inhalt
Vor-Sätze

Erstes Kapitel Ursache, Plan und Wirkung

Zweites Kapitel Nonnenkleid und Bar Bizarr

Drittes Kapitel Strumpfhosen und Natursekt

Viertes Kapitel Fütterungszeiten

Fünftes Kapitel Konsequente Anleitung in zehn Schritten

Zitate, Quellen, Namen und weiterführende

Informationen

In eigener Sache

Nachsätze

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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Vor-Sätze

D
er Beruf der Domina ist mit vielen Klischees behaftet. Die
Peitsche schwingend und sündig bestrapst gibt sie sich
vorzugsweise sehr zahlungskräftigen Männern hin, die
nur um der Strenge willen ihren Obolus entrichten. Das Märchen vom
leichten Nebenher-Verdienst wird gern geglaubt und lässt die brave
Hausfrau wohlig erschauern. Dominanz und Unterwerfung,
Disziplinierung und Gehorsam sind Begriffe, die anziehen,
abschrecken und polarisieren.
Wenn es im Ehebett nicht mehr so recht klappt, dann werden
im Sexshop eine Spielzeuggerte, und vielleicht auch kunstfellbesetzte
Handschellenimitate erworben. Das Spiel von Dominanz und
Unterwerfung soll beginnen, und scheitert zu oft kläglich. Dominanz
und Unterwerfung ist ein Spiel, das mit den Sinnen gespielt wird.
Nicht jede Frau in Lack, Latex oder Leder ist eine Domina und die oft
leichtfertig zitierte Naturdominanz kein Ersatz für fehlende
Kenntnisse. Auch „Tabulosigkeit“ und „Hingabe“ reichen nicht aus,
um als Sklavin oder Zofe durchzugehen.
Oft steht der Gedanke ans schnelle Geldverdienen im
Vordergrund der Motivation. Frauen bieten Praktiken an, deren
psychologische Bedeutung sie nicht kennen. Gute Ausbildung ist in
dieser Branche Mangelware. Oft vergessen wird, dass nur das
Vertrauen der Stammgäste das Fundament des beruflichen Erfolgs
ist.

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Erstes Kapitel
Ursache, Plan und Wirkung

„Wer es für schimpflich hält, Frauen zu dienen, der erkenne mich


schuldig! Schmach ertrage ich gern, wenn Venus mich nur langsam
quält, wenn meine Herrin schön ist. Du, Herrin nimm mich also auf,
ich nehme alle Bedingungen an. Die Bettgesetze diktiere du!
Spotte meiner, und du wirst über mich herrschen!“
Ovid

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I
ch hatte schon mehrere Wochen nichts mehr von Viola gehört.
Sie hat mir irgendwie und doch nicht so wirklich gefehlt, denn
ich war in monetären Angelegenheiten anderweitig
beschäftigt. Um zwölf Uhr am frühen Mittag bekam ich ganz
überraschend ihren telefonischen Anruf. Meine beste Freundin
wollte etwas Wichtiges mit mir besprechen, aber ganz entgegen ihrer
Gewohnheit war sie am Telefon sehr einsilbig, und wie ich aus dem
Zusammenspiel von Stimmlage und kleinen Schluchzern
interpretieren konnte, auch seelisch etwas niedergeschlagen.
Echte Freunde helfen selbstlos, und wenn etwas getan
werden muss, dann muss es nun mal getan werden. Wir
verabredeten uns kurz und bündig im Bellini, unserem Stammlokal,
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und fröhlich gestimmt begab ich mich auf den Weg. Viola wartete
schon ungeduldig auf mich, was äußerst ungewöhnlich war, denn

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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Viola ist chronisch unpünktlich. Ich saß noch nicht, genauer gesagt,
mein Gesäß hatte noch nicht die Sitzfläche des Stuhls berührt, da
brachte mir der Kellner ein von Viola geordertes Getränk. Über diese
großzügige Geste erfreut nahm ich an, dass Viola auch beabsichtigte,
die Rechnung zu bezahlen. Vielversprechend klirrten die Eiswürfel im
hohen Glas, und noch sah ich den Zusammenhang der Zeichen nicht.
Viola sagte nichts und saugte dafür etwas zu geräuschvoll, ich musste
unwillkürlich an eine verdurstende Kuh vor der Notschlachtung
denken, nervös an ihrem grünen Happy-Hour-mit-buntem-
Schirmchen-Cocktail. Ihre sorgfältig und dunkelrot geschminkten
Lippen zitterten leicht, fast unmerklich. Selbst im halbdunklen
Ambiente der Bar waren die Tatsachen des Tages nicht zu übersehen.
Meine schöne Freundin Viola sah entgegen ihrer üblicherweise
perfekt durchgestylten Optik schlecht aus. Die Handbewegungen
waren fahrig. Sie knibbelte mit dem Daumen ihrer linken Hand am
kleinen Finger derselben. Ich sah zarte Hautfaltenkränzchen unter
und neben ihren Augen, die mir bis dahin nicht aufgefallen waren,
denn Viola ist seit mindestens fünf Jahren, wenn nicht sogar seit
sieben Jahren Dreißig, also nimmer noch im besten Frauenalter. Dazu
kamen halb fünf angerauchte und offensichtlich nervös ausgedrückte
Zigaretten im PERNOD-Aschenbecher auf dem runden Bistrotisch, die
mir eine eigenartige, sogar ungelöste Spannung signalisierten. Viola
war offensichtlich sauer, und zwar richtig und nicht auf mich und das
gab mir ein beruhigendes Gefühl.
Heiter nach einem Gesprächsthema suchend, wurde ich von

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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meiner besten Freundin radikal und verbal abgewürgt. Sie fiel mir,
und das hasse ich besonders, ins unausgesprochene Wort. Ich senkte
den Blick aufs Wesentliche und trank, brav ihren Worten lauschend,
aus meinem hohen Glas.
„Manchmal frage ich mich, wie ich mich nur so täuschen
konnte. Am Anfang ist der mir hinterhergelaufen wie ein kleiner
Hund. Er war doch so ganz anders, so liebevoll.“
„Der Depp“ dachte ich als Zusatz und sprach es nicht aus,
denn die Order gebot mir zu schweigen. Außerdem ist Werner mein
bester Kumpel und dazu auch mein Steuerberater in Personalunion.
Dann, nach einer kurzen Pause und einem leisen saugenden
Geräusch an ihrem Strohhalm: „Steuerberater! Ich hätte es mir ja
denken können.“
„Was?“ wollte ich fragen, aber ich unterließ es, denn Violas
Stimme wurde unangenehm lauter, und mit dem besonders
vorwurfsvollen Ton, der jeden mitfühlenden Mann augenblicklich zu
einem verzweifelten Rechtfertigungsversuch treibt, bekam ich volle
Kanne die erste Breitseite vor den Bug: „Warum hast du mich nicht
gewarnt. Du bist doch sein Freund. Du musst doch etwas davon
gewusst haben …“
Das war keine versteckte, sondern eine eindeutige
Schuldzuweisung an den Komplizen, die Sau. Ich, der ich mir als
qualifizierter Kartenleger und Zukunftsdeuter einen guten Ruf
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erworben hatte, musste für mich zugeben, dass ich nichts wusste.
Mit meiner Verantwortung für Violas Zukunft hatte ich eindeutig

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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versagt. Zwar erinnerte ich mich noch vage, dass ich sie vor den
Folgen einer zu schnellen Ehe gewarnt hatte, aber meine ernste
Warnung war mit einem gehechelten „hör nicht auf, mach weiter,
sonst komm ich nicht …“ und in der allgemeinen Vorfreude
untergegangen wie die Titanic nach der Kollision mit ziemlich viel
gefrorenem Wasser.
Eigentlich hatte ich eine ziemlich schlechte Ausgangsposition,
denn alles was ich hätte einwenden können, wäre falsch gewesen.
Mein leiser, mit einem „Aber...“ begonnener Satz wurde nicht
registriert, denn gute Ratschläge geraten schnell in Vergessenheit
und jeder fundierte Einwand wäre nichts anderes als eine schlechte
Entschuldigung aus der Defensive gewesen.
„Warum bin ich nicht aufgewacht, als er mir einen Tag vor
dem Standesamt den beschissenen Ehevertrag hingelegt hat. Zu
unserer Sicherheit hat er gesagt. Denn er ist ja Selbstständig hat er
gesagt. Und mir soll nichts passieren, falls die Geschäfte mal nicht so
laufen. Das ich nicht lache!“
Ein kurzes, hastiges Ziehen an ihrer Filterzigarette unterbrach
den vorwurfsvollen Monolog. Plötzlich erschien mir der Tag grau und
deprimierend. Ich fühlte mich beschissen, ganz so als ob ich die
Mitschuld an der prekären Ehesituation meiner Freundin Viola tragen
müsste, und ich wusste immer noch nicht, was geschehen war, denn
Viola ist zwar sehr redegewandt, aber eine schlechte Zuhörerin und
manchmal auch keiner logisch aufgebauten Rede fähig.
„Ja klar, ich war schon irgendwie beeindruckt. Das große Haus

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und so. Irgendwie tat er mir auch leid. Die ganzen Geschichten von
seiner Ex, die ihn nur ausgenützt hat. Er war so sanft und einfühlsam.
Warum bin ich nicht aufgewacht, als er mir die teure Uhr von seiner
Ex erst zur Hochzeit geschenkt und einen Tag danach wieder
weggeschlossen hat, kannst du mir das sagen?“
Natürlich hätte ich das kurz und knapp sagen können, aber ich
schwieg besser. Bei genauer Beachtung der Umstände hätte ich mich
auch nicht anders verhalten. Frauen und feinmechanische
Präzisionsgeräte sind eine Sache für sich, und zum Abwasch trägt
verheiratete Frau schon aus stilistischen Investitionsgründen keine
Cartier.
„Angeblich damit sie nicht gestohlen wird. Jetzt lauf ich mit so
einer blöden Swatch rum. Ein richtiger Erbsenzähler. Ich hab eine
Scheißwut im Bauch!“
Ich war zwar ziemlich betroffen. Nicht wegen der Uhr und
nicht wegen dem Verhalten von Werner. Die Uhr an Violas
Handgelenk fand ich eigentlich sehr hübsch. Mehr konnte man für
knapp unter fünfzig Euro nicht erwarten und Gutes (die teure Uhr)
gehört nun mal sorgfältig weggeschlossen.
Ich war betroffen, und die Frage war immer noch nicht
geklärt, warum Viola wegen einer Uhr am Arm so mitgenommen
aussah. Intuitiv spürte ich, dass da noch was war. Etwas gut
verstecktes, etwas was man nur einem guten, und zwar nur dem
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allerbesten Freund erzählen konnte. Die stramm geschnürte Uhr an


Violas Handgelenk war nur das Ablenkungsgambit.

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„Schätzchen (meine übliche Frauenallroundansprache um


eventuelle Verwechslungen auszuschließen) du hast natürlich recht.
Das mit der Uhr ist von Werner nicht besonders großzügig. Vergiss es
einfach. Er ist doch eigentlich ein anständiger Kerl.“
Ein kleiner Schluck Cappuccino, frisch gezapft und vom
pomadierten Italiener geliefert, unterbrach mein scheinheiliges
Mitfühlen. Ungefragt und darum auch noch nicht beantwortet spürte
ich, dass Viola noch etwas anderes auf dem Herzen hatte.
„Sag mal, ist da noch was anderes passiert? Ich spür doch,
dich bedrückt noch irgendwas?“
Es war die befreiende Frage und jetzt platze es aus ihrem
schönen Mund heraus. Sie musste es einfach jemandem erzählen.
Jemand dem sie vertraut, den sie liebt und den sie verehrt. Ihrem
besten Freund Raoul.
„Die Sau geht regelmäßig zu einer Domina und macht ihr
teure Geschenke.“
Es war klar und unmissverständlich gesagt, und symbolisch lag
das Geheimnis unverhüllt auf dem Bistrotisch. Ich musste zugeben,
einen kurzen Moment war ich irritiert. Viola hatte etwas zu laut und
etwas zu hysterisch gesprochen. Die anderen Gäste sahen neugierig
auf ein Sensatiönchen hoffend zu uns her. Nicht das mich das gestört
hätte, denn aus Andeutungen ahnte ich schon längere Zeit, dass
Werner mit Chantal liiert ist, die zusammen mit Fabienne, Violas
bester Freundin und gleichzeitig meine Ex-Affäre, einen kleinen
Swinger-Club mit separatem Studio-Bizarr betreibt. Allerdings muss

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ich zugeben, dass ich das von Werner am allerwenigsten erwartet


hätte. Werner der sanfte, der gut verdienende Unternehmer, der
knallhart rechnende Steuerberater der jeden Cent vor dem Ausgeben
dreimal auf Kosten und zu erwartendem Nutzen prüft. Der sensible,
der gute Werner, mein Freund und bester Kumpel unterwirft sich
einer Domina und macht ihr teure Geschenke. Irgendwie fand ich das
beeindruckend und gleichzeitig keimte tief in meinem Innern so
etwas wie ein bewunderndes Neidchen auf, und ich dachte daran,
dass ich mal wieder mit Fabienne telefonieren sollte.
„Ich weiß nicht was ich tun soll? Ich weiß nicht wie ich damit
umgehen soll. Kannst du mir helfen“
So konnte ich sie gut leiden. Viola, meine beste Freundin hatte
Kummer und sie kam de- und reumütig mit ihren Sorgen zu mir.
„Schätzchen bleib ganz ruhig und mach dir keine Sorgen, du
musst doch nicht damit umgehen, es wird doch mit dir getan“ war
meine diplomatische Antwort.
Natürlich sagte ich ihr nicht, dass ich Werner irgendwie
verstehen konnte. Tief in der Seele, gut versteckt und nur für wenige
Menschen zugänglich lauern nun mal die wahren Sehnsüchte. Und
die erzählt man nicht der Ehefrau, auch nicht dem sich für die Familie
abrackernden Ehemann, sondern allenfalls und nur unter ganz
bestimmten Voraussetzungen der Geliebten, auch wenn sie nicht
geliebt, sondern allenfalls genutzt wird. Umgekehrt und wenn eine
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Frau eine Affäre kultiviert, muss der Mann draufkommen, was Frau
sich ganz insgeheim wünscht. Das erinnerte mich, dass auch ich gut

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verborgene Lüste habe, von denen niemand etwas weiß. Verlassen


wir nun für einige Minuten meine empörte Freundin Viola, denn eine
meiner Leidenschaften möchte ich dir erzählen, aber bitte behalte
das Geheimnis für dich.

Als Heranwachsender, so mit zehn oder elf Jahren hatte ich


ein mein Leben prägendes Schlüsselerlebnis. Es war nicht die übliche
jugendliche Erregung für Fußball oder die Mitgliedschaft im Verein
christlicher junger Männer. Für das Erstere war ich zu unsportlich,
andrerseits habe ich seit frühester Kindheit eine nachkriegsgeprägte
Abneigung gegen Koppelschlösser, Uniformhemden und jede Form
von Lagerfeuerromantik. Mich, den pubertierenden Jungen hatten
mehr die geistigen und feinstofflichen Dinge begeistert. Meine
Obsession konzentrierte sich damals auf gehobene Literatur der
Buchgattung Science Fiction. Bücher über die Welt von Übermorgen
hatten es mir besonders angetan und ich muss zugeben, auch bis
heute inspiriert. Ich kann sogar behaupten, dass Buck Rogers, Tailspin
Tommy und die intergalaktischen Reisen von Flash Gordon (die
älteren, männlichen Leser wissen wen ich meine) meinen Lebensweg
wesentlich mitgeprägt haben. Daran kannst du erkennen, dass mein
Forscherdrang auch schon in jungen Jahren unergründlich war. Der
heimliche Blick in die Zukunft erschien mir spannend und auch
verheißungsvoll. Zum einen wusste ich als neugieriger und darum
auch phantasievoller Mensch, sowohl körperliche, als auch geistige
Qualitäten zu verbinden. Andrerseits empfand ich den Gang in die

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öffentliche Leihbücherei zu der blonden Bibliothekarin mit dem


Pferdeschwanz (ein in den sechziger Jahren gebräuchlicher Ausdruck
für eine sportliche Damenfrisur) als mystische Kulthandlung, denn ich
war nicht nur literarisch interessiert, sondern hauptsächlich
unsterblich, aber zu meinem damaligen, und auch heutigen Kummer
unerreichbar (ich war zu jung, sie zu alt) in die unnahbare Dame
verliebt.
Der Leihbestand der von mir bevorzugten Buchgattung in der
besagten öffentlichen Bibliothek bestand aus vier ziemlich
abgegriffenen Büchern mit aufgeklebtem, glatt- und glänzendem
Plastik-Schutzeinband. Es war natürlich purer Zufall, dass die vier
Science Fiction Bücher im ersten Bücherregal (vorne rechts) ganz
unten und genau gegenüber vom Schreibtisch der besagten
Bibliothekarin standen.
Geprägt durch ein konservatives Elternhaus konnte ich damals
noch nicht das ausdrücken was ich, der schwäbische Jungmann tief in
meinem Innern empfand. Heute und nach Jahrzehnten des Suchens
weiß ich es. „Lass mich knien, lass mich schauen, lass mich sterben,
lass mich leben“, waren meine mannwerdenden, aber
fragmentierten Gedanken. Oft verbrachte ich ganze Nachmittage
damit, in kurzen Lederhosen und mit gesenktem Kopf kniend, den
weichen Plastikeinband der Bücher zu fühlen, während die
Bibliothekarin mit prüfendem, aber gelangweilten Blick aus ihren
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Augenwinkeln, mich nicht beachtete, um manchmal, wenn ich


vielleicht zu laut blätterte, fast unmerklich die sorgfältig zu schmalen

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Strichen ausrasierten Augenbrauen zu heben. Mit ganzen Herzen


sehnte ich mich danach, dass diese mystische Stille in der
Leihbibliothek durch ein leises, kaum hörbares Geräusch
unterbrochen würde. Manchmal habe ich es gehört, das leise, fast
raschelnde Geräusch das nur dann entsteht, wenn Nylon an Nylon
gerieben wird - wenn sie die Stellung ihrer Beine veränderte, oder
sogar, was nur sehr selten geschah, die Beine übereinander schlug.
Due siehst, ich kann mitreden. Denn ich habe eine wichtige
Lektion fürs spätere Leben gelernt. Sie lautet: Willst du etwas
Extravagantes erleben, musst du bezahlen.“
Damals habe ich nach langen und sorgfältigen Prüfungen und
in wechselndem Rhythmus eines der Bücher ausgeliehen. Ich habe
meinen Obolus bezahlt und nachts mit fiebrigem Blick unter der
Bettdecke, im Schein einer funzeligen Taschenlampe zu lesen und am
nächsten Tag mit hochrotem Kopf und stotternd zurückzubringen.
Jedes dieser vier Bücher habe ich mindestens zwanzigmal
ausgeliehen und nicht nur die Einbände, sondern auch der Geruch
und jede Zeile ist mir auch heute noch gut in Erinnerung. Ich konnte
aber nicht heraus bekommen, ob mich die blonde Bibliothekarin
jemals so bemerkt hatte, wie ich es gerne gehabt hätte. Dazu war sie
als Aufseherin über die stramm stehenden und akkurat sortierten
Bücher zu beschäftigt.
Nur ein einziges Mal durfte ich mich mit ihr ausführlich
unterhalten. Genauer gesagt, sie hat mich angesprochen und ich
habe mit hochrotem Kopf und schweißnassen Händen geschwiegen.

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Vermutlich dachte sie, dass meine Treue belohnt werden müsste.


Exzentrisch wie sie nun mal war, empfahl sie mir einen Western, und
zwar das Buch „Blonder Panther Rocky“ von Frank Wells aus dem
Paul Feldmann Verlag. Bis heute hüte ich dieses Buch wie einen
kostbaren Schatz, denn ich bin danach nie wieder in die
Leihbibliothek gegangen. Die Leihgebühr von vierzig Pfennigen für
sieben Tage, und die Nachgebühr in Höhe von zwanzig Pfennigen für
je drei Tage bin ich ihr bis heute schuldig geblieben, und dafür
schäme ich mich.
Später, es muss so um das Jahr 1966 gewesen sein, habe ich
sie noch hin und wieder gesehen. Sie war die erste Frau die auf
einem BMW-Kraftrad und in einer grünen Ledermontur durch
Sindelfingen gefahren ist – eine unerreichbare Göttin in eng
sitzendem Leder. Diese Erlebnisse sind mir auch heute noch so in
Erinnerung, als ob sie gestern gewesen wären.

Viele Jahre später, ich war inzwischen gutbürgerlich


verheiratet und frei von jeder Sünde, es waren die späten siebziger
Jahre des letzten Jahrhunderts, habe ich sie wiedergetroffen. In
diesem Moment waren meine harmlosen One-Night-Liebeleien,
meine Ehen, meine vergangenen Lieben nur noch dünner
Ersatzkaffee. Plötzlich wusste ich, was ich schon immer gesucht und
was mir wie die Luft zum Atmen gefehlt hatte. Ich brauchte die harte
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Droge. Das Irreale war meine brave Vergangenheit, der ich nicht
mehr hinterher laufen durfte. Groß, schön und mit einem ästhetisch

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proportionierten Körper stand sie vor mir – ein Wesen nicht von
dieser Welt. Eine makellosen Herrscherin, die in meiner Phantasie
schon lange vorhanden war.
Ja, damals war das noch anders. Lack, Leder und Latex waren
für den braven Bundebürger noch so weit entfernt wie unser alter
Mond von der Venus. Madonna und Britney Spears tanzten noch
nicht in Straps-Netzstrümpfen am Korsett auf den Bühnen herum,
und sie vollführten noch keine Bewegungen wie drei Jahre in
Einzelhaft gehaltene Nymphomaninen. Des braven Michaels Welt in
den Vorstädten bewegte sich zwischen Strumpfhosen und behaarter
Muschi-Marianne.
Plötzlich spürte ich den Stich in meiner linken Herzkammer.
Sanfte und ausdrucksvolle Augen sahen mich an, durch mich
hindurch und nahmen mich nicht wahr, denn ich saß klein und
unbedeutend, tief unter ihr auf meinem mit rotem Samt bespannten
Stuhl. Das eng geschnürte Leder, oder war es Latex, ich weiß es nicht
mehr, glänzte wie mit nassen Morgentautropfen beschlagen an
ihrem Körper. Ihr sinnlicher Mund verhieß all das, was es im biederen
Alltagsleben niemals geben würde, denn Obszönitäten gehören nicht
zu einer klassisch strukturierten Ehe. Staunend nahm ich zur
Kenntnis, dass sie sich mit einer tiefen kehlig-vibrierenden Stimme
gewählt ausdrücken konnte. Sie besaß zweifellos etwas mehr Esprit
als die Standard-Alltagsfrau an der Constructa. Dazu war sie auch
noch intelligent und belesen. Mit einer magischen Ausstrahlung,
unnahbar und unberührbar, wusste sie was sie sagte. Meine neue

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Göttin war käuflich, nicht für jeden Preis und nur für einen exquisiten
Kreis ausgesuchter Kenner, die es sich leisten konnten. Jetzt, dicht
vor mir und überlebensgroß war die selbstbewusste Frau von der ich
immer geträumt hatte. Auf der Kinoleinwand bewegte sich Gudrun
Landgrebe als Domina in dem Filmmelodram „die flambierte Frau“
von Robert van Ackeren. Nie zuvor hatte ich ein vergleichbares
Wesen in ähnlicher Vollendung gesehen. Dieser Film war der
Auslöser zum Aufbruch in eine neue Welt. „Walk on the wild side“
wollte ich. Auf dem Weg in eine irreale Welt, jedenfalls für mich und
nicht zu meiner Allerweltsehe gehörend. Das erste Mal verstand ich,
warum sich brave nichtrauchende Ehemänner sich aufraffen, zum
Zigarettenautomaten gehen, und ohne sich umzusehen alle Brücken
zur alten Welt abbrechen.

Auch mir ist das Klischee von der bestrapsten und


peitscheschwingenden Domina, die exquisite sexuelle Praktiken
anbietet, nicht ganz fremd. Atemberaubend hohe High-Heels und
mattglänzende Handschellen sind die verbotenen Zutaten des
Spießertraums von der gleißend, schwarzledern glänzenden Domina,
die es weder in der familienfreundlichen Neubausiedlung, und noch
weniger im geregelten Ehealltag gibt. Es ist die geile Phantasie von
einer Meisterin im großen An- und Fertigmachen für eine kleine und
auserwählte Minderheit, die es sich leisten kann, aber so pervers ist,
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dass man davon nur hinter der bekannten „vorgehaltenen Hand“


spricht, weil man ja selbst nicht so ist. Die Domina ist die wahre

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Königin unter den Frauen. Sie sorgt diktatorisch für sozialen Ausgleich
in einem bis zum Überdruss geregelten Alltag sorgt. „I wanna be your
dog“ ist der Wunsch den sie gnädig gegen nicht zu wenig Geld erfüllt.
Mit gewählten Worten und einem altenglischen Internats-Rohrstock
in der Hand, verfügt sie nach Belieben über eine gutsituierte
Kundschaft, die wie ein Hund das eingebläut bekommt, was sie
eigentlich verdient.
Du siehst, ich kann mitreden und nur das zählt bei meiner
authentischen Story.

Viola unterbrach ihren Redeschwall, denn verärgert hatte sie


bemerkt, dass meine Augen geschlossen, mein Kopf geneigt und die
Hände wie zum Gebet gefaltet waren. Nach einem Anstoß mit ihrem
rechten Zeigefinger gegen meine linke Schulter, nahm ich ihre
Stimme wieder wahr und öffnete die Augen.
„Kannst du mir sagen, warum Männer zu einer Domina
gehen“ war ihre Frage, verbunden mit einem verzweifelt bittenden
Unterton.
Ich hätte es ihr sagen können. Das Unerreichbare ist der
Schlüssel. Eine Ehefrau ist erreichbar und verfügbar. Das ist der
Unterschied. Aber sollte ich mich auf eine endlose Diskussion mit viel
weiblichem Unverständnis einlassen? Viola ist zwar promiskuitiv
orientiert und nach mehr oder weniger deutlichen Hinweisen auch
gegenüber Neuem durchaus aufgeschlossen, aber mir war klar, dass
sich ihr die philosophischen Aspekte von Dominanz und

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Unterwerfung ohne qualifizierte Ausbildung nicht erschließen


würden. Zu sehr war und ist sie in dem Klischee gefangen, dass der
hochkarätige Beruf der Domina (von mir auch Expertin für
Nutzungsfragen genannt) nur mit Peitsche gleichzusetzen ist und das
wäre etwa so, wie wenn man eine Currywurst aus der Dose mit
einem fünf-Sterne-Menü vergleichen würde.
Vielleicht hat der Beruf, das Bildungsniveau und dazu das
Alter eine direkte Beziehung zu den nicht nur männlichen Phantasien
von Macht, Ohnmacht, Führung und Unterwerfung. Ich weiß aus
zuverlässigen Quellen, dass auch viele Frauen exquisite Spiele lieben,
und ich kenne Einige, bei deren Phantasien sogar ich vor Scham einen
roten Kopf bekomme. Astrid zum Beispiel liebt es, nackt und nur mit
einem Hundehalsband geschmückt, unbekannten Herren vorgeführt
zu werden. Sandra trägt tagtäglich und gehorsam einen unbequemen
Edelstahlplug und Iris liebt es, zur allseitigen Nutzung, bestens in
Plastikfolie verpackt und angeschnallt auf einem Strafbock zu liegen.
Angie dagegen, bevorzugt auf Zehenspitzen stehend die hängende
Variante mit kunstvoll abgebundenen und hochgeklammerten
Brüsten. Alle vier Damen aus meinem näheren Bekanntenkreis sind
konservativ mit ahnungslosen Ehemännern verheiratet und üben
ehrbare Berufe aus.
Auch Werner ist beruflich sehr erfolgreich und kann sich so
ein ausgefallenes Hobby locker leisten. Nur Viola verstand nicht,
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warum ausgerechnet ihr Werner so eine überaus großzügige Ader


hatte, nur nicht für sie. Seine Domina war ihm lieb und teuer und

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Viola konnte sich mit einer hübschen Swatch rumschlagen.


„Schätzchen, nimm es nicht so tragisch. Vielleicht hat Werner
seine religiöse Ader entdeckt. Eine Domina war früher einmal die
Vorsteherin eines Klosters. Oder er geht aus therapeutischen
Gründen zu ihr und lernt neue Managementtheorien ...“ war mein
untauglicher Versuch, die Situation ins Humorvolle zu ziehen, was mir
natürlich gründlich misslang.
„Wenn die Sau schon viel Geld für so eine ausgibt, warum hält
er mich dann so kurz?“
Auf Violas Frage war ich irgendwie gefasst, aber ich sagte
nichts dazu, denn nach meiner Ansicht bekommt Viola von Werner
mehr als genügendes Haushaltsgeld. Das Problem ist, dass sie damit
nicht auskommt. Plötzlich konnte ich das kommende Unheil förmlich
riechen, denn ich spürte, dass ich wieder einmal die Rechnung zahlen
sollte, und Violas Zigarettenverbrauch dazu. Plötzlich hatte ich die
Erleuchtung. Ich musste Viola nur auf die rechte, die richtige Fährte
bringen, dann wären damit alle Probleme gelöst. Ich nahm ihre
schweißige Hand mitfühlend in die Meine und sah ihr tief in die
Augen, bevor ich zu ihr sprach: „Schätzchen, du tust mir wirklich leid,
aber warum zahlst du es ihm eigentlich nicht zurück. Domina ist doch
nicht so schwer. Das kannst du doch auch …“
Viola sah mich mit großen Augen an und ich sah, wie es hinter
ihrer Stirn zu arbeiten begann. Das war die Chance, das Angenehme
mit dem Nützlichen zu verbinden, darum fügte ich den Wissenden
spielend hinzu: „Außerdem verdienen die Damen gut und so ein

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Nebenverdienst nebenbei …“
Ich hatte den Satz noch nicht ganz ausgesprochen, da spürte
ich intuitiv, dass meiner besten und mittelalten Freundin Viola der
Beruf der Domina Spaß machen würde.
„Du meinst ich kann das?“
„Natürlich kannst du das. Du siehst nach was aus. Du bist
gepflegt und intelligent, und du hast doch keine Hemmungen. Du
musst nur bereit sein, dazu zu lernen. Dann ist das ganz einfach.“
Insgeheim dachte ich an die Binsenweisheit, dass Lehrjahre
keine Herrenjahre sind. Ich musste lächeln, denn vor mir sah ich Viola
als Auszubildende im ersten Lehrjahr. Die Gelegenheit war günstig,
und darum gab ich Viola den entscheidenden Tipp: „Fabienne ist
doch jetzt mit Chantal zusammen …“
„Ja ich weiß, aber ich kenn sie nicht. Fabi hat mir nur erzählt,
dass sie hin und wieder in einer Bar aushilft.“
„Schätzchen, das ist nicht ganz so. Chantal hat einen kleinen
Club und Fabienne hilft nicht nur hin und wieder, sondern ziemlich
oft und sehr aktiv da aus.“
„Das wusste ich nicht?“ Violas Stimme klang verwundert, aber
ich war es nicht, denn Viola hat eine reizvolle Schwäche, sie kann
nicht zuhören.
„Das ist eigentlich keine Bar, das ist sowas ähnliches wie ein
Swinger-Club und dazu gehört auch ein Studio. Chantal betreibt es
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und sie angeblich sehr erfolgreich …“


Viola sah mich mit großen Augen an und einen kleinen

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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Moment dachte ich, dass ich vielleicht zu viel gesagt hätte. Denn
selbst ein Blinder hätte die Spur sehen müssen. Nicht Viola, die nicht
sehr geschockt, eher bewundernd über Fabienne sprach.
„Das hätte ich von Fabi gar nicht gedacht. Die macht auch
sowas? Jetzt weiß ich, warum sie in der letzten Zeit so wenig Zeit hat.
Und dann die neuen Klamotten …“
„Genau …“ Bei Viola war der Groschen mit deutlich
hörbarem Klingeln gefallen.
„Du meinst, ich soll mal mit ihr reden?“
„Ja, genau das mein ich.“

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Zweites Kapitel
Nonnenkleid und Bar Bizarr

Liebe Viola, es kann sein, dass du noch unschlüssig bist. Doch du solltest
wissen, dass du eine wichtige Rolle in unserer modernen Gesellschaft
spielen wirst. Mit deinem zukünftigen Beruf sicherst du das Wachstum der
Wirtschaft und unseren Wohlstand. Du wirst mehr Besuche zu den
ungeeignetsten Zeiten empfangen und frohem Herzen mehr
Unbequemlichkeiten ertragen als die Masse der übrigen Berufstätigen.
Wenn du deinen Beruf gewissenhaft ausübst – und davon bin ich
überzeugt, bringst du mehr Freude, korrigierst mehr Fehler, gleichst mehr
Differenzen aus, verschwendest mehr Kraft und Nerven und hörst dir mehr
Sorgen und Nöte an, ohne deine Ruhe zu verlieren, als irgendeine andere
Gruppe von Menschen. Wenn man über dich spricht, wirst du individuell
und kollektiv abwechselnd in den Himmel gehoben und verdammt, man
diskutiert über dich öffentlich und hinter verschlossenen Türen, in Herren-
und Damenzimmern, in Bars und anderen geistigen Orten, von ebenso
vielen Standpunkten aus mit derselben Heftigkeit wie in den Schlagzeilen
seriöser und anderer Zeitungen. Fürwahr, meine Liebe. Wenn du deinen
Beruf als Berufung siehst und mit Herz und Verstand ausübst, hältst du die
Räder der Wirtschaft und den Geist der Menschen in Bewegung. Mehr kann
von keinem Menschen gesagt werden. Deshalb sprich niemals abfällig über
eine Domina, es sei denn, du möchtest ihr schmeicheln.
Frei nach einer Rede von John F. Kennedy

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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V
iola hat meinen Rat zum Herzen genommen und zu einer
pekuniären Herzensangelegenheit gemacht. Sie hat lang
mit Fabienne telefoniert, und trotz moralischer Bedenken
den Entschluss gefasst, sich die „Sache“ mal ganz unverbindlich
anzusehen. Wir sind hinter einem Spiegel und können, ohne dass wir
bemerkt werden, die Ereignisse beobachten.
Noch sehen wir nichts, aber wir hören laute Radiomusik,
unterbrochen von Verkehrsmeldungen.
Du musst nicht stehen. Setz dich. Der mit rotem Samt
bespannte Stuhl ist für dich bestimmt. Nur für dich mein Freund,
öffne ich jetzt den Vorhang, und ich führe dich auf dir unbekanntes
Terrain.

Vor uns sehen wir einen langgezogenen Tresen aus dunklem,


im gedrechselten Mahagonistil gehaltenem Holz. Hinter dem Tresen
befindet sich eine verspiegelte und beleuchtete Rückwand. Vor dem
Spiegel sind fragile Glasregale angebracht, auf denen, wie in solchen
Etablissements üblich, Flaschen mit hochprozentigem Inhalt stehen.
Das Ambiente der Bar macht einen etwas plüschigen Eindruck und
entspricht dem Stil der frühen achtziger Jahre. Vor dem Tresen
stehen drei Barhocker. Die Sitzflächen haben einen Plastikbezug mit
schwarzweißem Zebramuster.

Wir sehen Viola in Seitenansicht, die mit übereinander


geschlagenen Beinen auf dem mittleren Barhocker sitzt. Viola hat

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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einen schlichten, schwarzen Hosenanzug, eine weiße Bluse und


hochhackige, schwarze Schuhe mit kleinen Riemchen um die Knöchel
an. Viola dreht uns noch die rechte Schulter zu.
Achte auf ihre Handbewegungen. Daran kannst du erkennen,
dass sie sich unbehaglich fühlt. In der linken Hand hält sie ein
Feuerzeug, mit dem sie mit kleinen Bewegungen nervös auf den
Tresen klopft. Viola raucht eine Zigarette und sie wippt mit dem
linken Fuß. Vor Viola steht ein halbvolles Sektglas. Daneben siehst du
einen Sektkühler mit der Aufschrift „G.H. Mumm & Co CORDON
ROUGE“ in dem eine leere Sektflasche mit dem Hals nach unten
steckt. So wie es aussieht besucht Viola ihre beste Freundin Fabienne
am Arbeitsplatz.

Hinter dem Tresen siehst du Fabienne. Fabienne ist eine


attraktive, feuerrothaarige Frau um die Dreißig und mit etwas fülligen
Formen. Sie hat lange, bis zur Mitte ihres Rückens reichende Haare.
Ihre Haare sind bis auf zwei kleine Strähnchen die ihr ins Gesicht
fallen, streng nach hinten gekämmt und zu einem Pferdeschwanz
gebunden. Fabienne ist sehr sorgfältig, fast übertrieben auffällig
geschminkt. Jetzt dreht sie sich um und stellt eine ungeöffnete
Sektflasche neben den Kühler. Sie geht nach rechts, bückt sich und
verschwindet kurz aus unserem Blickfeld und kommt dann hinter
dem Tresen hervor. Fabienne hat ein graues bis zur Mitte ihrer
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Oberschenkel reichendes, weites und verwaschenes Shirt an, das


nicht so recht zu ihrer Erscheinung passt. Auf der Vorderseite des

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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Shirts ist ein ehemals roter, jetzt ziemlich verwaschener Mund mit
einer herausgestreckten Zunge aufgedruckt. Sie setzt sich neben
Viola auf einen Barhocker. Man ahnt und kann es undeutlich
erkennen, dass Fabienne unter dem Shirt Strümpfe, Strumpfhalter
und einen BH trägt.

Die dritte Person die du siehst ist Chantal. Chantal ist die
„beste“ Freundin und derzeitige Lebensgefährtin von Fabienne.
Chantal ist Mitte 40, und der sportliche Typ mit streichholzkurzen,
hellblonden Haaren. Ob Chantal wirklich Chantal heißt, ist mir nicht
bekannt. Ich vermute, dass es ein Künstlername ist, und in
Wirklichkeit eine Inge oder eine Bärbel damit getarnt werden soll.
Fabienne und Chantal betreiben einen kleinen, bezeichnen
wir es der Einfachheit halber als Swinger-Club, für tolerante
Ehepaare, zu dem aber auch gutsituierte, männliche Einzelpersonen
Zutritt haben, wenn die Mischung stimmen soll.
Chantal ist die Chefin des Unternehmens und sie sieht wie bei
Chefinnen anscheinend üblich, beschäftigt aus. Sie ignoriert Viola und
achtet auch nicht auf ihre Freundin Fabienne. Mit der rechten Hand
notiert sie etwas. Sie zählt die Flaschen und hin und wieder dreht sie
eine Flasche mit dem Etikett nach vorn, oder stellt sie um. Chantal
hat ein rotes Klemmbrett in der linken Hand. Sie dreht uns noch den
Rücken zu.
Chantal hat einen schwarzen, glänzenden Kimono an. Hab
noch etwas Geduld, gleich wirst du es sehen. Der Kimono steht vorne

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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weit auf. Nur im Spiegel an der Rückwand kann man mehr vermuten
als sehen, dass sie darunter halterlose Strümpfe, einen kleinen
schwarzen Slip und außer etwas Schmuck sonst nichts anhat.

Vor uns und schwarzweiß gefleckt, döst Armin, der


Ladenhüter und Chantals Requisite für besondere Fälle mit Fell.
Armin ist eine Deutsche Dogge und soll im Nebenberuf ungebetene
Gäste verscheuchen. Aber dazu ist Armin zu faul, denn er ist „ein
ganz Lieber“ wie Paula die polnische Putze gern sagt.

Ich verstehe, dass du bei dem Anblick unruhig und auch


neugierig wirst. Bleib bitte ruhig und sag jetzt nichts. Man darf uns
nicht bemerken. Doch zunächst, möchte ich dir noch mehr von
Fabienne, Viola und Chantal erzählen.
Wie du vielleicht noch weißt, heißt Fabienne eigentlich
Marion und hat wenige Tage nach ihrer Scheidung von Ralph auch
ihre Affäre in die einsame Wüste der Verflossenen geschickt. Der,
und das muss ich zugeben, ist darüber auch heute noch etwas
traurig. Aber wie es im Leben nun mal so ist, muss Mann auch leiden
und verzichten können. Nur in diesen Fähigkeiten zeigt sich die wahre
menschliche Größe.
Danke, das ist nett von dir, aber du musst mir kein zweites
Papiertuch reichen.
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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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Tatsache ist, dass mich Fabienne vor etwa zwei Jahren


verlassen hat. Der Grund waren keine Meinungsverschiedenheiten.
Fabienne hat schlicht und einfach ihre bisexuelle Ader entdeckt, und
wegen einem vorübergehenden Liquiditätsengpass konnte ich dem
nichts entgegensetzen. Im Leben gibt es immer jemand, der besser
ist. In meinem Fall war es Chantal. Chantal hat das Geschenk anders
verwaltet. Ich halte viel von Demokratie und Mitspracherecht –
Chantal nicht. Sie hat die Zügel strammer angezogen und öfter mit
der Peitsche geknallt, aber immer ein Zückerchen in der schwer
erreichbaren Rückhand gehalten. Darum ist Fabienne zu Chantal
gezogen und lebt bis heute auch mit ihr zusammen.
Ob sie glücklich ist? Ich weiß es nicht, aber das ist auch nicht
wichtig. Bei Fabienne habe ich in Chantals Gegenwart keine Zukunft –
jedenfalls nicht im Moment.
Chantal gehört die Bar die eigentlich ein kleiner Club mit
mehreren Nebenräumen ist. Im Keller befindet sich ein Studio, und
im ersten Obergeschoß sind die Privaträume von Chantal und
Fabienne. Den Keller, die Nebenräume und die Wohnung mit sechs
Räumen im Obergeschoß können wir nicht besichtigen, aber
vielleicht werden uns Chantal oder Fabienne noch erzählen, was sich
dort abspielt. Hab also noch etwas Geduld.

Chantal führt den Club sehr bestimmend und man spürt, dass
sie die knallharte Geschäftsfrau ist. Chantal und Fabienne verdienen
Geld. Geld in der notwendigen Menge, um einen gehobenen

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Lebensstil, irgendwo angesiedelt zwischen Cartier, Prada und Gaultier


kultivieren zu können. Ich denke, du kannst jetzt gut verstehen,
warum die finanziell unterversorgte Viola die Nähe der neuerdings
gutverdienenden Fabienne sucht.
Natürlich werde ich mir über die Moral kein Urteil erlauben.
Im Gegenteil, ich hab großes Verständnis für die Sorgen und Nöte
meiner besten und verheirateten Freundin.

Sieh genau hin. Fabienne lächelt Viola an, und Violas


Nervosität lässt merklich nach. Fabienne möchte ihrer Freundin gern
helfen, und auch Chantal hat das rote Klemmbrett aus den Händen
gelegt und auch sie lächelt Viola an, während sie die Sektflasche
öffnet. Diese Geste ist besonders bemerkenswert, denn eigentlich ist
Chantal nicht so großzügig mit Freigetränken. Aber offensichtlich
macht sie in diesem Fall eine Ausnahme. Sie sieht Viola gern, denn
Viola ist attraktiv und würde sich gut machen, rein geschäftlich und
frischfleischmäßig gesehen.
Chantal und Fabienne haben keine Geheimnisse voreinander.
Darum akzeptiert Chantal auch Violas eheliche Rachegefühle. Als
erfahrene Geschäftsfrau weiß sie aber auch, dass Gefühle angesichts
der Verdienstmöglichkeiten nachrangig sind, aber als Legitimation für
das Tun gern wie ein flatterndes Fähnchen der Gesinnung verwendet
werden.
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Viola hat die unübersehbar teuren Accessoires bei Fabienne


gesehen, und sie ist entschlossen, etwas zu tun. Viola muss und will

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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Geld verdienen, und zwar viel Geld. Noch weiß sie nicht so recht, wie
sie es anstellen soll. Eigentlich will sie es Werner heimzahlen und
dazu erscheint ihr die Peitsche als das einzige und geeignete
Werkzeug in einem mittelalterlichen Folterkeller.
Noch sind die drei Frauen allein. Die Bar ist noch geschlossen,
aber die Gäste kommen garantiert, denn Chantal, Fabienne und auch
Paula sind gut in dem was sie machen.
Fabienne dreht sich um und öffnet einen kleinen Metallkasten
an der Wand. Mit einem deutlich hörbaren Klicken drückt sie einen
Schalter nach oben. Das Licht wird heller und leuchtet den gesamten
Raum aus.

Viola sieht sich um: „Hübsch habt ihr es hier. So hab ich mir
das nicht vorgestellt. Ich war ja noch nie in so einem Club.“
Natürlich ist Violas Satz unverschämt gelogen. Jetzt erst sieht
man deutlich, dass das Interieur schon bessere Zeiten gesehen hat.
Fabienne lächelt: „Was hast du denn gedacht? Dass wir hier
eine versiffte Bude haben. Wir haben nur gute Gäste und das bringt
richtig Geld.“
Viola: „Das freut mich für euch. Ich hab euch schon immer
ganz fest die Daumen gedrückt?“ Violas Antwort klingt etwas zu
übertrieben um ehrlich zu wirken.
Chantal stellt kleine Glasschälchen auf den Tresen. Dann stellt
sie Fabienne demonstrativ einen Beutel mit Nüssen hin.

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Fabienne reagiert nicht. Chantal schüttelt den Kopf und sagt


kurz und knapp: „Schlaf nicht. Füll die mal auf.“
Fabienne reißt die Plastikverpackung und füllt die Schälchen
mit Nüssen. Einige kullern auf den Boden. Fabienne bückt sich und
sammelt die verstreuten Nüsse vom Boden auf.
Chantal achtet nicht auf Fabienne. Sie fragt ganz beiläufig
ohne Viola direkt anzusehen: „Hast nicht Lust hin und wieder mal
auszuhelfen. Du kannst hier richtig gut verdienen?“
Viola zieht an der Zigarette. Eine kleine Pause entsteht, bevor
sie antwortet: „Ich weiß nicht, was müsste ich denn hier machen. Ich
hab so was noch nie gemacht ...“
Dann fügt sie hinzu: „… interessieren würde es mich schon.“
Fabienne taucht wieder auf. In der linken Hand hat sie die
Nüsse, die sie vom Boden aufgelesen hat. Sie verteilt die Nüsse in den
Schälchen und verreibt dann darüber ihre Hände.
Chantal schaut sie streng an.
Fabienne zieht eine abfällige Grimasse zu Chantal und flüstert:
„Das ist nicht schwer, du unterhältst dich mit den Gästen und achtest
drauf, dass die Gläser immer voll sind.“
Viola sieht Fabienne an und dann in den Raum. Sie antwortet
etwas unsicher: „Aber ist das hier nicht …“
Viola spricht den Satz nicht aus, während Fabienne nach der
Sektflasche greift und die Sektgläser füllt.
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Chantal dreht sich leicht um und sieht über die rechte


Schulter Viola kurz an. Sie sagt etwas zu laut: „Ja sag`s ruhig, es ist ein

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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Club. Geld verdienen wir mit ficken.“ Dabei beobachtet sie Viola, ob
sie jetzt schockiert ist. Viola verzieht aber keine Miene. Sie greift zum
Sektglas und nimmt einen schnellen, hastigen Schluck. Am Glas kann
man den Abdruck ihres Lippenstifts erkennen.
Fabienne verzieht das Gesicht und schaut kurz an die Decke.
Man sieht ihr an, dass sie es Viola schonender beigebracht hätte.
Dann sagt sie mit beruhigendem Unterton in der Stimme:
„Chantal hat doch nur einen Scherz gemacht.“
Chantal zählt wieder die Flaschen und murmelt etwas abfällig
vor sich hin: „Spiel jetzt bloß nicht die Heilige.“
Viola achtet nicht auf Chantal. Ihre Antwort kommt sehr
beherrscht, fast beiläufig: „Eigentlich wollte ich mich nur informieren,
was eine Domina so macht ...“
Fabienne lächelt und beendet Violas Satz: „… wie man zur
Domina wird, und was man alles wissen muss.“
„Eigentlich ja. Wenn ich bei euch im Club arbeiten sollte,
wüsste ich doch gar nicht wie ich mich hier verhalten sollte, mit
Fremden?“ An Violas abwehrender Antwort kannst du erkennen,
dass sie sich das Ganze etwas anders vorgestellt hat.
Chantal spürt, dass eine angespannte Stimmung entsteht. Sie
dreht sich wieder zu Viola, sagt aber nichts. Dafür antwortet
Fabienne: „Da musst du dir keine Gedanken machen. Wenn du das
willst, packst du das auch. Wenn du eine gute Ausbildung suchst und
auch gut verdienen willst, bist du bei Chantal genau richtig.“

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Um dann mit einem wissenden Unterton in der Stimme


hinzuzufügen: „Sie kann das gut. Als Domina ist sie wirklich Spitze.“
Viola trinkt ihr Glas aus und Chantal füllt es wieder auf. Dann
sagt sie zu Viola: „Wenn du dich ernsthaft entschlossen hast, dann
gibt es mehrere Möglichkeiten. Wenn du hier im Club arbeiten willst,
kannst du gut verdienen und hast auch noch viel Spaß. Das ist ganz
anonym und wir haben nur nette Gäste. Am besten wäre, du siehst
dir das erst mal zwei oder drei Abende an, dann kannst du dich
entscheiden, was du machen möchtest.
Die Domina ist sozusagen die Krönung. Dafür brauchst du
Einfühlungsvermögen und musst etwas von Psychologie verstehen.
Eines kann ich dir jetzt schon versprechen – auf dich werden alle
fliegen.“
Chantal schaut auf Violas Bluse. Ihr Blick scheint durch den
Stoff hindurch zu gehen. Chantals Kimono ist offen und für einen
Moment kannst du ihre nackten, mit schweren goldenen Ringen
geschmückten Brüste sehen.
„Wenn du eine solide Ausbildung zu Domina bekommen
möchtest, müsstest du aber erst mal hier im Club arbeiten. Das ist die
Voraussetzung, sonst wird das nichts. Wir bringen dir alles bei.
Immerhin hast du eine Verantwortung für deine Gäste.“
Fabienne bestätigt Chantals Worte: „Das was du hier lernst ist
eigentlich unbezahlbar. Das ist wie mit dem Stricken. Wenn du es
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einmal kapiert hast verlernste das auch nicht mehr.“

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Dafür erntet Fabienne einen missbilligenden Blick von


Chantal.
Fabienne achtet nicht auf Chantal und redet weiter auf Viola
ein: „Aber einfach ist das nicht. Eine Domina-Ausbildung dauert auch
seine Zeit …“
Chantal ergänzt den Satz: „… mindestens drei Jahre. Und
Manche kapieren das nie.“

Beobachte mal den Gesichtsausdruck von Viola. Sie ist immer


noch unsicher. Es sieht so aus, als ob sie es sich einfacher vorgestellt
hat. Hören wir weiter zu und vielleicht entscheidet sie sich ja doch.

„Was macht ihr denn hier so im Club. Also ich kenn sowas ja
nicht. Kommen da nur Männer …“
„Nein, das ist ganz anders. Wir sind ein Swinger-Club. Da
kommen vorwiegend Paare. Die kennen sich fast alle und das geht
ganz familiär zu. Wir haben Mittwoch bis Samstag von 18:00 Uhr bis
3:00 Uhr geöffnet. Samstags auch länger, je nach Betrieb.
Montag so etwa ab 12:00 Uhr bis zum Nachmittag, da
kommen die Sparsamen. Das sind die Paare, die verheiratet sind,
aber nicht miteinander. Manchmal auch einzelne Hausfrauen. Dann
geht ’s am wildesten zu. Nicht was du jetzt denkst, sondern ganz
seriös. Die futtern sich am Büffet durch und probieren das alles aus,
was sie in ihrer Ehe nicht kriegen. Außerdem ist das hier billiger, als
wenn die jedes Mal ein Hotelzimmer bezahlen müssen. Da ist

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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natürlich ein ziemlicher Trubel, aber es macht ja auch Spaß wenn das
Geschäft läuft.“
Fabiennes Erklärung scheint Viola etwas zu beruhigen. Sie
lächelt und Chantal redet weiter.
„Wir haben hier für jeden Geschmack etwas. Hier gibt’s eine
Spielwiese, da können mehrere Paare rein und andere können
zusehen. Wir haben auch einen Glory-Hole-Raum und im Keller ist
mein Studio. Da finden die Sessions statt, aber nur auf
Voranmeldung. Eigentlich könntest du mir dabei mal assistieren, dass
du mal siehst, was da so abläuft ...“

Lass dich nicht von den Im Hintergrund hört man klappernde


Geräusche, als ob ein Eimer hin und hergeschoben wird. Ein
Staubsauger heult kurz auf und wird dann wieder abgestellt.

Chantal macht noch eine Flasche Sekt auf und stellt sie auf
den Tresen. Viola greift eifrig danach und schenkt aus der Sektflasche
die Gläser wieder voll. Der Sekt schäumt und läuft über den Tresen
auf Violas Hose. Viola rutscht vom Barhocker runter und versucht mit
einer Serviette den übergelaufenen Sekt wegzuwischen. Man sieht
dass ihr das kleine Missgeschick peinlich ist.
Chantal kommt eilig hinterm Tresen und nimmt ihr die
Serviette weg. „Schätzchen, lass mich das machen. Das ist doch nicht
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schlimm.“

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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Sie kniet sich vor Viola und wischt mit einem Küchentuch über
Violas Hose. Viola will die Berührungen abwehren. Es ist ihr sichtlich
peinlich. Chantals Kimono steht etwas auf und man sieht ihre
schweren nackten Brüste.
Fabienne lächelt amüsiert und sieht zu. Spürst du die
erotische Stimmung und den sich zwischen Chantal und Fabienne
anbahnenden Konflikt.
Fabienne nimmt der noch knieenden Chantal das Küchentuch
aus der Hand und mit einem strafenden Blick wirft sie es achtlos auf
den Boden. Sie beachtet Chantal nicht und steht jetzt neben Viola:
„Du musst mit den Gästen lachen, das verbindet. Die Gäste wollen
Spaß. Frust haben die Zuhause. Das brauchen die hier nicht. Wenn dir
so etwas passiert, dann mach ein Erlebnis draus. Lass dich gehen und
spritz alle nass. Das mögen die …“
Chantal steht auf und stimmt zu: „Klar, wenn ich mit einem
Gast lachen kann ist das angenehmer, als wenn ich einen hab, der
den Mund nicht aufkriegt.“
Zögernd fragt Viola: „Aber was ist, wenn es zum Sex kommt?“
Chantal und Fabienne antworten fast gleichzeitig: „Da mach
dir mal keine Sorgen, die sind hier alle sehr nett. Außerdem machst
du nur das was du auch willst ...“
Dann redet Fabienne weiter: „Stöhn ihm was vor, sag ihm was
er für ein geiler Hengst ist, das wollen die Kerle hören. Sag ihm, dass
du seine Stute und heiß auf ihn bist und solche Sachen.“

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Chantal greift unter den Tresen und legt einen großen


Gummidildo zwischen die Sektgläser. Viola ist der Anblick und die
Präsenz des Gegenstands unangenehm. Fabienne lacht und redet
weiter: „… die Männer wollen so eine Illusion von Zuneigung und
Leidenschaft. Und dann musst du höllisch aufpassen, dass du nicht
alles glaubst. Manche erzählen dir die aberwitzigsten Geschichten.“
Chantal lacht auch und macht beim Umdrehen ihren Kimono
zu: „Am schlimmsten sind die Missionare, bei denen musst du
besonders aufpassen, dass du nicht darauf reinfällst. Die wollen dich
bekehren und wissen, wie du dazu gekommen bist. Aber das kriegst
du schnell mit. Je mehr die Sex mit Gefühlen verwechseln, umso
besser fürs Geschäft. Dann denken die sie wären so gut, dass wir sie
lieben.“
Fabienne spricht auch auf Viola ein: „Du musst dir nur
merken, dass in unserem Job alles nur Show ist. Welcher Mann will
für sein Geld nicht die Traumfrau haben. Und wenn er denkt, er hat
sie gefunden, dann macht er alles für dich. Das macht Spaß, das wirst
du schnell merken.“
Viola: „Aber ihr habt doch gesagt, dass das ein Swinger-Club
ist, da kommen doch nur Paare rein habe ich gedacht?“
„Schätzchen, also rein theoretisch ist das ja so, aber
manchmal ist das auch anders. Es kommt auf die Zusammensetzung
an. Manchmal haben wir zu wenig Frauen, dann dürfen nicht zu viele
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Männer da sein, sonst fühlen sich die Frauen unwohl, oder wir haben
zu viele Frauen, dann brauchen wir wieder mehr Männer. Gute Gäste

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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lassen wir auch allein rein. Am Wochenende kommen fast nur Paare
und da musst du besonders einfühlsam sein.“
Chantal hat sich auf einen Barhocker neben Fabienne gesetzt.
Sie greift nach dem Sektglas von Fabienne und nimmt einen kurzen
Schluck daraus.
Fabienne fällt Chantal ins Wort: „… und zum Schluss will dein
Gast von dir nur hören, dass du gekommen bist. Da musst du
natürlich schauspielern. Sag einfach dass du einen Megaorgasmus
hattest. Was denkst du, wie der sich freut wenn er hört, dass er eine
Zofe geknackt hat. Dann kriegst du schnell Stammgäste die richtig
Geld bringen. Außerdem kommen die schneller, weil die nicht so
verspannt sind.“
Chantal spielt mit dem Gummidildo und sieht Viola prüfend
von oben bis unten an.
Viola fragt unsicher wirkend: „Zofe?“
Chantal geht nicht auf die Frage ein, und Fabienne hat einen
unbeteiligten Gesichtsausdruck und steckt sich Nüsse aus einer
Glasschale in den Mund. Einige Sekunden herrscht Schweigen, nur
unterbrochen vom qualvoll heulenden Geräusch eines vollen
Staubsaugers. Dann fragt Viola: „Eigentlich wollte ich ja nur als
Domina. Was macht die denn so?“
Chantal antwortet wie beiläufig: „Wir machen hier alles was
Spaß macht. Vom Analsex mit einer vollen Apfelschorleflasche bis
zum zertrampeln der Zinnsoldatensammlung des Gastes.“

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Viola scheint es für einen Scherz zu halten. Sie wirkt immer


noch unsicher. Du siehst, dass ihr noch viele Fragen durch den Kopf
gehen.
„Aber was soll ich denn anziehen, wenn ich hier arbeite.“
Chantal und Fabienne sehen sich an. Fabienne flüstert Chantal
etwas ins Ohr. Chantal nickt und Fabienne antwortet: „Da mach dir
mal keine Sorgen. Wir haben da etwas besonders Scharfes für dich.“
Fabienne sieht Viola prüfend von oben bis unten an: „Ich
glaub mein Nonnenkleid steht dir gut.“
Viola fragt ungläubig: „Nonnenkleid?“
„Das ist was Supergeiles, ich hab mir das machen lassen. Hat
über 600 Euros gekostet. Das ist ganz aus Latex. Aber ich leih dir das
aus. Ist ja schließlich eine Premiere. Du traust dich doch?“
Die Frage von Fabienne ist eigentlich keine Frage, sondern
eine Aufforderung. Man sieht Viola an, dass sie noch nicht ganz
überzeugt ist, aber den Job schon mal gern ausprobieren möchte.
Außerdem ist es zeitmäßig gesehen auch günstig, denn Werner ist
auf einer dreitägigen Weiterbildung über steuerliche
Abschreibungsmöglichkeiten für außergewöhnliche Aufwendungen.
Fabienne antwortet: „Show gehört nun mal zum Geschäft.
Und du mit deiner rattenscharfen Figur bringst das bestimmt. Du
musst nur aufdrehen. Wenn du nur wie ne graue Maus rumsitzt und
wartest, hast du kein Spaß und du kommst du nie auf deinen Umsatz.
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Stell dich auf den Tisch, mach einen Strip und mach die Titties frei
oder so was, dann kriegst du Fans die zahlen. Hauptsache du machst

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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was Verrücktes, das bringt `s. Und wenn du das gut machst, dann zeig
ich dir, was wir im Keller machen.“
Chantal dreht sich um und geht wieder hinter den Tresen zu
ihren Flaschen. Im Hintergrund hört man das Geräusch eines
umfallenden Blecheimers. Eine Frauenstimme flucht mit sächsischem
Akzent.

Achte auf die linke Seite des Raums. Zuerst siehst du nur eine
geblümte Rückseite. Es ist Paula, die mit einem Wischmob den Boden
schrubbt. Jetzt hebt sie das Küchentuch auf. Paula hat einen
geblümten Kittel an und die blonden Haare unordentlich
hochgesteckt. Paula ist die fleißige „Mitarbeiterin“ von Chantal und
Fabienne, die als Mädchen ZBV (zur besonderen Verwendung) für
alles ihre Verwendung findet. Paula ist blond, sie hat blaue Augen, sie
räumt weg und auf, sie achtet auf Ordnung und hilft auch und wieder
an der Bar und in den Nebenräumen aus. Für gut zahlende Gäste
dient sie auch als Zofe oder Sklavin, und sie assistiert Chantal im
Studio. Ihre Haar- und Augenfarbe und ihr unüberhörbarer,
sächsischer Akzent verführen zu einseitigen Vorurteilen. Das ist aber
falsch, denn Paula verfügt über erstaunliche Talente, die von
Fabienne misstrauisch, und von Chantal abwertend honoriert
werden.
Fabienne und Chantal beachten sie nicht. Nur Viola schaut
kurz hin.

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Das Telefon klingelt und der Anrufbeantworter springt an. Du


hörst die Ansage: „Hallo verehrte Gäste. Wir haben Montag bis
Samstag von 10:00 Uhr morgens bis 3:00 Uhr morgens geöffnet.
Montags ist unsere Happy-Hour mit vielen Überraschungen und am
Samstag ist unsere Motto-Party. Anmeldungen nehmen wir gern
entgegen.“
Chantal ruft Paula zu: „Jetzt beeil dich mal, wir machen gleich
auf. Und mach dir eine andere Frisur“, und in Anspielung auf Paulas
hochgesteckte Haare: „Mit dem Hausfrauenwedel kannst du keinen
Hund hinterm Ofen vorlocken ...“
Chantal geht zu Viola und nimmt ihre Hand.
„Schätzchen, du hast ja immer noch deine normalen Sachen
an. Geh mal nach hinten, da hängt das Nonnenkleid. Komm wir
probieren das mal aus, hier wird’s gleich voll.“
Fabienne berührt Viola an der Schulter und schiebt sie leicht
auf eine Tür an der Seite. Viola geht hinter Chantal zur Tür. Sie
stolpert aber und fällt hin. Paula lacht.
Fabienne geht hin und hilft Viola. Sie bückt sich, und das Shirt
rutscht hoch. Einen kurzen Moment sieht man ihren Po.
Chantal ruft: „Paula hör jetzt auf hier Krach zu machen. Und
ich will heute Abend das rote Halsband von Armin an dir sehen.“
Das Licht wird etwas dunkler. In dem Moment kommt Viola
aus der Tür. Sie hat ein langes Kleid an. Sie sieht aus wie eine Nonne.
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Ihre Haare sind unter einer Haube versteckt, nur Ihr Gesicht ist
sichtbar. Das Kleid glänzt und ist aus Latex. Viola geht langsam und

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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unsicher zur Bar und steht jetzt hinter der Bar. Man sieht, dass sie
noch nicht weiß, was zu tun ist.
Chantal schaut Viola von oben bis unten an und ihr
Gesichtsausdruck hat die Mimik zwischen einem hungrigen Hai und
einem Jäger der eine leichte Beute sieht. Mit etwas abgesenkter
Stimme sagt sie zu Viola: „Du siehst ja süß aus …“
Und mit einem aufforderten Unterton in der Stimme: „Komm
mach uns mal was zum trinken.“
Fabienne sieht verwundert aus. Offensichtlich ist sie die
Großzügigkeit ihrer Chefin und Freundin nicht gewohnt. Chantal sieht
Fabiennes Blick und fügt mit etwas lauterer Stimme hinzu: „Es geht
aufs Haus. Mach uns mal einen Büchsenöffner, das hebt die
Stimmung.“
Violas weiß nicht, was damit gemeint ist und fragt: „Wo find
ich den Büchsenöffner?“
Fabienne und Chantal lachen. Paula macht eine abwertende
Handbewegung. Chantal sieht zu Ilona und nimmt den Gummidildo in
die Hand und hebt ihn mit einer drohenden Gebärde wie zum Schlag.
Paula zieht etwas den Kopf ein und kichert.
Chantal sagt zu Viola: „Pass auf ich zeigs dir. Du nimmst die
Cocktailgläser. Dann füllst du sie zur Hälfte mit 43er. Das ist die
bauchige Flasche, die da links steht. Dann nimmst du Büchsenmilch
und füllst es etwas auf. Rühr es etwas um.“
Sie sieht zu, wie Viola die Gläser vorsichtig füllt.
Paula grinst und Fabienne lacht.

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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„Und jetzt tu noch in jedes Glas zwei Eisstücke und dann


etwas Kaffeepulver obendrauf. Zur Dekoration. Und fertig ist der
Büchsenöffner. Schau dir das Glas an. Erinnert dich das an was?“
Chantal dreht sich zu den anderen um: „So aber jetzt zieht
euch alle mal um, damit es gemütlicher wird.“

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Drittes Kapitel
Strumpfhosen und Natursekt

„Ein züchtiges Mädchen mag eine Mannsperson sehr leicht an sich zu


fesseln, wenn sie ihm in den Stiefel pinkelt.“
Aus „Der erotische Zitatenschatz“ Eichborn Verlag Seite 30

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T
rinke Wasser aus deiner Zisterne und was quillt aus deinem
Brunnen.“ Als Informations- und Ratgeber ist die Bibel eine
unerschöpfliche Informationsquelle. Darum sollten Mann
und Frau sie immer griffbereit haben. Mit solchen Vorsätzen schloss
ich beeindruckt das große Buch und begann mich mit den alltäglichen
Widrig- und Lustbarkeiten zu beschäftigen. Denn in präzise zehn bis
maximal fünfzig Minuten hatte sich meine beste Freundin Viola
angesagt, der es nach meinem Rat, meiner Gesellschaft und meines
Sektes gelüstete. Nach einem ersten Check war alles Notwendige für
einen inspirierenden Spätnachmittag vorhanden. Ich war frisch
geduscht, hellwach und geistig rege. Mein Bett musste noch nicht
frisch bezogen werden, denn Viola ist eine eher rustikale Frau, die
trotz ihrem gehobenen Lebensstandard nicht zu sehr auf unwichtige
Details achtet. Bevor ich es vergesse, auch mein Kühlschrank war gut
gefüllt.

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Pünktlich auf die Minute und mit meiner vorsorglich geahnten


Stunde Verspätung traf Viola ein, und sie hatte zur Abwechslung gute
Laune. An ihren glitzernden Augen und an ihrem beschwingten Gang
konnte ich sofort erkennen, dass etwas geschehen war. Etwas was sie
nur mir ihrem besten und intimsten, durch alle Widrigkeiten des
Lebens gestählten und darum erfahrenen Freund mitteilen konnte.
Ihre etwas zu hektische Umarmung und die drei flüchtigen Küsschen
links und rechts, und dann auf die linke Wange wieder ein
gehauchtes, ließen meine Vermutung zu, dass neue Erlebnisse auf
Mitteilung warteten, dich ich dir mein Freund, aber auch dir, sehr
verehrte und erwachsene Leserinnen, selbstverständlich nur unter
der Voraussetzung deines Versprechens der absoluten
Verschwiegenheit, mitteilen möchte.
Und hier ist sie, die sensationelle Mitteilung: Viola war wieder
einmal verliebt.
Violas Zustand ist an sich nicht weiter bemerkenswert, denn
als aufmerksamer Freund, und auch du, die auf Details achtende
Leserin meiner Erlebnisberichte solltet inzwischen wissen, dass dieser
Zustand bei meiner promisken Freundin Viola zeitlich und emotional
arg begrenzt ist. Das hat verschiedene Gründe, die nach meiner
Vermutung vom Mond, den Gezeiten, dem momentanen Zustand
ihrer Ehe, dem Wohlverhalten ihres spröden Ehemanns und
visuellen, beziehungsweise monetären Gründen bestimmt werden.
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Nachdem Viola, adrett und stilsicher im figurbetonten Rock

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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mit passender Bluse gekleidet, zielsicher meine Blicke aufnehmend


vor mir in mein Wohnzimmer gegangen war, begann ich mich mit
den verschiedensten, biblischen Gedanken auseinander zu setzen.
Gab es Wackelpudding auch schon vor zweitausend Jahren, und wie
war das mit der Peitsche für die Frau, die zum Manne geht? Hatte ich
nicht erst vor wenigen Stunden in meinem allzeit bereitliegenden
Ratgeber gelesen: „Und erfreue dich des Weibes.“ Als gläubiger
Mensch kann, möchte und darf ich mich den präzisen Vorgaben nicht
entziehen, denn weiter heißt es: „Sie ist lieblich wie eine Gazelle und
holdselig wie ein Reh.“ Auch dem, und das kann ich dir ehrenwörtlich
versichern, musste ich durch persönlichen Augenschein vollständig
überzeugt, zustimmen. Obwohl Viola doch eher zum von mir
bevorzugten fraulicheren Typ Frau gehört und Rehe nach meiner
Erinnerung schlank sind. Aber dieser Umstand soll hier nicht weiter
wesentlich sein, auch nicht die Tatsache, dass Viola ein sogenanntes
schmückendes „Arschgeweih“ besitzt.

Nach dem üblichen Vorgeplänkel und den routinemäßigen


Fragen, wie zum Beispiel: „Wie geht’s dir“, oder den darauf
folgenden Gegenfragen: „Danke gut, wie war dein Wochenende“,
begann ich eine der vorrätigen Champagnerflaschen mit dem
besonderen ALD*-Preis-Leistungsverhältnis zu öffnen. Violas Lächeln
interpretierte ich in diesem Moment vorschnell als ein auf meine
Person fixiertes Interesse, vulgärpopulär oft auch als
„erwartungsvolle Geilheit“ bezeichnet. Das waren mein Hoffen, und

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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auch mein Ziel für diesen Nachmittag und auch Abend, aber ich sollte
mich irren. Es war ganz anders als ich in diesen Sekunden vorfreudig-
erektiv dachte. Viola nahm das Glas an ihre vollen, roten Lippen und
trank den ersten Schluck des prickelnden Champagners.
„Du sag mal“ war ihre erste Frage und ich wusste nicht was
ich sagen sollte, denn meine Phantasie befand sich noch auf
Abwegen, und bei der Frage, warum man bei Rehen den hellen Fleck
an der Rückseite „Blume“ nennt.
„Du bist doch mein bester Freund und wir kennen uns doch
schon seit zig Jahren.“
Auch dem musste ich zustimmen, obwohl ich an die
Kennenlernzeit nicht so gern erinnert werde. Ein Fehlstart bleibt
immer ein Fehlstart mit stark reduzierten Chancen auf den ersten
Platz. Das hat sich bis heute nicht geändert. Damals, so vor etwa
zwanzig Jahren bekam ich dir Rolle des besten Freundes mehr
unfreiwillig zugewiesen, weil damit auch untrennbar die Rolle des
ersten Verlierers verbunden war.
Du bist schockiert? Dann möchte ich dir mein trauriges
Schicksal, das mich nun seit vielen Jahren verfolgt, kurz beschreiben.
Die Fakten sind: Viola hat damals aktiv versucht, es mit mir zu
treiben, und ich Blödmann (oder Glückspilz) habe es passiv
vermasselt.
Du fragst dich, wie so etwas Unreparables passieren konnte?
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Es waren von den äußeren Umständen abhängige Probleme, die mich


scheitern ließen. Falls du zu den Gewinnern gehören möchtest, kann

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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ich dir vom falschen Ort (ein zugeschneiter Waldweg) dringend


abraten, weil wegen Schneeverwehungen zu unsicher. Die falsche
Jahreszeit (Winter und zu kalt), der Rücksitz eines gammeligen VW
Passats (abzuraten weil zu eng und zu muffig), und der falsche
Zeitpunkt kamen noch dazu. Auch meine damaligen, seelischen
Belastungen waren nicht zu unterschätzen. Viola war noch jung und
das erste Mal strikt und frisch verheiratet, und zwar mit einem in
weitem Umkreis bekannten und mehrfach preisausgezeichneten
Kickboxer und Anführer einer bekannten Motorradgang (sehr
schlechte Voraussetzungen). Du wirst sicher verstehen, dass ich unter
diesen kontraerektiven Bedingungen ziemlich unkonzentriert war. Ich
kam nicht mal rein, weil sich alle meine Gedanken nur darum
drehten: „Wie komm ich da wieder raus“ (aus dem zugeschneiten
Waldweg und der gefährlichen Situation). Selbst mündliche Hilfe war
in meinem Zustand hoffnungslos. Dennoch habe ich etwas sehr
wichtiges für mein Leben gelernt. Für spontanen Sex gibt es eine
universell einsetzbare Formel. Sie lautet:
Zeit + Ort + Temperatur + mögliche Risiken = Chance.
Und bevor ich es vergesse, „One-night Stand“ hat nichts, aber
auch gar nichts mit „der steht eine ganze Nacht“ zu tun.

Meine Rolle als guter Violafreund hat sich seit meinem


schlaffen Fehlstart sozusagen vergeistigt. Ich bin der beste Freund,
der hin und wieder nippen, manchmal auch kosten, aber fast immer
die Krümel als kleine Genüsschen schlemmen darf. Ein verfügbarer

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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und verständnisvoll zuhörender Vertrauter, von dem man weiß, dass


er so abgeklärt ist, dass ihm nichts Weltliches fremd ist. Und dem
man alle Details beichten kann, weil man hundertprozentig sicher
sein kann, dass er Verständnis für eine Sünderin aufbringt. Denn ein
Gott, der ohne Hosen nicht kann, kann schweigen.

Aber ich verplaudere mich in meinen nostalgischen Gedanken.


Denn eigentlich wollte ich dir die Ereignisse des Abends erzählen, und
außerdem geht es um das Thema „Natursekt“ und ich hatte immer
noch nichts gesagt, weil ich noch nicht wusste, was ich sagen sollte.

„Ich kann doch mit dir über alles sprechen?“


Herrgott im Himmel. Mit wem auf der großen, weiten Welt,
wenn nicht mit mir sollte Viola über alles sprechen können?
Außerdem beinhaltet so eine Frage bereits die intuitive Antwort.
Sollte ich etwa ein klares „Nein“ aussprechen? Dann könnte ich dir
doch meine Erlebnisse nicht erzählen.
Meine die Neugier nur spärlich tarnende Antwort: „Aber
Honey …“ (meine Frauenallroundansprache) war darum auch klar
und präzise. „… du weißt doch, dass du mit mir über alles sprechen
kannst.“
Mit meinen Händen ergriff ich ihre Hände und ich bemerkte,
dass Viola nervös war. Ihre Hände waren etwas feucht und sehr heiß.
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Viola löste sich von meinen fürsorglichen Berührungen und nahm


noch einen tiefen Schluck Champagner aus ihrem Glas, das ich sofort

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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und pflichtbewusst nachfüllte, denn ich weiß ja, was sich gehört.
„Du weißt doch, dass ich jetzt manchmal bei Fabienne in der
Bar arbeite. Das ist ganz seriös und ich bin nur hinterm Tresen.“
Natürlich wusste ich, dass Viola öfter, eigentlich seit einigen
Wochen überraschend oft in dem offiziell als BB Bar, und in
Kennerkreisen als Bar Bizarr bezeichneten Club aushilft. Die Gründe,
warum Viola sich mit körperlicher Arbeit unter die Werktätigen
mischt, sind vielfältig und würden den mir bleibenden Platz sprengen.
Darum möchte ich hier auch nicht weiter darauf eingehen.

„Aber Schätzchen, ich weiß doch, dass das ein ganz seriöser
Job ist. Warum entschuldigst du dich dafür.“
Meine liberale Antwort gab Viola das beruhigende Gefühl,
nichts Verbotenes, oder sogar gesellschaftlich Geächtetes zu tun.
Also einer ganz seriösen Tätigkeit nachzugehen, zu der die
Einwilligung ihres Ehemanns nun mal nicht erforderlich ist. Denn
kräftezehrende Arbeit hat Viola als emanzipierte Frau nicht nötig.
Sagt sie jedenfalls und ich glaube Viola jedes Wort.
Sie nahm noch einen Schluck aus dem Glas, gab hinter
vorgehaltener Hand ein kaum hörbares Rülpserchen von sich und
redete dann schnell weiter: „… und ich hab da am Samstag ein Paar
kennen gelernt. Also die sind sehr nett und wir haben uns ganz toll
verstanden.“
Ich schwieg, obwohl mir viele brennende Fragen auf der
Zunge lagen. Immerhin war es sogar mir zu Ohren gekommen, dass in

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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dem besagten Club das Grundrecht der Bürgerin und des Bürgers auf
Orgien vehement verteidigt wurde. Außerdem wusste ich auch, dass
Viola einen seriösen Ausbildungsplatz bekommen hat, was ja
angesichts des Fachkräftemangels in der Republik auch nicht zu
verachten war. Wir hatten ja vorher die Vor- und Nachteile ausgiebig
diskutiert. Außerdem wusste ich, dass Fabienne (das Ferkel) dort sehr
erfolgreich tätig ist, und ich wusste auch, dass es sich bei Violas
Arbeitsstätte um einen sogenannten Swinger-Club mit
angeschlossenem Studio für konsequente Erziehung handelt.

Ich griff zur zweiten Champagnerflasche und begann sie eher


beiläufig zu öffnen, bevor der Champagner zu warm wird, denn dann
schmeckt er ja nicht mehr und das ist nicht so prickelnd.

„Ich kann doch alles mit dir besprechen, du hast es mir


versprochen?“ war Violas nächste, mit leicht geröteten Wangen
gesprochene Frage.
An dieser Stelle möchte ich dich, liebe Leserin, und natürlich
auch dich mein Freund fragen: „Hätte ich an dieser Stelle das
Gespräch abbrechen sollen?“
Natürlich nicht. Du hättest es nicht getan und ich habe es
auch nicht getan. Und darum war es nicht nur für mich, sondern auch
für euch meine lieben Leser wichtig, dass meine nun folgende Frage
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gestellt werden musste.


„Schaaaahatz, erzähl doch einfach weiter. Was war denn nun

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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mit dem netten Paar?“


Viola begann noch mehr zu erröten und sie senkte züchtig den
Blick.
„Also du weißt doch, dass sich in dem Club Paare treffen …“
Mit dem unwissenden Blick, der Scheinheiligen und
Inquisitoren besonders gut steht, sah ich meine beste Freundin an.
„Was für Paare?“ war meine antwortheischende Frage nach mehr
Details.
„Tu doch nicht so. Das weißt du doch. Das sind ganz normale
Pärchen die hin und wieder etwas Abwechslung suchen.“
Viola ist manchmal etwas schüchtern und dann muss man ihr
die sprichwörtlichen Würmer aus der Nase ziehen. Aber ganz
weltfremd bin ich auch nicht und natürlich wusste ich vom
Hörensagen, dass es solche Etablissements angeblich geben soll.
Meine etwas überhebliche, aber doch weltmännisch
klingende Antwort: „Aber klar das weiß ich doch. Ganz doof bin ich ja
auch nicht“ war als vertrauensbildende Maßnahme gedacht, und
Viola begann weiter zu erzählen.
„Also die waren so nett und die fanden mich auch
sympathisch, und da bin ich mit denen in den Klinikraum
mitgegangen.“
Ich sah Viola vielleicht etwas zu lang an, denn die Frage: „Du
weißt doch, was ein Klinikraum ist“ kam sofort, vielleicht um meine
Nervenstärke zu testen, hinterher.
„Ja natürlich weiß ich, was ein Klinikraum ist. Ich war nur

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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einen Moment verwundert, weil du mir immer erzählst, du arbeitest


nur hinterm Tresen und mixt die Cocktails.“
„Ja das bin ich auch, aber manchmal mach ich auch eine
Ausnahme. Es sind manchmal ganz nette Gäste dabei und ein
bisschen Spaß möchte ich ja auch haben.“
Das sah ich ein. Der werktätige Mensch hat nun mal das
gewerkschaftlich garantierte Recht auf Freizeit, wenn der Job zu
stressig wird. Außerdem ist es Viola hoch anzurechnen, dass sie in der
allgemeinen Depression in Deutschland, bewundernswerte Initiative
durch selbstlose Mehrarbeit zeigt.
Meine Frage: „Und was ist dann passiert?“ war die logische
Fortsetzung des Dialogs, denn es wäre, wie ich bereits geschrieben
habe, unklug gewesen, nicht weiter zu fragen.
„Ja also ich bin dann mit gegangen und die waren auch sehr
nett. Sie heißt Petra und er Peter.“
An dieser Stelle hatte ich das Gefühl, dass meine Haare
schlohweiß geworden waren. Denn Viola versteht sehr viel von der
altchinesischen Foltermethode. Bevor sie zum verbalen Kern der
Sache kommt, kann es seine Zeit dauern.
„Ja und, was ist dann passiert, mach es doch nicht so
spannend.“ War meine etwas zu laute Antwort. Irgendwie hatte ich
auch das Gefühl, dass Viola meine Nervosität bemerkte, denn sie
nahm noch einen Schluck aus ihrem Glas.
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„Schenk mir erst noch etwas nach, oder ist dein Kühlschrank
schon leer.“ Durch die Umstände gezwungen musste ich kurz

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unterbrechen und zum Kühlschrank gehen. Ich griff nach einer


Sektflasche (mit festem Griff am Hals) und bewegte mich mit weichen
Knien und leicht schwankendem Gang ins Wohnzimmer. Ich stellte
die Flasche ohne ein weiteres Wort zu verlieren vor Viola. Dann ging
ich ins Bad, um mir zwei kalte Umschläge auf die Stirn zu legen. Dazu
ließ ich etwas eiskaltes Wasser über meine Handgelenke laufen, um
meinen Kreislauf wieder auf einem normalen Niveau zu stabilisieren.
Als ich meine Kontenance wiedergefunden hatte, sah ich auf
die Uhr. Die Zeit war schon weit fortgeschritten, und die
Entscheidungen zum Wohl meiner Libido und unter Berücksichtigung
meiner plaudernden Freundin Viola sollten jetzt oder nicht mehr
getroffen werden.
Ich sah Viola an. Sie sah mich an und sie versuchte die
Sektflasche mit ungeübten Fingern zu öffnen, das Luder. Ich nahm ihr
die Flasche aus der Hand, um die Angelegenheit zu beschleunigen
und Viola redete weiter.
„Also wir waren dann in dem Raum ...“ Viola zog an ihrer
Zigarette. Dann nahm sie einen Schluck aus dem Champagnerglas.
„… und ja, ich weiß dass du jetzt schlecht von mir denkst, wir
hatten so etwas Ähnliches wie Sex.“
Ich sah Viola einen Moment streng an, bevor meine
interessierte Gegenfrage kam: „Ihr hattet so etwas wie Sex? Hattet
ihr Sex, oder hattet ihr keinen Sex. Hattest du und Peter Sex, oder du
und wie heißt sie noch mal, Petra? Oder du und Petra und Peter, oder
waren da noch andere irgendwie dran beteiligt? Kann man eigentlich

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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so etwas Ähnliches wie Sex haben?“


„Also das ist jetzt etwas komplizierter.“ Die Antwort kam fast
empört, so als ob ich ein elender und intoleranter Spießer wäre, der
dem Viola (dem armen Mädel) auch nicht den geringsten Spaß
gönnen würde.
„Da ist ja auch nichts Schlimmes dabei. Tu doch nicht so, als
ob dich das schockieren würde.“
Manchmal kann Viola richtig nett sein, besonders wenn sie
ihre spitzbübische Art, verbunden mit einem hinterlistigen Lächeln,
drauf hat. So ähnlich waren meine Gedanken. Aber ich wollte nicht
als weltfremder Spießer dastehen und meine Antwort fiel
entsprechend aus.
„Honey, du kennst mich doch. Mich kann doch nichts mehr
erschüttern. Hauptsache es hat dir Spaß gemacht“ war meine
souveräne Antwort. In Gedanken war ich bei der verstreichenden
Zeit, denn ich hatte Viola an dem Abend fest und mir größeren
Nutzen bringend eingeplant. Denn auch ich habe ein Recht auf ein
bisschen Liebe, ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude – das
wünsch ich mir.
In dem Moment, leider etwas zu spät, fiel mir die chinesische
Weisheit ein, dass man besser auf seine frühen Gedanken achten soll,
denn sie sind der Anfang der Tat, und manchmal kommt es anders als
man denkt.
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„Ich muss dir noch etwas erzählen.“


Als ob ich es nicht geahnt hätte. Da war noch etwas. Etwas

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was man nicht dem Ehemann beichtet. Auch nicht dem Pfarrer oder
dem Tagebuch. Ein Geheimnis das Frau nur mit dem besten Freund,
dem Verschwiegenen, teilt.
„Los jetzt erzähl schon. Was war da noch.“ Ich lächelte meine
beste Freundin an, aber tief in meinem Innern war der Wunsch, einen
Mord durch Erwürgen der Schlange zu begehen. Denn wenn ich
etwas hasse, dann sind es intime Geständnisse, die nur
scheibchenweise serviert werden. Aber ich bin ein geduldiger
Mensch mit stahlharten Nerven. Ich stand auf und sagte mit zittriger
Stimme: „Schatz, ich bin gleich wieder da.“ Dann ging ich ins Bad, um
meine kalten Wickel zu erneuern und nach einem
kreislaufstabilisierenden Medikament zu suchen. Wenn Liebe so
anstrengend ist, dann kann es nur daran liegen, dass Mann und Frau
unterschiedliche Startvoraussetzungen haben. Plötzlich war mir klar,
dass der Mann in solchen Situationen eindeutig der Unterlegene ist.

Als ich nur mäßig erfrischt und mit einem leichten


Magengeschwür vom Ort der Stille zurück kam, platze es förmlich aus
Viola heraus: „Aber nicht, dass du jetzt schlecht von mir denkst.
Verspricht du mir das?“
Mein hysterisches Lachen war nur mühsam zu verbergen. „Ja
klar doch, ich verspreche es dir. Wir sind doch uralte Freunde.“
„Ich bin verliebt.“
Ich bin kein gewalttätiger Mensch. Ich bin friedliebend und
verabscheue jede Form von Auseinandersetzungen. Aber es gibt

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Situationen, in denen sogar bekennenden Pazifisten zu


Gewalttätigkeiten neigen. Aber ich konnte mich noch ein letztesmal
beherrschen. Denn Viola ist ja wie bereits beschrieben sehr nett und
lecker, oder wie ein bekannter Schwerverbrecher in einem
klassischen amerikanischen Kriminalfilm sagen würde: „Süß, wie ein
Spitzenunterhöschen“, um dann zwei Kugeln aus der Derringer in den
Bauch zu bekommen.
„Also das ist ja nichts Neues, in wen bist du denn verliebt. In
Peter, oder in Petra, oder etwa in Beide zusammen?“
Viola schwieg einen Moment. Dann nahm sie einen Schluck
aus dem Glas mit dem inzwischen auf Zimmertemperatur
angepassten Champagner. Verlegen begann sie das Papier vom
Flaschenhals abzuknubbeln.
„Eigentlich weiß ich es auch nicht so genau. Aber da war
etwas, was ich bis dahin noch nicht kannte.“
Ich musste mir mit einem Taschentuch den Schweiß von der
Stirn wischen. Meine Viola hatte etwas im sexuellen Bereich erlebt,
dass sie noch nicht kannte. So etwas hätte ich von Viola nicht
erwartet, denn ich dachte immer, dass Viola sehr innovativ ist und
Neues nicht nur aufgeschlossen, sondern sogar freudig erregt
probiert, aber ich der einzige und ultimative Innovator im Hühnerstall
sei.
„Jetzt erzähl schon, mach es doch nicht so spannend“ war
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meine ungehaltene Antwort. Der ich den beschwichtigenden, aber


mit druckvoller Betonung ausgesprochenen Zusatz: „Du weißt doch,

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dass du mir alles erzählen kannst“ hinzufügte.


„OK, dann erzähl ich es dir. Also Peter wollte, dass ich
Strumpfhosen anziehe. Solche Dinger hatte ich schon ewig nicht
mehr angehabt, aber ich dachte, die sind Gäste und außerdem ist das
ja nichts Schlimmes …“
Mit unverständigem Blick sah ich Viola an, die weitersprach:
„Das denkst du doch auch? Das ist doch nichts Schlimmes?“
Ich schloss die Augen und nahm mir vor, meinen Vorsatz
bezüglich des angedachten Mordes bei der nächsten Gelegenheit,
aber spätestens in den nächsten Minuten zu realisieren.
„Also hab ich die Dinger angezogen. So richtig billige
Strumpfhosen vom Krabbeltisch. Peter auch, also nicht so richtig,
aber eigentlich schon …“ An dieser Stelle schwieg Viola, und ich
dachte daran, dass jetzt die beste Gelegenheit wäre, aus dem Fenster
zu springen, oder Viola zu schubsen – aus dem Fenster, dem hohen.
Viola hatte ein leicht gerötetes Gesicht und ich spürte, dass
sie verlegen war. „Also er zog die Strumpfhose über seinen Kopf …“
„Wolltet ihr etwa eine Bank überfallen?“
„Nein, sowas mach ich doch nicht. Das weißt du doch …“
Ich wusste das nicht und darum schloss ich die Augen wie zum
Gebet für eine arme, verwirrte Seele.
„Er lag so auf der Bank und ich sollte, also ich weiß nicht wie
ich es sagen soll, auf ihn …“
„Ja was denn nun?“ Vielleicht hätte ich Viola an dieser Stelle
endgültig erwürgen sollen, aber ich hielt mich, angesichts der

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unbequemen Verhältnisse in deutschen Strafanstalten, wenn auch


mühsam, aber immerhin noch zurück.
„Ich sollte auf ihn Pipi machen, in seinen Mund, und Petra
sollte sich solange auf den Dildo-Stuhl setzen. Das hat Chantal so
gewollt, und Fabienne hat zugesehen.“
„Die Sau“ ging mir durch den Kopf, und Viola schaute verlegen
auf das Sektglas. Spontan schenkte ich frischen Champagner nach.

An dieser Stelle möchte ich die weitere Beschreibung des


Dialogs und des Abends abbrechen. Viola hatte eindeutig zu viel
getrunken. Aber dieses erschütternde Fallbeispiel moralischen
Verfalls war doch zu wertvoll, um in Vergessenheit zu geraten. Darum
habe ich beschlossen, das Wichtige Thema um Dominanz und
Submission im nächsten Kapitel etwas ausführlich zu behandeln.
Denn auch solche Aspekte gehören zum Ausbildungsplan einer sich
ihrer Verantwortung für Volk und Vaterland bewussten Domina.
Doch zuvor ist ein wichtiger Hinweis angebracht. Vielleicht öffnest du
in der kurzen Pause, zusammen mit deiner Frau, oder deiner Affäre
eine Flasche Champagner. Dann beachte bitte die wissenschaftlichen
und heilpädagogischen Aspekte, dass Champagner bei
Natursektspielen eine geschmackliche Veränderung zum
Schlechteren bewirken soll.
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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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Viertes Kapitel
Fütterungszeiten

„Ich bin nicht dafür verantwortlich, so geworden zu sein, wie ich nun
mal bin. Aber eines weiß ich genau. Nur die Umstände sind schuld,
dass ich so geblieben bin.“
Werner S. aus S.

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D
as mit der Erziehung ist so eine Sache. Also ich finde,
dass es zum Schwierigsten überhaupt gehört, den
Bälgern gute Manieren und Reinlichkeit beizubringen.
Hattest du bei Armin ein besonderes System gehabt? Der hat
bestimmt keine Windeln gebraucht.“
Die helle Frauenstimme schwieg. Nur das Geräusch einer
Fernsehserie und das Gebrabbel eines leiser gestellten, vermutlich
abgehalfterten Moderators, der die kaum verständlichen Worte: „Ein
Teufelskreis“, „Herta“ und „Maika“ sprach, war noch zu vernehmen.
Nach einer kleinen Weile, in der nur der Fernseher für die
Hintergrundgeräusche sorgte, konnte er wie aus weiter Ferne ein
Kichern und das leise Klirren durch das abstellen eines Tellers,
vermutlich auf einem Tisch mit einer Glasplatte hören. Die
sympathisch klingende Frauenstimme sprach weiter: „Ja das klingt
einleuchtend. Du meinst, wenn es bei Armin funktioniert hat, dann
wird ’s auch bei einem Mist-Balg funktionieren?“

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Dann war wieder eine kurze, nur von harten kleinen Schritten
unterbrochene Pause.
„Ja aber der Armin ist ja schon ausgewachsen und ein
strammer Kerl. Außerdem hat er ein prachtvolles Gehänge. Ich muss
schon sagen. Kommt Paula damit eigentlich klar …“
Dann war ein leises Kichern im Raum.
„Da hast du recht. So hab ich das noch nie gesehen. Aber
wenn man es so sieht, dann sind Hunde und Bälger wirklich gleich.“
Im Fernseher lief eine Talkshow, bei der es nach dem
Gelächter und den Stimmen um Lampen und Wurstbuden ging.
„Und wie machst du es mit dem Futter? Ach du machst es
warm? Einmal am Tag? Und das reicht dem großen Viech?“
Wieder waren die leisen Geräusche von bewegtem Steingut
und Essbesteck zu hören.
Dann rede die Stimme, diesmal mit scheinbar halbgefülltem
Mund weiter: „Ich hab dem kleinen Teufelsbraten nur die Büchse
aufgemacht und dann alles in den Napf ...“
„Sonst hab ich ihm immer eine Büchse LUX vom Aldi
aufgemacht. Das soll ja gesund sein und es hat ihm ja auch immer
geschmeckt.“
Die Stimme schwieg wieder für einen Moment.
„Du hast doch gesehen was ich ihm füttere. Du hättest mir
ruhig mal einen Tipp geben können, dass das Zeug für Katzen ist.
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Dann hätte er etwas anderes bekommen.“


„Wie? Nicht kalt …“

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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„Ich bin doch keine Hausfrau. Ich hab ja nicht gewusst, dass
man die Ravioli zuerst braten muss.“
Harte feste Schritte waren wieder zu hören.
„Nicht braten, kochen? Ach so geht das. Du musst mir mal das
Rezept geben.“
Dann waren wieder Schritte die sich etwas entfernten und
eine sich öffnende Tür zu hören. Ein leises, fast adagio an und
abschwellendes Plätschern, fand im fast surrealistisch melodischen
Klang einzelner, scheinbar immer weniger werdender Tropfen auf
Keramik nicht seinen Ausklang. Den dramatischen Abschluss bildete
das Geräusch einer Wasserspülung. Die Schritte kamen wieder näher
und die Stimme wurde wieder lauter.
„Wenn du meinst, dass ihm kalte Ravioli nicht schaden, dann
bin ich beruhigt.“
Einen Moment war Stille, dann sprach die Frauenstimme
weiter: „Du denkst, dass der kleine Schatz auch damit zufrieden ist,
wenn er es direkt aus der Büchse …“
„Jetzt versteh ich. Er muss lernen wo sein Platz ist und wo sein
Napf steht. Also gut, dann bekommt er in Zukunft sein Fresschen an
seinem Platz und kalt. Wie lange soll ich den Napf stehen lassen?“
Dann schwieg die Stimme für einen Augenblick.
„Nicht bis sich Fliegen drauf setzen? Ja da hast recht, das ist ja
auch nicht schön.“
Die Stimme drang wie aus weiter Ferne an seine Ohren: „Also
beschweren kann ich mich nicht. Reinlich ist er ja, trotz seinem

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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rektalen Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom. Die Toilette macht er gern


sauber. Also da kann ich mich wirklich nicht beschweren. Da hätte
sogar die Jungfrau Maria Lust, mal einen schönen großen Haufen
reinzulegen …“
In der Dunkelheit war nur die von hellem Lachen
unterbrochene Stimme zu hören.
„Danke für deinen Rat. Ich sehe es auch so. Nur mit der
richtigen Dressurmethode gelingt der Übergang vom Affen zum
einigermaßen erträglichen Menschen. Bussi ...“

Werner ging es wie vielen Unternehmern und


Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, denen neben
unentwegtem Durchsetzungsvermögen auch ein Quäntchen
Kreativität, gepaart mit exquisitem Lebensstil abverlangt wird. Schon
seit einigen Minuten dachte er an seine Bilanzen, und der Gedanke,
dass es mal wieder an der Zeit wäre, eine steuermindernde
Investition in Form einer diskret gelegenen Immobilie zu tätigen,
wollte nicht aus seinem Kopf. Ein kleiner Stift hätte vieles erleichtert,
denn gute Ideen sind bekanntlich flüchtig, aber er war zu sehr
behindert, um danach zu greifen.
Werner konnte nicht sehen was um ihn herum geschah, aber
er war Mithörer eines Telefongesprächs geworden. Seine Knie
schmerzten und er atmete schwer. Plötzlich spürte er schmerzhaft
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das Alter und die Tücken des Verschleißes. Darüber war er nicht
traurig, obwohl er wusste, dass der erste Lack langsam aber

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[Aus meinem Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]


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unausweichlich bis auf die Grundierung abzublättern begann. Dann


schweiften seine Gedanken ab, zurück in seine Jugendzeit und die
schönen Jahre, als er frei wie ein Vogel und bei den Damen der
Stuttgarter Altstadt noch ein gern gesehener Gast war. Er dachte
auch voller Wehmut an die Schwestern aus Neckargartach, die es ihm
besonders angetan hatte, weil sie es ihm so nett und unkompliziert
besorgen konnten, wie es sich ein unerfahrener Jungmann in den
prüden sechziger Jahren niemals erträumt hat. Alles lag schon lange
zurück und die Erinnerungen begannen wie alte Fotografien zu
verblassen. Nur die starken Schmerzen in seinem rechten
Handgelenk waren real im Hier und Jetzt. Er verzog das schweißnasse
Gesicht zu einer Grimasse, denn die verklebten Haare an seinem Kopf
begannen unangenehm zu jucken.
Man konnte dem Steuerberater und Unternehmer Werner S.
aus S. vieles nachsagen, aber wenn er eine Aufgabe zugewiesen
bekam, dann führte er sie auch geflissentlich aus. Werner S. war es
nicht gewohnt, den Boden mit einem Feudel feucht aufzuwischen
und er hielt einen Moment mit der kreisenden Bewegung inne um zu
verschnaufen. In Haushaltstätigkeiten ungeübt, hatte er
pflichtbewusst und fast liebevoll versucht auch die Ecken unter den
Schränken zu erreichen, was ihm wegen den ersten Anzeichen einer
leichten Gicht nicht leicht gefallen war.
Das hellblaue Baby-Jäckchen mit den eingestickten, niedlich
lächelnden Bärchen und den Bommeln an liebevoll gestrickten
Schnüren, mit denen es zugebunden war, spannte an seinem

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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kräftigen Hals und der starke Druck im Unterleib kam nicht vom
fehlenden Höschen. Das für Kleinkinder konzipierte Kleidungsstück
war ihm viel zu klein und offensichtlich nicht mit der nötigen Sorgfalt
und nicht mit einem Qualitäts-Weichspüler gewaschen worden. Das
verfilzte Wolle-Acrylgemisch juckte kaum noch erträglich auf seiner
Haut und die Reste der kalten Ravioli-Sauce a la Bolognese, vermischt
mit glibbrigen Champignons aus der Dose, klebte in kalten
angetrockneten Resten an seinem Kinn und seinem Hals. Aber
Werner S. hatte nicht vor seinen Protest hinaus zu brüllen, wie es
Kinder nun mal tun. Werner wollte nicht nur artig, sondern auch
gründlich und sauber sein und seiner strengen Fabienne nicht den
geringsten Anlass zum Tadel geben. Denn eines wusste er genau: So
ein phantasievolles Goldstück ist nicht leicht zu finden.

Die eng zusammengezogenen Plastikbänder, schwarze billige


Kabelbinder aus dem Baumarkt, schnitten in seine Hand- und
Fußgelenke. Unter dem Kinderkleidungsstück war er nackt und die
Hämorride am Ende seines Rektums schmerzte mit zunehmender
Dauer des immer noch ungewohnten Dehnungsdrucks, aber Werner
war froh und er dachte spontan an Schiller. In der unkomfortablen
Stellung in der er sich befand, fiel ihm ein Merksatz aus dem zweiten
Akt der Räuber ein: „Ich hatte schon den Ellbogen angesetzt, ihr die
übriggebliebenen wenigen edlen vollends in den Mastdarm zu
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stoßen.“

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Es waren nur die gequälten Gedankenfetzen eines


geschundenen Objekts, denn Werner S. aus S. konnte nichts sehen.
Seine Augen waren verdeckt. Aber er wusste, er war nicht allein und
die Erlösung schon bald nah und doch so fern.

Werner kniete in einer äußerst unbequemen Stellung auf dem


Boden und mit seiner linken, der freien Hand führte er wischende
Bewegungen durch. Plötzlich wurden mit einem ratschenden
Geräusch zwei Reißverschlüsse geöffnet und das erste was er nach
zwei Stunden Dunkelheit vor sich sah, war ein an Duschvorhänge aus
den fünfziger Jahren erinnerndes Muster auf einem roten Stragula.
Wie er es gelernt hatte, begann Werner wie ein junges, ungezogenes
Hündchen zu kläffen und zu jaulen. Dann spürte er einen starken,
etwas stechenden Druck in seinem Genick. Er wagte nicht sich zu
wehren.
Gehorsam wie schon hundert Mal geübt nahm er seinen Kopf
weiter runter und versuchte aus einem ihm mit dem Fuß achtlos
zugeschobenen, blauen Fressnapf mit der Aufschrift „Für den
Wauwi“ wieder glitschigkalte Ravioli-Bolognese zu essen, die aus
einer Büchse vom Supermarkt, der rote Aufkleber „Sonderangebot
0,99“ stach ihm ins Auge, mit einem klatschenden Geräusch,
spritzend in den Napf fielen. Es war eine schwere Mahlzeit und die
ineinander verklebten Ravioli bildeten zusammen mit dem Muster
der Auslegeware ein skurriles, fast dreidimensional, psychodelisch
wirkendes Muster auf dem Boden. Er versuchte die Ravioli mit

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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seinem Mund und seiner Zunge aufzunehmen, aber ohne die


Werkzeuge die kultivierte Menschen normalerweise einsetzen gelang
ihm das Vorhaben nur unzureichend. Die rote Soße verschmierte den
Boden, sein Gesicht und sein ehemals weißes Schlapperlätzchen, dass
das Wolljäckchen vor Verunreinigungen schützen sollte.
Vergeblich versuchte er den blauen Fressnapf sauber
auszulecken, als er einen brennenden Schmerz auf seinem
mächtigen, weißen Hinterteil spürte. Werner stöhnte laut auf und
der Druck in seinem Mastdarm begann sich wieder unangenehm
bemerkbar zu machen.

Fabienne ging langsam auf den bequemen Sessel zu und


setzte sich mit einer kapriziösen Bewegung. An diesem Nachmittag
hatte sie nur wenig zu tun. Der Haushalt war gemacht und die freie
Zeit, die konservative Hausfrauen an den Nachmittagen haben, wenn
die Männer dem Broterwerb nachgehen, nutzte sie nicht für ein
Mittagsschläfchen oder Internetbekanntschaften, sondern für leichte
Lektüre. Sie nahm eine Zeitschrift mit der Aufschrift „Bild der Frau“
und begann gelangweilt zwischen Fürsten aus Monaco und anderen
Königskindern hin und her zu blättern. Als sie langsam die Beine
übereinander schlug, löste das Geräusch der sich aneinander
reibenden Seidenstrümpfe, bei Werner S. aus S. einen wohligen
Schauer aus. Wegen der plötzlichen Helligkeit taten ihm die Augen
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weh. Er hatte keine Brille auf und nahm darum seine Umgebung nur
diffus verschwommenen war. Aber Werner konnte ihren schönen,

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hauchdünn schwarzbestrumpften Fuß, der sich leicht wippend


unmittelbar vor seinem Gesicht bewegte, und das zarte
Goldkettchen, das sich um ihre schmalen Knöchel spannte, genau
erkennen. Durch die schmalen Sehschlitze seiner Gummimaske
betrachtete er ihre sorgfältig rot lackierten Zehen mit den silbernen
Zehenringen unter zartem Gespinst.
Den Schmerz in seinen Knien, die Striemen auf seinem
Hinterteil, die seit Stunden abgebundenen und darum tauben Nüsse
und seine schütteren, verschwitzten Haare unter der Gummimaske
spürte er nicht mehr. Als er dankbar aufblickte sah er in ihr Gesicht.
Sie war schön wie ein Engel, kurz vor der Verleihung der großen
Ehrenflügel. Die Brille mit dem schwarzen Gestell gab ihr ein
übernatürliches, überaus intellektuelles Aussehen. Werner
betrachtete sie mit einem Blick der seine Anbetung nur zu deutlich
ausdrückte.
Ihr süffisantes Lächeln und ihr spöttischer Blick taten ihm gut.
Er schämte sich nicht, dass die kalten Ravioli und die inzwischen
angetrocknete Sauce Bolognese seinen Lippenstift und den Mund der
von der Gesichtsmaske nicht bedeckt war, verschmiert hatte. Es war
ihm auch egal, dass ein roter Spezial-Megaaufpumpplug mit langen
schwarzen Kunsthaaren am Ende, wie der Schweif eines Pferdes aus
einem ausladenden Hinterteil herausragte und der Druck des darum
nicht auf natürlichem Weg entweichen könnenden Einlaufs kaum
noch erträglich war. Werners Herz war voller Liebe und jetzt wollte er
es sagen: „Es ist himmlisch, wie viel Kraft im Schwachsein steckt.

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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Liebe ist ein Experiment mit dem Zufall. Ich liebe meine junge
Meisterin. Ach wäre ich noch einmal so jung und warum kann nicht
alles noch einmal neu beginnen. Ich würde so vieles im Leben anders
machen.“ Aber sie gebot ihm mit einem Hieb ihrer kleinen violetten
Lederpeitsche zu schweigen. Dann durfte er die Peitsche wie ein
Stöckchen in den Mund nehmen, und er sah den in goldenen Lettern
eingeprägten Namen „Magistra Fabienne.“

Mühsam, soweit es ihm mit seine Behinderung durch die


schmerzende Fesselung möglich war, robbte er näher an sie heran
und legte gehorsam die kleine Peitsche vor ihre Füße. Dann nahm er
ihre mit hochfeinem Nylon bestrumpften Zehen in den Mund um
daran zu saugen und sie abzulecken. Fabienne ließ es mit allen
Anzeichen des Widerwillens über sich ergehen und vermutlich dachte
sie an schönere Zeiten, als sie sich die Zehenlecker noch aussuchen
konnte und nicht gezwungen war, fette Lutscher lutschen zu lassen.

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Fünftes Kapitel
Konsequente Anleitung in zehn Schritten

Alles wird schlechter,


die Geschäfte laufen schlecht,
die Menschen sparen und sorgen sich um die Zukunft.
Aber es gibt einen Lichtblick: Die Moral ist auch schlechter geworden
und gevögelt wird immer.
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D
ie Staatskassen sind leer, alle Welt jammert über
fehlende Berufsperspektiven und wenn es nach den
Regierungsverantwortlichen geht, soll sich Deutschland
endlich aufraffen und mehr Eigeninitiative zeigen. Wir schreiben das
Jahr 2009. Schwulsein ist schick, Lesben sind angeblich die letzten
Männer, Frauen können Bundeskanzlerin und Prostituierte
sozialversichert werden. Niemand regt sich mehr auf und nichts ist
wie es mal war.
In der grauen Vorzeit der moralischen Hürden, noch vor
wenigen Jahrzehnten galten Frauen mit kurzen Röcken automatisch
als „Flittchen.“ Die anständige Bürgerin war empört, und der auf
Recht und Ordnung bedachte Bürger sah mit steigenden Rocksäumen
den Untergang der Zivilisation in greifbarer Nähe. Heutzutage regt
sich niemand mehr auf, wenn Modemacher ihre Shows „Prostitution“

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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taufen, Kleider aus Geldscheinen auf den Laufsteg schicken, oder


Madonna im Lederkorsett und in Netzstrümpfen akrobatische
Verrenkungen zeigt, die selbst die Werbung für harte Pornografie
locker in den Schatten stellt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis
zum ersten öffentlich-rechtlichen Auftritt einer Superdomina, mit
schonungslosen Berichten über wirkungsvolle Maßnahmen zur
Läuterung über die Stränge schlagender Investment-Banker.

Manche Jobs sind fast so alt wie die Menschheit. Das


Gewerbe des Straßenräubers gehört dazu, das manchmal auch als
das zweitälteste Gewerbe der Welt bezeichnet wird. Auch der Beruf
des Beutelschneiders ist mindestens genauso alt. Das älteste
Gewerbe ist auch nicht das, an das du vielleicht spontan denkst.
Verkaufen ist der älteste Beruf in der Menschheitsgeschichte.
Schönheitspräparate, Versicherungen, Autos, Eigentumswohnungen,
oder Brot und Butter im Lebensmittelladen werden zum Tausch
gegen Geld angeboten. Das verfügbare Angebot bestimmt Nachfrage,
Preis und Gewinn. Leistungen werden in Anspruch genommen und
wenn man etwas mehr als zufrieden war kommt man gern und
wieder. Selbst der kleinste Ladeninhaber kennt diesen
Zusammenhang von seinen Stammkunden. Nicht anders verhält es
sich mit dem Beruf der Domina.
Dich interessieren die Verdienstmöglichkeiten? Es ist eine
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krisensichere Branche mit gewaltigen Umsätzen, die ihr Schmuddel-


Image weitgehend verloren hat. Doch wie in jedem Beruf sind die

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richtigen Informationen entscheidend. Wenn du dich als Domina


selbstständig machen möchtest, musst du deine Rechte und Pflichten
kennen. Zum Beispiel finden sich in § 180a des Strafgesetzbuches
eindeutige Regeln. Danach wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder mit Geldstrafe bestraft, wer die persönliche oder wirtschaftliche
Bewegungsfreiheit einer anderen Person dadurch beeinträchtigt,
dass er gewerbsmäßig die Prostitutionsausübung der anderen Person
durch Vermittlung sexuellen Verkehrs fördert und im Hinblick darauf
Beziehungen zu ihr unterhält. Im Strafgesetzbuch gestrichen wurde
der Absatz zur „Förderung der Prostitution“, der noch vor wenigen
Jahren schon das Bereitlegen von Kondomen und frischer Bettwäsche
unter Strafe stellte. Wenn du vielleicht aus Liebe abhängig dein
Einkommen an Dritte weitergibst, oder gezwungenermaßen den
Beruf ausüben sollst, dann entscheide dich dagegen. Eine Domina
kennt ihre Rechte und ihre Pflichten.

Obwohl der Beruf der Domina nicht mehr sittenwidrig und


rechtlich mit gesellschaftlich anerkannter Erwerbsarbeit gleichgestellt
ist, sind die durch moralisierende Medien und heuchlerische
Literaturverantwortliche aufgebauten Feindbilder immer noch fest
verankert. Nicht nur in Männerphantasien hält sich hartnäckig das
Klischee der wunderschönen „Pretty Woman.“ Bevor sie in der Gosse
landet, trifft sie den reichen aber unglücklichen Geschäftsmann
(Richard Gere). Wie im Märchen holt er die arme und unglückliche
Prostituierte Vivian (Julia Roberts) von der Straße und macht sie zu

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[Aus meiner Kurzgeschichtensammlung „Leben mit Viola“]
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seiner Prinzessin. Das vorhersehbare Ende ist die Bekehrung über


den Weg der Weiterbildungsabsicht zu Küche, Kinder und ehelicher
Treue. Zum Dank wird der unlimitierte Kreditkartenprinz von ganzem
Herzen geliebt. Solche Geschichten möchten emotional Berührte
lesen, sehen und hören. Fazit: In dieser Story bestimmt das Kapital
den Grad der Liebe. Frauen die Spaß an ihrem Beruf haben, und dazu
nüchternem Geschäftssinn mitbringen, passen nicht zu den Klischees
der bürgerlichen Wohlanständigkeit.
Das öffentliche Bewusstsein verdrängt auch gern, dass jede
zweite Domina Kinder hat und ein Drittel mit Wissen des Ehemanns
ihrem Beruf nachgeht. Das hat handfeste Gründe: Es ist ein Beruf, in
dem kommunikationsfreudige Frauen die Kombination von flexiblen
Arbeitszeiten und hohe Einkommenschancen ideal verbinden
können.

Wer sich frei von Zwängen und aus eigenem Antrieb für ein
Engagement als Domina entscheidet, sollte vorbereitet sein. Zum
Beispiel mit professionellem Know-how und dem festen Willen, ein
gewinnorientiertes Unternehmen zu führen. 10 wertvolle Tipps, wie
Frau ihr Business erfolgreich führt und wie man die größten Fehler
vermeidet, habe ich für engagierte Leserinnen zusammengestellt:

1. Am Anfang jedes erfolgreichen Unternehmens steht eine


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durchdachte Geschäftsidee. Dazu kommt der unbeirrbare


Wille zur Umsetzung des Vorhabens. Beim Unternehmen

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„Domina“ ist es nicht anders. Wer nicht zielstrebig sein Ziel


verfolgt, wer sich durch die Meinungen von Familie, Freunden
und Bekannten von seinem Vorhaben abbringen lässt, wer
zweifelt und Ängste als Geschäftskapital einbringt, sollte die
Finger davon lassen.

2. Wie in jedem Handwerksberuf benötigt auch der Beruf der


Domina eine längere Lehr- und Ausbildungszeit, oft über
Monate und Jahre. Idealerweise beginnt die Ausbildung als
Assistentin mit einfachen Handreichungen. Kontaktscheue
und introvertierte Persönlichkeiten haben kaum eine Chance.
Berührungsängste passen nicht zum Beruf der Domina. Auch
eine gesunde Einstellung zum Wert der Dienstleistung
„Erziehung mit Phantasie und Kreativität“ sollte vorhanden
sein. Wer seine Dienstleistung nicht optimal kommunizieren
kann, hat schon am Start verloren.

Sicherheit geht vor und der eigene Körper ist das Kapital. Auch
eine Domina, oder die Assistentinnen und auch das
Hilfspersonal, können Sex haben. Sex sollte nur mit Kondom
stattfinden. Zum Beispiel kann im niederbayerischen Landshut
das Ordnungsamt ein Bußgeld bis zu 25.000 Euro erheben,
falls es zu ungeschütztem Sex kommt. In etwa sieben Fällen
wurden in jüngster Zeit Prostituierte erwischt, die ohne Schutz
Geschlechtsverkehr ausübten. Die notwendigen

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Informationen zur Aufdeckung bekam das Amt von den


Freiern, die später als Kronzeugen dienten um einer Strafe zu
entgehen.

3. Jedes Ladengeschäft, das Restaurant an der Ecke, oder der


Autohändler machen es vor. Die Attraktivität der Auslagen
bestimmt den Grad des Erfolgs. Ein gepflegtes und
ansprechendes Erscheinungsbild ist unabdingbare
Voraussetzung. Interessierte Frauen sollten sich vor dem
Schritt in die berufliche Selbstständigkeit acht Fragen stellen:

z „Kann ich mich und meine Leistungen durch mein


Auftreten, mein Erscheinungsbild und ganz allgemein
durch meine Persönlichkeit gut präsentieren, oder bin
ich vom Typ her eher eine graue und schüchterne
Maus?“

z „Habe ich ein gepflegtes und inspirierendes


Erscheinungsbild, das meine Gäste zuhause so nicht
bekommen?“

z „Ist mein Körper ansprechend und wie gehe ich damit


um?“
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z „Kann ich offen und bestimmend kommunizieren?“

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z „Reichen meine psychologischen Kenntnisse aus, um


die oft unausgesprochenen Wünsche meiner Gäste zu
erkennen und darauf einzugehen?“

z „Bin ich willensstark und kann ich meine Vorstellungen


so kommunizieren, dass meine Gäste
wiederkommen?“

z „Weiß ich, wo die Grenzen der körperlichen


Belastbarkeit meiner Gäste liegen?“

z „Weiß ich, wie sich Triebe, Phantasien und


Vorstellungen artikulieren?“

4. Ein erfolgreiches Gewerbe lebt vom richtigen Standort. Die


Fragen die du dir stellen solltest lauten: „Wo ist mein
Gewerbe erfolgreich, welche Orte muss ich meiden und mit
welcher Konkurrenz muss ich rechnen?“

Es gibt mehrere Alternativen, wo Frau den Beruf der Domina


erlernen und ausüben kann. Dazu gehört zum Beispiel ein
etabliertes Studio, ein eingeführtes Bordell oder ein
spezialisierter Club.

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Bei etablierten Betrieben kann eine bereits vorhandene


Gästefrequenz für Stammgäste und Umsatz sorgt. Große
Anlaufinvestitionen für Werbung entfallen. Der Nachteil ist,
dass durch Abgaben an die Betreiber und durch die
Konkurrenz anderer Frauen, am Ende zwar oft ein sicherer,
aber geringer Verdienst steht. Falls für den Anfang eine dieser
Varianten gewählt wird, sollte das Studio zu den eigenen
Neigungen passen.

Trotz vieler Beschränkungen der Behörden, kann der Beruf


der Domina unter bestimmten Umständen in der
Privatwohnung, oder im eigenen Haus ausgeübt werden. Auch
diese Entscheidung muss sorgfältig durchdacht werden. Im
eigenen Haus, unter den Augen der neugierigen Nachbarn
gibt es keine Trennung von Privatsphäre und Job. Eine bessere
Entscheidung kann die Anmietung einer Wohnung in einem
„anonymen“ Wohnblock, vielleicht zusammen mit einer oder
mehreren Partnerinnen sein. Das erfordert Kenntnisse der
rechtlichen Bestimmungen, aber auch klare Vereinbarungen
und finanzielles Engagement, denn die Räumlichkeiten
müssen nach den besonderen Erfordernissen des Jobs
eingerichtet werden. Auch die Mietkosten müssen kalkuliert
werden. Eine erhöhte Miete für eine Wohnung die als Studio
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genutzt wird, kann nach einem Urteil des Koblenzer


Oberlandesgerichts (OLG) durchaus gerechtfertigt sein. Statt

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sich an den Mieten für Wohnungen zu orientieren, dürfen sich


die Kosten nach den üblichen Mieten für Gewerberäume
richten, entschied das OLG. Wer die Investitionen für ein
eigenes Studio scheut, und Mut zu unternehmerischem Risiko
aufbringt, kann auch einen Escort- oder Begleitservice für
Haus- und Hotelbesuche initiieren.

5. Bei Ausgrabungen im antiken Herkulaneum wurden


bekritzelte Häuserwände und eindeutige Symbole gefunden,
die den Weg zum Bordell markierten. Heutzutage ist das nicht
anders. Wer nicht in einem bestehenden Etablissement
arbeiten möchte, muss ständig werben. Dabei sind enge
gesetzliche Regelungen zu beachten. Für ein Studio darf
immer noch nicht mit klaren Aussagen geworben werden und
der Beruf wird darum mit den unverfänglichen Bezeichnungen
umschrieben. Wer für jede Kleinanzeige im örtlichen
Wochenblatt eine „teure“ Werbeagentur beauftragen muss,
kann schnell einige tausend Euro investieren. Darum gehören
Mindestkenntnisse, wie Werbung funktioniert, zum Beruf.
Wer wirbt, aber nicht erreichbar ist, hat schon am Start
verloren. Telefon mit Anrufbeantworter, Fax, Handy und ein
ansprechender Webauftritt gehören zur
Geschäftsausstattung. Oft findest du um im Bekanntenkreis
jemand, der für wenig Geld eine Homepage erstellt. Bilder
gehören dazu, die allerdings nicht pornografisch sein sollten.

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Frau braucht keine Angst zu haben, dass sie von den Nachbarn
aus dem „bürgerlichen“ Umfeld erkannt wird. Milliarden
Bilder geistern durchs Internet und mit etwas Geschick lassen
sich Erkennungsmerkmale wie das Gesicht, oder der
verräterische Hintergrund gut verstecken.

6. Professionelle Geschäftsausstattung kostet Geld. Wer die


vielen Wünsche der Gäste erfüllen möchte, muss vorbereitet
sein. Nicht nur erotische Kleidung, auch passende Spielzeuge
für ausgefallenere Wünsche sollten vorhanden sein. Auch die
Einrichtung eines spezialisierten Studios kann schnell einige
tausend Euro kosten, wenn ein Andreaskreuz und Spiegel
installiert, oder ein Klinikraum eingerichtet werden soll.

7. Zur Ausübung des Berufs gehört neben psychologischen


Kenntnissen, auch Fachwissen und Kenntnisse über den
menschlichen Körper. Nicht nur die gängigen Sexpraktiken
und der Unterschied zwischen Hand-Job und Blow-Job sollten
bekannt sein. Auch angrenzende Kenntnisse der üblichen
S/M-Techniken mit dem breiten Spektrum von Bondage, über
Rollenspiele, Spanking, Erziehung und auch das Wissen über
gesundheitlich unbedenkliche Strafaktionen sollten
vorhanden sein. Zur Vertiefung von Spezialwissen, zum
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Beispiel von Fesselkünsten, Dirty Games oder


Gummierziehung gibt es weiterführende Workshops und

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Ausbildungswege. Es ist wie in einem besonderen Restaurant.


Wer als Gast und Genießer Spezialitäten möchte, muss mehr
bezahlen, erwartet aber auch exquisite Leistungen. Nur
Training und Weiterbildung sichert den Geschäftserfolg.

8. Jeder Anfang ist schwer. Wenn du dich als Domina


selbstständig machen möchtest, kannst du in bestimmten
Fällen mit finanzieller Unterstützung der Agentur für Arbeit
rechnen. Voraussetzung ist ein ausführlicher Businessplan. Die
Hürden für Förderung und Zuschüsse sind hoch aber nicht
unüberwindlich, denn die Zahlungen erfolgen erst, wenn sich
nach einer Prüfung die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells
erweist. Es kann sinnvoll sein, spezialisierte
Unternehmensberater und Juristen zu Rate zu ziehen. Basis
der Förderung ist das Prostitutionsgesetz von 2002, welches
Prostituierte in Deutschland erhöhten Rechtsschutz gibt.
Dadurch ist die Agentur für Arbeit zu den Zahlungen gesetzlich
verpflichtet.

9. Der Beruf der Domina ist ein Gewerbe das behördlich


angemeldet werden muss. Ob in der Gewerbeanmeldung als
Geschäftszweck „Prostitution“, oder „Studio für
Erziehungsfragen“ steht, muss jede Frau selbst entscheiden.
Aber auch die Folgen einer Gewerbeanmeldung sollten
bekannt sein. Das Finanzamt erteilt eine Steuernummer,

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Steuererklärungen müssen abgegeben werden, und


letztendlich zeigen sich die Vorteile der Legalität darin, dass
auch eine Domina Steuern bezahlen muss. Wenn du das
„vergisst“ kannst du mit einer unerwarteten Steuerprüfung,
mit der Schätzung der Einnahmen und schmerzhaften
Steuernachzahlungen konfrontiert werden. Aber sieh es mal
so: Nur wer Geld verdient bezahlt auch Steuern.

10. Wer sich selbstständig macht, sollte auch frühzeitig an die


finanzielle Absicherung im Alter denken. Eine qualifizierte
Beratung ist wichtig. Nicht immer kann man vom ersten
Umsatz einen Betrag ansparen, aber es sollte frühzeitig damit
begonnen werden. Da sich die meisten
Versicherungsgesellschaften dafür „drücken“, mit einer
Domina eine Kapitallebensversicherung abzuschließen,
solltest du andere Wege suchen. Eine Möglichkeit ist zum
Beispiel ein Investmentfonds, der aus monatlichen Sparraten
in wenigen beträchtliche Vermögen erwirtschaftet.
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Zitate, Quellen, Namen und weiterführende Informationen

Zitat: „in der Schwule schick, Lesben angeblich die letzten


Männer …“ aus „Die WELT“

Die biblischen Zitate sind aus „Prediger 9.9.“

Das Zitat „… lass mich knien ...“ ist von Johann Wolfgang von
Goethe. Aus Faust II, r. Akt.

Das Zitat: „Süß wie ein Spitzenunterhöschen …“ ist aus einem


Film mit dem Privatdetektiv Philipp Marlow, dessen Titel mir
momentan entfallen ist. Für hilfreiche Hinweise bin ich dankbar.

Mit dem Prostitutionsgesetz (Gesetz zur Regelung der


Rechtsverhältnisse der Prostitution – ProstG vom 20. Dezember
2001; BGBl. I S. 3983) wurde die Prostitution in Deutschland
gesetzlich geregelt. Vereinbarungen über sexuelle Handlungen gegen
Entgelt begründen eine rechtswirksame Forderung der
Prostituierten, sie gelten nicht mehr als rechtswidrig. Der
Europäische Gerichtshof hat klargestellt, dass Prostitution zu den
Erwerbstätigkeiten gehört, die "Teil des gemeinschaftlichen
Wirtschaftslebens" im Sinne von Art. 2 EG sind (EuGH v. 20.11.2001 –
Rs. C-268/99).

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Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus"


unterstützt die Bundesagentur für Arbeit Arbeitslose mit finanziellen
Zuschüssen, die sich als Prostituierte selbstständig machen wollen.
Die Förderung der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit im
Bereich der Prostitution mit Existenzgründungszuschuss oder
Überbrückungsgeld ist nicht ausgeschlossen ist. Voraussetzung ist
unter anderem die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle über die
Tragfähigkeit des Geschäftskonzepts. Die BA ist zu den Zuschüssen
gesetzlich verpflichtet, denn das 2002 von der rot-grünen Regierung
in Kraft gesetzte Prostitutionsgesetz sichert sexuelle Dienstleistungen
rechtlich ab.

Zitat: „Jede zweite Frau hat Kinder …“ Die Welt 2002

Seit 2002 nehmen als Folge des Prostitutionsgesetzes auch


gesetzliche Krankenversicherungen Prostituierte auf, da sie als
Mitarbeiterinnen ihres Arbeitgebers entweder als
Arbeitnehmerinnen oder als Scheinselbstständige gelten.
Grundsätzlich könnten sich Prostituierte auch privat
krankenversichern; allerdings werden sie von privaten
Krankenversicherungen in der Regel wegen zu hoher Risiken
abgelehnt.
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Prostituierte unterliegen paradoxerweise auch nach der


Einführung des Prostituierten-Gesetzes weiterhin dem Werbeverbot,
d.h. es darf (§119, §120 OWiG) nicht für die Ausübung sexueller
Dienstleistungen geworben werben. Das ist der Grund, warum es in
einschlägigen Zeitungen derart viele Anzeigen für „Massage-Salons“
gibt und sich das mannigfaltig auslegbare Wort „Modell“ für die
Prostituierte etabliert hat.

Die Dienstleistungsgesellschaft Verdi hat in Zusammenarbeit


mit der Berliner Hurenorganisation Hydra Arbeitsverträge
Prostituierte entwickelt. Auch wenn Arbeitsverträge in der Branche
immer noch eine Seltenheit sind.

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In eigener Sache

Falls die beschriebene, blonde Bibliothekarin diesen Text liest,


oder einer meiner Leser mir sachdienliche Hinweise auf die, oder
eine ähnliche Bibliothekarin (gern auch jünger) geben kann, bitte ich
um Kontaktaufnahme.

Die im Text genannten Bücher sind:

“Buck Rogers on the Moons of Saturn”


Whitman Puplishing Company Wisconsin 1939. Seite 22, wo
Kaxla “the aproaching girl” mit dem blonden Pferdeschwanz,
Wilma fragt, ob sie ihr Zimmer mit ihr teilen will.

“Tailspin Tommy and the lost Transport”


Whitman Puplishing Company Wisconsin 1939.

“Flash Gordon on the Planet Mongo”


Whitman Puplishing Company Wisconsin 1939.
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Raoul Yannik

Geboren im Oktober 1950 in der damals beschaulichen,


schwäbischen Kleinstadt Sindelfingen. Nach Abitur und Ausbildung
schloss sich ein längeres, aus heutiger Sicht ziemlich nutzloses
Studium in Berlin an. Heute, nach einer kurzen Ehe und anderen
Missgeschicken lebe ich aus Lebens- und Liebesgründen in Essen. Ich
schreibe Essays, Kurzgeschichten und Romane über die Abgründe der
Seele, über die Irrwege der Liebe, über das was sein könnte und was
ist.

Meine Schreib-Werkstatt: www.raoulyannik.de


Meine Web-Tagebücher für Kommentare und Tipps:
http://raoulyannik.blogspot.com/ und http://raoulyannik.wordpress.com
Kontakt und Fragen an mich: kontakt@raoulyannik.de
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Meine Bücher und Veröffentlichungen


HEXENMACHT
Roman 560 Seiten Schweitzerhaus Verlag
ISBN-10: 3939475211 ISBN-13: 978-3939475217
Im Buchhandel und bei Amazon erhältlich

Kurzgeschichten
Schweitzerhaus Verlag ISBN 978-3-939475-06-4

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