Sie sind auf Seite 1von 12

14

14 Der Citratzyklus
Georg Löffler, Ulrich Brandt

14.1 Stellung des Citratzyklus im Stoffwechsel – 478

14.2 Reaktionsfolge des Citratzyklus – 479

14.3 Regulation des Citratzyklus – 484

14.4 Amphibole Natur des Citratzyklus – 486

Literatur – 488
478 Kapitel 14 · Der Citratzyklus

> > Einleitung

Acetyl-CoA wird bei vielen katabolen Stoffwechselvorgängen gebildet. Es entsteht aus Pyruvat, dem Produkt der Glycolyse,
bei der E-Oxidation der Fettsäuren sowie beim Abbau vieler Aminosäuren. Der Mechanismus des Abbaus von Acetyl-CoA wur-
de von Hans Adolf Krebs aufgeklärt. Er fand heraus, dass hierfür ein zyklischer Prozess verantwortlich ist, in dessen Verlauf der
Acetyl-Rest unter Bildung von Citrat zunächst auf Oxalacetat übertragen wird. Citrat wird danach schrittweise bis zur Rückge-
winnung des Oxalacetats oxidiert und decarboxyliert. Die dabei gewonnenen Reduktionsäquivalente werden in der Atmungs-
kette unter ATP-Gewinn auf Sauerstoff übertragen.

14.1 Stellung des Citratzyklus abgeschlossen wurden, konnte er zeigen, dass der Sub-
im Stoffwechsel stratabbau im Rahmen eines zyklischen Prozesses abläuft,
bei dem Citrat als charakteristisches Zwischenprodukt
Die Stoffwechselwege für den Abbau von Kohlenhydraten, auftritt.
Fetten und Aminosäuren enden auf der Stufe des Acetyl- Der danach Citratzyklus (Krebs-Zyklus, Tricarbonsäu-
CoA oder der α-Ketosäuren mit drei bis fünf C-Atomen rezyklus) genannte Prozess übernimmt die Aufgabe einer
(Propionyl-CoA, Pyruvat, Oxalacetat, D-Ketoglutarat) zentralen Drehscheibe zwischen Substratabbau und oxida-
(7 Kap. 11.1.1, 12.2.1). Große Teile des Kohlenstoffskeletts tiver Phosphorylierung und führt bei einem Durchgang
der abgebauten Verbindungen bleiben somit erhalten, ener- formal zur Zerlegung eines Moleküls Acetat in 2 Moleküle
gieliefernde Redoxreaktionen sind nur in beschränktem CO2 und 8 Wasserstoffatome (. Abb. 14.1).
Umfang möglich, und die Energieausbeute ist relativ ge- Die besondere Bedeutung des Citratzyklus für den oxi-
ring. Eine wesentliche Steigerung des Energiegewinns ist dativen Stoffwechsel wird durch die Tatsache unterstrichen,
nur zu erwarten, wenn die abgebauten Substrate möglichst dass kein anderes Bindeglied zwischen Substratabbau und
vollständig zerlegt werden. In . Tabelle 14.1 ist die verfüg- Endoxidation nachgewiesen werden konnte. In allen bisher
bare freie Energie am Beispiel des Glucoseabbaus angege- untersuchten aerob arbeitenden Zellen wurde die enzyma-
ben. Erfolgt der Glucoseabbau z.B. unter anaeroben Be- tische Ausstattung für den Citratzyklus gefunden. Reak-
dingungen über die Glycolyse bis auf die Stufe des Lactats tionen, die einzelne Schritte des Zyklus umgehen, werden
(7 Kap. 11.1.1), entspricht dies einer Änderung der freien in vielen Organismen zu besonderen, meist biosyntheti-
Energie von –197 kJ pro mol Glucose. Die vollständige Zer- schen Zwecken verwendet.
legung des Glucosemoleküls in CO2 und H2O, die aller-
dings nur in Anwesenheit von Sauerstoff möglich ist, geht
dagegen mit einer um mehr als das zehnfache höheren Än-
derung der freien Energie einher. Unter diesen Bedingun-
gen steht der Zelle also ein ungleich größerer Energiebetrag
für die zu leistende Arbeit zur Verfügung.
Ähnliches gilt für den Abbau von Lipiden und Amino-
säuren (7 Kap. 12 und 13). Dabei entstehende Endpro-
dukte sind entweder Acetyl-CoA, Propionyl-CoA, Pyruvat
14 (D-Ketopropionat), Succinyl-CoA, Oxalacetat (D-Ketosuc-
cinat) oder D-Ketoglutarat.
Nachdem Albert Szent-Györgyi, Franz Knoop und Carl
Martius gezeigt hatten, dass Citrat in D-Ketoglutarat und
Succinat in Oxalacetat überführt werden können, gebührt
dem deutsch-englischen Biochemiker Sir Hans Adolf Krebs
das Verdienst, als erster Licht in das Dunkel der gemein-
samen oxidativen Endstrecke des Substratabbaus gebracht
zu haben,. In einer Serie von eleganten Untersuchungen, die
Ende der 30er Jahre begonnen und nach dem 2. Weltkrieg

. Tabelle 14.1. Änderung der freien Energie bei anaerobem (gly-


colytischem) und aerobem Abbau von Glucose
Abbauweg ΔG0
Glucose o 2 Lactat – 197 kJ/mol
. Abb. 14.1. Beziehungen des Citratzyklus zum Kohlenhydrat-,
Glucose + 6 O2 o 6 CO2 + 6 H2O –2881 kJ/mol
Fett- und Proteinstoffwechsel sowie zur biologischen Oxidation
14.2 · Reaktionsfolge des Citratzyklus
479 14

Innerhalb der Zelle enthalten die Mitochondrien im giewandlung durch oxidative Phosphorylierung, die in
Matrixraum den vollständigen Satz der für den Citratzyklus der inneren Mitochondrienmembran abläuft. Diese Tat-
notwendigen Enzyme. Er befindet sich somit in engster sache hat für die Regulation des Citratzyklus zentrale Be-
Nachbarschaft zu der in 7 Kapitel 15.1 geschilderten Ener- deutung (7 u.).

In Kürze
Beim Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Lipiden und in stoffatome für die Endoxidation bereitgestellt werden.
gewissem Umfang von Proteinen entsteht Acetyl-CoA. Der vollständige Satz der für den Citratzyklus not-
Dieses wird im Citratzyklus oxidiert und decarbo- wendigen Enzyme befindet sich in der mitochondrialen
xyliert, wobei 2 Moleküle CO2 freigesetzt und 8 Wasser- Matrix.

14.2 Reaktionsfolge des Citratzyklus die Decarboxylierung zum Hydroxyethylthiaminpyro-


phosphat erforderliche Elektronenverschiebung wird
In . Abb. 14.2 ist die Reaktionsfolge des Citratzyklus dar- dadurch erleichtert, dass dieser Ring das Intermediat
gestellt. Die Abbildung zeigt auch die für den Anschluss an mesomer stabilisieren kann. Diese Reaktion wird durch
die Glycolyse erforderliche Reaktion: Das bereitgestellte die Pyruvatdecarboxylase-Untereinheit katalysiert
Pyruvat wird zunächst durch dehydrierende Decarboxylie- 4 Hydroxyethylthiaminpyrophosphat kann als »aktiver«
rung zu Acetyl-CoA. Acetaldehyd betrachtet werden. Durch die an das En-
Der Citratzyklus selbst lässt sich formal in zwei Teile zym gebundene oxidierte D-Liponsäure wird er zum
einteilen: Acetylrest oxidiert und dabei auf die Liponsäure über-
4 Bildung von Citrat aus Oxalacetat (●-Ketosuccinat) tragen. Diese ist außerdem der Akzeptor des bei der
und Acetyl-CoA, und anschließende Wiedergewin- Oxidation frei werdenden Elektronenpaares. Die Ener-
nung einer C-4 Dicarbonsäure (Succinat) durch zwei- gie der Redoxreaktion wird zur Bildung des energie-
malige Oxidation und zweimalige Decarboxylierung reichen Thioesters im S-Acetylhydrolipoat genutzt
4 Regenerierung von Succinat zu Oxalacetat, das damit 4 Der als energiereicher Thioester an das Enzym gebun-
wieder zur Reaktion mit Acetyl-CoA zur Verfügung dene Acetylrest wird auf CoenzymA übertragen, wobei
steht (7 Kap. 12.2.1). Die dabei beschrittene Reaktions- Acetyl-CoA und reduziertes Lipoat entsteht. Die für die
sequenz hat formal Ähnlichkeit mit den ersten drei Oxidation sowie Transacetylierung verantwortliche
Reaktionen der Fettsäureoxidation Untereinheit des Pyruvat-Dehydrogenase-Komplexes
wird als Lipoattransacetylase bezeichnet
! Acetyl-CoA entsteht aus Pyruvat durch dehydrierende
4 Das reduzierte Lipoat wird durch Dihydrolipoatdehy-
Decarboxylierung von Pyruvat.
drogenase reoxidiert. Dieses FAD-haltige Enzym, kann
Die Oxidation von Kohlenhydraten deckt den Hauptteil des seine Reduktionsäquivalente im Gegensatz zu anderen
Energiebedarfs der Zelle. Um Kohlenhydrate in den Citrat- FAD-Enzymen auf NAD+ übertragen, da das Redox-
zyklus einschleusen zu können, muss Pyruvat als Endpro- potential des Flavins aufgrund der spezifischen Protein-
dukt der Glycolyse in Acetyl-CoA umgewandelt werden. umgebung negativer als das des Nicotinamid-Cosub-
Dies geschieht in einer mehrstufigen, als dehydrierende strates ist
Decarboxylierung von Pyruvat bezeichneten Reaktion.
Sie wird von einem kompliziert aufgebauten Multienzym- In der Thioesterkonfiguration des Acetyl-CoA liegt eine
komplex, dem Pyruvatdehydrogenasekomplex (PDH- sog. »energiereiche Verbindung« vor. Der bei Oxidation
Komplex) katalysiert. des Acetaldehyds zum Acetylrest freiwerdende Energie-
Die dehydrierende Decarboxylierung von D-Ketosäu- betrag ist jedoch so groß, dass die Pyruvatdehydrogenase
ren wie Pyruvat wird auch als oxidative Decarboxylierung trotz der Bildung eines Thioesters mit einem 'G0’ von –
bezeichnet. Der erste Ausdruck beschreibt die molekularen 34 kJ/mol stark exergon und damit unter physiologischen
Vorgänge jedoch besser, da Sauerstoff an der Reaktion nicht Bedingungen praktisch irreversibel arbeitet.
beteiligt ist, sondern dem Substrat Wasserstoff entzogen In . Abb. 14.4 ist schematisch der Aufbau der für
wird (Dehydrierung). Säugergewebe typischen Form des PDH-Komplexes darge-
Die Einzelreaktionen der durch den PDH-Komplex stellt. Insgesamt sind am Aufbau des Enzymkomplexes die
katalysierten Reaktionen sind in . Abb. 14.3 dargestellt: 4 Komponenten, E1, E2, E3 und E3BP beteiligt.
4 Pyruvat wird decarboxyliert. Hierzu ist die Addition 4 Die E1-Komponente ist ein Tetramer der Zusammen-
des dem Stickstoff benachbarten, sehr reaktionsfähigen setzung D2E2, die die geschwindigkeitsbestimmende
C-Atom des Thiazolrings im Thiaminpyrophosphat an Teilreaktion der PDH katalysiert. Die E1D-Untereinhei-
die Carbonylgruppe des Pyruvates notwendig. Die für ten tragen das Thiaminpyrophosphat. Wahrscheinlich
480 Kapitel 14 · Der Citratzyklus

14

. Abb. 14.2. Reaktionsfolge des Citratzyklus. Die beiden vom nicht dem Acetyl-CoA-Kohlenstoff entstammt. Dieser findet sich
Acetyl-CoA abstammenden C-Atome sind rot hervorgehoben. Die nach einmaligem Durchlauf des Zyklus im Oxalacetat wieder, ist hier
Asymmetrie der Aconitase führt dazu, dass der bei den beiden Decar- jedoch auf alle 4C-Atome verteilt, da Succinat eine symmetrische
boxylierungsreaktionen in Form von CO2 abgespaltene Kohlenstoff Verbindung ist
14.2 · Reaktionsfolge des Citratzyklus
481 14

. Abb. 14.3. Mechanismus der dehydrierenden Decarboxylie-


rung von Pyruvat durch den Pyruvatdehydrogenasekomplex.
Die Atome des Pyruvats sind rot und blau hervorgehoben. Aus Platz-
gründen ist lediglich der Thiazolring des Thiaminpyrophosphats
dargestellt

. Abb. 14.4. Die Beteiligung der PDH-Untereinheiten am Reak-


tionszyklus. In der Reaktion1 erfolgt die Bindung des Substrates an
Thiaminpyrophosphat (TPP) sowie die Decarboxylierung. Die Oxi-
dation zum Acetylrest durch Liponsäure geschieht in Reaktion 2. Den
Reaktionen 3 und 4 entspricht die Übertragung des Acetylrestes auf
CoA, in den Reaktionen 5, 6 und 7 wird das reduzierte Lipoat reoxi-
diert, wobei letztlich NADH gebildet wird. (Einzelheiten 7 Text) (Nach
Patel MS, Roche TE, 1990)
482 Kapitel 14 · Der Citratzyklus

wird die Decarboxylierung des Pyruvates zum Thia-


minpyrophosphat-gebundenen Hydroxyethylrest durch
die Untereinheit E1E katalysiert
4 Die Untereinheit E2 trägt zwei Lipoatreste, das dihydro-
lipoamide binding protein E3BP einen Lipoatrest. Wäh-
rend des Katalysezyklus wird der Hydroxyethylrest
(7 o.) unter Oxidation zunächst auf das erste Lipoat der
E2-Untereinheit übertragen, wobei dort ein Acetylrest
entsteht, der durch eine Thiotransferaseaktivität auf
den zweiten Lipoatrest gelangt. Von diesem wird er mit
CoenzymA unter Bildung von Acetyl-CoA abgespal-
ten. Der Lipoatrest auf der Untereinheit E3BP ist das
unmittelbare Oxidationsmittel für den Lipoatrest der
Untereinheit E2
4 Die Untereinheit E3, an welche FAD gebunden ist, re-
oxidiert nun den Lipoatrest im E3BP, wobei das FAD
der Untereinheit E3 reduziert wird. Dieses wird mit
Hilfe von NAD+ reoxidiert, womit der Ausgangszu- . Abb. 14.5. Regulation der Pyruvatdehydrogenase durch Inter-
stand des Komplexes wieder hergestellt ist conversion. (Einzelheiten 7 Text)

Der tierische PDH-Komplex hat eine sehr hohe molekulare um ein Kohlenstoffatom zu α-Ketoglutarat verkürzt. Dieses
Masse. Er besteht aus etwa 22 E1-Tetrameren, etwa 60 E2- wird anschließend weiter oxidiert und ebenfalls decarboxy-
Komponenten sowie je 6 E3BP- und E3-Komponenten. liert, sodass mit Succinat wieder eine Dicarbonsäure mit
Die primär biliäre Lebercirrhose, eine relativ seltene vier Kohlenstoffatomen entsteht. Dabei finden folgende
Form der Lebercirrhose ist wahrscheinlich eine Auto- Reaktionen statt (. Abb. 14.2):
immunerkrankung. Man findet bei den betroffenen Pa- 4 Katalysiert von der Citratsynthase reagiert Oxalacetat
tienten regelmäßig Autoantikörper, die meist gegen die mit Acetyl-CoA unter Bildung von Citrat. Bei dieser
E2-und E3Bp-Untereinheit des Pyruvatdehydrogenase- Reaktion handelt es sich formal um eine Aldoladdition,
Komplexes gerichtet sind. Man hat allerdings noch keine da sich die durch die Thioester-Bindung aktivierte,
Vorstellung darüber, wie diese Autoimmunreaktion mit der »CH-azide« CH3-Gruppe des Acetyl-CoA nucleophil
Entwicklung der biliären Cirrhose in Zusammenhang zu an die polarisierte Carbonylgruppe des Oxalacetats
bringen ist. addiert. Da die Thioesterbindung dabei gelöst und
Die D-Untereinheit von E1 kann durch eine spezifische CoenzymA freigesetzt wird, liegt das Gleichgewicht der
Kinase phosphoryliert und inaktiviert, sowie durch eine Reaktion ganz auf der Seite der Citratbildung
spezifische Phosphatase dephosphoryliert und aktiviert 4 Unter Katalyse durch das Enzym Aconitase erfolgt die
werden. Die Phosphorylierung findet sequenziell an drei Umwandlung von Citrat zu Isocitrat, wobei intermediär
Serylresten der D-Untereinheit statt, wobei die Phosphory- enzymgebundenes cis-Aconitat entsteht. Citrat ist eine
lierung des ersten Serylrestes bereits mit einer Inaktivie- prochirale Verbindung, da sich die beiden CH2-COOH-
14 rung um 60–70% der Ausgangsaktivität einhergeht. Sowohl Gruppen des Moleküls wie Bild und Spiegelbild verhal-
die Kinase wie auch die Phosphatase sind Bestandteil des ten. Die Aconitase erkennt die Prochiralität des Citrats
PDH-Komplexes, beide Enzyme können durch spezifische und bindet ihr Substrat so, dass die Hydroxylgruppe
Effektoren aktiviert oder gehemmt werden (. Abb. 14.5). nur auf den vom Oxalacetat stammenden CH2-COOH-
Der Pyruvatdehydrogenasekomplex gehört damit in Rest übertragen werden kann
die Gruppe der sog. interconvertierbaren Enzyme (7 Kap. 4 Durch die Isocitratdehydrogenase wird Isocitrat zu
4.2.1). Der biologische Vorteil dieses weit verbreiteten enzymgebundenem Oxalsuccinat dehydriert und dann
Prinzips besteht darin, dass durch die Phosphorylierung sofort zu D-Ketoglutarat decarboxyliert.
bzw. Dephosphorylierung die Aktivität des Enzymkomple- Die meisten tierischen und pflanzlichen Gewebe
xes sehr rasch »ab- bzw. angeschaltet« werden kann. sowie Mikroorganismen enthalten zwei verschiedene
Isocitratdehydrogenasen, die die Reaktion
! Durch die Reaktion von Acetyl-CoA mit Oxalacetat
entsteht Citrat, aus dem durch zweimalige Decarboxy-
lierung Succinat entsteht.

Nachdem in der Eingangsreaktion aus Oxalacetat (D-Keto-


succinat) und einem Acetylrest Citrat entstanden ist, wird katalysieren. Während die NADP+-abhängige Isocitrat-
dieses in der ersten Teilsequenz des Citratzyklus oxidativ dehydrogenase in den Mitochondrien und im Cytosol
14.2 · Reaktionsfolge des Citratzyklus
483 14

Infobox
Die Aconitase ist ein bifunktionelles Protein
Schon 1973 wurde neben der mitochondrialen eine
cytosolische Aconitase entdeckt. Die beiden Proteine
sind außerordentlich ähnlich, die Aminosäuresequenz
zeigt etwa 31% Identität. Die Funktion der cytosolischen
Aconitase besteht allerdings weniger in der Bildung
von Isocitrat aus Citrat. Es hat sich vielmehr gezeigt,
dass dieses Enzym identisch mit einem Protein ist,
welches als transaktivierender Faktor eisenabhängige
Gene aktiviert. Es wird infolgedessen auch als IRE-Bp
(iron responsive element binding protein) bezeichnet
(7 Kap. 22.2.1). Wie die mitochondriale Aconitase
kann auch die cytoplasmatische Aconitase ein Eisen-
Schwefel-Zentrum enthalten. Dieses ist für ihre Funk-
tion als Aconitase notwendig. Für die Funktion der
cytoplasmatischen Aconitase als IRE-Bp ist allerdings
die Abspaltung des Eisen-Schwefel-Zentrums erfor-
derlich.
Die cytosolische Aconitase ist das am besten unter-
suchte Beispiel für sog. bifunktionelle Proteine. Andere
Proteine mit zweierlei Funktionen sind die Thymidylat-
synthase (7 Kap. 19.1.4), die Dihydrofolatreduktase
(7 Kap. 19.1.3), die Glycerinaldehyd-3-Phosphatde-
hydrogenase (7 Kap. 11.1.1) und die Glutamatdehy-
drogenase (7 Kap. 13.6.1).

gefunden wird, kommt das NAD+-abhängige Enzym


ausschließlich in den Mitochondrien vor. Man nimmt
an, dass das NAD+-abhängige Enzym für den Citrat-
zyklus benutzt wird, während die NADP+-abhängige
Isocitratdehydrogenase eine Nebenstrecke des Zyklus
darstellt (7 Kap. 14.4) . Abb. 14.6. Reaktionsmechanismus der Succinyl-CoA-Synthetase.
(Einzelheiten 7 Text)
4 Das Enzym α-Ketoglutarat-Dehydrogenase setzt
D-Ketoglutarat durch dehydrierende Decarboxylierung
in Succinyl-CoA um. Der Reaktionsmechanismus der
D-Ketoglutaratdehydrogenase entspricht demjenigen anschließend von hier aus zur Bildung eines GTP aus
der Pyruvatdehydrogenase. Das Enzym benötigt Thia- GDP verwendet (. Abb. 14.6)
minpyrophosphat, D-Liponsäure, Coenzym A, NAD+ 4 Durch Phosphatgruppentransfer nach der Gleichung
und FAD als Cofaktoren. Ähnlich wie bei der Pyruvat-
dehydrogenase sind die einzelnen, für die Reaktions-
sequenz verantwortlichen Enzyme, in einem Multi-
enzymkomplex zusammengefasst. Dieser wird jedoch kann ATP aus GTP erzeugt werden. Diese Reaktion
im Gegensatz zur Pyruvatdehydrogenase nicht per In- wird von der Nucleosiddiphosphatkinase katalysiert
terconversion durch reversible Phosphorylierung regu-
liert. Die Änderung der freien Energie der D-Ketoglu- Bei der Succinyl-CoA-Synthetase-Reaktion wird also die
taratdehydrogenasereaktion liegt wie bei der dehydrie- in der vorangegangenen Redoxreaktion gewonnene, freie
renden Decarboxylierung von Pyruvat bei –34 kJ/mol Energie in Form von GTP konserviert, das leicht in ATP
4 In der nächsten, durch die Succinyl-CoA-Synthetase überführt werden kann. Im Gegensatz zur oxidativen
katalysierten Reaktion wird aus Succinyl-CoA durch Phosphorylierung wird diese Form der ATP-Gewinnung
Abspaltung von CoA mit Phosphat das energiereiche auch als Substratkettenphosphorylierung bezeichnet
Succinylphosphat gebildet. Dieses wird anschließend (7 Kap. 4.1.2).
unter Erhaltung einer energiereichen Bindung auf einen
spezifischen Histidylrest des Enzyms übertragen und ! Succinat wird zu Oxalacetat oxidiert.
484 Kapitel 14 · Der Citratzyklus

. Tabelle 14.2. Energiebilanz der einzelnen Schritte des Citratzyklus


Schritt H-Akzeptor ATP-Ausbeutea
Isocitrat o D-Ketoglutarat NAD+ o NADH+H+ 2,3
+ +
D-Ketoglutarat o Succinyl-CoA NAD o NADH+H 2,3
Succinyl-CoA o Succinat (Substratkettenphosphorylierung) 1
Succinat o Fumarat FAD o FADH2 1,4
+ +
Malat o Oxalacetat NAD o NADH+H 2,3
Summe 9,3
a
Über die ATP-Ausbeute bei der oxidativen Phosphorylierung 7 Kap. 15.1.4

Die Rückgewinnung von Oxalacetat aus Succinat erfolgt in Die Summengleichung des Citratzyklus lautet:
einer Serie von Schritten, die große Ähnlichkeit mit denje-
nigen der Fettsäureoxidation (7 Kap. 12.2.1) haben:
4 Durch die Succinat-Dehydrogenase wird Succinat zu
Fumarat oxidiert. Die Succinat-Dehydrogenase ist Teil Damit dient der Zyklus formal der vollständigen Dehydrie-
des Komplexes II der Atmungskette, der die Reduk- rung von Acetat zu CO2 und H2. Der Acetatabbau erfolgt
tionsäquivalente über FAD auf Ubichinon überträgt durch Bindung an ein Trägermolekül (Oxalacetat), an dem
(7 Kap. 15.1.2) die Dehydrierung stattfindet (7 auch Harnstoffbiosynthese,
4 Durch Katalyse des Enzyms Fumarase wird Wasser in 7 Kap. 13.5.2). . Tabelle 14.2 gibt die energetische Ausbeute
einer reversiblen Reaktion an Fumarat angelagert, so- der Acetatdehydrierung im Citratzyklus bei Kopplung an
dass Malat entsteht die oxidative Phosphorylierung wieder.
4 Durch die Malatdehydrogenase wird Malat schließlich Die hohe Energieausbeute im Citratzyklus kommt
unter Gewinnung eines weiteren Reduktionsäquiva- also nur durch die enge Verbindung des Zyklus mit der
lentes zu Oxalacetat oxidiert oxidativen Phosphorylierung zustande. Ohne diese Kopp-
lung könnte Energie im Verlauf des Citratzyklus nur
! Die Energieausbeute des Citratzyklus beträgt rund 9 durch die Substratkettenphosphorylierung konserviert
ATP pro oxidiertem Acetylrest. werden.

In Kürze
Der Citratzyklus dient dem oxidativen Abbau von Acetyl- Die Reaktionssequenz des Citratzyklus umfasst folgende
CoA. Eine wichtige Acetyl-CoA-liefernde Reaktion ist Schritte:
neben der E-Oxidation der Fettsäuren die dehydrieren- Acetyl-CoA wird unter Abspaltung von CoA-SH auf
de Decarboxylierung von Pyruvat. Der hierfür verant- Oxalacetat übertragen, wobei Citrat entsteht.
wortliche Multienzymkomplex der Pyruvatdehydroge- Citrat wird nach Umlagerung zu Isocitrat zweimal
nase ist intramitrochondrial lokalisiert und benötigt oxidiert und decarboxyliert, wobei schließlich aus Suc-
14 die Vitamine Thiamin, Pantothensäure, Riboflavin und cinyl-CoA unter Gewinnung eines GTP Succinat entsteht.
Nicotinamid sowie das Lipoat in Form ihrer jeweiligen Succinat wird durch zweimalige Oxidation in Oxalace-
Coenzyme. tat, das Trägermolekül des Citratzyklus, umgewandelt.

14.3 Regulation des Citratzyklus vatoxidation zu Acetyl-CoA komplex reguliert. Dabei


kommt der Tatsache, dass die Pyruvatdehydrogenase ein
! Die PDH wird durch Acetyl-CoA und NADH gehemmt interconvertierbares und zugleich allosterisch regulierbares
und durch Pyruvat aktiviert. Enzym ist, besondere Bedeutung zu (7 Kap. 4.5).
Die aktive dephosphorylierte Form des Enzyms wird
Das für den Citratzyklus notwendige mitochondriale durch Acetyl-CoA und NADH gehemmt (. Abb. 14.5).
Acetyl-CoA wird vor allem durch Fettsäureoxidation oder Andere Effektoren regulieren die Enzymaktivität durch
dehydrierende Decarboxylierung von Pyruvat bereitge- Beeinflussung des Gleichgewichts zwischen aktiver dephos-
stellt. Während die Geschwindigkeit des ersten Vorgangs phorylierter und inaktiver phosphorylierter Form des En-
im Wesentlichen durch das mitochondriale Fettsäurean- zyms. Eine Aktivierung wird durch Erhöhung der Konzen-
gebot bestimmt wird, wird die Geschwindigkeit der Pyru- tration von Pyruvat, ADP und Pyrophosphat erreicht, da
14.3 · Regulation des Citratzyklus
485 14

4 Hemmung durch NADH. Ein Anstieg der NADH-


. Tabelle 14.3. Aktivatoren und Inhibitoren einzelner Enzyme
des Citratzyklus in tierischen Zellen Konzentration signalisiert, dass die durch das ADP-
Angebot limitierte Geschwindigkeit der Atmungskette
Enzymatischer Schritt Aktivierung Hemmung
(7 Kap. 15.1.5) nicht ausreicht, um das gebildete NADH
Citratsynthase ATP, NADH, Citrat
zu reoxidieren. Dies ist gleichbedeutend mit einem
NAD-Isocitrat- ADP, Mg2+, Ca2+ ATP, NADH generellen Überschuss an energiereichen Verbindun-
dehydrogenase
gen. Deshalb drosselt NADH die Geschwindigkeit des
Succinat- Succinat, Fumarat Oxalacetat Citratzyklus indem es die Citratsynthase, die Isocitrat-
dehydrogenase
dehydrogenase, die D-Ketoglutaratdehydrogenase so-
Pyruvat- Pyruvat, ADP, Acetyl-coA, ATP, wie die Pyruvatdehydrogenase hemmt
dehydrogenase Mg2+ NADH
4 Hemmung durch ATP. Ähnlich wie NADH signalisiert
ATP ein hohes Angebot energiereicher Verbindungen.
Es ist deshalb folgerichtig, dass die Citratsynthase, die
diese Metabolite die Kinase hemmen. So führt beispielsweise Isocitratdehydrogenase sowie die Pyruvatdehydrogenase
eine gesteigerte Fettsäureoxidation (Hunger, Nahrungs- durch ATP gehemmt werden
karenz, Diabetes) über die Erhöhung des Acetyl-CoA- 4 Aktivierung durch ADP. ADP signalisiert Energie-
Spiegels und indirekt über die vermehrte Umwandlung mangel. Entsprechend aktiviert ADP die Isocitratde-
von ADP in ATP zu einer weitgehenden Abschaltung des hydrogenase, sowie die Pyruvatdehydrogenase
Enzyms (. Tabelle 14.3). Dies hat beispielsweise zur Folge, 4 Aktivierung durch Calcium. Calcium ist ein Aktivator
dass Pyruvat nicht mehr in Acetyl-CoA umgewandelt vieler zellulärer Funktionen (7 Kap. 25.4.5) und erhöht
werden kann und so die Glucosevorräte geschont werden. so den Energiebedarf. Es ist daher sinnvoll, dass Cal-
Umgekehrt führt ein Anstieg der Ca2+ – Ionenkonzentra- cium durch Aktivierung der Pyruvatdehydrogenase-
tion, der häufig mit einem erhöhten Energiebedarf einher- Phosphatase (7 Kap. 14.2), der Isocitratdehydrogenase
geht, über die Aktivierung der Phosphatase zur vermehrten und der D-Ketoglutaratdehydrogenase den Substrat-
Bildung der aktiven PDH. umsatz im Citratzyklus und damit die Energiebereit-
stellung stimuliert
! Der zelluläre Energiebedarf ist der wichtigste Regulator
4 Hemmung durch Zwischenprodukte. Die D-Keto-
des Citratzyklus.
glutaratdehydrogenase wird durch Succinyl-CoA, die
Die Geschwindigkeit der Acetyl-CoA-Oxidation im Citrat- Succinatdehydrogenase durch Oxalacetat gehemmt.
zyklus muss sehr genau dem zellulären Energiebedarf ange- Succinat führt dagegen zu einer Aktivierung der Suc-
passt sein. Im Einzelnen spielen dabei folgende Faktoren cinatdehydrogenase
eine wichtige Rolle:
4 Kinetische Kontrolle der Citratsynthase. Die Konzen- Eine Reihe von Stoffwechselgiften hemmt verschiedene
trationen von Acetyl-CoA und Oxalacetat liegen in der Enzyme des Citratzyklus. Sie haben sich als wertvolle
Regel weit unterhalb der Substratsättigung, sodass die Hilfsmittel bei der Erforschung der Reaktionssequenz
Citratsynthase weit unter ihrer Vmax arbeitet. Daraus des Zyklus erwiesen. So blockieren Fluoracetat bzw. Fluor-
folgt unmittelbar, dass die Geschwindigkeit, mit der das citrat die Aconitase, Malonat die Succinatdehydrogenase
Substrat Acetyl-CoA aus der dehydrierenden Decar- und Fluoroxalacetat bzw. Fluormalat die Malatdehydro-
boxylierung von Pyruvat (7 Kap. 14.2) bzw. aus der genase.
E-Oxidation der Fettsäuren (7 Kap. 12.2.1) angeliefert
wird, den metabolischen Fluss durch den Citratzyklus
direkt bestimmt

In Kürze
Die Geschwindigkeit der Acetyl-CoA-Oxidation im Citrat- Die Pyruvatdehydrogenase als wichtigstes Acetyl-CoA
zyklus ist eng mit dem zellulären Energiehaushalt ver- lieferndes Enzym wird außer durch die genannten Faktoren
knüpft: durch reversible Phosphorylierung/Dephosphorylierung
NADH und ATP hemmen den Citratzyklus. reguliert.
ADP und Calcium sind Aktivatoren des Citratzyklus.
486 Kapitel 14 · Der Citratzyklus

14.4 Amphibole Natur des Citratzyklus 4 die Fettsäurebiosynthese


4 die Hämbiosynthese
Bald nach der Aufklärung der Reaktionssequenz des Citrat- 4 die Gluconeogenese sowie
zyklus wurde klar, dass er nicht einfach als Endstrecke des 4 die Biosynthese nicht essentieller Aminosäuren
oxidativen Abbaus der Substrate aufgefasst werden kann,
sondern dass er neben dieser »katabolen« Funktion auch Fettsäurebiosynthese. Von besonderer Bedeutung für die
Ausgangspunkt für eine Vielzahl biosynthetischer »ana- im Cytosol stattfindende Fettsäurebiosynthese ist das
boler« Reaktionssequenzen ist. In . Abb. 14.7 sind die Be- Acetyl-CoA. Diese Verbindung entsteht in der mitochon-
ziehungen des Citratzyklus zu anderen Stoffwechselwegen drialen Matrix, kann aber nicht über die innere Mitochon-
dargestellt. Da die meisten Biosynthesen im cytosolischen drienmembran transportiert werden. Um Acetyl-CoA im
und nicht im mitochondrialen Raum ablaufen, ist der Cytosol bereitzustellen, muss es daher zunächst im ersten
Transport von Zwischenprodukten durch die mitochon- Schritt des Citratzyklus auf Oxalacetat übertragen werden.
driale Membran notwendig. Unter bestimmten Bedin- Das mitochondriale Citrat wird dann mit Hilfe eines spe-
gungen werden nicht alle Intermediate mit ausreichender zifischen Transportsystems (7 Kap. 15.1.1) in das Cytosol
Geschwindigkeit transportiert, sodass Teilsequenzen des transportiert und dort nach der Reaktion
Citratzyklus auch im extramitochondrialen Raum mit Hilfe
cytosolischer Isoenzyme ablaufen können. Es handelt sich
um die Strecken Citrat o D-Ketoglutarat sowie Fumarat o
Oxalacetat.
Besondere Bedeutung als anabole Reaktionssequenz durch die ATP-Citratlyase gespalten. Wegen seiner Fähig-
hat der Citratzyklus für: keit zur Erzeugung von cytosolischem Acetyl-CoA kommt

14

. Abb. 14.7. Beziehungen des Citratzyklus zu anderen Stoffwechselwegen. (Rot) biosynthetische (»anabole«) Reaktionen; (grün) abbauende
(»katabole«) Reaktionen
14.4 · Amphibole Natur des Citratzyklus
487 14

diesem Enzym eine Schlüsselrolle bei der Fettsäurebio- Anaplerotische Reaktionen. Die Konzentrationen der ver-
synthese zu. schiedenen Zwischenprodukte des Citratzyklus sind mit
Tatsächlich findet es sich in hoher Aktivität in Geweben 10–5–10–4 mol/l relativ gering. Da sie alle mit Ausnahme
mit großer Kapazität zur Fettsäurebiosynthese, z.B. in der von Acetyl-CoA eine katalytische Funktion haben, d.h. bei
Leber oder dem Fettgewebe. Gewebe ohne die Fähigkeit einmaligem Durchgang durch den Zyklus regeneriert wer-
zur Fettsäurebiosynthese, wie z.B. die Muskulatur, haben den, ist eine optimale Durchsatzgeschwindigkeit trotzdem
dagegen nur geringe ATP-Citratlyaseaktivität. gewährleistet. Dies trifft allerdings nur zu, wenn der stän-
Die Bedeutung der extramitochondrialen NADP+- dige Abfluss von Zykluszwischenprodukten für Biosyn-
Isocitratdehydrogenase liegt in der Erzeugung cytosoli- thesen wieder ausgeglichen wird. Die hierfür verantwort-
schen D-Ketoglutarats mit seinen vielfältigen Beziehun- lichen Reaktionen werden nach einem Vorschlag von
gen zum Stoffwechsel der Aminosäuren (7 Kap. 13.4.2). Hans Leo Kornberg als anaplerotische Reaktionen (griech.:
Gleichzeitig werden Reduktionsäquivalente in Form von auffüllende Reaktionen) bezeichnet. Neben den Transami-
NADPH bereitgestellt, die für cytosolische Biosynthesen, nierungsreaktionen vor allem von Pyruvat mit Aspartat
v.a. der Fettsäurebiosynthese, benötigt werden. bzw. Glutamat, bei denen Oxalacetat bzw. D-Ketoglutarat
(7 Kap. 13.3) gebildet werden, ist die wichtigste anaplero-
Hämbiosynthese. Succinyl-CoA ist der Startpunkt für die tische Reaktion die Oxalacetatbiosynthese durch Carboxy-
Hämbiosynthese (7 Kap. 20.1). Durch Kondensation mit lierung von Pyruvat nach
Glycin nach der Reaktion

Das für die Reaktion verantwortliche Enzym, die Pyruvat-


entsteht G-Aminolävulinat, von dem die weitere Hämsyn- carboxylase, ist biotinabhängig und kommt in besonders
these ausgeht. hoher Aktivität in der Leber vor. Das Enzym wird durch
Acetyl-CoA bereits in sehr geringen Konzentrationen akti-
Gluconeogenese. Für die Gluconeogenese aus glucoge- viert, sodass das für die Citratbildung notwendige Oxal-
nen Aminosäuren (7 Kap. 13.4.3) bzw. aus Lactat/Pyruvat acetat gebildet werden kann. Anaplerotisch wirken kann
ist die Bildung von Oxalacetat aus diesen Verbindungen ferner das cytosolische Malatenzym, das die Malatbildung
erforderlich. Die hierfür notwendigen Reaktionen sind aus Pyruvat nach
in 7 Kap. 13.3 und 7 Kap. 14.2 beschrieben. Die erste für
die Gluconeogenese spezifische Reaktion wird durch die
Phosphoenolpyruvat-Carboxykinase katalysiert:
katalysiert. Malat kann dann in die Mitochondrien trans-
portiert werden. Die eigentliche Bedeutung des Enzyms
liegt jedoch wahrscheinlich eher in der Bildung von cytoso-
Biosynthese nicht essentieller Aminosäuren. Die Bio- lischem NADPH in der Rückreaktion.
synthese der nicht essentiellen Aminosäuren startet von
Pyruvat bzw. den beiden D-Ketosäuren des Citratzyklus,
Oxalacetat und D-Ketoglutarat (7 Kap. 13.4.2).

In Kürze
Eine Reihe von Zwischenprodukten des Citratzyklus lie- Diese Biosynthesen führen zum Verlust wichtiger Zwi-
fern Bausteine für folgende wichtige Biosynthesen: schenprodukte des Citratzyklus. Durch die sog. anaplero-
4 Fettsäurebiosynthese tischen Reaktionen wird dieser Abfluss kompensiert.
4 Hämbiosynthese Neben der Bildung von Oxalacetat und D-Ketoglutarat
4 Gluconeogenese aus Aminosäuren ist die wichtigste anaplerotische Reak-
4 Biosynthese nicht essentieller Aminosäuren tion die Biosynthese von Oxalacetat durch Carboxylierung
von Pyruvat.
488 Kapitel 14 · Der Citratzyklus

Literatur Nishio A, Coppel R, Ishibashi H, Gershwin ME (2000) The pyruvate


dehydrogenase complex as a target autoantigen in primary biliary
Ackrell BA (2000) Progress in understanding structure-function rela- cirrhosis. Baillieres Best Pract Res Clin Gastroenterol 14 (4): 535–47
tionships in respiratory chain complex II. FEBS Lett 466 (1):1–5 Patel MS, Roche TE (1990) Molecular biology and biochemistry of
Attwood PV (1995) The structure and mechanism of action of pyruvate pyruvate dehydrogenase complexes. FASEB J 4:3224–3233
carboxylase. Int J Biochem Cell Biol 27:231–249 Perham RN, Reche PA (1998) Swinging arms in multifunctional
Hansford RG, Zorov D (1998) Role of mitochondrial calcium transport in enzymes and the specificity of post-translational modification.
the control of substrate oxidation. Moll Cell Biochem 184 (1–2): Biochem Soc Trans 26 (3):299–303
359–69 Rustin P, Bourgeron T, Parfait B et al. (1997) Inborn errors of the Krebs
Zhou ZH, McCarthy DB, O Connor CM et al. (2001) The remarkable cycle:a group of unusual mitochondrial diseases in human. Bio-
structural and functional organization of the eukaryotic pyruvate chmim Biophys Acta 1361 (2):185–97
dehydrogenase complexes. Proc Natl Acad Sci USA 98 (26):14802–
14807 Links im Netz
7 www.lehrbuch-medizin.de/biochemie

14