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meins magazin Juli 09

meins magazin Juli 09

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Feinsinn vertuscht ǀ Amoklauf Wer war gleich nochmal Christopher Street?!

Die Pille für den Mann ǀ Studenten & Hartz IV Der Unterschied bei Bären ǀ In Rekordzeit fit werden
Heft 6 ǀ Ausgabe 07/09 ǀ www.meins-magazin.de

meins

Inhalt

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Hetero als Nische?
Liebe Freunde von meins-magazin, Ausgabe drei präsentiert sich im Licht des Christopher-Street-Days in Köln. Was ist das eigentlich, der CSD? Wer ist dieser Christopher? Findet es heraus in ZeitGeist auf Seite 29. Wir haben in dieser Ausgabe in jedem Ressort etwas über den CSD. Aber warum machen wir dann kein komplett schwullesbisches Heft? Das wäre etwas übertrieben, die armen Heteros! Trotzdem bieten wir euch ein paar Tipps, Insiderinfos und Kuriosita aber wir machen auch meins-magazin wie immer - spannend und künstlerisch.

LebensEcht

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Amoklauf Kolumne: Zeit für Kirschen Sex-ABC Was hat es mit der Regenbogenfahne auf sich? Eine Reise durch Namibia Tokyo – Gay and Lesbian Parade London Bites Ranga Yogeshwar ist Ehrendoktor Hormonelle Verhütung für den Mann Gesundheitsrisiken bei Tattoos und Permanent Make-up Wer war noch gleich Christopher Street?! Nachwehen Der Unterschied bei den Bären Sonderschule der Ästhetik: Düsing vertuscht... mal philosophisch Playlist Die große Verschwörung FeinSinn vertuscht SMS Studenten & Hartz IV Homo-Ehe – Ehe 2. Klasse? Mehr Frauen im Vorstand Damenwahl Politik In Rekordzeit fit werden Gender Trouble vom Feinsten Dos and Don'ts zum CSD

Dazu starten wir eine neue Reihe mit diesem Heft, wir nehmen euch mit auf eine Reise durch Köln. Unsere Autoren und Fotografen stellen jedes mal einen neuen Stadtteil vor, und zum Anfang geht es gleich nach Kalk. Nicht die schönste Ecke von Köln? Lies selbst! Diese Ausgabe ist die erste, die wir in nur 4 Wochen produziert haben, mit dem selben Anspruch wie immer. Leider hat sich dabei der Virenteufel in die Redaktion eingeschlichen, weswegen das Ressort Körperkultur diesmal gar nicht kräftig aussieht, aber es erholt sich bis zur nächsten Ausgabe, versprochen! Ich freue mich auch, dass wir wieder neue Mitglieder an Bord haben, die sich in dieser Ausgabe das erste Mal ausprobieren. Einige von euch haben vielleicht auch in den letzten Wochen unsere Plakate in der Stadt gesehen oder eine Flyer von uns in die Hand bekommen. Durch unsere erste kleine Marketingkampagne haben wir unsere Leserschaft um 300% ausbauen können. Darüber freue ich mich ganz besonders, aber damit heißt es auch: Die Pflicht ruft! Um besser und schöner zu werden, suchen wir neue Autoren für meins-magazin. Hast du Lust mitzumachen? Dann klick auf unsere Webseite auf „mitmachen“ und wir sehen uns schon bald! Aber jetzt erstmal viel Freude und Vergnügen beim Lesen! Aus und für die Redaktion, Niels Walker, Chefredakteur

FernSicht

ErkenntnisReich

ZeitGeist

FeinSinn

StaatsKunst

KörperKultur StaatsKunst

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Inhaltliches

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Editorial

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LebensEcht

Foto: Alexander Graeff

Fotos: Alexander Graeff

Angedrohter Amoklauf an der Universität zu Köln Ein Kommentar. Um halb zwölf klingelte das Handy. Eine SMS. „Hej! Morgen ist angeblich ein Terroranschlag an der Uni geplant. Hab jedenfalls gerade eine SMS bekommen! Schick mal weiter! Gehst Du hin?“
Vermutlich jedes zweite Handy der Studierenden der Uni Köln empfing diese oder eine ähnliche Nachricht am Sonntagabend den 26. April. Ein Anruf bei der Polizei half nicht unbedingt zur Aufklärung bei: (Wortlaut) „Es gibt in der Tat eine Amokandrohung. Wir stufen die Gefahr allerdings als nicht ernsthaft ein. Die Entscheidung, die Veranstaltungen zu besuchen, liegt bei den Studierenden selbst. Schönen Abend noch. Auf der Homepage der Uni findet man überhaupt nichts. „Ameisen sind die besseren Autofahrer.“, steht da nur. Lediglich durch einige Blogs im Internet geistert die Nachricht. „In mehreren SMS wurde ich davor gewarnt, morgen in die Uni zu gehen. Angeblich ist ein Amoklauf angekündigt worden. Einige Vorlesungen fallen bereits aus. Was ist dran?“, steht auf www.andreasmatthies.de. Angsterfüllt gingen viele Studierenden schlafen. Wirklich wohl fühlte sich in dieser Nacht wohl niemand, der von der Drohung wusste. Erst am nächsten Morgen wurde auf der Uni Homepage Aufklärung geleistet. Bereits am 23. April sei ein Fax im Dekanat eingegangen, am Freitag sei es gelesen und direkt an die Polizei weiter geleitet worden. In gebrochenem Deutsch wurde die Ermordung von 100 Menschen mit einer AK 47, besser bekannt als Kalaschnikow, angedroht. Die Polizei schätzte die Lage als unbedenklich ein. „Derzeit gibt es keinerlei Hinweise darauf (sic), die auf eine Ernsthaftigkeit der Ankündigung und eine gegenwärtige Bedrohung schließen lassen.“, steht in der Pressemitteilung, die ebenfalls erst am Montag um 11:10 veröffentlicht wurde. Um etwa 11 Uhr am Montag ging die Nachricht durch die Hörsäle, dass

der Absender des Faxes gefasst; die Geschichte ein übler Scherz gewesen sei. Um 14 Uhr wussten einige Professoren immer noch nichts von der Drohung. Am Mittwoch war der Täter wiederum doch nicht gefasst. Die Meldung vom Vortag: eine Ente. Die Faxnummer, von der die Drohung geschickt worden war, führe nach Bayern, der Besitzer wäre aber, so die Polizei, als lupenreiner „Nicht-Amokläufer“ identifiziert. Was aber wäre nun passiert, wenn doch ein Mensch Amok gelaufen wäre? Um 8 Uhr befand sich am Montag eine große Menge von Polizistinnen und Polizisten an der Uni, um mit scharfem Auge die Studierenden zu beobachten. Einige Leute wurden durchsucht... Um 12 Uhr stand nur noch ein einziger, unbesetzter Polizeiwagen herum. Ein Anschlag, der für zwei Tage angekündigt wurde, war nach polizeilicher Ansicht also bereits am ersten Tag um 12 Uhr gegessene Sache. Stellt man sich das Blutbad vor, das beispielsweise den Eingang des Hauptgebäudes um 11:32 Uhr fluten würde, ballerte jemand mit einer Automatikwaffe auf die hinausströmenden Studierenden, kann die Reaktion auf die Aufklärungsarbeit von Polizei und Universitätsleitung keine positive sein. Geschätzte 50 Prozent der anwesenden Studierenden gingen in dem Bewusstsein zur Uni, dass ein Amoklauf statt finden könnte. Sie wollten keine Fehlstunden riskieren. Sie glaubten tatsächlich an die Drohung, da weder von Universitätsseite noch von Seiten der Polizei aus bekannt gegeben wurde, dass es sich wohl um einen schlechten Scherz handele. Die anderen 50 Prozent der Anwesenden wussten, dank mangelnder Berichterstattung, überhaupt nichts von der Drohung. Selbst wenn das Fax zu 99 Prozent als Fake erkannt werden konnte (wovon man aufgrund des hohen Polizeiaufgebots am Montagmorgen wiederum nicht schließen konnte), bestände immer noch eine einprozentige Chance, dass tatsächlich jemand Amok laufen hätte können. Gleichzeitig verkündete die Universitätsleitung am Montagmorgen, dass ein Ausfall im Ermessen der Lehrenden liege. Viele der Professoren und Dozenten wussten zu diesem Zeitpunkt allerdings nichts von der Drohung. In unserer Gesellschaft ist es durch vielfältige und

schnelle Medien sehr einfach die 40.000 Studierenden auch am Wochenende zu erreichen. Eine Berichterstattung hätte dem Drohenden natürlich die mediale Plattform gegeben, die er sich höchstwahrscheinlich wünschte. Jedoch fühlten sich viele von der Drohung dermaßen eingeschüchtert, dass eine Pressemitteilung zu einem früheren Zeitpunkt vermutlich von Vorteil gewesen wäre. Ein einfaches: „Die Polizei schätzt die Amokandrohung als nicht ernsthaft ein!“ am Sonntag oder Samstagabend hätte der Panik, die definitiv vorhanden war, entgegengewirkt. Die zum Teil ausgefallenen Veranstaltungen hätten statt gefunden und die Studierenden, die aufgrund der Drohung zu Hause blieben, hätten ruhigen Gewissens kommen können.Die Polizei stufte die Bedrohung zwar als nicht ernsthaft ein, trotzdem befanden sich am Montagmorgen eine Menge Polizistinnen und Polizisten an der Uni. Das Aufgebot trug, in Kombination mit der geringen Berichterstattung, nicht zur Beruhigung der Studierenden bei. Später scheint dafür das leere Polizeiauto, das geradezu symbolisch herumstand und tatenlos den Studierenden

nicht dazu) einenTerroristen vermuten muss oder auch die Streifen auf Rädern und in Autos, die bösen Fahrradfahrern, die die falsche Straßenseite benutzen, eine zwanzigminütige Strafpredigt halten und Bußsummen in ungemeiner Höhe aufbrummen (Nein, dem Autor ist auch dies noch nicht passiert) sind eine hämische Parodie des Leitsatzes: „Dein Freund und Helfer“. Wenn es also genug Polizisten für solche Aufgaben gibt, wieso war es dann nicht möglich, die Uni zwei Tage lang unter polizeilichen Schutz zu stellen? Oder aber von Beginn an davon auszugehen, dass keine Gefahr bestand und die Studierenden nicht durch unnötige Einsätze zusätzlich nervös zu machen? Zusammengefasst: Entweder muss ein Polizeieinsatz durchgezogen werden oder aber die Universitätsleitung sollte bereits am Samstag oder Sonntag eine Panik verhindern, indem sie die Studierenden hinreichend darüber aufklärt, dass keine wirkliche Gefahr besteht. Mediale

AMokLAUF
LebensEcht

auf dem Albertus-Magnus-Platz zusah, in Relation völlig irrsinnig. Vergleicht man das Polizeiaufgebot beispielsweise mit dem, das ein Minister Pinkwarth bei seinem Besuch an der Universität bekam, fühlt man sich, auf gut Deutsch, verarscht. Damals waren zwei Hundertschaften zum Schutz des Ministers abgestellt worden, hatten den Albertus-Magnus-Platz bevölkert und Jura-Studierenden, die eine Klausur im Hörsaalgebäude schreiben mussten, fast den Eintritt verweigert. Die Studierenden hatten nicht Bescheid gewusst und sich auch überhaupt nicht darum gekümmert, dass Herr Pinkwarth die Universität besuchte. Das Polizeiaufgebot war also so unnütz wie ein Kropf. Auch andere, nicht politische Beispiele fallen ins Auge. Das Polizeiaufgebot bei Fußballspielen, das hinter jedem Betrunkenen, der eine Fahne und einen Schal schwenkt (der Autor gehört

Aufmerksamkeit, die sich irgendein anonymer Idiot wünscht, muss man wohl in Kauf nehmen, um einen optimalen Schutz und einen reibungslosen Ablauf solcher „Ereignisse“ zu gewährleisten. Wenn es tatsächlich in Zukunft einmal mehr, selbst bei einem richtigen Amoklauf, ohne Opfer zu gehen soll, so ist der informierte und damit für mündig erachtete Studierende, derjenige der überleben kann. Jede Gesellschaft bekommt die Menschen, die sie verdient. Eine nicht informierende Gesellschaft muss beim nächsten Mal also damit leben, bei weniger positivem Ausgang der Situation, die Schuld zu tragen. Der mit dem Amoklauf Drohende ist nach heutigem Stand übrigens noch nicht gefasst. Ein übler Scherz wird es wohl trotzdem gewesen sein. Hoffen wir, dass es dabei bleibt. Simeon Buß

LebensEcht

Die Zeit für Kirschen Die Zeit für Kirschen Die Zeit für Kirschen Die Zeit für Kirschen Die Zeit für Kirschen

Es ist Frühling und überall sind sie, wo auch immer Du hinschaust, entdeckst Du ihre ineinander klebenden Patschehändchen, gegenseitig befühlen sie sich in ihren Gesäßtaschen und halten ihre Köpfe schief wie Katzen auf diesen Fotos in kitschigen Tierkalendern: frischverliebte Pärchen.

Ich persönlich beobachte diese Spezies sehr gern und bin ganz ehrfürchtig ob ihre Zurückhaltung aus dem ohnehin schon beschwingten Gang kein schlumpfiges Hüpfen macht. Anders als andere Singles, die wie ich kein übergroßes Stofftier für den Spaziergang unter kirschblütenregenden Alleen haben, bin ich nicht von Neid erfüllt wenn ich auf zwei Paar errötete Wangen blicke. Im Gegenteil: Pünktlich zur Bikinisaison sind die meisten eh wieder solo oder aber in Beziehungen gefangen, die irgendeinen Frühling später am Neid auf viel glücklicher wirkende Paare zerbrechen. Ein schönes Beispiel lieferte mir jüngst erst wieder die Scheidung einer guten Freundin. Nach ein paar Jahren Ehe war die Luft raus, doch anders als bei einer stinknormalen Trennung, wo es allenfalls um die Rückgabe der Lieblingsfilme geht, stellen sich nach der Auflösung einer Verbindung mit Trauschein deutlich existenziellere Fragen. Letzten Montag traf ich sie morgens um zehn Uhr in einem Café, um mit einem Glas Sekt auf das Ende ihrer Ehe - und knapp 50 Euro Rentenzuschuss, den ihr Ex ihr dann in 30 Jahren monatlich abstottern muss, - anzustoßen. Die Stimmung war recht gelöst, kurzweilig hatte sie dann einen nachdenklichen Moment und meinte: „Manchmal dachte ich mir: Schade. Wenn mein Ex vor

der Scheidung gestorben wäre, hätte ich jetzt sofort Anspruch auf Witwenrente.“ Wir lachten herzlich, sie zahlte die Rechnung, und wir gingen dann beide wieder zu unserem Singletagesgeschäft über: Noch mehr Alkohol konsumieren, dünn bleiben und mit dem Zynismus Gassi gehen. Dem für mich wohl unverständlichsten Modell einer Beziehung, nämlich der „offenen“ Variante, begegnete ich erstmalig bewusst vor ein paar Jahren. In der Regel ist dieses Konstrukt hauptsächlich in der homosexuellen Männerwelt wieder zu finden, da, meiner Theorie nach, gepaartes Testosteron eine sexuell freilebige Verbindung begünstigt. Ich für meinen Teil, halte so etwas für kontraproduktiv und im höchsten Maße gefährlich. Vor Monaten bat mich in einem Club erst jemand, mit wässrigen Augen und vollständig alkoholisiert, mit ihm die Nacht zu verbringen. Diese Art der Anmache war mir zwar neu, aber es soll ja noch Männer geben, die unter Geilheitsaspekten zu kreativer und verzweifelter Höchstleistung auflaufen. Ich verkniff mir ausnahmsweise das müde Lächeln und stellte ihm als Antwort die Frage, ob es ihm gut ginge. Er schüttelte den Kopf und wimmerte, dass sein Schnucki ihm ein paar Tage zuvor unterbreitete, dass er ein Bedürfnis nach Fremdvögelei hätte, seinen Freund allerdings nicht betrügen wolle, und in einer offenen Beziehung eine Chance sähe, die Bindung zu retten. Um ihn nicht zu verlieren, willigte der andere ein. So bleiben eben manchmal Menschen auf der Strecke und,

nein, ich denke niemand hat genügend Pflaster um solche Wunden verarzten zu können. Natürlich muss das nicht die Regel sein, aber ganz ehrlich: mein Stil ist das nicht. Ein für mich ebenso verwirrendes Phänomen ist die Begegnung mit überglücklichen Paaren. Ich schließe in der Definition die „Wir haben Hunger, wir sind müde, wir müssen kacken“ - Pärchen natürlich aus. Wenn aus zwei Menschen ein Dixiklo wird, hat man die Geschichte mit der Symbiose irgendwie missverstanden. Überglückliche Paare sind diese sehr erwachsenen Beziehungen, wo beide als Individuen so verstörend trittsicher und perfekt miteinander harmonieren, dass man schon wieder an Disney-Märchen glauben möchte und gar nicht anders kann, als neidisch zu werden. Klar, allzu häufig sind die nicht zu finden, aber wenn Du dann sonntags eine Einladung zum Picknick eben jener Exemplare annimmst, der Teil, wo alle essen, schließlich vorbei ist, die Luft langsam abkühlt, das Kuscheln allgegenwärtig und Verbundensein unerträglich wird, sowie selbst die leicht überzogenen Details Deines Sexuallebens auf kein offenes Ohr mehr stoßen, wirst Du Dir der Kluft zwischen Zusammengehörigkeit und Einsamkeit ganz anders bewusst. Wir sitzen unter Bäumen, der Wind weht Kirschblüten zwischen die Gesichter und für einen Moment schließt sich der weiße Regen wie ein Vorhang vor unser Gelächter. In diesem Augenblick

ruhe ich endlich mein Lächeln aus. Der Frühling ist noch jung und in Wahrheit habe ich jetzt schon schlimmen Heuschnupfen, schnappe sehr häufig nach Luft und bin einfach mit jeder Faser meines Körpers auf diese Jahreszeit allergisch. Mehrfach nieste ich schon viel zu laut und öffentlich, schleuderte aus mir heraus, dass mich der Anblick von Liebe, sogar nur einem Teil von ihr, viel zu häufig an die süße Schwere des Alleinseins denken lässt. Und dann erinnerst Du Dich an Deine eigenen beschissenen fünf Minuten Glück und obwohl es Winter war, die Bäume karg und die Strasse glatt geleckt vom Regen, fühlen sich die Kirschblüten heute wie Steine auf meiner Haut an. Nach Schmerz. Das ist dann wohl ein guter Grund den Sommer nicht mehr abwarten zu können… und endlich einen neuen Gesellschaftssport für Singles einzuführen: Kirschkernwettspucken auf Paare. Marcel Doganci

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LebensEcht

Flatus Vaginalis
Schon bei diesem Namen kann man sich denken, dass dieser Begriff irgendwas mit dem weiblichen Geschlechtsorgan zu tun hat. Flatus Vaginalis ist nämlich der Austritt von Luft aus der Vagina. Vor allem beim Geschlechtsverkehr, aber auch bei sportlicher Betätigung entstehen Geräusche, die ähnlich wie ein Pups klingen, jedoch stets geruchlos sind.

Infertilität
Oft werden Sterilität und Infertilität fälschlicherweise gleichgesetzt. Während die Unfruchtbarkeit einer Frau medizinisch als Sterilität bezeichnet wird, ist Infertilität, die Unfähigkeit einer Frau ein Kind lebend auszutragen. Dieser Begriff wird allerdings nur nach dem Auftreten von mehreren Fehlgeburten verwendet

Gleitmittel
Gleitmittel erleichtern das Eindringen des Gliedes in die Vagina bzw. den Anus. Damit wird eine trockene Schleimhaut ausgeglichen und mögliche Schmerzen verhindert. Bei Safer Sex sollte man definitiv nicht zu alternativen Gleitmittel wie Margarine, Butter, Öl oder Vaseline greifen, da bei der Reibung kleine Risse im Kondom entstehen können.

F-J

Jungfernhäutchen
Das Zeichen sexueller Unberührtheit in vielen Kulturen. Nicht unbedingt zu Recht, da das Jungfernhäutchen z. B. auch beim Sport reißen kann. Es ist ein dünnes Hautgewebe, das den Scheideneingang umringt. Bei jedem Mädchen ist die Form, Größe und Stärke dieses Geweberinges unterschiedlich. Ein Mädchen kann ohne Jungfernhäutchen geboren werden, es kann aber auch so groß sein, dass es sich um den größten Teil der Scheidenöffnung ausdehnt. Veronika Czerniewicz

Hermaphrodit
Hermaphroditen, oder intersexuelle Menschen sind, was allgemein als „Zwitter“ bekannt ist. Genauer: Menschen, die sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsausprägungen besitzen und die sowohl männliche als auch weibliche Keimzellen ausbilden. Bei knapp jeder 5000. Geburt herrscht Verwirrung, ob es sich um ein Mädchen oder einen Jungen handelt. Wenn der Penis bei der Geburt gut entwickelt ist, kommt das Problem in der Pubertät des Kindes zum Vorschein, sobald Brüste zu wachsen beginnen.

Foto: Sven Albrecht

LebensEcht

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Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Lila – die Regenbogenfahne ist ein internationales Symbol für die Schwulen- und Lesbenbewegung, das weiß man gerade in Köln. Aber wo kommt sie eigentlich her und was bedeutet sie für Homosexuelle? Entworfen wurde die Fahne in den späten 70ern von einem amerikanischen Künstler namens Gilbert Baker und soll den Stolz und die Vielfalt homosexueller Lebensweisen verkörpern. Ganz offensichtlich wurde Baker von der Beerdigung der Schauspielerin Judy Garland 1969 beeinflusst, zu der viele Schwule statt dem traditionellen schwarz Regenbogenfarben trugen und somit auf den Song der Schauspielerin „Over the Rainbow“ anspielten. Der Song aus dem Film „Der Zauberer von Oz“ handelt vom Traum von einem besseren und gerechteren Ort. Ursprünglich bestand die Fahne aus acht Farbstreifen. Für die Produktion und den Verkauf wurden die Farben „Hot Pink“ und Türkis in den 70ern ausgelassen. Heute überlegt man die Flagge zur Bekenntnis der gleichgeschlechtlichen Liebe wieder zu vervollständigen, da jede Farbe etwas symbolisiert:

Rot steht für das Leben. Orange für die Gesundheit. Gelb kommt dem Sonnenlicht gleich. Grün repräsentiert die Natur. Türkis stellt die Kunst dar. Königsblau die Harmonie. Und Violett den Geist. Die schwarzen Streifen zwischen den Farben gemahnen an die AIDSProblematik. Veronika Czerniewicz Foto: Sven Albrecht

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FernSicht

Das Wichtigste aber ist: Fahren in Namibia ist wie Autokino: Man fährt durch wunderschöne Landschaften, die faszinieren, beschäftigen und einen auch in den Träumen nicht loslassen. Ständig steht einem der Mund offen, weil man eine neue Felsformation, eine neue Farbe oder eine völlig wunderliche Landschaft entdeckt hat. Aber lest selbst:
30.4.2008 Windhoek - Fish River Canyon Es begann schrecklich. Nach einem Schleuderausflug in den Seitengraben, einer Irrfahrt, einem Platten, einmal den Schlüssel im Auto eingeschlossen haben und 650 km Fahrt von Windhoek aus, bin ich endlich am Fish River Canyon angekommen. Der Sternenhimmel hier über der Steppe, etwa 20 km vom Canyon entfernt, ist unglaublich. Nicht nur ganz oben sind die Sterne glühend und funkelnd, auch am Horizont kann man sie deutlich erkennen. Sie liegen fast auf der Erde, egal in welche Richtung ich sehe. Ich liege auf dem Rücken, trinke Bier und denke noch ein wenig an den großartigen Sonnenuntergang vorhin. Sonnenunterlauf eigentlich fast schon: Innerhalb von einer Minute war die Sonne komplett verschwunden, nur orange-rote Wolken zurücklassend. Der schlimmste Tag meines Lebens hat unerwartet ein wunderschönes Ende gefunden. Ich brauche mir nur noch eine Mütze Schlaf aufzusetzen und freue mich auf den nächsten Tag. 1.5.2008 Fish River Canyon - Schloss Duwisib Langsam kriecht das Auto auf das Ende der Welt zu. Ich wage kaum Gas zu geben, um auf der steinigen Straße keinen Platten zu riskieren. Vor mir breitet sich nur Himmel aus. Ich lasse das Auto weiter kriechen, bis ich bei einer Aussichtsplattform angekommen bin. Toll, denke ich dann, als ich oben stehe und hinab sehe. Das ist wie auf einen Berg zu klettern und runter zu schauen. Nur, dass ich nicht klettern musste. Der Canyon ist groß, der Abgrund, der sich mir eröffnet, erschreckend. Lustige Vögel, die ein paar Worte sprechen können, fliegen umher und picken auf alles ein, was essbar erscheint. Der Himmel ist, wie fast immer, strahlend blau, nicht einmal Schäfchenwolken schmücken das Firmament und alles, worüber ich mir Gedanken machen kann, ist, dass ich jetzt

Eine Reise durch Namibia
Namibia. Ein Land, das doppelt so groß ist wie Deutschland, aber nur 1/40 der Einwohner hat. Das bedeutet so viel wie: 2.031.000 Einwohner auf 824.292 km² Fläche. 2,5 Menschen pro km².
Ich habe drei Monate in diesem Land gelebt und in einer Tagesstätte für behinderte Kinder aus dem ärmsten Viertel der Hauptstadt (Windhoek) gearbeitet. Zwischendurch bin ich mit einem kleinen Auto durch das Land gereist. Ein paar der Eindrücke, die ich damals gewonnen habe, versuche ich hier fest zu halten. Zunächst Grundsätzliches: Es gibt drei verschiedene Arten von Straßen in Namibia: Asphalt-, Sand- und Steinstraßen. Asphaltstraßen sind wie einspurige Autobahnen in Deutschland. Man fährt bis zu 200 Stundenkilometer ohne Probleme (erlaubt sind natürlich nur 120km/h). Die Sandstraßen sind anstrengender und unberechenbarer. Wenn man überholt wird oder auch nur Gegenverkehr hat, muss man eigentlich anhalten, weil man kaum noch etwas sieht: Staubig. Alle drei bis vier Kilometer kommen ausgetrocknete (oder matschige) Bodenwellen, durch die in der Regenzeit wahre Ströme fluten. Wenn man diese Wellen übersieht, geht es schon mal mit 100 km/h in die Tiefe und man springt auf der anderen Seite ein paar Meter weiter wieder heraus und verliert dabei ein Nummernschild. Aber dazu später. Die Steinstraßen sind schrecklich. Man läuft ständig in Gefahr, dass ein Reifen oder gleich mehrere Hops gehen, es holpert und poltert die ganze Zeit. Steine fliegen in alle Richtungen. Weiterhin gibt es außerhalb der Städte kaum Gegenverkehr. Von Leuten die in die gleiche Richtung fahren, kriegt man nur etwas mit, wenn man sie überholt oder überholt wird, lange hintereinander her fährt man eigentlich nie. Und wenn man lange Zeit auf einer einsamen Strasse gefahren ist, grüsst man die Entgegenkommenden auch schon mal.

bloß nicht da hinunter fallen möchte. Ich lege mich ganz nah an den Rand auf den Bauch und werfe, nur zur Probe, einen Stein. Er fällt die knapp 200 Meter und zerspringt am Boden in tausend Stücke. Vor Jahrmillionen, war das hier alles eben, wurde mir erklärt. Doch mit der Zeit hat sich der Fish River durch das Gestein gefressen. Und wie er sich gefressen hat, denke ich. Nach einem kurzen Stopp beim „Canyon Road House“, das eiskaltes Bier serviert und Männer in Lederjacke in einem dunklen Thekenraum sitzen lässt, aber auch ein sehr leckeres und preiswertes Mittagessen zu bieten hat, mache ich mich auf den Weg zum Schloss Duwisib. Vor Beginn des ersten Weltkrieges ließ ein deutscher, adliger Leutnant die kleine Burg (rechteckig und vier Türme) für seine amerikanische Frau mitten in die Wüste bauen. Sie lebten dort nur einige Jahre, dann begann der Krieg. Der Leutnant wurde einberufen und fiel. Sie verschwand zusammen mit einem amerikanischen Schiff, dass sie zurück nach Amerika hatte bringen sollen. Das Haus wurde zum Museum ausgebaut, die angrenzenden Farmer bieten Unterkünfte. Wieder bringe ich einen Horrortrip hinter mich. Dieses Mal sind es 450 km. Ich mache auf Sandpisten wilde Luftsprünge, verliere ein Nummernschild und muss einen toten Vogel aus der Halterung pulen, in der zuvor das Schild war. Dann bleibe ich in einem Wasserloch stecken, bekomme aber bald Hilfe angeboten, die leider ebenfalls stecken bleibt. Bekannte der Hilfskräfte versuchen eine Stunde lang vergeblich, erst den Bulli meiner Helfer aus dem Morast zu holen, bevor sie endlich mich retten können. Es ist dunkel, ich fahre das Auto erst seit zwei Tagen (und etwa 1100 km) und habe keine Ahnung wie das Fernlicht angeht. Ständig stehen Tiere am Straßenrand, Mücken verkleben die Frontscheibe, ich habe nur noch ein kleines Sichtfenster, beuge mich vor, um ja keines dieser Miniatur-Schilder zu verpassen, die mir sagen, welche dieser Straßen verflucht noch mal die ist, die ich brauche. Immer wieder muss ich hupen, damit die Tiere nicht auf das Licht zugelaufen kommen, ich sehe die reflektierenden Augen in der Dunkelheit verschwinden. Ich will nicht jammern, denn schließlich schaffe ich es und lebe noch, als ich schließlich ankomme. Der zweite Horrortrip in zwei Tagen lässt mich dennoch erst einmal nicht los und nicht einmal meine Eltern kann ich anrufen, weil es hier, mitten im öden Land, keinen Handyempfang gibt. Der Farmer, der mir das Zimmer vermietet,

ist nett und ein Abendessen scheitert nur mangels der vegetarischen Alternative. Aber ich habe noch genug dabei, um selbst zu kochen, lege mich später in die heiße Badewanne und kann nachts schlafen wie ein Kind. 2.5.2008 - Schloss Duwisib - Soussousvlei Das Frühstück zusammen mit dem Farmer am nächsten Tag schmeckt doppelt so gut mit dem Horror von Gestern im Rücken. Er spricht fließend deutsch und erzählt wie schwer das Leben als Farmer geworden ist. Um in Namibia Tiere zu ernähren, braucht man die vier bis fünffache Fläche wie z.B. in Deutschland. Die Vermietung der Räume nebenher bringt ihn gerade so über die Runden. Außerdem hat er noch einen kleinen Souvenirladen und, ich bin ein wenig erstaunt, eine Straußenfarm. Ich verabschiede mich herzlich von meinem Gastgeber und mache eine kleine Tour durch das Museums-Schloss. Die Räume sind herunter gekommen, rissig. Geweihe, Degen und Gewehre - Bilder der einstigen Bewohner hängen an den Wänden und verleihen den Räumen eine düstere Atmosphäre. Niemand außer mir scheint anwesend zu sein, wie ein Gespenst fühle ich mich, als ich durch das Gebäude wandle. Der Innenhof ist der schönste Teil. Ein richtiger kleiner Pool, von Palmen umgeben, bildet das Herzstück. Ich werfe ein paar Dollars in die Spendenbox und fahre weiter zur Soussousvlei, der größten Düne der Welt. Nach drei Stunden bzw. 200 km komme ich am teuersten Camping Platz der Welt an, der immer noch 60 Kilometer von meinem eigentlich Ziel, der Soussousvlei, entfernt ist. Umgerechnet 40 Euro pro Person ist der Preis, den ich dem mürrischen Kerl in Bermuda Shorts übergeben muss, bevor ich mein Zelt aufbauen darf. Bevor es dunkel wird, möchte ich schnell noch einmal zu den Dünen. Die 60 Kilometer schaffe ich zwar nicht, aber ich finde eine wunderhübsche Düne auf halbem Wege, die ich ohne Erfolg zu erklimmen versuche. Immer wieder rutscht mir der Sand unter den Füßen weg und raubt mir den Stand. Völlig entkräftet, die Sonne brennt hämisch auf mich nieder, gebe ich schließlich auf und lasse mich fallen. Der Ausblick ist nichtsdestotrotz gigantisch. Riesige Sandhügel zieren den Horizont und werfen farbige Schatten. Der Sand ist nicht nur gelb, sondern orange, ocker, braun. Einfach unbeschreiblich bunt. Ich rutsche die Düne hinunter, setze mich in mein Auto und sehe Sträuße in der Ferne.

FernSicht

FernSicht

3.5.2008 Soussousvlei - Walvisbaii Am nächsten Morgen um halb Fünf klingelt mein Wecker. Wer den Sonnenaufgang von der höchsten Düne aus sehen will, muss sich beeilen. Bei der Katzenwäsche im Waschcontainer lerne ich Eddie, seines Zeichens Schweizer, kennen. Später, bei einem Trampelpfad,treffe ich ihn samt seiner Freundin Christine wieder. Sie nehmen mich im ihrem 4*4 Landcruiser mit und gerade so schaffen wir es rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf der Soussousvlei zu sein. Jedenfalls hätten wir es rechtzeitig geschafft, hätte es einen Aufgang gegeben. Doch mitten in der Wüste hängen graue Wolken wie nasser Tee im Teebeutel. Die Sonne schafft es nur mit größter Anstrengung ein paar Strahlen zwischen den Dingern durch zu quetschen. Ich habe mich noch nie glücklicher gefühlt.

Alle Besucher kommen, um den Sonnenaufgang zu sehen und wir, wir sehen Wolken über der Wüste, die mühsam und teilweise erfolgreich ein Aufgehen der Sonne verhindern.
Ich bin so lange glücklich, bis mir einfällt, dass ich bei der Hetze am Morgen vergessen habe, das Fernlicht am Wagen aus zu knipsen. Das Schweizer Pärchen lädt mich auf ein Frühstück aus Joghurt und Knäckebrot ein und ich beschließe, dass es jetzt auch zu spät ist das Licht aus zu machen. Also fahre ich weiter mit den Beiden zur Deathvlei. Ein ganzer Wald

uralter, toter Bäume steht im Tal neben der zweitgrößten Düne der Wüste. Früher war hier einmal Meerwasser, das durch den Sand versickerte und eine kräftige, heute durch Temperaturwechsel rissige Salzkruste zurück ließ. Darauf stehen Bäume, konserviert vom Salz, blattlos, schwarz im ureigenen Kontrast zur gelb-braunen Farbenpracht der Wüste. Später nehmen die Beiden mich noch mit zurück, leisten mir Starthilfe und lachen mich ein wenig für meine Dummheit aus. Ich fahre weiter zu Walvisbaii, einer Stadt, so deutsch wie Bremen. Der Weg nach Walvisbaii ist wieder einmal ereignisreich. Christine und Eddie hatten mir einen berühmten Apfelkuchen ans Herz gelegt, der in Solitaire (einer vier Häuser Siedlung) zu bekommen war. Ich komme gleichzeitig mit zwei Bussen voller Touristen (ausnahmsweise Engländer und keine Deutschen) an und muss zähnefletschend um das Stückchen Apfelkuchen kämpfen, das erwartungsgemäß doch nicht besser schmeckt, als zu Hause bei Mama. Kurz darauf fahre ich durch das Auenland. Ich kann es wirklich kaum anders beschreiben. Die Straße schlängelt sich wie ein braungebrannter Wurm durch grüne Hügel. Jeden Moment rechne ich damit, dass ein Hobbit den Kopf aus seiner Höhle steckt und mir den Mittelfinger zeigt, weil das Auto so einen Lärm macht. Es ist eine Landschaft, von der man sonst nur in Büchern liest. Wie aus einem Traum gerissen werde ich, als die Hügel abrupt aufhören und gelbe Felder die Landschaft dominieren. Nach insgesamt wieder einmal 350 Kilometern Fahrt komme ich in Walvisbaii an und schlafe abends im Bed &

Breakfast bei Indiana Jones 1 ein. 4.5.2008 Walvisbaii - Swakopmund Eine Viertelstunde vor meinem Wecker, wie eigentlich immer in meiner gesamten Zeit, piepst mein Hirn und weckt mich. Ich habe Glück: Die meisten Bootstouren auf das Meer hinaus sind zwar schon ausgebucht, doch das Wetter ist so schön, dass ein Anbieter eine zweite Tour plant bei der ich teilnehmen kann. In der Zwischenzeit genieße ich endlich wieder richtigen Espresso in einem kleinen Cafè trinken zu können. Die Bootstour selbst ist wieder ein unvergessliches Ereignis. Neben den kostenlosen Getränken, die mir auf Dauer ziemlich Schlagseite verpassen, kommen immer wieder Seehunde an Bord, werden dafür mit Fisch und Streicheleinheiten entlohnt. Ein Pelikan fängt Fische im Flug, Delphine sehen wir leider keine, dafür aber einige schöne Punkte der Stadt. Nach der Bootstour fahre ich ziemlich angetrunken die 30 Kilometer nach Swakopmund. Der wirklich deutschesten Stadt Namibias. Häuser, die aussehen wie in Deutschland, Kaiser-Wilhelm Strassen, deutsche Werbung, deutsches Bier und ein holländisches Bed & Breakfast in dem ich einkehre. 5.5.2008 Swakopmund - Uis Wie eine Achterbahn durch die Wüste fühlt es sich an, wenn man auf einem Quad Bike die Dünen hoch und runter rast. Leider muss ich einen Helm tragen, meine Haare wehen also nicht im Wind. Später fahre ich noch einmal ans Meer und fühle mich bei Wind und Strand haargenau wie in Friesland auf einem Deich. Hier wehen die Haare auch. Immerhin. Der Tag führt mich weiter ins 300 km entfernte Uis, einem Dorf nahe der White Lady, der ältesten Höhlenmalerei, die in Namibia zugänglich ist; etwa 16.000 Jahre alt. Der Campingplatz ist klasse. Pool, Grill, Ruhe und Duschen. Das Abendessen fällt zwar karg aus, aber immerhin entdecke ich, warum der Brandberg (der Berg an dem unter anderem die White Lady ist) Brandberg heißt. Die Sonne lässt es beim Untergang aus sehen, als würde die Spitze brennen. 6.5.2008 White Lady und Outjo Die Wanderung zur White Lady (5 km hin und zurück) muss man mit einem Guide absolvieren. Ich habe ein älteres Ehepaar umsonst dazu bekommen. Wieder einmal Deutschsprachige, die den wunderschönen, grünen Weg zur Malerei zu einer Probe für

mein Nervenkostüm machen. Den Pavianen scheinen die beiden schon von Weitem so sehr auf den Senkel zu steigen, dass sie glücklicherweise nicht näher kommen, um uns anzugreifen. So hat alles seine positive Seite. Bald kommen wir dann doch zur White Lady. Den Biowaffen Angriff (Gelaber) der älteren Dame habe ich erfolgreich überlebt. Die White Lady selbst ist schon verblasst, weil viele Fotografen sie mit Flüssigkeit besprenkelten, um möglichst gute Aufnahmen machen zu können. Die Künstler der längst vergangenen Zeit benutzen Vogelurin, um die Farbe haltbar zu machen und mischten sie mit Gift, damit die Tiere sie nicht von der Wand leckten. Gegen die Witterung wurde das Gemälde unter einen Vorsprung gemalt, und: Es hält 16.000 Jahre. Davon könnte Microsoft sich mal eine Scheibe abschneiden. Laut dem Guide ist es nicht möglich andere Malereien zu sehen, weil diese zu tief im Berg liegen, und man Tage braucht um sie zu erreichen. Also beschließe ich, weiter zum Etosha Nationalpark, einem Game Drive Park (So etwas wie Safari) zu fahren. In Outjo finde ich ein angenehmes, nicht zu teures Quartier. 7.5.2008 Outjo - Etosha Nationalpark & 8.5.2008 Wieder einmal früh man nächsten Morgen breche ich müde, nach kaltem Kaffee, zum Etosha Nationalpark auf. Nach kurzem Check-In auf einem Camping Platz, fahre ich direkt weiter in den Park. Schon nach knapp 10 Kilometern muss ich anhalten, weil eine ganze Herde von Zebras und Springböcken die Strasse überquert. Ich halte das noch für großes Glück, doch spätestens nach drei Stunden öden mich Zebras und Springböcke dermaßen an,

dass ich sie kaum noch beachte. Ich habe sehr viel Pech und vermutlich auch zu viel Ungeduld im Etosha Park bewiesen. Laufen Elefanten und Nashörner normalerweise jedem Besucher über den Weg, kann ich nur von einer Löwin, Erdmännchen, Vögeln, Antilopen, Gnus, Straußen, einem Leguan, einem Schakal, Giraffen und einem Bein berichten. Das Bein lag übrigens seelenruhig und fein säuberlich abgekaut in der Sonne und störte sich nicht weiter an den Fliegen oder an mir. 9.5.2008 Etosha, Baobabbaum und Grootfontein Insgesamt bin ich drei Tage lang im Etosha Park. Die Nacht vom 8.5. auf den 9.5. hält jedoch etwas Besonderes für mich bereit: Ein Gewitter. Riesige Pfützen zieren die schlecht gebauten Parkstrassen. Mit meinem kleinen Stadtauto rolle ich plätschernd durch das edle Nass, gehe fast unter, komme aber immer durch. Hinterher ist das Auto so weiß und starr vor Dreck, dass ich den Kofferraum nicht mehr aufbekomme. Ich verlasse den Park heute relativ früh, Tiere habe ich kaum welche gesehen. Auf meine nächste Reisestation freue ich mich jedoch mehr, als auf jede andere. „The giant Baobab“ steht mitten im Nirgendwo, zwischen afrikanischen Dörfern, deren Mittelpunkt ein Fußballplatz ist, von dem kleine Kinder mir freudig zu winken. Ein Trampelpfad führt auf den immensen Alten zu. Es ist so still, wie nur Natur still sein kann. Vögel zwitschern, wilde Tiere schreien, der Wind lässt die Blätter rascheln und trotzdem herrscht allgemeine Ruhe vor. Der Stamm des Baumes ist dick wie eine Buschmannhütte. Ich frage mich unwillkürlich, was so ein Baum wohl denken mag, ob er überhaupt

noch denkt, wenn er denn jemals gedacht hat, oder ob er das Denken längst aufgeben hat und zum Summen übergegangen ist. Obwohl es verboten ist, haben 1978 Menschen das Datum in den Baum geritzt. 30 Jahre sind ohne Spur an Stamm und Baum vorbei gegangen. Ich möchte die unvergleichliche Atmosphäre, diese Zufriedenheit und Ruhe, die hier herrscht, am liebsten in meine Tasche stecken und mitnehmen. Doch andere Menschen sollen sie auch noch genießen, also lasse ich sie da. Mein nächstes Ziel ist Grootfontein. Ein Städtchen, das auf meinem Weg zu Waterberg liegt. 10.5.2008 Grootfontein - Waterberg Eine Schildkröte will auf meinem Weg zum Berg die Straße überqueren. Gar nicht ängstlich schaut sie mich an, als ich ihr ein wenig des Weges abnehme und sie trage. Die Tour über den Waterberg selbst ist ein schöner Abschluss meiner Reise. Tiere, wie vom Veranstalter versprochen, sehen wir zwar keine, aber die Aussicht vom gut 200 Meter hohen Berg auf einen großen, grünen Urwald ist trotzdem klasse. Entkräftet mache ich mich am nächsten Tag auf den Weg nach Windhoek. Ich kann jedem, der die Möglichkeit hat nach Namibia zu fahren und eine Reise zu machen, eine große Empfehlung aussprechen. Das Land ist facettenreich, bunt und steckt voller Überraschungen. Ich habe mich noch nie so klein und einsam und gleichzeitig so geborgen und beschützt gefühlt, wie in diesem wunderschönen Land. Text + Fotos: Simeon Buß

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FernSicht

FernSicht

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Tokyo

Gay and Lesbian Parade
Seit August 2005 gibt es in Tokyo wieder die Tokyo Gay and Lesbian Parade. Bunte Wagen, laute Musik, andächtige Zuschauer und Fotografierverbot.
Es war die erste Parade seit 3 Jahren und sie war fantastisch, für einen Mitteleuropäer aber auch sehr lustig anzusehen. Es besteht absolut kein Vergleich zu einem westlichen Straßenfest, da es hier um einiges geordneter zuging. Auch wenn mehrere tausend schwule/lesbische/etc. Japaner auf der Straße sind um sich zu freuen, zu demonstrieren und die Parade zu feiern, haben sie keine Ambitionen auf der Straße auch zu tanzen. Es beginnt damit, dass man zunächst eine Stunde aufwendet, damit sich alle Teilnehmenden fein säuberlich in Reihen aufstellen (kann ja nicht sein, dass hier so eine Masse einfach lostürmt!). Dann geht es auf Kommando los, jeweils in einzelnen Blöcken, die einige

mehr als verwirrt schaut, als wir ihr sechs gesammelte Flaschen vor die Nase stellen und Pfand verlangen. „We don’t have anything like this“, erklärt sie schmunzelnd, bedankt sich aber und fragt „So you’re from Germany, right?“ Witzig. Die Deutschen und ihr Drang alles zu „verpfänden“ sind hier also nichts Ungewöhnliches. So schön die Musik und der Club auch sind, um drei gehen die Lichter an und wir werden hinausgefegt. In London gang und gäbe. Um vier ist spätestens Partyschluss. Danach geht man auf private Feiern oder eben ins Bett. Dutzend Köpfe groß sind. Dazu kommt noch – Ordnung muss sein -, dass man ein Teilnehmerbändchen benötigt, sonst könnte da ja jeder Hinz und Kunz mitlaufen. Als jedoch der Zug - die Straße ist wohlgemerkt von vielen Polizisten abgesperrt worden - bei jeder roten Ampel stoppt, frage ich mich doch, wer sich hier wem anpasst und für was eigentlich demonstriert wird. Mein Teil des Zuges sieht dann wie folgt aus: Ein Wagen mit DJ, Tänzern, Lautsprechern und Housemusik. Dazu ein Haufen Schwuler und Lesben. Dazu die Polizei. Dazu eine rote Ampel. Und eine leer gefegte Kreuzung. Es traut sich einfach keiner hinüber! Eine rote Ampel geht in Japan vor, auch wenn ich auf einer Straßenparade bin. Je auf eine Ampelphase abgestimmt, läuft der Zug in verschiedenen Trupps hintereinander weiter. Für den letzten Abschnitt des Zuges besteht aber ein Fotografierverbot. Hier werden alle Journalisten, Zuschauer und Teilnehmer aufgerufen keine Fotos zu machen, damit auch ungeoutete Personen hier mitlaufen können. Dies ist eine japanische Besonderheit, denn es hält sich auch jeder an dieses Verbot. So kann man demonstrieren ohne gesehen zu werden. Aber der Wille zählt, und da es in Japan keine Gesetze gibt, die Homosexualität verbieten, aber auch keine, die sie schützen oder die Toleranz vorschreiben, geschieht mit der Parade das, was generell für die Homosexuellenszene in Tokyo gilt: es gibt sie und jeder weiß es, aber offiziell gibt es sie nicht. Text + Foto: Niels Walker Immer am Kanal entlang und der Nase nach

Die gehören zu London wie Ketchup auf Pommes. Beefeater vor dem Buckingham palace. Gerne hätten wir den jungen Herrn gekitzelt.

Der schönste verwrackte Bus der Welt. Zu finden am Regents Canal

Weitere zu empfehlende Leckerbissen: Musiktechnisch: Einen der wenigen Sonnentage verbringen wir mit einem Spaziergang am Regents Canal entlang. Wenn man mal keine Lust auf allzu viele Menschen hat genau das Richtige. Es ist unglaublich ruhig und entspannend. Am Kanalufer ankern die schönsten bunten Hausboote. Maximal 15 Meter lange, selbst angemalte oder auch zusammen geschreinerte Dinger mit kleinen Gärten auf dem Dach und Stühlen, ab und zu auch einem Grill oder einem Haustier auf dem Vordeck. Und wenn mal keine Boote zu begutachten sind, dann herrliche alte Fabrikgebäude und halb zerfallene Ruinen. Die Kanaloberfläche spiegelt sich bei Windstille derart, dass man glaubt zwei Gebäude vor sich zu sehen: Eines richtig herum, das andere auf dem Kopf. Stundenlang folgen wir dem Kanallauf und finden immer wieder neue wundervolle Häuser und kleine Parks Irgendwann werden wir hungrig und beschließen bei der nächsten Möglichkeit das Wasser hinter uns zu lassen, um mal zu schauen, wo der Lauf uns hingeführt hat. Wir landen auf einer mit Kopfsteinen gepflasterten Straße mit lauter kleinen Läden und Pubs. Junge Leute sitzen vor eben diesen auf Stühlen, an Tischen oder einfach auf dem Bürgersteig, trinken Bier, essen Fish and Chips und genießen die Sonne: 17 Grad gelten schon als T-Shirt Wetter. Die Straße führt uns zu einem überschaubaren Park über dem ein uns vertrauter Rauch hängt. Auch hier unzählige Leute mit Decken, Gitarren, Kartenspielen oder Grillausrüstung. Es ist zwar viel los, wirkt aber nicht voll. Die gesamte Atmosphäre erinnert an ein Festival, nur ohne Bands. Hier, weiß ich, habe ich meinen Lieblingsplatz gefunden und als ich den Jungen, der uns um Feuer bittet, frage wo wir hier wären, antwortet er: „London Fields. Great place to hang out in the sun, eh?“ - Borderline – für alle die Indie Musik mögen. Hier spielen öfter bekannte Bands unter anderem Namen. - Koka – der Szene Club in Camden. Ein altes Theater in dem jetzt gefeiert werden darf. Sehr schön. Einkaufstechnisch: - Camden Market – bis halb 6 abends bekommt man hier alles, was irgendwie cool und hip ist. Von der Lederjacke bis zur Schallplatte. - Brick Lane Market – immer sonntags bis zwei findet man hier die ausgefallensten Sachen - Notting Hill – hier sind jede Menge kleine Designerläden mit den schönsten Sachen. - Top Shop – Ist zwar ein riesiger Laden, der einen stark überfordert, aber schöne Sachen haben sie. - Rough Trade Plattenläden – für jeden, der Platten mag und sucht ein Muss. In den „Wühlkisten“ (5 CD’s für 3 Pfund) findet man kleine Musikschätze und ansonsten gibt es jede Menge Schallplatten, die das Musikfreakherz höher schlagen lassen. Zora Beer

London Bites

Die besten Häppchen Londons – ein Bericht aus Erfahrung.
Zum Glück kann man in der Hauptstadt der Musik mit ein bisschen Glück und dem richtigen Mangel an Orientierungssinn noch Abenteuer erleben und schöne Ecken weit ab von Touristenfallen und Sightseeingattraktionen entdecken. Alles, was man sonst noch braucht, passt in einen Rucksack. Die gute Oystercard zum Beispiel, mit der man innerhalb Londons zu jeder Tages- und Nachtzeit Tube und Bus benutzen kann, erspart lästiges Fahrscheinkaufen. Nicht zu vergessen eine ordentliche Portion Sandwiches und einen Regenschirm, so wie der „Lonely Planet London“, um doch zumindest eine Richtungsangabe zu haben. So starten Corri und ich also unsere kleine Reise. Zugegeben, den Regenschirm lassen wir aus Optimismus zu Hause, werden aber nach den ersten 10 Minuten vom Wetter eines Besseren belehrt. Hier regnet es nicht nur einfach, nein, hier öffnet der Himmel noch seine Schleusen. Zum Glück sind in London die meisten Museen für lau und so beschäftigen wir uns zur Regenzeit mit Bildern und Objekten von Im- und Expressionisten aus aller Welt in der Tate Modern oder bestaunen die Ausstellung in der Photographers Gallery. Den Abend verbringen wir in Camden, dem Londoner Stadtteil, der nicht großartiger und abgefuckter sein könnte. Nur interessante Menschen gibt es hier zu sehen und „Indiefashion“ wird nicht nur getragen sondern gelebt. Jeder Zweite sieht aus, als könnte er irgendwann mal bei den Libertines oder doch zumindest Maximo Park gespielt haben. „D’you wanna buy cocain“, wird man alle 10 Meter gefragt und auch wenn das ganze Viertel ein bisschen zwielichtig erscheint, hat man keine Angst davor im nächsten Moment ein Messer an der

Kehle sitzen zu haben. Dafür sind hier zu viele Menschen. Vor allem zu viele hippe Menschen. Pub, Konzert oder einfach nur ein Bier kaufen, spazieren gehen und die Atmosphäre genießen: Wir entscheiden uns erst einmal für Letzteres. Dass wir unter zahllosen Leuten auf der Straße die einzigen mit Dosen in der Hand sind, erklärt sich wenige Minuten später, als ein Polizist uns furchtbar zuvorkommend darauf hinweist: „I’m sorry. I have to take this. Drinking on the street is not allowed“. „Ich verstehe sie nicht“, antworte ich und nehme einen letzten Schluck, bevor der Herr freundlich lächelnd die Dose an sich nimmt. So landen wir Minuten später auf einem Konzert in der Proud’s Gallery. Tagsüber kann man hier Fotoausstellungen zu Musikern und Musikgeschichte bestaunen, abends werden die Partybeleuchtung an und die Musik aufgedreht. Wer auf tanzbare Beats und Gitarren steht, ist hier genau richtig. Auch wenn ein Bier drei Pfund kostet und das Mädchen hinter der Bar

Sich zwischen Platten verstecken und kleine Schätze entdecken kann man im rough Trade store...

...so wie stundenlang Platten durchblättern. ...warum auch immer?! Eine Blumenverkäuferin in Notting Hill Fotos: Corinna Kern

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FernSicht

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ErkenntnisReich

Quelle: http://www.yogeshwar.de

Wenn Männer mit Tattoos verhüten und Doktor werden?
Ranga Yogeshwar ist Ehrendoktor
Das Vorbild eines jeden Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar hat die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Elektrotechnik, Informationstechnik, Medientechnik der Bergischen Universität Wuppertal erhalten. Der ehemalige Physikstudent Yogeshwar ist einer der erfolgreichsten Fernsehwissenschaftler. Er erklärt uns die verblüffenden Phänomene aus dem Alltag und der Umwelt z. B „Wie kommt der Strom in die Steckdose?“ und „Was passiert bei einem Gewitter?“ Jeder kennt ihn aus den zahlreichen Fernsehformaten,

Hormonelle Verhütung für den Mann
Neben der Pille für die Frau scheint bald eine hormonelle Verhütung auch bei Männern möglich zu sein. Eine Studie des Universitätsklinikums Münster untersucht gerade die „Pille für den Mann“ an 20 Probanden. Alle zwei Monate wird den Männern eine Testosteron- Spritze verabreicht. Durch die Zugabe von natürlichem Testosteron ins Blut wird

die Eigen-Produktion von Testosteron im Hoden eingestellt und damit auch die Spermienproduktion. "Bereits nach drei Monaten ist die Spermienproduktion komplett vorbei. Weil die Männer dann keine Spermien mehr haben, ist die Sicherheit der Wirkung deutlich höher als bei der Pille für die Frau, zudem wir ständig Kontrollen der Wirksamkeit durchführen", erklärt Prof. Michael Zitzmann vom Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) des Universitätsklinikums Münster (UKM).

Keine Angst, die Spritzen bedeuten kein endgültiges Aus für die Zeugungsfähigkeit des Mannes. "Wird die Spritze abgesetzt, setzt nach zwei bis drei Monaten wieder die normale Spermienproduktion ein.", weiß Zitzmann. Interessant ist außerdem: „Wir haben viele Anfragen direkt von Frauen erhalten, die sich sehr für die Studie interessieren. Aber selbstverständlich müssen beide Partner mit einer Teilnahme einverstanden sein" berichtet Zitzmann. Tja, vielleicht haben Frauen einfach nur keine Lust mehr ständig Hormone einnehmen zu müssen. Christine Willen

Foto: "meppol" on www.deviantart.com

Gesundheitsrisiken bei Tattoo und Permanent Make-up
wie „Kopfball“, „Quarks und Co“ und „W wie Wissen“. Die Ingenieurwissenschaftler der Wuppertaler Universität würdigen damit die herausragenden Verdienste Yogeshwars um die Vermittlung wissenschaftlicher Themen für ein breites Publikum. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag gegen die mutmaßliche Verdummung des deutschen Volkes im schnelllebigen Zeitalter von Internet-Halbwissen und Desinteresse. Yogeshwar hat bereits zahlreiche Ehrungen erhalten, darunter den Grimme-Preis, den SWR-Medienpreis, den Preis für Wissenschaftsjournalismus der RWTH Aachen und das Bundesverdienstkreuz. Im vergangenen Jahr war er für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Christine Willen Quelle: http://www.yogeshwar.de Feuerball- und Totenkopf-Tätowierungen wirken ziemlich gefährlich. Schmetterling und Schnörkelblume sehen dagegen völlig harmlos aus. Der Schein kann trügen. Tätowierfarben können ein gesundheitliches Risiko bergen und allergische Reaktionen sowie Hautentzündungen hervorrufen, wenn der Farbstoff die Blutbahn gerät. Egal welches Motiv man sich unter die Haut stechen lässt, auf die Qualität der Farben kommt es an. Seit dem 1. Mai 2009 gibt es eine Verordnung für Tätowiermittel und Permanent Make-up, die die Verwendung vieler bedenklicher Stoffe verbietet. So dürfen beispielsweise krebserzeugende Azofarbstoffe und das allergene p-Phenylendiamin nicht enthalten sein. Allerdings gibt es noch mehr als genügend Forschungsbedarf: häufig ist immer noch unklar, welche genauen Inhaltstoffe die Tätowierfarben überhaupt enthalten. Außerdem gibt es noch keine Forschungsansätze darüber, wie sich die Stoffe im Körper verteilen und wie sie dort wirken. "Um langfristig gesundheitlich unbedenkliche Tätowiermittel zu bekommen, müssen wissenschaftliche Prüfkriterien erarbeitet werden", sagt der Präsident des Bundesinstitutes für Risikobewertung, Andreas Hensel. Da bleibt nur zu hoffen, dass dieses möglichst bald geschieht. Christine Willen

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Foto: Sven Albrecht

ZeitGeist

Wer war noch gleich Christo Wer war noch gleich Christopher Street?!
- Ein Lehrstück 28.06.1969, Greenwich Village, New York City Die von der Mafia betriebene Kneipe "Stonewall Inn", gilt vielen als die Gay Bar in New York. Kein Wunder, sie ist die einzige in der man tanzen darf. Das Publikum besteht größtenteils aus Schwulen, Transsexuellen und einigen Lesben. Die Türpolitik ist tolerant. Jeder der irgendwie queer aussieht kommt rein. Rasse, Herkunft, sozialer Status spielen keine Rolle. Auch die Straßenjungs aus dem nahegelegenen Park lassen sich hier gerne auf den ein oder anderen Drink einladen.
An diesem Abend vergnügen sich wieder an die 200 Gäste. 1.20 Uhr, plötzlich fliegt die Tür auf. Das Licht geht an, Uniformierte stürmen ins Innere. Mal wieder eine Razzia. Das "Stonewall Inn" hat keine Konzession für den Alkoholausschank, wie die meisten schwulen Bars damals. Homosexualität ist kriminell, das Tanzen mit gleichgeschlechtlichen Partnern verboten. Die Cops nutzen die Situation aus und erpressen regelmäßige Zahlungen von den Barbesitzern. Im Gegenzug warnen sie bei bevorstehenden Razzien. Auch das "Stonewall" zahlt. Doch heute hat es keinen Tipp gegeben. Also das alte Spielchen. Der Alkohol wird beschlagnahmt, das Management festgenommen. Alle weiblich aussehenden Gäste werden von Polizistinnen auf die Toilette begleitet, um dort ihr Geschlecht fest zu stellen. Die offensichtlich männlichen Gäste werden aufgereiht und müssen sich ausweisen. Doch diese Nacht verweigern die vermeintlichen Damen den Toilettengang. In der Herrenreihe äußert sich ebenfalls Unmut. Die Cops beschließen kurzerhand alle, die sich widersetzen, festzunehmen und auf dem Revier zu kontrollieren. Als sie die Verhafteten abführen wollen, erwartet sie vor dem "Stonewall" eine Überraschung. Völlig unerwarteterweise sehen sie sich einer beachtlichen Menschenmenge gegenüber. Entkommene, Freigelassene und Schaulustige beobachten, wie ein Gast nach dem anderen unsanft in die Streifenwägen bugsiert wird. Schon bald macht sich ob der brutalen Behandlung der Verhafteten Unmut breit. Erste "Gay Power!" Rufe werden laut, jemand singt "We shall overcome!". Dann kippt die Stimmung. Flaschen und Geldstücke - eine Anspielung auf die Erpressungspraxis - fliegen den Cops entgegen. Die Menge macht sich daran die Streifenwägen zu zerstören. Mangels Verstärkung bleibt den Polizisten nur eines - Rückzug! Die Streifenwagen brausen mit zerstochenen Reifen ab, der Rest der Truppe zerrt einige der Verhafteten zurück ins "Stonewall" und verbarrikadiert sich. Die Menge wird sich ihrer Überlegenheit bewusst. Wurfgeschosse aller Art prasseln auf die Fassade des "Stonewall" ein. Mit einer ausgerissenen Parkuhr als Rammbock wird die Tür zertrümmert. Plötzlich steigt den Cops Benzingeruch in die Nasen. Sie ziehen ihre Waffen, um sich den Weg nach draußen frei zu schießen. Da quietschen Reifen. Auftritt der "Tactical Police Force". Eine Spezialeinheit die zur Zerschlagung von Demonstrationen von Studenten und Bürgerrechtsbewegung eingesetzt wurde. Die Cops sind blamiert. Sie wollen Blut sehen. Von Schwulen, Lesben und Tunten niedergemacht was kann es schlimmeres geben für einen amerikanischen Polizisten Ende der Sechziger, der an Vaterland und Bibel glaubt. Nun soll der Mob vor dem "Stonewall" die Gummiknüppel zu spüren kriegen. Doch die Menge denkt nicht daran klein bei zu geben. Sie weicht vor der in Reih und Glied marschierenden Phalanx zurück, nur um sich hinter ihr wieder zu formieren. Es kommt zu unglaublichen Szenen. Hier die knüppelnden Cops, ihnen gegenüber eine Reihe von Menschen, die alles sind außer heterosexuell und sich gegenseitig die Arme um die Schulter gelegt haben und gleich einem Can Can synchron die Beine in die Lüfte schwingen. Auf ihren Lippen eine Parodie auf einen berühmrne Fernsehsong:

"We are the Stonewall Girls / We wear our hair in curls / We don't wear underwear / We show our pubic hairs."
Wer erwischt wird kriegt böse Schläge, doch in den engen Gassen von Greenwich Village sind die Demonstranten der Polizei überlegen. Noch bis zum Morgengrauen geht die Straßenschlacht und auch in den nächsten vier Tagen brechen immer wieder Krawalle aus. Beat Poet Allen Ginsburg, selbst ein Bewohner von Greenwich Village und Augenzeuge, berichtet:

" You know the guys there were so beautiful - they've lost that wounded look that fags all had ten years ago."

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Nachwehen
Es war das erste mal, dass Homosexuelle offen, radikal und militant gegen ihre Diskriminierung aufbegehrt hatten. Zwar waren homophile Organisationen wie die Mattachine Society und die Daughters of Bilitis bereits zuvor verdienstvoll für die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen eingetreten. Doch ihr Protest beschränkte sich meist auf das Herumtragen von Schildern und die Argumentation, das Homosexuelle nicht anders seien als "normale Menschen". Offenes Zurschaustellen der eigenen Sexualität war bei ihren Aktionen verpönt, da man befürchtete es könne zu Abwehrreaktionen führen. Nun wurde alles anders. Schon bald nach den "Stonewall riots" kam es zur Gründung der Gay Liberation Front (GLF), der ersten Organisation, die das Wort "Gay" im Titel trug. Als diese kurz darauf zerbrach entstand die Gay Activists Alliance (GAA). Schon die Namen der Organisationen machten klar, dass der Ton sich geändert hatte. Ein früher Flyer der GLF, lies unmissverständlich verlauten:

"Do you think Homosexuals are revolting? You bet your sweet ass we are!"
Inspiration holte man sich bei der Bürgerrechtsbewegung und den schwarzen Militanten von den Black Panthers. Hatten die mit ihrem Slogan "Black is Beautiful!" das Schwarzsein als positiven Wert und identitätsstiftendes Merkmal hervorgehoben, so hieß es nun:

Der Unterschied bei den Bären
Ein Bär ist groß, stark, ziemlich haarig und von angsteinflößender Statur. Meist aber zahm wie ein Lamm, er kann ja nichts für seine breiten Schultern. Bären, also große behaarte Männer mit Bart und irgendwie stämmiger oder kräftiger Figur, bilden eine große Subkultur innerhalb der Schwulen Szene. In Köln repräsentiert sich dies am stärksten durch die Kneipen, Bars und Clubs der Bärenszene rund um den Heumarkt sowie durch die stärke Präsenz auf allen großen öffentlichen schwulen Veranstaltungen. Das Highlight ist jedes Jahr das Bärenwochenende im November, zu dem Bären aus der ganzen Welt angereist kommen. Aber nicht jeder ist ein Bär. Es gibt auch hier feine Unterschiede, die eine weitere grobe Einordnung erlauben: So sind ergraute Bären „Eisbären“; behaarte aber nicht so kräftige Männer sind ein „Cub“ und unbehaarte, aber sonst allen Kriterien entsprechende Männer nennt man ab und zu „Skinbear“, nicht zu verwechseln mit stark übergewichtigen Personen, die heißen „Chub“, abgeleitet von „Chubby“. Wer aber jetzt denkt, dass sei eine nur in sich verquickte Szene, der irrt. Jeder, der nicht einer der obigen Definitionen entspricht, aber eine Vorliebe für solche Kerle hat nennt sich „Chaser“. Einen Chaser erkennt man daran, dass er ganz allein unter Bären ist und sich wohl fühlt.

"Gay is Good!"
Am 28.06.1970, dem Jahrestag der "Stonewall riots" fand in New York der erste Gay Pride Protestmarsch der Geschichte statt. Das Motto: Christopher Street Liberation Day. Die Adresse des "Stonewall Inn" war 51-53 Christopher Street.

Foto: Corinna Kern

Niels Walker

Felix Grosser

Sonderschule der Ästhetik: Düsing
LESESTOFF
Die Anzeichen mehren sich: was schon in der letzen Ausgabe auf diesen Seiten angezweifelt werden musste, bleibt weiterhin prekär. Der Status des Menschen als intelligente Spezies. Aktuelle Ereignisse werfen ein unvorteilhaftes Licht. Ereignisse direkt aus den betongrauen Hallen jener Institution in die wir jeden morgen unsere müden Körper schleppen um - so heißt es - unsere finsteren Geister vom Wissen erhellen zu lassen. Dieses sogenannte Wissen wurde kürzlich ganz offensichtlich um eine Weisheit von besonderem Kaliber (wieder) angereichert. Homosexualität sei eine Krankheit und könne, ja müsse, geheilt werden, ist aus dem Munde einer Professorin des philosophischen Seminars der Universität zu Köln zu vernehmen. Die Einzelheiten des Falles sind hier nicht weiter zu verhandeln. Einschlägige Medien haben dies bereits zu Genüge getan. Auch die Behauptung an sich scheint kaum einer ernsthaften Auseinandersetzung würdig. Zu durchsichtig und altbekannt die Strategie, persönliche Vorurteile religiöser, ideologischer oder ästhetischer Couleur, ins Deckmäntelchen angeblicher Wissenschaftlichkeit gekleidet, als objektive Wahrheiten ausgeben zu wollen. Festzuhalten bleibt trotzdem zweierlei. Zum einen verwundert es doch erheblich, dass in einem Seminar, in dem beispielsweise die neuere französische Philosophie praktisch nicht vorkommt, da sie von tonangebenden Lehrkräften als unwissenschaftlich erachtet wird, Aussagen von obigem Kaliber unkommentiert geduldet werden. Zum anderen erinnert der Fall daran, wie mit derlei Wissenschaftlichkeitsanmaßungen vernünftig umzugehen ist. Es besteht keinerlei Grund sich vor der angeblichen Autorität eines akademischen Titels wegzuducken. Jede Position kann hinterfragt werden, ganz besonders eine solche, die sich in totalitärer Weise gegen Einwände zu immunisieren sucht. Wir halten fest: Wissenschaft macht noch lange nicht klug. Felix Grosser

Gay Pride Chronologie

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ZeitGeist

ZeitGeist

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Kalk Post bleibt dreckig. Und nazifrei.
Eine Ode an den schönsten Stadtteil Kölns. Quatsch, der Welt!

Das Beste der Stadt!
Zum CSD: Altstadt
Die Altstadt ist das Zentrum der CSDFeierlichkeiten. Dabei sind nicht so sehr die Bars und Clubs gemeint, sondern der Alter Markt mit seiner anstrengenden schwullesbisch-trans-Folklore, der Rathausplatz mit seiner Open-Air House und Technoparty (kostenpflichtig, buh!) aber vor allem die vielen Stände überall drumherum und dazwischen. Hellseher, politische Parteien, Hilfsorganisationen und schwul-lesbische Kleinkunst und Kleinkommerz. Der Bummel lohnt sich, auch wenn es brechend voll sein wird. Es erinnert ein wenig an Weihnachtsmarkt, nur ohne den Kitsch und bei besserem Wetter. Ein Bummel gehört zum Pflichtprogramm, allerdings sollte man sich vorher von allen Ansprüchen seiner selbst befreien und es ganz auf sich wirken lassen.

Alternativ am CSD: Die heimliche Geliebte
Der CSD lockt mit unzähligen Mainstreampartys (Club+Chartsmusik+ House), aber auch mit allerhand alternativen Veranstaltungen, je nach Szene. So gibt es neben der großen Dolce&Gabbana-Glitzerhemden Party auch die Bären Party(s), die Indie Rock Party, die Technoparty, die Nacktparty, die SM-Party, aber auch die junge Elektroclash Party oder den Karaokeabend. Die „Backstagediaries“, die sich unter dem jungen Indie-Tanzvolk schon einen Namen gemacht hat, lockt zum CSD mit einer Sonderausgabe auf der Bühne am Gürzenich und noch am gleichen Abend dann später im Blumengold. Dem Dauermotto „Queer/Straight/not sure/ rock’n’roll“ ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Zum CSD kann man gespannt sein, wie Indie die Party zum CSD sein wird und ob sich um Mitternacht auch wieder ein kompletter Besucherwechsel vollzieht, nämlich dann wenn die Sperrstunde die Kleinen wieder nach Hause schickt und der Altersdurchschnitt von unter 20 auf Mitte 20 hochschnellt. Besonders wenn man mal seinen Heterofreunden den Kopf waschen will, was schwule Partys angeht, lohnt sich der Besuch definitiv. „Die heimliche Geliebte“, Freitag 3.7. im Blumengold, die “Backstagediaries“ wieder am 12.7 in Odonien.

Foto: Simeon Buß

Wo gibt es schon so etwas: sonntagmorgens um 10 Uhr von Straßenmusikanten geweckt werden? Außerhalb von Karneval versteht sich. Ausgelacht werden, wenn man halbnackt aus dem Fenster lehnend den Musikanten einen Vogel zeigt, die einfach munter weiter spielen und die Straße auf und ab laufen.
Auch wenn man am Anfang noch empört ist, sich gestört fühlt - nach kurzer Zeit bekommt man doch gute Laune, geht runter zum türkischen Bäcker und kauft - egal wann, schließlich hat er 24 Stunden geöffnet - frisches Fladenbrot zum Frühstück. Mittags steigt man dann einfach in eine der nahen Bahnen und fährt zum Rhein. Ist ja nicht weit aus Kalk und auf der schöneren Seite wohnt man sowieso. Abends geht`s dann ins Trash Chic, Kickern und Bier trinken. Aber eigentlich sollte das hier nicht nur ein Loblied auf Kalk sein. Die Vorurteile, denen man in Köln überall entgegentreten muss, wohnt man in diesem schönen Stadtteil, müssen endlich beseitigt werden. Am Besten geht das wohl anhand eines Bildes. Ein großer, grimmig dreinschauender Kerl, grobschlächtig und vermutlich mit Migrationshintergrund in der dritten Generation, kommt auf den geneigten Leser zu. Seine Schritte sind weitläufig, aber sicher. Er hat ein breites Kreuz, die Arme schwenken beim Gehen nicht aus, sondern hängen steif, wenn auch mit ein wenig Abstand an den Seiten, wie bei einem

Boxer. Schweiß bricht beim geneigten Leser aus. Gibt es jetzt Ärger? Wird man verprügelt, weil man so aussieht als hätte man fünf Euro in der Tasche? Es gibt keinen Ausweg mehr. Da muss man jetzt durch: Der Kerl ist angekommen und stiert den L. an. „Weißt Du zufällig wie spät es ist?“, fragt er und fügt in bestem Deutsch hinzu: „Mein Handy hat gerade den Geist aufgegeben und ich muss zu ner Verabredung... deshalb.“ Peinlich berührt gibt der geneigte Leser die Uhrzeit heraus. Nicht bestätigte Vorurteile rutschen den Hals hinunter wie eine zu heiße Kartoffel. Genau so ist Kalk. Es wirkt grobschlächtig, gefährlich - bedrohlich gar. Graffitis sind überall zu finden, alles wird illegal mit Plakaten zugepflastert, aber ich glaube in ganz Köln gibt es kein so gut funktionierendes Miteinander der emigrierten und integrierten Kulturen wie in Köln-Kalk. Auch die Vielfalt von Speisen ist damit verbunden. Ob man zum Dönerladen geht, der 24 Stunden geöffnet hat, oder zum italienischen Bäcker. Eine Straße weiter findet sich ein Laden für asiatische Spezialitäten und der türkische Gemüsehandel ist nicht nur billiger, sondern auch besser und frischer als der Großmarkt. Die meisten Wohnungen in Kalk sind altgebaute. Drei Meter hohe Decken, stuckverziert. Es ist zwar nicht schick, aber schön. Hier stört sich niemand daran, wenn der Leser verrückt herum laufen würde. Mit Cowboy Hut im Supermarkt trifft man

ziemlich sicher sowieso jemanden, der verrückter ist als man selbst. Wer auf solche Dinge steht (nicht nackter Kerl mit Cowboy Hut, sondern nur das Kalker-Feeling), der sollte einfach mal vorbei kommen. Für solche Kalk-Besucher kann man so einiges empfehlen. Begonnen mit einem oder mehreren Bieren im Trash Chic an der Kalker Kapelle, muss man wenigstens einmal im Leben um 4 Uhr Nachts eine Pommestasche bei Nimet an der Kalker Post gegessen haben. Für den Fall von Kinderbesuch oder des plötzlichen Elternwerdens bietet sich das Odysseum an, dass aber auch ohne Kinder sehr viel Spaß machen kann. In unregelmäßigen Abständen findet auch die „Kalk-Calling“ Party statt, die für dicke Beats und lange Nächte bekannt ist. Ansonsten lohnt sich an einem sonnigen Nachmittag auch ein Spaziergang durch das alt-ehrwürdige Kalk. Es fehlt so manchem zwar an Möglichkeiten zu tanzen oder zu trinken, doch dafür laufen in Kalk nicht die ganzen Betrunkenen herum und grölen schönheitsschlafende Studierende aus dem Schlaf. Um zu grölen, fahren wir Kalker nämlich in andere Stadtteile. Am Besten ist es allerdings sowieso in Kalk zu wohnen und alles selbst nach und nach zu entdecken. Selbst einmal morgens von Straßenmusikanten geweckt zu werden. Das Lebensgefühl, das einem auf den Straßen entgegen schlägt, ist unbeschreiblich, stellt sich aber erst nach einiger Zeit ein. Also: herkommen und ausprobieren!

Niels Walker

Simeon Buß

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ZeitGeist

ZeitGeist

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Feinsinn vertuscht

Foto: Maiko Henning

Kompost
Als Mark auf den Hof der Gärtnerei einbog, war es gerade mal kurz vor sechs. Trotzdem wartete sein Kollege Vitali bereits neben dem Lieferwagen, den er mit mehreren Säcken Muttererde beladen hatte. „So früh heute?“ fragte Mark, als er sein Fahrrad abschloss. „Ja, der Chef hat gestern Abend noch einen Auftrag rein bekommen. Müssen heute sowieso zum Kindergarten um die Blumenbeete umzugraben. Da bringen wir’s hin“ antwortete der Ältere. Mark rieb sich die Augen. Es war gestern eindeutig zu spät geworden, als dass er jetzt aus dem Stand mit der Arbeit anfangen könnte.„Aber vorher trinken wir noch einen Kaffee, oder?“ fragte er seinen Kollegen hoffnungsvoll. Dieser schnippte seinen Zigarettenstummel weg und zündete sich die nächste Zigarette an. „Klar. Im Kindergarten ist sowieso noch niemand. Es reicht, wenn wir in einer halben Stunde da sind.“ Sie setzten sich in den kargen, ungeheizten Pausenraum der Gärtnerei; Kaffee hatte Vitali bereits aufgesetzt. Schweigend rauchten sie, tranken hin und wieder aus den dampfenden Tassen und sahen durch das Fenster dabei zu, wie die Straßenbeleuchtung erlosch. Mark hatte Mühe die Augen aufzuhalten. Die Arbeitszeiten waren definitiv der große Nachteil an dem Job. Natürlich gab es für angehende Landschaftsarchitekten keine bessere Arbeit. Im Betrieb lernte er mindestens genauso viel wie in den Vorlesungen. Er hatte vor zwei Jahren als Praktikant angefangen, und weil er so gut mit dem Chef auskam, war er danach einfach dageblieben. Der Chef war wirklich anständig und er bezahlte sehr gut… verdammt gut sogar. Trotzdem glaubte Mark, dass er sich wohl bald nach etwas anderem umschauen würde. „Was haben wir denn heute?“ fragte er Vitali, um das Schweigen zu brechen. Dieser kratzte sich gähnend hinter dem Ohr. „Kam gestern Abend noch eine ganze Truppe an, aus der Stadt. Aufgeregt wie ein Hühnerhaufen. Musste natürlich alles schnell, schnell gehen. Der Chef kannte wohl ein paar, hat ihnen einen Freundschaftspreis gemacht und die Maschine über Nacht laufen lassen. Chef sagte, die Saison geht wohl wieder los.“ Mark biss sich auf die Lippe. Das kam seinen Plänen ziemlich in die Quere. In der Saison brauchten sie jeden Mann, und er war nicht sicher, ob der Chef ihn dann gehen lassen würde. Eine laut schnatternde und für Marks Geschmack viel zu gut gelaunte Kindergärtnerin schloss ihnen auf und führte sie zu den Beeten, die sie umgraben sollten. „Sehen sie, hier vorne die zwei, und dann da hinten die Reihe bis zu den Klettergerüsten“ zählte sie ihnen auf. Mark und Vitali, die nicht zum ersten Mal in diesem Kindergarten arbeiteten, nickten ergeben. Die Kindergärtnerin strahlte die beiden an. „Ich muss ihnen wirklich einmal sagen, wie begeistert wir letztes Jahr von Ihrer Arbeit waren. Den ganzen Sommer über sind unsere Blumen gewachsen wie sonst was, und mit Blattläusen hatten wir auch keine Probleme. Was ist ihr Geheimnis? Könnten Sie mir da nicht ein paar Tipps geben?“ - „Leider nein“, Vitali grinste sie an und zeigte dabei seine Zahnlücke. „Das liegt an unserem Humus, den machen wir selbst. Ist ein Spezialrezept, Betriebsgeheimnis.“ Sie stand noch eine Weile daneben und stellte ihnen dumme Fragen, aber die morgendliche Kälte jagte sie bald wieder ins Haus. Für zwei friedliche Stunden arbeiteten sie schweigend nebeneinander. Kurz vor elf waren sie soweit, dass sie die Säcke mit dem Humus von der Ladefläche holten. Als sie gerade angefangen hatten, ihn auf den Beeten zu verteilen, begann die Pause der Kinder, die auf den Spielplatz gestürmt kamen und sofort einen Heidenlärm veranstalteten. Viele stellten sich auch an die Begrenzung des Beetes und sahen ihnen bei der Arbeit zu, wobei sie sie mit immer neuen Fragen löcherten. „Was macht ihr da?“ „Sind das eure Schaufeln?“ „Könnt ihr uns einen Tunnel graben?“ „Warum stinkt das so?“ Mark war immer noch nicht ganz auf der Höhe, weswegen die quiekenden Kinderstimmen ganz schön an seinen Nerven zerrten. Glücklicherweise konnten sie Vitali, der selbst drei Kinder hatte, nicht aus der Ruhe „Oh Kinder, da habt ihr aber Glück. Das sieht so aus, als wäre da ein Bonbonsamen in unserer neuen Erde gewesen. Da werdet ihr bald einen neuen Bonbonbaum in eurem Garten stehen haben.“ „Eeeeecht?!?“ krähte die Meute begeistert. „Ja genau, ganz in echt“ bekräftigte warm. Bevor sie zurück zur Gärtnerei fuhren, machten sie bei einem Fastfood-Laden an der Autobahnausfahrt Mittagspause. „Ich finde das gut hier, dass man immer so viel Getränke nehmen kann, wie man will“ sagte Vitali, „Das ist anständig. Ich glaube, ich komme beim nächsten Mal mit ein paar leeren Flaschen und nehme noch was für zuhause mit.“ Mark arbeitete inzwischen lange genug mit ihm um zu wissen, dass er so etwas ernst meinte. „So ein Quatsch, Vitali! Wenn die dich hier mit den Flaschen hantieren sehen, schmeißen sie dich raus“ warf er ein. „Aber ich hab kein Schild gesehen, wo „Flaschen verboten“ drauf steht“, gab Vitali zurück. „Wenn sie es nicht hinschreiben, woher soll ich es dann wissen? Einfach versuchen, vielleicht klappt es ja.“ Er sah versonnen zu der Softdrink-Zapfanlage herüber. Dann fiel ihm etwas ein, und seine Miene wurde ernst:„Wir müssen dem Chef sagen, dass das Sieb wohl wieder kaputt ist“ meinte er. Mark stutzte kurz, er hatte die Sache fast schon wieder vergessen. Er rollte mit den Augen; wahrscheinlich war er dann wieder derjenige, der in die Maschine kriechen durfte. „Von diesen Kleinteilen kommt doch irgendwie immer was durch. Da kann man am Sieb herumflicken, so viel man will“ meinte Mark missmutig. „Ja, aber trotzdem, so was kann größer werden und vielleicht gucken wir mal nicht so genau hin. Darf nicht passieren, so was. Den Kindern kannst du was erzählen, die glauben alles, aber…“ Mark verdrehte die Augen angesichts der trüben Aussichten für den weiteren Tag; aber Vitali hatte schon recht, eigentlich war es ganz schön knapp gewesen heute Morgen. „Aber du sagst es ihm“ forderte Mark seinen Kollegen auf. „Ich hab mir erst letzte Woche sein Gemecker anhören müssen, weil ich den Dünger fallen gelassen habe. Wenn ich ihm jetzt schon wieder mit so was komme, könnte er richtig sauer werden.“ Das wollte er unbedingt vermeiden. Wenn dem Chef etwas nicht in den Kram passte, dann fiel die barsche Gemütlichkeit, die er sonst verbreitete, ganz schnell von ihm ab. Und was darunter zum Vorschein kam, war nicht so angenehm. „Ja schon gut“, seufzte Vitali, „Gottchen, er reißt dir schon nicht den Kopf ab. Er macht gerne mal viel Wind und schreit rum, aber danach ist er ganz schnell wieder nett.“ „Mir egal. Du erzählst es ihm. Ich mach’s jedenfalls nicht.“ Mark wich Vitalis Blick aus und zog an seinem Strohhalm. „Du hör mal, Vitali…“ druckste er herum. „Hhmm?“ Der Ältere kaute an einer Fritte und sah ihn fragend an. Mark holte Luft „Du, ich hab mir überlegt, dass ich demnächst kündigen werde. Weil ich nämlich bald ein Auslandssemester mache. Da braucht ihr dann sowieso einen Neuen.“ Das hatte er sich während der Fahrt überlegt, um einen plausibleren Grund zu haben. Es war gut für seine Zukunft, dem würde sich der Chef bestimmt nicht in den Weg stellen wollen. „Was meinst du, wann wäre der richtige Zeitpunkt, ihm das zu sagen?“ Vitali kratzte sich die Stoppeln am Hals und spielte nervös mit dem Salzstreuer. Dann zuckte er ratlos die Achseln. „Kommst du grade zu einer schlechten Zeit mit… Wenn der Chef recht hat, dann gibt es bald einen Haufen Arbeit… Er nimmt so was ziemlich persönlich… Wo gehst du denn denn hin?“ „Äh… nach England.“ Das hatte er sich gerade erst einfallen lassen. Ihm wurde auf einmal sehr warm. Wenn er vor dem Chef stand, musste er besser vorbereitet sein. Vitali nickte betrübt und sah mit einem abwesenden Ausdruck aus dem Fenster. Dann rang er hilflos die Hände und murmelte: „Vielleicht… vielleicht überlegst du es dir noch mal. Das mit dem Ausland. Lass das lieber, ist besser. Glaub mir.“ In die Augen sehen konnte er Mark nicht mehr. Der nickte langsam. So war das also. Mitgefangen, mitgehangen. Den Rest der Pause verfielen sie wieder in Schweigen und jeder hing seinen Gedanken nach. Sehnsüchtig sah Mark zur Autobahnausfahrt herüber.

bringen, und dieser antwortete ihnen geduldig auf jede Frage. „Was ist das da?“ wollte eines der Kinder wissen und zeigte auf einen glitzernden Goldzahn, der zwischen den Humuskrumen glänzte. Vitali warf einen Blick darauf und tat so, als würde er erstaunt die Hände über den Kopf zusammen schlagen.

Mark, und stellte sich unauffällig auf den Fingerknochen, den er versehentlich ausgeharkt hatte. Gegen Mittag packten sie ihre Sachen zusammen und verschwanden. Im Laufe des Vormittags war die Sonne hervorgekommen und jetzt zur Mittagszeit war es schon ziemlich

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FeinSinn

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Geschrieben von Christopher Dröge | Bild von Meiko Henning

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Die große Verschwörung
Wer sagt eigentlich, dass alle großen, wichtigen Handlungen immer von Staatsoberhäuptern vollzogen werden? Menschen, die Verschwörungstheorien anhängen, jedenfalls nicht. Der Großteil der Menschheit glaubt, dass die Ereignisse so gelaufen sind, wie es in den Medien dargestellt wurde. Verschwörungstheoretiker allerdings sind immer wieder sehr gut bei der Suche nach Unstimmigkeiten in den kleinsten Details – man denke nur an das Foto der Amerikaner auf dem Mond. Da spiegelt sich doch tatsächlich im Sichtfenster des Astronauten eine Studiokulisse! Oder Bielefeld. Das gibt’s zum Beispiel gar nicht wirklich. Aber halt, wir kommen vom Thema ab, hier handelt es sich um eine beispielhafte Parodie der wasserdichten Argumente von Verschwörungstheoretikern. Von der Bielefeld-Theorie kann man wirklich viel über eine gelungene Rhetorik lernen, ähnlich wie bei Gottesbeweisen. Ich persönlich glaube auch an Verschwörungen, allerdings eher im kleineren Bereich. Ich habe auch deutliche Beweise dafür, denn ich habe es selber erlebt; nicht nur einmal. Ich glaube an eine kleine Gruppe von Außerirdischen, die sich in die gesamte Erd-Infrastruktur eingeschlichen haben und deren Ziel es ist, die Menschheit zu zermürben. Ein Beispiel: Neulich musste ich früh zur Uni. Obwohl ich meinen Wecker abends gestellt hatte, hat er am nächsten Morgen einfach nicht geklingelt. Dann ist mir die KVB vor der Nase weggefahren (das passiert sonst nie in Köln, ehrlich!). Meinen Kaffe habe ich mir in der Bahn, die dann nach 20 Minuten kam, übers T-Shirt gekippt: Ein Mann im grauen Anzug (sehr verdächtig!) hatte mich angerempelt. Als ich bekleckert, abgehetzt und bereits um neun Uhr morgens mit den Nerven am Ende vor dem Seminarraum stand, war niemand da. Die Zeichen sind eindeutig: Es handelt sich um eine riesige Verschwörung, die die gesamte Menschheit betrifft! Es kann jeden treffen, zu jeder Zeit. Oder kann jemand von euch etwa behaupten, so etwas wäre ihm noch nie passiert?! Johanna Regenhard

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Feinsinn vertuscht....

Vertuschen in Theorie und Praxis

Vertuschen kommt nicht von Tusche! Vertuschen bedeutet, dass man einen peinlichen Vorfall nicht öffentlich bekannt werden lässt, oder man etwas geflissentlich verbirgt. So der Duden Nr. 7. Ob man nun vor der besten Freundin verheimlicht, dass man seinem Freund das Hemd gebügelt hat, oder im Seminar lieber schweigt, weil man nicht belesen genug zur Sitzung erschienen ist: Vertuschen kann jeder. Für Freud ist das Vertuschte, also Versteckte, Verborgene, mit dem Heimlichen gleichzusetzen, andererseits aber auch mit dem Vertrauten und Behaglichen. Gegenteil beider zueinander gehörenden Vorstellungsfelder ist das Unheimliche. Kein Wunder also, dass wir zum Vertuschen neigen. Wer will schon Unheimliches im Alltag erleben, wenn es sich nicht gerade um einen gepflegten Gruselfilm handelt. Doch Vorsicht! Verdrängt man etwas nur lange genug, kann sogar Altbekanntes bei seiner Wiederkehr unheimlich wirken. Der Urheber der Psychoanalyse bezieht sich hier zwar auf das Innenleben einer einzelnen Person, und wer gekonnt vertuscht, tut dies normalerweise einem Anderen gegenüber. Doch ein Fehler oder etwas Peinliches kann noch negativer oder peinlicher wirken, wenn es nach vollzogener Vertuschung ans Tageslicht tritt. Wer etwas verschweigen will, kann das auf kommunikativer Ebene durch Verschweigen oder durch Lügen erreichen. Entweder ich lasse den Dozenten im Unklaren darüber, ob

ich mich auf die Sitzung vorbereitet habe oder nicht, oder ich sage, mein Freund habe sein Hemd selbst gebügelt, obwohl es nicht stimmt. Jeanette Schmid bezeichnet eine Lüge als „die Kommunikation einer subjektiven Unwahrheit mit dem Ziel, im Gegenüber einen falschen Eindruck hervorzurufen oder aufrecht zu erhalten“. Diese Kommunikation kann explizit (durch sprechen) oder durch Implikation (durch die Schlussfolgerung des Gegenübers aus dem Gesagten oder nicht Gesagten) geschehen und trifft auch auf die Handlung des Vertuschens zu. Ist „vertuschen“ ein Euphemismus für lügen, also sogar als Wort eine Vertuschung? Referiert das Wort „vertuschen“ auf das gleiche Konzept wie das Wort „lügen“? Andreas Gardt definiert das Vertuschen implizit negativ, da für ihn Referenz und kommunikativer Ethos fordern, dass jedes Sprechen zuverlässig die Welt erkennen lassen soll, auf die es sich bezieht, und zuverlässig die Absichten des Sprechers erkennen lassen soll. Wenn wir vertuschen, versuchen wir diese Ergebnisse zu vermeiden. Denn unser Gegenüber soll nicht erkennen, wie die Welt wirklich aussieht, und wenn wir z.B. etwas verschweigen, soll er nicht wissen, ob wir dies als Vertuschungstaktik schweigen oder weil das, was wir nicht erwähnen, wirklich nie passiert ist. Also ist Vertuschen ein Verstoß gegen das kommunikative Ethos sowie außer Kraft gesetzte Referenz. In der Sprachkritik des 17. Jahrhunderts wurden sogar Komplimente als Vertuschung diffamiert: Georg Philipp Harsdörffer

schreibt 1659, sie seien „Der Schminck/ welcher die natürlich-schöne Wahrheit beflecket“. Was ist also nötig, um in der alltäglichen Kommunikation gekonnt zu vertuschen? 1. Verschweige das, was Du vertuschen willst, Deinem Gegenüber oder sage anstatt dessen etwas anderes, das nicht stimmt. Verdränge, was Du vertuschen willst, am besten auch vor Dir selbst. 2. Befreie Dich von Referenz und kommunikativem Ethos. Lass Dein Gegenüber nicht Erkennen, wie die Welt wirklich aussieht. 3. Benutze Komplimente. 4. Halte das Vertuschte aber nicht zu lange im Geheimen! Wenn zumindest zeitlich Gras über die Sache gewachsen ist, könnte man sie im Gewand eines lockeren Spruchs oder Witzes im Nebensatz erwähnen. Erstaunen oder Empörung des Gegenübers kann dann im Lachen untergehen (toi, toi, toi). Iris Sygulla

Foto: Maiko Henning

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Natüüuerlich wueürde ich mich freuen, wenn du deine beste Freundin mitbringst! Bis spaeäter.

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Hallo Schatz, es dauert heute laeänger auf der Arbeit. Warte nicht auf mich. Kuss, L.

StaatsKunst

FeinSInn

Studenten & Hartz IV
Studium erfolgreich abgeschlossen, Zeugnis in den Händen, frei für den Arbeitsmarkt. Doch was geschieht eigentlich, wenn man nach seinem Abschluss nicht sofort einen Job findet? Wie geht man mit der Situation um und wie kann man überhaupt den Lebensunterhalt bestreiten?
Kurz nach dem Abschluss ist die Motivation noch recht hoch. Die schweren Prüfungen sind überstanden und die Phase des Lernens und Bangens vorbei. Mit dem lang ersehnten Diplom in den Händen und voller Hoffnung beginnt die Phase des Bewerbens. Auf die ersten Absagen folgt noch eine gelassene Reaktion. Nach einem längeren Zeitraum kommen die ersten Zweifel über die eigenen Fähigkeiten und Jobchancen auf. Zu dem stärker werdenden Wunsch Berufserfahrungen zu sammeln, gesellt sich der: endlich richtig Geld verdienen zu wollen. Mit Sicherheit ist Arbeitslosigkeit für alle Betroffenen eine Belastung, aber unter Akademikern kommt die Frage auf, ob sich

ein Studium, wohlmöglich noch im Ausland, überhaupt gelohnt hat. Auf der einen Seite steht die Hoffnung auf eine –dem Studium entsprechende– Stelle und auf der anderen Seite taucht die praktische Frage nach der Sicherung des Lebensunterhaltes auf. Die meisten Studenten haben neben dem Studium gearbeitet- oftmals bis zu 20 Stunden pro Woche und kommen damit, wenn man die Seminarzeiten und das Schreiben von Hausarbeiten mit einbeziehtauf eine wöchentlich Arbeitszeit von mindestens 40 Stunden pro Woche, also vergleichbar mit einer Vollzeitbeschäftigung.

Was ist überhaupt eine versicherungspflichtige Beschäftigung?
Die Versicherungspflicht bezieht sich auf die Sozial-, Renten-, Kranken-, Pflegeund die Arbeitslosenversicherung. Wenn man allerdings als Student beschäftigt ist, bezahlt man in der Regel keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, was später dazu führen kann, dass man keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat. „Nicht das dies das oberste Ziel eines Universitätsabsolventen wäreArbeitslosengeld zu beziehen. Aber ganz sicher steht auch nicht Hartz IV ganz oben auf der Prioritätenliste“, sagt Katharina, die nach ihrem geisteswissenschaftlichen Abschluss keinen Job gefunden hat und somit, wie viele andere auch, auf die staatliche Unterstützung angewiesen ist. Wer nach dem Studium keine Stelle und keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, der wird Hartz IV–wie es in der Umgangssprache heißt– beantragen müssen, es sei denn, es sind genügend Ersparnisse vorhanden, die einem über die Jobflaute hin-weghelfen und ohnehin bei der Beantragung des Arbeitslosengeldes angerechnet werden.

Abgesehen von der Frage, wie der Lebensunterhalt finanziert werden soll, geht es auch darum, der Arbeitslosigkeit zu entfliehen. Viele Absolventen tappen dabei erfolgreich in die Praktikumsfalle und absolvieren ein freiwilliges Praktikum nach dem anderen, in der Hoffnung auf eine feste Anstellung –nur weil sie in den Bewerbungsratgebern gelesen haben, dass solche Dinge passieren.

Doch was geschieht eigentlich, wenn man das Studium beendet hat und in seinem Beruf arbeiten möchte?
Falls sich nach dem Abschluss keine Anstellung ergeben hat, ist ein Gang zur Arbeitsagentur oft unerlässlich. Doch wer hat überhaupt Anspruch auf Arbeitslosengeld? „Handelte es sich bei ihrem Nebenjob um eine versicherungspflichtige Beschäftigung?“, fragte die nette Vermittlerin bei der Arbeitsagentur.

Was bleibt aber denen, die kein Jobangebot bekommen haben, sondern nur als „billige Aushilfskräfte“ irgendwo gearbeitet haben und später außer eines feuchten Händedrucks gerade mal ein Zeugnis bekommen, auf das sie noch Monate warten müssen?
Das klingt alles sehr pessimistisch. Aber es entspricht der Wirklichkeit wenn man nicht gerade zu den „begehrten Absolventen“ gehört, die bereits während des Studiums von Firmen abgeworben wurden oder einen Headhunter haben, der sie weiter vermittelt.

Es hagelt Absagen, immer und immer wieder. In jedem Brief taucht der Satz. „…bitte werten Sie diese Absage nicht als eine Abwertung ihrer persönlichen oder beruflichen Qualifikation.“ Menschlich, wer mit der 50. Absage an sich zu zweifeln beginnt. Auch Katharina hat genügend solcher Absagen bekommen: „bei jedem Gang zum Briefkasten kam die Angst nach einer neuen Absage auf“, erklärt sie resignierend. Mit diesen Ängsten ist sie nicht allein. Trotzdem bleibt die Scham, ein schlechtes Gefühl, der Eindruck wertlos zu sein, nichts zu können, Zeit während des Studiums verschwendet zu haben und die Angst vor den Fragen der Bekannten und Freunde

„Und, was machst du jetzt so beruflich?“
Und diese Angst wird wohl bleiben, bis die Bewerbung um einen lang ersehnten Job Erfolg hat. Dann ist auch der Wegfall aus der Statistik der arbeitslosen Akademiker sicher.

Jasmin Dienstel

StaatsKunst

StaatsKunst

Die Homo-Ehe Heirat 2. Klasse?
von Niels Walker und Klaas van der Blumenwiese

Mehr Frauen im Vorstand- Mehr Gewinne fürs Unternehmen
Gesetzlich vorgeschriebene Frauen-Quoten stehen für mehr Erfolg und Wohlstand
In Unternehmen scheint nachweislich ein höherer Frauenanteil im Top-Management zu einer wesentlich höheren Rendite zu führen. Headhunter Heiner Thorborg ruft dazu auf: „dass die Herren erkennen sollten, was ihnen entgeht. Vielfalt in Unternehmen ist nicht nur betriebswirtschaftlich höchst sinnvoll!" Er stützt sich dabei auf die McKinsey Studie „Woman matter“ von 2008. Diese von der US FrauenOrganisation Catalyst unterstützte Studie belegt, dass Führungsgremien mit Frauen sowohl ökonomisch als auch von der UnterWählst du noch oder Frauen, Politik und der Feminisnehmenskultur her signifikant erfolgreicher follow-st du? mus der "Mädchenmannschaft" sind. McKinsey kommt zu dem Schluss: Unternehmen mit mehr als drei Frauen im Vorstand erwirtschaften eine bis zu 53 ProEine Kanzlerin, ein Gleichstellungsgesetz Wohin man auch sieht - nein, wohin man zent höhere Eigenkapitalrendite. plus Beauftragte und dann Charlotte auch klickt, der deutsche Bundeswahlkampf Ein wesentlicher Grund wird in der „GeRoche, die Autobiographisches zu ihrer sprießt im Internet auf allen Seiten. nder Diversity“ (Vielfalt sozialer, kultureller, Vagina veröffentlicht - sind wir Deutschen 2008 als Obama für sein Onlineaufgebot ethnischer Herkunft, sowie von Geschlecht nicht endlich emanzipiert genug um im glühend bewundert wurde, trauten sich die und Alter) gesehen. Sie verbessere das Wahljahr Frauenthemen und Frauenquoten Deutschen eine Netzfestigkeit in Sachen Unternehmensklima und das Image. Der EU endlich sein zu lassen? Ja, sagen einige Politik noch nicht zu. Die Twitterversuche zufolge investieren Kapitalmärkte und Inveund erklären den Feminismus für tot, er des SPD-Generalsekretärs Hubertus storen auch eher in ein Unternehmen, dass habe sein Werk vollbracht und all die Heil beim Demokraten-Parteitag in sich der „Gender Diversity“ verpflichtet fühlt. Frauen, die sich hinter Alice Schwarzer Denver noch müde belächelt. Auch das Obwohl in Osteuropa dieses Problem fast aufstellen und "PorNo!" rufen, seien selbst Rollmops-Geräusper der hessischen gar nicht zu existieren scheint, die Allianz so sexistisch wie die Macho-Männer. Grünen-Vorsitzenden Kordula Schulzwirbt mit weiblichen AufsichtsratsmitglieNein - ruft eine Gruppe junger Frauen, die Asche zum Politischen Aschermittwoch dern in Bukarest, Warschau, Prag und in ihrem Politblog "maedchenmannschaft. diesen Jahres - er lag ihr schwer im Budapest, wollen nach einer Forsa-Studie net" zu einem neuem Feminismus aufrufen Magen, so ihr Twitter - waren noch von 2007, nur 16 Prozent der Deutschen und wenn es sein muss, auch mal der nichts im Vergleich zum überraschenden die Einführung der Frauenquote. Die Frage: Über-Schwarzer Paroli bieten. So sehr sie Spatzenkrieg der Bundespräsidentenwahl, Kinder oder Karriere? spielt eine immens Alice Schwarzer für ihre Standhaftigkeit als mehrere Abgeordnete vor der offiziellen große Rolle: „wer beides parallel mache, und Arbeit dankbar sei, schreibt Verkündung das Auszählungsergebnis gelte als Rabenmutter“ meint Thorborg. In beispielsweise Mannschaftsmitglied ergo die Wiederwahl Horst Köhlers zum Norwegen hingegen ist man überzeugt, der Anna Berg in einem offenen Brief, ist die Bundespräsidenten twitterten. Prompt Netzwerkgedanke sei am wichtigsten. strikte Haltung gegenüber einem neuen wurde mit medialen Kanonen auf die Aber auch hierzulande tut sich etwas. Feminismus enttäuschend. Zwar schreien Geschwätzigen geschossen und Panik Inzwischen fordern SPD und Grüne eine nicht alle Neofeministinnen "PornYa!", ge(t)wittert, welch einen Eklat ein solches Frauenquote in Aufsichtsräten von 40 Proaber dank eines erstarkten weiblichen Verhalten für die Wahlnacht im Herbst zent bis 2013. Politisch hätte die FrauenSelbstbewusstseins darf Feminismus auch haben könnte. Keinen, denn dort wird quote von 1988 sich in der SPD auf allen sexy sein. Und das Leben schöner machen kein Hahn nach den Hochrechnungsfeeds Ebenen bewährt: „Ohne geht das nicht“ so - das erklären weitere Autorinnen des Blogs und wirren Statements krähen, die schon Müntefering. - Meredith Haaf, Susanne Klingner, Barbara vor Twitter üblich waren. Aber zu erwarten In Norwegen gilt seit 2008 für knapp Streidl - in ihrem Buch "Wir Alphamädchen". wäre, dass der Onlinewahlkampf und 500 Aktiengesellschaften die 40 Prozent Dort vertiefen und diskutieren sie über den allseitige Beschuss der Kandidaten auf Frauenquote in Aufsichtsräten. Firmen die Feminismus ähnlich dem Blog und dem Youtube, Myspace, Facebook etc. nicht dagegen verstoßen drohen Strafen bis hin dazugehörigen Feministischem Lexikon, nur für mediale Aufmerksamkeit, sondern zum Entzug der Börsenzulassung. das fachkundige Definitionen rund um auch mehr Demokratiebewusstsein bei der In deutschen Dax-Unternehmen ist man da den politischen, ideologischen, sexuellen Generation der Netzeingeborenen schafft. zurückhaltender. Die Allianz zum Beispiel und kulturellen Feminismus bietet und Paradebeispiel war hierfür die Onlinebemüht sich zwar um mehr Vielfalt im ihn als Gleichstellung der Geschlechter Petition gegen die Internetsperren von „Diversity Council“, jedoch sagt Clement begreift. Nicht mehr und nicht weniger Familienministerin Ursula von der Leyen, Booth, Vorstandsmitglied der Allianz: „Wir und deshalb hat die Mädchenmannschaft die binnen Tagen Tausende Internetnutzer haben und wollen keine Frauenquote“. 2,4 auch Werner an Bord, der als moderner gegen das angestrebte Gesetz Einspruch Milliarden Euro Verluste scheinen nicht zu Mann und erklärter Feminist genauso das erheben ließ. Der Clou der Politik im Internet überzeugen, schade aber für die Frauen, Recht hat über den alltäglichen Wahnsinn - so auch der schwedischen Stimmen denen man Chancen verwehrt. des Krieg und Frieden der Geschlechter die Piratenpartei ins EU-Parlament zu zu schreiben – die nicht mit ein paar wählen - ist jener, dass man sich für den Vivien Weigt Gleichstellungsbeauftragten endet, sondern Online-Wahlkampf nicht von seinem Hintern erst beginnt. erheben muss - für den Wahlsonntag aber Maxi Koschyk leider dann doch. Maxi Koschyk

Der Terminus „Homo-Ehe“ ist der Öffentlichkeit längst kein Fremdwort mehr. Von der Medienlandschaft als Toleranzsymbol zelebriert, hat auch die homosexuelle Gemeinschaft allen Grund zu feiern. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Haben lesbische und schwule Ehen wirklich dieselben gesetzlich festgelegten Rechte wie Heterosexuelle?
Tabuisiert wird Homosexualität in unseren Breitengraden schon lange nicht mehr. Ganz im Gegenteil: sie ist bisweilen sogar zur Mode-Erscheinung geworden und zum Trend avanciert. Das eigene Geschlecht zumindest ausprobiert zu haben, gehört beinahe zum guten Ton, weswegen es auch, gerade in Köln, niemanden mehr schockiert, wenn ein homosexuelles Paar Händchen haltend durch die Fußgängerzone schlendert. Im Jahr 2001 wurde dann endlich auch von Staatsseiten ein entscheidender Schritt in Richtung Gleichberechtigung getan: Das Gesetz über die eingetragene Lebenspartnerschaft, gesellschaftlich besser bekannt unter dem Begriff „Homo-Ehe“, trat in Kraft. Seither gab es einige prominente, vornehmlich ausländische Vorreiter, die sich medienwirksam trauen ließen. Elton John tat es, ebenso wie die amerikanische Talkmasterin Ellen Degenerees. Als „Otto-Normalschwuler“, zu dem ich mich zähle, und „Uta-Normallesbe“ gibt das natürlich Anlass zur Vorfreude auf die eigene Vermählung. Wenn dann allerdings entschieden ist, wer das Kleid tragen darf und wie viele regenbogenfarbene Platzdeckchen bestellt werden müssen, bleiben doch noch ein paar weniger romantische Fragen übrig. Hier hilft mir unser Experte: Wo melde ich mich und meinen Herzbuben eigentlich an? - Beim Standesamt.

Und heiraten wir dann? - Nein, ihr geht eine Lebenspartnerschaft ein. Im Gegensatz zu einer Ehe, ist die Lebenspartnerschaft nicht vom Grundgesetz geschützt, das hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Deswegen heißt es auch nur umgangssprachlich „Homo-Ehe“. Also gehen wir doch nicht wie alle anderen zum Standesamt? - Doch. Aber den Spruch „Hiermit erkläre ich sie zu Mann und Mann“, bzw. zu Frau und Frau, wird man leider nicht hören. Ansonsten ist das feierliche Prozedere beim Standesamt dem einer heterosexuellen Eheschließung sehr ähnlich. Du darfst auch den Namen deines Liebsten annehmen oder einen Doppelnamen tragen. Hat eine eingetragene Partnerschaft in Deutschland wirklich denselben Stellenwert wie eine heterosexuelle Ehe? - Steuerrechtlich nein, ansonsten fast immer ja. Aber gehen wir doch lieber ins Detail. Ok, genießen auch wir steuerliche Vorteile bei einer Lebenspartnerschaft wie bei einer Ehe? - Nein, überhaupt nicht. Das Ehegattensplitting zum Beispiel ist auf Lebenspartnerschaften nicht anwendbar, man kann also keine Einkommenssteuer sparen und bleibt somit in einer hohen Steuerklasse. (Ehegattensplitting bedeutet vereinfacht gesagt, dass ein Ehepaar eventuell weniger Einkommen versteuern muss als zwei unverheiratete Menschen mit gleichem Einkommen. Weitere Details dazu kennt dein Steuerberater für heterosexuelle Paare.) - Auch das Erbrecht unterscheidet zwischen Lebenspartnerschaft und Heirat, hier ist der Unterschied, dass bei einer Lebenspartnerschaft der Freibetrag, also das Vermögen, das man steuerfrei erben kann, erheblich geringer ist als bei verheirateten Paaren. Du zahlst also auch hier mehr Steuern. - Es gibt noch viele weitere Unterscheidungen, allerdings sind diese teilweise sehr speziell. Wichtig ist zum Beispiel noch das Beamtenrecht, das

Lebenspartner nicht anerkennt. So können verheiratete Beamte allerhand Zuschläge auf ihr Gehalt bekommen, verpartnerte nicht. Vielleicht möchte ich irgendwann mal Kinder haben, wie sieht es da aus? - Zunächst gehen wir mal davon aus, dass einer von euch schon ein Kind hat, für die er (oder sie) auch das Sorgerecht trägt. In dem Fall bedeutet die Lebenspart nerschaft, dass du im Einvernehmen mit deinem Partner die Befugnis zur Mitentscheidung in Angelegenheiten des täglichen Lebens des Kindes hast. Betreuung, Schulbesuch und kleine Arztbesuche zum Beispiel. Eine Lebenspartnerschaft bedeutet aber nicht, dass ihr euch das Sorgerecht nun teilt, das bleibt ganz bei den leiblichen Eltern. Ein Ausweg ist es hier, wenn du das Kind adoptierst und somit zu deinem Stiefkind machst, dann hast auch du das volle Sorgerecht. - Wenn ihr zusammen ein Kind adoptieren wollt, könnt ihr euch das in Deutschland gleich wieder aus dem Kopf schlagen, das ist nicht erlaubt. Es ist nur möglich, dass einer von euch ein Kind adoptiert. Der bürokratische Hürdenlauf ist hierbei sehr nervenaufreibend. Wenn einer von euch ein Kind adoptiert und das Sorgerecht erhält, ist der andere für dieses Kind allerdings nicht sorgerechtsberechtigt. Sicherheitshalber, schließlich geht fast die Hälfte aller Ehen in die Brüche, würde ich auch gern wissen, was im Falle einer Scheidung geschieht: ist der Eine dem Anderen beispielsweise unterhaltsverpflichtet? - Ja. Aber nur, wenn der eine aufgrund seines Alters oder einer Krankheit selber nicht erwerbsfähig ist. Der Unterhalt richtet sich dann nach dem vergangenen gemeinsamen Lebensstandard. Was ist, wenn ich wegen etwas angeklagt werde wovon mein Prinz etwas weiß, muss er dann gegen mich aussagen? - Nein, bei einer Lebenspartnerschaft greift das Zeugnisverweigerungsrecht, genauso wie bei Ehegatten.

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In Rekordzeit fit werden?
In Rekordzeit fit werden? Das verspricht die neue Wunderwaffe PowerPlate. Stefan Fuchs, Power Plate-Studio- Besitzer, stand unseren Fragen Rede und Antwort.
Was ist die PP? PP ist ein Sport- und Therapiegerät mit einer dreidimensional schwingenden Plattform, die durch 30-50 Vibrationen pro Sekunde bis zu 3.000 Kontraktionen der gesamten Körpermuskulatur pro Minute im Körper auslöst und den Muskel zu einer deutlich besseren Durchblutung anregt. Wofür ist sie gut bzw. wie wirkt die PP? Die PP erreicht fast 100 % der Muskulatur. Sie führt zu höheren Zuwächsen bei Kraft und Muskelmasse im Vergleich zu konventionellem Training, da die Muskeln und Sehnen Schwerstarbeit zum Ausgleich der Vibrationen leisten. Die Knochendichte wird erhöht und die Haltung verbessert. Die Power Plate massiert zudem das Bindegewebe und fördert den Lymphfluss, so dass z.B. Cellulitis bei regelmäßigem Training deutlich reduziert werden kann. Auch die Beweglichkeit wird gegenüber konventionellen Methoden massiv gesteigert. Es sind zudem positive hormonelle Effekte wie der Abbau von Cortisol (=Stresshormon) nachweisbar. Was sind die Vorteile? Die Vorteile gegenüber konventionellen Methoden sind umfassendere Wirkungen, schnellere Ergebnisse und ein wesentlich geringerer zeitlicher Aufwand. Im Gegensatz zur verbreiteten Meinung sind die Trainings zwar kurz, aber sehr intensiv und durchaus recht anstrengend. Wie oft muss man trainieren, um Erfolge zu erzielen? Grundsätzlich werden alle wesentlichen Muskulaturgruppen in bis zu 6 verschiedenen Übungen etwa 2-3-mal die Woche für ca. 10 Minuten trainiert. Der Zeitpunkt des Erfolgs aber ist individuell verschieden, da die Grundvoraussetzungen anders sind. Untrainierte werden schnell nach 7-8 Trainings ein verbessertes Gefühl feststellen und nach vielleicht 15 Einheiten auch äußerliche Veränderungen aufweisen. Problematisch ist, dass bei Übergewichtigen die Erfolge nicht unmittelbar sichtbar werden können, da das Fett die Muskulatur häufig überlagert. So ist man schon gut trainiert und hat eine bessere Haltung, sieht aber evtl. noch nichts davon. Dieses Problem ist aber nicht PP-spezifisch, sondern gilt auch für konventionelle Methoden. Gibt es Power Plate Regeln? Es gibt Kontraindikationen wie akute Entzündungen, bei denen entweder gar nicht oder nur bestimmte Muskulaturgruppen trainiert werden dürfen. PP soll das Sporttraining ergänzen, nicht ersetzen. Insbesondere zusätzliches Herz-/ Kreislauftraining wird empfohlen. Bis zu 24 Stunden vor dem PP-Training sollten keine größeren Muskelbeanspruchungen erfolgen, da jedes Training in der Erholungsphase, also auch PP-Training, die Leistung eher verschlechtert. Während des Trainings oder danach sollte ca. ½ Liter Wasser getrunken werden. Zwischen den PP-Trainings selbst sollten immer 48 -72 Stunden Erholung liegen. Das Training mit einem Personal Coach ist wesentlich effektiver, da die Übungen gezielter, intensiver, in der optimalen Körperhaltung und vielleicht auch etwas disziplinierter und motivierter ablaufen. Innere Organe oder das Gesicht sollten möglichst keinen dauerhaften Kontakt mit der Plattform haben. Die Belastung steigt mit geringeren Frequenzen in Richtung körpereigene Schwingungen (8-20 Hz). Veronika Czerniewicz Interesse geweckt? Dann meldet euch für ein kostenloses Probetraining an: Die Menschheit wird ja nie müde, Klischees zu bemühen. Zu schön ist es, alles fein säuberlich in Schubladen zu packen. Kein „dazwischen“, kein „gemischt“, alles exakt getrennt. Man könnte meinen, diese Art zu denken sei mit dem digitalen Zeitalter entstanden. Analog? Igitt, da gibt es unendlich viele Zwischenstufen! Nein, wir haben lieber ein klares EINS oder NULL. Doch weit gefehlt. Die Eigenart, Kategorien zu bilden, ist so alt wie der Homo sapiens. Es gehört zur Ausstattung des menschlichen Gehirns, Ähnliches zusammenzufassen. Die Welt wird einfacher zu handhaben, das ist der simple Grund. Und einfacher zu handhaben sind Menschen auch, wenn man sie in Klischees packt. Das liegt nun mal in unserer Natur. Nachdem ich mir nun auf diese umständliche Art ein wenig Mut zugeredet habe, wage ich es, ein Klischee in den Raum zu werfen: Lesben sind Mannsweiber! Na, war ja gar nicht so schwer. Ich führe aus: frauenliebende Frauen versuchen meistens, dem ihnen entgegengesetzten Geschlecht zu ähneln. Sie tun das, indem sie sich Berge von Muskeln anschaffen, die ja, wie wir alle wissen, das Attribut des starken Geschlechts sind. Dann kommen noch andere Sachen dazu, wie: Lesben haben nie Röcke an und arbeiten vornehmlich in Ingenieursberufen. Das Coming-out von Anne Will kam einem Schock gleich, lieber denkt man bei PromiLesben an Hella von Sinnen. So sieht eine Lesbe aus. Tatsächlich sind lesbische Frauen angeblich ehrgeiziger, wenn sie im Tempel des modernen Körperkults trainieren (so eine Trainerin). Sie haben auch keine Scheu, dass sich an ihrem Körper die Folgen von Krafttraining abzeichnen könnten. Doch was geschieht, seit die USA einen schwarzen Präsidenten haben? Alle Welt schaut auf die Oberarme seiner Frau! Das Werte- und Klischee-System ändert sich, es werden ästhetische Gleichsetzungen vorgenommen: Bizeps, Trizeps & Co. sind jetzt ein Maß der weiblichen Attraktivität ähnlich der Körbchengröße! Muss ich deutlicher werden? Von jetzt an sind Muskeln die neuen femininen Rundungen. Aus ist es mit dem Mannsweib-Klischee. Ich sehe schon die Titelseite eines Teenie-MädchenMagazins vor mir: Beeindrucke deinen Schwarm beim Armdrücken! Johanna Regenhard

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als Hetero mit auf den CSD gehen zum CSD schön aussehen das vielfältige Programm der CSD-Woche nutzen, mehr als Party und Parade! “schwul“ nicht als Schimpfwort gebrauchen Heten umarmen den CSD mit einer Zirkusparade verwechseln bauchfrei zum CSD die Vielfalt präsentierter sexueller Eigenartigkeit als homosexuellen Mainstream interpretieren sich zum CSD nur mit Gayromeo-Dates verabreden Heten anzicken

Fotos: Alexander Graeff

Lighter Life Stefan Fuchs Web: www.lighterlife.de

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Vorschau
BMX Worlds in Köln
KörperKultur auf dem BMX. Im Juli trifft sich in Köln das who is who der BMXSzene. Am Start sind auch unzählige Kölner Fahrer, können sie es mit der weltweiten Elite aufnehmen? Überhaupt, wie cool muss man eigentlich bei BMX sein? meins-magazin ist dabei. Wir berichten vom Pneu bis zum Sattel, Stunts inklusive.

Der geheimnisvolle Gärtner
Linie 9, Haltestelle Universität. Hunderte Pappbecher mit frisch aufgekeimten Pflanzen stehen am Wegesrand. Guerilla-Marketing der KVB? Ökologische Offensive der Uni? Alles Quatsch! Wir haben es rausgefunden. Nur ein Tipp: Die Pflanzen sind für alle da und sollen allen helfen.

Außerdem:
- Doping, warum eigentlich nicht? ErkenntnisReich forscht - Mit FeinSinn ist nicht gut Kirschen essen - Der beste Platz in China. FernSicht war schon da - Piratenpartei, wie jetzt? StaatsKunst erklärt - 5 to 9, days of Porn; ZeitGeist geht ins Kino

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Simeon Buß, Veronika Czerniwiecz, Jasmin Dienstel, Marcel Doganci, Christopher Dröge, Felix Grosser, Maximiliane Koschyk, Annika Kruse, Christiane Mehling, Kathrin Mohr, Lara Petri, Johanna Regenhard, Holger Rainermann, Alexandra Roth, Iris Sygulla, Niels Walker, Vivian Weigt, Christine Willen Sven Albrecht , Sara Copray, Kerstin Fuderholz, Elisa Hapke, Sebastian Herscheid, Nina Schäfer Henrik Greger, Christian Klassen Karin Hoehne Sven Albrecht, Alexander Graeff, Maiko Henning, Corinna Kern, Fabian Stürtz Kathrin Mohr www.meins-magazin.de monatlich

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