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1. September 2009

Warum ich die Geschichte „Weil wir Menschen sind“ geschrieben habe

Ich habe einmal irgendwo gelesen, das Schriftsteller die einen Krieg erlebt haben, besonders viel über das Erlebte schreiben. Wahrscheinlich um das was sie durchmachten und nie vergessen können irgendwie zu verarbeiten. Sicherlich aber auch um ihnen nachfolgende Generationen auf die Greueltaten die sie mit ansehen mussten, aufmerksam zu machen. Und damit niemals vergessen wird, was es bedeutet mit den Erinnerungen eines Krieges zu leben. Als deutsches Beispiel fällt mir hier besonders Wolfgang Borchert ein, der mit einigen Kurzgeschichten und einem Bühnenstück sehr bekannt wurde. Allerdings hatte er nicht mehr viel davon, da er einen Tag vor der Uraufführung seines Stückes „Draußen vor der Tür“ im Jahre 1947 viel zu früh im 26. Lebensjahr an den Folgen des 2. Weltkrieges verstarb. Während meiner Schulzeit habe ich viele Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert gelesen. Sie haben mich sehr beeindruckt. Er hatte für mich so eindrucksvoll geschrieben, dass für mich klar war:

Krieg darf es nie wieder geben. Und wenn er dies mit seinen Erzählungen bei nur einer Person erreicht hat, hat sich sein mühevolles Schaffen sicher gelohnt. Auch dass ich als kleines Kind einen Panzer wie in der Geschichte „Weil wir Menschen sind“ beschrieben, geschenkt bekam, hat meine spätere Einstellung zu Krieg und Kriegsspielzeug nicht verändern können: Seit ich denken kann verabscheue ich Beides. Lange waren keine Panzer und ähnliches in den Schaufenstern unserer Spielwarengeschäfte zu sehen. Fast ebenso lange wurden keine Geschichten mehr über den Krieg geschrieben, zumindest in Deutschland nicht. Die Schriftsteller der Gegenwart beschäftigten sich eher mit der deutschen Teilung und später mit der deutschen Einheit. Aber zu Beginn dieses Sommers las ich in einer Pressemitteilung, dass eine große deutsche Spielwarenfirma wieder Kriegsspielzeug herstellt, mit dem Bild eines olivgrünen Panzers unter dem Text. Kinder sollen also wieder daran gewöhnt werden, dass Panzer durch ihre Städte rollen, die Krieg und Zerstörung in ihr Leben bringen werden. Aber nun haben die Kinder von heute, die mit diesen Panzern spielen keinen Wolfgang Borchert mit seinen Erzählungen aus der Zeit des letzten Krieges; auch haben sie keine Großeltern mehr, die ihnen von den Schrecken des Krieges erzählen können, und auch

keine Lehrer, die zur Abschreckung den Film „Die Brücke“ im Geschichtsunterricht vorführen. Jetzt, da wir in einer Zeit leben, in der wieder Soldaten in einen Krieg ziehen, den Politiker verschiedener Parteien „Einsatz für den Frieden“ nennen, jetzt müssen wir „Schreibenden“ unter der Bevölkerung unseres Landes wieder wach werden. Jetzt ist die Zeit in der wir noch einmal laut unsere Stimme erheben können, denn wieder müssen Mütter um ihre Kinder bangen. Werden sie zurückkehren aus einer Schlacht die genauso sinnlos ist, wie die vielen Auseinandersetzungen in den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor Weil wir Menschen sind, sollten wir etwas ändern!

© Uwe Fengler