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17.

Kapitel
Von den Ursachen, der Erzeugung und der Definition des Staates
Das 17. Kapitel beginnt mit einer erneuten Schilderung des schon in den vorangehenden Kapiteln erluterten Naturzustandes. Die meisten Menschen verfgen in diesem zwischenmenschlichen Krieg ber das Bedrfnis nach Sicherheit, welches durch die Einhaltung der natrlichen Gesetze, wie z.B. Gerechtigkeit, gewhrleistet wre. Diese sind aber praktisch nicht zu realisieren, da sie im Konflikt mit den natrlichen Leidenschaften stehen, ber die alle Menschen verfgen. Sie sind deshalb klar von den politischen Lebewesen, wie Aristoteles Ameisen und Bienen bezeichnet, mit deren blinden Gehorsam zu unterscheiden. Damit in einem Staat die von den Brgern erwnschten Gesetze zur existentiellen Sicherung trotzdem durchgesetzt werden knnen, bedarf es einer oberen Gewalt, die deren Befolgung sicherstellt und ein diesbezgliches Missachten aufgrund von Einzelinteressen dementsprechend bestraft. Der alleinige Weg zur Grndung eines Staates besteht deshalb darin, dass alle Mitglieder dieser Interessengesellschaft aus Grnden der Vernunft ihren Willen und ihr Urteil auf einen einzigen Menschen (oder eine Versammlung von Menschen) bertragen, sich also selbst entmndigen. Sie machen sich so zu Untertanen eines Souvernes, der ihre Interessen fortan verkrpert. Hobbes bezeichnet diesen Vorgang als die Erzeugung des groen Leviatans, der eine ganze Gesellschaft in einer Person vereint. Er garantiert die Umsetzung des Willens aller auf innerstaatlichen Frieden und gegenseitige Hilfe gegen eine auswrtige Bedrohung. Die Gewaltbertragung kann auf zwei verschiedene Weisen von statten gehen. Zum einen kann z.B. ein Vater seine Nachkommen zur Unterordnung unter den Souvern zwingen, was als Staat durch Aneignung bezeichnet wird. Zum anderen gibt es den Staat durch Einsetzung, bei dem sich die Brger selbst entschlieen, ihre Entscheidungsgewalt auf das Oberhaupt zu bertragen. Bei der Grndung eines Staates besteht jedoch auch immer das Vertagsdilemma. Kooperationen von Menschen funktionieren nur in der Anwesenheit einer Obrigkeit, weshalb der Gesellschaftsvertrag nur als ein legitimationstheoretisches Konstrukt fr die Herrschaft eines Souverns gesehen werden kann.

Ole Schwerdt (13. Jg.)