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Jürgen

Kranhold
*
Die Abenteuer des Raumschiffes
Firebird

Science-fiction-Roman

Erstes Buch:

Die
Rebellen
VORGESCHICHTE:

Wir schreiben das Jahr 3083, 80 Jahre nach dem großen Krieg
gegen die Acrypser, der 83 Jahre dauerte. In diesem Krieg
waren alle Völker der Galaxis verwickelt.
Im Jahre 2948 wurde das Neue Demokratische Imperium, kurz
NDI, auf New Hope, einem Planeten in einer zwanzig
Lichtjahre Durchmessenden Dunkelwolke gegründet. In vielen
geheimen Sonnensystemen wurden Raumschiffe gebaut. Im Jahre
2968 begann der Widerstandskrieg gegen die Echsenähnlichen
Acrypser.
Nach dem Krieg, 3003 (ab 16. Juni, als die letzten noch
verbliebenen Acrypser-Schiffe fluchtartig die Galaxis
Verliesen), herrschte Anarchie, Korruption und Unordnung,
nur langsam schreitet die Demokratie voran. Die Trümmer
wurden wieder aufgebaut. Und in den ersten Jahren nach dem
Krieg bildeten sich verfassungsfeindliche Organisationen.

Eine davon ist die reinigende Flamme, die langsam und


schleichend immer mächtiger wurde. Immer häufiger werden
Terroranschläge verübt, zu denen sich die reinigende Flamme
bekennt. Bei diesen Anschlägen kamen viele zig-tausende
Menschen und Außerirdische ums Leben.
Seit 3082 besetzten sie sogar einige Kolonialplaneten in der
East-Side der Galaxis, eine Region, die erst 2767 besiedelt
und gegründet wurde.
Ihr Anführer ist Ernst Bächle, ein ehemaliger Admiral, der
als Raumpirat sein Unwesen trieb, und mehrmals auf
Gefangenenplaneten verbannt wurde. Dort gelang ihm immer
wieder erneut der Ausbruch.
Niemand weis genau, wieviel Raumschiffe die reinigende
Flamme wirklich besitzt. Ihre Flotte wird auf 60.000 Schiffe
geschätzt, es sind aber weit mehr. Und in der East-Side hat
das NDI nur 30.000 Schiffe entgegen zu setzen.
Niels Bögels, der Präsident des NDI, entsandte nur 20.000
Schiffe in diese Region, ab März des Jahres `82, unter
Admiral Sven Anderson.
Vier bis fünf Wochen später erreicht der Admiral mit den
Schiffen die Region, die 76.000 Lichtjahre von der Erde
entfernt ist, und gerät in einen Hinterhalt.

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Er verlor über achteinhalbtausend Schiffe, viele Millionen
Menschen fanden den Tod. Zusammen mit den anderen 18.000
Schiffen, die von der East-Side-Flotte noch übrig sind, ist
das alles, was das NDI dem Feind entgegenzusetzen hat.

Der Verlust beim Feind ist bedeutend gering: Etwa 3200


Schiffe. Unter den NDI-Schlachtschiffen ist auch die
Firebird, ein 1.500 Meter Durchmessendes Kugelschiff.

Das Schiff wird geführt von Captain Ernst Vogel, ein Mann
mittleren Alters.
Das Schiff hat die Aufgabe, in der East-Side zu
patrouillieren, und hier beginnt unsere Geschichte:

1. KAPITEL: Die Firebird tritt aus dem


Hyperraum heraus

Wir schreiben das Jahr 3083, den 28. August. Seit vier Tagen
fliegt die Firebird im All der East-Side umher. Das Schiff
fliegt im Hyperraum dahin, mit 208,3 Lichtjahren pro Stunde.

Baujahr des Schiffes: 3067, in den Werften von Olympus-2.


Das Schiff ist vollgeladen mit Verpflegung für mehrere
Monate. Es ist auch vollbestückt mit duzenden
Transformkanonen. Es ist ein großes, gigantisches
Kriegsschiff.
Der Captain, Ernst Vogel, befindet sich gerade in seiner
Kabine. Er schläft noch in seinem Bett, als der Wecker
klingelt. Mit einem Satz springt er auf und schaut auf seine
moderne Armbanduhr. Sie zeigt 6.00 Uhr Bordzeit an. Noch
eine Stunde bis zu seinem Dienst auf der Kommandobrücke.
Etwas benommen und schlaftrunken steht er auf und duscht
sich.
Der Captain ist ein kräftig gebauter, 1,80 Meter großer,
etwas pummelig wirkender, sechzig Jähriger Mann.
Im 31. Jahrhundert haben die Menschen eine Durchschnittliche

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Lebenserwartung von 120 bis 130 Jahren. Ernst Vogel ist ein
Mann mittleren Alters, der noch dreissig Jahre Dienst bei
der Raumflotte absolvieren muß.
Seine Haare sind kurz und stoppelig, rot, und er hat graue
Augen. Er hat einen 30-Jährigen Sohn, welcher auf dem
gleichen Schiff dient, als Gartenanlageningeneoer. Dieser
Beruf ist das gleiche, was vor vielen Jahrhunderten einmal
die Bezeichnung Gärtner hatte.
Der Captain hat auch eine Tochter, die etwas älter als sein
Sohn ist, und sie dient als Ärztin auf dem Schiff Firestorm.

Ernst zieht seine rote Uniform an und ißt etwas aus dem
Automaten. Er läßt einen Kaffee heraus und ein Brötchen mit
Wurst, alles in Pulverform, das man mit Wasser verbinden
muß.
Der Captain könnte auch in einer der Kantinen des Schiffes
frühstücken, aber das wollte er nicht. Dort ist das Essen
auch nicht besser!
Der Captain hatte schon einige Kämpfe, bei denen sein Schiff
beteiligt gewesen war, überstanden und überlebt. Er liebt
sein Schiff und seine Besatzung. Diese hat bisher immer ihr
bestes gegeben. Es sind auch einige Besatzungsmitglieder,
die in schweren Kämpfen verwickelt waren, an ihren schweren
Verletzungen gestorben. Darunter waren auch ein Offizier und
Maschinenraumingeneoer, zwei seiner besten Freunde! Er
trauerte ihnen immer noch nach.

„Scheiß Gesöff!“ Der Kaffee schmeckt ihm nicht, und er


schmeißt den Becher an die Wand.
Sofort beginnen Reinigungsmechanismen mit der Säuberung der
Wand.
Der Captain hat seine Kabine verlassen, als sein Intercom an
seiner Uniform summt.
„Ja, was gibt’s?“
„Hier die Brücke, Sir!“ Die Kommandantin, Andrea Smith,
meldet sich.
„Wir treten in wenigen Minuten von dem Hyperraum in den
Normalraum. Die Ortungsgeräte zeigen schon jetzt mehrere
Schiffe und Stationen an. Im Weltraum und auf dem 3.
Planeten dieses Systems! Der Stern ist im Sternkatalog nicht
eingezeichnet oder programmiert! Es könnte sich um Rebellen

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handeln, die sich hier versteckt haben!“
„Ist gut. Ich bin gerade auf dem Weg zur Brücke. Wir
verstecken uns in der Nähe der Sonne! Dort kann man uns
nicht orten! Ortungsgeräte weiter beobachten! Ende!“ Der
Intercom verstummt. Der Captain geht weiter in Richtung
Kommandobrücke.
Die Kommandantin ist eine hübsche, 35-Jährige Frau. Das
empfindet auch der Captain. Ihr Haar glänzt kastanienbraun,
und ihre Augen glitzern grün, wie bei einer Katze. Ihre
Proportionen sind sehr weiblich.
Der Captain steigt in ein mit Atombatterien betriebenes Auto
und fährt durch die Gänge des riesigen Schiffes.
Die Gänge glänzen metallisch blau, und oben von der Decke
strahlt weißes Licht. Hier und da stehen Grünpflanzen von
den verschiedensten Planeten der Galaxis, fest im Boden
verankert.
In das Schiff passen 5.000 Menschen herein. Die derzeitige
Besatzung beträgt 3.900 Männer und Frauen. Die jüngsten
Besatzungsmitglieder sind gerade mal 18 Jahre alt! Das
älteste Mitglied ist der Captain mit seinen sechzig Jahren.

In dem Schiff gibt es auch Grünanlagen und Landschaften, und


viele Freizeitmöglichkeiten gibt es ebenfalls.
Wenige Minuten später erreicht der Captain die
Kommandobrücke, in der etwa 40 bis 50 Menschen arbeiten.
„Guten morgen!“ sagt er, und setzt sich in seinen
Kommandosessel.
„Wie ist die Lage?“ fragt er.
„In einer Minute werden wir den Hyperraum verlassen!“
antwortet die Kommandantin.
„Wir werden vor der Sonne in den Normalraum treten. Neue
Messungen haben ergeben, daß sich im Raum 600, auf den
Planeten und den Raumstationen weitere 1.200 Raumschiffe
befinden!“
„Gut. Nach eintritt in den Normalraum Schutzschirm und
Waffensysteme aktivieren!“ Der Captain wird nun etwas
nervös.
Dann ist es soweit. Das Schiff taucht von dem 5-
dimensionalen Hyperraum in den normalen Weltraum auf.

Alle Besatzungsmitglieder verspüren einen Entzerrungs-

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Schmerz im Hals- und Nackenbereich. Dieses Phänomen kommt
bei jeder Hypertransition vor.
Das Schiff bremst stark ab, die Alarmsirenen heulen durch
die Gänge der Firebird, alle rennen und arbeiten. Die
Waffensysteme und der Schutzschirm werden aktiviert. Die
Borduhr zeigt 7.03 Uhr an. Das Schiff ist bereit. Wenige
Minuten später fliegt es in einem geringen Orbit mit
niedriger Geschwindigkeit um die Sonne.
Die Hyperfunkstation wird sofort verständigt, sie solle eine
verschlüsselte Botschaft nach Kyrion, dem 20.000 Lichtjahre
entfernten Hauptplaneten der Menschheit in der East-Side,
schicken, und Schiffe hier her entsenden.
„Ich würde vorschlagen, eine kleine Truppe in die
Planetenstation einzuschleusen, um dort Bomben zu legen!“
meint Andrea Smith, die Kommandantin, spontan. „Auf dem
Planeten befinden sich Raumschiffswerften!“
„Nein, das ist zu gefährlich!“ meint Wiliam Redhourse, der
1. Offizier der Firebird. Er ist ein sehr schlanker,
schwarzhäutiger, kahlköpfiger, siebenundvierzig Jahre alter
Mann mit Brille.
„Oder wir entsenden unsere Raumjäger und zerstören die
Station und die Werft!“ meldet sich Anton Dengler, der
Wissenschaftsoffizier, zu Wort.
„Dreihundert Jäger geben Deckung, und die restlichen hundert
greifen den Planeten mit Transformbomben an!“
Anton Dengler ist sehr groß, etwa 1,96 Meter, und hat
langes, blondes Haar. Er ist kräftig gebaut und muskulös. In
seiner Freizeit verbringt er viel Zeit beim Kraftsport und
anderen Sportarten. Er ist erst 27 Jahre alt.
Der Wissenschaftsoffizier ist Alkoholiker. Er zieht einen
Flachmann aus seiner Tasche und trinkt. Er trinkt auch in
seiner Freizeit, und das nicht wenig!
Er wurde schon mehrmals stockbesoffen von Sicherheitsleuten
der Firebird aufgegriffen. In einer Ausnüchterungszelle
konnte er dann seinen Rausch ausschlafen.
Der Captain greift nach der Flasche und schmeißt sie an die
Wand.
„Sie sind im Dienst! Da wird nicht gesoffen! Ich brauche
nüchterne Leute!“ Er sagt dies in einem ruhigen, aber
bestimmenden Tonfall.
Anton starrt den Captain an. Dann greift er nochmals in

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seine Jackentasche, holt eine Schachtel Zigaretten und ein
Feuerzeug heraus und zündet sich eine Zigarette an.

„Das ist wenigstens nicht so schlimm wie saufen!“ meint der


Captain und wendet sich wieder dem Thema zu.
„Wir werden weder ein Trupp noch Jäger entsenden! Das ist zu
gefährlich. Zumindest jetzt noch nicht! Wir warten vorerst
einmal ab und beobachten von hier aus die Lage. Wir
schicken ein paar Sonden hin!“
Der Captain ist ein sehr vorsichtiger und zurückhaltender
Mann. Er will nichts riskieren oder aufs Spiel setzen.

Die Sonden verlassen wenig später das Schiff. Sie sind mit
einer Tarnvorrichtung versehen, und können so nicht entdeckt
werden.

2. KAPITEL: Feuer frei!

Jürgen Vogel hat gerade dienstfrei und schlief gerade mit


seiner Freundin Sabine Wild im Bett. Sie haben gerade Sex
gehabt, und Jürgen raucht die Zigarette danach im Bett.

Er ist 1,78 Meter groß, ein bißchen pummelig, und hat graue
Augen, wie sein Vater. Er ist von Beruf
Gartenanlageningeneoer.
Seine Freundin ist auch leicht rundlich und kräftig gebaut,
hat braunes Haar, das halblang ist. Sie ist eine
Jägerpilotin, und zwar eine gute.
Sie haben den Alarm gehört, aber dies interessiert die
Beiden nicht. Sie haben ja dienstfrei.
„Ob sie wohl die Jäger einsetzen werden?“ fragt sich Sabine.

Jürgen meint dazu: „Oh, ich glaube nicht! Ich kenne meinen
Vater. Er ist vorsichtig!“
Sabine duscht sich und zieht sich an.

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„Komm, und beeil´ dich, Jürgen, ich möchte in die Kantine!“
sagt sie etwas drängend.
„Ja, ja!“ meint er bloß, und zieht weiter genüßlich an
seiner Zigarette.
Sie zieht ihm die Zigarette aus dem Mund und drückt sie im
Aschenbecher, der auf dem Tisch steht, aus.
„Du hast die Ruhe weg!“ tadelt sie.
„Ach, sei doch nicht so! Du hast keine Geduld!“ meint
Jürgen, etwas genervt, macht sich aber dann doch auf und
duscht sich, zieht sich an. Dann gehen beide zur Kantine.

Plötzlich ertönt wieder die Alarmsirene. Es ist 8.35 Uhr.


Die Stimme von Captain Ernst Vogel ertönt aus den
Lautsprechern.
„Bitte alle Besatzungsmitglieder auf ihre Posten.
Diejenigen, welche dienstfrei haben, begeben sich bitte
wieder zurück in ihre Kabinen! Feindliche Schiffe nähern
sich unserem Standpunkt! Wir sind noch nicht sicher, ob wir
entdeckt wurden, aber ich bitte sie, das vorhergesagte zu
tun! Das ist ein Befehl! Bitte bewahren sie ruhe!“ Die
Lautsprecher verstummen.
„Scheiße, ich habe noch nichts gegessen!“ flucht Jürgen.
Hecktische Schritte gehen durch das Schiff. Jürgen und
Sabine, und viele andere auch, gehen entweder zu ihren
Kabinen, oder zu ihren jeweiligen Stationen. Viele bekommen
es auch mit der Angst zu tun.
Unterwegs wäre Jürgen beinahe mit ‚Bär‘ zusammengestoßen,
einem Bärähnlichen Tiflon, Terc´lon Merc´h arac, so heißt
er, auch Bär genannt. Er ist Maschinenraumfähnrich, „erst“
120 Jahre alt! Tiflons können bis zu 450 Jahre alt werden.
Terc´lon ist einer von 83 extraterrestrischen
Besatzungsmitgliedern.
Er hat eine Größe von 2,40 Metern! Sein Körperumfang beträgt
fast genau so viel! Und unter seinen tiflonischen
Artgenossen gilt er als etwas zu klein geraten!

Sein Körper ist bewachsen mit dickem, braunem Fell, der in


einer ihm zugeschneiderten, blauen Uniform steckt.
Seine kräftigen, muskulösen Arme münden in einer
prankenförmigen Hand mit vier Fingern. Seine Füße stecken in
großen, schwarzen Stiefeln.

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Tiflon, seine Heimat, ist ein kalter Planet, deshalb braucht
ein Tiflon zwei bis drei mal die Woche eine achtstündige
Kälteruhephase, die der Körper braucht, um sich zu
regenerieren.
Terc´lons Volk, die Tiflons, beherrscht schon seit über
Sechstausend Jahre die hyperschnelle Raumfahrt. Sie kennen
schon die Raumfahrt, während Menschen noch Höhlen behausten.

Jürgen kann gerade noch ausweichen. Wäre er mit ihm


zusammengestoßen, dann würde er nicht mehr gut aussehen!
„Pass doch auf!“ schreit er fast.
„Entschuldigung!“ brummt Terc´lon verlegen.
„Schon gut. Kommst du mit in unsere Kabine?“
„Nö. Muß noch lernen. Keine Zeit!“
„Jetzt, mitten in einem Einsatz? Du spinnst! Komm doch zu
uns! Wir haben noch ein paar echte Bier!“
„Echt? Woher habt ihr die?“
„Das sage ich lieber nicht! Kommst du jetzt, oder nicht?“
Terc´lon überlegt noch kurz. „Hm. Ich weis nicht – Aber,
wenn ich es recht überlege;“ Er zögert noch einen kurzen
Moment.
Endlich entschließt er: „Okay, ich komme!“ Dann gehen sie zu
dritt weiter, Jürgens Kabine entgegen.

Juan Banderas, der Anführer der reinigenden Flamme des


Ritmo-Systems und gleichzeitig Captain des Flaggschiffes
‚Hellfire‘, eines Dreitausend Meter Durchmessenden
Kugelraumschiffes, sitzt in seinem Kommandosessel.

Er ist ein braunhäutiger, 1,75 Meter großer, schwarzhaariger


Mensch mit dunklen Augen. Sein halber Körper ist mit
künstlicher, biologisch gezüchteter Haut überzogen, weil er
schwere Brandwunden hatte, als er sein erstes Schiff im
Kampf gegen das NDI verlor. Sein Gegenspieler war damals
Ernst Vogel!
Juan, und noch acht weitere Besatzungsmitglieder seines
alten Schiffes überlebten den Kampf schwerverletzt. Seit

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diesem Zeitpunkt an schwört er Rache.
Sein Schiff hat eine Besatzung von Achttausend Männer und
Frauen. Er ist Oberbefehlshaber über
Eintausendundvierhundert Schiffe!
Juan Banderas wurde am 17. Februar 3010 geboren. 3037 wurde
er Captain. Seit 3045 trieb er als Raumpirat sein Unwesen,
bis er 3063 von Captain Ernst Vogel gestellt und gefangen
wurde. Er verbrachte vier Jahre auf dem Gefangenenplaneten
Rynos-3, dann flüchtete er von dieser Welt. 3070 trat er
dann der reinigenden Flamme bei.
Juan ist in Gedanken und raucht eine Zigarette. In wenigen
Minuten soll die Arbor- , Merna- und Lauruppflotte sich in
diesem System treffen. Das sind zusammen weitere 27.300
Schiffe!
Von Ritmo aus wollen sie dann die East-Side erobern. Wo sich
Ernst Bächle, der oberste Anführer der reinigenden Flamme,
befindet, weis nicht einmal Juan. Ernst Bächle hält sein
Versteck streng Geheim!
Der erste Offizier schreckt den Captain aus seinen Gedanken.
„Da ist was merkwürdiges auf dem Ortungsschirm! In der Nähe
der Sonne leuchtet es immer wieder kurz auf, dann
verschwindet der Leuchtpunkt wieder!“ Der erste Offizier,
Emilias Pathos, kann sich dieses Phänomen nicht erklären.

Sein Haar ist halblang und braun, er hat eine Größe von zwei
Metern. Er ist sehr muskulös.
Juan steht auf von seinem Kommandosessel und läuft zum
Ortungsgerät.
„Was ist das?“ fragt er sich. „Ist das ein NDI-Schiff? Wenn
ja, wissen die schon, was hier ist. Wir müssen nachschauen!
Schutzschirm und Waffen aktivieren!“
Er wendet sich an seinen Funkoffizier: „Benachrichtige
hundert Schiffe, sie sollen zur Sonne fliegen!“
Die Alarmsirenen heulen. Das Schiff bewegt sich in Richtung
Sonne. Und hundert Schiffe ebenfalls.
Die Sonne ist 140 Millionen Kilometer entfernt. In etwas
mehr als einer Stunde werden die Schiffe die Sonne erreicht
haben. Bei Impulsantrieb.

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Jürgen, Sabine und Terc´lon befinden sich in Jürgens Kabine
und trinken Bier. Sie spielen Karten.
Jürgen hat eine ziemlich große Kabine. Die Kabine ist voller
Pflanzen von den verschiedensten Planeten der Galaxis.
Pflanzen sind Jürgens Hobby. Dies hat er sich auch zum Beruf
gemacht.
Sabine ist nervös. Sie hat Angst.
„Wie könnt ihr in Ruhe spielen, wenn unser Schiff in Gefahr
ist? Ich verstehe euch nicht!“
„Sollen wir jetzt in Panik ausbrechen? Entweder es erwischt
uns, oder es erwischt uns nicht!“ Jürgen hat auch Angst,
aber er betäubt sie mit Alkohol!
„Du bist manchmal unmöglich, Jürgen!“
Jürgen legt seine Karten weg und umarmt sie, gibt ihr einen
Kuß auf die Wange.
„Wir werden es Schaffen, wir werden da rausk...!“
Plötzlich bebt das ganze Schiff. Es ruckt, es zuckt, schreie
sind zu hören. Sabine kann sich gerade noch festhalten, nur
Jürgen kracht mit dem Kopf gegen den Tisch.
„Aua!“ schreit er und stöhnt. Er kämpft mit der
Bewußtlosigkeit.

In Sonnennähe sind drei feindliche Schiffe gesichtet worden,


drei sechshunderter Kugelschiffe.
„Auf den Schirm!“ sagt Captain Ernst Vogel. Dann erscheinen
die drei Schiffe auf dem großen Bildschirm in der
Kommandobrücke. Es ist 9.07 Uhr Bordzeit. In weiter Ferne
sieht man rasch näher kommende Lichtpunkte. Der Captain
denkt nach, seinen Finger an die Nase hebend. Sollte er
vielleicht doch hundert Raumjäger entsenden? Er entscheidet
sich dann aber doch anders.
„Kurs näher zur Sonne!“ befiehlt er.
„Der Reaktor kann dabei überlastet werden, und der
Schutzschirm wird dabei strapaziert!“ meldet sich der
Maschinenraumingeneoer, Hans Alert, besorgt.
„Wir müssen es zumindest versuchen!“ meint der Captain
darauf nur.

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Die Firebird bewegt sich in Richtung Sonne, näher und immer
näher. Die drei feindlichen Schiffe, welche der Firebird am
nächsten sind, kommen immer näher. Sie sind nur noch wenige
Hunderttausende Kilometer entfernt.
Plötzlich feuert das erste Schiff, dann die beiden anderen.
Die Firebird bebt, aber der Schutzschirm saugt die meiste
Energie auf. Die Schiffe feuern wieder und wieder.

„Schutzschirm bei 80%!“ gibt der erste Offizier, Wiliam


Redhourse, zu bedenken.
„Feuer erwidern! Transformkanonen klar!“ befiehlt der
Captain daraufhin. Die Kanonen werden aktiviert. Viele
duzend Kanonen feuern auf die drei Schiffe. In der
Kommandobrücke fliegen die Fetzen. Funken sprühen, Menschen
werden fortgeschleudert. Es gibt Verletzte auf dem ganzen
Schiff. Die Alarmsirenen schrillen.
Und das Schiff, die Firebird, fliegt immer näher in die
Sonne. Die Außenkameras des Schiffes filtern das grelle
Licht der Sonne. Der große Bildschirm in der
Kommandozentrale ist ausgefüllt von grell gelblich weißen
und orangeroten Protuberanzen dieser Sonne. Es wirkt
bedrohlich, beängstigend, und doch wieder schön.

Ein feindliches Schiff explodiert. Es verglüht im


Transformfeuer.

Der Maschinenraumingeneoer meldet sich wieder.


„Der Vanderveld-Reaktor hält die Energiemengen nicht mehr
lange aus! Der Kern droht zu schmelzen!“
„Nur noch ein kleiner Moment!“ sagt der Captain ruhig.
Und wenige Sekunden später explodieren auch die anderen zwei
Schiffe. Die Kanonen werden deaktiviert. Die Borduhr zeigt
9.23 Uhr an. Das Schiff ächzt und kracht, dumpfe Schläge
sind zu hören. Die Besatzung stoppt das Schiff.

Andrea Smith schaut auf den großen Bildschirm. Weitere


Lichtpunkte werden immer größer. Es sind hundertundeins
Lichtpunkte!

„Wird Zeit, daß wir hier verschwinden!“ meint Andrea Smith,


die Kommandantin. „Diese Schiffe überleben wir nicht!“ Sie

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holt aus ihrer Uniform eine Zigarettenschachtel heraus und
zündet sich eine Zigarette an. Sie und der erste Offizier
sind leicht verwundet.
Andrea blutet aus einer Platzwunde am Kopf. Es gibt auch
schwer Verletzte, die zum Teil schwer entstellt sind. Sie
werden entweder von Robots oder Sanitäter in die
verschiedenen Krankenstationen des Schiffes gebracht, wo sie
dann versorgt werden.

Es gibt dort Ärzte, Krankenpfleger und Krankenschwestern.


Sie sind alle Ausgebildet. Etwa vierhundert
Besatzungsmitglieder gehören zum Krankenpflegeteam. Das
Schiff ist also damit gut versorgt.

Fürchterliche Schreie von Verletzten sind zu hören, Blut


fließt auf dem Boden herum.
Der Captain ist besorgt um Schiff und Besatzung.
„Peter, steuern sie uns dort hinaus. Jens, berechnen sie
einen Kurs nach Kyrion! Wir fliegen weiter. Schutzschirm und
Waffensysteme aktiviert lassen!“
Das Berechnen des Kurses mit dem Bordcomputer dauert ein
paar Minuten, dann kommen noch ein paar Minuten für den
Eintritt in den Hyperraum dazu. Das Schiff braucht dazu eine
Maximale Eintrittsgeschwindigkeit von 20.000 bis 30.000
Kilometer in der Sekunde. Das kann noch knapp werden!
Der Captain schaut auf den großen, gigantischen Bildschirm.
Was er dort erblickt, stockt ihm den Atem. Sein Gesicht wird
aschfahl.
„O Gott!“ Die Lichtpunkte verschwinden, und wenige Sekunden
später tauchen die Raumschiffe wieder auf! Ganz nah! Sie
formieren sich zu einem Kreis. Die 101 Schiffe haben eine
Kurztransition hinter sich!

Die Späherschiffe melden Juan Banderas, daß sie ein Schiff


geortet haben. Es ist die Firebird!
„Ha, jetzt krieg ich dich, Vogel! Die Zeit ist reif!“ Er
springt von seinem Sessel auf. „Alles vorbereiten für eine

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Kurztransition! Danach bilden wir eine Kreisformation! Ich
will nicht, daß das Schiff entkommt!“ Juan´s Augen funkeln
böse, purer Haß ist darin zu erkennen.
„Alle Schutzschirme an! Volle Kraft voraus!“ sagt er an die
Brückenbesatzung. An die anderen hundert Schiffe Gewand,
gibt er den Befehl, sofort zu feuern, sobald die Firebird zu
flüchten versucht. Wenig später treten die Schiffe der
reinigenden Flamme in den Hyperraum.

Die Besatzung der Firebird handelt geistesgegenwärtig. Der


Captain gibt Befehle, und die Besatzung führt sie ohne
Widerrede aus.
„Impulsantrieb aktivieren, auf volle Kraft! Feuert auf die
feindlichen Schiffe, wenn sie nahe genug sind. Es sollen
auch ein paar von ihnen draufgehen!“ Der Captain betätigt
die Kommandokonsole.
Das Schiff bewegt sich. Erst langsam, dann immer schneller
werdend. Nach ein paar Sekunden meldet sich Jens.
„Kurs berechnet und eingegeben, Captain!“
„Das ist ja Super! Jetzt müssen wir nur noch hier
herauskommen!“
Der Captain hofft, daß die Besatzung und dieses Schiff die
Situation einigermaßen heil überstehen. Er hat Angst, läßt
es sich aber nicht anmerken. Die gesamte Besatzung hat
Angst, mehr oder weniger.
Juan Banderas Abbild taucht auf dem großen
Intercombildschirm auf. Seine Augen funkeln kalt und böse,
grenzenloser Haß und Sadismus sind auch darin zu erkennen.

„Hier spricht Captain Banderas, Captain der ‚Hellfire‘ und


Anführer des Ritmo-Systems. Übergeben sie uns ihr Schiff,
die Firebird, Captain Ernst Vogel! Endlich habe ich dich,
Vogel! Es gibt kein entkommen!“
„Noch hat uns niemand! Niemals werde ich ihnen mein Schiff
kampflos überlassen! Und schon gar nicht meine Besatzung!“
„Sie werden alle in der Hölle landen! Dafür sorge ich und
meine Schiffe!“

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Der Captain der Firebird unterbricht die Verbindung. Zur
Brückenbesatzung Gewand, sagt er: „Das war sowieso ein
langweiliges Gespräch!“ Er hat keine Lust, weiter zu
diskutieren.
Die Firebird rast auf die feindlichen Schiffe zu. Der Kreis
wird immer enger. Dies passiert um 9.37 Uhr Bordzeit. Die
Schiffe sind nur noch 300.000 Kilometer entfernt. Alle
Schiffe feuern. Die Firebird ebenfalls!

Jürgen Vogel hat eine Beule. Zum Glück blutet er nicht.


Sabine hat ihm einen Waschlappen, gefüllt mit Eiswürfeln aus
dem Automaten, auf seine Beule gelegt. Seine Freundin,
Sabine, meint, er solle doch zur Krankenstation gehen, aber
Jürgen lehnt dies ab. Er stuft andere Dinge als wichtiger
ein.
Terc´lon fehlt nichts. Sie spielen wieder Karten und trinken
echtes Bier. Ein paar Flaschen sind schon leer und kaputt,
aber es sind noch genügend da!
„Sauft nicht so viel! Dein Vater sieht das nicht so gern!“
schimpft Sabine. Jürgen kontert: „Er weis ja nichts davon!
Und außerdem, Terc´lon kann einiges vertragen!“
„Aber du nicht! Hör lieber auf!“
Das nervt Jürgen etwas.
„Quengel doch nicht so! Also gut, dieses Bier noch, dann ist
Schluß!“
„Das Bier ist echt gut!“ meint Terc´lon, der Tiflon. Er
trinkt gern terranisches Bier. Seinem Körper macht dies
nicht viel aus, er kann 20 bis 30 Biere problemlos trinken.
Für Tiflon wirkt Alkohol eher wie ein Energy-Trank, es macht
den Tiflonkörper fit!
Sonst ist Terc´lon ein ruhiger, zurückhaltender
Extraterrestriker. Er ist sehr beliebt an Bord, und hat
viele Freunde.
Das NDI und die Terraner sind Außerirdischen gegenüber
überhaupt nicht feindlich gesinnt, schon gar nicht hier auf
dem Schiff. Der erste Grundartikel in der Verfassung des NDI
lautet: „Die Würde des Lebens jeglicher Form ist

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Unantastbar.“
Aber es gibt auf Terra und den anderen Planeten des NDI
rechtsextreme Gruppen, die Außerirdische Verfolgen und
Umbringen!
Es gibt immer mehr rechtsextreme Gruppen, die an Anschlägen
beteiligt sind!
Die schlimmste, größte und mächtigste rechtsextreme Gruppe
ist die reinigende Flamme. Das Ziel der reinigenden Flamme
ist ein terranisches Reich, in dem die Menschen herrschen,
und Außerirdische nur Sklaven sind. Ernst Bächle, der
Anführer dieser Organisation, hatte einmal gesagt: „Die
ganze außerirdische Brut kann man nicht vernichten, aber man
kann sie beherrschen! Wir werden schon den Großteil der
außerirdischen Bevölkerung ausrotten, und wer sich uns
widersetzt, wird ebenfalls vernichtet!“ Das hat er vor
einigen Jahren einmal gesagt.
Jetzt kämpft die reinigende Flamme um die Machtübernahme in
der Galaxis.
Die Politiker des NDI und der Gal-VöB (Galaktischer
Völkerbund) nehmen die reinigende Flamme am Anfang nicht
ernst. Es wurde nicht viel unternommen.
Bis auf den Präsidenten des NDI, der alle vier Jahre
demokratisch, vom Volk, neu gewählt wird, ein Attentat
verübt wurde. Dabei kamen 467 Menschen und Außerirdische ums
Leben, und 2589 wurden zum Teil schwer Verletzt und
verstümmelt. Eine Bombe ging im Galaktischen Bundestag in
Sternstadt, der Hauptstadt des NDI, hoch.

Der Präsident hatte Brandwunden an der Brust und am Arm.


Sein Arm war so schwer verbrannt, daß er amputiert werden
mußte. Er überlebte den schweren Anschlag. Dies passierte am
23. Mai 3076. Seit dieser Zeit wurde die reinigende Flamme
viel intensiver bekämpft, aber bisher mehr oder weniger
erfolglos!
Der Präsident, Niels Bökels, übte seinen Beruf weiter aus,
(Auch noch Heute, 3083) mit nur noch einem Arm. Er
verzichtete auf eine Prothese.

Terc´lon trinkt sein Bier aus und steht auf. „Ich muß jetzt
so langsam gehen. Ich will noch etwas lernen!“
„Ach komm, was willst du jetzt lernen!? Das kannst du doch

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auch ein anderes mal machen! Bleib´ doch noch ein bißchen!
Unser Schiff ist sowieso im Einsatz!“
„Nein, ich möchte nicht.“
„Also gut!“ sagt Jürgen und gibt Terc´lon die Hand, um sich
von ihm zu verabschieden.
„Dann lern mal schön! Und stell nichts an. Nochmals Danke,
daß du...!“
Weiter kommt er nicht. Wieder gibt es einen Ruck durch das
Raumschiff, heftiger als je zuvor. Explosionen sind zu
hören. Sie hören Schreie im Gang.
Die Drei werden durch die Kabine gewirbelt. Sabine und
Jürgen schreien aus Panik. Sie sind beide Verletzt und
können sich nicht bewegen. Dann explodiert der Automat.
Splitter fliegen durch die Luft, und treffen sie am Arm und
am Kopf.
Sie bluten. Auch Terc´lon ist leicht verletzt. Er handelt
geistesgegenwärtig. Die Kabine brennt.
Terc´lon steht auf, packt die beiden Verletzten, und rennt
aus der brennenden Kabine. Er läuft den Gang entlang, in
Richtung Krankenstation.
Tiflons sind hervorragende Läufer. Sie können eine
Geschwindigkeit von bis zu 85 Stundenkilometern erreichen!

Er rannte durch das Schiff. Überall brennt es, teilweise


tropft von der Decke flüssiges Metall herab, beißender Rauch
brennt in der Lunge. Schreie sind zu hören, Menschen rennen
durch die Gänge, es gibt Verletzte und auch tote.
Löschrobots und Sanitäter rennen durch das Schiff. Terc´lon
versucht, niemand zu überrennen. Es gelingt ihm. Sabine und
Jürgen stöhnen vor Schmerzen. Wahrscheinlich haben sie
einige Knochenbrüche.
Im Abstand von hundert Metern schloß sich ein
Sicherheitsschott. Es ist noch halb offen. Terc´lon rennt
mit Höchstgeschwindigkeit, und erreicht das Schott in etwa
4,2 Sekunden, und schlüpft hindurch. Jetzt ist die
Krankenstation nicht mehr weit, keine zweihundert Meter.
Die Explosionen lassen nach. Das Schiff beruhigt sich für
einige Sekunden.

*
17
„Schutzschirm auf 40%!“ sagt Andrea Smith, die Kommandantin,
besorgt. „Es gibt risse im Schutzschirm!“ Sie schreit fast.
„Wir können nicht mehr lange standhalten!“
Es kracht in der Kommandozentrale, Kabel hängen von der
Decke. Die meisten haben sich festgeschnallt. Die anderen
sind fast alle verletzt. Rotlicht flackert auf der Brücke
und in einem Teil des Schiffes. Es sieht gespenstisch aus.

„Eintritt in den Hyperraum in fünf Minuten!“ meldet sich die


monoton metallische Stimme des Bordcomputers.
„Soviel Zeit brauchen wir also noch! Hoffentlich überleben
wir das!“ meint der Captain.
„Schutzschirm bei 10%! Nicht mehr lange, und es ist aus mit
uns!“ schreit die Kommandantin. Sie ist voller Panik und muß
sich beherrschen.

Dann fliegt die Firebird durch eine Lücke der feindlichen


Formation. Der Schutzschirm konnte sich für ein paar
Sekunden erholen und Aufladen, mit 2% pro Sekunde. Es wurde
ruhiger. Der Feind braucht ein paar Sekunden, um die
Verfolgung aufzunehmen. Die reinigende Flamme verliert in
diesem Kampf vier weitere Schiffe.
Nun melden sich die Sonden zurück, welche die Firebird
ausgesandt hatte. Es ist 9.45 Uhr Bordzeit.

Die Sonden sind voller Informationen über die Aktionen der


reinigenden Flamme. Die Nachrichten werden in
verschlüsselter Botschaft per Hyperfunk nach Kyrion
gesendet. Die Botschaft wird Kyrion in wenigen Stunden
erreicht haben.

„Eintritt in den Hyperraum in dreieinhalb Minuten!“ meldet


die monotone Stimme des Computers.
Die feindlichen Schiffe haben die Verfolgung aufgenommen.
Sie schießen Transformtorpedos ab. Der Schutzschirm hat sich
auf 60% erholt.
„Peter, Ausweichkurs einleiten!“ sagt der Captain zu Peter
Störrer, dem Steuermann, überraschend ruhig.
Das Schiff zog stark nach oben, in einem Zickzackkurs. Aber
es Hilft nicht viel. Die Firebird wird von einigen Torpedos
getroffen. Es bricht wieder die Hölle aus im Schiff,

18
verursacht durch Struckturlücken im Schutzschirm der
Firebird.
Kabelstränge hängen von der Decke, in verschiedenen Teilen
des Schiffes, und sprühen Funken.
Es gibt weitere, heftige Erschütterungen. Menschen schreien
vor Angst und Schmerzen. Die Zahl der Toten steigt auf 18,
die Zahl der Verletzten auf 336 Besatzungsmitglieder!

„Noch eine Minute bis zum Eintritt in den Hyperraum!“ meldet


der Computer.
Die Schiffe der reinigenden Flamme feuern schon wieder
duzende von Transformtorpedos ab, auf die Firebird zu.

In unmittelbarer Nähe des Schiffes zog ein großer Meteor


seine Bahn. Ein geringer Hoffnungsschimmer! Die Firebird
steuert darauf zu.
Die Brückencrew hat Angst. Alle haben Angst. Sie bangen um
ihr Leben!
Den nächsten Treffer würden sie nicht überleben! Der Tod war
nur noch ein paar wenige Sekunden entfernt!
Die Torpedos kommen unerbittlich näher, immer näher, sie
folgen dem Schiff, welches auf den Meteor zurast.
Im letzten Augenblick vor dem Aufprall wendet das Schiff,
und dreht ab.
Die Torpedos detonieren auf dem Meteor. Es entsteht ein
großer Feuerball, gleißend hell, und dieser verblaßt nach
wenigen Sekunden wieder.
Die Druckwelle erreicht die Firebird und durchschüttelt das
Schiff erneut.
Zwei Sekunden später tritt das Schiff in den rettenden
Hyperraum!

3. KAPITEL: Vater und Sohn

Das Schiff ist im Hyperraum. Die Menschen in der

19
Kommandobrücke bewegen sich einige Sekunden lang kaum, sie
sind zu erschöpft, vom Kampf und vom Entzerrungsschmerz. Die
Stimmung ist verhalten, keine Freudenschreie, aber es ist
lockerer. Den Menschen machte die Anspannung zu schaffen.

Nur Andrea jubelte, sie schnallt sich los, und umarmt Peter
Störrer.
„Du hast uns gerettet! Juchu! Wir leben noch!“ jubelt sie.
„Das war nicht nur ich, das war die gesamte Besatzung!“
winkt Peter ab. Er ist ein kleiner, hagerer Mann mit
braunen, normalen Haaren. Er ist 45 Jahre alt.

„Schadensbericht!“ fordert der Captain, an den Bordcomputer


gewandt.
„Das Schiff ist mittelschwer beschädigt, es gibt Brände im
Schiff, der Hyperraumantrieb ist auch beschädigt. Wir können
nicht lange im Hyperraum bleiben, sonst explodieren wir!“
Sofort wandte sich der Captain an den
Maschinenraumingeneoer. Er sagt ihm: „Versucht, den
Hyperraumantrieb so lange wie möglich zu erhalten!“
„Okay!“ Der Maschinenraumingeneoer salutierte kurz, dann
erlosch der Bildschirm.
Auf die Kommandobrücke kommen jetzt Sanitäter und Robots und
versorgen die Verletzten. Sie haben mit Atombatterien
betriebene Schwebesänften, mit denen sie transportiert
werden, zu den verschiedenen Krankenstationen, die es auf
dem Schiff gibt.

„Wie hoch liegt die Zahl der toten und Verletzten, Janine
Mulgrew?“ fragt der Captain die Krankenstationschefärztin
über Intercomverbindung.
„Die Lage sieht sehr schlimm aus!“ meldet sich Janine, eine
knapp sechzigjährige Frau.
„Die fünf Krankenstationen sind überfüllt, es gibt 34 tote,
und 636 Verletzte!“
„Gut. Um die Toten kümmere ich mich, wenn wir den Hyperraum
verlassen haben. Ich werde eine Trauerfeier halten.
Ach, übrigens, wissen sie, was mit meinem Sohn ist?“
„Nicht viel. Ich weis nur, das er in einer Krankenstation
liegt. Welche das ist, weis ich nicht. Aber ich glaube, es
geht ihm den Umständen entsprechend gut!“

20
„Vielen Dank! Ende!“ Der Intercombildschirm an seiner
Kommandokonsole erlosch. Der Captain schnallt sich ab, und
verläßt die Brücke.

Jürgen Vogel erwacht aus seiner Bewußtlosigkeit. „Wo bin


ich?“ Er schaut sich um.
Überall sind Betten und medizinische Geräte. Es riecht
steril. Jetzt weis er, wo er ist. Er befindet sich auf
irgend einer Krankenstation auf der Firebird.

Er hat schmerzen an Arm, Bein und Kopf, auch seine Brust


schmerzt etwas.
Ein Arzt kommt. Ein kleinwüchsiger, dicker, grauhaariger
Mann mit grauen Augen. Aber er konnte noch nicht sehr alt
sein, das verriet sein Gesicht.
‚Er ist noch keine 50!‘ denkt Jürgen.
„Hallo, wie geht es ihnen, Herr Vogel!?“ fragt ihn der Arzt.
Jürgen antwortet ihm.
„Ich habe überall Schmerzen, im linken Bein, am rechten Arm,
an der Brust und am Kopf!“
„Ich werde ihnen ein Schmerzmittel geben. Das linke Bein,
der rechte Arm und eine Rippe ist gebrochen. Und am Kopf
haben sie eine Platzwunde! Es ist nicht so schlimm, sie
werden es überleben! Ich habe ihnen ein Knochenaufbau- und
Wundheilmittel gegeben. In 24 Stunden werden die Wunden
verheilt sein. Sie müssen dann wieder laufen lernen. Sie und
ihre Freundin werden ein, zwei Wochen Krank sein!“

„Was ist mit Sabine?“ fragt Jürgen besorgt. „Wie geht es


ihr?“
„Ihr geht es besser wie ihnen! Sie hat kein Bein gebrochen,
aber dafür den rechten Arm und eine Rippe. Außerdem hat sie
offene Wunden an den Armen und am Kopf!“

Der Arzt holt ein Gerät, das aussieht wie ein Phaser. Er
drückt dieses Gerät an Jürgens Hals. Mit Hochdruck wird ein
Mittel in seinen Körper injiziert.

21
„Das ist noch ein weiteres Aufbaumittel!“ sagt der Arzt
beiläufig.

„Wer hat uns hier her gebracht?“ fragt Jürgen erneut.


„Es war euer Freund Terc´lon. Er wird von uns ebenfalls
behandelt, wird die Krankenstation bald wieder verlassen
können!“
Jürgen hat eine Nadel im rechten Arm. Von dort fließt das
Knochen- und Wundaufbaumittel, welches an einem Ständer
neben seinem Bett hängt, in seinen Körper.

In weiter Ferne sieht er jemand kommen. Es ist sein Vater,


der Captain. Die grauen Augen funkeln. Er winkt Jürgen zu.
Jetzt erkennt er seinen Vater ebenfalls.
„Hallo Papa, was führt dich hier her?“
„Hallo Sohnemann! Ich wollte nur einmal nach dir sehen. Wie
geht es dir? Ich bin froh, dich lebend zu sehen!“
„Mir geht es den Umständen entsprechend gut! Sabine liegt
auch hier, in dieser Station. Ich habe sie noch nicht
gesehen! Sie hat ähnliche Verletzungen wie ich, nur nicht so
schlimm, meint der Arzt!“
„Na, ja, du wirst das Überleben!“ Das sagte schon der zweite
an diesem Tag! Aber Jürgen sah darüber hinweg.
„Terc´lon hat uns gerettet!“ sagt er bloß. Sein Vater
erwidert darauf: „Ich habe ihn schon gesehen. Er hat ein
paar Schürfwunden und Verbrennungen. Er wird die
Krankenstation bald wieder verlassen! Er wollte Aufstehen
und nach euch sehen, die Ärzte und das Pflegeteam ließen ihn
aber nicht gehen!“
„Terc´lon ist mein bester Freund!“ sagt Jürgen. „Wenn er
nicht wäre, wären wir jetzt tot!“ gab Jürgen zu bedenken,
und das nicht ohne Emotionen. Er schätzt die Aktion von Terc
´lon sehr.
Weiter sagt er: „Und das Schiff existiert noch, wir sind
noch nicht in einzelne Atome verwandelt worden!“
„Ich bin auch froh! Das Schiff hat einige Schäden davon
getragen. In manchen Sektionen des Schiffes brennt es noch!
Es gibt viele Verletzte...!“
Plötzlich summt dem Captain sein Mini-Intercom an seiner
Uniform. Eine nervöse, hohe Männerstimme meldet sich.
„Hier der Maschinenraum! Die Vanderveld-Reaktoren halten

22
nicht mehr lange! Wir müssen sofort aus dem Hyperraum
austreten, sonst kommt es zur Kernschmelzung!“
„Okay! Ich werde das berücksichtigen! Ende!“
Dann verlangt der Captain die Brücke. „Wir treten aus dem
Hyperraum aus! Sofort! Wir stehen kurz vor einer
Kernschmelzung!
Wir werden den nächstbesten Planeten ansteuern und dort
landen. Dort werden wir genügend Zeit verbringen für die
Reparatur des Hyperraumantriebs! Ende!“

4. KAPITEL: Wut, Trauer, und ein Planet!

Juan Banderas, der Anführer des Ritmo-Systems, ist außer


sich vor Wut. In seiner Wut schießt er zwei seiner
Besatzungsmitglieder mit einer Phaserpistole nieder. Er
flucht und tobt wie ein wahnsinniger herum. Nach ein paar
Minuten hat er sich wieder beruhigt und setzt sich in seinen
Kommandosessel.
„Das gibt es nicht! Wir lassen die Firebird entkommen!“
schimpft er leise vor sich her.
„Gibt es denn hier nur Idioten!?“ sagt er nun etwas lauter.

Die restliche Besatzung der Kommandobrücke traut sich kein


Wort zu sagen. Sie haben alle Angst vor Juan´s
Wutausbrüchen!
„Ich bin umgeben von Taugenichtse!“ zischt er. Etwas ruhiger
sagt er dann: „Ich will die Firebird haben! Um jeden Preis!“

Jetzt wendet er sich an seinen Funker, Jörg Preiselberg:


„Funke an hundert Schiffe, sie sollen die Suche aufnehmen.
Die Firebird wird nicht weit kommen! Sie ist bestimmt
beschädigt! Ich glaube, der Hyperraumantrieb ist defekt! Sie
werden bestimmt im Umkreis von 2- bis 300 Lichtjahren
Notlanden müssen, um das Triebwerk zu reparieren. Sucht
alles in diesem Umkreis gründlich ab! Meldet euch, wenn ihr

23
was gefunden habt!“

Die Firebird ist wieder seit mehreren Stunden im


Einsteinschen Universum, im Normalraum.
Der Schiffspfarrer und der Captain führten eine Trauerfeier
für die 34 Toten, welche bei dem Kampf ums Leben kamen,
durch. Sie fand in der Schiffseigenen Trauerhalle statt.

Die Trauerhalle hat ganz vorne mehrere Löcher, durch die am


Ende der Trauerfeier die Sargkapseln in den Weltraum
geschossen werden. Sie haben kleine Triebwerke, welche die
Kapseln zur nächsten Sonne bringen, wo sie dann verglühen
werden.
An der Trauerfeier nahmen viele Besatzungsmitglieder Teil,
Freunde der Verstorbenen, aber auch solche, welche die Toten
nicht kannten.

Es herrscht eine betrübte Stimmung. Alle beteiligten


Besatzungsmitglieder haben ihre schwarze Uniform an.

Andrea Smith war den Tränen nahe. Sie hat ihren lieben
Freund Wiliam Johnson verloren. Er arbeitete auch auf dem
Schiff, im Maschinenraum. Er starb an seinen schweren
Verbrennungen.
Andrea hat es erst später erfahren. Sie stand jetzt kurz vor
einem Nervenzusammenbruch.
Nach der Trauerfeier ging Ernst Vogel, der Captain, zu ihr
und sprach ein paar tröstende Worte. Dann gab er ihr noch
bis auf weiteres Dienstfrei. Anschließend sagte er: „Andrea,
ich würde an deiner stelle einen Psychologen aufsuchen! Dies
ist ein gutgemeinter Rat! Oder besser, ich befehle es dir!
Lass den Kopf nicht hängen!“ Er benützte einen ruhigen,
freundlichen Ton.
„Okay, ich werde es tun!“ versprach sie in weinerlichem Ton.
Der Captain verabschiedet sich und bewegt sich in Richtung
Messe (So wird die Kantine auch genannt). Es gibt auf jedem

24
Deck eine Messe, in der man etwas essen kann.

Das Schiff befindet sich in einer Umlaufbahn um den 4.


Planeten einer unbekannten, gelben Sonne, die etwas größer
ist als die terranische Sonne.
Der 3. Planet dieses Systems ist von einer intelligenten
Zivilisation bevölkert, einer Rasse, die schon die
interplanetare Raumfahrt beherrscht, aber noch keinen
Hyperraumantrieb besitzen. Dieses Volk hat also dieses
Sonnensystem noch nicht verlassen.
Näheres über diese Rasse ist nicht bekannt, nur, die
Besatzung bekam durch Nachforschung heraus, daß der 4.
Planet ebenfalls bevölkert ist. Deshalb wurde die Firebird
vier Sekunden in die Vergangenheit versetzt, das ist eine
Tarnvorrichtung, um unerkannt zu bleiben.
Diese Tarnvorrichtung funktioniert nicht immer, aber bei
technisch unterentwickelten Zivilisationen klappte es fast
immer.
Die Technik dieses Volkes entspricht etwa der Entwicklung
der Erde, ende des 21. Jahrhunderts.
Die Firebird hat einige Sonden zu dem 4. Planeten geschickt,
um zu forschen, ob die Luft für Menschen atembar ist, und
noch einiges mehr. Wenn die Ergebnisse vorliegen, und diese
positiv sind, kann die Firebird landen.

Es ist 20.30 Uhr Bordzeit, am 28. August. Die Firebird


schwebt im Orbit um den 4. Planeten im Abstand von 280
Kilometer von der Planetenoberfläche. Der Captain und alle
anderen Besatzungsmitglieder sind angeschnallt. Sie bereiten
sich vor zur Landung auf dem Planeten.
Die Landung mit einem Schiff dieser Größe ist eigentlich
nicht üblich, daher müssen Vorsichtsmaßnahmen eingehalten
werden. Es kann auch gefährlich werden, mit einem Schiff
dieser Größenordnung zu Landen. Normalerweise landen solche
Schiffe nur in sogenannten Weltraumbahnhöfen, dies sind

25
gigantische Raumstationen im Orbit eines Kolonialplaneten.

Der Captain hatte noch keine einzige solcher Landung mit


einem Schiff dieser Größe hinter sich gebracht. Nur im
Holovirtuellen Simulator hat er einige male geübt!

Die Ergebnisse der Sonden liefern positive Bilder: Der


Planet hat alle Voraussetzungen für einen längeren
Aufenthalt von Menschen. Er hat eine Sauerstoffatmosphäre,
Wasser, und es gibt Leben in verschiedenster Form.

Es gibt auf diesem Planeten Wälder, Tundren, Teigas und


riesige Eis- und Schneewüsten. Es ist ein sehr kalter
Planet, und er steht gerade in seiner langen Winterperiode.

Eigentlich hat er eine Durchschnittlich Temperatur von +8°


Celsius, aber in der Winterphase sind die Temperaturen weit
unter dem Gefrierpunkt.
„Eintritt in die Atmosphäre in etwa vier Minuten!“ meldet
sich Peter Störrer, der Steuermann.
„Gut. Aktiviert den Schutzschirm! Und paßt auf, daß ihr den
richtigen Eintrittswinkel in die Atmosphäre erwischt!“
erwidert der Captain. Die Reibung, die beim Eintritt in eine
Sauerstoffatmosphäre entsteht, wird vom Schutzschirm
absolviert. Es kann also keine Hitze entstehen.
Der Captain wirkt von außen sehr gelassen, aber Innerlich
brodelt es in ihm.
Vier Minuten später tritt das Schiff in die Atmosphäre ein.
Das Schiff vibriert leicht, aber es gibt keine größeren
Probleme.

Minuten später landet das große Schiff auf einer weiten,


schneebedeckten Ebene, auf der sich schneebedeckte Büsche
und ein paar Nadelbäume befinden.

26
5. KAPITEL: Schneesturm

Zur gleichen Zeit im Kyrion-System, erreichen die


Hyperfunkantennen in den Stationen um Kyrion und auf Kyrion
selbst, die verschlüsselte Botschaft von der Firebird.

Minuten später bekommt Sven Anderson, der Admiral, einen


Chip, in dem die Botschaft steckt. Den Chip muß er noch in
einen Computer stecken. Auch der Ministerpräsident von
Kyrion, James Vlanden, erhält so eine Nachricht.

Sven Anderson befindet sich gerade in seinem Büro im


Weltraumbahnhof Kyrion-1, einer riesigen Weltraumstation, in
der sich bis zu Zweitausend große und kleine Schiffe,
Kriegsschiffe, befinden.
Sven Anderson ist ein kleinwüchsiger, schlaksiger Mann mit
blonden, mittellangen Haaren, und er hat eine Brille auf der
Nase, durch die intelligente, himmelblaue Augen
hindurchschauen. Er ist 72 Jahre alt, und seine Vorfahren
stammen aus dem alten Schweden. Allerdings wurde er dort
nicht geboren, sondern auf einer der Tausenden
Kolonialwelten des NDI.
Sein Büro, in dem er auch gleichzeitig schlafen konnte, weil
ein Bett darin steht, ist sehr groß und geräumig.
Dort sitzt er an seinem Intercom-Computer und gibt
Anweisungen. Er befiehlt, mit Tausend Schiffen zum Ritmo-
System zu fliegen, um das Rebellennest zu zerstören.
Weiteren 20.000 Schiffen, die verstreut im East-Side sind,
sich aber immer noch in unmittelbarer Nähe befinden,
befiehlt er, das Arbor- , Merna- und Laurupp-System
Anzufliegen. Dort sollen sie die Flotten- und
Millitäreinrichtungen zerstören.
Dann richtet er sich an den Captain der ‚Eternal Flames‘:
„Captain Tanner, sie warten noch! Ich komme in ihr Schiff,
dann fliegen wir zusammen zum Ritmo-System!“
„Aje, aje, Sir!“ sagte er, und salutierte.
Der Bildschirm erlischt, Sven Anderson zog seine spezielle
Uniform an, die mit Orden und Abzeichen bestückt ist, und
verläßt den Raum.

27
*

Die Firebird befindet sich auf dem Boden des Planeten.


Kräftige und stabile Teleskopstützen halten das Schiff. Sie
reichen tief in den Schnee hinein.
Der Captain schickt drei Gleiter los für die Suche nach
Millium, ein seltenes Metall, welches man braucht für die
Reparatur des Hyperraumgenerators. Die Sonden hatten vorher
erste Anzeichen dieses Metalls gefunden, nur weis man nicht
genau, wo.
Zwei Besatzungsmitglieder pro Gleiter sollen mitfliegen.
In einem dieser Gleiter fliegen drei Personen mit: Andree
Riot und Peer Clemens, zwei Raumkadetten, und noch Jörg
Ratzler, ein Kosmo-Geologe.
Die Gleiter sind mit einem Suchgerät und anderen Maschinen
und Geräten ausgestattet. Sie haben auch einen kleinen
Lagerraum, in dem sich Lebensmittel und noch andere
Gegenstände befinden.

Um 21.30 Uhr Bordzeit starteten die Gleiter, vier Sekunden


in die Vergangenheit versetzt. Im Gleiterinneren kann man
alles in Echtzeit sehen.
Sie sehen fremdartige Tiere, als sie die Ebene entlang
fliegen. Ein Tier, das einer Kuh ähnlich ist, flieht vor
einem Bärähnlichem Tier, das sechs Beine und riesige Zähne
hat. Das Tier ist mindestens 3,20 Meter groß, und sehr
schnell. Nach wenigen Sekunden hat der Bär die Kuh, die
übergroße Hörner besitzt, eingeholt, und zerfleischt sie.

„Andree, flieg mal näher ran, daß man mehr erkennt! Das ist
ja Super!“ sagt Peer Clemens in begeistertem Tonfall.

„Nein, Peer, wir sind nicht zum Vergnügen da! Unsere


Situation ist kritisch!“ erwidert darauf Andree Riot ernst.

Peer Clemens ist ein sehr junger ‚Mann‘, beinahe noch ein
Kind. Er ist erst wenige Tage über 18 Jahre alt. Am 23.
August wurde er einberufen, auf der Firebird zu dienen.
Er hat langes, schwarzes Haar und grüne Augen. Man sieht es

28
ihm noch nicht an, daß er schon volljährig ist, denn sein
Körper sieht noch sehr kindlich aus.
Sein Berufswunsch ist, einmal Captain eines Schiffes zu
werden, wie viele junge Menschen des 31. Jahrhunderts. Er
hat schon eine Pilotengrundausbildung hinter sich,
theoretisch. Praktisch hat er noch kaum Ahnung.
Er hatte Raumjäger im Holovirtuellen Flugsimulator geflogen.
Vielleicht ein, zwei mal einen echten Raumjäger geflogen,
und dazu noch miserabel, wie ein Anfänger eben, das war
schon alles.
Er wurde am 19. August 3065 in New Portland, einer Großstadt
auf dem Kolonialplaneten Kyrion, geboren. Mit 14 Jahren
hatte er vier Jahre lang die Gal-ab-Raumfahrtakademie
besucht, die sich in Camelot City, der Hauptstadt von
Kyrion, befindet.

„Sei doch nicht so! So etwas sieht man nicht so oft!“ mault
Peer den Piloten, Andree Riot, an.
„Nein!“ sagt Andree entschlossen. „Wir haben wichtigeres zu
tun! Wir stehen unter Zeitdruck. Zu jeder Zeit kann die
reinigende Flamme Auftauchen, und wir sind immer noch hier!“

Andree Riot ist älter und erfahrener. Er hat braunes


Stoppelhaar, ist nur 1,70 Meter groß, hat dafür einen
kräftigen, stabilen Körper. Seine Augen sind himmelblau.
Seine Gesichtszüge wirken etwas hart, es ist aber trotzdem
etwas freundliches, verständnisvolles darin zu erkennen. Er
ist 26 Jahre alt, und hat auch eine Pilotenausbildung hinter
sich. Außerdem besitzt er den Pilotenschein für
Kleinraumschiffe, ist aber Marineinfanterist.

Er wurde auf der Erde geboren, in New York, in der Heute,


3083, etwa 270 Millionen Menschen leben! Auf der gesamten
Erde leben im zuende gehenden 31. Jahrhundert bis zu 24
Milliarden Menschen!

„Na schön, dann halt nicht!“ schmollt Peer. Jörg Ratzler


juckt dies alles nicht. Er ist ein sehr ruhiger,
ausgeglichener Mensch. Er ist ein 43-jähriger, normal
großer, schlanker Mann mit halblangen, leicht gewellten,
hellbraunen Haaren. Seine bernsteinfarbenen Augen schauen

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durch eine Brille mit rechteckigen Gläsern.
Die Drei überfliegen immer noch die große, schneebedeckte
Ebene, auf der sich vereinzelt Bäume und Büsche befinden.
Diese sind ebenfalls mit Schnee bedeckt.
Es ist kalt draußen, das Thermometer zeigt –28° Celsius an.
Verschiedene Tiere unterschiedliche Gattung, sogar
Mamutähnliche Tiere sind zu sehen, in der Luft fliegen
komische Vögel. In der Ferne ist ein großer, vereister Fluß
zu sehen.
Dann überfliegen sie eine Siedlung von eingeborenen
Extraterrestrikern. Sie sehen aus wie zottelige, aufwärts
gehende Affen. Das kleine Dorf besteht aus ein paar duzend
rundlichen Hütten. Diese Hütten sind mal größer, mal
kleiner. Die Gleiterbesatzung kann nicht genau erkennen, aus
welchem Material diese Hütten bestanden.
„Wahrscheinlich bestehen diese Hütten aus Tierfellen!“
spekuliert Peer, dem es immer noch zu ärgern schien, daß der
Gleiter nicht näher heran kommen konnte. Sekunden später
fliegen sie über das Dorf hinweg.
Das Land wird nun hügeliger. Vereinzelt sind verstreut
liegende Felsen zu sehen. Der Baum- und Buschbewuchs wird
dichter.
Jetzt sehen sie am Himmel immer mehr Wolken aufziehen,
Schneewolken. Sekunden später befinden sie sich mitten in
einem Schneesturm. Der Gleiter rüttelt und schüttelt sich,
so stark, daß Sie es mit der Angst zu tun bekommen.

Jetzt meldet sich Jörg Ratzler zu Wort: „Ich würde


vorschlagen, daß wir hier landen und den Sturm auf dem Boden
abwarten, danach können wir immer noch weiter fliegen!“

Andree Riot scheint nicht einverstanden zu sein. Er brummt


vor sich hin.

„Glauben sie mir, es ist besser so!“ sagt Jörg Ratzler mit
Nachdruck. „Bevor etwas passiert. Denn dann ist das Geschrei
groß!“
Jörg Ratzler und die anderen Zwei wurden kräftig
durchgeschüttelt.
„Also gut! Landen wir!“ brummt Riot.
„Achtung...! Da sind Felsen!“ schreit Clemens. Es sind zwei

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große Felsen, dicht beieinander stehend. Blitzschnell
handelt Riot und weicht aus. Ein Flügel streift den einen
Felsen und bricht ab.
Der Gleiter wirbelt herum, dreht sich, fängt am Rand, dort
wo der Flügel abbrach, an zu brennen. Andree versucht, die
Maschine gerade zu halten, es gelingt ihm aber nicht ganz.

Peer schreit aus Angst, Panik übermannt ihn.


„Halt die Klappe!“ sagt Riot, weil ihm sein Geschrei nervt.
Er muß sich konzentrieren.
Er bewundert Jörg Ratzler. Ihn schien dies alles ungerührt
zu lassen, er strahlt eine ungeheure Gelassenheit aus.

„Scheiße, scheiße...! Wir werden sterben!“ jammert Peer


Clemens.
„Halt doch die Klappe! Noch sind wir am leben! Wir werden
auch am leben bleiben!“ weist Andree Peer zurecht.

Der Gleiter schlingert und dreht sich wie wild. Dann bekommt
ihn Andree in den Griff. Sie kommen dem Boden im flachen
Winkel immer näher. Riot versucht, so vielen Bäumen wie
möglich auszuweichen, aber es gelingt ihm nicht so recht.
Sie streifen ein paar Bäume, und werden wieder
durchgeschüttelt.
Dann erreichen sie den Boden, und schlittern noch ein paar
hundert Meter weit durch den Schnee. Sekunden später bleibt
der Gleiter stehen.

6. KAPITEL: gottverlassene Gegend

Sie leben. Sie haben zwar schrammen und blaue Flecken, sonst
ist ihnen weiter nichts zugestoßen. Die Drei packen schnell
ihre Notpakete zusammen und verlassen den Gleiter. Sekunden
später explodiert er.
Andree Riot, Peer Clemens und Jörg Ratzler schmeißen sich

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blitzartig in den Schnee. Ihnen passiert nichts, auch hat
niemand Knochenbrüche.
Peer jammert und flucht.
Die anderen lassen ihn.
Sie packen ihre Notpackete aus. In ihnen enthalten sind: Ein
selbstaufblasbares Zelt, Medikoffer, Nährstoffwürfel (diese
verbindet man mit Wasser), miniatombetriebener Kocher,
Kompaß, Minifunkgerät und noch eine Pistole mit
Leuchtkugeln. Zum Glück haben sie ihre Schutzanzüge an,
diese verhinderten das Schlimmste.

Nun sind sie hier, in dieser gottverlassenen Gegend, auf


einem gottverlassenen Planeten und sind auf sich alleine
gestellt. Unter wilden Eingeborenen und wilden Tieren,
welche sie, so hoffen sie, nicht antreffen werden.

Als sie merken, daß das Funkgerät nicht funktioniert,


wollten sie fast aufgeben, legen sich aber schlafen, so
entscheiden sie sich nach langer Diskussion. Die Uhr zeigt
1.25 Uhr an, am 29. August. Einer hält Wache, Jörg Ratzler.

29. August, 6.30 Uhr Bordzeit. Jürgen Vogel erwacht nach


kurzem, unruhigem Schlaf in der Krankenstation der Firebird.
Er war sich zuerst nicht bewußt, wo er sich befand, er
brauchte ein paar Augenblicke, dann erinnert er sich.

Es kommt ein Medi-Robot herein und fummelt an ihm herum.


Dabei geht die Maschine nicht gerade Vorsichtig mit ihm um.
„Autsch, ahhh...! Lass das, du blöde Maschine!“ ruft Jürgen
in leisem, unterdrückten Ton.
„Ich bin keine blöde Maschine, ich kann denken!“ erwidert
der Robot mit schnarrender, monotoner Maschinenstimme. Er
sieht aus wie die ersten Robots des 21. Jahrhunderts, ist
aber viel weiterentwickelter als die damaligen Modelle. Sein
Gehirn ist halb possitronisch, halb biologisch.

32
Das Gehirn eines Robots wird gezüchtet von ein paar
Gehirnzellen eines frisch verstorbenen Menschen, wenn dieser
zu seiner Lebenszeit damit Einverstanden ist.
Der Rest ist possitronisch, das heißt, er besteht aus vielen
Tausend elektronischen Einzelbauteilen und einigen
Computerchips.
Dieses Modell, welches Jürgen behandelt, ist ein etwas
älteres, diese Reihe wurde im 28. Jahrhundert gebaut. Ein
viertel dieser Baureihe wird Heute noch eingesetzt (31.
Jahrhundert).
Der Robot fummelt weiter an Jürgen herum.
„Aber Gefühl habt ihr nicht?“ sagt Jürgen in
schmerzunterdrücktem Ton.
„Ich kenne das Wort ‚Gefühl‘ nicht. Es ist nicht
gespeichert!“ erwidert darauf der Robot.
„Das glaube ich dir gleich!“ flüstert Jürgen leise vor sich
hin.
„Was haben sie gesagt, Herr Vogel?“
„Nichts!“
Dann ändert der Robot das Thema und kommt zur Sache.
„Die Wunden sehen gut aus, sind fast verheilt. Was ihnen weh
tut, sind die Knochen! Sie müssen noch ein paar Stunden
bleiben, Herr Vogel. Ich werde ihnen eine Injektion geben!“
Sofort packt ihn die Maschine unsanft an, holt eine
Injektionspistole aus seinem metallenem Robotkörper und gibt
Jürgen eine Injektion in den Hals. Jürgen brummt fluchend
vor sich hin. Dann fällt ihm etwas ein.

„Ach, übrigens, wie geht es meiner Freundin Sabine Wild?“


„Frau Sabine Wild? Sie darf um 7.00 Uhr Bordzeit gehen. Ihr
geht es soweit gut!“ schnarrt die Maschine.
„Sie dürfen wahrscheinlich um 10.00 Uhr gehen. Es wird ein
Arzt vorbei kommen. Er wird sie zwei Wochen Krank
schreiben.!“ Dann verläßt die Maschine ihn, und geht weiter.

33
7.30 Uhr Bordzeit. Der Captain Ernst Vogel befindet sich,
zusammen mit sämtlichen führenden Persönlichkeiten des
Schiffes, im Konferenzraum der Firebird. Die Konferenz läuft
schon eine halbe Stunde.
In dieser Sitzung wurde auch das Fehlen des 3. Gleiters
angesprochen. Die anderen zwei Gleiter sind schon wieder
zurückgekehrt, gefüllt mit wertvollem Millium, graugrünlich
bläulichem Metall. Es wurde schon ausgeladen, und wird nun
verarbeitet.
So weit, so gut, aber es fehlt der dritte Gleiter. Um den
macht sich der Captain und der Rest der Besatzung Sorgen.
„Wir haben gefunkt, erreicht haben wir nichts!“ spricht der
Captain weiter. „Vielleicht sind sie abgestürzt, wir wissen
es nicht! Vielleicht sind sie auch schon tot! Aber so lange
ich nicht weis, was los ist, gebe ich nicht auf!“
Er wirkt besorgt. Er schaut in die Runde. Keiner sagt ein
Wort. Ein paar Augenblicke schweigt der Captain. Diese kurze
Zeit kommt den anderen wie eine halbe Ewigkeit vor.

Dann redet Ernst Vogel weiter. „Wir werden eine


großangelegte Suchaktion starten. Ich will, daß unter jedem
Baum und Busch geschaut wird im Umkreis von 1.500
Kilometern! Wenn Trümmer gesehen werden, dann meldet es!
Achtet auf jeden Hinweis! Ich möchte, daß möglichst alle
wieder Heil nach Hause kommen! Und noch was: Laßt euren
Tarnschild ausgeschaltet!“ Er schaut die anderen der Reihe
nach an, dann sagt er: „Die Konferenz ist beendet!“ Dann
geht er und verläßt den Raum.

Um 8.15 Uhr Bordzeit verlassen mehrere duzend Raumjäger,


Gleiter und Truppentransporter das Schiff. Sie schwärmen
alle in die Richtung aus, in die der vermißte Gleiter in
etwa flog.
Im Abstand von zwei Kilometer von einander fliegen sie los
und suchen die Überlebenden, wenn es noch welche gibt!

34
*

Die Besatzungsmitglieder des abgestürzten Gleiters halten im


Abstand von zwei Stunden abwechselnd Wache. Als sie auf dem
Planeten ankamen, war es Tag.
Jetzt, um 8.00 Uhr Bordzeit, ist es nun schon vier Stunden
lang dunkel. Jörg Ratzler, der schon wieder Wache hält,
rechnet aus, wie lang ein Tag auf diesem Planeten ist, und
kommt auf etwa 19 Stunden.
Acht Stunden Tag, und elf Stunden Nacht. Also müßte es um
15.00 Uhr wieder hell sein.
Jörg starrt hinauf in den Himmel, und wundert sich: Es sind
kaum Wolken zu sehen. Es glitzern Abertausende von Sterne,
es ist ein sehr schöner Anblick!
Dann zuckt er zusammen. Er hört ein Gekreisch vom Himmel,
dann stürzt etwas auf ihn herab. Er kann gerade noch sehen,
wie ein riesiger Vogel mit einer Flügelspannweite von drei
Metern auf ihn zustürzt. Blitzschnell greift Jörg nach
seinem Phaser und schießt. Der Vogel stürzt knapp neben ihm
ab. Er ist Tod.
Jörg atmet erleichtert aus. „Das ging gerade noch mal gut!“
murmelt er vor sich hin. Dann setzt er sich wieder in den
Schnee.
Es ist sehr, sehr kalt, -35° Celsius. Jörgs Armbanduhr hat
eine digitale Thermometeranzeige. Er braucht nur auf die Uhr
zu schauen, schon weis er die Temperatur.
Aber die Kälte macht ihm nicht so viel aus. Sein Schutzanzug
ist beheizt auf angenehme 22° Celsius.
Jörg Ratzler ist in Gedanken versunken. Er denkt an seine
Heimat, Rukulus-3, ein Kolonialplanet des NDI, etwa 25.400
Lichtjahre von der Erde entfernt.
Er denkt an seine Frau und Kinder, die in Thorn leben, einer
kleinen, schönen, ruhigen und grünen Stadt auf diesem
Planeten. Seine Kinder sind 14 und 16 Jahre alt, eine
Tochter und ein Sohn. Jörg Ratzler sehnt sich nach ihnen,
und nach seiner Frau, April, so heißt sie.
‚Hoffentlich kommen wir wieder Heim!‘ ist sein geheimer
Gedankenwunsch.
Plötzlich kommt ihm eine Idee. Sie haben ja noch die

35
Leuchtkugeln aus dem Notpacket! Er steht auf und holt die
Leuchtpistole. Jörg richtet sie in die Luft und drückt ab.
Es macht klick, klick, klick, klick. Dann kapiert er, daß
das Ding nicht geht.
„Scheiß Ding!“ flucht er, und schmeißt die Pistole vor Wut
weg.
Das markerschütternde Kreischen ist wieder zu hören, und
gleichzeitig vernahm er das Geräusch von knirschenden Pfoten
im Schnee.
Geistesgegenwärtig nimmt er seinen Phaser und schießt zwei,
drei Riesenvögel vom Himmel.
Dann schaut er nach Nordwesten. Jörg schaltet seine mit
Atombatterien betriebene Taschenlampe ein und strahlt in
diese Richtung.
Nach etwa dreissig Metern ist ein Felsen zu sehen, ein paar
Büsche und vier bis fünf Bäume. Zwischen den Bäumen läuft
nun ein aufgeschrecktes Kuhwesen davon und flüchtet. Es ist
Harmlos. Das denkt auch Jörg Ratzler, und läßt es in ruhe.

Die Uhr zeigt 8.45 Uhr an. Er holt sich eine Zigarette aus
der Tasche und zündet sie sich an. Er wird müde. Nach zehn
Minuten ist er eingeschlafen.

7. KAPITEL: Von Reunos, Extra-Reunos und


platzenden Rettungsträumen!

3.500 Kilometer von der Firebird entfernt ist eine Stadt der
Siedler des 3. Planeten dieses Systems.
Sie nennen sich Reunos, gleichnamig wie ihr Heimatplanet,
der etwa 90 Millionen Kilometer entfernt ist. Sie sind
humanoid, sehen ähnlich aus wie Menschen, ihre Organe sind
aber völlig anders. Ihre Haut ist ledrig grau, und ihre
Größe beträgt 1,40 Meter bis 1,60 Meter. Ihre Augen sind
überdimensional Groß und stehen etwas ab. Diese Augen haben
eine leuchtend gelbe Iris. Es sind Glubschaugen wie bei
36
Fröschen, nur größer. Ihre Ohren sehen aus wie Kiemen, und
sind links und rechts vom ovalen Kopf angeordnet. Dort wo
bei Menschen die Nase ist, haben diese Wesen drei Öffnungen.
Damit atmen sie Sauerstoff ein und Stickstoff wieder aus,
wie bei vielen Spezies in der Galaxis, darunter auch der
Mensch!
Der Mund nimmt die gesamte untere Gesichtshälfte ein und ist
bestückt von kräftigen, spitzen und stumpfen Zähnen. Diese
Wesen haben Arme, Beine, Hände und Füße, ähnlich wie bei
Menschen, je zwei. An der Hand sind vier Finger. Sie sind
lang und knochig.
Dieses Volk, die Reunos, haben eine Technik, ähnlich wie die
Menschen des zuende gehenden 21. Jahrhunderts. Sie haben für
sich einigermaßen moderne Radaranlagen. Damit können sie
einiges Entdecken.
Renc p´Nerok, der am Radar sitzt, ist ganz aufgeregt. Er
ruft sofort seinen ‚Neliklan‘ an, das ist ein politisches
Amt bei den Reunos, was einem Gouvaneoer oder
Ministerpräsidenten entspricht.
Sie sprechen in einer für Menschen unverständlichen Sprache.
Der Neliklan befindet sich in der sechshundert Kilometer
Nördlich gelegenen Hauptstadt der Reunosiedler auf diesem
Planeten.
Wenn man die Unterhaltung dieser beiden Reunos in
menschliche Sprache Umsetzt, klingt das etwa so: „Neliklan,
Neliklan! Auf dem Radar sind in 3.500 Kilometer Entfernung
unbekannte Flugobjekte gesichtet worden! Aus dem Nichts
kommend! Vielleicht sind es Extra-Reunos!“
Reijk´Noor, so heißt der Neliklan, will nicht so recht
glauben, daß diese Objekte auf dem Radar von Extra-Reunos
stammen. Extra-Reunos können seiner Annahme nach keine
Fluggeräte, schon gar nicht Raumschiffe bauen! Die meisten
Reunos glauben nicht an Extra-Reunos, wie auf der Erde zur
damaligen Zeit die Menschen nicht an Außerirdische glaubten.

„Warten sie, Neliklan, ich geb’ ihnen die Daten in ihren


Computer!“ Renc p´Nerok legt auf und verbindet sich über den
Computer mit dem Neliklan. Reijk´Noor sagt darauf: „Hmmm...!
Ich fass´ es nicht! Das sind bestimmt aufständische
Rebellen! Ich will nicht so recht an Extra-Reunos glauben.
Ich werde ein paar Aufklärungsjägern befehlen, dort hin zu
37
fliegen und nachsehen lassen, was dort ist! Ende!“ Der
Monitor erlischt.

Etwas früher, um 8.00 Uhr Bordzeit, bekommt Jürgen Vogel


Besuch von seiner Freundin Sabine Wild. Sie ist vorher von
einem Arzt der Krankenstation entlassen worden.

Sie umarmen sich, und geben sich Küsse. „Schön, das es dir
soweit gut geht!“ sagt Jürgen. Der Arzt war da und sagte,
ich könne die Krankenstation um 10.00 Uhr verlassen! Er hat
mich für zwei Wochen Krank geschrieben, bis ich wieder
richtig laufen kann. Ach, außerdem, was macht Terc´lon? Wie
geht es ihm?“
„Er wird bald auftauchen!...Ahh, da ist er schon!“
Terc´lon kommt mit großen Schritten angestampft. Jürgen
freut sich.
„Hallo Terc´lon, alter Junge! Schön, daß es dich noch gibt!“
„Schön, daß es euch noch gibt! Beinahe hat es euch erwischt,
und ihr währt tot gewesen!“ erwidert Terc´lon, der Tiflon,
trocken.

Nun ertönt plötzlich die Rundrufanlage auf dem Schiff. Es


spricht der Captain, Jürgens Vater: „Wir vermissen die
Besatzung eines Gleiters, und führen deshalb eine
großangelegte Suchaktion durch!“ Er gibt viele Namen an, die
sich im Hangar zu melden haben. Die Meisten werden per
Piepton auf ihrem Intercom an ihrer Uniform, oder in ihrem
Zimmer informiert.
Der Captain gibt über Rundruf genaue Anweisungen durch. Dann
wird es wieder ruhig im Schiff, nur eilige Schritte sind zu
hören. Die Drei Freunde Unterhalten sich noch ein kleines
Weilchen, über alles mögliche, und Jürgen bekommt einige
Neuigkeiten zu hören. Dann verabschieden sich Sabine und
Terc´lon, und verlassen die Krankenstation.

38
*

Jörg Ratzler ist eingeschlafen und träumt wirres Zeug. Der


Traum ist getränkt von den Erlebnissen in jüngster Zeit.
Dann träumt er von Gleiter und Raumjäger. Er meint, sie
wirklich zu hören.
Dann wacht er auf. Das Geräusch ist immer noch zu hören.
Jörg wußte nicht, wie ihm Geschieht. Plötzlich ist ihm klar,
was dies bedeutet. Er springt schnell auf, wedelt mit den
Armen wie wild. Zu spät! Die Gleiter sind schon vorbei
geflogen. Er ärgert sich grün und blau, und stampft vor Wut
auf dem Schnee herum.

Die Anderen, Andree Riot und Peer Clemens, wachen nun auch
auf.
„Was is´ denn los...?“ fragt Andree schlaftrunken. Ratzler
berichtet ihm sein Anliegen: „Ich war eingeschlafen...Als
ich dann Motorengeräusch hörte! Versteht ihr das? Sie suchen
uns, unsere Leute von der Firebird! Und ich habe
geschlafen!“
„Jetzt beruhigen sie sich, Ratzler!“ beruhigt ihn Andree in
überraschend ruhigem Ton.
Peer Clemens will Ratzler anfallen. Er greift ihm an die
Kehle und jammert dabei, doch Andree geht dazwischen und
hält Peer´s Arm fest. Nach einer Weile beruhigt er sich, und
Andree läßt ihn wieder los.
„Schöne Scheiße!“ meint Andree nach einer Weile. Er denkt
nach. Dann kommt er zum einzigen logischen Entschluß: „Wir
müssen uns zu Fuß aufmachen zu unserem Raumschiff!“
„Zu Fuß? Und das im Dunkeln?“ meint Peer entrüstet.
„Ja! Oder hast du eine bessere Idee!?“
„Nö!“
„Also! Dann sei ruhig! Wir haben ja noch die Taschenlampen.
– Halt! Da fällt mir gerade ein, daß wir noch die
Leuchtpistole haben!“ Euphorie bricht in Andree aus, ein
neuer Hoffnungsschimmer, der sofort von Ratzler vernichtet
wird.
„Nein! Die geht nicht!“ sagt Jörg Ratzler entmutigt.
„Was heißt das? Wieso?“ Andree´s Rettungsträume platzen.
39
„Ich habe es getestet. Es geht nicht, sie funktioniert
nicht! Es ist keine Kugel drin!“
„Ach du Sch...!“ erwidert Andree fluchend.
Recht gelassen sagt er dann: „Also gut, dann bleibt uns
nichts anderes übrig, wir müssen doch loslaufen, den
Rettungstrupps entgegen. Sie werden eine Rettungssuchaktion
durchführen, für uns! Den Bodentrupps müssen wir entgegen
laufen. Aber vorher werden wir noch etwas frühstücken!“ Er
schaut auf seine Uhr. Sie zeigt 11.15 Uhr an.

Sie sitzen im Schnee und frühstücken zusammen. Sie trinken


Würfelkaffee, den sie in Schnee auflösen und mit dem
Atomkocher erhitzen, dazu essen sie Nahrungswürfel, die man
nur kauen kann. Sie schmecken nicht besonders, so ist halt
die Weltraumnahrung!
Ein paar Tiere, die aussehen wie Rehe, laufen vorbei. Sie
können sie sehen, als sie mit der Taschenlampe leuchten. Ein
paar kleinere Vögel klauen mehrere Nahrungswürfel.

Plötzlich fängt Peer an zu schreien. Es ist ein lauter,


Panischer Schrei, markerschütternd.
Sie drehen sich zu ihm um. In seiner unmittelbaren Nähe
sehen sie zwei riesige Skorpione, schwarzbraun, mindestens
einen halben Meter groß! Sie greifen Peer an, der davon
läuft.
Die Skorpione verfolgen ihn. Bevor sie ihn erreichen, zog
Ratzler blitzschnell seinen Phaser und schießt zwei Salven
ab. Die Viecher bleiben reglos liegen.
„Was es dort auf diesem Planeten für Mistviecher gibt! Das
ist ja grauenvoll!“ sagt Peer angewidert. Dann fängt er
wieder an zu jammern. Die anderen Zwei lassen ihn reden.

Sie frühstücken weiter. Der Kaffee schmeckt nicht besonders.


Er schmeckt nach Chemie mit Kaffeearoma. Deshalb kippt Jörg
einen halbvollen Becher in den Schnee.
40
Nach dem Frühstück packen sie zusammen, alles in drei
Rucksäcke, und machen sich auf den langen Weg. Es ist 11.45
Uhr Bordzeit.

Sie laufen durch eine hügelige Landschaft. Es wachsen dort


Nadelbäume mit Widerhaken an den Nadeln.
Und oben am Himmel leuchten die Sterne in ganzer Pracht.
Die Bäume wachsen nicht höher als 10 bis 15 Meter hoch.
In die trügerische nächtliche Stille meldet sich Andree Riot
zu Wort.
„Wir müssen nach Nordwesten, vermute ich.“ Er versucht, sich
zu vergewissern, und bleibt stehen. Er schaut sich um und
deutet mit dem Finger nach Nordwesten.
„Ja, von dort sind wir gekommen, und dort müssen wir wieder
hin!“ sagt er, und die Anderen folgen ihm widerspruchslos.
Sie gehen in diese Richtung.

8. KAPITEL: Der Plan, und dessen Umsetzung!

Um 10.00 Uhr Bordzeit läßt der Captain ein paar Raumjäger


und drei Raumboote in den Weltraum fliegen. Diese sollen
eventuell feindliche Patrouillen abfangen und zerstören.

Die Raumboote sehen wie flache Keile aus. Sie sind 56 Meter
lang, am Heck beträgt die Breite 40 Meter, am Bug 18 Meter,
die Bughöhe ist 7,50 Meter, und die Heckhöhe beträgt 20
Meter. Es hat einen kleinen Hyperraumgenerator. Mit diesem
Triebwerk kann das Boot am Tag 600 Lichtjahre zurücklegen,
hat aber nur eine Reichweite von 7.200 Lichtjahren. Die
Nahrung reicht für 29 Personen etwa nur 3.600 Lichtjahre.
Das sind sechs Tage Verpflegung.
Jeder dieser Boote soll in eine andere Richtung fliegen.
Zwanzig Raumjäger verschiedener Größen begleiten jedes der
drei Raumboote. Das heißt, es fliegen insgesamt sechzig
Raumjäger mit! Die Raumjäger und Raumboote sind mit schweren
41
Waffen ausgerüstet.
Die weltraumtüchtigen Fluggeräte fliegen nun im Weltraum.
Ein Raumboot, die ‚Odysseus-1‘, wird befehligt von Colonel
John Stoneage, ein schlanker, normalgroßer, kahlköpfiger
Mensch mit braunen Augen, die aussehen wie Hundeaugen, wie
Knöpfe im Gesicht. Er ist noch sehr Jung, gerade mal 25
Jahre alt.
Er wurde am 1. November 3057 auf einem Schiff geboren, einem
Raumfrachter, der ‚Patmos-2‘. Seine Mutter diente dort auf
diesem Schiff, das Millium und andere Metalle
transportierte. Der Frachter war unterwegs von Aurora nach
Olympus.
Er wuchs dann in Weltraumstationen und Minen auf, und
besuchte ab dem 14. Lebensjahr die Raumfahrtakademie der
Gal-Ab auf der Raumstation ‚Lepsus-5‘.
Die ‚Odysseus-1‘ nimmt Kurs auf die äußeren Planeten dieses
Systems und fliegt mit „langsamen“ Impulsantrieb (1 Million
Km/h!) davon. Sie hat sehr moderne und empfindliche
Ortungsgeräte an Bord.

Etwas später verläßt Jürgen Vogel die Krankenstation. Eine


Krankenschwester, hübsch und knackig, stützt ihn und hilft
ihm zu einem Atombetriebenen Auto. Er steigt ein und fährt
los. Er fährt in Richtung seiner Kabine.

Dann überlegt er es sich anders, und fährt in Richtung


Messe. Jürgen will noch etwas essen. Er hat Hunger. Nach ein
paar Minuten Fahrt stellt er sein Auto ab und humpelt zur
Messe.

Er trifft Andrac, einen Stanerger. Andrac sieht aus wie ein


grüner, zotteliger, 2,30 Meter großer Affe. Die Augen sind
abstehend (die Ohren ebenfalls), und sind leuchtend rot.
Sein alter beträgt 70 Jahre. Das ist für ihn kein Alter,
denn Stanerger haben eine Lebenserwartung von 220 bis 230
42
Jahren.
Die Menschen haben die Stanerger schon vor 800 Jahren
entdeckt, und leben seit dieser Zeit friedlich zusammen. Sie
gehören dem Gal-VöB 2251 an und dienen dem NDI seit dieser
Zeit in allen Kriegen. Sie kennen schon Jahrhunderte, oder
sogar Jahrtausende vor ihrer Entdeckung von den Menschen,
die interstellare Raumfahrt.
Die Stanerger sind vom Wesen her sehr ausgeglichen, ruhig
und treu, den Menschen gegenüber, und auch zu anderen Wesen.
Aber wehe, man ärgert sie zu arg, dann rasten sie aus. Sie
können auch sehr wütend sein, aber sie würden nie von sich
aus einen Krieg beginnen.

Andrac steckt in einer braunen Technikeruniform. Er ist ein


Maschinenraumtechniker, und dient auf der Firebird seit 14
Jahren.
Jürgen redet mit ihm, und ißt etwas nebenher. Der Stanerger
spricht in knurrendem Akzent.
„Was hältst du davon, wenn wir das Schiff für kurze Zeit
verlassen, Jürgen? Wir könnten die Gegend etwas erkunden!“
„Und wie soll ich das anstellen? Ich kann kaum laufen. Und
außerdem bin ich Krank geschrieben!“
„Wir könnten ja mit dem Gleiter fortfliegen und uns ein
nettes Plätzchen suchen!“
„Auf diesem gottverlassenen Eisklotz? Wo es nur so wimmelt
von wilden Tieren und Eingeborenen? Nein. Ich habe keine
Lust, gefressen zu werden, oder von Eingeborenen gegrillt zu
werden! Dann gibt es dort auch noch die Siedler vom 3.
Planeten!“
Doch Andrac bleibt hartnäckig. „Ich meine ja gar nicht weit
weg! Irgend wo in der Nähe des Schiffes! Wir nehmen dann
selbstverständlich die Phaser mit, und ziehen unsere
Schutzanzüge an!“
„Damit wir ebenfalls wie die Anderen abstürzen? Nein, das
ist nichts für mich!“
„Überleg´ es dir noch! Sabine und Terc´lon gehen auch mit!“
„Was? Das wundert mich jetzt aber! Und wie wollt ihr eine
Genehmigung einholen für einen Flug?“
„Du! Du sollst deinen Vater fragen. Du hast doch
konektions!“
Jürgen Vogel schaut ihn an, dann meint er: „Nein. Ich glaube
43
nicht, daß mein Vater das genehmigt. Wir müssen heimlich
gehen!“
Andrac starrt ihn an, und reist seinen Mund weit auf. Ein
paar Augenblicke starrt er Jürgen nur noch an, dann erwidert
er: „Was...? Du meinst...!? Das ist ja verrückt!“
„Willst du jetzt wegfliegen, oder kneifst du?“
„Nein, nein! Ich meine nur...! Also gut!“ Andrac schaut sich
um, um sich zu vergewissern, daß niemand zuhört, dann redet
er weiter.
„In einer dreiviertel Stunde treffen wir uns in meiner
Kabine. Ich benachrichtige die anderen Zwei. Okay?“
„Okay. Tschüs!“
Der Stanerger verabschiedet sich ebenfalls und verläßt die
Messe. Jürgen ißt noch fertig, trinkt synthetischen Kaffee,
dann verläßt auch er humpelnd die Messe.

Kurz vor 11 Uhr, 10.56 Uhr Bordzeit, betretet Jürgen Vogel


Andrac´s Kabine. Seine Kabine ist üblich wie die meisten
Kabinen, etwa 25 Quadratmeter groß. Andrac hat seine Kabine
mit Kunstgegenständen und Bildern aus seiner Heimat
ausgestattet. Außerdem stehen noch ein paar Pflanzen von
seiner Heimat Stanerga herum.
„Ist das eine Lurg-Na´tib?“ fragt Jürgen den Stanerger und
deutet mit dem Finger auf eine Pflanze.
„Ja, das ist eine! Geh nicht so nah ran, sonst beißt sie dir
den Finger ab!“
„Ich weiß! Ich kenn’ mich ein bißchen aus in Galaktischer
Pflanzenkunde!“ erwidert Jürgen.

Dann wechselt er das Thema und fragt: „Sind die Anderen noch
nicht da?“
„Siehst du sie? Nein. Also sind sie noch nicht da! Hock dich
irgend wo hin!“ meint Andrac glatt. Sie hocken sich hin und
reden noch ein paar Minuten miteinander.
Dann treffen Sabine und Terc´lon ein. Jürgen und Sabine
44
geben sich küsse, und umarmen sich.
Nun, da sie alle da sind, fragt Andrac spontan: Kommen wir
zur Sache! Wie stellen wir es an?“
Jürgen schaut ihn an.
„Ganz einfach! Wir gehen in den Hangar und klauen einen
Gleiter!“
„So einfach geht das auch wieder nicht!“ meint Andrac.
„Also gut. Spaß bei Seite. Laßt mich mal überlegen,
Hmmm...!“ Jürgen denkt nach. Die anderen warten gespannt auf
eine Idee von ihm.
„Was ist, fällt dir nichts ein!?“ fragt Andrac drängelnd,
nach über einer Minute.
„Warte noch einen kleinen Moment,...Ahhh..., jetzt fällt es
mir ein!“
„Also, was, Jürgen, sag es schon!“ drängelt Sabine, die es,
wie die Anderen, kaum erwarten kann.
„Schon gut! Ich sag’s euch ja! Unterbricht mich bitte nicht!
Also. Einer zieht einen Tarnanzug an, den ich in meiner
Kabine habe, und geht zur Hangarzentrale. Dort sind meistens
ein, zwei Leute. Einer lenkt sie ab, damit der Andere mit
dem Tarnanzug zum Hangarcomputer kommt, und dem Computer
eine Genehmigung einprogrammiert! Dann geht’s los!
Derjenige, der den Tarnanzug an hat, bringt ihn wieder in
mein Zimmer, versteckt ihn, und dann fliegen wir los, als ob
nichts wäre! Klingt das nicht gut?“
„Doch, schon.“ Meint Andrac.
„Nur, derjenige, der den Computer umprogrammiert, wirst du
sein, Jürgen!“
„Mit meinem Bein? Nein! Ich schlage Terc´lon vor!“ kontert
Jürgen. Er schaut dabei den Tiflon an.
Dann meldet sich Terc´lon zu Wort: „Ja, stimmt, du hast
recht! Mit deinem Bein kannst du nicht viel Tun. Ich werde
es machen! Wann geht’s los?“
„Am besten jetzt gleich!“ meint Jürgen zufrieden.

45
Terc´lon ist in Jürgens Kabine und zog den Tarnanzug an, der
den Benützer dieses Anzugs vier Sekunden in die
Vergangenheit versetzt, und man ihn so nicht sehen konnte,
an, und marschierte los.
Der Anzug ist ein Prototyp, der noch nicht auf dem Markt
war. Jürgen hat ihn zur Anprobe und zum Test bekommen. Fast
niemand weis etwas davon.
Die Anderen sind verblüfft, als sie Terc´lon nicht mehr
sehen.
„Das ist ja ein Superding! Hab gar nicht gewußt, daß du so
etwas hast!“ Sabine ist begeistert.
„Ich muß jetzt los!“ sagt Andrac. Er wurde ausgewählt, den
Posten im Hangar abzulenken, und verläßt nun Jürgens Kabine.
„Wir machen uns auch auf!“ sagt Jürgen zu Sabine, und gibt
ihr einen Klaps auf den Rücken.

Terc´lon erreicht den Hangarbereich in der wülstigen,


äußeren Mitte des Schiffes.
Er ist nicht gerannt, sondern läuft in normalem Schrittempo.
Sonst könnten Andere, die ihm begegnen, etwas merken.

Er schaut sich um. Dann entdeckt er die Hangarleitzentrale-


7. Es gibt mehrere Leitzentralen, nur, an Leitzentrale-7
haben sie sich verabredet. Dort befinden sich zur Zeit nur
drei Personen, ein Mann und zwei Frauen.
Der Tiflon wartet, bis Andrac kommt, um die Posten
abzulenken. Es dauert für ihn eine halbe Ewigkeit, bis der
Stanerger kommt.
Dann, nach ein paar Minuten, sieht er ihn. „Endlich! Wurde
auch Zeit!“ flüstert Terc´lon leise, und wartet noch ein
paar Sekunden, bis zwei von den Posten herausgehen. Er weis
nicht, was Andrac den Posten erzählt, es ist ihm auch egal!

Nun schleicht er leise zum Computer, der frei wurde. Er


tippt ein paar Tasten, der Computer wollte aber einen Code
46
haben.
„Sch..!“ flucht Terc´lon leise.
Dann fiel ihm ein Code von Jürgen ein, und probiert ihn aus.
„Bitte, bitte geh!“ flüstert er aufgeregt.
Nach zwei bis drei Sekunden nimmt der Computer den Code an.
Dann programmiert er den neuen Flugbefehl ein. Nach endlos
scheinenden Minuten ist Terc´lon fertig. Er schleicht wieder
heraus, und wäre schier mit einem der Posten
zusammengeknallt, die nun wieder herein kommen.
Terc´lon bleibt abrupt stehen. Und traut sich nicht zu
atmen. Der Posten bleibt ebenfalls stehen, und schaut sich
um.
„Ist dort jemand?“ fragt der männliche Posten. Zu den
weiblichen Posten Gewandt, fragt er: „Gabi, hast du jemand
gesehen?“ Sie ist auf seine Frage sehr überrascht.
„Nein, ich habe nichts gesehen! Was ist denn los?“
„Ach, nichts. Mir war nur so, als ob jemand hier gewesen
ist!“
„Siehst du schon Geister?“ erwidert der eine weibliche
Posten.
„Ich weis es nicht!“ sagt der Mann etwas verdutzt, dann
schüttelt er den Kopf und geht weiter.
Das macht ihm Terc´lon nach. Er verläßt die
Hangarleitzentrale, und geht zügig zu Jürgens Kabine.

Die vier Freunde treffen sich um 11.40 Uhr Bordzeit am


Hangar.
„Es hat geklappt!“ sagt Terc´lon stolz.
„Super!“ sagen die anderen freudestrahlend. „Dann kann es ja
losgehen!“ Sie ziehen ihre Schutzanzüge an und gehen zum
Gleiter.
„Haaalt! Wo wollt ihr hin? Habt ihr eine Flugerlaubnis?“
fragt der weibliche Posten, und geht ihnen im hektischen
Schritt entgegen.
„Ja! Natürlich haben wir eine Genehmigung! Steht doch im
47
Computer!“ sagt Jürgen frech.
Der Posten bleibt stehen. „Peter, schau mal im Computer
nach!“
Die Vier warten ein paar lange Sekunden.
„Alles Okay! Sie haben eine Genehmigung! Steht alles drin!“
Okay, alles in Ordnung, ihr dürft gehen! Guten Flug!“
„Dankeschön!“ erwidern alle gleichzeitig, steigen in den
Gleiter und fliegen los.
Sobald sie draußen sind, jubeln und lachen sie.

9. KAPITEL: Verständigungsprobleme!

Etwa zur gleichen Zeit erreichen die Reunojäger die Nähe des
Ortes, wo sie die Extra-Reuno-Flugobjekte vermuten. Die
Reunos haben ziemlich zuversichtliche Geräte. Die Fluggeräte
sind noch hundert Kilometer entfernt.
Arhc´Nehrc führt die Zehner-Jägerstaffel an. Er wurde auf
diesem Planeten geboren, den die Reunos Reeljickaah nennen.

Arhc´Nehrc ist ein alter Flugveteran, der im Pteroc-Krieg


auf der Heimatwelt aller Reunos viele Jahre diente. Dann kam
er wieder nach Reeljickaah zurück. Er ist, nach irdischem
Maßstab umgerechnet, etwa 32 Jahre alt. Das ist für Reunos
ein hohes Alter, wenn man bedenkt, daß Reunos eine
durchschnittliche Lebenserwartung 40 bis 45 Jahren haben!

Arhc´Nehrc muß nur noch drei Jahre auf seinen wohlverdienten


Ruhestand warten.
Ein anderer Jägerpilot meldet sich. „Die Extra-Reuno-
Flugobjekte sind noch 35 Clyms entfernt!“ Das sind etwa 52
Kilometer.
„Gut.“ Sagt der Anführer. „Schwärmt zu Zweiergruppen aus.
Schießt nicht, bevor ich es befehle, nur im äußerstem
Notfall! Dies ist kein Kriegseinsatz, sondern nur eine
Patrouille. Verstanden?“
48
„Zu Befehl, Oberster!“
„Versucht, sie über Funk zu erreichen. Kapiert?“
Dann schwärmen sie aus und verringern die Geschwindigkeit.
Ahrc´Nehrc´s Begleiter ist Bec´Lahrc, ein blutjunger Reuno,
der gerade mal 10 Jahre alt ist. Das ist ein Jahr nach
seiner Volljährigkeit.

Die Rettungsaktion ist in vollem Gange. Aber sie haben bis


jetzt noch nichts gefunden.
In etwa Tausend Kilometer Entfernung landet ein
Truppentransporter in der Nähe eines großen, vereisten
Flusses. Diese Transporter haben mit Raupenketten
ausgerüstete Panzerfahrzeuge an Bord. Außerdem befinden sich
in jedem Transporter 30 bis 50 Helfer, die nun aussteigen
und sich verteilen.
Jeder hat ein Suchgerät bei sich. Die Fahrzeuge verlassen
nun ebenfalls die Transporter. In jedem dieser Fahrzeuge
befindet sich eine Person.
Chang Pjöng Yang ist ein Fahrer eines Raupenpanzers. Er kam
als Deserteur zum NDI vor zwanzig Jahren. Er flüchtete vor
der „Volksrepublik Dabrika“, ein kommunistisches Regime von
Menschen, welches aus mehreren hundert Planeten besteht, und
auf denen Menschen leben.
Dabrika war einmal ein mächtiges Reich in einem Teil der
Galaxis, und ist von menschlichen Siedlern bewohnt. Dann gab
es einen Bürgerkrieg, in dem das NDI auch beteiligt gewesen
war. Er dauerte 41 Jahre, 2648-2689. Dann spaltete sich der
Staat in drei Teile auf.
Chang Pjöng Yang konnte von einer Gefangenenwelt gerade noch
fliehen. Er ist 56 Jahre alt und dient nun dem NDI. Er hat
asiatische Vorfahren, und so sieht er auch aus: Dunkle,
schlitzförmige Augen und schwarze Haare. Seine Haut besitzt
einen Hauch von gelb.
Chang fährt los. Die Ketten wälzen sich durch den Schnee. Er
sieht ein paar komische Tiere vorbei huschen. Der Asiate
49
schaut auf seinen Ortungsschirm. Nichts ist zu sehen, nur
die Gleiter und die Jäger von der Firebird.

Nach einer halben Stunde zeigt der Ortungsschirm etwas. Es


sind unbekannte Lichtpunkte, rote, zu sehen, etwa 10 Stück
in vierhundert Kilometer Entfernung. Er meldet dies Anton
Drexler, dem Rettungsleiter, der in einem Jäger fliegt, über
Funk.
„Leutnant Drexler, ich habe da was auf dem Schirm! Es sieht
nicht danach aus, als ob dies die Vermißten sind! Was soll
ich tun?“
Anton Drexler meint darauf: „Die Anderen sehen es auch!“
Dann schaltet er auf Rundruf, so daß alle ihn hören können:
„Unternehmen sie nichts, was sie später bereuen könnten!
Gehen sie weiter ruhig ihrer Arbeit nach. Die unbekannten
Flugobjekte sind wahrscheinlich die Siedler vom 3. Planeten!
Schießen sie bitte nicht drauf los! Erwidern sie auch nicht
das Feuer, wenn sie angreifen! Sie sind uns unterlegen. Sie
können uns nichts anhaben! Schaltet eure Schutzschirme ein!
Ich versuche, mich mit ihnen zu verbinden! Ende!“

Er schaltet ab und fliegt weiter. Auch die Anderen gehen


wieder ihrer Arbeit nach. Anton schaut auf die Uhr auf
seinem Cockpit. Es ist kurz vor 12 Uhr Bordzeit, und immer
noch dunkel.

Arhc´Nehrc und sein Begleiter fliegen im langsamen Flug


dahin. Hören nun die Fremden in einer ihnen unbekannten
Sprache sprechen. Sie verstehen sie nicht. Und umgekehrt
ebenfalls.
Arhc´Nehrc kann die Extra-Reuno-Objekte jetzt auch Optisch
sehen. Sie sind für seine Begriffe etwas zu groß. Zu groß
für Reunos. ‚Das sind keine Rebellen!‘ denkt Arhc´Nehrc,
‚Sie sehen technisch Hochentwickelt aus! Diese Wesen, wie
immer sie auch aussehen mögen, sind uns weit Überlegen!‘
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denkt er weiter.
Dann spricht er laut mit seinen Kameraden über Funk: „Bitte
feuert auf keinen Fall! Das sind keine Rebellen! Diese
Wesen, die diese Fluggeräte gebaut haben, sind nicht von
diesem System! Woher sie kommen, weis ich nicht, aber ich
glaube, sie sind uns weit Überlegen! Wir verhalten uns
ruhig! Ich versuche, mit ihnen zu komunisieren! Ende der
Durchsage!“

Anton Drexler hat den Translator eingeschaltet, als er mit


den Fremden spricht. Ein Translator ist ein Gerät, welches
Zehntausende von Sprachen der verschiedensten Spezies der
Galaxis gespeichert hat. Dieses Gerät kann auch andere, neue
Sprachen erlernen und speichern, nur braucht das etwas Zeit.
Mal mehr, mal weniger.
Ein Translator ist an jedem Computer angeschlossen. Anton
hofft, daß niemand der Männer und Frauen des Rettungstrupps
durchdreht und das Feuer eröffnet. Dies wäre eine mittlere
Katastrophe!
Der Rettungsleiter wird so langsam nervös. Es dauert ihm zu
lange. „Lern, lerne endlich, du scheiß Gerät!“ flucht er.
‚Die außerirdischen Siedler von diesem Planeten scheinen die
gleiche Taktik wie wir zu haben!‘ bemerkt Anton in Gedanken.

Dann passiert etwas, was nicht passieren durfte:


Ein Jäger der Siedler dieses Planeten feuert eine Salve
Explosivgeschoße auf einen Raumjäger der Firebird ab.
Daraufhin schießt der Raumjäger zurück und zerstört den
Anderen.
Dann geht es erst richtig los: Zwei, drei Siedlerjäger gehen
im Sturzflug über und greifen die am Boden befindenden
Rettungskräfte an. Die Hügellandschaft verwandelt sich in
ein taghelles, flammendes Inferno. Die Siedler vom 3.
Planeten schießen Explosivgeschoße ab. Fast niemand wird
zerstört, es gibt nur ein paar Verletzte.
51
Dann verlieren ein paar Menschen die Nerven und feuern
zurück. Dabei werden die zwei, drei fremden Jäger zerstört.
Die anderen Jäger der Fremden versuchen, zu fliehen.

Jetzt meldet sich Anton Drexler energisch zu Wort. Er


schreit in den Funk: „Feuer einstellen! Feuer einstellen!
Seid ihr verrückt, ihr Idioten!? Sofort Feuer einstellen!
Das ist ein Befehl! Sie können uns nichts antun, verdammt!
Das wirft ein schlechtes Licht auf uns!“ Das hat gewirkt.
Sekunden später stellen sie das Feuer ein.

Arhc´Nehrc gibt Befehl zum Rückzug. Er ist verärgert und


traurig zugleich über seine toten Kameraden. ‚Es ist durch
unsere Schuld so weit gekommen!‘ denkt er vor sich hin.
‚Bloß, weil jemand die Nerven nicht behalten hat! Wer weis,
was die Extra-Reunos jetzt unternehmen werden! Auf jeden
Fall werde ich das Hauptquartier in Rjempt Noor und Reijk
´Noor selbst über diesen Vorfall unterrichten!‘

Er funkt zuerst den Neliklan an. Es dauert ein paar


Sekunden, dann meldet er sich. Arhc´Nehrc teilt ihm mit, was
passiert ist. Und erzählt ihm von den Extra-Reunos.

Reijk´Noor klappt seine Zahnreihe auf und wieder zu. Dann


scheint er nachzudenken. „Hmmm,“ macht er nur. Dann sagt er:
„Kommen sie bitte zu mir in den Konferenzraum! Wir werden
eine Besprechung durchführen! Kommen sie gut heim! Ende!“

52
Chang Pjöng Yang bekommt eine Rakete kurz vor seinem

Fahrzeug ab. Obwohl sein Fahrzeug den Schutzschirm an hat,


wird es durch die Luft gewirbelt, überschlug sich ein paar
mal, und kracht dann gegen einen Baum.
Es gibt kleinere Explosionen, und funken sprühen durch das
Cockpit. Yang wurde verletzt am Kopf, obwohl er angeschnallt
ist. Er verspürt schwere Schmerzen am Kopf. Yang kämpft
gegen die Bewußtlosigkeit an.
Er versucht, die Luke zu öffnen. Es geht nicht. Dann nimmt
er einfach seinen Phaser und schießt das Schott weg. Er
schleicht langsam aus dem Gefährt heraus.
Das Fahrzeug beginnt zu brennen. Chang kann sich gerade noch
retten, bevor das Ding explodiert. Ihm passiert nichts. Dann
fällt er in tiefe Ohnmacht.

10.KAPITEL: Die Höhle, der Gefangene, und


der Reuno!

Andree Riot, Peer Clemens und Jörg Ratzler sind schon über
drei Stunden unterwegs. Sie haben gerade mal 3 bis 4
Kilometer zurückgelegt, denn das laufen im Schnee ist
schwierig. Die Drei sinken bis zu den Schenkeln im Schnee
ein. Ihre Kleidung ist von Schnee getränkt, sie wird nasser
und nasser. So langsam bekommen sie kalte Füße, trotz der
Schutzkleidung.

Es dämmert langsam, die Sterne verschwinden, es wird Morgen.


Die Uhr zeigt 14.40 Uhr Bordzeit an.
Von Westen her wird es hell. Ein paar Minuten später
erscheint eine fremde, orangegelbe Sonne am Horizont. Die
nachtaktiven Tiere scheinen jetzt zu ruhen, und die
tagaktiven Tiere werden jetzt munter. Sie hören jetzt
vogelgezwitscher.

53
„Ein schöner Anblick!“ schwärmt Jörg Ratzler und bleibt
stehen.
„Endlich wird es wieder Tag auf diesem gottverlassenen

Planeten!“ meldet sich Andree zu Wort. Und Peer jammert ihm


sei kalt.
„Uns ist auch kalt! Jammer nicht so! Davon wird es auch
nicht besser!“ sagt Andree genervt. Dann sagt er: „Ich
schlage vor, wir machen Rast, und wärmen uns am Atomkocher
auf!“
Die Temperatur steigt leicht an, aber es ist immer noch
kalt, etwa –30° Celsius.
Sie legen die Rucksäcke ab und holen die Atomkocher heraus.
Sie haben eine Höhle gefunden und verkriechen sich darin.
Sie ziehen ihre Schuhe und Kleidung aus, und erwärmen sich.
Die Batterien des Schutzanzugs sind schwach, und müssen
Aufgeladen werden.

Jörg Ratzler holt sich eine Zigarette aus einer Schachtel


und zündet sie sich an. Er zog genüßlich daran.

Er denkt nach, läßt seine Gedanken umher schweifen.


Er denkt an Rukulus-3, an seine Heimat und seine Familie.
Wie lange hat er sie nicht mehr gesehen? Zwei, drei Jahre?
Nein, es müssen vier Jahre sein!
Rukulus-3 ist eine warme, exotische Wasserwelt mit vielen,
vielen Inseln und einen kleinen Kontinent in der Größe
Australiens, so wird der Kontinent auch genannt, New
Australia.
Der Planet wurde Anfang des 27. Jahrhunderts besiedelt.
Ratzler denkt an Arcania, einer großen Insel auf diesem
Planeten, wo seine Heimatstadt Thorn liegt, inmitten von
einem großen, dichten Djungel. Seine Heimatwelt ist ihm
lieber, als dieser kalte, vereiste Planet am Rande der
Galaxis!
Jörg Ratzler wird jäh aus seinen Gedanken gerissen, als er
plötzlich ein Geräusch vernimmt, ein knurren. Er zuckt
zusammen. Schnell nimmt er seine Taschenlampe und leuchtet
in die Richtung, von der das Gebrüll kommt, und wird
kreidebleich!
Das, was er dort sieht, versetzt ihn in schrecken.

54
Er sieht einen riesengroßen, monströsen Bär mit sechs
Beinen. So etwas hat er noch nie gesehen, geschweige denn,
so nah!
Sie, die Menschen, haben wahrscheinlich seine Ruhe gestört.

Der Bär scheint sehr wütend zu sein. Dann weis Jörg auch,
warum. Es befinden sich noch drei, vier weitere Bären in der
Höhle.
Selbst diese sind fast schon so groß wie ein Mensch!
Der große Bär schlägt mit seiner Pranke nach Jörg, verfehlte
ihn nur knapp. Die anderen zwei Menschen haben mitbekommen,
was vor sich geht. Diesmal ist es Peer, der blitzschnell
handelt. Er greift nach dem Phaser, zielt und schießt.

Der Bär schreit schmerzverzerrt auf und stürzt. Jörg kann


gerade noch ausweichen. Die anderen Bären brüllen, halten
sich aber zurück. Wahrscheinlich haben sie Angst vor den
Menschen.
„Danke, Peer!“ sagt Jörg, der froh ist, daß er noch lebt.
Er schaut sich an. An dem Unteranzug sind risse, und Blut
quillt hervor. Andree schaut sich die Wunde an der Schulter
an, und entscheidet: „Sieht nicht so schlimm aus! Das wird
wieder! Ich werde dich verbinden!“
Er holt den Medi-Kasten heraus, und nimmt daraus eine
injektionspistole und Verbandszeug.
In der Injektionspistole befindet sich Wundheilmittel.
Andree gibt Jörg die Injektion und verbindet ihn.

Danach, als Andree ihn verbunden hat, sagt dieser: „Wir


müssen hier weg! Es gibt gewiß noch ein anderes Elternteil
der Bären, das irgendwann mal zurück kommt! Dem möchte ich
nicht begegnen!“
„Ich auch nicht!“ meint Jörg Ratzler, „Du hast recht! Packen
wir zusammen!“

55
Etwas später erwacht Chang Pjöng Yang aus seiner Ohnmacht.
Er erwacht auf einem viel zu kleinem Bett, das in einem
kahlen Raum steht.
Es gibt kein Fenster, nur eine verschlossene Tür aus
massivem Stahl. Die Wände sind grau in grau. Von der Decke

leuchtet grelles Licht herab.


‚Das ist ein Gefängnis!‘ denkt er. ‚Wie komme ich dort her?
Und wer brachte mich hier her? Das waren sicher diese Wesen
vom 3. Planeten!‘ beantwortet Chang seine Frage selbst. Er
wußte nicht, wie und wo sie ihn hingebracht haben.
Er schaut an sich herunter. Er hat keinen Schutzanzug mehr
an, nur seinen einteiligen Unteranzug. ‚Außerirdische haben
mich entführt!‘ stellt er fest. ‚Was haben sie vor? Und wie
komme ich hier raus?‘

Janc´Pjorh, der Leiter einer streng geheimen


forschungsstation der Reunos, etwa hundert Kilometer von dem
Ort, wo sie den Pilot eines Reunojägers und gleichzeitig den
großen, bewußtlosen Extra-Reuno gefunden haben, hat ein
komisches Gerät in seiner vierfingrigen Hand, welches in dem
Anzug des Fremden steckte. Es ist ein kleiner, handlicher
Translator.
„Dieses Ding, was immer es ist, kann uns noch sehr nützlich
sein!“ sagt er leise vor sich hin. Er sitzt auf einem für
menschliche Begriffe sehr kleinen Sessel in seinem
Privatzimmer.
Die Station, in der sie sich befinden, ist unterirdisch
angelegt. Es ist mehr eine wissenschaftliche Station, und
sie ist streng Geheim. Sie ist recht groß, und erstreckt
sich über drei Kilometer, und hat mehrere Stockwerke. Sie
reichen bis dreihundert Meter in die Tiefe. Es befinden sich
in dieser Station viele Tausend reunische Wissenschaftler,
und viele hundert Soldaten.
Man gelangt in diese Station, indem man in einen Hügel
fliegt, der aussieht wie ein normaler, pflanzenbewachsener
56
Hügel. Aber in ihm ist eine Öffnung, die nicht zu sehen ist.
Flog jemand durch den Hügel durch, dann zerschellt er nicht,
sondern fliegt in einen Hangar. Man fliegt sozusagen durch
ein Hologramm hindurch.
Der Hangar ist gleichzeitig Lastenaufzug, der nach unten zu

einem großen Hangar führt.

Janc´Pjorh sitzt nun da und spricht mit dem Ding in seiner


Hand. Plötzlich schnarrt das Ding in einer ihm unbekannten
Sprache. Janc´ starrt das Ding an. Seine Zahnreihe klappt
auseinander.
„Das Ding kann ja sprechen!“ stellt er verwundert fest.
Dann fällt ihm etwas ein. ‚Dies ist bestimmt ein Sprechding!
Ich werde es bei unserem Gefangenen ausprobieren!‘ denkt er
sich.
Dann ruft er über Funk zwei Wachen, die ihn zum Gefangenen
begleiten sollen, und verläßt sein Zimmer.

Chang fühlt sich mies, und außerdem hat er Kopfschmerzen. Er


fühlt einen Verband am Kopf, den die Außerirdischen ihm
angelegt haben müssen.
Er sieht ein Tablett, das auf dem Boden steht. Auf diesem
Tablett steht eine Schüssel, die gefüllt ist mit grauem,
schleimigen Etwas. Daneben steht ein Krug mit etwas Wasser.
„Igitt, was ist denn das? Soll ich das etwa essen?“ sagt er
etwas abfällig vor sich hin. Er riecht daran. Chang probiert
es. Zu seiner Überraschung schmeckt es ihm gar nicht so
übel. Er ißt etwas davon, und trinkt etwas Wasser.

Dann öffnet sich die schwere, Massive Stahltür. Drei


komische, für ihn fremd aussehende Wesen kommen herein. Zwei
von ihnen haben Waffen im Anschlag. Der Andere, etwas
größere, hat ein Gerät bei sich, welches er sofort
wiedererkennt: Es ist ein Translator.

57
Der etwas größere Reuno spricht in einer unbekannten Sprache
zu Chang. Jetzt schnarrt der Translator in einwandfreier,
terranischer (irdischer) Sprache: „Können sie mich
verstehen?“ Chang nickt mit dem Kopf und sagt „Ja!“ Der
Translator übersetzt dies in Reuno-Sprache.
„Ich bin Janc´Pjorh und freue mich, daß dieses Ding da in

meiner Hand funktioniert! Wir sind Reunos, und dies ist der
Planet Reeljickaah! Willkommen auf diesem Planeten! Wir
wollen ein paar Versuche mit ihnen durchführen. Aber zuerst
wollen wir noch einiges über Sie und ihrem Volk wissen!
Woher kommt ihr, und...!“ Weiter kommt er nicht. Der
Translator unterbricht ihn.
„Nun hören sie mir mal zu!“ sagt Chang im verärgertem
Tonfall, „Normal wären wir gar nicht hier! Unser Schiff
wurde schwer beschädigt, wir mußten Notlanden...!“
„Welches Schiff?“ übersetzt das Gerät.
„Jetzt unterbrechen sie mich nicht dauernd! Lassen sie mich
ausreden!“ Chang wird dabei etwas lauter. Ohne Unterbrechung
spricht er weiter: „Wir müssen also unser Schiff reparieren.
Schiffe der reinigenden Flamme sind auf der Suche nach uns,
um uns, und auch eurem Planeten, zu zerstören oder zu
besetzen, wenn sie euch entdecken werden, und das werden
sie! Glauben sie mir!“
Der Reuno ist jetzt etwas verdutzt und verwirrt.
„Wie? Was...? Reinigende Flamme?...Was ist das...?“
Chang erzählt es ihm. Jede Einzelheit. Auch davon, daß sie
drei Besatzungsmitglieder vermissen und suchen. Und am
Schluß fügt er noch hinzu: „Lassen sie mich bitte zurück zu
unserem Schiff! Vielleicht können wir ihnen helfen, indem
wir den Planeten so schnell wie möglich verlassen! Denken
sie darüber nach!“
„Unmöglich, das geht nicht! Ich kann sie nicht so einfach
gehen lassen! Sie sind zu wertvoll!“
„Gut, wenn sie es so wollen! Ich habe sie gewarnt!“
Dann fällt Chang etwas ein.
„Und außerdem ist in meiner Uniform ein Peilsender
versteckt! Meine Leute werden mich aufspüren und hier
herausholen!“ blufft er.
„Na ja, irgendwas kann ich schon für sie tun!“ erwidert
darauf der Reuno leise.

58
„Ich versuche, mit dem Neliklan darüber zu sprechen, das ist
das Regierungsoberhaupt dieses Planeten. Wir sehen uns
später noch mal!“ Und die drei Reunos verlassen den Raum.

Chang lacht in sich hinein, und grinst dabei. „Lief doch gar
nicht so schlecht!“ murmelt er vor sich hin.

11.KAPITEL: Jagt mit Hindernissen!

Njoc´Arc, ein 1,45 Meter großer Reuno, ist mit seinem Freund
Reclam Orhsc auf der jagt nach Rjenjaks. Das sind
pferdeähnliche Tiere, die es nur noch sehr selten gibt auf
Reeljickaah, weil die Reunos sie fast ausgerottet haben.
Diese Tiere stehen unter strengem Naturschutz. Es ist
Verboten, sie abzuschießen, es gibt dafür sehr harte
Freiheitsstrafen, wenn man erwischt wird.
Dieses Tier ist deshalb so begehrt, weil es großes Horn an
der Stirn hat, und wegen seinem schneeweißen Fells, worauf
die weiblichen Reunos abfahren. Er werden sehr hohe Preise
gezahlt auf dem Schwarzmarkt.
Njoc´Arc ist schon alt, seine lederartige Haut hat schon
viele Falten, und hängt teilweise schlaff herab. Er hat das
40. Lebensjahr schon erreicht. Für Reunos ist dies ein hohes
Alter.
Sein Begleiter, Reclam Orhsc, ist fast 10 Jahre jünger. Er
könnte sein Sohn sein.
Reclam Orhsc hat noch, neben seinem einfachen Gewehr, eine
schwere Waffe mit Mini-Rak-Geschoßen bei sich. Diese hat er
zur Abwehr von wilden Tieren dabei.
Die zwei Reunos streifen in der Wildnis von Reeljickaah
herum, es ist schon hell. Sie sind schon lange in der Ebene
unterwegs. Noch als es dunkel war, verließen sie eine kleine
Holzhütte, wo ihr Fluggerät steht. Die beiden Reunos
begegneten vorhin unterwegs ein paar wilde Eingeborene. Sie
schlachteten diese sinnlos nieder. Auch das ist Verboten,
und wird mit dem Tod bestraft, nach dem Gesetz von
Reeljickaah.

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Sie haben bis jetzt noch kein einziges Rjenjak gefunden,
denn diese Tiere sind sehr scheu. Es gibt sie nur noch in
dieser Gegend. Dort leben noch 60 bis 150 Tiere.

Und außerdem haben diese Tiere ein Sekret in ihrer Haut, das
sie vor der Kälte schützt. Aus diesem Sekret wird eine Droge
hergestellt, welche nach Reuno, und überall in diesem
Sonnensystem, geschmuggelt wird.
Diese Droge zersetzt langsam, sehr langsam, den Körper und

Geist eines Reunos, und macht sie abhängig.


Njoc´Arc hat ein Fernrohr bei sich, welches eine sehr hohe
Auflösung hat. Es ist ein Fernrohr der kaiserlichen Armee
von Reuno.
Die Zwei bleiben ein paar Minuten stehen und erkunden die
Gegend. Einige Tiere laufen durch die Ebene. Es ist sehr
ruhig.
Dann sieht Njoc´ etwas. Er gibt das Fernrohr Reclam. Die
Beiden verhalten sich sehr ruhig. Jetzt sieht er es auch. Es
ist ein Rjenjak, ohne Zweifel! Es steht neben einem
Nadelbaum in der Nähe eines Felsen, in einer Entfernung von
fünfzig Metern. Dahinter trotten zwei junge Tiere hinterher.
Daneben ist noch ein Rjenjak.
‚Mist, daß wir keine Fallen aufgestellt haben!‘ denkt Njoc´
vor sich her. Er legt jetzt sein Gewehr an. Das Gewehr hat
eine elektronische Zielsuche. Man trifft also fast immer das
Ziel.
Plötzlich hören sie ein Geräusch. Es ist das Geräusch eines
Jägers oder eines anderen Fluggerätes, sie wissen es nicht
so genau.
Die Tiere sind Aufgeschreckt und laufen davon. Die zwei
Reunos fluchen bösartig. Sie sehen sich um. Dann verschlug
es ihnen die Sprache. So etwas haben sie noch nie gesehen.
Das Fluggerät fliegt in niedriger Höhe. Es kommt rasch
näher.
Reclam ist außer sich vor Wut. Er rastet aus, nimmt sein
schweres Mini-Rak-Gewehr, und zielt.
„Nein! Tu´ das nicht!“ schreit Njoc´Arc. Aber es ist schon
zu spät. Reclam zielt, und schießt auf das fremde Fluggerät!

60
*

Der ‚kurze‘ Ausflug dauert nun doch etwas länger. Seit über
drei Stunden sind die Vier, Jürgen Vogel, Sabine Wild, Terc
´lon und Andrac, schon unterwegs. Sie bleiben aber in der
Nähe des Schiffes, nicht weiter als vierhundert Kilometer
entfernt.

Sie fliegen Rund um die Gegend herum, und landen auch


einmal. Nachdem sie sich im Schnee vergnügt hatten, flogen
sie wieder weiter.
Anfangs waren sie noch voller Euphorie über den gelungenen
Streich, nun macht sich schlechtes Gewissen breit. Oder,
besser gesagt, bei Sabine! Den Anderen scheint dies nichts
auszumachen. Sie wollen am liebsten immer noch in der Gegend
herum fliegen!
„Jetzt ist genug. Laßt uns umkehren!“ sagt Sabine lustlos.
Sie hat keine Lust, länger in der Gegend herumzufliegen.
„Sonst werden wir auch noch vermißt! Wer weis, ob die vom
Schiff noch nicht herausbekommen haben, daß wir den Code
geknackt, und wir uns unerlaubt vom Schiff entfernt haben!
Wir sollten schon so langsam wieder zurückfliegen!“
„Noch ein paar Minuten, dann kannst du zurückfliegen!“ sagt
Jürgen Vogel bittend.
„Meinetwegen!“ murmelt Sabine.
Die Vier überfliegen immer noch die große, flache Ebene in
niedriger Flughöhe, östlich von der Firebird. Sabine, die
Pilotin, steuert den Gleiter. Nur sie hat einen
Pilotenschein.
‚Dann haben wir wenigstens eine Vorschrift nicht verletzt!‘
denkt sich Sabine. ‚Dann können wir auf mildernde Umstände
plädieren!‘ denkt sie ironisch weiter.
Sie sehen die phantastischsten Tiere vorbeihuschen. Für die
Vier ist dies nichts neues. Sie haben schon viele Planeten
besucht. Sie haben Lebewesen gesehen, die konnte man sich
nicht in den kühnsten Träumen vorstellen!

„Hey, was ist das?“ fragt Jürgen und deutet auf den
Ortungsschirm, auf dem ein roter Punkt flackert. Dann geht

61
alles sehr schnell, so schnell konnten die Vier gar nicht
denken!
Etwas explodiert. Gleichzeitig werden sie durchgerüttelt.
Der rechte Flügel wird von mehreren Geschossen gestreift,
und diese Geschosse explodieren und reisen den Flügel ab.

Geistesgegenwärtig und blitzschnell handelt Sabine. Sie


schaltet das Triebwerk ab, löst den Bremsfallschirm für den
Notfall, und versucht, den Gleiter möglichst gerade zu
halten. Dies alles scheint sie fast gleichzeitig zu tun. Und

sie macht das gut, denn das Fluggerät schlingert nur ein
kleines bißchen. Wenige Sekunden später streifen sie den
Boden und schlittern im Schnee, auf dem Dach des Gleiters,
noch ein paar hundert Meter weit. Sie haben auch gutes
Glück, daß sie auf keinen Baum krachen, oder einem Felsen.
Zwei Meter vor einem knorrigen, kleinen Baum bleibt der
Gleiter stehen.

Die Mini-Rak-Geschosse fliegen davon, auf das fremde


Fluggerät zu, welches schon fast nicht mehr zu sehen ist.
Sekunden später ist eine Explosion zu sehen und zu hören.
Der Gleiter stürzt in einiger Entfernung ab, ein paar
Kilometer von hier.
„Bist du wahnsinnig?“ schreit Njoc´Arc außer sich. „Weist
du, was das bedeutet? Das sind Extra-Reunos, man! Bald
werden andere von ihnen kommen, und dann haben wir einen
interstellaren Krieg!“
„Vielleicht leben sie ja noch!“ sagt Reclam, der andere
Reuno, ruhig, als ob nichts wäre. Ihm kommt nun plötzlich
eine Idee.
„Komm, wir gehen zu dem Wrack und sehen nach! Wir nehmen sie
gefangen, und liefern sie aus! Ein paar hundert Clyms von
hier ist eine wissenschaftliche Station, in der ich mal
gearbeitet habe. Wir lassen die Fremden abholen, und

62
kassieren viele Tausend Karjics!“ Das ist eine Geldwährung
in diesem Sonnensystem.
„Das ist doch eine gute Idee, oder nicht?“ Reclams große,
gelbe Augen scheinen aufzublitzen.
„Du bist...! Du..., bist du jetzt völlig durchgeknallt!? Ich
fass´ es nicht! Und wenn...!“ Weiter kommt Njoc´ nicht, denn
er wird von Reclam unterbrochen.
„Jetzt beruhige dich wieder! Für einige Tausend Karjics
würde ich fast alles tun! Wenn man was will, muß man auch
was riskieren!
Die Fremden haben uns die Rjenjaks vertrieben! Dafür sollen

sie büßen! Und ihre Gefangennahme macht uns reich!“


Njoc´ denkt ein paar Sekunden nach, dann meint er: „Also
gut! Du hast ja recht! Aber verrückt bist du trotzdem! Und
geldgierig!“
Er macht eine kurze Pause, dann sagt er, mit funkelnden
Augen: „Ich auch!“
Sie packen ihre Sachen, und marschieren in die Richtung des
Gleiters, der abgestürzt ist. Reclam nimmt sein Mini-Rak-
Gewehr in seine Hand.

Die vier Besatzungsmitglieder, die sich in dem Gleiter


befanden, bleiben unverletzt. Auch sieht das Fluggerät
einigermaßen heil aus, nur ein Flügel fehlt. Der Gleiter ist
auch leicht angeschwärzt.
„Da haben wir gerade noch etwas Glück gehabt!“ meint Andrac
in seinem knurrenden Akzent.
„Das hätte auch schlimmer ausgehen können! Wenn uns das
Ding, was immer es auch gewesen ist, voll erwischt hätte,
wären wir jetzt tot!“ sagt Terc´lon trocken. Die Vier
schauen sich an, dann lösen sie ihre Gurte und steigen aus
dem Gleiter, dessen Tür sich öffnen läßt. Sie nehmen ihre
Notpackete mit, und bleiben draußen stehen.
„Was war das?“ fragt sich Jürgen Vogel.

63
„Das war ein Angriff vom Boden aus!“ beantwortet Sabine
seine Frage. „So ne´ scheiße auch! Das waren bestimmt die
Siedler vom 3. Planeten, warum auch immer!“
„Auf jedem Fall sind wir nun in mächtigen Schwierigkeiten!
Wie sollen wir das erklären!?“ fügt Terc´lon hinzu.
„Ja, da hast du allerdings recht!“ bekräftigt Sabine Terc
´lons Aussage. Jürgen schaut auf den Boden und sagt nichts.
Er fühlt sich mies.
„Was machen wir jetzt?“ fragt Andrac in die Runde. Stille.
Niemand sagt etwas. Sie schweigen fast eine Minute lang,
dann ergreift Sabine das Wort.
„Wir müssen unser Schiff benachrichtigen. Der Funk

funktioniert, glaube ich, noch. Wir werden bestimmt


mächtigen Ärger bekommen, aber wir müssen dafür gerade
stehen, was wir getan haben! Wir sind alle mitschuldig,
jeder einzelne gleich! Vielleicht bekommen wir ja mildernde
Umstände, weil wir uns stellen! Wir müssen mit einer
Kriegsgerichtsverhandlung rechnen! Unseren Kopf werden wir
nicht verlieren, höchstens unseren Job. Seid ihr
einverstanden, daß ich funke?“
„Ja, meinetwegen!“ sagt Jürgen leise. Die Anderen stimmen
ebenfalls zu. Dann geht Sabine in den Gleiter und funkt. Sie
sagt alles. Auch, wie sie die Computer getäuscht hatten,
auch, daß sie abgeschossen wurden, aber unverletzt seien.

Ernst Vogel, der Captain selbst, ersetzt nun den Funker und
spricht selbst in den Intercom.
Er klagt Sabine nicht an. Er scheint sehr ruhig zu sein. Er
kennt seinen Sohn. ‚Das ist bestimmt auf seinem Mist
gewachsen!‘ denkt der Captain nebenher. Irgendwie scheint er
seinen Sohn zu bewundern. Er wird noch mit ihm ein paar
Worte sprechen, wenn er zurück ist, und sich eine nette
Strafe einfallen lassen!
In den Intercom spricht er dann etwas anderes.
„Wir holen euch dort raus! Ich werde einen Gleiter
schicken!“ Sabine gibt die Koordinaten durch, und beendet
den Funkspruch.

*
64
Die zwei Reunos haben schon längst die geheime Station
informiert. Der Führer der geheimen Station sagt zu, und
schickt ein Fluggerät hin zu ihnen, als ihr Standpunkt
bekannt wird.
Njoc´Arc und Reclam Orhsc haben die Absturzstelle fast
erreicht. Nur noch fünfzig Meter trennt sie vor den Fremden.
Die beiden Reunos haben sich hinter einem Felsen versteckt.
Ihre Anzüge sind schneeweiß, so kann man sie im Schnee nur
sehr schwer entdecken.

Neben den Felsen stehen, im Abstand von zehn und sieben


Metern, zwei weitere Felsen. Drumherum stehen ein paar
Büsche und Bäume, dann ist fast 50 Kilometer nichts, aber
bei den Fremden, dort steht ein knorriger, alter Baum.

Njoc´ und Reclam sitzen im Schnee und unterhalten sich. Sie


haben die Fremden schon gesehen. Wenn sie so die Fremden
sehen, vermuten sie, daß sie unverletzt sind, nur einer
humpelt. Sie sehen auch den Gleiter. Er liegt auf dem Dach.
Er ist fast unversehrt.
Aber komischer Weise interessiert den Reunos der Gleiter
nicht. Warum auch immer.
Die Fremden scheinen sie, die zwei Reunos, noch nicht
entdeckt zu haben. Njoc´Arc und Reclam schauen abwechselnd
durch das Fernglas.
„Was sollen wir tun?“ fragt sich Njoc´Arc. „Wenn wir los
gehen, müssen wir damit rechnen, daß die Fremden uns sehen!
Wir wissen nicht einmal, ob sie Waffen dabei haben! Wir
wissen gar nichts, nicht einmal, ob es weitere Extra-Reunos
gibt! Wenn es noch mehr Fremde dieser Sorte gibt, sind sie
bestimmt schon benachrichtigt worden!“
Reclam erwidert darauf genervt: „Beim großen Reijc´Chraa! Du
jammerst schon wieder! Das ist ja grausig! Mir wird schon
etwas einfallen!“
Reijc´Chraa ist eine Gottheit bei den Reunos. Etwa 60% der
Reunos glauben an diese Religion.
„Und schieß sie ja nicht zusammen, wenn sie fliehen!“ meint
darauf Njoc´. „Du mußt Vorsichtig sein!“
„Ich werde schon aufpassen!“ erwidert Reclam gelangweilt.
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Dann kommt ihm eine Idee. „Wir schleichen uns sehr lautlos
und langsam an sie heran! Wir haben doch einen weißen Anzug
an! Damit fällt es ihnen schwer, uns zu entdecken. Setzen
wir unsere Kapuze auch noch auf! Also, lass uns los gehen!“

„Sollen wir nicht lieber warten, bis der Copter da ist?“


fragt Njoc´, der diese Idee nicht so gut fand. Copter sind
Helikopterähnliche Fluggeräte.
„Nein, das geht nicht!“ protestiert Reclam heftig. „Die
Fremden müssen schon in unserer Gewalt sein, wenn der Copter
eintrifft! Ich habe dir schon einmal gesagt, daß wir ein

Risiko eingehen müssen, wenn wir was erreichen wollen! Jetzt


stell dich nicht so an und lass uns los gehen!“
„Wenn du meinst, gut! Einverstanden! Aber beklag´ dich
nicht, wenn etwas schief geht!“
Die beiden Reunos packen ihre Sachen ein und schleichen los,
ganz langsam und ruhig. Nach zwanzig Metern passiert etwas.

Die Vier sitzen im Schnee und warten. Jürgen hält Ausschau


nach den Außerirdischen. Er wird immer nervöser, je länger
sie warten. Jürgen ist der einzige, der steht und in der
Gegend herum humpelt, obwohl er gesundheitlich Angeschlagen
ist.
Die Anderen reden miteinander. Nur Jürgen nicht. Er schaut
fast nur in die Richtung, in die der Gleiter abstürzte.
Links von Jürgen sind ein paar Felsen, er weis nicht die
genaue Himmelsrichtung. Er beachtet sie nicht. Er will
zurück zum Schiff, was die Anderen auch wollen, nur, ist das
Schiff für ihn so etwas wie eine Heimat.

Er wurde in Sternstadt, der Hauptstadt des NDI, geboren, im


Jahre 3050. Sternstadt hatte ganz früher einmal den Namen
Stuttgart, und wurde im frühen 22. Jahrhundert unbenannt in
Sternstadt. Sie wurde so benannt, weil dort hauptsächlich
66
Raumschiffe vom Daimler-Werk gebaut wurden, oder Triebwerke
von Raumschiffen hergestellt werden. Und, das Markenzeichen
dieser Firma ist der dreizackige Mercedesstern!
Noch einen Grund für die Namensbenennung (Umbenennung) ist,
daß Stuttgart zum „Tor zu den Sternen“ wurde, dem
gigantischen Raumhafen, den es Heute, im 31. Jahrhundert,
noch gibt.
Heute, im 31. Jahrhundert, leben in dieser Stadt 180
Millionen Wesen von der Galaxis, nur 69% davon sind
Menschen! Die Anderen kommen von den verschiedensten
Planeten der Galaxis!
Seit 3071 ist es her, als Jürgen zum ersten mal die Firebird

betrat. Seit dieser Zeit war er nur zwei mal zwei Wochen in
Sternstadt!
Auf fremden Planeten befand er sich viel öfters. Er hat in
den 12 Jahren schon hunderte von Planeten besucht. Aber
seine Heimat wurde die Firebird!
Jürgen Vogel denkt nach. Er denkt sich: ‚Wenn die
Außerirdischen uns gefangen nehmen wollen, müssen sie einen
sicheren Ort wählen. Dort, wo man sie nicht sieht! Die paar
Felsen dort sind wie geschaffen für solch ein Vorhaben!‘
Er blickt nun doch zu den Felsen. Er sieht nichts. Er schaut
weiter, läßt sein Blick umher schweifen.
Plötzlich war ihm, als ob sich etwas bewegte. Jürgen ist
sich nicht sicher. Dann schaut er noch einmal etwas genauer
hin. Es sieht aus, als ob sich der Schnee bewegt!
„Hey, dort ist etwas im Schnee!“ schreit Jürgen zu den
Anderen. Die Drei schauen sich überrascht um. Zur gleichen
Zeit hören sie ein Motorengeräusch.
Dann geht alles sehr schnell. Die Außerirdischen sind
aufgestanden, einer der Beiden schießt auf den Gleiter. Er
explodiert eine Sekunde später. Trümmer fliegen davon.

Terc´lon wollte zu den beiden Außerirdischen rennen, als ein


Geschoß vom Gewehr des Anderen vor ihm aufschlägt. Schnee
spritzt auf. Der Tiflon bleibt abrupt stehen.
Die Außerirdischen richten nun die Waffen auf sie. Sie
sprechen in einer Sprache voller Klicklaute und Gequieke.

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„Bleib ruhig Terc´lon, unternimm nichts falsches! Das gilt
auch für die Anderen!“ schreit Jürgen, und schaltet seinen
Translator ein.
Die Vier verhalten sich ruhig. Sie haben keine Waffe in der
nähe.
Die fremden Siedler kommen näher. Sie halten ihre Waffen im
Anschlag und klicken und quieken in ihrer Sprache. Sie
scheinen nervös zu sein. Die Vier hocken sich in den Schnee
und rühren sich nicht. Sie sind gefangen!

12.KAPITEL: Der Neliklan

Arhc´Nehrc´s Jäger und die anderen fünf Reunojäger sind im


Stützpunkt in Rjempt Noor, welcher sich ein paar Kilometer
auswärts von dieser Stadt befindet, gelandet.
Arhc´Nehrc fährt mit einem Bodengleiter, der mit Magnetstrom
betrieben ist, zum Regierungshauptquartier mitten im Zentrum
der 250.000 Einwohner großen Metropole, Rjempt Noor. Die
anderen Reunopiloten haben nun dienstfrei und vergnügen
sich.
Arhc´Nehrc fährt durch einen einigermaßen dichten Nadelwald.
Die Stadt liegt mitten im P´tock Raah´-Wald. Er besteht fast
nur aus schlanken Nadelbäumen, und erstreckt sich viele
hundert Kilometer weit.
Er sieht einige Raumschiffe starten und landen. Der
Raumhafen ist ebenfalls in der Nähe.
Es ist dort kälter als in der großen Ebene, hier herrschen –
47° Celsius! Etwas zu kalt für Reunos, aber die Reunos,
welche auf Reeljickaah leben, haben sich an das rauhe Klima
dieses Planeten gewöhnt. Viele Reunos sind schon von Geburt
an auf diesem Planeten. Ihr Körper hat sich darauf schon
eingestellt.
Das Gefährt erreicht die ersten Gebäude der Stadt. Es sind
schmucklose Quader- und Kastengebäude, aus einem
Betonähnlichem Material gebaut.
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Nach etwa zehn Minuten erreicht er den Regierungsbezierk,
der von Militär- und Polizeikräften stark bewacht ist. Der
Regierungsbezierk ist riesengroß. In der Mitte steht das
Hauptgebäude, ein zylinderförmiges Gebäude, mit einer Kugel
oben drauf. Sternförmig davon stehen weitere größere und
kleinere Gebäude. Rund um den Regierungsbezierk steht ein
meterhoher Zaun mit Selbstschußanlagen, und dieser Zaun
steht ebenfalls noch unter Strom, Starkstrom!
Arhc´Nehrc muß zum mittleren Gebäude. Dort ist auch der
Senat von Reeljickaah untergebracht. Der Senat wird vom
reunischen Volk auf diesem Planeten gewählt. Der Neliklan
wiederum wird vom Kaiser persönlich gewählt.
Der Kaiser befindet sich auf Reuno, und ist das Oberhaupt
der Reunos in diesem Sonnensystem. Es gibt überall im System

versteckte, kaiserfeindliche Separatisten, welche die


Monarchie, die nun schon mehrere hundert Erdenjahre auf
Reuno herrscht, abschaffen wollen, und setzen sich für so
etwas wie eine Demokratie ein. Deshalb ist der
Regierungsbezierk so stark bewacht.
Aber zum Senat will Arhc´ nicht. Er will, oder er muß,
persönlich mit dem Neliklan sprechen.
Er erreicht eine Schranke. Dort stehen schwer bewaffnete
Wachen. Arhc´ zeigt seinen Ausweis, und darf passieren. Die
Straße ist von Schnee freigeräumt. Es sind auch keine
Schneeberge zu sehen, es ist, als ob der Schnee weggedampft
wurde. Wie, das weis Arhc´Nehrc selber nicht so genau.

Als er das Fahrzeug geparkt hat, betritt er das Gebäude. Er


muß auch dort seinen Ausweis zeigen, und seine vierfingrige
Hand auf einen Sensor legen, der mit dem Hauptcomputer
verbunden ist. Der Computer gibt grünes Licht, und die
Wachen winken ihn durch, obwohl er eine Waffe hat. Die
Wachen und der Computer haben erkannt, daß Arhc´Nehrc einen
hohen Rang hat.
Ein paar Minuten später trifft er den Neliklan im
Konferenzsaal mit noch anderen hohen Regierungsmitgliedern.
„Entschuldigen sie die hohen Sicherheitsmaßnahmen, aber in
Pjoc Yahc und vielen anderen Städten des Kaiserreiches,
wurden schwere Anschläge mit Zehntausenden von toten verübt!
Die Nachricht kam vor wenigen racs ein, direkt von Reuno!“

69
sagt der Neliklan betroffen. Das hat sich Arhc´Nehrc fast
schon gedacht.
Dann kommen sie auf die Extra-Reunos zu sprechen. Der
Neliklan fragt sehr genau, er will jede Einzelheit wissen.
Er will nicht so recht glauben, was Arhc´Nehrc und seine
Piloten gesehen haben.
„Es sind eindeutig Extra-Reunos! Ich habe Beweise
mitgebracht!“ bekräftigt Arhc´Nehrc, und öffnet seinen
Koffer. Dort befindet sich eine Computerdisk mit
Filmaufnahmen darauf. Er schiebt die Disk in den Computer.

Die Bildwand im Konferenzsaal zeigt Bilder von großen


Fluggeräten (für Reunobegriffe). Dann ist eine fremde
Sprache zu hören. Reijk´Noor klappt seine Zahnreihe auf und
wieder zu. Ein Zeichen bei Reunos für Überraschung und

Verwunderung.
Allmählich scheint der Neliklan zu begreifen. Ihn erreichte
vor einem rac ein Funkspruch von Janc´Pjorh, dem
Wissenschaftsleiter einer streng geheimen Station. Er gab
ihm, Reijk´Noor, bekannt, daß sie ein fremdes, Extra-
Reunisches Wesen gefangen haben.
Dieser Janc´Pjorh hat ihm auch berichtet, daß sie ein
Übersetzungsgerät in ihren Besitz haben. Der Fremde sprach
von irgend einer Gefahr, und einem riesigen Raumschiff.
Reijk´Noor hatte gesagt, er melde sich später bei Janc
´Pjorh. Der Wissenschaftsleiter hat ihn gefragt, was er tun
solle mit dem Gefangenen.
Daraufhin sagte der Neliklan, er solle nichts tun und
abwarten, was er, der Neliklan, später sagen würde.

Sie sehen auf dem Bildschirm im Konferenzsaal die weiteren


Vorkommnisse. Reijk´Noor sieht, wie ein Reunopilot
durchdreht und schießt, dann ging alles sehr schnell. Er
sieht, wie der Pilot abgeschossen wird, und darauf dann drei
Jäger die Extra-Reunos angreifen.
Diese schießen dann zurück und zerstören die Angreifer.
Dann erlischt die Bildwand, das Licht geht wieder an. Jetzt
begreift der Neliklan, was dies bedeuten könnte. Auch die
anderen Reunos im Saal scheinen zu begreifen. Ein leises
Geklicke und Gequieke ist zu hören. Menschen würden sagen,
ein Raunen liegt in der Luft.
70
Reijk´Noor schaut Arhc´Nehrc besorgt an. „Auch das noch! Wir
haben genug interne Probleme! Und jetzt zetteln wir einen
interstellaren Krieg an!“ Er macht eine kurze Pause, schaut
mit seinen großen Augen in die Runde, und redet dann weiter.

„Ich habe eine Nachricht von einem Leiter einer streng


geheimen, wissenschaftlichen Station bekommen, daß sie einen
der Fremden gefangen genommen haben! Ich werde ihm befehlen,
den Gefangenen hier her zu bringen, in diese Stadt, und er
soll das Gerät der Fremden mitbringen, welches die Sprachen
unserer beider Völker übersetzen kann. Dann sprechen wir mit
den Fremden und liefern ihn am besten aus! Das wäre die
beste Lösung!“
Dann erschüttert plötzlich eine Explosion den Raum und das
Gebäude. Reunos werden zerrissen, andere werden durch den

Raum gewirbelt, wieder Andere werden verbrannt. Ein


Feuerball steigt auf.
Arhc´Nehrc schmeißt sich geistesgegenwärtig auf den
Neliklan, um ihn zu schützen. Eine Druck- und Flammenwelle
rollt über sie hinweg.
Arhc´Nehrc hat eine braune, feuerfeste Uniform an. Sie kann
einiges ertragen. Ihm wurde für einige Augenblicke sehr
heiß, dann war die Feuer- und Druckwelle vorbei. Überall ist
Rauch, es brennt lichterloh, Reuno-Körperteile und Organe
liegen überall verstreut herum, und orangegelbes Blut von
Reunos klebt überall am Boden und an den Wänden.

Arhc´Nehrc und den Neliklan hat es nicht so stark erwischt,


sie leben noch. Sie haben nur ein paar Verbrennungen und
Schrammen am Reunokörper. Arhc´ zieht den Neliklan mit sich,
und zieht ihn aus den Flammen, durch die rauchenden und
brennenden Gänge, wo überall tote und verstümmelte Reunos
herum liegen, ins Freie.

Dort sind Schüsse zu hören, und weitere Explosionen. Überall


steigt Rauch auf, und Flammen entstehen.
Sie sehen durch den Rauch hindurch, wie Reunos auf andere
Reunos schießen. Reijk´Noor stellt fest: „Das sind die
Separatisten! Sie planen wahrscheinlich eine Großoffensive
gegen die Regierung und den Kaiser!“

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Kühl und entschlossen, als ob nichts wäre, sagt der Neliklan
weiter: „Wir müssen in die Stadt, zu einer weiteren
Funkstation, nicht sehr weit von hier! Ich muß dem
wissenschaftlichen Leiter zuerst befehlen, daß er mit dem
Fremden und dem Gerät hier her kommt! Wir müssen uns
durchkämpfen!“
Arhc´Nehrc sagt darauf nichts, er folgt dem Neliklan, der
nun losläuft.

13.KAPITEL: Auf der Suche nach den Vermißten

Es ist 17.30 Uhr Bordzeit. Ernst Vogel ist sehr besorgt. Er


sitzt im Konferenzsaal mit den Anderen, führenden Kräften
der Firebird zusammen. Sie besprechen die Lage.

Von dem Gleiter, den sie zur Rettung von Jürgen Vogel,
Sabine Wild, Terc´lon und Andrac losgeschickt haben, fehlt
jede Spur. Er ist noch nicht zurückgekehrt, auch ist keine
Nachricht von ihm zu vernehmen. Der Captain rechnet damit,
daß wahrscheinlich die Siedler vom 3. Planeten sie
abgeschossen haben, nachdem sie die Nachricht von den
Vorfällen mit der Rettungsmission mitbekommen haben. Der
Captain ist sich sicher, daß es den Gleiter und den Piloten
nicht mehr gibt.
„Ich werde zur Untersuchung in die selbe Gegend schicken,
einen Gleiter in das Gebiet, wo der andere Gleiter vermißt
wird. Zwei Personen werden mitfliegen. Aber diesmal bleibt
der Schutzschirm an!“ Der Captain schweigt ein paar
Sekunden, dann fällt ihm etwas ein.
„Ich werde den Gleiter fliegen! Und ein paar Untersuchungen
durchführen!“

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„Sie?“ fragt der erste Offizier, Wiliam Redhourse. Er ist
überrascht, wie einige Andere ebenfalls.
„Das ist gefährlich, Captain! Wir dürfen sie nicht...!“
Ernst Vogel unterbricht ihn. „Machen sie sich um mich keine
Sorgen, Redhourse! Ich weis am besten, was zu tun ist! Es
ist schon einiges schlecht gelaufen, jetzt will ich es
selbst in die Hand nehmen! Ich werde zwei Raumsoldaten
mitnehmen, die erfahren sind! Die Sitzung ist beendet!“ sagt
er, verläßt den Raum und geht in Richtung Hangar. Unterwegs
benachrichtigt er per Intercom an seiner Uniform die zwei
Raumsoldaten, und befiehlt ihnen, ihn, den Captain, zu
begleiten.

Die Reparaturen des Hyper-Vanderveldgenerators gehen voran.


Höchstens noch 48 Stunden Bordzeit, dann kann die Firebird
wieder starten und den Ort verlassen, heimfliegen.

Bis dahin müssen alle Besatzungsmitglieder wieder an Bord


sein. Möglichst lebend! So denkt der Captain, der mit den
zwei Raumsoldaten im Gleiter davon fliegt. Er hat den
Schutzschirm auf höchste Leistung eingeschaltet. Auch hat
der Gleiter zwei leichte Phaserkanonen an den Flügeln.

Der Captain ist besorgt, auch um seinen Sohn, obwohl er


selber Schuld ist. Es würde ihm, Ernst Vogel, schon freuen,
wenn sie die vier Ausreiser lebend finden würden. Er würde
auf eine Kriegsgerichtsverhandlung verzichten, wenn er die
Vier nur lebend finden würde. Er würde sich schon eine nette
Strafe einfallen lassen!
Sie fliegen durch die kalte, weiße Landschaft. Die beiden
Soldaten heißen Artur Mc Glenn und Annette Border. Sie haben
schon viele Kampfeinsätze und geheime Missionen außerhalb
des Schiffes hinter sich. Sie sind 45 und 50 Jahre alt. Das
entspricht im 31. Jahrhundert den Jahren 35 und 40.

Jetzt sehen sie etwas im Schnee. Der Captain bremst den


Gleiter so weit herab, daß er nur noch mit 43 Km/h fliegt,
73
und kreist in niedriger Höhe um ein Gleiterwrack. Er liegt
auf dem Dach, ist angeschwärzt, und ein Flügel fehlt.
„Das ist bestimmt der Gleiter der Vier, die nun ebenfalls
vermißt werden!“ stellt der Captain fest. Sie schweben in
geringer Flughöhe um die Umgebung herum. Dann können sie was
sehen.
„Da liegen Trümmer herum!“ bemerkt Annette Border. Sie ist
Groß, stark, burschikos und kräftig.
„Wir landen und sehen uns das mal genauer an!“ sagt der
Captain, und landet den Gleiter in der Nähe von ein paar
Felsen, unweit von dem havarierten Gleiter entfernt.

„Ich und Annette gehen raus und schauen uns um. Du, Arthur,
bleibst im Gleiter und paßt auf, was passiert!“ sagt der
Captain. Er und die zwei Anderen haben ihre Kampfanzüge an.

Der Schutzschirm wird für ein paar Sekunden abgeschaltet,

als die Beiden den Gleiter verlassen haben, sonst wären die
Beiden womöglich lebendig gegrillt worden!
Dann schalten die Beiden den Schutzschirm ihres Kampfanzugs
an, um sicher zu gehen. Sie erkunden die Gegend. Sie finden
mehrere Trümmerteile, und Fußstapfen von verschiedenen
Lebewesen.
Dann sind noch kleine, breite Fußspuren zu sehen, und vom
Felsen zum Gleiter sind Schleifspuren sichtbar.
„Wahrscheinlich ist dort jemand gekrochen!“ meint Annette.
„Sie haben recht!“ erkennt der Captain, und verfolgt die
Spuren. Er schaut sich um.
Jetzt entdeckt er wieder etwas. Er läuft hin. Dann sieht er
tellerförmige Absätze im Schnee, die ziemlich tief sind. In
weiten Abständen von einander.
„Schauen sie, dort im Schnee! Ich glaube, das sind Stützen
eines Fluggeräts! Drumherum ist auch der Schnee verweht, wie
von einem Gerät mit rotierenden Flügeln, ich weis auch
nicht, was!“ meint der Captain und denkt nach.
Annette kommt hinzu und sieht es nun auch. Ihr fällt auch
sofort ein, was das sein könnte.
„Ich glaube, eine Helikopterähnliche Flugmaschine, wie es
sie bis Anfang oder Mitte des 22. Jahrhunderts auf der Erde
noch gab!“

74
„Ja, genau, jetzt fällt es mir wieder ein!“ Dem Captain
fällt es wie Schuppen von den Augen.
„Solche Geräte stehen im Technikmuseum in Sternstadt! So ein
ähnliches Gerät muß es sein!“
Dann ist er ein paar Sekunden ruhig und schaut sie an,
danach sagt er: „Sie sind entführt worden von den Fremden!
Die finden wir nicht mehr so schnell!“ Resigniert denkt er
nach.
Nach über zwei Minuten stillen Nachdenkens sagt er: „Wir
gehen zurück zum Gleiter und suchen die anderen Vermißten!
Vielleicht kommen wir ja dadurch weiter! Wenn wir schon hier
sind!“
Annette schaut ihn verdutzt an, sagt dann aber: „Aje, aje,
Captain!“

Der Captain ruft nun über Intercom das Schiff an, und
schickt ein paar Raumjäger (10 Stück) und 1 bis 2
Truppentransporter zu der größten Stadt der fremden Siedler,

die weiter Nordwestlich, 4.100 Km, liegt. Er befiehlt ihnen,


zuerst Kontakt mit den Fremden per Translator aufzunehmen,
und sie sollen nur im äußerstem Notfall das Feuer eröffnen!

Der Captain hat auch erzählt, daß womöglich mehrere


Besatzungsmitglieder von den Fremden gefangen genommen
worden sind, und er die anderen Vermißten suchen werde. Die
Rettungsmission solle weiterhin laufen. Dann verabschiedet
er sich, und der Gleiter fliegt los.

Die fremde, orangegelbe Sonne liegt im Zenit, es ist Mittag


in dieser Gegend auf diesem Planeten, wo sich die Drei,
Andree Riot, Peer Clemens und Jörg Ratzler, befinden. Es ist
19.00 Uhr Bordzeit. Ihre Schutzkleidung ist wieder
durchnäßt, und es ist kalt!

75
Sie konnten durch den Zwischenfall in der Bärenhöhle ihre
Kleidung nicht genügend trocknen, und die Batterien nicht
genügend aufladen.
Es ist trotzdem sehr kalt, auch wenn die Temperatur ein
wenig hoch gegangen ist, das Thermometer zeigt trotzdem noch
–23° Celsius an!
Sie sind am Ende und fertig. Drei Stunden und fünfundvierzig
Minuten sind die Drei nun wieder unterwegs, und haben
weitere fünf Kilometer zurückgelegt. Einige wilde Tiere
begegneten ihnen auf ihrem Weg, die sie verscheucht oder
getötet haben.

Ein paar Wolken tauchen nun am Himmel auf. Die Drei bauen
nun ihre Zelte auf, und machen Rast.
Unweit von ihrem Standpunkt entfernt finden sie eine weitere
Höhle. Jörg Ratzler vergewissert sich, daß keine ‚Bewohner‘
in dieser Höhle sind. Er findet nichts, nur ein paar
Fledermausähnliche Tiere, die aufgeschreckt werden, als er
mit der Lampe hinein leuchtet.
„Diese Höhle ist OK!“ sagt Jörg zufrieden. „Nur ein paar

Fledermäuse!“
Sie ziehen in die Höhle ein, trocknen die Kleidung am
Atomkocher, laden die Batterien auf und erwärmen sich. Sie
haben alle kalte Füße. Peer jammert vor sich hin. Die
Anderen beachten ihn nicht.
Jörg schaut hinaus. Der Himmel verdichtet sich mit Wolken.
„Es wird bald wieder schneien!“ bemerkt er. „Wir sollten ein
paar Stunden hier bleiben und ein wenig schlafen, uns
ausruhen!“ meint Jörg Ratzler.
„Ich werde die erste Wache halten. Wir wechseln uns
zweistündig ab!“
„Ja, und dann schläfst du wieder ein!?“ sagt Andree etwas
abfällig.
Jörg verteidigt sich. „Nein, diesmal passe ich auf! Ich
werde einen Würfelkaffee trinken!“
„Na, dann ist ja gut!“ gibt sich Andree zufrieden. Sie
richten sich ein Abendessen. (weil ihre innere Uhr sich
schon auf den Abend und die Nacht einstellt, und, weil sie
sehr müde und fertig sind!)
Dann legen sich die Anderen schlafen. Sie haben einen
Schlafsack aus sehr dünnem, leichtem Material, aber er hält
76
warm. Es ist nämlich eine Heizung darin eingebaut, die man
nicht sieht.
Jörg Ratzler schaut sich die Höhle genauer an. Sie scheint
ziemlich groß zu sein. Die Höhle ist durchsetzt von
Stalaktiten und Stalakniten.
Als er weiter in die Höhle hinein geht, entdeckt er mehrere
Knochen und Skelette. Sie sehen humanoid aus. ‚Das sind
wahrscheinlich die Eingeborenen dieses Planeten!‘ denkt
Ratzler. Sie scheinen schon lange dort zu liegen. Er fragt
sich, wer oder was sie getötet hat!
Fledermäuse schlafen in der Höhle. Ein paar von ihnen werden
Aufgeschreckt, und fliegen ihm um die Ohren. Sie beißen ihn
ins Ohr. Er blutet. Jörg schreit laut auf.

Die Anderen wachen auf. „Was n´ los?“ nuschelt Andree


schlaftrunken.
„Diese scheiß Biester haben mich gebissen! Ins Ohr und in
die Backe! O Gott, hoffentlich sind diese Biester nicht
giftig!“
„Lass mal sehen!“ sagt Andree. Peer meint: „Sind das

Vampire? Saugen sie Blut von anderen Lebewesen?“


„Quatsch nicht rum!“ weist ihn Andree zurecht.
„Sie werden Aufgeschreckt worden sein, und sind deshalb so
aggressiv! Wir müssen diese Tiere in ruhe lassen!“ fügt er
noch hinzu.
Er schaut sich die Wunde an. Er holt den Medi-Kasten und
nimmt eine weitere Injektionspistole heraus, um sie Jörg in
den Hals zu drücken.
Ein Mittel strömt in seinen Körper.
„So, jetzt wird alles gut, hoffe ich! Wir legen uns wieder
schlafen. Pass weiterhin gut auf uns auf, Jörg!“ Dann legen
sie sich wieder hin.
Jörg klappt den Zeltvorhang auf, der sich vor der Höhle
befindet, zum Schutz vor Kälte.
Er schaut in den Himmel. Es schneit wieder, obwohl es sehr
kalt ist. Es fliegen einige komische Vögel in der Luft
herum, auf der Suche nach Beute.
Dann hört er etwas. Es ist das Motorengeräusch eines
Gleiters.

77
„Das sind unsere Leute!“ schreit Jörg voller Freude. Dann
holt er seine Phaserpistole, schießt in die Luft, fuchtelt
mit den Armen herum und schreit.
„Hier her! Hier sind wir!“ schreit er lauthals. Er rennt mit
bloßen Füßen, und nur bekleidet mit der Unterwäsche, in den
Schnee hinaus. Als die Anderen merken, was los ist, rennen
sie ihm hinterher und schreien ebenfalls lauthals.

Jörg schießt noch ein paar mal mit dem Phaser in die Luft.
Der Gleiter scheint sie bemerkt zu haben, denn er wendet,
drosselt seine Geschwindigkeit und setzt zur Landung an. Er
landet fünfzig Meter von ihnen entfernt.
Die Drei rennen zu dem Gleiter, der mit zwei Phaserkanonen
bewaffnet ist.
Plötzlich wird Andree von zwei Pfeilen getroffen. Er wird an
Arm und Schulter verletzt. Blut strömt aus der Wunde. Er
schaut sich überrascht und verwirrt um. In der Nähe von ein
paar Bäumen und Felsen stehen ein paar große,
Zottelaffenähnliche, wilde Eingeborene, etwa vier von
diesen, und schießen Pfeile nach ihnen. Die Drei sind
überrascht, und laufen geduckt zum Gleiter.
Der Gleiter schießt zwei Phasersalven in die Richtung der

Fremden. Die Schüsse setzen zwei Bäume in Brand. Danach


schießt der Gleiter noch zwei Salven ab. Diese treffen
wenige Zentimeter vor den Wilden in den Schnee. Schnee
verdampft. Die Wilden flüchten, als sei der Teufel hinter
ihnen her!
Der Gleiter öffnet sich. Der Captain der Firebird steigt
aus. Die Drei wundern sich.
„Was, sie persönlich suchen uns?“ fragt Jörg überrascht. Der
Captain sagt nichts. Er geht nur zu Andree Riot und schaut
seine Wunde an.
Er hat ihm die zwei Pfeile wieder herausgezogen. Andree
blutet stark. Er wird verbunden. Dann steigen die Drei in
den Gleiter und fliegen davon.

14.KAPITEL: Julius Cäsar!


78
John Stoneage befindet sich im Cockpit, oder auch Brücke,
eines kleinen Raumbootes, und langweilt sich.
Er sitzt in seinem Sessel und beobachtet den Ortungsschirm,
der nichts verdächtiges Zeigt. Es werden nur unbedeutende
Schiffe von den beherrschenden Wesen dieses Systems
gesichtet.
Seit vier Stunden fliegt die ‚Odysseus-1‘ mit 10-fach
schnellerer Geschwindigkeit, das sind zehn Millionen
Kilometer in der Stunde, als am Anfang, dahin. Sie fliegen
dem 5. Planeten, eines Gasriesen, entgegen.
Jetzt ist das Raumboot vom 4. Planeten etwa 146 Millionen
Kilometer entfernt!
Links und rechts, und oben und unten vom Raumboot entfernt
fliegen die Raumjäger, fünf an jeder Flanke. Sie haben alle,
einschließlich der ‚Odysseus-1‘, den Tarnschild
eingeschaltet, der sie vier Sekunden in die Vergangenheit
versetzt.
Sollten sie in ein Gefecht verwickelt werden, müssen sie den
Tarnschild abschalten, sonst kann das Raumboot und die

Raumjäger nicht ihre Waffen abfeuern.


In der kleinen Brücke befinden sich noch vier weitere
Besatzungsmitglieder. Insgesamt befinden sich auf der
‚Odysseus-1‘ neunzehn Männer und Frauen. Sie besetzen die
verschiedenen Stationen des kleinen Schiffes. Es gibt an
Bord auch einen Arzt und zwei Arztgehilfen(in), für
Notfälle.
Der Colonel, John Stoneage, zündet sich eine Zigarette an
und raucht sie. Der Rauch wird vom Lebenserhaltungssystem
angesaugt und umgewandelt, welches sich auf jedem noch so
kleinem Schiff befindet.
Das Lebenserhaltungssystem hält ewig, mindestens 25 bis 30
Jahre. Dann muß ein neues eingebaut werden, und das ist sehr
Zeitaufwendig.

Das kleine Schiff hat auch eine künstliche Schwerkraft, wie


jedes Schiff im 31. Jahrhundert. Die ‚Odysseus-1‘ hat
Aggregate, welche die künstliche Schwerkraft erzeugen.

79
Früher, sehr viel früher, zu Pionierszeiten noch, im 21.
Jahrhundert, gab es schon Schiffe mit künstlicher
Schwerkraft. Das waren Module, die sich um ihre eigene Achse
drehten, und somit die künstliche Schwerkraft erzeugten. Das
erste Schiff, das bewegende Module hatte, war das erste
Marsschiff, die ‚Mars-1‘, das am 1. April 2023 von der
Mondumlaufbahn zum Mars startete. Die Menschen waren noch
etwas skeptisch, aber es funktionierte.
Seit 2076 an gab es die Schwerkraftaggregate auf irdischen
Schiffen. Von dort an wurden dann diese Aggregate immer
weiterentwickelt und verbessert.
Nun gehen wir wieder zurück ins 31. Jahrhundert.
Der Colonel sieht etwas interessantes auf dem Ortungsschirm.
„Da ist was interessantes auf dem Ortungsschirm! In der Nähe
des Gasriesen. Vergrößern und auf den Bildschirm, Verona!“
sagt er zu einem Besatzungsmitglied. Es ist die Steuerfrau,
Verona Fernandes.
Der Ausschnitt wird vergrößert. Es ist ein Kugelförmiges
Schiff zu sehen, eindeutig ein Kreuzer der reinigenden
Flamme, etwa dreihundert Meter groß. Er fliegt in der Nähe
der Ringe des Gasriesen. Andere Kreuzer sind nicht zu sehen,
aber sie können auch auf der anderen Seite des Gasriesen

sein, wo man sie nicht Orten kann.


Dann taucht auch noch ein zweiter Kreuzer auf, genau so
groß, wie der Andere.
„Hoffentlich tauchen nicht noch mehr von ihnen auf!“ meint
John Stoneage, der Colonel.
Der Firebird konnten zwei schwere Kreuzer nichts antun, aber
dem Raumboot, und den paar Jägern, ist das mehr als genug!

Aber, es hilft alles nichts, sie müssen die Kreuzer


zerstören, um jeden Preis! Sie dürfen nicht entkommen, sonst
ist es um die Firebird und dem Volk dieses Systems
geschehen! Die zwei Kreuzer können nicht viel anrichten, sie
sind nur auf Patrouille, auf der Suche wahrscheinlich nach
der Firebird. Ein Hyperfunkspruch genügt, um Juan Banderas
Flotte zu Alarmieren. Dann dauert es nicht lange, bis
vielleicht hundert schwere Schlachtschiffe davon hier sind!

Die zwei Kreuzer scheinen noch nichts von der Firebird und
dem Raumboot mit seinen begleitenden Raumjägern mitbekommen
80
haben, und das soll auch noch ein Weilchen so bleiben, denkt
sich John. Er schaltet auf Normalfunk um, so daß die Jäger
ihn gerade noch hören können.

„Wir führen eine kurze Hypertransition durch!“ sagt der


Colonel.
„Wir werden den Tarnschild so lange wie möglich an lassen.
Ich weis nicht, ob die zwei Schiffe uns entdeckt haben!
Schaltet den Schutzschirm erst an, wenn wir in Schußweite
sind!“ Sie können erst schießen, wenn der Tarnschild aus
ist.
„Wir greifen die zwei feindlichen Kreuzer sofort an! Ende!“
Wenige Sekunden später treten sie für wenige Sekunden in den
Hyperraum. Für eine kurze Transition reicht auch eine
niedrigere Geschwindigkeit.

‚Julius Cäsar‘, so nennt sich der Captain des einen Kreuzers


selbst, sieht zwei Schiffe von dem Volk des 3. Planeten auf
dem Ortungsschirm, welche auf sein Schiff, die ‚Feuersturm‘,
sich zu bewegen.
„Schießt sie ab! Schickt sie in die Hölle!“ befiehlt er
seinen Männern und Frauen. Er sieht wie ein römischer Kaiser
der menschlichen Frühgeschichte aus. Sein wirklicher Name
ist Luici Stagnore, er hat italienische Vorfahren.

Er hat graues Haar, das glatt auf der Kopfhaut liegt. Sein
Gesicht wirkt hart und versteinert. Er sieht wirklich wie
ein alter, römischer Kaiser aus. Nur, er hat eine moderne,
rote Uniform an. Er ist selbst für das 31. Jahrhundert schon
alt. Er hat stolze hundert Jahre auf dem Buckel!
Er wurde vom Gal-Ab des NDI vor 50 Jahren unehrenhaft
entlassen, und trieb als Raumpirat in der Galaxis sein
Unwesen. Vor wenigen Jahren trat er dann der reinigenden
Flamme bei.

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Jetzt befehligt er die zwei Kreuzer, welche die Firebird
Aufsuchen sollen. Bis jetzt haben sie noch nichts entdeckt,
nur, daß dieses System bewohnt ist.
Er dachte sich, daß die Firebird vielleicht sich in der Nähe
eines Gasriesen verstecken würde, aber dort finden sie
nichts. ‚Nur lästige, unterentwickelte Außerirdische!‘ denkt
‚Julius Cäsar‘ abfällig.
„Sie kommen näher! Sie kommen wahrscheinlich von einer
Station im Orbit um diesen Planeten! Sollen wir den
Schutzschirm einschalten?“ fragt der Steuermann. Er meint
die näherkommenden, länglichen, plumpen Schiffe dieses
Systems. Es sind wahrscheinlich Kriegsschiffe.

„Nein!“ sagt der Captain der ‚Feuersturm‘ in hartem Ton.


„Schießt sie mit ein paar Transformsalven ab, sobald die
Schußweite erreicht ist! Sie können uns nicht schädigen!“

Die fremden Schiffe funken in einer fremden Sprache.


„Beachtet sie nicht!“ sagt Julius Cäsar hart. Sein Gesicht
ist hart wie Stein, mit ein paar Narben versetzt.

Dann ist die Schußweite erreicht. „Feuer frei!“ befiehlt der


Captain. Die ‚Feuersturm‘ feuert.

Augenblicke später verglühen die Schiffe in einem gewaltigem


Glutball. Es wird für einen Augenblick sehr, sehr hell, wie
eine kurz aufleuchtende Sonne, die sofort wieder verblaßt.
Nichts, kein Trümmerstück ist zu sehen!
„Captain, Captain, dort ist was auf dem Ortungsschirm! Der
Ortungsschirm meldet eine Hypertransition!“ Ein junger
Fähnrich ist ganz Aufgeregt.
Julius Cäsar schaut auf den Schirm. Jetzt erst erkennt er
es.
„Ha! Da haben wir doch etwas! Die schießen wir auch noch ab,
dann schicken wir eine Hyperfunkbotschaft an den Chef. Wo
die her kommen, gibt es auch noch mehr! Schutzschirm
aktivieren! Das gilt auch der ‚Deathstar‘!“ befiehlt der
Captain, und funkt an das zweite Schiff.
„Wir werden sie von diesem Universum fegen!“

82
*

Nach etwa 20 Sekunden im 5-dimensionalen Hyperraum treten


das Raumboot und die Raumjäger in den normalen Weltraum ein.
Sie schalten den Tarnschild aus, und den energetischen
Schutzschild an.
Sie sind nur noch wenige Zehntausende Kilometer entfernt von
den beiden Schiffen, die sich nun auch bewegen.
Zehn Jäger und das Raumboot konzentrieren sich auf ein
Schiff, die anderen Zehn kümmern sich um das andere Schiff.

Das Gesicht von Julius Cäsar ist nun auf dem Bildschirm der
kleinen Brücke der ‚Odysseus-1‘ zu sehen.
„Was, ihr Würmer wollt uns abschießen?“ provoziert der
Captain des Feindes.
„Ich mache euch einen Vorschlag. Wir verschonen euch, wenn
ihr euch ergibt, und den Schutzschirm ausschaltet! Dann
wird...!“
„Ha, ha! Wer’s glaubt, wird selig! Wir ergeben uns nicht!
Wir vernichten sie!“ erwidert der Colonel, John Stoneage,
überzeugt. Er läßt sich nichts anmerken. Er ist in

Wirklichkeit etwas nervös, und hat etwas Angst.

Das Gesicht von Julius Cäsar verschwindet, auf dem


Bildschirm sind nur noch zwei Murmeln (die Schiffe des
Feindes), der nahe Planetenriese mit seinen Ringen, die
Raumjäger und der ein oder andere Mond des Riesenplaneten zu
sehen. Im Hintergrund sind noch ein paar Sterne zu erkennen.

Der Colonel gibt den vier Waffenschützen Bescheid, sie


sollen sich vorbereiten.
Er hofft, die anderen zwei Raumboote, zusammen mit den
anderen 40 Raumjägern, würden ihm zu Hilfe kommen, gibt die
Hoffnung aber auf. Sie sind auf sich allein gestellt!

‚Wir schaffen das!‘ sagt er zu sich, und auch laut, damit


die Anderen es hören können. Er will ihnen somit Mut
zusprechen.

83
Die zwei Schiffe der reinigenden Flamme werden rasch größer
auf dem Bildschirm. Nur noch wenige Sekunden ist die
Schußweite entfernt. Sie würden die außerirdischen Schiffe
rächen, das schwört sich der Colonel. Die Nerven sind
angespannt, auf der ‚Odysseus-1‘ und den 20 Raumjägern. Zum
Glück schicken die Kreuzer keine Jäger heraus, denn dann
wären sie alle verloren. Jeder Kreuzer dieser Größe hat etwa
30 bis 40 Jäger verschiedener Größen an Bord!

Womöglich schicken sie diese nicht heraus. Der Captain des


Feindes ist zu selbstsicher!
Dann fallen die ersten Schüsse, auf beiden Seiten fast
gleichzeitig. Die Schutzschirme leiten die Energie um, und
halten. Noch!
Die Raumjäger der Firebird sind sehr wendig und schnell, und
bekommen nur wenige Treffer ab.
Selbst das Raumboot ist schnell und wendig. Die ‚Odysseus-1‘
bekommt ein paar schwere Treffer ab. Der Schutzschirm wehrt
die Schüsse ab, das Boot wird trotzdem durchgeschüttelt.
Alle im Boot sind zum Glück angegurtet!
Die schweren Transformgeschütze der ‚Odysseus-1‘ feuern
ununterbrochen Transformsalven ab. Eine solcher Salven hat
die Energie von mehreren hundert schweren Atombomben!

Die ersten Jäger vergehen in einem sonnenhellen Glutball.


Die Salven von Kreuzern haben viel mehr Durchschlagskraft
und Leistungsfähigkeit, wie die von Jägern. Auch ist der
Schutzschirm von Jägern lang nicht so stark, wie bei den
beiden Kreuzern, aber verglichen mit der Firebird, sind
diese Kreuzer leicht zu brechen. Aber dieses Schiff ist
nicht da!
Weitere Transformsalven treffen das Raumboot. Heftige
Erschütterungen sind zu spüren, funken sprühen von den
Schaltpulten. Der Colonel gibt heftige Befehle. Lang würde
das Boot nicht mehr halten.
Einige Besatzungsmitglieder werden verletzt. Es würde bald
Struckturlücken im Schutzschirm geben.
„Schutzschirm bei 15%!“ schreit Verona. Sie hat Angst, wie
alle an Bord des kleinen Raumgefährts.
Weitere vier Jäger verglühen im Transformfeuer. Der Colonel
gibt den Befehl, das Boot solle sich von den Kreuzern
84
entfernen, damit sich der Schutzschirm wieder Aufladen kann.
Er ist nämlich nur noch bei acht Prozent!

Das Boot schießt mit hoher Geschwindigkeit davon. Ein


Kreuzer folgt ihm. Die Jäger bleiben in der Nähe der Kreuzer
und schießen auf sie.
Die Kugelform der Kreuzer ist vorteilhaft für sie, denn sie
können von allen Seiten feuern.
Der eine feindliche Kreuzer schießt nun auf die Jäger, und
gleichzeitig auf das Boot. Der Kreuzer ist nicht so schnell,
er kann nicht so schnell beschleunigen wie die ‚Odysseus-1‘.
Deshalb kann der Schutzschirm etwas erholen.
Er ist wieder bei dreiundfünfzig Prozent. Das Boot wendet
sehr schnell, und fliegt wieder auf den Feind zu.

Es feuert wieder. Der Feind bekommt viele Treffer ab, und


hat viele Verletzte und ein paar Tote zu beklagen. Zwei
weitere Jäger werden abgeschossen. Die ‚Odysseus-1‘ bekommt
einen Treffer auf eines der schweren Geschütze. Ein
Besatzungsmitglied wird dabei getötet.

Nun, endlich, treten die anderen zwei Raumboote und die 40


Raumjäger aus dem Hyperraum, um ihnen zu helfen.
„Das war aber höchste Zeit!“ funkt der Colonel. Er ist nun

sehr erleichtert.
Zu Dritt stürzen die Raumboote auf einen Kreuzer zu, und
schießen aus allen Rohren. Der andere Kreuzer eilt ihm zu
Hilfe, aber es nützt nicht viel!
Nach einer knappen Minute verglüht der erste Kreuzer. Dann
stürzen sie sich auf den anderen feindlichen Kreuzer. Er
will fliehen, ist aber zu langsam.
Auch er verglüht wenig später in sonnenheller Glut.
Sie jubeln alle, sind froh, das sie noch einmal davon
gekommen sind!
Die Verletzten werden versorgt. Die Gefahr ist vorerst
Gebannt!

85
15.KAPITEL: Jürgen Vogel und Co.
in Gefangenschaft!

Die vier Ausreiser befinden sich zusammen mit Chang in einem


Gefängnis in der wissenschaftlichen Station der Reunos. Sie
sehen sehr niedergeschlagen aus.
„Soll ich die Tür einrennen und aufbrechen?“ fragt Terc´lon
beifällig.
„Nein, lass den Quatsch! Die kannst du nicht aufbrechen!“
erwidert Jürgen darauf, dem seine Knochen weh tun. Er sitzt
auf einem klapprigen Stuhl, der aussieht wie ein
Kindergartenstuhl. Für Reunos sind diese Stühle wie
geschaffen, nur für Menschen nicht!
Jürgen kommt sich albern vor, und legt sich deshalb auf den
Boden. Sie haben schon das ein oder andere Wort mit den
Reunos, wie die kleinen Fremden sich nennen, gesprochen.
Einer der Fremden hatte zufällig einen Translator, woher
auch immer. Jürgen glaubt, daß er von Chang ist, den sie ihm
abgenommen haben.
Die Fremden sagten irgend etwas von wissenschaftlichen
Versuchen, die sie mit ihnen durchführen wollen, was immer
das auch bedeuten mag!

„Na Super! Da sind wir aber schön in was hineingeraten!“


sagt Jürgen vor sich her. Die Anderen sagen nichts.
„Diese kleinen Giftzwerge wollen uns aufschneiden, ja,
bestimmt!“
„Wir Menschen waren genauso! Vor Tausend Jahren!“ meint
Sabine trocken.
Dann meldet sich Andrac zu Wort. „Ich glaube, unsere Leute
von der Firebird werden uns hier raus holen!“
„Ja, sollen wir so lange sitzen bleiben und warten, bis sie
uns holen? Oder die Reunos uns aufschneiden!? Wir müssen
hier raus, und zwar schnell!“
Jürgen Vogel ist deprimiert. Gerade deshalb, weil er ja
alles selber angezettelt hat, und sogar selber Schuld ist!
Das plagt ihn jetzt. Sabine erwidert darauf: „Wie willst du
das anstellen? Einfach hinauslaufen und Tschüs sagen, oder
wie!?“
86
„Das weis ich jetzt noch nicht! Aber mir wird schon was
einfallen!“
„Wir dürfen nichts unüberlegtes tun!“ bekräftigt Sabine.
„Wir haben keine Waffen, nichts!“
Jetzt meldet sich auch Chang Pjöng Yang zu Wort. „Ich habe
mit den komischen Außerirdischen gesprochen. Ich glaube, wir
sollten uns noch etwas gedulden!“
Dann erzählt er, was er mit den Reunos gesprochen hat.

Die schwere Tür öffnet sich, und drei Reunos kommen herein.
Die zwei kleineren haben Waffen im Anschlag. Der etwas
größere, es müßte Janc´Pjorh sein, denkt sich Chang, hält
den Translator in der Hand.
„Wir wollen ein paar ungefährliche Versuche mit ihnen
durchführen!“ sagt Janc´Pjorh. „Ich hoffe, es wird ihnen
nicht weh tun! Und außerdem,“ er wendet sich an Chang, „habe
ich mit dem Neliklan gesprochen! Er sagte nur, er wolle sich
später noch mal melden! Aber bis dahin werden wir ein paar
Untersuchungen mit ihnen durchführen!“
Die Anderen wollen etwas sagen, doch der Reuno läßt sie
nicht zum Reden kommen. Er sagt: „Bitte folgen sie mir! Und
stellen sie nichts unüberlegtes an! Dann wird euch nichts
passieren!“ Die Fünf folgen ihm. Sie haben ja keine Wahl!
Jürgen sagt in leisem Flüsterton zu Sabine: „Ja, von wegen
warten! Jetzt sind wir dran!“

Sie werden durch lange Korridore geführt. An den Seiten sind


hin und wieder Türen zu sehen, die sich öffnen, als ein
Reuno einen Code eingibt.
„Die Decke ist eindeutig zu niedrig!“ bemerkt Terc´lon, der
gebückt durch den Gang geht.
„Solche wie dich gibt es auch nicht jeden Tag!“ meint Jürgen
Vogel darauf stichelnd. Er kann gerade noch aufrecht gehen.
Oder, besser gesagt, humpeln. Er humpelt nämlich immer noch.
Dann meint er noch: „Hier gibt es halt kleine Zwerge!“
Hin und wieder laufen ein paar Reunos vorbei. Manche von
ihnen haben auch eine Waffe.
„Wir müssen hier fort!“ flüstert Jürgen Sabine zu.
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„Wir warten eine günstige Gelegenheit ab, dann flüchten wir!
Ist immer noch besser, als hier zu sterben! Lieber will ich
auf der Flucht sterben! Wir müssen etwas riskieren!“
„Also gut, Okay! Warten wir eine günstige Gelegenheit ab!
Sag es den anderen Dreien!“ Jürgen ist etwas überrascht über
Sabines Einverständnis, dann spricht er flüsternd mit Terc
´lon, Andrac und Chang.
Jürgen schaut auf die Uhr. Es ist 22.00 Uhr Bordzeit.
Sie besteigen einen Aufzug, der nach unten fährt.
„Jetzt!“ flüstert Jürgen, und gibt ein Zeichen.
Blitzschnell schlägt Terc´lon den beiden waffenbesitzenden
Reunos mit seiner großen Pranke eins über. Sie knallen
bewußtlos an die Aufzugswand. Jürgen und Sabine nehmen die
Waffe in ihre Hand. Jürgen drückt den Lauf der Waffe Janc
´Pjorh an den Kopf und sagt: „Bewegen sie sich nicht! Ganz
ruhig! Wir wollen ihnen nichts tun, wir brauchen sie noch!“
Der Translator übersetzt dies, dann erwidert der Reuno nach
kurzer Pause: „Was wollen sie denn tun? Sie kommen niemals
lebend hier raus, niemals! Sie haben keine Chance! Es gibt
in dieser Station hunderte von schwer bewaffneten Soldaten.
Geben sie auf, hier und jetzt! Dann werde ich vergessen, was
ihr getan habt! Also, was ist? Wie Entscheidet ihr jetzt?“

Jürgen scheint dies nicht zu beeindrucken. Er sagt nur:

„Halten sie den Aufzug an!“


„Das geht nicht!“ erwidert der Reuno.
„Sie bluffen!“
„Nein, es geht wirklich nicht! Das ist ein spezieller
Aufzug, er kann nicht gestoppt werden! Er fährt nach unten!“

„Wie kommen wir nach oben?“ fragt Jürgen unfreundlich, und


drückt den Lauf der Waffe fester an den Kopf des Wesens.
„Gar nicht! Geben sie endlich auf!“
„Wie kommen wir nach oben?“ bekräftigt Jürgen seine Frage,
und läßt nicht locker.
„Ist ja gut, ich sag’s ihnen!“
„Keine faulen Tricks!“
„Einverstanden. Also. Ich muß unten meinen Code eingeben.
Dann fährt er wieder nach oben!“
„Dann tun sie das!“ befiehlt Jürgen bestimmend.

88
Sofort darauf kommt der Aufzug unten an. Die Tür gleitet
auf. Ein steriler Gang ist zu sehen, und es riecht nach
Krankenhaus, empfinden Jürgen und die Anderen.
Ein paar Reunosoldaten haben erkannt, was im Aufzug abläuft,
und ziehen sofort ihre Waffen.
Jürgen steht hinter der Geisel, drückt sie an ihn ran und
hält die Waffe weiterhin an seinen Kopf.
„Machen sie nichts falsches, oder er ist Tod!“ droht er. Der
Translator übersetzt dies.
„Legt euch auf den Boden, und legt die Waffen nieder!“
Sabine tretet nun vor, und zielt mit der Waffe in die Menge.
Die Reunos zögern ein paar Augenblicke, dann folgen sie
ihrer Anweisung.
Plötzlich fällt ein Schuß von irgend wo her. Dann geht alles
sehr schnell. Ein Projektil mit Rauch und Tränengas schlägt
vor den Fünf auf und verteilt sich.
Jürgen verliert seine Waffe. Janc´Pjorh nimmt sie an sich.
Terc´lon schlägt wild um sich, und trifft dabei den
Stationsleiter. Die Waffe fliegt ihm aus der Hand.

Sabine schießt mit der Waffe knapp an den Soldaten vorbei,


die versuchen, die Waffe wieder in ihren Besitz zu nehmen.
Sie werfen sich sofort wieder auf den Boden. Flammen und
Rauch steigen auf, durch die Explosionen der Projektile der
Waffe. Es gibt ein paar Verletzte.

Weitere Soldaten kommen hinzu. Zivile Reunos rennen Panisch


und schreiend davon.
Jürgen schnappt sich die andere Waffe, und schießt auf die
ebenfalls schießenden Soldaten. Ein flammendes Inferno
entsteht, mit einigen toten. Die Fünf von der Firebird
bleiben aber unverletzt. Sabine befiehlt Janc´Pjorh, den
Code für den Aufzug einzugeben.
Überall in der großen Station erklingen die Alarmsirenen.
Alle Fünf haben nun eine Waffe. Sie schießen um sich. Jürgen
und Andrac werden verletzt.
Nach endlos scheinenden Sekunden ist der Code eingegeben.
Die Fünf von der Firebird flüchten in den Aufzug. Er fährt
nach oben. Sie haben den Reuno noch immer bei sich.
„Befehlen sie das nächste mal ihren idiotischen Soldaten,
daß sie nicht schießen sollen, sonst setzt´s was!“ sagt
Jürgen drohend zu Janc´Pjorh.
89
16.KAPITEL: Rjempt Noor in Flammen!

Der Gleiter mit dem Captain, den zwei Raumsoldaten und den
drei geretteten an Bord, ist schon wieder in der Firebird
eingetroffen. Die drei Geretteten kommen zur Untersuchung
oder zur Weiterbehandlung in eine Krankenstation. Die
Rettungsmission wurde aufgelöst, und sie treten zur Rückkehr
an. Sie treffen nach und nach in der Firebird ein.

Gegen 21.30 Uhr Bordzeit kommt die Botschaft über Funk rein,
daß die Raumboote, zusammen mit den Jägern, zwei schwere
Kreuzer der reinigenden Flamme abgeschossen haben. Der
Captain wird davon ebenfalls unterrichtet. Es bleibt noch
die Frage, ob die feindlichen Schiffe eine
Hyperfunkbotschaft gesendet haben, oder nicht!

Die Geräte haben nichts angezeigt, aber das heißt nichts,


denn sie könnten auch eine verschlüsselte Botschaft gesendet

haben, welche man nicht orten kann!


Dann ist alles verloren, denkt sich der Captain, aber dies
würde sich sehr bald zeigen.
Ernst Vogel bekommt auch noch mit, daß ein Raupenfahrzeug
verloren gegangen ist, es wurde keine Leiche gefunden. Der
Fahrer, Chang Pjöng Yang, wird für Tod erklärt.

Der Captain befindet sich in seiner Kabine und versucht,


sich zu entspannen, es gelingt ihm aber nicht.

Er macht sich Sorgen. Zu viel ist passiert, ist


schiefgelaufen. Seine größte Sorge ist, daß sein Sohn und
die anderen drei Ausreiser wahrscheinlich in der Gewalt der
Fremden sind. Er würde alles tun, um die Vier wieder aufs
Schiff zu bringen.
Sein Intercom an seiner Uniform summt. Er meldet sich.
90
„Ja, was ist los?“
„Hier Andreas Amrohtd. Wir haben die große Stadt der Fremden
erreicht! Dort herrscht so etwas wie ein Bürgerkrieg! Wir
haben sie über Translatorschaltung angefunkt, aber niemand
meldet sich! Was sollen wir tun? Auf uns wird geschossen,
aber wir haben unseren Schutzschirm eingeschaltet!“
„Schießt auf keinen Fall!“ erwidert der Captain. „Landet die
Truppentransporter, strömt mit ein paar Soldaten in die
Stadt! Laßt den Schutzschirm eures Anzugs eingeschaltet!
Schießt nur im äußerstem Notfall! Verwendet eure
Betäubungsstrahler!“

Damit verstößt der Captain eigentlich gegen das oberste


Gesetz des NDI, dem Gesetz, das den Eingriff in
Auseinandersetzungen fremder, unterentwickelter Spezies
verbietet. Aber es gibt Sonderregelungen in Notfällen, und
dies ist einer! Er sucht seine Besatzungsmitglieder, und er
ist für alle Besatzungsmitglieder der Firebird
verantwortlich! Dies wiederum ist ein anderes Gesetz. Damit
kann die Aufsichtspflicht eines Captains verletzt werden!
Dadurch könnte er seinen Job verlieren, und unehrenhaft
entlassen werden, im schlimmsten Fall droht ihm dann eine
Gefängnisstrafe von mehreren Jahren!

„Informiert euch, wo unsere Besatzungsmitglieder sind, fragt

nach! Setzt den Translator ein! Die Jäger bleiben in der


Luft! Sie sollen um die Stadt kreisen, und Informationen
sammeln. Und, noch was: Stellt nichts unüberlegtes an!“
„Aje, aje, Sir!“ Die Verbindung ist beendet.

In Rjempt Noor dämmert es, die orangegelbe Sonne geht unter,


es wird dunkel, die ersten Sterne funkeln.
In der Stadt ist die Hölle los. Flammen und Rauch steigen
überall auf, Schüsse und Explosionen sind zu hören. Tote und
verstümmelte Reunos liegen überall herum. Es ist ein
91
schrecklicher Anblick. Tausende, oder Zehntausende,
Zivilisten, flüchten aus der brennenden Stadt, oder
verstecken sich in Schutzbunkern und Kellern.

Reijk´Noor und Arhc´Nehrc haben sich durchgekämpft zu einer


Sendeanstalt, einem Nachrichtensender, der etwa 1,5
Kilometer vom Regierungsviertel entfernt ist. Aber dort
liegen überall Trümmer herum. Der Neliklan flucht.

„Was machen wir jetzt?“ fragt Arhc´Nehrc.


„Ich weis es nicht! Ich glaube, das ist das Ende!“ Reijk
´Noor ist deprimiert, niedergeschlagen, denn nun sehen sie
auch noch fremde Flugobjekte am Himmel!
„Jetzt ist alles aus! Sie werden uns den Rest geben!“
Die Flugobjekte überfliegen die Stadt, aber nichts
Geschieht! Sie schießen nicht. Der Neliklan ist überrascht,
dann fällt ihm etwas ein. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist
in seinen großen Augen zu sehen.
„Es ist noch nicht alles verloren!“ sagt er dann zu Arhc
´Nehrc. „Am Rande der Stadt gibt es noch einen kleinen,
geheimen Sender! Ich hoffe, er ist noch kompakt! Wir müssen
uns bis dahin durchkämpfen!“
„Dann laß uns sofort dort hin gehen!“ sagt Arhc´Nehrc bloß.
Sie gehen sofort los.
Sie laufen über Trümmer und zerstörte Gebäude. Viele

Zivilisten kreuzen ihren Weg. Sie sind auf der Flucht.


Manche von ihnen sind verletzt. In ihren großen Reunoaugen
sind Furcht und Panik zu erkennen. Sie beachten die Beiden
nicht, und gehen ihren Weg.
Später finden die beiden hochrangigen Reunos einen fast
unversehrten Bodengleiter mit vier Rädern, den die Menschen
des 21. Jahrhunderts als Auto bezeichnen würden. Dieses
Gefährt, welches mit Magnetstrom betrieben ist, ist
angeschwärzt. Der Bodengleiter ist gegen einen Anderen
geknallt. Er hat ein paar Beulen, kann aber noch verwendet
werden.
„Den nehmen wir!“ meint der Neliklan freiheraus. Arhc´Nehrc
hat keine Einwände und hilft dem Neliklan, den toten Reuno,
der sich in dem Gleiter befindet, und blutüberströmt
(orangegelbes Reunoblut) ist, durch zahlreiche Schußwunden,
sanft heraus zu ziehen. Dann steigen sie ein.
92
Sie kommen nur langsam vorwärts. Die Straße ist voll von
Wracks und flüchtenden Reunos, die in Panik davon laufen.

Schüsse werden auf die Zwei abgefeuert. Es sind Mini-Rak-


Geschosse. Sie können gerade noch ausweichen. Die Geschosse
treffen auf der Straße auf, Zivilisten werden getroffen, und
ein Bodengleiter explodiert, ihnen aber passiert nichts. Es
herrscht nackte Gewalt in den Straßen von Rjempt Noor!

Dann werden sie von Straßensperren angehalten. Es sind


kaiserfeindliche Soldaten. Diese zielen auf die Beiden. Die
Zwei werden durch Waffengewalt gezwungen, stehen zu bleiben,
und auszusteigen.
„Ha, wenn haben wir denn da!?“ sagt ein zu groß geratener
Reuno, an Reijk´Noor gewandt.
„Der Neliklan persönlich! Da haben wir aber Glück gehabt!
Nehmt die Beiden fest und führt sie ab!“

Die Truppentransporter von der Firebird sind gelandet.


Sechzig Raumsoldaten strömen aus. Sie Teilen sich in zehn
Gruppen zu je sechs Soldaten auf.
Andreas Amrohtd, der Colonel, gibt Anweisungen und führt
eine dieser Gruppen an. Er befiehlt, ja nicht zu schießen,
sie sollen den Betäubungsstrahler nur im Notfall benützen.
Panzerfahrzeuge setzten sie gar nicht erst ein.

Sie verlassen die Richtung, wo sie gelandet sind, und laufen


in Richtung Stadt. Durch einen Nadelbaumwald. Sie haben
Schneeschuhe an, um besser vorwärts zu kommen.
Sie sind nicht weit von der Stadt entfernt, etwa drei bis
vier Kilometer. Sie hören Raumschiffe starten. Der Raumhafen
muß dort in der Nähe sein, aber dort wollen sie nicht hin.
Eine Andere Gruppe ist dorthin unterwegs, um nachzusehen.
Die Gruppe von Andreas Amrohtd ist zur Stadt unterwegs.
93
Das Geräusch von Triebwerken ist zu hören. Es sind die
fremden Siedler vom 3. Planeten. Sie fliegen mit ihren
Fluggeräten in niedriger Höhe dahin, werfen Bomben auf sie
und schießen Projektile ab.
Ihnen geschieht nichts. Der Schutzschirm hält noch. Andreas
Amrohtd funkt, und schaltet den Translator hinzu.

„Bitte schießt nicht auf uns! Wir sind friedliche Wesen! Wir
sind Menschen und auf der Suche nach unseren Artgenossen.
Gebt sie uns bitte lebend wieder!“
Der Translator übersetzt dies in klickende und quiekende
Geräusche, der Sprache der Fremden.
Der Fremde, wahrscheinlich der Anführer der Jägerstaffel,
antwortet: „Wir haben keine anderen Fremden gesehen! Wir
wissen nichts davon!“
„Können wir mit einer führenden Persönlichkeit oder ihrem
Vorgesetzten sprechen? Wir wollen nur wieder unsere
Kameraden wiedersehen!“ sagt Amrohtd. Der Reuno erwidert
darauf: „Unserer politischer Führer, der Neliklan, ist
höchstwahrscheinlich schon Tod! Wir haben genug Probleme!
Was wollen sie?“
„Wir wollen nur mit ihnen sprechen, wir wollen nichts böses!
Führen sie uns bitte zu ihrem Vorgesetzten! Schaffen sie
sich bitte nicht noch mehr Probleme!“

„Soll das eine Drohung sein?“


„Nein! Wir wollen euch helfen, so gut es geht! Eine noch
viel größere Gefahr lauert im Weltraum!“
„Was für eine Gefahr? Was reden sie da!?“
Andreas Amrohtd versucht dem Reuno zu erklären, um was es
geht.
Amrohtd ist ein langer, schlanker Mann mit schwarzen
Stoppelhaaren. Er hat braune Augen.
„Sie machen mir allmählich Angst!“ unterbricht ihn nach
einer Weile der Anführer der Jägerstaffel der Fremden.
„Das brauchen sie nicht! Wirklich nicht! Lassen sie uns mit
ihrem Anführer sprechen!“
„Er ist auch nicht da! Vermutlich ist er auch Tod! Aber sie
können zu unserem Stützpunkt kommen. Ich werde die Anderen
Informieren, daß sie euch passieren lassen, dann können wir
in ruhe reden!“
94
Der Fremde gibt ihm die Richtung an und sagt, daß es nicht
mehr weit ist.
„Gut, einverstanden, dann treffen wir uns dort! Ich werde
den anderen Soldaten befehlen, einem Teil, die Hälfte, soll
zum Truppentransporter zurückkehren, die andere Hälfte soll
mit uns zu ihnen in den Stützpunkt gehen. Geht das in
Ordnung?“ fragt Amrohtd.
„Einverstanden. Bis bald!“ Wenig später fliegen die Jäger
davon.
„Scheint doch gut zu laufen!“ sagt Amrohtd vor sich hin.
Nach einem Funkspruch mit seinen anderen Soldaten geht er
los. Die fünf Soldaten seiner Gruppe folgen ihm. Amrohtd ist
etwas erleichtert.

17.KAPITEL: Brenzlige Situation!

Die Fünf von der Firebird und die Geiseln, wovon zwei von
ihnen immer noch bewußtlos sind, befinden sich in dem
Aufzug, der nach oben fährt. Die Fünf sind angespannt, ihre

Nerven sind am zerreißen. Jeden Moment müßten sie oben sein.


Sie wissen nicht, was sie erwartet. Sie warten gespannt.

Dann geht die Tür auf. Die Tür ist umzingelt von
Reunosoldaten.
„Nehmt auf mich keine Rücksicht!“ sagt Janc´Pjorh zu den
Soldaten. „Schießt sie nieder!“ Seine Untergebenen aber
zögern.
„Was ist, habt ihr nicht gehört? Nehmt keine Rücksicht,
tötet mich und die Fremden! Das ist ein Befehl!“ Seine
Stimme hat nun einen hysterischen Unterton.
Sie zögern immer noch. Dann machen sie Platz. Ihre Waffen
haben sie immer noch im Anschlag.
Jürgen und die anderen Vier atmen erleichtert auf. Jürgen
fordert den Reuno unsanft auf, weiter zu gehen. Der Reuno
flucht und schimpft.
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Jürgen platzt nun der Kragen. Er packt den Reuno und
schüttelt ihn durch. Wütend sagt er: „Sollten sie das noch
einmal machen, dann sind sie Tod! Das schwöre ich ihnen!“
Sofort geht Sabine dazwischen.
„Laß das, Jürgen! Laß ihn in ruhe! Das bringt auch nichts!“
Jürgen läßt ihn nach kurzer Zögerung wieder los. Er fügt
noch hinzu: „Wegen ihm wären wir jetzt tot!“
„Wir leben aber noch! Also, beruhige dich und laß uns weiter
gehen!“ meint Sabine. Sie schaut sich um, um zu sehen, was
die Reunosoldaten machen.
Sie zielen noch immer mit ihren Waffen auf sie, unternehmen
aber nichts weiteres.
„Von mir aus! Meinetwegen!“ sagt Jürgen etwas beleidigt. Die
Fünf von der Firebird mit der einen Reunogeisel gehen
weiter. Die beiden anderen Geiseln lassen sie einfach im
Aufzug liegen.
Sie laufen einen endlos scheinenden Korridor entlang. Reunos
laufen ängstlich und in Panik davon, einige Soldaten
schießen auf die Fünf von der Firebird.
Explosionen gibt es rechts und links, und hinter ihnen,
Flammen und Rauch sind zu sehen. Jetzt müssen sie sich
beeilen. Terc´lon nimmt Jürgen in seinen rechten Arm, weil
er nicht so gut zu Fuß ist, und überrennt regelrecht eine
Handvoll Reunosoldaten, die schon ihre Waffen angeschlagen
haben. Sie werden an die Wand geschleudert. Jürgen passiert

dabei nichts.
Terc´lon hält an, weil Jürgen ihm das sagt. Ihm ist nämlich
etwas wichtiges eingefallen.
Sabine hat während dessen den Reuno in Gewahrsam. Jürgen
nimmt wieder das Mini-Rak-Gewehr an sich, und setzt den Lauf
an den Kopf des Reunos.
„Hey, kleiner Zwerg, wo habt ihr unsere Sachen hin? Die
könnten wir ja jetzt anziehen! Und unsere Waffen, zumindest
die von Chang! Die sind sauberer wie eure, und wirken
genauso! Führ´ uns bitte dort hin, sonst setzt´s was!“
„Also gut, ich sag’s euch!“ Jürgen ist überrascht über die
schnelle Antwort von Janc´Pjorh. Dann sagt er: „Und keine
faulen Tricks, ja?“
Janc´ sagt nein. „Die Sachen sind in meiner Kabine, unweit
von hier. Ich werde euch führen!“

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Sie sind alle sehr überrascht über den plötzlichen
Sinneswandel des Reunos.
„Du verarschst uns doch! Das ist ein Trick, eine Falle!“
schreit Jürgen ihn an.
„Nein, das ist kein Trick, auch keine Falle! Es bleibt mir
ja nichts anderes übrig! Wollt ihr nun eure Kleidung, oder
nicht!?“
Immer noch überrascht beantwortet Jürgen seine Frage mit
„Ja! Natürlich!“
Sie gehen weiter. Nach hundert Metern ist ein Schott in der
linken Seite. Es öffnet sich automatisch. Ein etwas
breiterer und höherer Gang führt mehrere hundert Meter
hinein.
Links und rechts gibt es im Abstand von mehreren Metern
weitere Schotts.
„Das ist ein Wohntrakt! Wir sind gleich da!“ sagt der Reuno.
In der Mitte verwandelt sich der Raum in ein großes Rundell,
in dessen Mitte exotische Pflanzen und ein Springbrunnen
steht.
In der Mitte des Springbrunnens ist eine Skulptur in der
Form und Größe eines Reunos.
„Das ist das Abbild unseres Kaisers!“ sagt Janc´Pjorh stolz.
Links und rechts von dem Rundell gibt es ebenso Gänge mit
Schotts an beiden Seiten. Der Reuno führt sie geradeaus
weiter. Dann bleibt er vor einem Schott stehen, und gibt ein
Code ein.

Jürgen und die Anderen empfinden es hier übertrieben warm,


es herrscht eine schwüle Luftfeuchtigkeit, etwas zu warm und
zu feucht für ihre Begriffe.
Das Schott öffnet sich. Es ist aus zentimeterdickem Stahl,
es gibt so etwas wie einen Schutzschirm, einen schwachen.

„Tretet ein! Eure Kleidung liegt hier irgendwo herum!“ sagt


der Reuno etwas zu freundlich. Das fällt Jürgen auf, und er
schreit zu den Anderen: „Paßt auf, das ist eine Falle! Geht
nicht rein! Sonst verschließt er die Tür, und wir sitzen in
der Falle! Habe ich recht, Reuno!?“
Der Reuno scheint überrascht zu sein, oder er spielt es nur.
„Nein, ich wollte nicht...!“ macht er, dann unterbricht ihn
Jürgen energisch.

97
„Du gehst alleine dort rein, und holst unsere Sachen! Und
gib mir den Code, du Giftzwerg!“
Er drückt wieder seine Waffe an Janc´Pjorh´s Kopf: „Wenn du
nicht tust, was ich sage, drücke ich ab!“ bekräftigt Jürgen.

Tatsächlich holt der Reuno eine winzige Chipkarte aus seinem


Anzug, und gibt sie Jürgen.
„Na also, warum nicht gleich so!“ Er tritt drauf, und
zerstört somit den Chip.
„Holen sie nun unsere Sachen, wir warten darauf!“
Janc´Pjorh geht in seine große Kabine. Jürgen und Sabine
zielen mit der Waffe auf ihn. Auf einem Tisch liegen die
Sachen.
„Gib sie uns einzeln!“ befiehlt Jürgen. Der Reuno handelt
ohne Widersprüche.
Als alles draußen im Gang ist, schießt Jürgen auf den
Türcodecomputer. Es macht einen mächtigen Knall, und die Tür
schließt sich, sperrt den Reuno in seiner Kabine ein.
„Wir brauchen ihn nicht mehr!“ sagt Jürgen und zieht seine
Uniform an. Sie haben nun einen Phaser. Besser als nichts.
Nun haben sie wieder ihre Kleidung, nur, haben sie an dieser
keinen Schutzschirm!
Sobald alle wieder ihre Uniform an haben, meldet sich Terc
´lon zu Wort.
„Wir hätten die Geisel nicht dort drinnen einsperren sollen,
Jürgen! Wer zeigt uns jetzt den Weg nach draußen!? Wohl ein
bißchen zu schnell gehandelt, Hm?“

Das scheint Jürgen nicht zu beeindrucken, zumindest merkt


man ihm dies nicht an!
Er sagt nur: „Dann nehmen wir uns halt eine andere Geisel!
Dort draußen laufen ja genügend potentielle Geiseln herum!
Schnappen wir uns eine davon!“ Er schaut auf seine Uhr. Es
ist kurz nach Mitternacht, am 30. August 3083.

98
Reijk´Noor und Arhc´Nehrc befinden sich in der Gewalt der
Separatisten. Fünf Reunos führen sie ab. Die Beiden wissen
nicht, wohin.
Der Anführer sagte seinen Untergebenen etwas in einer alten,
längst bei den meisten Reunos vergessenen, reunischen
Sprache. Früher gab es auf Reuno viele Sprachen und
Dialekte, aber seit das Kaiserreich von Rjancaah vor
umgerechnet 600 irdischen Jahren die Herrschaft auf ganz
Reuno übernahm, führte der erste Gesamtkaiser eine
einheitliche Sprache ein. Heute lernen die Reunos nur noch
eine Sprache in der Schule.
Die Separatisten stammen hauptsächlich von den Pterocs ab,
einem Volk auf Reuno, welches sich stets immer gegen den
herrschenden Kaiser Auflehnte.
Immer mehr Reunos begehren sich in heutiger Zeit gegen den
Kaiser auf. Überall in diesem Sonnensystem.

Die zwei gefangenen Reunos werden Aufgefordert, in einen


Copter zu steigen, der unweit von ihrem Standort auf einem
freien Platz steht.
Sie haben das Fluggerät fast erreicht, da fallen Schüsse.
Der Copter explodiert. Die Separatisten sind schon tot, ehe
sie wissen, was um sie herum geschieht!
Reijk´Noor und Arhc´Nehrc werfen sich auf den Boden. Aus
einem Gebäude kommen etwa zehn Soldaten auf sie zu. Es ist
eine Eliteeinheit Regierungstreuer, der Anführer ist ein
Reunoweibchen.
Weibchen sind bei den Reunos noch etwas kleiner und

zierlicher, sehen aber im Grunde nicht viel anders wie


männliche Reunos aus. Nur das Geschlechtsorgan ist
unterschiedlich, auch haben Weibchen eine etwas hellere
Lederhaut.
Reunoweibchen legen zwei bis drei Eier, sieben Monate nach
dem Geschlechtsverkehr. Die jungen Reunos schlüpfen dann
nach wenigen Stunden. Danach sind die Weibchen erst wieder
nach zwei bis drei Jahren Paarungsbereit, und dies nur ein
zweites mal. Dann sind sie zu alt, nicht mehr paarungsfähig.

„Mein Name ist Rentrah´Njac!“ meldet sich die Anführerin.


„Wie es scheint, geht es ihnen gut, Neliklan!“ Sie hält ihre
rechte Hand hoch und spreizt ihre Finger. Das ist bei Reunos
99
ein typisches Zeichen für Begrüßung. Der Neliklan hält seine
Hand ebenfalls gespreizt an ihre. Das ist so üblich auf
Reuno, und überall, wo es Reunos gibt.
„Ich danke ihnen, Rentrah´!“ sagt Reijk´Noor. Er ist
emotional sehr erfreut über ihre Hilfe und ihr Erscheinen.

Nun begrüßt Rentrah´ auch Arhc´Nehrc. Auch ihm fällt ein


Stein vom Herzen.
„Was suchen sie hier?“ fragt Rentrah´ die Beiden. Der
Neliklan erzählt ihr alles. Von den Anschlägen, von den
Extra-Reunos, und erzählt ihr von ihrem Vorhaben. Sie hört
ihm interessiert zu.
Weiter sagt der Neliklan: „Wir müssen zu einer geheimen
Funkstation am Rande der Stadt, um sie zu informieren. Die
geheime, wissenschaftliche Station soll die Fremden hier her
bringen!“
Rentrah´ meint nur: „So weit braucht ihr gar nicht zu gehen!
Wir haben einen Hochleistungsfunk im Gebäude!“ Sie zeigt zu
dem Gebäude, wo sie, die Eliteeinheit, hergekommen sind.
„Ja, das ist ja Super!“ sagt der Neliklan hocherfreut.
„Dann laßt uns sofort hingehen! Dürfen wir ihren Funk auch
überhaupt benützen?“ Rentrah´ ist einverstanden, und sie
gehen in das Gebäude.

Janc´Pjorh ist wütend. Die Fremden haben ihn durchschaut. Er


schmeißt Gegenstände um sich, und flucht laut.
Nach einer Weile, nach dem er sich etwas beruhigt hat, nimmt
er seinen Funk und stellt ihn so ein, daß alle Reunos in der
Station ihn hören können.
„Hier spricht Janc´Pjorh! Ich bin in meiner Kabine gefangen!
Holt mich hier raus! Aber Vorsichtig! Und sucht weiter die
flüchtigen Fremden. Bringt sie mir, Tod oder Lebendig! Ende
der Durchsage!“
Er hockt nun auf einem kleinem Sessel und wartet. Er schaut
in den Computermonitor, und erstarrt.
Dort läuft eine Nachricht von der Hauptstadt ein. Er bekommt
mit, daß in Rjempt Noor ein richtiger Bürgerkrieg herrscht!
100
„Die Separatisten! Dieses verfluchte Pack!“ denkt er.
Er versucht, den Neliklan zu erreichen, der meldet sich aber
nicht. Die Regierungszentrale ist Tod.
Janc´Pjorh holt sich etwas zu trinken. Es ist der Saft einer
Gjubaah-Pflanze, der dem reunischen Körper und Geist Kraft
und Leistungsfähigkeit gibt. Das Getränk ist so etwas wie
ein Energy-Drink. Dann überlegt sich der Reuno, ob er ein
Bad nehmen sollte, er ist nämlich schon ziemlich
ausgetrocknet.
Der reunische Körper braucht mindestens einmal am Tag
(umgerechnet in irdische Tage) ein Ganzkörperbad, sonst
trocknet der Körper aus. Nach wenigen Tagen ohne Bad kann
sogar der Tod folgen. Denn Reuno ist ein sehr feuchter und
warmer Planet.
Als Janc´Pjorh so in seinen Gedanken ist, piepst plötzlich
der Funk. Der Neliklan meldet sich.
„Bringen sie die Gefangenen sofort in die Hauptstadt! Sie
haben sie doch hoffentlich noch, oder?!“
Die Stimme ist undeutlich, rauschen ist zu hören, man hört
ihn aber trotzdem.
„Ähhh..., Neliklan...! Da ist ein Problem!“ Janc´Pjorh ist
dies sehr peinlich.
„Was für ein Problem!? Was ist los?!“
„Die...Die...Fremden sind uns aus der Kontrolle geraten! Sie
haben ein Chaos angerichtet!“
„Wieso? Was soll das heißen?! Was haben sie mit den Fremden
gemacht?“
Der Neliklan scheint nervös, aufgeregt und ärgerlich

zugleich zu sein. Janc´Pjorh erzählt ihm alles. Er erzählt


ihm, daß er mit den Gefangenen ein paar ‚harmlose‘ Versuche
durchführen wollte. Daß die Fremden ihn eingesperrt haben,
erzählt er nicht!
Der Neliklan tobt. Er schreit fast.
„Sind sie noch ganz bei Trost!? Wissen sie, was das bedeuten
kann!? Vielleicht entfachen wir hiermit einen interstellaren
Krieg! Wir kennen die Fremden nicht, beim großen Reijc
Chraah! Wir wissen nicht, wie sie reagieren! Man, wir haben
genug interne Probleme! Schaffen sie mir diese Fremden
hierher! Egal, wie sie das Anstellen, Überlegen sie sich
was! Nur, bringen sie mir diese Fremden, und zwar lebendig!

101
Bei der Gnade von Reijc´Chraah, wenn den Fremden etwas
passiert!“
Janc´Pjorh ist ganz klein geworden durch die Worte des
Neliklan, die dieser in nicht ganz leisem Ton sagte.
„Ja...Ja...Jawohl, Neliklan!“ sagt Janc´Pjorh nur, er
stottert etwas dabei, so nervös ist er. Der Neliklan
verabschiedet sich. ‚Da sitz ich nun schön in der Klemme!‘
denkt sich Janc´Pjorh.

18.KAPITEL: Flucht vor den Separatisten

Colonel Andreas Amrohtd und seine dreissig Soldaten sind im


militärischen Stützpunkt der Reunos angekommen. Der
Stützpunkt ist groß.
Njelc´Rotcz, der stellvertretende Anführer der Station, der,
welcher mit Amrohtd gesprochen hat, erwartet die Fremden
schon.
Amrohtd befiehlt seinen Untergebenen, die Waffen nicht
anzurühren.
Sie stehen auf einem großen, freien, Betonähnlichen Platz.
Dort stehen mehrere hundert Jäger, Helikopterähnliche
Fluggeräte und Panzer. In einiger Entfernung sind Hangars zu
sehen. Der gesamte Platz, so weit das Auge reicht, ist

schneefrei.
Noch weiter weg sind längliche, riesige Gebäude zu sehen,
wahrscheinlich die Unterkünfte der Reunosoldaten, denkt sich
Amrohtd. Um das riesige Gelände ist ein Meterhoher Zaun, der
unter Starkstrom steht. Vor dem Zaun befindet sich
Stacheldraht und mehrere hundert, wenn nicht sogar Tausende,
von Minen. Es befindet sich alle zweihundert Meter ein
Wachturm. Von dort strahlt helles, gleißendes Licht
rundherum.
Die Menschen haben ein schwer Bewachtes Tor mit Schranken
passiert.

102
Etwa hundert Reunosoldaten bilden rechts und links von ihnen
eine Gasse. Noch einmal hundert Soldaten stehen auf der
rechten Seite, in guter Manier, ihr Gewehr auf dem Boden
stehend.
Auf der Mitte des Geländes steht eine riesige, über hundert
Meter große Statue mit den körperlichen Zügen eines Reunos.

Auf dem gesamten Platz laufen viele hundert von Reunos,


einzeln und in Gruppen, in Reih und Glied, und im
militärischen Gleichschritt gehend, dahin.
Die Statue, so denkt er, ist bestimmt der oberste politische
Führer dieses Volkes, ein Despot, oder ein Diktator, was
auch immer!
Aber, was auch für eine Art von Regierung die Reunos haben,
sie brauchen die Hilfe von ihnen, den Menschen, im Kampf
gegen die reinigende Flamme, denkt Andreas Amrohtd. Er weis
nicht, wie, aber er hofft, wie alle Besatzungsmitglieder der
Firebird, auf das baldige kommen der Gal-Ab-Flotte der East-
Side, die sie informiert haben, per Hyperfunk.
Amrohtd schaut auf seine Uhr. Es ist genau 1.00 Uhr
Bordzeit, am 30. August.
Vor dem 1. September dieses Jahres, 3083, wird die Flotte
nicht eintreffen. Sie müssen mindestens noch zwei Tage
hoffen, daß die reinigende Flamme sie, die Firebird und
dessen Besatzungsmitglieder, nicht vorzeitig mit ihren
Schiffen auftauchen und entdecken. Dann wäre alles aus!

Ein Bodengefährt nähert sich ihnen, es sieht aus wie ein


antiker, altertümlicher Militärlaster des 21. Jahrhunderts
auf der Erde. In diesem Gefährt befindet sich Njelc´Rotcz

mit einem Fahrer und zwei Soldaten. Andreas Amrohtd und


seine Raumsoldaten schalten wieder ihren Translator ein.

Der stellvertretende Leiter der Reunos in diesem Stützpunkt


hat ein Megaphonähnliches Gerät in seinen kleinen Händen. Es
sieht aus wie ein Spielzeug. Der Reuno begrüßt sie.

Er sagt irgend etwas von einem Kaiser, so nennen sie ihr


Regierungsoberhaupt. Er spricht auch von den Separatisten.
Jetzt versteht Amrohtd allmählich, was hier vor sich geht!

103
Dann spricht der Reuno von ihnen, den Menschen. Er spricht
auch von einer drohenden Gefahr aus dem Weltraum, und fragt
Amrohtd persönlich, was es damit auf sich hat.
Der Colonel antwortet ihm, und erzählt ihm alles. Nachdem er
Njelc´Rotcz erzählt hatte, warum sie hier sind, und von der
drohenden Gefahr von der reinigenden Flamme, fragt er
spontan und frei heraus: „Ihr habt vier Besatzungsmitglieder
von uns in eurer Gewalt. Wo sind sie?“
„Ich weis nichts von Gefangenen! Wirklich nicht! Vielleicht
weis der Neliklan Bescheid, aber wir wissen nicht, wo er
ist, und ob er überhaupt noch lebt! Aber wir werden alles
tun, ihn zu erreichen. So lange Gewähren wir ihnen
Gastfreundschaft! Ruhen sie sich aus!“
In diesem Moment kommt ein großes Gefährt auf sie zu,
welches wie ein Bus des 21. Jahrhunderts aussieht, mit
Rädern.
„Steigen sie ein! Dieses Gefährt bringt sie zu ihren
Unterkünften! Machen sie es sich gemütlich!“
„Wir haben keine Zeit, uns auszuruhen! Die Zeit läuft uns
davon!“ erwidert der Colonel. Ihm gefällt das Ganze nicht.

Der Reuno redet auf Amrohtd ein. „Meine hochgeschätzten


Fremden! Auf diesem Planeten ist es nun mitten in der Nacht!
Wir können nichts tun, außer warten auf eine Nachricht! Wenn
der Neliklan noch lebt, wird er sich schon noch melden!
Ruhen sie sich aus! Morgen Früh ist auch noch ein Tag!“

Der Colonel gibt nach. „Also gut! Ich Gewähre uns ein paar
Stunden ruhe. Aber nur sechs Stunden!“

Reijk´Noor, Arhc´Nehrc, Rentrah´Njac und die Anderen der


Sondereinheit werden von Separatisten angegriffen. Mehrere
Panzer schießen auf sie und das Gebäude. Die Separatisten
sind ihnen gegenüber in der Mehrheit, etwa fünfzig bis
sechzig Mann stark.
In ganz Rjempt Noor befinden sich Tausende, wenn nicht sogar
Zehntausende, feindliche Soldaten.
104
Die Separatisteneinheit versteckt sich hinter Trümmer und
Häuserecken, oder hinter Büschen und Bäumen. Sie schießen
auch mit Mini-Rak-Gewehren, Schnellfeuerwaffen und
Panzerfäusten auf sie. Es gibt heftige Explosionen, Rauch
und Flammen steigen auf, der Schnee schmilzt. Bei dem
Angriff sterben zwei Soldaten der Sondereinheit sofort, drei
von ihnen werden zum Teil schwer Verletzt. Auch das
Funkgerät wird zerstört.
Reijk´Noor will noch zu einem Stützpunkt außerhalb von
Rjempt Noor funken. Es gibt mehrere militärische Stützpunkte
rund um Rjempt Noor, er will aber zum größten Stützpunkt
funken, und jetzt ist das Funkgerät kaputt!
„Laßt uns zu Scrapt Yenkct gehen, dem Hauptquartier auf
Reeljickaah! Dort sind wir sicher!“ befiehlt der Neliklan.
Auch er ist verletzt, aber nicht so schlimm.
„Gibt es hier auch noch einen anderen Ausgang aus dem
Gebäude?“ fragt er Rentrah´Njac, die Anführerin.
„Ja!“ sagt sie. „Es gibt sogar im Keller einen Geheimgang.
Von dort sind wir gekommen! Der Hintereingang wird von
Separatisten bewacht! Es wundert mich sowieso, warum sie uns
noch nicht gestürmt haben! Aber sie werden kommen, verlaßt
euch darauf! Wir müssen sofort gehen. Wir stellen die
schweren Geschütze auf Automatik um, und verschwinden von
hier. Auf geht’s!“
Sie stellen die Geschütze auf Dauerfeuer ein, und gehen nach
unten. Kleine, Spielzeugähnliche Treppen führen nach unten.
Dann kommen sie in den Keller des Gebäudes. Gleichzeitig
stürmen Separatistentruppen das Haus.
Sie trauen sich nicht zu atmen, so angespannt sind sie. Dort
unten ist nichts zu sehen, kein Geheimgang. Nur Mauern aus

Beton.
„Da ist doch nichts, gar nichts!“ flüstert Arhc´Nehrc
aufgeregt. Rentrah´ sagt nichts. Sie drückt nur auf eine
winzige Erhebung der Wand, kaum erkennbar.

Aus dem Beton entsteht eine Öffnung. Ein hellerleuchteter


Gang zeigt sich ihnen.

„Tretet ein, schnell! Denn die Wand schließt sich sofort


wieder!“ drängt Rentrah´ leise. Sie betreten den Gang. Als

105
der letzte drin ist, schließt sich der Eingang sofort
wieder.
„Dieser geheime Gang ist selbst mir nicht bekannt!“ Der
Neliklan ist sehr überrascht. Sofort erklärt ihnen Rentrah´
alles.
„Das ist ein geheimer Gang des KGD, des Kaiserlichen
Geheimdienstes. Er führt zu mehreren Stützpunkten dieses
Geheimdienstes! Er führt aber auch nach draußen, in ein
anderes Haus, es gibt viele Verzweigungen! Was wollen sie,
Neliklan? Sollen wir zu einem Geheimdienststützpunkt
gehen!?“
Reijk´Noor denkt nach. Nach einer Weile sagt er: „Wir gehen
gleich zum Militärstützpunkt! Wo endet der Gang?“ Rentrah´
antwortet: „Am Rande von Rjempt Noor, in der Nähe des
Waldes. Etwas weiter Vorne wird der Gang höher und weiter.
Es sind etwa 5 bis 6 Clyms bis zum ende des Ganges!“
„Gut. Diesen Weg gehen wir!“ befiehlt der Neliklan.

Der Neliklan, Arhc´Nehrc und die Sondereinheit sind schon


dreissig Minuten unterwegs. Die Verletzten bringen sie in
einen der geheimen Stützpunkte, wo sie ärztlich Versorgt
werden können.
Sie legen sie in einen automatischen, computergesteuerten
Bodengleiter, der sich auf Luftkissenbasis fortbewegt, und
programmiert ist zu einem der Stützpunkte, mehr aber auch

nicht.
Der Gang verzweigt sich in mehrere Gänge. „Dort entlang!“
sagt Rentrah´, und deutet geradeaus.

Dann, nach ein paar hundert Metern, als der Gang sich
krümmt, begegnet ihnen eine Maschine, ein Roboter. Er ist
1,80 Meter groß, und genau so breit. Er ist metallisch blau,
und hat die Form eines ovales. Aus seinem Körper ragen sechs
Tentakelarme heraus, an dessen Ende schwere Waffen befestigt
sind.
106
„Halt! Stehen bleiben!“ blechert er in reunischer Sprache.
So einen Typ haben sie noch nie gesehen. Er mußte ein
Prototyp sein.
Weiter blechert die Maschine: „Was suchen sie hier? Das ist
ein geheimer Stützpunkt!“
„Ich bin der Neliklan! Lassen sie uns passieren! Das ist ein
Befehl!“
Das aber scheint den Roboter nicht zu beeindrucken.
„Ich kenne keinen Neliklan! Wer ist das?“
„Wer hat sie programmiert?“ fragt der Neliklan unberührt
weiter.
„Das darf ich nicht sagen! Das ist streng Geheim!“
Rentrah´ meldet sich jetzt zu Wort. Sie sagt: „Ich bin
berechtigt! Mein Auge ist im Bioscanner gespeichert! Sehen
sie selbst!“
Der Roboter holt ein anderes Tentakel heraus, an dessen Ende
ein Scanner angebaut ist. Er setzt seinen Scanner an das
Auge von Rentrah´.
Nach wenigen Sekunden sagt er in einer blechernen, monotonen
Stimme: „Sie sind in Ordnung! Sie dürfen gehen!“
Dann scannt er die Anderen, ebenfalls an den Augen. Die noch
fünf übrigen Soldaten der Sondereinheit dürfen auch
weitergehen.
Bei Arhc´Nehrc und Reijk´Noor sagt er: „Sie dürfen nicht
gehen! Sie sind nicht in meiner Datei gespeichert! Sie
bleiben hier und werden abgeführt! Sie haben unerlaubt diese
Gänge betreten!“
Reijk´Noor wollte aufbrausen, doch Rentrah´ hält ihn zurück.
Ihr fällt blitzschnell etwas ein.
„Warten sie einen Moment. Die beiden sind unsere Gefangenen!
Wir führen sie gerade ab!“

Der Robot schaut sie mit seinen Kameraaugen an, wartet ein
paar Sekunden, man merkt ihm an, daß es in seinen
Schaltkreisen arbeitet.
Dann endlich sagt er: „In Ordnung, sie können passieren!“
Der Robot wendet sich ab und rollt weiter. Der Neliklan
atmet erleichtert auf, die Anderen ebenfalls.
„Das ist aber mal eine komische Maschine!“ bemerkt der
Neliklan.
„Ja, durchaus. Aber sie wird uns noch sehr viel nützen!“
meint Rentrah´ nur.
107
Ein paar Minuten sind im Gang gedämpfte Explosionen und
Schüsse zu vernehmen, in einiger Entfernung, in der
Richtung, von der sie kommen.
„Was ist das?“ fragt Reijk´Noor überrascht. Rentrah´ sagt
nur: „Das ist unser Freund, der Roboter!“ Der Neliklan
versteht. Wahrscheinlich sind ihnen die Separatisten
gefolgt, und nun werden sie gekillt von dem Robot!

19.KAPITEL: „Findet mir diese Extra-Reunos!“

Es ist kurz nach 1.00 Uhr Bordzeit, als der Captain


informiert wird von Amrohtd über die neuesten Vorkommnisse.

„Ich werde morgen um 9.00 Uhr Bordzeit vorbeikommen, mit


zwei Raumsoldaten! Ruhen sie sich und ihre Männer und Frauen
etwas aus! Ende!“ Der Intercom verstummt.
„Computer, um 4.00 Uhr Bordzeit wecken!“ sagt er zum
Computer. Er richtet sich für das Bett gehen, zieht seine
Uniform aus und putzt sich die Zähne. Danach sagt er zum
Computer: „Licht aus!“ Er legt sich in sein Bett. Das Licht
wurde langsam ausgeblendet. Der Captain schläft sofort ein.

Janc´Pjorh wird inzwischen aus seiner Kabine befreit. Mit


einem mächtigen Knall gibt die Tür nach.
Die Teile des Schotts fliegen nach innen, zerstören die
halbe Einrichtung, und hätten den Stationsleiter beinahe
getroffen. Zwei, drei winzige Splitter treffen ihn dann
doch. Er quiekt kurz vor Schmerz auf. Rauch beißt ihm in
seiner Reunolunge, er hustet. Zwei Soldaten helfen ihn aus
seiner Kabine heraus.

108
Kurz vorher sprach er ein weiteres mal über Stationsfunk. Er
erklärte die neue Lage, und befahl, den flüchtenden Fremden
nichts anzutun, wenn es irgend wie geht! Sie sollen
Tränengas einsetzen.
Jetzt sagt er zu dem dritten Soldat, welcher draußen steht,
er solle Reparatureinheiten schicken, um die Kabine zu
reparieren. Das sind biologisch mechanische Robots, noch im
Anfangsstadium, wie auf der Erde und im Sonnensystem des
zuende gehenden 21. Jahrhunderts.
Sie sind programmiert, Schäden zu erkennen und zu
reparieren.
„Findet mir diese Extra-Reunos!“ sagt Janc´Pjorh mit
Nachdruck zu den in seiner Kabine befindenden Reunos. Weiter
sagt er: „Und auf jedem Fall lebendig! Setzt von mir aus
auch Gewehre mit Betäubungsmittel ein! Aber erhöht die
Dosis. Es sind keine Extra-Reunos!“
Dann sagt Janc´Pjorh noch zu den drei Soldaten: „Ihr könnt
gehen, mir geht es so weit gut. Ich werde so lange eine
andere Kabine, welche frei ist, benützen und ein Bad
nehmen!“
Die drei Soldaten befolgen widerspruchslos seine Worte und
gehen fort.

Die Fünf von der Firebird, Jürgen Vogel, Sabine Wild, Terc
´lon, Andrac und Chang Pjöng Yang, haben eine neue Geisel
genommen.
Es ist ein Reunoweibchen, das sagte sie ihnen. Sie nennt

sich Rjenc´Trahc. Sie ist Wissenschaftlerin, auch das sagte


sie ihnen.
Zu viert sitzen sie auf Terc´lon, zusammen mit der Geisel,
dem Reunoweibchen, und rasen durch die Gänge, die nun groß
genug sind.
Andrac läuft, mit dem Phaser in der Hand, hinterher. Er ist
nicht ganz so schnell wie ein Tiflon, bewegt sich aber auch
nicht gerade langsam fort!
109
Terc´lon rennt die Reunos regelrecht nieder. Hinter ihnen,
aus Seitengängen, kommen Reunos hervor, und schießen auf
sie. Andrac setzt sie mit dem Phaser außer Gefecht.

Terc´lons Fell wird durch einen Funken in Brand gesetzt.


Jürgen klopft das Feuer mit den Handschuhen aus. Es stinkt
fürchterlich nach verbrannten Haaren. Sie halten deshalb für
ein paar Sekunden den Atem an.
Terc´lon verspürt keinen Schmerz. Zumindest läßt er es sich
nicht anmerken. In seinem Anzug ist ein handflächengroßes
Loch. Auch die Anderen haben in ihren Anzügen Löcher. Terc
´lon muß schon Schmerzen spüren, denn die Hitze tut einem
Tiflon nicht gut. Aber kein Mukser ist von ihm zu hören, er
kann sich Meisterhaft beherrschen, denkt Jürgen.

Dann ertönt in den Gängen ein Rundruf. Sie können nichts


verstehen, weil der Translator nicht genau übersetzt. Nur
ein unverständliches Sprachengewirr ist zu hören.

Wenige Sekunden später ziehen sich die Reunosoldaten zurück,


sie benützen auch ihre Waffen nicht mehr. Es wird ruhig. Der
Tiflon bleibt stehen. Andrac macht es ihm nach.

„Was hat das wieder zu bedeuten!?“ fragt der Tiflon sich.


Die drei Menschen und das Reunoweibchen steigen von Terc´lon
ab.
„Habt ihr verstanden, was über Rundruf gesprochen wurde?“
fragt nun Jürgen die Anderen. Sie schütteln alle mit dem
Kopf. Jürgen wendet sich an die Reunin.
„Was wurde durchgegeben, Reunin? Sag es uns, bitte!“ Er
fragt sie in einem überraschend freundlichen Ton. Nach
kurzem Zögern antwortet sie: „Der Stationsleiter sprach mit
dem Neliklan, das regierende Oberhaupt auf Reeljickaah. Er

befahl, euch ja lebend zu fangen und nach Rjempt Noor, der


Hauptstadt der Reunos auf diesem Planeten, zu bringen!“
„Warum lassen sie uns nicht einfach gehen?“ fragt Jürgen
etwas melancholisch.
„Ich weis es nicht! Der Neliklan will wahrscheinlich mit
ihnen reden. Ergeben sie sich freiwillig! Wir wollen euch
nichts tun! Der Neliklan will auch keine Versuche mit ihnen
durchführen! Der Stationsleiter erzählte auch, daß in Rjempt
110
Noor und vielen anderen Städten ein Bürgerkrieg entfacht
ist. Und der Neliklan ist mit dem Leben nur knapp davon
gekommen!“ Sie erzählt ihm von den Separatisten, und so
weiter.
Dann sagt sie noch, in flehenden, ruhigen Ton: „Bitte legt
eure Waffen nieder und ergebt euch! Ihr macht es nur noch
schlimmer! Ich spreche im Namen meines Volkes, daß euch
nichts geschehen wird! Ich bitte sie, ja, ich flehe sie an,
seien sie vernünftig!“
Jürgen kann es gar nicht gebrauchen, wenn jemand so mit ihm
spricht. Er läßt sich so leicht erweichen!
„Hmmm...!“ macht er. Dann schaut er die Anderen an.
„Was meint ihr dazu?“ fragt er jetzt die anderen Vier. Sie
schauen sich gegenseitig an. Sabine ist die erste, die etwas
sagt: „Die Reunin hat recht! Es klingt einleuchtend, was sie
sagt! Ergeben wir uns!“ Die Anderen stimmen ihr zu. Und
deshalb sagt Jürgen zu der Reunin: „Ich stimme ein! Wir
ergeben uns! Was sollen wir tun?“
„Waffen weglegen, stehenbleiben, Hände auf den Nacken, und
warten! Lassen sie mich gehen, ich spreche mit meinen
Artgenossen!“
Sie befolgen ihre Anweisung ohne Widerrede, und lassen sie
gehen. Sie warten.
„Hoffentlich stimmt das auch, was die Reunin gesagt hat!“
murmelt Jürgen vor sich hin.
Wenige Minuten später kommen ein paar Reunos, etwa vier, und
die Reunin, zu ihnen. Sie tragen Gewehre bei sich, die
anders aussehen, wie die üblichen Waffen.
Ein Reuno spricht mit ihnen, ruhig und lässig, wie es Jürgen
vorkommt.
„Ihr wollt euch ergeben, habe ich gehört! Stimmt das?“ Der
Translator übersetzt dies in lupenreines, einwandfreies
terranisch.

„Ja, das stimmt!“ sagen sie fast gleichzeitig. Der gleiche


Reuno sagt dann: „Bitte verstehen sie, daß wir sie betäuben
müssen!“ Kaum hat er dies gesagt, schon schießen alle vier
Reunos ihre Betäubungsgewehre ab.
Vier von ihnen werden sofort getroffen, nur Jürgen nicht. Er
weis nicht, wie um ihn geschieht. Ein Reuno ladet nach, und
schießt eine weitere Betäubungsspritze ab.

111
Alle, außer Terc´lon und Andrac, sind nun bewegungsunfähig,
fallen auf den Boden. Die Beiden bekommen eine weitere
Betäubungsdosis ab, und fallen dann erst um. Sie sind nun
alle betäubt.

20.KAPITEL: In allerhöchster Gefahr!

Janc´Pjorh nimmt gerade ein Ganzkörperbad in seiner


Ersatzkabine, als die Tür dieser Kabine laut summt.

„Ich habe keine Zeit! Ich will nicht gestört werden!“


schreit Janc´Pjorh aus dem Bad heraus. Der Reuno an der Tür
spricht in das Sprechgerät, welches sich an der Tür in
angemessener Reunohöhe befindet.
„Es ist wichtig, Reclan!“ So wird der Stationsleiter bei den
Reunos auch noch benannt.
„Gut. Einverstanden! Treten sie ein!“ Janc´ drückt auf einen
Knopf. Die Tür öffnet sich mit einem leisen zischen. Ein
etwas kleinerer Reuno tritt ein.
„Warten sie einen Moment, ich bin im Bad!“ Er zieht sich was
über, nachdem er sich abgetrocknet hat.
„Was gibt es so wichtiges, daß sie mich stören?“
Freudig erregt sagt der kleine Reuno: „Herr Reclan, wir
haben die Fremden! Sie sind in unserer Gewalt!“
„Das ist aber mal eine erfreuliche Nachricht! Wie habt ihr
das angestellt!? Und, sind sie am Leben?“ Dies sagt er alles
in ganz normalen Ton.
„Ja, sie sind am Leben! Wir haben sie betäubt und in ein

Gefängnis gesteckt. Sie haben sich zum Glück freiwillig


gestellt, wieso auch immer. Was sollen wir tun, Reclan?
Sollen wir warten, bis es hell wird, oder sollen wir sofort
nach Rjempt Noor fliegen?“
„Wie ist das Wetter draußen?“ fragt der Stationsleiter.
„Es ist bewölkt, es schneit, es gibt aber keine
Schneestürme!“
112
„Gut. Dann fliegt ihr sofort mit einem Copter in die
Hauptstadt. Begleitet sie mit zwei Jägern. Das dürfte
reichen zur Sicherheit. Bringt die Fremden am Besten nach
Scrapt Yenkct, das ist am Sichersten!“
„Zu Befehl, Reclan!“ sagt der Reuno mit erhobener,
gespreizter Hand, und verläßt die Kabine.

Die fünf Gefangenen befinden sich, noch betäubt, auf viel zu


kleinen, rollenden Betten.
Sie sind angegurtet. Sie werden durch die Gänge gerollt, ein
paar Reunosoldaten begleiten sie, mit Tränengasgranaten und
Betäubungsgewehren bewaffnet. Sie bringen die Fremden über
den Hangar in einen großen Copter, machen sie los, und
gurten sie im Copter wieder an. Sie befinden sich dort in
einem abgegrenzten Raum, zwei Wächter sitzen neben ihnen,
zwei Reunos sitzen ihnen gegenüber.
Die fünf Betäubten bekommen alles um sie herum mit, sind bei
Bewußtsein, können sich aber nicht rühren und bewegen, weil
sämtliche Muskeln und Nerven im Körper für wenige Stunden
gelähmt sind.
‚Was haben diese Außerirdischen mit uns vor?‘ denkt Jürgen
besorgt. Jürgen findet dies alles übertrieben. Sie wären
auch so brav mitgegangen!
Aber wahrscheinlich haben sie Angst vor ihnen! Aber sie
haben auch jeden Grund dazu geliefert! Es war wahrscheinlich
doch falsch, wie sie, die fünf Besatzungsmitglieder der
Firebird, sich verhalten haben, denkt Jürgen Vogel
einsichtig vor sich hin.

Er sieht, wie sie in ein großes Fluggerät gebracht werden.


Sie werden angegurtet, vier Reunos begleiten sie. Dann
fliegen sie los, Jürgen weis nicht, wohin.

113
*

Reijk´Noor, Arhc´Nehrc, Rentrah´Njac und ihre überlebenden


fünf Soldaten haben das Ende des geheimen Ganges erreicht.
Sie brauchen dazu 4,5 Klemps, das sind umgerechnet
dreieinhalb Stunden, für den langen Weg. Es gab kaum
Zwischenfälle auf ihrem Marsch.
Zwischendurch war ihr Körper fast ausgetrocknet, sie fühlten
sich nicht wohl.
Da nahmen sie eine kurze Ganzkörperdusche. Alle zwei bis
dreihundert Meter befindet sich so eine Dusche im Gang.
Danach fühlten sie sich wohler. Der Feuchtigkeitsgehalt
eines Reunos war fast für ein Reeljickaah-Tag gedeckt.

Der Gang endet ebenfalls in einem Keller. Sie verhalten sich


leise, weil dieses Haus bestimmt bewohnt ist.
Hier sind an der Decke überall Heizungsrohre zu sehen. Es
gibt dort mehrere Kellerpazellen, vielleicht ein
mehrstöckiges Haus, denkt Arhc´Nehrc sich.

Urplötzlich fallen Schüsse aus einer Schnellfeuerwaffe. Sie


streifen durch die Dunkelheit. Ein paar Kugeln streifen Arhc
´Nehrc an der Schulter und an mehreren anderen Stellen
seines Körpers.
Rentrah´ handelt geistesgegenwärtig. Die noch lebenden
Soldaten machen es ihr nach: Sie schießen ihre Mini-Rak-
Gewehre ab, in die Richtung, woher die Schüsse kommen.

Explosionen sind zu hören, Flammen erhellen den Kellergang.


Wenige Sekunden später sind keine Schüsse mehr zu hören.
„Feuer einstellen!“ befiehlt Rentrah´. Sie sehen
verstümmelte Reunoleichen im Feuer herumliegen. Gelbes
Reunoblut klebt an den Wänden. Dies waren einmal

Separatisten!
Sie verlassen die grausige Szenerie, gehen die Treppen hoch
und begeben sich zum Ausgang des Hauses. Es gibt zwar einen
Aufzug, den benützen sie aber nicht.
Die noch sechs Kaisertreuen schleichen leise und vorsichtig,
mit gezogenen Waffen und angespannt, aus dem Haus.
114
Draußen schleichen ein paar Separatisten herum. Die sechs
Reunos haben sie rechtzeitig erkannt, und schießen ihre
Waffen ab. Die Separatisten feuern zurück mit
Schnellfeuerwaffen.
Keiner von den Kaisertreuen wird getroffen, weil sie sich
hinter der Hauswand am Eingang versteckt halten.
Rentrah´ schaut sich vorsichtig um. Es gibt schon einige
Separatisten, etwa zwanzig bis fünfundzwanzig. Sie haben
sich hinter Autos, Häuserecken und Büschen versteckt. Und in
einem Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind auch
welche, es folgen Schnellfeuersalven zu ihnen herüber. Jetzt
schießen sie sogar Mini-Rak-Geschosse ab.
„Die Lage ist aussichtslos! Wir kommen hier nicht lebend
heraus!“ sagt Rentrah´ verzweifelt zu den anderen fünf
Begleitern, und schaut sie an, jeden einzelnen.
„Wir müssen uns ergeben! Es nützt alles nichts!“ Die Anderen
schauen sie mit ihren großen, gelben Augen an und stimmen
ihr zu, auch der Neliklan und Arhc´Nehrc.
Rentrah´ schreit in die Nacht heraus zu den Separatisten,
ihre Stimme wird aber nicht gehört, sie geht unter durch den
Lärm der Explosionen und der Schnellfeuerwaffen.
Das Haus wird am Eingang getroffen. Sie werfen sich flach
auf den Boden. Trümmer fliegen umher, der Aufzug wird
zerstört, es klafft ein Loch, wo einmal der Aufzug war.

Ein Soldat wird am Kopf von einem Trümmer getroffen und ist
sofort Tod. Gelbes Blut läuft aus der Wunde und verteilt
sich auf dem Boden.
Rentrah´ schreit, so laut sie kann, zu den Separatisten:
„Feuer einstellen, bitte stellt das Feuer ein! Wir ergeben
uns!“ Sie wiederholt das so oft, bis sie nicht mehr kann,
bis ihr die Stimme versagt.
Dann schaut sie wieder um sich, und erstarrt. Nackte Angst
ist in ihren Augen zu sehen. Ihre Pupillen vergrößern sich.

Angst äußert sich bei Reunos ähnlich wie bei Menschen. Das,
was sie sieht, stockt ihr den Atem. Eine ganze Panzereinheit
kommt auf sie zu!
Der Panzerlauf zielt in ihre Richtung, dann wendet sich der
Lauf von drei Panzern um 180°, in Richtung auf das Haus der
gegenüberliegenden Straßenseite. Die anderen drei Panzer
115
zielen auf Bodengleiter und Häuserecken, dann schießen sie.
Ein ohrenbetäubender Knall ist zu hören, Autos,
beziehungsweise Bodengleiter, Trümmer von der Straße, von
Häusern, Reunos fliegen durch die Luft, es brennt, Rauch
steigt auf. Die Gegend ist hell erleuchtet durch Flammen,
Zivilisten flüchten um ihr Leben.

Jetzt weis Rentrah´, was dies bedeutet: Es ist eine


Panzereinheit der Kaiserlichen Armee, der Kaisertreuen!

Sie alle atmen erleichtert auf. Ihnen, dem Neliklan, Arhc


´Nehrc, Rentrah´ und den noch zwei überlebenden Soldaten der
Sondereinheit, fällt ein Stein vom Herzen.
Nach ein bis zwei Minuten ist alles vorbei. Die überlebenden
Separatistensoldaten, welche man mit zwei Reunohänden
abzählen kann, flüchten.
Brennen tut es weiterhin.
Ein Panzer öffnet seine Luke. Ein Reunosoldat mit einem Helm
und Gehöröffnungenschützer, lugt hervor. Er hebt seine Hand
zum Gruß, spreizt sie und sagt: „Hallo, meine Freunde! Ich
bin Lect´Rah, Panzerbrigadeführer der 5. Einheit, seid
gegrüßt! Dachte, ihr seid in Schwierigkeiten, da sind wir
gekommen! Gerade noch rechtzeitig, wie ich sehe! Welcher
Einheit...Oh!“ Er sieht den Neliklan.
„Der Neliklan persönlich! Sie leben also noch, was für ein
Glück!“ Dann schaut er sich um. Er erblickt Rentrah´.
„Oh! Eine schöne Menthra habt ihr auch bei euch!“ So nennen
die Reunos ihre Weibchen.
„Mein Name ist Rentrah´Njac, ich bin die Anführerin einer
Sondereinheit des Neliklan, von der fast keiner mehr am
Leben ist!“ sagt sie etwas melancholisch.
Dann stellt sie noch Arhc´Nehrc vor, dem Oberbefehlshaber
der Streitkräfte von ganz Reeljickaah.
Lect´Rah nickt leicht, macht einen Knick mit dem Körper, und
spreizt die vierfingrige, knochige Hand. Das ist so üblich

beim Militär der reunischen, Kaiserlichen Armee.


Danach sagt er: „Wir können euch mitnehmen! Es ist noch
Platz in unseren Panzern! Wo wollt ihr hin? Wir bringen euch
überall hin, egal, wo!“

116
Diese Einladung läßt sich der Neliklan nicht abschlagen. Er
meldet sich zu Wort: „Wir wollen nach Scrapt Yenkct, wenn
sie uns bitte dort hin bringen würden!?“
„Geht in Ordnung, Neliklan! Also, steigt ein! Eine Person
pro Panzer hat Platz!“
Die fünf Reunos steigen in verschiedene Panzer. Sie fahren
los, in Richtung des Stützpunktes.

21.KAPITEL: Die Betäubten!

Die fünf Besatzungsmitglieder von der Firebird sind schon


Rund 3,86 Klemps unterwegs, in der Luft, in Richtung Rjempt
Noor. Das sind umgerechnet drei Stunden. Der Copter fliegt
ziemlich schnell, in weiteren vier Stunden würde er die
Hauptstadt erreichen.
Jürgen kribbelt es in den Zehen, dann in den Beinen. Er
versucht, seine Zehen zu bewegen. Es gelingt ihm! Er freut
sich. Die Betäubung läßt immer mehr nach, von Zeit zu Zeit.
Den anderen vier ergeht es genauso.
Die Wächter beobachten sie, wollen schon zu den
Betäubungsgewehren greifen, werden aber zurückgerufen von
einem anderen Reuno, der ebenfalls in diesem Raum sitzt.

„Laßt sie in Ruhe!“ sagt er. „Sie können uns nichts anhaben!
Wer weis, ob ihr Körper dies überhaupt erträgt, wenn ihr die
Extra-Reunos noch mal betäubt!“
Jürgen Vogel und die vier Anderen verstehen diese Worte.
Also müssen sie, so denkt Jürgen, ihre Translatoren dabei
haben! Das ist gut.
Jürgen versucht, zu sprechen, die Stimme versagt aber ihren
Dienst. Er versucht es noch einmal, bringt aber nur ein

Krächzen hervor.
‚Ich muß noch etwas warten!‘ denkt er. Nach ein Weilchen
versucht er es noch einmal. Es gelingt ihm noch nicht. Er

117
probiert es noch ein zweites und drittes mal, dann gelingt
es ihm.
„Können sie uns bitte losmachen? Wir verhalten uns auch
ruhig!“ Es ist eine krächzende Stimme. Der Translator
übersetzt dies nicht richtig.
„Was ist los? Ich verstehe sie nicht! Sie müssen deutlicher
Sprechen!“
Jürgen flucht in sich hinein. ‚Dieser scheiß verfluchte
Reuno macht sich lustig über mich!‘ denkt Jürgen Vogel.
Ärger und Wut kommt in ihm auf, unterdrückt es aber, er kann
ja sowieso nichts tun! Er fügt sich seinem Schicksal.

Er wartet ein paar Minuten, dann versucht er es noch einmal.


Der Translator übersetzt seine Stimme einigermaßen richtig.

Der Reuno hat ihn verstanden, und sagt darauf: „Nein, das
geht nicht! Die Gurte dienen zu unserer Sicherheit!“
„Mein Gott, sind wir Gefangene, oder was!? Ich denke, ihr
wollt uns freilassen!? Was soll das ganze? Das ist doch
alles etwas übertrieben!“ Jürgen versucht, sachlich und
ruhig zu bleiben, aber seine Wut und sein Ärger sind in
seiner Stimme doch zu erkennen. Er wird immer lauter.

Aber dann faßt er sich, und sagt in einem weitaus ruhigerem


Ton: „Gut, ich gebe zu, daß wir etwas falsch gemacht haben!
Aber wir möchten es wieder gut machen, ich verspreche es!
Binden sie uns bitte los! Eurem Neliklan wird dies auch
nicht gefallen!“ Jetzt versucht es Jürgen auf diese Tour.
Aber es scheint zu wirken! Der Reuno schaut ihn an, dann
seine Artgenossen. Sie sagen zwar alle nein, der Anführer
der vier Reunos, Yenkc´Plahrt, so heißt er, sagt aber
schließlich: „Gut, Einverstanden, wir machen euch los. Aber
keine Mätzchen! Verhaltet euch ruhig! Dann passiert euch
nichts! Bindet sie los!“
Widerwillig tun die anderen drei Reunos, was ihnen befohlen
wurde. Jürgen ist zufrieden mit seinem Erfolg. Er schaut auf
die Uhr. Es ist 5.30 Uhr Bordzeit.

118
Die sechs Panzer mit dem Neliklan und den anderen Reunos an
Bord, erreichen Scrapt Yenkct etwa 2,57 Klemps vor
Sonnenaufgang (Das sind umgerechnet genau zwei Stunden),
fast ohne Zwischenfälle. Njelc´Rotcz wird sofort
unterrichtet.
Arhc´Nehrc und die drei Überlebenden der Sondereinheit
werden versorgt, und sie ruhen sich aus. Dem Neliklan seine
Wunden werden ebenfalls versorgt. Eine halbe Stunde später
trifft er sich noch mit Njelc´Rotcz in seinem Büro.

Es sieht unaufgeräumt aus: Karten von Reeljickaah liegen auf


dem Tisch herum, Aktenordner liegen herum, auf dem Tisch
befindet sich noch ein Computer. Ein großer Aktenschrank,
drei Stühle, zierlich klein, stehen ebenfalls in dem Raum
herum.
An der gegenüberliegenden Wand hängt die kaiserliche Fahne,
in Reunogröße. Und so sieht sie aus: Auf blauem Grund ist
das Abbild des Kaisers, in schwarzer und roter Farbe, zu
sehen.
Dieser Kaiser erhebt die Hand, in der Hand hält er ein paar
Planeten und Sterne, ein Planet scheint eindeutig Reuno zu
sein. Zwei rote, breite, sternenübersähte Streifen sind auf
der Fahne, links und rechts, insgesamt vier Streifen. Der
Kaiser auf der Fahne wird umrahmt von einem gelben Stern.

Auf dem unaufgeräumten Tisch steht noch eine halb Pilz-,


halb quallenförmige Pflanze von Reuno, einer Reilquerie. Es
ist eigentlich Verboten, diese Pflanzen anzubauen, selbst
eine solche Pflanze in seinem Besitz zu haben, ist
eigentlich Strafbar im gesamten Reunosystem! Denn daraus
werden Psychodrogen gewonnen, und diese werden dann im
ganzen Sonnensystem verkauft.
Diese Drogen gehören zu den harmloseren Drogen, sie werden
auch in der reunischen Medizin verwendet. Diese Droge ist zu
vergleichen mit Haschisch oder Marihuana auf der Erde. Diese
Drogen sind im 31. Jahrhundert schon längst legalisiert im
gesamten NDI-Bereich. Es gibt in diesem Jahrhundert, im NDI-

Gebiet, weitaus gefährlichere Drogen!


Aber gehen wir wieder zurück zu den Reunos.

119
Die beiden Reunos halten ihre Hände gespreizt in der Luft,
dann berühren sie die Hände, ebenfalls in der Luft. Das
ganze ist ein Begrüßungsritual. Danach setzen sie sich.

„Ich freue mich sehr, sie zu sehen, Neliklan!“ sagt Njelc


´Rotcz mit feuchten Augen.
Er erzählt ihm alles, von den Fremden, die auf der Suche
nach anderen Fremden sind, und erzählt ihm von einer
drohenden Gefahr von außen, und daß die Fremden ihnen, den
Reunos, helfen wollen.
Daraufhin unterbricht ihn der Neliklan und erzählt ihm,
Njelc´Rotcz, seine Geschichte. Die ist kurz, zumindest faßt
er sich kurz. Am Schluß sagt er noch: „Auf jedem Fall
befindet sich ein Teil der Fremden in einer streng geheimen,
wissenschaftlichen Station, und wenn alles gut geht, sind
sie bald hier, hoffe ich!“
„Die Fremden, die sich hier, in diesem Stützpunkt, befinden,
sind in friedlicher Mission hier, behaupten sie. Sie klingen
auch sehr Glaubwürdig!“ fährt der stellvertretende
Stationsleiter von Scrapt Yenkct mit reden fort.
Der Neliklan unterbricht ihn wieder. Er sieht besorgt aus.
„Lassen sie mich mit den Fremden sprechen!“ sagt er nur.
„Das geht nicht! Sie befinden sich in einer Ruhephase! Ich
will sie nicht stören! In rund 0,6 Klemps wollen sie geweckt
werden. Wenn sie wach sind, werde ich sie von ihnen
unterrichten, und ein Treffen ermöglichen!“
„Geht in Ordnung, das sehe ich ein! Ich glaube, ich werde
mich noch etwas ausruhen und was essen!“
„Noch was, Neliklan! Der Captain des fremden Schiffes will
in 3,2 Klemps kommen!“
„Gut, dann will ich erst wieder geweckt werden, wenn dieser
fremde Anführer da ist! Dann werde ich mit ihm sprechen!“
Der Neliklan steht auf, verabschiedet sich von Njelc´Rotcz,
und geht aus dem Raum.

22.KAPITEL: In, und um, Scrapt Yenkct, herum!


120
Andreas Amrohtd und seine Truppe ist schon längst wach, als
der Captain fünf Minuten vor 9.00 Uhr Bordzeit eintrifft.
Sie haben erfahren, daß der Neliklan in der Nacht
eingetroffen ist, zusammen mit dem Oberbefehlshaber dieses
Planeten, und noch ein paar anderen Reunos.

Auch erfahren sie, daß die Gefangenen, ihre Kameraden,


hierher unterwegs sind. Sie freuen sich, als sie dies
erfahren. Auch haben sie etwas gefrühstückt, von ihrer
eigenen Verpflegung.
Die Reunos boten ihnen etwas zum essen an, als die Menschen
aber sahen, was die Reunos ihnen brachten, nämlich große,
glitschige Würmer, und Amphibien, dankten sie, dem würgen
nahe, ab. Die Reunos schienen etwas beleidigt zu sein, aber
Amrohtd redete mit ihnen, und erfand irgend etwas, das die
Reunos dann auch noch glaubten.

Der Captain, Ernst Vogel, landet auf der großen,


schneefreien Fläche. Ein eisiger Wind weht.

Er hat noch zwei Begleiter, Arthur Mc Glenn und Annette


Border, zwei Raumsoldaten mit Spezialausbildung, dabei. Die
drei verlassen den Gleiter. Andreas Amrohtd´s Männer und
Frauen stehen Spalier, in militärischer Haltung. Links und
rechts von den terranischen Soldaten stehen, in Reih und
Glied, auf jeder Seite, hundert Reunische Soldaten, den
Kaisertreuen.
Am Ende des Spaliers steht Andreas Amrohtd zusammen mit
Njelc´Rotcz, Arhc´Nehrc, und Reijk´Noor, dem Neliklan.

Der Captain trifft zuerst Andreas Amrohtd und schüttelt ihm


die Hand. Die anderen terranischen Soldaten salutieren, ihre
Hand an die Schläfe führend.
Dann will der Captain den drei Reunos die Hand Schütteln,
die zuerst überrascht, dann verwirrt reagieren. Nach ein
paar Augenblicken begreifen sie. Die drei Reunos schütteln
nacheinander die Hand des Captains.

Es werden ein paar Worte ausgetauscht. Gleichzeitig heben


die Reunos ihre vierfingrige Hand gespreizt in die Luft.
121
Amrohtd ist sehr euphorisch. Er sagt, mit einem lächeln im
Gesicht: „Es sieht alles sehr gut aus, der Neliklan hat mir
gerade erzählt, daß die Gefangenen hier her unterwegs seien!
Sie werden jeden Moment hier eintreffen! Das hier,“ er zeigt
zu Reijk´Noor, „ist der Neliklan, das Regierungsoberhaupt
von Reeljickaah!“
Als gute Geste hält der Captain seine Hand gespreizt hin. Er
erreicht die Hand des Reunos aber nicht, weil seine zu groß
ist. Das ganze ist ihm etwas peinlich!
„Seien sie gegrüßt, Neliklan! Ich möchte mich im Namen aller
Besatzungsmitglieder der Firebird entschuldigen für die
Unannehmlichkeiten!“ Der Translator übersetzt dies fast
sofort.
Sie laufen zu dem großen Gebäude, vorbei an Hangars,
Panzergaragen und Flugzeugen. An manchen Flugzeugen werden
Wartungsarbeiten durchgeführt. Die Reunos und Menschen reden
miteinander, als sie durch das riesige Gelände gehen.

Die orangegelbe Sonne strahlt sie an. Sie war vor etwa einer
Stunde Aufgegangen, und vertrieb die Nacht. Die Sonne
erwärmt nicht, im Gegenteil, es ist –42° Celsius Kalt, in
dieser Region des Planeten!
Es ist in diesem Moment sehr ruhig, man kann die Tiere im
Wald sogar hören, Vögel zwitschern. Es ist fast wolkenlos,
ein paar Nebelschwaden ziehen umher.
Der Captain erzählt dem Neliklan alles, von seinem
Raumschiff, das Notlanden mußte, und von der reinigenden
Flamme. Er bot den Reunos an, ihnen im Notfall zu helfen.
Der Neliklan, dem Captain gegenüber, sagt ebenfalls alles.
Er spricht auch über die Separatisten.
Dann fragt der Neliklan dem Captain das, was dieser schon
befürchtet hat: „Ihr Terraner habt doch genügend starke
Waffen, um die Separatisten zu bekämpfen! Werden sie uns mit
ihrem verstecktem Raumschiff helfen, die Separatisten für
immer von diesem System zu fegen!?“
„Das geht nicht! Das ist euer Problem! Laut unserem obersten
Gesetz, dürfen wir bei technisch nicht so weit entwickelten
Völkern uns nicht einmischen! Es gibt dabei sehr hohe

Strafen, wenn wir dieses Gesetz nicht befolgen!“

122
Der Captain versucht, es den Reunos so sanft wie möglich
beizubringen. Der Neliklan ist leicht beleidigt.
„Was soll das heißen? Heißt das, sie wollen uns nicht
helfen!?“
„Ja und nein! Das heißt, wir helfen euch bei dem Angriff der
reinigenden Flamme, so gut wir können. Nein heißt, wir
dürfen laut unserem obersten Gesetz, uns nicht in eure
Auseinandersetzungen einmischen! Das ist bei uns bei harten
Strafen verboten!“
Der Neliklan erwidert darauf: „Das ist aber ein blödes
Gesetz, das ihr da habt!“
Der Captain muß jetzt vorsichtig sein, was er jetzt sagt. Er
kann nicht das sagen, was er will. Jedes einzelne Wort muß
gut überlegt sein. So schweigt er einige Sekunden, bevor er
zum sprechen ansetzt.

In dem Moment, in dem er etwas sagen will, sind


Triebwerksgeräusche von Kampfflugzeugen zu hören. Sekunden
später kracht und knallt es, Explosionen sind zu sehen und
zu hören. Einige Reunos sterben sofort, die Anderen rennen
entweder davon, zu den Flugzeugen, zu den Panzern, oder
legen sich flach auf dem Boden.
Es sind Flugzeuge mit Radarschutz, deshalb der überraschte
Angriff. Diese Flugzeuge können nicht auf dem Radar geortet
werden. Solche Flugzeuge gab es Anfang des 21. Jahrhunderts
auf der Erde auch.
Amrohtd schreit ein paar Befehle. Darin enthalten ist auch
der Befehl, ja nicht zu schießen, und sie sollen sofort den
Schutzschirm einschalten. Auch der Captain schaltet seinen
Schutzschirm ein, aber ewig würde dieser auch nicht helfen!

Jürgen Vogel, Sabine Wild, Chang Pjöng Yang, Andrac und Terc
´lon, zusammen mit den vier Reunos, welche sie bewachen,
befinden sich in der Luft. Sie sind 25 Clyms (rund 37

123
Kilometer) von Scrapt Yenkct, dem Hauptquartier von
Reeljickaah, entfernt. In etwa fünf bis sechs Minuten werden
sie ihr Ziel erreicht haben.
Die fünf Besatzungsmitglieder von der Firebird können sich
wieder voll und ganz Bewegen. Auch sind sie nicht mehr
angebunden. Sie haben ein paar Stunden geschlafen, als sie
von den Reunos etwas unsanft geweckt werden.

Jürgen schaut aus dem Fenster heraus. Es ist Tag, die


orangegelbe Sonne scheint.

Er holt aus einer Tasche seines Anzugs zwei Nahrungswürfel


heraus, und kaut darauf herum. Ein Würfel hat Kaffee-, und
noch einen chemischen Nachgeschmack. Der Andere schmeckt
nach Schinken und Käse, und hat ebenfalls einen chemischen
Beigeschmack.
Er sehnt sich nach einem echten, flüssigen Kaffee, und einem
echten Schinken- und Käsewecken, aber auf der Firebird wird
fast alles künstlich erzeugt. Selbst Fleisch wird schon,
Scheibe für Scheibe, gezüchtet. Dann kommen noch chemische
Mittel hinzu, auch die Gewürze werden chemisch erzeugt. Das
Schiff hat die Zellen von Schwein, Rind, Lamm, Hähnchen,
Fisch, und so weiter, dabei, und züchtet, wie eine große
Biofabrik, Gentechnisch einzelne Filetstücke, Brat- und
Kochfertig, für die Besatzung, und mischt noch
Haltbarkeitsmittel hinzu.
Bei Brötchen ist der Geschmack, und bei Kaffee der
Koffeingehalt im Computer gespeichert, und wird so künstlich
und mit chemischen Geschmacksstoffen hergestellt.

Jürgen geht zu seiner Freundin, Sabine Wild, umarmt und küßt


sie. Er tröstet sie, denn sie sieht niedergeschlagen aus.
„Wir werden schon wieder heimkommen! Uns wird nichts
passieren, ich fühle es!“ sagt er sanft zu ihr.
Sie erwidert seine Handlung, und gibt ihm auch einen Kuß.
„Ich hoffe, daß du recht...!“ Weiter kommt sie nicht.
Der Copter wird durchgeschüttelt, Explosionen sind zu hören,
von außen. Ein Rotorblatt vom Seitenrotor fliegt vor ihrem
Fenster vorbei. Sie staunen nicht schlecht, als sie dies
sehen.
„Uns wird nichts passieren, ha, ha!“ macht Sabine. Rauch

124
steigt in der Kabine auf. Sie bekommen winzige
Spielzeugmasken aufgesetzt. So klein diese Masken auch sind,
es hilft trotzdem etwas.
Maschinengewehrsalven treffen den Copter längsseits. Zwei
Reunos werden regelrecht zerfetzt, orangegelbes Blut klebt
an den Wänden, und an den fünf Besatzungsmitgliedern. Durch
die Schüsse sind Löcher in der Außenwand entstanden, der
normale Druck in der Kabine entweicht nach draußen.

Zwei weitere Reunos werden hinausgewirbelt, ins Freie. Ein


großes Loch klafft in der Kabine. Die Fünf können sich
gerade noch festhalten, sie halten sich gegenseitig. Ein
Reuno klammert sich an ihnen fest. Jürgen kann gerade noch
den Phaser fassen, den der Reuno bei sich hat.

Der Copter torkelt, als ob er von einer Windhose oder einem


Strudel mitgerissen wird.

Jürgen schreit, durch das Pfeifen und Rauschen der Luft und
des eisigen Windes hindurch: „Wir bleiben zusammen! Laßt
euch los! Wir lassen uns hinaustreiben, und schalten dann
rechtzeitig unseren Antigrav an! Uns kann nichts passieren!
Der Pilot ist Tod! Den überlebenden Reuno nehmen wir mit!“
Ein Antigrav ist ein Gerät, welches die Schwerkraft, die
Gravitation eines Planeten, auflöst, und man dadurch völlig
ungefährlich nach unten schwebt.
Sie lassen los, bleiben aber beisammen. Sie werden
rausgerissen, und fast getroffen vom Hauptrotor. Dann
schalten sie sofort ihren Antigrav ein, nur fünfzig Meter
vom Boden entfernt.
Langsam und Sicher bremst der Antigrav ihren Sturz ab.

In einiger Entfernung stürzt der Copter auf den Boden, eine


Feuer- und Rauchwolke reicht weit in den Himmel von
Reeljickaah hinein. Ein paar Sekunden später landen die fünf
von der Firebird, und der eine überlebende Reuno, sanft im
Schnee. Nichts ist ihnen passiert.
„Siehst du, ich hatte doch recht!“ sagt Jürgen mit
Genugtuung zu Sabine.

125
23.KAPITEL: Kampf um Scrapt Yenkct

Scrapt Yenkct steht in Flammen. Duzende


Separatistenflugzeuge fliegen in der Luft, gehen immer
wieder im Sturzflug herunter, werfen Bomben ab, schießen mit
Mini-Rak-Geschoßen und Maschinengewehrsalven um sich. Es
gibt mindestens schon über hundert tote Reunos. Ihre
Überreste liegen überall herum, auch brennende, verkohlte
Leichen. Es ist ein grausiger Anblick.
Ein paar Flugzeuge von den Kaisertreuen Reunos haben es
geschafft, in die Luft zu kommen. Panzer gibt es auch noch
ein paar Einheiten.
Sie, die Panzer, Flugzeuge und die überlebenden Fußsoldaten,
Infanteristen der Kaiserlichen Armee, halten die Tausenden
Separatisten in Schach.
Die Kaiserstatue ist zerstört, und begrub einige Reunos
unter sich.
Der Schutzanzug der Kampfanzüge der Terraner hält nicht mehr
lange. Es entstehen so langsam Struckturrisse!
Der Captain kann das Inferno nicht mehr länger ansehen. Er
befiehlt: „Setzt eure Waffen ein, aber Vorsichtig! Das ist
ein Notfall! Die Schutzschirme werden schwach! Wir müssen
uns Verteidigen!“
Amrohtd meint, er hätte sich verhört.
„Aber Captain, das...!“
„Tun sie, was ich sage! Das ist ein Befehl!“ sagt der
Captain in normalen, aber bestimmenden Tonfall.
Amrohtd salutiert.
„Aje, aje, Captain!“ sagt er, knapp und ohne Widerrede, und
setzt seine Waffe ein. Er gibt seinen Männern und Frauen
Bescheid.
„Wo sind eigentlich die zehn Raumjäger? Die können wir jetzt
gebrauchen!“ fragt sich der Captain. Amrohtd schaut den
Captain an, als hätte er etwas falsches gesagt. Danach sagt
Amrohtd: „Die sind zurückgeflogen zur Firebird! Ich habe es
ihnen Befohlen!“
„Dann rufen sie diese hierher zurück! Sie sollen auf dem
schnellsten Weg hierher kommen!“ Die Worte des Captains sind
sehr bestimmend und Ausdrucksstark. Amrohtd handelt wie ihm

126
Befohlen wird.
„Ja, Sir!“ sagt er abgehackt, salutiert und funkt an die
Firebird.
In sieben bis acht Minuten können die Jäger da sein. Sie
fliegen von der Firebird direkt in den Weltraum, in die
Umlaufbahn dieses Planeten, dort setzen sie ihre
Impulstriebwerke ein (unter der Lichtgeschwindigkeit, im
normalen Weltraum), beschleunigen kurz, halten dann für ein
paar Sekunden die Geschwindigkeit, bremsen sehr stark ab und
stürzen auf das Ziel.
Noch bevor der Colonel zuende gesprochen hat, nimmt der
Captain den Intercom von ihm an sich, und gibt den Befehl,
daß die Jäger sich in zwei Fünfergruppen aufteilen sollen.
Die eine Gruppe soll Flugzeuge abschießen, die Andere die
Separatisten-Infanteristen in Schach halten.
Jetzt tauchen auch noch von den Separatisten zwanzig
Panzerbrigaden auf! Die Kaisertreuen haben ihnen nur noch
neun einsatzfähige Panzerbrigaden entgegenzusetzen!

Die ersten zwei Menschen finden den Tod. Ihr Schutzschirm


löst sich auf, dann wurden sie von Maschinengewehrsalven
zerfetzt. Sie starben sofort.
Eine Gruppe von terranischen Soldaten versteckt sich hinter
abgeschossenen Flugzeugwracks, und schießen Flugzeuge vom
Himmel.
Die anderen vierzig Soldaten von der Firebird teilen sich in
vier Zehnergruppen auf, und greifen die Separatisten an.
Eine Gruppe links, eine von rechts, eine von der Front, und
eine Gruppe versucht, die Separatisten einzukreisen, um von
hinten Anzugreifen.
Drei Gruppen werden unterstützt von jeweils zweihundert
kaisertreuen Reunos.
An der Front befinden sich noch etwa Tausend Soldaten der
Kaiserlichen Armee und vier Panzerbrigaden. Jeweils eine
Panzerbrigade befindet sich auf der linken und rechten
Flanke, drei Brigaden versuchen es von hinten.
Die Jäger von der Firebird treffen ein, und schießen
Phasersalven ab.
Gleichzeitig fordert der Captain von der Firebird drei
Truppentransporter mit jeweils dreissig Raumsoldaten an
Bord, an.

127
Weitere fünf terranische Soldaten sterben, und duzende
Reunos ebenfalls. Der Captain denkt nach. Er denkt darüber
nach, mit dem Anführer der Separatisten zu verhandeln, um
irgend wie Frieden zu schaffen zwischen diesen beiden
Gruppen.
Es ist auch in seinem Interesse, denn es sterben auch seine
Männer und Frauen in diesem Krieg! Die Gewalt eskaliert
schon. Sie müssen eine Lösung finden, und zwar schnell!

Die fünf Besatzungsmitglieder von der Firebird und der eine


überlebende Reuno von dem Copter, der abgeschossen wurde,
laufen im Schnee in eisiger Kälte, in Richtung Scrapt
Yenkct.
Von der Richtung, in die sie gehen, ist leises Grollen und
Kriegsgeräusch zu hören.
„Was ist denn da los?“ fragt Jürgen, der, genau wie die
Anderen, noch nicht bewußt wahrgenommen hat, was auf
Reeljickaah los ist. Aber der Reuno ist so freundlich und
klärt sie auf.
„So ne´ Scheiße! Dann sind wir ja mitten in einen
Bürgerkrieg zwischen den Reunos geraten!“
„Sollen wir überhaupt noch weiter gehen?“ fragt Sabine. „Wer
weis, ob der Neliklan überhaupt noch lebt!?“
Sie bleiben stehen und beraten sich Untereinander, was sie
jetzt tun sollen. Nach ein paar Minuten entscheiden sie
sich, doch nach Scrapt Yenkct zu gehen.
Jürgen schaut auf seine Uhr. Es ist 10.15 Uhr Bordzeit, am
31. August 3083. Gestern um diese Zeit hätte er sich nicht
in den kühnsten Träumen vorstellen können, was sie heute
erlebt haben, und in was sie hier hinein geraten sind!

Als sie schon ein Weilchen unterwegs sind, hören sie hinter
ihnen Motorengeräusch und das Prasseln von Ketten im Schnee.
Sie schauen sich um, und erschrecken.
Sie sehen zwei duzend Panzer auf sie zu kommen!

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Wenige Meter vor ihnen bleiben sie stehen. Von mehreren
Panzern öffnet sich die Luke. Helme mit den Köpfen von
Reunos schauen hervor. In der quiekenden Sprache der Reunos
spricht einer von ihnen, wahrscheinlich der Anführer. Der
Translator übersetzt dies nach wenigen Sekunden in
einwandfreies Terranisch.
„Mein Name ist Ehlarc´Kljerc, Kommandant von vier
Panzereinheiten von Chegjah, etwa 180 Clyms von hier. Wer
seid denn ihr?“ Er hält inne, dann fällt ihm etwas ein.

„Ah, ihr seid bestimmt die Extra-Reunos, von denen uns


unterrichtet wurde! Ich habe noch nie Extra-Reunos gesehen.-
Ist auch egal!“ Er wechselt das Thema.
„Wir haben in einiger Entfernung auf dem Radar einen Copter
abstürzen gesehen. Wart ihr dort drin? Und ihr lebt!?“

Jetzt sieht er auch den Reuno, Yenkc´Plahrt.


„Und sie haben auch überlebt, wie ich sehe!“
Der Reuno stellt sich ihm, dem Reuno-Kommandant, vor. Dann
stellt er eine Frage: „Wurdet ihr nicht angegriffen von
Separatisten, die unseren Copter abgeschossen haben?“
„Nein! Diese 24 Panzer, die ihr hier seht, sind die
einzigen, die es gibt, es ist eine Testreihe! Sie bleiben
auf jedem Radar unsichtbar!“
„Habt ihr die Flugzeuge abgeschossen?“ fragt Jürgen
interessiert.
„Ja, alle fünf!“ sagt der Reuno-Kommandant stolz. „Innerhalb
von wenigen Sekunden, so schnell konnten sie gar nicht
reagieren! Wir bekamen dabei keinen Kratzer ab!“
„Wie sieht es in Chegjah aus?“ fragt Yenkc´Plahrt. Der
Kommandant der vier Panzereinheiten antwortet darauf, mit
melancholischer Stimme: „Schlimm! Fast die ganze Stadt
brennt! Es gibt Tausende Flüchtlinge! Und Tausende Tote! Die
Flüchtlinge flüchten wahrscheinlich nach Rjempt Noor, um in
ein Raumschiff zu kommen! Auf der Straße zur Hauptstadt
läuft nichts mehr!
Ein paar Bezirke sind noch in unserer Kontrolle, aber wer
weis, wie lange noch! Der Weltraum um Reeljickaah brennt, es
gibt eine gewaltige, verlustreiche Raumschlacht, auf beiden
Seiten, die immer noch anhält! Der Kaiser hat sich in sein
Geheimes Hauptquartier zurückgezogen!“

129
„Das hört sich ja schlimm an! Und woher haben sie diese
Nachricht?“ fragt Yenkc´Plahrt.
„Das darf ich nicht verraten, das ist streng Geheim!“
erwidert darauf der Reuno-Kommandant.
Jürgen ist neugierig. Er fragt Ehlarc´Kljerc: „Was habt ihr
jetzt vor? Wollt ihr etwa mit diesen paar Panzern die
Separatisten verscheuchen? Warum beschützt ihr nicht eure
eigene Stadt?“
„Ein paar Panzereinheiten sind in Chegjah geblieben, etwa
fünf Einheiten, aber diese können die Stadt nicht mehr lange
halten, wir haben sie schon sozusagen aufgegeben! Diese
Stadt ist nicht so wichtig, deshalb haben wir die meisten
Einheiten, die wir noch haben, auf dem Weg nach Rjempt Noor
geschickt! Sie werden uns folgen und unterstützen im Kampf
um Rjempt Noor. Sie liegen einige Clyms hinter uns!“

„Fahrt ihr nach Scrapt Yenkct? Könnt ihr uns dorthin


mitnehmen?“ fragt Jürgen. „Uns ist nämlich kalt!“
„Selbstverständlich!“ erwidert Ehlarc´Kljerc freundlich.
„Bei uns ist genügend Platz! Steigt ein!“
Jürgen will noch etwas wissen. Er fragt den Reuno-
Kommandant: „Ach, übrigens, wieviele Einheiten folgen euch
denn, wenn ich fragen darf!?“
„Etwa acht Einheiten!“ Jürgen ist zufrieden, und sie alle
steigen in die Panzer.

24.KAPITEL: „Eine Lösung muß her!“

Die drei Truppentransporter sind schon längst gelandet, und


die neunzig Soldaten schwärmen aus, verteilen sich in fünf
Gruppen zu je achtzehn Soldaten und gingen sofort an die
fünf Fronten.
Der Captain ist auf der Suche nach Reijk´Noor, dem Neliklan,
um mit ihm zu sprechen.
Flugzeugwracks liegen brennend herum, überall sind

130
Bombenkrater zu sehen, Leichen liegen herum, manche sind bis
zur Unkenntlichkeit verbrannt, verkohlt. Die meisten Garagen
und Hangars sind nur noch Schutt und Asche, auch das große,
längliche Gebäude ist teilweise zerstört.

Der Captain stolpert fast über eine zerfetzte Reunoleiche,


die durch die Kälte schon gefroren ist. Ihm macht dies
nichts aus, er hat schon viel gesehen und erlebt in seinem
Leben.
Dann sieht er den Gleiter, mit dem er gekommen ist, und die
Truppentransporter. Sie sind alle unversehrt, weil der
Schutzschirm per Fernsteuerung aktiviert wurde.
Die Flugzeuge schießen immer noch auf sie herab, aber es
werden immer weniger. Die fünf Raumjäger von der Firebird
leisten gute Arbeit. Es sind nur noch ein drittel
feindlicher Flugzeuge am Himmel, etwa zwei duzend.

Auch die Terraner am Boden haben einige abgeschossen, und


die Reunos etwa vier bis fünf Flugzeuge.

Ein Raumjäger wurde zerstört. Ob der Pilot sich retten


konnte, weis man nicht.
Jetzt kommen drei Flugzeuge auf einmal auf den Captain zu
und schießen ihre Salven ab. Der Captain ist in Flammen
gehüllt, aber der Schutzschirm hält. Er leuchtet hellblau,
es sieht beeindruckend aus: Wie eine Aura umgibt den
Captain, der jetzt mit dem Phaser auf ein Flugzeug zielt.
Zwei weitere Flugzeuge stürzen auf ihn zu und schießen ihre
Raketen ab.
Der Phaser trifft das eine Flugzeug. Es vergeht in einem
Feuerball. Die Raketen treffen den Captain und explodieren.

Seit er mit dem Phaser auf das Flugzeug schoß, es


explodierte, die Raketen auf ihm explodierten, sind weniger
als eine Sekunde vergangen, ihm kommt es aber wie eine halbe
Ewigkeit vor.
Dunkelblaue, gelbe und rote Blitze strahlen von seinem
Schutzschirm aus, das ist kein gutes Zeichen! Das heißt, daß
der Schutzschirm bald Struckturlücken aufweisen wird, und
gibt wenig später dann völlig seinen Geist auf!
Der Captain rennt um sein Leben, er hat Angst, Todesangst.

131
Gleichzeitig schießt er auf die vier Flugzeuge, welche ihn
angreifen.
Dann sieht er in hundert Metern Entfernung ein paar Reunos
und seine Männer und Frauen, versteckt hinter
Flugzeugwracks.
Er rennt darauf zu. Ein weiteres Flugzeug der Separatisten
vergeht in seinem Phaserfeuer. Er schaut auf die Anzeige auf
seinem Armband. Der Schutzschirm hat sich etwas erholt, er
ladet sich wieder langsam auf. Er ist wieder bei sechzig
Prozent.

Die drei Flugzeuge feuern im Tiefflug weitere Raketen und


Maschinengewehrsalven ab. Der Captain wirft sich hin. Wenige
Meter hinter ihm treffen die Geschosse ein und verursachen
kleinere und größere Krater, mehrere Feuerbälle entstehen
und verpuffen dann sofort wieder.
Er steht auf und rennt weiter. Jetzt sehen ihn die Anderen
auch, auf die er zu rennt. Sie Zielen auf die Flugzeuge.

Eine weitere Salve von Raketen trifft den Captain voll.


Gleichzeitig wird dieses Flugzeug abgeschossen, so sind es
nur noch zwei, die ihn jagen. Sekunden später wird der
Captain getroffen von einer Salve Mini-Rak-Geschosse. Der
Schutzschirm zeigt nun Struckturlücken, die Hitze brennt nun
mehrere Löcher in seinen Kampfanzug, die durch die
Struckturlücken hindurch kommt. Der Anzug fängt an zu
brennen.
Der Anzug hat einen Mechanismus, der ihm ermöglicht, sich
selber zu löschen, und dies nur für kurze Zeit! Dem Captain
wird warm, ihm ist, als wird er von glühend heißen Nadeln
gestochen.
Er liegt am Boden und sieht, wie zwei Flugzeuge auf ihn
zufliegen. Er hat schon mit dem Leben abgeschlossen, er
wartet nur noch auf den Tod!
Da vergeht plötzlich der eine im Feuer, Sekundenbruchteile
später der andere feindliche Jäger. Dann sieht er erst, daß
die feindlichen Jäger von einem Raumjäger der Firebird
abgeschossen wurden. Der Captain atmet erleichtert auf, er
begreift, daß er noch am Leben ist. Es ist wie eine
Wiedergeburt für ihn, er freut sich, und dankt im stillen
Gott dafür.

132
Ein paar Raumsoldaten von der Firebird kommen auf ihn zu.
Sie fragen ihn besorgt um seinen Zustand.
„Danke! Mir geht es so weit gut! Die paar Verbrennungen
verheilen wieder!“
Amrohtd ist auch dabei. Er sagt zu ihm: „Captain, kommen sie
zu uns in die Deckung! Dort sind sie relativ sicher!“ Der
Captain steht auf. Es sind noch zwanzig Meter. Zu seinem
Glück befindet sich auch der Neliklan dort, mit dem er
sprechen will.

„Das ist gut, daß sie da sind, Neliklan, mit ihnen wollte
ich sprechen, es ist sehr wichtig!“
„Nur zu, sprechen sie Captain!“ übersetzt der Translator
sofort, wie er die terranische Sprache in reunische Sprache
übersetzt, fast ohne Pause.
Der Captain beginnt: „Wir müssen mit dem
Separatistenanführer sprechen! Wir müssen eine Waffenruhe
auf beiden Seiten vereinbaren! So kann das nicht
weitergehen!“
„Ich denke, sie dürfen nach eurem Gesetz nicht eingreifen!?“
„Das ist wieder was anderes! Erstens ist das ein Notfall,
und zweitens wollen wir Frieden schaffen zwischen den zwei
verfeindeten Parteien eures Volkes!“
„Ich will auch Frieden!“ sagt der Neliklan darauf.
„Ja. Aber wir müssen eine Lösung finden, welche von beiden
Seiten akzeptiert wird und von Nutzen ist! Und dann muß ein
Vertrag unterschrieben werden!“
Njelc´Rotcz, der ebenfalls Anwesend ist, bekommt eine
Funknachricht. Er hat ein tragbares Funkgerät auf dem
Rücken, wie ein Rucksack. Er hat Kopfhörer auf.

„Da kommt gerade eine überraschende Nachricht rein, von


Ehlarc´Kljerc. Er kommt mit zehn Panzereinheiten hier her,
um uns zu unterstützen! Er hat fünf Fremde bei sich! Sie
sagten, sie seien von der Firebird! Das sind ihre vermißten
Leute, Captain!“
„Fünf? Ich dachte, es seien nur vier! Aber das ist auch
egal, Hauptsache, sie sind Gesund und Munter!“
Der Captain schaut in die Richtung, von der er die Panzer
vermutet, kann aber noch nichts erkennen. Dann hört er
Motorengeräusche, links und rechts, und von Vorne.

133
Er benachrichtigt sofort die Piloten der Raumjäger und sagt
ihnen, diese Panzer nicht anzugreifen. Die wenigen noch
verbliebenen Jäger der Separatisten fliegen auf die neuen
Ziele zu, und greifen an.
Neue Separatistenflugzeuge kommen auf Scrapt Yenkct zu.
Scharenweise Flugzeuge, der Himmel ist voll davon! Reijk
´Noor, der Neliklan, ist entsetzt und schockiert zu gleich.
Der Captain versucht, sich per Funk mit dem
Separatistenanführer verbinden zu lassen. Ein Unteranführer
winkt ab. Er sagt, der oberste Anführer sei nicht zu
sprechen!
Der Captain aber bohrt und hakt nach, läßt ihn nicht in
ruhe.
Nach einer Weile gibt der Unteranführer nach, und verrät ihm
den Standort des obersten Anführers. Er befindet sich in
einem Raumschiff im Orbit um Reeljickaah.
Sachlich, aber doch bestimmend, ja, fast befehlend, sagt der
Captain zu dem Unteranführer: „Ich möchte sofort mit ihm
sprechen! Ich komme auch persönlich zu ihm! Zusammen mit
zwei Begleitern und dem Neliklan! Sagen sie das ihrem
obersten Anführer! Und sagen sie, daß ihre Leute uns in ruhe
passieren lassen sollen! Wir werden mit einem Gleiter
kommen!“
Der Unteranführer versichert, daß er dies tun wird, und
beendet den Funkspruch.

Die weißen Panzer haben den Stützpunkt erreicht. Die Fünf


Besatzungsmitglieder, Jürgen Vogel, Sabine Wild, Andrac,
Terc´lon, und Chang Pjöng Yang, werden sofort in einen
Truppentransporter gebracht. Dieser startet dann sofort, und
fliegt Richtung Firebird. Er kollidiert mit ein paar
Flugzeugen der Reunos (Separatisten), ihnen passiert aber
nichts, weil der Schutzschirm angeschaltet ist.
Der Gleiter fliegt mit einem Kilometer pro Sekunde davon.

Die Armbanduhr von Jürgen Vogel zeigt 11.00 Uhr Bordzeit an.
134
*

Der Gleiter mit dem Captain, Arthur Mc Glenn und Annette


Border, und dem Neliklan an Bord, startet wenige Minuten
später.
Die Flugzeuge lassen sie unversehrt passieren. Ein Gleiter
kann schon Weltraumflüge durchführen, aber nur von kurzer
Dauer. Er kann nicht den nächsten Planeten erreichen, dafür
reicht der Sauerstoff nicht. Dieses Fluggerät ist
Hauptsächlich für Flüge in Atmosphären gedacht. Auch ist das
Triebwerk nicht so Leistungsfähig. Und der Treibstoff reicht
nicht so weit.
Der Ortungsschirm zeigt viele Leuchtpunkte an. Das sind die
reunischen Schiffe. Der Captain weis nicht genau, ob es
Kaisertreue oder Separatistenschiffe sind, aber er denkt
sich, daß von beiden Seiten etwas dabei ist!
Der Gleiter befindet sich noch in den obersten Schichten der
Atmosphäre. Der Gleiter hat auch eine künstliche
Schwerkraft, so daß die Besatzung kaum etwas von der
Beschleunigung und der Gravitation spüren, die auf den
Gleiter einwirken würden, sie nehmen statt dessen nur ein
leichtes, schwaches vibrieren wahr.
Der Name des obersten Anführer der Separatisten ist Sjahc
´Ploohrt, und sein Flaggschiff trägt den Namen ‚Ahrceljas‘.
Diese Einzelheiten erfuhr der Captain vorhin im Gespräch mit
dem Unteranführer.
Der Captain weis nicht, welches der vielen Schiffe im
Weltraum um Reeljickaah die ‚Ahrceljas‘ ist; Deshalb funkt
er: „Hier spricht der Captain der Firebird. ‚Ahrceljas‘,
geben sie irgend ein Zeichen, damit wir sie erkennen!“

Er funkt den Satz mehrere male, und wartet auf eine Antwort.
Es dauert nur ein paar Sekunden, bis er eine Antwort
bekommt: „Hier ‚Ahrceljas‘! Wir geben Leuchtsignale von uns!
In rot und blau. Wir schicken auch Leuchtsignale vom Hangar

aus! Folgen sie diesen! Ende!“


135
‚Kurz und einleuchtend, dieser Funkspruch!‘ denkt sich der
Captain. Zu den beiden Raumsoldaten der Firebird gewandt,
sagt er: „Ihr habt gehört, was der Reuno-Captain gesagt hat.
Also, helft mir bei der Suche nach den Leuchtsignalen! Sechs
Augen sehen besser als zwei Augen!“
„Ja, Sir!“ sprechen die beiden Raumsoldaten wie aus einem
Munde.
Sie schauen nun gespannt auf die Frontscheibe, der Neliklan
ebenfalls. Diese Scheibe hat einen Blendschutz vor der Sonne
im Weltraum.
Der Gleiter mit den vier Personen an Bord befindet sich in
einem Orbit um den vierten Planeten. Nach einigen Minuten
Flugzeit erreichen sie die Nachtzone dieses Planeten. Dort
befinden sich auch einige Schiffe. Der Weltraum ist
angefüllt mit vielen Lichtblitzen und kurz aufleuchtenden,
gleißend hellen Sonnen. Eine gewaltige Raumschlacht ist im
Gange! Wie sollen sie da Leuchtsignale finden!?

Aber sie sprechen nicht aus, was sie denken. Sie suchen
weiter, geben nicht auf. Zu viel liegt auf dem Spiel!

„Da! Das könnte es sein! Dort blitzt was!“ meldet sich


schließlich Annette Border. Sie schreit fast vor Euphorie.
„Da draußen blitzt es überall!“ murmelt der Captain leise
vor sich hin.
„Was? Was meinen Sie?“ fragt Annette, die ihn nicht
verstanden hat. Und das ist auch gut so!
Der Captain winkt ab, und sagt nur: „Nichts! Ich habe nur
laut gedacht!“
Bestimmend, und doch ruhig, sagt er weiter: „Also, wo haben
sie was gesehen? Zeigen sie es mir!“
Sie zeigt es ihm. Die Anderen sehen es nun auch: In etwa
sechshundert Kilometer Entfernung sehen sie, in kurzen
Intervallen, rote und blaue Lichter aufblitzen. Das ist die
‚Ahrceljas‘!
Sofort funkt der Captain der Firebird an den Captain der
‚Ahrceljas‘, daß sie das Schiff erblickt haben. Etwas
unfreundlich meldet sich der Captain der ‚Ahrceljas‘,
natürlich ein Reuno: „Folgen sie den Lichtern. Sie führen
zum Hangar! Wenn Sie gelandet sind, werden sie begleitet von

136
ein paar Soldaten. Diese werden sie dann bis zum obersten
Anführer begleiten! Und keine Tricks! Verstanden!?“
Der Captain der Firebird ist einverstanden, sagt aber
nichts. Er denkt sich seine Meinung.
Sie fliegen nun auf die Lichter zu.
So langsam sehen sie es, das Schiff. Es ist ziemlich groß.
Es hat die Form länglichem Zylinder, aus dem in gleichen
Abständen vier Kugeln hervorragen. Das Schiff ist etwa
sechshundert Meter lang, die Zylinderstücke haben einen
Durchmesser von achtzig Metern und eine Länge von sechzig
Metern, die Kugeln messen hundert Meter im Durchmesser.

Der Hangar ist hell erleuchtet. Der Gleiter bremst nun sehr
stark ab, und fliegt auf den Hangar zu.
Angespannt fragen sich die drei Menschen und der eine Reuno
im Stillen, was auf sie zukommen möge. Sie warten mit
gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite sind sie froh, daß
sie es so weit geschafft haben, daß der Separatistenanführer
zu einem Gespräch bereit ist.
Auf der anderen Seite wiederum fragen sich die vier
Personen, was sie erwartet. Wie werden die Separatisten sie
behandeln?

25.KAPITEL: Der Separatistenführer

Der Captain, Ernst Vogel, die zwei Raumsoldaten und der


Neliklan, sind sicher im Hangar gelandet. Das große Schott
schließt wieder, der Gleiter wird angedokt und von
Halterungen festgehalten, weil es, zumindest in diesem
Hangar, keine Schwerkraft gibt.
Ein Schlauch wird über das Gleiterschott angebracht. Dieser
Schlauch führt sie, die drei Menschen und der eine Reuno,
schwerelos bis in einen Raum mit künstlicher, reunischer
Schwerkraft, die 0,2 G höher ist als auf der Erde und der
Firebird. Den Menschen macht dies nicht so viel aus, nur dem

137
Neliklan bereitet die höhere Schwerkraft am Anfang etwas
Probleme, denn er ist auf Reeljickaah einer viel geringeren
Schwerkraft ausgesetzt, nämlich 0,85 G! Aber er gewöhnt sich
ziemlich schnell daran.
In dem Raum warten schon drei Separatistensoldaten mit Mini-
Rak-Gewehren und zielen auf sie.
In unfreundlichem, beherrschenden Ton, zumindest übersetzt
der Translator es so, in terranischer Sprache, die Worte
eines Reunos, der jetzt spricht: „Bitte macht keine
Dummheiten! Ihr werdet jetzt untersucht auf mögliche Waffen,
die ihr bei euch tragen könntet! Das ist nur zur Sicherheit.
Also, laßt es über euch ergehen, und möglichst ohne
Widerstand, dann geht es schneller!“
Der Captain brummt etwas unverständliches. Sofort fragt ihn
der eine Reuno: „Was haben sie gesagt? Ich habe sie
akustisch nicht verstanden!“
„Ich habe gesagt, daß wir es über uns ergehen lassen!“ log
der Captain. Der Reuno beläßt es dabei, und untersucht die
vier etwas unsanft.
Als er bei dem Neliklan angekommen ist, sagt er: „So, so,
der Neliklan persönlich! Am liebsten würde ich sie
festnehmen und wäre dann gern persönlich bei ihrer
Hinrichtung dabei, die darauf folgen würde! Aber das darf
ich ja nicht! Wir werden euch jetzt zu unserem Anführer
bringen! Folgt mir!“
Sie folgen den drei Reunos. Es gibt verschiedene Sektionen
des Schiffes. Manche haben künstliche Schwerkraft, manche
nicht.
Dann endlich erreichen sie Sjahc´Ploohrt´s Kabine. Sie liegt
in einer künstlichen Schwerkraftzone.
Sjahc´Ploohrt ist besonders klein, etwa 1,33 Meter groß, und
fast genau so breit. Trotz seiner geringen Größe wirkt er
kräftig. Er ist, umgerechnet, 27 Erdenjahre alt. Er hat ein
äußerst farbenfrohes Gewand an, am Bauchanfang von einem
Gürtel gehalten. An seinen Füßen trägt er so etwas, das
aussieht wie Sandalen.
An einer Wand hängt die Fahne der Separatisten, auf rotem
Grund ein riesiger, gelber Stern in der Mitte. In dem Stern
befinden sich mehrere Planeten, mit einem Band verbunden,
auf dem etwas in reunischer Sprache steht. Dieses Band ist
angefüllt mit roten, gelben, grünen Streifen und Symbolen

138
aus der Mythologie und Religion der Pterocs, den
Separatisten der Reunos. Über dem Stern in der Mitte ist ein
symbolisches Auge zu sehen, ein reunisches Auge,
wohlgemerkt!
Der Anführer eröffnet das Gespräch.
„Setzen sie sich bitte!“ fordert er in überraschend
freundlichen Ton auf. Sie setzen sich, auf einer für
Menschen viel zu kleinen Couch.
„Was also führt sie hier her, Fremder!?“
Der Captain der Firebird sagt ein paar einleitende Worte,
stellt sich kurz vor und kommt zur Sache.
„Ich bin hier, um mit ihnen eine sofortige Waffenruhe zu
vereinbaren, um mit ihnen zu verhandeln! Einige meiner
Soldaten wurden in diese Krise hineingezogen, und sogar
getötet! Wir sind neutral, mußten uns aber verteidigen! Wir
wollen uns nicht in eure Auseinandersetzung einmischen,
wurden aber durch die Umstände gezwungen, so zu handeln!“
„Warum sagen sie das nicht dem Kaiser!? Er hat uns Pterocs,
ja, und sogar das ganze reunische Volk, Jahrhundertelang
unterdrückt!“
„Mit dem Kaiser werde ich auch noch reden, und sie werden zu
ihm mitkommen!“ unterbricht ihn der Captain der Firebird.
Der Separatistenanführer ist überrascht über diese Aussage.
„Was...? Ich...?“
„Ja, Sie! Der Neliklan und meine zwei Begleiter werden
ebenfalls mitgehen! Meinetwegen können sie ebenfalls zwei
Begleiter mitnehmen!“
Urplötzlich sind dumpfe Schläge zu hören und zu spüren.
Irgendwo, in mehreren Stellen des Schiffes, explodiert
etwas. Sie werden durchgeschüttelt, und können sich gerade
noch festheben. Gleichzeitig schrillen die Alarmsirenen,
danach fällt der Strom aus, es wird dunkel.
Dies ging alles so schnell, daß sie jetzt erst begreifen,
daß die ‚Ahrceljas‘ Massiv angegriffen wird! Zu ihrem Pech
fällt auch noch die künstliche Schwerkraft, die erzeugt wird
durch sich um die eigene Achse drehende Teile des Schiffes.
In diesem Teil, in dem sich alle fünf befinden, gibt es nun
keine Schwerkraft mehr, sie schweben in der Gegend herum. So
langsam schalten sich die Notaggregate des Schiffes ein, und
hüllen alles in rotes, gespenstisches Licht ein.
Der reunische Captain gibt Befehle in reunischer Sprache

139
über die Rundrufanlage.
„Da, jetzt sehen sie, wie wichtig eine Waffenruhe ist!“
beteuert der Captain der Firebird. Weiter sagt er: „Wir
müssen sofort mit dem Kaiser über Funk sprechen! Aber sie
müssen auch mit ihren Leuten sprechen, und eine sofortige
Waffenruhe vereinbaren! Und dann kommen sie mit mir mit zum
Kaiser! Sie sehen ja, wie wichtig das ist! Wir müssen einen
Kompromiß finden, welcher von beiden Seiten akzeptiert wird,
und was für beide Seiten Vorteile hat und von Nutzen ist!
Also, ich werde mit dem Kaiser per Funk eine Waffenruhe
vereinbaren, und sie werden ihren Leuten befehlen, nicht
mehr zu Schießen!
Dann rufe ich ein Raumboot von meinem Schiff, daß es uns
abholt. Einverstanden!? Und, meinen Soldaten werde ich
befehlen, daß auch sie nicht mehr ihre Waffen nutzen
sollen!“
Der Captain hebt dem Anführer seine Hand entgegen.
„Geben sie mir ihre Hand! Das ist auf unserem Planeten so
üblich!“ Sjahc´Ploohrt weis zuerst nicht, was der Captain
der Firebird meint, doch dann gibt er ihm ebenfalls seine
vierfingrige Hand.
„Einverstanden!“ sagt er.
Dann lassen sie uns zum Funkraum dieses Schiffes gehen, wenn
ihr so etwas habt!“

26.KAPITEL: Im Palast des reunischen Kaisers

Eine Stunde, nachdem der Captain mit dem Kaiser über Funk
gesprochen hat, herrscht überall im Sonnensystem Waffenruhe,
auch auf Reeljickaah, auf beiden Seiten.
Die noch 543 überlebenden Reunos in Scrapt Yenkct, wovon
über vierhundert von ihnen zum Teil schwer Verletzt sind,
begrüßen die Waffenruhe.
Von den 150 terranischen Soldaten sind noch 124 am Leben, 35
von ihnen sind Verletzt. Die Verletzten werden zur Firebird

140
gebracht, auch ein Teil von den Reunos.
Auch werden Medikamente und Verbandsmittel von Gleitern der
Firebird ins Krisengebiet gebracht. Klar, daß nicht allen
geholfen werden kann, aber die Besatzung der Firebird
versucht, zu helfen, so gut es geht.
Auch schickt die Firebird eine verschlüsselte Botschaft nach
Kyrion, sie sollen Medi-Schiffe mit Ärzten,
Krankenpflegepersonal, Medikamenten und medizinischen
Geräten an Bord, hier in dieses System schicken, es sei
wichtig. Es werden auch die Koordinaten angegeben,
verschlüsselt, versteht sich.
Aber, meistens werden sowieso zu jeder Schlacht Medi-Schiffe
mitgeschickt, man wollte nur Sicher gehen!
Der Captain hat sich mit dem Kaiser verabredet, und wird von
einem Raumboot der Firebird abgeholt, von der ‚Ahrceljas‘
aus, die es, leicht angeschlagen, noch gibt.
Der Kaiser war nach kurzem Zögern und der Überredungskunst
des Captains einverstanden.
Um 13.15 Uhr Bordzeit startet das Raumboot von der
‚Ahrceljas‘ aus, mit dem Captain, seinen zwei Begleitern,
dem Neliklan, mit Sjahc´Ploohrt, ebenfalls mit zwei
Begleitern, und fliegt Richtung Reuno. Dieser Planet ist 90
Millionen Kilometer entfernt.
Das Boot beschleunigt sehr schnell auf 5.555,55 Kilometer in
der Sekunde, in 3,5 Minuten hat es diese Geschwindigkeit
erreicht (Reisegeschwindigkeit). Die Besatzung des
Raumbootes spürt, dank hochmoderner Technologie, kaum etwas
von dieser Beschleunigung.
In etwa fünf Stunden würde das Boot Reuno erreichen, mit
Beschleunigung und Abbremsen dazugerechnet.

Um 18.25 Uhr Bordzeit hat das Raumboot ohne Zwischenfälle


die Umlaufbahn von Reuno erreicht. Es hat nun eine geringe
Geschwindigkeit von zwei Kilometern in der Sekunde. Es hat
zuvor minutenlang abgebremst.

141
Viele Raumschiffe stehen im Raum um Reuno, Auch gibt es
einige Raumstationen, Weltraumbahnhöfe und Raumforts zu
sehen. Die zwei Monde von Reuno tauchen auf. Sie Umkreisen
den Planeten im Abstand von 350.000 Kilometer und 720.000
Kilometer.
Reuno im Weltraum zu sehen ist ein schöner Anblick. Er sieht
ähnlich aus wie die Erde, nur ist er etwas größer. Er hat
einen Durchmesser von 15.307,2 Kilometer, ist etwa 1,2 mal
größer als die Erde. Auch ist Reuno ein warmer Planet. Er
hat eine durchschnittliche Temperatur von +31° Celsius, 9°
wärmer als die Erde (im Durchschnitt).
Es gibt dort keine vereisten Polkappen, auch gibt es dort
mehr Wasser, die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch.

Das Raumboot, die ‚Icarus-1‘, tritt im richtigen Winkel in


die Atmosphäre ein. Der Schutzschirm hält die Hitze ab. Der
Pilot macht seine Arbeit gut. Er bringt das Raumboot sicher
in die Wolken.
Sie fliegen durch die Nachtseite, dem Tag entgegen. Nach
wenigen Minuten wird es Tag, die orangegelbe Sonne, die hier
viel größer und intensiver ist, geht auf.
Dann, als sie den nördlichen Kontinent erreicht haben,
werden sie begleitet von einigen Kampfflugzeugen. Nach einer
weiteren halben Stunde Flugzeit haben sie die Hauptstadt,
Pnoc Yahc, erreicht. Sie überfliegen die Stadt.
Die Stadt sieht teilweise übel aus, es brennt an einigen
Stellen, einige Gebäude sind nur noch Schutt und Asche. Auch
hier hinterließ der Bürgerkrieg seine Spuren. Ein riesiger
Djungel umhüllt die Stadt, in der etwa 56 Millionen Reunos
leben!
Dann endlich landen sie auf dem Raumhafen von Pnoc Yahc, der
Hauptstadt des Kaiserreiches von Reuno.

Soldaten der kaiserlichen Armee verbinden ihre Augen, damit


sie nicht sehen können, wohin sie gebracht werden. Dies sei

142
nur zur Sicherheit, entschuldigten die Reunos ihr Vorgehen.
Eine weitere halbe Stunde vergeht, dann kommen sie in so
etwas wie eine unterirdische Röhrenbahn. Es dauert einige
Minuten, bis diese Bahn anhält.
Dann werden sie durch die Gänge geführt, teilweise fahren
sie mit Luftkissenfahrzeugen durch die breiten Gänge. Danach
fahren sie mit einem Aufzug nach unten, und so weiter.

Nach einer weiteren dreiviertel Stunde werden ihre


Augenbinden gelöst. Sie staunen nicht schlecht, als sie
sehen, wo sie sich befinden!
Sie befinden sich in einer riesigen, gigantischen,
unterirdischen Halle, die von kunstvoll verzierten, ebenso
riesigen Säulen, hunderte von Metern hoch, gehoben wird. Es
sieht aus wie in einem prunkvollen Märchenpalast, dessen
Ende man nicht erkennen kann!

In einiger Entfernung, es müssen mindestens eineinhalb


Kilometer sein, befindet sich ein See, der ringsum mit
exotischen Pflanzen bepflanzt ist. Das ganze wird beleuchtet
von künstlichen Minisonnen. Es stehen viele fremdartigen
Skulpturen herum.
Durch die gigantische Halle führt, um den See herum, ein mit
kleinen Kieseln ausgelegter Weg zu so etwas wie einem
Palast, noch prunkvoller, als die Halle ohnehin schon ist,
der etwa in der Mitte der Halle steht!
Überall, alle paar Meter, stehen in roten Gewändern gehüllte
Reunos, mit langen Säbeln bewaffnet, wahrscheinlich die
Leibgarde des Kaisers. Auch befinden sich in der Halle viele
fremdartige, exotische Tiere. Sie scheinen aber Zahm zu
sein, denn die Delegation wird von den Tieren nicht
angefallen, auch nicht von denen, die aussehen wie
Raubtiere!
Nach einem guten Fußmarsch, etwa eine knappe dreiviertel
Stunde, sie wissen es nicht so genau, erreichen sie das
Gebäude. Die sechs Soldaten der kaiserlichen Armee begleiten
sie immer noch. Der Captain schaut auf seine Uhr, es ist
21.37 Uhr Bordzeit.
Auch der Palast in sich selbst ist schon riesig. So etwas
gigantisches hat er, Ernst Vogel, noch nie in seinem Leben
gesehen!

143
Der Captain fragt sich, durch welche Technik die Reunos es
schaffen, daß die ganze Halle nicht einstürzt! Ohne Zweifel
wurde diese Halle, mitsamt dem Palast und der dazugehörenden
Technik, innerhalb der Amtszeit des jetzigen, noch
regierenden Kaisers erbaut, anders kann es sich der Captain
nicht vorstellen! Die Menschen, und sogar der
Separatistenanführer selbst, sind fasziniert von der schönen
Halle und dem noch schöneren Palast. Sie können es kaum
fassen. Und damit noch nicht genug! Je weiter sie kommen, um
so mehr Überraschungen erleben ihre Augen!

Durch den Palast fließt ein Bach, und immer wieder, etwa
alle achtzig Meter, gibt es große, 25 Meter durchmessende,
bepflanzte Kuppelhallen, in dessen Mitte ein Brunnen ist.
Das Wasser kommt von Oben, und scheint von der Unendlichkeit
zu kommen! Überall sind kunstvolle Verzierungen, Skulpturen,
Symbole aus der Mythologie der Reunos, und altreunische
Schriftzeichen zu sehen. Erleuchtet wird das Ganze von
mehreren Minisonnen, so sieht es zumindest aus, denkt sich
der Captain.
Diese Sonnen scheinen in den Hallen des Palastes zu
schweben.
Die Wände des Palastes schimmern grünlich blau rosa, das
Material ist dem Captain unbekannt. Auch hier gibt es mit
Säbeln bewaffnete Reunos in roten Gewändern, manche von
ihnen haben auch Hellebarden, oder Speere mit dreifach
Widerhaken.
Dann endlich kommen sie in den Tronsaal, in dem der Kaiser,
Ranjac´Ernhoo, auf einem Sessel sitzt.
Er ist ein etwas zu groß geratener Reuno, etwa 1,70 Meter
groß, und Dickleibig. Sein Alter beträgt 32 Erdenjahre. Er
besitzt ein prunkvolles, rotes, mit Diamanten bestücktes
Kleid, das ihm bis zum Boden reicht.
An seinem Hals hängt eine Kette, die aus dem selben Material
besteht, wie die Wände des Palastes. Auch hat er mehrere
Ringe an den acht Fingern seiner Hände, und vier Armringe an
jedem Arm, die stimmt sehr Wertvoll sind!
An der Kette hängt ein Amulett, das kunstvoll verziert ist.
Auf seinem Haupt trägt er eine flache, samtrote Mütze.

Rechts und links stehen, auf jeder Seite drei, mit Säbeln

144
bewaffnete Reunos. Zwei von ihnen sind ganz in Schwarz
gehüllt, sogar das Gesicht ist bedeckt, nur für die Augen
sind zwei Öffnungen. Sie haben eine Kette mit einem
Medaillon um, auf dem mythische Symbole sind.

Die schwarzbekleideten Reunos sind mit etwas, das aussieht


wie ein ‚Morgenstern‘ aus dem Mittelalter der Menschheit,
einer Waffe, ausgerüstet.
Der reunische Kaiser macht den reunischen Gruß, und spreizt
die Finger. Der Captain macht es ihm nach, seine Begleiter
ebenfalls.
Dann zeigt der Kaiser mit der Hand zu ein paar Sesseln, die
ein paar Meter vor dem Thron stehen.
„Setzen sie sich!“ fordert er auf.
Der Neliklan kniet vor dem Kaiser. Die sechs Soldaten der
kaiserlichen Armee machen es ihm nach.
„Erheben sie sich ruhig wieder, und setzen auch sie sich,
Neliklan!“ sagt der Kaiser in ruhigem, gebieterischen Ton.

Der Captain, Ernst Vogel, eröffnet das Gespräch. Aber erst,


als der Kaiser ihn aufgefordert hat, zu reden.
Der Captain spricht wieder ein paar einleitende Worte, dann
kommt Sjahc´Ploohrt, der Anführer der Separatisten, zu Wort.

Er setzt sich für freie Wahlen eines Rates und eines


Präsidenten ein, und will das Kaiserreich abschaffen.

Dem Captain sein Plan ist es, daß der Kaiser freie Wahlen
zuläßt, für einen Präsidenten im ganzen Sonnensystem, und
der Kaiser trotzdem bestehen kann, nicht zurücktreten muß.
Es solle einen planetaren Rat geben, der neue, demokratische
Gesetze ernennt und erarbeitet, und der Kaiser unterschreibt
diese Gesetze.
Das bedeutet, daß der Kaiser etwas seiner Macht abgeben muß.
„Und außerdem haben sie keine andere Wahl!“ bekräftigt der
Captain. „Sonst eskaliert die Gewalt, und viele Millionen,
wenn nicht sogar Milliarden, Reunos, werden den Tod finden,
und sie ebenfalls! Sie werden sich nicht mehr lange halten
können, sie haben nicht mehr die Kontrolle über die Lage!
Und außerdem kommt eine noch viel größere Gefahr aus dem
Weltraum auf ihr Volk zu, die das Ende aller Reunos bedeuten

145
könnte!“
Der Captain erklärt ihm, dem Kaiser, alles.
Der Kaiser scheint nicht gerade begeistert zu sein.
Der Captain spricht weiter.
„Wir werden ihnen und ihrem Volk helfen, so gut wir können!
Unter einer Bedingung: Sie willigen meinen Plan ein!“

Der Kaiser ist überhaupt nicht einverstanden. Mit wütend


klingender Stimme sagt er, fast schreiend: „Was erlauben sie
sich!? Sie stellen mir Bedingungen? Sie sind auf der Seite
des Separatisten-Packs! Wachen, nehmt sie fest und führt sie
ab! Und richtet sie sofort hin! Laßt die Medien dabei
zuschauen!“
Der Kaiser macht eine Geste, und zeigt mit einem Finger
seiner Hand in die Luft. Die vier mit Säbeln bewaffneten
Reunos bewegen sich aus der Reihe, und stellen sich vor den
drei Menschen und den vier Reunos.
Die Reunos stehen auf, auch die Menschen. Von hinten strömen
zwei Duzend, mit rotbekleideten Gewändern und Speeren in der
Hand, in den Thronsaal.
An ihrer rechten Seite haben sie etwas, das aussieht wie ein
Spielzeugpistolengürtel mit Halfter, in dem eine Pistole
steckt.
Diese Reunos haben ihre Hand an dieser Waffe, jeder Zeit
schußbereit!
Sjahc´Ploohrt will gerade in Verteidigungsstellung gehen, um
sich zu wehren, doch der Neliklan gibt ihm ein Zeichen, dies
lieber sein zu lassen.
Der Neliklan hebt die Hand hoch, spreizt sie und sagt laut,
bevor der Captain etwas sagen kann: „Halt! Einspruch,
großer, erhabener Kaiser! Als Neliklan steht mir das zu!
Verschonen sie zumindest die Fremden!“
Der Kaiser gibt den Wachen ein Zeichen. Sie bleiben in zwei
Reihen, halbrund um die Sieben stehen und rühren sich nicht,
als seien sie urplötzlich zu Statuen erstarrt.
Nur ein Neliklan hat das Recht, dem Kaiser zu widersprechen,
und um eine erneute Anhörung zu bitten. Er kann sich auch
Opfern für Andere.
Nach der Religion und Mythologie der Reunos bedeutet eine
Selbstopferung sehr viel. Und eine solche Opferung kann nur
ein Neliklan begehen!

146
Auf jedem von Reunos kolonisierten Planeten in diesem
Sonnensystem gibt es einen Neliklan, und auf Reuno, ihrer
Heimatwelt, auf jedem Kontinent einen. Seit es das
Kaiserreich auf Reuno gibt, als es noch keine Raumfahrt gab,
gibt es auch einen Neliklan, auf jedem der drei Kontinente.

Dieser Neliklan kann, nach der größten Religion der Reunos,


wenn er sich selbst opfert, in Reijk´Chraah´s Reich nach dem
Tod eines Reunokörpers in die Gottheit selbst Aufgehen, als
ein Teil von Reijc´Chraah selbst, und über das Universum
mitbestimmen, und die niedrigeren Reunoseelen zu
beherrschen, beziehungsweise zu Leiten. Das bedeutet für
Reunos Glückseligkeit!
Ein Kaiser geht natürlich auch nach seinem reunischen Leben
in die Gottheit Reijc´Chraah auf.
Die Pterocs wiederum haben eine ganz andere Religion, aber
das ist jetzt nicht so wichtig.
Der Neliklan entscheidet sich zunächst einmal für eine
Anhörung. Der Kaiser gewährt ihm diese.
„Dieser Fremde spricht die Wahrheit!“ beginnt der Neliklan
von Reeljickaah. „Zumindest klingen sie glaubwürdig! Sie
haben uns auch unterstützt im Kampf um Scrapt Yenkct! Diese
Extra-Reunos sind uns überlegen, wer weis, was sie tun
werden, wenn ihr die drei Hinrichtet!“
Er erzählt dem Kaiser noch einmal Ausführlich von der
Gefahr, die von außen, dem Weltraum, auf sie zukommen solle.
Der Kaiser, Ranjac´Ernhoo, denkt nach. Er läßt sich ein,
zwei Minuten Zeit, dann sagt er: „Sie haben recht! Also gut,
ich verschone die Extra-Reunos! Aber Sjahc´Ploohrt soll für
seine Verbrechen büßen! Richtet...!“
Weiter kommt der Kaiser nicht. Er wird unterbrochen von
einem Reuno in lilanem Gewand, der aufgeregt und nervös in
den Thronsaal rennt, mit einer Nachricht in seiner Hand.

„Erhabener Kaiser, die Kampfhandlungen gehen weiter! Man


weis nicht, wer begonnen hat! Auf jedem Fall dringen
Separatistentruppen in dem geheiligten, kaiserlichen
Stützpunkt ein! Man hört Gerüchte, daß sie einen neuen
Anführer haben. Wir können sie nicht mehr lange
zurückhalten! In wenigen Klemps werden sie hier sein, dann
ist alles aus!“

147
„Was ist mit den Notausgängen?“ fragt der Kaiser.
„Diese sind auch besetzt von Separatisten!“
Schweigen herrscht. Diese Stille nützt der Captain der
Firebird. Er redet auf den Kaiser ein, und holt aus einem
Koffer, den er bei sich hat, ein Blatt Papier, auf dem in
reunischer Sprache sein Vertrag über Computer während ihres
Fluges vorhin, hierher nach Reuno, fertig ausgedruckt wurde.

„Unterschreiben sie diesen Vertrag, den ich hier habe, alle


drei, das kann sie alle noch retten! Dann seid ihr
gleichzeitig Mitglied des Galaktischen Völkerbundes, und
unter dem Schutz des NDI! Es hat nur Vorteile für sie, und
dem Volk der Reunos!“
Der Neliklan und der Separatistenführer nehmen das Papier
und lesen. Nach ein paar Minuten unterschreiben sie den
Vertrag.
„Jetzt sind sie dran, Kaiser!“ Der Captain reicht ihm den
Vertrag. Der Kaiser sagt: „Ich möchte zuerst mit meinem
Berater sprechen!“ Sein Berater, ein schwarzverhüllter
Reuno, hat alles mitgehört.
Nach fast Zehnminutiger Beratung sagt der Kaiser endlich:
„Gut, ich bin einverstanden! Ich unterschreibe!“
Der Captain atmet erleichtert auf. Damit hat er sehr viel
erreicht! Er hat es sich nicht vorstellen können, hat selbst
an seinem Plan Gezweifelt. Er freut sich im Stillen, daß es
so gut gelaufen ist.
Er nimmt den Vertrag und schiebt ihn durch so etwas wie
einen Papierwolf. So sieht es zumindest aus. Sobald es mit
ganzer Fläche durch dieses Gerät geschoben wurde, wird es
auf der einen Seite vollständig vernichtet, gleichzeitig
wird es aber zuerst im Bordcomputer der Firebird
gespeichert, und ist Sekundenbruchteile später unterwegs zum
zentralen Computer der Menschheit auf dem irdischen Mond.
Die Reunos sind sehr überrascht. Der reunische Kaiser ist
der erste, der was sagt.
„Was machen sie da?“ fragt er entrüstet.
„Ach so, ja! Erschrecken sie nicht, das Schreiben ist zu
unserem zentralen Computer unterwegs und wird dort
gespeichert. Ich werde später ihnen noch einen Computerchip
geben, auf dem der Vertrag gespeichert ist!“
Die Reunos geben sich mit dieser Antwort zufrieden. Der

148
Captain schaut auf seine Uhr. Es ist 23.00 Uhr Bordzeit, am
31. August 3083. Jetzt haben sie noch ein Problem vor sich:
Die reinigende Flamme! Und das ist ein sehr, sehr schwerer
Brocken!

27.KAPITEL: Juan Banderas taucht auf!

23 Stunden später, am 1. September, 22.00 Uhr Bordzeit,


bekommt die Firebird die Hyperfunknachricht, daß sich die
Gal-Ab-Schiffe des NDI im Ritmo-System befinden, und den
Hyperraum verlassen haben. Die anderen Schiffe sind noch
unterwegs, und werden sich in zwei bis drei Tagen sammeln,
um das Arbor, Merna und Laurupp-System anzufliegen und
angreifen.
Daraufhin funkt die Firebird, die sich wieder im Weltraum
befindet, im Orbit um Reeljickaah, daß sie 80 bis 100
Schiffe zu ihnen schicken sollen, denn es tauchen gerade
hundert Schiffe der reinigenden Flamme von dem Hyperraum in
den Normalraum auf. Unter der Führung von Juan Banderas mit
seiner ‚Hellfire‘!
Und sie sollen sich beeilen! Die Koordinaten ihres
Standortes werden, verschlüsselt und codiert, durchgegeben.

Die Alarmsirenen in der Firebird heulen wieder. Der Captain


spricht über die Bordeigene Rundrufanlage zu der Besatzung,
sie sollen sich entweder zu den einzelnen Stationen begeben,
oder sich in seine Kabine begeben und anschnallen!

Auf dem großen Bildschirm in der Kommandobrücke erscheint


das Gesicht von Juan Banderas. Es ist eine häßliche Fratze,
wie ein böser Dämon, denkt sich Ernst Vogel.
Er hat eine ungeheure, negative Ausstrahlung, Juan Banderas
strahlt abgrundtiefen Haß und grenzenlose Gewalt aus.
Dämonisches Gelächter ist zu hören.
„Jetzt haben wir euch! Es gibt kein Entkommen! Wir werden

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euch von diesem Universum fegen!“ Wieder ein dämonisches
Gelache. Dies alles scheint dem Captain der Firebird nichts
auszumachen. Er verzieht keine Mine. Er sagt nur: „Bitte
ergeben sie sich, im Namen des NDI! Oder sie werden an
diesem Tag noch sterben!“
Grenzenloses Gelächter, auch im Hintergrund.
„Das war ein guter Witz, Captain! Jetzt habe ich Angst...!
Ha, ha, ha, ha, ha!“
„Dann warten sie ab, was auf sie zukommt! Ihnen wird Heute
noch das Lachen vergehen! Sie, und ihre Mitstreiter, werden
Heute noch in der Hölle landen!“ sagt der Captain der
Firebird in gefährlich ruhigem Ton, schaltet das Bild um und
unterbricht somit die Unterhaltung, die, seiner Meinung
nach, sowieso nichts bringt!
Millionen Sterne sind nun auf dem Bildschirm zu sehen, und
etwa hundert größere Lichtpunkte, das sind die Schiffe der
reinigenden Flamme.
„Steuermann, bringen sie uns in den Asteroidensektor dieses
Systems. Dort sind wir relativ Sicher! Aber seien sie
Vorsichtig!“ befiehlt der Captain in ruhigem Ton, so, als ob
nichts wäre.
„Aje, aje, Captain!“ sagt der Steuermann, Peter Störrer,
beifällig, und während er das sagt, huschen seine Finger
flink und geschickt über die Steuerkonsole.

Das Schiff nimmt langsam Fahrt auf und wird immer schneller.
Es bewegt sich in Richtung Asteroidensektor zwischen dem 5.
Und 6. Planeten dieses Systems zu.
In wenigen Minuten hat das Schiff eine Geschwindigkeit von
20.000 Kilometer in der Sekunde erreicht, und setzt zu einer
Kurztransition von kurzer Dauer (wenige Sekunden) an. Der
Hyperraumgenerator ist noch nicht hundert Prozentig
einsatzfähig, trotz den vier Tagen Reparatur. Die Firebird
kann nur Kurztransitionen durchführen, und das nicht
unbegrenzt!

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Juan Banderas ist überrascht, als er sieht, wie die Firebird
im Hyperraum verschwindet. Er starrt auf den Ortungsschirm.

Er will etwas sagen, da taucht sie wieder auf, viele hundert


Millionen Kilometer entfernt.
„Ha, da sind sie wieder! Wie ich vermutet habe, haben sie
immer noch Probleme mit dem Hyperraumgenerator! Sie wollen
sich im Asteroidengürtel verstecken! Folgt ihnen in den
Gürtel! Teilt euch in zwei Dreissigergruppen und vier
Zehnergruppen!“ Juan Banderas spricht nun persönlich über
Funk zu den anderen Schiffen, um sie zu informieren.

Die Dreissigergruppen sollen von Vorne und hinten die


Firebird abfangen, zwei Zehnergruppen von links, und zwei
von rechts. Alle Schiffe sollen so fliegen, daß sie die
Firebird dreidimensional einkreisen!
Dann sagt Juan Banderas, den Bordinternen Funk
hinzugeschaltet: „Sämtliche Piloten sollen sich in die
Raumjäger, Raumboote und Korvetten begeben. Sobald wir im
Asteroidengürtel sind, schwärmt ihr aus, und jagt die
Firebird ins Verderben!“ Seine Augen blitzen dabei
diabolisch auf.
„Sie werden uns nicht entkommen!“ sagt er, leise vor sich
hin, den Funk ausgeschaltet.
„Sie werden bezahlen mit dem Leben, was sie mir Angetan
haben!“ So leise er auch spricht, ja, förmlich zischt, wie
eine Schlange, die kurz davor ist, sein Opfer zu
verschlingen, in diesen Worten ist die gesamte Wut und der
Haß über das NDI, dem Captain der Firebird, und das Leid
seiner schlimmen Kindheit enthalten!
Minuten später gehen sämtliche Schiffe für wenige Sekunden
in den Hyperraum und machen eine Kurztransition, von den
Bordcomputern aller Schiffe präzise berechnet, Gruppe für
Gruppe.

151
Die Schlacht im Ritmo-System ist in vollem Gange. Die
meisten Schiffe der reinigenden Flamme befinden sich auf dem
3. Planeten und in einem Weltraumbahnhof, einer gigantischen
Raumstation, in der sich hunderte von großen Raumschiffen,
Raumboote, Raumjäger und Korvetten befinden.

Die Raumwerft von Ayron, so heißt der 3. Planet, und der


Raumhafen mit den Kasernen, werden Massiv angegriffen. Die
andere Hälfte der Flotte wehrt die Schiffe im Weltraum ab,
und die Hälfte der anderen Hälfte greift den Weltraumbahnhof
an.
Sonnen von verglühenden Schiffen erhellen den Weltraum,
Blitze zucken durch das samtene, sternenbestückte Schwarz
des Weltraums.
Riesige, glühende Feuerbälle sind vom Weltraum aus auf der
Oberfläche von Ayron zu sehen, der sich in der Nachtseite
befindet. Es ist ein gespenstischer Anblick, nichts ist zu
hören, wenn ein Außenstehender die Schlacht beobachten
würde!
Das NDI hat verhältnismäßig wenig Verluste. Man kann schon
ahnen, wie zumindest diese Schlacht ausgehen wird!

Es ist 22.45 Uhr an Bord der Schiffe des NDI, die Schlacht
geht schon 45 Minuten. Sven Anderson ist schon unterwegs zum
Reunosystem mit 50 Tausendfünfhunderter, und ebenfalls 50
Dreitausender Schiffen.
Er befindet sich in der Kommandobrücke der ‚Eternal Flames‘,
zusammen mit Captain John Tanner.
Der Captain der ‚Eternal Flames‘ ist noch ein ziemlich
junger Mann, etwa 36 Jahre alt. Er ist sehr klein, 1,68
Meter groß und Dick, und hat mittellanges, blondes Haar.
Seine Augen sind himmelblau.
Er trinkt gerade eine Tasse schwarzen, echten Kaffee von
Sven Anderson, den er in einer Thermoskanne bei sich hat.
„Man, das ist aber mal ein guter Kaffee! Wo haben sie den

152
her, Admiral!?“
„Den habe ich direkt bestellt von der Erde, aus Brasilien!
War sehr teuer, das Ganze, obwohl ein Militärschiff den
Kaffee geladen hatte!“
Daraufhin sagt Tanner: „Es gibt auf Kyrion auch
Kaffeeplantagen, aber dieser Kaffee ist nicht so gut. Und
schmeckt auch nicht so wie der von der Erde!“
Captain Tanner zündet sich eine Filterlose Zigarette an und
zieht genüßlich daran. Der Admiral kann den Rauch einer
Zigarette nicht leiden, sagt aber nichts. Er kann und will
ihm das Rauchen nicht verbieten.
„Noch zwölf Minuten bis zum Austritt aus dem Hyperraum!“
verkündet der Bordcomputer der ‚Eternal Flames‘, dem 3.000
Meter durchmessenden Flaggschiff der East-Side.

Sie warten alle angespannt auf die bevorstehende Schlacht.


‚Hoffentlich kommen wir nicht zu spät!‘ denkt der Admiral.

Die Firebird befindet sich schon eine halbe Stunde im


Asteroidengürtel des Reunosystems, und fliegt mit langsamer
Fahrt dahin.
Sie haben schon bemerkt, daß Juan Banderas ihnen mit seinen
hundert Schiffen folgt, und versucht, sie einzukreisen!

‚Vielleicht war es doch ein Fehler, sich im Asteroidengürtel


zu Verstecken!‘ denkt der Captain für einen kurzen Moment.

Auf die Firebird zu fliegen, von allen Seiten, Tausende


Raumjäger und Raumboote, und über 600 Korvetten. Sie fliegen
mit irrwitziger Geschwindigkeit heran, ‚Zu schnell!‘ denkt
sich der Captain.
Gleich mehrere duzend dieser Raumfluggeräte kollidieren von
ihnen mit einem Meteor oder Planetoid, bevor sie überhaupt
in Schußweite sind! Dadurch verlieren sie zehn Prozent ihrer
kleinen Raumfahrzeuge.

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Die Firebird setzt Transformminen aus. Sie schießt aus
sämtlichen Rohren, und vernichtet so auf einem Schlag
duzende von feindlichen Raumjägern. Schwieriger sind da die
Raumboote und Korvetten. Man muß mindestens zehn Sekunden
mit Transformsalven voll drauf halten, und das ist nicht so
einfach, weil dies sehr bewegliche und schnelle
Raumfahrzeuge sind.
In weiter Entfernung verengt sich der Kreis, die Falle
scheint zuzuklappen! Die Hauptgefahr sind die hundert großen
Schiffe. Diese können ihren Tod bedeuten!
„Störrer, bringen sie uns durch die feindlichen Linien!
Jetzt und sofort!“ befiehlt der Captain.
„Aber vorsichtig, bitte!“
„Aje, aje, Captain!“

Juan Banderas erkennt sofort auf dem Ortungsschirm, was die


Firebird vor hat. Er befiehlt, eine Mauer zu bilden mit den
Schiffen, sofort zu verfolgen und schießen, sobald das
Schiff des NDI in Reichweite ist, oder durchbricht!

Juan Banderas fügt noch hinzu: „Sie werden uns nicht


entkommen! Dafür sorgen wir! Und Gnade euch Gott, wenn sie
trotzdem entkommen!“
Dies sagt er über Funk zu den anderen Schiffen, und zu
seiner eigenen Besatzung.
Diese Drohung ist nun fester Bestandteil der Furcht in den
Seelen der menschlichen Besatzung der 101 Raumschiffe, und
den anderen Kleinraumgefährten der reinigenden Flamme, die
sich in diesem System befinden. Alle haben Angst vor Juan
Banderas!

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Peter Störrer hat die Ausweichautomatik, die nur wenige
Schiffe des NDI besitzen, eingeschaltet, und führt die
Firebird mit sehr hoher Geschwindigkeit durch den
Asteroidengürtel. Die Sicherheit dieser Automatik liegt bei
97,3%! Aber, je höher die Geschwindigkeit wird, desto
geringer wird die Sicherheit!
Der ein oder andere Asteroid trifft das Schiff, aber der
Schutzschirm hält, es sind nur kleinere Asteroiden, und
diese verglühen noch im Schutzschirm.
Die Asteroiden, Meteore und Planetoiden rasen mit
irrwitziger Geschwindigkeit an ihnen vorbei. Wer auf den
Großbildschirm schaut, dem wird schlecht. Der ein oder
andere Übergibt sich sogar!
Dann kommen Schiffe auf sie zu, von der reinigenden Flamme.
Sobald die feindlichen Schiffe in Schußweite sind, schießen
sie.
Einige schießen nur knapp vorbei, und verwandeln Asteroiden
in Sonnen, welche sofort wieder verblassen.
Drei, vier Schiffe treffen die Firebird voll, es gibt
Erschütterungen an Bord, die Besatzung wird
durchgeschüttelt, aber der Schutzschirm hält!

Die Firebird wird schneller und schneller, sie währe fast


mit zwei Schiffen der reinigenden Flamme kollidiert, und
fliegt nun davon. Zehn feindliche Schiffe folgen der
Firebird sofort. Es sind sechs sechshunderter und vier
achthunderter Schiffe, sie sind sehr schnell.

Sie schießen Transformsalven ab. Die Firebird wird


getroffen. Erneute schwere Erschütterungen erfassen das
Schiff, Explosionen werden ausgelöst, es brennt wieder in
einigen Sektionen.
Die Firebird wehrt sich, und schießt einige Salven
Transformtorpedos ab. Das Schiff schießt nun Pausenlos,
ebenfalls wie die Schiffe der reinigenden Flamme, und wird
immer schneller. Die Firebird will nun eine Kurztransition
durchführen. Zwei sechshunderter Schiffe des Feindes
verglühen in gleißend hellen Sonnen.
Der Schutzschirm der Firebird weist nun Struckturlücken auf.
Es gibt schon wieder einige duzend Verletzte. Dann tritt das
Schiff wieder für wenige Sekunden in den rettenden,

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5-dimensionalen Hyperraum.
Kurz darauf tritt die Firebird wieder in den Normalraum,
Sechshunderttausend Kilometer von dem 5. Planeten entfernt,
einem riesigen Gasriesen, und bremst sehr stark ab. Die
Besatzung spürt fast nichts davon, weil die Firebird und
sämtliche Schiffe des 31. Jahrhunderts modernste Maschinen
und Geräte an Bord haben.
Das Schiff fliegt nun oberhalb der Ringe des gigantischen
Gasriesen, der doppelt so groß wie der Saturn ist. Die
Wolken von diesem Planeten strahlen bläulich, weiß, gelb,
rötlich, rosa und lila. Er wird umkreist von 23 Monden.

Der Captain, Ernst Vogel, befiehlt, in die Atmosphäre des


Planeten zu fliegen!
Wiliam Redhourse meldet sich zu Wort, der erste Offizier der
Firebird. Er sagt: „Captain, das ist zu gefährlich! Der
Druck wird ins unermeßliche steigen! Ich weis nicht, ob die
Maschinen das aushalten! Und der Schutzschirm! Aber zuerst
werden wir zerquetscht werden, bevor der Schutzschirm seinen
Geist aufgibt!“
Der Captain erwidert darauf lässig: „So weit werden wir
nicht in die Atmosphäre des Planeten gehen, nur am Rand,
vorerst!“
„Ich möchte sie nur gewarnt haben Captain!“

„Schon gut! Aber wir fliegen trotzdem in die Atmosphäre! Es


hat auch Vorteile! Dadurch kann man uns nicht Orten, auf
jeden Fall nicht so schnell!“
Die Firebird tritt in einen sehr flachen Winkel in die
oberen Schichten der Turbulenten und gefährlichen Atmosphäre
des Gasriesen ein. Es gibt in dieser Atmosphäre Stürme, die
viele Tausende mal intensiver sind als auf der Erde. Die
Firebird versucht, diese Sturmzonen möglichst zu meiden. Der
Bordcomputer hilft der Besatzung dabei.
„Hoffentlich kommen unsere Schiffe bald! Sie sind schon
längst überfällig!“ meint Andrea Smith, die Kommandantin.
Sie befindet sich wieder in der Kommandozentrale.

Diese kommen nicht, dafür treten acht Schiffe der


reinigenden Flamme aus dem Hyperraum. Sie bremsen ebenfalls
stark ab.

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Sie sehen die Firebird nicht, die immer tiefer in die Wolken
der lebensfeindlichen und gefährlichen Atmosphäre eintaucht.

Es knackt und knirscht im ganzen Schiff, der Bordcomputer


löst Alarm aus. Der Bordcomputer spricht in einer monotonen,
mechanischen Stimme: „Captain, bitte steuern sie dieses
Schiff aus der Gefahrenzone, sonst werden wir Schaden
nehmen!“
Dies wiederholt der Computer mehrere male. Ungeduldig
spricht die monotone Stimme, nachdem niemand sie beachtet
hat, weiter: „Wenn sie nichts unternehmen, werde ich eigene
Maßnahmen zu unserem Schutz durchführen!“
„Wenn wir wieder zurückfliegen, sind wir in einer viel
größeren Gefahr, BIO-POS!“ versucht der Captain, den
Bordcomputer zu beruhigen.
Der Bordcomputer ist halb biologisch, halb possitronisch,
das heißt, elektrisch mechanisch mit künstlich gezüchteter
Hirnmasse. Gerade der biologische Anteil ermöglicht es dem
Bordcomputer, sich selbst zu Schützen und Emotionen zu
zeigen, er hat nämlich zur Zeit Angst um sich selbst.

Der Captain versucht, BIO-POS zu beruhigen. Es gelingt ihm.


Vorübergehend!
Die Firebird bleibt nun stehen, geht nicht tiefer in die
Atmosphäre hinein.
Die Schiffe der reinigenden Flamme fliegen im Orbit um den
Gasriesen. Sie finden nichts!

28.KAPITEL: In der Atmosphäre des Gasriesen!

Die anderen Schiffe der reinigenden Flamme treffen nach und


nach in unmittelbarer Nähe des Gasriesen ein.
„Kommander Banderas, die Firebird ist spurlos verschwunden!
Was sollen wir tun?“ Renee´ Gauklin ist zu sehen auf dem
Bildschirm, der Captain eines Schiffes der reinigenden

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Flamme.
Juan Banderas ist nicht gerade erfreut über das Verschwinden
der Firebird. Wut kommt in ihm hoch, er beherrscht sich aber
Meisterhaft. ‚Relativ ruhig‘ sagt er: „Das gibt es nicht!
Sie sind hier, ich spüre es! Ich kann sie sogar riechen! Ja,
ich rieche ihre Angst! Sie haben sich bestimmt verkrochen
auf diesem scheißverdammten Gasriesen!
Zwanzig, nein, dreissig Schiffe, zusammen mit unserer
‚Hellfire‘, tauchen in die Atmosphäre ein und suchen die
Firebird! Die anderen siebzig Schiffe warten im Orbit! Und
wehe euch, jemand kneift, oder widerspricht mir, oder ihr
läßt sie noch einmal entkommen!“
Keiner wagt, etwas zu sagen, oder gar zu widersprechen, denn
demjenigen droht der sofortige Tod! Die Besatzung der
‚Hellfire‘ kennt ihren Anführer nur zu gut!
Auch die anderen Captains der übrigen Schiffe sagen nichts.
Denn alle kennen die Geschichte – Oder ist das nur ein
Gerücht? -, daß Juan Banderas einmal, vor ein, zwei Jahren,
eigenhändig und alleine, die Transformkanonen bedient hatte
und ein eigenes, der reinigenden Flamme gehörendes Schiff,
abschoß!
Der Grund: Sie haben eine Schlacht verloren, und der Captain
des Schiffes, welches er später eigenhändig abschoß, hatte
dem Anführer widersprochen, als er einen Befehl gab!
Vielleicht ist das doch nur ein Gerücht – Man weis es nicht!
–Aber es wirkt!
Die Jäger, Raumboote und Korvetten sind noch im
Asteroidensektor. Sie würden nachher abgeholt werden.

Die Besatzung der Firebird beobachtet mit Unbehagen, wie


etwa dreissig Schiffe des Feindes in die Atmosphäre tauchen.
Sie haben Angst, alle, ausnahmslos. Sie hoffen und beten im
Stillen, daß die Schiffe des NDI bald eintreffen würden.

„Weiter, wir müssen tiefer!“ befiehlt der Captain. Seine

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Kameraden handeln ohne Widerrede. Sie tauchen tiefer, immer
tiefer, hinein in die Atmosphäre.
Blitze entladen sich, die Firebird wird wieder kräftig
durchgeschüttelt, es ächzt und knarrt im ganzen Schiff, als
würde es in jedem Moment zerquetscht werden!
Blitze zucken durch die Konsolen, Menschen bekommen
elektrische Entladungen ab und zucken heftig, manche glühen
weiß bläulich. Einige Besatzungsmitglieder bekommen
tierische Kopfschmerzen, Aggregate explodieren. Bei manchen
Besatzungsmitgliedern läuft schon das Blut aus Ohren, Nase
und Mund heraus.
Auf jedem Fall geht es den Besatzungsmitgliedern der
Firebird nicht gut!
„Stoppt die Fahrt, hier bleiben wir!“ sagt der Captain, der
ebenfalls starke Kopfschmerzen hat, mit leicht zittriger
Stimme und Schweiß auf der Stirn.
Der Bordcomputer meldet sich wieder in typischer, monoton
metallischer Stimme: „Captain, bitte befehlen sie, das
Schiff aus der Gefahrenzone heraus zu Manövrieren! Dem
Schiff und der Besatzung geht es nicht gut! Sonst muß ich
eigene Maßnahmen unternehmen!“
Der Captain versucht, die biologisch possitronische Maschine
zu beruhigen. Er sagt: „Nicht mehr lange, nur noch ein paar
Minuten, müssen wir dort bleiben! Hier sind wir sicherer als
im freien Weltraum! Denn dort lauert der absolute Tod!
Freunde von uns werden kommen und den Feind des Schiffes,
und dieses Systems, zu vertreiben! Hab Geduld! Nur noch ein
paar Minuten! Uns wird nichts passieren!“

Sanitätsroboter kommen nun in die große Kommandozentrale und


versorgen die Verletzten, oder bringen sie sofort in die
Krankenstationen des Schiffes.

Viele der Brückenbesatzung stöhnen vor Schmerzen, oder


liegen am Boden und wimmern nur noch. Dem Captain geht es
nicht anders. Er Atmet schwer.
„Ich kann das nicht mehr mit ansehen!“ schnarrt der
Bordcomputer metallisch monoton. „Ich werde jetzt...!“
„Nichts wirst du! Wenn du irgend etwas eigenmächtiges
Unternimmst, werde ich dich abschalten!“ unterbricht ihn der
Captain der Firebird sofort, er versucht dabei, eine

159
kräftige Stimme zu haben, bringt aber nur ein krächzen
hervor.
Der Bordcomputer scheint ihn aber genau verstanden zu haben,
denn er sagt: „In fünf Minuten werde ich eigene Maßnahmen
ergreifen!“ Der Captain atmet innerlich auf. Seine Drohung
hat gewirkt!

Der Captain stellt eine Verbindung mit seinem Sohn her.


„Jürgen, alles klar bei dir?!“
Jürgen spricht mit krächzender Stimme, er scheint Schmerzen
zu haben.
„Ja, Vater! Uns geht es den Umständen entsprechend gut!
Sabine und ich sind aneinander Geschnallt! Wir...!“
„Ja, schon gut! Ich will nicht jede Einzelheit wissen!
Hauptsache, euch geht es einigermaßen gut! Ende!“ Er
schüttelt den Kopf, dann muß er lachen. Sein Sohn schreckt
doch vor gar nichts zurück! Na, ja, so ist die Jugend halt!
‚Vielleicht werde ich bald Opa!‘ denkt sich der Captain.
Aber, zuerst müssen sie alle in diesem Schiff, hier und
jetzt, überleben!

Captain, Captain, sehen Sie! Die reinigende Flamme zieht


sich von der Atmosphäre zurück!“
Jetzt sieht es der Captain auch. Er kann sich auch schon
denken, warum! Er macht eine sehr besorgte Mine.

„Das verheißt nichts gutes! Juan Banderas will den Planeten


mit Transform-Atombomben zerstören! Eine dieser Bomben hat
die Explosionskraft von mehreren Hunderttausend Atombomben!
Diese Waffen sind schon seit Jahrhunderten verboten!“
„Woher sind sie so sicher, daß er dies tun will?“ fragt ihn
Wiliam Redhourse, der erste Offizier. Der Captain
beantwortet seine Frage sofort.
„Ich weis es, ich fühle es! Ich kenne Juan Banderas! Die
reinigende Flamme hat schon solche Waffen eingesetzt! Und
ich bin mir zu hundert Prozent sicher, daß die ‚Hellfire‘
ebenfalls solche Waffen hat!“
Die Schiffe der reinigenden Flamme ziehen sich langsam, aber
sicher von der Atmosphäre zurück.

160
*

„Es dauert noch eine Minute, bis zum Austritt aus dem
Hyperraum!“ verkündet die monotone Stimme des Bordcomputers
der ‚Eternal Flames‘. Es ist 23.56 Uhr Bordzeit in den
Raumschiffen des NDI.
Die Besatzungen sind Gefechtsbereit und angeschnallt. Die
Menschen sind angespannt, und dennoch voller Konzentration,
trotz dieser späten Stunde!
„Hoffentlich kommen wir nicht zu spät!“ sagt John Tanner
leise vor sich hin.
„In kurzer Zeit werden wir es wissen!“ erwidert darauf der
Admiral, der ihn gehört hat. Dann endlich treten sie in den
normalen Weltraum ein.
Die Besatzungen verspüren einen kurzen Entzerrungsschmerz im
Nacken. Das Leuchten des Hyperraums auf dem Bildschirm wird
abgelöst von samtenem Schwarz, das übersät ist mit Millionen
von Sternen. In der Mitte steht eine orangegelbe Sonne. Sie
durchfliegen die Umlaufbahn von Reuno, dem 3. Planeten
dieses Systems. Einige fremd aussehende Raumfahrzeuge
kreuzen ihren Weg, wahrscheinlich reunische Schiffe. Dann
sehen sie die Flotte der reinigenden Flamme auf dem
Ortungsschirm. Die Umkreist den 5. Planeten in einigem
Abstand. Einige Schiffe kommen vom Planeten hinzu. Der
Admiral spricht über Funk zu den anderen Schiffen, den
internen Bordfunk ebenfalls hinzugeschaltet, so daß alle ihn
hören können.
„Wir fliegen alle zum 5. Planeten, per Kurztransition! Wir
fliegen so, daß die feindlichen Schiffe eingekreist werden.
Ich vermute, die Firebird befindet sich in der Atmosphäre
des Gasriesen, und der Feind hat vor, den Gasriesen zu
zerstören! Also, los, jetzt!“
Die hundert großen Schiffe nehmen sofort wieder Fahrt auf,
und werden immer schneller.
Nach ein paar Minuten treten sie wieder in den 5-
dimensionalen Hyperraum ein, um wenige Sekunden wieder in
den Normalraum, kurz vor dem Gasriesen, auszutreten.

161
*

„Captain Banderas, die Bomben sind in sechs Minuten


einsatzbereit!“
„Geht das nicht schneller, Randolf? Was ist das für ein
lahmarschiger Haufen!?“ Er ist wieder kurz vor einem seiner
Wutausbrüchen.
Sie sind voll Konzentriert auf den Planeten, und merken
dabei vorerst nicht, wie hundert NDI-Schiffe hinter ihnen
auftauchen.
Nur die ‚Hellfire‘ hat diese zerstörerischen, verbotenen
Waffen bei sich. Und davon so viele, um ganze Sonnensysteme
zu vernichten!
„Captain, Captain, wir werden angegriffen von Schiffen des
NDI! Sie haben uns eingekreist!“
Juan Banderas ist sehr überrascht, er schaut Sekundenlang in
den Flachbildmonitor, schaut den Captain, der in diesem
Monitor erscheint, an, als habe er ein Gespenst gesehen.
Dann sagt er, etwas gefaßter: „Haltet so lange wie
möglich...!“
Das Bild auf dem flachen Monitor wackelt, der Captain auf
dem Bildschirm macht ein entsetztes Gesicht, voller Angst
und Panik. Dann ist das Bild weg, nur noch Rauschen ist zu
hören, und flimmern, grau in grauweiß, ist zu sehen.

Juan Banderas ist kreidebleich, er läßt sich in sein


Kommandosessel fallen wie ein nasser Sack. Er braucht ein
paar Sekunden, um sich von dem Schreck zu erholen, danach
sagt er: „Oh, verdammt...! Es hat ihn erwischt! Steuermann
bringen sie uns in den Planeten! Und keine Widerrede!“

Wenn das Schiff, die ‚Hellfire‘, in der Atmosphäre des


Planeten vergeht, und dann gleichzeitig die Bomben zündet,
wird es zu einer verheerenden Katastrophe kommen! Das ganze
Sonnensystem kann dadurch zerstört werden! Schon allein die
Druckwelle würde zuerst Reeljickaah, dann Reuno erreichen.
Es würden Milliarden, wenn nicht sogar alle Reunos, sterben,
wenn dies nicht verhindert wird!
Plötzlich taucht die Firebird wieder auf aus der Atmosphäre

162
des gigantischen Gasriesen, und fliegt mit irrwitziger
Geschwindigkeit auf die ‚Hellfire‘ zu!
Ein paar schwere Raumjäger, Raumboote und vier Korvetten
verlassen die Firebird. Captain Vogel geht aufs ganze. Auch
Sabine Wild ist in einem der Jäger.
Der Captain, Ernst Vogel, erscheint auf dem Monitor der
‚Hellfire‘.
„Captain Juan Banderas, zum allerletzten mal, ergeben sie
sich, oder ihre Besatzung wird hier und jetzt sterben!“

Juan Banderas lacht nur, als sei dies nur ein Witz.
„Niemals! Ich werde...!“
Mehrere Transformsalven treffen die ‚Hellfire‘ voll, sie
wird beschossen mit Punktfeuer, ohne Unterbrechung!

Es gibt heftige Explosionen auf der ‚Hellfire‘, Menschen


werden umhergewirbelt, Feuer bricht im ganzen Schiff aus.
Menschen schreien, voller Angst und Panik, manche auch, weil
sie Schmerzen haben. Trümmerteile fliegen umher und
zerfetzen einige Besatzungsmitglieder. Es ist eine zu
grausige und schreckliche Szenerie, um sie zu genau zu
beschreiben!
Juan Banderas wird ebenfalls durch die Luft gewirbelt, und
schlägt mit dem Kopf an eine Konsole. Er blutet, kämpft mit
der Bewußtlosigkeit. Er schreit: „Ausweichen! Ausweichen!
Und das Feuer erwidern! Sofort!“
Aber die Hälfte der Besatzung ist außer Gefecht, entweder
verletzt oder tot!
Er fühlt sich mies, Wut kommt in ihm auf, er will nicht
wahrhaben, daß dies das Ende ist. Schon gar nicht, daß Ernst
Vogel derjenige ist, der ihnen das antut!
Da kommt ihm eine diabolische Idee!
Wenn er nämlich die Bomben jetzt zündet, dann geht er zwar
selber mit der Besatzung und die anderen Schiffe der
reinigenden Flamme drauf, aber, den Feind wird es auch
erwischen. Und was ihm noch wichtiger ist, die Firebird wird
ebenfalls vernichtet werden mitsamt der Besatzung!

„Ha, ich krieg dich, Vogel! Ich werde euch alle in die Hölle
schicken!“ murmelt er vor sich hin und lacht dabei wie ein
irrer. Mit letzter Kraft rafft Juan sich auf und will zur

163
Steuerkonsole rennen, da läßt seine Kraft nach, und er sackt
zu Boden.
Kurz bevor es Schwarz um ihn wird, nimmt er eine Person
wahr, die sich über ihn beugt, dann wird es schwarz um
seinen Verstand.

Die Firebird wird von ein paar Schüssen getroffen, aber es


ist nur halb so wild. Das Schiff, die Raumboote, Jäger und
Korvetten schießen aus allen Rohren. Der Schutzschirm der
‚Hellfire‘ zeigt so langsam Struckturlücken auf, Blitze
zucken in den Weltraum.
Der Angriff der Firebird kommt völlig überraschend, so daß
die ‚Hellfire‘ kaum zum Zug kommt!
Die Firebird setzt auch Quinthium-Transformtorpedos ein, die
sie zum Test übrig hat. Es war nicht ganz einfach, an diese
Waffen zu kommen. Nur der Bordcomputer hat Zugriff, mußte
vorher überredet werden. Und dies gelang dem Captain!

Das feindliche Schiff versucht, zu fliehen, ist aber zu


langsam. Dann, nach endlos scheinenden Minuten Dauerbeschuß,
vergeht die ‚Hellfire‘ in einer gleißend hellen Sonne!

Der Captain meint, daß kurz vor der Explosion der ‚Hellfire‘
etwas das Schiff verläßt, schüttelt aber dann den Kopf und
denkt sich: ‚Sollte irgend jemand mit einer Rettungskapsel
versuchen, zu fliehen, werden die anderen Schiffe sie
abfangen und zerstören!‘ Denn, das, was er meinte, zu sehen,
bewegte sich fort von dem Planeten!
Er macht sich jetzt nicht weiter Gedanken darum.
Die Freude über den Abschuß ist eher verhalten, sie sind
froh, daß sie mit dem Leben davon gekommen sind.

Die Firebird fliegt zu den anderen Schiffen des NDI und der
reinigenden Flamme. Zwei drittel der feindlichen Flotte im
Reunosystem ist vernichtet, das NDI hat nur wenige Verluste,

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etwa fünfzehn Schiffe gehen verloren.
Die Schlacht geht weiter, die reinigende Flamme hat immer
noch nicht genug! Nach ein paar weiteren Minuten geben sie
dann doch auf.
Die restlichen zwölf Schiffe werden dann übernommen von
Raumsoldaten. Es gibt keine ernsthaften Zwischenfälle mehr.

Die Besatzungen werden festgenommen und in Hallen der


Schiffe eingesperrt.
Über Hyperfunk kommt die Nachricht, daß die Schlacht um das
Ritmo-System ein voller Erfolg war.
Obwohl das NDI schwere Verluste einbüßen mußte. Die
Einheiten der reinigenden Flamme in diesem System werden
geschlagen.
Es gibt fast kein Jubel. Klar, sie schon froh über den Sieg,
der ein oder Andere jubelt sogar, aber es gibt keine
Siegesfeiern.
Der Krieg ist noch lange nicht vorbei, er fängt gerade erst
an! Wenn die Menschen, und sämtliche anderen außerirdischen
Spezies der Galaxis wüßten, was da in Zukunft auf sie
zukommt, sie würden verzweifeln oder sich umbringen,
Selbstmord begehen!
Aber, keiner weis, wie sich die politische Lage der Galaxis
weiterentwickelt!

29.KAPITEL: Erwachen!

Juan Banderas erwacht langsam aus seiner Bewußtlosigkeit,


und hat Schmerzen. Das ist für Juan ein Zeichen, daß er noch
lebt.
Er öffnet die Augen. Er schaut sich um. ‚Wo bin ich?‘ fragt
er sich. Er liegt in einem Bett, umgeben von vielen
medizinischen Geräten. Einige Schläuche stecken in ihm. Er
ist allein in einem steril riechendem Zimmer ohne Fenster,
das Licht ist angenehm gedämpft. Die Farbe des Zimmers ist

165
Schneeweiß.
Juan schaut auf seinen Körper. Er ist vollständig
bandagiert. Rote Lampen leuchten an einigen Geräten. ‚Was
hat das zu bedeuten? Und wo bin ich?‘

Die Schmerzen werden stärker und stärker. Es wird


unerträglich. Er kann sich an nichts erinnern, so sehr er es
auch versucht.

Er schreit nun vor Schmerz. Von draußen sind Schritte zu


hören. Dann, nach wenigen Sekunden, öffnet sich die Tür
zischend und automatisch, wie die Schleuse eines
Raumschiffes.
Drei Menschen in Schutzanzügen und mit Atemmasken kommen
hereingestürzt, der eine hat eine Hochdruckinjektionspistole
in der Hand. Er drückt sie in seinen Hals, in dem auch
mehrere Schläuche stecken.
Mit beruhigendem Ton sagt der etwas kleinwüchsige, leicht
dickliche Mensch, der ihm die Injektion verabreicht hat:
„Ganz ruhig! Ihre Schmerzen werden gleich nachlassen für ein
paar Stunden! Sie befinden sich in einer Spezialstation auf
dem Raumschiff ‚Devils Work‘, einem Schiff der reinigenden
Flamme!
„Wer oder was bin ich? Ich weis nur meinen Namen, weiter
weis ich nichts!“ fragt Juan Banderas. Seine Schmerzen
lassen allmählich nach. Ein gutes, beschwingtes Gefühl macht
sich in ihm breit, alles ist leicht, er meint, er könne
schweben.
Die anderen zwei Menschen in den Schutzanzügen stehen links
und rechts neben seinem Bett herum.
Der kleine, dicke Mensch beantwortet seine Frage.
„Sie waren der Anführer der Flotte des Ritmo-Systems und der
Captain der ‚Hellfire‘, die es beide nicht mehr gibt! Nur
sie gibt es noch, Juan Banderas! Und zwei weitere
überlebende der ‚Hellfire‘! Denen geht es besser als ihnen.
Ruhen sie sich aus, erholen sie sich! Ihre Erinnerung wird
auch wieder kommen! Es freut mich, daß sie bei Bewußtsein
sind, und noch leben! Ernst Bächle wird das auch freuen, der
hier im Zimmer ist!“
Er zeigt mit dem Finger auf den großen, kräftigen Mann neben
seinem Bett. Juan Banderas fällt es wie Schuppen von den

166
Augen. Er erinnert sich. Ernst Bächle ist der oberste
Anführer der reinigenden Flamme!
„Ich erinnere mich, ich weis, wer Ernst Bächle ist, ich habe
ihn aber nie gesehen! Ich...! Wir...Unser Schiff war in
allerhöchster Gefahr...!“
„Beruhigen sie sich!“ sagt der Arzt, und holt wieder die
Injektionspistole aus seiner Anzugstasche.
„Ich glaube, ich werde ihnen lieber noch ein Schlafmittel
geben!“ Er drückt diese Pistole ebenfalls in Juans Halsvene.

„Und nun schlafen sie!“ Die drei Menschen verlassen wieder


das Zimmer.
Juan wollte sich aufregen, kann aber nicht. Es wird ruhig in
ihm, umher wirbelnden Erinnerungen lassen ihn in ruhe. In
ein paar Sekunden ist er eingeschlafen.

30.KAPITEL: echtes, terranisches Bier!

An Bord der Firebird kommen Spezialisten der ‚Eternal


Flames‘ und kümmern sich um den Hyperraumgenerator.

Das Schiff wird provisorisch repariert, so daß die Firebird


nach Kyrion in den Weltraumbahnhof fliegen kann, wo sie dann
vollständig repariert wird.
Jürgen trinkt mit Terc´lon, Andrac und Sabine in der
Schiffskneipe ein echtes, terranisches Bier. Er gab einen
aus, was sein Geldbeutel sehr schmerzte, weil es sehr teuer
wurde.
Es ist echtes Sternstadter Sternbräu, das es schon seit
vielen Jahrhunderten gibt.
Im 20. Und 21. Jahrhundert hieß es noch ‚Stuttgarter
Hofbräu‘. Später wurde es unbenannt in Sternstadter
Sternbräu. Als Sternstadt dann zur Hauptstadt wurde, gingen
die Verkaufszahlen hoch, das Bier wurde in die ganze Galaxis
exportiert.

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Das Geheimnis ist ein Brauverfahren und Rezept, das in all
den Jahrhunderten nie verändert wurde. Und, je weiter das
Bier in die Galaxis exportiert wird, um so teurer wird es!
Die Firebird hat die Flaschen von Kyrion. Man muß für eine
Flasche schon 2,50 Galdo (Galaktischer Dollar) hinlegen. Das
sind umgerechnet zehn Euro!
Aber das sind ihm seine Freunde wert. Auch hat er allein
eine Strafe von seinem Vater bekommen. Er muß, nach seinem
Dienst auf dem Schiff, zwei Stunden lang als Kellner in der
Küche arbeiten. Und das so lange, bis sie wieder in Kyrion
sind, dann bekommt er zwei Wochen lang keinen
Planetenurlaub, wie die Anderen, sondern muß acht Stunden am
Tag, ohne Samstags- und Sonntagsruhe, arbeiten! Und damit
nicht genug! Das sind „erst“ 128 Arbeitsstunden! Sein Vater
hat ihn aber zu 200 Arbeitsstunden verdonnert! Die
restlichen 72 Stunden muß er dann innerhalb eines halben
Jahres abbauen! Das kotzt ihn an!
Er hat seine Freunde in Schutz genommen, hat alle Schuld auf
sich geladen. Aber er ist froh, daß er seinen Job behalten
darf, und eine Gerichtsverhandlung ausbleibt.
Die Borduhr zeigt den 3. September 3083, 22.20 Uhr an. Sie
ist als digitale Anzeige an der Wand zu sehen.
Jürgen, seine Freundin und Freunde Unterhalten und Vergnügen
sich, trotz allem. Ein Bier ist nicht genug, im Nu sind es
acht Biere! Die sieben anderen Biere sind künstlich und in
Kyrion hergestellt, sonst könnte Jürgen die Rechnung nicht
zahlen!
„N...Noch n´ Bier!“ lallt Jürgen, der schon blau ist von dem
vielen Alkohol. Er torkelt schon etwas.
„Nein, Jürgen, jetzt ist Schluß! Morgen kommst du nicht aus
dem Bett raus! Komm´, und laß uns gehen!“ fordert Sabine
Jürgen auf, zu gehen. Dabei benützt sie einen etwas scharfen
Ton!
„S...sssei doch kein Spielverderber! Nur noch eins!“
„Nein, jetzt ist Schluß!“ sagt Sabine bestimmend, holt ihren
Geldbeutel aus der Tasche und bezahlt die Summe. Die Anderen
lachen. Terc´lon trinkt noch ein paar Biere, als die zwei,
Sabine und Jürgen, gegangen sind. Sabine bringt Jürgen ins
Bett.

168
*

Der Captain, Ernst Vogel, bekommt vom Admiral einen Orden


und wird gelobt. Später treffen sie sich in der Kabine des
Captains zu einem Abendessen.
Der Admiral bietet an, ihn zum Admiral zu benennen, als sie
mit dem essen fertig sind.
Der Captain lehnt das Angebot ab.
„Ich will als Captain auf einem Raumschiff dienen! Ich will
nicht in irgend einem Büro sitzen und vor Langeweile
verkommen! Ich gehöre auf ein Schiff, und zwar auf dieses!
Es ist in all den Jahren wie eine Heimat für mich geworden!
Und es gibt bestimmt viele Besatzungsmitglieder, die das
ebenso sehen wie ich! Ich liebe das Schiff, und das Schiff
liebt mich! Es ist wie ein Lebewesen!“
„Sprechen sie nicht so Geschwollen daher! Wie gesagt, das
Angebot steht! Überlegen Sie es sich bis nach Kyrion!“
„Da brauche ich nichts zu überlegen! Meine Entscheidung
steht...!“ Der Captain wird unterbrochen. Sein Intercom an
seiner Uniform piept. Die Hyperfunkstation meldet sich.

„Wir haben Nachricht vom Arbor, Merna und Laurupp-System


bekommen. Nach sehr schweren Verlusten wurden die
militärischen Einrichtungen und Flotten zerstört, die
Schlacht verlief Erfolgreich, trotz dem Verlust der halben
Flotte!“
Der Admiral ist in Gedanken versunken. Er hat die Nachricht
mitgehört, die eigentlich für ihn, dem Admiral, bestimmt
war. Die Beiden sind einige Sekunden lang ruhig, dann bricht
der Admiral das Schweigen.
Er sagt: „Ich werde mich in die ‚Eternal Flames‘
zurückziehen. Ich werde das Flottenhauptquartier auf der
Erde informieren! Sie sollen weitere Schiffe in diese Region
der Galaxis entsenden! Wir wissen nicht, wieviele Schiffe
die reinigende Flamme wirklich hat, und was sie sonst noch
vor hat!“
Dann verabschiedet er sich von Captain Ernst Vogel und
verläßt seine Kabine.

169
*

Am nächsten Tag kommt der Reuno-Kaiser und Sjahc´Ploohrt mit


einer Delegation von Reunos an Bord der Firebird, und
bedanken sich für die Hilfe der Menschen, daß sie ihr Volk
wieder zusammengeführt, und auch noch vor der völligen
Vernichtung gerettet haben!
Der Kaiser und Sjahc´Ploohrt sind gemeinsam an der
Gesetzschreibung beteiligt, und Sjahc´Ploohrt wurde als
Übergangspräsident von einem gemeinsam ausgesuchten und
bestimmten Übergangsrat gewählt.
Die richtigen Wahlen werden dann im nächsten Reunojahr
folgen. Auch ein provisorisches Parlament wurde einberufen.

Auf sämtlichen besiedelten Planeten im Reunosystem, und in


sämtlichen Raumstationen, würden freie Wahlen im nächsten
Reunojahr stattfinden. Dort würde dann überall ein
Gouvaneoer gewählt werden.
Es herrscht trotzdem nach Chaos auf Reuno und im gesamten
Reunosystem, überall, wo Reunos leben. Es gibt schon noch
die ein oder andere Auseinandersetzung, manchmal kleine
Scharmützel oder sogar Terroranschläge, aber das sind
meistens Verbrecherbanden, die sich gebildet haben, oder die
es schon gab, und die Lage schamlos ausnützten.

Die Delegation, der Kaiser und der Übergangspräsident


besichtigen auch gleichzeitig die Firebird, das für ihre
Begriffe sehr große Schiff.
Der Captain Ernst Vogel und die Kommandantin Andrea Smith
führen die Reunos durch dieses Schiff, und geben Kommentare
und Erklärungen. Auch Fragen beantworten sie, so gut sie
können.
Die Reunos staunen ausnahmslos, nicht schlecht, als sie das
große Schiff in allen Einzelheiten betrachten. Der Kaiser
sagt: „Schon erstaunlich, dieses Schiff! Sie, und ihr Volk,
die Terraner, müssen eine sehr hohe Technologie haben, um
solche Schiffe zu bauen! Und das ist nicht einmal die größte
Schiffsklasse, stimmt’s?“ Der Captain sagt stolz: „ja, da
haben Sie allerdings recht! Es gibt noch die A-Klasse, die

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ist doppelt so groß wie dieses Schiff! Die Firebird ist ein
Schiff der B-Klasse!“
Der Captain wechselt das Thema. Er sagt, ebenfalls stolz:
„Unser Volk beherrscht schon seit 1.122 Jahren die
Raumfahrt! Und schon 909 Jahre die Hyperraumfahrt, die sich
in all den Jahrhunderten immer weiter Entwickelt hat!“ Der
Captain erzählt den Reunos einen Teil der terranischen
Raumfahrtgeschichte. Sie hören gespannt zu, wie
Menschenkinder, die eine phantastische Geschichte hören.

Nach einer Weile sagt der Kaiser: „Irgendwann, in meinem


reunischen Leben noch, will ich mit einer Delegation euren
Heimatplaneten besuchen. Geht das?“
„Das wird schon gehen!“
„Und noch was, können Sie uns ihre Technologie und ihr
Wissen beibringen?“
Der Captain hat mit dieser Frage gerechnet. Er sagt: „Alles
zu seiner Zeit! Wenn die Zeit Reif ist! Jetzt müssen wir uns
zuerst um die reinigende Flamme kümmern. Wir wissen nicht,
wie sich die politische Lage in der Galaxis
weiterentwickelt!
Wir werden ein paar Schiffe des NDI in eurem System lassen,
um euch zu beschützen! Wir werden eine ständig besetzte
Station auf Reeljickaah, Reuno und im Weltraum errichten,
wenn sie nichts dagegen haben!“
Der Kaiser und die anderen Reunos haben nichts dagegen, im
Gegenteil, sie begrüßen die Anwesenheit der Menschen.

Am 5. September 3083 sind die provisorischen


Reparaturarbeiten beendet. Als alle Spezialisten und Reunos
das Schiff verlassen haben, berechnet der Bordcomputer der
Firebird den Kurs nach Kyrion.
Nach einer ganzen Weile ertönt die monotone, mechanisch
schnarrende Stimme des Bordcomputers.
„Kurs ist errechnet und programmiert, Captain!“

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Der Captain, der in seinem Kommandosessel sitzt, so wie alle
Besatzungsmitglieder auf ihre Posten und Stationen sind,
sagt, an Peter Störrer gerichtet: „Peter, bringen Sie uns
hier weg!“
„Aje, aje, Captain!“ sagt er knapp, und bewegt seine Finger
über die Konsole, geschickt und gekonnt wie ein Meister.

Die Firebird nimmt langsam Fahrt auf, und wird von Sekunde
zu Sekunde schneller.
Der Captain gibt über Rundruf denjenigen
Besatzungsmitglieder den Befehl, sich in ihre Kabine zu
begeben und anzuschnallen, welche Dienstfrei haben. Wenige
Minuten später tritt das große Schiff, die Firebird, in den
5-dimensionalen Hyperraum, und fliegt der Heimat entgegen.
Die Besatzung hat den Hyperentzerrungsschmerz mehr oder
weniger überstanden.

Und wenn das Schiff nicht abgeschossen wird, kämpft es,


zusammen mit seiner Besatzung, weiter! Für Freiheit, Friede
und Gerechtigkeit in der Galaxis! Die Firebird wird niemals
Aufgeben, so lange sich noch Leben in ihr rührt!

ENDE

PERSONEN UND HANDLUNGEN SIND FREI ERFUNDEN.


ÜBEREINSTIMMUNGEN MIT LEBENDEN PERSONEN, HANDLUNGEN
UND BEGRIFFE, SIND REIN ZUFÄLLIG!

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