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HALLUZINOGENE UND

ZAUBERPILZE HALLUZI-
NOGENE UND ZAUBER-
PILZE HALLUZINOGENE
UND ZAUBERPILZE HALLUZINOGENE UND ZAUBERPIL-
ZE HALLUZINOGENE UND ZAUBERPILZE HALLUZINOGE-
halluzinogene u nd z auberpilze
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ZAUBERPILZE HALLUZINOGENE UND ZAUBERPILZE HALLUZINOGENE UND ZAU-

LSD und Zauberpilze sind wieder vermehrt in der Drogenszene anzutreffen.


Welcher Gebrauch wird von ihnen heute gemacht?
Welche Wirkungen lösen Halluzinogene im Gehirn aus?
Was wissen wir über die akuten und chronischen Folgen dieser psychoaktiven Stoffe?
Welche Ziele sollte die Prävention verfolgen?

Magische
Halluzinogene:
Eine bunte Mischung

Unter dem Begriff der Halluzinogene (abgeleitet

Rauschgewächse
aus dem lat. halucinatio = gedankenloses Reden)
werden sehr unterschiedliche psychoaktive
Substanzen zusammengefasst. Das gemeinsame
Merkmal dieser Stoffe liegt darin, dass sie Sinnes-
täuschungen und tiefgreifende psychische Verän-
derungen hervorrufen können. Charakteristisch ist
dabei ein stark verändertes Erleben von Raum und
Zeit sowie des Selbst, ohne dass es dabei zu
einem völligen Wirklichkeits- oder Selbstverlust der
Person kommt.
Die Abgrenzung der halluzinogenen von den
rein anregenden oder dämpfenden Wirkungen ei-
Roter Fliegenpilz ner Droge ist schwierig und schließlich auch eine
Knollenblättergewächs Frage der Definition. Oft überschneiden sich bei
einer Droge die verschiedenen Wirkungsweisen.
So können hohe Dosen von Cannabis halluzinoge-
ne Wirkungen entfalten. Auch Amphetamine kön-
nen bei hoher Dosierung, entsprechender Erwar-
tungshaltung und in bestimmten Konsumsituatio-
nen Sinnestäuschungen und starke psychische
Veränderungen auslösen. Entsprechend werden
diese Substanzen oft den Halluzinogenen zuge-
Mutterkorn rechnet.
Schlauchpilz auf Im folgenden werden nur die «klassischen»
Getreide Halluzinogene LSD, Psilocybin (Zauberpilze) und
Teonanacatl «Zauberpilz» Bilsenkraut
und Mescalin sowie einige weitere Pflanzen mit psy-
Pilzgattung Psilocybe Nachtschattengewächs
Wildgräsern choaktiven Wirkstoffen (Fliegenpilz und Nacht-
schattengewächse) ausführlicher behandelt. Ein-
ige synthetische Halluzinogene, Designer-Drogen
(DOM) sowie PCP (Phencyclidin) und Ketamin
werden kurz gestreift.

Historische Betrachtung

Pflanzliche Halluzinogene:
Hexensalben und Narrenschwämme
Die Geschichte des Gebrauches von pflanzli-
chen Halluzinogenen in Europa ist wenig erforscht.
Inwieweit Pilze, Kräuter, Beeren usw. mit psycho-
aktiven Wirkstoffen bei religiösen Ritualen oder in
der Volksmedizin eine Rolle gespielt haben, ist
unklar. Anzunehmen ist jedoch, dass der
Fliegenpilz, das Mutterkorn oder die «Hexendro-
gen» (z.B. Salben, hergestellt aus Bilsenkräutern,
Tollkirsche, Stechapfel und Alraunwurzeln) ihren
Platz im Arsenal der Medizinmänner und Kräuter-
Peyote-Kaktus Kugelkaktus Epithelanta «Falsche Peyote»
halluzinogene und zauberpilze

Halluzinogene und ihre


Wirkstoffe

Insbesondere das limbische System des Ge-


hirns, in dem Sinneseindrücke entstehen und Lust-
und Unlustgefühle verarbeitet werden, reagiert
stark auf die verschiedenen Wirkstoffe von Hallu-
zinogenen. Die strukturelle Ähnlichkeit dieser Wirk-
stoffe mit den wichtigsten Botenstoffen im Gehirn
(Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin, Serotonin)
könnte die extrem gesteigerte Wahrnehmungs-
fähigkeit und die überreizten Sinne beim
Halluzinogenrausch erklären.
Untersuchungen haben gezeigt, dass die Wirk-
stoffe von Halluzinogenen besonders an Sero-
Halluzinogene (v.a. LSD) wurden besonders in den sechziger und frühen siebziger Jahren tonin-Rezeptoren andocken. Weltweit enthalten
von Drogen-Gurus wie Timothy Leary als bewusstseinserweiternde Substanzen angeprie- über 100 Pflanzen solche psychoaktiven Wirk-
sen. (Foto: Archiv SFA) stoffe. Eine Vielzahl von ihnen konnte chemisch
synthetisiert werden.

weiber unserer Vorfahren gefunden haben. Einge- 15- bis 16jährigen Jugendlichen zwischen 1986 LSD (d-Lysergsäure-Diäthylamid-Tartrat-25)
bettet in sakrale Riten, Schwarze Magie oder Heil- und 1994 haben nie mehr als 1 bis 2 Prozent ange- LSD ist ein meist halbsynthetisch aus den Indol-
rituale hat der Gebrauch halluzinogener Substan- geben, monatlich klassische Halluzinogene zu kon- Alkaloiden des Mutterkorns gewonnener Stoff. Er
zen jedoch keineswegs unkontrolliert stattgefun- sumieren. Jugendkonsumstudien in Österreich zei- findet sich in Pilzen auf Roggenähren und Wildgrä-
den, sondern stets unter Anleitung von drogenkun- gen durchwegs, dass zwischen 1 und 2 Prozent der sern. Sofern die Ausgangsstoffe vorhanden sind,
digen Priestern, Heilern und «Hexen». Jugendlichen LSD konsumiert haben. ist die Herstellung der halbsynthetischen Lyserg-
säure-Verbindungen auch in illegalen Labors che-
Geschichte von LSD Relativ wenige Anzeigen misch kein Problem.
LSD wurde im Jahre 1943 durch den Basler Der Konsum von klassischen Halluzinogenen
Chemiker A. Hofmann entdeckt. Es wurden jahre- scheint im Vergleich zum Cannabis- oder Ecstasy- Psilocybin (Zauberpilze)
lang Versuche unternommen, Psychotherapien gebrauch bei den Jugendlichen keine große Rolle Die Pilzgattung Psilocybe zählt mit über 80 Arten
unter Anwendung von Halluzinogenen durchzu- zu spielen. Als Beleg dafür kann die Zahl der poli- (u.a. Kahlkopf, Teonanacatl) zur Familie der La-
führen (Psycholyse). zeilich registrierten Anzeigen wegen Konsums von mellen- oder Blätterpilze und enthält als Haupt-
LSD und anderer Halluzinogene gelten (1995: ca. wirkstoffe Tryptamin-Derivate. Wegen ihrer ge-
Hippie-Droge LSD 2000), die wesentlich kleiner ist als die Zahl der meinsamen chemischen Struktur sind Psilocybin
Der nichtmedizinische Gebrauch von Halluzino- Verzeigungen wegen Cannabis- oder Heroin- und Psilocin mit dem LSD verwandt und entfalten
genen wurde besonders in den sechziger Jahren gebrauchs (1995: 20 000 bzw. 18 000). Das Alter eine ähnliche psychoaktive Wirkung.
zum «Drogenproblem», als die Hippie-Bewegung der Verzeigten liegt zu 80% zwischen 18- und 24
von Amerika nach Europa übergriff. Besonders das Jahren. (Schweizer Zahlen) Mescalin
LSD wurde als bewusstseinserweiternde Droge Beim Halluzinogengebrauch ist am ehesten mit Vor allem in Mittelamerika finden sich eine Rei-
propagiert (u.a. von Drogen-Gurus wie Timothy einem Beikonsum im Rahmen des Cannabis- und he von Kaktusgewächsen mit halluzinogenen
Leary) und von den Anhängern jugendlicher Amphetamingebrauchs zu rechnen. Wirkstoffen. Am bekanntesten ist der stachellose
Drogen-Subkulturen konsumiert. «Acid» (engl. Besonders Designer-Kombinationen mit stimu- Peyote-Kaktus, seiner hauptsächlichen Herkunft
Säure für LSD) galt für viele Jugendliche und junge lierenden Drogen («Speed») und Halluzinogenen wegen auch «Mexikanischer Zauberkaktus» (von
Erwachsene als Symbol des Protestes gegen die kommen häufiger vor. Das Sammeln von einheimi- den Azteken «Peyotl») genannt.
bürgerliche Kultur und gegen den Vietnam-Krieg. schen psilocybinhaltigen Pilzen oder das Züchten Sein dominierender Wirkstoff ist ein Mescalin
von mexikanischen Zauberpilzen dürfte vergleichs- genanntes psychoaktives Alkaloid, welches bereits
Heutiger Gebrauch weise seltener sein.. Anfang des Jahrhunderts synthetisiert worden ist.

Konsum von Halluzinogenen Andere pflanzliche Halluzinogene


Umfragen zum Drogenkonsum bei 15- bis 20jäh- Zu den bekanntesten pflanzlichen Halluzino-
rigen in der Schweiz haben ergeben, dass höch- genen zählt der rote Fliegenpilz (Amanita musca-
stens 6 bis 7 Prozent zumindest einmal Halluzino- ria). Neben dem Muscarin sind es vor allem die
gene probiert haben. Einen Gebrauch dieser Dro- Ibotensäure und das Muscimol, die für die spezifi-
gen innerhalb des letzten Monats nannten 1,7 Pro- sche Rauschwirkung dieses Pilzes verantwortlich
zent der Befragten, wobei Männer deutlich häufiger sind (auch in der Muskatnuss zu finden). Die
konsumiert haben als Frauen. Bei den schweizeri- Familie der Nachtschattengewächse (Tollkirsche,
schen Rekrutenbefragungen zwischen 1971 und Alraune, Bilsenkraut, Stechapfel) enthält psycho-
1993 haben rund 1 Prozent der Befragten angege- aktive Alkaloide wie das Atropin und das
ben, mehr als zehnmal harte Drogen (inkl. Halluzino- Scopolamin.
gene) konsumiert zu haben. Bei Befragungen von
halluzinogene und zauberpilze

Designer-Drogen ren Rauschverlauf von mehr


Halluzinogene lassen sich im Labor meist als 24 Stunden zu erzielen.
synthetisch (re)produzieren, wobei bereits Vergleichbares gilt für DOB,
durch geringe chemische Veränderungen neue welches in Form von Pa-
Drogen entstehen können. Diese sogenannten pier-Trips oder als Mikro-
Designer-Drogen kombinieren jeweils gewün- tabletten als eine Art «Su-
schte Drogeneffekte und fallen als neue Pro- per-LSD» angeboten wird.
dukte bis zu einem allfälligen Verbot nicht Die Einnahme von DMT führt
unter das Suchtmittelgesetz. Unter Buch- bereits nach wenigen Mi-
stabenkürzeln wie DOM oder DOB versteht nuten zu einem intensiven
man meist Amphetamin-Derivate mit starken Rausch von nur kurzer Dauer.
halluzinogenen Eigenschaften (analog dem
Mescalin). PCP («Angel Dust») und
Ketamin
PCP und Ketamin PCP existierte bis in die 60er
Beim PCP (Phencyclidin) handelt es sich Jahre als zugelassenes Betäu-
um ein starkes, halluzinogen wirkendes Narko- bungsmittel auf dem pharmazeuti-
tikum. Als Cyclohexyl-Verbindung und Piperidin- schen Markt. Später nur noch als vete-
Derivat ist PCP labortechnisch leicht zu syntheti- rinärmedizinisch benutzter «Elefanten-
sieren. Das chemisch verwandte Narkosemittel Tranquilizer» erlaubt und vielfach abge-
Ketamin ist ein PCP-ähnlicher Stoff. wandelt, fand es einen Platz als ge-
schlucktes, gerauchtes oder geschnupftes
Gebrauchsformen, «Angle Dust» in den US-Drogenszenen der
Wirkungseintritt und siebziger Jahre. Ketamin («K») ist ein ver-
Wirkungsdauer schreibungspflichtiges Narkosemittel, das
gleichzeitig halluzinogene Eigenschaften besitzt.
LSD («Acid») In Mengen von 20 bis 150 mg geraucht, gesnifft
LSD wird häufig auf Trägern wie Löschpapier
(Illustration: destruct) oder gespritzt, wird es als Halluzinogen zweck-
Pflanze sollen vorkommen. entfremdet.
und bedrucktem Karton angeboten, auch impreg- Die abgeschnittenen Köpfe des Kaktus werden
nierte Zuckerwürfel und Minitabletten kommen vor. frisch gegessen oder getrocknet geraucht. Auch
Die Dosierung und der Reinheitsgrad dieser «trips» das Trinken des abgekochten Pilzsuds gilt als
Wirkung auf Körper und Psyche
ist sehr unterschiedlich. Die wirksame Dosis liegt gebräuchliche Konsumform bei mittel- und norda-
bei 0,02 bis 0,05 mg. Das Schlucken führt nach 20 merikanischen Indianern, bei denen der Pilz zum Halluzinogene können je nach Dosis, Konsum-
bis 60 Minuten zu körperlichen Symptomen wie Gegenstand eines Kultes geworden ist. Körper- situation, Persönlichkeitsstruktur und momentaner
beschleunigter Herzschlag, Blutdruckabfall und liche Symptome (ähnlich wie beim LSD) können psychischer Verfassung tiefgreifende Verän-
Hitzewallungen; möglich sind auch Schwindel- bereits 15 bis 30 Minuten nach Einnahme auftre- derungen im Alltagsbewusstsein und im Raum-
gefühle und motorische Störungen. Die ersten psy- ten, nach 1 bis 2 Stunden stellen sich die halluzi- und Zeiterleben bewirken sowie eine positive
chischen Effekte treten 1 bis 3 Stunden nach der natorischen Rauscheffekte ein. (mystische Erfahrungen) oder negative (Horrortrip)
Einnahme auf und können 5 bis 12 Stunden dau- Die Wirkungsdauer umfasst meist 8 bis 12 Ich-Auflösung zur Folge haben. Folgende Wir-
ern. Stunden. kungen sind für sämtliche halluzinogenen Drogen
charakteristisch:
Psilocybin Andere pflanzliche Halluzinogene
(Zauberpilze, «Magic Mushrooms») Fliegenpilze werden frisch gegessen, häufiger Körperliche Wirkungen
Psilocybinhaltige Pilze wachsen hauptsächlich aber getrocknet geraucht oder abgekocht und als • Pulsbeschleunigung, später -verlangsamung
in Mittel- und Südamerika, kommen aber auch in Sud getrunken. Der Konsum führt nach 1 bis 3 • Blutdruckabfall
Europa vor. Das Sammeln des spitzkegeligen Stunden zu halluzinogenen Wirkungen, die oft von • Atemnot
Kahlkopfes ist in letzter Zeit wieder in Mode Unruhezuständen begleitet werden. Wegen der • Schwankungen der Körpertemperatur, erhöhtes
gekommen. Viele exotische Psilocybe können hier- starken Nebenerscheinungen und der möglichen Schwitzen
zulande gezüchtet werden. Wirksame Dosen Vergiftungsfolgen wird der Fliegenpilz heute nur • Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen
beginnen bei 3 bis 6 mg der Reinsubstanz. Je nach noch selten als Halluzinogen verwendet. Die auch • Übelkeit, Erbrechen und Magenkrämpfe
Dosis und Form der Einnahme (meist schlucken, in Österreich heimischen Nachtschattengewächse (bei Pilzvergiftungen)
aber auch schnupfen, rauchen und spritzen) sind sehr giftig, werden aber als Bestandteile von • Starrheit der Pupillen, Hautreizungen (bei
erreicht die Psilocybin-Konzentration nach 10 bis Arzneimitteln verwendet. Atropinvergiftungen)
30 Minuten im Gehirn ihr Maximum. Körperliche • Überdosierung: kann lebensbedrohlich sein
Wirkungen (Schläfrigkeit, Blutdruckabfall) setzen Synthetische Halluzinogene/Designer- • Todesursachen: Überhitzungen, Nieren-, Leber-
früher ein als die halluzinogenen Effekte. Die Drogen und Herz-Kreislaufversagen
Wirkungen klingen schneller (nach 6 bis 8 Synthetische Halluzinogene wie DOM sind um
Stunden) ab als beim LSD-Rausch. ein vielfaches wirksamer als ihre pflanzlichen Ver- Psychische Wirkungen
wandten. Entsprechend riskant ist die Einnahme, • Visionen (Bildersehen), Stimmenhören,
Mescalin da das Spektrum zwischen Normaldosierung und Geschmacks-, Geruchshalluzinationen
Der in Mexiko beheimatete Peyote-Kaktus ist Überdosierung sehr klein ist. Beim Schlucken rei- • Veränderung und Anregung des Gefühlslebens
häufigster Lieferant des psychoaktiven Wirkstoffs chen wenige Milligramm, um einen unkalkulierba-
Mescalin. Auch einheimische Züchtungen dieser
halluzinogene und zauberpilze

zogene Prävention mit dem Ziel der Schadens- fluss zur Aufdeckung psychischer Konflikte mag in
minderung sowie die Suche nach alternativen, risi- Einzelfällen gegeben sein, sollte aber keinen
koärmeren «Räuschen» im Vordergrund. Grund für abenteuerliche Psychotrips darstellen.

Halluzinogengebrauch: Horrortrip beim Pilzverzehr


ein «schlechtes» Risiko Als substanzspezifische Prävention ist schließ-
Halluzinogene enthalten hochpotente psychoak- lich die Warnung vor Vergiftungsfolgen beim Ver-
tive Wirkstoffe, die ein hohes Gefahrenpotential in zehr von Zauberpilzen zu verstehen, die im Herbst
sich bergen. Ein kontrollierter Gebrauch scheint vor allem zu finden sind: Fliegenpilze und
nicht oder nur unter fachlicher Anleitung und in ritu- Kahlköpfe sollten nicht ins Pilzragout, um unge-
ellem Rahmen denkbar. Bereits geringe Fehl- wollte Horrortrips zu vermeiden.
dosierungen können auch unter ansonsten «opti-
malen» Konsumbedingungen zu den oben be- «Rauschalternativen» suchen und
schriebenen traumatischen «negativen Ich-Auf- «Harm Reduction»
lösungen» führen. Über die substanzspezifische Prävention hinaus
Zudem sind die Risiken der von der Forschung sollten gerade bei den Halluzinogenen auch ande-
Der Basler Chemiker Albert Hofmann ent- noch nicht erkannten mittel- und längerfristigen re Strategien der Suchtprävention zum Zuge kom-
deckte 1943 die synthetische Droge LSD. Folgewirkungen im Gehirn groß. Schließlich ist die men. Die explizite Rauschsuche scheint beim Hal-
(Foto: Keystone) Qualität der erworbenen Drogen aufgrund sich luzinogengebrauch ein dominierendes Motiv zu
ständig wandelnder Schwarzmarktverhältnisse sein und kann zu einer psychischen Abhängigkeit
meist kaum abschätzbar. Und Mischungen von von diesen Drogen führen. Der Wunsch der Ge-
Halluzinogenen mit anderen Drogen (Alkohol, Can- braucher, zeitweilig «auszusteigen», sich «high»
Positive Ich-Auflösung: nabis, Amphetaminen) können zu unkontrollierba- zu fühlen und sich durch Drogen in andere Be-
• erhöhte Gesprächigkeit, Offenheit ren Rauscherscheinungen führen. wusstseinszustände zu versetzen, sollte nicht ein-
• Trance-Erlebnisse und religiöse/mystische All diese «schlechten» Risiken summieren sich fach ignoriert werden. Für manche (potentielle)
Erfahrungen zu einem erheblichen Gefahrenpotential, vor dem KonsumentInnen sind Angebote im Sport- und
• Ekstase-Erfahrungen nur ein strikter Nichtgebrauch von Halluzinogenen Freizeitbereich, die einen «Kick» versprechen,
• Meditative Konzentration schützt. Vom Konsum halluzinogener Drogen ist attraktive Alternativen.
daher ganz generell abzuraten.
Negative Ich-Auflösung: Wenn es trotz der Gefahren zu einem Konsum
• Verwirrtheit Überdosierung, Unfallgefahr und von Halluzinogenen kommt, sind dabei einige
• Einschränkung von Merkfähigkeit, Konzentra- Nachhall-Effekte Punkte zu beachten, die im Sinne von «Harm
tion, Aufmerksamkeit Obwohl es keine eindeutigen Hinweise auf eine Reduction» Inhalt präventiver Maßnahmen sein
• Sprunghaftes Denken, Zerfahrenheit körperliche Abhängigkeit von Halluzinogenen gibt, können:
• Angstvoller Verlust der Selbst- und Realitätskon- ist bei regelmäßigem Gebrauch eine Toleranzbil- • Beim Konsum sollte eine nüchtern Person anwe-
trolle dung zu beobachten, d.h. die Dosierung muss für send sein, die bei Bedarf die Rettung holen bzw.
• Negative Gefühle, Aggressivität dieselbe Wirkung laufend erhöht werden. Dosiser- Unfälle verhüten kann.
• Erregungs-, Wahnzustände («Horrortrips») und höhungen bergen stets die Gefahr von akuten Ver- • Bei Anzeichen auf Vergiftungen ist sofort das
Depressivität giftungen in sich. nächste Krankenhaus aufzusuchen.
• Psychotische Reaktionen bei vorherigen Zudem führt der Konsum von Halluzinogenen in • Der Mischkonsum mit anderen Substanzen kann
psychischen Störungen unserer hochtechnisierten Umwelt nicht selten zu zu unberechenbaren Effekten führen.
• Wiederkehrende Rauscherscheinungen ohne folgenschweren Unfällen.
Drogeneinnahme (Nachrausch, Echo-Effekt, So sind Überdosierungen mit tödlichen Folgen
Flashbacks) auch meist indirekter Art, etwa Selbsttötungen
• Psychische Abhängigkeit (innere Unruhe, nach Flug-Halluzinationen (Sprung aus dem Fen-
Konsumdrang). ster usw.). WEITERE INFOS
Zu den nichtkalkulierbaren Rauschfolgen zählen
Körperliche Risiken des ebenfalls die häufig auftretenden Nachhall-Effekte
Langzeitgebrauches lange nach Ende (Monate, Jahre) des Hallu-
• Toleranzbildung und Kreuztoleranz mit anderen zinogenkonsums. Dabei handelt es sich um episo-
Halluzinogenen disch auftretende, kurze Wiederholungen von
• Chronische Sehstörungen (dauerhafte Flash- Rauschzuständen.
backs) kontakt+co Suchtprävention
• Chromosomenschäden und Schädigungen Gefahr für labile Psyche Jugendrotkreuz
des Fötus möglich, jedoch wissenschaftlich Eine Abstinenzempfehlung für Halluzinogene Bürgerstraße 18, A-6020 Innsbruck
umstritten. gilt besonders für psychisch labile Menschen, die Tel. 0512/585730
sich beim Halluzinogengebrauch dem Risiko des e-mail: office@kontaktco.at
Prävention Ausbrechens latenter psychischer Krankheiten
http://www.kontaktco.at/
aussetzen.
Wegen des hohen Schadenspotentials der Auch dabei mögen Stoffwechseldefizite im Ge- Mit freundlicher Genehmigung der SFA:
Halluzinogene steht neben der generellen Em- hirn eine Rolle spielen. Ein quasitherapeutischer Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere
Drogenprobleme, Postfach 870, CH-1001 Lausanne
pfehlung zum Nichtgebrauch auch die substanzbe- Nutzen von Erfahrungen unter Halluzinogenein- – 2. Auflage, 11/2002 –