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Umweltprämie

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Die Umweltprämie (umgangssprachlich auch unter Abwrackprämie bekannt) ist eine
staatliche Prämie, die in Deutschland im Rahmen des Konjunkturpakets II bis Ende
2009 beim Kauf eines bestimmten Bedingungen genügenden Neuwagens oder eines
Jahreswagens bei gleichzeitiger Verschrottung (Autoverwertung) eines hinreichend
alten Kraftfahrzeugs gezahlt wird. Verschrottungsprämien für Kraftfahrzeuge gibt es
auch in anderen Ländern.
Finanziert wird die Umweltprämie aus dem Investitions- und Tilgungsfonds, einem
Sondervermögen des Bundes.[1]

Ziele [Bearbeiten]

Die Abwrackprämie soll den Absatz von Kraftfahrzeugen fördern und damit der
Automobilindustrie helfen und zum anderen durch Erneuerung der Fahrzeugflotte die
gesamten Verkehrsemissionen senken und so der globalen Erwärmung
entgegenwirken. Die Auswirkungen der Umweltprämie auf beide Ziele sind
umstritten.

Chronologie [Bearbeiten]

Die Modalitäten zur Antragstellung wurden mehrfach geändert. Aktuell


rechtsverbindliche Informationen werden durch das Bundesamt für Wirtschaft und
Ausfuhrkontrolle (BAFA) unter BAFA: Umweltprämie veröffentlicht.
Dezember 2008: Die Prämie wird von Frank-Walter Steinmeier vorgeschlagen und in
der Politik diskutiert.[2]
14. Januar 2009: Das Bundeskabinett beschließt die Einführung der Abwrackprämie.
Der Förderrahmen wird auf 1,5 Milliarden Euro und damit bei einer Prämie von im
Einzelfall je 2.500 Euro auf höchstens 600.000 Fahrzeuge begrenzt.[3] Die Kosten der
Verwaltung sind vom Förderrahmen noch abzuziehen, Schätzungen gehen von
höchstens 598.000 förderbaren Fällen aus[4].
Die Prämie wird auf Antrag vom BAFA ausgezahlt. Voraussetzungen für die
Gewährung sind: Der Antragsteller (eine Privatperson) lässt einen vor mindestens
neun Jahren erstmals zugelassenen Pkw, dessen Halter er mindestens ein Jahr ist,
nach den Maßgaben der Altfahrzeugverordnung verschrotten. Ferner erwirbt er einen
Neuwagen oder Jahreswagen, der mindestens der Abgasnorm „Euro 4“ entspricht.
Als Jahreswagen gilt hier ein Pkw, der „längstens ein Jahr einmalig auf einen Kfz-
Hersteller, dessen Vertriebsorganisationen oder dessen Werksangehörigen, einen
Kfz-Händler, eine herstellereigene Autobank, ein Automobilvermietungsunternehmen
oder eine Automobilleasinggesellschaft zugelassen“ ist.[5] Verschrottung und
Zulassung müssen beide zwischen dem 14. Januar 2009 und dem 31. Dezember
2009 erfolgen. Das BAFA betont eine enge Auslegung der Personenidentität
zwischen Halter des Alt- und Neufahrzeugs.
Der Antrag ist formularmäßig[6] per Post beim BAFA einzureichen. Beizufügen sind
Kopien der Fahrzeugpapiere des Alt- und des Neufahrzeugs, der Nachweis der
ordnungsgemäßen Verschrottung, sowie ein Kaufnachweis. Vollständige Anträge
werden in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet und gelangen schließlich zur
Zuteilung der Prämie (Windhundverfahren).
7. März 2009: Die Richtlinie zur Förderung des Absatzes von Personenkraftwagen
tritt in Kraft. Ab sofort ist dem Antrag der Fahrzeugbrief des verschrotteten
Fahrzeugs im Original beizufügen.[7]
März 2009: Die Automobilbranche meldet Rekordumsätze durch erhöhte
Verkaufszahlen von Jahreswagen; Lieferfristen für neue Kleinwagen steigen auf
mehrere Monate. (zitierbare Quellen?) Bei linearem Antragsverlauf ist eine
Erschöpfung des Fördertopfes etwa Anfang Mai absehbar.
25. März 2009: Die Bundesregierung einigt sich auf eine Aufstockung des
Fördervolumens und eine Verlängerung der Umweltprämie bis zum 31. Dezember
2009.[8]
30. März 2009: Das Antragsverfahren wird vollständig auf ein elektronisches
Reservierungsverfahren umgestellt, um den von langen Lieferfristen betroffenen
Neuwagenkäufern Planungssicherheit zu gewähren. Anträge, die am 29. März den
bisherigen Forderungen genügen, können noch bis Mitte April per Post gestellt
werden. Die Forderung der Personenidentität wird dahingehend gelockert, dass nun
auch bei Erbfällen die Umweltprämie für Altfahrzeuge des Erblassers geltend
gemacht werden kann.[9]
2. April 2009: Trotz massiver technischer Probleme des Portals für die elektronische
Reservierung gehen 666.227 Reservierungen ein. Damit steigt die Zahl beantragter
oder reservierter Prämien auf 1.135.376 und entspräche einem Förderbetrag von 2.8
Mrd. Euro. Um das finanzielle Risiko der zuvor angekündigten Verlängerung der
Umweltprämie zu verringern, soll die Höhe der Prämie reduziert oder gestaffelt
werden.[10]
6. April 2009: Merkel, Steinbrück, Steinmeier und zu Guttenberg einigen sich, den
Förderrahmen von 1,5 Mrd. auf 5 Mrd. Euro zu erhöhen. Die Höhe der Umweltprämie
je gefördertem Fahrzeug soll unverändert bei 2.500 Euro bleiben. Damit können –
ohne Berücksichtigung der Verwaltungskosten - maximal 2 Mio. Fahrzeuge gefördert
werden.[11]

Einkommen [Bearbeiten]

Die Umweltprämie muss nicht als Einkommen versteuert werden, wird jedoch auf
Sozialleistungen des zweiten Sozialgesetzbuches (Hartz IV) als Einkommen
angerechnet.

Eingereichte Anträge [Bearbeiten]

Das BAFA gibt auf seiner Homepage an jedem Arbeitstag die bis zum
vorangegangenen Arbeitstag eingereichten Anträge bekannt, seit Einführung des
Reservierungsverfahrens auch die hierüber eingegangenen. Die Anzahl der
wöchentlich eingereichten Anträge lag zunächst lange Zeit bei ca. 40.000 und stieg
zum Start des Reservierungsverfahrens dann deutlich an[12]:
Woche in dieser KW insgesamt
6. KW 21.995 21.995
7. KW 38.735 60.730
8. KW 44.110 104.840
9. KW 45.882 150.722
10. KW 50.747 201.469
11. KW 45.384 246.853
12. KW 68.639 315.492
13. KW 91.851 407.343
14. KW 786.365 1.193.708
15. KW 55.981 1.249.689
16. KW 43.366 1.293.055
Die bis Ende März eingegangenen Anträge verteilen sich wie folgt auf die
Fahrzeughersteller[13]:
Hersteller Anteil in Prozent
Volkswagen 14,15
Opel 10,17
Hyundai 7,79
Ford 7,75
Skoda 7,35
Toyota 5,1
Fiat 5,01
Renault 4,55
Peugeot 4,13
Seat 3,91
sonstige 30,09
Trotzdem nimmt der Fahrzeugbestand bei VW, Opel und Ford ab, weil mehr Autos
zur Verschrottung abgemeldet werden. "Gewinner" im Fahrzeugbestand sind Skoda
und Hyundai.[14]

Bewertung [Bearbeiten]

Ökologische Bilanz [Bearbeiten]

Die Umweltprämie soll einen Beitrag zur Reduzierung der Schadstoffbelastung der
Luft leisten, wobei unterstellt wird, dass die neu erworbenen Fahrzeuge
umweltverträglicher seien als die verschrotteten Fahrzeuge.[5] Der ökologische
Nutzen der Prämie ist aus mehreren Gründen umstritten:

• Der Herstellungsprozess als Teil der Ökobilanz eines Fahrzeugs verursacht


einen erheblichen Teil der Gesamtemissionen eines Autos und benötigt einen
erheblichen Anteil am gesamten Primärenergiebedarf.[15][16][17] Daher kann die
vorzeitige Entsorgung unökologisch sein, da sie ohne Rücksicht auf den
technischen Zustand durchgeführt wird.[18]

• Typischerweise sind moderne Fahrzeuge schwerer gebaut und stärker


motorisiert als Altfahrzeuge gleicher Kategorie, sodass sich der tatsächliche
Verbrauch nicht viel von ihren Vorgängermodellen unterscheidet.

• Die Emission des Treibhausgases CO2 ist für die Gewährung der
Umweltprämie irrelevant, da die für den Neuwagen vorausgesetzte
Abgasnorm Euro 4 keine CO2-Grenzwerte berücksichtigt. Darüber hinaus
erfüllt etwa die Hälfte der von der Prämie erfassten Fahrzeuge die Euro 2-
Norm.[19]

Eine Verringerung der Emissionen durch Nachrüstung von Abgaskatalysatoren bzw.


Dieselrußpartikelfiltern wird ebenso wenig durch die Umweltprämie gefördert wie der
Erhalt bestehender Kraftfahrzeuge und die damit verbundene Vermeidung der
Herstellungsenergie.

Erwarteter Erfolg für die deutsche Wirtschaft [Bearbeiten]

Automobilhersteller [Bearbeiten]

Der Großteil des Absatzes der deutschen Automobilindustrie erfolgt durch Export,
dieser wird durch eine Prämie nicht beeinflusst.[20] Die Umweltprämie bringt
unterproportionale Vorteile für die heimischen Unternehmen, da die von den
Altwagenbesitzern bevorzugten preiswerten Fahrzeuge überwiegend von
ausländischen Herstellern importiert werden: Vor Einführung der Umweltprämie lag
der Marktanteil ausländischer PKW-Hersteller über Jahre konstant bei etwa 36 %.
Nach Einführung der Prämie stieg bis März 2009 sprunghaft auf 46,5 %[21], trotz der
in diesen Zahlen enthaltenen Firmenfahrzeuge, die nicht gefördert werden. Von
Januar bis März hatten die Marken Hyundai (149 %), Suzuki (110 %) und Fiat
(101 %) die stärksten Umsatzzuwächse gegenüber dem Vorjahr, erster deutscher
Hersteller war Ford mit 61 %[22].

Deutsche Fertigungsstätten [Bearbeiten]

Da zudem auch die deutschen Hersteller ihre kleineren und preiswerteren Fahrzeuge
tendenziell häufiger im Ausland produzieren lassen, profitierten die ausländischen
Fertigungsstätten stärker als die in Deutschland. Somit bleiben vom Gesamteffekt in
Höhe von 200.000 Neuwagen nur 45.000 zusätzliche Pkw für die Produktion an
deutschen Standorten. Dies bedeute bei einem für 2009 erwarteten
Produktionsvolumen von fünf Millionen Pkw einen Zuwachs von 0,9 Prozent in
Deutschland.[23]
Im Premiumsegment wird hingegen nur mit einem geringen Absatzplus gerechnet,
da es überwiegend von nicht geförderten Firmen- und Geschäftsfahrzeugen geprägt
ist und da der Restwert eines solchen Altfahrzeugs den Betrag der Umweltprämie oft
übersteigt.

Volkswirtschaftliche Auswirkungen [Bearbeiten]

Die Umweltprämie wird kritisiert, da sie die Vernichtung der wirtschaftlichen Werte
fördert, die die Altfahrzeuge noch darstellen.[24]
Des weiteren zieht die Umweltprämie das Geld der Verbraucher in den Automarkt,
weshalb es in den anderen Branchen fehlt. Insbesondere der Einzelhandel, aber
auch die Tourismusindustrie verzeichnet deutliche Umsatzeinbußen.[25] Auch wird
gewarnt, dass die private Überschuldung durch unüberlegte und auf Kredit
finanzierte Autokäufe zunehmen wird.[26]

Nachhaltiger Nutzen [Bearbeiten]

Kritiker rechnen damit, dass der Absatz nach Auslaufen der Prämie einbrechen wird.
[27][28]

Das Geschäft für Schrotthändler läuft zwar durch die Umweltprämie sehr gut, aber
der Gewinn ist durch die dadurch deutlich gesunkenen Schrottpreise stark
zurückgegangen.[29] Teilweise müssen Kunden, die ihre Autos verschrotten lassen,
für die Verschrottung zuzahlen.[30] Es ist zu erwarten, dass sich dieser Effekt
umkehren wird, wenn die Umweltprämie ausläuft, dass dann aber viele alte Autos
verschrottet sein werden und daher wenig Nachschub für die Autoverwerter am
Markt sein wird.

Gebrauchtwagenhandel [Bearbeiten]

Viele Gebrauchtwagen werden von Deutschland nach Afrika und Osteuropa verkauft.
Die Umweltprämie hat zur Folge, dass dieser Export nahezu völlig zum erliegen
gekommen ist.[31] Dies hat zur Folge, dass, sollte die Nachfrage nach Automobilen in
diesen Ländern gleich bleiben, es für Afrikaner und Osteuropäer schwieriger wird, ein
günstiges und mit gut neun Jahren für dortige Verhältnisse vergleichsweise neues
und umweltfreundliches Automobil zu bekommen.[32] Auch der nationale
Gebrauchtwagenmarkt ist ebenfalls massiv eingebrochen, da massenhaft eigentlich
noch verkaufbare PKW, teilweise auch mit Restwerten über 2500€ verschrottet
werden.[33]

Werkstätten [Bearbeiten]

Die Umweltprämie soll zu Lasten der Werkstätten gehen, die überwiegend Wartungs-
und Reparaturarbeiten erbringen, da der verjüngte Fahrzeugbestand weniger
reparaturbedürftig sei. Zusätzlich würden Neuwagenkäufer vermehrt
Vertragswerkstätten in Anspruch nehmen. Zum 1. Januar 2008 waren in Deutschland
noch etwa 20 Mio. Fahrzeuge mit einem Baujahr vor 2000 zugelassen[19], von denen
durch die Prämie maximal 10% verschrottet werden.

Kulturelle Auswirkungen [Bearbeiten]

Autoliebhaber befürchten das Aussterben einer ganzen Fahrzeuggeneration und das


Verschwinden erhaltungswürdigen Kulturgutes von den Straßen. Betroffen werden
vor allem Fahrzeuge sein, die vom Oldtimerstatus noch einige Jahre entfernt sind
und deren Restwert unterhalb des Wertes der Umweltprämie liegt. Zum Vergleich:
Anfang 2008 waren etwa 300.000 Fahrzeuge (etwa 0,75%) alt genug für eine
Einstufung als Oldtimer.[34]

Windhundverfahren [Bearbeiten]

Zum Zeitpunkt der Antragsstellung gemäß gültigem Anmeldeverfahren bis zum 27.
März 2009, musste das Altfahrzeug nachweisbar verschrottet sein. Laut BAFA steht
die Prämie „unter dem Vorbehalt der Verfügbarkeit der veranschlagten
Haushaltsmittel und erfolgt erschöpfend nach der Reihenfolge des Eingangs der
vollständigen Anträge (Windhundverfahren)“. Gehen die veranschlagten
Haushaltsmittel zu Ende, kann der Antragsteller nicht sicher sein, ob er die Prämie
erhält. Er steht dann vor der Alternative, das Fahrzeug zu verschrotten und eventuell
keine Prämie zu erhalten oder das Fahrzeug zu veräußern und damit eventuell auf
die höhere Prämie zu verzichten.
Das erste Antragsverfahren verlangte, dass das Neufahrzeug zum Zeitpunkt der
Antragsstellung zugelassen ist. Dadurch waren Käufer von Fahrzeugen mit langen
Lieferzeiten im Windhundverfahren benachteiligt. In Abänderung des Verfahrens
kann die Umweltprämie ab 30. März durch Vorlage eines gültigen Kaufvertrags
reserviert werden. Diese Regelung gilt auch für bereits gekaufte und noch nicht
gelieferte und angemeldete Fahrzeuge.[35]
Missbrauch [Bearbeiten]

Die für die Prämie notwendigen Unterlagen, die im ursprünglichen Entwurf gefordert
waren, ließen sich leicht fälschen oder manipulieren. ADAC und der Bund Deutscher
Kriminalbeamter sahen die Gefahr, dass die Umweltprämie in großem Stil für Betrug
missbraucht würde.[36][37] Kritiker sahen in der Prämie daher ein „Konjunkturpaket für
die organisierte Kriminalität“.
Um das Missbrauchsrisiko zu verringern, verlangt die verabschiedete Förderrichtlinie
für die Antragsstellung zusätzlich das „Original der entwerteten
Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief)“[38][39].

Online-Verfahren [Bearbeiten]

Wenige Minuten nach Start des Online-Verfahrens am 30. März 2009 war die
entsprechende Internetseite des BAFA kaum noch erreichbar,
Reservierungsvorgänge konnten nicht abgeschlossen werden und Bestätigungs-
Mails wurden nicht verschickt. Die Fehler konnten auch in den folgenden Tagen nicht
behoben werden. Das BAFA gab an, es gebe „irgendwo im Internet einen Engpass“,
die Schwierigkeiten lägen nicht in seinem Einflussbereich. Ursache sei
möglicherweise, dass die zahlreichen Anträge von Internet-Knotenpunkten als Denial
of Service-Attacke gewertet würden.[40]. Externe Kritiker machen hingegen
konzeptionelle Fehler der Website und den Dienstleister, der vom BAFA beauftragt
wurde, verantwortlich.[41] Im Zuge der Pannen wurden vom BAFA Bestätigungs-Mails
mit personenbezogenen Daten irrtümlich an die falschen Antragsteller geschickt und
damit gegen den Datenschutz verstoßen. Ferner werden personenbezogene Daten
unverschlüsselt versendet[42], wobei die Datenverschlüsselung bei der Konzeption
„schlichtweg übersehen“ worden sei[43] und nachträglich implementiert wurde.

Schrott-Mafia macht sich die


Taschen voll!
Von J. DAMSCH, S. ERNST und J. W. SCHÄFER
Der Boom bei der Abwrackprämie lockt immer mehr Betrüger an!
Schrotthändler und Autoexporteure machen sich auf Kosten der
Steuerzahler die Taschen voll: Sie verkaufen alte Autos, für die
Abwrackprämie kassiert wurde, einfach weiter – anstatt sie zu
verschrotten.
Aktuell
Die deutsche Kripo schätzt, dass in den vergangenen Wochen mindestens
500 Autos illegal nach Afrika verschifft wurden. Verbands-Vize Wilfried
Albishausen: „Es handelt sich um professionelle Betrüger! Sie versuchen
im großen Stil, abgewrackte Autos zu verkaufen.“
Der Betrug kostet die Steuerzahler bisher mindestens 1,25 Millionen Euro!
So läuft die dreiste Abzocke der Schrottmafia:
Die Händler stellen für jedes Altauto ganz legal einen
Verwertungsnachweis aus. Damit kann der Vorbesitzer die Abwrackprämie
(2500 Euro) kassieren.
Dann beginnt der Betrug: Die Händler besorgen sich für die alten Autos
gefälschte Fahrzeugbriefe. Kosten pro Stück: max. 250 Euro. Anschließend
werden die Autos Firmen angeboten, die sich auf den Verkauf von
Fahrzeugen ins Ausland spezialisiert haben. Per Lkw oder Zug geht es
dann zu einem Hafen (z. B. Hamburg). Dort werden die alten Autos auf
Schiffe verladen, nach Afrika transportiert.

Ein Schrotthändler aus dem Ruhrgebiet zu BILD: „Besonders begehrt sind


japanische Modelle, speziell Toyota. Die bringen bis zu 600 Euro pro
Stück.“ Für deutsche Modelle gibt es sogar über 1000 Euro. Der
Schrotthändler: „Für Afrikaner sind die Autos wie Perlen. Die können gar
nicht verstehen, wie man so etwas verschrotten kann.“
Nicht immer hat die Schrottmafia Erfolg. Bei Stichprobenkontrollen im
Hamburger Hafen hat die Polizei bisher 25 Fahrzeuge sichergestellt. Sie
sollten trotz Abwrackprämie verschifft werden. Den Betrügern drohen bis
zu 10 Jahre Gefängnis.
Die Politik will hart durchgreifen. Nach BILD-Informationen hat das
Umweltministerium die Länder bereits aufgefordert, scharf zu
kontrollieren, ob die „anerkannten Demontagebetriebe“ Alt-Pkws wirklich
verschrotten.
Die Kripobeamten wollen auch unangekündigte Überprüfungen
von Schrott- und Hafenbetrieben durchsetzen. BDK-Vize
Albishausen: „Nur so lässt sich das Problem in den Griff
bekommen.“