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Gesamthe rste llung :
Leoschul e, Städt, kath . Gru ndsc hule Lünen
Elisa beth Schäfers
Elke Schul te-Bünnigma nn
Hermann Bünnigman n
Reinhild Hösel
Jochen Rab be
Hermann Schäfers
Inge borg Seh ner
Dr. Barb ara Seibert
Han nelor e Zobel
Peter Wember
Stadtarchiv der Stadt Lünen,
Pressefotos der RN und WAZ
und aus Privatbesitz
Drucker ei Aloys Holtkamp. Lü ne n
LEOSCHULE
Städtische katholische Grundschule
FESTSCHRIFT
zum 90jährigen Bestehen
Lünen 1987
4
Inhaltsverzeichnis
Seite
Grußworte 5
I. Die Entwicklung des preußischen Volksschulwesens
von den Anfängen bis zur l ahrhundertwende 7
11. Die erste katholische Schule in Lünen 11
111. Unsere Schule im Wandel der Zeit
1. Zur Kaiserzeit 1897- 1918.... ... . .. .... ... ... .. .. .... . ... .. 13
2. Zur Zeit der Weimarer Republik 1918-1933 21
3. Zur Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945 .. ... .. .. . 26
4. Die Nachkriegszeit 1945-1968 . .. .... .. .. . ... . ... ... .. .. . 34
5. Die Zeit nach der Schulreform 1968... 39
IV. Schule hat viele Gesichter. .. ... ... .. .. .... . . . .. .... .. .. .. . .. .. 43
V. Schulerinnerungen ehemaliger Schüler
1. Ein Rückblick auf die Schuljahre 1939 bis 1942.. ... . . 51
2. Erinnerungen an die Schulzeit während des
Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren 52
VI. Namen und Zahlen
1. Schulleiter der Schule .. . .. .. 57
2. Konrektoren der Schule .. . . . 58
3. Lehrer der Schule . .... .. . ... .. .. ... . ... .... ... . . ... .... ... . 58
4. Schulpflegschaftsvorsitzende 61
5. Schülerzahlen 61
6. Schüler und Schülerinnen im Schuljahr 1986/87 62
7. Literaturverzeichnis 67
Vorwort
Vor 90 Jahren wurde am4. Mai 1897der Grundstein für die damalige
'Katholische Osterfeldsc hule' gelegt. Das Gebäudeder heut igen Leo-
schule wurde am 11. Oktober 1897 seiner Bestimmung übergeben.
1939wurde die Schule in ' Richthofenschule' umbenannt. 1946 erhielt
sie den heutigen Namen ' Leoschule' nach dem Papst Leo XIII .
(1878- 1903).
Inden verflossenen 90 Jahren haben viele Generati onen von Schül ern
diese Schul e besucht. Viele Lehrer haben hier gewirkt . Wenn sich
auch das politische, gesellschaft liche und wirtschaftli che Umfeld der
Schule verändert hat , ist sie doch ihrer Tradition treu geblieben: als
katholische Schule gegrü ndet, ist sie im Wandel und in allen Wirren
der Zeit bis auf wenige Jahre katholische Schule geblieben.
Die vorliegende Festschr ift versuc ht, mit ihren BeiträgenGeschichte
und Gegenwart lebendig werden zu lassen . Wir wenden uns damit an
alle Freunde unserer Schule. Bei ehemaligen Schülern und Lehrern
wird sie vielleicht Er innerungen an ihre Schul zeit wecken. Gedacht
ist sie aber auch für die heutigen Schüler und Eltern, indem sie ihnen
einen Einblick gewährt sowohl in die Geschichte der Schule als auch
in die Bildungs- und Erziehungsarbeit der Gegenwart .
An dieser Stelle möchte ich allen Eltern und Lehrern des Redakti-
onstea ms, die diese Festschrift gestaltet haben , meinen besonderen
Dank aussprec hen; ebenfalls allen ehemaligen Schülern , die uns
Bildmater ial, Ber ichte und andere Unterlagen zur Verfügung gestellt
haben .
Mein Dank gilt auch der Schul konferenz, dem Lehrerkollegium und
allen Eltern, die bei den Festvorbereitungen mitgewirkt haben . Auch
dem Förderverein der Schule, der dur ch seine finanz ielle Unterstüt-
zung das Erscheinen dieser Schrift und die Durchführung des Festes
ermöglicht hat , sage ich herzlichen Dank .
Möge diese 90-Jahr -Feier dazu beitragen, die langjährige enge Ver-
bindung zwischen Schule und Elternhaus fortzuführen.
Zum 90jährigen Bestehen der Leoschule Lünen
Braucht eine Schul e Tradition? Wann beginnt die Tradition einer
Schule? Die Tradition dieser Schul e ist die Fortschreibung von Bil-
dung und Erziehung als Auftrag der jeweiligen Zei t, basierend aufei-
ner vorgegebenen festen ethisc hen Gru ndposition.
Das Nachdenken über die Tradition dieser Schul e ist die Rechtferti-
gung ihres Erziehungsauftrages in wechselnder Geschichte. Dieser
wird vorgegeben in der Verfassung unseres Landes, in der es heißt :
"Ehrfurc ht yor Gott , Achtung vor der Würde des
Menschen und Bereitschaft zu sozialem Handeln zu
wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung."
Eine Schul e, die in diesemSinne über90 Jahre tätig war, hat ein Stück
Geschichte mitges chri eben, indem sie Generationen von jungen
MenschenLebenshilfe geleistet hat inguten und inschlechten Zeiten,
unter härtesten Bedingungen für Schüler und Lehrer.
Das 90jährige Bestehen dieser Schul e bietet Gelegenheit, gemeinsam
über die Vergangenheit nachzudenken und gleichzeitig Gegenwart
und Zukunft der Schule und der Schül er in den Blick zu nehmen.
Der Schul rat als Vertreter der Schul aufsicht - mitverantwortlich für
die Realisierung des Bildungs- und Erziehungsauftrages auch dieser
Schule - hat vor allem Grund zu danken. Ich sprec he meinen Dank
der Schulleiteri n und den Lehrern dieser Schule aus für ihr Engage-
ment und die Leistung inden vergangenen 12Jahren, in denen ich die
Entwicklung dieser Schule beobachten, begleiten und auch beein-
flussendurfte. Der DankderSchulaufsicht gilt aber auchall denande-
ren Schulleitern und Lehrern, die inden davor liegenden 78Jahren an
dieser Schule gewirkt haben .
Das heutige Fest soll aber auch Anlaß sei n, der Schule weiterhi n eine
glückl iche Entwicklung und Erfolg zu wünschen bei dernach wie vor
schwierigen Aufgabe,junge Me nschen auf das Leben vorzubereite n.
Unna, im Mai 1987
Hans-Joachirn Reupke
Schulamtsdirektor
Elisabe th Schäfers
Schulleiterin
5
Grußworte zum Jubiläum der Leoschule
Selbstverständlich freue ich mich als Pfarrer mit den Kindern und El-
tern darüber, daß wir heute eine katholische Grundschule, die Leo-
schule, im Seelsorgebereich unserer Herz-Jesn-Gemeinde haben .
Dazu kommt, daß diese Schule in der Vergangenheit einen guten Ruf
als katholische Bekenntnisschule bis in die Gegenwart erworben hat.
Ich selbst durfte fünfzehn Jahre lang vertrauensvoll mit dem Lehrer-
kollegium unter Leitung von Frau Elisabeth Schäfers zusammenar-
beiten. Besonders vertrauensvoll war immer die Zusammenarbeit bei
der Vorbereitung auf die Sakramente der Buße und Eucharistie, auf
die erste heilige Kommunion: Elternhaus, Schule und Seelsorge wa-
ren da eine erfreuliche, wirkungsvolle Einheit.
Die katholische Schule dient der christlichen Bildung heute. Es geht
ihr dabei um die ganzheitliche Bildung des jungen Menschen aus
christlicher Überzeugung. Im Unterricht der katholischen Grund-
schule ist es möglich, die katholische Auffassung von der guten
Schöpfung in den Sachunterricht, die katholische Sozial lehre in die
anderen Fächer Religion, Geschichte und Deutsch einfließen zu las-
sen, damit die Kinder soziales Verhalten in der Klasse lernen, wie in
der Völkerfamilie (Sternsinger) angesichts von Not und Elend in der
Welt.
Besonders durch die Mitfeier des Kirchenjahres auch im schulischen
Leben gilt es, die jungen Menschen (nach Paulus) heranreifen zu las-
sen "zum vollen Mannesalter in Christus" und damit zu christlichen
Persönlichkeiten die Grundlage zu legen.
Wir leben in der Gegenwart aus der Vergangenheit für eine hoffnungs-
volle, gesegnete Zukunft. Das wünsche ich der Leoschule, den Kin-
dern, Eltern und ganz besonders dem Kollegium mit der Leiterin Eli-
sabeth Schäfers.
Lünen, im Mai 1987
Heinrich Diebecker
Pfarrer von Herz-Jesu Lünen
6
Eine zeitgemäße Jubilarin !
Anläßlich des 90jährigen Jubiläums der Leoschule frage ich mich:
"Was hat uns Eltern der heutigen Schüler bewogen, unsere Kinder ge-
rade ihr anzuvertrauen?" Die Antwort lautet: "Nicht nur der gute Ruf
in pädagogischer Hinsicht gab den Ausschlag bei der Wahl der Schu-
le, sondernauch die Grundhaltung, die hier herrscht! " Angeblich gibt
es zwar in unserer pluralistischen Gesellschaft keine allgemeinver-
bindlichen Wertvorstellungen mehr, von einem Konsens über das,
was man friiherunter Allgemeinbildung verstand, ganz zu schweigen.
Ich bezweifledie Richtigkeit solcher Pauschalurteile, jedenfalls wenn
man unsere Schule betrachtet.
Ob wir nun katholisch sind odereiner anderen Konfessionangehören,
so hat uns Eltern doch die Überzeugung hier zusammengeführt , daß
christlicheWertvorstellungen zum Erfahrungsschatzvon Kindern ge-
hören und daß die Vermittlung solchen Gutes in einer Konfessions-
schule am ehesten zu erreichen ist.
In diesemSinne wünschen wir Eltern der Leoschule weitere 90 Jahre
gedeihlicher Arbeit in der Überzeugung, daß auch in 90 Jahren 'nur'
schulisches Wissen zur Bildung eines Menschen nicht ausreichen
wird.
Karin Steinfeld-Hörning
Vorsitzende der Schulpflegschaft
Grußworte des Vorsitzenden des Fördervereins
Der Förderverein spricht der Leoschule, das heißt ihren Kindern und
dem Lehrerkollegium, zum 90jährigen Jubiläum herzliche Glück-
wünsche aus. Mit seinen guten Wünschen auch für die Zukunft ver-
spricht er seine Bereitschaft, weiterhin die Arbeit der Kinder und des
Kollegiums zu fördern und zu unterstützen.
Rudolf Uttendorf
1. Vorsitzender
I. Die Entwicklung des preußischen
Volksschulwesens vondenAnfängen
bis zur Jahrhundertwende
In Deutschland reichen die Anfänge eines staatlich gelenkten Bil-
dungswesens bis zum 28. September 1717 zurück. Der Soldatenkönig
Friedrich Wilhelm 1. verpflichtete damals alle Gemeinden dazu,
Schulen einzurichten, indenen die Kinder inReligion, Lesen, Schrei-
ben und Rechnen unterrichtet werden sollten. Er setzte fest, daß EI-
tern ihre Kinder im Winter täglich und in den Sommermonaten min-
destens einmal wöchentlich zur Schule schicken sollten. Ein geringes
Schulgeld wurde erhoben, was bei bedürftigen Kindern aus der AI-
mosenkasse der Gemeinde gezahlt werden sollte. Der Kirche oblag
zu dieser Zeit die Aufsicht und Leitung der Schulen.
Ein am 3. November 1817 in Preußen errichtetes Kultur- und Unter-
richtsministerium führte am 14. Mai 1825 für den gesamten preußi-
schen Staat den Schulzwang ein. Die Elementarbildung orientierte
sich an einer christlich-ständischen Gesellschaftsordnung und ver-
mittelte ein Weltbild, das durch Gehorsam, Fleiß, Untertänigkeit und
Gottesfurcht geprägt war.
Von 1846 an verpflichtete sich der preußische Staat für die Provinz
Westfalen, anden katholischen Volksschulen keinen Lehrerohne vor-
herige Erteilung der 'rnissio canonica' durch den Bischof einzu-
stellen.
Die bis zur Jahrhundertwende nach Konfessionen getrennte Verwal-
tung der Volksschulen führten konfessionelle Schulsozietäten bzw.
Schulverbände durch. In Lünen bestanden die Schulverbände aufei-
ner übergeordneten Stelle von Lünen-Gahmen mit einer katholi-
schen , einer evangelischen und einer jüdischen Schuldeputation.
Eine Bestimmung des 'Allgemeinen Landrechts' sagte aus: "Die Un-
terhaltung des Schulwesens ist eine gemeine Last." Die in den Schul-
verbänden anfallenden Kosten für die Schulen übernahm nicht der
Staat , sondern die jeweilige Schulgemeinde. Unter 'Schulgemeinde'
wurdenjedoch nicht die politischen Gemeinden verstanden, sondern
es zählten dazu sämtliche Hausväter eines Ortes, d.h. jede imSchul-
bezirk wohnhafte rechtlich und wirtschaftlich selbständige Person.
Neben Verheirateten mit und ohne Kinder gehörtenauch Junggesellen
und alleinstehende Frauen mit eigenem Einkommen dazu.
Zur katholischen Schulgemeinde Lünen zählten auch die katholi-
schen Einwohner Beckinghausens, während die katholischen Ein-
wohner von Heil, Oberaden und Horstmar zu den evangelischen
Schulgemeinden ihrer Wohnorte gerechnet wurden. Es bestand für
letztere jedoch keine Verpflichtung, ihre Kinder in die zuständigen
evangelischen Schulen zu schicken , doch Schulsteuer und Schulgeld
mußten sie an ihre Schulgemeinden entrichten, auch dann, wenn ihre
Kinder die katholische Schule in Altlünen besuchten.
Schulfahne der katholischen Schule in Lünen
Die Schulgemeinden erbrachten die für ihre Schule anfallenden Ko-
sten zunächst aus der Schulsteuer, die jedes Schulgemeindemitglied
(nach der Höhe seines Einkommens errechnet) zu zahlen hatte. Mit
jeder Steigerung der Schulausgaben ging somit auch eine Erhöhung
der Schulsteuer einher. ImJahre 1893 stieg sie bis auf384 %.
Außerdem hatten Eltern für jedes schulpflichtige Kind ein Schulgeld
in Höhe von einem Reichstaler an die Schulgemeinde zu entrichten,
was für die meisten kinderreichen Familien als eine große finanzielle
Belastung anzusehen war.
7
Schulfahne der katholischen Schule in Lünen
Die Schulgemeinde und die dazugehörige Lehrerschaft der Volks-
schulen unterstanden einemSchulvorstand, an den sie sich in gegebe-
nen Fällenzu wenden hatten. Dieser unterstand hinsichtlich der inne-
ren Schulangelegenheiten dem Kreis-Schul-Inspektor und im Falle
äußerer Schulangelegenheiten der landrätlichen Behörde. Jede Kon-
fession besaß ihren eigenen Schulvorstand, der sich zum einen Teil
aus ständigen, zum anderenTeil aus wechselnden Mitgliedernzusam-
mensetzte. Den Vorstand bildeten der dienstälteste Pfarrer und der
Bürgermeister. Diesen ständigen Mitgliedern standen je nach Größe
der Schulen zwei bis vier wechselnde Mitglieder bei. Es sollten die
"einsichtsvollsten, geachtetsten und für das Wohl der Schule sich vor-
züglich interessierenden Mitglieder der Schulgemeinde" sein. Die
Amtsführung der wechselnden Mitglieder dauerte in der Regel vier
Jahre, wobei nicht alle gleichzeitig austreten durften, sondern alle 2
Jahre sollte die Hälfte erneuert oder wiedergewählt werden. Die Wahl
der wechselnden Mitglieder des Schulvorstandes führte die Schulge-
meinde durch. Die Bestätigung der Wahl erfolgte durch die landrätli-
che Behörde.
8
Die bestätigten Mitglieder wurden mit einem eidesstattlichen Hand-
schlag auf ihr Amt verpflichtet. Der Ausgang der Wahl wurde der Ge-
meinde sonntags in der Kirche unter Bekanntgabe der Namen mitge-
teilt.
Theodor Weischenberg
Mitglied des Schulvorstandes 1897
Der Schulvorstandtrafsich vierteljährlich zur Beratung über Belange
der Schule. Eine Visitation der Schule erfolgte einmal jährlich meist
in Anlehnung an den Besuch des Schul-Inspektors.
ImJahre 1904setzte sich der katholische Schulvorstand der Stadt Lü-
nen aus folgenden Herren zusammen:
I . Bürgermei ster Becker (Vorsitzender und Präses in externi s)
2. Pfarrer Brüggemann (Präses in internis)
3. Gutsbesitzer Schulz-Gahmen
4. Klempner Wilhelm Meyer
5. Pfarrer Ostermann
6. Rektor Elberding
Paul Schul z-Gahmen
2. Vorsit zender des Schulvo rstandes 1908
Als Schulrepräsentanten amtierten unter demselben Vorsitzenden die
Herren:
1. Schreiner Franz Paßmann
2. Schreiner Heinrich Quabeck
3. Maschinenbauer Fritz Meyer
4. Bäcker Constantin Schweer
5. Ökonom L. Dienand
Nach Inkrafttreten des Volksschulunterhaltungsgesetzes am 1. April
1908 traten wichtige Änderungen inder Verwaltungder Schulen ein.
Die Schullasten mußten nun vom Gemeindehaushalt übernommen
werden. Die als ergänzende Hilfe des Staates vorgesehenen Zuschüs -
se standen inkeiner Relation zuden nun auferlegten finanziellen Bela-
stungen der Gemeinden.
Die bisherigen konfessionellen Schul vorstände und Schulsozietät en
lösten sich zugunsten des Gesamtschulverbandes Lünen-Gahmen
auf.
Aus einemProtokoll des Gesamts chulverbandes Lünen vom 18. Juni
1908 geht hervor, daß der Vorsitzende die Mitglieder von der Verfü-
gungder Königlichen Regierung vom 26. Mai 1908 in Kenntnis setz-
te, nach der weder die Stadtverordneten- Versammlung noch die Ge-
meindevertretung von Gahmen die Zusammensetzung der Schulde-
putation des Gesamtschulverbandes festlegen konnten. Dies oblag
ausschließlich dem Schulvorstand.
Nach Beschluß mußte die Deputation folgendermaßen zusammenge-
setzt werden:
2 Mitglieder des Schulvorstandes. die vom Verbandsvorsteher (Bür-
germei ster Becker) zu ernennen waren,
2 vom Schulvorstand zu wählende Mitglieder desselben,
4 des Erz iehungs- und Volksschulwesens kundige Männer.
Im Verhältni s zur Steuerkraft sollten in der Schuldeputation die Stadt
Lünen durch sechs und die Gemeinde Gahmen durch zwei Stimmen
vert reten sein. In die örtliche Verwaltung des Schulwesens wurden
jetzt folgende Bürger gewählt :
I. Schulvorstand
Er bestand aus:
I . den Vorsitzenden
- Bürgermeister Becker (1. Vorsitzender)
- Gutsbesitzer Schulz-Gahmen (2. Vorsitzender)
2. folgenden Männern der Bürgerschaft
Kaufmann Gustav Tönnis aus Lünen
Kaufmann Heinrich Bäumer aus Lünen
Kaufmann Fritz Waldschmidt aus Lünen
Kaufmann Heinrich Tiemann aus Gahmen
3. den ältesten Ortspfarrern
- Pfarrer Brüggemann
- Pfarrer Frey
4. dem schultechnischen Mitglied
- Hauptlehrer Heinrich Stodieck
5. dem Ortsschulinspektor (ohne Stimmrecht)
- Pfarrer Ostermann
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Heinrich Engelke
Mitglied der Schuldeputation 1908
II. Schuldeputation
Ihr gehörten an:
1. die Vorsitzenden
Bürgermeister Becker (1. Vorsitzender)
- Gutsbesitzer Schulz-Gahmen (2. Vorsitzender)
2. Männer aus der Bürgerschaft
Kaufmann Gustav Tönnis aus Lünen
- Kaufmann Heinrich Bäumer aus Lünen
- Müller Heinrich Engelke aus Lünen
Betriebsführer Vogeleyaus Gahmen
- Arzt Dr. Fortmüller aus Gahmen
- Kaufmann Heinrich Tiemann aus Gahmen
3. die dienstältesten Ortspfarrer
Pfarrer Brüggemann
- Pfarrer Frey
4. die schultechnischen Mitglieder
- Hauptlehrer Heinrich Stodieck
- Rektor Emil Elberding
10
Die erste katholische Schule
in Lünen
ber 1832, daß alle Schüler des linken Lippeufers zur Entlastung der
Altstadtschule im Saal des Gastwirts Worthmann unterrichtet wur-
den.
Bedingt durch das Aufblühen von Handel und Gewerbe, wuchs be-
reits im Mittelalter im westfälischen Bürgertum der stetige Wunsch
nach Bildung und Kultur. So entstanden, in Anlehnung an die Kir-
chen, vielerorts schulähnliche Einrichtungen in den Küsterhäusern,
wo neben der Gottesfurcht auch Grundkenntnisse im Lesen und
Schreiben von den Küstern vermittelt wurden.
Indem Küsterhaus neben der Marienkirche, die seit der Stadtverlage-
rung auch Altstadtkirche genannt wird, erhielten bis zum 19. Jahr-
hundert in einem kleinen Raum die katholischen Kinder des Kirch-
spiels St. Marien ihren Unterricht. Dazu zählten sowohl die Gemein-
de Altlünen mit den drei Bauernschaften Alstedde, Nordlünen und
Wethmar, als auch die Gemeinden Beckinghausen und Lippholthau-
sen, ferner die den Ämtern Massen und Rünthe zugehörigen Orte
Oberaden und Heil.
Erst am 25. Mai 1838 erfolgte die Grundsteinlegung zu einem neuen
Schulgebäude neben der Marienkirche, in dem ab Herbst 1838 die
linkslippischen Schüler Lünens unterrichtet werden konnten.
Bis 1862 stieg die Schülerzahl auf 247 an. Wegen Überfüllung der
Klassen (aus einemVisitations bericht des damaligenSchulinspektors
geht hervor, daß sich sechs Knaben imAlter zwischen 10und 12Jah-
ren in einer Bank von höchstens 6 Fuß Länge zusammendrängten)
wurde in Beckinghausen eine neue Schule gebaut, in die die Kinder
von Beckinghausen, Horstmar, Oberaden und Heil jetzt von der Alt-
stadtschule hin überwiesen wurden. Da in der Altstadtschule noch
180Kinder blieben, konnte die Schulraumnotkaumbehoben werden.
Man sah sich gezwungen, eine 2. Klasse im angernieteten Saal der
Witwe Hollermann am Steintor einzurichten.
Im Zuge der Industrialisierung und der Zechenneugründungen stieg
die Zahl der Einwohner Lünens ständig.
Durch das stetige Anwachsen der Zahl der katholischen Schüler sah
sich der Küster im Jahre 1800 gezwungen, seine 200 Schüler im
Schichtunterricht zu unterrichten.
Auch das größere Schulzimmer im 1805 neu erbauten Küsterhaus
konnte eine erneute Schulraumnot nicht lange aufhalten. Daher ver-
anlaßte die Regierung in Münster durch einen Befehl vom 7. Novem-
Interessant ist noch die Tatsache, daß sich in diesem Kirchspiel die
beiden Bistümer Münster und Paderborn berührten; hier trafen sich
auch die Regierungsbezirke Münster und Arnsberg, die drei Land-
ratsämter Lüdinghausen, Dortmund und Hammsowie die vier Ämter
Bork, Lünen, Nieder-Massen und Rünthe.
Knabenoberklasse 96 Schüler
Mädchenoberklasse 84 Schülerinnen
Mittelklasse 130 Schüler/-innen
Unterklasse 110 Schüler/-innen
Die neu errichtete Altstadtschule konnte am 1.Juli 1880 bezogen wer-
den. 1881 richtete man eine vierte Klasse ein, da der Unterricht in der
Oberklasse nun nach Geschlechtern getrennt durchgeführt wurde.
1884 zeigte sich die Schulraumnot wieder so massiv, daß nicht alle
schulpflichtigenKinder aufgenommen werden konnten. Die 27jüng-
sten Kinder wurden mit Erlaubnis des Kreisschulinspektors vom
Schulbesuch zurückgestellt. Es lag folgende Klassenstärke vor:
Um der Schulraumnot erneut entgegenzutreten, wurde am 20. Okto-
ber 1890 mit dem Bau des westlichen Teils der Altstadtschule begon-
nen. Nach Fertigstellung erhielten nun alle Kinder, nach Geschlech-
tern getrennt, von 6 Lehrern in zwei dreiklassigen Schulen ihren Un-
terricht.
Am 1.Juli 1878 wurdendurch einen Erlaßder Regierung in Arnsberg
die rechtslippischen Kinder (bis zur Stadtgrenze im Norden) in den
Schulverband der Stadtgemeinde Lünen aufgenommen. Die Über-
nahme erfolgte unter der Bedingung der Stadt, daß die 1879 neu er-
baute Schule mit Grundbesitz, Inventar sowie Hofraum und Garten
der Steuergemeinde Lünen abgetreten und eine Entschädigung von
4750 M gezahlt werde.
Einwohner
Einwohner
Einwohner
Einwohner
Einwohner
Einwohner
Einwohner
4498
5587
8323
8802
10527
14532
18126
1890
1895
1900
1905
1910
1915
1920
Tabelle: Einwohnerzahl Lünens
1720 1238 Einwohner
1765 972 Einwohner
1800 1000 Einwohner
1820 1400 Einwohner
1830 1700 Einwohner
1837 2000 Einwohner
1870 3000 Einwohner
1885 3906 Einwohner
11
Tabelle: KJassenstärke in der Altstadtschule (von Ostern 1893 bis
Ostern 1897)
Ostern : ' 93 ' 95 ' 96 ' 97
Ia 78 107 108 106
Ib 76 94 88 101
Ha 89 88 80 113
Ilb 81 78 80 77
lIla 90 94 104 85
IIIb 96 94 102 77
IVa 104 97 85
IVb 85
Gesa mt: 597 754 755 826
Wie aus der oberen Tabelle zu ersehen ist, konnte die Altstadtschule
nicht länger mehr alle Kinder aufnehmen. Es mußtendringlichst neue
Schull okale geplant und geschaffen werden, zumal der Bergbau fort-
laufend neue Arbeiter einstellte. Da sich die Stadt weiter insüdwestli-
cher Richtung ausbreitete, beschloß die Vertretung der katholischen
Schulgemeinde, auf dem Osterfeld eine neue, große Schule zu er-
richten.
Klassen foto "Altstadtschulc 1888 mit Fr\. Köh ler "
12
IIII
III. Unsere Schule im Wandel der Zeit
1. Zur Kaiserzeit 1897-1918
Die Entwicklung der Pläne für das neue Schulgebäude begannen
schon bald . Zunächst kaufte der katholische Schulverband Lünen-
Gahmen zwei Grundstücke von den Familien Heitkamp und Tewes
auf, und zwar Flur 5 Nr. 348/181 und 349/181. Hier sollte nun ein
Gebäude errichtet werden, das sich dem Stil des neuen Wohnumfel-
des anpaßte und du rch Größe und Ausstattung den Kindern ein gutes,
störungsfreies Lernen gewährleisten konnte. Das Schulgebäude auf
dem Osterfeld mußte vorläufig sechs Klassen Platz bieten, man hielt
sich jedoch die Möglichkeit offen, es um zwei weitere Klassenräume
aufzustocken.
Katholische Osterfeldschule im Jahre 1897
Die Feier zur Grundsteinlegung der Schule aufdem Osterfeld wurde
am 4. Mai 1897 begangen.
Der Kostenvoranschlag für die zu errichtende Schule belief sich auf
rund 45.000,- Mark, die von der Schulgemeinde aufzubringen wa-
ren. Am 9. März 1897 prüfte der Königliche Kreisbauinspektor in
Dortmund die Baubeschreibung und bewilligte sie.
249,00 M
20675,71 M
10537 ,20 M
2254,28 M
1121,95 M
1833,82 M
380,46 M
1965,84 M
1311,49 M
670 ,09 M
40999,84 M
4000,00 M
Kostenvoranschlag für den Bau der katholischen Schule auf dem
Osterfeld (sechsklassige Schule):
1. Erdarbeiten
2. Maurer- und Steinmetzarbeiten
3. Zimmerarbeiten
4. Tischlerarbeiten
5. Schlosserarbeiten
6. Dachdeckerarbeiten
7. Klempnerarbeiten
8. Eisenguß- und Walzarbeiten
9. Glaser- und Anstreicherarbeiten
10. Insgemein
Total
+ Abort- und Stallgebäude ca.
Nach einer raschen Bauzeit von nur 5 Monaten konnte das Gebäude
am 11. Oktober 1897 bezogen werden. Nachdem am Morgen in der
Marienkirche ein festliches Hochamt gehalten worden war, weihte
der Ortsschulinspektor Pfarrer Brüggemann im Beisein der Lehrer-
schaft und der Schulvertretung die katholische Osterfeldschule ein . Toil ettenaniage der katholischen Osterfeldschule
In den von dem Ingenieur 1.Schulte angefertigten Bemerkungen zum
Bau der Schule wird die solide und weitsichtige Bauweise deutlich.
»I. Die Größe der Klassenräume ist so bemessen, daß jede Klasse et-
wa 80-90 Kindern Raum gewährt . Jedes Klassenzimmer ist 6,5
m breit, 10 m lang und 4,27 m hoch.
2. Die Kellersohle liegt höher als der höchste Grundwasserstand, so
daß die Kellersohle frei von jeglichem Grundwasser ist.
4. Die Außenwände sind 2 Stein stark mit einer Luftschicht von 7
cm. Die Pfeiler zwischen den Fenstern der Schulzimmer in den
Außenwänden werden vollgemauert....
5. Die Ventilation der Klassenzimmer soll eine ganz vorzügliche
werden; indem diese unter der Balkenlage in jeder Etage 3-4
Stück 1/2Stein große Öffnungen angelegt werden, die mit beson-
deren Luftschächten in den Außenwänden in Verbindung stehen
und beim Hauptgesimse austreten. Außerdem sollen besondere
Regulierschieber für die Luftschornsteine in den Mittelwänden
angebracht werden. Die Luftschornsteine liegen neben den Heiz-
schornsteinen, wodurch die Zugkraft der Luftschornsteine er-
höht wird."
13
Hauptlehrer Gerwin
Lehrerin Köhler
Lehrer Wolff
Lehrerin Hanses
Lehrer Schäfer
derselbe
Unter der Schulleitung von Hauptlehrer Gerwin traten Lehrer Wolff
und die Lehrerinnen Köhler und Hanses ihren Schuldienst an. Sie un-
terrichteten die Kinder in fünf Klassen. Da man für die Klasse IV erst
im Dezember 1897Lehrer Schäfer einstellte, mußten die an der Schu-
le schon tätigen Lehrer die Vertretung übernehmen.
Ostern 1898 besuchten schon 494 Kinder die katholische Osterfeld-
schule. Unterrichtet wurdejetzt, nach Jungen und Mädchen getrennt,
in sechs Klassen.
Die im Oktober '98 aufgestellte Klassenverteilung gibt Aufschluß
über die Klassenstärken.
Klasse Ia 84 Knaben
Klasse Ib 88 Mädchen
Klasse Ha 75 Knaben
Klasse IIb 81 Mädchen
Klasse IIIa 76 Knaben
Klasse HIb 81 Mädchen
Da die Schülerzahl weiterhin anstieg, sah sich der Schulverband
schon 1899 gezwungen, die katholische Osterfeldschule um zwei
Klassenzimmer zu erweitern.
Kurz vor Fertigstellung der Bauarbeiten ereignete sich am 27. März
ein tragischer Unglücksfall. Gegen 12.00 Uhr stürzte ein junger hol-
ländischer Maurer nach einemFehltritt von dem an der Schule aufge-
stellten Gerüst. Dabei zog er sich so erhebliche Verletzungen zu, daß
er noch an der Unfallstelle starb.
Katholische Osterfeldschule im Jahre 1900
14
Ab Ostern 1900 konnten acht Klassenräume benutzt werden. Außer-
dem umfaßte der Schulbau ein Rektorzimmer und vier Lehrerweh-
nungen. Im Keller wurden noch zwei Lagerräume für 20 RM jährlich
an den Weinhändler Dommes vermietet.
Die Schulhofverhältnisse lagen zu diesem Zeitpunkt noch sehr im ar-
gen. Der Sandboden vernrsachte bei trockener und bewegter Luft lä-
stige Sandwehungen, bei nasser Witterung versanken die Kinder mit
ihrenSchuhen im Schlamm. Abhilfe war auch hier dringend notwen-
dig, jedoch sah sich die Schulgemeinde aufgrund ihrer schlechten fi-
nanziellen Lage dazu außerstande.
Eine Gegenüberstellung der Schülerzahlen verdeutlicht den jährli-
chen Anstieg an der katholischen Osterfeldschule, während die Zah-
len an der Altstadtschule konstant blieben:
Jahr kath. Osterfeldschule Altstadtschule
Ostern 1898 494 319
Ostern 1899 543 328
Ostern 1900 644 ?
Ostern 1901 719 313
Infölge der Anlage der Zeche Preußen I in Lünen-Süd stiegendie An-
meldezahlen dermaßen, daß 1903 zehn Klassen, darunter drei für
Lünen-Süd, eingerichtet werden mußten. An Lehrkräften wurden
eingestellt die Lehrer Kellermannund Peppersack sowie die Lehrerin
Hübner. Als die Hoffnung auf die Fertigstellung des Schulgebäudes
in Lünen-Süd zum Herbst 1903 aufgegeben wurde, mußte ein Schul-
zimmer in der neuen evangelischen Osterfeldschule angernietet
werden.
Ostern 1904 kam es zu einigen Änderungen an der katholischen
Osterfeldschule. Herr Elberding löste Herrn Gerwin als Schulleiter
ab. Am 11. April 1904 konnte die Wilhelmschule in Lünen-Süd mit
vier Klassenräumen bezogen werden, in der jetzt die drei unteren
Jahrgänge der in Lünen-Süd wohnenden Kinder untergebracht wur-
den. Die älterenSchüler besuchtenweiterhinbis zu ihrer Schulentlas-
sung die katholische Osterfeldschule.
Trotz des Schulwechsels einiger Kinder nach Lünen-Süd mußte in der
katholischen Osterfeldschule vorübergehend noch eine 11. Klasse
eingerichtet werden. Die Steigerungder Schülerzahlenverdeutlichen
die nachstehenden Übersichten, aus denen ersichtlich wird, daß bis
1903 weit mehr Lernanfänger eingeschult als Schüler entlassen
wurden.
In einem Bericht von 1904 wurden alle Ferien und Feiertage protokol-
larisch notiert. Die Verteilung der Ferien über das Jahr ist bis heute
fast gleich geblieben.
Am27. und 28. Juni 1904 fiel der Unterricht aus, da der Weihbischof
Dr. August Gockel aus Paderborn die Einweihung der Herz-Jesu-
Kirche vornahm. "Andie Weihe schloß sich die kanonische Visitation
des Religionsunterrichts für die Osterfeldschule an."
Auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers mußte am 22. Dezember 1899
der Jahrhundertwechsel in allen Schulen feierlich begangen werden.
Eine besondere Schulfeier fand am 27 . Januar 1905 anläßlich des
Kaiser-Geburtstages statt. In einem Klassenraum versammelten sich
neben allen Lehrpersonen der Schule um 9.30 Uhr die Kinder des 7.
und 8. Jahrgangs und zwei bis vier Vertreter der übrigen Klassen (sie
feierten schon einen Nachmittag vorher). Von der Schulvertretung
waren PfarrerOstermann und die Herren Schulz-Gahmen und Meyer
zugegen. "Den Inhalt der Feier bildeten Gesangvorträge der beiden
oberen Klassenund Deklamationen von klein und groß. Rektor Elber-
ding hielt die Festansprache, in der er besonders zwei Tugenden der
Herrschaft hervorhob: "Frömmigkeit und Arbeitsarnkeit", Die Feier-
stunde endete um 10.30 Uhr.
Nachdem die Schule unter städtische Aufsicht gestellt worden war,
stand der Anschaffung neuer Lehr- und Lernmittel, die den Kindern
bei bestimmten Unterrichtsthemen größere Anschauung boten,
nichts im Wege. Beschafft wurden Bilder zur biblischen Geschichte,
Anschauungstafeln für den naturkundlichen Unterricht über Magne-
tismus und Elektrizität, Tierpräparate u.a. vom Igel, Maulwurf und
Specht. Die Lehrer erhielten für ihre Unterrichtsvorbereitungen die
zu den Schulbüchern erschienenen Lehrerhandbücher. Die etwa 120
Bände umfassende Schülerbücherei konnte um 40 Bände erweitert
werden. Für den Sportunterricht, der auf dem Turnplatz hinter der
Schule durchgeführt wurde, standen ebenfalls einige Geräte zur Ver-
fügung, wie Reck, Barren, Stäbe, Seile und Bälle.
Must ertuch •angefertigt im Handarbeitsunrerricht der katholischen Osterfeld-
schule 1898
Für den Sprachunterricht wurde eine Verteilung des Lehrstoffes, ge-
ordnet nach konzentrischen Kreisen, durchgeführt, d.h. gleiche The-
men wurdenjährlich neu aufgegriffen, erweitert und vertieft . Die im
Aufsatz und in Rechtschreibearbeiten gebräuchlichen Korrekturzei-
chen wurden nach Absprache jetzt einheitlich angewandt. Im
Kunstunterricht strebte man die Methode des Zeichnens nach der Na-
tur an. Dazu hatte Lehrer Wolffim Rahmen einer Fortbildungsveran-
staltung einen Einführungskurs besucht.
64
106
65
Zugang
119
66
74
141
142
67
3
12
auf Antrag aus der Abzug nach
Schulpflicht ent- Wohnungs-
lassen wechsel
Aufnahme
vom 21.05.1904 bis 26.05.1904 ( 6 Tage)
vom 04.08 .1904 bis 01.09.1904 (29 Tage)
vom 26.09.1904 bis 09.10.1904 (14 Tage)
vom 24.12.1904 bis 02.01.1905 (10 Tage)
vom 20.04.1905 bis 02 .05 .1905 ( 13 Tage)
Pfingstferien
Hauptferien
Ernteferien
Weihnachtsferien
Osterferien
1902 33
1903 43
1904 61
1902
1903
1904
Entlassung
Jahr ordnungsgemäß aus
der Schu lpflicht
entlassen
Lernanfänger
Jahr
Unterrichtet wurde 1905 in den Unterklassen nach Möglichkeit nur
vormittags, während die oberen Jahrgänge auch am Nachmittag die
Schule zu besuchen hatten.
15
Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigten die Eltern Interesse am
Schulleben ihrer Kinder, was durch die Beteiligung an einem Ausflug,
der am 19. September 1905 stattfand, belegt werden kann. Neben den
Lehrkräften Elberding, Wolff, Schäfer, Kessing, Köhler, Hanses,
Knickenberg und Bergloh nahmen daran 248 Kinder und 105 Eltern
teil.
Ein für die Schüler dunkles Kapitel war die Schulzüchtigung. So ver-
langte zum Beispiel eine Mutter die Einleitung einer Anklage gegen
einen Lehrer wegen der übermäßigen Züchtigung ihres Kindes (von
der Züchtigung rührten zwei schwarz-blaue Flecken auf dem Rücken
des Kindes und vier bis fünf auf den Armen her) . In einem Antwort-
schreiben stritt der Lehrer diese übermäßige Zücht igung zwar ab, gab
jedoch zu, das Kind .wegen Trägheit und Unaufme rksamkeit ver-
schiedentlich gezüchtigt zu haben".
Am 8. April 1910 trat der vom Krei sschul inspektor Dr. Kaiser abge-
zeichnete Hauptstundenplan der katholischen Osterfeldschule in
Kraft .
Verteilung der Lehrfä cher auf die einzelnen Klassen:
Fächer I 11 III IV V VI VI/VII VII Gesamt
Religion 5 5 4 4 4 4 4 4 34
Deutsch 7 7 8 8 8 10 10 10 68
Rechnen 4 4 4 4 4 4 4 4 32
Raumlehre 2 2 4
Zeichnen 2 2 2 2 2 12
Geschichte 2 2 2 2 1 9
Geographie 2 2 2 2 2 10
Natur-
beschreibung I 2 2 2 8
Naturlehre I 1
Gesang 2 2 2 2 2 I 1 13
Turnen 2 2 2 2 2 2 2 15
Handarbeit 2 2 2 2 1 9
Summe 30 30 28 28 26 22 22 20 215
Am 19. Juli 1909 mußten im Erdge schoß zwei bzw. drei Räume der
gewerblichen Fortbildungsschule übergeben werden . Damit in die-
sen Räumen Gaslicht gelegt werden konnte, beantragte man den An-
schluß an die in der Hubertusstraße liegende Hauptleitung.
1915stellte man aufder östlichen Schulhofseite die erste Baracke auf,
in der für die Fortbildungsschüler der Unterricht stattfand. Zwei wei-
tere Holzbaracken fanden 1918 aufder westlichen Schulhofseite ihren
Platz.
16
Angemerkt sei hier noch , daß Rektor E1bcrding nicht nur dieSchullei-
tung der katholischen Osterfeldschule übernommen hatte, sondern
auch die Leitung der gewerblic hen Fortbildungsschule und die der
Hilfssc hule. Nebenamtlich bekleidete er noch mit Genehmigung der
Königlichen Regierung das Amt des Orga nisten an der Herz-Jesu-
Kirche.
Im innerschulischen Bereich wägte man indieser Zeit das Für und Wi-
der der Pflege der Mundart im Unterr icht ab.
Grundsätzlich war man folgender Meinung:
»I. Die Mundarten sind der uner schöpfli che Quell für den Wort-
schatzunserer Schriftsprache. Wennwir die Mundart pflegen und
erhalten, bewahren wir die Schriftsprache vor Verflachung.
2. In der Mundart kommt die Eigenart der deutschen Stämme zum
Ausdruck. Wir vermitteln also durch die Mundart Volkstum.
3. Die heimische Sprache ist das stär kste Band, das den Menschen
dauernd an die Heimat festhält . Pflege der Mundart bedeutet also
Stärkung der Heimatliebe und dadurch Grundlegung der Vater-
landsliebe.
4. Anlehnung an die Mundart ist bei den Lernanfängern nötig, um
die bis dahin erworbene Sprachfert igkeit lebendig zu er halten.
5. Die Ausdrücke der Mundart sind ein vorzügliches Mittel, mit der
Sprache zugleich den Inhalt, ihren Lebensgehalt voll und frisch
und warm erfassen zu können."
Der Einwand , daß das Plattdeutsche eine »gemeine, minderwertige
Sprache" sei, konnte die Vorteile nicht verdecken . Beschlossen wurde
die Pflege der Mundart dort , wo sie noch gesprochen wurde. Im Un-
terricht trug sie gelegentlich zur Klärung und Ergänzung bestimmter
Sachverhalte bei. Man beschloß auch , ab und zu ein in der Mundart
verfaßtes Lesestück von den Kindern lesen zu lassen , in der MitteI-
und Oberklasse sollte zudem auch jährlich ein Lied in der Mundart
eingeübt werden . Zwei bis drei Aufsätze sollten aus volkstümlichen
Themen gesucht werden.
Hinweise für die täglichen Rechenübungen , die damals schon genau-
so wichtig waren wie heute, fehlten nicht . Sie stellten für die Lehrer
eine Hilfedarunderwiesen sich , bezogen aufheutige Übungsformen,
teil weise als sehr fortschrittlich und regten die Schül er zum lustbeton-
ten Lernen an.
»I. Zeige Interesse an den Übungen in Haltung, Blick und Stimme!
2. Arbeite nach einem bestimmten Plan!
3. Berücksichtige das geistige Fortschreiten der Kinder! Zu leichte
Aufgaben machen unaufmerksam, zu schwere töten das Inter-
esse.
4. Rechne mit benannten und unbenannten Zahlen! Übe das Zahlen-
schreiben nach Diktat!
5. Stelle die Aufgaben nicht immer inder selben Form! Gibden Kin-
demzuweilen auch eine Denkaufgabe! Z.B.: ich vervielfältigeei-
ne Zahl mit 6 und erhalte 216. Wie heißt die Zahl?
6. Lasse einige Aufgaben in verkürzter Form vorrechnen!
7. Zeige den Kindern naheliegende Rechenvorteil e!
8. Verbinde die Rechenoperationen im Taktrechnen miteinander,
z.B. 24 + 8 - 7 : 5 * 9.
9. Lasse oft Reihen bilden mit ganzen Zahlen und Brüchen, Z.B.600
- 36, 10 - 0,7, 12 - I 3/8.
10. Gib den Kindern Gelegenheit , selbst Aufgaben zu bilden!
11 . Benutze die an der Schule vorhandenen Hilfsmittel!
12. Stelle monat lich einmal ein Proberechnen an!"
Fräulein Lingemann mit Sch ülern und Schülerinnen ca. 1914
Die Sorge nicht nur um das geistige, sondernauch umdas gesundheit -
liehe Wohl der schulpflichtigen Kinder der Gemeinde geht aus einer
Dienstanweisung hervor, inder die TätigkeitdesSchularztes näher er-
läutert wird:
1. Überwachungder gesundheitlichen Verhältnisse des Schulhauses
und seiner Einrichtungen.
Die Kontrolle aller Räume des Schulhauses (einschli eßlich Toiletten,
Turnhalle, Spielplatz) erfolgte zweimal pro Jahr, jeweils imSommer
und im Winter. Besondere Aufmerksamke it schenkte er der Hei-
zungsanlage, der Lüftung, der Beleuchtung, der Wasserversorgung,
der Abwässerbeseitigung sowie der Schulreinigung. Selbst die
Dienstwohnungen der Lehrpersonen konnten auf Antrag in gesund-
heitlicher Hinsicht überprüft werden. Mißstände jeglicher Art muß-
ten vom Schularzt dem Schulvorstand gemeldet werden.
2. Über wachung der Schülergesundheit.
Hier galt es, gesundheitliche Schädigungen durch die Schule sowie
Krankheitsübertragungen zu verhüten. So wurden in den Klassen die
Art und Stellung der Schulbänke ebenso überprüft wie die Sitzord-
nung der Schüler nach Größe, Gehör- und Sehvermögen . Die Kon-
trolle vonGewicht und Körpergröße der einzelnen Schüler erfolgte je-
weils imSommer und wurde von dem Klassenlehrer festgestellt. Die
vom Schularzt halbjährli ch durchgeführte Reihenuntersuchung legte
ihr Hauptaugenmerk auf Reinlichkeit, Haltung, Hautkrankheiten,
Augen und Ohren. Bei festgestellten Mängeln mußten erforderliche
Maßnahmen angegeben werden, z.B. Ernährungsmaßnahmen, Be-
freiung vom Unterricht, Reinigung von Ungeziefer unter Angabe der
Mittel , Solbadekuren, Landaufenthalt , Überweisung an die TB-
FürsorgesteIle, zu Krüppelanstalten, Sprachkursen oder Hilfsschu-
len. Die gründliche Untersuchung der Erstkläßler geschah in Anwe-
senheit der Eltern.
Die Kontrolle des gesundheitlichen Zustandes aller Kinder wieder-
holte sich im4. und im 8. Schuljahr, wobei im letzten Volksschuljahr
der Schularzt die Schüler auch auf die Wahl eines geeigneten Berufs
hinwies.
Der Schularzt erhielt für seine Bemühungen "pro Kopf eines jeden
Schul kindes" 2,- M von der Gemeinde.
Um den Gesundheitszustand der Schüler waren die Mitglieder des
Schulvorstandes besorgt und achtetendarauf, daß die ärztlichenKon-
trolluntersuchungen regelmäßig durchgefüh rt wurden. In der Vor-
standssit zung vom 29. März 1911 regten sie an, ärmeren Kindern
während der Pausen Milch zukommen zu lassen.
17
Durch einen Beschluß des katholischen Schulvorstandes und seiner
Repräsentanten vom 9. September 1897 wurden die jährlichen
Dienstbezüge der Lehrer rückwirkend zum I. April 1897 erhöht.
Lehrer:
I. einstweilig angestellt, bis zur Vollendung des 4. Dienstj ahres
- Grundgehalt von 1040 M auf 1120 M pro Jahr
2. definitiv angestellt, nach Ablau f des 4. Dienstjahres
- Grundgehalt von 1300 M auf 1400 M pro Jahr
Alle verheirateten Lehrer und solche mit eigenem Hausstand erhiel-
ten 300 M als Mietentschädigung. unverheiratete Lehrer ohne eige-
nen Hausstand 150 M pro Jahr. Wurde eine freie Dienstwohnung ge-
währt , entfiel die Mietentschädigung.
Das Grundgehalt der Rektoren und Hauptl ehrer setzte man auf 1600
M pro Jahr fest.
Lehrerinnen:
I . einstweilig angestellt
- Grundgehalt von 800 M auf 880 M pro Jahr
2. definitiv angestellt
- Grundgehalt von 1000 M auf 1100 M pro Jahr
Nach einer siebenjährigen Dienstzeit kam zum Gru ndgehalt , in ei-
nem dreijäh rigen Thrnus eine Altersz ulage hinzu, die für Lehrer
200 M pro Jahr und für Lehrerinnen 120 M betrug.
In der verabschiedeten Besoldungsordnung vermerkt der Schulvor-
stand in einem Zusatz, daß mit der Eheschließung einer Lehrerin
gleichzeitig die Aufhebung ihrer Anstellung und aller damit verbun-
denen Rechte einhergeht.
Da das j ährl iche Gru ndgehalt der Lehrerinnen im Raum Dortmund
zwischen 1000 M (in Brambauerund Brechten) und 1300 M (in Hör-
de) lag, nahm der Vorstand des Lehrerinnen-Vereins Dortmund-
Hörde 1906 dies zum Anlaß, die Ungerechtigkeiten in der Entl oh-
nung darzulegen. Er bat in erster Linie um eine einheitliche Besol-
dung der Lehrerinnen, zeigte aber darüber hinaus auch kein Einver-
ständnis mit der höheren Entlo hnung der Lehrer für gleiche Arbeit.
In eine r Begründung steht unter anderem:
"Diejunge Lehrerin kann tatsächlich nicht billiger leben als der j unge
Lehrer, der ja noch keine Familie zu ernähren hat. Sie muß für Kost
und Logie ebensoviel bezahlen wie der unverheiratete Lehrer, und da
das Gehalt nicht ausreicht, wird sie zu Entbehrungen aller Art oder
zur Erteilung übermäßig vieler Privatstunden gezwungen . Dadurch
wird bei mancher Lehrerinder Grund zu dauernder Kränklichkeit ge-
legt, und längere Beurlaubung und frühzeitige Pensionierung sind die
notwendigen Folgen davon."
18
Entlassungszeugnis der katholi schen Osterfeldschule von 1899
Beeinträchtigungen erl itt das Schulwesen durch den Ausbruch des
Ersten Weltkrieges im August 1914. Während die katholische Oster -
feldschule bis zu diesem Zeitpunkt ihrem Bestreben, den Lehrplan
mit den bestmöglichen, vorhandenen Mitteln zu erreichen, nachge-
hen konnte, setzte nun dur ch die Einberufung einiger Lehrer in den
Kriegsdienst sowie die schlec hte Versorgungsl age der Bevölkerung
ein Rückschlag ein.
Am 11. September 1914 teilte Rektor Elberding dem Bürgermeister
Becker schriftlich mit , daß von den Lehrern der katholischen Oster-
feldschule Lehrer Lüffe zu den Fahnen einberufen wurde und Lehrer
Pieper bis spätestens zum 1. Oktober 1914 den Dienst bei der Garde-
Infanterie aufnehmen müsse.
Eine ordentliche und kostenlose Vertretung von Lehrer Pieper löste
er durch die Zusammenlegung zweier Unterklassen zu einer Klasse.
Wegen überhöhter Schülerzahl konntenjedoch keine anderenKlassen
zusammengezogen werden. Die Vertretung von Lehrer Lüffe stand
aber noch offen. Zur Lösung des Problems wurden zwei Lehrer der
Hilfsschule an die katholische Osterfeldschule versetzt. Die Hilfs-
schüler wies man zur Kriegszeit nach ihren Kenntnissen und Fertig-
keiten entsprechenden Klassen der Volksschulen zu.
Das Ministerium für Unterrichtsa ngelegenheiten in Berlin gab 1914
bekannt , daß bedeutende Siege der deutschen Soldaten auf Anord-
nung des Bürgermeisters den Schülern im Geschichtsunterricht oder
im Rahmen einer Schulfeier mitgeteilt werden mußten. Der Bürger-
meister gewährte den Schulkindern am 24. Februar 1916 sogar "an-
läßlich des großen Erfolges unserer Truppen an der Maas" einen
schulfreien Tag.
Rektor Elberding beant ragte nach Durchsicht von Prospektmateria-
lien die Anschaffung von Kriegswandkarten (50 Pfennige/Stück) für
je ein Schulzimmer. Auf diese Weise konnte den Schülern der genaue
Frontverlauf angegeben werden.
Wie sehr man in allen Schulen darauf achtete, trotz der Kriegssitua -
tion möglichst den Lehrplan zu erfüllen, zeigt eine Unterredung der
Schulleiter mit dem Bürgermeisteram 19. März 1915, inderein Fest-
programm anläßlich des 100. Geburtstags Otto v. Bismarcks erstellt
werden sollte. Dem Vorschlag des Bürgermeisters, andiesem Tagei-
nen Umzug der Schulkinder (einschließlich Musikzug und Anspra-
che eines Rektors vor dem Rathaus) zu organisieren, widersprachen
die Schulleiter. Sie erklärten sich nur zu einer kleinen schulintemen
Feier unter Ausfall einer Unterrichtsstunde bereit. Es sollte auch im
Ermessen des Schulleiters stehen, für jede Klasse eine Gedenkfeier
in einer Geschichtsstunde zu begehen.
AufVeranlassungder KöniglichenRegierungerhieltenSchulleiter im
Somme rhalbjahr 1915 die Ermächtigung, älteren Schülern auf An-
trag eine Unterrichtsbeur laubung zu gestatten. Durch das kriegsbe-
dingte Fehlen von Arbeitskräften halfen diese Schüler dann im Be-
darfsfall inder Landwirtschaft, bei der Gartenbestellung etc. mit, um
eine rechtzeitige und ordnungsgemäße Durchführung der landwirt-
schaftlichenArbei tenzu gewährleisten . Mit dieser Veranlassung gin-
gen im schulischen Bereich folgende Änderungen einher.
In den Sommermonaten fiel der Nachmittagsunterricht für die Schü-
ler der Oberklassen aus. Der Stundenplan sah nun eine geringere
Stundenzahl intechnischen Fächernund den Realien vor,jedochdurf-
ten die ethischen Fächer und Rechnen nicht in Mitleidenschaft gezo-
gen werden.
Der ausschließlich vormittags gehaltene Unterricht erwies sich trotz
reduzierter Stundenzahl ineiner Hinsicht als vorteilhaft . Die Schüler
mit längeremSchulweg verbrachten die Mittagszeit nicht mehr in der
Schule, sie spartenihr Mittagsbrotfolglichein; denngerade 'jedeVer-
geudung von Brot sollte peinl iehst vermieden werden'.
Die von den Schülern in der Landwirtschaft gelei stete Hilfe sollte
auch in den Hauptferien nicht abbrec hen, sondern nach allen Kräften
weiter gefördert werden. Der Minister für Unterrichts-Angele-
genheiten befürwortete diese "Veranstaltungen, die darauf abzielen,
der Jugenddie Ferien zueiner Zeit wirksamer Erfrischungen für Leib
und Seele zu machen . Die Förderung der in dem Erlaß empfohlenen
Maßnahmenerscheint gegenwärtigda besonders dringlich , wodie Ju-
gend, ohne durch Erntehilfe oder andere nützliche Tätigkeiten in An-
spruch genommen zu sein, während der Feriender Leitung entbehren
muß und Gefahr läuft zu verwildern.Geeignete Für sorge für solche
Ki nder imSinne des genannten Erlasses wird nicht nur durch die Dan-
kespflicht gegen die im Felde stehenden Familienväter, sondern auch
durch das allgemeine Interesse gefördert."
Die Notstandssituation der Kriegszeit verspürtendie Kinder nicht nur
an den täglichen Steckrübenmahlzeiten . Im Winter 1916/17 mußten
die Weihnachtsferien wegen Kohlenmangels bis zum 15. Januar ver-
längert werden .
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Lesebuch aus
dem Jahre 1903
19
Die Bemühungen des Kollegiums der katholischen Osterfeldschule
um ein gutes Einvernehmen mit den Eltern beweist die Einladung zu
einem Elternabend, der am 17. März 1918 an der Kaiserstraße im
Saal des Wirts Schwenke durchgeführt wurde. Die Anwesenheit von
(nur) 10 Männern, 24 Frauen und 80 Kindern ermunterte nicht zur
Wiederholung.
Am 15. Mai 1918 traten 53 erholungsbedürftige Kinder (nicht alle ka-
men aus Lünen) unter der Leitung von Rektor Elberding und des Leh-
rers Hilleke für die Sommermonate einen Landaufenthalt an. Die
Kinder wurden auf die im Osten liegenden Kreise Ostrowo (17 Kin-
der) und Gostyn (36 Kinder), südlich von Posen, verteilt. Lehrer Hil-
leke, der diedemKreis Gostyn zugeteilten Kinder unterrichten sollte,
kehrte jedoch schon am 19. Juni 1918 nach Lünen zurück, da man in
Gostyn keine Beschäftigung mehr für ihn hatte.
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Gegen Kriegsende fand in der katholischen Osterfeldschule neben
den durch Kriegswirren verursachten Schwierigkeiten das Problem
der Raumnot immer noch kein Ende. So mußte nach Ostern 1918we-
gen Überfüllung der Klassen IV und V die Mischklasse IVIV einge-
richtet werden.
 
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20
2. Zur Zeit der Weimarer Republik 1918- 1933
Auchdie Schule wurde nochjahrelang von den Folgen des Krieges ge-
prägt. Die Rationi erung der Nahrungsmittel führte zu einer Unterer-
nährung der Bevölkerung. Besonders betroffen waren die Kinder, bei
denen sich die Folgen der Mangelernährung auch in schlechten schu-
lischen Leistungen zeigten .
Das Lehrerkollegium der katholischen Osterfeldschul e brachte in
diesem Zusammenhang zu Protokoll :
"Ei n Grund der schlechten Leistungen scheint im Gedächtnis der
Kinder zu liegen , das durch mangelhafte Ernährung geschwächt sein
muß. Einweiterer Grund ist die schlechte Sammlungder Schüler nach
Anfang der Stunde oder nach der Pause. Dahe r muß alles fortge-
schafft und verboten werden , was die Aufmer ksamkeit hindert , wie
Ballspiel , Seilspringen , Knickern usw. ."
"Die zur Entlassung kommenden Kinder bedürfen einer besonderen
Förderung, da sie infolge der mangelhaften Ernährung, durch häufi-
gen Unterrichtsausfall und durch Krankheiten zurückgeblieben sind.
Besonders sollen diejenigen Kinder im Deutschen, im Rechnen und
in der Bürgerkunde herangezogen werden ."
Eine Vorschrift aus der Kriegszeit , nach der zum Zwecke der Pa-
pierersparnis in den Heften der Kinder der Rand wegzulassen war,
wur de im Juli 1919 aufgehoben.
Im Zuge der Novemberrevolution von 1918 drangen demokratische
Formen der Mitbestimmung in die Schulen ein. 1919 akzepti erte die
Regierung die Kreis- und Bezirkslehrerräte als beratende Organe und
als Interessenvertretung der Lehrerschaft . Ende 1919wurden für alle
Schulen Elternbeiräte zugelassen.
In der Schulchronik wird erstmals unter dem20. Mai 1919berichtet :
"Der Schul vorstand steht der Errichtung von Bezirkslehrerräten ,
Krei s- und Ortslehrerausschüssensympathisch gegenüber und ist be-
reit , mit ihnen zu verhandeln."
Daß auch an der katholischen Osterfeldschule ei n Elternbeirat be-
stand, wird erstmals im Dezember 1920 aktenkundig.
Während des Krieges war es zulässig, daß Schulk inder auch schon zu
Beginn des letzten (8.) Schuljahres vorzeitig entl assen werden konn-
ten, wenn dringende Not dies erforderte . Ab Juli 1919 galt wieder die
alte Verfügung, wonach nur 131/2 Jahre alte Kinder vom 1.Oktober
ab beurlaubt werden konnten. Voraussetzung für die Genehmigung
der vorzeit igen Schulentlassungen war, daß die wirtschaftlichen und
häuslichen Verhältnisse der Antragstell er überprüft wurden und der
Schulleiter sowie der Klassenlehrer diesen Anträgen zustimmten.
Lehrer Ho/ nagel mit Klasse ca. 1923
Berei ts 1919diskutiertendieLehrerüberdie Vor-und Nachteileeines
Unterri chtssystems , nach dem der tägliche Schulunterricht zusam-
menhängend entweder amVormittag oder am Nachmittag erte ilt wer-
den sollte. Die bisherige Praxis sah - vor allem für die oberen Jahr-
gangsstufen - eine durch die Mittagspause, die von den Kindern zu
Hause verbracht wurde, geteilte Unterrichtszeit vor.
Die Lehrerkollegien der Schulen, die dem Gesamtschulverband
Lünen-Gahmenangehörten, waren unterschiedlicher Meinung. Eini-
ge befürworteten die ungeteilt e Unterrichtszeit , andere hielten sie
"für die leibliche und geistige Konstitution der unterernährten Schü-
ler bedenkli ch".
Die Schuldeputation brachte am 15. März 1919 zu Protokoll :
"Der Wunsch auf Einführung der ungeteilten Unterrichtszeit ist aus
erzieherischen, unterrichtlichen, hygieni schen und schulteehnischen
Gründen nicht durchführbar."
Die vomElternbeirat der katholi schenOster feldschul e 1921gestarte-
te Rundfra ge ergab, daß 241 für und nur 27 gegen eine Einführung
waren.
Ein ministerieller Erlaß vom 30. Juli 1920 gestattete die ungeteilte
Unterrichtszeit überall da, wo Eltern, Lehrer und Schuldeputation
dies übereinstimmend wünschten. Da diese Übereinstimmung für die
21
katholische Osterfeldschul e nicht erreicht worde n war, wurde bis En-
_de der 20er Jahre in der gewohnten Zeiteinteilung unterrichtet. Wann
genau die ungeteilte Unterrichtszeit eingeführt wurde, konnte nicht
festgestellt werde n.
Das Haus Hubertusstraße I war als Hilfsschule errichtet worden. Am
1.Apri l. I920 wurde die Hilfsschule organisatorisch von der katholi-
schen Osterfeldschule abgetrennt und mit einer HauptlehrersteIle
ausgestattet. Der Rektor der kat holischen Osterfeld schul e, der bis zu
diesem Zeitpunkt auch die Hilfsschul e geleitet hatte, erhielt für sei ne
Ar beit an der Hilfsschul e vomJahr 1909 bis März 1920 ei ne ei nmali-
ge Entschädigung von 1.000,- RM .
Mit Ministererlaß vom 29 . März 1920 ordnete die Regierung regel-
mäßige monatliche Wanderungen der Schul klassen an (4. und 5.
Schuljahr halbtags, 6. bis 8. Schu lj ahr ganztags) .
In den Konferenzberichten der katholischen Osterfeldschule wurde
übe r die Stellungna hme der Elternschaft zu diesen Wanderungen fol-
gendes vermerkt:
" Es kam zum Ausdruck, daß die Elt ern in groß er Zahl von de r Maß-
nahme der Schulwanderungen nicht erbaut ware n. Sie begründeten
ihre ablehnende Haltung mit der mangelhafte n Brotversorgung und
mit der Sorge um die Er haltung des Schuhwerkes der Ki nder. In einer
Sitzung des Elternbeirates wurde angeregt , die Sch ulwanderungen
ganz fallenzulassen oder sie auf das Mindestmaß zu beschränken,
da die Brotversorgungder Kinder für die WanderungenaufKosten der
Brotversorgung der übri gen Familienmitglieder erfolgen müsse."
Das Lehrerkoll egium faßte am 16. Dezember 1920 den Beschluß, im
Winterhalbjahr auf diese Wanderungen zu verzichten. Erst ab 1929
wu rden dann regelmäßige Wanderungen indie nähere Umgebung un-
terno mme n.
Ab Ostern 1922 wurde in den Lernanfängerklassen die neue Sch rift
von Ludwig Sütterlin eingeführt . Die Lehrer hatten sich darauf in
Kursen , die von der Schuldeputati on fi nanziert worden waren, vorbe-
reitet. Das Lehrerkoll egium vert rat die Meinung, daß der Sütterlin-
sehen Schreibweise besondere Bedeutung zu schenken sei, weil sie
ein klares Bild und ei ne saubere Schrift ergäbe, vorausgesetzt , daß das
richtige Schreibmaterial und di e richtige Haltung angewandt wü rde.
Zum Zeitpunkt der Eingemeindung von Gahmen , Horstmar und
Beckinghausen nach Lünen imJahr 1923 wurde der Gesamtschulver-
band Lünen-Gahmen aufgelöst . Die vorhandenen Aktiva und Passiva
gingen auf den Magistrat der Stadt Lünen über.
22
Schulanfang 1932
In den Jahren 1918 bis 1920 fanden in den Sälen verschi edener Lüner
Gastwirtschaften j eweils einmal jährlich Elt ern abende statt , die mit
Lieder- und Gedicht vorträgen sowie szenischen Darbietungen zur
Unterhaltung der Elt ern schaft beitrugen .
Nachdem der Elternabend am 10. Mär z 1920 nur von 12 Männern
und 26 Frauen besucht worden war, pausiert e man mit solchen Veran-
staltungen. Die nächsten Elt ernabe nde am 10. Februar 1926 und 16.
Februar 1928 waren so stark besucht, daß die Räumlichkeiten über-
füllt ware n. Darin sah der se inerzeitige Chronist ei n Zeichen dafür,
daß das Interesse der Eltern für die Schule, welches in den Wirren des
Kri eges und den Sorgen der Nachkriegszeit sehr gesunken war, wie-
der auflebte.
Tanzgruppe 'Rüpeltanz' beim Elternabend der katholischen Osterfelds chule
1926
Wegen geringer Rückstände in den Reparationsleistungen wurde das
ganze Ruhrgebiet imJanuar 1923 vonFra nkreich besetzt. Lünen hatte
durch seine Verkehrslage und als Grenzstadt des besetzten Gebietes
unter der französischen Besatzung besonders zu leiden. Ausweisun-
gen, Festnahmen, Raubüberfälle einzelner Soldaten, ein Notzucht-
verbrechen und viele andere schwere Mißhandlungen und Zerstörun-
gen waren an der Tagesordnung.
Am 16. Januar 1923 trafendie ersten Franzosen inLünen ein . Am22.
Januar kamen dann die Quartiermeister und verlangten für etwa 400
Ma nn Unterkünfte. Zu den ersten Quart ieren gehörten auch die bei-
den Osterfeldschulen, die vorübergehend geräumt werden mußten.
In der Nacht zum 18. März wurde der damals an der katholischen
Osterfeldschule tätige Lehrer Bernhard Makowski dur ch einen Pisto-
lenschuß in den Hinterko pf, der glücklicherweise nicht tödlich wirk-
te, schwer verletzt. Er hatte in demsogenannten Stadtpark ander Be-
beistraße (heute Lange Straße) eine Deutsche und einen Franzosen,
die sich stritten, getrennt. Der Franzose feuerte zwei Schüsse aus sei-
ner Pistole auf den Lehrer ab, der in einer großen Blutlache erwachte
und sich in das Haus Hubertusstr. I schleppen konnte (Dienstwoh-
nung des Rektors Elberding) .
Nach der Annahme des Londoner Abkommens im Reichstag am 30.
August 1924 rücktendie Truppen wieder ab; Lünen war am22. Okto-
ber 1924 wieder frei.
Die 20er Jahre waren durch die Inflationgekennzeichnet. Im Novem-
ber 1923 kosteten 500 g Butter 6 Billionen Mark. Die staatliche No-
tenpresse konnte demBedarf an Geldscheinen nicht nachkommen, so
daß die Städte (auch die Stadt Lünen) Notgeld herstellen und ausgeben
mußten.
Die Aufzeichnungender katholi schenOsterfeldschule, die sogenann-
ten ' Versäumnisauszüge', für die Monate November und Dezember
1923 verdeutlichen die Auswirkungen der Inflati on. So konnten die
Eltern für das unentschuldigte Fehlen ihrer Kinder beim Schulunter-
richt mit eine r Strafe von 1 Milliarde Mark pro Tag belegt werden.
23
Ab 1925 wurden alljährlich im Sommer auch für die Lüner Volks-
schulen Reichsjugendwettkämpfe ausgerichtet. Austragungsort für
die Knaben war das Spielgeländeam 'Schützenhof. Die Veranstaltun-
gen für die Mädchen fanden in den ersten Jahren beim 'Heideblüm-
chen' in Alstedde statt .
Lehrer Ho/nagel mit Schül ern 1926
Von der katholischen Osterfeldschule beteiligten sich die oberen
Klassen daran , die auch beachtliche Siege erringen konnten.
24
ImJahre 1927 waren die Lehrer vomzuständigen Ministeriumaufge-
fordert worden, sich zu Fragen der körperlichen Züchtigung in der
Schule zu äußern . Das Kollegium der katholischen Osterfeldschule
vertrat folgende Meinung:
"1. Das Kollegium ist im Prinzip für die Beibehaltung der körperli-
chen Züchtigung, da auf dem Gebiet der Erziehung immer noch
die Folgen des Krieges zu bemerken sind. Für die Mädchen der
oberen Jahrgänge kann imallgemeinen auf die körperlichen Stra-
fen verzichtet werden.
2. Auch in den unteren Klassen kann kein vollständiger Verzicht ge-
leistet werden.
3. Die körperliche Strafe soll angewandt werden bei offener Wider-
setzlichkeit, Diebstahl, Lügenhaftigkeit, Rohheit und schlechten
Schulleistungen, hervorgerufen durch anhaltende Trägheit.
4. Die Mädchen sollen auf den linken Arm, die Knaben aufdas Ge-
säß gestraft werden ."
Lehrerkollegium ca. 1926
stehend: Bleckmann , ?, Schilling, Beulen, Lehmköster, Hilleke,
sitzend: Hofnagel , Lingemann, Löffl er
In den Monaten Januar und Februar 1929 herrschte eine grimmige
Kälte mit Temperaturen bis -20 Grad Celsius. Dies hatte Massener-
krankungen zur Folge, so daß im Februar auch die katholische Oster-
feldschule aufgrund einer Grippeepidemie für zwei Wochen ge-
schlossen werden mußte. Der Unterricht konnte erst nach einer
gründlichen Desinfektion der Schule wieder aufgenommen werden.
Die Schulraumnot war ein immer wiederkehrendes Thema. Das
Klassensystem der katholi schen Osterfeldschule war 7stufig ange-
legt, wobei für dieJahrgangsstufen 1bis 6jeweils eine und für die Stu-
fen 7 und 8 eine gemeinsame Klasse bestanden. Bere its zu Beginn des
Schuljahres 1919 waren einigeJahrgänge so überfüllt, daß zehn Klas-
sen gebildet werden mußten. Das bedeutete bei den gegebenen acht
Schulräumen, daß zwei Wanderklassen vorhanden waren .
Lehrer Bleckmann mir Schülern, Schuljahr 1925/26
1927 war die Schülerzahl dermaßen angestiegen, daß elf Klassen er-
forderlich wurden . Der Schulraumnot wurde dadurch begegnet , daß
im Dachgeschoß durch den Abbruch von Zwischenwänden zwei
Klassenräume geschaffen wurden, die aber nur vorübergehend als
' Noträume' gelten konnten.
1928 wurde der katholischen Osterfeldschule ein frei geworden es
Klassenzimmer imGebäudeder evangeli schenOsterfeldschulezuge-
wiesen.
Durch den Neubau der Berufsschule wurde imJahr 1931derimöstli-
chen Schulhof stehende und bisher von Berufsschülern benutzte Pa-
villon(Baracke) für die katholi sche Osterfeldschuleverfügbar, so daß
nachso vielenJahren zumerstenmal keine Wander klasse erforderli ch
war.
Da ein entsprechender Raum für die Schulfeiern nicht zur Verfügung
stand, mußten die Feierstunden inden ei nzel nen Klassenräumenoder
auf dem Schulhof abgehalten werden.
ZubestimmtenAnlässen wurden inden Schul en Gedächtnisfeiernab-
gehalten. So wurde 1927 mit Ansprachen und Gedichtvorträgen der
hundertsten Todestage Pestalozzis und Beethovens gedacht.
Im Anschluß an die Reichsjugendwettkämpfe 1928 "fand eine 'Jahn-
Gedächtnisfeier ' aus Anlaß des 150. Geburtstages (11. 8.) des Turn-
vaters Jahn statt . Ein Schüler-Massenchor unter Leitung des Rektors
Löffler trug zwei dem Gedächtni s des Altmeisters Jahn gewidmete
Chöre vor. Lehrer Reimann, der Leiter der Jugendkämpfe, hielt die
Gedächtnisrede. Die erhebende Feier schloß mit dem Gelöbnis der
Treue gegen das Vaterl and , das seinen Ausdruck fand in demgemein-
samen Liede ' Ich habe mich ergeben' ",
Die Verfassungsfeiernder Jahre 1928, 1929,1931 und 1932 wurden
aufdemöstli chen Schulhofmit Festansprachen, Liedern und Gedich-
ten begangen. Dazu war die Freitreppe benutzt worden, auf der die
Bilder der beiden Reichspräsidenten (Ebert und Hindenburg) aufge-
stellt und mit grünen Zweigen und Fahnenschmuck umgeben wurden.
1930 hatte die Feier die Befreiung des Rheinlandes zum Gegenstand.
193 1 und 1932 waren für die Oberklassen sämtlicher Schulen der
Stadtmitte Gedächtni sfeiern für die Kr iegsgefallenen angesetzt, die
im 'Schützenhof bzw. inder Aula des neuen 'Stein-Realgymnasiums'
abgehalten wur den .
Am 26. Februar 1931 wurde die gesamte Lüner Lehrerschaft in einer
amtlichen Konferenz durch Referate und eine Filmvorführung mit
dem Schulrundfunk bekanntgemacht. In der Folgezeit hört e das Kol-
legium der katholischen Osterfeldschule gemeinsam Schulfunksen-
dungen und beschäft igte sich damit, wie dieses Medium als neuze itli-
ches schulisches Hilfsmittel pädagogi sch verwertet werden könne. Es
wurde der Wunsch laut , auch ei nen Radioapparat für die Schule zu
bekommen, der im Unterricht eingesetzt werden sollte.
1931 erkannte die Stadtschuldeputation an, daß es für die beruflich
nicht erfaßten Jugendlichen wünschenswert sei, noch ein Jahr die
Volksschule freiwillig weiter zu besuchen. Daher wurde einfrei willi-
ges 9. Schulj ahr eingerichtet, an dem sich 29 Kinde r beteil igten; drei
Schüler kamen von der katholischen Osterfeldschule.
Nachdem die Berufsschule 1931 den Pavillon auf dem Schulhof der
katholi schen Osterfeldschul e geräumt hatte, konnte die darin instal-
lierte Lehrküche von der katholi schen und von der evangelischen
Osterfeldschul e benutzt werden. Leider mußte dann der praktische
hauswirtschaftliehe Unterricht wegen der angespannten Finanzlage
der Stadt zum I. April 1932 eingestellt werden. Doch wurde dieser
Unter richt wegen seiner hohen Bedeutung gerad e in der damaligen
Notzeit im Juni 1932 wieder aufgenommen . Für j ede am Unterricht
teilnehmende Schül erin konnten 0,35 RM j e Stunde zur Verfügung
gestellt werden.
25
3. Zur Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945
Über die Zeit des Nationalsozialismus zu schreiben ist trotz des
Zeitraumes von über 40 Jahren, der seitdem vergangen ist, ein Pro-
blem. Vieles wurde vergessen, manches verdrängt , und viele Unter-
lagen wurden vor Kriegsende vernichtet. Aus den zeitgenössischen
Quellen ist nicht immer herauszulesen, ob die Begeisterung, die be-
sonders inden ersten Jahren des NS-Regimes deutlich wird, echt oder
lediglich eine mehr oder weniger erzwungene Anpassung an die neu-
en Verhältnisse ist.
Die katholische Osterfeldschule war in die allgemeinen Vorgänge
ebensoeinbezogen wie alle anderen Schulen, denn der Nationalsozia-
lismus arbe itete in ganz Deutschland gleich .
An Quellen standen die Chronik der Leoschule, die Protokolle der
Lehrerkonferenzen, die Klassenbücher von 1935 bis 1943 und Akten
des Stadtarchivs zur Verfügung. Diese werden im folgenden häufig
wörtlich zitiert, da sie mit Einschränkungen eher den Charakter der
Zeit wiedergeben als ausformulierte Abhandlungen.
Die folgenden Ausführungen erheben keineswegs den Anspruch auf
Vollständigkeit.
Ähnlich wie in anderen Bereichen übernahmen die Nationalsoziali-
sten inder Schulpolitikkein leichtes Erbe. Bedingt durch die schlech-
te Wirtschaftslage waren die Städte wegen ihrer finanziellen Notlage
trotz der damaligen Arbeitslosigkeit der Junglehrer zu einem Abbau
von LehrersteIlen im Schulwesen gezwungen.
Als Ansatz zur Verwirklichung der schulpolitischen Ziele boten sich
den National sozialisten die Umschulung und Kontrolle der Lehrer
an, von denen einige aus der Zeit des Kaiserreichs, andere aus der
Weimarer Zeit stammten. "Den neuen deutschen Erzieher zu schaf-
fen, das geschieht mit denselben Mitteln, mit denen die Bewegung das
ganze Volkerobert hat: Schulung und Propaganda." Das 'Gesetz zur
Wiederherstellung des Berufsbeamtenturns' schüchterte viele ein.
Parallel dazu betrieb der NSLB (Nationalsozialistischer Lehrerbund)
die Gleichschaltung der Lehrervereine. Während im Schuljahr
1932/33 noch schulpraktische Themen imMittelpunkt der Konferen-
zen an der katholischen Osterfeldschule standen, änderte sich dies im
folgenden Schuljahr. Schwerpunkte wurden nun Familienkunde und
Erb- und Rassenlehre, die nicht nur Unterrichtsfach, sondern Unter-
richtsprinzipseinsollten, wie das Protokoll imJanuar 1934 vermerkt.
Den Zeugnissenaus dem Jahre 1942war folgendes ZitatAdolfHitlers
vorangestellt: "Der völkische Staat hat seine gesamte Erziehungsar-
26
beit inerster Linie nichtaufdas Einpumpen bloßenWissens einzustel-
len, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper. Erst in
zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten,
hier aber wieder an der Spitze die Entwicklung des Charakters, be-
sonders die Förderung der Willens- und Entschlußkraft, verbunden
mit der Erziehung zur Verantwortungsfreudigkeit, und als Letztes die
wissenschaftliche Schulung ."
Nicht nur als Konsumartikel ,sondern auch als Machtmittel erwiesen
sich die Medien Rundfunk und Film; durch ständige propagandistisch
organisierte Veranstaltungen schaltete man die Schulen gleich. Be-
reits im Protokoll der Lehrerkonferenz vom23. Mai 1933 wurde ver-
merkt : "Eingangs hörte die Konferenz einen Vortrag über die nationa-
le Erziehung von Ministerialrat Dr. Haupt ", vermutlich aus dem Ra-
dio, das mehrfach in den nächsten Jahren als vermittelndes Medium
genannt wurde.
Das Konferenzprotokoll vom26. September 1933 trägt den Hinweis:
"In seiner Rundfunkansprache forderte der Reichspräsident von der
deutschen Jugend: Nur wer gehorchen gelernt hat, kann später befeh-
len! Nur wer Ehrfurcht vor der Vergangenheit unseres Volkes hat,
kann dessen Zukunft meistern! Darin liegt die Forderung zu unbe-
dingterTreue und zur Unterordnung. Dem Führer muß alles Vertrau-
en entgegengebracht werden. Im Aufruf vom 1. Februar des Jahres
fordert die Reichsregierung nationale Disziplin. . . . Zur nationalen
Disziplin gehört Erziehung zur Verschwiegenheit , wie sie Adolf Hit-
ler in seinem programmatischen Buch 'Mein Kampf fordert . . . . Uni-
form verdeckt soziale Unterschiede und trägt zur Überwindung der
Klassen- und Standesunterschiede bei. Ethos bei der Arbeit spielt im
Rahmen der Volksgemeinschaft eine große Rolle." Dieser Stil , durch
ein hohes Pathos geprägt, fallt immer wieder auf. Es fallt weiter auf,
daß den politischen Themen viel breiterer Raum gegeben ist als dem,
was Schule und Unterricht angeht .
In der gleichen Konferenz wurde lapidar festgestellt: "Der deutsche
Gruß soll durch uns und unsere Kinder in das Volk hineingetragen
werden". Hier wird deutlich, daß der Lehrerschaft eine bestimmte
Rolle im Dienste der Verbreitung nationalsozialistischen Ideengutes
zugedacht war. Regelmäßig wurden bei den Lehrerkonferenzen Vor-
träge gehalten, u.a. zu folgenden Themen: 'Vom Zusammenbruch
Deutschlands bis zur nationalen Wiedergeburt' (27. 10. 1933), 'Ras-
senkunde und Vererbung' (28. Il. 1933), ' Die Schule im Dienste des
Auslandsdeutschturns' (26.2. 1934). Zum erstenmal wurde am 27.
Oktober 1933 die Konferenz mit dem 'deutschen Gruß' eröffnet und
geschlossen, was bis zum 20. August 1940 beibehalten wurde.
Immer wieder gibt es Hinweise aufdie Verwendung vonFilmmaterial
zu propagandistischen Zwecken. Hier gab es in der Osterfeldschule
sicherlicheinen besonderenSchwerpunkt, da inihr die StadtbildsteIle
untergebracht war. Durch Erlaß vom26. Juni 1934 sollte der Film als
gleichberechtigtes Lehrmittel in die Schulen eingeführt werden. Am
15. September 1934 erging vom Kreisschulrat ein Schreiben an den
Schulleiter mit der Aufforderung, Bericht zu erstatten, ob die Schule
imBesitz vonschuleigenen, im Unterricht benutzten Filmgerätenund
Filmen, Lichtbildgeräten sowie Rundfunkgeräten sei, wobei die bei-
den ersten Fragen vomAdressanten handschriftlich verneint wurden.
Umdie Schulen mit den notwendigen Geräten und Filmen auszustat-
ten, waren erhebliche Gelder erforderlich, die von den Kindern auf-
gebracht werden mußten. Dieser vierteljährliche Lernmittelbeitrag
inHöhe von20 Reichspfennig war bereits zum 15. Februar 1935abzu-
führen. Davon befreit waren Kinder aus kinderreichen oder notlei-
denden Familien . Übrigens war 1935 vom 15.-20. Juli ein Lehrer
der Schule zur Teilnahme an einem Lehrgang für Bildstellenleiter in
München abgeordnet.
Folgende Filme wurden imSchuljahr 1933/34 von Schülernund Leh-
rern der katholischen Osterfeldschule gemeinsam besucht : 'Bluten-
des Deutschland', 'Siegfried', 'SA-Mann Brand ', ' Das schöne
Deutschland', 'Das neue Italien' und 'Die letzte Kompanie'. Im April
1934 sahen die Schüler den Film 'Hitlerjunge Quex'. Der Umgang mit
dem Schmalfilmprojektor wurde geübt, und "um den Gedanken des
Rundfunks im Volke nachdrückliehst zu verbreiten, bittet der Kreis-
funkwart in Lünen in einem Schreiben vom 17. Juli 34, daß in jeder
Schulklasse Aufsätze über den deutschen Rundfunk als Hausarbeit
den Schülernaufgegebenwerden". Den ersten Preis , ein Rundfunkge-
rät, gewann eine Schülerin der katholischen Osterfeldschule.
Weitere Einwirkung wurde auf die Kinder ausgeübt durch zahlreiche
Veranstaltungen insbesondere imSportbereich sowie durch eine gro-
ße Zahl von Feiern, bei denen besonders viel Wert auf den entspre-
chenden Flaggenschmuck gelegt wurde . Anläßlich der " nationalen
Wende, wie sie sich am 5. März, am Tageder Reichstagswahl , kund-
tat", war an der Schule am 8. März 1933 zum erstenmal neben der
Flagge in den "alten Farben des deutschen Reiches (Schwarz-Weiß-
Rot)" und der preußi schen Flagge das "neue Banner der Volkserhe-
bung, das Banner der nationalsozialistischen Revolution" aufge-
zogen.
Am21. März 1933 "nahm die Schule mittelbar teil an dem Staatsakt
in der Garnisonkirche zu Potsdam, wo am Grabe Friedrich des Gro-
ßen die Abgeordneten des deutschen Volkes gelobten, sich für ein
neues Deutschland einzusetzen". Allein wegen der WortwahI des
Chronisten verdient die Passage, die diesem Ereignis gewidmet ist,
hier wörtlich wiedergegeben zu werden: "Die Schulfeier fand in der
TUrnhalle am Stadthaus statt , die in geeigneter Weise hergerichtet
war. Aus frischem Grün, umrahmt vonden Farben Schwarz-Weiß-Rot
und dem Hakenkreuzbanner, grüßten die Bilder des Reichspräsiden-
ten und des Volkskanzlers Adolf Hitler. Eingeleitet wurde die Feier
durch Gedicht- und Liedvorträge. Mit Staunen vernahmen die Schü-
ler die markige Stimme des Reichspräsidenten; mit Begeisterung
folgtenalle den Ausführungendes Reichskanzlers, der das Wollender
nationalen Regierung darlegte. Mit Ehrfurcht nahmen alle teil an der
Huldigung in der Gruft des großen Preußenkönigs. Und was die Kin-
der nicht hören konnten, das war ihnen durch die einleitende Anspra-
che des Schulleiters vermittelt worden. Nach dem Festakt drang an
unser Ohr eine große Sinfonie der Freude und der Begeisterung: das
wunderbare Spiel der Orgel , das Trommeln und Pfeifen der Truppen,
die Schüsse der Salutbatterie, die Jubelrufe der Volksrnassen. Das al-
les vereinigte sich zu einem gewaltigen Eindruck, der . . . nicht verlö-
schen wird, sondern eine Erinnerung für das ganze Leben bleiben
wird."
Die Veranstaltung hatte offensichtlicheinen starken Eindruckaufden
Schreiber gemacht. Er schien von der Aufbruchstimmung, mit der
das NS-Regime seine Machtübernahme propagandistisch geschickt
ausstattete, erfaßt worden zu sein. "Alle Lehrer und Schüler wurden
Zeuge einer gewaltigen Kundgebung zu Ehren eines großen Sohnes
des deutschen Volkes", berichtete er anläßlich der Übertragung der
Schlageter - Feier am 27. Mai 1933.
Adolf Hitler wurde - nachdem er das Arbeitslager des freiwilligen
Arbeitsdienstes und die Führerschule in Buddenburg besucht hatte-
auf seiner Weiterfahrt durch Lünen "jubelnd begrüßt von einem aus
Schülern der Volksschulen gebildeten Massenchor",
Auch eine jüdische Lünerin hatte Hitlers Besuch in Lünenmiterlebt,
denn sie wohnte am Alten Markt, wo Hitler begrüßt worden war, und
sie schriebdarüber: "Wirsahen Hitler erscheinen, sahen ihn mit eige-
nen Augen, wie er wie ein Gottgesandter von der Bevölkerung emp-
fangen wurde, wir sahen Menschen im Straßenstaub knien mit erho-
benen Händen, wie um ihn anzubeten."
Nicht nur im Jahre 1933 wurde gefeiert. Auch durch die folgenden
Jahre zieht sich nach den Klassenbüchern ein Kanon von Festen, die
sich jährlich wiederholen, wobei angemerkt werden muß, daß die
Eintragungen nach den Revisionen durch den Schulrat vollständiger
wurden . Das 'Festjahr' begann mit dem 'Tag der Machtergreifung'
(30. 1.) , setzte sich fort mit dem Heldengedenktag im März und Hit-
lers Geburtstag (20. 4.), dem 'Tag der Arbeit' am 1. Mai bis hin zu
den Reichsparteitagen in der ersten Septemberhälfte, dem Erntedank
aufdem Bückeberg (Anfang Oktober) und dem 9. November als Erin-
nerung anden Münchner Putsch von 1923. Indiesem Zusammenhang
27
muß erwähnt werden, daß ein Lehrer der Schule 1936 und 1937am
Reichsparteitag in Nürnberg teilgenommen hat.
Erntedankf est 1936
ImJahre 1934wurde durch einAbkommen zwischen dem Jugendfüh-
rerdes Deutschen Reiches unddem Reichsminister für Wissenschaft,
Erz iehung und Volksbildung der ' Staatsj ugendtag' eingeführt. Das
Abkommen räumte der Hitlerjugend vor allem den unterrichtsfreien
Samstag ein, wobei die Schüler und Schülerinnen der Grundschule
davon ausgeschlossen blieben, wie das Konferenzprotokoll vermerkt.
ImJanuar 1937 mußte wegen Fort fall des Staatsj ugendtages der Stun-
denplan wieder geändert werden .
Neben der Ausrichtung der Lehre rschaft auf das Regime durch Feste
und Feiern wurden auch die Lehrpläne und Richtli nien neu herausge-
geben , zuerst in Form von Anordnungen, die als ad-hoc-Verfügungen
in einzelne Fächer eingriffen, von 1937 bis 1940 schließlich durch
neue Richtlinien mit typisch nationalsozialistischer Zielsetzung.
Nach ihnen sollten Jungen- und Mädchenunterricht getrennt sein,
was aber sowohl an der katholischen Osterfeldschule als auch an der
Richthofenschule nur in einzelnen Jahrgängen durchgeführt wurde,
denn die Schulverwaltung mußte Lehre rstellen einsparen. Die 'Ge-
sinnungsfächer' gewannen erheblich mehr Gewicht als die Naturwis-
senschaften. Rassenkunde mußte betr ieben werden, und der Ge-
schichtsunterricht wurde gänzlich umgeformt. Er übernahm die Auf-
gabe der politischen Bildung, die Förderung des Wehrgedankens und
des Rassebewußtseins.
28
Ausflug mit Lehrer Hofnagel 1936
Einen Eingriff in den Religionsun terricht vermerkt das Protokoll der
Konferenz vom 10. Mai 1937, nachdem die 'Katechismuswahrheiten'
in der Schule nicht behandelt werden durften. Sie waren damals von
den Bischöfen in mehreren Diözesen herausgegeben worden. Diese
Schrift stellte eine Auseinandersetzung mit der Weltanschauung des
Nationalsozialismus dar und nannte die zentrale nInhalte des christli-
chen Glaubens und die neuheidnischen Lehren beim Namen .
Parallel daz u verlief die Einführung der Pflichtlektüre wie Phil ipp
Bouhlers 'Kampf um Deutschland' und die Entfernung von Büchern,
die nicht der Ideologieentsprachen. Immer wieder taucht inden Kon-
ferenzprotokollen der Hinweis auf die Reinigung der Bücherei auf,
weil die Anweisungen sich nur gezielt aufbestimmte Bücher bezogen.
Auch inden folgenden Jahren wurden ständig Bücher entfernt undda-
für der Partei genehme Bücher angeschafft .
ImJahre 1933 stellte der Abschluß des Konkordates nicht nur die Si-
cherung der katholischenBekenntnisschulen unddes Religionsunter-
richtes in Aussicht, er befreite Hitler auch von dem Vorwurf, un-
christlich und kirchenfeindlich zu sein . So wurden bald nach der
Macht ergreifung auch die dem Marxismus nahestehenden Schul en
und Sammelklassen aufgehoben und die Eltern dieser Kinder ge-
zwungen, ihre Kinder an Konfessionsschulen anzumelden. Die Ten-
denz auf Abschaffung des Religionsunterrichtes wurde Ende 1935
bereits deutlicher. Damals wurde den Geistlichen die Erteilung unter-
sagt, ein Erl aß, der in Lünen aber nicht beachtet wurde. In dem Erlaß
vom 28. April 1937, betreffend die 'Ges taltung des Religionsunter-
richtes ', wurde deutlich, welches Ziel die Nationalsozialisten verfolg-
ten: "Die Erziehung der deut schen Jugend hat einheitlich im Geiste
des Nationalsoz ialis mus zu erfo lgen. In der Schule ist diesemGrund-
satz in allen Fächern Rechnung zu tragen. Es darf nicht sein , daß
durch Einflüsse, die der nationalsozialistischen Weltanschauung ent-
gegenstehen, irgendein Zwiespalt in die Seelenderjungen Menschen
hineingetragen wird . Da Religi on ordentliches Lehrfach der Schule
ist, ist dieser Notwendigkeit auch im Religionsunterricht Rechnung
zu tragen. Das hat zur Folge, daß Stoffe, di e dem Sittlichkeitsempfin-
den der germanischen Rasse widersprechen, im Unterricht nicht zu
beha ndeln sind. Gewisse Teile des Alten Testamentes können daher
für den Unterricht nicht in Frage kommen, andere werden stark inden
Hintergrund treten müssen."
Im Jahre 1937 entzog dann de r Regierungspräsident den Geistlichen
in Lünen-Altstadt (Di özese Münster) den schulplanmäßigen Reli-
gionsunterricht mit der Begründung, daß genügend Lehrpersonen
vor handen seien, die diesen Unterricht erteil en könnten. Auch der
NSLBpropagiertejetzt die Ansicht, die Erteilung des Religi onsunter-
richtes sei ein Zeichen politischer Unzuverlässigkeit. Von dieser
Zeitströmung wurden auch drei Lehrer de r katholischen Osterfeld-
schule erfaßt und legten 1938 den Religionsunterricht nieder, der
dann von Kollegen übernommen wurde.
Solche Zeichen der Zeit veranlaßten vermutlich den Pfarrer Rosen-
berg, am I. Mai 1938 in einer Predigt die Eltern daraufhinzuwei sen ,
sich bei der religiösen Erziehung ihrer Kinder nicht allein auf die
Schule zu verlassen, sondern selbst den Katechismus zu Rate zu zie-
hen, worüber der Verbindungslehrerzur Hitlerjugend sich sehr er reg-
te. Auch anderen National sozialisten war der Pfarrer schon lange ein
Ärgernis, weil er selbst als Mitglieddes Schul beirates der Stadt Lünen
Fräulein A. Maashänser mit Schülerinnen 1936/37
keinemden ' Deutschen Gruß' erwies. Empörung herrschte auch über
die Art und Weise, in der er den Religionsunterricht bega nn. Zu An-
fang des Unterrichts betete er mit den Kindern und entbot dann den
'Deutschen Gruß' mit den Worten : "Kinder, hebt's Händc hen hoch
und setzt Euch." Diese Grußform wurde ihm zum Verhängnis und als
Verächtlichmachung des Führers und der Reichsregierung ausgelegt.
Als politisch Unzuverlässiger durfte er da rum auf Weisung des Ober-
bürgermeisters ab 13. August 1938 im Gebäude der katholischen
Osterfeldschule keinen kirch lichen Religionsunterricht mehr er-
teilen.
Im folgenden Jahr ver fügte der Oberbürgermeister am 2. Juni , daß
Schulplätze nicht mehr für Prozessionen zur Verfügung gestellt wer-
den dürften. Die Trennung der Schule von allen kirchlichen Kontak-
ten ist auch aus dem Konferenzprotokoll vom 31. Mai 1938 abzule-
se n, indem unter Punkt 12 mitgeteilt wird : "Kinder dür fen kirchliche
Dienstleistunge n während der Schulzeit nicht ausführen", und unter
Punkt 14: " Erzieher sollen sich von Pfarrern nicht beeinflussen las-
sen, an Exerzitien und religiösen Veranstaltungen teilzunehmen."
Schließlich wurd e im Februar 1939 unter 'geheim' vermerkt: "Es ist
Beamten verboten, konfessionelle Büchereien zu führen ".
Die Kreuze, die den christlichen Charakter der Schule zeigten, blie-
ben noch bis 1939 in den Klassenräumen. Es war wegen der Durch-
führung eines entsprechenden Ministererlasses im Münsterland und
in Oldenburg 1936 zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen.
Das Konferenzprotokoll vom 10. Dezember 1937 verweist daher
knapp auf den Ministererlaß. der "das eigenmächtige Entfernen von
Kruzi fixen verbi etet, aber auch Wert darauflegt, daß den Bildern des
Führers in den Schulzimmern bevorzugte Plätze einzuräumen sind,
die imBlickfeld der Kinder liegen ." Meist wurdedanachdem Führer-
bild die wichtigste Stelle in der Klasse, die Frontseite, eingeräumt ,
dem Kreuz die 'würdigste', nämlich über der Tür.
" Mit dem neuen Schulj ahr 1939 wurden in Lünen, wie im ganzen
rheinisch-westfäli schen Kohlengebiet , die Gemeinschaftsschulen
eingerichtet. Es fand ein Austausch von Lehrern und Lehrerinnen und
Schülern zwischen den Systemen stat t. .. . Die Einrichtung der Ge-
meinschaftsschule vollzog sich ohne Schwierigkeiten, reibungslos .
Der Religionsunterricht wurde für Evangelische und Katholische ge-
trennt in wöchentlich zwei Stunden gegeben ." So lautet die Eint ra-
gung in der Schulchronik. InWirklichkeit war die Umwandlung kei-
neswegs reibungs los verlaufen; denn nicht allein katholische und
evangelische Geistliche und der Erzbischofvon Paderborn hatten ge-
gen die Zusammenlegung aus rechtlichenund formalen Gründenpro-
testiert , sondern auch 730 evangelische und 2277 katholische Ein-
wohner des Schulverbandes hatte n namentl ich für die Konfessions-
29
schulen gestimmt. Der Einführung der Gemeinschaftsschulen war
nämlich eine Abstimmung der Eltern vorausgegangen, die nicht be-
rücksichtigt worden war. Die Abstimmungslisten wurden der Kreis-
leitung der NSDAP zur Verfügung gestellt. Auch der Regierungsprä-
sident wünschte ein Verzeichnis der Beamten, die an der Abstimmung
teilgenommen hatten, da er diese 'Volksgenossen' als politisch unzu-
verlässig ansah.
Die neue Schule erhielt durch Verfügung des Regierungspräsidenten
vom21. Juni 1939den Namen Richthofenschule. Es wurde der Name
eines bekannten Kampffliegers aus dem ersten Weltkrieg gewählt.
Unterrichtliche Verbesserungen waren mit der Einführung der Ge-
meinschaftsschule in nationalsozialistischer Ausprägung nicht ver-
bunden, wie vorher zu ihrer Begründung angeführt worden war; denn
nach der Einführung mußten in Lünen nicht weniger, sondern mehr
Klassen mit über 50 Kindern gebildet werden, was gegen die aus-
drückliche Anweisung des Ministeriums verstieß.
Bald kam es zu weiteren Einschränkungen konfessioneller Arbeit,
wie das Konferenzprotokoll vom 16. September 1939 in den Punkten
6 bis 9 verrät: "Kirchliches - Peter und Paul, Mariä Himmelfahrt
sind als Werktage zu behandeln und daher kein Unterrichtsausfall.
Beicht- und Kommunionunterricht für das 3. und 4. Schuljahr wird
außerhalb des lehrplanmäßigen Unterrichts erteilt. Beurlaubungen
bei anderen Jahrgängen dürfen nicht erfolgen. Führung von Schul-
klassen am Aschermittwoch darf nicht erfolgen. Für den kirchlichen
Unterricht dürfen Vormittagsstunden nicht zur Verfügung gestellt
werden". Schließlich am 6. Februar 1941: "Nach Verfügung des
Reichspräsidenten .. . dürfen kirchliche Unterweisungen ... nicht in
die Schulzeit fallen, müssen außerhalb der Schulzeit gehalten wer-
den. Lehrpersonen dürfen im Auftrage der Kirche keinen Unterricht
erteilen."
Alle Schulen waren in die Sammelaktion des NS-Staates eingebun-
den. Im Unterricht wurde den Kindern der Gedanke der Winterhilfe
nahegebracht. Die Lehrer erhielten klare Vorschriften: "Jede Lehr-
person hat bis zum 31. 3. 35 eine Zusammenstellung der von ihr in
derZeit vom 1. 10.34bis31. 3. 35 für das Winterhilfswerkgeleisteten
Spenden dem Schulleiter vorzulegen."
Die Lehrkräfte wurden allgemein in erheblichem Maß zu Pflichten
herangezogen, die mit dem schulischen Aufgabenbereich nichts ge-
mein hatten. 1939 ist vermerkt, daß sie in den Freistunden bei der
Stadt aushelfen mußten, weil fünfzig Beamte der Verwaltung zum
Heeresdienst eingezogen waren.
30
Aber schon im Konferenzprotokoll vom 25. Oktober 37 steht : "Die
innere Lage der Volksschule wurde kurz beleuchtet und die Minder-
leistungen der Volksschüler zurückgeführt
1. auf den Mangel an Lehrkräften,
2. auf den Mangel an praktischen Lehrbüchern,
3. aufden Mangel an Zeit für gediegene Vorbereitung für den Unter-
richt,
4. auf übermäßige anderweitige Belastung der Lehrkräfte, .. ."
Daß diese Mängel weitgehend systembedingt waren, wird nicht er-
wähnt.
Heilkräuter-Sammlungen für NS-Vereine oder Sammeln von Ei-
cheln, Kastanien und Bucheckern hatten eine größere Bedeutung als
das Lernen, es galt immerhin, "die Volksernährung aus eigener Ern-
te" sicherzustellen, und dazu mußten "unendliche Mengen obiger
Früchtezu Futtermittelzweckenunserer Viehhaltung und eigenen Er-
nährung" verarbeitet werden.
Regelmäßig wurden die Schulklassen auch zum Kartoffelkäfersam-
mein abkommandiert. Die Sammlungen wurden jährlich wiederholt,
denn neben den o.g. Eicheln , Bucheckern und Kartoffelkäfern hatten
die Schüler auch Altmaterial zusammenzutragen - Lumpen, Eisen,
Knochen, Papier und Buntmetalle.
Ein Problem, das seitJuni 1933 inden Protokollen immer wieder auf-
taucht, ist die Sorge um den Luftschutz. Schon 1934 wird erwähnt,
daß Schüler als Hausfeuerwehr auszubilden seien: "Kein Kind, ob
Junge oder Mädchen, darf die Schule verlassen, das in diesem Punkt
nicht unterrichtet ist. Die Jugend über 10-18 Jahren ist es, die im
Notfall dem passiven Luftschutz zur Verfügung steht. Knaben sowohl
als auch Mädchen sind in der Lage, bei einiger Unterweisung Brand-
bomben zu löschen, können aktiven Feuerschutz leisten . . . . Derart
unterwiesene Kinder sind in der Lage, selbst ein größeres Schulge-
bäude so lange zu schützen, bis die aktive Feuerwehr heran ist. Ältere
Knaben und Mädchen mit gutem Geruchssinn eignen sich auch als
Gasspürer... Die Kinder unter 10 Jahren sind auf ihre Pflichten bei
Fliegerangriffen hinzuweisen und einzuspielen: Straße frei, Schutz-
keller aufsuchen, Ruhe bewahren, kleine Geschwister beaufsichti-
gen."ImJahre 1940 erfolgte schließlichdie systematischeAusbildung
von zwei Luftschutztrupps in Stärke von je 15 Schülern.
Während der Kriegszeit wurde der Unterricht stark eingeschränkt.
Die Keller wurden als Luftschutzkeller eingerichtet, Unterricht fand
sowohl vormittags als auch nachmittags statt, da nicht mehr als 250
Kinder gleichzeitig anwesend sein durften - entsprechend der Größe
der Luftschutzkeller.
Fräulein Arbeiter mit einem 4. Schuljahr 1941/42
Fliegeralarm, durch Sirenen angezeigt, konnte den Unterrichtsbe-
ginn verschieben. War vor Mitternacht Alarm gewesen, begann der
Unterricht um 8 Uhr, überschritt "der Fliegeralarm die Mitternacht
um eine volle Stunde", so wurde der Unterrichtsbeginn auf 10 Uhr
festgelegt.
Zu den unregelmäßigen Schulstunden kam der Mangel an elementa-
ren Lernmaterialien. Im Februar 1942 mußten die schriftlichen
Übungeneingeschränkt werden, da keine Schreibhefte zu bekommen
waren.
Die letzte Eintragung in der Schulchronik vom 23. Mai 1943 lautet :
"Bei einem Terrorangriff englischer Flieger auf Lünen in der Nacht
vom23.-24. Mai 1943 wurden sämtliche Klassenräume beschädigt.
Auf der Westseite wurden die mittleren Fensterrahmen herausge-
drückt ; in allen Klassen waren 3-5 Fensterscheiben zertrümmert
worden. Die Decken waren z.T. eingestürzt , auch das Dach war be-
schädigt. Am 24.5.43 mußte der Unterricht ausgesetzt werden; die
Räume bedurften einer gründlichen Säuberung. Am 25.5.43 wurde
der Unterricht wieder aufgenommen, soweit die bombengeschädig-
ten Lehrer und Schüler gekommen waren."
Schließlich wurde am 24. Juli 1943 die Schule in den Kreis Netze bei
Schneidemühl in Pommern evakuiert, und zwar 135 Schüler, 154
Schülerinnen, 10 Erzieher, 183 Erwachsene sowie 108 Kleinkinder.
Die Klasse von Rektor Hock (7. Jahrgang) war in Groß-Lubs, Klein-
Lubs und Kienwerder untergebracht, der 8. Jahrgang mit Fräulein
Buddeberg inGlashütteund Fissahn, FräuleinTegethoff(4. Jahrgang)
inGroß-Drensen, Frau Dettenberg (I. und 2. Jahrgang) in Behle, Leh-
rer Weißenseei (3. Jahrgang) in Radolin, Lehrerin Arbeiter (5. Jahr-
gang) in Floth und Lehrer Schwanitz (6. Jahrgang) in Hammer. Von
den genanntenOrten hatte nur Glashütte einen Bahnhof. Um die übri-
gen genannten Orte zuerreichen, mußte jeweil s ein Fußweg von einer
halben Stunde bis zu zwei Stunden zurückgelegt werden.
Recht bald stieß die Evakuierung bei einemTeil der Eltern und Kinder
auf erheblichen Widerstand. In einem Fernschreiben des Regie-
rungspräsidenten in Arnsberg an die Regierungspräsidenten in
Schneidemühl und Köslin vom 11. August 43 wird festgestellt : " . ..
Eine immer größere Zahl von Müttern mit Kindern, die aus meinem
Regierungsbezirk in Ihren Regierungsbezirk verlegt sind, strömt zu-
rück . Sie geben als Begründung für ihre Handlung an, daß die Kinder
angeblich in den Aufnahmegebieten ohne Aufsicht seien. Ich bitte
umgehend zu veranlassen, daß die Kinder mit der erforderlichen Auf-
sicht betreut werden. Ich bitte, allen Evakuierten umgehend mitzutei-
len, daß
I. für die nötige Aufsicht der Kinder Sorge getragen ist und
2. daß diejenigen Evakuierten , die in meinen Regierungsbezirk zu-
rückkehren, weder Lebensmitte lkarten noch Familienunterhalt er-
halten ."
Als weitere Gründe für die vorzeitige und verbotene Rückkehr wur-
den angegeben: Heimweh, schlechtes Quartier sowie Gemüse-, Obst -
und Brennstoffmangel. Rektor Hock beklagte sich in einem Brief an
den Oberbürgermeister der Stadt Lünen, daß durch die "in Scharen
in die Dörfer des Netzekreises strömenden Berliner" viele schöne
Evakuierung nach Pommern
Lehrer Bleckmann mit einer Schulklasse
31
Quartiere verlorengegangen seien. Außerdem wünschten die be-
rufstätigen Männer die Rückkehr ihrer Frauen, da sie sich außerstan-
de sahen, neben ihrem Berufauch noch die anfallenden Arbeiten "mit
Haus und Kleinvieh" zu erledigen. Da die Frauen es ablehnten, ihre
Kinder allein in Pommern zu lassen , kehrten sie mit ihnen zusammen
zurück.
Um die Mütter mit ihren Kindern dennoch zum Bleiben zu veranlas-
sen, wurde in einem Schreiben an den Regierungspräsidenten in
Arnsberg die dringende Bitte vorgetragen, doch für genügend Nah-
rungsmittel und Brennmaterial zu sorgen, "damit die umgesiedelten
Volksgenossendie Überzeugung gewinnen, daß für sie gesorgt wird."
Der Oberbürgermeister bat weiterhin, für vorzeitige Rückkehrer auf
Sanktionenwie Vorenthaltung von Lebensmittelkartenund des Fami-
lienunterhaltes zu verzichten, da diese "Maßnahme zu den übelsten
Auftritten und   einer Beunruhigung der Bevölkerung" geführt
hätten.
In der Tat schienen viele Eltern von den angedrohten Strafen wenig
beeindruckt zu sein, denn bereits am 17. September 1943waren von
den nach Pommern verschickten Schülern der Richthofenschule 58
zurückgekehrt. Da in vielen Schulen westfälischer Industriestädte zu
diesem Zeitpunkt kein Unterricht mehr stattfand, fuhren etliche der
zurückgekehrten Schüler täglich in die Nachbarorte, um dort die
Schule zu besuchen und damit - wie vom Regierungspräsidenten in
Münster ineinemBriefan die Schulräte des Bezirks stirnrunzelndge-
mutmaßt wurde - "durch Scheinunterbringung der Kinder bei Ver-
wandten das bestehende Verbot zu umgehen." Als Gegenmaßnahme
wurden in diesem Briefdie Schulräte verpflichtet, "die Ausschulung
aller seit dem 15. Juni 1943umgeschulten Kinder zu veranlassen, bei
denen nicht einwandfrei feststeht, daß sie innerhalb des jetzigen
Schulbezirks wohnen und übernachten."
Noch härtere Bestrafungenwaren für Elternvorgesehen, die ihre Kin-
der überhaupt nicht zur Schule schickten: Der Regierungspräsident
in Arnsberg machte den Vorschlag, solchen Eltern eine Geldstrafe
von RM 35,- oder sieben Tage Haft aufzuerlegen.
Die offizielle Rückführung nach Lünen war am7. Februar 1945. Alo-
ysia Maashänser, die zusammen mit ihrer Schwester und der Hans-
Schemm-Schule nach Dramburg evakuiert worden war, berichtet uns
darüber:
"Unsere Flucht aus Pommern
Am 26. I. 1945wurden wir morgens um 9 Uhr gebeten, um 10Uhr
im Saale Nappe zu sein zu einer wichtigen Besprechung über die
32
Flucht aus Pommern. Es war eisig kalt, -15 bis -20 Grad, und dazu
ein schlimmes Schneetreiben. In der einen Stunde packte Dina (die
Schwester der Verfasserin) für jeden von uns einen Koffer voll, denn
nur ein Handkoffer durfte mit auf den Treck genommen werden. Wir
zogen uns sofort so an, daß wir jede Stunde abfahren konnten.
. .. Kanonendonner und Sprengungen waren zu hören. Das Telephon
ging nicht mehr, Post kam selten, die Erregung und Not, besonders
für unsere Umquartierten, wurde immer größer. Am 27. abends ge-
gen 9 Uhr kam Frau Koop. Rektor Krösche hatte angerufen, wir bekä-
men Abreisebescheinigungen und sollten diese in Dramburg auf der
Kreisleitung besorgen unddann abreisen.. . . Am28. 1. .. . fuhr meine
Schwester Dina im offenen Schlitten bei 25 Grad Kälte nach Dram-
burg zur Kirche; auch wollte sie die Reisebescheinigung besorgen u.
hören, ob wir die Reise im offenen Güterwagen unternehmen könn-
ten... . Meine Schwester schilderte, was sie gehört u. gesehen hatte.
Es fuhren nur noch Güterzüge, aus andern Flüchtlingszügen hatte
man erfrorene Kinder an der Bahnstrecke in den Schnee gelegt. Alle
Mütter waren der Meinung, daß unter solchen Umständen eine Reise
unmöglich sei. Herr Rektor Krösche und Fräulein Beulen fuhren
abends ab; sie hatten auch die Oberklasse. Meine Schwester hatte ihm
versprochen, sie käme nach. Abends 6 Uhr war die zweite Zusam-
menkunft bei Nappe. Sehr erregt waren alle, als sie vonder Verteilung
der Treckwagen hörten . Es waren schon zu wenig für die Dorfbewoh-
ner, erst recht für die vielen Evakuierten aus Hamburg, Berlin, Stettin
u. Ostpreußen und uns....
Am folgenden Morgen brachte ein Trecker alle anderen Evakuierten,
die es wollten, imSchneegestöbernachDramburg. Sie kamen alle zu-
rück, da keine Züge mehr fuhren. Im Dorfhattejedes Haus Einquar-
tierung, und zwarungarischeSoldaten; sie sollten eine Nacht bleiben,
es wurden 8 Thge. Sie hatten kein warmes Unterzeug, auch fehlte bald
das Brot im Dorf. Mühlen liefen nur stundenweise, weil der Strom
fehlte. Zeitung kam nicht, Rundfunk ging nicht, so wußte man über
die wahre Lage keinen Bescheid. Nachts wurde der Volkssturmaufge-
boten, ein andermal alle zum Schneeschippen geholt. ... Trecks zo-
gen durch aus der Bromberger Gegend; jede Nacht hatten unsere
Hausleute andere Schlaf- u. Kostgäste. . . . Das Elend wurde täglich
größer, . . . . Daher beschlossen Dina und ich, am I. 2. nach Dramburg
zu fahren, um ... eine Möglichkeit zu erspähen, herauszukommen.
Herr Mielke ließ uns mit seinem Gefährt wegbringen . Tauwetter hatte
eingesetzt, die Landstraße war voll Eis- und Schneewasser. Was wir
sahen, war furchtbar. VieleTreckwagen kamen aus Westpreußen, Ge-
fangene aller Nationen, 5000 waren aufden Marschgesetzt vonGroß-
born nach Westen. Deutsche Wachmannschaften, meist Krüppel,
schleppten sich mühsam mit . . .. In Dramburg fanden wir im Pfarr-
haus liebevolle Aufnahme; wir könnten bleiben, bis eine Möglichkeit
der Abreise sich böte. Flüchtlinge hatten dort Quartier genommen,
imHofstanden Treckwagen, die Kirche, mit Stroh ausgelegt, war vol-
ler Menschen. Auch das Kino .. . sowie der Schützenhof waren Mas-
senquartiere. Im Pfarrhaus wuschen sich manche, baten um heißes
Wasser, Brot und sonstiges. Soldaten u. Arbeitsdienst zogen bettelnd
von Haus zu Haus. Das Elend, das man täglich gewahrte, war unbe-
schreiblich... . Geweint und innig gebetet wurde sehr viel. Tote gab
es alle Tage, auch in der Kirche lag einer zwischen den Lebenden. Im
Pfarrhaus wurde ein Zimmer als Lazarettraum bestimmt, denn
Dramburg war schon Hauptverbandsplatz. Panzersperren wurd en
gebaut u. Brückensprengungen vorbereitet. In dieser Not des Nicht-
wcgkönnens und des Näherrückens der Russen vergingen 14Tage. . . .
Am 10. 2. kamen zum erstenmal 5 Omnibusse von Westfalen- Süd;
die Bochumer Oberschule sollte hinter die Oder gebracht werden. 2
Tage vor her hatte man den Jungen noch versichert: "Ihr seid hier si-
cherer als in Abrahams Schoß!"
Von I0 Uhr anstanden Dina und ich abwechselnd vor der Kreisleitung
u. warteten auf die Autos. Endlich gegen 4 Uhr kamen diese . . . und
sollten uns am 12. 2. morgens um 7 Uhr fortbringen. Wir standen I
1/2 Stunden imSchneegestöber, bis die Fahrer den Auftrag hatten, mit
uns die Leute aus Baumgarten abzuholen ... . Das Gepäck wurde ein-
geladen, der Kinderwagen auf den Kühler gebunden, und fort ging's
über Dramburg, Kuhnow, Stargard, Stettin, Anklam bis Klein-
Bünzow, wo wir abends um 1/2 9 Uhr ankamen.
Unser Quartier warein kalte r, mit Stroh belegter, durch eine Tranlam-
pe erleuchteter Saal, indemschon Flüchtlinge lagerten. Die Fürsorge
der NSV beschränkte sich darauf, unsere Personalien festzustellen,
denn am andern Tag sollten wir weit verstreut in der Gegend erneut
umquart iert werden. Wir konnten heißen Kaffee bekommen. Auf der
Erde im Saal .. . übernachteten wir. Die Kleinen lagen in ihrem Bett-
zeug, wir Großen hatteneinen Stuhl . Eine Frau aus Herne, deren Kof-
fer in einem anderen Auto mitgekommen war, tobte die ganze Nacht.
.. . 13.2.: Schneegestöber draußen, Kälte drinnen, eine schlaflose
Nacht , dann gab's heißen Kaffee, auf Milch für unsere Kinder warte-
ten wir sehrlange. Die NSV-Schwester kam. Wirerklärten, wir ließen
uns nicht umquartieren... . Das Telephon klingelt. .. . Ein Flücht-
lingszug mit 1200 Ostpreußenflüchtlingen darf uns aufnehmen. .. .
(Als der) Zug kommt, steigen wir in aller Eile in verschiedene Wagen,
nicht gern gesehen von den Flüchtlingen, die schon4 Wochen aufder
Flucht waren . . . . Wohin uns der Zug führte, wußte niemand zu sagen.
. . . In Rostock gab's abends warme Suppe. In der Nacht stand der Zug
vielfach auf der Strecke, da die Bremsvorrichtung versagte. In Lüne-
burg gab's 1/2 10Uhr morgens heißen Kaffee, unser letzter Wagen je-
doch bekam nichts mit. Die Kleinkinder weinten, mit Trinkbecher
und Kerze erwärmten wir die letzte Milch aus der Flasche. In Lüne-
burg überlegten wir, ob wir den Flüchtlingszug verla ssen und über
Hannover u. Hamm nach Lünen reisen sollten.... Der Beamte riet ,
wir sollt en bis zum Ende im Zuge bleiben. 2 Stationen vor dem Ende
hatten wir Tieffliegerbeschuß, der Heizer wurd e getroffen, di e Ma-
schine stand sofort und mußte abgeschleppt werden....
Gegen 5 Uhr kamen wir in Rotenburg an. Viele Frauen als Helfer er-
warteten die Flüchtlinge , die dort in der Gegend untergebracht wer-
den sollten. Nun hieß es, sich selbständig machen. Dina erklärte dem
Beamten : "Wir sind eine Kindergruppe in diesem Zuge; ich habe de n
Auftrag, diese Mütter in die He imat zu führen. Bitte, helfen Sie mi r!
Unsere Mütter sind so erschöpft, daß sie ihre letzte Hab e, die sie ge-
rettet haben, nicht mehr tragen können. Wir müssen heute abend wei-
terreisen, haben noch nichts Warmes gehabt , besonders fehlt unsern
Kleinkinderndie Milch!" Hilfe wurde versprochen, Frauenundjunge
Mädchen brachten uns in den Wartesaal. Dort gab's Gulasch, Butter-
brote, Kaffee, Gri esbrei und Milch... . Wir entschlossen uns, am an-
dern Morgen vier Uhr einen dort einsetzenden Zug zu benutzen. Der
Beamte wies uns einen Raum zum Unterstellen des Gepäcks an, und
nun wurde der überfüllte Wartesaal unser Nachtlager. Auf Bänken
und umgekehrten Tischen schliefen die Kinder, die Mütter weinten.
Von durchreisenden Soldaten wurden wir gewarnt, ins Industriege-
biet zurückzukehren, da die Bombengefahr dort zu groß sei. .. . Über
Bremen kamen wir bis Diepholz. .. . Voralarm! Zwischen neun und
fünfUhr fuhren dort keine Züge wegender Tieffl iegergefahr Drei-
bis viermal mußten wir wegen der Tiefflieger in den Keller .
Um fünf Uhr fuhren wir ab, es ging über Osnabrück, und der Zug ge-
langte ohne Beschuß und Störung bis Münster. Bei Voralarm stiegen
wir aus . Immer waren die Bahnsteige nur eben erleuchtet. Unsere er-
ste Frage war: "Ist die Lüner Strecke in Ordnung?" "Heute abend
noch", war die Antwort . Unser innigstes Flehen war: »Herr, bewahre
uns vor einem Angriff, daß wir morgen in die Heimat kommen! " . ..
Uns wurde imBunker ein Platz angewi esen .. . . Unsere Kinder schli e-
fen auch dort bei der schlechten Luft imüberfüllten Raum, bei ständi-
gem Kommen und Gehen der Reisenden.
Endlich war es drei Uhr. Wir erreichten wieder, daß wir einige Abteil e
bekamen, und Soldaten halfen den Frauen, das Gepäck heraufzutra-
gen. Wie innig dankten wir im stillen Gott , als wir im Zuge saßen, . ..
Sechs Uhr ! .. . Wieder Voralarm! .. . ' Lünen!' Alle s schnell ausstei-
gen, der Zug setzt sofort um. 0 weh! Wir können nicht so schnell aus-
laden in der Dunkelheit. Die Kinder sch reien, Reisende stürzen auf
den Zug. Ich betreue die Kinder, alle Mütter setzen ihre letzte Kraft
ein. Es glückt! ... Welche Freude bei allen daheim! ... Aus tiefster
Seele danken wir noch täglich Gott , daß er uns so gnädig geführt hat."
33
4. Die Nachkriegszeit 1945-1968
Über die Zeit nach Beendigung des Krieges berichtet die Chronik:
"Unter den Kriegseinwirkungen hat das Schulgebäude gelitten. Fast
sämtliche Fensterscheiben der Vorderseite waren gesprungen, die
Schränke zum Teil zerbrochen. Erst im Nov. 1945konnte das für die
Reparatur erforderliche Glas beschafft werden ."
Mit der Instandsetzung des Schulgebäudes ist jedoch nur eine äußere
Schwierigkeit angesprochen, die neben dem Mangel an Schulbü-
chern und der Hürde der Entnazifizierung zu lösen war.
Um das Fundament für eine gesicherte Demokratie zu legen, war
nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft vor allem der Aufbau
des Schulwesens neu zu regeln.
Einige Schwierigkeiten, die hier auftraten, sollen am Beispiel der
Einführung der Konfessionsschulen in Lünen dargestellt werden.
Am 10. September 1945wurden die Volksschulen ineiner Feierstunde
in der Aula der Berufsschule eröffnet. Dies geschah in Anwesenheit
des Kommandanten der englischen Besatzung und des Oberbürger-
meisters von Lünen, Dr. Greve. Alle Lüner Volksschulen sollten als
'Christliche Gemeinschaftsschulen' eingerichtet werden. Dies je-
doch lehnte zunächst die katholische, später auch die protestantische
Geistlichkeit der Stadt ab. Sie forderte konfessionelle Schulen. Be-
gründet wurde ihre Forderung mit dem Preußischen Schulunterhal-
tungsgesetz vom28. Juli 1906 und dem Artikel 23 des Reichskonkor-
dats von 1933. Danach bestand ein historischer, gesetzlicher und ver-
traglicher Rechtsanspruch, der von den Nat ionalsozialisten ignor iert
worden war, als sie 1938 Gemeinschaftsschulen nationalsozialisti-
scher Prägung eingerichtet hatten.
Die westdeutschen Bischöfe hatten am 11. Juni 1945 bereits aufeiner
Konferenz in Werl Grundsätze und Forderungen aufgestellt , die sich
auf die Einführung der katholischen Bekenntnisschule bezogen. Die
englische Militärregierung war bereit, auf diese Forderungen einzu-
gehen, wenn die Bevölkerung zustimmen würde . In Lünen plante nun
die Schulverwaltung trotz erheblicher Einwände seitens der Geist-
lichkeit und eines Teiles der Bevölkerung die Einführung der 'Christ-
lichen Gemeinschaftsschule'. Um die Ansichten der Betroffenen zu
erfahren, legten die Pfarrer in ihrenGemeinden den Eltern folgenden
Text zur Abstimmung vor:
"Wir katholischen Eltern lehnen mit aller Entschiedenheit die Ge-
meinschaftsschule ab. Wir fordern für unsere Kinder die katholische
Schule mit katholischen Lehrern und Lehrerinnen. Wir weigern uns,
die Kinder in die Gemeinschaftsschule zu schicken ."
34
Schon nach wenigen Tagenlag folgendes Ergebnis vor: Von 1105 Er-
ziehungsberechtigten unterschrieben 1056 den obigen Text. Trotz
dieses ziemlich eindeutigen Votums wurde am 10. September die Ge-
meinschaftsschule eingeführt. Das bewog die Geistlichen derLüner
Gemeinden dazu, den Schulstreik auszurufen. Aus der Herz-Jesu-
Gemeinde unterstützten 87 Prozent der Eltern diesen Aufruf. Nach
einer Woche Streik rieten die Ordinariate in Münster und Paderborn,
bis zu einer allgemeinen Befragung zu warten undden Streik abzubre-
chen.
In der Zeit vom 17. März bis zum 13. April 1946 wurde diese vonder
Militärregierung und dem Regierungspräsidenten angeordnete Be-
fragung in Lünendurchgeführt. Sie ergab folgendes Ergebnis: Im Be-
reich der Osterfeldschulen I und 11 wurde für 571 Kinder die evangeli-
sche Schule und für 649 Kinder die katholische Schule gefordert.
Nachdem sich nun 97 Prozent für die konfessionelle Schule ausge-
sprochen hatten, hoffte alles auf eine baldige Einrichtung. Doch we-
gen verschiedener Umstände, die sowohl mit dem von der Schulver-
waltung angeordneten Wahlverfahren im Zusammenhang standen,
als auch mit der umstrittenen Zuordnung bestimmter Schülergruppen
zur Gemeinschaftsschule, verzögerte sich die für den 2. Juni vorgese-
hene Einführung bis zum 1. September 1946.
Eine kurze Zusammenfassung dieses recht ungewöhnlichen Vorge-
hens zeigt drei besonders interessante Aspekte:
1. Katholische und protestantische Geistliche haben bei der Einfüh-
rung der Konfessionsschule zusammengewirkt. Besonders zu
nennen sind hier die katholischen Pfarrer Hennewig, Apel, Deu-
ster und Vikar Brüser und die protestantischen Pastoren Arning
und Halverscheid.
2. Nach der Kriegs- und NS-zeit war das Interesse an religiöser Er-
ziehung stark und der Einfluß der Geistlichen auf die Gemeinde-
mitglieder erheblich.
3. Die Verwaltung der Stadt Lünen ging bei dieser Diskussion nicht
immer fair mit den Betroffenen um, wie der sehr umfangreiche
Briefwechsel zwischen der Verwaltung und der Geistlichkeit
zeigt. Demokratie mußte in diesem Stadium bei allen Beteiligten
noch gelernt werden .
Vonden Gebäuden, die damals zur Verfügung standen, war nur ein
Teil nutzbar. Von 165 Klassenräumen waren 79 sofort für den Unter-
richt zu nutzen. Nach den Zahlen mußten 2406 Kinder auf evangeli-
sche Schulen, 2585 Kinder auf katholische Schulen und 2078 Kinder
auf die Gemeinschaftsschulen verteilt werden. Am 21. Mai 1946
wurde im Arbeitszimmer des Oberstadtdirektors die Zuordnung der
Schüler und die Verteilung der Lehrer vorgenommen. Für alle Volks-
schulen standen nur 88 Lehrpersonen zur Verfügung. Auf eine Lehr-
kraft entfielen also 80 Schüler.
Am 10. September 1945 übernahm die Leitung der Osterfeldschu-
le 11 Lehrer Hofmann, der schon bald erkrankte und ab 15. Februar
1946 von Lehrer Backhaus vertreten wurde .
Ab I. September 1946 wurde Lehrer Niehaus Leiter der katholischen
Osterfeldschule an der Hubertusstraße, die nach dem großen Reform-
papst Leo XIII. in Leoschule umbenannt wurde.
Für 584 Schüler wurden zunächst folgende Lehrkräfte zugeteilt: Herr
Niehaus als Schulleiter und die Lehrerinnen Aloysia Maashänser,
Bernhardine Maash änser, Tegethoff, Hawlitschka und Schulze-
Wischeler, Doch schon bald ergaben sichdurch Versetzung innerhalb
Lünens andere Zusammensetzungen. Die Lehrerinnen Weischen-
berg, Beulen, Rademacher, Schwarz, Funke, Leier und die Lehrer
Sturm, Bleckmann, Hötte, Offen und Oelmann gehörten mit zu den
Lehrkräften der frühen Stunde.
Fräulein B. Maash änser mit dem 7., 8. und 9. Schuljahr 194 7
Bereits 14Tage nach der Eröffnung der katholischen Leoschule fand
die erste Elternversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg statt , auf
der ein Elternbeirat gegründet wurde . Fast sechshundert Schüler, das
hieß: Raumnot und Unterricht in den Barackenräumenaufder Ostsei -
te der Schule, dort, wo heute der Anbau steht. Auch auf der Westseite
standen Baracken, in denen zeitweise auch eine Lehrküche unterge-
bracht war.
Schichtunterricht war ein zweites Merkmal, wie auch die Auslage-
rung von einzelnen Klassen in die Stadtschule neben der Stadtkirche.
In den Barackengebäuden wurde auch am Nachmittag der Kommu-
nionunterricht von den Geistlichen der Gemeinde gehalten. Eingang
der Leoschule war der heute verschlossene Haupteingang aufder Ost-
seite, derzu FronleichnamStandort für die zweite Station der Prozes-
sion war und von den Schülern jeweil s mit Blumenmustern ge-
schmückt wurde.
Fronleichnamsaltar im Osteingang der Leoschule
35
Benutzt wurden die Baracken auch fiir eine wichtige Einrichtung, die
sich aus der Not der Nachkriegszeitergab, und zwar fiird ieSchulspei-
sung. Da vielfach das Minimuman Lebensmitteln nicht gewährleistet
war, gab es erhebliche Engpässe in der Versorgung. Zu der Verringe-
rung der Angebotsmenge kam die Verschlechterung der Nahrungs-
mittelqualität. In dieser Situation griff zunächst helfend die englische
Militärregierung ein. Unter dem Begriff der Schulspeisung ordnete
siean, dieSchulkinder zusätzli chzu verpflegen , umgesundheitl ichen
Mangelerscheinungen vorzubeugen. Später übernahmen diese Auf-
gabe caritative Verbände des Auslandes.
In den Baracken wurde für alle Schulen des Innenstadtbereichs ge-
kocht. Teilweise mußten diese selbst für den Transport sorgen, oder
aber es gab Fuhrunternehmer, die die Rohstoffe vonder Molkerei, der
Lüner Mühle oder dem Edeka-Lager am Südbahnhof zur Kochstelle
transport ierten. Trinkschokolade, Milchpulver, 'Nährspeise' und
Inder Osterfeldschulewurden4000Portionen gekocht
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Hülsenfrüchte wurden zum Preis von 5-15 Reichspfennig fertig zu-
bereitet an die Schüler ausgegeben. Meist geschah dies durch die
Schüler der Entlaß klassen. Allein die Beschaffung der Koch- und
Transportgefäße für die verschiedenen Kochstellen im gesamten
Schulbezirk der Stadt Lünen brachte große Schwierigkeiten. Als die
Gefäße endlichbesorgt waren, fehlte es an Schöpfkellen. Bereits mor-
gens vor 6 Uhr fingen die Frauen an, die Speisen für die Schüler zu
kochen, was angesichts der hohen Schülerzahl und der unzureichen-
den Kücheneinrichtung nicht einfach war.
Lehrer Niehaus mit Jungenklasse ca. 1948
Im Jahre 1946 wurde die Pädagogische Akademie von Dortmund
nach Lünen verlegt, und die Leoschule wurde Ausbildungsschul e fiir
Studenten der Lehrerb ildung. Dies wirkte sich sicherlich positiv auf
die Qualität des Unterrichts und die Auseinandersetzung mit neuen
pädagogischen Richtungen aus. Bei der Einweihung der Akademi e
sprach in Vertretung des Paderborner Erzbischofs Generalvikar Dr.
Rintelen, dessen Rede besonders bei den Student en großen Anklang
fand, da er auf die Verantwortung der Lehrer bei der Erz iehung zur
Demokratie hinwies.
In den folgenden Jahren war besonders die Auseinandersetzung mit
den neuen Lehrpl änen oft Gegenstand der Lehrerkonferenzen.
Am 11.Oktober 1947 wurde das flinfzigjährigeBestehen der Leoschu-
le feierlich begangen . Es war dies der Tag der Unterrichtsaufnahme
inder Leoschule. DiesesJubil äum wurde mit einer Feierstunde inder
Schul e inAnwesenheit vonVertretern der Stadt , der Geistlichen, Ver-
tretern der Elternschaft, des Leiters der Nachbarschule sowie des
Schulrates Keller und der pensionierten Kollegen begangen. Der
Schull eiter Niehaus gab in seiner Rede einen geschichtl ichen Rück-
blick aufdie Entstehung der Schule und einen Ausblick auf die kom-
menden pädagogischenAufgabender Erziehung zur Demokratie, der
Abwendung vom Völkerhaß und der Erziehung zur Selbstwerdung
der Kinder.
Inall diesenJahren gehörten Elternabende und besonders die Entlaß-
feiern der Schulabgänger immer wieder zu den Höhepunkten des
Schuljahres. Das fünfzigjährige Bestehen der Pfarrei Herz-Jesu Lü-
nen wurde durch die Schüler der Leoschule mitgestaltet und auch an
der Schule feierlich begangen.
Eine Episode aus der Zeit unmittelbar nach dem Krieg erzählte Fräu-
lein Weischenberg. Nach einem Sturm waren viele Schieferplatten
vomDach der Herz-Jesn-Kirchegeweht worden. Die Lehrerinsuchte
mit einigen Schülern die größten davon aus, um sie den kleineren
Schülernals Schiefertafelnzur Verfügungzu stellen. Jetzt konnten die
Kleinen Reehnen und Schreiben auf den Platten des ehemaligen Kir-
ehendaches lernen.
Lehrer Thomas mit Schulklasse 1948
1952 wurde Herr Kroemer Leiter der Leoschule, die zu dieser Zeit
von 700 Schülern in 16 Klassen besucht wurde. Das Rektorzimmer
befand sich im ersten Stock. Drei Klassen wurden in der alten Stadt-
schule unterrichtet, zwei Klassen waren in den Baracken unterge-
bracht. Schichtunterricht war nötig, da nicht genügend Räume vor-
handen waren. Diesem Zustand setzte man 1957 ein Ende, als in der
Geist eine neue katholische Schule eröffnet wurde, die Nikolaus-
Groß-Schule, die die Kinder aus dem Geistviertel und aus Lippholt-
hausenaufnahm. Hierdurch verringerte sich die Schülerzahl der Leo-
schule um 131. Auch dieser Gründung einer katholischen Volksschu-
leging wieder eine jahrelange Auseinandersetzung zwischender Ver-
waltung der Stadt Lünen und den betroffenen Eltern der Herz-Jesu-
Pfarrei voraus.
l.ernanfänger 1954 (Mädchen)
Lernanfanger 1954 (Knaben)
37
Lehrerkollegium 1961
stehend: Schlichtherle, Bleckmann , Oe/mann . Gerlach, Kaminski ,
sitzend: Thomas , B. Maash änser. Kroemer, Bleckmann
Die Raumnot im Gebäude der Leoschule wurde jedoch erst 1960
durch den Erweiterungsbau weitgehend beseitigt. Bei diesem Bau
wurden zwei Klassenräume, ein Mehrzweckraum, eine Pausenhalle,
ein Rektorzimmer und ein inzwischen schon viel zu kleines Lehrer-
zimmer für die Leoschule geschaffen . Die Fassade der Leoschule
blieb unverändert, und der Eingang wurde auf die Westseite verlegt.
38
Lehrerkollegium 1968
Keller. Soete, Neumann , Offen. Mücke. Hoffmann. Stramma, Oelmann
Für die Zeit bis 1968 war noch eine Änderung wichtig. Um einen ein-
heitlichen Termin für die Schuljahreseinteilung in der Bundesrepu-
blik Deutschland zu finden, verlegte man den bisherigen Verset-
zungstermin zu Ostern auf einen neuen vor den Sommerferien. Dazu
waren zwei Kurzschuljahre nötig und zwar ein erstes vom I. April bis
zum 30. November 1966 und ein zweites vom I. Dezember 1966 bis
zum 31. Juli 1967.
5. Die Zeit nach der Schulreform 1968
Eine tiefgreifende Umgestaltung erfuhr die Schule mit dem Gesetz
zur Änderung der Ordnung des Schulwesens im Lande Nordrhein-
Westfalen, durch das die Trennung von Grund- und Hauptschule voll-
zogen wurde. Das Gesetz zur Änderung der Verfussung für das Land
NRW vom 5. März 1968 trat mit Wirkung vom I. März 1968 in Kraft.
Darin wurde verkündet , daß der Arti kel 12 wie folgt geändert ist:
" Die Volkssc hule umfaß t die Grundschule als Unter stufe des Schul-
wesens und die Hauptschule als weiterführende Schule."
Nach §4 Abs. 3des Schulverwaltungsgesetzes, zul etzt geändert durch
das Gesetz vom 5. März 1968, wurde ab I. August 1968 die Haupt-
schule als weiter führende Schul e eingeführt . Nach Abbau der Klas-
sen 5 bis 9 der Leos chule blieben die Klassen I bis 4 selbständige
Grundschule. Der Name der Schule wurde erweitert: ' Leoschule-
Städtische Katholische Grundschule'.
t1 . r, ~   b r
~ ~ ~ a i y ~
Grundschule
Neuer Stempel:
L e o s c h u l e
Städt.-Kath.-Grundschule
Hubertusstr. ·3
4670 L ü n e n
Am I. August 1968 übernahmFrauSchäfers die Leitung der Leoschu-
le, die damals von 193 Kindern in sechs Klassen besucht wurde. Au-
ßer der Schulleiterin unterrichteten noch fünf Kolleginnen und Kolle-
gen an der Leoschule. Ihnen war jedoch von vorgesetzter Stelle zur
Auflage gemacht worden, zusammen 45 Stunden pro Woche an der
Fröbelschule zu unterrichten.
Bis zum 31. Juli 1968 hatte die Leoschule den gesamten Altbau und
das Obergeschoß des Neub aus genutzt; im Schuljahr 1968/69 beleg-
ten die Fr öbel- und die Bebe1schule zusammen vier der vorhandenen
Klassenräume. Von da an verlief die Nutzung der Räumlichkeiten
zeitweise sehr problematisch , da die beiden genannten Schulen und
die Osterfeldschule AnspruchaufRaumangemeldet hatten , dem auch
stattgegeben wurde. Seit 1982 benutzt die Leoschule den ganzen Alt-
bau wieder für sich . Wegen zunehmender Schüler- und Klassenzah-
len erhielt sie im Neubau 1985 einen Raum und 1986 einen weiteren
Raum zurück.
Seit 1968 wurde an allen Grundschulen nach den noch gült igen Richt-
lini enausdemJahre 1955 gearbeitet. Die Errichtungder Hauptschule
als weiterführende Schule im Lande NRW hatte eine Neubesinnung
auch für die Grundschule notwend ig werde n lassen; denn die Grund-
schule war zu einer Schule geworden, die die Gru ndlagen für di e wei-
tere Bildung in den Schulformen des Sekundarbereiches vermi ttelt.
Die Notwendigkeit einer Neubesinnung erwuchs aber auch da raus ,
daß die noch gültigen Richtlinien aus dem Jahre 1955 stammten und
den Stand der Diskussion spiegelten , wie er sich, besonders durch die
Aufnahme des pädagogischen Denkens de r Weimarer Zeit , nach dem
Zweiten Weltkrieg herausgebildet hatte. Schli eßlich entstand ein
Zwang zur Neubesinnung auch im Bereich der Grundschule aus der
Diskussion umneue Methoden für das Lernenund um neue Organisa-
tionsformen für den Unterricht und aus den ersten Ansätzen der
Lehrplan-Forschung, die in verschiede nen Ländern des Ostens und
des Westens ei nen breiten Raum in der wissenschaft lichen Pädagogi k
einzunehmen begann .
Kultusminister Holthoffbeauftragte im Dezember 1968 einen Kreis
von Pädagogen mit der Erarbeitung neuer Lehrpläne und Richtlinien
für die Grundschule in NRW. Ab 1. September 1969 wurden die neu
ers tellten Pläne an etwa 250 Grundschulen erprobt. Das Kollegium
der Leoschule begann im Schuljahr 1970171 nach diesen Richtli nien
zu arbeiten. An die Stelle des bisherigen Heimatkundeunterrichts trat
zunächst der Sachunterricht. Im Schuljahr 1972173 wurde schon, mit
Ausnahme der Mathematik inden Klassen 2, 3 und 4, in allen Fächern
nach dem neuen Pl an unterrichtet . Im Schuljahr 1974175 wurden die
neuen Richtl inien , in denen auch die Mengenl ehre für die Grund-
schule ei ngeführt wurde, schli eßlich verbindlich. Schon bald begann
man, diese Richtlinien erneut zu überarbeiten. Aber erst im He rbst
1983 lag die Entwurfsfassung der Überarbeitung der Richtlinien und
Lehrpläne für NRW von 1973 vor. Es wird jetzt ausdrücklich betont ,
daß die Lehrpläne für die einzelnen Fächer die Ziele und Inhalte so
benennen, "daß sie als Bestandteil einer grundlegenden Bildung mit
allen Kindern erarbeitet werden können". Seit dem Schuljahr 1985
sind die neuen Richtlinien und Lehrpläne für die Klassen 1und 2 ver-
bindlich. Sie können auch teil weise für die Klassen 3 und 4 übernom-
men werden. In diesen Richtlinien ist die Grundschule als Stätte der
39
Erziehung klar definiert. Folgende Leitlinien sind zu erkennen:
1. Unterricht und Erziehung sind eine didaktische Einheit und dür-
fen nicht voneinander getrennt werden.
2. Die Überbetonung des Wissenschaftlichen wird reduziert zugun-
sten einer Rückbesinnung auf das Kind.
3. Die Grundschule ist eine Einheit, eingebettet in den vorschuli-
schen und den fortfiihrenden Bereich (Sekundarstufe I).
4. Schullebenals didaktisches Prinzip: ImSchulprogrammwird die
Einheit von Leben, Lernen, Arbeit und Spiel verwirklicht.
5. Loslösung vom sog. problemorientierten Unterricht und Hin-
wendung zur positiven Welterfahrung.
6. Betonung und Akzentuierung des Leistungsgedankens in der
Schule als Notwendigkeit der Lebensbewältigung.
Mit Erlaß vom 22. März 1977 wurden in der Klasse 1 beginnend
- die neuen Grundschulzeugnisse fiir die Klasse I und 2 eingefiihrt,
in denen nicht mehr die Leistungen benotet werden, sondern das
Arbeits- und Sozialverhalten frei formuliert dargestellt und Hinweise
zu den Lernbereichen gegeben werden.
VomSchuljahr 1982/83 an wurde die bis dahin seit 1965 bestehende
Lernmittelfreiheit dahingehend geändert, daß Lernmittel grundsätz-
lich nur noch ausgeliehen werden. Die Erziehungsberechtigten sind
zudem verpflichtet, ein Drittel der benötigten Lernmittel auf eigene
Kosten zu beschaffen.
Die Schülerzahlender Leoschule schwankten zwischen 193 Schülern
im Jahre 1968 über 126 Schüler 1981 (Tiefststand) bis zu 197 Schü-
lern im Schuljahr 1986/87. Die Lehrer-Schüler-Relation veränderte
sich indiesen Jahren ebenfalls sehr stark: 45 Schüler 1970 pro Lehrer-
stelle, 33 Schüler 1975 und 24,8 Schüler pro LehrersteIle heute.
Im Schuljahr 1970/71 kam zum erstenmal das Thema 'Fünftagewo-
che' ins Gespräch. Bei einer Meinungsumfrage entschied sich jedoch
die Mehrheit der Eltern und Lehrer fiir die Beibehaltungder 'Sechsta-
gewoche'. Bis zum Schuljahr 1974/75 fielen alle weiteren Umfragen
zur 'Fünftagewoche' negativ aus. Zu Beginn des Schuljahres 1975/76
hat dann die Gesamtkonferenz nach gründlicher Beratung festge-
stellt, daß nunmehr die Voraussetzungen fiir die 'Fünftagewoche' als
erfüllt angesehen werden könnten. Dem Antrag auf Genehmigung
wurde vom Regierungspräsidenten in Arnsberg stattgegeben, so daß
an der Leoschule seit dem 1. Februar 1976 samstags schulfrei ist.
Elternarbeit in der Schule, die sich aus unserem heutigen Schul- und
Bildungswesen nicht mehr wegdenken läßt, ist seit dem 1.Januar 1978
im wesentlichen durch das neue Schulmitwirkungsgesetz geregelt.
Das Gesetz unterscheidet zwischen aktiver und passiver Mitarbeit
40
bzw. Mitwirkung der Eltern. Dementsprechend haben alle Elterndie
Möglichkeit, ihr Mitspracherecht über die vomGesetzgeber vorgese-
henen Gremien (z.B. Klassenpflegschaft, Schulpflegschaft, Schul-
konferenz) geltend zu machen. Zu den Aufgaben der Eltern bzw. der
von ihnen gewählten Vertreter gehört es insbesondere, die Beziehung
zwischen Schule und Elternhaus zu vertiefen, Probleme anzuspre-
chen und zu versuchen, sie gemeinsammit den Lehrernzu lösen. Eine
gut funktionierende Elternarbeit hängt von der Bereitschaft zur Zu-
sammenarbeit zwischenSchule und Elternhaus ab. Beide gemeinsam
sollen in ständigem sachlichen Kontakt zum Wohle der Kinder ihre
Aufgabe erfiillen.
Die Mitwirkung der Eltern hatte und hat in der Leoschule einen be-
sonders großen Stellenwert. So wurden die Lehrer besonders bei
Sportfesten, beim Schwimrnunterricht, bei Schulfahrtenund Wande-
rungen vonden Eltern unterstützt. Die erfreulich aktive Mitarbeit der
Eltern ermöglichte vor allem regelmäßige Klassen- und Schulfeste.
Veranstaltungen dieser Art wurden seit 1968an der Leoschule immer
zahlreicher. So findet in jedem Jahr eine Feier zum Schuljahres-
abschluß statt. Seit 1969 wird die Einschulung der Lernanfänger mit
einem Gottesdienst und einer Feier fiir die Kinder verbunden. Ab
1977 finden gemeinsame Adventssingen und Weihnachtsfeiern aller
Klassen statt. Das erste Schulfest wurde am 3. Juni 1978 durchge-
fiihrt. Weitere Feste mit Spendenaktionen fiir soziale und caritative
Zwecke folgten in den Jahren 1979,1980,1981 (vom Reinerlös wur-
den 1000,- DM fiir hungernde Kinder in Somalia gespendet), 1983
und 1984. Das Schulfest 1983 wurde - wiederum in guter Zusam-
menarbeit mit den Eltern - als 'Schulolympiade' durchgefiihrt. Die-
se 'alternative' Olympiade war eine Veranstaltung, diejedemKind die
Möglichkeit bot, in verschiedenen Disziplinen erfolgreich zu sein.
Darüber hinaus trug sie dazu bei, die mitmen schli chen Beziehungen
zwischen allen Beteiligten zu stärken. Am 26. November 1984 fand
die Theaterauffiihrung 'Kinder singen und spielen für Kinder' mit an-
schließender Bewirtung der Gäste statt. Die Schüler erspielten so
1600,- DM, die dem Miss ionar Pater Peter Bönecke inLomas (Peru)
für ein Kinderheim zur Verfügung gestellt wurden.
Theateraufführung 'Kinder singen und spielen für Kinder'
Ihre bisher wohl erfolgreichste 'Mitwirkung' leisteten die Eltern, als
es 1979/80 galt, den Schulhof umzugestalten. Bereit s einige Zeit vor-
her hatte man begonnen, sich Gedanken darüber zu machen, wie der
'langweilige Schul hof in einen Schulhof für Kinder umgestaltet wer-
den könnte. Ziele der geplanten Umgestaltung waren:
1. die Bedürfnisse der Kinder stärker zu berücksichtigen ,
2. den Schülern ein erweitertes Spiel- und Beschäftigungsangebot in
den Pausen zu bieten.
3. die Unfallzahlen zu reduzieren.
Ein Schulhof mit kindgerechter und altersgemäßer Ausstattung kann
mithelfen, den Bewegungsdrang und die durch langes Still sitzen auf-
gestaute Energie in sinnvolle Bahnenzu lenken. Es kamalso vor allem
darauf an, für eine ausreichende Auswahl an Spielmöglichkeiten zu
sorgen. Lehrer und besonders die Eltern begannen bereits im Schul-
jahr 1978/79 zu planen und alle erforderlichen Genehmigungen ein-
zuholen. Nur der sehr starken Initiative einiger Eltern war es zu ver-
danken, daß trotz enormer Schwierigkeiten das Genehmigungsver-
fahren noch im Januar 1979 abgeschlossen werden konnte. Auch
finanziell wurde das Proj ekt von den Eltern unterstützt. So wurde
dur ch einSchulfest mit einem Basar am9. Juni 1979ein Reinerl ös von
6092,- DM erzielt, der der Umgestaltung des Schulhofs dienen soll-
te. In mühevoller Arb eit errichteten Eltern und Freunde der Leoschu-
le dann inder Zeit vonJanuar bis März 1980 die Spielanlage. Im Rah-
men eines weiteren Schul festes wurde die Anlage dann am 31. Mai
1980 offiziell den Kindern übergeben .
Zu erwähnen sei an dieser Stelle noch, daß sich das Interesse der El-
tern nicht nur auf die bisher beschriebenen Aktivitäten beschränkte,
41
Vom Förderverein wurden Mittel zur Verfügung gestellt für:
Werdem Förderverein beitreten oder dessen Ziele durch eine Spende
unterstützen möchte, wende sich an die Schule.
Der Förderverein bittet alle seine Mitglieder und sonstigen Gönner,
sich auch in Zukunft großzügig zu zeigen und dazu beizutragen, die
materiellen Voraussetzungen für gute Erfoge der Erziehungsarbeit
und des Lernens und für eine angenehme Schulzeit der Jungen und
Mädchen an unserer Leoschule zu schaffen.
499,80 DM
362,73 DM
634,20 DM
847,66 DM
365,92 DM
240,54 DM
18,00 DM
72,00 DM
260,00 DM
550,04 DM
3.850,89 DM Summe
Umdruckpapier und Schreibsätze
Magnetische Lehrmittel f.d. Sachunterricht
Verstärker und Mikrophon
Spiel- u. Bastelmaterial, Klebstoff, Scheren
Bücher
Gymnastikbälle für das Pausenspiel
LÜK-Ersatzmaterial
Gebäck für die Lernanfänger z. Einschulung
Zuschuß für Klassenfahrt (Norderney)
Rechtschreiblehrgang
Viele Anschaffungen von Geräten, Arbeitsmitteln und Materialien
und weitere Hilfen für die Erziehungsarbeit der Leoschule, die ange-
sichts der Ebbe öffentlicher Kassen vomSchulträger nicht zur Verfü-
gung standen , wurden mit Geldern des Fördervereins möglich. Eine
ganz besondere Leistung erbrachten Förderverein, Elternschaft und
Kollegium bei der Finanzierung und dem Bau der mustergültigen
Spielanlage auf dem Schulhof. WenigSinn hätte es, alle Anschaffun-
gen und Maßnahmen aufzulisten, bei denen der Förderverein bisher
geholfen hat. Deshalb folgt an dieser Stelle eine Aufstellung der Aus-
gaben nur eines Jahres, des Rechnungsjahres 1984.
Bereits in der Phase des Aufbaus des Fördervereins traten Eltern und
Freunde der Leoschule diesemin großer Anzahl bei , und auch in den
folgenden Jahren wuchs die Mitgliederzahl stetig.
Dezember 1979 = 84 Mitglieder
Dezember 1980 = 116 Mitglieder
Dezember 1983 = 127 Mitglieder
Dezember 1985 = 151 Mitglieder
Dezember 1986 = 158Mitglieder
Dank der Hilfsbereitschaft der Vereinsmitglieder und weiterer Spen-
der konnte der Förderverein seine Zielsetzung weitgehend verwirkli-
chen.
Der gemeinnützige Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Ausbildung
der Mädchen und Jungen an der Leoschule zu fördern und zu unter-
stützen. Ganz allein zu diesemZweck verwendet er seine Einnahmen
aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden, die als gemeinnützig vom zu
versteuernden Einkommen steuermindernd absetzbar sind.
AufVorschlag eines VatersbeschlossenimHerbst 1979die gewählten
Vertreter der Elternder Leoschule die Gründung eines Fördervereins
und setzten gemeinsam eine Vereinssatzung auf. Am 19. Oktober
1979 entsprach das Finanzamt einemAntrag des inzwischen gewähl-
ten Vorstandes und nahm den Verein in das Verzeichnis der steuerbe-
günstigten Körperschaften auf. Drei Tage später erfolgte die Eintra -
gung in das Vereinsregister beim Amtsgericht in Lünen.
Der Förderverein Leoschule e.Y.
sonderndaß darüber hinaus vonder Schule angebotene Fortbildungs-
veranstaltungen regen Zuspruch fanden. Die Themen dieser Veran-
staltungen lauteten:
12.2. 1980: Unser Kind kann sich nicht konzentrieren
21. 1. 1982: Die kleinen Kämpfe im Elternhaus
03.3. 1983: Erziehung zum Gespräch - Erziehung zur
Verantwortung
26.3. 1984: Die möglichen Gefahrdungen von Kindern und
Jugendlichen durch Videofilme
25. 2. 1985: Erziehung zur Konzentrationsfähigkeit
27.2. 1986: Erfolg und Mißerfolg in der Schule
Sehr viele Eltern nutzten dieses Angebot und informierten sich über
Möglichkeiten, diese aktuellen Probleme zu lösen .
42
IV. Schule hat viele Gesichter
Die Schule als Lerninstitution beschränkt sich traditionell nicht auf
die Vermittlung des typischen Schulwissens wie Lesen, Schreiben
und Rechnen, sondernsie geht weit darüber hinaus und hilft den Schü-
lern bei der Bewältigung der täglichen Anforderungen und Probleme
im sozialen Umfeld.
Auch die Leoschule stellt sich dieser anspruchsvollen Aufgabe und
bietet ihren Schülern in vielfältigen Formen Wissensvermittlung und
Erfahrungen im menschlichen Miteinander.
Dies alles geschieht nach dem alten Motto:
" Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir."
1. So lernen wir Lesen und Schreiben
Lesen und Schreiben gehören zu den Grundfertigkeiten des Men-
schen , die ihm die Ausweitung seiner Kommunikationsfähigkeit er-
möglichen. Die Notwendigkeit, die Kinder in der Grundschule mit
diesen Fert igkeiten vertrautzumachen, ist somit unbestritten. Bezüg-
lich der Art und Weise jedoch, wie der Lese- und Schreiblernprozeß
verlaufen kann , gibt es unterschiedliche Ansätze.
An der Leoschule wird der Unterricht möglichst kindorientiert ge-
staltet, um nicht an den aktuellen Bedürfnissender Kinder 'vorbeizu-
unterrichten'.
Da die Schüler mit bestimmten Vorbedingungen und Erwartungen in
unsere Schule kommen, ist es Anliegen der Lehrkräfte, den bisheri-
gen Entwicklungs- und Lernprozeß der Kinder aufzugreifen, um sie
weiterzuführen.
Bisher hat das Kind durch unmittelbare Erfahrungen und einen zu-
meist spielerischen Umgang mit bestimmten Dingen gelernt. Hieran
anknüpfend sammeln die Erstkläßler vor allem spielerisch aktiv
Lernerfahrungen gemeinsam mit anderen Kindern. Es gilt, die Neu-
gier und Motivation des Kindes zum Lesen- und Schreibenlernenauf-
zugreifen und anregungsreiche Bedingungen herzustellen, in denen
es sich möglichst individuell mit dem Lerngegenstand auseinander-
setzen und persönliche Erfahrungen mit ihm machen kann.
Über das 'Koptlernen' hinaus werden neben Auge, Ohr und Hand vor
allem gefühlsmäßige Zugänge zum Lernen genutzt. So ist eine ange-
nehme Atmosphäre Voraussetzung dafür, das Kind auf das Lernen
einzustimmen. Die Einrichtung von Spiel- und Leseecken, das ge-
meinsame Lernen an Gruppentischen, die Möglichkeit , das Lernen
mitzubestimmen, sowie durch Selbstkontrolle erfahrene Lernerfolge
tragen zur Öffnung des Schülers und seiner positiven Grundstim-
mung zum Lernen bei .
Hier sammeln Schüler der Klass e la in Formeines Ballspiels Wörter
mit demBuchstaben/Laut 's'. Die Kinder werfen sich gegenseitig den
Ball zu, und jedes ist motiviert, ein Beispiel zu nennen. Durch die
Spiel form wird die Einbeziehung von Freude und Spaß erreicht.
43
Beim Schreiben greifen wir nicht gleich zu 'Papier und Feder', son-
dern benutzen zunächst unseren Körper. Wir schreiben mit dem Fin-
ger in die Hand und auf den Rücken des Nachbarn - das kitzelt so
schön! Auch mit der Nase auf dem Tisch oder dem Po aufdem Boden
lassen sich Buchstaben darstellen oder auf Schmirgelpapier mit ver-
bundenen Augen erfühlen.
2. So lernen wir, Religion zu leben
Das Fach katholische Religion steht.je nach Jahrgangsstufe. mit zwei
bis drei Wochenstunden aufdem Stundenplan. Doch nicht nur indie-
ser eingegrenzten Zeit wird religiöse Erziehung thematisiert, viel-
mehr durchzieht sie das gesamte Schulleben.
So werden monatlich Schulgottesdienste für die Klassen 3 und 4 ge-
meinsam mit den Schülern der Osterfeld-Schule gestaltet und in der
Herz-Jesu-Kirche gefeiert.
Bei entsprechenden Gelegenheiten werden auch Wortgottesdienste
mit der ganzen Schulgemeinschaft oder mit einzelnen Klassen vorbe-
reitet und durchgeführt . So hielt z.B. im vergangenen Jahr die Klasse
4b nach einer Übernachtung auf dem Strohboden eines Bauernhofes
einen Wortgottesdienst am blühenden Rapsfeld ab zum Thema 'Mein
Gott, wie schön ist deine Welt'.
44
Zur Schulgemeinschaft gehört auch der Vikar der Herz-Jesu-
Gemeinde, der mit insgesamt vier Wochenstunden in den Jahrgangs-
stufen 3 und 4 unterrichtet. Das gemeinsame Erleben der Vorberei-
tung aufdie Erstkommunion und der Tagder Feier verbinden Schüler
und Seelsorger in besonderem Maße.
Die Feste aus dem Kirchenjahr werden in den einzelnen Klassen un-
terschiedlich begangen. Innerhalb der Nikolausfeiern erlebten die
Schüler der I. Jahrgangsstufe das unmittelbare Geben und Teilen und
die gemeinsame Freude darüber.
3. So lernen wir, kreativ zu sein - uns darzustellen
Neben den verpflichtenden Stundenplanfächern bieten Arbeitsge-
meinschaftenjenach Interessenlage den Schülerndie Möglichkeit, in
besonderem Maße kreativ zu sein.
So ergriffenimvergangenen Schuljahr zahlreiche Kinder der Klassen
3und 4die Chancedes Theaterspielens. Sie probierten Möglichkeiten
des gestischen und mimischen Ausdrucks, konzentrierten sich aufih-
re Sprache und zeigten schließlich ihr Können bei Aufführungen für
die Eltern und Mitschüler.
Bereichert wurde das Spiel der Kinder durch die musikalische Beglei-
tung der Musik-AGs der Jahrgangsstufen 2 bis 4.
Der 'Leozirkus' machte den Eltern deutlich, was ihre Kinder der
Klassen 3 und 4 an Kreativität zu bieten haben. Sie stellten sich durch
turnerische, magische und witzige Einlagendar und forderten das Pu-
blikum zum Mitmachen auf.
Als Zirkusorchesterfungierte die Musik-AG, die die spannendenHö-
hepunkte durch Trommelwirbel begleitete.
45
Die Klasse 3a und die Kinder der Koch-AGder Klassen 4a und 4b ver-
wöhnten die Besucher mit selbstgebackenen Brötchen, Kuchen und
Pizza.
Bereits zur Einschulungsfeier erhaltendie neuen 'i-Männchen' einen
Eindruck vomSchulleben, das nicht nur Lesen- und Schreibenlernen
verspricht, sondern auch das Spielen als kindliche Ausdrucksform
nicht vergißt.
Die vierjährige Grundschulzeit klingt aus mit einer Abschlußfeier, in
der das darstellende Spiel breiten Raum einnimmt.
46
4. So lernen wir uns gegenseitig besser und die
Schule anders kennen
Gemeinsames Lernen bringt Schüler und Lehrer im Laufe der Zeit
immer näher. Gefestigt wird ein Gemeinschaftsgefühl besonders
durch Freizeitaktivitäten. Neue wichtige Seiten lernen Schüler und
Lehrer aneinander kennen und schätzen. Auch die Schule und der
Klassenraum verlieren an Fremdheit, wenn man sie einmal ganz an-
ders erlebt, nämlich als Rahmen für eine Klassenfeierundals gemein-
sames 'Schlafzimmer' für Schüler und Lehrer.
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5. So lernen wir gemeinsam die Welt kennen
Lernen findet bekannterweise nicht nur inder Schule statt . Besonders
der Sachunterricht eröffnet uns einen Blick in die Welt, die die Schü-
ler vor Ort kennenlernen können .
Regelmäßige Unterrichtsgänge führen die Schüler weiter hinaus. In
der Backstube einer Bäckerei erleben sie den Weg vom Korn zum
Brot. Inder städtischenKläranlage wird ihnen die Versehrnutzung der
Abwässer verdeutlicht, und die Möglichkeiten der Wiedergewinnung
vonTrinkwasser sind zu beobachten. Oder sei es nur der Spaziergang
durch den Stadtpark, der bereits Erstkläßler die veränderte Natur im
Jahreskreis erfahren läßt.
Einen ganz besonderen Erkundungsgang erlebte die Klasse 3b. Er er-
möglichte es, theoretische Unterrichtserfahrungen in der Praxi s
nachzuvollziehen.
"Während eines Elternabends wurde di e Idee geboren, den Hegering
Lünen dafür zu gewinnen , die Kinder mit dem Ili?sen undden Proble-
men der Jagd vertrautzumachen. Der Obmannfür Öffentlichkeitsar-
beit Christopli Weisehenberg erklärte sich nicht nursofort bereit, eine
Revierführung zu arrangieren, vielmehr arbeitete er ein Programm
aus, das von Kindern und Lehrern begeistert angenommen wurde.
Mittwoch, den 21. Mai 1986, erschien Herr Ili?ischenbergmit einem
Jäger inder Schule, umden Schülern di eAufgabender Jagd, ihre Not-
wendigkeit und die Verantwortlichkeit der Jäger gegenüber der Natur
48
vorzustellen. Viele Schülerfragen mußten von den beiden Herren an
diesem Vormittag beantwortet werden. Die Kinder waren mit Begei-
sterung bei der Sache. Aber damit nicht genug.
Am darauffolgenden Mittwoch wurden die theoretischen Kenntniss e
während einer Revierführung durch ein Cappenberger Jagdrevier
vertieft. Höhepunkte dieses Tages waren: Lesen von Wildspuren, Be-
steigen eines Hochsitzes und Besichtigen eines Fuchsbaus.
Daneben wurde den Schülern die Arbeit mitJagdhunden und die Jagd
mit einem Frettchen vorgeführt.
Den Abschlußbildete ein gemütliches Beisammensein bei Kakao und
Kuchen in der Scheune des Revierbesitzers Schulze Altcappenberg,
Mit den Taschen voller Andenken' des Uilldes und mehr Verständnis
für ein richtiges Verhalten im Forstsowiefürdie Arbeit der Jäger kehr-
ten die Kinder müde und zufrieden zurück."
(Lehrerbericht)
Einen längeren Weggang von zu Hause erleben traditionell die Viert-
kläßler. Für sie wird die langersehnte Norderney-Fahrt zu einem Er-
lebnis besonderer Qualität. Tag und Nacht verbringen sie mit ihren
Mitschülern und Lehrern und knüpfen oftmals ungeahnte Freund-
schaften.
Das Meer mit seinem typischen Klima ist für viele Kinder eine neue
Erfahrung und vermittelt ihnen sowohl Freude an dem Element Was-
ser als auch das Wissen um seine Gefahren.
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6. So lernen wir die 'Gesellschaft' kennen
Der Sachunterricht vermittelt in seinem Teilbereich Gesellschafts-
lehre, daß Information eine Grundlage gesellschaftlichen Zusam-
menlebens ist. Diese Information wird vor allem repräsentiert durch
Presse, Rundfunk und Fernsehen. Aber wie geschieht das nun genau
- wie wird Information verarbeitet und an den 'Mann' gebracht?
Dieser Frage gingen die Schüler der letzten 4a nach, als sie im Sep-
tember 1985 die Redaktion einer Zeitung in Lünen besuchten.
"Unsere Klasse bei der RNRedaktion Lünen
Am Donnerstag war unsere Klasse 4a in der Redaktion der Ruhr-
Nachrichten in Lünen. Der Chefredakteur Backmann war um 10 Uhr
noch nicht da. 25 Minu ten später gingen wir nach oben in di e Redak-
tionsr äume. Der RedakteurKarl-Heinz Knepper erklärte uns, was ein
Terminal sei. Esist ein Computer, in den man Berichte eintippen kann .
l chfragte den Fotografen Schlusemann, wie lange es dauere, bis ein
Foto f ert ig sei. Er sagte mir, daß ein Bild in 20 Minuten f ertig sei.
Manche Kinder hatten Fragen über Sport. Der Sportredakteur beant -
wortete all e Fragen. Ein Schüler wollte wissen , ob er selbst schwim-
men könne. "Ich gehe nicht unter", grinste rfemer Herpell undzeigte
uns Bilder, aufdenen wir uns wiedererkannten. Wir wollten wissen ,
wie Zeitungsberichte wirklich gemacht würden.
Im Unterri cht haben wir aus dem Sprachbuch Berichte besprochen
und geschrieben."
(Schülerbericht)
49
Nicht nur die aktuelle Presse informiert uns. So weitet der Gang in
die Stadtbücherei den Blick des Schülers für Gedrucktes und animiert
ihn, das Leseangebot aktiv zu nutzen.
7. So lernen wir, uns dem Wettkampf zu stellen
Basketball - eine runde Sache
Aus dem Komplex der Sportspiele haben wir - den Interessen der
Kinder entsprechend - Basketball zum Thema des Sportunterrichts
der4. Jahrgangsstufe gemacht. Als 'körperloses' Spiel mit variierba-
ren Regeln bietet es die Möglichkeit vielfältiger Lernprozesse, die so-
ziale Kontakte vertiefen, die Einstellung zum Mitschüler prägen und
die Schüler handlungsfähiger machen.
50
Durch altersgemäße Spiel- und Übungsformen wird über zunehmend
schwierigere Abläufe in jeder Stunde ein komplexeres Zielspiel er-
möglicht, so daß der hohen Leistungsbereitschaft und Freude an der
Bewegung Rechnung getragen werden kann.
Abschluß und Höhepunkt der Unterrichtsreihe ist ein Turnier, zu dem
Mitschüler anderer Klassen, Eltern und Lehrer eingeladen werden.
Zur Erinnerung fertigt jeder Schüler eine Basketballmappean, inder
die einzelnen Stationen des Lernprozesses durch Fotos, Comics und
eigene Aufzeichnungen festgehalten werden.
Die zudem Thema 'Schule hat viele Gesichter' aufgeführten Lernsze-
nen stellen exemplarische Ausschnitte aus unserem Schula11tag dar.
Das soziale Miteinander läßt sich nicht mit einem Programm' lernen',
sondern muß immer wieder aufs neue 'gelebt' werden. Für unsere
Schule bedeutet das ein aktives und engagiertes Zusammenwirken
von Schülern, Eltern und Lehrern .
V. Schulerinnerungen ehemaliger
Schüler
1. Ein Rückblick auf die Schuljahre 1939-1949
Ein verhängnisvolles Ereignis warf seine Schatten voraus. Im Früh-
jahr 1939 wurden sämtliche Konfessionsschul en auch in Westfalen
aufgelöst und in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Anstelle der
Kruzifi xe in den katholischen Schulen und der Lutherbilder in den
evangelischen Klassenzimmern traten Führerporträts. Morgengebet
und Choral entfielen . Stattdessen sagte ein Junge oder ein Mädchen
einen kurzen Spruch auf. Der Religionsunterricht wurde aber ge-
trennt beibehal ten. Seinerzeit wurde Ökumene von uns nicht prakti-
ziert. Sie galt noch als Fremdwort. So kames anfangs zwischen Schü-
lern zu Spannungen . Doch bald rauften wir uns zusammen und
schlossen nach Kinderart Freundschaften, die sich im Laufe der Zeit
vertieften und zum Teil heute noch bestehen . Dies zeigte sich sehr
deutlich auf unserem Klassentreffen nach vierundvierzig Jahren am
17. Oktober 1986 in Lünen .
Unser neuer Schulleiter hieß Herr Anton Hock, der auch unser Klas-
senlehrer wurde. Fortan unterrichteten katholische und evangelische
Pädagogen an der Richthofenschule (ehemalige katholische Oster-
feldschule ).
Wir genosseneinestrenge Erziehung. Respekt, Gehorsam, Zucht und
Ordnung galten als selbstverständlich. Widerspruch oder Diskus-
sion? Undenkbar. Eine nachweislich schlechte Benotung wurde nicht
rückgängig gemacht. Störungen im Unterricht ahndeten die Lehrer
mit Nachsitzen oder Strafarbeit. Sie bestand inder Regel aus der vier-
seitigen Abschrift eines Gedichtes oder Lesestückes. Konnte die
' Plaudertasche' nicht ermittelt werden, so war die gesamte Klasse von
der Maßnahme betroffen. Demütigend und als eigenen körperlichen
Schmerz empfand ich es, wenn die Jungen wegen geringer Vergehen
gezüchtigt wurden . Hatte ein Mitschüler den Dienst bei der HJ ver-
säumt, dann trat der Rohrstock inAktion. Gott sei Dank schafften ein-
sichtige Leute nach 1945die Prügelstrafe ab. Neben Tadel und Strafe
fanden wir auch Lob und Anerkennung und erlebten schöne Stunden
in der Gemeinschaft.
Die ausgedehnten Wanderungen, heute Schulwandertag genannt,
werte ich als positiv. Dabei fanden wir an Ort und Stelle reichlich Stoff
für Geschichte und Naturkunde. Erklärte Ausflugsziele der Lehrer
waren
a) das Römerlager in Oberaden,
b) Schloß Cappenberg (Besichtigung der Stiftskirche und des Stein-
Archivs),
c) Lippholthausen. (Das Schloß Buddenburg diente der RAD-
Führerschule als Domizil).
Die Tulpenschau an der alten Rentei lockte von April bis Mai zahlrei-
che Besucher an. Die angelegten Blumenfelder boten ein prächtiges
Farbenspiel. Die Freilichtbühne war auch ei n Anziehungspunkt für
Schulklassen . Mirblieben ' Hutten, der Rebell' und 'Derzerbrochene
Krug' in guter Erinnerung. In der Gastwirtschaft 'Zum Lüner Brun-
nen' hielten wir Einkehr. Dort bewirtete man uns für zwei Groschen
mit einem Glas Milch .
Die historische Wassermühle, die einst zur Buddenburg gehörte, be-
wohnte ein niederländischer Müller mit seiner Frau .
Bevor der Abmarsch erfolgte, durfte n wir uns auf der Spiel wiese ver-
gnügen. Dann ging es auf Schusters Rappen, ein fröhliches Lied auf
den Lippen , heimwärts. Am nächsten Morgen stand der obligatori-
sche Aufsatz, von vielen gefürchtet, als Klassenarbeit an.
I. September 1939
In der Frühe des 1. September 1939 brach der 11. Weltkrieg aus.
Anfangs blieb der Unterricht an unserer Schule konstant. Doch bald
bekamen wir die Auswirkungenzu spüren. Als Rektor Hockund wei-
tere Kollegen als Offiziere zur Wehrmacht einrückten, herrschte Leh-
rermangel. Wir wurden eine Durchziehklasse . Während Fräulein
51
Tegethoffbei uns Biologie erteilte, durfte ich ihre i-Männchen beauf-
sichtigen und unterweisen. Aufgrund der zunehmenden nächtlichen
Luftangriffe und der vakanten LehrersteIlen wurde der Schichtunter-
richt eingeführt.
Zahlreiche Nächte verbrachten wir in voller Montur im Luftschutz-
keller, Splittergrabenoder Bunker. Das Zeitgeschehen verfolgten wir
durch Funkund Presse und aufder Landkarte. Weil die Coloradokäfer
angeblich durch Flugzeuge in Deutschland von unseren damaligen
Feinden eingeschleust wurden, bezeichneten wir sie als amerikani-
sehe Importware. Sie sollten - so die staatliche Propaganda - unsere
Volksnahrung reduzieren oder gar vernichten. In der Tat richteten sie
in der Landwirtschaft erhebliche Schäden an. Wir halfen den Bauern
durch Absuchen der Larven aufden Kartoffelfeldern. Die Jungen lei-
steten auch Einsätze bei der Heu-, Getreide- und Hackfruchternte.
Gemeinsam sammelten wir Tee und Heilkräuter, wie Holunder, Ha-
gebutten, Lindenblüten, Minze, Kamille, Schlehen, Schafgarbe, We-
gerich. Die getrockneten Blätter, Blüten und Früchte lieferten wir bei
Sammelstellen und Apotheken ab. Im Herbst suchten wir im
Schwansbeller Forst und in den Cappenberger Wäldern Bucheckern.
Wir sammeltenEisen, Buntmetalle, Altpapier, Staniol, Lumpen, also
Altprodukte schlechthin, und brachten sie gegen Entgeld zum Roh-
produktenhändler Krümpelmann.
Fräulein Weirich, die in ihrer Heimatstadt Trier während der Ferien
Verwundete eines Reserve-Lazaretts betreute, vermittelte uns deren
Anschriften.
So entstand ein reger Briefwechsel, den wir auch fortsetzten, als die
jungen Soldaten genesen waren und wieder an der Front standen. Zu
Weihnachten sandten wir ihnen Feldpostpäckchen mit kleinen Lie-
besgaben.
Die Pflege des Schulgartens oblag unseren Jungen. Mädchen der Ab-
schlußklasse verwendeten die Erzeugnisse in der Küche.
Fräulein Nottebohm brachte uns die ersten Kochkünste bei . Für sie
war es sicher keine leichte Aufgabe, denn die Lebensmittel waren
knapp und rationiert.
Ich bemühe mich , die Vergangenheit und Schulzeit realistisch und
nicht verklärt zu sehen, wie es häufig geschieht, und erinnere mich
gern ihrer. Uns wurde eine gute Allgemeinbildung zuteil.
Nach acht Pflichtschuljahren nahmen wir am 21. März 1942 von un-
seren Pädagogen und Mitschülern Abschied. Die Erzieher gaben uns
in einer zeitgemäßen Feierstunde die besten Wün sche mit auf den
Weg. Schule und Elternhaus prägten unser Leben.
MögedieJubilarin noch vielen KinderneineBildungsstätteaufchrist-
licher Ebene sein.
Inge Thiemann
52
2. Erinnerungen an die Schulzeit während des
Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren
Meine Erinnerung an die Schulzeit ist mit Schulbaracken und über-
füllten Schulklassen verbunden. Klassen mit über 50 Kindern waren
damals keine Seltenheit. Me ine Eltern wohnten in der Moltkestraße
.. . , so hätte ich eigentlich in die katholische Osterfeldschule einge-
schult werden müssen. Doch ich kammit fünfNachbarkindern in die
katholische Viktoriaschule, die 1938 die Räume der aufgelösten Alt-
stadtschule benutzte. Die Einschulung erfolgte in eine der Schulba-
racken dort. Schon im nächsten Jahr wurde unsere Gruppe auf ver-
schiedene Schulen verteilt, was ich damals nicht verstand. Ich kam in
das Gebäudeder altenevangelischenOsterfeldschule, woeinige Klas-
sen der Hans- Schemm-Schule untergebracht waren. Von April 1939
bis Ende März 1942 unterrichtete uns die Lehrerin Bernhardine
Maashänser, in unserer damaligen Umgang ssprache ' Kleine Maas-
hänser'. DieSchwester dieser Lehrerin unterrichtete in der damaligen
Richthofenschule und hieß bei den Schülern 'Große Maashänser'.
Die schönste Zeit von alt den Schuljahrenerlebten wir in dieser Schu-
le und auch bei dieser Lehrerin, wenn wir auch wechselweise von ei-
ner Woche zur anderen Schichtunterricht hinnehmen mußten. Am 1.
April 1942 wurden wir zur 'Richthofenschule', heute Leoschule, ver-
legt. Hier machten wir die Bekanntschaft mit einem Barackengebäu-
de, das damals dort stand, wo heute der neue Anbau steht. Daß in die-
sem fast 20jährigen Gebäude jeglicher Komfort fehlte, dürfte sicher
gut vorstellbar sein. Die Schulbänke waren zumTeil Ersatzbänke aus
anderen Schulen, die kunterbunt zusammengestellt waren. Es kam
nicht selten vor, daß man sich an denalten klapprigen Holzklappsitzen
verletzte. Zudemwaren die meisten Bänke für uns schon viel zu klein,
so daß ein vier- bis fünfstündiger Unterricht zur Plage wurde.
Aus der damaligen Zeit ist sicherlich noch das alte Klassenpult be-
kannt, das aufeinemzwei- bis dreistufigen Podest stand und von dem
die Lehrpersonen die ganze Klasse übersehen konnten. In den Ba-
racken gab es das nicht, hier mußten die Lehrer mit einem einfachen
Tisch vorliebnehmen, in dem zumeist nicht einmal eine Schublade
vorhanden war. Auch die andere Ausstattung war nur vom Einfach-
sten. An der Wand hing lediglich das Bild von Adolf Hitler.
Eine Schultafel im üblichen Sinne gab es dort auch nicht. An der vor-
deren Wand war mit Thfelfarbe eine etwa zwei qm große Fläche in Ka-
roeinteilung aufgemalt, aufder dann mehr oder weniger gut geschrie-
ben werden konnte. Da fließendes Wasser in dem Gebäude fehlte,
mußte von den Schülern zwei- bis dreimal am 'Iag das Waschwasser
in der Waschschüssel , die in einem weiß lackierten Eisenständer ein-
gelassen war, erneuert werden. Vom in unserem Klassenraum stand
Schnitt a"lJ
Unterricht unterbrochen werden mußte. Recht schlimmwar es, wenn
der Ofen ausgegangen war. Heute weiß ich eigentlich nicht mehr, wie
man das so ausgehalten hat. Während des drei- bis viermaligen Heiz-
auftrags hatte ich Glück; der Ofen brannte gut durch, und meine Por-
tionen Kohle, die ich aufgelegt hatte, reichten gerade hin. Vom im
Klassenraumwar es meist recht warm, weiter hinten zog es durch die
Tür, die keinen Windfang hatte. Auch die Fenster waren undicht, so
daß man in ihrer Nähe und nahe der Tür ständig in Zugluft saß und
in den Wintermonaten fror.
In den ersten Monatendes neuenSchuljahres 1942 enthielt der Unter-
richt neben den Hauptfächern für die Jungen das Fach Turnen und für
die Mädchen die Fächer Handarbeit und Hauswirtschaft. Unter Füh-
rung des Lehrers marschierten wir Jungen zackig, in militärischer
Ordnung, so wie man das auch beim Jungvolk tat, zur Turnhalle an
der Holtgrevenstraße. Der Tumunterricht machte uns unter Leitung
des damaligen Lehrers Schnier viel Spaß.
Neben den gymnastischen Übungen durften wir auch an den Geräten
turnen. Lange Freude hatten wir allerdings an dem Tumunterricht
nicht, denn schon bald wurde Lehrer Schnier nach Lünen-Süd ver-
setzt. Wir bekamen einen neuen Lehrer. Dieser legte auf den Turnun-
terricht keinen Wert, zumal er von seiner körperlichenStatur das Fach
Turnen nicht unterrichten konnte. Als Turnlehrerin mußte für zwei-
oder dreimal Fräulein Nottebohmeinspringen. Da sie mit uns Jungen
im richtigen Lausbubenalter nicht so recht fertig wurde - wer wollte
mit ihr auch schon 'Hampelmann' spielen oder Tumunterricht mit-
machen nach Lehrmethodenumdie Jahrhundertwende - kamdas Tur-
nen nun ganz zumErliegen. Dafür schickte man uns los zum
rialsammeln'. In Vierergruppen zogen wir mit Handwagen los und
holtenAlteisen, Lumpen, Knochenund Altpapier aus den Haushalten
ab. Diese Aktion wurde jeden Dienstag und Freitag durchgeführt.
Nach der Sammlung mußte das Material sorgfältig in einer Baracke,
die hinter der Schule stand, aufgestapelt werden. Wenn wir Glückhat-
ten, bekamen wir am Ende unserer Sammlung von den Mädchen, die
an dem Tage im Kochen oder Backen unterrichtet wurden, von dem
selbst Hergestellten eine Kostprobe ab.
Der Winter 1942/43 war recht kalt und schneereich. Da die Unter-
bringung in der Baracke nicht mehr tragbar war und die Eltern der
Schüler mit Nachdruck wegen der dauernden Erkältungskrankheiten
der Kinder protestierten, erhielten wir vorübergehend eine Bleibe im
Schulgebäude, mußten allerdings den Nachmittagsunterricht in Kauf
nehmen. Sobald die kalten Tage vorüber waren, ging's wieder in die
Baracke. Auch hier wurde von nun an imWochenwechsel nachmittags
unterrichtet. Während des Nachmittagsunterrichts kam es nicht sel-
ten vor, daß die Kinder gar einschliefen. Durch die Fliegerangriffe in
der Nacht, die mehr und mehr an Heftigkeit und Häufigkeit zunah-
men, war das auch nicht verwunderlich, da man nachts für Stunden
aus dem Schlaf gerissen wurde.
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ein großer Kanonenofen mit einer langen Ofenpfeife. Für uns war das
ein Gerät, mit dem niemand etwas zu tun haben wollte. Es war gar
nicht so einfach, mit ihm umzugehen. Bei Windstille mußte man
schonein Künstler sein, ihn in Betriebzu halten. Morgens zum Schul-
beginn wurde der Ofen vom Hausmeister angeheizt, die darauf fol-
gende Zeit mußten die Schüler den Ofen weiter versorgen. Die Mäd-
chen in unserer Klasse waren davon ausgenommen. Hatte man zu we-
nig Kohlen aufgelegt, war das Feuer schnell heruntergebrannt, und es
mußte während des Unterrichts nachgelegt werden, was vom strengen
Lehrpersonal oft mit einer Prügelstrafe geahndet wurde. Hatte man
zu viel 'gestocht', wurde der Ofen glühend wieder Prügel, weil der
53
Ab Anfang 1943 wurde 'Fliegeralarm' während des Unterrichts ge-
übt. In den Kellerräumen des Schulgebäudes hatten die Kinder alle
keinen Platz. Wohin nun auch noch mit uns aus dem Barackengebäu-
de? Die erste Übung war die 'reinste Katastrophe'. Die Lehrer und
Lehrerinnen konnten über die Schüler überhaupt nicht Herr werden.
Auch die nächsten Übungen waren nicht besser. Nur gut, daß es bei
den Übungen blieb und noch kein Ernstfall daraus wurde. Ab Fe-
bruar/März 1943 wurde den Kindern und Eltern die Evakuierung
nach Pommern vonden Lehrernschmackhaft gemacht, insbesondere
von denen, die der NSDAP am nächsten standen. In unserer Klasse
wurde die Idee, soweit ich mich erinnern kann, ausschließlich mit Be-
geisterung aufgenommen, streuten die Lehrer doch immer noch
Abenteuerlust in dieses Vorhaben.
Ab Anfang 1943 legte man auch viel mehr Gewicht in unserer Schule
aufdie Hitlerjugend, denn hier aufdem Schulplatz wurde mit den Jun-
gen aus dem Stadtgebiet zumeist exerziert. Nichterscheinen an den
Diensttagen wurde oft vonden Lehrern bestraft. Auch aufdas Tragen
von Uniformen wurde besonders Wert gelegt. Unser damaliger Leh-
rer legte sich da besonders ins Zeug. Diejenigen Jungen, die zu der
Zeit noch Ministrantendienst in der Kirche versahen, konnte er abso-
lut nicht ausstehen. Wer noch zur Kirche ging, mußte fast das Gefühl
haben, als ob er zu einem Geheimbund gehörte. Wer dann noch er-
wischt wurde, mußte sich vielfach Demütigungen vor der Klasse und
vor dem Lehrerkollegium gefallen lassen , abgesehen davon, daß da-
für auch noch Strafarbeiten zu verrichten waren. Je weiter das Jahr
1943 voranschritt, um so heftiger wurde der Bombenkrieg. Fast jede
Nacht sah man am Himmel den Feuerschein von brennenden Städten
im Ruhrgebiet.
<;4
FürdieOrganisatorender Evakuierung wurde es höchste Zeit , daß die
Transporte losgingen. Nachdem die Gruppen in den einzelnen Schu-
len zusammengestellt waren, fuhren die ersten Transporte Mitte Juli
1943 vom Bahnhof Lünen-Süd ab. Ich habe es damals zuerst bedau-
ert , daß ich nicht mit den Klassenkameraden mitfahren konnte, die in
den Kreis Schneidemühl (Hinterpommern) evakuiert wurden. Meine
Mutter brachte mich am 17. Juli zu Verwandten nach Westpreußen .
Schon Anfang Oktober 1943 kehrte ich vondort wegender schlechten
Schulverhältnisse (dreimal in der Woche Unterricht in Klasse 1bis 8)
nach Lünen zurück, wo alle Schulen geschlossen waren und ich mei-
ner Schulpflicht nicht nachkommen konnte.
Im Kreis Lüdinghausen aber waren die Schulen geöffnet , und mit ei-
nigen Tricks bei den Behörden konnte ich bis zum Kriegsende in AI-
stedde zur Schule gehen, was bei den Fliegerangriffen und später bei
den Tieffliegerangriffenauf einzelne Personenmit größerenGefahren
verbunden war.
Die Schulen in Lünen blieben während der Zeit bis zum Kriegsende
geschlossen. Ab und zu wurden Unterrichtsstunden für den Zivil-
schutzdienst hier abgehalten. Älteren Bürgern sollte die Bekämpfung
von Brandbomben usw. vermittelt werden. Zeitweise waren die Ge-
bäude auch Notlazarette für verletzte Bürger aus den Nachbarstädten,
die dort vorübergehend untergebracht waren. Später hat man in den
Schulen auch kurz Notunterkünfte eingerichtet für ausgebombte
Bürger.
Kurz nach dem Waffenstillstandsabkommen ordneten die Besat-
zungsmächteder drei westlichen Besatzungszonendie Aufnahme des
Schulbetriebs wieder an. Der Schulraum war zunächst noch einiger-
maßen ausreichend, wenn man die zum Teil des olaten Baracken an
den Schulen mit einbezog. Als immer mehr Flü chtl inge und vor allem
Vertriebene aus dem Osten kamen, mußten größere Räume zum Teil
in anderen Stadtteilen angern ietet werden. Mit dem Lehrpersonal war
es in der ersten Zeit sehr knapp, da viele Lehrer aus der Kriegsgefan-
genschaft noch nicht zurückgekehrt waren und ein Teil wegen ihrer
Parteizugehörigkeit zur NSDAP noch nicht wieder zum Schuldienst
zugelassen war. Als es nach demKriegsende hieß, die Schulen öffnen
sich, war man allseits recht froh , Elt ern so wie auch die meisten Kin-
der. Unser Jahrgang war inzwis chen zum Entl aßjahrgang geworden.
Infolge der Schul verhältnisse im Krieg war uns er e Bildung noch sehr
lückenhaft. Der Unt errichtsbeginn sollte mit einem Festakt eröffnet
wer den. Von den Lehrpersonen sollte eigens dafür ein Chor aus den
Entlaßj ahrgängen erstell t werden. Im alten Rathaus an der Lange
Straße fanden die Proben statt . Für diesen Zweck stellten di e Behör-
den den Saal im ersten Stock des Hauses zur Verfügung. Nach den er-
sten Proben war es bald soweit, daß es keine Jungenstimmen mehr im
Chor gab. Zumeinen befandsich dergrößte Teil im Stimmbruch, zum
anderen war während der Kr iegsjahre eine gewisse Verwilderung
durch die übertriebene Strenge bei den Jugendlichen einget reten, die
nun zum Durchbruch kam.
Die letzten Jungen mußten den Chor verlassen, nachdem wiederum
währenddes Gesangs die alten Dielen des Fußbodens geknarrt hatten.
Nach dem Eröffnungsgott esdienst in den Kirchen zogen die Schüler
zu den zuvor bestimmten Schulen. Uns er Jahrgang ging wieder-
wie in Kriegszeiten - zweischichtig zur Schule, nun aber streng nach
Geschl echtern getrennt. Die Klas senstärke betrug damals auch wie-
der um 50 Schüler. Der er ste Klassenlehrer war Lehrer Backhaus. Er
wurde nach den Weihnachtsferien abgelöst von Lehrer Sturm, der
kurz zuvor al s Flüchtling aus Schlesien nach Lünen gekommen war.
Bevor bei uns mit dem eigentlichen Unterricht begonnen wurde, hat-
tcn die Lehrkräft e zunächst versucht , den Bildungsstand der einzel-
nen Jahrgänge herauszufinden. Für unseren Jahrgang sah das recht
bet rüblich aus, zumal einige Mitschüler zum I. April 1946 aus der
Schule entlassen werden sollten und die Aufnahmeprüfungen für die
Lehrstellen um die Weihnachtszeit absolviert werden mußten. Der
Unterricht war für uns auch nicht das, was er eigentlich sein sollte.
Der derzeitige Entlaßjahrgang war durch Störungen während der
Schulstunden wieder bes onders betroffen, da durch ihn die übrigen
Klassen mit den Schulspeisungen ver sorgt werden mußten, die über
ein internationales Hilfswerk und das Deutsche Rote Kr euz organi-
siert waren.
Etwa eine bis eineinhalb Stunden gingen täglich durch derartige Tä-
tigkeiten verloren. Endlich sollten wir nun am 31 . März 1946 entlas-
sen werden. Für diesen Tag hatten wir eine kleine interne Feier in un-
serer Klasse geplant, die offizielle Entlassungsfeier aus der Schule
sollte erst 1947 stattfinden.
..Brennstoffversorgung" im Winter nach dem Kriege
Da ich eine mir bereits zugesagte Lehrstelle verlor, blieb mir nichts
anderes übrig, als ein weiteres Jahr die Schulbankzu drücken. Für al-
le, die mit mir ein ähnliches Schicksal erfuhren, wurden nun mit dem
Entlaßj ahrgang 1947 zwei Klassen geb ildet. Das Jahr 1946 plätscher-
te weiter dahin; neben demSchulunterricht, der größtenteils Wieder-
holung war, verteilten wir weiter Schulspei sen.
Etwa ab Spätsommer 1946 erfolgte die Aufteilung der Schüler nach
der vorausgegangenen Elternabstimmung nach Konfessionen. Die
Schüler des Entlaßjahrgangs - in unserer Klasse war das damals ge-
nau genommen das 8. und 9. Schuljahr - wurden zusammen in eini-
gen Fächern gesondert unterrichtet, um nun besser gewappnet in die
Berufe zu gehen. Wie schon 1946 herrschte auch 1947 eine akute
Lehrstellenknappheit - wie heute - , und man mußte schon froh sein,
in einem Lehrbetrieb unterzukommen, ganz gleich, ob der Berufpaß -
te oder nicht . Letztendlich waren aber Eltern und Kinder froh, wenn
man mit etwas Glück eine Lehrstelle bekam und lernen konnte. Ein
Teil aus unserer Klasse ging aus lauter Not in den Bergmannsberuf,
weil es oft die Notlage der Familie erforderte. Ich hatte Glück und
konnte am 1. April 1947 beimVAWLippewerkals Lehrling anfangen .
Ein Teil von uns wurde als Hilfskraft eingestellt und konnte ein Jahr
später in das Lehrverhältnis übernommen werden.
Durch den gezielten Unterricht in den Hauptfächern, teilweise durch-
geführt von den Studenten der pädagogischen Akademie Dortmund,
die damals in Lünen untergebracht war, hatt en wir am Endedes Schul-
j ahres das Ziel doch noch erreicht.
55
Zur Abschlußfeier am 30. März 1947 wurde ein Klassenraum im er-
sten Geschoß des Schulgebäudes ausge räumt und ein wenig ge-
schmückt , soweit überhaupt Schmuck vorhanden war. Einige einfa-
che Girlanden, die dennoch mit viel Mühe bei demprimitiven Mate-
rial von den Mädchender Abschlußklassezusammengebastelt waren,
ließen den Raum ein wenig feierli ch wirken. Damals wie heute ging
man zum letzten Tag in der Schule feierlich gekleidet, nur zu unserer
Zeit wesentlich einfacher - gemessen an der heutigen Zeit. Von den
Jungen hatte kaum einer einen kompletten Anzug.
Trotz aller Widrigkeiten in der Zeit vor der Währungsreformhatte die
Abschlußfeier einen würdigen Rahmen. Durchgeführt wurde sie in
demKlassenzimmer, in dem der Entlaßjahrgang der Mädchen unter-
richtet wurde. Sie hatten den Raum hergerichtet, betraten ihn zuerst
und nahmen an der Fensterseite Aufstellung. Danachdurften wir Jun-
gen in den Raum und nahmen an der gegenüberliegenden Seite Auf-
stellung.
Für unseren Jahrgang ist 1987 auch ein Jubiläum, nämlich ' 40 Jahre
Schulentlassung'. Das ist übrigens auch ein Grund, der mich zum
Schreiben dieses Berichtes veranlaßte.
Manfred Semrau
Auszug aus alten Schulakten:
Oi e Ki nder erha lten en 4 Tagen i n der Woche
Mahl zeit A, an 2 Tagen in de r Woc he Nahl ze i t B.
ua cn We i su ng de r Mi l i t ärre gi e r ung u nd na ch
Ver f üg u ng de-s Req i e r un qsp r es r de n t en so l l di e
Schul spet sun q f ür Kin de r bzw. Juq endl t cti e i m
Al t er von 6 - 18 Jah r en beg i nnen , d i e ei ne
ö f f ent l t ctte Sc hu l e besu ch en .
6 - l O- Jähr l ge Ki nd er erha l ten pr o Kind und
Tag fo l gende Lebe ns mitt e l i n For m e i ne s SChu l -
t r-ank s VOll 1/8 Li t er
12. 5 9 MagE'r mi l c h pu !v(' r
2 .5 9 r r t nx s cnos o t ac e Zxwöc ben tli c n
12.5 9 Nähr spe i se axv öcneru t t c n
Jede s Ki nd muß daf ür t äg li ch 5 Rpf zahlen.
8eg i nn : 4 . 2 . 1946
Dort, wo sonst das Pult stand mit dem Podest, stellten sich die Mäd-
chendes Schulchores auf. In der Mitte des Klassenraumes waren eini-
ge Reihen Stühle aufgestellt für das gesamte Lehrpersonal, die Leh-
reranwärter sowie für die Geistlichkeit.
Während der Chor das Frühlingslied ' Nun sei gegrüßt viel tausend-
mal .. .' sang, ergab es sich, daß beim Refrain ' Erwach, erwach, oh
Menschenkind, daß dich der Lenz nicht schlafend find .. .' sich man-
che Lehrperson die Tränen abwischte. Nacheinander ergriffen die
Klassenlehrerin der Mädchen, Fräulein 'Große Maashänser', und un-
ser Klassenlehrer, Herr Sturm, das Wort , um an die Entlaßschüler ih-
re Abschiedsworte zu richten. Danach sprach der damalige Schullei-
ter Niehaus in einer bewegten Ansprache zu uns, mit der er uns als
erste Klasse nach dem Krieg aus der Schule entließ. Unterbrochen
wurdeseine Rede, indemer sich die Tränen abwischte, als er an frühe-
re Verabschiedungen erinnerte, in denen er Jungen entließ, die im
Krieg gefallen waren. Zum Schluß sprachen die beiden Geistlichen
aus der Herz-Jesn-Gemeinde die Entlaßschüler an und wünschten ih-
nen alles Gute und Gottes Segen auf dem neuen Lebensweg. Mit dem
gemeinsamen Lied ' Wir sind j ung, die Welt ist offen. . .' wurde die
Feier beendet . Die Schulentlassungszeugni sse erhielten wir im An-
schluß an die Feier ausgehändigt.
Sch u lspei s ung
28. I . 194 6
30 . 1. 1946
14 . 4. 1946
Neh l ze i t A
----
30 9 ze r kle inerte
S i s qu i t s
40 9 sül sen f r-ücn t e
( Erbsen )
10 fJ Fett
5 9 Se l z
.!:! dh l ze i  
f ertiges Gemisch von
at squi t s • Zuc ke r,
Lrock ena i l c npu I ver
(75 9 j e KI nd)
Unsere heimliche Lausbubenidee, die Anfangsbuchstaben unserer
Namen in die Bänke zu ritzen, ließen wi r nach den bewegten Worten
fallen. Die Schule hatten wir verlassen, ein neuer Lebensabschnitt lag
nun vor uns, der für die meisten recht unterschiedlich verlief. Heute
kann man sagen, daß sich kaum ein Schicksal mit dem eines anderen
deckt .
56
Sc nül e r- i m Alt e r von 12 • 14 Ja hr en e rh alten
s ä t z t t c n j e de n Ta g 8 0 g a t s q u r t s •
Kinde r b r i ngen fü r d i e spe se ( 1/2 I) Koc hgeschir re.
kl e t ne St t e l scncp f er • Tö pf e m, Henke I und de r q l ,
mi t.
Mah l ze i t 1\ kost et 10 Rp f
Mah l zeit ß ko s t et 7 Rp f
4
VI. Namen und Zahlen
1. Schulleiter der Schule
1 Franz Gerwin 1897- 1904 (0. Abbil d.)
2 Emil Elberding 1904 - 1926
3 Anton Löffler 1926 - 1938
4 Anton Hock 1938 - 1944
5 Wilhelm Hofman n 1945 - 1946
6 Albert Niehaus 1946 - 1952
7 Alfr ed Kroemer 1952 - 1964
8 Jul ius Offen 1964 - 1968
9 Elisabeth Schäfers 1968 -
2
5
3
6
7 8
57
Lehrer und Lehrerinnen der katholischen Osterfeldschule
2. Konrektoren der Schule
Lingemann, Elisabeth
Hilleke, Johannes
Maashänser, Bernhardine
Thomas, Franz
Soete, Karl
3. Lehrer der Schule
Gerwin, Franz
Hanses, Josephine
Köhler, Franziska
Wolff, Ernst
Schäfer, Wi1helm
Lingemann, Elisabeth
Haurand, Maria
Kessing, Hermann
Nienau, Bernard
Steinmann, Antonie
Kellermann, Wilhelm
Borgloh, Gertrud
Peppersack, Theodor
Hübner
Elberding , Emil
Peitzmeier, Maria
Hilleke, Johannes
Lücken, Anna
Siepmann, Hermann
Schiffer, Paul
Plogmeier, Elisabeth
Jeenicke, Käthe
Aßmuth , Maria
Steinrücke, Auguste
Lüffe, Heinrich
Pick, Johannes
Otto,Ida
Pieper, Paul
Steinkühler, Gertrud
Meier, Hedwig
Hartmann, Walburga
58
1925-1934
1935-1939
1951-1959
1959-1961
1962-1968
1897-1904
1897-1906
1897-1916
1897-1906
1897-1906
1898-1934
1900-1901
1900-1913
1901-
1901-
1903-1904
1903-1905
1903-1905
1903-1904
1904-1925
1905-1909
1906-1928
1935-1939
1906-1934
1906-1907
1914-1915
1907-1910
1907-1908
1908-1913
1909-1912
1910-1911
1911-1919
1912-1919
1912-1913
1913-1918
1913-1921
1915-1919
1915-1916
Niehaus, Albert
Müller, Antonia
Lehmköster, Paula
Makowski, Bernhard
Harprath, Anna
Meier, Heinrich
Volkert, Helene
Nagel, Josef
Bleckmann , Theodor
Hofnagel, Joseph
Beulen, Maria
Nottebohm, Hildegard
Schilling, Theodor
Kleine, Joseph
Löffler, Anton
Schmittkamp, Johannes
Stratmann, Josef
Maashänser,Bernhardine
Maashänser, Aloysia
Arbeiter, Maria
Kos1owski, Ernst
Löffler, Hedwig
Häger, Anton
Hock, Anton
Lehrer und Lehrerinnen der Richthofenschule
Hock, Anion
Arbeiter, Maria
Böhle, Karl
Buddeberg, Margarete
Hofnagel, Joseph
Maashänser, Aloysia
Osthoff, Franz
Schilling, Theodor
Seite, Kar!
Tegethoff, Therese
Weißenseel, Wilhe1m
Dettenberg, Kläre
Behrenbeck, Helene
Hofmann, Wilhe1m
Weirich, Hanna
Schnier, Heinrich
Schwanitz, Ernst
1916-1919
1916-1917
1917-1932
1919-1930
1919-1920
- 1919
1919-1921
1919-1920
1920-1939
1920-1939
1921-1939
1921-1933
1924-1939
1926-1927
1926-1938
1927-1939
1928-1933
1929-1939
1930-1939
1933-1939
1933-1935
1934-1936
1937-1938
1938-1939
1939-1944
1939-1945
1939-1943
1939-1945
1939-1943
1939-1943
1939-1941
1939-1944
1939-1943
1939-1945
1939-1945
1939-1945
1940-1945
1941-1943
1942-1943
1943-1943
1943-
Lehrerinnen und Lehrer der Leoschule - katholische Grundschule
Lehrer und Lehrerinnen der Leoschule
Hofmann, Wilhelm
Maashänser, Aloysia
Niehaus, Albert
Schönekäs, Gregor
Weischenberg, Elisabeth
Schulze-Wischeler, Eleonore
Tegethoff, Therese
Maashänser, Bemardine
Sturm, Walter
Beulen, Maria
Hötte, loser
Offen, Julius
Schwarz, Anneliese
Bleckmann, Theodor
Leier, Irmgard
Funke, Ema
Oelmann, Wilhelm
Thomas, Franz
Schwalk, Gottfried
Rademacher, Agnes
Stramma, Dorothea
Lerch , Hugo
Schäfers , Hermann
lohn, Emil-Georg
Kroemer, Alfred
Hamm, Hilde
Quinkert, Helmuth
Bleckmann, Mathilde (geb. Thie l)
Felkl
Gerlach, Anneliese
Müller, Angela (geb. Kaminski)
Zeppenfeld, Wolfgang
Hans, Eva-Maria
Schlichtherle, Ingeborg
Keller, Johanna
Buschner, Ilse
Soete, Karl
Schulze-S ürenhagen, Ilse
Runte, Marianne
Vogt, Dorothea
Neumann, Gisela (geb. Maciol)
Weitze, Dieter
1945-1946
1945-1951
1946-1952
1946-1946
1946-1956
1946-1961
1946-1950
1946-1959
1946-1955
1946-1958
1946-1949
1947-1961
1964-1968
1947-1948
1945-1954
1948-1952
1948-1955
1948-1968
1948-1950
1957-1961
1950-1953
1950-1957
1950-1968
1951-1957
1952-1957
1952-1957
1952-1964
1953-1957
1955-1957
1955-1963
-1955
1957-1968
1958-1961
1961-1962
1961-1963
1961-1961
1961-1968
1961-1962
1962- 1968
1962-1963
1963-1966
1963-1964
1963-1968
1965-1965
Langenbach, Helga
Mücke, Maria
Schäfers, Elisabeth
Makowski, Irmgard
Mücke, Maria
Nalenz, Georg
Keller, Johanna
Preska, Robert
Dahlkamp, Hildegard
Humpert, Renate
Bohlen, Karin
Bauer, Gerda (LAA')
Sieding, Armernarie
Lanius, Marianne
Klein, Heide
Neumann, Gisela
Oelmann, Ulrich
Lietmeyer, Maria
Bettenbühl, Gudrun
Kaulfürst, Irmgard
Birke, Angelika
Milz , Bemadette
Schulte-Bünnigmann, Elke
Kohl, Elisabeth
Paß, Renate
Ebert, Monika
Klisa, Dörthe
Sehner, Ingeborg
Scheidle, Hans Gerd (LAA)
Zweige!, Walburgis
Prattki , Monika
Hösel , Reinhild
1965-1968
1965-1968
1968-
1968-1976
1968-1976
1968-1969
1968-1969
1968-1969
1969-1975
1970-1974
1972-1978
1972-1974
1975-1976
1975-1977
1975-1977
1975-
1976-
1977-1980
1977-1981
1978-1979
1979-
1979- 1984
1979-
1979-
1981-1982
1981-
1983-
1984-
1984-1986
1985-
1985-
1986-
59
Das Kollegium der Le esch ul e im Schuljahr 1986 / 87
Ob er e Reihe von links nach recht s : Ingeborg Sehner , Ulri ch Oel man n, Elke Sch ulte-Bünnigman n, Eli subeth Schäfers, Walburgis Zwe igel.
Dört e Klisa , El isabet h Kohl , Giseta Ne umann.
Untere Reih e von lin ks nach rech ts : Monika Ebert, Rei nh ild Höse l, Angelika Birke, Moni ka Prattk i,
60
4. Schulpflegschaftsvorsitzende
Schuljahr I. Vorsitzende(r) 2. Vorsitzende(r) Schuljahr 1. Vorsitzende(r) 2. Vorsitzende(r)
1968/69
1969/70
1970/71
1971/72
1972/73
1973/74
1974/75
1975/76
1976/77
Rüter, Hubert
Hageneuer, Fritz
Kleine, Siegfried
Hempel , Hans
Labusch, Gereon
Labusch, Gereon
Uttendorf, Rudolf
Uttendorf, Rudolf
Uttendorf, Rudolf
Stemann, Walter
Sebers , Margarete
Sebers, Margarete
Sebers, Margarete
Schäfer, Rosemarie
Gundermann, Hans -Dieter
Gundermann, Hans-Dieter
Hartmann, Andreas
Schweda, Roswitha
1977/78
1978/79
1979/80
1980/81
1981/82
1982/83
1983/84
1984/85
1985/86
1986/87
Uttendorf, Rudolf
Uttendorf, Rudolf
Winz, Dr. Hans Willy
Winz, Dr. Hans Willy
Urbahn, Regina
Urbahn, Regina
Urbahn, Regina
Urbahn, Regina
Urbahn, Regina
Steinfeld-Höming, Karin
Dugas U1rich
Winz, Dr. Hans Willy
Urbahn, Regina
Urbahn, Regina
Schramm, Armemarie
Hirschmann, Heide
Behrens, Detlef
Broscheit, Frank
Zobel, Hannelore
Zobel , Hannelore
Trennung in
Grund - und
Hauptschule
Errichtung der
Nikolaus - Grofl -
Schul e
Leosc hule
( ab 1946]
1 ,
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'Richt - 1I
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1(1939- 1,
: 1945) : :
I r I
I I I
I I I
1 11
I r
1 rp.Osterfeldschule 11(19:'. 5-1946]
I I I
Katholi sche Osterfeldschule
(1897-1939)
500
600
700
400
200
300
100
5. Schülerzahlen
8 00
1900 1910 1920 1930 1940 195 0 1960 1970 1980
61
Schüle rarbeiten der Jahrgangsstufe 4
Thema : Unse re Schul e

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