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Thomas Stöllner, Irina Ġambaši e, Andreas Hauptmann, Giorgi Mindiašvili, Giorgi Gogočuri und Gero Steffens 1

Goldbergbau in Südostgeorgien Neue Forschungen zum frühbronzezeitlichen Bergbau in Georgien

Vorbemerkungen

Im Rahmen des georgis -deuts en Projektes zum Au au von Ausbildung und Lehre im Berei Montanar äologie und Ar äometallurgie wurde au eine montanar äologis e Grabung in einem für die regionale Metallurgie besonders interessan- ten Berei vorgesehen. Als Gebiet wurde Kvemo Kartli (Unterkartli) im kleinen Kaukasus ausgewählt, somit dort, wo für die Metallgewinnung besonders aussagekrä ige Befunde zu erwarten waren. In Fra- ge kam der große Lagerstä endistrikt von Bolnisi in Südkaukasien, wo si einige große vulkanoge- ne Massivsuldlagerstä en benden, die heute auf Kupfer und Gold abgebaut werden (Abb. 1). 2 Das nördli e Vorfeld des kleinen Kaukasus, al- len voran die landwirts a li günstigen Flusstä- ler der Ma avera, Chrami und Kura sind seit dem 6. bzw. 5. J t. v. Chr. m it der Metallverwendung in Berührung gekommen. Hier liegen einige der wi - tigsten ältesten Fundorte früher Metallurgie in ganz Kaukasien. 3 Südostgeorgien ist vor allem aufgrund zweier Faktoren ein ideales Gebiet für das Studium früher Rohstogewinnung: Es ist die Verkehrslage,

Unserem Freund und Bruder Dato Ġambašiże gewidmet, 2007 na kurzer und s werer Krankheit verstorben.

die es über die relativ niedrigen Pässe und Flusstä- ler mit Armenien, letztli aber au mit anderen ostanatolis e Gebieten verbindet, und es ist der Rei tum an Metallerzen, die hier relativ lei t er- rei bar und abbaubar gewesen sind. So el die Wahl auf die Örtli keit Sakdrisi nahe Kazreti im Mašavera-Tal, das aus dem kleinen Kau- kasus kommend in Ri tung Kura entwässert wird

1 Der Aufsatz geht auf einen Vort rag zur ü , den ursprüngli I. Ġamba iże und Th. Stöllner in Berlin gehalten haben; daraus ist ein umfangrei er Projekt- vorberi t entstanden, der die erfolgrei en montan- ar äologis en Feldfors ungen zwis en 2004 und 2007 bes reibt. Sehr zu danken haben die Autoren vor allem A. Horns u , DBM, und Th. Rabsilber, DBM/RUB für ihren Einsatz im Gelände und bei der Herstellung der Abbildungsvorlagen.

2 Es gibt no mehr sol er Lagerstä en in Armenien und in der Nordos ürkei; diese sind zwar polymetallis , f ühren aber keine polymetallis en Erze: V 1974; W / Ö 2000.

3 Chramis Didi Gora, Aru lo, Sioni, Imiris Gora u. a.:

K 2001, 136 . Abb. 1.

Sion i, Imiris Gora u. a.: K 2001, 136 ff . Abb. 1. Abb. 1. Kaukasien.

Abb. 1. Kaukasien. Satellitenbild mit Lage des Arbeitsgebietes im Mašavera-Tal von Kvemo Kartli in Südostgeorgien. Die Signatur zeigt die Lage des Goldbergwerkes von Sakdrisi (Vorlage: DBM, A. H ).

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Thomas Stöllner et al.

und das Gebiet na Nordosten önet (Abb. 1). Die Fundstelle wurde von georgis en Geologen dur Explorationsarbeiten auf Goldlagerstä en wieder- entde t: In den 1980er Jahre setzte im Umfeld von Kazreti umfangrei er Explorationsbergbau seitens des Tagebaus von Madneuli ein. Dabei konnten au Hinweise auf alten Bergbau erbra t werden.

Dass es si im Falle von Sakdrisi um prähistoris e Goldgewinnung handelte, war ni t so klar. Do

s on ein erster Besu im Frühjahr 2004 ließ diese

Mögli keit klar vor Auge treten, umso mehr, als au die Explorationstätigkeit den Goldgehalten in den Quarzgängen dieser Lagerstä e galten. Dies war nun umso interessanter, als vor allem die Kul- turen des sp ä teren 3. und fr ü hen 2. Jts. v. Chr., z. B. die Trialeti-Kultur dur umfangrei e Goldver- wendung auallen. Die Örtli keit Sakdrisi liegt südwestli des Or- tes Kazreti bzw. des dort bendli en Tagebaues oberhalb des Mašaveratales (Abb. 5). Der Fundplatz- name bezieht si eigentli auf einen bis heute verehrten ristli en Wallfahrtsort (Kapelle) aus früh ristli er Zeit. Einige hundert Meter entfernt liegt eine aus silizierten ryolithis en Tuen und Ignimbriten aufgebaute Geländekuppe. In diese vul- kanogene Gesteinsfolge sind hydrothermale Quarz- gänge vers iedener Ausri tung eingelagert; es ist einen typis e, geometris komplexe Sto werk- vererzung. Die hydrothermalen Prozesse verursa - ten au die Silizierung der Gesteinsabfolgen im Umfeld der Quarzgänge. Das vorliegende Gestein kann daher, vor allem im Berei der Gänge selbst, als ausgespro en hart angespro en werden. Alter Bergbau ließ si im Vorfeld ganz deutli am Lagerstä enhut identizieren: Verbro ene, sehr di t nebeneinander liegende Pingenzüge, Aufs lüsse von sog. Alten Mann in den Prospek- tionsstollen unter Tage wie au Steinhämmer waren ganz eindeutige Zeugnisse dafür. Lesefun- de von Steinhämmern, die vor 2004 sowie in einer Abbautas e unter Tage geborgen wurden, führten besonders eindrü li die prähistoris e Gewin- nung vor Augen. 4 So ents loss si das Projekt, einen Anfang mit einer ersten vierwö igen Prospektionskampagne im Herbst 2004 zu ma en. 5 Dabei wurde ein Teil des sehr di ten Bewu ses auf der Lagerstä en- kuppe gerodet und ein Teil dieser Kuppe vermes- sen. Ambosssteine belegten s on in dieser Arbeits- phase die Au ereitung von Golderzen vor Ort; ein relativ oen liegender Eingang wurde etwas ge- räumt (Grube B1). Au unter Tage wurde gearbei- tet: In einem Berei wurde ein erstes Prol angelegt, aus dem Holzkohle für eine Datierung entnommen wurde ( 14 C-Datierung: 2σ-Kondenzintervall: cal BC 30852917). Das Ergebnis stimmte mit der ar äolo- gis en Datierung einiger S erben überein, die dort gefunden wurden. Der Bergbau war somit sensatio-

nell früh einzustufen und der frühbronzezeitli en Kura-Araxes-Kultur zuzuweisen. Neben ersten Pro- bennahmen an Erzen Ober- und Untertage Beiegun- gen und Begehungen im Umfeld des Mašavera-Tals dur geführt, so in Dampludi und in Pneli evi, wo ebenfalls alter Goldbergbau überliefert ist. Na diesem sehr viel verspre enden Einstieg erfolgten 2005 und 2007 letztere nun in einem grö- ßer angelegten Fortsetzungsprojekt erste systema- tis e montanar äologis e Ausgrabungen, die zum Ziel ha en, valide Daten zum Goldbergwerk in Sakdrissi zu erheben. Darüber hinaus sollten weitere Einbli e in prähistoris e Goldgewinnung der Region gewonnen werden, war do damit zu re nen, dass Sakdrisi ni t der einzige Befund in diese Ri tung bleiben würde. 6

4 М дши и 1987.

5 An der Kampagne 2004 nahmen von georgischer Seite teil: Irakli Japariże (Doktorand der Universität/ ZAF), Dr. Irina Ġamba i e, David Ġamba i e †, Giorgi Mindiašvili (alle ZAF), Alexandre Omiaże und Sergo Nadareišvili (Studenten der Universität Tbilisi). Unterstützt wurden die Feldarbeiten von: Prof. Dr. Givi Inanišvili, Dipl.-Geol. David Melašvili, Malxas Nacv- lišvili, Šota Oniani sowie Prof. Dr. Michael Čoxoneliże (alle Angestellte bzw. freie Mitarbeiter der georgisch- russischen Bergbaurma, die im Tagebau von Madneuli bei Sakdrisi Kupfer, Blei, Zink und Gold gewinnt) sowie Prof. Dr. Šota Čartolani (emeritierter Archäologe in Mest ia/Sva netien). Von deutscher Seite aus na hmen teil:

Prof. Dr. Andreas Hauptmann, Dr. Michael Prange, Gero Steens (alle DBM). Die Gruppe wurde 2004 in dem Grabungshaus des Dmanisi-Projekts untergebracht. An der Grabung nahmen zwischen sechs und zehn Arbeiter teil.

6 Teil nehmer von georg isch-deutscher Seite waren 2005 und 2007 neben den Berichtersta ern u. a. Dato Gamba i e, Giorgi Mindia ili, Giorgi Gogo uri, Irakli İapari e, Nino Otchwani, Giorgi Gogi ai ili, Rati Gogitschaisc hwili, Sergo Nadarei ili;AlexOmiaże, Avto Macharobli ili unddie Fahrer Zura Abesażeund Amiran Ugrecheliże. Aus Deutschland bzw. Bochum beteiligten sich Prof. Dr. A. Hauptmann (DBM), Dr. Michael Prange (DBM), Franka Schwellnus, M.A. (Universität Marburg), Thorsten Rabsilber (Universität Bochum), Peter Thomas (Universität Marburg), Frank und Margret Jähn (Universität Bochum), Christian Froh, M.A. (Universität Marburg), Ingolf Löffler (Universität Bochum), Ju a Korsmeier-Stöllner, M.A. (Bochum), Anne e Hornschuch (DBM) und Dipl. Ing. Gero Steens (DBM). Mi lerweile ist ein Folgeprojekt durch die Sti u ng Volkswagenwerk genehmigt worden, das unter Federführung und An- tragstellung von Prof. Dr. A. Hauptmann sowie von Prof. Dr. G. Brey und Prof. Dr. Th. Stöllner steht: Die Geländearbeiten und Forschungen konnten daher 2007 für weitere drei Jahre aufgenommen werden. Ergebnisse dieser neuen Forschungen werden hier ebenfalls kurz geschildert.

Goldbergbau in Südostgeorgien

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Goldbergbau in S ü dostgeorgien 105 Abb. 2. Der bisher nachgewiesene bronzezeitliche Bergbau in den Kaukausus-L

Abb. 2. Der bisher nachgewiesene bronzezeitliche Bergbau in den Kaukausus-Ländern spiegelt den unterschiedlichen Forschungsstand in den einzelnen Regionen (Entwurf: DBM/RUB, T . S ).

Forschungsstand zur Montanarchäologie in Georgien

Fors ungen zum alten Bergbau und früher Metall- urgie werden in den erzrei en Kaukasus-Ländern s on seit den frühen Phasen ar äologis er Untersu ungen betrieben. 7 Dabei standen aber die alten Metalle im Vordergrund, systematis e Fors ung na altem Bergbau fanden in der Re- gel ni t sta , stand do außer Zweifel, dass die Metallerze selbst aus den metallrei en Kaukasus- Gebirgske en stammen sollten. So wurde in älteren auf die Arsen-und Antimon-Gehalte hingewiesen, die zweifelsfrei eine Herkun aus regionalen Lager- stä en belegen sollten. 8 Na E. N. Černy basier- te etwa die Arsen-Metallurgie der nordpontis en metallurgis en Zone (CMP) im 3. Jt. v. Chr. vor allem auf den kaukasis en Erzen. 9 Dem ist zuletzt von L. Černy begründet widerspro en worden, indem sie au auf regionale Kupferressourcen der östli en Ukraine, etwa des Donbass-Gebietes, 10 verwies. 11 Do ist bis heute der eigentli e Na - weis eines Bergbaues für die späte Kupferzeit und die frühe Bronzezeit ni t gelungen. Au die Dis- kussion um die Verwendung von Antimon, zu dem es einzig im georgis en Rača einen Na weis für ein urges i tli es Abbau-Gebiet gibt, wird man-

gels anderer Na weise vor allem auf den Trans- kaukasus bezogen. Zukün igen Untersu ungen wird es vorbehalten sein, herauszunden, ob An- timon als besonders bezei nender Marker für die Verbreitung von kaukasis en Metallen bis na Nordmesopotamien bzw. in die Levante zu gel- ten hat. Dort weisen besonders die Metallobjekte von Nahal Mishmar diesen ungewöhnli e Legie- rungsbestandteil auf. 12 Denno bleiben viele Fra- gen ungelöst, einerseits weil die Lagerstä en der alpidis en Gebirgsbildung zwis en Anatolien, Ciskaukasus und Nord- und Westiran selbst im- mer no unzurei end auf alten Bergbau erfors t sind: Eine Ausnahme bilden hö stens die in den 1980er und den frühen 1990er Jahren systematis erfors ten anatolis en Erzreviere. 13 Andererseits fehlen vielfa moderne analytis e Daten, die das s on in der Bronzezeit komplexe Bezugsge-

7 G u. a. 2001.

8 Zusammenfassend u. a. C 1992.

9 Č 1992.

10 Т инов 1993.

11 Č 2003.

12 T et al. 1995.

13 W / Ö 2000; zuletzt W et al. 2003.

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Thomas Stöllner et al.

106 Thomas Stöllner et al. Abb. 3. Georgien. 1 4 C-Datierungen pr ä historischer Grubenbaue (nach

Abb. 3. Georgien. 14 C-Datierungen prähistorischer Grubenbaue (nach I et al. 2001 und unpublizierten Daten aus Sakdrisi, Grabung DBM).

e t von Metallen zuverlässig au lären könnten. Jüngste Untersu ungen zu Metallen in Georgien und Armenien 14 haben Forts ri e gebra t; 15 vor allem die von einer türkis -italienis en Expedi- tion erfors te Fundstelle auf dem Arslantepe hat aufzeigen können, wie vielfältig das Metallangebot der dort entde ten Metallsorten und Legierungen gewesen sein musste. 16 Das Bezugsgee t von Metallen hat so viele Lü- en, dass au in Zukun no erhebli e Grund- lagenarbeit zu erbringen sein wird: Betra ten wir den Kenntnisstand zum prähistoris en Bergbau im

Kaukasus, fällt dies vor allem in Georgien auf. Trotz der langen Tradition gibt es keinen flä igen Sur- veys zu montanar äologis en Fundstellen, aus- genommen viellei t einzelnen Zone in Ab asien und Svanetien, wo systematis alten Bergbauzeug- nissen na gegangen wurde (Abb. 2). 17 Ein leider unpublizierter Beri t von Mujiri spiegelt diesen

S werpunkt ebenfalls wieder: Von insgesamt 37

aufgelisteten Fundplätzen liegen allein 22 in diesem Gebiet. 18 Glei wohl ist die Zusammenstellung von Mujiri grundlegend für Gesamtgeorgien. In Ba š kazara ist Bergbau auf Kupfer im 3. Jt. v. Chr. bekannt, der mithilfe konventioneller 14 C-Datierung mit allerdings sehr langen Kalibrationsinterval- len in das 3. und 2. Jt. v. Chr. d atiert we rden kann

(Abb. 3). Die ebenfalls zahlrei en Kupferbergbaue aus Saargaš in Svanetien sind dagegen nur dur

Funde datiert, die in den Bauen bzw. aus den Berg- halden gefunden wurden (z. B. ein spätbronzezeit-

li er Dol aus Kvazi ura oder eine mi elbronze-

zeitli e Tüllenaxt in der Grube N2 von Saargaš). 19 Die Funde geben nur einen allgemeinen terminus ante quem für den Bergbau, sind sie do ni t ei- gentli Bergbaugezähe. Sie müssen später dorthin gelangt sein. Darin oenbart si zuglei au eine der besonderen S wierigkeiten: Kaum ein Bergbau ist wirkli untersu t und wurde dur stratiziertes Material (z. B. Holzkohlen) verläss-

li datiert. Herausragend sind s ließli die For-

14 Die z. Zt. in Tbilisi bzw. am Deuts en Bergbau- Museum Bo um dur geführte Dissertation von Herrn Irakli Japari e beinhaltet eine naturwissen- s a li -ar äologis e Untersu ung bronzezeitli er Metalllartefakte aus Georgien.

15 G u. a. 2001; M et al. 2003.

16 F et al. 2002; H et al. 2003.

17 Ин нишвили u. a. 2001; T 2001; M - /G 2001.

18 М дши и 1987, 57 . Tab. 3,1.

19 T 2001.

Goldbergbau in Südostgeorgien

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s ungen in Rača, wo mit dem Grubengebiet nörd- li Ghebi (Gona) ein besonderer Fall überliefert ist (Abb. 3). Die Tvešuri, ein Seitenuss des Rioni, führt hier in ein Ho tal, wo Kupfer-, Arsen- und Anti- mongruben auf engstem Raum zusammenliegend dokumentiert wurden. Die Antimon- und Kupfer- bergbaue von Sagebi, Zop ito (Rioni-Tal, Cu/Sb) und Čornali konnten ebenfalls mit Hilfe von 14 C- Datierungen zeitli ab dem Beginn des 2. Jt. v. Chr. eingeordnet werden (Abb. 3). 20 Čornali ist dabei ein besonders interessanter Fall: Die Gruben liegen ho im Gebirge und sind dur einen heute no benutzten Weg mit einer Art Arbeiterlager bzw. Bergleute-Siedlung im Tal verbunden. In der Grube wurde ein S lei rog gefunden, der in seiner Form entspre end alten Beispielen aus Mi eleuropa glei t (Abb. 4). 21 Im Gegensatz zu den Ansätzen im Großen Kau- kasus hat verglei bar systematis e Fors ung im georgis en Teil des Kleinen Kaukasus ni t sta - gefunden. Vereinzelt sind Na weise aus dem be- na barten Armenien und Azerbaycan bekannt ge- worden. 22 Von der Nordos ürkei sind vor allem die bereits im 4. Jt. v. Chr. g enutzten Kupferlagerst ä en im Erzdistrikt von Murgul zu nennen. Au hier treten, ähnli wie im Bolnisi Distrikt, vulkanogene Massiv-Suldlagerstä en auf. 23

vulkanogene Massiv-Sul fi dlagerst ä en auf. 2 3 Abb. 4. Č kornaliani, Rača. Funde von

Abb. 4. Čkornaliani, Rača. Funde von Steinhämmern und eines Fördertroges aus einer Grube (nach Ин нишви- ли u. a. 2001).

Die Entde ung des Goldbergbaues von Sakdrissi und der alte Goldbergbau in Georgien

Die Gegend südli Bolnisi wurde erstmals von Va ušti Batonišvili in seinem „Leben Kartlisim 17. Jh. bes rieben. Dabei erwähnt der Autor die Ge- winnung und Verarbeitung von Eisen, Kupfer und Lasurit (Lağward) bzw. ganz allgemein den Rei - tum des Landes an diesen Bodens ätzen; auffälli- gerweise wird aber Gold mit keinem Wort erwähnt, was angesi ts der rei en Vorkommen erstaunli ist. 24 Seit dem 18. Jh. entstehen weitere Beri te zu den Metallerzvorkommen um Kazreti und im Kreis Bolnisi. Dabei wird immer wieder auf das Dorf Abul- mulg Bezug genommen, das si unweit von Sak- drissi am westli en Ufer der Mašavera befunden

hat (Abb. 5). So s reibt J. Grżelišvili auf Basis von Quellen des 18. Jhs: „Unter dem Namen Abulmulg wurden eigentli die Eisenerze auf dem Eisenberg (Rkinismta bzw. der alte Name Demurdag), die sul- dis en Erze in Dampludi und die sekundären Kup- fererze in Abulmulg selbst verstanden. 25 In der Enzyklopädie Georgiens werden unter dem Dorfnamen Abulmulg eigentli zwei Dörfer geführt: Am Hang südli von Sakdrisi liegt das Hauptdorf mit Namen Abulmulg, nördli davon nahe der Hauptstraße jenes mit Namen Orsakdre- bi. 26 Zwei Kir en markieren bis heute den einsti- gen Standort. Na der Enzyklopädie bzw. der Be-

s reibung von Musxelišvili stammen sie aus dem

6/ 7. Jh.; eine vo n i hnen wurde im 18 . J h. umgebaut. 27 Letzerer bes reibt au für das islamis domi- nierte Dorf Abulmulg die Existenz eines Hamam. In der geographis en Literatur des 18. Jhs. waren mit dem Namen Abulmulg und Sarkineti (Kazreti-

S lu t; Name basiert auf der Eisengewinnung)

ni t nur die kleinen Dörfer gemeint, sondern eigentli zwei große Gebiete, in denen Erze ge- wonnen wurden. Im 19. Jh. und im frühen 20. Jh. waren mehrere Kupfervererzungen im Mašavera- Tal bekannt, in Dampludi, Janbakča (dort soll ein gewisser Kutzenba eine Glaswerksta aufgebaut

20 M / G 2001.

21 K 1918, 30 Fig. 36; S u. a. im Druck.

22 Fjoletovo, Vayx ir bei Kültepe i n Nac hičeva n, Ordu- bad: Nachweise bei S 2002; K 2002.

23 W u. a. 1992, 653 .; W / Ö 2000.

24 B 1941.

25 Gemeint sind wahrs einli die Kupferverer- zungen im Tal von Abanosxevi, wo 2007 ebenfalls prä- historis er Bergbau auf Kupfererze na gewiesen wer- den konnte. G 1967, 248.

26 Enzyklopädie Georgiens 1972.

27 M 1941.

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Thomas Stöllner et al.

108 Thomas Stöllner et al. Abb. 5. Das Ma š avera- Tal um K azreti und

Abb. 5. Das Mašavera-Tal um Kazreti und Mašavera mit verschiedenen Fundplätzen nach dem Survey 2007 (prähistor- ischer Bergbau; Altbergbau anderer Zeitstellung; Siedlungen der Früh- und Spätbronze- sowie Früheisenzeit; Gräber- felder der Früh- und Spätbronze- sowie Früheisenzeit) (Vorlage: DBM, A. H ).

haben) und in Abulmulg. 28 Für letzteres wird nun erstmals erwähnt, dass es zusammen mit Kupfer- au Silber- und Golderze gibt. Bes rieben wird au , dass das alluviale Gold zwis en Kazreti und Baliči gegenüber von Abulmug in der Mašavera gewas en wurde. Für Dampludi werden silberrei- e bzw. polymetallis e Bleierze erwähnt. Weiter heißt es, dass „in der Kazretisxevi (Kazreti-S lu t, heute Kazretula), die vom Eisenberg (heute Loki-Massiv) herunterfließt, und in Baškičeti (heute Daba-Dmanisi)… die Goldsande gewonnen“ werden. 29 Von den zahlrei- en Lagerstä en im Umfeld unserer Fundstellen ist bis heute nur jene von Madneuli in Betrieb, die

auf Kupfer und Gold abgebaut wird und zudem er-

hebli e Reserven an Blei und Zink besitzt. Der mo- derne Tagebau liegt am oberen Ende der Kazreti-

S u t und wurde während der Stalin-Ära in den

28 Тшoхoнoлидзe 1975 auf Basis von П. Пoпoв, О ресултатах работ Борчалинской Геологиазведохной партии (unpublizierter Grabungsbericht 1934, non vidi- mus). 29 Zitat nach: Материалы по изучение экономичес- ког о би т а г ос . З ак авка зког о к ра я 7, 188 7, 37 7; Be rż en i š vi li 1979, 13 f.

Goldbergbau in Südostgeorgien

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1920er Jahren erönet. Im Namen ste t das arabi- s e Wort für Bergwerk: „maaden, das im Georgi- s en die Bedeutung für „Erzeangenommen hat. Der Name selbst verweist somit auf die vormoder- ne Bedeutung der Lagerstä e. Der westli der Mašavera gelegene Lagerstät- tengürtel wurde dur den Tagebau von Madneuli ebenfalls eingehend prospektiert; aus den jüngeren lagerstä enkundli en Beri ten werden unter der Bezei nung Abulmulg insgesamt fünf Goldver- erzungszonen genannt: Viele von ihnen wurden während der 1970er und 1980er Jahre dur Explo- rationsbergbau erfasst und sollten in Folge au abgebaut werden. Neben der Fundstelle Sakdrisi I (Ka agiani, die hier genannte Lagerstä e) sind vier weitere Stellen in Mamulisi (Sakdrisi II), im öst- li en Teil des Postiskedi (Gebirgskamm) (Sakdri- si III), im westli en Teil des Postiskedi (Sakdrisi IV) sowie in Kvirazxoveli (Sakdrisi V) zu nennen. 30 Der Rei tum an Erzen und ihre Bedeutung für alte Rohstogewinnung el vor allem Geolo- gen s on lange auf. So sind ab den 1950er Jahren im Kreis Bolnisi bergar äologis e Surveys von J. Grżelišvili dur geführt worden. Er s reibt: „In Bolnisi sind an der Oberflä e sekundäre Vererzungen an drei Plätzen bekannt - Citelisopeli, Kvemo Bolnisi und Abulmulg. Dabei sind die alten Kupferbergwerke in der Umgebung von Citelisopeli (Chatisopeli = Iko- nendorf), am südli en Hang von Madneulisgora (heu- te Tagebau Madneuli) und in Abulmulg bekannt, wo in 2 m Tiefe ein Haldenplatz zusammen mit Holzkohle, As e und Dutzenden von Steinhämmern entde t wur- den. Die Hammersteine wurden aus längli en Kiesel- steinen gefertigt. Meistens tragen sie Gebrau sspuren und am Mi elteil haben sie künstli e Eintiefungen für die Befestigung des Stiels“. 31 Dies ist somit die erste wissens a li e Erwähnung des alten Bergbaues in Sakdrisi I (in Folge nur no Sakdrisi). Aus et- was jüngerer Zeit stammt die Zusammenstellung des Geologen T. P. Mujiri, der ausgehend von Ge- samtgeorgien si au Südostgeorgien eingehend widmet. Mujiri kannte die bergbauar äologis en Fundplätze in der Provinz Bolnisi aus eigener An- s auung, so au unseren Bergbau in Sakdrisi, den er der Namenstradition seiner Zeit folgend als Abulmulg bezei net hat. 32 Der im Zuge von Explo- rationsarbeiten in den 1980er Jahren angefahrene Altbergbau war in Geologenkreisen bekannt und wurde na weisli au von Mujiri untersu t, wie Bes reibungen, Planskizzen und einige Foto- graen eindrü li belegen. 33 Aus seinen Bes rei- bungen geht allerdings ni t klar hervor, ob er alle heute aufges lossenen Fundstellen, vor allem die als Abbautas en 1/11/3 benannten Stellen, wirk- li gesehen hat; der Explorationsbergbau ist si er bis Ende der 1980er Jahr betrieben worden, was feh- lende Bes reibungen erklären würde. Mujiri be- s reibt die Hämmer und gibt Pläne des alten Berg-

baues und der Halden (heute kaum mehr einzelnen Befunden zuzuweisen). Die Datierung ist unklar, wird die Grube do der Tradition in Geologenkrei- sen eher dem Mi elalter zugewiesen: Dies wurde in der Regel mit dem Fund von 12 Kupfermünzen der Königin Rusudan (13. Jh. n. Chr.) begründet, der nahe des unteren Geologenhorizontes und wie wir heute wissen zusammen mit einer Eisenaxt geborgen wurde. Mujiri jedenfalls ist der erste, der an eine wesentli ältere Datierung denkt und einen prähistoris en Goldbergbau für mögli hält. Über Verglei e der Steinhämmer mit anderen Bergwer- ken Georgiens (Rats a, Ab asien) und Armeniens (Sodi) datiert er den Bergbau in das 2. Jt. v. Chr. D es Weiteren stellt Muds iri Tiefenverglei e mit den Bergbauen aus den genannten Gegenden an und stützt damit ebenfalls seine Eins ätzung. Weit- si tig wüns t er si eine ar äologis e Unter- su ung; folgeri tig s ließt er, dass oensi tli ni t nur Alluvialgold, sondern ebenfalls Berggold in der Urges i te und Antike Georgiens eine er- hebli e Rolle gespielt haben müsse. 34 Aufs lussrei sind au die Beri te über die erste moderne Goldgewinnung, wie sie in dem unveröentli ten Beri t von M. Čo oneliże zu- sammen gestellt wurde: 35 Demna setzte eine sys- tematis e Gewinnung dur russis e Explorato- ren und Bergleute erst am Ende des 18. Jhs. wieder ein (unter den Leitern Musin Puškin [Ende 18. Jh.], Ei wald [18021806], Loginov (ab 18061807), Ale- xeev [1814], Gaspinski [1820] sowie Simonovič [18751885]). Prospektionen wurden damals vor allem auf alluviales Gold im gesamten südli en Kaukasien dur geführt. Genannt werden die Gebiete und Flüsse Kaza , Ganča, Astafa, Kaškari, Dzaliband- čai, Terteri und au der Kura. Die Hauptmenge, ein wohl einsamer Spitzenwert, von Goldgehalten in Berggoldlagerstä en wird dabei mit 16,48 kg pro t in porösem Quarz angegeben. Au in Südostge- orgien wurden Untersu ungen dur geführt: So führte der Bergbauingenieur G. Culukiże zwis en 18751885 Prospektionen im Borčalo-Kreis (heute Bolnisi-Kreis), vor allem im Mašavera-Be en und an den Nebenflüssen Pinesauri, Dampludka und

30 Unpublizierter Beri t von Mikhail Čo oneliże/ Mal as Na zvli vili/Tar iel Kvela vili/Alex Zizkis wili (1980er Jahre). Besonders zu danken haben die Autoren den Geologen Mikhail Čo oneliże, Tariel Kvela vili sowie Mal as Nazvli vili, die uns großzügig mit zusätzli en Informationen und Kartenmaterial versorgt haben.

31 G 1967, 247.

32 М дши и 1987, 57 .

33 М дши и 1987, 95 .

34 М дши и 1987, 111 .

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Тш х н лидз 1975.

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Thomas Stöllner et al.

110 Thomas Stöllner et al. Abb. 6. Kazreti, Bahnhof. Siedlung der sp ä ten Bronze-/fr ü

Abb. 6. Kazreti, Bahnhof. Siedlung der späten Bronze-/frühen Eisenzeit, Prolanschni 2007 durch einen abgebrann- ten Hausbefund mit zentraler Herdstelle (Foto: DBM/RUB, T . S ).

Kazreti. Für den Mi el- und Unterlauf von Damp- ludka werden in diesem Zusammenhang rei e Goldsande mit Gehalten von4bis 40 Dolej (Долей) pro 100 Fut (Фут) erwähnt. 36 In dem Fluss nieder- gebra te Bohrungen rei ten ni t sehr tief. Den- no konnte man eine Erhöhung des Goldgehaltes na unten feststellen (Gewi t ab 7 bis 83,5 Dolej pro 100 Fut). Das Gold wird in Fli er en sehr fein verteilt bes rieben. Aus allen Beri ten zur frühen Lagerstä ennut- zung im Bolnisi-Kreis und speziell im Talraum von Kazreti geht deutli hervor, dass das Berggold von Sakdrisi bis in das 20. Jh. praktis vergessen war. Man war si hauptsä li der alluvialen Gold- lagerstä en bewusst und ha e diese in geringeren Umfang gewonnen. Erst seit den 1970er Jahren hat man erneut sein wirts a li es Interesse auf die goldführenden Erzgänge geri tet und versu t, einen rentablen Abbau einzuleiten.

Das siedlungsarchäologische Umfeld der Goldgewinnung von Sakdrisi

Neben den hauptsä li Geologen zu verdanken- den frühen Funden aus dem Goldbergbau von Sak- drisi lassen si aus dem Talraum um Kazreti eine Reihe weiterer ar äologis er Na weise für die frühe Besiedlungsges i te aufführen: 37 So beri - tet s on N. Berżenišvili 1963 von jungpaläolitis en Funden, ohne auf diese näher einzugehen. 38 Ergiebi-

ger sind die Beri te von L. Musxlišvili, der in seinen Arkeologiuri ekskursiebi von 1941 auf die mi elalter- li en Baubefunde der Dörfer von Abulmulg und Orsakdrebi verweist. 39 Metallzeitli e Befunde sind aber vor den 1970er Jahren ni t explizit erwähnt worden. Dies änderte si mit mehreren Notgra- bungen, die M. Sinauriże zwis en 1973 und 1980 im Ortsgebiet von Kazreti dur geführt hat: So wurden 1973 nahe des Hauptbahnhofes (bei der Bä erei) zwei frühbronzezeitli e Siedlungsgruben der Kura- Araxes-Kultur untersu t. Sie waren in einer Kultur- s i t eingebe et, was auf eine größere Siedlung verweisen könnte. Sinauriże erwähnt neben Resten einer Herdstelle und insgesamt wenig auffälligen Funden (Keramik, vier Gefäße auf der Grubensohle, Tierkno en) vor allem Mala it gefärbte Tierkno- en. Die Fundstelle liegt am Ausgang des Kazreti- Tales und es könnte si somit ein Zusammenhang zur Lagerstä e von Madneuli andeuten. 40 Im Umfeld von Kazreti selbst dominieren na den Arbeiten von Sinauriże vor allem aber Fund- stellen der Spätbronze- und Früheisenzeit (Abb. 5):

So konnten ebenfalls nahe des Bahnhofs auf der

36 1 Dolja = 44,4349 mg;1Fut = 16,38 kg;1Solotnik = 4,26 g.

37 Allgemein B 2006.

38 B 1963, 12.

39 M 1941.

40 S 1985, 11

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Goldbergbau in S ü dostgeorgien 111 Abb. 7. Kazreti, Bahnhof. Siedlung der sp ä ten Bronze-/fr

Abb. 7. Kazreti, Bahnhof. Siedlung der späten Bronze-/frühen Eisenzeit, keramische Funde der Fundbergung 2007 (Vorlage: DBM, T . R ).

Flur Velebi vier Körpergräber dieser Zeitstellung ausgegraben werden. Grab 1 el dur die Beiga- be eines Dres s li ens (mit Basaltklingen) auf. Die Gräbergruppe ist wahrs einli Teil eines grö- ßeren Gräberfeldes, das zu einer Siedlung in den Hangberei en nördli des Hauptbahnhofes ge- hört. 41 Diese wurde 2007 bei den im Projekt einge- leiteten Prospektionen entde t und an der Hang- bös ung angegraben. Dabei wurde ein eingetie es, wahrs einli abgebranntes Haus mit Herdstelle, As engrube und Reibsteinen entde t (Abb. 6; 7). Eisenbarren und rei haltige Funde spätbronze- bis früheisenzeitli er Keramik (transkaukasis e Spätbronzezeit) lassen einen Bezug zur Metallurgie und einen gewissen Rei tum erkennen (Abb. 7). Do au südli des Flusses Kazretula (Kazre- ti) dokumentierte Sinauriże ein Gräberfeld dieser Zeitstufe. 42 Das Gräberfeld Telebisveli wurde bei Baumaßnahmen an einer der ho gelegenen Ter- rassen zur Mašavera im Ort Kazreti selbst entde t

(Bau eines Badegebäudes, Anlage eines Parkgelän- des). Zwis en 1978 und 1980 konnten umfangrei-

e Gr ä bergruppen des 9. bis 7. Jhs. v. Chr. d oku- mentiert werden. Sie gehören im Wesentli en dem transkaukasis en Kulturkreis der Spätbronze- bis Früheisenzeit an. Einzelne Gräber im südli en Teil rei en dabei bis in die a ämenidis e Zeit und deuten somit eine Siedlungskontinuität während dieser Jahrhunderte an. Ergänzende Aufs lüsse zur Siedlungsges i - te gelangen während der 2007 eingeleiteten Prospek- tionsarbeiten. Diese Arbeiten konzentrierten si auf das Umfeld des Ortes Kazreti, des südli gele- genen Ortsteiles von Baliči sowie auf die umliegen- den Abbaugebiete nördli von Kazreti sowie west-

li der Mašavera (Sakdrisi IV). Als wi tigstes

41 S 1985, 13

42 S 1985, 13

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Thomas Stöllner et al.

112 Thomas Stöllner et al. Abb. 8. Baliči-Żeżvebi. Siedlungsplateau der fr ü hen Bronzezeit bzw .

Abb. 8. Baliči-Żeżvebi. Siedlungsplateau der frühen Bronzezeit bzw. der Spätbronze-/Früheisenzeit, Ansicht von Nor- den vom Kachagiani-Hügel (Sakdrisi) (Foto: DBM, T . R ).

K achagiani-H ü gel (Sakdrisi) (Foto: DBM, T . R ). Abb. 9. Baliči-Żeżvebi, Areal III,

Abb. 9. Baliči-Żeżvebi, Areal III, Fundpunkt 3, Grab 1. Kammergrab mit Kollektivbesta ung von mindestens fünf Individuen der Kura-Araxes-Kultur (Foto: DBM, A. H / T . R ).

Ergebnis kann die Entde ung einer eindrü li großen bronzezeitli en Zentralsiedlung auf einem Geländesporn zwis en Mašavera und Dampludka gelten (Abb. 8). Die Lage von Baliči-Żeżvebi kann als ausgespro en strategis bezei net werden:

Eingekeilt zwis en beiden Gewässersystemen rie- gelt die Siedlung ni t nur die Verkehrswege von Nord na Süd ab, sondern sie liegt strategis inmi en des Siedlungsraumes, den sie glei sam kontrolliert. Die mit 60 ha sehr große Anlage ist

bis dato no kaum erfors t, lässt aber s on jetzt mehrere Siedlungsphasen der Früh- und der Spät- bronzezeit erkennen; Terrassen und Wallstrukturen sind zahlrei erkennbar aber no ungedeutet. Die Siedlung besteht im groben aus einem nördli en Siedlungsteil in Spornlage (Areal I), aus einem san na Süden ansteigenden, terrassierten Siedlungs- gelände (Areal II), aus einem Plateau mit quer und längs laufenden Mauern und kleinen kurganarti- gen Grabanlagen (Areal III) sowie einer südli lie-

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Goldbergbau in S ü dostgeorgien 113 Abb. 10. Baliči-Żeżvebi, Areal III, Fundpunkt 3, Grab 1. Auswahl

Abb. 10. Baliči-Żeżvebi, Areal III, Fundpunkt 3, Grab 1. Auswahl der Beigefäße (Foto: DBM, T . R ).

Grab 1. Auswahl der Beigef ä ße (Foto: DBM, T . R ). Abb. 11. Baliči-Żeżvebi,

Abb. 11. Baliči-Żeżvebi, Areal II. Kura-Araxes Hausbefund bei Fundpunkt 2 der Siedlung (Foto: DBM, A. H - / T . R ).

genden Siedlungsterrasse mit Abs ni swall na Süden (Areal IV; Abb. 5). Dieses Areal endet genau an einer Engstelle zwis en zwei Flusss leifen der Mašavera und Dampludka. Bisher haben magneti- s e Messungen aufgrund des stark vulkanogenen Gesteins im Untergrund keine grei aren Ergeb- nisse liefern können. Ein Teil der Flä e (Areal II) dient heute als Friedhof von Baliči. Im Rahmen ih- rer Tätigkeit sind Totengräber immer wieder auf ar äologis es Fundmaterial gestoßen: Keramik

der Kura-Araxes-Kultur, u. a. eine fast vollständige zweihenkelige Amphore sowie ein gürli ver- zierter De el, ma te uns 2007 sofort auf die Be- deutung der Siedlung und ihrer Gräber für unser Projekt aufmerksam (Abb. 12,6000.6001). 43 Die da-

43 Besonderer Dank gilt unseren Projektmitarbeitern Dr. G. M und Dr. G. Gogočuri, die ihre ausge- zeichnete Geländearbeit in den Dienst des gemeinsamen Projektes gestellt haben.

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Thomas Stöllner et al.

114 Thomas Stöllner et al. Abb. 12. Baliči-Żeżvebi, Areal II. Kura-Araxes-Fundmaterial von S iedlungsbefunden bei

Abb. 12. Baliči-Żeżvebi, Areal II. Kura-Araxes-Fundmaterial von Siedlungsbefunden bei Fundpunkt 1 und 2 der Sied- lung (Vorlage: DBM, T . R ); 60006001 vielleicht Grabfund.

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rauf während der Kampagne 2007 dur geführten Sondagen erbra ten weitere bedeutende Ergebnis- se. Im Berei der Areale II und III wurde an den Fundpunkten 2 und 3 gearbeitet: Zunä st wurde an Fundpunkt 3 eine Steinsetzung näher untersu t, die si als Kura-Araxes-zeitli es Kammergrab er- wies (Abb. 9). Der Befund war ungestört und enthielt die Kollektivbesta ung von mindestens se s Individuen, die im Wes eil der Kammer als Kno- enpaket zusammen mit 14 vollständig erhaltenen Gefäßen deponiert aufgefunden wurden. Im Os eil des Grabes fanden si die Reste eines jugendli en Ho ers, zusammen mit zwei weiteren Beigefäßen. Ein 17. Gefäß stand s ließli ohne weiteren Be- sta ungsbezug an der Südwand der Kammer. Das Grab s eint, na bisherigem Augens ein, einer älteren Phase innerhalb der Kura-Araxes-Kultur anzugehören (Abb. 10). 44 Auffällig war jedenfalls das Fehlen einer Reihe von Skele teilen, die si im Wesentli en auf Rippenbogen, Langkno en und S ädelteile bes ränkten. Be en und Wirbelsäule wie au Hand- und Fußkno en s einen derartig unterrepräsentiert, dass sehr wohl eine Selektion dur den Besta ungsvorgang vorliegen könnte. 45 Das Grab s eint Teil einer Gräbergruppe, die si lo er gestreut im Umfeld über Areal III hin er- stre t: Na den bisherigen Begehungen sind Sied- lungsfunde in Areal III weitaus seltener als in den anderen Berei en. An Fundpunkt 2 wurde, dur einen Feldweg ge- s ni en, der Rest eines Kura-Araxes-Hauses freige- legt (Abb. 11): In der Mi e des geräumigen, mindes- tens 6 × 8 m großen Hauses, konnten die Reste einer Herdstelle sowie an der Südwand des Hauses weite- re no in situ liegende Teile des Hausinventars auf- gede t werden. Dort lag au eine steinumstellte As engrube. 46 Der Hausbefund war dur seine geringe Überde ung bzw. die Anlage des Feldwe- ges in Teilen empndli gestört. Ein zweiter, tie- fer liegender Siedlungsbefund ließ zum Ende der Grabung hin einen mehrphasigen Siedlungsbefund erkennen. Wel e Zeitstufen dur das Haus damit genau erfasst werden, lässt si no ni t sagen, do s eint das Kulturinventar in etwa glei zei- tig mit dem oben erwähnten Grab von Fundstelle 2 (Abb. 12), das in eine fortges ri ene Phase der älte- ren Kura-Araxes Zeit gehört. Beide Befunde liegen somit no in der zweiten H ä l e des 4. Jts. v. Chr. Besonders auffällig waren an diesem Befund aller- dings die zahlrei en Amboss-Reibsteine, Kombi- nationsgeräte (Abb. 12, 6030.6074), die zum Po en und Mahlen gedient haben und in ähnli er Art auf vielen prähistoris en und frühges i tli en Bergbauplätzen aufgefunden werden können. Die Arbeitsgeräte wurden als Inventar am Hausboden und in Rollierungsteilen des Fußbodens aufgefun- den, was für eine länger andauernde Tätigkeit in diesem Hausareal spri t. Wahrs einli wurde

hier Erz gemahlen und endau ereitet, wie au zwei Stü e von oxydis em Kupfererz sowie von eisenrei em Gangmaterial andeuten. Letzte- res könnte na erstem Ansehen direkt aus der Ver- erzung von Sakdrisi stammen und damit indirekt auf das Golderzmahlen verweisen. Reib- und Ambosssteine liegen in der Siedlung so zahlrei an der Oberflä e, dass an weitere ähn- li e Befunde geda t werden könnte. Stehen wir au am Anfang unserer Untersu ungen, so deutet si damit do ein Zusammenhang der Siedlung mit der regionalen Bergbautätigkeit am Beginn des 3. Jts. v. Chr. a n. Größe und Spezialisierung deuten auf einen bedeutenden Siedlungsplatz, von dem aus der Zugriauf die regionalen Erzlager erfolgte.

Untersu ungen im Goldbergbau von Sakdrisi 2004 bis 2007

Kernpunkt der Fors ungen war während der bis- her sta gefundenen drei Geländekampagnen die Untersu ung des Goldbergwerkes von Sakdrisi (Abb. 13). Na einer ersten Prospektionskampagne 2004 wurden zwei systematis e montanar äo- logis e Untersu ungen 2005 und 2007 dur ge- führt. Dabei kamen den Fors ungen die s on in den 1980er Jahren dur geführten Explorationsar- beiten zu Hilfe, die den Befund mehrfa gestört aber eben au aufges lossen haben. Auf einer ersten Sohle des Untertagebergbaues wurde der

44 Dies ergibt sich aus einer Übersicht zu den bis- her vorl iegenden St ratigraphien (a llgemein K 1997, 48 . Abb. 30) aus dem Südkaukasus sowie der von S 1984 erarbeiteten Chronologie lässt erkennen, dass es bisher keine verbindliche Chronologie zur Ku- ra-Araxes Kultur gibt; der von Sagona vorgelegte Ver- such leidet am Fehlen ausgewerteter Stratigraphien und kombinationsstatistischer Untersuchungen und basiert nur auf Komparatistik und der Auswertung von

14 C-Daten. 45 Eine anthropologische Untersuchung wird durch das Anthropologenteam der Forschungsstation von Dmanisi unter der Leitung von Dr. T. T (derzeit Zürich) vorgenommen. 46 Die aus Lehm verschmierten Herdstellen der Kura-Araxes-Siedlungen sind sehr charakteristisch (z. B. M /O 1995, 64 Abb. 2122 [Kvazchelebi]; 167 Abb. 170171 [Zichiagora]) und meist mit nach innen gezogenen Herdzungen versehen, wie sie auch in Żeżvebi beobachtet werden können; häug liegen sie inmi en des Hauses. Die Hausform scheint sich als eher rund herauszustellen. Nac h der St ratigraphie aus Kvazchelebi (SchichtCu nd D) K 1997, 56 Abb. 30) deutet sich auch damit eine ältere Datierung in der zweiten Häl e des 4. Jt. an; dies ergibt sich aus den bei S 1984 zusammengestellten 14 C-Daten.

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Thomas Stöllner et al.

116 Thomas Stöllner et al. Abb. 13. Sakdrisi, Kachagiani H ü gel. Pingenz ü ge des

Abb. 13. Sakdrisi, Kachagiani Hügel. Pingenzüge des frühbronzezeitlichen Goldbergwerkes und moderne Wege des sowjetzeitlichen Explorationsbergbaues (Foto: ZAF, Irina Ġ ).

Bergbau an zwei Stellen gelö ert (Gruben 1 und 2); diese können mit den Bergbauspuren an der Ober- flä e direkt verbunden werden. Dadur sind um- fassende Einbli e in den Abbaubetrieb, die Größe und Erstre ung des Abbausystems sowie letztli au über die geförderten Quantitäten mögli . Die Überlieferungsbedingungen, die an der Oberflä e dur Au ereitungsstellen und Halden no er- gänzt werden, sind somit ausgezei net.

Die Vermessungs- und Prospektionsarbeiten über Tage

Eine wi tige Voraussetzung für alle weiteren Ver- messungs- und Dokumentationsarbeiten war 2004 und 2005, die mit Bergbauspuren übersäte Kuppe von der di ten Vegetation zu befreien. 2004 und 2005 war ein Teil der angeheuerten Arbeiter 47 an der Beseitigung des di ten Bewu ses sowie na - folgend mit der Reinigung der Bergbauspuren bes ä igt. Die Arbeiten haben si gelohnt, wie au eine na malige Beiegung zur Aufnahme von Lu bildphotos verdeutli t (Abb. 13). Im Ge- gensatz zu 2004 konnte 2005 der gesamte monta- nar äologis e Befund erfasst und dokumentiert werden.

Die Arbeiten gliederten si in mehrere Arbeits-

s ri e: Zunä st wurde die Kartierung aller no

in situ bendli er Steinhämmer und anderen Steingeräte begonnen (Abb. 14; 15). Dur den We- gebau im Zuge der Explorationsarbeiten waren die Halden s on empndli gestört worden; in einzelnen Berei en ha e man überdies Steingerä- te abgesammelt und zu Haufen zusammengelegt. Denno gelang es, die wi tigsten Muster einer Fundstreuung zu si ern und aufzunehmen. Dabei wurden die Steinhämmer nur zu einem kleineren Teil eingesammelt. Sie wurden wenn mögli vor Ort bes rieben und klassiziert. Insgesamt konnten sieben Grundtypen bes rieben werden (s. u.; Abb. 16). Zunä st markierte die Verteilung der Steingerä- te au die Lage der Abraumhalden, die einzelnen Pingenzügen zugeteilt werden konnten. Pingen und Halden bilden somit ein Ensemble im Sinne eines glei zeitigen Betriebes: Mithilfe der beim Wegebau anges ni enen Wegebös ungsprole, die ihrerseits wieder die Haldenkörper als sol e

47 Insgesamt waren 2005 ca. 28 Arbeiter im Einsatz; 2007 wurden die Arbeiten mit 16 Arbeitern weiter ge- führt.

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Goldbergbau in S ü dostgeorgien 117 Abb. 14. Sakdrisi. Übersichtsplan zu den montanarch ä ologischen Befunden

Abb. 14. Sakdrisi. Übersichtsplan zu den montanarchäologischen Befunden des Goldbergwerkes (Planvorlage: DBM, G. S / A. H ).

aufs lossen, konnten au die Halden selbst deut- li erkannt und von der Vegetationsüberde ung abgesetzt werden. Au die Verteilung der bislang ca. 1.500 aus dem Haldenberei aufgenomme- nen Steingeräte spiegelt diese Abgrenzung wie- der; dabei lassen si deutli zwei große Halden im Nordwesten erkennen sie sind dur einen fundleeren Raum dazwis en deutli voneinan- der zu trennen. Halde B ihrerseits ist dur einen Wegebau relativ stark vers lien und nur no im Nordosten besser erhalten gewesen. Einzelne Fun- de, zumeist zusammen gesammelte Steinhämmer, konnten dagegen nur allgemein beiden Halden- komplexen zugewiesen werden. Weitaus weniger fundrei war hingegen Halde C, die seitli und etwas unterhalb von Pinge C gelegen, ni t sehr ausgedehnt gewesen sein kann. Geringere Abbau-

intensität ist also sehr wahrs einli . Dies gilt au bei Pinge D ganz im Osten des Komplexes: Seitli ließen si Anzei en für Haldens ü ungen er- kennen, do elen diese ni t dur Streufunde von Gerät auf dies ist aber si erli einer di t bewa senen Grasnarbe ges uldet. Den Halden können nun einzelne Bergbaube- rei e zugewiesen werden, was vor allem 2005 dur den viel weiter gehenden Vegetationsabtrag erstmals mögli wurde. So gehört die Halde im Nordwesten si er zu einer sehr großen Fur en- pinge, die si auf einer Länge von 64min NS- Ri tung über die Kuppe hinzieht (Abb. 14; 15). Sie ist umso auffälliger, wenn wir die anderen Gruben betra ten, die praktis nur als ausgeerzte Gang- spalten arakterisiert werden können. Die Breite dieser Pinge beträgt dur s ni li 3 bis 5 Meter,

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Thomas Stöllner et al.

ist also beträ tli . Erst später wurde dur die Grabung deutli (siehe unten), dass dies voraus- si tli mit größeren Verbru ereignissen zusam- menhängt ausgelöst wodur au immer. Diese Pinge s ließt nun weitere querende Gänge auf, die von ihr s einbar in Nord bzw. Nordostri tung abgehen. Aufgrund der komplexen Situation der Vererzung ist dabei nur s wer zu ents eiden, ob diese dur die Pinge ges ni en wurde und damit also jünger wäre. Nordöstli von Pinge A bendet si der Gru- benkomplex Pinge B: Im Gegensatz zu der zuvor bes riebenen Pinge ist diese wesentli komple- xer aufgebaut: Ni t weniger als fünf fä erförmig aufgeederte Gangspalten (Gruben B15) sind zu

beoba ten (Abb. 14; 15; 17). Sie liegen teilweise sehr eng zusammen und sind in einem südli en Zentralberei tatsä li alle ineinander verstürzt. Mögli erweise wurden au hier notwendige Bergfesten ni t eingehalten, viellei t ist das Ge- birge au na trägli verstürzt ausgelöst dur eine S wä ung des Gebirges infolge von Erdbe- ben oder physikalis er Verwi erung. Jedenfalls können einige dieser Gangabbaue no bis etwa 8 m Tiefe befahren werden. Ein Berei , die Gru- be B1, wurde 2004 etwas geräumt. Dabei wieder- holt si das au anderswo erkennbare Bild: In größeren Teufen haben si die Abbauspuren, die originalen Stöße und Bergfesten insgesamt sehr gut erhalten. Grube B1 wurde 2007 weiter freigelegt

sehr gut erhalten. Grube B1 wurde 2007 we iter freigelegt Abb. 15. Sakdrisi. Te ilausschni des

Abb. 15. Sakdrisi. Teilausschni des Obertagebefundes des Goldbergwerkes mit eingetragenen Steingeräten und den Grabungsflächen der Grabung 2005 und 2007 (Planvorlage: DBM, G. S ).

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Goldbergbau in S ü dostgeorgien 119 Abb. 16. Sakdrisi. Steinger ä teklassi fi kation des Goldbergwerkes

Abb. 16. Sakdrisi. Steingeräteklassikation des Goldbergwerkes mit Abbau- und Au ereitungsgeräten (Vorlagen:

DBM, Zeichnungen P. T ).

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Thomas Stöllner et al.

120 Thomas Stöllner et al. Abb. 17. Sakdrisi. Au ereitungsger ä te (Scheidsteine mit Po chmulden)

Abb. 17. Sakdrisi. Au ereitungsgeräte (Scheidsteine mit Pochmulden) und Pochmulden auf Felsabsätzen randlich der Gruben A und B (Vorlage: DBM, T . R ).

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und dabei der gesamte Berei der Mundlo rö- s e samt einer in den gewa senen Fels einteu en Wegezuführung freigelegt (Abb. 17). An Grube B s ließt im Osten Grube C an (Abb. 14). Sie besteht nur aus einer beinahe OW orientierten Gangspalte, die ihrerseits die Gruben B4 und B5 s neidet: Dies allein zeigt, dass gerade die sehr vers a telte Sto werkvererzung hier in alle Ri tung abgebaut wurde. Ein Vers neiden der Gruben ist daher umso weniger überras end. Grube C wird im nordöstli en Teil au von ei- nem weiteren Abbau aus Nordwesten kommend ges ni en, der weiter im SO no mals mit einer Pinge zu Tage tri . Wie dieser zu interpretieren ist, bleibt ohne Grabung aber vorläug oen. Im SO bendet si s ließli die vierte, WNWOSO orientierte Grube D. Sie besteht ledigli aus einer Gangspalte (Abb. 14) und s neidet bzw. mün- det in die westli gelegene Fur enpinge A. Au hier ist das stratigraphis e Verhältnis beider vor- erst ni t zu klären. Ebenfalls im Süden des Pingenkomplexes gele- gen sind zwei oberflä ennahe Abbaustellen (E und F), die im Zuge der Rodungsarbeiten ebenfalls ein wenig gereinigt wurden. Bei beiden Abbaustellen handelt es si nur um kleine Abbautas en, die auf einem dort anstehenden Erzgang geteu wurden; do oensi tli erwiesen si diese sehr s ma- len Vererzungen als ni t lohnend und wurden ni t weiter in Abbau genommen. Interessant sind sie aber vorwiegend deshalb, weil sie als Prospek- tionsabbau gelten können und zeigen, dass man au in prähistoris er Zeit verglei sweise syste- matis bei der Ers ließung von Gruben vorging. Neben den Halden und Pingen sind darüber hin- aus no weitere Beoba tungen zur Au ereitung der goldhaltigen Erze zu nennen: Randli der Gru- ben fanden si an mindestens se s Stellen sog. „Au ereitungsnäpf en, die dur das Zerklei- nern der goldhaltigen Erze im Zuge der Hands ei- dung im anstehenden Fels entstanden sind (Abb. 15; 27, oben links). Zuzügli der mit ähnli en Näpfen ausgesta eten S eidsteine, die si vor allem vor Grube A häufen, lassen si so indirekt mehre- re Au ereitungsplätze wahrs einli ma en (Abb. 17). Auffällig ist allerdings das weitgehende Fehlen weiterer Au ereitungsgeräte: Während die hö st seltenen Klopfsteine mögli erweise wie- der mitgenommen wurden, dür e das Fehlen von feineren Au ereitungsgeräten, wie etwa Hand- mühlen, für eine Endau ereitung an anderer Stelle spre en. Diese wird man am ehesten in Wasser- nähe bzw. im Nahberei der eigentli en Wohn- siedlung der bergbautreibenden Gemeins a an- nehmen dürfen. Zuzügli der 2007 in der Siedlung von Baliči-Żeżvebi aufgefundenen Mahl- und Po - steine könnte si somit das Muster einer gestu en Au ereitung ergeben. Es liegt nahe, dass goldfüh-

rende Sande zur Endau ereitung in die Siedlung transportiert und dort weiterverarbeitet wurden.

Die Ausgrabungsarbeiten über Tage

2005 wurde versu t, einen mögli st repräsenta-

tiven Einbli in die Art des prähistoris en Ab- baues zu gewinnen. Es wurden Grabungsareale ausgewählt, die mit den untertägig aufges losse- nen Arealen zusammengehören. Es bestand somit die Honung, vers iedene Berei e eines Abbaues miteinander dur Grabung, zumindest aber vir- tuell verbinden zu können. Nur so konnte an eine Gesamtrekonstruktion der Größe und Kapazität des frühbronzezeitli en Grubenbetriebes geda t werden. Die Wahl el auf den nördli en Teil von Gru- benberei A (Pinge A/Halde A), weil hier Halde und Mundlo situation gut und s einbar unge-

stört erhalten sind (Abb. 14). Zudem ließ si s on von Anbeginn vermuten, dass die untertägig ange-

s ni enen Abbautas en der Grube 1 (s. u.) ehe- mals zu diesem Abbauberei gehörten, man also mit etwas Glü ein Gesamtprol dur einen Ab- bau erhalten würde. Den Ergebnissen des Jahres

2005 folgend konzentrierten si die Arbeiten des

Jahres 2007 vor allem auf die Grubenberei e A und B und die a en Geländeteile dazwis en. Neben der weiteren Grabung in Pinge A und B12 ging es au um die Klärung weiterer Arbeits- und Verweil- installationen im Nahberei der Gruben.

Die Pingen- und Vorplatzgrabung in Grube A und vor Grube B

Im unteren Berei der Pinge von Grube A wurde auf einer Länge von etwa 20 m mit dem Räumen

der Pinge begonnen (Abb. 18; 19). Um ein mögli st gefahrloses Niederbringen des Grabungss ni es zu gewährleisten, wurden künstli e Abgrabungs- stufen in die Pingenfüllung eingebra t. Die Fül- lung ihrerseits bestand überwiegend aus Gesteins- geröllen und S u , der besonders im südli en Teil stärker mit wahrs einli sekundär verlager- ten Steinhämmern und Po steinen vermis t war. Denno konnten in den Verfüllpartien der Pinge bislang keine Laufs i ten oder künstli e

S i toberflä en beoba tet werden; eher zeigten

die Prole eine natürli e Verfüllung bzw. ein Ver- ießen im Zuge von Erosionsprozessen: Den Geräte- funden (Steinhämmer, Ambosssteine) zufolge wäre denkbar, dass seitli aufgelagertes Haldenmaterial später erneut in die Pinge zurü geossen ist. Im südli en Berei des Vorplatzes wurde zunä st in der Flu t mit einem na NW über die Halde gefü