Sie sind auf Seite 1von 1

GRAZ

SAMSTAG, 25. MÄRZ 2006, SEITE 21


KOMMENTAR
SCHMACKHAFTES FESTIVAL GERALD WINTER

Lei(n)wand. Das
Böser Traum
noch bis morgen
laufende Filmfes-
tival „Diagonale“
W ie schnell der Traum
vom Eigenheim zum
Albtraum werden kann,
lassen sich viele musste Leopold Schmallegger
schmecken: miterleben. In Unterprem-
Servieren doch stätten kaufte er einen
einige Grazer Be- Baugrund – auf dem er aber
triebe – etwa das nie bauen durfte. Der Boden
„ppc“, das Hotel entpuppte sich als eine Leder-
Weitzer oder die mülldeponie (siehe Seite 23).
Kunsthaus-Bar –
Seit rund vier Jahren gibt es
ein Diagonale-
für den Grazer nun schon kein
Frühstück oder
Diagonale-Cock-
Erwachen aus diesem bösen
tails. Im Cafe Pro- Traum; der Schaden beläuft
menade gibt’s sich auf 85.000 Euro. Als die
Kaffeespezialitä- Deponie aufflog, waren natür-
ten und Speisen lich viele Politiker – von der
aus Filmen der Landesebene bis hin zum
letzten 20 Jahre. Bürgermeister von Unter-
HELMUT UTRI premstätten – sofort bereit,
dem verhinderten Häuslbauer

Studie sorgt für Wirbel


aus der Patsche zu helfen –
geschehen ist nichts.

I m Gegenteil: Schmallegger
muss gegen die Gemeinde
prozessieren, um sich nicht
finanziell zu ruinieren. Unab-
„Kultur des Drüberfahrens“: Studie ortet innerhalb des Referats für hängig vom Ausgang des
Sozialarbeit beim Grazer Jugendamt teils massive „Verstimmungen“. Prozesses steht fest: Wie
sich hier die Politiker

V
on einem teilweise „vergifte- dort eine zunehmende Unzufrie- für „Supervisionen“ erhöht wur- abputzen, ist schlicht schäbig.
ten Arbeitsklima“ ist darin denheit beobachtet habe, wie es de“ – noch viel zu tun. „Es muss in
Sie erreichen den Autor unter
ebenso die Rede wie von der in der Studie heißt. Diese liegt Richtung kleinere Einheiten und gerald.winter@kleinezeitung.at
„Kultur des Drüberfahrens“: Tat- seit langem vor – doch ihr Inhalt mehr Kommunikation gehen.“
sächlich ortet jene Studie, die die wurde erst jetzt bekannt. Letzteres unterstreicht auch
Arbeitsbedingungen im Referat So wird darin betont, dass „das Personalvertretungschef Ger- FÜR SIE DA
für Sozialarbeit beim Grazer Ju- zum Teil ,vergiftete‘ Arbeitsklima hard Wirtl. „Aufgrund ihrer an- Unsere Graz-Redaktion
gend- und Familienamt unter die im Jugendamt (bzw. zwischen spruchsvollen Arbeit brauchen Hans Andrej, Bernd Hecke,
Lupe nahm, teils massive „Ver- und innerhalb der Referate)“ ein die Sozialarbeiter vor allem lau- Michael Saria, Gerald Winter
stimmungen“. Und legt somit die zentrales Problem darstelle. Für fend eine entsprechende Bera- Schönaugasse 64, 8010 Graz
Finger auf Wunden, die – wie die „Verstimmungen“ würden nicht tung.“ MICHAEL SARIA Tel. 0316/875-0, Fax 875-4204
Verantwortlichen gestehen – nur der Sparkurs und die vielen
schon seit langem offen sind. Reformvorhaben sorgen: So kriti- (ANZEIGE)
siert laut Studienautoren ein Teil 10035996
Das „Institut für Arbeitsmarkt- der Sozialarbeiterinnen den Füh-
betreuung und -forschung“ (IFA) rungsstil und spricht von einer
nahm sich im Auftrag der Perso- „Kultur des Drüberfahrens“.
nalvertretung der Stadt Graz das „Die Studie bestätigt damit
Sozialreferat zur Brust – da man jene Probleme, die lange vor mei-
ner Zeit aufgetaucht sind“, betont
(ANZEIGE)
9976055
Ingrid Krammer, Leiterin des Ju-
gendamtes, und verweist auf St. Peter-Hauptstr. 200
G e Dass cHaush e für nke „Strukturdefizite“ und die „Kom- Tel.: 0316 / 40 11 20
d e r b e s o n d eund
Körper, Seele r e nGeist
Art
plexität der Sozialarbeit“. Daher www.ok-hafner.at
www.hildegards-laden.at sei – auch wenn etwa das Budget A-8042 Graz