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GARTEN-ERLEBNIS

Duftende Reseden, Marienglockenblumen


oder alte Rosen erfreuen sich wieder großer
Beliebtheit. Kein Wunder, denn viele Pflanzen
aus »Großmutters Garten« sind widerstands­
fähiger als neue Züchtungen, manche strömen
einen faszinierenden Duft aus. Ausführliche
Porträts stellen Ihnen heute noch gängige
Sorten vor. Gestaltungsbeispiele von alten
Stadt- und Bauerngärten, farbenprächtigen
Blumenbeeten und modernen Gärten nach
altem Vorbild regen zum Nachahmen an.

Aus dem Inhalt:


Geschichte der Gärten in Europa
Wie die Blumen zu uns kamen
Großmutters Blumenbeete
Großmutters Bauerngarten
Stauden und Zwiebelblumen
Ein- und zweijährige Sommerblumen
Duftpflanzen im Frühling, Sommer
und Herbst - mit Tabelle
Gärtnertricks und Kulturmethoden
aus alter Zeit

ISB N 3-405-14074-9
Garten Erlebnis

Stein
Großmutters Blumengarten
CIP-Titelaufnahme der Deutschen Bibliothek Bildnachweis
Stein, Siegfried: Archiv für Kunst und Geschichte Berlin 9,
Grossmutters Blumengarten: 14o, 14u, 15
Pflanzen aus alten Zeiten wieder­ Eisenbeiss 56
entdeckt / Siegfried Stein. ­ Hoppe 24/25, 36/37, 95 u
München; Wien; Zürich: BLV, 1991 Morell 12/13, 27 ml
ISBN 3-405-14074-9 Nickig 16/17
NE: HST Redeleit 2/3, 27 or, 44, 96/97
Sammer 19 u, 20 or, 21 mr, 98
Seidl 68 ul
Stangl 79 l,107
Stein 4/5, 6/7, 8, 10, 10/11, 17, 18, 19 o, 20 ur,
20 mr, 21 ul, 21 ur, 21 or, 21 ml, 21 ol, 22/23,
26 or, 26 ur, 27 ml, 27 ur, 27 ol, 31, 36, 37,
38, 38 ul, 38 o, 38 ur, 42/43, 45, 46, 46/47,
47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 53 o, 53 u, 54 o,
54 u, 55, 57 u, 57 o, 58, 61, 62 o, 62 u, 63,
64 o, 64 u, 65, 66 o, 66 u, 67, 68/69, 70, 70/
71, 71 u, 71 o, 72, 73 l, 73 ml, 73 mr, 73 r,
74 l, 74 m, 74 r, 75 l, 75 m, 75 r, 76/77, 78 r,
78 l, 78/79 o, 78/79 u, 79 r, 80, 80/81, 81, 82,
83 o, 83 u, 84, 84/85, 85, 86/87, 87 ol, 87 ml,
87 ul, 87 u, 88 u, 88 m, 88 or, 88 ol, 88/89 o,
88/89 u, 88/89 om, 89 u, 89 or, 89 ol, 89 mr,
92 l, 92 m, 93, 93 r, 94, 95 o, 99, 100/101, ­
102 o, 102 u, 103, 104, 105, 108/109
Einbandfotos: Autor

BLV Verlagsgesellschaft mbH, Zeichnungen:


Waltraud Berger, Icking (S. 29, 30 o)
München Wien Zürich
8000 München 40

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist


urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung
außerhalb der engen Grenzen des Urheber­
rechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des
Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt
insbesondere für Vervielfältigungen,
Übersetzungen, Mikroverfilmungen und
die Einspeicherung und Verarbeitung in
elektronischen Systemen.
© 1991 BLV Verlagsgesellschaft mbH,
München
Lektorat: Barbara Kiesewetter
Herstellung: Sylvia Hoffmann
Einbandgestaltung: F & H Werbeagentur
GmbH, München Eine historische Abbildung zeigt 12
verschiedene Spielarten der australischen
Gesamtherstellung: Pustet, Regensburg
Liebeshainblume (Nemophila), außerdem die
Printed in Germany • ISBN 3-405-14074-9 Amerikanische Sumpfiris (Iris versicolor).
Vorwort

Es ist wie mit den Kleidern - auch


Pflanzen unterliegen der Mode. Den­
ken wir einmal zurück: die Myrte
oder die Zimmerlinde, die bei Groß­
mutter so selbstverständlich in der
Veranda blühten, sind inzwischen zur
Rarität geworden. Andere Pflanzen
haben sich in den Vordergrund ge­
schoben - und sie werden industriell
erzeugt, nicht mehr selbst aus Steck­
lingen vermehrt. Zur Weihnachtszeit
wurden früher duftende Narzissen auf
Sand zur Blüte gebracht. Zwischen
den Doppelfenstern saßen in bauchi­
gen Glasgefäßen dicke Hyazinten­
zwiebeln und hoben mit ihren kege­
ligen Sprossen vorsichtig bunte
Hütchen in die Höhe. Doch viele der
alten Gärtnerbräuche sind heute wie­
der aktuell.
Lorbeer und duftende Zitronen,
Buchsbaum in Bauerngärten, formal
geschnittene Bäumchen in Kübeln
und Terrakottagefäßen - die alten
Pflanzen und Töpfe passen plötzlich
mit neuer Aktualität zu unserer mo­
dernen Lebensweise. Man kann einen
Innenhof wieder mit Teppichbeeten
bepflanzen, die Terrasse in einen Tos-
kana-Garten verwandeln, eine Ecke
des Gartens wie die Maler Claude Mo­
net, Van Gogh oder Nolde in satten
Bauerngartenfarben erglühen lassen!
Ich hoffe, dieses Buch bringt Sie auf
neue (alte) Ideen!
Inhalt

Wie die Blumen zu uns


Großmutters Blumenbeete 25

kamen 8
Der Stadtgarten 25

Die Blumen des Mittelalters 8 Vorschläge für Sommerblumenbeete 26

Zwiebelblumen aus dem Orient 9 Große Pflanzen für Effekte 31

Pflanzenjagd in neuentdeckten
Tabelle: Effektpflanzen 32

Ländern 11
Teppichbeete 34

Interessante Kletterpflanzen

aus Großmutters Zeit 33

Bedeutung und Wandel


Vorschläge für einfache Teppichbeete 36

der Ziergärten 13
Tabelle: Teppichbeetpflanzen 39

Vom Altertum bis zum

Mittelalter 13
Großmutters Bauerngarten 43

Vom Mittelalter bis zur Kaiserzeit 15


So legt man einen Bauerngarten an 43

Die Entwicklung des formalen


Eine Ecke für Nützlinge 45

Gartens 15 Typische Blumen des

Biedermeier und Romantik 16

Peter Josephs Lennés Einfluß


Bauerngartens 46

auf die deutschen Gärten 18


Blumenzwiebeln und Knollen 46

Gartenbau zur Kaiserzeit 20


Stauden 52

Blumensträuße und Binderei 22

Inhalt

Schmetterlings- Tabelle: Weitere typische


Tabelle: Duftende Stauden,

Blumenbeet aus Bauernblumen, Stauden und


Knollengewächse und Zwiebel­

Teppichbeetpflan­ Knollengewächse, Zwiebel­


blumen 90

zen nach einem


alten Plan (Dehner,
blumen 59
Duftende Blüten und Blätter
Rain/Lech).
Ein- und zweijährige Sommer­
konservieren 93

blumen 62

Tabelle: Weitere ein- und


Duftwässer 93

zweijährige Sommerblumen aus


Duftsäckchen für die Wäsche 93

dem Bauerngarten 73
Schlafkissen 93

Duftmischungen, Potpurris 94

Großmutters Duftgarten 77
Großmutters Trocken­

Duftende Pflanzen für den Garten


blumen 97

im Frühling 78

Duftgärten im Frühsommer
Gärtnertricks aus alter Zeit 101

und Sommer 80
Hängechrysanthemen 101

Duftende Pflanzen für den Garten


Sommerblumen in Schalen säen 103

im Herbst 82
Ungewöhnliche Topfpflanzen 104

Typische Duftblumen alter


Eiskeime von Maiglöckchen 105

Bauerngärten 83
Stämmchen selber heranziehen 106

Duftrosen 88

Nachwort 109

Register 110
Wie die Blumen zu uns kamen

Die Blumen des


und die Stockrose (Altbaea rosea), Fär­
Mittelalters
berpflanzen für Rot, sowie der Meer­
kohl (Crambe maritima), eine hüb­
Aus den Hochkulturen der Ägypter,
sche weißblühende Staude und
Sumerer, Griechen und Römer ist be­
gleichzeitig ein wohlschmeckendes
kannt, daß die Gärten vor allem als
Gemüse, sind Beispiele dafür. Neben
Nutzgärten mit Gemüse- und Obstkul­
einigen Blumen aus der einheimi­
turen angelegt wurden. Dennoch ist
schen Flora zählen die ersten Kräuter­
anzunehmen, daß auch den Blumen
und Pflanzenbücher auch solche auf,
eine gewisse Bedeutung zukam, vor
die über die Kloster- und Fürstengär­
allem dann, wenn sie gleichzeitig
tentraditionen die Mittelmeergarten­
Heilcharakter besaßen. Ein Blick in
kultur weiterführen. So werden um
1570 von Thomas Tusser als in
Deutschland bekannt zitiert: Damas-
cenerrosen in verschiedenen Farben,

Damascener-Rose
(Rosa damascena
versicolor).

Kunstrosen, Bartnelken, Nägelein


(Gartennelken), Federnelke, Löwen-
maul, Stiefmütterchen, Stockrosen
(Malven), Akelei, Himmelsschlüssel,
ein Pflanzen- und Kräuterbuch zeigt,
Flockenblume, Goldlack, Narzissen,
daß sich auch bei Naturpflanzen
Lilien, Maiglöckchen, Schwarzkümmel
Zweck und Schönheit nicht ausschlie­
(Nigella), Aurikel, Lavendel, Pfingst­
ßen müssen. Die blauen Blüten des
rosen und Mohn.
Leins (Linum flavum), der Rapunzel-
Mit der Entdeckung Amerikas
Glockenblume (Campanula rapun­
durch Christoph Kolumbus steigerte
culus), erstere eine Heil- und Faser­
sich das Interesse an neu eingeführ­
pflanze, letztere eine Gemüseart, die
ten Pflanzen sprunghaft. Es wurden
Färberdistel (Carthamus tinctorius),
gezielte Expeditionen gemacht, um

8
Wie die Blumen zu uns kamen

die Pflanzenschätze der eigenen Hei­


mat und auch neuentdeckter Länder
und Kontinente zu erforschen. Pflan­
zenbücher waren sehr beliebt. Pflan­
zensammlungen wurden voller Stolz
gezeigt und auch abgebildet, wovon
der berühmte »Hortus Eichstaettien­
sis« heute noch Kenntnis gibt. Blu­
men wurden zu einem Statussymbol.
Reiche Bürger und Adlige hegten und
pflegten sie in ihren Gärten in sorg­
sam umschlossenen Beeten und stell­
ten sie zur Schau. Der Fürst-Bischof
von Eichstätt in Bayern ließ seine be­
rühmte Pflanzensammlung in Holz­
schnitten darstellen, und durch diese
recht genauen Darstellungen
und Beschreibungen
besitzen wir Kenntnisse
von den Pflanzen im
16. Jahrhundert. Damals entstanden
die ältesten botanischen Gärten: In
Erfurt 1525, 1530 in Marburg, 1580 in
Die Kronen- oder
»Blumistenanemone«
Leipzig und 1597 in Heidelberg.
(Anemone coronaria).

Zwiebelblumen
aus dem Orient
Nach der Abwehr der Türkeninvasion
(um 1530) nahmen die europäischen
Höfe mit den Sultanen des Osma­
nischen Reiches diplomatische Be­
ziehungen auf. Unter den Gesandten
befanden sich viele botanisch Interes­
sierte, die aus den sorgsam gepfleg­
ten und üppigen Gärten Konstanti­
nopels Samen und Zwiebeln in ihre
Heimatländer schickten.
Bekannt und berühmt wurde insbe­
sondere die Geschichte der Tulpe.
Der österreichische Gesandte Bus­ Gestreifte Tulpen ent­
stehen durch eine
beck wurde als erster Europäer auf
Viruskrankheit. Aber
die Tulpe aufmerksam: Sie wurde im das wußten unsere
Serail zu Konstantinopel mit besonde­ Vorfahren noch nicht.
rer Sorgfalt gesammelt und gepflegt Sie bezahlten für
und man veranstaltete ihr zu Ehren solche Exemplare viel
aufwendige Tulpenfeste. Neben Sa- Geld.

9
leicht auch schon Sorten - zu bemü­
hen, kreuzte interessant geformte
und gefärbte Nachkommenschaften,
die alsbald die Begehrlichkeit von
Freunden und Nachbarn erregten.
Clusius war nicht gewillt zu verkau­
fen, weshalb ihm die meisten seiner
Tulpen eines Nachts gestohlen und
von da an zu einem Allgemeingut
wurden, das in den Niederlanden und
Kaiserkronen (Fritilla­ in Flandern alsbald kultiviert, verkauft
ria imperialis) gehören und zu horrenden Summen gehan­
immer noch zu den delt wurde. Der An- und Verkauf von
beliebtesten Zwiebel­ Tulpenzwiebeln wurde zu einem loh­
blumen der Bauern­
nenden Geschäft, ja sogar zu einem
gärten.
Spekulationsobjekt. Versammlungsort
war das Haus einer adligen Familie
namens van der Beurse in Brügge.
Die Börse verdankt daher ihren Na­
men dem Tulpenhandel, der schon
bald spekulative Formen annahm und
zu einer Art Terminhandel ausartete,
bei dem die Anrechte auf eine Zwie­
bel nur noch auf dem Papier bestan­
den. Dieses Papier wurde weiter ver­
äußert und in Umlauf gebracht, so
men von Hyazinthen, Anemonen und daß die wirklichen Tulpen oftmals gar
Kaiserkronen sandte Busbeck 1554 keine Rolle mehr dabei spielten.
auch Tulpensamen an seinen Freund, Phantastische Preise wurden bezahlt:
den Senator Herward nach Augsburg. für ein Exemplar der Sorte 'Semper
Dieser kultivierte sie und brachte sie Augustus' 13 000 Gulden und für eine
im Jahre 1559 erstmals in seinem Gar­ Tulpe mit der Bezeichnung 'Viceroy'
ten zur Blüte. Die neuen Blumen wa­ 20 Zentner Weizen, 40 Zentner Rog­
ren eine Sensation. Auch die reiche gen, 4 fette Ochsen, 8 Ferkel, 12 Scha­
Kaufmannsfamilie Fugger in Augsburg fe, etwa 500 l Wein, 4 Tonnen Achtgul­
mag dazu beigetragen haben, denn denbier, 2 Tonnen Butter, 10 Zentner
bei ihr gingen Kaiser und Könige ein Käse, 1 Bündel Kleider und 1 silber­
und aus. 1565 wurden die ersten Tul­ ner Becher - alles für eine einzige
penbeete in Fuggers Gärten bewun­ Tulpenzwiebel! Es kam vor, daß Väter
dert. ihre Töchter für eine Tulpenzwiebel
Auch der holländische Botaniker verkauften. 1637 wurde die Spekula­
Clusius wurde auf die neue Blume tion durch ein Gesetz zum Erliegen
aufmerksam, kultivierte sie zunächst gebracht. Dennoch blieb die Tulpe in
in seinem Garten in Wien, und als er Holland heimisch, wurde dort in Mas­
eine Berufung in seine Heimat Hol­ sen kultiviert, in Züchtungen weiter­
land erhielt, nahm er sie dorthin mit. entwickelt, so daß bis heute die Tul­
Er begann, sich intensiv um die Ein­ penkultur fast eine rein holländische
führung weiterer Arten - und viel­ Angelegenheit geblieben ist.
10
Wie die Blumen zu uns kamen

Pflanzenjagd in neu­
entdeckten Ländern
Es waren die neuen drucktechnischen
Möglichkeiten, die das Wissen um die
Pflanzen weiteren Kreisen zugänglich
machten und so das Interesse an der
Botanik entscheidend förderten. Der
Schweizer Konrad Gesner
(1516-1565) war selbst ein eifriger
Pflanzensammler. Er ließ von seinen
rund 1500 eigenen Pflanzenzeichnun­
gen Holzschnitte anfertigen und be­
schrieb darin auch die bereits er­
wähnten ersten Tulpen in Augsburg.
Nach seinem Tod erwarb der Medizi­
ner und Botaniker Rudolf Jakob
Camerarius die Holzstöcke und illu­
strierte damit seine eigenen Schriften,
die sich stark mit Experimenten zur
Vererbungslehre bei Pflanzen be­
schäftigten. Spanier, Portugiesen,
Franzosen und Deutsche entdeckten
und beschrieben neue Pflanzen, vor
allen Dingen in den erst kürzlich ent­
deckten Ländern, in Amerika, in Fern­
ost und in Afrika. Bekannt wurden be­
sonders die englischen Botaniker, die
von wohlhabenden Königen, Fürsten
und später auch von Gartenbaubetrie­
ben finanziert, in fernen Ländern
Pflanzen sammelten und sie ins Mut­
terland zurückschickten. Dort wurden
sie alsbald zu viel bestaunten Sensa­
tionen, die ihren Besitzern viel Ruhm
und gesellschaftliche Achtung eintru­
gen. Auch der wirtschaftliche Aspekt
wurde zielstrebig verfolgt. Nutzpflan­
zen, wie Kartoffeln, Kürbis, Mais, Kaf­
fee, Brotbaum, Sonnenblumen oder
Gummibaum bereicherten in Europa
oder in den Kolonien den Speisezet­
tel oder dienten als Quellen für nütz­
liche Rohstoffe.

Die Nationalblume Australiens, die Wüsten­


erbse, wurde nach dem Seeräuber Dampier
benannt (Clianthus formosus syn. C. dampieri).

11
Bedeutung und
Wandel
der Ziergärten
Vom Altertum bis
zum Mittelalter
In unseren heutigen Gärten spiegeln
sich die Einflüsse Jahrtausende alter
Kulturen wider. Die Oasengärten
der Ägypter, umfriedet und sorgsam
gepflegt und in dem heißen Klima
mit Wasserbecken und Brunnen aus­
gestattet, waren Vorbilder für griechi­
sche, römische, italienische, französi­
sche und letztlich auch für formale
Gärten in Deutschland, in denen Bee­
te und Wege klar gegliedert waren.
Schon bei den Ägyptern finden sich
die rechteckige oder quadratische
Gesamtform und die Abgrenzung
nach außen mit Hecken oder Mauern,
in Reihen gepflanzte Bäume und
Sträucher, eindrucksvolle Tore und
Gartenhäuser, sowie die klare Zuord­
nung zu einem Gebäude in Längs­
oder Querrichtung.
Im Zweistromland erlangten die
hängenden Gärten der Semiramis in
Babylon Berühmtheit. Es waren ter­
rassenartig in die Höhe gestaffelte
Dachgärten aus Backsteinpfeilern und
wasserdichten Terrassendecken - da­
mals ein Wunderwerk der Architektur
und des Pflanzenbaues. Zu hoher
Kunst brachten es auch die Perser,
deren Bezeichnung für Garten - Para­
dies - in unseren Sprachgebrauch
überging. Kanäle, Wasserbecken,
Springbrunnen und schattige Bäume
waren von Blumenrabatten gesäumt.
Die Pflanzen, vor allem Zwiebelblu­
men, wuchsen in bunter Vielfalt zwi­
schen Gräsern. Die Perser kannten
bereits Tulpen, Lilien, Narzissen, Hya-

Klar gegliedert: der Schloßgarten von Collodi


in der Toskana.

13
Bedeutung und Wandel der Ziergärten

zinthen, Iris, Anemonen, Malven, Veil­


chen, Nelken, Flieder und Jasmin und
die Rosen. Wie ein arabischer Garten
aussah, kann man heute noch im spa­
nischen Granada bewundern.
In Griechenland und stärker noch
im antiken Rom fanden die Gärten
auch das Interesse der breiteren
Volksschichten. Obwohl die Garten­
anlagen durchweg den Besitzern zur
Ernährung dienten, wurden neben
Gemüse- und Kräuterbeeten auch
schon Blumen gesät und gepflanzt.
Lauben waren mit Wein umrankt und
Becken, Springbrunnen und Grotten
dienten als kühlende Oasen. Die älte­
ste bekannte Abbildung einer Grotte
findet sich auf einer Wandmalerei in
Pompeji.
In Germanien war lange Zeit von
Gartenkultur nicht viel zu spüren.
Erst im Mittelalter legte man Gärten
vor allem in Klöstern und an Fürsten­
höfen an. Man baute Gemüse, Kräuter
und auch einige Blumen, die als Heil­
pflanzen Verwendung fanden. Dazu
gehörten die weiße Madonnenlilie,
die Rose und auch die deutsche
Schwertlilie Iris germanica. Diese
zwar nicht in Deutschland beheima­
tete, aber hier kultivierte alte Garten­
pflanze aus dem Mittelmeerraum hat­
te der Reichenauer Abt Walafried Stra­
bo bereits im 9. Jahrhundert beschrie­
ben. Sicherlich wurden auch die in
Mitteleuropa heimischen auffälligen
Blumen in Gärten gepflanzt, zum Bei­
spiel die Akelei, die Feuerlilie, die
kurzkronigen Narzissen, die Schach­
brettblume (Fritillaria meleagris),
Märzenbecher, das Alpenveilchen
(Cyclamen europaeum) und auch die
Pfingstrose. Die mittelalterlichen Städ­
te waren von einem Kranz von mehr
oder weniger üppig gestalteten Gär­
ten der Bürger umgeben, von denen
die Besten in Pracht und Aufwand
denen der Fürsten nicht nachstanden.

14
Bedeutung und Wandel der Ziergärten

So stellten sich Vom Mittelalter bis ren Wasserspiele und Attraktionen


Künstler die hängen­ wie Tiere, Feuerwerk und Musik für
den Gärten der Semi­ zur Kaiserzeit den Hofstaat und für das Volk. Die
ramis vor. Die terras­
Pflanzen dienten eher als Kulisse und
senförmigen Bau­ Die Entwicklung Schmuck für das höfische Theater. Sie
werke waren eine
technische Meister­
des formalen Gartens waren in eine strenge Ordnung ein­
leistung. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich in gefügt, vielfach in Terrakotten gezo­
den aufblühenden Stadtstaaten Ita­ gen und die empfindlichen unter
liens in Verbindung mit den Schlös­ ihnen wurden den Winter über in
sern der Fürsten und Patrizier eine hellen Räumen mit Glasfenstern, so­
Gartenkunst, die mit ihrer Vorliebe genannten Orangerien, vor dem Frost
für in Formen geschnittene Kübel­ geschützt.
pflanzen bis in die heutige Zeit wirkt. Ein typisches Beispiel des Barock­
Viele der Gärten lagen an einem gartens bietet die Isola Bella vor Stre­
Hang, der durch Treppen, Terrassen sa im Lago Maggiore. Mit Terrassen
(sog. Parterres), verbindende Hecken voller Zitrusgewächse, Zypressen und
Wandmalereien in und Wassertreppen als belebende Rosen erhebt sie sich aus dem See.
einer Villa in Pompeji und ästhetische Elemente gegliedert Eine Kulisse mit einer Grotte war
zeigen bereits
wurde. Die streng geometrisch ange­ Schauplatz für Theateraufführungen.
Grotten.
ordneten Beete waren überwiegend Seltene Bäume und Sträucher sowie
durch Buchs eingefaßt, eine Pflanze, prächtige weiße Pfauen belebten den
die sich in beliebiger Weise schnei­ Park. Diese aufwendige Gartengestal­
den und formen läßt. Dies entwickel­ tung wurde im 17. Jahrhundert vor­
te sich zu einer Kunst, die später in wiegend im aufstrebenden Frankreich
englischen Gärten zu einem Höhe­ fortgesetzt, dessen Küche und Garten­
punkt gelangte. Besonders beliebt wa­ kunst maßgebliche Elemente von Ita­

Gärten des Mittel­


alters hatten den
Charakter von Ver­
gnügungsparks. Die
Pflanzen waren nütz­
liches Beiwerk.

15
lien übernahmen und sie mit dem erscheinenden Wasserläufen prägten
Gartenarchitekten Lenôtre, zur Zeit den englischen Landschaftsgarten.
des Sonnenkönigs (um 1650), zu Seine wesentlichen Stilelemente hat
einem oft kopierten Höhepunkt führte. der Gärtner Lancelot Brown - ge­
Die Parterres waren nun weniger nannt Capability Brown - geprägt.
streng geordnet, sondern in verspiel­ 1716 geboren und in vielen Jahren
ten und höchst kunstvollen Formen gründlich ausgebildet, gestaltete er in
angelegt. Ihre Pflege und die Kosten der Folgezeit eine große Anzahl von
für die Anzucht der zahlreichen benö­ Gärten, wobei Bodenmodellierungen,
tigten Beet- und Kübelpflanzen für einzelne Gehölzgruppen und weite
die höfische Repräsentations- und Rasenflächen mit geschwungenen We­
Theaterkulisse erwiesen sich später gen die geometrischen Parterres
jedoch als zu aufwendig, so daß in ersetzten. Die Entdeckung neuer
der Folge die völlig gegensätzlichen Pflanzen in der ganzen Welt (Plant
Elemente des englischen Landschafts­ hunting) brachte es mit sich, daß in
gartenstils bereitwillig Eingang fan­ diesen Parks auch Sammlungen exo­
den. tischer Bäume und Sträucher Platz
fanden. Nach 1800 setzte sich der
englische Landschaftsstil auch in be­
deutenden Gartenanlagen kontinenta­
ler Länder wie Italien, Frankreich und
Deutschland fort. Er bestimmte mit
seinen fließenden Grenzen, mit Ra­
senflächen und natürlich gewachse­
nen, unbeschnittenen Bäumen und
Sträuchern nicht nur die Gestaltung
von größeren Parks, sondern auch die
Anlage von Hausgärten.
Der streng gegliederte, arbeits­
intensive und daher teure Teil des
Gartens mit Buchsbaumhecken,
Stämmchen, formalen Beeten, und
vorgezogenen Sommerblumen wurde
jedoch nicht aufgegeben, sondern be­
Reich bepflanzte Blumen-Gestelle waren beliebt. hielt seine Liebhaber. Dieser Teil
wurde nur begrenzt, verkleinert, ge­
Englische Gärten hatten zwar eben­ schickt mit Hecken abgeteilt und mei­
falls die sehr beliebten Stilelemente stens einem Gebäude zugeordnet.
des italienischen und französischen
formalen Gartens übernommen und
sie sogar mit Anregungen aus China
Biedermeier und Romantik
und Japan weiterentwickelt. Platz war Die Zeit des Biedermeiers von 1815
rings um die englischen Landsitze bis 1848 ging mit einer rigorosen po­
und Schlösser in der Regel zur Genü­ litischen Unterdrückung der Bürger
ge vorhanden. Großzügigkeit, Weite zugunsten des Adels einher, der nach
und hügelige Landschaft mit großen den Befreiungskriegen von Napoleon
Bäumen und weitgehend natürlich seinen Einfluß zurückgewonnen hat­
belassenen oder zumindest natürlich te. Die Folge war eine bewußte Hin­
16
Akelei paßt in schattige Gärten.

Pyramiden mit kletternden Pflanzen teilen


den Garten in einzelne Räume.

wendung zum eigenen Haushalt, zur


Familie, zur Natur und zu den einfa­
chen Mitteln der Gartengestaltung.
Literatur, Musik und Malerei standen
etwa zur gleichen Zeit unter dem Ein­
fluß der Romantik (1796-1830), die
ebenfalls eine Rückbesinnung aus­
drückte. Im weniger »feinen« Bauern­
garten hatte man ohnehin weder Mit­
tel noch Zeit für übertriebenen
Aufwand.
Heckenrosen, Akelei (vermutlich
die »Blaue Blume« der Romantik,
eventuell war jedoch auch die Rapun-
zel-Glockenblume, Campula rapun­
culus gemeint), Gänseblümchen, Ver­
gißmeinnicht, Aurikeln, Himmels­
schlüssel, Veilchen und der duftende
Jelängerjelieber standen hoch im
Kurs. Sie sind auf zahlreichen Abbil­
dungen der romantischen Maler zu
sehen. Sie sind auch heute beliebt:
Die sorgfältig angeordneten, rund ge­
bundenen Biedermeiersträußchen
mit einer kontrastierenden Manschet­
te aus grünen Blättern finden nach
wie vor regen Absatz. Aber auch neue
Blumen fanden langsam ihren Weg in
die Gärten der Bürger und Bauern,
vor allem die Duftrosen und die
Pfingstrosen, deren Züchtung in
Frankreich mit viel Elan betrieben
wurde. Mit geraden Wegen, mit Kies
bestreut oder sauber geharkt und von
Unkraut frei gehalten, mit Buchs­
baumeinfassungen, Eiben- und Ligu­
sterhecken schuf man einen prägen­

17
den Rahmen. Innerhalb der Beete Peter Joseph Lennés Einfluß Die Kölner »Flora«
ließ man dann dem bunten Durchein­ läßt die Pracht
auf die deutschen Gärten Lennéscher Gärten
ander der Stauden und Sommerblu­
erahnen. Farbenfreu­
men freien Raum, ohne daß dadurch Der berühmte deutsche Gartenkünst­
dig bepflanzte Tep­
der gesamte Garten sein Gesicht ver­ ler Peter Jospeh Lenné (1789-1866), pichbeete (oben
lor. Vom zeitigen Frühjahr bis zum der Sohn eines Brühl-Bonner Hof­ rechts) wechseln sich
späten Herbst wechselten sich die gärtners, war zunächst von der fran­ ab mit Gruppen von
Blütenfolgen ab. zösischen Gartenkunst beeinflußt, exotischen Riesen­
In Bauerngärten konnte man schon besonders vom gerade in Mode ge­ pflanzen wie dem
immer das ungebremste Wachsen der kommenen »Jardin romantique«, der Pfahlrohr (Arundo
Sonnenblumen, Heckenrosen und die regelmäßigen Rokokogärten donax), Bananen,
des farbenprächtigen Mohns bewun­ durch die Einbeziehung von Busch­ Ricinus, Pampasgras
und Ziermais (oben).
dern. Hier durften die Kinder auch gruppen, Wasserläufen und ge­
nach Belieben Blumen zu zierlichen schwungenen Wegen ablöste. Schon
Kränzen flechten, für kirchliche und bald entwickelte er eigene Ideen, die Formale Beete
dörfliche Feiern Blüten ernten und er in zahlreichen Anlagen, unter an­ entsprachen dem da­
daraus große Bauernsträuße binden. derem in Dresden, Frankfurt, Oeyn- maligen Geschmack.

18
Bei der Verwendung von »fremd­
artigen Prunkpflanzen« war Lenné
schon um 1830 ein Pionier. Die Berli­
ner Pfaueninsel war ein Vorbild für
üppige Blattpflanzengruppen mit gro­
ßen, dominierenden Pflanzen und
mannshohen Gräsern. Auch nicht
winterharte subtropische Pflanzen
zierten nicht erst zur Kaiserzeit, son­
dern schon viel früher die Gärten im
kalten Preußen: Bananen, üppige
Mengen von Gummibäumen, Cassien,
Palmen, Yuccas und natürlich die gro­
ße Zahl der Kübelpflanzen, die in
Orangerien überwinterte. Aus Frank­
hausen, Leipzig, Köln-Flora, Koblenz, reich und England kam die Idee, Tep­
Lübeck und Schwerin verwirklichte. pichbeete in vielen bunten Farben an­
Als preußischer Hofgärtner konzen­ zulegen. Auf einer Reise hatte Lenné
trierte er jedoch sein Schaffen vor den Schloßgarten von Eatonhall ent­
allem auf Potsdam, Berlin und die deckt, dessen farbenprächtige Parter­
umgebende Landschaft. Er schuf den res auf ihn nachhaltig Eindruck mach­
Charlottenhof in Potsdam-Sanssouci, ten. Vor dem Neuen Palais in Postdam
den Berliner Tiergarten, den Charlot­ war um 1830 eine »englische« Tep­
tenburger Schloßpark, den Park der pichbeetanlage zu sehen. Später wur­
Pfaueninsel in der Havel, um nur eini­ den solche Beete mit niedrigen Som­
ge der bekanntesten zu nennen. Ein merblumen in kontrastreichen Far­
fast revolutionäres Vorhaben war die ben große Mode - schön anzusehen,
Anlage eines »Volksgartens« für die aber arbeitsaufwendig in der Pflege.
Bürger von Magdeburg, dem später Peter Lenné war es, der die Bildung
viele ähnliche Projekte folgten. eines »Vereins zur Beförderung des
Gartenbaus« erfolgreich betrieb. Aus
diesem ging später die Gartenbau­
lehranstalt in Berlin-Dahlem hervor.
Vorbild war die 1804 gegründete
»Royal Horticultural Society«. Sie ver­
schaffte dem englischen Gartenbau
Weltgeltung und hatte die Gründung
zahlreicher Pflanzen-Liebhaber-Ge-
sellschaften zur Folge. Außerdem
bezahlte sie Forschungsreisen und
betreibt noch heute öffentliche Mu­
stergärten (zum Beispiel in Wisley bei
London). Eine derartige Wirkung er­
reichten die deutschen Bemühungen
nie, jedoch besserte sich das Niveau
des deutschen Gartenbaus und hatte
zum Ende der Kaiserzeit 1918 einen
sehr hohen Stand erreicht.

19
Gartenbau zur Kaiserzeit Gartenbauausstellungen, die zumeist
auch Ereignisse von hohem gesell­
Öffentliche Parks, Schloßgärten, Bota­ schaftlichen Rang waren, sorgten da­
nische Gärten, Stadtparks und große für, daß die Damen und Herren der
Ausstellungen boten schon immer adeligen und bürgerlichen Gesell­
Gelegenheit, den jeweiligen Stand schaft nicht ohne Gesprächsstoff blie­
der Gartenkunst zu demonstrieren ben. Bedeutende Gartenbau-Zeit-
und neue Gedanken zu verwirkli­ schriften um 1875 wie z. B. »Regels
chen. Von dort aus gelangten Ideen, Gartenflora«, »Dr. Neuberts Garten­
Gestaltungsbeispiele und attraktive magazin« und »Illustrierte Berichte
Pflanzen in die Gärten reicher und über Gartenbau« erschienen bereits
später auch in die weniger gut situier­ mit gemalten oder kolorierten photo­
ter Bürger. graphischen Abbildungen in Farbe.
Die vielzitierte »Gartenlaube« dage­
gen war kein Fachblatt für Gartenlieb­
haber, sondern eher eine Illustierte
für ein breites Publikum.
Das Vereinswesen stand in hoher
Blüte. Mitglieder von Obst- und Gar­
tenbauvereinen tauschten Ratschläge
und Erfahrungen aus. Oft entstanden
solche Vereine auf Initiative der Ob­
rigkeit, die damit die Ernährung und
den Obstbau auf breiterer Basis si­
cherstellen wollte.
Der Leipziger Arzt Moritz Schreber
(1808-1861) und der Schulleiter
Ernst Hauschild gründeten die soge­
nannten Schrebervereine. Auf zumeist
städtischem Pachtgelände wurden für
die entwurzelten, vom Land in die
Städte gezogenen und in den auf­
blühenden Fabriken arbeitenden
Menschen preisgünstige Gärten
geschaffen. Diese »Laubenkolonien«
erwiesen sich als ein Modell, das
millionenfachen Zuspruch - auch im
angrenzenden Ausland - fand. Gar­
tenlauben, Pavillions, Blumenerker,
Wintergärten und Veranden gehörten
Das Ideal der Floristen zur Kaiserzeit waren wie die romantischen Rosenbögen,
regelmäßig arrangierte Sträuße. Klettergerüste in verschnörkelten For­
men, kunstvoll gefertigte Zäune und
Eine aufblühende Gartenliteratur Tore aus geschmiedetem Eisen zu
mit zahlreichen Zeitschriften vermit­ Großmutters Blumengarten. In den
telte das Wissen über neue Pflanzen Lauben hielt man sich an heißen oder
und deren Kultur. Gestaltungsbeispie­ regnerischen Tagen auf, hier wurden
le und Berichte über internationale Kaffeekränzchen abgehalten, gesun­
20
Ein Schmuckbeet mit Klassischer
kontrastreichen Farben. Villengarten.

Lennés
Potsdamer
Wassergarten Charlottenhof.
im Jugendstil.

Eine Pflanzschale
Regt die Phantasie im klassischen Stil.
an: Die Grotte spielte
eine bedeutende
Rolle als Gestaltungs- Schattiger Iris-Garten
element. Laubengang. um 1920.
gen, musiziert oder man traf sich zum
zärtlichen Rendezvous. Eine besonde­
re Rolle spielten die heute nahezu
völlig verschwundenen Grotten.
Auf dem Lande hielt sich dennoch
auch in dieser Zeit der naturnahe, we­
niger gepflegte und daher auch ro­
mantischere Garten. Schon vor dem
Ende der Kaiserzeit kam als Gegenbe­
wegung zum pomphaften Auftreten
der etablierten Schichten aus Künst­
lerkreisen der Jugendstil auf, der sich
an einfachen Formen orientierte. Die
Malerei der Impressionisten (1870 bis
ca. 1920) zeigt zudem zum Beispiel
an den herrlichen Blumendarstellun­
gen von Monet, van Gogh (und später
auch in Deutschland von Nolde), daß
nicht alle Gärten aus beschnittenen
Bäumen und geraden Buchsbaumkan­
ten bestanden. Elemente der Bauern­
gärten, in England »Cottage Gardens«
genannt, wurden um die Jahrhundert­
wende durch die Gärtnerin Miss Ger­
trude Jekyll aufgegriffen. Staudengär­
ten und Sommerblumenbeete, die
nach den Regeln der Farbenlehre und
der Harmonie des Zusammenlebens
zwischen Pflanzen gestaltet waren,
wirkten natürlich und waren trotz­
dem sorgfältig geplant, was ihren
Charme in keiner Weise störte.

Blumensträuße
und Binderei
In den Städten gab es gegen Ende des
19. Jahrhunderts und bis zum 1. Welt­
krieg bereits spezielle Blumenbinde­
reien. Sie beschäftigten sich nur mit
der gefälligen Anordnung der Schnitt­
blumen in Sträußen und Dekoratio­
nen für festliche Ereignisse und in
Trauergebinden. Sie wurden auch
»Blumisten« genannt. Diese Geschäf­
te stützten sich auf einen leistungsfä­
higen Blumenhandel, der die raffi­
niertesten Spezialitäten aus Brüssel,
22
Bedeutung und Wandel der Ziergärten
London und vor allem aus Nizza, dem
Paradies und Vorbild aller, die Blu­
men liebten, heranschafften. Dies
machten erst die neu geschaffenen Ei­
senbahnlinien möglich und natürlich
ein zahlungskräftiges »hochgestelltes«
Publikum, das sich jeden Luxus erlau­
ben konnte.
Die Erwerbsgärtnerei erlebte einen
enormen Aufschwung. Mit neu ent­
deckten und importierten Pflanzen
konnte man gute Gewinne machen.
Man züchtete auch viele Neuheiten.
Außerdem exportierten deutsche
Gärtnereien bis zum Krieg in erhebli­
chem Umfang, von Sämereien für
Zierpflanzen bis zu vorgetriebenen
Maiglöckchen, die sogar in New York
und in Frankreich sehr gefragt waren.
Blumensträuße und Arrangements
in Körben sowie Brautsträuße sahen
jedoch anders aus als heute. Die klas­
sische, edle und nach antikem Vor­
bild geformte Vase wurde sorgfältig
mit Schnittblumen, Farnwedeln, Zier­
gräsern und Ranken von Russischem
Wein oder Zierspargel geschmückt.
Die Blüten sollten möglichst kräftig
duften und exotisch gezeichnet sein.
Aber auch zartes Blau (Vergißmein­
nicht, Wicken) oder Weiß (Maiglöck­
chen, Levkojen, Zimmerkalla) galten
als edle Farben. In Sträußen durften
durchaus auch Fremdelemente mit
natürlichen Blumen vermischt wer­
den: Stoffblumen und -bänder, Tüll,
Muscheln und Zapfen. Auch Trocken­
blumen in den verschiedensten Far­
ben waren sehr beliebt, als Sträuße
und Kränze, in Körben und in Deko­
rationen verarbeitet. Die heutige Blu­
menbinderei hat die Trockenblumen
bereits seit längerer Zeit wiederent­
deckt und auch das Mischen von na­
türlichen Blumen mit Seidenblumen
Duftende Lilien und Blüten der Sterndolde aus Stoff, mit Bändern und dekorati-
(Astrantia major) Ton in Ton in einer Jugendstil- ven Elementen, ist wieder salonfähig
Vase. geworden.

23
Großmutters

Blumenbeete

Der Stadtgarten
»Kunst- und Lustgärtner« nannte man
die Gartenkünstler, die für Schlösser
und große Parks, für Fürsten und den
bürgerlichen Geldadel Gärten von
höchster Vollendung zauberten. Doch
auch die weniger begüterten Kreise
versuchten, guten Vorbildern nachzu­
eifern. Vor allem die Stadtgärtnereien
führten in den öffentlichen Anlagen
immer wieder Beispiele vor, die die
Bürger in Vorgärten und hinter dem
Haus nachvollziehen konnten. Ferne
Länder, für die meisten unerreichbar,
übten mit ihren interessanten Pflan­
zen einen unwiderstehlichen Reiz
aus. Einheimische Pflanzen traten in
den Hintergrund. Mit ungewöhnli­
chen, großen und exotischen Pflan­
zen konnte man zwischen niedrigen
Pflanzen Akzente setzen, den Garten
gliedern und auflockern. Als solche
kamen sowohl einjährige Riesenpflan­
zen in Frage, die sich leicht aus
Samen ziehen ließen, wie der Wun­
derbaum (Ricinus communis var.
zanzibariensis) und die Sommer­
zypresse (Kochia trichophylla), aber
auch Stauden wie das Pampasgras
(Cartaderia selloana) und das Rie­
senchinaschilf ( Miscanthus sinensis).
Die schutzbedürftigen Pflanzen aus
den Subtropen und Tropen waren
wegen der schwierigen Überwinte­
rung nur wenigen Gartenliebhabern
zugänglich, dafür aber, wie etwa die
Banane, besonders gefragt. Mit den
Cannas und Dahlien, damals noch Ge­
orginen genannt, gelang die Über­
brückung der frostigen Monate we-

Licht und Schatten kennzeichnen die präch­


tigen und romantischen Gartenanlagen des
vorigen Jahrhunderts.

25
Großmutters Blumenbeete

gen der unterirdischen Speicherorga­ sche Zubehör ist kein Problem mehr.
ne dagegen leicht. Sie wurden daher Mit Stämmchen, Kübelpflanzen und
häufig gepflanzt, Arten, die man selbst etwas Phantasie läßt sich die Riviera,
aus Samen ziehen konnte, wurden Großmutters Traumland, heutzutage
gerne ausprobiert, denn gekaufte innerhalb von wenigen Stunden oder
Pflanzen waren ein nahezu uner­ Tagen in der Stadt verwirklichen. Und
schwinglicher Luxus. So überrascht es denken Sie bitte an den alten Trick
nicht, daß die Samenkataloge um der Gartenarchitekten: ein großer,
1900 weitaus mehr Auswahl boten als nur mit Mühe zu pflegender Garten
heute. Ein guter Züchter handelte läßt sich leicht durch Hecken, Mauern
und bearbeitete 3000-5000 Blumen­ oder Pergolen in kleinere, intimere
sorten und -arten, heute sind es nur und übersichtlichere Bereiche abtei­
noch 1200-1500. Nahezu alle Pflan­ len, wo sich mit weniger Arbeit neue
zen, die bei uns »neu« auf den Markt Ideen verwirklichen lassen. Der Rest
kommen, waren um 1900 bereits ent­ wird dann naturgemäß und pflege­
deckt und ausprobiert. leicht gestaltet.
Die Sommerblumenbeete waren
bunt und farbenprächtig. Manchmal Vorschläge für Sommer­
wurden sie zusammen mit Stauden
als Rabatten angelegt. blumenbeete
Ein Stadtgarten
Der Rasen war durchweg mit Spin­ In vielen Gärten war um die Sommer­ auf kleinem Raum.
delmähern »englisch« kurz gehalten, blumenbeete ein dauerhafter Rahmen
die Beetkanten exakt mit dem Spaten aus niedrigem, sorgfältig geschnitte­
abgestochen und die Sommerblu­ nem Buchsbaum gepflanzt. Damit er­
menbeete unkrautfrei, denn Arbeits­ sparte man sich die alljährliche Pla­
Schmuckbeete
kräfte waren noch zahlreich und gün­ nung und auch das Abstecken kompli­ mit Frühlingsblumen.
stig zu bekommen. zierter Beetformen.
Gärten dieser Art sind heute im pri­ Auch helle, auffällige Blattpflanzen
vaten Bereich kaum noch zu finden. schaffen einen Rahmen, zwischen
Stadtgärtnereien und Schloßgärtne­ dem sich die Masse der Beetpflanzen
reien dagegen bemühen sich, einiges vorteilhaft abhebt. Silberblatt (Senecio
von dieser Tradition in die Neuzeit zu maritima), Edelkamille(Chrysanthe­
retten. Allerdings haben Großmutters mum parthenium), hellblaues oder
Blumenbeete für Pflanzenliebhaber weißes Männertreu (Lobelia erinus),
durchaus ihren Reiz und der Pflege­ weißer oder rosa Duftsteinrich (Lobu­
aufwand hängt entscheidend von laria maritima) und das Heiligen­
ihrer Größe ab. Unsere Grundstücke kraut (Santolina chamaecyparyssus)
sind klein geworden. Die Gärten sind haben sich für diesen Zweck beson­
oft von Mauern eingerahmt. Für wil­ ders gut bewährt.
de, naturgemäß angelegte Gärten ist Bei der Farbgebung sollte man Er­
oft kein Platz vorhanden, außerdem gänzungsfarben wählen: Kombinieren
sind sie nicht jedermanns Sache. So Sie zu gelben Sorten violette, zu ro­
findet »Großmutters Blumengarten« ten Blüten frischgrünes Laub und zu
wieder Freunde. Der Arbeitsaufwand Orange Blau. Diese krassen Gegensät­
ist außerdem sehr viel geringer ge­ ze sollte man allerdings nicht direkt
worden. Viele Pflanzen für die in die­ aneinander grenzen lassen oder ver­
sem Buch gezeigten Beispiele kann mischen. Besser trennt man sie durch
man fertig kaufen. Auch das südländi­ ein Band aus Blumen in neutralem
26
Gartencenter bie-
ten reichlich Zubehör.

Ein neuangelegter Stadtgarten im Stil


der Gründerzeit. Garten und Hausarchitektur
ergänzen sich.

Kletterpflanzen beleben Mauern und Fassa-


den: Glycine (Wisteria sinensis).

Formale Beete mit


Buchs umrahmt.

Ein Teppichbeet.
Großmutters Blumenbeete

Weiß. Blau wird durch Weiß belebt, genüber dem umgebenden Niveau Ein kreisförmiges
knalliges Rot dagegen gemildert. Bei erhöht sein. Bereiten Sie den Boden Beet läßt sich sehr
den bunten, leuchtenden Farben, die mit reichlich Kompost, abgelagerter leicht anlegen. Es
wirkt durch seine auf­
Großmutters Blumenbeete auszeich­ Misterde oder Langzeitdünger pflanz­
fälligen Farbkon­
nen, ist es generell angebracht, sich fertig vor. Setzen Sie die vorkultivier­ traste. Nach dem
ein bißchen nach der Farbenlehre zu ten Pflanzen in gleichmäßigem Ab­ Verblühen der Früh­
richten. Sie wurde in Frankreich im stand. Gründliches Angießen nicht lingsblumen wechselt
19. Jahrhundert mit einem Farbkreis vergessen! Räumen Sie die Sommer­ die Bepflanzung.
erstmals dokumentiert. Er zeigt, daß blumenbeete spätestens Anfang Okto­
die 100% reinen Farben selten, sol­ ber ab, damit Blumenzwiebeln und
Pflanzen für die Frühjahrsblüte noch
gut anwachsen können.

Ein kreisförmiges Beet

Frühjahrsbepflanzung
1 Bellis perennis 'Pomponette' rosa:
Maßliebchen
2 Viola wittrockiana weiß:
Stiefmütterchen
3 Cheiranthus cheiri orange:
Goldlack
Variante:
che mit Untertönen dagegen weitaus
am häufigsten vorkommen. Danach 1 Viola wittrockiana dunkelblau:
kann man unbedenklich Farben mit­ Stiefmütterchen
einander im Beet mischen, die entwe­ 2 Myosotis alpestris hellblau:
der einen Blaustich haben wie Dun­ Vergißmeinnicht
kelblau, Grün, Hell- und Dunkelgelb 3 Tulpen 'Peach Blossom', rosa
oder solche, die etwas Gelb enthalten gefüllt
wie z. B. Orange, Rot oder Violett.
Sehr gut wirken auch gedämpfte Tö­ Sommerbepflanzung
ne wie z. B. Grün zu Braun oder Rot­ 1 Senecio maritima 'Rauhreif':
braun und Ton-in-Ton-Kombinatio- Silberblatt
nen, in denen eine Grundfarbe durch 2 Begonia semperflorens rot: Eis­
hellere oder dunklere Schattierungen begonie
variiert wird, zum Beispiel Dunkel­ 3 Amarantbus tricolor rot: Das elliptische
blau mit Hellblau oder Hellrot mit Fuchsschwanz Beet ist abwechs­
Dunkelrot und Brauntönen. lungsreicher
Noch einige praktische Tips: Zeich­ Variante: bepflanzt. Hohe
Pflanzen wie die Kai­
nen Sie zunächst die Umrisse des 1 Lobularia maritima weiß:
serkronen im Früh­
Beetes an. Für den Kreis genügt ein 'Schneeteppich' jahr, Canna und
Pflock und eine Schnur. Stechen Sie 2 Tagetes signata pumila orange: Lobelien im Sommer
mit dem Spaten die Soden heraus ­ Sammetblume kontrastieren mit
auf exakte Kanten achten! Der Boden 3 Dracaena marginata: niedrigen Beet­
soll anschließend gewölbt oder ge­ Drachenbaum blumen.

28
Großmutters Blumenbeete

Ein elliptisches Beet

Frühjahrsbepflanzung
1 Bellis perennis weiß: Maßliebchen
2 Bellis perennis rot
3 Myosotis alpestris hellblau:
Vergißmeinnicht
4 Fritillaria imperialis orange:
Kaiserkrone
5 Cheiranthus cheiri orange:
Goldlack
Variante:
1 Viola wittrockiana weiß:
Stiefmütterchen
2 Hyacinthus orientalis dunkelblau:
Hyazinthen
3 Viola wittrockiana hellblau:
Stiefmütterchen
4 Gruppe von Lilienblütigen
Tulpen
5 Gruppe von gefüllten Tulpen
'Peach Blossom'

Sommerbepflanzung
1 Lobelia erinus 'Kaiser Wilhelm'
dunkelbau: Männertreu
2 Chrysanthemum parthenium weiß:
Edelkamille
3 Salvia splendens rot: Salvie
4 Ricinus communis: Wunderbaum
5 Lantana camara gelb: Lantane
(Stämmchen)
Variante:
1 Begonia semperflorens rosa:
Eisbegonie
2 Senecio maritima 'Rauhreif':
Silberblatt
3 Pelargonium zonale rot: Geranie
4 Canna indica orange mit dunklem
Laub: Canna
4 Lobelia fulgens 'Queen Victoria'
(ersatzweise 'Kompliment
Scharlach'): Lobelie

29
Großmutters Blumenbeete

Ein rechteckiges Beet

Frühjahrsbepflanzung
1 Grocus verus gelb: Krokus
2 Myosotis alpestris hellblau:
Vergißmeinnicht
3 Hyazinthus orientalis: Hyazinthen,
abwechselnd jeweils rosa und
karmesinrot
4 Viola wittrockiana gelb: Stiefmüt­
terchen
Variante:
1 Bellis perennis rosa: Maßliebchen
2 Hyacinthus orientalis blau:
Hyazinthen
3 Bellis perennis weiß: Maßliebchen
4 Cheiranthus cheiri gelb oder
Mischung: Goldlack

Sommerbepflanzung
1 Tagetes patula nana gelb, niedrig:
Studentenblume
2 Senecio maritima 'Rauhreif':
Silberblatt
3 Salvia splendens rot: Salvie
4 Heliotropium peruvianum blau­
violett: Heliotrop
Variante:
1 Lobularia maritima weiß:
Duftsteinkraut
2 Ageratum houstonianum blau,
niedrig: Leberbalsam
3 Chrysanthemum parthenium weiß:
Edelkamille
4 Nicotiana sanderae rot: Ziertabak
5 Solitärs im Abstand von 3 Metern,
zum Beispiel Töpfe mit Hanf­
palmen (Trachycarpus), Yucca oder
Trauerrosen-Stämmchen.

Farbenkontraste machen ein rechteckiges Bett


lebendig (oben) Pflanzplan in Form eines
Schmetterlings. An einer Anhöhe wirkt dieses
Schmuckbeet am schönsten (siehe S. 6/7)

30
Großmutters Blumenbeete

Große Pflanzen Rotblättrige Blutmelde (Atriplex


für Effekte hortensis var. atrosanguinea): Rost­
braune Zierform der Gartenmelde,
Imponierende Pflanzen mit schnel­ Höhe bis 1,5 Meter.
lem Wachstum zeigten nicht nur die
üppige Vegetation des Südens, son­ Riesentabak (Nicotiana sylvestris):
dern zogen auch die Blicke auf sich. Wird bis 2 Meter hoch, dekorative Er­
Sie eigneten sich ausgezeichnet zum scheinung, weiße, duftende Blüten,
Gliedern eines Gartenraumes und die Nachfalter von weit her anlocken.
vermittelten einen ruhigen grünen Sommerzypresse (Kochia tricho­
Hintergrund, vor dem sich feinere phylla): Wird etwa 1,20 Meter hoch,
und niedrigere Pflanzen vorteilhafter blüht bei uns nicht, wirkt durch sei­
abhoben. nen säulenartigen Wuchs, färbt im
Auch in modernen Gärten, selbst in Herbst rot.
sehr kleinen, erreicht man mit spar­
sam verwendeten Kletterpflanzen, im­
mergrünen Büschen und schnell­ Stauden als Effektpflanzen
wüchsigen Einjährigen ein intimeres
Gartengefühl und mehr Lebendigkeit. Akanth (Acanthus mollis): Wird bis
Effektpflanzen können sowohl Stau­ 1,5 Meter hoch, blüht im Hochsom­
den als auch Einjährige sein. Einzeln mer mit blaßlila ährenförmigen Blü­
oder in Trupps bilden sie ein Gegen­ tenständen. Die gebuchteten Blätter
gewicht zur Farbenpracht der Blu­ dienten schon im Altertum als Vorbild
menbeete. Sie wirken durch ihre für die Form der dorischen Kapitelle
Größe, Blattform und ornamentale an den Säulen griechischer Tempel.
Erscheinung und setzen Akzente im Paßt gut in Staudenrabatten, vor
Garten. dunkle Gehölze, zu Rosen und Akelei.

Besonders beliebte einjährige


Aus der Kartoffelblüte Effektpflanzen
entwickelte ein Garten­
planer mehrere
Beifuß (Artemisia annua): Zarte,
Pflanzmodelle für
Schmuckbeete.
silbrig-weiße Blätter, duftend, bis 1,5
Meter hoch.

Fuchsschwanz (Amaranthus trico­


lor): Besonders attraktiv für Schmet­
terlinge, Höhe bis 1,5 Meter.

Krausmalve (Malva crispa): Pyrami­


daler Wuchs, gekrauste Blätter.

Schwarznessel (Perilla frutescens):


Rotblättrig mit unscheinbaren Blüten,
duftend. Die grüne Form wird in Ja­
Zartlila blühender pan zum Fisch gegessen. Höhe
Akanth. 120 cm.

31
Großmutters Blumenbeete

Effektpflanzen

DEUTSCHER NAME FARBE STANDORT HÖHE AUSSAAT VERMEH­ ZIEREND


BOTANISCHER NAME (cm) (Monat) RUNG/ IST
TEILUNG
(Monat)

Blumenrohr rot, 80-120 — 2 Blüte


Canna indica orange, Blatt
gelb

Cordyline weiß-grün 160-200 — 3-4 Blatt


cordyline australis (syn.
C. indivisa)

Cordyline, blaugrün 150 — 2-3 Blatt


Keulenlilie und rot
Cordyline indivisa

Dracaene, grün, rot 60-180 — 3-4 Blatt


Drachenlilie
Dracaena marginata

Fuchsien rot, rosa, 80-120 — 3-7 Blüte


(Stämmchen) weiß
Fuchsia hybrida

Lantanen­ rot, gelb, 80-150 — 2-3 Blüte


Stämmchen orange
Lantana camara

Livistonie-Palme grün 150-250 — 2-3 Blatt


Livistonia australis
(syn. Corypha)

Trauerrosen rot, weiß, 150-180 — 6-7 Blüte


Rosa chinensis rosa

Zuckerhutfichte grün 100-200 — 2-3 Blatt


Picea excelsa

SONNE HALBSCHATTEN SCHATTEN


EINJÄHRIG STAUDE KÜBELPFLANZE

32
Großmutters Blumenbeete

Artischocke (Cynara scolymus): Die Interessante Kletter­


Früchte werden knospig als Gemüse pflanzen aus Großmutters
gegessen. Nach dem Aufblühen lok­
ken sie mit herrlichen stahlblauen
Zeit
Blüten Schmetterlinge, Hummeln und Neben ausdauernden Kletterpflanzen
Bienen an. Höhe etwa 1,5 Meter. wie dem Japanischen Hopfen (Humu­
Blüht schon im ersten Jahr, Überwin­ lus scandens), der nach seiner Ein­
terung mit dicker Laubdecke. führung in Europa Ende des 19. Jahr­
hunderts zu einer gefragten Sensation
Cardy (Cynara cardunculus): Eine wurde, zählten Kletterrosen, die no­
Edeldistel und ein Feingemüse, des­ stalgische Waldrebe Clematis und vie­
sen dicke Blattstiele gegessen wer­ le einjährige Kletterpflanzen zu den
den. Entwickelt im zweiten Jahr impo­ Lieblingen der Gärtner. Besonders
sante Pflanzen von bis zu 1,80 Meter eindrucksvoll verkörpern sie üppigen
Höhe mit ähnlichen Blüten wie die Wuchs. Außerdem sind sie sehr blüh­
Artischocke. Schöne große Blätter mit freudig. Mit entsprechenden Gerüsten
silbrig-grüner Färbung. Anzucht aus aus Draht oder Bambusstäben, die zu
Samen mit Aussaat im März, Überwin­ dritt oder zu viert zusammengebun­
terung unter Stroh- oder Laubdecke. den werden, ist schnell eine Rank­
möglichkeit geschaffen.
Chinaschilf (Miscanthus sinensis): Auch heute bietet der Fachhandel
Unverwüstliches Riesengras, das jedes eine große Auswahl an phantasie­
Jahr auf 2-3 Meter Höhe empor­ vollen Gerüsten - nicht nur die be­
schießt und im Spätherbst mit silbrig­ kannten Rosenbögen! Auch der Sa­
weißen Fahnen blüht. menhandel greift auf nostalgische
Kletterpflanzen zurück und bringt sie
Federmohn (Macleya cordata): neu heraus. Darunter sind neben den
Blüht unscheinbar im Spätherbst. Die bekannten Standard-Arten wie Feuer­
bis zu 2-3 Meter langen Triebe sind bohne (Phaseolns coccineus), Glok­
dicht besetzt mit herzförmigen, grau­ kenrebe (Cobaea scandens), Edel­
grün bereiften Blättern. Paßt gut in wicken (Lathyrus odoratus), Stauden­
die Nähe von Wasser und zu herbst­ wicken (Lathyrus latifolius), Trichter­
blühenden Stauden wie Herbstastern winde (Ipomoea tricolor), Rankende
(Aster novi-angliae), zu Blutweiderich Kapuzinerkresse ((Tropaeolum ma­
(Lythrum salicaria), Japananemone jus), Zierkürbissen (Cucurbita pepo)
(Anomone hupehensis) oder zur Sil­ und Kalebassen (Lagenaria) einige,
berkerze (Cimicifuga simplex). die sich besonders lohnen: Sie haben
auffallende Blüten, einen kräftigen
Pampasgras (Cortaderia selloana, Wuchs und lassen sich leicht anziehen.
syn. Gynerium argenteum): Erreicht
2,5 Meter Höhe und im Laufe der Jah­ Kanarische Kresse (Tropaeolum
re einen beachtlichen Umfang. Im peregrinum): Die Verwandte der Ka­
Spätsommer erscheinen als imposan­ puzinerkresse wächst und blüht sehr
te silbrigweiße Fahnen die Blüten­ üppig. Die Ranken können bis zu
stände. Benötigt Laub oder Stroh als 5 Meter Länge erreichen. Die bizarr
Winterschutz. Hauptgefahr ist jedoch geformten leuchtend gelben Blüten
das Verfaulen, deshalb möglichst auf sind nur 2-3 cm groß, erscheinen je­
sandigen Boden pflanzen. doch in großer Zahl.

33
Großmutters Blumenbeete

Maurandie (Maurandya barclaiana, üppig mit violettrosa Blüten, wenn sie


syn. Asarina): Mehrere Arten sind in genügend Schutz vor Wind genießt.
Mexiko und den angrenzenden mit­ Sehr auffällig sind die breiten, rost­
telamerikanischen Ländern beheima­ roten Samenhülsen. Man sollte die
tet: M. barclaiana mit blauvioletten Helmbohne vorkultivieren und erst
Blüten, M. anthirrhiniflora mit rosa­ Ende Mai ins Freie setzen.
roten löwenmaulähnlichen Blüten,
M. semperflorens mit violettroten Blü­
ten. Alle sind besonders hübsch, blü­ Teppichbeete
hen ab Juli den ganzen Sommer über
und können als Kübelpflanzen oder Zu Kaisers Zeiten waren die in Eng­
im Gewächshaus auch mehrere Jahre land und Frankreich entwickelten
überdauern. Die Triebe erreichen Teppichbeete große Mode. Es handelt
3-4 Meter Länge und blühen an ge­ sich um kunstvolle, sorgfältig gepfleg­
schützten Stellen reichlich. Anzucht te, flache oder schräg wie ein gekipp­
ab März unter Glas. Mit ihrem zierli­ tes Bild angelegte Pflanzungen, bei
chen Laub paßt die Maurandie beson­ denen weniger die Blüten als das far­
ders gut auf die Terrasse, in Gefäße, benprächtige Laub von kleinwachsen­
an Säulen, Drahtgitter und die früher den Stauden und frostempfindlichen
so beliebten Blumengirlanden. Pflanzen im Vordergrund standen.
Die Muster und Kontraste ähnelten
Prunkwinde (Quamoclit lobata, denen von Teppichen. Wenn Sie Lust
syn. Mina lobata): Diese Leguminose haben, ein solches Beet nachzugestal­
stammt aus Südamerika. Sie erreicht ten, können Sie auf solche Vorlagen
3-6 Meter Höhe und bedeckt schnell zurückgreifen. Die Beispiele bezie­
Wände, Zäune, Rohre, Klettergerüste hen sich nur auf einfache Muster, die
und Pergolen. Ab August erscheinen leicht nachzuvollziehen sind. Ihrer
die farbenprächtigen gelb-roten Blü­ Phantasie sind dabei keine Grenzen
tenstände in großer Zahl. Vorkultur gesetzt! In einem Innenhof, im Vor­
erforderlich, nach dem Frost wird garten, auf der Terrasse oder auf
ausgepflanzt. einem Dachgarten erreicht man mit
einem Teppichbeet auf kleiner Fläche
Schönranke (Eccremocarpus sca­ ein Maximum an Wirkung.
ber): Sie stammt ebenfalls aus Süd­ Die buntblättrigen Stauden bieten
amerika, wächst sehr üppig mit bis zu auch bei Regenwetter und im Schat­
Diese klassischen
5 Meter langen Ranken. An zierlichem ten einen erfreulichen Anblick. Sie
Grundrisse passen
Laub erscheinen in großer Zahl lassen sich auch gut mit niedrigen sowohl in Vorgärten
leuchtend orangerote, gelbe oder Beetpflanzen wie Begonia semperflo­ als auch zwischen
zinnoberrote Röhrenblüten. Mit etwas rens oder Bellis perennis kombinie­ Wege, in Atrium­
Winterschutz kann sie überwintern. ren. Solche Stil-Übergänge zu den so­ gärten und in öffent­
Direktsaat ins Freie ab April oder An­ genannten Schmuck- oder Tortenbee­ liche Anlagen.
zucht ab März sind möglich. ten mit höheren Pflanzen und rei­
chem Blumenflor waren immer üb­
Helmbohne oder Schlingbohne lich. Wie eine solche Anlage aussah,
(Dolichos lablab): Die Helmbohne ist kann man in der restaurierten »Flora«
in Südamerika zuhause. Wie eine in Köln bewundern, die ganz im Stil
Stangenbohne schlingt sie sich ca. von Peter Joseph Lenné (ihrem
2 Meter in die Höhe und blüht dabei Schöpfer) wiedererstanden ist.

34
Großmutters Blumenbeete

Die hohe Kunst der


Teppichbeetgestal­
tung zeigt sich in
diesen Pflanzplänen
Ende des 19. Jahr­
hunderts.
Großmutters Blumenbeete

Vorschläge für einfache Variante


Teppichbeete 1 Echeveria glauca metallica:
Echeverie, blaugrün
Für die Anlage eines Teppichbeets
2 Ajuga reptans: Günsel, braunrot
benötigen Sie zuerst einen Plan mit
3 Sedum acre: Mauerpfeffer, hellgrün
vorgegebenen Maßen und Pflanzab­
4 Stachys lanata: Wollziest, silbrig­
ständen, die dem voraussichtlichen
weiß
Wachstum der Pflanzen entsprechen.
Eine Skizze oder eine Vorlage genü­
gen. Außerdem sollte die Umgebung
des Beetes so sein, daß die Pflanzung
voll zur Wirkung kommt - also ruhig.
Gut eignen sich kiesbestreute Wege,
Steinplatten, Klinker oder ein gut ge­
pflegter Rasen. Bei der Pflanzung der
vorgezogenen Stauden oder Sommer­
blumen kommt es auf Genauigkeit an.
Jede Unebenheit des Bodens wird
später sichtbar. Deshalb muß man ihn
nach dem Graben und Einbringen
von unkrautfreiem Kompost oder Rin­
denhumus wie bei einer Rasenfläche
behandeln, also antreten, nochmals
Lücken ausfüllen und mit dem Re­
chen abziehen. Danach wird entlang
einer gespannten Schnur in gleichmä­ Ein halbmondförmiges
ßigen Abständen gepflanzt, entspre­ Teppichbeet (nicht winterhart)
chend dem gewählten Muster. Später
wird mit feiner Brause durchdrin­ 1 Santolina chamaecyparissus:
gend angegossen. Gegen auflaufendes Heiligenkraut, silbrig-weiß
Unkraut hilft vorbeugend das Abdek­ 2 Iresine lindenii: broncerot
ken mit geeignetem Mulchmaterial 3 Altemanthera amoena: hellgrün
(z. B. Rindenmulch, Schreddermate­
rial) und rechtzeitiges Hacken. Variante (winterhart)
1 Antennaria dioica (syn. A tomen­
tosa): Katzenpfötchen, weiß
2 Sedum reflexum: Fetthenne,
broncerot
Ein kreisrundes Teppichbeet
3 Euonymus japonica: Spindel­
(nicht winterhart)
strauch, hellgrün
Über weitere Pflanzen die für
1 Echeveria glauca metallica: Teppichbeete verwendet wurden, gibt
Echeverie, blaugrün die Tabelle auf Seite 39 Auskunft.
2 Alternanthera bettzickiana: bronce­
rot Ein blühendes Paradies - ein Spiel mit vielen
3 Alternanthera amoena: grün Farben (großes Bild). Die vorgegebenen Einfas­
4 Santolina chamaecyparissus: sungen mit Buchs und Heiligenkraut erleichtern
Heiligenkraut, silbrig-weiß das Bepflanzen (oben).

36
Großmutters Blumenbeete

DEUTSCHER NAME FARBE STANDORT HÖHE AUSSAAT VERMEH­ ZIEREND


BOTANISCHER NAME (cm) (Monat) RUNG/ IST

TEILUNG
(Monat)

Alternanthere
Alternanthera grünrot 10-20 ganz­ - Blatt
bettzickiana jährig
Alternantbera grüngelb 10-20 ganz­ - Blatt
bettzickiana aurea jährig

Artemisie silbrig-weiß 20 - 6-8 Blatt


Artemisia stelleriana

Blauschwingel blaugrün 25 - 2-3 Blatt


Festuca glauca

Buchs grün 20-40 - 6-8 Blatt


Buxus sempervirens

Centauree grünlich­ 25 - 4-5 Blatt


Centaurea babylonica weiß

Duftsteinrich weiß 20 2-4 - Blüte


Lobularia maritima
(syn. Alyssum)

Echeverie silbrig ­ 20 - 6-8 Blatt


Echeveria elegans grün

Echeverie blaugrün 20 - 6-8 Blatt


Echeveria peacockii

Edelkamille gelbgrün 35 3 - Blatt


Chrysanthemum
parthenium

Eisbegonie rot, rosa, 25 2 - Blüte


Begonia semperflorens weiß

Filziges Hornkraut silbrig-weiß 25 _ 4-5 Blatt


Cerastium tomentosum

Der »Werkstoff Pflanze« und was tirol, Herkules in La-Tour de Peilz/ (vorn), Alternanthera bettzickiana
man daraus mit Draht, Torfsubstrat Schweiz, Yin und Yang, chinesische aurea (mitte), Alternanthera bettzik­
und viel Phantasie gestalten kann: Sinnbilder des Lebens in der Kölner kiana (oben).
Springreiter im Kurpark Meran/Süd- Flora. Die Pflanzen: Pilea microphylla

39
Großmutters Blumenbeete

DEUTSCHER NAME FARBE STANDORT HÖHE AUSSAAT VERMEH­ ZIEREND


BOTANISCHER NAME (cm) (Monat) RUNG/ IST
TEILUNG
(Monat)

Hauswurz grün-rot 10 - 3-9 Blatt


Sempervivum tectorum

Heiligenkraut silbrig-weiß 20-30 - 6-8 Blatt


Santolina chamae­
cyparyssus

Helichrysum weiß-grün 20 6-8 Blatt


petiolare
(syn. Gnaphalium
lanatum)

Hornkraut silbrig-weiß 25 - 4-5 Blatt


Cerastium biebersteinii

Immergrün weiß-grün 25 - 3-7 Blatt


Vinca major 'Variegata'

Iresine
Iresine lindenii weinrot 20-40 ganz­ - Blatt
jährig
Iresine herbstii weißgrau 30-45 ganz- Blatt
jährig
(syn. Achyranthes verschaffeltii)

Kanonierblume hellgrün 20 ganz­ - Blatt


Pilea microphylla jährig
(syn. P. muscosa)

Katzenpfötchen silbrig-weiß 25 - 6-8 Blatt


Antennaria tomentosa

Kissenprimel alle Farben 15 3-4 - Blüte


Primula acaulis

Leberbalsam blau u. 20 2-3 2-3 Blüte


Ageratum housto­ weiß
nianum

Männertreu blau u. 25 2 - Blüte


Lobelia erinus weiß

Maßliebchen rot, rosa, 20 7-8 - Blüte


Bellis perennis weiß

40
Großmutters Blumenbeete

DEUTSCHER NAME FARBE STANDORT HÖHE AUSSAAT VERMEH­ ZIEREND


BOTANISCHER NAME (cm) (Monat) RUNG/ IST

TEILUNG
(Monat)

Mauerpfeffer grün-gelb 5 - 3-9 Blatt


Sedum acre

Pantoffelblume gelb 30 2-3 3 Blüte


Calceolaria integrifolia

Ruhrkraut silbrig-weiß 25 - 3-4 Blatt


Gnaphalium
japonicum (syn. la­
natum)

Schlangenbart grün-weiß 25 - 3-4 Blatt


Ophiopogon jaburan

Silberblatt silbrig-weiß 20 3-4 - Blatt


Senecio maritima
(syn. Cinearia
maritima)

Spindelstrauch weiß-grün 20 - 6-8 Blatt


Euonymus fortunei
(syn. E. radicans)
Steinbrech, Rosetten grün-silbrig 15 - 3-4 Blatt
Saxifraga aizoon
minor

Studentenblume gelb, 20-30 3-4 - Blüte


Tagetes patula nana orange

Teppichsedum grün-rot 10 - 3-9 Blatt


Sedum spurium

Vergißmeinnicht blau u. 25 6-8 - Blüte


Myosotis sylvatica weiß

Wollziest silbrig-weiß 25 - 4-7 Blatt


Stachys lanata
Zitronenthymian gelb-grün 5 - 3-4 Blatt
Thymus citriodorus

SONNE HALBSCHATTEN SCHATTEN


EINJÄHRIG STAUDE NICHT WINTERHARTE TOPFPFLANZE

41
Großmutters

Bauerngarten

Der edle und kunstvoll gepflegte


Stadt- und Herrschaftsgarten war über
Jahrhunderte auch ein Vorbild für die
Gärten auf dem Lande. Von den Par­
terres der Schloßgärten wurde die
Einfassung der Beete mit Buchs und
Heiligenkraut (Santolina) übernom­
men, die dem Bauerngarten einen
formalen Rahmen verlieh, der bis
heute typisch ist.
Romantische Bauerngärten sowie
deren Früchte und Blumen wurden
von den Malern mit Begeisterung ab­
gebildet. Daher wissen wir ziemlich
genau über die Neueinführungen und
deren Vordringen in die Gärten Be­
scheid.
Heute wie damals enthielten
Bauerngärten blühfreudige Stauden
und Einjahrsblumen, die sich zumeist
selbst aussäen oder von denen die
Bauersfrau Samen erntete und Steck­
linge oder Knollen nahm. Durch eifri­
ges Tauschen und eigene Vermeh­
rung entwickelte sich eine Auswahl
von typischen Bauernblumen, die re­
gional unterschiedlich ist und heute
noch neue und blühfreudige Sorten
und Arten integriert, wie etwa die Be­
chermalven (Lavatera trimestris) 'Sil­
ver Cup' (rosa) und 'Mont Blanc'
(weiß).

So legt man einen


Bauerngarten an
Die Beete eines Bauerngartens sind
meist mit kleinen Hecken aus Buchs,
Heiligenkraut, Lavendel, Katzenminze
oder Mauerpfeffer eingefaßt. Inner­
halb der Beete werden Stauden und

Sommerblumen, Stauden und Gemüse - alles


ergänzt sich im Bauerngarten.

43
Großmutters Bauerngarten

Einjahresblumen nach eigenem Ge­ gen aus dem Schredder oder mit Rin­ Ein Sommerblu­
schmack verteilt. Allgemeine Regel: denmulch zu bedecken. Wenn dann menstrauß der Jahr­
Höhere Stauden oder Sommerblu­ nicht ständig gegraben oder gepflanzt hundertwende.
men gehören in den Hintergrund wird, erledigt sich das Unkrautpro­
und niedrige nach vorne. Hohe Stau­ blem von allein.
den brauchen im Sommer Stützen als Zum Bauerngarten gehören auch
Halt. Unsere Vorfahren benutzten da­ die stimmungsvolle Laube oder die
für Zweige, die sie schon im Mai in »Grotte«. An Pfeilern oder Rundbö­
den Boden steckten, damit sich die gen klimmen Kletterpflanzen wie Je­
Triebe daran rechtzeitig orientieren längerjelieber, Rosen oder Wicken in
konnten. die Höhe.
Eine sonnige, offene Lage bekommt Wer das Angenehme mit dem Nütz­
den meisten Blumen am besten. Aber lichen verbinden will, kann über die
auch für den Halbschatten und Schat­ Bögen auch Brombeeren leiten. Hier
ten gibt es genügend Auswahlmög­ wäre auch ein Platz für den Wein. Zie­
lichkeiten für ein Blüh- und Duft­ hen sich die Rundbögen in Hausnähe
erlebnis über das ganze Jahr. entlang, bietet es sich an, nach Groß-
Anregungen gibt Ihnen die Tabelle mutter-Art Spaliere von Birnen,
auf Seite 59 und 73. Äpfeln oder Pfirsichen und Wein im
Sehr bewährt hat es sich, die Beete Viertelkreis ans Haus zu führen. Auf
5-10 cm hoch mit gehäckselten Zwei­ diese Weise entsteht eine schattige
44
Großmutters Bauerngarten
So sieht ein typi- Laube, wie man sie z. B. im Tal der Laufkäfer). Als Larven sind sie nämlich
scher Bauerngarten schönsten Bauerngärten, dem Schwei­ unerbittliche Jäger und ernähren sich
aus: mit kreuzförmi- zer Emmenthal oder auch in Süd­ von Schädlingen.
ger Wegeführung,
deutschland noch häufig findet. Feldblumenmischungen als Nah­
einem Rondell in der
Anregungen vermitteln auch die rungsquellen für Nützlinge enthalten
Mitte und Buchs­
hecken als Einfas­
zahlreichen Bauernhausmuseen, von Pollenspender wie den Klatschmohn
sung. In den Beeten denen sich sicher eines in Ihrer Nähe oder die Kornrade, Borretsch und Ka-
wächst eine Vielfalt befindet. Die meisten sind mit kleine- mille sowie Doldenblütler wie den
von Blumen, Kräutern ren oder größeren Bauerngärten aus- Kerbel, die wilde Möhre und Dill. Die
und Gemüsen. gestattet. Mischungen werden im Frühling
(April bis Juni) breitwürfig ausgesät
und mit der Harke leicht eingerecht.
Eine Ecke für Nützlinge Nahrung steht dann während der Blü­
Auch eine Nützlingsecke gehört in je­ te von Anfang Juni bis zum Frost zur
den Bauerngarten. Dort dürfen Pflan­ Verfügung. Außerdem verwirren die
zen wachsen, die Nahrung in Form Duftstoffe vieler Blumen und Kräuter
von Pollen und Nektar bieten für Bie­ - Lavendel, Thymian, Isop, Wermut,
nen, Hummeln, Schmetterlinge und Kapuzinerkresse, Studentenblume ­
die erwachsenen Stadien von Nützlin - die Schädlinge, lenken sie ab und hal­
gen (zum Beispiel Schwebfliegen und ten sie so von den Gemüsen fern.
In einem Bauern­
garten dürfen die
Feldblumen nicht feh­
len - sie bieten vielen
Nützlingen Nahrung
und sehen attraktiv
aus.
Typische Blumen
des Bauerngartens
Blumenzwiebeln
und Knollen
Anemone, Kronenanemone(Ane­
mone coronaria): Man setzt die flach­
runden, schwarzbraunen Knollen der
aus dem Mittelmeerraum stammen­
den Pflanze ab April bis Juni im Gar­
ten an sonniger Stelle 6-8 cm tief. In
den Sommermonaten erscheinen
dann nach und nach die auffälligen
Blüten auf 20-30 cm hohen Stielen.
Sie ergeben haltbare Schnittblumen,
lassen sich auch gut in Schalen ziehen
und sind vor allem im Spätherbst und Dahlie (Georgine), (Dahlia variabi­
Winter ein Schmuck für Haus und lis), mehrjährig: Als die Spanier Mexi­
Wintergarten. Die harten Knollen ko eroberten, fanden sie in Gärten
kann man jederzeit zum Leben er­ bereits mehrere Arten der Dahlie vor.
wecken und sich schon 2-3 Monate Sogar von gefüllten Formen wird be­
nach dem Pflanzen an den ersten Blü­ reits 1575 berichtet. 1787 gelangten
ten erfreuen. Nach einiger Zeit wer­ die ersten zwei Pflanzen nach Madrid,
den die Blätter gelb, die Pflanzen zie­ eine halbgefüllte purpurrote und eine
hen ein. Es ist besser, sie dann aus ungefüllte weiße. Sie wurden als Sen­
dem Boden zu nehmen und kühl und sation herumgereicht. Daß daraus
trocken zu überwintern. Läßt man sie eine der beliebtesten Gartenpflanzen
am Standort, können sie erfrieren. entstehen sollte, ist dem Deutschen

Kronenanemonen
entfalten sich inner­
halb von wenigen
Wochen aus Knollen.

46
Großmutters Bauerngarten

Dahlienblüte mit Alexander von Humboldt zu verdan­ einfassung. Spezielle Schnittsorten,


Libelle. ken, der 1804 Samen verschiedener mit großen ausdrucksvollen Blüten,
Arten aus Mexiko nach Paris und nach benötigen etwas Halt durch einen
Berlin schickte. Sofort wurden Kreu­ Stock. Die Blütengröße läßt sich
zungsversuche unternommen und durch Ausbrechen der Seitenknospen
schon 1806 konnte der Botanische beeinflussen. Im Mai setzt man die
Garten in Berlin mit 55 einfachen und Knollen nach draußen in einen
Anemonen wur­ halbgefüllten Sorten glänzen. 1831 durchlässigen mit Kompost ange­
den von den Kreuz­ kultivierte ein Schweizer Liebhaber reicherten Boden in genügend gro­
fahrern nach Europa bereits 1500 Sorten. 1845 gab es ßem Abstand, je nach Sorte zwischen
gebracht. allein 50 der später so beliebt gewor­ 40 und 80 cm. Kurz vor den ersten
denen Pompon-Dahlien mit kleinen, Frösten im Herbst schneidet man die
festen, runden Blütenköpfen. Die Ein­ Triebe auf etwa 15 cm lange Stummel
kreuzung von Dahlia juarezii brachte zurück, hebt die Knollen mit einer
die Kaktusform mit nadelförmigen, Grabegabel vorsichtig heraus, schüt­
leicht gedrehten Petalen, die heute ei­ telt die Erde ab und setzt sie in Kisten
nen Großteil der Züchtungen ausma­ mit trockenem Torf. Gerade eben
chen. Dahlien gedeihen an jedem frostfrei überwintern sie in einem
sonnigen und halbsonnigen Platz, Keller oder in der Veranda.
nehmen mit Sand- und Lehmboden
Vorlieb, bieten von Ende Juli bis zum Hasenglöckchen, Waldhyazinthe,
Frost in Hülle und Fülle Farbenpracht Blue Bell (Endymion non-scriptus):
und ständig neue Blumen für Sträuße, Das Hasenglöckchen hat nichts von
Schalen und Dekorationen. Sie pas­ seinem Charme verloren. Es verzau­
sen zu jeder Art von Beetbepflanzung, berte bereits die Gärten des 19. Jahr­
zu Sommerblumen, wie Begonia sem­ hunderts. An einigen Stellen
perflorens, Salvien, Tagetes und Norddeutschlands
Astern, aber auch ins Staudenbeet, die kommt es wild vor.
niedrigen Mignon-Dahlien und ane­ In Holland, Belgien,
monenblütigen Sorten auch als Beet­ Westfrankreich und

Das Hasenglöck­
chen vermehrt sich
leicht, wenn man es
in Ruhe läßt. In Eng­
land bedecken diese
»Bluebells« zu Milliar­
den humusfeuchte
Waldböden.
Großmutters Bauerngarten

vor allem in England bedeckt es mas­ Von dort gelangten sie nach Hol­ Samen der Hya­
senhaft als lilablauer Teppich den land, wo viele bekannte Sorten ge­ zinthen gelangten
Boden lichter Laubwälder, aber auch züchtet wurden. Hyazinthen eig­ schon zusammen mit
den ersten Tulpen an
Wegraine und feuchte Wiesen. Von nen sich besonders gut für exakte
den kaiserlichen Hof
dort aus wurde es in die Gärten ge­ Pflanzungen, wie sie auf Teppich­ zu Wien. Die Treiberei
holt und paßt vor allem in naturna­ beeten und Schmuckbeeten in bauchigen Glasge­
he Gärten, unter Gehölze und Bäu­ notwendig sind. Ihr starker, fäßen erlangte große
me, in Blumenwiesen, zwischen angenehm süßer Duft machte Beliebtheit.
bodendeckende Stauden und sie zusätzlich zu einem der be­
Gehölze. Die Zwiebeln gibt es zu gehrtesten Frühjahrsblüher
kaufen. Einmal im Herbst einge­ vergangener Zeiten. Man muß
setzt, vermehren sie sich über Brut­ die Zwiebeln mit reichlich Kom­
zwiebeln und über Samen von selbst post ernähren, sie nach dem
weiter - sie verwildern. Einziehen des Laubes aus dem
Das Hasenglöckchen ist eine halt­ Boden heben und an einem
bare Schnittblume mit feinem Duft. schattigen und trockenen Platz
Es wurde früher viel in Blumenkrän­ einziehen lassen. Von September
zen und Biedermeiersträußchen bis Oktober wird dann erneut
verarbeitet, oft zusammen mit gepflanzt. Achten Sie auf
Maiglöckchen, die zur gleichen große Zwiebeln, denn nur
Zeit blühen. solche blühen später mit
dicht besetzten kräftigen Blü-
Hyazinthe (Hyazinthus orientalis): tenständen und eignen sich auch für
Die Gartenhyazinthen sind zusammen die Zimmertreiberei.
mit den Tulpen vom Hof des Sultans Im Bauerngarten sind auch die nur
in Konstantinopel 1554 an den Kaiser­ 15 cm hohen, viel kleineren Trauben­
lichen Hof nach Wien gekommen. hyazinthen (Muscaria armeniacum)
beliebt, die schon zeitig im April-Mai
mit dunkelblauen oder weißen, stark
duftenden Blütenständen aufwarten.
Sie verwildern leicht unter Gehölzen
oder an Beeträndern.

Lilien (Lilium candidum u. a.): In


Deutschland sind zwei bekannte Ar­
ten heimisch, die schon frühzeitig
Eingang in die Bauerngärten fanden:
Lilium bulbiferum, die Feuerlilie aus
den Alpen und Lilium martagon, die
Türkenbundlilie, die vor allem auf
kalkhaltigem Boden in süddeutschen
Laubwäldern vorkommt, notfalls je­
doch auch mit anderen Bodenarten
Die Eigenschaften
vorlieb nimmt. Ihre exotisch gezeich­
der einheimischen
neten und wie ein Turban geformten Türkenbundlilie finden
lilaroten Einzelblüten haben ihr zu sich in zahlreichen
ihrem Namen verholfen. Das Erbe gezüchteten Sorten
dieser nicht besonders auffälligen wieder.

48
Großmutters Bauerngarten

Zu den asiati­ Wildarten ist heute in vielen Züchtun­


schen Arten zählt die gen wiederzufinden.
unverwüstliche Tiger­ In der Gartenliteratur früherer
lilie (Lilium tigrinum). Jahrhunderte und sogar schon in der
Über zahlreiche Bul­
billen (Brutzwiebeln)
Bibel wird immer wieder die Madon­
vermehrt sie sich
nenlilie (Lilium candidum) mit rein­
leicht. weißen, stark duftenden Blüten er­
wähnt. Die Zwiebeln wurden ur­
sprünglich für Heilzwecke eingesetzt,
die Blumen waren ein angenehmes
Nebenprodukt. Sie blühen im Juni,
zusammen mit den ersten Rosen. Die­
se rot-weiße Farbkombination ist ty­
pisch für den Bauerngarten und
seine buchsumsäumten Beete. Auch
Ziergräser, Rittersporn und Bren­
nende Liebe (Lychnis chalcedonica)
passen gut zu Madonnenlilien.
Tip: Im Gegensatz zu anderen Gar­
tenlilien treibt Lilium candidum noch
im Herbst eine Rosette von frischgrü­
nen Blättern, mit denen sie dann auch
überwintert. Die Zwiebeln müssen Diese Neueinführungen erzeugten
daher schon im Sommer, spätestens ein wahres Lilienfieber. Lilien passen
Anfang September ca. 15 cm tief in auf Staudenrabatten, in den Steingar­
sandige Erde gesetzt werden. Zwie­ ten, als Sommerblüher zwischen bo­
beln, die im Frühjahr noch angeboten dendeckende Stauden und Gehölze,
werden, sind nahezu wertlos und blü­ zu Rosen und Gräsern, in Kübel und
hen keinesfalls schon im ersten Jahr. Terrakotta-Töpfe. Die meisten von
Lilien gehören zu den Lieblingsblu­ ihnen lassen sich außerhalb der nor­
men, nicht nur der Kaiserzeit. Im malen Blütezeit in Töpfen getrieben
19. Jahrhundert wurden die asiati­ zur Blüte bringen und dann an geeig­
schen Länder erforscht und beson­ neter Stelle im Garten auspflanzen
ders attraktive Lilienarten mit teilwei­ (das geht auch mit blühend gekauften
se berauschendem Duft gelangten Lilien). Achten Sie beim Auspflanzen
nach Europa. Lilium auratum, die darauf, daß die Zwiebeln mindestens
riesige Goldbandlilie aus Japan, Li­ 15 cm tief gepflanzt und auf eine drai­
lium hansonii, der Gold-Türkenbund nierende Unterlage aus grobem Sand
aus Korea, Lilium formosanum, die und Kies gesetzt werden. In Staunässe
Trompetenlilie aus Formosa (Tai­ faulen sie sehr leicht. Hornspäne ha­
wan), Lilium henryi, der Mandarin- ben sich als Dünger bewährt. Lilien
Türkenbund aus Zentralchina, Lilium sind durch Spätfröste im Austrieb be­
regale, die Königslilie aus China, Li­ sonders gefährdet, ebenso durch
lium tigrinum (syn. L. lancifolium), Wühlmäuse. Gegen sie hilft nur das
die Tigerlilie und die besonders si­ Abdichten der Pflanzstelle ringsher­
cher im Spätsommer blühende um (unterirdisch) mit stabilem Ma­
Prachtlilie aus Japan, Lilium specio­ schendraht oder das Pflanzen in spe­
sum rubrum. zielle Kunststoffkörbe.
49
Tulpe (Tulipa gesneriana): Die in In den Bauerngärten fand man ne­ Je exotischer, de­
früheren Jahrhunderten kultivierten ben den fremdartigen »Tulipan«, die sto besser. Gestreifte
Tulpen unterschieden sich sehr stark schon kurz nach ihrer Einführung in und auffällig gefärbte
von den meisten heute gebräuchli­ Europa sogar in Kirchenliedern be­ Tulpensorten fanden
früher mehr Interesse
chen Sorten. Eigenschaften wie die sungen wurden (»Geh aus mein Herz
als heute. Eine Unter­
Form der Blüte, ihre Haltbarkeit, ihre und suche Freud . . . « von P. Gerhardt) pflanzung aus Stief­
Stabilität auf straffen Stielen waren auch die gelbe Weinbergstulpe (Tuli­ mütterchen, Maßlieb­
damals nebensächlich. Besonders ge­ pa silvestris). Wie die Kultursorten chen, Vergißmein­
fragt waren rosa angehauchte Blüten­ stammt sie von den 1554 eingeführ­ nicht oder Goldlack
blätter auf weißem Grund mit aus­ ten kleinasisatischen Arten ab. Sie ist läßt das Beet über ei­
drucksvoller Mitte. Später gewannen verwildert und hat sich anschließend ne lange Zeit gepflegt
der gelbe und der gelbrote Farbton an bis in den nördlichen Teil Deutsch­ erscheinen.
Bedeutung, vor allem auch geflammte lands ausgesamt und auch auf Wie­ Die gefüllte Tulpe:
'Peach Blossom' ist
und gestreifte Formen, die der Far­ sen, in Gebüschen und in den
besonders dankbar.
benfreude des Rokoko entsprachen. Bauerngärten verbreitet. Tulipa silve­
Besonders beliebt waren im Bieder­ stris steht unter Naturschutz, läßt sich
meier und bis zur Kaiserzeit die 'Duc aber aus gekauftem Samen leicht an­
Ein romantisches
Van Tol'-Tulpen und auch einige Sor­ ziehen. Sie blüht im April, paßt auf Gartenhaus. Auf den
ten, die heute noch Bedeutung haben Rabatten, an Wegränder und in Blu­ Beeten blühen Einjäh­
wie die 'Lustige Witwe', 'Couleur Kar­ menwiesen. Wegen der relativ un­ rige und Stauden
dinal', 'White Swan', Papageien- und scheinbaren Blüte ist sie eher von kunterbunt durchein­
Lilienblütige Tulpen. botanischem Interesse. ander.

50
Großmutters Bauerngarten

51
Großmutters Bauerngarten

Stauden des Bauerngartens


Akelei (Aquilegia caerulea): Neben
der Gartenform der Akelei mit ge­
spornten Blüten und zarten Pastellfar­
ben, sind die Bauerngärten auch von
Aquilegia vulgaris, der einheimischen
Wildstaude, bevölkert. Die heimische
Form blüht im Mai und Juni dunkel­
blau. Sie ist robust, gedeiht sowohl in
der Sonne als auch im Schatten und
sät sich leicht selbst aus, so daß die
Nachkommenschaften an allen mögli­
chen Stellen erscheinen. Die zarten
Blüten der Akelei haben schon früh
das Interesse der Gartenbesitzer und
der Maler gefunden. Sie passen zu
vielen Stauden, auf Rabatten in die
Nachbarschaft von Primeln, Hasen­
glöckchen, Lilienblütigen Tulpen, vor
Sträucher und Hecken. Eine der alten
Sorten 'Norah Barlow' mit gefüllten,
zierlichen Blüten erinnert an die vie­
len interessanten Züchtungen frühe­
rer Jahre. Über Aussaat oder Teilung
erhält man Nachwuchs.

Aurikeln (Primula auricula): Unter


den vielen Primelarten, die unsere
Vorfahren mit Begeisterung in ihren
Die Aurikel ist eine
Gärten kultivierten, hat die Aurikel aurikel gedeihen am besten in sandi­ prächtige Garten­
besondere Bedeutung. Sie ist in den gem Lehmboden und im Halbschat­ staude, die viel mehr
Alpen und in der Schwäbischen Alb ten. Die Erde darf auch etwas kalkhal­ Beachtung verdient.
heimisch, doch selten bringt man die tig sein. Die Anzucht kann aus Saatgut
Wildart mit den zahlreichen Zuchtsor­ erfolgen. Auch das Teilen der Bestän­
ten in Verbindung. Die fleischigen, in de nach der Blüte, also im Juni-Juli ist
Rosetten angeordneten Blätter verlei­ möglich.
hen dieser Pflanze ein edles, die selt­
sam bemehlt wirkenden, ausdrucks­ Brennende Liebe (Lychnis chalce­
vollen Blüten ein geheimnisvolles donica): Die knallroten Blütenstände
Aussehen. Es wurde intensiv gezüch­ dieser Staude aus Kleinasien haben
tet, vor allem in England, wo es allein schon den Großen Kurfürsten in
4 Aurikel-Gesellschaften gibt, die mit Preußen erfreut. Wie man im Berliner
mehreren Hundert Sorten aufwarten Botanischen Garten sieht, zählt die
können. Einige davon sind so emp­ Brennende Liebe zu den ganz alten
findlich, daß sie besonders geschützt Favoriten. Sie ist eine widerstandsfä­
werden müssen, um ihre Schönheit hige Rabattenblume für sonnige Plät­
perfekt entfalten zu können. Garten­ ze, blüht von Juni bis in den Oktober
52
Großmutters Bauerngarten
hinein, wird 60-80 cm hoch und paßt
als langstielige Schnittblume gut in
Bauernsträuße. Sie sät sich leicht
selbst aus.

Dreimasterblume (Tradescantia
andersoniana): Diese anspruchslose
Staude aus Südamerika war und ist in
Bauerngärten häufig zu finden, vor al­
lem an halbschattigen und schattigen,
also schwierigen Gartenplätzen. Die
Horste mit zahlreichen fleischigen
Blättern erreichen etwa 60 cm Höhe
und bringen von Juni bis zum Frost
zahlreiche blaue Blüten hervor. Es
gibt jedoch auch englische Züchtun­
gen mit violetten ('Purple Dome')
und weißen Blüten ('Alba Major' und
'Osprey'). Drei Blütenblätter, die an
die um 1750 üblichen Dreimasterhüte
erinnern, gaben dieser Staude den
Namen. Die Vermehrung ist leicht
über Teilung im Herbst oder Frühjahr
möglich.
Die Dreimasterblume paßt gut auf
Staudenrabatten, zu Gräsern, vor Ge­
hölze und macht sich besonders gut
in Kübeln oder in den in vielen Erd­
farben erhältlichen Terrakotta-Gefäßen.
Brennende Liebe und
Jungfer im Grünen
sind zwei ganz alte
Bauernblumen.

Ein romantischer
Innenhof mit einer
üppig blühenden
Dreimasterblume. Sie
macht sich gut in
Kübeln oder Fässern.
Fette Henne (Sedum spectabile):
Auch im Herbst soll es im Bauerngar­
ten noch blühen. Die Fette Henne, so
genannt nach den fleischigen Blättern
und dem rundlichen Wuchs, beginnt
erst im September, ihre kräftig-rosa
Blütenschirme zu entfalten. Über die­
ses Nektarangebot sind viele Insek­
tenarten wie Bienen, Hummeln,
Schwebfliegen und vor allem zahlrei­
che Schmetterlinge so erfreut, daß sie
an sonnigen Tagen in großer Zahl er­
scheinen. Die Fette Henne stellt an
Boden und Ernährung keine Ansprü­
che. Sie braucht nur einen sonnigen Jahr für die Blüte im nächsten Som­ Schmetterlings-
Platz und Abstand zu den Nachbar­ mer wieder anziehen muß. In der Stelldichein auf einer
pflanzen (50-60 cm). Sie paßt gut an Praxis aber ist dies kaum nötig, denn Fetten Henne. Die
Blüten locken im
Wegränder, in Steingärten, Kübel, so­ die Pflanzen schlagen immer wieder
Spätherbst von weit
gar zwischen Kies und Steine und auf mit neuen Trieben aus. Besonders be­
her Insekten an.
Ökodächer. Durch Teilung im Früh­ liebt waren in den früheren Jahrhun­
jahr vermehren. derten die dicht gefüllten Sorten.
Heute fragt man auch nach den aus-
Malve (Malva moschata): Die Malven
und ihre nahen Verwandten der Gat­
tung Lavatera, Malope und Altbaea
sind seit langem fester Bestandteil der
Bauerngärten. Die Moschusmalve
(Malva moschata) ist einheimisch,
eine robuste und üppig blühende
Staude, die auf steinigem Gelände
von Juni bis September blüht. Ihre
zartrosa Blüten erscheinen an
50-70 cm hohen Trieben. Man kann
sie leicht durch Samen oder durch
Teilung im Frühjahr vermehren. Am
besten sieht sie einzeln aus, zum Bei­
spiel vor einer Mauer, in einem Ton­
gefäß, vor einem Zaun oder Schup­
pen. Aber auch in eine Staudenrabatte
und in ein buchsbaumumsäumtes
Beet läßt sich diese attraktive Wild­
blume einbetten.
Fast wie eine Staude verhält sich
die Stockrose oder Stockmalve (Al­
thaea rosea), die an einem geschütz­
ten Standort bis zu 2 Meter Höhe er­
reicht. Sie wird zu den Zweijährigen
Pflanzen gerechnet, die man jedes

54
Großmutters Bauerngarten

drucksvollen einfachen Formen. Pfennigkraut (Lysimachia nummu­


Stockrosen blühen von Ende Juli bis laria): Das einheimische Pfennigkraut
September. Sie werden durch Aussaat gehört zu den Sumpfpflanzen. Es be­
im Juni oder Juli vermehrt, in Töpfen deckt mit seinen sehr zahlreichen,
herangezogen und im Spätherbst 60-70 cm langen Trieben Uferränder,
oder zeitigen Frühjahr in 40-50 cm Beete und sonnige wie schattige Stel­
Abstand an eine sonnige Stelle ge­ len des Gartens. Pfennigkraut ist ein
pflanzt. echter und unkomplizierter Boden­
Tip: Leider werden die Stockrosen decker, der sich an nassen und trok­
im Frühling vom Malvenrost befallen, kenen Stellen behaupten kann und
der mitunter epidemieartig die gera­ sich obendrein im Juli noch sehr
de herangewachsenden Blätter mit reichlich mit gelben glockenförmigen
grauen Pusteln übersät und sie zum Blüten schmückt. Zu Kaisers Zeiten
Absterben bringt. Entfernt man die pflanzten die Gärtner das Pfennig­
Blätter sofort, schlagen die Pflanzen kraut im März und April in Ampeln.
neu aus. Im Sommer bleiben sie da­ Es blühte dann als hübsche und preis­
nach meistens grün und gesund, da günstige Hängepflanze und wurde an­
der Pilz jetzt weniger günstige Bedin­ schließend im Garten ausgepflanzt,
gungen vorfindet. wo es problemlos weiterwächst.

Stockrosen pas­
sen gut zu gemüt­
lichen reetgedeckten
Häusern und altem
Mauerwerk.

Das Pfennigkraut
ist vielseitig: Boden­
decker, Wasserpflan­
ze, Uferrandpflanze
und sogar eine Topf­
pflanze mit üppig
blühenden hängen­
den Trieben.
Großmutters Bauerngarten

Tränendes Herz (Dicentra spectabi­


lis): Die Heimat dieser beliebten Stau­
de ist China, wo sie an feuchten und
schattigen oder halbschattigen Stellen
auf humosem Boden im Unterholz
wächst. Die zarten Triebe und Blätter
sowie der zerbrechliche Wurzelstock
deuten darauf hin, daß sie auf trocke­
nen und sandigen Stellen nicht opti­
mal gedeihen kann. Schon zeitig im
Frühling, im April bis weit in den Juni
hinein erscheinen an einem langen
Blütenstiel aufgereiht die herzförmi­
gen, dunkelrosa oder auch weißen
Blüten, die bei Regen besonders zart
und melancholisch aussehen. Nach
der Blüte verwelken Blätter und
Triebe - die Pflanze zieht bis zum
nächsten Frühjahr ein. Das Tränen­
de Herz paßt auf schattige Stau­
denrabatten, an Hauswände oder
Zäune und sehr gut auch in Ge­
fäße aus Ton oder Holz.
Durch vorsichtiges Teilen
des Wurzelstockes oder
durch Kopfstecklinge, die
abgerissen werden und
noch etwas vom alten Holz
besitzen sollten, kann
man vermehren.

Tränende Herzen blühen im Frühling. Geben


Sie ihnen einen halbschattigen Platz, wo sie
sich über Jahre hinweg ungestört ausbreiten
können.

56
Stiefmütterchen
mit ausdrucksvollen
Gesichtern und
nostalgischen Pastell­
farben.

Hornveilchen Veilchen und Stiefmütterchen


erfreuen auch im (Viola): In der Berliner Folklore wird
Sommer. Da sie das »Veilchen vom Potsdamer Platz« Veilchen. Selbst rohe Gemüter kön­
mehrjährig sind und
(und die dazugehörige Blumenfee) nen dem anmutigen Veilchen mit sei­
pflegeleicht, pflanzt
man sie gern in Stein­
ausgiebig gefeiert und in Riegels Gar- nem herzerquickenden Dufte nicht
gärten. Die Blüten tenflora von 1861 steht zu lesen: »Ja, widerstehen.« Das Veilchen genoß
hier sind zu einem lieber Leser, willst Du ein glückliches eine Wertschätzung, die wir heute
Biedermeiersträuß- Gesicht sehen, so überreiche nur nicht mehr nachvollziehen können
chen gebunden. und es gab Sorten, die inzwischen
weitgehend verschwunden sind. Die
Märzveilchen wurden nicht nur im
Freiland, sondern auch in Gewächs­
häusern kultiviert und als Schnittblu­
men auf den Markt gebracht, zumeist
als Biedermeiersträußchen. Es gab
Sorten, die auch im Sommer blühten.
Die Züchtungen 'Königin Charlotte'
und 'Meissener Mädel' wurden in der
Zeit zwischen Dezember und Ostern
in einem kalten Frühbeetkasten oder
Gewächshaus, bei Temperaturen um
10 °C zur Blüte gebracht. Veilchen
wurden nicht nur durch Aussaat und
Teilung, sondern auch durch Stecklin­
ge vermehrt, eine Methode, die heute
völlig unüblich ist. Die überwiegend
nicht duftenden sommerblühenden
Hornveilchen (Viola cornuta) erle­
ben zur Zeit eine Renaissance durch
Kreuzungen mit Wildarten und klein­
57
Großmutters Bauerngarten

blumigen Kulturformen, den soge­ und 'Baby Franjo' (reingelb). Mini-


nannten Mini-Stiefmütterchen. Horn­ Stiefmütterchen können in Töpfe, Bal­
veilchen sind mehrjährig. Sie eignen konkästen und Gefäße gepflanzt wer­
sich für die Sommerbepflanzung an den. 'Baby Lucea', ein Miniatur-Stief-
sonnigen bis halbschattigen Garten­ mütterchen mit himmelblauer Farbe
plätzen. Ihre Blütengröße liegt zwi­ und gelbem Auge eignet sich auch für
schen den wohlriechenden Veilchen die Topfkultur, sogar bei Aussaat im
und Stiefmütterchen. Sie blühen Frühjahr und auch für das Auspflan­
zen im Freien an sonniger bis halb­
schattiger Stelle.
Während die großblumigen Stief­ Stiefmütterchen:
mütterchen Viola wittrockiana (her­ Sorten der Jahrhun­
vorgegangen aus Kreuzungen unter dertwende haben
anderem mit Viola tricolor, dem ein­ breitrunde Blüten mit
heimischen Ackerstiefmütterchen) kontrastreicher Zeich­
nung.
zur Zeit bei uns überwiegend als Win­
ter- und Frühjahrsblüher eingesetzt
werden, ist in anderen Ländern die
Aussaat im März bis Anfang April und
die Blüte während des Sommers üb­
lich. Voraussetzung für das Gelingen
ist ein kühles Klima mit mäßigen
Sommertemperaturen. Bei Hitze set­
zen die Stiefmütterchen zu schnell Sa­
men an, die Blüten bleiben klein und
vergleichsweise unansehnlich.
Auch das Aussehen der Stiefmütter-
chen-Züchtungen hat sich über die
üppig vom Ende Mai bis September Jahre geändert. Während heute klare,
und können insbesondere Steingär­ saubere Farben mit klar abgegrenzten
ten und Wegeinfassungen bevölkern. schwarzen Flecken und leuchtendem
Auch als Unterpflanzung zu Stauden Auge, sowie satte warme Farbtöne ge­
wie Schwertlilien, Lilien, zu Gräsern fragt sind, waren es zur Jahrhundert­
und Astern, sowie in pflegeleichte Ge­ wende eher breitrunde Blüten mit
röllgärten passen Hornveilchen. Ver­ prachtvollen Gesichtern, verlaufen­
mehrt wird am besten durch Aussaat. den Farben und dramatisch abgesetz­
Von den älteren Sorten sind noch ten Blütenrändern mit kontrastieren­
'Gustav Wermig' (dunkelblau), 'Früh­ den Farben. Erhältliche Rassen, die
lingsbote' (weinrot), 'Blaue Schön­ diese Eigenschaften noch besitzen,
heit' und 'Blaue Perfektion' (himmel­ sind 'Trimardeau' und, ganz neu,
blau), 'Gelbe Perfektion' (reingelb), 'Rokoko-Prachtmischung' mit stark ge­
'Rubin' (dunkel weinrot) und 'Catti' wellten Blumen und auffälligem Far­
(weiß mit violetter Oberlippe) im benspiel. Stark duftende Hybriden
Handel. Zum kleinblumigen Typ des sind die englischen Sorten 'Hazle­
Mini-Stiefmütterchens zählen die Sor­ mere' (rosa), 'Aspasia' (dunkelgelb­
ten 'König Heinrich' (violett mit gel­ hellgelb) und 'Andros Gem' (zweifar­
bem Auge), 'Princess blue' (himmel­ big gelb und blau), sowie 'Little Da­
blau mit Auge), 'Prince John' (gelb) vid' (cremeweiß).
58
Großmutters Bauerngarten
Weitere typische Bauernblumen, Stauden
und Knollengewächse, Zwiebelblumen
DEUTSCHER NAME BLÜTEZEIT HÖHE (cm) PFLANZEN­ BEMERKUNGEN
BOTANISCHER NAME (Monat) ABSTAND (cm)

Bandgras 7 60 20 Sonne - Schatten, auch unter


Phalaris arundinacea Bäumen, sehr robust

Bergflockenblume 5-6 30 30 Sonne ­ Schatten


Centaurea montana

Christrose 12-4 20 40 Sonne ­ Schatten


Helleborus niger

Diptam, Brennender 5-7 50 30 Sonne ­ Halbschatten


Busch duftet, enthält ätherische Öle
Dictamnus albus

Eisenhut 7-10 80 40 Sonne ­ Halbschatten


Aconitum napellus
Aconitum camarum

Felberich 7-8 60 40 Sonne - Schatten, robust, Zwiebel


Lysimachia punctata

Goldrute 8-9 80 30 Sonne ­ Halbschatten


Solidago hybrida

Himmelsleiter 6-8 70 30 Sonne ­ Halbschatten


Polemonium caeroleum

Hopfen 7-8 bis 4 Meter 150 Sonne ­ Halbschatten, kletternd


Humulus lupulus

Immergrün 4-6 20 30 Halbschatten ­ Schatten, Boden-


Vinca minor decker
Vinca major

Kaiserkrone 4-6 60 30 Sonne ­ Halbschatten, Zwiebel-


Fritillaria imperialis gewächs

Küchenschelle 4-6 20 20 Sonne ­ Halbschatten


Pulsatilla vulgaris

Kugeldistel 7-9 120 40 Sonne ­ Halbschatten


Echinops ritro

Lupine 5-6 80 40 Sonne ­ Halbschatten


Lupinus polyphyllus

59
Großmutters Bauerngarten

DEUTSCHER NAME BLÜTEZEIT HÖHE (cm) PFLANZEN­ BEMERKUNGEN


BOTANISCHER NAME (Monat) ABSTAND (cm)

Maiglöckchen 5-6 20 10 Schatten


Convallaria majalis

Märzenbecher 3-4 15 10 Sonne - Schatten, Zwiebelgewächs


Leucojum vernum

Margerite 6-8 80 40 Sonne - Halbschatten


Chrysanthemum
leucanthemum

Monarde 7-9 80 40 Sonne - Halbschatten


Indianernessel
Monarda didyma

Montbretie 7-9 60 10 Sonne


Crocosmia biflora

Nachtkerze 6-8 60 20 Sonne - Halbschatten


Oenothera tetragona
Oenothera biennis

Osterluzei 6-7 50 20 Sonne ­ Halbschatten


Aristolochia clematitis

Pechnelke 5-6 30 30 Sonne


Lychnis viscaria

Pfingstnelke 5-6 15 20 Sonne


Dianthus
gratianopolitanus

Pfirsichblättrige 6-7 80 40 Sonne - Halbschatten


Glockenblume
Campanula persicifolia

Schafgarbe 7-9 80 40 Sonne


Achillea ptarmica

Schleierkraut 7-9 40 60 Sonne


Gypsophila paniculata

Schneeglöckchen 2-4 10 5 Sonne - Schatten, Zwiebelgewächs


Galanthus nivalis

Taglilie 5-6 80 40 Sonne - Halbschatten


Hemerocallis flava

60
Großmutters Bauerngarten

DEUTSCHER NAME BLÜTEZEIT HÖHE (cm) PFLANZEN­ BEMERKUNGEN


BOTANISCHER NAME (Monat) ABSTAND (cm)

Traubenhyazinthe 3-4 15 5 Sonne - Halbschatten, Zwiebel­


Muscari botryoides gewächs

Vexiernelke 6-7 70 30 Sonne


Lychnis coronaria

Zentifolienrose, 6-8 150 100 Sonne ­ Halbschatten


Kohlrose
Rosa centifolia

Im Bauerngarten blüht es zu jeder Jahreszeit. Schnittblumen dürfen nicht fehlen. Pfingstnelken, Pechnelken und Feuermohn,
dazwischen schieben sich Bartnelken in die Höhe.
Großmutters Bauerngarten

Ein- und zweijährige Der Fuchsschwanz


prunkt mit auffälligen
Sommerblumen Farben.
Amaranth, Gartenfuchsschwanz
(Amaranthus caudatus und A salici­
folius, A. tricolor): Schmetterlinge lie­
ben den Fuchsschwanz besonders ­
zu Dutzenden laben sie sich am Nek­
tar dieser schnell und leicht wachsen­
den Sommerblume aus Mexiko. Sie
ist eine ungewöhnliche Erscheinung:
aus buntgeäderten Blättern schieben
sich lange, peitschenförmige Blüten­
stände hervor, die während der Blüte­
zeit im Spätsommer dekorativ herab­
hängen. Die Kultur ist leicht: Man sät
den Samen im April oder Mai an der
endgültigen Stelle aus oder verpflanzt
nach 3 Wochen im Abstand von
40-50 cm. Sehr schnell entwickeln
sich die Pflänzchen zu stattlichen
120-150 cm Höhe.
Auch die Blätter sind meistens auf­
fällig rot oder gelb gefärbt. Besonders
dekorativ ist der Weidenblättrige
Fuchsschwanz, der gern als Prunk­
stück auf Beeten benutzt wurde. Es
gibt inzwischen viele Sorten, die
kompakter wachsen und durch Ein­
kreuzungen mit dem für Speisezwek­
ke in Südamerika angebauten Ama­
ranth entstanden sind.
Margaretenastern
Astern, Sommerastern (Calliste­
phus chinensis): Deutschland und
Frankreich sind die Länder, wo man
sich dieser ostasiatischen Blumen be­
sonders annahm. Völlig unterschiedli­
che Sorten entstanden gegen Ende
des 19. Jahrhunderts und noch immer
werden neue gezüchtet, die sich teil­
weise deutlich von den alten Sorten
unterscheiden.
Die alten, wuscheligen Straußenfe­
derastern wurden von feingenadelten,
straffen Strahlenastern abgelöst, aber
auch die alten Sorten sind noch weit
verbreitet. Besonders beliebt war
62
Die Balsamine auch die Gruppe der Pomponastern,
gedeiht auf halb­ deren dichtgeröhrter Blütenstand in
schattigen Beeten. der Regel zwei deutlich getrennte
Ihre Anzucht ist nicht
Farbzonen enthält. Ihre Blüten sind
schwierig. Leider
sieht man sie nur
zierlich und erreichen nur 5-6 cm
noch selten.
Durchmesser. Dafür blühen sie sehr
reich und sind widerstandsfähig. Auch
die nostalgischen, ungefüllten Marga­
retenastern 'Genfer Ruhm' gibt es
noch. Ihre Blütenmitte bietet Schmet­
terlingen viel Nektar und lockt sie da­
her in großer Zahl an. Astern sind gu­
te und haltbare Schnittblumen. Am
besten ist man mit der 60-70 cm ho­
hen Herzogin-Aster ('Duchesse'-Aster)
bedient. Ihre Blüten sind chrysanthe­
menförmig, 10-12 cm im Durchmes­
ser, dicht gefüllt und ragen auf festen
Stielen in die Höhe. Schon dicht über
dem Boden verzweigen sich die her­
anwachsenden Pflanzen, so daß sie je­
weils 5-6 gute Schnittblumen auf
Ein graziles Rank­ drahtigen Stielen hervorbringen - ein
gerüst für üppig kleines Bukett mit einem Schnitt!
wachsende Kletter­ Sommerastern werden im April
pflanzen. und Mai im Freiland 1,5 cm tief in Rei­ Balsamine (Impatiens balsamina):
hen ausgesät und bald nach dem Auf­ Die Gartenbalsaminen sind mit den
gang im Abstand von 20-25 cm ver­ Fleißigen Lieschen (Impatiens walle­
pflanzt. riana) eng verwandt. Ihre Heimat ist
Sommerastern werden leicht von China und Indien. Die straffen Stiele
der Asternwelke befallen. Ursache ist werden 40-60 cm hoch. Sie sind voll
der Pilz Fusarium, der sich im Boden besetzt mit fleischigen, großen Blüten
über mehrere Jahre am Leben halten in roten, gelben, weißen oder auch
kann. Die Krankheit äußert sich meist violetten und rosa Farben. Vor allem
erst zur Blütezeit, wenn die Pflanzen gefüllte Sorten der Balsaminen waren
besonders viel Wasser und Nährstoffe beliebt. Man sollte sie in einem Saat­
benötigen. Sie welken dann plötzlich, beet vorziehen und im Abstand von
werden gelb und knicken um. Es ist etwa 20 cm nach den Frösten aus­
nur teilweise gelungen, resistente pflanzen. Am besten behagt ihnen ein
Sorten zu züchten. Achten Sie daher sonniger, warmer, windgeschützter
auf einen überlegten Fruchtwechsel Platz. Dauernässe vertragen sie nicht.
im Rhythmus von wenigstens 6 Jah­ Sie sind gute Schnittblumen, passen
ren. Eine chemische Bekämpfung ist aber auch in bunte Sommerblumen­
nicht möglich. pflanzungen. Pflanzen Sie die Balsa­
Astern passen auf jede Art von Blu­ minen etwas erhöht. Dabei kann man
menbeeten, für sich allein in großen die Blüten besser einsehen, die sonst
Mengen gepflanzt genauso gut wie unter den spitzen, lanzettlichen Blät­
zwischen Stauden. tern verborgen bleiben.

63
dann an eine sonnige Stelle im Ab­
stand von 20-25 cm gepflanzt. Der
Bartfaden paßt gut in buchsumsäumte
Beete, kann aber auch zwischen Stau­
den stehen und wirkt sehr dekorativ
in größeren Schalen.

Clarkie (Clarkia elegans): Wer an


Bauernsträuße denkt, kommt nicht
ohne die zierlichen Clarkien aus, die
in Nordamerika zuhause sind. Sie ge­
deihen an sonnigen Stellen sehr
leicht aus direkt gesäten Samen, die
man im April in 1-2 cm tiefe Rillen
Auch die Clarkien
ausbringt. sind haltbare Schnitt­
Schon im Juli setzt die Blüte ein. blumen. Mit ihrem
Sie hält 2 Monate an. Die Blütenstän­ zierlichen Wuchs pas­
de mit den violetten und rosaroten sen sie gut in Bauern­
Blüten werden 30-40 cm hoch. sträuße.

Der Bartfaden zählte zu Großmutters Lieblings­


blumen. Sowohl im Beet als auch geschnitten
sind die Blüten sehr haltbar.

Bartfaden (Penstemon barbatus):


Vom Bartfaden, einer Lieblingsblume
vieler Menschen der Zeit der Jahrhun­
dertwende, gibt es in Mittelamerika
über 250 Arten, die dem Löwenmaul
teils sehr ähnlich sind. Durch Kreu­
zungen entstanden schon sehr früh
Hybriden, die wegen ihrer hübsch ge­
zeichneten, auch geschnitten sehr
haltbaren Blütenstände von 40-50 cm
Länge sehr gefragt waren. Die Blüte
setzt erst im August ein, hält aber bis
zum Frost an.
Wie das Löwenmaul sollte man den
Bartfaden schon im Februar-März bei
15-18 °C im Frühbeet oder im Ge­
wächshaus anziehen. Im Mai wird

64
Der Gauchheil fühlt
sich an sonnigen
Plätzen wohl. Neben
leuchtendblauen gibt
es auch rote und rosa
Sorten.

Gauchheil (Anagalis monelli syn. A. derten in Bauern- und Fürstengärten.


grandiflora): Auf Äckern kommt in Das feingegliederte Laub und die in­
Deutschland häufig als »Unkraut« der teressante Blütenform mögen wohl
Ackergauchheil vor. Seine leuchtend­ zu dem ausgefallenen Namen beige­
blauen Blütchen gaben wohl den An­ tragen haben. Nach dem Abblühen
laß, diese schnell heranwachsende verhärten sich die bauchigen Blüten­
und überreich blühende Pflanze vom böden zu einer haltbaren Kapsel mit
Lehm-Acker in die Gärten zu holen. schwarzen Samen darin, die als Ge­
Man sät direkt, breitwürfig auf ein würz (Kreuzkümmel) Verwendung
Gartenbeet oder in Reihen im Früh­ finden. Die Kapseln selbst werden
ling aus und bereits im Juni oder Juli häufig als Trockenblumen in Dekora­
breiten sich sehr üppige leuchtend­ tionen verarbeitet.
blaue, rote oder blaßrosa Blütenkis­ Der Samen wird im April oder Mai
sen aus, die sich zwischen Stauden in Reihen oder breitwürfig direkt ins
oder am Wegrand besonders gut ent­ Freie gesät. Zwischen Juni und August
falten, sofern der Standort sonnig ist. setzt dann die Blüte ein.
Nigella paßt zwischen Stauden mit
Jungfer im Grünen (Nigella damas­ auffälligen Farben - beispielsweise
cena): Das zartblaue Blümchen aus neben Brennende Liebe, aber auch
Kleinasien steht schon seit Jahrhun­ neben Phlox.

65
zarte Blütchen auf zerbrechlich wir­ Die Sommerblu-
kenden Stielen und feinen Blättern. men-Mischung
Nemophila maculata blüht weiß mit »Japanischer Blu­
menrasen« enthält
blauen Flecken, Nemophila menziesii
alles, was man
mit himmelblauen Glöckchen, beide üblicherweise für Blu­
im Juni-August in verschwenderi­ mensträuße braucht.
scher Fülle. Für Bienen und Hum­ Viel Blütenfülle für
meln sind die Nektarspender ein wenig Geld!
sicherer und sehr beliebter Anzie­
hungspunkt.
Im Halbschatten oder in der Sonne
sät man den feinen Samen im Früh­
ling zwischen Stauden, Gehölze oder
an Wegränder breitgestreut aus und
Nemophila macu­
harkt ihn leicht über. Das ist schon lata, die Liebeshain­
alles, was man tun muß. Liebeshain­ blume, blüht inner­
blumen wollen in größeren Teppi­ halb weniger
chen blühen, aber auch in Gefäßen Wochen. Am besten
sehen sie sehr nostalgisch aus und ge­ sät man sie flächig
deihen gut. aus.

Japanischer Blumenrasen: Er ist


weder ein Rasen, noch stammt er aus
Japan. Vielmehr handelt es sich um
eine preisgünstige Sommerblumen­
mischung, die seit alters her beliebt
ist und todsicher gedeiht. Sie enthält
alles, was man im Bauern- (und Stadt-)
garten zum Blumenschneiden
braucht: Wucherblumen, Clarkien,
Astern, Zinnien, Sommerazaleen, Kali­
fornischen Mohn, Schleierkraut und
andere einjährige Sommerblumen.
Wenn Ihnen das Aussuchen und Kom­
binieren zu lästig ist, dann greifen sie
am besten zu dem Trick, der schon
Großmutter zu sommerlicher Blüten­
fülle verhalf. 1-2 Portionen werden
im April oder Mai an sonniger Stelle
in Reihen mit 30-40 cm Abstand gesät
und danach nur noch gehackt und be­
gossen. Das Blühen hält bis in den
Herbst hinein an.

Liebeshainblume (Nemophila ma­


culata und N. menziesii): So roman­
tisch wie ihr Name präsentiert sich
die Liebeshainblume auch. Es sind
66
Großmutters Bauerngarten

Löwenmäulchen (Antirrhinum ma­ rückschneidet. Dann treiben sie bis


jus): Das Löwenmäulchen stammt aus zum Herbst noch einmal aus. Außer­
dem Mittelmeerraum und wächst dort dem bringt die Vorkultur unter Glas
als Staude. Auch bei uns können die mit Aussaat im Februar-März im
Pflanzen verwildern und überstehen Frühsommer Blüten, die direkte Saat
nicht allzu harte Winter. An langen ins Freie dagegen erst im Herbst.
Blütenstielen sind die Rachenblüten Löwenmäulchen passen am besten in
aufgereiht und öffnen sich nach und eine bunte Mischung von Sommer­
nach. Während früher die langstieli­ blumen, auf ein Staudenbeet oder vor
gen Sorten zum Schnitt beliebt wa­ Hauswände und Zäune. Sie ergeben
ren, sind es heute die niedrigen, haltbare und schöne Schnittblumen.
kompakten Sorten für die Beetbe­ Tip: Pflanzen Sie einige kräftige
pflanzung. Leider werden aber auch Pflanzen im Abstand von 15 cm in tie­
sie immer weniger verwendet. Die fe Schalen oder große Töpfe und stel­
Blütezeit ist zu kurz. Dabei kann man len Sie das Ganze in einen nicht allzu
sie verlängern, in dem man die abge­ warmen Wintergarten. Die Blumen­
blühten Triebe im Juni oder Juli zu­ pracht wird Ihnen gefallen!

Die hohen Schnitt­


sorten des Löwen­
mauls sieht man nur
noch selten. Pflanzen
Sie einige davon in
ein größeres Tonge­
fäß. Die Wirkung wird
Sie überraschen!

67
Großmutters Bauerngarten

Marienglockenblume (Campanula Die Marienglockenblume bevorzugt


medium): Die »Canterbury Bells«, volle Sonne, kalkhaltigen Boden und
wie sie die Engländer nennen, erin­ möglichst wenig Konkurrenz. Sie paßt
nern wie keine andere Blume an die sehr gut in große Terrakotta-Töpfe.
»gute alte Zeit«. Ursprünglich ist sie
auf kalkhaltigen Geröllflächen in Süd­ Mohn (Papaver): Roter Mohn im
frankreich zuhause, fand aber schon Feld und in üppig blühenden Gär­
früh wegen ihres Blütenreichtums ten ...! Kann man sich einen Bauern­
den Weg in die Gärten. Gut gepflegte oder Naturgarten ohne Mohn vorstel­
Exemplare können 150 cm hoch wer­ len? Wohl kaum! Papaver rhoeas, der
den und mit annähernd Hundert Blü- rote einheimische Klatschmohn, hat
auch eine Zierform hervorgebracht,
den Seidenmohn, der in bunten, far­
benfrohen Mischungen angeboten
wird. Mit ihm erzielt man auf einfach­
ste Weise stimmungsvolle Farbtupfer
an Wegen, zwischen Gemüsebeeten,
in Staudenbeeten, vor Mauern und
Hauswänden. Der Samen wird im
März und April locker ausgestreut
und eingeharkt. Die Einzelblüten sind
nur wenige Tage haltbar, dafür er­
scheinen sie in großer Zahl, so daß
sich die Blütezeit über mehrere Som­
merwochen hinzieht. Den Klatsch­
und Seidenmohn kann man noch spät
im Herbst säen, als kleine Pflanzen
überwintern und dann bereits im Mai
die ersten Blüten erwarten.
Kaum mehr angeboten wird der
zweijährige Islandmohn (Papaver
multicaule), dessen Schalenblüten in
bunten Farben viel mehr Beachtung
verdienen. Der Islandmohn gedeiht
als Sommerblume bei Frühjahrsaus­
saat, meist jedoch wird er im Mai-Juni
Marienglockenblumen warten mit zahllosen
Einzelblüten auf. Besonders beliebt waren
gesät und blüht dann nach der Über­
gefüllte Sorten. winterung im nächsten Mai.

ten in Rosa, Weiß, Blau-Violett auf­ Seidenmohn im Bauerngarten. Man sät einfach
warten. Besonders beliebt waren die breitwürfig aus und erlaubt der Blütenpracht,
gefüllten Sorten. Die Marienglocken­ sich zu entfalten.
blume zählt zu den Zweijährigen, die
1 Kalifornischer Mohn, gezüchtete Sorte
erst nach der Überwinterung im Juni- 2 Gelber Scheinmohn
Juli blühen. Im Sommer wird auch 3 Islandmohn
ausgesät und erst im Herbst an den 4 Wilder roter Klatschmohn
endgültigen Standort verpflanzt, wo­ 5 Kalifornischer Mohn/Goldmohn Wildform
bei 40-50 cm Abstand richtig sind. 6 Gefüllter Feuermohn 'Perkeo'

68
Der Anbau des einjährigen Schlaf­
mohns (Papaver somniferum) ist in
Deutschland unter Strafe gestellt und
verboten. Von den früher zahlreichen
Ziersorten ist nur noch die prächtig
gezeichnete rotweiße 'Danebrog' im
Handel, so benannt nach der Ähnlich­
keit mit der dänischen Flagge. Dane­
ben vermehren sich in den Gärten
noch andere Farben weiter, zum Bei­
spiel Weiß mit tief karminrotem Rand,
Dunkelviolett, Schwarzviolett und
Rosa.
Von der Pracht früherer Zeiten
kündet auch der Schlitz- oder Feder­
mohn mit stark geschlitzten Blüten­
bällen. Zu den nahen Verwandten des
Mohns gehört auch Eschscholtzia cali­
fornica, der Kalifornische Mohn, eine
beliebte Frühjahrs- und Sommerblu­
me, die sich immer wieder selbst aus­
sät, Wegeinfassungen, Rabatten und
Steingärten mit leuchtendem Gelb,
Orange und Rot überzieht und auch
in größeren Tongefäßen zu gefallen
weiß. Er wird auch Schlafmützchen
genannt - der Name deutet auf die
Samenkapseln hin, die mit einem
spitzen, tütenförmigen Hut abgedeckt
sind.
Alle Mohnarten lieben einen sonni­
gen Standort und nicht zu nassen,
durchlässigen Boden. Mit ihren zarten
Blüten und leuchtenden Farben wir­
ken sie besonders gut in Hausnähe,
hinter Gartenzäunen, am Weg. Man
sollte sie nie exakt in Reihen pflan­
zen, sondern immer da belassen, wo
sie sich ausgesät haben. Wer seinem
Garten eine verspielte Note geben
möchte, ist mit dem goldgelben
Scheinmohn (Meconopsis cambrica)
gut bedient. Er besiedelt auch schat­
tige Stellen und verbreitet sich male­
risch vor allem an Mauern und zwi­
schen Platten. Die Aussaat kann je­
weils noch im Spätherbst bis Oktober
oder im zeitigen Frühjahr erfolgen.

69
Sumpfblume (Limnanthes dougla­
sii): »Poached Egg« = Spiegelei,
nennt man diese früher so beliebte
Einjahresblume in ihrer Heimat Ore­
gon und Kalifornien. Der Name weist
auf die auffälligen weißgelben Blüten
hin, die im Frühjahr in Unmengen er­
scheinen und den Boden wie einen
dichten Teppich bedecken können. In
ihrer Heimat wachsen die Sumpfblu­
men auf feuchtem und sonnigen
Standort, im Garten mit Vorliebe an
Gehölzrändern oder im Steingarten,
sofern der Boden nicht zu trocken ist.
Leider blühen sie nur 3 Wochen. Man
kann jedoch vom Frühjahr bis in den
Herbst hinein säen und wird nach
3-4 Monaten schon mit der Blüte
überrascht.
Bauern- und Bürgergärten nördlich Die Sumpfblume
Teppichwinde (Convolvulus trico­ der Alpen sehr gut eingebürgert. Im vermehrt sich in Mas­
lor): Die Pflanzen stammen aus dem Gegensatz zur himmelblauen Trich­ sen. Sie fühlt sich an
feuchten Standorten
Mittelmeerraum, haben sich aber in terwinde, einer beliebten Kletter­
wohl.
pflanze, entwickelt diese Art 30-50 cm
hohe Büsche, die von Juni bis Sep­
tember von zahlreichen trichterförmi­
gen Blüten mit ausdrucksvoller wei­
ßer Mitte bedeckt sind. Einzelfarben
gibt es kaum zu kaufen, die Samen­
händler bieten eine Mischung an, die
sich in den Morgenstunden und bei
sonnigem Wetter sehr auffällig prä­
sentiert. Man kann mit ihnen schnell
und preisgünstig Wegränder verschö­
Mit der Teppich­
nern und auf Staudenrabatten bis in winde verwandelt
den Herbst hinein für Farbe sorgen. man in kurzer Zeit
Der Boden soll nicht zu gut gedüngt Wegränder, Rabatten
und durchlässig sein. In Reihen von und Beete in ein
40-50 cm Abstand nicht vor Mitte Mai Blumenmeer.
aussäen.

Vergißmeinnicht (Myosotis alpe­


Vergißmeinnicht,
stris): Aurikeln, Maiglöckchen, Veil­
bevorzugt abgebildet
chen und Vergißmeinnicht sind die in Poesiealben und
Lieblingsblumen der Romantik. Bis auf Postkarten, zäh­
heute hat die zweijährig gezogene len zu den Zweijähri­
Frühjahrsblume kaum an Popularität gen und zu den Früh­
eingebüßt, im Gegenteil, man kulti- jahrsblühern.

70
viert sie den Sommer über und die
alten weißen und rosa Sorten tauchen
neben den gewohnten himmelblauen
Züchtungen auf. Vergißmeinnicht pas­
sen in fast jede Ecke des Gartens, an
Wege, in den Steingarten, in Tröge
und Kübel, zu Tulpen und Goldlack,
zu Stiefmütterchen und Maßliebchen
(Bellis perennis).
Tip: Vergißmeinnicht wird im Som­
mer zwischen Juni und August ausge­
sät und im Oktober gepflanzt. Sie spa­
ren sich die Arbeit der Anzucht für
alle Zeiten, wenn sie einigen Pflanzen
erlauben, Samen auszustreuen. Im
Herbst verpflanzen Sie die Jungpflan­
zen dann an den passenden Ort. Die­
se Methode gelingt auch bei Kosme­
en, Ringelblumen, Mohn und oft auch
Die Wucherblume bei Kapuzinerkresse. Wucherblume (Chrysanthemum ca­
ist eine ausdrucks­
rinatum): Ihr wenig schmeichelhafter
volle Schnittblume für
Name besagt bereits, daß man mit
bunte Sträuße.

dieser Sommerblume keine Mühe


hat, sie zum Wachsen und Blühen zu
bringen. Sie schafft es bei Aussaat im
April innerhalb von wenigen Wochen
und bietet im Hochsommer ein far­
benprächtiges Bild in leuchtenden,
warmen Farben. Die festen Stiele
werden 50-60 cm hoch.
Die Wucherblume wird am besten
auf Beeten in Reihen von 30-40 cm
Abstand gesät und nicht mehr ver­
pflanzt. Auch auf Blumenrabatten paßt
sie in den Hintergrund. Eine nahe
Verwandte ist Chrysanthemum coro­
narium, die Kronen-Wucherblume
mit halbgefüllten und gefüllten gelb­
weißen Blüten, deren würzige Blätter
in Japan als Gemüse gegessen wer­
den. Chrysanthemum frutescens mit
weißen, einfachen Margeritenblüt­
chen und blaugrünem Laub ist bei
frostfreier Überwinterung mehrjährig
und wird häufig als Stämmchen ge­
formt und als Kübelpflanze angebo­
ten. Sie läßt sich aus Samen ziehen
oder über Stecklinge vermehren.

71
Großmutters Bauerngarten

Die Klein- und vielblu­


migen Züchtungen
der Zinnie sind viel­
seitig verwendbar: als
Schnittblumen, Beet­
pflanzen für Stein­
gärten, Balkonkästen
und Gefäße aller Art.

Zinnie (Zinnia angustifolia, syn. Z. chen gefällig einer bunten Stauden­


haageana): Von Zinnien sind viele rabatte oder einem Steingarten, also
Züchtungen am Markt. Kompakte und allen weniger exakt gepflanzten Blu­
großblumige Zinnien-Sorten werden menbeeten an. Zinnien benötigen
neu gezüchtet. Etwas in Vergessenheit volle Sonne und viel Wärme, entspre­
geraten ist diese viel kleinblütigere chend ihrer Heimat - sie stammen
Art, die buschig wächst und zahlrei­ nämlich aus Mexiko. Zinnien sät man
che gelb-rote Blüten trägt. Im Gegen­ am besten direkt ins Freie nach Mitte
satz zu den immer etwas steif wirken­ April oder zieht die Sämlinge im Früh­
den Züchtungen der Zinnia elegans, beet vor und pflanzt die jungen Pflänz­
zum Beispiel den 'Kalifornischen Rie­ chen dann erst nach den Eisheiligen,
sen' passen sich die kleineren Blüt­ also etwa von Mitte bis Ende Mai aus.

72
Großmutters Bauerngarten
Weitere ein- und zweijährige Sommerblumen
aus dem Bauerngarten
DEUTSCHER NAME AUSSAAT ZEICHEN VORKULTUR PFLANZEN­ BEMERKUNGEN
BOTANISCHER NAME (Monat) ERFORDER­ ABSTAND
LICH (cm)

Bechermalve 4-6 —
30 Sonne - Halbschatten
Lavatera u. Malope
trufida

Fingerhut 6-8 — 30 Halbschatten ­ Schatten


Digitalis purpurea

Gänseblümchen 7-8 + 20 Samen nur leicht bedecken


Bellis monstrosa

Gauklerblume 2-4 + 20 feuchter Standort


Mimulus tigrinus

Kapuzinerkresse 4-5 — 30 Sonne - Halbschatten,


Tropaeolum majus kletternd

Kornblume 3-9 — 20 Sonne


Centaurea cyanus

Kronenmargerite 4-6 10-20 Sonne


Chrysanthemum
coronarium —

Levkojen 3-8 + 30 Sonne ­ Halbschatten


Matthiola incana

Malve Fingerhut Sonnenflügel Kapuzinerkresse

73
Großmutters Bauerngarten

DEUTSCHER NAME AUSSAAT ZEICHEN VORKULTUR PFLANZEN­ BEMERKUNGEN


BOTANISCHER NAME (Monat) ERFORDER­ ABSTAND
LICH (cm)

Mädchenauge 4-6 - 10-20 Sonne


Coreopsis tinctoria

Mandelröschen 4-6 - 5-10 Sonne - Halbschatten


Clarkia elegans

Marienglocken- 6-8 + 30 Sonne


blume
Campanula medium

Ringelblume 4-6 - 20 Sonne - Halbschatten


Calendula officinalis

Rittersporn 4-6 - 10 Sonne


Delphinium ajacis

Sonnenblumen 4-5 - 40 Sonne


Helianthus annuus

Schleierkraut 4-5 - 20 Sonne ­ Halbschatten


Gypsophila elegans

Schmuckkörbchen 4-5 - 30 Sonne ­ Halbschatten


Cosmos bipinnatus

Sommerazalee 4-6 - 20 Sonne ­ Halbschatten


Godetia hybrida

Schmuckkörbchen Levkoje Sonnenblumen

74
Großmutters Bauerngarten

DEUTSCHER NAME AUSSAAT ZEICHEN VORKULTUR PFLANZEN­ BEMERKUNGEN


BOTANISCHER NAME (Monat) ERFORDER­ ABSTAND
LICH (cm)

Sonnenflügel, 3-5 20 Sonne


Immortelle
Helipterum roseum syn.
Acroclinium

Sonnenhut 4-5 - 20 Sonne


Rudbeckia hirta

Stockrose 6-8 + 30 Sonne ­ Halbschatten


Althaea rosea

Strandflieder 4-5 - 30 Sonne


Limonium sinuatum

Strohblume 4-5 — 20 Sonne


Helichrysum
bracteatum

Studentenblume 3-5 + (-) 30 Sonne


Tagetes patula nana
Tagetes erecta

Trichterwinde 4-5 - 20 Sonne ­ Halbschatten,


Ipomoea tricolor kletternd

+ JA — NEIN EINJÄHRIG ZWEIJÄHRIG

Sommerazalee Ringelblume Sommer-Rittersporn

75
Großmutters
Duftgarten
Die zarten Düfte des Veilchens und
des Maiglöckchens waren so gefragt,
daß um 1900 ganze Gärtnereien den
Winter über und selbst im Sommer
ihre Künste darauf verwendeten, all­
zeit die Nachfrage decken zu können.
Das Maiglöckchen wurde zum deut­
schen Exportschlager. Gekühlte Kei­
me gingen bis nach New York. Fast
ganz aus der Mode gekommen ist die
Treiberei duftender Frühlingssträu­
cher mitten im Winter. Schon bald
nach den ersten Frösten, d. h. Mitte
Januar, wenn die Natur durch Kälte
eine Umstimmung in den Pflanzen
bewirkt hatte, wurden die vorgebilde­
ten Blüten durch aufwendige Treib­
methoden rechtzeitig zu Weihnachten
und für die folgenden Wintermonate
herausgekitzelt. Die Ballen wurden
ausgegraben und in anfänglich dunk­
len, auf 35-40 °C erhitzten Treibräu­
men zum Austreiben veranlaßt. Es
geht auch weniger umständlich. Wer
im Winter Blütendüfte um sich haben
will, kann auf die winterblühenden
Sträucher wie die Zaubernuß (Hama­
melis mollis) und auf den winterblü­
henden Schneeball (Viburnum farre­
ri) zurückgreifen, die beide bei mil­
der Witterung von Januar bis in den
März hinein mit ihren Düften versu­
chen, Insekten anzulocken. Schon
kurz danach füllen ein weiterer
Schneeball (Viburnum burkwoodii),
immergrün, mit handgroßen weißen
Blütenbällen und Daphne mezereum,
der Seidelbast, sonnige März- und
Apriltage mit ihrem angenehmen Par­
füm.

Duftpflanzen des Frühsommers (von links nach


rechts): Levkojen, Kartoffelrosen, Heckenrosen,
Bartnelken, Schafgarben, Holunder, Pfingstro­
se, Schwertlilien, Nachtviolen, Schotendotter,
Prachtnelken, Duftrose, Falscher Jasmin.

77
Großmutters Duftgarten

Der Duft- und Kräutergarten war Duftende Pflanzen für


nicht nur lebenswichtig, weil in ihm den Garten im Frühling
allerhand Heilmittel gegen Erkältun­
gen und ernsthaftere Erkrankungen Schwelgen Sie gerne in Düften?
wuchsen, sondern auch zur Abwehr »Waten« Sie gerne in einer Fülle von
von Insekten. Die Poleiminze (Men­ wilden oder verwilderten Blumen?
tha pulegium) ist ein altes Hausmittel Dann bleiben wir beim Thema Blu­
gegen Flöhe. Lavendelblüten wurden menwiesen, die schon immer unkon­
in Säckchen genäht und zwischen die ventionell denkende Geister beein­
Wäsche gelegt. Dort sollten sie nicht druckten.
nur für angenehmes Aroma sorgen, Narzissenwiesen finden wir noch in
sondern auch die Motten vertreiben. der freien Natur: Die langkronigen
Menschliche Mißgerüche wurden einheimischen Osterglocken (Narcis­
durch schwere Düfte überdeckt. sus pseudonarcissus) aus der Eifel
Infolgedessen waren Pflanzen mit und dem Jura wurden schon früh in
duftenden Blüten beliebt: Rosen, die Gärten geholt. Auf zahlreichen
Pfingstrosen, Tazetten und Phlox ge­ Dorfangern, in Parks und größeren
nauso wie Lilien, Nelken oder Flieder. Gärten konnten sie sich über die Jah­
Duftende weiße
Düfte und Gerüche werden jedoch re ungestört vermehren. Ihr verhalte­
Dichternarzissen in
unterschiedlich empfunden. Was den ner Duft mischt sich im April mit dem einem Privatgarten.
einen in Begeisterung versetzt, lehnt der Kissenprimeln (Primula acaulis)
ein anderer völlig ab. Man muß ein­ und Duftveilchen, die sich ebenfalls
fach ausprobieren, welche Duftpflan­ vehement vermehren, wenn man sie
zen im Garten man mag. nicht stört.

Verwilderte
Kissenprimeln im
Blumenrasen.

Primelrasen im
Vorgarten.

78
Großmutters Duftgarten

Die Mondviole
entfaltet abends ihren
Duft.

Judaspfennig
im Frühling.

Im Mai sind es die weißen, kurz­ ausgestreut an einer geeigneten Stelle


kronigen Dichternarzissen (Narcissus im Herbst 15-20 cm tief einpflanzen.
poeticus), die noch auf einigen Berg­ Diese Narzissen sind vermehrungs­
wiesen in Österreich (zum Beispiel in freudig, immer neue Zwiebeln bilden
Bad Aussee), im französischen Ardè­ bald üppig blühende Horste. Trotz­
che oder in den Bergen oberhalb von dem: Seien Sie am Anfang nicht knau­
Montreux in der Schweiz jeden Pflan­ serig. 100 bis 200 Zwiebeln ergeben
zenliebhaber begeistern. Wolken von einen viel besseren Effekt als 10!
intensiven, süßen Düften ziehen dann In den romantisch verwilderten
die Berghänge herab. Wie schon zu oder Naturgarten paßt auch die vor
Großmutters Zeiten läßt sich ein Ab­ allem abends stark duftende Mond­
glanz davon im Garten nachvollzie­ viole (Hesperis matronalis) mit lila
hen. Voraussetzungen sind eine Blu­ oder auch weißen Blüten und
menwiese oder eine Ecke zwischen 60-80 cm Höhe und die alte Bauern­
Bodendeckern, wo die Pflanzen nach blume Judaspfennig (Lunaria bien­
der Blüte ungestört abreifen können nis), deren anfangs violette Blüten im
und ein möglichst feuchter, lehmiger Herbst dekorative, silbrigweiße
Die Wildform der Boden mit genügend Bodenfruchtbar­ Fruchtstände bilden. Sie sind für
Osterglocke ist noch keit. Da die Wildformen der Narzis­ Trockensträuße begehrt.
in vielen Bauerngär­ sen streng unter Naturschutz stehen, Nach den Frühjahrsblühern Hya­
ten zu finden. können Sie sich Zwiebeln der nur zinthen, Traubenhyazinthen, Tulpen
wenig veränderten Kultursorte 'Actaea und Narzissen öffnen sich im Mai an
Alba' besorgen und sie breitwürfig schattiger Stelle des Waldes und auch
79
im Garten die frischgrünen Blattroset­
ten des Waldmeisters (Galium odora­
tum). Aus den Blättern, die noch vor
der Blüte abgeschnitten werden (spä­
ter enthalten sie giftige Blausäure)
können Sie sich eine zünftige und er­
frischende Waldmeisterbowle herstel­
len, so wie sie bei den Großeltern be­
liebt war.
Im Mai sind die schattigen Stellen
des Gartens mit bodendeckenden
Pflanzen überzogen, die noch schnell
die günstige Gelegenheit zum Blühen
benutzen, bevor das dichte Laubdach
der Sträucher und Bäume ihnen das
Leben schwer macht. Wenn Sie es
noch nicht getan haben, sollten Sie an Eine stark
geeigneter Stelle Rhizome der Mai­ duftende Kletter­
glöckchen (Convallaria majalis) pflanze: Jelänger­
jelieber.
pflanzen. Die früher so beliebten
Frühjahrsblüher sind anspruchslos
und robust. Wenn sie sich erst einge­
wöhnt haben, breiten sie sich auch an
schwierigen Stellen von selbst aus. Zur Gartenlaube passen auch der
Ein Sträußchen davon, in Bieder­ Falsche Jasmin (Philadelphus corona­
meierart mit frischgrüner Manschette rius) mit schalenförmigen weißen
aus Maiglöckchenblättern gebunden, Blüten und starkem Duft und die
durchzieht Korridore und Schlafzim­ halbgefüllte Form des Pfeifenstrau­
mer mit Wohlgeruch. Aus den Bestän­ ches (Philadelphus virginalis). Der
den im Garten können Sie dann im Rotdorn (Crataegus oxyacantha) ent­
Herbst Keime zum Vortreiben ent­ wickelt sich zu einem kleinen Baum.
nehmen (s. Seite 105). Sein Duft ist eher verhalten.
Um die Gartenlaube können Sie
den im Juli-August blühenden Jelän­
Duftgärten im Früh­ gerjelieber schlingen lassen (Lonicera
sommer und Sommer peryclymenum, einheimisch) und Lo­
nicera tellmannii, mit größeren Blü­
Auch für sonnige Gartenplätze hat ten und hellerem Laub). Vor allem
Großmutters Duftgarten viel zu bie­ abends verströmen diese Schlinger
ten. Die Sitzecke oder die Gartenlau­ ihren Wohlgeruch. Eine herrliche
be sind kaum denkbar ohne duftende Alternative, die an südliche Gefilde
Blütensträucher, die den Aufenthalt erinnert und zu Gartenanlagen, Ter­
Die meisten
noch angenehmer machen. rassen und Mauern im klassischen
Nelken duften: Groß­
Flieder (Syringa vulgaris) in gefüll­ oder italienischen Stil paßt, ist auch mutters Bartnelken,
ten oder ungefüllten Sorten ist nach die Glycine (Wisteria sinensis) mit lila die edlen Garten­
wie vor populär. Von ihm schneidet oder weißen Blütentrauben und ma­ nelken und beson­
man im Mai dicke Sträuße für Vasen lerischem Wuchs. Auf sonnigen Bee­ ders stark die wilde
im Haus. ten fühlen sich die prächtigen Bartiris Prachtnelke.

80
rius) waren als Einfassung beliebt. Mit
ihrem grasähnlichen graugrünen
Laub sehen sie auch nach der Blüte
noch gefällig aus. Sie gehören unbe­
dingt in Steingärten und beleben
Bauerngärten, Atriumgärten, pflege­
leichte Geröllgärten und Vorgärten.
Die Bartnelke (Dianthus barbatus)
überbrückt die blütenarme Zeit bis
zum Beginn des Rosenflors. Die Gärt­
ner führen die alte Bauernblume un­
ter den Zweijährigen, also Pflanzen,
die man im Sommer (Juni-August)
aussät. In den Herbstmonaten wach­
sen sie heran, überwintern und blü­
hen dann im nächsten Jahr. Das heißt
Bartiris (Schwert- (Iris germanica) wohl. Das einzige, jedoch nicht, daß man sie immer wie­
lilien) duften verhal- was sie fürchten, ist Torf und zuviel der neu aussäen müßte: manche
ten. Sie passen gut Humus, dann faulen sie leicht. Die Pflanzen wachsen wie eine Staude
an sonnige Stellen, Rhizome sollten offen liegen und von weiter, andere säen sich von selbst
vor Mauern und
der Sonne beschienen werden. Unter wieder aus. Wer sie einmal hat, kann
Zäune.
ihnen gibt es herrliche Züchtungen, ständig auf die Bartnelken zählen. Sie
auch ältere, die sich über Jahrzehnte passen vor Gehölze, auf Rabatten. In
und Jahrhunderte bewährt haben, Bauerngärten findet man sie meistens
denn die Schwertlilie zählt zu den als ganzes Beet angepflanzt, denn auf
ganz alten Gartenblumen. dem Lande legt man noch Wert dar­
Nelkenarten bieten sich als Unter­ auf, aus vielen Schnittblumen für
und Zwischenpflanzung an. Polsterbil­ Sträuße nach Herzenslust schneiden
dende Federnelken (Dianthus pluma­ zu können.
Großmutters Duftgarten

Als Blumengeschäfte noch rar wa­ Duftende Pflanzen für Ein Blumenbeet
ren und die Eigenversorgung wichtig, im klassischen Stil mit
den Garten im Herbst einer Dracaena in der
standen auch die ein- bis zweimal
blühenden Gartennelken (Dianthus Mitte. Darumherum
Im Herbst werden die duftenden Blu­
stehen Eisbegonien
caryophyllus) hoch im Kurs. Sie wer­ men und Sträucher seltener. Den oder Leberbalsam.
den aus Samen herangezogen oder Pflanzen stehen offenbar genügend Der Rand besteht aus
durch Absenker im Freiland oder in auffällige Blütenfarben zur Verfügung, Duftsteinrich
Töpfen weiter vermehrt. Zahlreiche um Insekten anzulocken und damit (Alyssum).
Sorten entstanden und wurden als die Weitervererbung zu sichern. Im­
Geheimtip weitergereicht. Ein wahres merhin, einige gibt es doch: den bei
Nelkenfieber grassierte unter den Schmetterlingen und Insekten beson­
Pflanzenliebhabern des vorigen Jahr­ ders geschätzten Halbstrauch Som­
hunderts. Auffällige und stark duften­ merflieder (Buddleia davidii) aus
de »Negelein«, wie sie in Süddeutsch­ China mit dunkelblauen, weißen oder
land immer noch heißen, findet man lilaroten Blüten, die einjährigen Rin­
bisweilen noch in alten Bauerngärten gelblumen (Calendula officinalis) die
- Sorten, die ansonsten schon längst sich immer wieder selbst aussäen, die
ausgestorben sind. Aus den Remon­ rankende Kapuzinerkresse (Tropaeo­
tantnelken gingen die heutigen groß­ lum maius), die Rabattenstaude Phlox
blütigen Gewächshausnelken hervor. (Phlox paniculata) und den bis zu 2
Besitzen Sie ein beheiztes Gewächs­ Meter hohen weißen Ziertabak (Nico­
haus? Dann sollten Sie es einmal mit tiana affinis).
der Kultur solcher Nelken versuchen,
die immer noch herrlich duften. 4-5 ­
Pflanzen gedeihen in einem großen
Topf von ca. 15 cm Durchmesser. Sie
benötigen unbedingt Halt an Bambus­
stäben oder Schnüren. Bricht man die
Seitentriebe aus, erreichen die Blüten
professionelle Größe. Viel Licht und
regelmäßiges Gießen und Düngen
sind dabei Voraussetzung.
Üppige Blüte und ein hängender
Wuchs sind die Kennzeichen für die
bekannten Tiroler oder Engadiner
Hängenelken. Ihr Blütenreichtum ver­
leitet viele Balkonbesitzer dazu, Pflan­
zen zu kaufen und es selbst mit der
Kultur zu versuchen. Leider sind die
Erfolge im trockenen und heißen
Tiefland gering. Diese anspruchsvol­
len Gewächse sind an die feuchte
Bergluft gewöhnt!
Der schwere Duft
des Staudenphloxes
ist charakteristisch für
Sommersträuße aus
dem Garten.

82
Die aromatischen
Typische Duftblumen
Ringelblumen sind

pflegeleicht. Aus Blät­

alter Bauerngärten
tern und Blüten wird

Diptam, Brennender Busch (Dic­


eine heilkräftige Salbe

gewonnen, die gegen

tamnus albus purpureus): Schon in


Wunden hilft.
der Bibel wird der Brennende Busch
erwähnt, vermutlich deshalb, weil die
Stengel, Blumenkelche und Früchte
mit kurzen Haaren bedeckt sind, die
ein flüchtiges Öl abscheiden. Bei
feuchtwarmem Wetter und großer
Hitze kann sich dieses Öl plötzlich
entzünden, so daß die ganze Pflanze
für einige Augenblicke wie in Feuer
gehüllt dasteht. Der Diptam wurde
Eine auffallende Erscheinung, die von Kreuzfahrern nach Europa mitge­
ohne weiteres an eine markante Stel­ bracht und hat sich seitdem in den
le des Gartens paßt, ist übrigens auch Gärten behauptet. Die Blüten sind
der echte Virginia-Tabak. Mit ihm auffällig rosarot geädert, bisweilen
können Sie sich sowohl mit abendli­ auch weiß, sie erblühen zur Zeit der
chem Wohlgeruch versorgen als auch ersten Rosen Ende Mai/Juni. Der Dip­
später die Blätter ernten, fermentie­ tam gedeiht am besten auf warmem
ren und so eigenen Zigarren- oder kalkreichen Boden und sollte wie
Zigaretten-Tabak gewinnen. Pfingst- und Christrosen möglichst

Diptam, der
Brennende Busch
aus der Bibel,
gelangte mit den
Kreuzfahrern nach
Europa.
wenig verpflanzt werden. Die schöne den gezüchtet. Zu den besten zählen Duftwicken
auffällige Staude mit stark aromati­ die 'Royal Superriesen' und die 'Spen­ bewähren sich am
schem Geruch in allen Pflanzenteilen cer Mischung', die von Mr. Spencer, besten in feuchten
Sommern und in
ist allerdings giftig, daher ist Vorsicht einem Verwandten des englischen
Höhenlagen.
geboten, wenn Sie Kinder haben. Der Königshauses, aus Liebhaberei ent­ Häufiges Pflücken
Diptam ist bei Schmetterlingen und wickelt wurde. Sie ist heute in aller fördert die Blüten­
Insekten als Futterpflanze beliebt. Welt bekannt und ein großer Erfolg. bildung.
Man kann ihn aus Samen anziehen.
Goldlack (Cheiranthus cheiri): Im
Duftwicken (Lathyrus odoratus): Mittelmeer beheimatet ist der Gold­
Neben der mehrjährigen, nicht duf­ lack, eine der ältesten Gartenpflanzen
tenden Staudenwicke (Lathyrus lati­ und seit undenklichen Zeiten wegen
folius) zählen die einjährigen Duft­ des köstlichen Duftes und der war­
wicken zu den bekanntesten Bauern­ men Blütenfarben in Gelb, Braun, Rot
blumen, die innerhalb kurzer Zeit und Purpurrot geschätzt. Kreuzfahrer
Hecken, Zäune, Mauern und Lauben mögen sie aus dem Mittelmeerraum
begrünen. Sofern man sie früh genug in ihre Burggärten gebracht haben,
aussät, nämlich schon Ende März bis wo man die Wildformen auch heute
spätestens Mitte April, entwickeln sie noch an alten Gemäuern finden kann.
sich an sonnigen oder halbschattigen Zahlreiche Sorten sind entstanden,
Gartenplätzen problemlos zu üppig unter ihnen eintriebige, die für
blühenden Hecken, von denen man Schnittblumen gezogen wurden. Bu­
immer wieder für den Hausgebrauch, schige Zwergformen wurden als Topf­
für zart duftende Sträuße, pflücken pflanzen kultiviert, man sieht sie
darf. Je mehr gepflückt wird, desto heute kaum noch. Dagegen blieb
Goldlack und
besser, denn jeder Samenansatz Goldlack als Frühjahrsblüher populär.
Stiefmütterchen, eine
schwächt die Pflanze und veranlaßt Wertvoll ist die relativ späte Blütezeit klassische Zusam­
sie zum Abreifen. Wicken lieben im Mai, wenn die sommerblühenden menstellung. In
feuchtkühles Klima. Sie sind daher für Stauden noch nicht offen und die diesem Tongefäß
Höhenlagen besonders gut geeignet. Zwiebelblumen bereits im Verblühen blüht es vom Herbst
Zahlreiche großblumige Sorten wur­ sind. Besonders reizvoll ist die Kom- bis zum Frühjahr.

84
Großmutters Duftgarten

Eine alte Bauern­ bination mit spätblühenden Tulpen,


gartenblume: die oder in Verbindung mit Tausend­
Pfingstrose. schön (Bellis) und/oder Vergißmein­
nicht (Myosotis). Goldlack belebt
auch Staudenpflanzungen, wirkt be­
sonders vor dunklen Gehölzen und
sieht sehr nostalgisch in Terrakotta­
Gefäßen aus. Während der Goldlack
zweijährig ist, also im Juni/Juli ausge­
sät wird und überwintert, kann man
den sehr nahe verwandten Schoten­
dotter Erysimum allionii (syn. Chei­
ranthus allionii) aus Osteuropa und
Sibirien wie Goldlack mit Überwinte­
rung, aber auch einjährig ziehen.
Schotendotter und Goldlack eignen
sich hervorragend für die Nähe eines
Sitzplatzes oder für größere Flächen­ Pfingstrose (Paeonia): Ihre Heimat
pflanzungen. Ihr lieblicher Geruch ist China, wo schon 536 vor Christus
zieht zahlreiche Insekten, vor allem am kaiserlichen Hof Gartensorten ge­
Bienen und Hummeln an. züchtet wurden. Aber auch in Klein­
asien und sogar in den Alpen kommt
die Pfingstrose vereinzelt wild vor.
Aus dem Bauerngarten ist diese Blu­
me nicht wegzudenken. Die Pflanzen
werden über Wurzelstöcke weiterver­
mehrt, die man teilt und an einer son­
nigen Stelle, möglichst auf lehmigen,
feuchten Boden pflanzt. Erst nach
einigen Jahren entwickeln sich blüh­
fähige Horste, die jedoch im Laufe
der Zeit immer schöner und üppiger
werden. Im Juni setzt die Blüte ein
und nicht nur im Garten neben Mar­
geriten, Taglilien (Hemerocallis),
Feinstrahlastern (Erigeron) und Drei­
masterblumen (Tradescantia) sind
die Pfingstrosen eine Pracht. Auch aus
Bauernsträußen sind sie nicht wegzu­
denken. Schwertlilien, der weiße
Geißbart und als Auflockerung weiß­
grüne Stiele des Grases Phalaris pas­
sen besonders gut dazu. Die meisten
Sorten duften intensiv.
Um die Jahrhundertwende herum
wurden nach französischen auch
deutsche Züchtungen berühmt. Heute
kommen viele Sorten aus den USA,

85
wo besonders der Typ der anemo­ für den Färberwau (Reseda luteola) Je älter, desto
nenblütigen Pfingstrose mit offenen zurück. Sie ist eine einheimische Fär­ schöner!
Alle Pfingstrosen
Schalenblüten und dicht gefülltem In­ bepflanze für Gelb, die früher in grö­
wachsen langsam
neren gepflegt wird. Für den Schnitt ßeren Mengen auf kalkreichen Böden und dürfen nicht
eignen sich besonders gut Paeonia angebaut wurde. Die Reseda war gestört werden.
lactiflora 'Felix Kruse' (weinrot), 'Karl enorm beliebt, hauptsächlich wegen Lehmiger, fruchtbarer
Rosenfield' (rot gefüllt), 'Duchesse ihres »ambrosischen Wohlgeruchs«, Boden und Sonne
de Nemours' (weiß) und 'Sarah Bern­ wie der schwedische Naturforscher bekommen ihnen
hard Duffe' (lachsrosa). Linné sich ausdrückte. Die Gartenre­ am besten. Paeonia
Sehr selten geworden ist Paeonia sede stammt aus Nordafrika und wird tennuifolia (oben),
tenuifolia, eine alte Bauerngarten­ als einjährige Sommerblume im Gar­ Paeonia lactiflora
'Sarah Bernhard
blume mit feinem, fiederblättrigem ten kultiviert. Sie wächst sehr unkom­
Duffe' (Mitte),
Laub und großen lachsrosa Blüten. pliziert auf leichten durchlässigen Bö­ 'Duchesse de
den (sandig, lehmig) an sonniger Nemours' (unten),
Wohlriechende Resede, Wau(Re­ Stelle, aber auch im Halbschatten. Bei 'Karl Rosenfield'
seda odorata): Der deutsche Name Aussaat im März/April setzt die Blüte (links)
Wau geht offenbar zurück auf eine im Juli ein und hält längere Zeit an.
spätlateinische Bezeichnung (Wastus) Besonders beliebt war jedoch auch
86
Großmutters Duftgarten

die Topfkultur,ja sogar Stämmchen men in einen Topf mit sandig lehmi­
wurden aus Reseden gezogen, was ger Erde ausgesät. Für sehr guten
aber während der lichtarmen Winter­ Wasserabzug (Scherben oder Steine)
monate einige Schwierigkeiten verur­ sorgen! Später werden dann alle
sacht. Die Blüten selbst sind klein, überzähligen Pflänzchen bis auf eine
grünlich oder gelblich mit roten oder oder zwei entfernt und die Jungpflan­
grünlich gelben Staubbeuteln. Beson­ zen schon bald entspitzt, so daß Seit­
ders geschätzt und heute noch gele­ entriebe entstehen. An einem hellen
gentlich erhältlich ist die Sorte 'Ma­ Platz blühen sie nach etwa 3 Monaten.
chet' mit relativ großen Blütenstän­ Reseden sind auf dem Beet unschein­
den, die hellrot oder goldgelb gefärbt bar. 10-15 davon in der Nähe eines
sind. 'Machet' ist besonders zur Topf­ Sitzplatzes oder einer Laube ge­
kultur geeignet und eine hervorra­ pflanzt, verströmen jedoch einen an­
gende Bienenfutterpflanze. Für Töpfe genehmen Wohlgeruch. Auch auf
kann man zwischen Anfang April und dem Balkon und auf dem Fensterbrett
Juli aussäen. Es werden mehrere Sa­ hat man seine Freude an ihnen.

Eine beliebte Duft­


pflanze früherer Jahr­
zehnte ist die Resede.
Sie wurde im Freien
kultiviert, aber auch in
Töpfen und sogar als
Stämmchen.

87
Rosen und Lilien - ein
kleines Paradies edler
Farben und Wohlgerüche.

Die Kartoffelrose 'Hansa' duftet stark.


Rosa centifolia
Duftrosen

Vielen der heute beliebten Floribun­ 'Variegata di


da-, Bodendecker-, Schnitt- und Tee­ Bologna'
rosen ist bei der Zucht auf kompak­
ten Wuchs, Blühfreudigkeit, elegante
lang haltbare Knospen und Wider­
standsfähigkeit gegen Mehltau und
Septoria-Blattfleckenkrankheit eines
abhanden gekommen - der Duft. Ge­
rade dieser zeichnet die alten Rosen­
sorten aus, die durch zahlreiche
Kreuzungen der ursprünglichen Wild­
rosen aus dem nördlichen und süd­
westlichen Europa, aus Vorderasien
und China entstanden sind. Beson­
ders romantisch sind Rosenbögen aus
Metall für Kletterrosen. Einige ältere
Kletterrose 'Bobby James', weiß. besonders angenehm duftende Sor­
ten sind 'Alberia Barbiere' (creme­ 'Dr. W. van Fleet'
weiß mit gelber Mitte), 'Alexandre Gi­
raud' (dunkel lachsrosa mit weißen
Streifen), 'Arvensis splendens' (klein­
blütig zartrosa weiß, duftet nach
Myrrhe), 'Christine Wright' (weißlich
rosa, halbgefüllt), 'Dr. W. van Fleet'
(zartrosa bis weiß), 'Félicité perpétué'
(zartrosa in weiß übergehend), 'Fran­
cois Juranville' (lachsrosa), 'Gerbero­
se' (dunkelrosa lila mit gelblichem
Hauch), 'Gräfin Marie Henriette Cho­
tek' (rot), 'Gruß an Zabern' (rein­
weiß), 'Guernsey Beauty' (hellgelb).
Rosenspalier mit 'New Dawn'.
'Paul Neyron'

'Constance Spry',
eine »Englische Rose«

Auch einige der Strauchrosen ent­


wickeln lange überhängende Triebe,
die wie Kletterrosen wirken. Unter ih­
nen empfehle ich eine Züchtung aus
England: 'Constance Spry', die große,
reinrosa, locker gefüllte Blüten mit
ungewöhnlichem süßen myrrheähn­
lichen Duft besitzt. Leider blüht sie
nur einmal im Juni, aber dafür un­
'Roger Lambelin' übertrefflich. Englische Züchtungen
haben den Charme der alten Sorten
übernommen und mit neuen Eigen­
schaften kombiniert. Eine Mutation
der alten Kletterrose 'Dr. W. van Fleet'
mit Blüten, die Edelrosen gleichen
und nach Apfelblüten duften, ist die
in vielen Gärtnereien erhältliche
'New Dawn', mit hängendem Wuchs.
Sie ist aber auch zum Schnitt hervor­
ragend geeignet. Besonders beliebt Clematis und Rosen sind gute Partner.
waren Trauerrosen, also auf Stämm­
chen veredelte Rosensorten mit hän­
gendem Wuchs und besonders gro­
ßer Blütenfülle. Schon ein Exemplar
in einem Rondell gepflanzt, schafft ei­
nen Mittelpunkt voller Charme und
Eleganz. Trauerrosen passen hervor­
ragend in kleine formale Gärten, in
die Nähe von Terrassen, in Atrium-
Gärten und zu Kübelpflanzen. Sehr
gut macht sich eine Unterpflanzung
mit Lavendel, Katzenminze, Eisbego­
nien, Knollenbegonien oder gelben
Studentenblumen.
Kletterrose 'Pauls Scarlet Climber'.
Großmutters Duftgarten
Duftende Stauden (St), Knollengewächse (Kn) und Zwiebelblumen (Z)

DEUTSCHER NAME BLÜTEZEIT STANDORT HÖHE PFLANZ­ BEMERKUNGEN


BOTANISCHER NAME (Monat) (cm) ZEIT
(Monat)

Alpenveilchen (Kn) 9-11 15 3-6 für Steingärten und unter


Cyclamen neapolitanum Gehölzen, feiner Duft

Abessinische Gladiole (Kn) 9-10 50-70 5 für Rabatten, schöne, halt-


Acidanthera bicolor (syn. bare Schnittblume, zarter
Gladiolus callicanthus) Duft

Diptam, Brennender 5-7 60-80 4-Herbst für Rabatten, zum Schnitt,


Busch (St) Blätter enthalten ätheri­
Dictamnus albus purpurea sches Öl, zarter Duft

Freesie (Kn) 8-10 30-40 4-5 gute Schnittblume, auch


Freesia hybrida für Töpfe und Gewächs­
haus, zarter Duft

Gartennelke (St) 7-10 30-50 Frühling/ für Rabatten, zum Schnitt


Dianthus caryophyllus Herbst auch für Töpfe, intensiver
Duft

Hyazinthe (Z) 4-5 15-25 Herbst für Beete, Rabatten, Töpfe,


Hyazinthus Orientalis auch zum Vortreiben,
starker Duft

Jonquillen-Narzisse (Z) 4-5 25-30 Herbst mehrblütig, niedrig, für


Narcissus jonquilla Rabatten, zum Schnitt,
kräftiger Duft

Prachtlilie (Z) 8-9 60-70 Herbst/ sehr gute Schnittblume,


Lilium speciosum rubrum Frühjahr für Töpfe, Rabatten,
schwerer, parfümierter
Duft

Schlüsselblume (St) 3-4 15-20 Herbst zum Verwildern, für Ra-


Primula veris batten, nickende goldgel­
be Blüte, feiner Duft

Prachtnelke (St) 6-7 30-40 Herbst/ feingezeichnete Blüten,


Dianthus superbus Frühjahr Sumpfpflanze, sehr inten­
siver, durchdringender
Duft

90
Großmutters Duftgarten

DEUTSCHER NAME BLÜTEZEIT STANDORT HÖHE PFLANZ­ BEMERKUNGEN


BOTANISCHER NAME (Monat) (cm) ZEIT
(Monat)

Tazette (Z) 4-5 40-60 Herbst mehrere Blüten/Stiel,


Narcissus tazetta meist gefüllt, zum Treiben
geeignet (Weihnachts­
narzisse), sehr intensiver
Duft

Traubenhyazinthe (Z) 3-5 15-20 Herbst für Rabatten und Steingär-


Muscari armeniacum ten, blau, intensiver Duft

Wunderblume (Kn) 7-9 50-60 5 war Mendels Modell für


Mirabilis jalapa die Vererbungslehre,
blüht gelb karminrot,
lieblicher Duft

GEHÖLZE

Duftrose 6-9 40-200 Herbst/ viele Sorten historischen


Rosa damascena u. a. Frühjahr und neueren Ursprungs,
für Beete und Klettergerü­
ste, zarter bis kräftiger
Duft

Flieder 5-6 3-6 Meter Herbst/ lieblicher, intensiver Duft,


Syringa vulgaris Frühjahr wüchsiger Strauch für
Hecken, Hausgärten, zum
Schnitt

Duftschneeball 4-5 2-3 Meter Herbst/ immergrün, intensiver


Viburnum burkwoodii Frühjahr Duft

Falscher oder Bauern- 5-6 3-5 Meter Herbst/ wüchsiger Strauch mit
jasmin Frühjahr weißen Blüten, intensiver,
Philadelphus coronarius süßer Duft

Holunder 5-6 3-5 Meter Herbst/ wüchsiger Strauch für


Sambucus nigra Frühjahr humusreiche Böden,
blüht weiß, schwarze Bee­
ren, würziger Duft

Duftsteinrich 5-10 15-20 3-5 bildet Kissen, blüht weiß


Lobularia maritima und rosa, kräftiger Duft
(syn. Alyssum)

91
Weitere Ein- und Zweijährige Duftpflanzen für den Garten

DEUTSCHER NAME BLÜTEZEIT STANDORT HÖHE AUSSAAT- BEMERKUNGEN


BOTANISCHER NAME (Monat) (cm) ZEIT
(Monat)

Gemshorn 6-9 15-20 4-6 Wildblume, starker Duft


Matthiola bicornis

Großes Springkraut/ 8-11 130-160 4-5 Wildblume aus dem Hi-


Himalayaspringkraut malaya, zarter Duft, viel
Impatiens glandulifera von Insekten besucht

Heliotrop 6-11 40-60 2-3 blüht violettblau, Beet-


Heliotropium peruvianum und Topfpflanze, schwe­
rer, intensiver Duft, attrak­
tiv für Schmetterlinge

Levkoje 7-9 30-60 4-6 Beet- und Topfpflanze,


Matthiola incana Sämlinge mit hellem
Keimblatt, blühen gefüllt,
schwerer Duft

Nachtkerze 7-8 40-80 6-8 blüht gelb, zarter Duft,


Oenothera biennis Blüten öffnen sich abends

Schotendotter 5-8 40-50 4 oder 7 ähnlich Goldlack, gefüllt


Erysimum allionii und einfach blühend, für
Beete und Kübel, duftet
stark

Trompetenzunge 6-9 40-60 3-4 exotische Blütenzeich-


Salpiglonis sinuata nung, benötigt windge-
schützten Platz, zarter
Duft, auch für größere
Töpfe und Schnitt

SONNIG HALBSCHATTIG SCHATTIG

Duftsteinrich Admiral auf einer Schotendotterblüte. Trompetenzunge


Großmutters Duftgarten

Duftende Blüten und Blüten ergeben Säckchen zum Auf­


Blätter konservieren hängen im Kleider- oder Wäsche­
schrank. Lavendelblüten, Maiglöck­
Wie gerne möchte man die Wohlge­ chen und Nachtkerze (Oenothera)
rüche eines sonnigen Frühjahrstages, sind hierfür besonders beliebt.
einer lauen Sommernacht, den Duft Derartige Duftsäckchen dienten
eines Kräutergartens, bewahren, in früher auch der Mottenabwehr. Hier
Erinnerung rufen können und von ein altes Rezept: Man nehme je 2 Tei­
diesen Erlebnissen zehren. So wie le getrockneten Rosmarin, Eberraute,
manche Blumen getrocknet ihre Far­ Heiligenkraut und Pfefferminze und
ben und ihren Charakter für längere füge je 1 Teil Thymian und 1 Teil
Zeit behalten, lassen sich in einem ge­ Chrysanthemum corymbosum (Pyre­
wissen Rahmen auch Düfte konservie­ thrum) hinzu.
ren. Schon in der Bibel werden wohl­
riechende Pflanzenöle genannt, mit
denen sich Damen und Herren jener
Schlafkissen
Zeit nach einem - ebenfalls duften­ Im Heu schläft man angeblich am be­
den - Bade salbten und die Haut ge­ sten. Wer es einmal probiert hat, weiß
schmeidig hielten. jedoch, daß eine solche Schlafstatt
nicht ohne Probleme ist. Dennoch hat
der Duft frischen Heus und der darin
Duftwässer enthaltenen Blumen eine offensicht­
Die eigene Herstellung von duften­ lich beruhigende Wirkung. Schlaf­
den Badezusätzen ist nicht schwierig. kissen, gefüllt mit Wiesenheu, sind
Sie sollten es ruhig einmal selbst pro­ immer noch beliebt. Das Heu muß
bieren! Das Verfahren ist nicht viel völlig trocken und von feinster Quali­
anders als beim heilkräftigen Kamil­ tät, also ohne Stengel sein. Rosenblät­
lentee. Man braucht dazu frische, er­ ter und Puder von Gewürznelken da­
satzweise auch getrocknete Blüten­ zwischen gemischt, sorgen zusätzlich
blätter, zum Beispiel von Rosen, für angenehme und ruhige Träume.
Lavendel, Pfingstrosen, Flieder oder Eine weitere empfehlenswerte Mi­
Phlox, außerdem ein großes Sieb und schung für Duft- und Schlafkissen:
eine Schale oder einen größeren
Topf, in dem man das Duftwasser auf­
fängt. Das Sieb, gefüllt mit den Blü­
tenblättern, wird mit 1 Liter heißem
Wasser übergossen. Anschließend
15-20 Minuten lang ziehen und erkal­
ten lassen. Derartige Duftwässer sind
originelle und nützliche Geschenke.
Aus duftenden
Rosen entsteht ein
Potpourri. In Schalen, Duftsäckchen für
Gläsern, Dosen und die Wäsche
Duftkissen sind die
Wohlgerüche be­
Früher, als weniger gekauft wurde,
wahrt. Rosenöl aus waren auch Duftsäckchen beliebte
der Apotheke frischt Präsente. Stoffreste aus Leinen oder
sie wieder auf. Baumwolle, gefüllt mit Kräutern und

93
Großmutters Duftgarten

Trockene Rosenblüten und -blätter einem hölzernen Kasten an


werden mit Blättern der Pfefferminze einem schattigen Platz lang­
und der Süßdolde (Myrrhis odorata), sam und vorsichtig getrocknet
mit Kamillenblüten und Gewürznel­ und anschließend gemischt.
kenpuder vermengt. Ein anderes Re­ Je nach eigenem Geschmack
zept: Getrocknete Hopfenblüten, La­ kommen als Fixative Gewürze
vendel und eine Mischung aus zartduf­ hinzu, beispielsweise Iris-
tenden Frühlingsblumen wie Schlüs­ Wurzeln (Iris pallida) in Pu­
selblumen, Hasenglöckchen, Maiblu­ derform, Kalmuspuder (Aco­
men ergeben einen wohlriechenden rus calamus), Gewürznelken,
Inhalt für Schlaf- und Duftkissen. Vanillenschoten - auf jeweils
eine Handvoll Blütenblätter
1 Teelöffel davon. Wer seine
Duftmischungen — Mischung stärker duften las­
Potpourris sen oder sie später wieder
Mischungen duftender Blumen, Blät­ auffrischen möchte, kann ge­
ter und Gewürze werden als Pot­ trocknete Orangenringe und
pourris bezeichnet. Sie verbreiten in aus der Apotheke aromatische
Räumen einen angenehmen Duft. Öle hinzufügen wie Rosenöl
»Pourri«, die französische Bezeich­ (gibt es echt oder synthe­
nung für »verrottet« bezieht sich auf tisch), Lavendelöl, Bergamot­
eine der alten Methoden, die Düfte tenöl (Indianernessel Monar­
der Sommerblüten haltbar zu ma­ da didyma), oder Essenzen
chen. Man benutzt dafür einen Topf, wie Moschus und Ambra.
schichtet alle geeigneten Blüten, vom Da inzwischen auch fertige
Frühjahr bis zum Herbst, in 5 cm ho­ Potpourris in guten Bioläden
hen Schichten hinein und gibt wie und Raumausstattungsgeschäf­
beim Sauerkraut etwas Salz darüber, ten erhältlich sind, ist für den
bis der Topf voll ist. Jedesmal wird Nachschub auch in Form von
die Masse dabei gewendet. Getrock­ fertigen Duftmischungen ge­
nete Orangen- oder Zitronenschale, sorgt. Viel mehr Spaß macht
Muskatnuß, Nelken und Zimt, Sandel­ es jedoch, selbst zu experi­
holz und Iriswurzeln dienen als mentieren. Es ist außerdem
natürliche Fixative, die das Aroma erheblich billiger. Man kann
festhalten. dabei zart duftende Blüten
Angenehmer und leichter läßt sich wählen und insgesamt auf ein
ein sogenannter trockener Potpourri ausgewogenes Aroma achten.
herstellen: Hierfür eignen sich alle
angenehm duftenden Blütenblätter,
die sich im Laufe des Jahres ansam­ Ein Potpourri entsteht:
meln, zusätzlich aromatische Blätter
1 Duftende Blüten und Blätter
wie Lorbeer, Zitronenmelisse, Eber­
werden getrocknet.
raute, Rosmarin, Zitronenkraut (Lip­
2 Zimt, Iriswurzel-Pulver, Lavendel
pia citriodora), Majoran oder Dill und Zitronenöl anmischen.
und die anisartig duftende Süßdolde 3 Aromatische Blätter kommen
(Myrrhis odorata). Alle werden zur hinzu.
Reifezeit an einem trockenen Tag ge­ 4 Alles gut vermengen und mit
erntet und auf einem Sieb oder in Folie abdecken.

94
Großmutters Duftgarten
Mischung:

1 Liter getrocknete und gemischte

Blüten und Knospen von Veilchen

Narzissen, Holunder, Schwertlilie,

Maiglöckchen, Kornblumen und

Jelängerjelieber gemischt mit 1/2 Li­


ter grob zerriebenen Blättern der
Süßdolde, Zitronenmelisse, Ros­
marin und 2 Eßlöffel Lavendelblü­
ten. Hierzu gibt man 1 Eßlöffel
Zimt, 1 Eßlöffel Iriswurzelpulver
und 1/2 Teelöffel ganze Gewürznel­
ken, 2 Tropfen Lavendelöl und
2 Tropfen Zitronenöl. Außerdem
Knospen und ganze getrocknete
Blüten zum Dekorieren.
Kräftige Mischung:
1 Liter getrocknete Blüten und
Knospen von Damascenerrosen
vermischt mit 50 g Rosmarin, 50 g
Thymian, 25 g zerriebenen Lor­
beerblättern, 25 g Blättern von Zi­
tronengeranien oder Zitronenthy­
mian, 50 g Iriswurzelpulver,
3 Tropfen Rosenöl, 2 Tropfen Nel­
kenöl und Sternanis zum Dekorie­
ren.

Ein Potpourri aus


blauen Blüten.

Aromatische
Kräuter und Gewürze
verleihen den
Potpourris eine auf­
regende Duftnote.
Großmutters
Trockenblumen
Trockenblumen waren früher noch
weit mehr verbreitet als heute. Sie
wurden zu Kränzen gesteckt und ge­
bunden, ergänzten den Weihnachts­
schmuck und waren auch Bestandteil
von formalen Blumensträußen, zu­
sammen mit Schleifen, Stoffblumen
und zierenden Elementen. Lebende
und konservierte Blumen wurden
ohne Hemmung zusammen verarbei­
tet, wie Beispiele aus alten Gartenzeit­
schriften belegen.
Statt der mühsam aus Zweigen ge­
flochtenen Kränze stehen dem künst­
lerisch interessierten Bastler heute
vorgefertigte Kranzunterlagen oder
auch Kugeln zum Aufhängen aus po­
rösem Steckschaum zur Verfügung.
Bastelgeschäfte, Gartencenter und
selbst die Blumengeschäfte verkaufen
solche Hilfsmittel, ebenso wie dünne,
feste Drähte zum Andrahten größerer
Blüten oder Früchte. Der Rest läßt
sich mit Klebstoff, Bändern und Phan­
tasie selbst gestalten. Sehr regelmäßi­
ge, keinesfalls asymmetrische Muster
werden den Trockenblumen beson­
ders gerecht. Starke Farbkontraste
wie auf einem Teppichbeet erzielt
man mit dem früher besonders be­
liebten Kugelamaranth (Gomphrena
globosa) in Violett und Weiß, mit den
pastellfarbenen Immortellen (Acrocli­
nium roseum), mit dem Sonnenflügel
(Rhodanthe manglesii) in Dunkelrosa,
mit der Papierblume (Xeranthemum
annuum) in Weiß und Rosa und mit
der altbewährten Strohblume (Helich­
rysum bracteatum), die neben Gelb
und Weiß auch warme goldbraune
Farben, Rosa und Karminrot anzubie-

Die warmen Farben des Sommers leuchten für


lange Zeit. Getrocknet und konserviert stehen
die Blumen für festliche Dekorationen, Kränze
und Gestecke zur Verfügung.

97
ten hat. Die meisten Trockenblumen Beim Trocknen gilt es einiges zu Mit Blaugel getrock­
sind übrigens in Australien zuhause, beachten. Die günstigste Zeit zum nete Blüten in einem
wo sie nach Niederschlägen schnell Schneiden der Blüten ist am Morgen haltbaren Strauß.
wachsen müssen. Im Garten gedeihen und natürlich sollte dabei die Sonne
sie entsprechend einfach und unkom­ scheinen. Achten Sie darauf, daß die
pliziert an sonnigen Stellen. Nur beim Blüten noch knospig, also nicht völlig
Kugelamaranth ist eine Vorkultur un­ erblüht sind, sonst fallen sie später
ter Glas angebracht. Auch die Staticen leicht auseinander und lassen sich
(Limonium), Strandflieder genannt, nicht verarbeiten. Die einfachste Me­
das Schleierkraut (Gypsophila) und thode, nach der nicht nur die genann­
eine bekannte Trockenblume von ten Trockenblumen, sondern auch
»damals«, die Muschelblume (Molu­ fast jede andere Schnittblume haltbar
cella laevis) gehören zum Material, gemacht werden können, ist das Auf­
aus dem die lange Jahre haltbaren hängen kopfüber an einem schatti­
und wunderbar romantisch wirken­ gen, luftigen Ort, zum Beispiel an
den Blütenträume entstehen. einer regengeschützten Hauswand

98
Großmutters Trockenblumen

oder unter einem Schuppen. Die ein Glas gelegt und ringsherum vor­
Stiele werden gebündelt, überzählige sichtig mit dem körnigen Blaugel um­
Blätter entfernt und die Blüten so an­ und überschüttet. Nach etwa 1 Woche
geordnet, daß jede für sich frei aus­ ist das Trocknen beendet. Vorsichtig
hängen kann. Am besten verwenden und ohne die empfindlichen Blüten
Sie zum Bündeln und Aufhängen zu beschädigen wird nun das Blaugel
dünne Gummiringe und keinen Bind­ wieder entfernt. Große Mode waren ­
faden, weil Gummi sich dem durch und wer kennt das nicht noch aus der
Schrumpfen geringeren Umfang der Kinderzeit? - gepreßte Blumen. Was
Stiele besser anpaßt. Nach 2-3 Wo­ sich am Wegrand fand, wurde be­
chen sind die Stiele ausreichend trok­ stimmt und landete in der Blumen­
ken. Komplizierte Blüten kann man presse zwischen Löschpapier, um ge­
farbecht auch mit Hilfe eines »Blau­ trocknet zu werden. Diese einfachste
gel« genannten Salzes trocknen. Es ist aller Trockenmethoden funktioniert
anfänglich dunkelblau und hellt sich selbst mit einem Schulheft, falls das
durch den Entzug der Feuchtigkeit Papier saugfähig genug ist. Aus diesen
aus den Blüten auf. Im Backofen kann Trockenblumen fertigen Kinder und
An einem luftigen
man es zurücktrocknen und entspre­ Erwachsene Buchzeichen, Post- und
Platz trocknen die
Sträußchen. Nach
chend häufig wieder verwenden. Die Grußkarten, Wandbilder, Untersetzer
2-3 Wochen kann Blüten werden dabei in der ge­ und bei entsprechendem Talent auch
man sie abnehmen wünschten Form und Anordnung in anspruchsvolle, aquarellartige Kunst­
und verwerten. eine Schüssel, ein Plastikgefäß oder in werke von empfindsamer Anmut.

99
Gärtnertricks

aus alter Zeit

Viele Kulturmethoden, die Gärtnern


und auch den Blumenliebhabern von
damals geläufig waren, sind heute so
aktuell wie eh und je. Die meisten
von ihnen erfordern kaum Kosten,
nur ein wenig Arbeit und das be­
rühmte »gewußt wie«.

Hängechrysanthemen
'Ville de Bordeaux' ist eine Chrysan­
themensorte französischen Ur­
sprungs. Das Besondere an ihr: Sie
bringt es leicht auf 400-500 Blüten
pro Pflanze, vorausgesetzt, sie wird
nach einer alten Gärtnermethode als
Hängepflanze kultiviert. Kaskaden­
chrysanthemen, wie man sie nennt,
gehen auf japanische Gärtnerkünste
zurück. Französische »Hof und Lust­
gärtner« entwickelten besonders ge­
eignete Züchtungen und Techniken.
Die Chrysantheme strebt im allgemei­
nen stets straff aufrecht nach oben
und entwickelt dabei 10 bis maximal
60 Blüten. Sollen es Hunderte wer­
den, die noch dazu auf einer prächti­
gen Schleppe von bis zu 150 cm Län­
ge verteilt sind, bedarf es einiger
Tricks. Nicht jede Sorte eignet sich.
Vor allem nicht die heute üblichen,
auf straffe Schnittstiele getrimmten
Gärtnersorten. In Bauerngärten und
in Staudengärtnereien gibt es Züch­
tungen aus der Koreaner-Gruppe mit
einfachen bis halbgefüllten Blüten auf
weichen Stielen, biegsam und ziem­
lich widerstandsfähig gegen Fröste.
Bis -8 °C werden ohne Schaden
überstanden. 'Biankie', 'Pepita', 'Ville

Die Kunst, Kaskadenchrysanthemen zu ziehen,


blieb bis heute in Frankreich erhalten. Die Stadt
Aulnay-sous-Bois im Norden von Paris
schmückt Rathaus und Plätze alljährlich in
verschwenderischer Fülle.

101
Gärtnertricks aus alter Zeit

d'Orleans', 'Chinoise', 'Lilloise' und Die über­


'Petite Maman' sind einige Sortenna­ raschende Blütenfülle
men. Aber auch mit hiesigen vielblüti­ der Kaskaden-Chry-
gen Sorten erzielt man Hängechrysan­ santhemen schmückt
Treppenaufgänge
themen, sie blühen nur nicht ganz so
und Balkone.
reichlich. Der Trick: Man hält die
Triebe während der Kultur schräg, in­
dem man die Pflanzen schräg eintopft
und an langen Holzstäben oder bes­
ser noch an schlaufenförmig geboge­
nen dicken Drähten befestigt. Durch
schräge Haltung treiben die Chrysan­
themen immer neue Triebe und
Knospen aus den Blattachseln.
Der nächste Trick erfordert etwas
Arbeit. Die neuen Triebe werden
nämlich 1 mal pro Woche während
der Hauptwachstumszeit mit einem
Messer oder dem Fingernagel jeweils
nach dem ersten Blatt entspitzt. Da­
durch entstehen wieder neue Seiten­
triebe, die bis Anfang September
gleich behandelt werden. Zu dieser
Zeit herrscht für die Chrysanthemen­
pflanze bereits Kurztag - die Blüten­
bildung setzt ein. Mitte Oktober blü­
hen dann die ersten Pflanzen. Die
Blüte zieht sich bis Weihnachten hin,
erst starke Fröste setzen ihr ein Ende.
Für Prachtexemplare beginnt man in
den Stadtgärtnereien schon im Fe­
bruar mit der Anzucht der Stecklinge.
Meine eigenen Exemplare wurden je­
doch erst im April vermehrt und wa­
ren trotzdem beachtlich. Versuche er­
gaben, daß sogar eine Juni-Vermeh-
rung noch gute Hängechrysanthemen
bringt. Allerdings sollte man dann
nicht 2, sondern 5-7 Stecklinge pro
Topf verwenden. Auch an Länge und
Blütenreichtum müssen Abstriche ak­
zeptiert werden.
Die Hängechrystanthemen kann
man als Balkonschmuck, als Treppen-

Die Töpfe sind mit Moos umwickelt - das


sieht gut aus und hält sie länger feucht.

102
Gärtnertricks aus alter Zeit

schmuck, von Hochbeeten oder Sommerblumen


Mauern herunterhängend oder als in Schalen säen
Herbstbepflanzung in großen Schalen
oder Pflanzkübeln einsetzen. Man Experimentieren Sie mit einjährigen,
kann auch Brunnen und Aufgänge schnellwüchsigen Sommerblumen.
verschönern, Koniferen-Bepflanzun- Statt in Reih und Glied ins Freiland­
gen durch warme sommerliche Chry- beet kann man einige von ihnen auch
santhemen-Farben beleben und in Schalen, größere Töpfe oder Terra­
Höhepunkte in herbstlichen Parks kotten säen. Voraussetzung: die Gefä­
schaffen. Im Haus sorgen Hängechry­ ße benötigen unbedingt ein Loch als
santhemen für angenehme Dekoratio­ Wasserabzug. Falls dies nicht möglich
nen, in kühlen Dielen oder Winter­ ist, füllt man sie 5-6 cm hoch mit
gärten. Topfscherben oder grobem Kies als
Tip: Auch wenn die Hängechrysan­ Drainage und gibt dann einen Stoff­
themen in großen Gefäßen kultiviert rest oder ein Stück Vlies als Trennung
werden, trocknen sie leicht aus. Das darauf und die Aussaaterde darüber.
Gießen wird einfacher, wenn sie aus­ Jetzt wird dünn gesät und der Samen
gepflanzt werden. Günstig sind auch 1 cm hoch mit Erde bedeckt. Nach
Plastiktöpfe, die mit einer Baum­ dem Aufgehen brauchen die Pflanzen
schere laschenförmig ausgeschnitten volle Sonne, genügend Feuchtigkeit
werden können. Liegen sie dann ge­ und nach 3-4 Wochen 2-3mal flüssi­
kippt auf einer Brüstung, kann man gen Dünger. Zu dicht stehende Pflan­
die Ballen leichter durchnässen. Der zen werden vereinzelt.
Wasserbedarf ist hoch: 2-3 Liter täg­ Ein gutes Gelingen können Sie mit
lich. der kunterbunten Schleifenblume

Sieht dekorativ
aus und läßt sich
leicht heranziehen:
Sternenglimmer (links)
und Sommervergiß­
meinnicht (rechts) in
Terrakotten.

103
Gärtnertricks aus alter Zeit

(Iberis umbellata), der Liebeshain­ Ungewöhnliche


blume (Nemophila maculata) mit Topfpflanzen
Hundszunge, auch Sommervergiß­
meinnicht (Anchusa capensis) ge­ Wer käme wohl auf den Gedanken,
nannt, mit dem verspielten Kaliforni­ Fingerhut in Töpfen heranzuziehen
schen Mohn (Eschscholtzia californi­ und ihn anschließend im Haus abblü­
ca), mit der altmodischen, aber sehr hen zu lassen? Orangeriebesitzer, die
reichblütigen Sammetblume (Tagetes einen Wintergarten besitzen, können
tenuifolia) und mit den nichtranken­ es auch heute noch. Das Ergebnis ist
den Kapuzinerkressensorten 'Juwe­ überraschend und schön, vor allem,
lenzauber' (Mischung) und 'Whirly wenn man auf die besseren Sorten
Bird' erwarten. In größeren Schalen wie Digitalis 'Excelsior-Hybriden'
können Sie auch etwas 'Japanischen oder 'Sperlings Mervita' zurückgreift.
Blumenrasen', Sternenglimmer(Lep­ Mit ihren 150 cm langen, dicht besetz­
tosiphon) oder eine niedrigbleibende ten Rispen und den herrlich getiger­
Wildblumen-Mischung aussäen. ten, gloxinienähnlichen Röhrenblüten

Die Sommerblume
Schizanthus, Bauern­
orchidee genannt,
ergibt herrliche Topf­
pflanzen mit exotisch
gezeichneten Blüten.
Gärtnertricks aus alter Zeit

bieten sie in Gruppen einen prächti­


gen Anblick. Die Kultur ist einfach:
Wie gewöhnlich wird im Juni oder
Juli ausgesät, am besten in eine Saat­
schale, die an schattiger Stelle im
Freien steht. Der feine Samen wird
nur leicht bedeckt, aber angedrückt.
Nach 2-3 Monaten lassen sich die
Sämlinge gut in größere Töpfe von
14-15 cm Durchmesser pikieren. Im
Freien in Erde eingesenkt, so daß sie
nicht austrocknen, verbringen sie mit
etwas Schutz durch Reisig den Winter
draußen. Erst im März, wenn das
neue Wachstum einsetzt (oder auch
noch später) holt man sie an einen
mäßig warmen, aber hellen Platz im
Haus.
Mit gleich gutem Erfolg bringt Frühlingsgruß im Winter: Maiglöckchen.
man auf diese Weise die Rehmannie
(Rehmannia arguta), Löwenmäul­
chen (Antirrhinum majus), Goldlack sich das einziehende Laub gelb färbt,
(Cheiranthus cheirii), Levkojen (Mat­ die kräftigsten Rhizome auszugraben
thiola incana) und die Bauernorchi­ und die Wurzeln auf etwa 8 cm Länge
dee (Schizanthus wisetonensis) zum zu kürzen. 12 Stunden lang kommen
Blühen. sie nun in ein warmes Wasserbad von
30-35 Grad und werden anschlie­
ßend entweder in Moos, in Hydro­
Eiskeime von kultur oder in faserreicher Garten­
Maiglöckchen erde in Töpfen oder Schalen bei
Zimmertemperatur getrieben. Erst
Maiglöckchen blühend zur Weih­ wenn sich die Knospen voll entwik­
nachtszeit oder auch später noch, den kelt haben, dürfen sie an das Licht,
ganzen Winter hindurch, waren frü­ sonst entwickeln sich nur Blätter. Ein
her äußerst beliebt. Um Hamburg dunkler Schrank oder Eimer mit Dek­
herum, in den Vierlanden und bei kel eignen sich am besten zur Aufbe­
Winsen an der Luhe spezialisierten wahrung. Wer später im Winter vor­
sich viele Gärtner darauf, möglichst treiben will, kann sich einen Vorrat
kräftige Rhizome heranzuziehen, die von Keimen an kühler, frostfreier
lange Blütenstiele und viele Blüten Stelle anlegen. Die Warmwasser­
daran erwarten lassen. Aber das allein behandlung ist nur für das Blühen zu
bringt es noch nicht. Die Winterruhe Weihnachten wichtig, später kann sie
muß gebrochen und den Pflanzen der entfallen.
Frühling vorgegaukelt werden. Man
kann sich im Kühlhaus gelagerte, so­
genannte Eiskeime kaufen - aller­
dings nur noch selten. Einfacher ist
es, aus dem Garten im Oktober, wenn

105
Gärtnertricks aus alter Zeit

Stämmchen selber man schon in nährstoffreiche, mit


heranziehen Hornspänen gut versorgte Erde ein­
topfen (8-10 cm Durchmesser). An ei­
Vor wenigen Jahren noch waren nem hellen Platz schießt der Trieb in
Stämmchen von Kübelpflanzen wie die Höhe und verzweigt sich. Leider
Margeriten, Myrten, Lorbeer, Lantanen ist gerade dieser buschige Wuchs
oder Fuchsien Kuriositäten, ja sogar noch nicht erwünscht. Alle Seiten­
bei Rosen nicht sonderlich gefragt ­ triebe werden daher durch sanftes
jetzt sind sie große Mode. Reiben oder Ausbrechen entfernt,
Blühend gekauft, kosten sie viel auch wenn sie versuchen, erneut zu
Geld, das sich jeder leicht sparen wachsen. Statt des Haupttriebes kann
kann. Die Kultur ist zwar etwas lang­ auch ein Seitentrieb die Leitfunktion
wierig und arbeitsaufwendig - beson­ übernehmen. Er wird dann entspre­
ders schwierig ist sie aber nicht. Das chend hochgebunden und mit einem
einzige Problem ist die Überwinte­ Stab gegen Verletzungen gesichert. Ist
rung an einem hellen Platz, der nicht die gewünschte Höhe erreicht, meist
wärmer als 10-12 Grad ist - für 100-130 cm, kappt man die Trieb­
Besitzer energiesparender Winter­ spitze und schneidet die bald erschei­
gärten also ideal. nenden seitlichen Triebe auf 1/3 ihrer
Der Experimentierfreude ist kaum Länge zurück, um Verzweigungen
eine Grenze gezogen, fast jede lang­ und damit den Aufbau einer Krone zu
lebige Pflanze mit langen verzweigen­ erreichen. Inzwischen ist der Winter
den Trieben läßt sich zum Stämm­ da. Die Pflanzen werden nochmals in
chen formen. Am Beispiel der Marge­ regelmäßigem Abstand schirmartig
rite (Chrysanthemum frutescens) wird eingekürzt, schwache, nach innen
der Werdegang deutlich. Am Anfang weisende Triebe werden ganz ent­
steht ein Kopfsteckling, der sich be­ fernt. Nach dem Umpflanzen in große
wurzeln muß. Bei Margeriten ist hier­ Töpfe oder Kübel mit Erde von stabi­
für der März gut geeignet, für Fuch­ ler Struktur und reichlich Düngervor­
sien der Juni. Nach 3-4 Wochen kann rat setzt gegen Ende des Winters der

106
Gärtnertricks aus alter Zeit

Eine Terrasse läßt neue Austrieb ein. Man kann noch­ zusammen in einen größeren Topf
sich mit Kübel­ mals auf 1/3 der Länge kürzen, dann gesetzt und miteinander zopfartig ver­
pflanzen, Stämmchen erscheinen schon die Knospen. Mar­ schlungen. Beliebt waren auch Draht­
und ornamentalem geritenstämmchen sind anspruchs­ gerüste in der Art einer Krone, einer
Beiwerk leicht in
voll, aber schön. Sie dürfen nicht aus­ Schlange oder eines Schirms, auf die
Riviera-Atmosphäre
versetzen.
trocknen, bis zum Herbst keinen man die schwachen Triebe binden
Hunger leiden und die unansehnlich konnte. Pyramiden, mit Moos umwik­
gewordenen Blüten müssen entfernt kelte Stäbe, Ampeln und Bögen sind
werden. andere Formen, die Sie nach eigenem
Bei Pflanzen mit schwachen Haupt­ Geschmack gestalten und beschnei­
trieben werden mitunter 3 oder 4 den können.

107
Nachwort

Viele der früher verbreiteten Pflanzen Zudem leben wir alle gerne mit
erforderten wenig Aufwand für die Erinnerungen. Was uns einmal beein­
Anzucht. Man säte sie einfach aus, sie druckte, wünschen wir uns irgend­
wuchsen und blühten. Oft genug wann einmal zurück. Omas verwun­
säten sie sich an Ort und Stelle selbst schenen Bauerngarten, die Garten­
wieder aus. Sie hatten meist nur laube mit dem duftenden Falschen
einen Nachteil: die Blütezeit war kurz. Jasmin, ein Stück des prächtigen
Anders die Beispiele aus öffent­ Stadtparks - und seien es nur ein
lichen und »Herrschaftsgärten«. Hier paar Quadratmeter. Oder die Palmen­
zeigte ein Heer von Gärtnern ein atmosphäre der Riviera, die formal
Feuerwerk gärtnerischer Sensationen, geschnitten Bäumchen, die Orangen,
die für uns verwöhnte Bürger der die so gut zu den wieder modernen
heutigen Zeit längst keine mehr sind. Kübelpflanzen passen. Wie fast immer
Wir können mit wenig Geld viele wird die »wiederbelebte« Erinnerung
Pflanzen fertig kaufen und sie so sogar noch schöner ausfallen als die
gruppieren, daß die Pflanzung später Wirklichkeit - der Phantasie sind be­
aussieht wie aus einem Schloßpark kanntlich keine Grenzen gesetzt.
entlehnt. Sie haben keinen Schloß­ Das heutige Angebot in Gartencen­
park? Stimmt, trotzdem sind die tern, Baumschulen und im Gartenzu­
Ideen unserer Vorfahren in vielen behör ermöglicht es, auch Gartensi­
Fällen auch im Privatgarten n a c h a h ­ tuationen romantischer Art und sol­
menswert! Unsere Gärten werden che aus der Kaiserzeit nachzustellen.
immer kleiner. Und sie werden for­ Wir haben uns bemüht, mit Fotos und
meller. Weil sich viele den Luxus Beispielen an alte Traditionen anzu­
eines großen, weitläufigen Naturgar­ knüpfen und auch neuzeitliche Lö­
tens mit Blumenwiese und Ökomauer sungen vorzustellen. Leider haben
gar nicht leisten können oder weil es nur ganz wenige Privatgärten die ver­
ihnen geht wie mir: Auf einem gro­ gangenen 100 bis 150 Jahre ohne An­
ßen Waldgrundstück möchte ich den passungen an die Moderne überlebt,
extensiv genutzen, natürlich gestalte­ so daß historische Beispiele selten ge­
ten Teil nicht missen. Und trotzdem worden sind. Es gibt sie nur noch in
im Bereich des Hauses und der Ter­ sorgfältig restaurierten öffentlichen
rasse eine überschaubare und immer Anlagen wie z. B. in der sehenswerten
gepflegte Ordnung vorfinden. Sie be­ Flora, dem Botanischen Garten der
ruhigt auch ein wenig den Geist nach Stadt Köln, aber auch an anderen Or­
den Anforderungen des Tages und ten, vor allem im westlichen und süd­
bietet Gelegenheit, mit zusätzlichen, lichen Ausland. Ich finde das nicht be­
blühenden Pflanzen in Töpfen die sonders schade, denn wir leben heute
Jahreszeiten sichtbar zu machen. Die und nicht in einem Museum. Wir wol­
großen Gartengestalter wußten, wes­ len alte Ideen zu etwas Neuem verar­
halb sie Grundstücke aufteilten und beiten, etwas Eigenes schaffen.
überschaubare Eckchen in unter­ Wenn dieses Buch dazu verhilft, hat
schiedlichem Stil schufen. es seinen Zweck erfüllt.

Ein Bauerngarten mit Blumen aus alter Zeit läßt


Erinnerungen an die Kindheit wach werden.

109
Register
A bessinische Gladiole 90 Centaurea 39, 59 Escholtzia 69 Himmelsleiter 59
Acanthus 31 Cerastium 39, 40 Euonymus 41 Holunder 91
Achillea 60 Chinaschilf 33 Hopfen 59
Acidanthera 90 Christrose 59 Falscher Jasmin 80 Hornkraut 40
Aconitum 59 Chrysanthemum 39, 60, Farbenlehre 22, 26 Hornveilchen 40, 57
Acroclinium 74 70 Federnelke 81 Humulus 59
Ageratum 40 Clarkia 64 Federmohn 33 Hyazinthe 40, 48, 90
Akanth 31 Clianthus 11 Feinstrahlaster 85 Hyacinthus 48, 90
Akelei 52 Cordyline 32 Felberich 59
Alexander von Humboldt Convallaria 80 Feldblumen 45 Immergrün 40, 59
47 Convolvulus 70 Fette Henne 54 Immortellen 73
Alpenveilchen 90 Cordyline 32 Fingerhut 72, 104 Impatiens 63, 93
Alternanthera 36, 39 Coreopsis 74 Filziges Hornkraut 39 Impressionisten 22
Althaea 54, 75 Corypha 32 Flieder 80, 91 Indianernessel 60
Aquilegia 52 Cortaderia 33 Flora, Köln 18 Ipomoea 75
Amarant 62 Cosmos 74 Formale Gärten 11 Iresine 30
Amaranthus 62 Cottage Garden 22 Freesia 90 Iris 81
Anagallis 64 Cyclamen 90 Freesie 90 Islandmohn 68
Anemone 8, 10, 46 Cynara 32 Fritillaria 59 Isola Bella 15
Antennaria 36, 40 Fuchsien 33
Antirrhinum 66 Dahlia 46 Fuchsschwanz 30, 62 Japanischer Blumenrasen
Aristolochia 60 Dahlie 46 66
Artischocke 33 Daphne 93 Gänseblümchen 72 Japanischer Hopfen 33
Artemisia 36 Delphinium 74 Galanthus 60 Jekyll, Gertrude 22
Asarina 34 Dianthus 60, 81 Galium 80 Jelängerjelieber 80
Astern 91 Dichternarzissen 79 Gartenfuchsschwanz 62 Jonquillen-Narzisse 90
Aurikel 39, 52 Dictamnus 59, 83, 90 Gartenliteratur 20 Judaspfennig 79
Dicentra 56 Gartenlaube 20 Jugendstil 20, 22
B alsamine 63 Digitalis 72, 105 Gartennelke 82, 90 Jungfer im Grünen 64
Bartfaden 64 Diptam 59, 83, 90 Gauchheil 64
Bartiris 80 Dolichos 34 Gauklerblume 73 Kalifornischer Mohn 69
Bartnelke 81 Dracaena 32 Gemshorn 92 Kapuzinerkresse 73
Bauernorchidee 105 Drachenlilie 32 Georginen 24, 46 Kaskaden-Chrysanthemen
Beetpflanzen 26 Dreimasterblume 53 Godetia 74 102
Beifuß 31 Duftmischungen 94 Goldlack 84 Katzenpfötchen 40
Bellis 34, 40, 73 Duftpflanzen 78 Goldrute 59 Kissenprimeln 40, 78
Bergflockenblume 59 Duftrosen 88, 91 Glockenblume 60
Biedermeier 16 Duftschneeball 91 Glycine 80 L antana 32
Blattpflanzen 26 Duftsteinrich 39, 92 Gnaphalium 41 Lathyrus 84
Blumenband 28 Duftsäckchen 93 Grotten 2 1 , 22, 44 Laubenkolonien 20
Blumenbinderei 22 Dultveilchen 78 Gypsophila 60, 74 Leberbalsam 40
Blumenrohr 32 Duftwicken 94 Lenné, Peter Joseph 18
Blumisten 22 Hamamelis 93 Lenotre 16
Blutmelde 31 Eccremocarpus 34 Hängechrysanthemen 101 Leptosiphon 104
Brennender Busch 59 Echeveria 39 Hängende Gärten 1 1 Leucojum 60
Brennende Liebe 49, 52 Echinops 59 Hasenglöckchen 47 Levkojen 73, 92, 105
Brown, Lancelot 'Capa- Edelkamille 39 Hauswurz 39 Liebeshainblume 66
bility' 16 Effektpflanzen 31 Heiligenkraut 26, 40 Lilien 23, 48
Buchs 17, 26, 39 Eisbegonie 39 Helianthus 74 Lilium 48, 90
Eisenhut 59 Helichrysum 40, 75 Limnanthes 70
C alceolaria 41 Eiskeime 105 Helmbohne 34 Limonium 75
Calendula 74 Elliptisches Beet 28 Helipterum 75 Livistonia 32
Callistephus 62 Endymion 47 Heliotrop 92 Lobelia 40
Campanula 66 Englische Gärten 16 Helleborus 59 Lonicera 80
Canne 32 Erigeron 85 Hesperis 79 Löwenmaul 66, 105
Cardy 33 Erysimum 85, 92 Himalaya-Springkraut 92 Lunaria 79

110
Lupine 60 O enothera 60, 92 Rudbeckia 75 Stiefmütterchen 57
Lupinus 60 Osterglocken 78 Ruhrkraut 41 Sternenglimmer 1 0 4
Lustgärtner 24 Osterluzei 60 Royal Horticultural Stockrose 54, 75
Lychnis 52, 60, 61 Orangerie 18 Society 18 Strandflieder 75, 93
Lysimachia 55, 59 Strohblume 75
Paeonia 85 S alpiglossis 92 Studentenblume 41, 75
Macleya33 Pantoffelblume 91 Sambucus 91 Süßdolde 94
Männertreu 40 Pampasgras 33 Santolina 36, 40 Syringa 80, 91
Märzenbecher 60 Papaver 68 Schafgarbe 60
Maiglöckchen 60, 80, Paradies 13 Scheinmohn 68 T agetes 41, 75
105 Parterres 15, 16 Schizanthus 105 Taglilie 61
Mädchenauge 74 Pavillons 20 Schlafkissen 93 Tazette 91
Malve 54, 73 Pechnelke 60 Schlangenbart 41 Teppichbeete 18, 34
Malva 54, 73 Pfennigkraut 55 Schleierkraut 60, 74 Teppichwinde 70
Mandelröschen 74 Pfeifenstrauch 80 Schlüsselblume 90 Thymus 41
Margarite 60 Pfingstrose 82 Schmuckpflanzen 39 Tortenbeete 18
Margaritenstämmchen Pfingstnelke 60 Schmuckkörbchen 74 Tradescantia 53
106 Phalaris 59 Schneeball 91, 93 Tränendes Herz 56
Marienglockenblume 68, Philadelphus 80 Schneeglöckchen 60 Traubenhyazinthe 61, 91
74 Polemonium 59 Schotendotter 85, 92 Trichterwinde 75
Maßliebchen 40 Potpourri 94 Schrebergärten 20 Trockenblumen 23
Matthiola 73, 92 Prachtnelke 81, 90 Schwarznessel 31 Trompetenzunge 92
Meconopsis 68 Prachtlilie 90 Sedum 41, 54 Tropaeolum 33, 73
Meerkohl 8 Primula auricula 52, Seidelbast 93 Tulpen 9, 50
Mimulus 73 90 Seidenmohn 68
Mirabilis 8, 91 Primelrasen 78 Sempervivum 39 Veilchen 57
Miscanthus 33 Prunkwinde 33 Senecio 41 Vergißmeinnicht 41, 70
Mohn 68 Prunk-(Effekt-)Pflanzen Silberblatt 41 Vexiernelke 61
Monarda 60 19 Solidago 59 Viburnum 91
Mondviole 79 Sommerazalee 74 Vinca 59
Montbretie 60 Quamoclit 34 Sommerblumenbeete 26, Viola 58
Muschelblume 98 44
Muscari 68 Rasen 26 Sommerblumen-Schalen Waldmeister 80
Myosotis 70 Rehmannia 105 103 Wau 86
Myrrhis 94 Rechteckiges Beet 30 Sommerzypresse 31 Wintergärten 20
Reseda 88 Sonnenblumen 74 Wisteria 80
Nachtkerze 60, 92 Riesenpflanzen 24 Sonnenflügel 75 Wollziest 41
Nachtviole 91 Riesentabak 31 Sonnenhut 75 Wucherblume 70
Narcissus 79, 90 Rindenmulch 44 Sumpfblume 70 Wunderblume 91
Narzissen 78, 79, Ringelblume 74 Stachys 41 Wüstenerbse 11
90 Rittersporn 74 Stadtgarten 24
Nelken 8 Romantik 16 Statice 98 Zaubernuß 93
Nemophila 66 Rosen, Damascener 8 Stauden 44 Zentifolienrose 61
Nigella 64 Rosen, Trauer- 61 Staudenphlox 82 Zinnia 72
Nizza 23 Rosenbögen 20 Staudenwicke 84 Zitronenkraut 94
Nützlinge 45 Rotdorn 80 Steinbrech 41 Zuckerhutfichte 32

111
Die Gartenerlebnis-Bücher: informative und
ideenreiche Wegweiser zu Ihrem Gartenparadies

Michael Lohmann Michael Lohmann Michael Lohmann


Der bunte Blütenzauber Der natürliche
Blumengarten am Haus Garten
Stauden, bunte Sommerblu- Hier werden zahlreiche Ideen Der Naturgarten ist ein Erleb­
men, Blumenzwiebeln und präsentiert, wie Hobbygärtner nisgarten im ursprünglichen
Rosen, aber auch dekorative farblich abgestimmte Balkon- Sinn des Wortes: Wenn wir
Blüten- und Fruchtgehölze bepflanzungen arrangieren, der Natur den Freiraum las­
sowie Bäume, die für kleine originelle Terrassen gestalten sen, sich zu entfalten, gibt es
Gärten geeignet sind, werden oder ein Dach begrünen täglich etwas Neues zu be­
hier vorgestellt. Praktische können. Konkrete, praxis- obachten. Anschaulich und
Beispiele, Arbeitsanleitungen orientierte Arbeitsanleitungen praxisnah wird in diesem
und Bilder demonstrieren, und zahlreiche Pflanzen- Buch gezeigt, wie ein natür­
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