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HESSISCHE KASSEL

1 P 3713 A

HESSISCHE/NIEDERSACHSISCHE
ALLGEMEINE
ALLGEMEINE
UNABHÄNGIG KASSELER ZEITUNG NICHT PARTEIGEBUNDEN
Preis 1,10 DM Nr. 235 • Montag, 9.10. 1989 Ruf (05 61) 203-0 • Anzeigen 203-3

Karajan-Nachfolge
Eishockey EC Kassel Handball Rote Karten: Golf WM 1990 Zum Tage
Claudio Abbado Köln 8:3-Erfolg Essener Völler, Doch Chance
gewählt Die Uhr läuft
verliert in Wesel Krise Schuster Langer für DDR INlichts dokumentiert die Lage in
Berlin (dpa). Die Berliner Phil- der DDR deutlicher, als ihre Jubel-
harmoniker haben Claudio Ab- Der sechsmalige Mit einem uner- Meister TUSEM Fußball-National- Der Anhausener Die Fußball-Na- feier. Da wurde mit preußischem
bado zu ihrem neuen Chefdiri- Meister Kölner EC wartet souveränen Essen steckt in der spieler Rudi Völler Golf-Profi Bernhard tionalelf der DDR Stechschritt und aufgepflanzten
genten und künstlerischen Lei- erlitt in der Eishok- 8:3(2:0,1:1, 5:2)-Er- Handball-Bundesli- wurde im italieni- Langer gewann das wahrte ihre Chance Bajonetten bei der Militärparade
ter gewählt. Der 56jährige Ita- key-Bundesliga mit folg beim EHV We- ga in einer Krise und schen Spitzenspiel 3. „German Ma- auf die Teilnahme Glanz und Gloria demonstriert.
liener tritt damit die Nachfolge 5:6 gegen Eintracht sel behauptete der kam gegen die SG AS Rom - SSC Nea,- sters" in Stuttgart- an der WM 1990 in Und nur Stunden später prügelte
des im Juli gestorbenen Herbert Frankfurt seine er- EC Kassel seine Po- Wallau-Massen- pel (1:1) vom Platz Mönsheim. Der 32 Italien. Sie gewann die Staatsmacht auf ihre Bürger
von Karajan an. Er ist Musikdi- ste Niederlage. Die sition in der Spit- heim nur zum gestellt. Ebenfalls Jahre alte Mitorga- in Karl-Marx-Stadt ein, die lautstark nach 40 Jahren
rektor an der Wiener Staatsoper Tabellenführung er- zengruppe der Eis- 23:23-Remis. Über- „Rot" sah Ex-Natio- nisator schob sich gegen die UdSSR Diktatur jene „demokratische Re-
und Generalmusikdirektor in oberte sich Schwen- hockey-Oberliga. raschungs-Tabel- nalspieler Bernd mit einer 68er-Run- 2:1, muß aber im publik" einforderten, die bislang
Wien. Frühere Aufgaben waren ningen mit einem Garant für wenig lenführer ist der VfL Schuster beim spa- de am Schlußtag letzten Spiel in nur dem Namen nach in der „sozia-
die musikalische Leitung an der ungewöhnlichen 1:0 Gegentreffer war Fredenbeck vor dem nischen Schlager noch nach vorne Österreich ge- listischen Alternative" zur Bundes-
Mailänder Scala und des Lon- gegen Freiburg zu- einmal mehr Tor- Aufsteiger TV Nie- FC Barcelona - Real und benötigte insge- winnen, um sich die republik existiert.
don Symphonie Orchestra. rück. wart Sepp Kontny. derwürzbach! Madrid (3:1). samt 276 Schläge. Tickets zu sichern. Ihre Hoffnung,,beim Kremlchef
Siehe Kulturteil
Unterstützung zu finden, erfüllte
sich immerhin so weit, wie sich das
Gorbatschow mit Rücksicht auf die
Ruf nach Reformen / Hunderte in Haft Machthaber des Staates an der
Westgrenze des Ostblocks leisten
konnte. Ihm gelang der schwierige
diplomatische Balanceakt, der

Größte Proteste DDR-Führung den gebotenen Re-


spekt zu erweisen, gleichwohl
deutlich daran zu erinnern, daß nie-
mand sich ungestraft notwendigen
politischen wie gesellschaftlichen

in DDR seit 1953


Veränderungen verschließt.
Die Ereignisse des 7. Oktober
1989 haben gezeigt, daß Ho-
necker nicht mehr viel Zeit bleibt,
daß er schon mit dem Rücken an
Ostberlin (dpa/AP). Am 40. Jahrestag ihres Bestehens der Wand steht. Und das eben
hat die DDR die größten Demonstrationen für demokratische macht die Situation in der DDR so
brisant. Markige Worte, unzeitge-
Reformen seit dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erlebt. mäße Wiederyereinigungsdebat-
In Ostberlin und anderen Städten zogen bis in die Nachtstun- ten und wohlfeile Ratschläge aus
den zum Sonntag mehrere zehntausend Menschen durch der Bundesrepublik sind da wenig
die Straßen und riefen „Freiheit, Freiheit". Gestern abend ist hilfreich. Im Gegenteil. Mit Zurück-
haltung ist den Menschen in der
es erneut zu Auseinandersetzungen gekommen. DDR jetzt am besten gedient.
Wolfgang Rossbach
' Die amtliche DDR-Nachrich- von Kirchenkreisen wurden ins-
tenagentur ADN bezeichnete gesamt über 1000 Menschen
die Proteste in einer knappen festgenommen. Ein Teil von ih- Jom-Kippur-FeSt
Meldung am Sonntag als „ver- nen kam gestern wieder frei,
suchte Störung" der Volksfeste während die „Rädelsführer", so
durch „Randalierer". Diese hät- eine ADN-Meldung, vor Ge-
ten sich „im Zusammenspiel mit
westlichen Medien zusammen-
richt gestellt werden sollen.
Korrespondenten und Foto-
Zugang nach
gerottet". Viele Pfarrer mahnten grafen westlicher Medien wur-
den zum Teil gewaltsam an der
Berichterstattung gehindert.
Israel versperrt
Ein Korrespondentenbericht vonVerschiedentlich zerstörten EINER ÜBERMACHT von uniformierten Beamten sah sich diese junge Ostberlinerin gegenüber, die am Jerusalem/Nikosia (AP). Die
den Zusammenstößen steht auf Angehörige des Staatssicher- Samstagabend mit Tausenden von Gleichgesinnten für mehr Freiheiten in der DDR eintraten. israelischen Streitkräfte haben
„Themen des Tages". heitsdienstes (Stasi) Filmkame- Während die Staatsorgane teilweise brutal vorgingen, riefen die Demonstranten immer wieder: am Sonntag anläßlich des jüdi-
ras und Fotoapparate. „Keine Gewalt". (dpa-Funkbild) schen Jom-Kippur-Festes den
gestern in ihren Predigten zur Die Proteste in Ostberlin hat- Gazastreifen und das Westjord-
Besonnenheit und zu weiterem ten sich am Rande der offiziellen anland abgeriegelt und damit
Verzicht auf Gewalt. In und um Feier zum 40. Jahrestag der Ostberlin / Für Demokratisierung von Staat und Gesellschaft den Bewohnern der besetzten
die Gethsemane-Kirche in Ost- DDR-Gründung aus einer Gebiete den Zugang nach Israel
berlin versammelten sich ge- Kundgebung von nur wenigen versperrt. Nach Angaben eines
stern rund 3000 junge Leute, um hundert Menschen entwickelt.
sich für Freilassung der Festge- Bald waren es nach Schätzung
nommenen einzusetzen. Starke von Beobachtern über 5000, die
Sicherheitskräfte waren aufge- zum Sitz der DDR-Volkskam-
boten; es kam zu Festnahmen. mer zogen. Ein Großaufgebot
Sozialdemokraten gründen Partei Vertrauten des PLO-Vorsitzen-
den Arafat kam es am Sonntag
in den besetzten Gebieten zu
schweren Zwischenfällen. Der
Gewährsmann sprach von mehr
Die Sicherheitskräfte der der Polizei kesselte die Menge Ostberlin/Bonn (AP). Erstmals zugleich ein Parteistatut, be- der DDR suchten die Zusam- als 100 getöteten und verwun-
DI5R waren gegen die Demon- ein und löste die Kundgebung seit ihrer Zwangsvereinigung stellten einen 15köpfigen Vor- menarbeit „mit allen demokrati- deten Palästinensern.
stranten am Samstag nachmittag gewaltsam auf. mit den Kommunisten zur SED stand und ernannten den Ost- schen Initiativen, Gruppen und
und in der Nacht zum Sonntag- Verletzte waren bei Demon- haben Sozialdemokraten in der berliner Historiker Ibrahim Personen in unserem Lande".
zum Teil, äußerst brutal vorge- strationen von mehreren tau- DDR wieder eine eigene Partei Böhme zum Sekretär. In der Ur- Der Versammlung vorausge- DDR / Gelder
gangen. Über die Zahl der Ver- send Menschen auch in Dresden gegründet. Wie am Sonntag in kunde heißt es, angesichts „der gangen war am 26. August ein
letzten und der Festgenomme- und Leipzig zu beklagen. Ostberlin mitgeteilt wurde, außen- und innenpolitischen Si- Aufruf zur Parteigründung. Die
nen gab es keine genauen Infor- Fortsetzung nächste Seite schlössen sich am Samstag 43 tuation der DDR halten es die Bildung fester Parteistrukturen
mationen. Nach Einschätzung Siehe auch „Zum Tage" Gründungsmitglieder zu einer
Sozialdemokratische
begründeten die Sozialdemo-
Partei Ein Hintergrundbericht auf »The-kraten mit der Absicht, sich „mit
Rühe erneuert
Flüchtlinge / Seit Freitag Warschau / DDR-Bürger
(SDP) zusammen. Als program-
matisches Ziel nennt die Grün- mendie
des Tages" erläutert, waruminhaltlichen
SPD 1946 mit der KPD zwangs-
und strukturellen
Verbindlichkeiten gegen die zu- Hilfsangebot
dungsurkunde eine „ökologisch vereinigt wurde. nehmende DeStabilisierung un-
orientierte soziale Demokratie". seres Landes zu verhalten und Bonn (dpa). CDU-Generalse-
1846 kamen Wieder 400 in In Bonn begrüßte die SPD diesen
neuen Partei solidarisch.
in dieser Weise an einer demo- kretär Rühe hat das Angebot
Schritt und erklärte sich mit der Mitglieder der SDP jetzt für er- kratischen Entwicklung mitzu- der Bonner Regierungskoalition
forderlich, sich für eine konse- wirken". Nach Angaben von an die SED-Führung konkreti-
über Ungarn Bonner Mission Auf einer Versammlung in quente Demokratisierung von Mitgliedern will die SDP in der siert, bei Reformen in der DDR
Schwante in der Nähe von Ber- Staat und Gesellschaft einzuset- DDR zunächst keine offizielle wirtschaftliche Unterstützung
lin beschlossen die Mitglieder zen". Die Sozialdemokraten in Zulassung anstreben. zu leisten. In einem Zeitungsin-
München (dpa). Der Strom von Warschau (dpa). Ungebro- terview stellte Rühe „projektge-.
Flüchtlingen aus der DDR über chen ist der Zulauf von Flücht- bundene Hilfe" beim Ausbau
Ungarn und Österreich in die lingen aus der DDR, die bei der Deutlichere Worte nach Rückkehr in Moskau der DDR-Konsumgüterindustrie
Bundesrepublik ist am Wochen- bundesdeutschen Botschaft in und bei der gemeinsamen Ent-
ende wieder angeschwollen. Warschau Zuflucht suchen: Seit wicklung und Produktion von
der letzten Ausreiseaktion am Umweltschutztechnologien in
Das Bundesgrenzschutzkom-
mando Süd in München zählte
von Freitag bis zum frühen
Donnerstag abend haben sich
bis Sonntag insgesamt wieder Gorbatschow setzt DDR unter Reformdruck Aussicht. Die Ostberliner Füh-
rung müsse sich aber generell zu
Sonntag morgen 1846 Übersied- etwa 400 ausreisewillige DDR- Reformen bekennen.
ler. Waren es am Samstag noch Bürger in der Bonner Mission Berlin/Moskau (dpa). Der so- wort beim offiziellen Festakt in der DDR, habe er den Ein-
662, so stieg ihre Zahl am Sonn- eingefunden. Auch die Neuan- wjetische Staats- und Parteichef zum Jubiläum am Freitag in Ost- druck gewonnen, daß die „Bür-
tag auf. 1184 an. kömmlinge wurden in Ferienan- Gorbatschow hat die DDR öf- berlin. Im sowjetischen Fernse- ger der DDR, die Veteranen, die Lotto- und Totozahlen
lagen außerhalb von Warschau fentlich unter Reformdruck ge- hen unterstrich er, die tiefgrei- mittleren Jahrgänge, und vor al-
untergebracht. Sie werden vom setzt. Unmittelbar nach Rück- fenden Veränderungen des So- lem die Jugendlichen feurige Be- Lotto: 2, 4, 8, 23, 40, 49; Zusatzzahl:
Drei weitere Busse polnischen und Deutschen Ro- kehr von den Jubiläumsfeiern zialismus hätten im Zentrum fürworter der Perestroika in un- Toto: 11.
—_ . ten Kreuz sowie der katholi- zum 40jährigen Bestehen der seiner Gespräche in Ostberlin serem Lande sind", sagte der Auswahlwette: 1, 1, 0, 0, 2, 1, 0, 0, 1, 1, 1.
schen Caritas betreut. 3, 14, 26, 29, 37, 38;
Von den DDR-Flüchtlingen DDR sagte er am Samstag abend gestanden. Dort fragten sich die Kremlchef.„Sie sind das nicht Zusatzspiel: 23.
aus Ungarn passierten am Wo- Immer größer wird der Anteil in Moskau, er habe die DDR- Leute jetzt, „was sich ändern aber nur aus Solidarität. Auch Rennquintett:
chenende 899 im eigenen Perso- derjenigen, die auf abenteuerli- Führung unter Staats- und Par- soll: Nicht nur in der Wirtschaft hier (in der DDR), wo man jetzt Rennen A: 4, 1, 6.
nenwagen die Grenze. 573 chen Wegen durch die Neiße teichef Honecker auf die Not- und in der sozialen Sphäre, son- die Bilanz von 40 Jahren zieht, Rennen B: 21, 22, 28.
DDR-Bürger kamen in elf Bus- oder die Oder schwimmen. Eini- wendigkeit von Veränderungen dern auch bei den politischen fragen sich die Leute, wie es Spie) 77: 4, 1, 9, 6, 2, 8, 9.
sen und 374 mit der Eisenbahn. ge Flüchtlinge berichteten, an hingewiesen. Institutionen." Gorbatschow weitergehen soll." Süddeutsche Klassenlotterie: Große
Für die Nacht zum Montag wur- seichten Stellen des Neiße-Fluß- Damit schlug Gorbatschow ei- weiter: „Es gibt kein Land, daß Honecker hatte dagegen in Lose der Woche mit 2 000 000 DM
den drei weitere Busse mit 150 bettes, die man durchwaten nen wesentlich deutlicheren sich nicht so oder so änderte." seiner Rede allen Reformen eine Losnummer 440 075 und 1 000 000
DM Losnummer 500 928.
Personen erwartet. könne, lägen Bretter mit Nägeln. Ton an als auch in seinem Gruß- Während seines Aufenthaltes Absage erteilt. (Ohne Gewähr)
Nr. 235 Politik Montag, 9. Oktober 1989

Namen und Kernenergie Berg-Karabach Erstmals an einem Tisch Ungarn /Nach Partei-Umwandlung
Nachrichten
DGB fordert Durchbruch
WH0 fordert Täglich blutige Sowjet-General
mehr Sicherheit Konflikte bei Nato-Treffen
Altkommunisten
DGB-Chef Ernst Breit hat ange-
kündigt, daß
sich alle Ge-
Hiroshima (dpa). Die zivile Moskau (dpa). Die Lage im
Nutzung der Kernenergie erfor- kaukasischen
Rom (dpa). Erstmals in der
Unruhegebiet Geschichte der beiden Militär-
gründen neue KP
werkschaften dert nach Ansicht des General- Berg-Karabach nimmt offenbar blöcke haben ein Nato-Oberbe-
im nächsten direktors der Weltgesundheits- immer mehr bürgerkriegsähnli- fehlshaber und ein führender Budapest (dpa). Ungarns or- „Ungarischen Sozialistischen
Jahr verstärkt organisation (WHO), Professor che Züge an. Täglich komme es sowjetischer General gemein- thodoxe Kommunisten haben Arbeiterpartei" (USAP), stellt
für die 35-Stun- Nakajima, erhöhte Sicherheits- zu blutigen Zusammenstößen sam an einer • Diskussion über als Reaktion auf die Auflösung sich jedoch entschieden „gegen
den-Woche standards in den weltweit be- zwischen Armeniern und Aser- Sicherheitsfragen teilgenom- der Kommunistischen Partei die Fehler der Vergangenheit
einsetzen woll- triebenen Atommeilern. . Auf baidschanern, schrieb am Sonn- men. Vor der Nordatlantischen und ihre Umwandlung in eine und die Überreste des Stalinis-
ten. „Der dem 9. Internationalen Welt- tag die amtliche sowjetische Versammlung (NAV), dem so- Sozialistische Partei die Grün- mus". Sie tritt für Sozialismus,
Durchbruch kongreß der „Internationalen Nachrichtenagentur Tass. Es sei genannten Nato-Parlament, das dung einer eigenen KP beschlos- Rechtstaatlichkeit und soziale
kann und muß Ärzte zur Verhütung des Atom- eine Brücke in die Luft ge- noch bis heute in Rom tagt, warf sen. Dies berichtete am Sonntag Marktwirtschaft ein.
gelingen", sagte krieges" (IPPNW) verwies er in sprengt worden, es würden der stellvertretende Chef des der ungarische Rundfunk. Die In einer von der Mehrheit der
Breit gestern in diesem Zusammenhang auf den Häuser und Autos in Brand ge- UdSSR-Generalstabs, Wladimir Selbstauflösung der bisherigen Delegierten gebilligten Stellung-
Würzburg bei Anstieg von Blutkrebs bei An- steckt. Lobow, dem Westen vor, bisher KP mit dem Ziel eines demokra- nahme wird ausdrücklich be-
der Eröffnung des 13. Ordentli- wohnern englischer Atomkraft- Die Verbindungen zur Au-nur ungenügend auf die Abrü- tischen Neubeginns war am tont, daß „in der Geschichte un-
Samstagabend auf dem Parteitag seres Landes eine Epoche zu
chen Gewerkschaftstages der werke. Die Erforschung dieser ßenwelt seien weiterhin unter- stungsinitiativen Moskaus zu in Budapest mit Billigung von Ende gegangen ist". Das bisheri-
DGB-Gewerkschaft Holz und bis heute unerklärbaren Häu- brochen. Wegen des Fehlens reagieren. Der Oberbefehlsha-
von Leukämiefällen sei ein von Medikamenten bestehe die ber der Nato für Europa, US- mehr als 80 Prozent der Dele- ge Konzept des Sozialismus sei
Kunststoff (GHK). Dies sei im fung Anliegen von Gefahr einer Hepatitis-Epide- General John Galvin, kritisierte gierten beschlossen worden.
Interesse der Arbeitslosen not- gemeinsames
WHO und IPPNW ebenso wie mie. Nur durch den Einsatz der bei der Diskussion seinerseits
nicht geeignet, daß Ungarn mit
wendig. Verlierer waren die Vertreter der Entwicklung in der Welt
der Kampf für die Abschaffung Luftwaffe bei der Versorgung die nach Ansicht der Nato un- der orthodoxen Fraktionen, die Schritt hält.
aller Atomwaffen. Gebiete werde der- veränderte militärische Stärke den radikalen Reformkurs ab- Die neue Partei distanziert
EG-Hilfsgüter „umgeleitet" Für das neue IPPNW-Projekt entlegener zeit eine Hungersnot verhin- des Warschauer Pakts. lehnen. Die geplante Gründung sich „von den Verbrechen, von
Mehr als 1000 Liter Speiseöl, „SatelLife", das den weltweiten dert. Beide Seiten würdigten den einer neuen kommunistischen den Prinzipien und Methoden,
1000 Kilogramm Mortadella Austausch medizinischer Daten Wie Tass weiter berichtete, gemeinsamen Auftritt der Mili- Partei beschloß eine Gruppie- die sich als falsch erwiesen ha-
und andere Lebensmittel, die mit Hilfe von Satelliten ermögli- hätten Jugendliche aus der von tärs vor den Parlamentariern rung, die sich nach dem gestor- ben". Der Parteivorsitzende Ny-
aus EG-Mitteln für notleidende chen soll, sagte Nakajima die Aserbaidschanern bewohnten aus 15 Nato-Staaten als „histo- benen langjährigen Parteichef ers wies auf einen „prinzipiellen
Länder der Dritten Welt zur Unterstützung der WHO zu. Stadt Schuscha in Berg-Kara- risches Ereignis", das die ge- Janos Kadar nennt. Sie begrün- Kompromiß" aller Strömungen
Verfügung gestellt wurden, sind Mit dem Projekt, das dembach am Wochenende ein nahe- wandelten Beziehungen zwi- dete ihren Schritt gestern damit, hin. Ohne die neue Sozialisti-
jetzt in einem Supermarkt in schnelleren Informationsfluß gelegenes armenisches Dorf be- schen Ost und West widerspie- daß durch die Neugründung der sche Partei sei die Herstellung
Neapel aufgetaucht. Die Polizei zwischen Kliniken und Gesund- schossen. Unter ihnen seien gele. Die 35. Jahrestagung der sozialistischen Partei die Kom- eines rechtsstaatlichen Systems
habe die Nahrungsmittel mit heitsbehörden dienen soll, wer- Einwohner der aserbaidschani- NAV in Rom geht heute mit ei- munisten ihre politische Basis in Ungarn nicht möglich. Er be-
dem Stempel der Europäischen de den Initiativen der WHO zur schen Hauptstadt Baku gewe- ner Plenarsitzung der rund 200 verloren hätten. tonte, die neue Partei werde mit
Gemeinschaft „Für bedürftige Gesundheitsförderung ein wich- sen, die eigens gekommen seien, Abgeordneten und einer Rede Die neue „Ungarische Soziali- der „proletarisch-ideologischen
Länder" beschlagnahmt, hieß es. tiges Kommunikationsmittel an um „den Kriegsgeist der örtli- von Nato-Generalsekretär stische Partei" sieht sich zwar Machtausübung" brechen.
die Hand gegeben. chen Bevölkerung" zu wecken. Wörner zu Ende. als Rechts-Nachfolgerin der Siehe auch Kommentar
China schränkt Reisen ein
Dienstreisen von führenden chi- Wohnungsnot / 250 000 Menschen
nesischen Politikern ins Aus-
land sollen künftig drastisch
eingeschränkt werden. Dies
steht in einer neuen Verord-
nung, die besagt, daß Auslands-
Massenprotest in Washington
reisen nur noch genehmigt wür- Washington (AP). Bei einer Kampagne, die „Wohnungen
den, wenn es Staats- oder Ar- der größten Protestkundgebun- jetzt" genannt wurde.
beitsbesuche im Zusammen- gen dieser Art seit den 60er Jah- Die Demonstranten verlang-
hang mit „wichtigen öffentlichen ren haben am Samstag in Wa- ten von der Regierung Bush Fi-
Angelegenheiten" seien. shington schätzungsweise nanzmittel und ein Programm
250 000 Menschen gegen die für die menschenwürdige Un-
Andres gründet Partei Wohnungsnot in den Vereinig- terbringung von Obdachlosen
Der abgesetzte Landesvorsit- ten Staaten protestiert. Der Pro- und Armen. Der schwarze Pre-
T zende der testmarsch über die Cönstitu- diger und Politiker Jesse Jack-
^ rechtsradikalen tion Avenue bildete den Höhe- son bezifferte die Zahl der Ob-
Republikaner punkt und Abschluß einer sich dachlosen in den USA mit drei
in Berlin, Bern- über drei Tage erstreckenden Millionen.
hard Andres,
hat eine neue
Partei gegrün-
| det. Sie nennt
Neues Grundsatzprogramm
jsich „Die Deut-
I sehen Demo-
Ikraten". In ei-
I nem Interview
I begründete An-
SPD-Landesverbände
wünschen Änderungen
•dres die Partei-
neubildung damit, daß viele „die
Nase voll" gehabt hätten von
„Zank, Streit und Querelen" so-
wie endlosen Personaldiskus- ICH FÜHLE MICH AUSGEZEICHNET" und kann Glückwünsche aus aller Welt kamen und Bun-
sionen bei den Republikanern. es selbst nicht glauben", gestand Bundestagsvi- deskanzler Kohl würdigte die Oppositionspoli- Hamburg (dpa). In den Be-Frage gestellt, da ein atomarer
zepräsidentin Annemarie Renger am Samstag tikerin als eine „Frau der ersten Stunde", die zirks- und Landesverbänden Einsatz in Europa mit den Inter-
an ihrem 70. Geburtstag. Für die prominente sich um die Bundesrepublik außerordentlich der SPD stößt der Entwurf für essen der Bundesrepublik nicht
Ehrendoktor für Schmidt SPD-Politikerin gaben Bundestagspräsidentin verdient gemacht hat. Annemarie Renger hat ein neues Grundsatzprogramm vereinbar sei.
Der frühere Bundeskanzler Hel- Süssmuth und SPD-Chef Vogel in der Godes- auf Geschenke verzichtet und gebeten: „Spen- der Sozialdemokraten zuneh- In der Wirtschaftspolitik plä-
mut Schmidt ist in der Universi- berger Redoute einen festlichen Empfang. Bun- den Sie für die Ronald McDonald-Kinderhilfe mend auf Kritik. Gleich vier Un- dierten die Delegierten für wei-
tät von Bergamo mit der Ehren- despräsident von Weizsäcker und Frau Mari- zur Unterstützung krebskranker Jungen und tergliederungen - die Landes- tergehende Mitbestimmungs-
doktorwürde der Wirtschafts- anne waren unter den Gratulanten (unser Bild). Mädchen". (dpa-Funkbild) verbände Schleswig-Holstein, rechte und ein Mindesteinkom-
wissenschaftlichen Fakultät Baden-Württemberg und Ham- men auch für diejenigen, die
ausgezeichnet worden. In sei- burg sowie der Bezirksverband „gesellschaftlich notwendige
nem Vortrag hob Schmidt die Hessen-Süd - forderten^ auf Par- Arbeit" leisten wie in der Kin-
teitagen am Wochenende zahl- dererziehung.
Notwendigkeit des europäi-
schen Währungssystems her-
Größte Demonstrationen in der DDR / Für West-Touristen: reiche Änderungen an dem neu- Die baden-württemöergi-
vor. Er forderte die zügige Ein- en Programm, das nach seiner schen Sozialdemokraten forder-
führung einer europäischen Verabschiedung auf einem SPD- ten in Schwäbisch-Gmünd^ im
Zentralbank.

„Maggie-Tour" ein Flop


Ostberlin weiter abgeschottet Bundesparteitag im Dezember Gegensatz zum Bundesentwurf
nach 30 Jahren das Godesber- die bedingungslose Überwin-
ger Programm ablösen soll.
Die umfangreichsten Ände-
dung der Atomwaffen.
Die Hamburger wandten sich
Die britische Premierministerin Fortsetzung chen tiefgreifender Unzufrie- ten die DDR-Behörden westli- rungswünsche formulierte die gegen eine zu weit gehende
Margaret That- Ostberlin blieb auch am Sonn- denheit vieler Einwohner in der chen Journalisten die Einreise SPD in Schleswig-Holstein beim Ausgestaltung des von der Bun-
cher als Touri- tag für West-Touristen gesperrt. DDR dauerhaft beseitig werden, nach Leipzig, da sie an diesem Parteitag in Timmendorfer des-SPD geforderten Volksbe-
stenattraktion Die innerstädtischen Übergänge heißt es in der in Bonn veröffent- Tage „nicht erwünscht" seien. Strand. Eine eindeutige Mehr- gehrens.
hat sich als gro- konnten nach wie vor nicht pas- lichten Erklärung. Gleichwohl hofft Bonn nach heit der knapp 200 Delegierten Rund 200 Einzelanträge mit
ßer Flop erwie- siert werden. Tausende wurden Einen „entschiedenen Pro- Beendigung der 40-Jahr-Feiern stimmte für einen vom Landes- deutlicher Detailkritik lagen
sen: Kein einzi- seit Schließung der Grenzen am test" in Ostberlin kündigte der in der DDR auf erste Reforman- vorstand vorgelegten Alterna- dem Bezirksparteitäg Hessen-
ger Besucher Donnerstag zurückgeschickt. stellvertretende Regierungs- sätze der SED-Führung. „Ich er- tiventwurf zu den wirtschafts- Süd vor. Die Genossen wollen
hat bislang an Einige Bereiche Ostberlins wur- sprecher Vogel für den Fall an, warte, daß nach den Jubelfeiern und sicherheitspolitischen The- vor allem die Passagen zum Um-
einer von vie- den zum „polizeilichen Einsatz- daß sich Meldungen über Miß- künftig Ausreisegenehmigun- sen. Die Nato-Strategie der ato- weltschutz konkreter und
len Londoner gebiet" erklärt und für Presse- handlungen von westlichen gen erheblich großzügiger als maren Abschreckung wird in schärfer gefaßt haben.
Hotels angebo- vertreter gesperrt. Journalisten bestätigen sollten. bisher erteilt werden", erklärte
tenen . Aus- Die Bundesregierung forderte Die Bundesregierung verwahre die Bundesministerin für inner- HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE Verlagsleitung
flugsfahrt nach in einem eindringlichen Appell sich mit Nachdruck gegen die deutsche Beziehungen, Doro-
Grantham teil- die DDR-Führung auf, „friedli- Behinderung von Pressevertre- thee Wilms, in einem Interview. ALLGEMEINE Dr. Dietrich Batz, Rainer Dierichs, Wigbert
H. Schacht. Anzeigenleiter: Horst Prehm.
genommen, der Geburtsstadt chen Demonstrationen für mehr tern bei ihrer Arbeit-in Ostber- Ähnlich äußerte sich Kanzler- Vertriebsleiter: Gerd Lühring.
von Frau Thatcher. Ein weiteres staatsbürgerliche Freiheiten lin. Dies spreche „allen auch für amtsminister Seiters. Nach In- Herausgeber
Anzeichen für die sinkende Po- nicht mit Polizeikräften, son- die DDR geltenden Regelungen formationen von „Bild am Son- Rainer Dierichs, Dr. Dietrich Batz, Verlag Dierichs GmbH & Co KG, Frankfur-
pularität der „eisernen Lady dern mit Verständnis und Ge- über Informationspflicht und In- tag" plant Ostberlin offenbar Achim von Roos ter Str. 168, Postfach 10 10 09, 3500 Kas-
bieten die jüngsten Umfragen. sprächsbereitschaft zu begeg- formationsfreiheit Hohn", sagte eine umfangreiche Abschiebe- sel, Ruf 05 61 / 20 3-0. Tel. Anzeigenan-
Chefredakteur nahme 05 61 / 20 3-3. Fernschreib-Nr.
So meinten 58 Prozent der Bri- nen". Nur so könnten die Ursa- Vogel. Am Sonntag verweiger- aktion unbequemer Bürger. Lothar Orzechowski 99 635. Telekopierer 05 61 /20 36. Teletex
ten, Thatcher sollte vor den 5 618110. Postgirokonto 155132-608
nächsten Wahlen 1991 zurück- Stellv. Chefredakteure Frankfurt/M. Anzeigenpreisliste Nr. 29. Mo-
treten. Ihre konservative Partei „Tibet ein untrennbarer Teil unseres Landes" / Kritik an Komitee Wolfgang Rossbach, Peter M. Zitzmann natlicher Abonnementspreis DM 25,60 inkl.
liegt in der Wählergunst 11 Pro- Verantwortliche Redakteure Zustellung und 7 % MwSt. (Postbezugs-
preis 28,50 DM).
zent hinter der oppositionellen Chef vom Dienst: Horst Kröninger. Chef
Labour-Partei.
China über Nobelpreis an Dalai Lama empört Nachrichten: Rainer Merforth. Politik: Jo-
chen Prater. Blick in die Zeit: Walter
Schütz. Wirtschaft und Sozialpolitik: Horst
Seidenfaden, Kultur.- Dirk Schwarze, Frau
Die Beendigung des Abonnements ist nur
mit schriftlicher Kündigungserklärung unter
Einhaltung einer Frist von einem Monat
zum Monatsende möglich; die Frist läuft ab
Pretoria: 1. Mai Feiertag Peking (dpa). Mit Bedauern hua veröffentlichten Stellung- belpreis-Komitee „offene Unter- u. Reise: Ilse Methe-Huber. Sport: Rolf Wie-
semann, i. V. Ulrich Fuhrmann. Sonntags-
Zugang der schriftlichen KündigungserJfJä-
rung. *>"
Im jahrelangen Ringen mit den und Empörung hat die chinesi- nahme hieß es, Tibet sei ein stützung" des Dalai Lama und zeit: Frank Thonicke. Kassel Stadt und
sche Regierung am Wochenen- „untrennbarer Teil chinesischen der „tibetischen Separatisten" Land: Wolfgang Rossbach.' Bezirksredak-Auflage werktags über 270 000 Exemplare
Gewerkschaften hat die südafri- in Tarifgemeinschaft mit „Oberhessische
kanische Regierung jetzt nach- de zum ersten Mal auf die Ver- Territoriums". Die Tibetfrage sei vorgeworfen. Die „falsche Ent- tionen: Peter M. Zitzmann. Koordination:
Presse", Marburg, „Hersfelder Zeitung",
leihung des Friedensnobelprei- „ausschließlich eine interne An- scheidung" des Komitees wei- Helmut Lehnart. Hessen/Niedersachsen:
gegeben und den 1. Mai zum Eberhard Heinemann. Chefreporter: Karl-„Werra-Rundschau", Eschwege, „Harzku-
Feiertag erklärt. Vor allem ses an das im indischen Exil le- gelegenheit von China", in die che von dem Zweck ab, Perso- Hermann Huhn. Sonderthemen: Peter rier", Herzberg.
schwarze Arbeitnehmer hatten bende tibetische Oberhaupt, einzumischen „keine ausländi- nen auszuzeichnen, die einen Ochs. Auflage „Sonntagszeit" über 200 000
in der Vergangenheit immer den Dalai Lama, reagiert. In ei- sche Regierung, Organisation Beitrag zur „Harmonie und Redaktion Wiesbaden: Rolf Effenberger.
Exemplare.
wieder mit Streiks gegen die ner von der amtlichen chinesi- oder Person" das Recht habe. In Freundschaft zwischen den Völ- Redaktion Hannover. Harald Birkenbeul. Herstellung Druckhaus Dierichs,
Haltung Pretorias protestiert. schen Nachrichtenagentur Xin- der Äußerung wurde dem No- kern" geleistet haben. Redaktion Bonn: Hans Ludwig Laucht. Frankfurter Straße 168, 3500 Kassel.
Nr. 235 Themen des Tages Montag, 9. Oktober 1989

Tausende demonstrierten in Ostberlin für mehr Freiheit


Beispiel Demonstrationen in der DDR
in Budapest
D a s Tempo, mit dem in Ungarn
die kommunistische Partei in eine
Nebenrolle auf der Reformbühne
Zugriff im Morgengrauen
Von AP-Korrespondent Ingomar Schweiz
Erlaubt ist nur Konformes
Alle
le Bürger haben das ternationalen
Recht, sich im Rahmen der
Gedenktagen
der Arbeiterklasse und der
gedrängt wird, verblüfft zunächst, Grundsätze und Ziele der Ver- friedliebenden fortschrittli-
macht aber auch besorgt. Schließ- fassung friedlich zu versam- chen Menschheit den einheit-
lich ist nicht vergessen, wie Bru- Im Morgengrauen des Sonntags tur ADN wurden Rufe wie Daß die Demonstranten auch meln." Dies bestimmt die DDR- lichen Willen der Bevölkerung
derparteien und Brudervölker 1956 griffen die Polizeihundertschaf- „Pressefreiheit" und „Demokra- bei der Bevölkerung auf Sympa- Verfassung in Artikel 28. Das zu manifestieren."
reagierten und wie sie 1968 in der ten in der Ostberliner Schön- tie" laut. Erstmals schritten Jetzt thie stießen, war klar erkenn- auf den ersten Blick umfassend Das sind - so die neue Aus-
CSSR den Versuch ahndeten, Be- hauser Allee zu: Rund 350 De- Mitarbeiter des Staatssicher- bar. Überall standen auf den erscheinende Grundrecht gabe des Ostberliner „Kleinen
wegung in den Block zu bringen. monstranten wurden teilweise heitsdienstes ein, die beim Ver- Baikonen Zuschauer, die dem wird jedoch stark einge- Politischen Wörterbuchs" -
Die Spaltung der kommunistischen unter Gewaltanwendung auf such, die Menge aufzulösen, De- Protestzug applaudierten. Viele schränkt, nicht nur durch die Massenkundgebungen, „die
Partei ist perfekt - mit dem Ergeb- sechs bereitstehende Lastwagen monstranten wahllos ergriffen, zündeten Wunderkerzen an. „Sicherheitsorgane", sondern die internationale Solidarität
nis, daß die politische Verantwor- und in zwei Busse verfrachtet wegzerrten und teilweise blutig auch juristisch. Der offizielle bekunden" und „gegen impe-
Die immer nervöser werden- Kommentar zur DDR-Verfas- rialistische Aggressionspolitik
tung für die wirtschaftliche, soziale und weggefahren. Es war das schlugen. Offiziere der Volks- den Sicherheitskräfte teilten
und politische Erneuerung des Ende einer Massendemonstra- polizei sagten zu Demonstran- sung . sagt nämlich genau, gerichtet sind". „Verfassungs-
schließlich die Menschenmasse, wann wer für was demonstrie- widrig" und das Recht miß-
Landes in anderen Händen liegt. tion, wie man sie seit dem ten, die um Hilfe riefen: „Hier die sich jedoch zum Teil wieder
17. Juni 1953 in Ostberlin nicht haben nicht wir zu bestimmen". ren darf oder nicht. brauchend nennt der Kom-
Das ist zweifellos eine Chance. neu formierte und zur Gethse- mentar „gegen die Interessen
Aber die Chance birgt natürlich mehr erlebt hatte. Ausgerech- Daß die gefürchtete Stasi-Trup- manekirche weiterging. Dort Im Katalog der Möglichkei-
net am 40. Jahrestages der pe das Sagen hatte, wurde noch gibt es seit Beginn dieser Woche ten und Verbote heißt es: „Die der Werktätigen" gerichtete
auch die Gefahr, daß bei einem Gründung der DDR entlud sich Kundgebungen, die, „mit frei-
Scheitern die Schuld nicht mehr klarer, als Mitglieder des Wach- regelmäßig Andachten und eine Kundgebungs- und Versamm-
in einem Protestmarsch Tausen- regiments „Felix Dzershinski", Mahnwache für die politischen lungsfreiheit wird von den heitlichen und demokrati-
bei den Kommunisten festge- der aufgestaute politische Unzu- schen Losungen getarnt", eine
macht werden kann. Dennoch ist einer dem Ministerium für Gefangenen in der DDR. Im Werktätigen wahrgenommen,
friedenheit. Staatssicherheit unterstellten Stadtteil Prenzlauer Berg riegel- um zu Grundfragen der Poli- „antisozialistische Tätigkeit"
Budapest ein Beispiel, das weiter fördern. Was „antisozialisti-
reicht als aas Wagnis in Warschau, „Gorbi, hilf uns" rief die Men- Eliteeinheit, brutal in die Aus- te die Polizei alle Zufahrtsstra- tik, insbesondere von Ereig-
einandersetzungen eingriffen. ßen zur Kirche ab. nissen im internationalen Le- sche Tätigkeiten" sind, be-
wo ja ebenfalls die Kommunisten ge, die sich am Samstag auf dem stimmt die SED. (dpa)
um ihre Ausschließlichkeit ge- Alexanderplatz am Rande eines Die Menge rief immer wieder: Immer mehr Menschen ben, sowie nationalen und in-
bracht worden sind. Die Ungarn Volksfestes formierte und dann „Keine Gewalt!" schlössen sich dem Protestzug
sind mutiger und auch wohl ent- spontan in Richtung „Palast der in der Schönhauser Allee an,
schlossener, wobei vielleicht ihre Republik" loszog. Dort feierten der Magistrale in Richtung Nor-
im Gegensatz zu Polen periphere geladene Gäste das Staatsjubi- Belagerte Festung den. „Bürger, laß' das Glotzen1 1946 Zwangsvereinigung zur SED
Lage im östlichen Bündnis eine läum. Auch wenn der sowjeti- sein, komm' auf die Straße, reih
wichtige Rolle gespielt hat. sche Staats- und Parteichef Gor- Das Ostberliner Regierungs- dich ein", riefen die Demon-
Hierzulande und sonstwo im We-
sten hofft man - keineswegs nur
aus humanitären Gründen -, daß
batschow, dem die Rufe vor dem
Palast galten, hätte helfen wol-
len, er hätte es nicht gekonnt:
Zu diesem Zeitpunkt befand
viertel glich einer belagerten Fe-
stung. Überall waren Lastwagen
mit großen Gittern aufgefahren,
offenkundig um Massenan-
stranten immer wieder Passan-
ten und neugierig aus den Fen-
stern schauenden Menschen zu.
Mancher stieg aus der Straßen-
Kommunisten waren
auf SPD angewiesen
das ungarische Beispiel Schule sich die personifizierte Hoff-
macht. Die CSSR, gedrängt durch sammlungen zu zerstreuen. Im bahn aus, um sich dem Zug an-
ihre unfreiwillige, Rolle bei dem nung von Millionen von DDR- Einsatz waren auch Mitglieder zuschließen.
Massenexodus cJer DDR-Bürger, Bürgern auf demokratische Re- der betrieblichen Kampfgrup- Junge Leute mit Kerzen in der
könnte vom Bazillus aus Budapest formen bereits auf dem Rückflug pen. Die für den Objekt- und Hand standen vor der Kirche ei-
nach Moskau.
vielleicht eher infiziert werden, als
das derzeit noch den Anschein Volkspolizisten, sichtlich er-
Personenschutz vorgesehenen
Einheiten wurden an diesem
nem Polizeiaufgebot mit schar-
fen Hunden, Schlagstöcken und
Vcoller
Tatendrang klopfte Weg zum Sozialismus" mit pari-
kürzlich in der Bonner SPD- tätisch besetzten Gremien, so
hat. Doch wird dies entscheidend staunt über das plötzliche, mas- Abend erstmals in großer Zahl Elektroschockgeräten gegen-
Zentrale ein Rentner aus der richtete bald die immer stärker
davon abhängen, ob es in Ungarn sive und lautstarke Aufbegeh- gegen die eigene Bevölkerung über. „Wir lassen uns von den
DDR an und erbat „grünes von Ulbricht dominierte SED die
gelingt, ein politisches System, in ren der zumeist jungen Leute, eingesetzt. Ihnen und den Machthabern nichts mehr sa-
Licht" der „Baracke" für eine Marschrichtung auf das zentra-
welchem nicht mehr eine Partei al- drängten den Protestzug zurück Volkspolizisten galten die Rufe gen", schrie ein junger Mann auf
SPD-Neugründung im Ho- listische KPdSU-Vorbild aus.
lein bestimmt, zu konsolidieren, in zum Alexanderplatz. Vor dem vieler: „Das Volk sind wir, ge- dem Kirchplatz. Viele klatsch-
necker-Staat. „Wir können so- Schumacher schrieb in seiner
welchem wirklich der „Nutzen des Gebäude der Nachrichtenagen- gen wen kämpft ihr?" ten. fort wieder anfangen! Wir haben Biographie: „Nachdem die Hoff-
Volkes" gemehrt wird. auch noch die alten Mitglieder- nung der Kommunisten, sich als
Günter Baumann Karteien", versicherte der agile führende Arbeiterpartei etablie-
Rentier. Doch die SPD hält sich ren und zur einzigen Arbeiter-
bedeckt, versichert aber der neu partei entwickeln zu können,
formierten „Sozialdemokrati- von den Tatsachen so völlig un-
schen Partei in der Deutschen möglich gemacht wird, muß sie
Presse-Echo Demokratischen Republik"
(SDP) ihre Sympathie und Soli-
nach dem großen Blutspender
suchen. Das Rezept ist die Ein-
darität. heitspartei, die einen Versuch
Michail Gorbatschow hat in Ostberlin darstellt, der sozialdemokrati-
einen schwierigen Drahtseilakt vor Nur knapp ein Jahr lang exi-
sucht, schreibt die stierte die von den Nazis 1933 schen Partei eine kommunisti-
verbotene und. nach Kriegsende sche-Führung aufzuzwingen." :
zuerst in der damaligen Sowjeti- • Vor allem im „roten Sachsen":
schen Besatzungszone (SBZ) konnte die SPD rasch Fuß fas-
wieder aufgelebte SPD. Unter sen. Ende4945 zählte die SPD in
Einerseits sagte er zum 40 massivem Druck der sowjeti- der sowjetischen Besatzungszo-
Jahrestag des Regimes die er- schen Besatzungsmacht traten ne über 600 000 Mitglieder -
warteten Artigkeiten, die er den am 21. und 22. April 1946 im mehr als in allen drei westlichen
Brüdern im Sozialismus trotz al- Ostberliner Admiralspalast die Besatzungen. In der heutigen
ler Gegensätze schuldet und ebenfalls 1945 neugegründete DDR liegen auch die Wurzeln
rügte auch pflichtgemäß angeb- Kommunistische Partei der Sozialdemokratie, die 1875
liche „revanchistische Tenden- Deutschlands (KPD) und die in Gotha zunächst als „Soziali-
zen" in der Bundesrepublik. An- SPD zu einem „Vereinigungs- stische Arbeiterpartei Deutsch-
dererseits ließ er sich aber kei- parteitag" zusammen, aus dem lands" gegründet wurde.
neswegs vor den Karren von die Sozialistische Einheitspartei
Honeckers Altherrenriege Eine Sonderstellung nimmt
spannen, die nach wie vor in s.o Deutschlands (SED) hervorging. die SPD im Gebiet von Groß-
rabiater Distanz zu Glasnost Wilhelm Pieck von der KPD Berlin ein. Nach der Zwangs-
und Perestroika verharrt. Ge- und Otto Grotewohl (bis dahin vereinigung blieb sie im Ostteil
sellschaftliche Veränderungen, SPD), der in scharfem Gegensatz der Stadt aufgrund des Vier-
schrieb er der SED unmißver- zur SPD in den damaligen West- Mächte-Status neben der SED
ständlich ins Festbuch, zwängen zonen mit Kurt Schumacher an bestehen. Doch nach dem Bau
letztlich auch die DDR zu Refor- der Spitze die Zwangsver- der Mauer am 13. August 1961
men. schmelzung mit den Kommuni- verfügte Berlins SPD-Landes-
sten vollzog, waren die ersten verband die Auflösung der acht
SED-Vorsitzenden. Formulierte Kreisverbände im Östsektor.
Die Bürger der DDR, die in ihrem Staat JUNGE MENSCHEN waren es in erster Linie, die sich am Samstagabend am Östberliner Alexander- die SED zunächst unter Abgren- Zugleich behielt er sich das
bleiben wollen, fordern ein liberaleres platz zu einer spontanen Kundgebung formierten. Später wurde daraus die größte Demonstration für zung vom Moskauer Modell ei- Recht vor, diese jederzeit neu zu
Gemeinwesen, meint der Konstanzer
mehr Freiheit seit dem Volksaufstand am 17. Juni 1953. • (dpa-Funkbild) nen „besonderen deutschen konstituieren. (dpa)
SÜDKURIER
Sie sehen nicht ein, daß die
Argentiniens Präsident begnadigt Offiziere und Terroristen „Privatbesuch" des Bundespräsidenten '
Entwicklungen, die in Moskau,

Menem setzt auf Aussöhnung Dank und neue Bitten


Warschau und Budapest die Be-
völkerung faszinieren, zu neuen
Kraftanstrengungen ermuntern,
für ihr Land tabu sein sollten.
Natürlich ist richtig, daß sich
die DDR, im Gegensatz zu den Von dpa-Korrespondent Gerd Reuter Von dpa-Korrespondent Dieter Btislau
anderen Staaten Mittel- und
Osteuropas nicht aus nationaler Arrgentiniens peronistischer kräfte in ihren Reihen, und auch Regierung. Doch verging in den He err Bundespräsident, wir Ahrweiler eine Lehrstelle ge-
Identität, sondern nur über den Präsident Carlos Saul Menem viele „Normalbürger" meinen, drei zurückliegenden Monaten alle danken Ihnen von ganzem funden, morgen fange ich an."
Sozialismus als Eigenständig de- hat vor und gleich nach seinem das Militär habe richtig gehan- kein Tag, an dem er dazu nicht Herzen". Mit Transparenten, Der Junge war mit seinem
finieren kann. Aber falsch ist triumphalen Wahlsieg im Mai delt, als es zwischen 1976 und Stellung nahm. lautem Händeklatschen und 40jährigen Vater in die Prager
eben, daß dies jede Reform aus- dieses Jahres keinen Zweifel ge- 1983 den organisierten Terro- Argentiniens Vergangen- Blumen begrüßten am Sonntag Botschaft geflüchtet. Der Vater
schließt. Ob es einen oder zwei lassen, daß er das von seinem rismus blutig niederkämpfte. heitsbewältigung mit drei verur- mittag DDR-Übersiedler Bun- vertraute den Zusagen von
Staaten auf deutschem Boden Vorgänger Raul Alfonsin geerb- Dabei war von beiden Seiten ge- teilten Diktatoren im Gefängnis despräsident Richard von Weiz- DDR-Rechtsanwalt Vogel, in
gibt, ist letztlich nicht entschei- te „Militärproblem" im Interesse foltert, gemordet und entführt und Rebellen-Offizieren in säcker in der Katastrophen- Kürze ausreisen zu dürfen u n d
dend. Wichtig ist nur, daß, hü- einer nationalen Aussöhnung worden. Mehrere tausend Regi- Kompaniestärke in militäri- schutzschule des Bundes in kehrte nach Hause zurück.
ben wie drüben, die Menschen lösen werde. Jetzt hat Menem, me-Gegner sind bis heute spur- schem Gewahrsam blieb ein po- Ahrweiler (Rheinland-Pfalz). Der Bundespräsident schüt-
entscheiden dürfen, wie sie le- der in der Vergangenheit selbst los verschwunden. litisches Top-Thema. Jetzt war- Von Weizsäcker hatte sich telte viele Hände, fragte nach
ben wollen. unter den Militärs litt und meh- tet Argentinien auf die zweite überraschend zu einem - wie er Namen und Alter und nach per-
rere Jahre im Gefängnis ver- Stufe des Gnadenaktes, für die verlauten ließ - „rein privaten sönlichen Schicksalen. „Wir
Zum selben Thema die brachte, 280 Offiziere und ehe- Bekanntgabe in La Rioja Menem bisher die „Bevölkerung Besuch" - in der Schule, die seit werden alles tun, damit Sie hier
malige Terroristen begnadigt. Er noch nicht reif genug" hält. Ver- dem vergangenen Donnerstag bei uns einen guten Anfang ma-
| OSNABRÜCKES ist der Meinung, daß seine Ent- Menem wählte wohl nicht den Flüchtlingen eine erste Blei- chen können", bekräftigte das
|ZEITÜNO scheidung im Ausland „gut auf- mutlich noch in diesem Jahr sol- be bietet, angemeldet.
ganz unbedacht seine 1200 Kilo- len die übrigen Putschgenerale Staatsoberhaupt. A n die Adres-
Entscheidend bleibt Gorba- genommen" werde. meter von der Hauptstadt Bue- Von Weizsäcker wurde v o n se der DDR-Regierung appel-
und Verantwortlichen für
tschows Versicherung,-daß Fra- Die Maßnahme sei dann rich- nos Aires entfernte Heimatpro- schwerste Menschenrechtsver- den DDR-Bürgern sofort um- lierte von Weizsäcker: „An er-
gen, die die DDR betreffen, nicht tig, wenn Generale nie mehr vinz La Rioja zur Veröffentli- letzungen freigelassen werden. ringt; ohne Scheu drückten sie ster Stelle muß jetzt die legale
in Moskau, sondern in Ostberlin wieder putschen, sondern die chung des Gnadenerlasses. Da- Zu den ersten Männern, die vom ihm Zettel in die Hand, die als Ausreiseerlaubnis stehen". Die
beantwortet würden. Damit legt Demokratie in den kommenden mit wolle er die politische Be- Gnadenakt profitieren, gehören „Bittschriften" gelten sollten, er- überwältigende Hilfsbereit-
der. Kremlchef die Verantwort- Jahren weiter gefestigt werden deutung der Entscheidung rela- der ehemalige Staatspräsident zählten von Freunden, die ver- schaft der Bundesbürger sei
lichkeiten fest. Von Honeckers könne, hieß es in Kommentaren. tivieren und als nicht so außer- General Leopoldo Galtieri sowie haftet worden seien und um die sehr lobenswert. <v
Garde dürfen indessen keine Beobachter meinen, daß das gewöhnlich erscheinen lassen, die Rebellenoffiziere Moham- sich von Weizsäcker kümmern Die zumeist jungen DDR-
neuen Impulse mehr erwartet Problem in der Tat gelöst wer- wie das vor allem von der Aus- med Seineldin und Oberstleut- sollte. Eine 45jährige Frau be- Flüchtlinge zeigten sich durch-
werden. Die Ansprache des den: mußte,, denn Argentiniens landspresse beurteilt werde, nant Aldo Ricco. Straffrei und richtete von ihrem wegen Repu- weg optimistisch: Arbeitsplatz-
SED-Generalsekretärs läßt sich Streitkräfte waren während Al- hieß es am Sonntag in einem ohne Furcht vor juristischen blikflucht inhaftierten Schwie- angebote gab es, ebenso Ange-
in zwei Worten zusammenfas- fonsins Amtszeit ein ständiger Rundfunkkommentar. Schon bei Konsequenzen bleiben auch 64 gersohn. Zwei Männer, die ihre bote für Wohnungen. Überwäl-
sen: Weiter so. Die Festrede ge- und bedrohlicher Unruheherd seiner Amtsübernahme hatte Terroristen, in der Mehrheit Frauen u n d Kinder zurückge- tigt waren sie v o n der Gast-
riet zu einer Mischung aus kom- für die 1983 eingeleitete Demo- Menem erklärt, die Lösung des linksextremistische Montone- lassen hatten, baten um Hilfe. freundschaft der Einheimi-
munistischem Eigenlob und kratie. Beinahe jede zweite Fa- Militärproblems sei sicher nicht ro-Guerilla, die das Land in den Ein 17jähriger strahlte: „Ich schen. Es gab private Einladun-
Vorwürfen an den Westen. milie hat ein Mitglied der Streit- die dringlichste Aufgabe seiner 70er Jahren verunsicherten. bin Bäckerlehrling u n d habe in gen in Hülle und Fülle.
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Umweltorganisationen:
Etat 1990 Tass meldet Ufo-Landung 280 Stellen Medizin/Kxebsforsch ung Zum Tage
„Sanierung der Loch im Außerirdische in der VW sucht Nobelpreis an
Bergtäler jetzt" Haushalt Sowjetunion gesichtet Personal zwei Amerikaner Zwischenruf
München (dpa). Ein Not- In geschlossenen politischen Sy-
stemen wie dem der DDR wird jede
standsprogramm für die Sanie- 20,5 Millionen Jetzt haben wir es Wissenschaftler be- Das VW-Werk Den amerikani- deckten, daß Stö- Kritik im System zwangsläufig zu
rung der Bergtäler in den Alpen Mark Defizit weist amtlich: Die Erde ist stätigten laut Tass Kassel braucht „so schen Genforschern rungen in einer be- einer Krjtik am System. Das macht
haben mehrere Umweltorgani- der Haushalt 1990 - laut der staatli- die Berichte von Au- schnell wie mög- Michael Bishop und stimmten Gruppe die Menschen stumm. Melden sie
sationen in einem Appell an die der Stadt Kassel auf. chen sowjetischen genzeugen, die lich" 280 Fachkräfte Harold Varmus ist von Erbträgern - sich nämlich zu Wort, werden sie
heute beginnende Internationa- Auch aus den Vor- Nachrichtenagen- „menschenähnliche aus Elektro- und gestern der diesjäh- den sogenannten geächtet. Dann gehen sie schon
le Alpenkonferenz in Berchtes- jahren bleibt ein Mi- tur Tass - von Au- Wesen" erkannten. Metallberufen für rige Nobelpreis für Onkogenen - dazu lieber gleich, was dem Staat am
gaden gefordert. Vor allem der nus: Seit 1982 ver- ßerirdischen heim- Gefallen hat es de- die Produktion. Das Medizin zuerkannt führen können, daß Ende auch lieber ist. Wer draußen
stark angestiegene Autoverkehr größerte sich das gesucht worden. nen bei den Sowjets wurde gestern im worden. Die beiden eine normale Zelle ist, kann drinnen nicht widerspre-
bedrohe den alpinen Lebens- Haushaltsloch auf Als Landeplatz offenbar nicht. Nach Rahmen einer Be- Wissenschaftler ha- in eine Krebszelle chen. Das gilt allgemein, aber be-
raum „wie eine Lawine", unge- 38 Millionen Mark, wählten die Besu- einem „Spaziergang" triebsversammlung ben grundlegende verwandelt wird sonders für diejenigen, deren Be-
heure Mengen von Luftschad- Ende 1990 sind es cher aus dem All die düsten sie wieder ab. bekannt. Siehe Be- Mechanismen der und eine Krebsge- ruf es ist, sich zu äußern, für
stoffen führten zum Absterben voraussichtlich 58 zentralrussische Näheres auf „Blick in richt auf der Wirt- Krebsentstehung schwulst veranlaßt. Schriftsteller also, Künstler, Intel-
des Schutzwaldes. Millionen. Lokales. Stadt Woronesch. die Zeit". schaftsseite. geklärt. Sie ent- Siehe Kultur. lektuelle.
Siehe auch Kommentar Viele hat die DDR im Laufe der
Jahre einfach ausgesondert. Sie
durften oder mußten gehen. Ande-
SED zeigt Dialogbereitschaft DDR-Flüchtlinge re läßt sie als opponierende Einzel-
gänger gewähren. Mit nicht weni-
gen jedoch versteht sie auch sich
50 000 in zu schmücken, indem sie ihnen ei-

Leipzig: 70 000 drei Monaten


nen gewissen artistischen Auslauf
läßt. Zu ihnen gehört Hermann
Kant, Präsident des Schriftsteller-
verbandes, ZK-Mitglied und dazu
ein brillanter Kopf und Schreiber.

auf den Straßen München/Bonn/Warschau


(AP). In den letzten drei Mona-
ten sind fast 50 000 DDR-
Flüchtlinge aus Ungarn sowie
aus Prag und Warschau in der
Ob er das in den Augen des
Regimes bleiben wird, nachdem er
sich in ungewohnt kritischen An-
merkungen zur Lage Luft gemacht
hat, wissen wir nicht. Könnte sogar
Ostberlin/Leipzig (dpa). In Leipzig haben am Montag Bundesrepublik eingetroffen sein, daß Kant die Diskussion eröff-
abend rund 70 000 Menschen für Reformen, demokratische Diese Zahl nannte gestern der net hat, zu der die SED sich nun
Bundesgrenzschutz in Mün- doch gezwungen sieht. Das wäre
Erneuerung und einen friedlichen Dialog in der DDR demon- chen. Von Sonntag bis Montag ein Fortschritt und ein gutes Zei-
striert. Es war die bisher größte nichtstaatliche Demonstra- gelangten erneut 649 Obersied- chen allemal. Fast sieht es so aus,
tion in der DDR außerhalb des Volksaufstandes vom 17. Juni ler über Ungarn nach Bayern. In als käme etwas in Gang.
1953. Ein riesiges Aufgebot von Sicherheitskräften schirmte der Bonner Botschaft in War-
schau wurden bereits wieder Lothar Orzechowski
die Innenstadt ab, hielt sich aber im Hintergrund. 400 neue Flüchtlinge registriert,
in, der Vertretung in Prag hielten Unterzeichnung in Bonn
Die Massendemonstration diensten vom sogenanten Stadt- •steh-20 bis 30 Zufluchtsuchende
hatte sich nach Friedensan- funk in Leipzig wiedergegeben auf. In Bonn hieß es, man bemü-
dachten in mehreren Kirchen worden. Das sind Tonsäulen in he sich in Warschau um eine
der Stadt formiert. Die Men-
schenmassen zogen über den
der Innenstadt, "die über beson-
dere Ereignisse und Veranstal-
humanitäre Lösung.
Siehe auch „Themen des Tages"
Umschuldung
Ring, der um die Leipziger Alt-
stadt führt. Zuvor hatten Mit-
glieder von Menschenrechts-
tungen Auskunft geben. Auch
in Dresden hatte es gestern Ge-
spräche zwischen Protestieren-
für Polen
gruppen und Kirchenvertreter, den und SED-Kommunalpoliti- Nach Massenfestnahmen Bonn (dpa). Nach mehrwöchi-
darunter auch Landesbischof kern gegeben. ger Verzögerung haben die Re-
Hempel, sowohl Demonstranten Bei dem Friedensgebet in der gierungen von Warschau und
als auch Sicherheitskräfte zur
Besonnenheit und Gewaltlosig-
keit aufgerufen.
vollen Nikolaikirche in Leipzig
war erneut die Freilassung der Haftanstalten Bonn gestern die Umschuldung
für 2,5, Milliarden DM polni-
In einer gemeinsamen Leipzi-
ger Erklärung von SED-Bezirks-
zahlreichen Menschen gefor-
dert worden, die bei Demonstra-
tionen für Reformen inhaftiert
sind voll scher Zahlungsverpflichtungen
unter Dach und Fach gebracht.
Mit der Unterzeichnung des
leitung und Kulturvertretern worden waren. Am Wochenen- Ostberlin (dpa). Die Ostberli- deutsch-polnischen Abkom-
wurden Dialogbereitschaft und de hatte es in mehreren Städten ner Haftanstalten und Polizeire- mens auf der Basis internationa-
Gespräche zugesagt, um, zu der DDR Demonstrationen gege- viere sind wegen der Massen- ler Vereinbarungen ist zugleich
friedlichen Lösungen und positi- ben. Kirchenkreisen zufolge ein weiteres Element für gezielte
ven Schritten in der DDR-Ge- sind mehrere Hundert festge- festnahmen offenbar voll. Die
Polizeiwagen müssen mit ihrer nationale und international ab-
sellschaft zu kommen. Diese Er- nommen und zu Haftstrafen ver- gestimmte Hilfen an Polen er-
klärung war vor den Gottes- urteilt worden. Ladung „Zugeführter" oft lange
EINE FESTE DER DDR-OPPOSITION ist die Gethsemane-Kirche im in der Stadt herumfahren, um füllt.
Ostberliner Bezirk Prenzlauer Berg. Derzeit treffen sich meist freie Kapazitäten zu finden. Be-
junge Menschen zur „Fürbitte für die zu Unrecht Inhaftierten". Die richten zufolge geht es in den Vogel nach Warschau
Ostberlin: Alles Randalierer Führung der Kirche rief gestern die Demonstranten zur Zurück- Revieren zum Teil recht ruppig
haltung auf. Bischof Forck erklärte: „Die beunruhigten Menschen zu. „Das ist ein rechtsfreier
unseres Landes bitten wir dringend, jetzt von nicht genehmigten Raum. Die können mit uns ma- Eine SPD-Delegation unter

Bonn verurteilt Demonstrationen auf den Straßen abzusehen". Der Ostberliner


Pfarrer Eppelmann hat der DDR-Opposition vorgeschlagen, in den
nächsten zwei Wochen alle Formen des Protestes zu unterlassen,
die die Gewalt des Staates herausfordern. (dpa-Funkbild)
chen, was sie wollen, ohne daß
Konsequenzen drohen", sagten
Betroffene nach ihrer Entlas-
sung.
Leitung von Partei- und Frak-
tionschef Vogel reist heute zu
inem dreitägigen Besuch nach
Polen. In Warschau sind unter

Polizeieinsätze Präsident der DDR-Schriftsteller / Flüchtlingszüge


anderem Treffen mit Staatsprä-
sident Jaruzelski, Ministerprä-
sident Mazowiecki, führenden
Vertretern der Solidarität und
Repräsentanten der Kirche so-
Ostberlin/Bonn (dpa/AP). Die kratisierung einzuleiten. FDP- wie der deutschen Minderheit
Bundesregierung und alle Bon-
ner Parteien haben das massive
Vorgehen der DDR-Sicherheits-
kräfte vom Wochenende scharf
Generalsekretärin Schmalz-Ja-
cobsen protestierte dagegen,
daß die DDR-Führung meine,
ihre Existenzberichtigung er-
Kant spricht von „Niederlage" aus Oberschlesien geplant.
Mazowiecki wurde gestern'
vom Fraktionschef der Solidar-
verurteilt. prügeln zu können. Die Grünen Berlin (dpa). Immer mehr pro- lichten „Offenen Brief" sprach von Arbeitslosigkeit, Kriminali- nosc, Geremek, zu einem
Nach Auffassung von Bun- in Bonn forderten die Respektie- minente DDR-Bürger äußern öf- Kant von „Selbstherrlichkeit im tät, Elend und Bildungsnot. schnelleren Reformtempo ge-
deskanzler Kohl ist das gewalt- rung des Grundrechts auf De- fentlich Kritik an den Verhält- Pressewesen" und Unterdrük- Eine Niederlage sei eine Nie- mahnt. Es seien Änderungen
same Vorgehen Ausdruck „tie- monstrations- und Meinungs- nissen in ihrem kung von Kritik an kritikwürdi- derlage, „und passe sie noch so von geschichtlichem Ausmaß
fer Unsicherheit der Verant- freiheit in der DDR. Land. Man- gen Zuständen. Er beklagte schlecht in den Vorabend eines errungen' worden, sagte Gere-
wortlichen in Ostberlin". Der Die Ostberliner Zeitungen ta- gelnde Freizü- auch eine „verordnete Absti- gloriosen Feiertages", meinte mek, an den Wünschen der Ge-
ten gestern die Demonstrationen gigkeit von Ide- nenz gegenüber Gütern, die an- Kant und fügte unter Hinweis sellschaft gemessen sei dies aber
als Störungen von Randalierern en und einen derswo als Normbestandteile auf die Flüchtlingswelle hinzu: „zu wenig".
F,in Bericht auf „Themen des Ta- „allwaltenden des 20. Jahrhunderts gelten". Er
ges" erörtert die Frage nach demab. DDR-Staats- und Parteichef
Honecker hat zeitgleich den Pädagogismus" glaube nicht, daß „unsere der-
„Die Züge, mit denen die Deut-
sche Reichsbahn, die einstens
Siehe auch Kommentar
Nutzen von Finanzhilfen. Leiter einer chinesischen Regie- beklagte der zeitige Niederlage" einzig auf Lenin aus der Schweiz durch
rungsdelegation, das Politbüro- Präsident des das Wirken des „allbösen Klas- Deutschland nach Rußland Die endgültigen Quoten
Kanzler forderte die DDR-Füh- mitglied Yao Yilin, empfangen. DDR-Schrift- senfeindes" zurückzuführen sei. transportierte, nunmehr Bürger Lotto: Gewinnklasse I 3 718 199,40
rung auf, endlich politische und Honecker betonte, „daß sich die stellerverban- Schärfsten Widerspruch lege der Deutschen Demokratischen DM; II 67 603,60 DM; III 7521,60
wirtschaftliche Reformen einzu- SED und die DDR stets den An- des, Kant er ein, wenn man den Anschein Republik via DDR aus War- DM; IV 124,50 DM; V 9,70 DM.
leiten und auf die Bedürfnisse forderungen der Zeit gestellt ha- (Foto). Ähnli- erwecke, „ich sei des Glaubens, schau nach Braunschweig ver- Toto:
und- Sorgen ihrer Bürger einzu- ben". ches war bis- meines Gegners Kraft allein ver- frachtet, sind nun einmal wahr- Auswahlwette: I. unbesetzt, Jackpot
ge.hen. Er wiederholte sein An- Der DDR-Staatschef bekräf- lang zu hören von Vorstands- anlasse junge Frauen, ihre Kin- lich keine Siegeszüge. Unseres 2 015 747,30 DM; II. 90 492,70 DM;
gebot, der DDR „umfassend und tigte: „Jeglicher Versuch des mitgliedern der Ost-CDU und der über Botschaftszäune zu rei- Sieges jedenfalls nicht." II. 8226,60 DM; IV. 124,30 DM; V.
weitreichend" in allen Berei- Imperialismus, den sozialisti- der Ost-Liberalen sowie vom chen, und dieselbe Kraft bewege 1,30 DM. - Ergebniswette: I. 5412,50
stellvertretenden Kultusmini- junge Männer, freiwillig Quar- Erstmals gab es auch eine Äu- DM; II. 211,60 DM; III. 20,90 DM.
chen zu helfen, wenn dort schen Aufbau zu destabilisie- ßerung einer prominenten tennquintett:
grundlegende politische, soziale ren, seine Erfolge und Errun- ster Höpcke. tier in fremden Kasernen zu su-
chen". Man sollte in der DDR Sportlerin. Die populäre Eis- lennen A: Gewinnklasse I 627,80
und* wirtschaftliche Reformen genschaften zu verleumden", Hermann Kant - auch Mit- kunstlauf-Olympiasiegerin Ka- )M; II 143,50 DM.
eingeleitet würden. seien jetzt und künftig nichts an- glied des SED-Zentralkomitees „weniger vor dem Sumpf da drü- lennen B: Gewinnklasse 1124,- DM;
ben warnen", den es gebe, son- tarina Witt meinte: „Mir tut es
Das SPD-Präsidium appellier- deres, „als das fruchtlose An- - äußerte erstmals deutliche dern sich „mehr an die eigene sehr weh. Ich bin traurig, daß I 49,90 DM.
te an die DDR-Führung, ein rennen eines Don Quichote ge- Kritik an den DDR-Medien. In vor allem so viele junge Leute ombinationsgewinn: Kombinations-
„Zeichen der Hoffnung" zu set- gen sich unbeirrbar bewegende einem am Montag von der FDJ- Nase fassen." Freiheit bestehe [ewinn unbesetzt, Jackpot 30 099,20
nicht nur in der Abwesenheit ihre Heimat verlassen". )M.
zen und einen Prozeß der Demo- Windmühlenflügel". Zeitung „Junge Welt" veröffent- Siehe auch „Zum Tage" (Ohne Gewähr)
Nr. 236 Themen des Tages Dienstag, 10. Oktober 1989

'ie SED-Führung könnte. ei- bestand der DDR Erich Ho-


gentlich froh sein, daß sich Bonns Hilfsangebot an Ostberlin /Reformen ja oder nein? necker zunächst beruhigen, so
Ermutigung selbst der Klassenfeind wegen
des Ausblutens ihrer Republik
gibt ihm die andere Seite der
Medaille Anlaß zu höchster Be-
der Reformer unruhigung: Die Sowjetunion,

Das große Dilemma der SED


Sorgen macht und die Lebensbe-
dingungen der DDR-Bürger die im Interesse ihrer eigenen
durch eine an Reformen gekop- Umgestaltungspolitik eine Dej
M i t ihrer Bereitschaft, den Re-pelte wirtschaftliche Hilfe so Stabilisierung ihres deutschen
formprozeß im Ostblock durch weit verbessern will, daß sie Verbündeten unter allen Um-
wirtschaftliche Hilfen zu unterstüt- nicht mehr in Scharen dem Ar- Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Nolte ständen vermeiden will, fordert
zen, macht die Bundesrepublik beiter- und Bauernstaat davon- immer drängender Reformen
jetzt ernst. Das deutsch-polnische laufen. Bundeskanzler Kohls auch im SED-Staat. Damit hat
Umschuldungsabkommen ist ein Angebot an Ostberlin für eine greifenden Reformen, könnte tik im Bundeskanzleramt, Dr. sehnten politischen Reformen denkbar Bonn mit seiner Initiative den
erster Schritt dazu. Es erleichtert weitreichende Zusammenarbeit, dies zum Verlust der sozialisti- Klaus-J. Düsberg, legte gegen- mit dem Ziel von mehr persönli- nossen an stärksten Bundesge-
seiner Seite - entspre-
Warschau die Rückzahlung von soeben bekräftigt von CDU-Ge- schen Identität führen - die aber über unserer Zeitung Wert auf chen Freiheiten kommt, wird in chende Signale liegen aus Mos-
Lieferkrediten und verschafft der neralsekretär Rühe, erfolgte in ist die einzige Rechtfertigung für die Feststellung, daß es der Bun- dem Konzept Kohls zunächst als kau vor -, und Ostberlin kann es
neuen Regierung eine finanzielle so eindringlicher und auch viel- die DDR-Eigenstaatlichkeit. desregierung bei ihrer Initiative eine eher unausgesprochene
sich wohl kaum leisten, das
Atempause. Damit sind die eigent- versprechender Form, daß bei- ausschließlich um bessere Le- Hoffnung gehegt.
lichen Probleme Polens jedoch bei nahe jedes andere Ostblockland Das Bonner Hilfsangebot muß bensverhältnisse für die Men- Überhaupt keinen Platz haben Hilfsangebot in Bausch und Bo-
weitem nicht gelöst. Bevor Bun- wie etwa Ungarn oder Polen so- da wie eine gewalttätig-gefährli- schen im anderen Teil Deutsch- da Spekulationen, die sich um gen'zu verwerfen. .,•;..
deskanzler Kohl im November fort mit beiden Händen zugrei- che Umarmung erscheinen, aus lands gehe. „Die Menschen in das ost-westliche Reizwort
nach Warschau reist, wird über die fen würde. der es, sich einmal ihr hingege- der DDR wollen einen wirt- Wiedervereinigung ranken.
Tilgung des Milliärdenkredits von ben, kein Entrinnen mehr gibt. schaftlichen Wohlstand, der ih- Grundbedingung für politische Auch Joint ventures?
1975 und über neue Bürgschaften Für die alten Männer in der rer Leistung entspricht", hatte Veränderungen in der DDR ist
für westdeutsche Investitionen ent- Die zwei Risiken SED-Führung läuft es auf die dazu in der vergangenen Woche die Beibehaltung des territoria- Vorgeschlagen wird darin ein
gültig zu entscheiden sein. Frage hinaus, ob sie sich den Bundeskanzler Kohl erklärt. len Status Quo, also die Auf- Ausbau der DDR-Konsumgüter-
Finanzielle Hilfen sind nur sinn- Aber was jenen wie eine Ver- Sozialismus Stück für Stück ab- Dann werde auch eine wesentli- rechterhaltung der Staatlichkeit industrie, die gemeinsame Ent-
kaufen lassen solle'n. che Triebfeder zu Ausreise und der DDR. Diese von Moskau wicklung von Umwellschutz-
voll, wenn sie der Wirtschaft unmit- heißung erschiene, wirkt bei den Flucht entfallen. vorgegebene Prämisse hat Bun- technologien, eine Zusammen-
telbar zugutekommen und damit Ostberliner Machthabern wie Der führende DDR-Ökonom
die Versorgung der Bevölkerung ein Kloß im Magen, der ihr all- Prof. Otto Reinhold beschrieb deskanzler Kohl, der seit An- arbeit in den Bereichen Wissen-
verbessern. Deshalb will Bonn un- gemeines Unwohlsein nur noch die Ostberliner Seelenpein so: Noch nicht konkret
fang August mit Beginn der schaft und Verkehr - nur, wie
ter alten Umständen vermeiden; verschlimmert. Denn das Bon- „Wir können nicht ein Achtel
Flüchtlingswelle ständig in tele- sich die Projekte im einzelnen
daß die gewährten Kredite den ner Angebot potenziert ihre Er- oder Viertel Kapitalismus ein-
fonischem Kontakt mit Gorba- darstellen könnten, hängt von
polnischen Staatshaushalt sanie- kenntnis von dem großen Dilem- führen und den Rest soziali- Hier will die Bonner.Offerte tschow stand, gegenüber dem dem Vermögen der DDR-Wirt-
Kremlchef bestätigt.
ren helfen und in öffentlichen Kanä- ma, in das sie in erster Linie der stisch organisieren. Wir werden zuallererst ansetzen. Düsberg: schaftsplaner ab, sich von ihren
len versickern. Die Förderung des ungeliebte Genosse Gorba- dann gezwungen sein, immer „Vorrangig sind Reformen in der Nach Bonner Informationen starren Grundpositionen zu lö-
privaten Bereichs und die Finanzie- tschow hineinmanövriert hat: mehr marktwirtschaftliche Ele- DDR-Planwirtschaft, denn sonst hat Moskau aber nicht gesagt, sen. Zu einer intensiveren Zu-
rung gemeinschaftlicher Unterneh- Beharren sie als einzige unter mente einzuführen." Und noch kann eine effektive Wirtschafts- daß dies für alle Zeiten gelte. sammenarbeit würden Kredit-
mungen sollen im Vordergrund ste- den östlichen Bündnispartnern plastischer formuliert er: „Man hilfe nicht greifen." Dies erkläre Am Horizont erscheint hier die bürgschaften, Investitions-
hen. Diese Politik wird jedoch nur auf dem Sozialismus stalinisti- kann nicht nur ein bißchen auch, warum es auf Bonner Seite Vision Gorbatschows vom „ge- schutzabkommen und Joint ven-
dann erfolgreich sein, wenn die cher Prägung, droht die Gefahr schwanger sein." noch kein konkretes Vorschlag- meinsamen europäischen tures (Gemeinschaftsunterneh-
polnische Regierung sie durch einer vollständigen Isolation so- In Bonn weiß man natürlich spaket gebe, Haus", in dem alle Grenzen ih- men) mit marktwirtschaftlichen
wirtschaftliche Reformen unter- wohl international als auch im um dieses Dilemma, hütet sich Mechanismen gehören, wie sie
Daß es im Gefolge erster Libe- ren trennenden Charakter ver- bereits
stützt und ergänzt. eigenen Land, an deren Ende der aber, in dieser Wunde noch her- ralisierungsmaßnahmen in der lieren sollen. in Ungarn, Polen und der
staatliche Kollaps stehen kann. umzustochern. Der Leiter des DDR-Wirtschaft auch zu den UdSSR
Mag die Garantie des sowjeti- praktiziert mit steigendem Erfojg
Als Gegenleistung erwartet Öffnen sie sich dagegen durch- werden.
Bonn, daß die kulturellen Rechte Arbeitsstabes Deutschlandpoli- von der Bevölkerung heiß er- schen Staatschefs für den Fort-
der in Polen lebenden Deutschen
gesichert werden. Die Regierung
DDR-Bürger / Warschau
Mazowiecki scheint grundsätzlich
bereit, den Deutschunterricht för- Presse-Echo
dern zu wollen, die Gründung von
Vereinen zu erlauben und Gottes- Skepsis darüber, ob die DDR ihre bishe-
dienste in deutscher Sprache zu- rige Politik ungeachtet der Widerstände Abenteuerliche
zulassen. Von den Kommunisten im Land und der Fluchtbewegung ein-
wird sie deswegen schon der Ver- fach so fortsetzen kann, und deutliche
zichtpolitik beschuldigt. Man muß Kritik am Vorgehen der Sicherheitskräf-
Flucht-Aktionen
befürchten, daß das Gesamtpaket te gegen Demonstranten kennzeichnen
der deutsch-polnischen Vereinba- die Berichterstattung in der internatio- Von Renate Marsch, dpa
rungen weder die eine noch die nalen Presse:
, andere Seite voll zufriedenstellt. J J i e Flucht der DDR-Bürger,
Trotzdem wird es die Reformkräfte ALLGEMEEN DAGBLAD die in der Bonner Botschaft in
ermutigen. Warschau eintreffen, gleicht im-
(Rotterdam) mer mehr einer Odyssee. Offi-
Achim v. Roos Die Art und Weise, in der die zielle Reisegenehmigungen
ostdeutsche Polizei die Demon- nach Polen sind nur noch
stranten in den verschiedenen schwer zu erhalten. Diejenigen,
Städten auseinandergetrieben die doch noch Freunde oder
Wenig Hoffnung hat, läßt das Schlimmste be-
fürchten, nämlich, daß Ho-
Verwandte'" k jenseits
„Freundschaftsgrenze''
der
von
für die Alpen necker seine früher geäußerte
Drohung wahr macht und eine
Oder und Neiße besuchen dür-
fen, werden an der Grenze ge-
„chinesische Lösung" anstrebt. nauesten Kontrollen und oft
auch regelrechten Verhören un-
c-\sx Sennerin auf der Alm werden terzogen. Dreimal habe sie ihre
die Touristen heute busweise ge- EL PAIS Geschichte vom Geburtstag der
karrt, die „kuhwarme Alpenmilch" Cousine erzählen müssen, be-
und den „guten Käse", die man (Madrid) richtet eine junge Frau. Man
dort kauft, bringt der Lkw der Mol- Die Ereignisse beim 40. Jah- habe sie trotz des bevorstehen-
kereigenossenschaft in aller Herr- restag zeigen, daß immer mehr den Wochenendes auch gefragt,
gottsfrühe. Der romantische Traum Gewalt angewendet werden warum denn das schulpflichtige
von der unberührten Natur existiert müßte, um den jetzigen Zustand Kind mitkomme. Auch die Kin-
nur noch in den Prospekten. aufrechtzuerhalten. Aber das der wurden getrennt von den El-
Jahrzehntelang wurde die wirt- Europa von heute läßt kein Ti- Honeckers verlängerter Arm (Karikatur: Wolf) tern nach dem Reiseziel und der
schaftliche Ausbeutung der Alpen- ananmen (in Peking) in Berlin Tante in Polen befragt.
region als Fortschritt gepriesen-. zu. Dieser Weg ist Honecker
Selbst heute noch tun sich die Be- verbaut. Die Sozialdemokratische Partei (SDP) in der DDR / Grundsatzpapier braucht Wer irgendwie aufgefallen ist,
sich erst gar nicht um
troffenen schwer damit einzuse- eine Reisegenehmigung zu be-
hen, welch bleibende Schäden mühen: Einem jungen Mann
man der Bergwelt schon zugefügt
hat. Denn beide Seiten haben von
dem Tourismus profitiert. Bauern
wurden zu Pensions- oder gar Ho-
LA STAMPA
(Turin)
Ziel: Parlamentarische Demokratie nahm die Kriminalpolizei seinen
Personalausweis ab, weil er ei-
nige Tage vorher sein Geld vom
Konto abgehoben hatte.' Ver-
telbesitzern, ihre Kinder verdienen in Es bewegt sich jedoch etwas
der DDR. Am Sonntag wurde Von unserem Mitarbeiter Peter Gärtner, Berlin dächtig macht sich auch, wer
als Skilehrer in wenigen Monaten sein Auto umschreiben läßt,
mehr als in der Landwirtschaft im die Sozialdemokratische Partei
ganzen Jahr. Und die Urlauber gegründet, ohne daß das Regime Aiss sich Ende Juli am Rande Im Gegensatz zur größten europäischen Sozialisten und Schenkungsurkunden ausstellt
oder wem man Reisegenehmi-
freuen sich auch, wenn sie im Som- die 80 Versammelten bei der Er- eines Menschenrechtsseminars Sammlungsbewegung in der Sozialdemokraten nahe. Man gungen nach Bulgarien oder Un-
mer gut ausgebaute Wanderwege öffnungszeremonie störte. Der in Ostberlin die Initiativgruppe DDR, dem „Neuen Forum", hat wolle nun die Mitgliedschaft in garn verweigert hat. Die Grenz-
vorfinden und im Winter perfekt Besuch von Gorbatschow, der zur Gründung einer Sozialde- die SDP seit Ende August be- der „Sozialistischen Internatio- wachen der DDR filzen die Rei-
präparierte Skihänge, die mög- Honecker zur Perestroika auf- mokratischen Partei in der DDR reits ein ausformuliertes Grund- nalen" (SI) beantragen und auch senden nach Geld und Papieren,
lichst durch ein ausgeklügeltes forderte, hat seine ersten Früch- gründete, da gab es nur wenige, satzpapier. Das ehemalige SED- im eigenen Land versuchen, die aber auch Stadtpläne von War-
Lift-System verbunden sind. Natür- te gebracht. die dieser Gruppierung über- Mitglied Ibrahim M. Böhme er- SDP auf legale Füße zu stellen.
lich müssen die Zufahrtsstraßen haupt eine Chance einräumten. läuterte auf dem Podium der Traditionen spielen nicht nur schau können Anstoß erregen.
entsprechend ausgebaut sein, da- „Das wird ja eine Pfaffen-Verei- „Zukunftswerkstatt" („Wie nun im Statut der SDP eine wichtige So versuchen jetzt immer
mit man sich bei An- und Abreise THE GUARDIAN nigung", hieß es spöttisch in op- weiter DDR?") in der überfüllten Rolle, auf die baut man auch bei mehr Menschen - oft mit kleinen
nicht stundenlang quälen muß. (London) positionellen Kreisen. Die Kriti- Ostberliner Erlöserkirche den der jetzt erhofften Eintrittswel- Kindern - sich ohne Ausreisege-
Doch damit noch nicht genug. Probleme scheinen Michail ker bemängelten vor allem „Kir- Hintergrund der Positionsbe- le. Schließlich galt die frühere nehmigung zur Botschaft nach
Auch die Autokarawanen jener Ur- Gorbatschow zu begleiten. Wo- chennähe", da bei der Geburt stimmung. sowjetische Besatzungszone Warschau durchzuschlagen.
lauber, die das Gebirge nur als hin er auch immer in der kom- der Initiative einige im zweiten nach der Neuzulassung der SPD Alle berichten von starken
lästiges Hindernis auf dem Weg munistischen Welt reist, allein deutschen Staat recht bekannte in Deutschland nach 1945 als Grenzwachen entlang der Nei-
ans Mittelmeer betrachten, fügen seine Anwesenheit provoziert Pfarrer wie Martin Gutzeit aus Für Gewaltenteilung „rote Hochburg". Zwischen Elbe ße. An manchen Stellen sei sie
ihm schwere Schäden zu. schon einen Aufstand des Gei- Ostberlin und Markus Meckel
aus Magdeburg kräftig mithal-
und Oder zählte die Partei kurz ausgebaggert worden, so daß
stes mit Zehntausenden, die auf Die wichtigsten Forderungen nach dem Ende des Zweiten man nicht mehr durchwaten
Für die Alpen sieht es düster der Suche nach dem bißchen fen. Zum Geschäftsführer der der SDP heißen Rechtsstaat und Weltkrieges schon wieder über kann. Anderswo lägen Bretter
aus. Die Sieben-Länder-Konferenz Freiheit, die die sowjetische Ge- am Wochenende aus der Taufe strikte Gewaltenteilung, eine 600 000 Mitglieder - mehr als in mit Nägeln im Flußbett. Viele
in Berchtesgaaen steht vor der un- sellschaft erfaßt hat, auf den gehobenen SDP ist allerdings parlamentarische Demokratie allen drei westlichen robbten sich stundenlang über
lösbaren Aufgabe, eine Schutzkon- Straßen marschieren, ein Historiker, Ibrahim M. Böh- mit einem Mehrparteiensystem, sumpfiges Gebiet bis zur Grenze
me (35), bestellt worden. Besatzungszonen zusammenge-
vention zu verabschieden, die den Demokratisierung der vorhan- nommen. Und in Thüringen und vor. Diejenigen, denen es gelun-
Alpen und allen betroffenen Staa- Ganz abgeschieden von den denen Wirtschaftsstrukturen, Sachsen liegen auch die Wur- gen ist, bis zur polnischen Seite
ten gerecht werden soll. Wer vom Feierlichkeiten zum 40. Jahres- soziale Marktwirtschaft und zeln der deutschen Sozialdemo- zu kommen, sind durchaus nicht
Tourismus lebt, wird ihn sich nicht COBBIEBS DSLLA SEBA tag der Staatsgründung, aber si- Freiheit für die Gewerkschaften. kratie, die 1875 in Gotha zu- in Sicherheit. Die polnische
verbieten lassen.
(Mailand) cher vor den Sicherheitsorga- Wie die anderen neuen opposi- nächst als „Sozialistische Arbei- Grenzpolizei überstellt sie den
DDR-Behörden, wenn sie inner-
Mehr als die Beschlüsse der Poli- Ungarn weist den Kommunis- nen, trafen sich - wie berichtet - tionellen Sammlungsbewegun- terpartei Deutschlands" gegrün-
tiker fürchten die Investoren das mus zurück, während in Berlin 43 Initiativmitglieder am 7. Ok- gen tritt auch die SDP nicht für det wurde. Die wesentlichen halb des Grenzgebiets ge-
Wetter. Noch fünf, sechs schnee- eine Veranstaltung, die ein Fest tober im kleinen Dorf Schwante, eine Wiedervereinigung beider Programme und Richtungsbe- schnappt werden.
arme Winter und regenreiche Som- werden sollte, wie eine Beerdi- einige Kilometer nordöstlich deutscher Staaten ein. stimmungen wurden in den thü- Sieben junge Leute, darunter
mer - das wäre ihr Ruin. Wahrlich, gung endet... von Berlin. In der Gründungsur- In dem Statutenteil der Partei, ringischen Städten Erfurt und zwei Kinder, waren seit Montag
eine schwache Hoffnung für die kunde heißt es, man wolle auf das am letzten Sonnabend mit Eisenach festgeklopft. auf der Flucht, bis sie am ver-
Natur. Peter Ochs Honecker hat gut daran getan, eine „ökologisch orientierte so- der Gründung in Kraft trat und Nach der Zwangsvereinigung gangenen Samstag in Warschau
Bertold Brecht als einen der Vä- ziale Demokratie" hinwirken. bis zum ersten Parteitag gelten 1946, aus der die SED hervor- eintrafen. Sie wateten durch die
ter dieses zerbrechlichen ost- Dafür soll erst einmal eine breite soll, wird hervorgehoben, daß ging, blieb die SPD nur auf dem Neiße, wobei ihnen das Wasser
deutschen Vaterlandes zu zitie- Basis gefunden werden: „Die sich die SDP-Mitglieder „den Gebiet Groß-Berlins aufgrund bis über die Hüften reichte. Am
Das Zitat ren, denn vielleicht könnte nur Mitglieder der SDP suchen die Traditionen von Demokratie, des Vier-Mächte-Status der anderen Ufer tappen sie weiter,
er, mit seinem rüden Ge- Zusammenarbeit mit allen de- sozialer Gerechtigkeit sowie Stadt neben der SED bestehen. bis sie einem polnischen Bauern
mokratischen Initiativen, Grup- Verantwortung für die Bewah- begegneten, der sie mit nach
„Marx ist Murks - wer das nicht schmack für das Paradoxe, die- pen und Personen in unserem rung der natürlichen Umwelt Erst nach dem Bau der Mauer Hause nahm. Dort erhielten sie
begreifen will, dem ist nicht zu hei ses zugleich' außerordentliche Lande, ungeachtet ihrer Struk- verpflichtet fühlen". Die neue
beschloß der Westberliner SPD-
fen." und beunruhigende Schauspiel Landesverband die „vorläufige" kostenlos Essen und Nacht-
beschreiben, das, in diesen Ta- tur, ihrer weltanschaulichen Partei stehe den Traditionen des Auflösung der Ostberliner quartier. Am nächsten Tag
Der Würzburger Professor gen in Osteuropa abläuft... und sozialen Bindung." demokratischen Sozialismus der Kreisverbände. brachte man sie zum Bahnhof.
Hermann von Berg
KASSEL
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WHO / Weltweit:
Lilo Pulver 60 Zimmermann: Umweltsünder Auf Computer Handball Zum Tage
Zehn Millionen Strecke für Drastische Viren- Los-Pech Leerer Fleck
Aids-Infizierte? Lachen
der 50er Transrapid Strafe Angriff für Essen t r ist nicht auf der Messe, und
Bonn (dpa). Die Weltgesund- doch bestimmt gerade seine Ab-
heitsorganisation (WHO) Denken Sie noch Für den Bau einer Drastische Strafe Computer-Freun- Nach der in Basel wesenheit den ganzen Verlauf der
schätzt die Zahl der Aids-Infi- an Piroschka? Damit Strecke Köln-Essen für den Lkw-Fahrer, de, seid gewarnt: vorgenommenen größten Bücherschau der Welt mit
zierten weltweit auf fünf bis spielte sich in den für das Magnet- der an der Auto- Experten erwarten Auslosung für das größerem Nachdruck, als wenn
zehn Millionen Menschen. Die fünfziger Jahren Li- bahnsystem Trans- bahn 5000 Liter für Freitag, den 13. Achtelfinale des Roman und Autor hier ihren Auftritt
Zahl derjenigen, bei denen die selotte Pulver mit rapid hat sich Bun- hochgiftiges Kresol Oktober, massive Handball-Europa- gehabt hätten. An Salman Rushdie
Krankheit bereits ausgebrochen burschikosem, la- desverkehrsmini- aus seinem Tank- Angriffe von Viren pokals spielt Titel- scheiden sich die Geister zwi-
ist, betrage vermutlich eine hal- chenden Charme in ster Zimmermann lastzug ins Erdreich auf Personalcompu- träger Essen gegen schen westlicher Buchvermark-
be Million, teilte die WHO ge- die Herzen des Pu- ausgesprochen. abließ: Drei Jahre ter. Die heimtücki- Rumäniens Rekord- tung, die ihren ungestörten Ge-
stern vor der Enquete-Kommis- blikums. Heute wird Diese Verbindung Haft, lautet das Ur- schen Schädlinge meister Steaua Bu- schäftsablauf gesichert sehen will,
sion „Aids" des Bundestages in die Schweizer sei als Flughafenan- teil. Die Richter vernichten ganze karest. Bei den Cup- und fundamentalistischer islami-
Bonn mit. Gemeldet sind welt- bindung denkbar. wollten damit ab- Dateien. Wie man Siegern trifft Groß- scher Kritik ausschließlich am In-
weit aber nur knapp 178 000 Er- Schauspielerin sich schützt, steht in
(Foto) 60 Jahre alt. Siehe auch Wirt- schrecken. Siehe wallstadt auf Nimes. halt eines als beleidigende Heraus-
krankungen, davon in der Bun- „Blick in die Zeit". „Blick in die Zeit". Siehe Sport. forderung empfundenen Romans,
desrepublik 3636 Fälle. Siehe Kultur. schaft.
dessen literarische Qualitäten oder
Mängel in diesem Konflikt gar kei-
ne Rolle spielen, auch nicht bei
seinen Verteidigern im Namen der
SED-Funktionäre bekunden Bereitschaft Meinungsfreiheit.
Der leere Fleck jn den Regalen,
wo die deutsche Übersetzung der

Erster Dialog mit „Satanischen Verse" hätte stehen


sollen, und auch die scharfen Si-
cherheitsmaßnahmen machen die
unentschiedene Haltung der west-
lichen Bücherwelt gegen diesen

DDR-Opposition
massiven Angriff auf ihre vielzitier-
te Liberalität deutlich: Auf der ei-
nen Seite Appelle zur Zurücknah-
me der Drohung, auf der anderen
der Kompromiß gegenüber eben-
dieser Drohung, indem man das
Leipzig/Dresden (dpa/AP). Nach den Demonstrationen Buch vom Messegelände ver-
der vergangenen Tage zeichnet sich in der DDR jetzt ein bannt.
Dialog zwischen SED-Funktionären und Oppositionellen ab. Ob der Iran einen so wenig mora-
lisch untermauerten Appell zur
Die evangelische Kirche in der DDR sprach von ersten Kenntnis nehmen wird, scheint
zentralen Kontakten. fraglich.
Claudia Sandner-v.Dehn
In Leipzig, wo am Montag Generalmusikdirektor Kurt Ma-
abend rund 70 000 Menschen sur unterzeichnet wurde, war am
für Reformen demonstriert hat- Montag abend in mehreren Kir- Vorstoß Haussmanns
ten, ohne daß die Sicherheits- chen der Stadt verlesen worden.
kräfte eingeschritten waren, In Dresden wurden am Mon-
wurden erste Gespräche ange-
kündigt. In Dresden, wo es be-
reits ein Treffen zwischen re-
tag abend in vier überfüllten Kir-
chen die Ergebnisse des ersten
Gespräches von 20 Bürgern mit
,40-Std.-Woche
formwilligen Bürgern und Ver-
tretern der Stadt gegeben hat,
Oberbürgermeister Wolfgang
Berghofer mitgeteilt. Berghofer
FRANKREICH IST SCHWERPUNKTTHEMA der 41. Buchmesse, die gestern in Frankfurt eröffnet
wurde. Unser Bild zeigt vor der Auftaktveranstaltung (von links) Kanzler Kohl, Frankreichs
Kulturminister Lang und den Vorsteher des Börsenvereins, Christiansen. (dpa-Funkbild)
wiedereinführen'
wurde eine Fortsetzung der Un- sagte zu, daß alle festgenommen
terredung für nächsten Montag Dresdner Demonstranten, die München (AP). Für die Wie-
vereinbart. f keine Gewalttätigkeiten began- dereinführung der 40-Stunden-
Der SED-Chef der Stadt Leip- gen haben, noch im Laufe des
gestrigen Tages freikommen soll-
Frankfurter Buchmesse eröffnet / Menschenrechte Woche hat sich Bundeswirt-
schaftsminister Haussmann
zig, Roland Wötzel, und sein
ten. Ein Kirchenmitarbeiter be- ausgesprochen. Die Bundesre-

Kohl: Pflicht zur Einmischung


richtete gestern abend in der publik könne sich die von den
Warum in den DDR-Hochschulen Ostberliner Gethsemanekirche, Gewerkschaften geforderte wö-
noch keine Proteste laut wurden, 500 der weit über 1000 in mehre- chentliche Arbeitszeit von 35
schildert ein Bericht auf „ Themen ren Städten Festgenommen seien Stunden „aus Konkurrenzgrün-
des Tages". wieder auf freiem Fuß. den nicht leisten", meinte er ge-
Frankfurt (AP/dpa). Im Ringen die Kulturen des europäischen präsentation der Welt. Die Or- stern in einem Interview. Ange-
Berghofer-war bei dem ersten um Freiheit, Menschenrechte Kontinents einzubeziehen. Kri- ganisatoren griffen wegen der sichts des „totalen Wettbe-
Chefideologe Jochen Pommert Gespräch von Vertretern von und Selbstbestimmung gibt es tisch beurteilte er es, wenn die Morddrohungen islamischer werbs", der 1992 durch die Ver-
versprachen, „ihre ganze Kraft Reform- und Kirchengruppen nach Auffassung von Bundes- „Bausteine für das gemeinsame Fundamentalisten gegen den wirklichung des EG-Binnen-
und Autorität" für „einen freien ein Neun-Punkte-Katalog vorge- kanzler Kohl „geradezu die marktes bevorstehe, sei es „rea-
Meinungsaustausch über die legt worden. Zu geforderten kulturelle Haus" nur aus Dallas Autor, gegen Verleger und
Pflicht zur 'Einmischung in in- oder Tokio kämen. Das Mobiliar Buchhändler zu verstärkten Si- listischer, statt an die 35-Stun-
Weiterentwicklung des Soziali- Wahlreformen sagte der Politi-
mus"1 einzusetzen. Er solle nicht ker nach Angaben einer Bürger- nere Angelegenheiten"1. Bei der sollte von europäischer Vielfalt, cherheitsmaßnahmen. In einem den-Woche wieder an die 40-
Eröffnung der 41. Frankfurter geprägt, die Fenster weit geöff- Appell forderten sie den irani- Stunden-Woche zu denken.
ner im Bezirk Leipzig, sondern gruppe, auch er sei dafür, daß
auch „mit unserer Regierung" Wahlen wieder „richtige Wah- Buchmesse sagte Kohl gestern, net sein gegenüber allen friedli- schen Staatspräsidenten Raf- Zu diesen Aussagen erklärte
geführt werden. Diese Erklä- len" würden. die Achtung der unveräußerli- chen Einflüssen. sandschani auf, den Mordaufruf der stellvertretende DGB-Vor-
rung, die auch von prominenten Fortsetzung nächste Seite chen Menschenrechte sei „in Rund 8200 Ausstellern aus 93 zurückzunehmen. sitzende und CDU-Mitglied
Künstlern wie dem Leipziger Siehe auch Kommentar Wahrheit eine Angelegenheit Ländern nehmen diesmal an der Nur wenige ausländische Fehrenbach: „Jeder Autome-
der ganzen Völkergemein- Buchmesse teil, ein neuer Re- Verleger haben das umstrittene chaniker muß etwas von Autos
schaft". Da diese Rechte unteil- kord. Schwerpunktthema ist Buch nach Frankfurt mitge- verstehen, jede Arzthelferin et-
Nach friedlicher Demonstration in Leipzig bar seien, müsse auch „die Soli- Frankreich. bracht; die deutschsprachige was von Medizin. Warum
darität mit den Verfolgten und Zum Messeauftakt warf die Ausgabe soll erst nach dem braucht eigentlich ein Wirt-
Unterdrückten unteilbar sein". Affäre um das Rushdie-Buch Messe,termin erscheinen. schaftsminister nichts von Wirt-
Der französische Kulturmini- „Die Satanischen Verse" Schat- schaft zu verstehen?
Bundesregierung sieht ster Lang forderte, alle Völker in ten auf die umfassendste Buch-
Siehe auch „Zum Tage"
sowie Bericht im Kulturteil Siehe auch Kommentar

„hoffnungsvolle Zeichen" Polen / „Illegale" DDR-Flüchtlinge Anschlag des Verfassungsschutzes Ärztekongreß / Appell
Bonn (dpa). Die Bundesregie-
rung sieht erstmals seit Wochen
Kohl „Hochachtung, Sympathie
und Solidarität". Deutlich setzte Bald keine Auslieferung „Celler Loch": Parteien „Atomtests
„hoffungsvolle Zeichen" in der sich der Kanzler von einer neu-
DDR. Kanzleramtsminister Sei-
ters (CDU) sagte am Dienstag
en Grenzdebatte in der Bundes-
republik ab: „Im Europa der Zu-
mehr an DDR-Behörden? in Bewertung uneinig sofort stoppen"
gegenüber dpa, die Bundesre- kunft muß es vor allem um
gierung habe den friedlichen Selbstbestimmung und Men- Warschau/München (dpa). Die polnischen Hannover (H.B.). Der vom niedersächsischen Hiroshima (dpa). Mit der Ver-
Verlauf der Demonstration in schenrechte gehen, um Volks- Grenztruppen werden möglicherweise in Kürze Verfassungsschutz initiierte und von Minister- abschiedung eines „Appells von
Leipzig „mit großer Erleichte- souveränität und nicht so sehr von ihrer bisherigen Praxis abgehen, DDR-Bür- präsident Albrecht (CDU) gebilligte Sprengstoff- Hiroshima und Nagasaki" ist ge-
rung" aufgenommen. um Grenzen oder Hoheitsgebie- ger, die auf dem Weg zur Bonner Botschaft in Anschlag auf die Außenmauer der Justizvoll- stern der 9. Weltkongreß der
Dies und die ersten Gesprä- te. Denn nicht souveräne Staa- Warschau „illegal" in das Land kommen, abzu- zugsanstalt Celle am 25. Juli 1978 wird von den Vereinigung Internationaler
che zwischen den Bürgern und ten, sondern souveräne Völker fangen und den DDR-Behörden zu übergeben. Regierungs- und Oppositionsfraktionen im nie- Ärzte für die Verhütung eines
dem Dresdener Stadtrat, sowie werden den Bau Europa dereinst Dies verlautete am Dienstag aus gut informierten dersächsischen Landtag unterschiedlich bewer- Atdmkrieges (IPPNW) in Hiro-
die Erklärung von Sekretären vollenden." ' Kreisen der polnischen Hauptstadt. Regierungs- tet. Mit dem Anschlag hatte der Verfassungs- shima zu Ende gegangen. Darin
aus der SED-Bezirksleitung Als ein „Zeichen der Hoff- sprecherin Malgorzata Niezabitowska erklärte schutz vergeblich versucht, Vertrauensmänner rufen die Teilnehmer die Regie-
Leipzig bewertete Seiters als nung" wertete auch SPD-Chef in einem Interview, diese Frage sei Gegenstand in die terroristische Szene einzuschleusen. rungen dazu auf, weltweit alle
.^hoffnungsvolle Zeichen". Vogel den friedlichen Verlauf der Sorge von Ministerpräsident Mazowiecki. - Zum Abschluß der Arbeit eines parlamentari- Atomtests sofort einzustellen
» Bundeskanzler Kohl sagte in der Leipziger Demonstration. Er Vom 18. September bis zum 5. Oktober hat die schen Untersuchungsausschusses, der seit 1986 und in den nächsten fünf Jahren
seiner Rede zur Eröffnung der betonte, die Menschen in der polnischen Grenzpolizei nach eigenen Angaben die Hintergründe der bundesweit aufsehenerre- die Militärbudgets um 50 Pro-
Frankfurter Buchmesse, die DDR müßten selbst entscheiden, 608 erwachsene DDR-Bürger ausgeliefert, wozu genden Aktion untersucht hat, bezeichneten ge- zent zu reduzieren. Der Vorsit-
DDR-Führung werde den „be- was für sie richtig sei. Deshalb noch eine unbekannte Zahl von Kindern kommt. stern CDU und FDP die Sprengung als „rechtmä- zende Prof. LowwfUSA), schlug
wegenden Ruf nach Freiheit und Diese Praxis beruht auf einem bilateralen Ver- ßig und aus damaliger Sicht notwendig". SPD vor, ein Drittel der eingesparten
sollten sich Politiker der Bundes- und Grüne stuften sie dagegen als rechtswidrig
Selbstbestimmung auf Dauer republik Zurückhaltung bei der trag mit Ostberlin noch aus dem Jahre 1969. Gelder für soziale und gesund-
nicht ignorieren können". Den Unterdessen ebbt der Flüchtlingsstrom aus der ein. Sozialdemokraten und Grüne forderten indi- heitliche Belange, eines für die
Erteilung von Ratschlägen aufer- rekt oder direkt den Rücktritt von Albrecht, der Entwicklungsländer und ein
Menschen, die ganz bewußt in legen. „Wir können helfen, wenn DDR ab: In Warschau meldeten sich gestern nur
der DDR bleiben und sich dort etwa 40 Personen, über Ungarn kamen 480, rund die politische Verantwortung für den Spreng- drittes für ökologische Vorha-
wir genauso besonnen bleiben stoffanschlag übernommen hat. ben einzusetzen.
für Reformen einsetzen, zollte wie die Menschen drüben". 170 weniger als am Vortag.
Nr. 237 Politik Mittwoch, 11. Oktober 1989

Namen und Bonn (dpa). Die rechtsradika- Umfrage / Nur Republikaner überwiegend unzufrieden jedem Jahr nur eine begrenzte
Nachrichten len Republikaner sind offenbar Zahl politisch Verfolgter aufge-
die neue Protestpartei gegen nommen werden soll. Bei den
Anhängern der Republikaner
Große Zustimmung zur Demokratie
das demokratische System.
Während nach einer gestern sind 54 Prozent gegen das im
vom Bundesinnenministerium Grundgesetz verankerte Asyl-
veröffentlichten Studie knapp recht.
drei Viertel der Bevölkerung Wie im vergangenen Jahr»
der Demokratie zustimmten, dem 13. Mai 2040 repräsentativ scher zu sein. Nur 12,1 Prozent Rauschgift und die Schaffung sprach sich auch diesmal die
äußerten sich 58 Prozent der ausgewählte Bürger über ihre empfanden keinen Stolz, 18 von mehr Arbeitsplätzen (je- überwiegende Mehrheit der Be-
Anhänger der Republikaner Einstellungen zu aktuellen Pro- Prozent wollten sich nicht fest- weils 66 Prozent) sowie die fragten (81 Prozent) dafür aus,
unzufrieden. blemen der Innenpolitik be- legen. Besonders ausgeprägt Verbrechensbekämpfung (61 das Wahlrecht in der Bundes-
Dagegen sind die Grünen of- fragt. Insgesamt ist danach die war der Stolz bei den Anhän- Prozent). Während für die Re- republik mit der Staatsangehö-
fenbar auf dem Weg zur eta- Zustimmung zur Demokratie gern der Republikaner (87 Pro- publikaner die innere Sicher- rigkeit zu verbinden und den
blierten Partei: Während 1984 um einen Prozentpunkt von 72 zent) und der Union (85 Pro-heit und die Verbrechensbe- hier lebenden Ausländern auch
nur 38 Prozent der Grünen-An- auf 73 Prozent gewachsen. Am zent). kämpfung besonders wichtig kein kommunales Wahlrecht
hänger mit der Demokratie der größten ist die Zustimmung mit 67 Prozent der Befragten ins- sind, steht für die Grünen die einzuräumen.
Bundesrepublik zufrieden wa- rund 90 Prozent bei Anhängern gesamt finden es gut, wenn bei Umwelt sowie die Schaffung Interessant auch dieser
ren, sind es jetzt 60 Prozent, der Koalitionsfraktionen besonderen Anlässen die Na- neuer Arbeitsplätze im Vorder- Aspekt: Während 61,8 Prozent
neun Prozent mehr als im ver- CDU/CSU und FDP. SPD-An- tionalhymne gespielt wird. grund. aller Befragten in einem Ein-
gangenen Jahr. hänger äußerten sich zu 72 Pro- Als wichtigstes politisches Rund zwei Drittel der Befrag- wohner der DDR in erster Linie
Bei dieser sechsten derarti- zent positiv. Ziel nannten bei der Umfrage ten, 65 Prozent, sprachen sich einen Deutschen und nicht den
gen Umfrage des Mannheimer Die erstmals gestellte Frage 70 Prozent einen wirksamen dafür aus, daß die Bundesrepu- Bürger eines anderen deut-
Instituts für praxisorientierte nach dem Nationalstolz ergab, Umweltschutz. Danach folgt die blik politisch Verfolgten Asyl schen Staates sehen, sind dies
Sozialforschung (ipos) wurden daß 70 Prozent der ausgewähl- Sicherung der Renten (67 Pro- gewährt. Fast ebenso viele, 64 bei den Anhängern der Repu-
zwischen dem 28. April und ten Bürger stolz sind, Deut- zent), der Kampf gegen das Prozent, meinen jedoch, daß in blikaner nur 57,9 Prozent.

Holz-Chef wiedergewählt
„Wo gehobelt wird, da fallen Umweltschutzkonferenz in Berchtesgaden
Späne." Insofern ist Horst Mo-
rich, der gestern auf dem 13. Ge-
werkschaftstag der Gewerk-
schaft Holz und Kunststoff
(GHK) als Vorsitzender bestä-
tigt wurde, auch mit einem
Vier Alpenländer schickten
schlechteren Ergebnis als vor
"vier Jahren (85,3 statt 94,2 Pro-
zent) durchaus zufrieden. Und
nur Minister-Vertreter
daß der gelernte Tischler sein
Handwerk noch versteht, be-
wies Morich unmittelbar nach
seiner Wiederwahl.
Tmmwß:l£:^^-H:l^ Berchtesgaden (AP). Eine Al- ter. Anwesend sind auch Mit-
penkonvention als völkerrecht- glieder der Alpen-Arbeitsge-
lich verbindlichen Rahmen für meinschaften, der Europäischen
Vereinbarungen über Natur- Gemeinschaft, des Europarates
schutz, Raumordnung, Touris- und der Europäischen Freihan-
mus und Verkehr hat Bundes- delszone sowie mehrerer Um-
Wird „112" EG-Notruf? umweltminister Töpfer gestern weltschutzorganisationen.
Die EG-Kommission will die in Berchtesgaden gefordert. Bei Töpfer sagte weiter, zur Erar-
Nummer 112 als einheitlichen der Eröffnung der ersten inter- beitung einer Alpenkonvention
telefonischen Nötruf einführen, nationalen Alpenschutzkonfe- müßten auch abgestimmte Be-
der in allen Ländern der Euro- renz erklärte er, notwendig da- wertungsgrundlagen über die
päischen Gemeinschaft gelten für seien vergleichende Infor- Belastung der Landschaft beige-
soll. Nach einer Gesetzesinitia- mationsgrundlagen. bracht werden. Außerdem sei
tive, die am Dienstag in Brüssel An der zweitägigen Konferenz ein gleiches Vorgehen bei der
veröffentlicht wurde, soll 1992 nehmen Vertreter der Regierun- Prüfung der Umweltverträglich-
mit der Einführung begonnen gen der sieben Alpenländer Ita- keit von Erschließungsprojek-
werden. lien, Österreich/Frankreich, der ten notwendig. Vorstellungen
Schweiz, der Bundesrepublik, über Entwicklung oder auch
Jugoslawien und Liechtenstein „Renaturierung" müßten eben-
Grüne Finanzen „stabil" teil. Die erwartete hochkarätige falls eingebracht werden. End-
Trotz eines deutlichen Mitglie- Ministerrunde kam allerdings gültige Antworten könne die
derschwunds in den beiden letz- Demonstranten in Leipzig: „Wir brauchen Freiheit" nicht zustande: Nur die Bundes- Berchesgadener Konferenz
ten Jahren ist die finanzielle Nach den Friedensandachten in rums" gefordert, und es erklan- Auch in Halle hatte sich am republik, Österreich und Liech- nicht geben, aber es sei ihr Ziel,
Lage der Bundespartei und der vier Leipziger Kirchen formierte gen „Gorbi, Gorbi"-Rufe. tenstein entsandten Teilnehmer einen klaren Zeitplan und kon-
Montag abend auf dem Markt-
Landesverbände der Grünen sich am Montag abend in Leip- Nach 20.30 Uhr löste sich die platz eine Demonstration von im Ministerrang, die anderen krete Arbeitsaufträge zu verab-
„erfreulich stabil". Dies erklärte zig die größte nichtstaatliche Demonstration - unser Foto ent- mehreren tausend Bürgern Ländern schickten Stellvertre- reden.
Bundesschatzmeister Axel Vo- Demonstration in der DDR au- stand am Hauptbahnhof - lang- friedlich aufgelöst. Auf Be-
gel in Bonn. Ende 1988 verfügte ßerhalb des Volksaufstandes sam auf. Auch das Großaufgebot triebsversammlungen war zu-
die Partei über ein Reinvermö- vom 17. Juni 1953. Rund 70 000 von Polizisten und Betriebs- vor dazu aufgerufen worden, VdK-Präsident Ungarns Parteichef
gen von 52 Millionen DM. Menschen zogen über den Ring, kampfgruppen, die Wasserwer- sich der Protestkundgebung
der um die Altstadt führt, und fer in Bereitschaft gehalten hat- nicht anzuschließen. In Ostber-
„Arbeit statt Sozialhilfe" riefen: „Keine Gewalt", „Wir- ten, zog allmählich ab. Vielfach lin und Plauen waren ebenfalls
Die bayerische Staatsregierung formen"sind das Volk", „Wir wollen Re- kam es zu Diskussionen und Ge- friedliche Kundgebungen meh- Weishäupl Nyers ohne
: will Sozialhilfe- Augen auf".und „Honi, mach die sprächen zwischen Demon- rerer tausend Menschen ohne
': empfänger ver- die ZulassungAußerdem wurde stranten und den Sicherheits- Zwischenfälle zu Ende gegan-
des „Neuen Fo- kräften. gen. (dpa-Funkbild)
gestorben Stellvertreter
stärkt zu Ar-
beiten im Um- München (dpa). Der Präsident Budapest (AP). Der Parteitag
weltschutz und des Verbandes der aus der
im Sozialbe- Dialog mit Opposition in DDR / Bilanz der Zusammenstöße der Kriegs- und kommunisti-
reich einsetzen. Wehrdienstop- schen USAP
Wie der bayeri- fer, Behinder- hervorgegange-
sche Minister-
präsident Max
Streibl gestern
in einem Inter-
Regierung: 152 Verletzte ten und Sozial-
rentner
Deutschlands
(VdK), Karl
nen Ungari-
schen Soziali-
stischen Partei
(USP) ist in der
view sagte, Weishäupl, ist Nacht zum
könne so einem Fortsetzung demonstrationen und Zusam- Ton wurden die bundesdeut- gestern im Al- Dienstag zu
Mißbrauch der Sozialhilfe ent- Berghofer betonte aber auch, menstöße der vergangenen Tage. schen Medien für die Protest- ter von 73 Jah- Ende gegangen,
gegengewirkt werden. Unter daß er für eine Reihe von Forde- Die Bürgerrechtler wurden dabei kundgebungen verantwortlich ren in Mün- ohne die beiden
dem Motto „Arbeit statt Sozial- rungen nicht kompetent sei, wie meist scharf angegriffen. Die gemacht, die es nach einem Be- chen gestorben. im Statut vor-
hilfe", so Streibl, sollen arbeits- nach Zulassung der Bürgerbe- DDR-Nachrichtenagentur ADN richt des SED-Zentralorgans Weishäupl ge- gesehenen
fähige Bürger, die Unterstüt- wegung veröffentlichte am Abend eine „Neues Deutschland" am Wo-
„Neues Forum". Im Be- Mitteilung des DDR-Innenmini- chenende in rund einem Dutzend hörte 1946 zu den Gründern der stellvertretenden Vorsitzenden
zung erhalten, von den Kommu- zirk Dresden Organisation und stand seit gewählt zu haben. Der neue
nen für gemeinnützige Arbeiten Hans Modrow ist der Reformer steriums, wonach bei den Poli- DDR-Städte gegeben hat.
SED-Parteichef. 1974 an der Spitze des Verban- Vorsitzende Rezsö Nyers (Foto)
im Umweltschutz sowie in der zeieinsätzen in Ostberlin und Die Parteizeitung der Liberal- des. Von Anfang an war er ein sagte, der Parteitag sei nicht in
Kranken- und Altenpflege ein- Angesichts der Zurückhal- mehreren Städten der DDR 106 demokratischen Partei Deutsch- streitbarer und engagierter Ver- der Lage gewesen, sich auf Kan-
gesetzt werden. tung, die die DDR-Sicherheits- Volkspolizisten zum Teil erheb- lands „Der Morgen" veröffent- fechter der sozialen Gerechtig- didaten für seine Stellvertreter
kräfte während der Leipziger lich verletzt wurden. Außerdem lichte zahlreiche Leserbriefe, in keit für benachteiligte Bevölke- zu einigen.
Demonstration übten, sprach der seien 46 Demonstranten - laut denen dringend politische und rungsgruppen. Dagegen sprachen sich die De-
Gehörlose beklagen sich Propst der evangelischen Kirche ADN „Rowdys" - zu Schaden ökonomische Veränderungen in Von den Vertretern der politi- legierten dafür aus, daß die bis-
von Berlin-Brandenburg, Hans gekommen. Der Einsatz von der DDR angemahnt werden. Die
Die etwa 60 000 Gehörlosen in Otto Furian, gestern von einem Ordnungskräften sei zur „Wie- Zeitung der Dresdner CDU „Uni- schen Parteien in Bonn wurde herige Aufsicht der Partei über
der Bundesrepublik fühlen sich „bemerkenswerten Sinneswan- derherstellung von Ruhe und on" gestand eigene Fehler und der Verstorbene gestern als die Betriebskampfgrupppen dem
von Behörden und Mitmen- del" der Staatsführung.. Er er- Ordnung unumgänglich" gewe- Versäumnisse bei der Berichter- „Anwalt der sozial Schwachen" Parlament und der Regierung
schen /vernachlässigt. Wenige klärte gegenüber AP, daß es zu sen, hieß es in der Meldung . und „energiegeladener Kontra- übertragen wird. Aus den
Tage vor dem Bundestreffen der einer stattung über die Demonstratio- hent" gewürdigt. Auch beim po- Kampfgruppen solle eine unbe-
Deutschen Gehörlosen am Lande"„positiven Entwicklung im Ein 27jähriger Leipziger wur- nen in der Elbe-Stadt ein. In der litischen Gegner genoß der So- waffnete und parteineutrale In-
kommen könne, wenn de Zeitungsberichten zufolge Zeitung des DDR-Jugendver- zialdemokrat, 1954 bis 1957 stitution im Dienste der Zivilver-
14./15. Oktober in Karlsruhe er- sich die neue Linie durchsetze. wegen der Teilnahme an einem bandes „Junge Welt" wird die Staatssekretär in Bayern, Re- teidigung und des Katastrophen-
klärte der baden-württembergi- Die staatlich gelenkte DDR- Protestzug zu zwei Jahren und Kritik einer FDJ-Gruppe an der spekt.
sche Landesvorsitzende der Or- Presse schutzes gemacht werden.
ganisation, Huck: „Blindheit ausführlicher berichtete am Dienstag zwei Monaten Gefängnis verur- DDR-Berichterstattung über die
und Rollstühle sieht man, Taub- über die Massen- teilt.- In wesentlich verschärftem Fluchtbewegung wiedergegeben.
HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE Verlagsleitung
heit sieht man nicht." Zentrale
Forderung der Gehörlosen ist
eine bessere finanzielle Förde-
ALLGEMEINE Dr Dietrich Batz, Rainer Dierichs, Wigbert
H. Schacht. Anzeigenleiter: Horst Prehm.
rung durch den Staat. CSSR-Parteiorgan druckte unwissentlich Foto und Glückwünsche ab Herausgeber
Vertriebsleiter: Gerd Lühring.
Rainer Dierichs, Dr. Dietrich Batz, Verlag Dierichs GmbH & Co KG, Frankfur-
Achim von Roos ter Str. 168, Postfach 1ß 10 09, 3500 Kas-
ÖTV für EG-Lösung
Die ÖTV-Vorsitzende Monika Bürgerrechtler Havel legte „Rüde Pravo" herein Chefredakteur
Lothar Orzechowski
sel, Ruf 05 61120 3-0. Tel. Anzeigenan-
nahme 05 61 / 20 3-3. Fernschreib-Nr.
99 635. Telekopierer05 61 /20 36. Teletex
Wulf-Mathies Stellv. Chefredakteure
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hat sich für ein Prag (AP). An der Nase her- folg seiner Arbeit" ab. schauer Paktes in der CSSR im Frankfurt/M. Anzeigenpreisliste Nr. 29. Mo-
Wolfgang Rossbach, Peter M. Zitzmann natlicher Abonnementspreis DM 25,60 inkl.
einheitliches umgeführt hat, wie jetzt be- Havel hatte „Rüde Pravo" für Herbst 1968, daß Havels Foto Zustellung und 7 % MwSt. (Postbezugs-
i europäisches kannt wurde, der tschechoslo- die Rubrik „Persönliches" ein in einer offiziellen tschechoslo- Verantwortliche Redakteure
Chef vom Dienst: Horst Kröninger. Chef preis 28,50 DM).
! Personalrecht wakische Dramatiker und Bür- Foto samt Begleittext mit an wakischen Zeitung veröffent- Nachrichten: Rainer Merforth. Politik: Jo- Die Beendigung des Abonnements ist nur
im Öffentlichen gerrechtler Vaclav Havel die sich selbst gerichteten Ge- licht wurde. chen Prater. Blick in die Zeit.- Walter mit schriftlicher Kündigungserklärung unter
Dienst ausge- Zeitung „Rüde Pravo": Das Or- burtstagsgrüßen geschickt. Ge- Die tschechoslowakischen Schütz. Wirtschaft und Sozialpolitik: Horst Einhaltung einer Frist von einem Monat
sprochen. Die gan der tschechoslowakischen gen eine Gebühr von 500 Kro- Behörden haben Havel bisher Seidenfaden, Kultur: Dirk Schwarze, Frau zum Monatsende möglich; die Frist läuft ab
u. Reise: Ilse Methe-Huber. Sport: Rolf Wie- Zugang der schriftlichen Kündigungserklä-
Unterteilung in KP veröffentlichte am Wo- nen (knapp 100 DM) wurden eine Reisegenehmigung in die semann, i. V. Ulrich Fuhrmann. Sonntags- rung. ; .
Arbeiter, An- chenende nicht nur ein Foto Bild und Text auch veröffent- Bundesrepublik verweigert, zeit: Frank Thonicke. Kassel Stadt und
gestellte und des international erfolgreichen, licht. dem am Sonntag in der Frank- Land: Wolfgang Rossbach. Bezirksredak- Auflage werktags über 270 000 Exemplare
Beamte sei ein in seiner Heimat jedoch nicht Dabei hatte Havel allerdings furter Paulskirche der diesjäh- tionen: Peter M. Zitzmann. Koordination: in Tarifgemeinschaft mit „Oberhessische
I Relikt des Ob- veröffentlichten Bühnenautors, nicht seinen eigenen Namen rige Friedenspreis des Deut- Helmut Lehnart. Hessen/Niedersachsen: Presse", Marburg, „Hersfelder Zeitung",
Eberhard Heinemann. Chefreporter: Karl- „Werra-Rundschau", Eschwege, „Harzku-
• rigkeitsstaates, es druckte auch noch „viele angegeben, sondern sein Pseu- schen Buchhandels verliehen Hermann Huhn. Sonderthemen: Peter rier", Herzberg
das in einem neuen Europa kei- Grüße" von Freunden zu Ha- donym Ferdinand Vanek. Es werden soll. Bonn bemüht sich Ochs. Auflage „Sonntagszeit" über 200 000
nerlei Existenzberechtigung vels 53. Geburtstag am 5. Ok- war das erste Mal seit dem Ein- noch in Prag um die Ausstel- Redaktion Wiesbaden: Rolf Effenberger Exemplare.
mehr habe, sagte die Gewerk- tober sowie „Wünsche zum Er- marsch der Truppen des War- lung eines Visums. Redaktion Hannover: Harald Birkenbeul Herstellung Druckhaus Dierichs,
schaftsvorsitzende in Stuttgart. Redaktion Bonn: Hans Ludwig Laucht. Frankfurter Straße 168, 3500 Kassel
Nr. 237 Themen des Tages Mittwoch, 11. Oktober 1989

Noch ist es ruhig an den DDR-Hochschulen, aber:


Statt Gewalt Henry Kissinger
das Gespräch
Dafaß in der DDR bereits der Dialog
zwischen denen da unten und de-
„Unter der Oberfläche gärt es"
nen da oben in Gang komme, wäre Von unserem Redaktionsmitglied Ottmar Berbalk
Ermahnungen
an Deutsche
wohl zuviel gehofft. Zwiesprache lJejc frühere US-Außenmi-
oder Wechselrede setzen ein nister Kissinger sieht in der
gleich zu gleich voraus, und zwi- IN icht fern liegt es, dieser Tage FDJ-Zeitschrift ' „Junges Gegenwehr. Naturwissen- zialismus lehrten, aus Enttäu- Entwicklung zwischen den
schen Regierenden und Regierten Parallelen zu ziehen zwischen Deutschland". Wenig später schaftler würden sich, nach dem schung über die Kluft zwischen beiden deutschen Staaten ei-
liegt eine tiefe und immer breiter den gesellschaftlichen Entwick- setzte er sich von der KPD ab, Sinn der ideologischen Schu- Ideologie und Praxis.jedoch ih-; nen Schlüs-
werdende Kluft. Immerhin dringt lungen im sozialistischen China schlug.in den sechziger Jahren lung fragen. ren Heimatstaat verließen. sel für die
die Einsicht vor, daß Gewalt das, vor einigen Monaten und den in der Bundesrepublik eine wis- Für die Vermutung, daß sich Unter den Flüchtlingen gibt es Gestaltung
Übel noch vermehrt und die Folgen momentanen Ereignissen in der senschaftliche Laufbahn ein und etwas bewegt unter den ange- nach Webers Auffassung nur ei- eines neuen
nicht mehr zu kalkulieren sind. Bei Deutschen Demokratischen Re- veröffentlichte zahlreiche Bü- henden Wissenschaftlern, hat nen verschwindend geringen Europas. In
der Demonstration der 70 000 in publik. Dabei fällt sofort der gra- cher zur DDR-Geschichte. Weber auch ein persönliches Anteil von ehemaligen DDR- einem am
Leipzig blieben die Schlagstöcke vierendste Unterschied ins Indiz. Im März diesen Jahres Hochschülern. Seiner Meinung Dienstag in
am Gurt, anders als in Dresden Auge, der bereits im Ursprung veröffentlichte er das -Buch nach ein Beleg dafür, daß die •der „Wa-
und Ostberlin verlief der Protest des Protestes liegt: Während im „Verschulung" „Weiße Flecken der Geschieh- soziale Bindung und Absiche- shington
friedlich. Die Signale rufen nicht Milliarden-Volk China die Uni- te", das sich mit dem Schicksal rung des Studierenden „drüben" Post" veröf-
zum letzten Gefecht, sondern zu versitäten die Keimzelle des Den Grund für die äußerliche von KPD-Funktionären be- den Gedanken an Veränderun- fentlichten
einem ersten Gespräch. Widerstandes bildeten, bleibt es Ruhe im Hochschulwesen der schäftigt, die in den Jahren 1936 gen lange Zeit nicht aufkommen Artikel un-
an den Hochschulen und Uni-
Das erscheint in einem Land, versitäten des anderen deut- DDR vermutet das heutige SPD- bis 1938 in die Sowjetunion emi- ließ. Facharbeiter wüßten dage- ter dem Titel
das auseinanderläuft, und in einem schen Staates ruhig. Kirche, Mitglied Weber in der „Ver- grierten, dort jedoch Säuberun- gen um die Chancen im Westen, „Die Super-
Staat, den eine fundamentale Aus- Künstler und Schriftsteller rüh- schulung des Universitätsbe- gen der eigenen Genossen zum Noch wehrt sich der Staat ve- mächte und das neue Euro-
einandersetzung erschüttert, wie ren sich, doch Hochschullehrer triebes". Im Gegensatz zu Chi- ipfer fielen. Während dieses hement gegen Änderungen am pa" schreibt der gebürtige
ein kleines Wunder. Bisher unge- und Studierende scheinen auf na, wo nach der Kulturrevolu- Buch in der offiziellen und öf- althergebrachten Unterrichts- Fürther, wenn der Zusam-
hörte Worte fallen von Machtträ- einer akademischen Insel der tion an den Unis sehr viel politi- fentlichen Berichterstattung stil. So heißt es im September- menhalt des Westens ge-
gern, ungewöhnliche Sätze stehen Glückseligkeit zu schwimmen. scher gearbeitet worden sei, nicht stattfindet, erreichen ihn Heft von „Geschichtsunterricht währleistet werden solle,
in den obrigkeitlichen Zeitungen. gebe es in der DDR nur eine in diesen Wochen immer wieder und Staatsbürgerkunde" (einem müßten die westlichen Ver-
Wenn sich etwa der Dresdner Täuscht der Eindruck? Her- programmgemäße Entwicklung. Anfragen von Studierenden, die von zahlreichen Theorieorga- bündeten ein plausibles Pro-
Oberbürgermeister Berghofer da- mann Weber, einer der renom- Weber spricht von „Hochschu- das Buch gerne lesen möchten, nen für Lehrer); „Es muß uns "gramm ausarbeiten, das .dem
für ausspricht, künftig wählen statt miertesten bundesdeutschen len als Lernschulen". elingen, in Trachten Deutschlands ent-
- - • • • -Der -Stu- Schließlich:-Daß sich die DDR " - den
- Köpfen
- der Stu- spreche, ohne dabei Mittel-
„falten" zu gehen, ist das eine Re- DDR-Kenner, dazu gegenüber dent sei „sozial stark eingebun- auch rein technisch nicht mehr denten die sozialistischen Ideale europa zu destablisieren. Die
volte gegen das System. Näher als unserer Zeitung: „Noch ist es den, fast korrumpiert". Es be- abschotten und ihre Bürger in zu manifestieren". Bundesrepublik sollte nach
die Vermutung, die Opposition er- ruhig. Doch unter der Oberflä- ginnt seiner Meinung nach da- geistige Dunkelhaft stoßen Meinung Kissingers zu die-
fasse auch die Orthodoxen, liegt che gärt es." Weber lehrt als Po- mit, daß alle Studierenden der kann, potenziert nach Webers \/_._|_;_u.
ver leicn nnri sem Programm beitragen, in-
dabei der Verdacht, daß die Be- litikwissenschaftler an der Uni- neun Universitäten und 44 Aka- Meinung die Möglichkeit, neue 9 dem sie die derzeitigen Gren-
schwichtigung von ziemlich weit versität Mannheim und leitet demien (dazu kommen noch gesellschaftliche Ideen zu re- zen Deutschlands als endgül-
oben gelenkt wird. Doch auch dies dort den Arbeitsbereich „Ge- Einrichtungen der SED) Stipen- produzieren und zu finden. Be- Daß es jedoch auch im Bil- tig akzeptiert.
würde die Bereitschaft zu einem schichte und Politik der DDR". dien erhalten. Engagieren müs- kannt sei ja auch im Westen die dungswesen der DDR nicht so
Prozeß der Nachdenklichkeit be- Der gebürtige Mannheimer sen sich alle im Jugendverband Vorliebe der DDR-Jugend für weitergehen wird, scheint für Kissinger schreibt: „West-
deuten. (Jahrgang 1928) war bereits FDJ, besonderes Engagement Gorbatschows Ideen. Noch läßt Politikwissenschaftler Weber deutsche Politiker sind ver-
1945 der KPD beigetreten, stu- wird entsprechend honoriert. die Führung junge Bildungs- ganz offenkundig. Er vergleicht narrt darin, Deutschlands
Über das, was sich Honecker dierte an der SED-Parteihoch- hungrige in Moskau studieren.
und Gorbatschow unter vier Augen schule „Karl Marx" in Klein- Jeder Studierende, ob ange- die Situation mit den Jahren angeblich historische Mis-
sagten, kann man nur spekulieren. Machnow bei Berlin und arbei- hender Chemiker oder Histori- Auch der Turm der reinen 1956 und 1957, als neben der sion in Osteuropa zu wieder-
Unverkennbar jedoch sind die An- tete später als Chefredakteur ker, durchläuft ein marxistisch- Lehre beginnt zu bröckeln. So FDJ schon einmal eine eigene holen - ein erstaunliches
zeichen von Unruhe bei den Satelli- der~ damals auch in West- leninistisches Grundstudium kennt Weber mehrere Dozen- Studentenvertretung gefordert Vorhaben, für das die Ge-
ten der SED, und jedermann weiß, deutschland mit festen Lehrplänen. Dort ten, die in der DDR den soge- wurde. Weber: „Darauf wird es schichte keine Beweise lie-
erscheinenden sieht Weber erste Ansätze einer nannten wissenschaftlichen So- hinauslaufen." fert. Westdeutschland könn-
was in Polen zur Wende führte.
Nicht mehr zu bändigen vor allem te den historischen Fehler
ist der Aufruhr derer, die im Lande der Selbst-Isolation wieder-
bleiben wollen und ihre Chance nur holen und das Ziel westli-
nocn in gesellschaftlicher Verän-
derung sehen. Das Volk meldet
Presse-Echo cher Verdächtigungen und;
sowjetischer Versuche wer-
sich, zunehmend mutig und selbst- den, sich den zentrifugalen
bewußt, zu Wort. Honecker müßte Wer im Augenblick der DDR helfen will, Strömungen auf sein Reich,
des Teufels oder von allen, guten 'sollte sich zurückhalten, meint die entgegenzustemmen, wenn
Geistern verlassen sein, wenn er WESTDEUTSCHE es (Bonn) seine Außenpolitik
die letzte Brücke verbrennt. nicht eindeutig im europai-
Alfred Brugger ALLGEMEINE schen Gesamtrahmen hält >
und wenn es seine Sicher-
Auch mit dem großen Geld zu heitspolitik nicht eng mit der
winken, bewirkt nichts. Die • der Nato verbindet, A •< :,,:
DDR-Führung läßt sich Refor- ..,: Die Anerkennung der der-
Schiefes men nicht abkaufen. Daß mit
Bonner Unterstützung zu rech- zeitigen Grenzen sei auch die;
Vorbedingung für Verhand-
Denken nen ist, wenn die Verhältnisse
sich bessern, weiß man ohnehin. lungen über „ein angemesse-
nes System freier Wahlen für,
Man sollte hier auch nicht so Ostdeutschland, vielleicht
tun, als beginne die Unterstüt- zuerst nach dem Modell Po-
Wuerdenker sind zur Zeit groß in zung erst, wenn die Führung lens". Die beinahe sichere,
Mode. Sie arbeiten in ihrer Gedan- sich reformbereit zeigt. Die er- Folge eines solchen Prozes-
kenwelt nicht nur voraus, sondern folgreiche Politik der kleinen ses wäre, so Kissinger, ein
über bestehende Grenzen links Schritte wäre ohne finanzielle schrittweises Verschmelzen
und rechts hinweg. Vernetztes Begleitung jedes kleinen Schrit- der inneren Strukturen der.
Denken nennt man das bei Mana- tes auch nicht so weit gekom- beiden deutschen Staaten. In '
gerschulungen und preist -es als men. Diese Praxis braucht nur jedem Fall sollten Analysen
beispielhaft. Helmut Haussmann verlängert zu werden. nach Auffassung Kissingers.
gehört nicht zu dieser privilegier- mit der Erkenntnis beginnen,,
ten Gruppe.Er denkt nicht quer, er Zum selben Thema die „daß der Drehpunkt interna-
denkt schief. tionaler Spannungen an sei-
Was nicht heißt, daß der Mann OSNABRÜCKES nen historischen Ursprung
nicht weiß, wovon er redet. Er ZETTUNO im Zentrum Europas zurück-
spricht mutig Kernprobleme der Es gehört zu den beeindruk- gekehrt ist". (dpa)
Tarifpolitik an - und nimmt in Kauf, kenden Erfahrungen dieser
in der Öffentlichkeit für die Äuße- Tage, daß diejenigen, die Refor- Eröffnung der Frankfurter Buchmesse (Karikatur: Wolf)
rung seiner extremen Positionen men fordern, keine Amokläufer
kräftig geohrfeigt zu werden. Das sind, sondern auf den friedli-
Schlimme ist: Es bleibt einem trotz chen Dialog mit der SED-Füh-
allem (vernetzten) Nachdenkens rung setzen. Sie wollen den so-
US-Truppen bekamen Noriega beim Militärputsch nicht in ihre Hand
nichts anderes übrig, als gleiches zialistischen Staat nicht ab-

Panama-Panne peinlich für Bush


zu tun. schaffen, sondern sie wollen ihn
Der Wirtschaftsminister, derzeit verbessern. Dieses maßvolle
mehr ein Elefant im Porzellanladen Verhalten wird es den Macht-
der Tarifpartner, gibt mit seinem habern zumindest erschweren,
Plädoyer für die 40-Stunden-Wo- die Oppositionellen als Um- Von unserem Washingtoner Korrespondenten Siegfried Maruhn
che nicht die Denkrichtung künfti- stürzler zu diffamieren und mit
ger Tarifrunden an. Wichtig ist letzter blutiger Konsequenz ge-
aber nicht was er sagt, sondern gen sie vorzugehen. Außerdem IN och bin ich nicht wirklich im nommen werden müßte. Diese Die USA hätten „keinen Streit Punkt der Kritik.
warum er es sagt. Trotz der Forde- erhöht es die Chance, daß auch Feuer erprobt, in diesem Job dritte Möglichkeit wurde jedoch mit der Armee", sondern nur mit Andere behaupten, daß der
rung der 35-Stunden-Woche in der kleine Reformansätze genutzt noch nicht durch die Hölle ge- von einer ausdrücklichen Er- Noriega, war seine Parole. Kriti- Geheimdienst CIA zu den Kri-
Metallindustrie ist das Thema län- werden, die für die nahe Zu- gangen." So schränkte US-Prä- mächtigung durch den Präsi- ker werfen ihm nun vor, daß senberatungen gar nicht heran-
gere Arbeitszeit für Teile der Be- kunft wahrscheinlicher sind als sident Bush die Halbjahresbi- denten abhängig gemacht. Washington die Offiziere, die gezogen worden war. Die Ent-
schäftigten , Diskussionsbestand- eine rasante Entwicklung im Sti- lanz seiner Amtszeit ein, als er diesem Aufruf folgten, schließ- scheidungswege sollen nun
teil auf der Arbeitgeberseite le Ungarns. Anfang September vom Fernse- Weder zum einen noch zum lich im Stich gelassen habe. überprüft, Verbesserungen her-
Der Hintergrund: Eine pauschale hen interviewt wurde. Einen anderen kam es jedoch. Die paar Nach bisher noch nicht bestä- beigeführt werden.
Arbeitszeitverkürzung in allen Be- Ein gewichtiger - wenn nicht gar der Monat später werfen ihm Kriti- Stunden, in denen Noriega in tigten Berichten soll Noriega in Koordinationsprobleme zwi-
rufsgruppen ist nicht zu realisieren. gewichtigste Aspekt der politischen ker vor, schon bei einer kleinen der Hand von aufständischen einem Wutanfall die Erschie- schen den einzelnen Ministe-
Facharbeitermarigel wird halt Umwälzung in Ungarn ist indirekter Na- Krise versagt zu haben. Anlaß Offizieren war, erwiesen sich als ßung der Rebellenführer ange- rien dürften auch Entscheidun-
durch kürzere Arbeitszeit ver- tur, bemerkt die war der Militärputsch in Pana- zu kurz, um den US-Behörden ordnet haben. gen des Präsidenten in der Frage
stärkt. Wer Arbeitskräften mit teu- ma, der Amerika kurzfristig die eine klare Entscheidung mög- der Chemiewaffen herbeige-
rer wissenschaftlicher Ausbildung
die Arbeitszeit beschneidet, wirft
Saor6cücßcr3cüunfl Chance gab, General Noriega in
die Hand zu bekommen.
lich zu machen.
Was wirklich in Panama vor Reibungen
führt haben, die jetzt als proble-
matisch empfunden werden.
hochqualifiziertes Know-how auf Das, was derzeit in Budapest sich ging, ist noch lange nicht Bisher richtet sich die Kritik
die tarifpolitische Müllhalde. abläuft, wird offensichtlich von klar. Die Berater des Präsiden- In jedem Fall hat der Aufstand jedoch nicht unmittelbar gegen
Schuldzuweisungen ten schieben vielmehr ihre Ent- gezeigt, daß der Entscheidungs- Bush, sondern gegen das „Weiße
Flexibilisierung der Arbeitszeit der Sowjetunion Gorbatschows
ist mehr als die Festlegung eigen- nicht nur geduldet, es findet so- schlußunfähigkeit gerade auf mechanismus des Weißen Hau- Haus", also den Beraterstab des
williger Schichtpläne. Haussmann gar die Unterstützung des Seit dem Fehlschlag streiten diesen „Nebel des Krieges", auf ses nicht funktionierte. Der Präsidenten. Diesen Mitarbei-
hat das Thema der Zukunft ange- Kreml. Zumindest die Art und sich die Berater des Präsidenten die Schwierigkeit, zuverlässige Theorie nach sollen der Sicher- tern wird vorgeworfen, daß sie;
deutet, aber nicht angesprochen. Weise, wie gestern in den Me- mit dem Kongreß und kaum ver- Informationen schnell genug zu heitsberater, General nicht nur im Fall Panama, son-
Aber vom Schief- zum Querdenker dien der UdSSR über Verände- hüllt untereinander darum, wer erhalten. General Scowcroft, Scowcroft, und der Stabschef dern auch sonst zu langsam rea-
ist es - hoffentlich - nur ein kleiner rungen im südlichen Bruderland die Schuld trägt. Heraus kam, der Sicherheitsberater des Prä- des Weißen Hauses, Sununu, gieren und sich nicht schnell ge-i
Schritt. Horst Seidenfaden berichtet wurde - da ist von re- daß der amerikanische Befehls- sidenten, schob einen Teil der die Aktivitäten der anderen Be- nug auf überraschende Ereignis-
volutionärer Normalität die haber in der Kanalzone vom Schuld auch dem Senat zu, der hörden koordinieren, die Ent- se einstellen können. c.
Rede - legt diesen Schluß nahe. Verteidigungsminister bereits es der Regierung untersagt hat, scheidungen des Präsidenten So war schon beanstandet
Das aber müßte der altstalinisti- ermächtigt worden war, den sich an irgendeiner Aktion zu vorbereiten und durchsetzen. worden, daß Bush erst nach
Das Zitat schen Altherrenriege in Ostber-
lin eigentlich wie ein Schock in
Diktator in Gewahrsam zu neh- beteiligen, die den Mord als
men, wenn er von den Rebellen Mittel der Politik einschließt.
Im Fall Panama hat es wohl Rei- mehreren Tagen die vom Hurri-
bungen zwischen Verteidi- kan Hugo schwer betroffenen
„Würde Aphrodite heutzutage aus die morschen Knochen fahren.
ausgeliefert werden sollte, oder Deshalb sei eine unmittelbare gungs- und Außenministerium, Gebiete aufsuchte. „Der Ter-
einer Welle geboren, so käme sie Belegt es doch besser als alle sich seiner zu bemächtighen, Unterstützung der Rebellen ver- sowohl vor Ort wie in Washing- minkalender hatte Vorrang",
mit Furunkeln am Hintern zur Welt". Reaktionen etwa auf die Öff- wenn es ohne Widerstand mög- mieden worden. ton, gegeben. „Unsere Botschaft meinen die Kritiker. „Sie hätten
Jacques Yves Cousteau, fran- nungsbewegungen in Polen, aus
lich war. Er sollte auch Pläne für Bush hatte jedoch die Armee in Panama und der Komman- früher kommen sollen", sagte
zösischer Meeresbiologe, zum welcher Richtung der Wind in
den Fall vorbereiten, daß der Panamas mehrfach aufgerufen, deur unserer Streitkräfte reden eine Obdachlose, als der Präsi-
Zustand der umweit Moskau pfeift. General mit Gewalt gefangenge- sich des Diktators zu entledigen. nicht miteinander", war ein dent sich sehen ließ.
HESSISCHE KASSEL
1 P 3713 A

HESSISCHE/NIEDERSACHSISCHE
ALLGEMEINE
ALLGEMEINE
UNABHÄNGIG KASSELER ZEITUNG NICHT PARTEIGEBUNDEN
Preis 1,10 DM Nr. 238 • Donnerstag, 12.10. 1989 Ruf (05 61) 203-0 • Anzeigen 203-3

Polen / DDR-Flüchtlinge
Niederlande Buchmesse Schweiz Langer Abend Ökonomie Zum Tage
Auslieferung an 2:1-Sieg Blick Gebühr für Große Preis an Späte Einsicht
DDR gestoppt in Wales auf DDR Langläufer holen auf Norweger L/er Altkommunist Kurt Hager hat
Warschau (dpa). DDR-Flücht- sich nie rühmen können, ein Vor-
linge werden nicht mehr von Mit dem 2:1-Sieg Aufgrund der ak- Ein Einzelfall? Die 78 und damit dop- Dem 78jährigen denker oder gar Querdenker der
den polnischen Grenztruppen in Wales eroberte tuellen Vorgänge Schweizer Skire- pelt soviele große norwegischen Wis- SED zu sein. Als Chefideologe der
kontrolliert und somit auch Fußball-Europamei- rückte gestern das gion Obergoms im Warenhäuser wie senschaftler Tryge Partei sah er seine Aufgabe bisher
nicht an die DDR-Grenzbehör- ster Niederlande in Angebot der DDR- Kanton Wallis will vor einer Woche Haavelmo (Foto) ist vornehmlich darin, die reine Lehre
den ausgeliefert. Das erklärte der Qualifikations- Verlage auf der jetzt Ski-Langläufer werden heute bun- der Nobelpreis für des Sozialismus gegen alle bürger-
gestern die Regierungsspreche- gruppe vier vor der Frankfurter Buch- zur Kasse bitten. desweit am „langen Wirtschaftswissen- lichen Anfechtungen zu verteidi-
rin Niezabitowski. Sie versi- DFB-Auswahl die messe in den Mittel- Der Eintritt in die Donnerstag" geöff- schaften zuerkannt gen. Daß ausgerechnet er jetzt als
cherte, Außenminister Skubis- Führung zurück punkt des Interes- Loipe kostet drei net haben. Dies er- worden. Er gilt als erster Spitzenfunktionär grund-
zewski sei gegen diese Praxis, und hat nun beste ses. Konkreten Fra- Franken pro Tag, gab eine Umfrage. In Nestor der empir- sätzliche Veränderungen und Er-
die abgestellt werde. Wie zu hö- Chancen zur Teil- gen zu Reformmög- Saison-Dauerlauf er Kassel bleiben die schen Prüfung von neuerungen für notwendig erklärt,
ren war, hat Skubiszewski erst nahme an der Welt- lichkeiten wichen sind mit 30 Franken Kaufhäuser aber Theorien über die läßt auf eine tiefgreifende Verunsi-
jetzt von der Festnahme und meisterschaft in Ita- die Verlagssprecher dabei. Siehe „Blick dicht. Siehe Wirt- Volkswirtschaft. cherung des Politbüros schließen.
Auslieferung von DDR-Flücht- lien. Siehe Sport. aus. Siehe Kultur in die Zeit". schaft. Siehe Wirtschaft. Die Front der Betonköpfe bröckelt
lingen erfahren. ab. SED-Chef Honecker, der die
DDR eben noch als makellosen so-
zialistischen Musterstaat feierte,
sieht sich isoliert und gerät zuneh-
Auch SED-Chefideologe Hager fordert Reformen mend in Beweisnot.
Plötzlich sind die protestieren-
den Massen in Ostberlin, Leipzig

Rücktritt Honeckers wird


oder Dresden keine randalieren-
den Systemgegner mehr, sondern
Bürger, auf deren aktuelle Bedürf-
nisse und Stimmungen die Partei
reagieren muß. Plötzlich sind für

nicht mehr ausgeschlossen


dieMassenflucht nicht mehr west-
deutsche Medien und asoziale Ele-
mente verantwortlich, sondern die
vielen Hindernisse, die der soziali-
stische Staat seinen jungen Bür-
gern in den Weg legt. In später
Ostberlin/Bonn (dpa/AP). Angesichts der geraten. Aus der Umgebung des SED-Chefs Selbsterkenntnis scheint die SED
endlich Besserung geloben zu wol-
innenpolitischen Krise in der DDR ist Staats- verlautete gestern, ein baldiger Rücktritt des len. Glaubhaft wird ihr Reformwille
und Parteichef Erich Honecker in seiner eige- 77jährigen könne nicht mehr ausgeschlos jedoch erst, wenn sie auch bereit
nen Partei offenbar unter heftigen Beschüß sen werden. ist, die längst fälligen personellen
Konsequenzen zu ziehen.
Honecker lebe an den Realitä- ten dies auf die angespannte in- platzen zu lassen, falls die von Achim v. Roos
ten vorbei, hieß es laut diesen nenpolitische Lage zurück. Ensemblemitgliedern gestellten
Quellen. Seine Rede zum 40. ZK-Mitglieder haben nach Anfragen zu den aktuellen Ge-
Jahrestag der DDR, in der er ein Angaben au,s Parteikreisen Ho- schehnissen nicht beantwortet DDR-Flüchtlinge
überaus positives Bild des eige- necker in der. erweiterten Polit- würden. In Karl-Marx-Stadt
nen Staates gezeichnet hatte, sei bürositzung darauf aufmerksam hatten sich diesen Infomationen
zufolge Mitglieder von Betriebs-
sowohl in der Bevölkerung als
auch bei den eigenen Parteige-
nossen auf Ablehnung und Un-
gemacht, daß sich in' den Betrie-
ben Anzeichen zu Streiks mehr-
ten. Es dürfe keine Zeit mehr
kampfgruppen geweigert, zu
Übungen auszurücken. Arbeiter
56 fuhren
verständnis gestoßen. vergeudet werden, verlautete
aus diesen Quellen. Die Partei
würden nicht gegen Arbeiter
aufmarschieren, hätten sie argu- wieder zurück
müsse jetzt die immer drängen- mentiert.
Krisensitzung deren Fragen der Bürger beant- München/Bonn (dpa/AP). Die
worten, hätte der dringende Ap- ersten DDR-Flüchtlinge kehren
Das Politbüro der Partei setzte pell an Honecker gelautet. In Zu Dialog bereit wieder in ihre Heimat zurück.
seine am Dienstag begonnene vielen Betrieben würden., sich Nach Angaben der Polizei wur-
Krisensitzung auch am Mitt- Arbeiter bereits weigern, Über- Inzwischen mehren sich aber den 5ß DDR-Bürger registriert,
woch fort. Dazu wurden Fach- stunden zu machen. auch die Anzeichen, daß die die meist aus persönlichen
leute aus dem Zentralkomitee SED zu einem Dialog mit der Gründen den Westen wieder
hinzugezogen, was nur in drin- Opposition im Lande bereit ist. verlassen haben.
FÜR ACHT MILLIONEN DM wurde das Rathaus von Duderstadt genden Fälle geschieht. „ Proteste bei ADN SED-Chefideologe Hager Der Zustrom neuer Flüchtlin-
(Kreis Göttingen), eines der ältesten und schönsten in Deutsch- In einer anschließend im sprach von der Notwendigkeit, ge reißt jedoch nicht ab: In.Bay-
land, seit 1980 restauriert. Zur feierlichen Wiedereröffnung des DDR-Fernsehen verlesenen Er- Mitarbeiter der DDR-Nach- „auf aktuelle Bedürfnisse und ern kamen gestern 386 Über-
aus dem 13. Jahrhundert stammenden Fach Werkbaus waren auch klärung heißt es, man sei betrof- richtenagentur ADN hätten da- Stimmungen der Massen zu rea- siedler an, die über Ungarn ge-
Bundespräsident von Weizsäcker und Niedersachsens Minister- fen über den Flüchtlingsstrom in mit gedroht, keine Meldungen gieren". Offenbar als Reaktion flüchtet waren. In der Bonner
präsident Albrecht gekommen. (dpa-Funkbild) die Bundesrepublik. Es lasse mehr zu verfassen, in denen auf die breiten Proteste der ver- Botschaft in Warschau wurden
„uns nicht gleichgültig, wenn friedliche Demonstranten als gangenen Tage zitierte der wieder über 500 DDR-Bürger
sich Menschen, die hier arbeite- „Randalierer" dargestellt wer- DDR-Rundfunk Hager mit ei- gezählt, in der Botschaft in Prag
Reformen in der DDR / Von Weizsäcker: ten und lebten, von unserer den sollten, hieß es. Sie verwie- nem vier Tage alten Interview waren es 40.
Deutschen Demokratischen Re- sen darauf, daß sie in Betrieben, der sowjetischen Zeitung „Mos-
publik losgesagt haben... Die in denen sie Interviews machen kowski Nowosti". Darin erhob
Ursachen für ihren Schritt mö; der bisher als „Hardliner" der MiG 23/Neue Elektronik
„Drüben weiterhelfen gen vielfältig sein. Wir müssen
und werden sie auch bei uns su-
chen, wir alle gemeinsam."
Weitere Berichte zur Lage in der
DDR finden Sie auf „ Themen des
Tages".
Partei bekannte 77jährige die
Forderung nach einer „präzisen
Konzeption für die Verwirkli-
chung erforderlicher Erneue- Syrischer Pilot
Gebot der Stunde" Mitglieder des über 160 Mit-
glieder zählenden ZK forderten
Honecker laut Informationen
aus der SED auf, einen Bericht
zur Lage des Staates abzugeben.
wollten, von Arbeitern wegen
unlauterer Berichterstattung
beschimpft würden.
rungen" als Aufgabe der „aller-
nächsten Zeit".
Hager sprach sich in dem In-
floh nach Israel
terview auch für eine Verbesse- Tel Aviv (dpa). Ein Major der
Göttingen (jtr). „Wir wollen nicht Gespräche mit denen zu Dieser verschob unterdessen ' Das Ensemble der Deutschen rung der DDR-Informationspoli- syrischen Luftwaffe ist gestern
uns dafür einsetzen, daß diese verweigern, deren Verhalten seinen für den 25. und 26. Okto- Staatsoper in Ostberlin soll in tik aus. mit seinem sowjetischen Kampf-
Grenze vielleicht einmal in dem zur Krise geführt habe, sondern ber geplanten Staatsbesuch in einem Brief an Honecker damit Fortsetzung nächste Seite bomber vom Typ MiG 23 nach
Sinne historisch sein wird, daß mit allen zu reden, deren Mit- Kopenhagen. Diplomaten führ- gedroht- haben, Vorstellungen Siehe auch „Zum Tage" Israel geflohen. Vor allem die
sie späteren Generationen nur wirkung zur Überwindung der neue . Elektronik des erstmals
noch eine Erinnerung an span- Krise notwendig sei. 1967 in Dienst gestellten Bom-
nungsreiche frühere Zeiten be- „Maßstab für alles, was wir bertyps ist im Westen bisher
deutet." Das erklärte Bundes- von hier aus diskutieren und Anrainerländer streben Konvention an / Ziel: nur aus geheimdienstlichen In-
präsident von Weizsäcker am tun, muß bleiben, was den Deut- formationen bekannt. Unmittel-
Mittwoch in Duderstadt (Kreis schen in der DDR wirklich hilft, bar nach Bekanntwerden der
Göttingen), wo er an einem Fest-
akt zur Wiedereröffnung des
Historischen Rathauses teil-
nahm.
und nicht was in unsere hiesigen
alten Debatten gut hineinpaßt",
sagte der Bundespräsident und
fügte hinzu: „Nicht hier Recht
Verbindlicher Alpenschutz ab '91 Flucht flogen Israels Verteidi-
gungsminister Rabin und der
Militär-Oberbefehlshaber, Ge-
neral Schomron, zu dem Lande-
Mit Blick auf die „uns tief be- haben, sondern drüben weiter- Berchtesgaden (dpa). Die sie- Töpfer (CDU), kündigte an, daß rekte Einkommenshilfen für platz, um sich zu informieren.
wegende Auseinandersetzung" helfen ist das Gebot der Stun- ben Alpenstaaten werden un- unter Federführung von Öster- ökologische Leistungen der Das Flugzeug, das über Liba-
in der DDR meinte das Staats- de". Es hänge viel von den Deut- verzüglich gemeinsame An- reich bis 1991 der Entwurf einer Bergbauern, die als „Gärtner der non in den israelischen Luft-
oberhaupt, dort seien Kräfte am schen ab, „damit Europa sich in strengungen unternehmen, um Alpenkonvention mit konkreti- Alpen" unbedingt in ihrer beruf- raum eindrang, landete auf ei-
Werk, die „mit besonnenem einen Zustand des Friedens hin- die bedrohte Gebirgswelt zu er- sierenden Protokollen für Na- lichen Existenz gesichert wer- nem Sportflugplatz im Norden
Mut, mit Klarheit und ihrem fe- einentwickeln und zusammen- halten. Die Länder Österreich, turschutz, Landschaftspflege den müßten. Gleiche ökologi- des Landes. Der Pilot hat um
sten Bekenntnis zur Gewaltlo- wachsen kann". Schweiz, Italien, Frankreich, und Raumordnung, für Verkehr sche Bedeutung komme dem politisches Asyl gebeten. Die
sigkeit" die Führung von der Niedersachsens Ministerprä- Jugoslawien, Liechtenstein und und Tourismus vorgelegt wer- Bergwald zu, dessen Schutz- syrische Regierung erklärte hin-
Unaüsweichlichkeit von Refor- sident Albrecht sprach von ei- die Bundesrepublik einigten den könne. Der erste Schritt sei funktion höchste Priorität ein- gegen, der Pilot sei aus techni-
men zu überzeugen versuchten. nem Weg voller Chancen und sich am Mittwoch zum Ab- getan und der weitere Weg vor- zuräumen sei. In Zukunft sollten schen Gründen notgelandet.
Innen auf diesem Weg zu helfen, Risiken, an dessen Ende eine schluß der 1. Internationalen gezeichnet. Das Ergebnis der auch mehr Projekte einer Um-
hätten Bundesregierung und Überwindung der deutschen Alpenkonferenz in Berchtesga- Konferenz - an der auch Um- weltverträglichkeitsprüfung un-
Parteien zugesagt. Dabei gelte Teilung stehen könne. Entspre- den darauf, bis 1991 eine völ- weltschutzorganisationen teil- terzogen werden.
das Angebot zu einer stärkeren chend feierte Bundestagspräsi- kerrechtlich verbindliche Inter- nahmen - gebe Anlaß zu „reali- Die Umweltminister und Re- Lotto am Mittwoch
Zusammenarbeit nicht erst dentin Rita Süßmuth das „Herz- nationale Alpenkonvention zu stischem Optimismus". gierungsvertreter sprachen sich Ziehung A: 3, 24, 27, 36, 40, 46 Zu-
dann, wenn Reformen bereits stück , Eichsfeldischen Lebens" erarbeiten. Grundlage dafür ist Alle Staaten waren sich einig, satzzahl: 22.
dafür aus, Autos ohne geregel- Ziehung
vollzogen seien, sondern auch, (so Bürgermeister Lothar Koch eine gemeinsame Resolution. eine bäuerlich geprägte Land- ten Drei-Wege-Katalysator so- satzzahl: B: 9.
7, 12, 29, 41, 46, 49 Zu-
um ihnen „auf den Weg zu hel- über das Rathaus) als „Symbol Der Vorsitzende der Konfe- wirtscriaft in den Alpen zu er- bald wie möglich nicht mehr zu- Spiel 77: 2 7 2 7 9 4 8.
fen" . Von Weizsäcker mahnte, für Freiheit und Einheit". renz, Bundesumweltminister halten. Dazu gehörten auch di- zulassen. (Ohne Gewähr)
Nr. 238 Politik Donnerstag, 12. Oktober 1989

Namen und 40-Stunden-Woche Mandela nicht dabei Opposition / Ausschüsse Strenge Kontrolle bei Transport über Grenzen
Nachrichten

Griwas bildet Regierung


Weiter Kritik Südafrika läßt SPD will Rechte
an Haussmann Häftlinge frei festschreiben
Bonn unterzeichnet
Der Vorsitzende des griechi-
schen Obersten
Gerichtshofs,
Griwas (Foto),
Bonn (dpa). Bundeswirt- Johannesburg (dpa). Südafri-
schaftsminister Haussmann kas Präsident de Klerk hat drei
(FDP) hat für seine Forderung Wochen nach seinem Amtsan-
Bonn (dpa). Als Konsequenz
aus „Geheimniskrämerei" und
Giftmüllabkommen
„Blockade" durch Vertreter der
hat von Staats- nach 40stündiger Wochenar- tritt die bedingungslose Freilas- Regierungsparteien bei der Ar- Bonn (dpa). Die Bundesregie- nen wichtigen Beitrag zur Ein-
präsident Sart- beitszeit für Fachkräfte auch ge- sung von acht politischen Häft- beit im U-Boot-Untersuchungs- rung wird die internationale dämmung des „wuchernden, un-
setakis den stern scharfe Kritik von SPDlingen angekündigt. Der zucker- ausschuß des Bundestages for- Konvention unterzeichnen, kontrollierten Abfalltourismus"
Auftrag zur Bil- und Grünen geerntet. Das SPD- kranke Gewerkschaftler Oscar dern die Sozialdemokraten ein durch die der Giftmülltransport bezeichnet. Mit der Rücknah-
dung.einer neu- Präsidium in Bonn warf dem Mi- Mpetha, mit 80 Jahren Senior „Untersuchungsausschuß-Ge- über die Grenzen einer strengen meverpflichtung bei illegalen
en Übergangs- nister vor, „zur Polarisierung der politischen Gefangenen in setz". Dies soll nach Worten des Kontrolle unterworfen werden Müllexporten solle verhindert
regierung bis zu und zur Verhärtung der Fronten Südafrika, wurde am Mittwoch stellvertretenden Vorsitzenden soll. Dies hat das Bundeskabi- werden, daß „Abfälle auf den
den Parla- in einer ohnehin schwierigen als erster auf freien Fuß gesetzt. des Ausschusses, Stobbe, die nett am Mittwoch beschlossen. Weltmeeren herumvagabundie-
mentswahlen Tarifauseinandersetzung" bei- Mpetha war 1985 wegen Terro- Rechte der Oppositionsvertre- Das im März in Basel von 110 ren". Töpfer unterstrich, daß für
am 5. Novem- zutragen. rismus zu fünf Jahren Gefängnis ter festschreiben. Staaten beschlossene Abkom- die Bundesrepublik Abfallex-
ber erhalten. Die Bundesregierung versu- verurteilt worden. Bei Vorlage des Zwischenbe- men soll in erster Linie verhin- porte in Länder der Dritten Welt
Griwas, dessen Berufung allge- che, die Gewichte in der Tarif- Die anderen verbüßen seit richtes über die Ausschußarbeit dern, daß die Länder der Dritten nicht in Frage kämen. Die Bun-
mein erwartet wurde, war seit diskussion zugunsten der Ar- 1964 (in einem Fall seit 1963) aus Sicht der SPD betonte Stob- Welt zur „Müllkippe" der Indu- desregierung praktiziere dies
dem Amtsantritt der Übergangs- beitgeber zu verschieben. lebenslange Freiheitsstrafen be am Mittwoch in Bonn, die strieländer gemacht werden. bereits und werde es bei der Ra-
koalition von Konservativen Der Grünen-Abgeordnete wegen Sabotage. Mit ihrer Frei- Arbeit zar Aufklärung der Lie- Wie das Bundesumweltmini- tifizierung der Konvention ge-
und Kommunisten im Juli Vor- Willi Hoss warf Haussmann lassung ist nach Angaben von ferung von U-Boot-Konstruk- sterium mitteilte, ist nach der setzlich festschreiben.
sitzender des Obersten Ge- vor, er habe „keinen • blassen Justizminister Kobie Coetsee tionsplänen nach Südafrika sei Konvention der Import, der Ex- Die Umweltschutzorganisa-
richts. Dunst von der Wirklichkeit des „in ein paar Tagen" zu rechnen. noch längst nicht beendet. In port und der Transit von Abfäl- tion Greenpeace hat erhebliche
Arbeitsmarktes", wenn er ange- Der prominenteste dieser Grup- der vergangenen Woche hatten len nur zulässig, wenn zuvor Kritik an dem Übereinkommen
sichts von zwei Millionen Er- pe ist der 77 Jahre alte Walter CDU/CSU und FDP erklärt, die alle beteiligten Staaten infor- geübt und bemängelt, daß es
Stoibers ARD-Kritik werbslosen von „einem leerge- Sisulu, ehemaliger Generalse- Ausschußarbeit könne abge- miert wurden und zugestimmt nicht das von vielen Staaten ge-
Der bayerische Innenminister fegten Arbeitsmarkt" spreche. kretär der Befreiungsbewegung schlossen werden. haben. Der Export in Staaten, forderte Exportverbot für Gift-
Edmund Stoiber (CSU) hat kriti- FDP-Sprecher Goebel nannte Afrikanischer Nationalkongreß Nach Ansicht des SPD-Ob- die nicht die Konvention unter- müll in die Dritte Welt enthalte,
siert, daß im ARD-Fernsehen die Reaktionen „polemisch". (ANC). manns im Ausschuß, Gansei, zeichnet haben, ist grundsätz- sondern eine „weltweite Geneh-
„ein wichtiges Stück öffentlicher SPD, Grüne und Teile der CDU Der anglikanische Erzbischof gibt es dagegen noch eine Un- lich verboten. Müllexporteure migung mit gewissen Einschrän-
Meinungsmacht in den Händen mogelten sich damit „an einer von Kapstadt, Desmond Tutu, zahl ungelöster Fragen. Er sieht oder ihre Regierungen sind ver- kungen" darstelle. „Mit etwas
des Westdeutschen Rundfunks ernsthaften Diskussion über kündigte in einer ersten Reak- es als erwiesen an, daß Südafri- pflichtet, die Abfälle zurückzu- mehr Papier- und Genehmi-
in Köln" liegt. Er schlug vor, pauschale Arbeitszeitverkür- tion „die Fortsetzung des Kamp- ka mit Know-how für den Bau nehmen, wenn der Export illegal gungsaufwand kann das große
künftig auch andere ARD-An- zungen und ihre negativen Fol- fes" um die Freilassung Nelson von modernen U-Booten ver- erfolgt oder scheitert. Giftverschiebungsgeschäft also
stalten mehr über wichtige na- gen für Arbeitsmarkt und Ge- Mandelas und anderer politi- sorgt werden sollte. Umweltminister Töpfer (CDU) weitergehen", heißt es in der
tionale und internationale The- samtwirtschaft vorbei". scher Häftlinge an. Siehe auch Kommentar hat das Übereinkommen als ei- Greenpeace-Stellungnahme.
men berichten zu lassen. Dies
wäre „ein Gewinn für die ARD
und die demokratische und fö-
derale Vielfalt". Verfassungsklage gegen Ausländerwahlrecht
Gegen Gammeldienst
Der Wehrbeauftragte des Bun-
destages, Weis-
kirch, hat für
Union fürchtet Verlust
die in der Bun-
jdeswehr üben-
| den Reservi-
I sten ein „wohl-
„nationaler Identität"
' durchdachtes Karlsruhe (dpa). Das in Kommunalwahl im März 1990
Programm" ge- Schleswig-Holstein eingeführte beteiligen. Das Bundesverfas-
fordert, das Kommunalwahlrecht für Aus-sungsgericht wird seine Ent-
1 Gammeldienst länder bedeutet nach Auffas- scheidung heute verkünden.
lausschließt. sung der CDU/CSU die Preisga- Schleswig-Holstein und Ham-
jLaut Weiskirch be der „nationalen Identität". burg hatten das Ausländerwahl-
[beklagten sich Der Justitiar der CDU/CSU- recht. - in unterschiedlicher
«immer wieder
Bürger bei ihm, die in ihren Re-
serveübungen keinen Sinn se-
hen und im nachhinein bedauer-
• Ä f e >*»; Bundestagsfraktion, Langner, Form - im Februar dieses Jahres
sagte am Mittwoch in der münd- eingeführt. Nach der schleswig-
lichen Verhandlung vor dem holsteinischen Gesetzesnovelle
Bundesverfassungsgericht, das haben nur_ .dänische, irische,
ten, den Dienst nicht verweigert Wahlrecht sei in der. Demokra- niederländische, norwegische,
zu haben. tie i,tier entscheidende Integra- schwedische und Schweizer
tionsfaktor für das Staatsvolk": Staatsbürger das Wahlrecht, so-
Demnach könne das Wahlrecht fern sie seit mindestens fünf
Roter Stern erlischt auch nur deutschen Staatsange- Jahren in der Bundesrepublik
Die Beleuchtung des riesigen ro- hörigen zustehen. leben. Das Hamburger Wahl-
ten Sterns, der das Parlaments- Der Zweite Senat des Karlsru- recht geht erheblich weiter.
gebäude in Budapest krönt, soll her Gerichts berät über Verfas- Für die Kieler Landesregie-
am Nachmittag des 23. Oktober, sungsklagen der CDU/CSU- rung wandte sich Innenminister
dem Jahrestag des Beginns des Bundestagsfraktion sowie über Bull (SPD) entschieden gegen
Ungarnaufstands von 1956, er- ihren Antrag, das in Schleswig- den Vorwurf, das Gesetz versto-
löschen. Das berichtete die un- Holstein eingeführte Auslän- • ße gegen das „Prinzip der Volks-
garische Nachrichtenagentur
MTI. Der 23. Oktober wird SPD-Chef Vogel dringt auf rasche Hilfe für Polen derwahlrecht mit einer einst- souveränität". Dies sei schon
weiligen Anordnung auszuset- schon deshalb unzutreffend,
künftig in Ungarn als nationaler Für unverzügliche Hilfe an Po- machen, „etwas versäumt" zu Polnischen Vereinigten Arbei- zen. Die Union will damit ver- weil das Ausländerwahlrecht in
Gedenktag gelten. len hat sich SPD-Parteichef Vo- haben. Vogel zeigte sich grund- terpartei (PVAP), mit der die hindern, daß sich Ausländer zahlreichen europäischen Staa-
gel ausgesprochen. In den kom- sätzlich zufrieden mit den Er-SPD eine ständige Arbeitsgrup- dort bereits an der nächsten ten seit langem anerkannt sei.
Ehrlicher DDR-Übersiedler menden Monaten falle dort die gebnissen der weitgehend abge- pe unterhält. Die „einschneide-
Entscheidung auf wirtschaftli- schlossenen Regierungsver- nen Veränderungen" in Polen
Überrascht war ein DDR-Über- chem Gebiet, ob der Reformpro- handlungen zwischen Bonn und gäben Anlaß zu fragen, welche Haussmann: Durchbruch Drogenmafia / Zeitung
siedler in Ahrweiler, als er eine zeß gelinge oder scheitere, sagte Warschau. Der Oppositionsfüh- Folgerungen die SPD daraus zie-
Kleiderspende des Technischen Vogel am Mittwoch in War-rer überbrachte Mazowiecki hen werde, sagte er. Wenn sich
Hilfswerks für sich und seine schau nach Gesprächen mit Mi- Grüße des Kanzlers. Auf deutli- die Kommunisten in eine sozial-
Frau genauer betrachtete: In ei- nisterpräsident , Mazowiecki che Distanz ging der SPD-Vor- demokratische Richtung ent- EG einig über Zwei Angestellte
ner Handtasche entdeckte er (links) und weiteren Vertretern sitzende, der sich am Vortag mit wickeln sollten, so würde er dies
Pfandbriefe im Wert von mehre- der neuen Führung. Jedes Pro- Arbeiterführer Lech Walesa begrüßen. Gestern wurde eben- Fusionskontrolle erschossen
ren tausend Mark. Daraufhin jekt helfe Polen jetzt „in seiner und den wichtigsten Vertretern falls bekannt, daß die SPD-nahe
brachte der Mann die zu groß- schwierigsten Phase". Bei einem der im Parlament vertretenen Friedrich-Ebert-Stiftung in Luxemburg (dpa/vwd). Die Bogota (dpa). Mutmaßliche
zügig geratene Spende sofort in weiteren Zögern könne sich der Solidarität-Fraktion getroffen Warschau eine Vertretung er- Wirtschaftsminister der Euro- Mordkommandos der Rausch-
die Kleiderausgabe zurück. Westen einmal bittere Vorwürfe hatte, zu der kommunistischen öffnen wird. (dpa-Funkbild) päischen Gemeinschaft (EG) ha- giftmafia haben am Dienstag in
ben sich in Luxemburg auf die der kolumbianischen Millionen-
Für UNO-Umweltcorps Grundzüge einer EG-weiten Fu- stadt Medellin zwei leitende
Zum Schutz der von der Ausrot-
SED-Gespräch mit Opposition in Dresden sionskontrolle geeinigt. Bundes- Angestellte der Zeitung „El
wirtschaftsminister Haussmann Espectador" erschossen. Bereits
tung bedrohten sprach von einem Durchbruch. im September dieses Jahres war

Teilnahme Modrows gefordert


afrikanischen Andere Delegationen sehen das Gebäude der Zeitung bei ei-
Elefanten hat noch Differenzen. Die EG-Kom- nem Bombenanschlag schwer
der Vorsitzen- mission soll künftig Ünterneh- beschädigt worden. Das Blatt
de der Jungen mensfusionen kontrollieren, setzt sich seit Jahren für energi-
Union, Bohr, wenn dej Umsatz mehr als zehn sche Maßnahmen gegen die
den Einsatz ei- Fortsetzung sondern nun auch in Ostberlin, en?" Hermlin schloß sich der Milliarden DM beträgt. Drogenmafia ein.
nes UNO-Um- Die DDR-Kirchenleitung un- Magdeburg und in anderen Kritik seines Kollegen Kant an,
weltcorps vor- ter Vorsitz von Bischof Forck Städten ab. In Ostberlin machte, der am Montag die Berichter-
§eschlagen. begann gestern nach Angaben wie RIAS-TV meldete, die FDJ- stattung der DDR-Medien über HESSISCHE/NIEDERSACHSISCHE
chlecht ausge- des Berliner Senders RIAS-TV Bezirksleitung in der Nacht zum die Demonstrationen anläßlich Verlagsleityng . .
rüstete Wild- Verhandlungen mit der SED- Mittwoch den oppositionellen des 40. Jahrestages heftig gerügt ALLGEMEINE Dr Dietrich Batz, Rainer Dierichs, Wigbert
hüter führten Führung vorrangig über die Gruppen in der Stadt ein Ge- hatte. Die DDR verfüge über H. Schacht. Anzeigenleiter•• Horst Prehm.
oft einen aus- eine Presse und ein Fernsehen, Vertriebsleiter1 Gerd Lütiring.
Freilassung der bei den Demon- sprächsangebot. Herausgeber
sichtslosen Kampf gegen die strationen vom Wochenende Der Generalsuperintendent „die einer fortgeschrittenen fort- Rainer Dierichs, Dr Dietrich Batz, Verlag Dierichs GmbH & Co KG, Frankfur-
modern ausgestatteten Wilde- Festgenommenen. In Dresden der evangelischen Kirche von schrittlichen Gesellschaft nicht Achim von Roos ter Str 168, Postfach 10 10 09, 3500 Kas-
rerbanden. Nur eine weltweite sind offenbar noch nicht alle Berlin-Brandenburg, Krusche, würdig sind", sagte Hermlin. sel, Ruf 05 61 / 20 3-0 Tel. Anzeigenan-
Zusammenarbeit biete Aussicht Chefredakteur nahme 05 61 / 20 3-3 Fernschreib-Nr
Menschen, die sich in Polizeige- sprach gestern von Hinweisen, Ein wesentlicher Punkt der Lothar Orzechowski 99 635. Telekopierer 05 6T /20 36. Teletex
auf eine wirksame Unterbin- wahrsam befinden, wieder ent- daß in einigen Bezirken der DDR Kritik am Staat ist offenbar die 5618110. Postgirokonto 155132-608
dung der Wilderei und der Aus- lassen worden. die Anerkennung der Bürgerbe- Informationspolitik der Regie- Stellv Chefredakteure Frankfurt/M. Anzeigenpreisliste Nr 29 Mo-
rottung vieler Tierarten. wegung „Neues Forum" kurz rung, die auch Hager erwähnte. Wolfgang Rossbach, Peter M. Zitzmann natlicher Abonnementspreis DM 25,60 inkl.
In Dresden setzen die Refor- bevorstehe. Wie es hieß, hat Anfang der Verantwortliche Redakteure Zustellung und 7 % MwSt (Postbezugs-
mer offenbar weiter auf SED-Be- Woche die Parteigruppe der Ge- Chef vom Dienst: Horst Kröninger Chef preis 28,50 DM)
Reps müssen raus zirkschef Modrow, der nach ih- neraldirektion für Unterhal- chen Nachrichten: Rainer Merforth. Politik. Jo- Die Beendigung des Abonnements ist nur
ren Forderungen bei dem näch- Hermlin für Zulassung tungskunst in einer Sonderver- Prater Blick in die Zeit: Walter mit schriftlicher Kündigungserklärung unter
Die Gewerkschaft Holz und sten am 16. Oktober geplanten Schütz. Wirtschaft und Sozialpolitik. Horst Einhaltung einer Frist von ^einem Monat
Kunststoff (GHK) will als erste Gespräch mit Bürgervertretern sammlung die „Diskrepanz zwi- Seidenfaden, Kultur Dirk Schwarze, Frau zum Monatsende möglich; die Frist läuft ab
DGB-Gewerkschaft Mitglieder dabei sein soll. Modrow hatte, DDR-Schriftsteller Hermlin, schen serer
der Selbstdarstellung un- u. Reise; Ilse Methe-Huber Sport: Rolf Wie- Zugang der schriftlichen KündigungserMä-
Gesellschaft und subjekti- semann, i. V, Ulrich Fuhrmann Sonntags- rung
der Republikaner ausschließen. kürzlich bei seinem Besuch in seit Jahren treues SED-Mit- zeit: Frank Thonicke Kassel Stadt und
Ein GHK-Kongreß beschloß der Bundesrepublik ebenfalls glied, hat sich inzwischen dafür ven Erfahrungen" zur Diskus- Land: Wolfgang Rossbaoh, Bezirksredak- Auflage werktags über 270 000 Exemplare
ietzt einstimmig, damit ein ein- die Notwendigkeit von Ände- ausgesprochen, die Opposi- teter sion gestellt. Von gut unterrich- tionen: Peter M Zitzmann. Koordination in Tarifgemeinschaft mit „Oberhessische
deutiges politisches Signal zu rungen in der DDR unterstri- tionsgruppe „Neues Forum" zu- Medienpolitik Seite verlautete, da's für die Helmut Lehnart Hessen/Niedersachsen Presse" Marburg, ..Hersfelder Zeitung"
setzen und allen Tendenzen ei- chen. zulassen: In einem Interview verantwortliche Eberhard Heinemann Chefreporter' Karl- „Werra-Rundschau" Eschwege „Harzku-
Politbüro-Mitglied Joachim Hermann Huhn Sonderthemen Peter rier" Herzberg *
ner schleichenden Gewöhnung Gesprächsbereitschaft staatli- sagte er, er kenne die Personen Herrmann (60) sei auch in der Ochs. Auflage „Sonntagszeit" über 200 000
an die Existenz der Partei und cher Vertreter mit reformwilli- nicht, die das Manifest unter- obersten Parteiführung nicht Redaktion Wiesbaden Rolf Effenberger Exemplare
deren Verharmlosung entge- gen Bürgern zeichnet sich nicht zeichnet hätten, „aber warum mehr unumstritten. Redaktion Hannover Harald Birkenbeul Herstellung Druckhaus Dierichs
genzutreten. nur in Dresden und in Leipzig, sollte ich ihnen nicht vertrau- Redaktion Bonn Hans Ludwig Lauert Frankfurter Straße 168 3500 Kassel
Nr 238 Themen des Tages Donnerstag, 12. Oktober 1989

DDR / Glasnost? DDR: Lücken in Betrieben / Warum sie abhauen


Optische
Täuschung Was ADN
A,ch ja, den U-Boot-Untersu- bringt, ist Flucht vor ungeliebtem Job
noch. Er ist einer von vielen, die nicht mehr tabu Von unserem Mitarbeiter Peter Gärtner, Berlin
chungsausschuß gibt es auch
sich durch Berge von Papier fres-
sen und ihr mühsames Dasein fri- Von Ingomar Schweiz (AP)
sten. Ginge es nach dem Willen LJie seit Wochen anhaltende bundenen Transportwesen be- Tagen in Ostberlin. Doch auch
der Mehrheit, wäre er bereits sanft -L/ie Selbstkritik ist schonungs- Flucht- und Ausreisewelle vor schäftigt waren. Aus Kleinstäd- bei diesem Problem zeigt sich
entschlafen. Doch die SPD läßt los: „Die Information über die allem junger Menschen aus der ten wie Weimar wird berichtet, die Einheitspartei längst nicht
nicht locker und öffnet wieder ein- Ereignisse der letzten Tage und DDR hat mittlerweile selbst in daß die Busse im öffentlichen mehr als monolithischer Block:
mal die Luken vor ihren Torpedos. Nächte in Dresdens Innenstadt, den DDR-Medien zu einer Nahverkehr seit geraumer Zeit Reinholds Genosse Max
Zeugen der politischen Prominenz die auch unsere Zeitung gestern selbstkritischeren Haltung ge- seltener verkehren würden. Der Schmidt, Direktor des Instituts
sollen aussagen, dieserhalb hat veröffentlich hat, war einseitig führt. Offener als noch vor we- „Deutschen Reichsbahn", wie für Politik und Wirtschaft, ist
die Opposition sogar die Karlsru- und vermittelte ein falsches nigen Wochen werden öffent- die Eisenbahn im anderen deut- immerhin noch dafür, allen die
her Verfassungsschützer angeru- Bild". Mit diesem Satz distan- lich die Verluste beklagt, die schen Staat immer noch heißt, Tür zur Rückkehr offenzuhal-
zierte sich die Dresdner Ost- insbesondere der Wirtschaft zu fehlen Lokführer, Rangierer, so- ten. Und Beobachter registrie- KURT HAGER
fen. Auf deren Spruch darf man
gespannt sein, denn er könnte CDU-Zeitung „Die Union" von schaffen machen. Im DDR-Fern- wie Zugbegleiter. ren deutliche Anzeichen, daß (dpa-Funkbild)
endlich Bewegung in ein erstarrtes einem Text, den sie offensicht- sehen beklagt ein Kombinatsdi- Eine erste Untersuchung auf sich die Position Schmidts wohl
Szenarium bringen. lich ungeprüft von staatlichen rektor, daß jeder, der in den We- Kombinatsebene (landwirt- in absehbarer Zeit durchsetzen
Stellen übernommen hatte. Dar- sten gehe, an seinem Arbeits- schaftliche und industrielle werde. SED-Chefideologe
Glaubt man staatsbürgerlichen in waren Demonstranten, die platz eine Lücke hinterlasse, die Großbetriebe) förderte auf-
Handbüchern, stellt,der Untersu- anläßlich des 40. Geburtstages „nur durch Mehrleistungen an- schlußreiche Erkenntnisse zu
chungsausschuß ein Kontrollin- Überrascht wurden Woh-
strument der Abgeordneten ge-
der DDR mehr Demokratie ge- derer zu ersetzen" sei.
fordert hatten, „rowdyhafte,
Tage: Danach verließen aus Be- nungssuchende DDR-Bürger in Ein „Hardliner"
genüber Regierung und Verwal- trieben, wo es gut läuft und der der letzten Woche von einer
tung dar. In der Praxis funktioniert
staatsfeindliche und verfas- Plan regelmäßig erfüllt wird, Meldung der Nachrichtenagen-
sungswidrige Aktionen" vorge- Das gelingt allerdings längst kaum Arbeiter das Land. Ganz tur wird weich
es jedoch nur in den seltenen Fäl- worfen worden. nicht überall. Vor allem im ADN, die in allen Tageszei-
len, wo sich die nach dem Partei- Dienstleistungsbereich und anders sieht es hingegen in Ar- tungen zwischen Wismar und JVlit seinen 77 Jahren
erischlüssel zusammengesetzten In der DDR ist nach dem run- beim privaten Handwerk sind beitsstätten aus, in denen weder Weimar zu lesen war: Darin scheint der Chefideologe und
Mitglieder einig sind. Bei der Affäre den Jubiläum der Staatsgrün- die Abgänge im ganzen Land zu die Rationalisierung noch die wird berichtet, daß häufig die „Hardliner" in der SED, Kurt
f^arschel war das so und1 wurde dung das Glasnost-Zeitalter an- spüren: Ein Bäckermeister läßt vorgegebenen Produktionsan- Frage gestellt werde, „was mit Hager, doch noch'beweglich:
zürn Ereignis. Meistens ' freilich gebrochen. Zwischen den Zei-sich nicht so einfach ersetzen. forderungen halbwegs ihren den freigewordenen Wohnun- In einer Art Kehrtwendung
spaltet sich das Gremium in Mehr- tungen in der DDR ist ein Mei- Im Ostberliner Stadtbezirk Gang gehen. Dort seien gleich gen geschieht, deren bisherige hat der gelernte Journalist
heit und Minderheit. Das Sagen nungsstreit ausgebrochen, Ta- Prenzlauer Berg haben binnen „scharenweise" Werktätige Bewohner illegal die DDR ver- sich nun für Erneuerungen in
und das letzte Wort hat die Mehr- buthemen werden offen disku- 20 Tagen allein sieben Gaststät- nicht an ihren Arbeitsplatz zu- lassen" hätten. Zugleich wird der DDR ausgesprochen. Der
heit. Die Minderheit muß sich mit tiert, journalistisches Selbstver- ten zumindest vorübergehend rückgekehrt. von ADN das angebliche Ge- seit mehr als drei Jahrzehn-
der Rolle eines kritischen Kommen- ständnis lehnt sich deutlich ge- schließen müssen, weil Kellner Zurückkehren sollen die Aus- rüchtdementiert, „daß derartige ten für Wissenschaft und
tatoren begnügen. gen bisher hingenommene Me- und Küchenpersonal in den We- gereisten bis auf wenige Aus- Wohnungen etwa für einen Kultur zuständige SED-Par-
diengleichschaltung auf. Der sten gingen. nahmefälle allerdings auch haltenZeitraum von einem Jahr freige- teisekretär hatte mit seiner
Daß ein Untersuchungsaus- staatlich gelenkte Informations- würden". Und weiter:
schuß souverän und sachbezogen Dem „Staat der Jugend", wie nicht - trotz aller Lücken. „Den örtlichen Organen wird harten, ideologisch „lupen-
fluß findet vor allem in den Zei- sich die DDR offiziell gern dar- „Nein", sagte der ideologische reinen" Haltung in der Vecr
der Regierung entgegentritt, ist tungen der sogenannten Block- stellt, den Rücken gekehrt ha- Vordenker der SED, das ZK-anheimgestellt, frei gewordene
also eine optische Täuschung. Wie gangenheit bei der Bevölke-
parteien des Landes nicht mehr ben auch tausende von Fachar- Mitglied Otto Reinhold gegen- Wohnungen sofort an neue Mie- rung der DDR bis sogar in
schon die Mehrheitsfraktionen
kommen auch deren Untersucher
so recht sein Ziel. beitern, die im schlecht bezahl- über Journalisten auf eine ent- ter, die daran Interesse haben, seine eigene Partei hinein
dem Kabinett zu Hilfe. Jüngstes ten und mit Schichtarbeit ver- sprechende Frage vor wenigen zu übergeben." mitunter Unmut erregt.
Beispiel für solche Zuarbeit ist, wie Vogel abgeschossen Hager ist ein „Kommunist
das „Celler Loch" zugemauert wur- vom alten Schlag": Der ge-
de. Einig sind sich die Parteien nur bürtige Schwabe war 1930 in
im Unbehagen über die bisherige Am Mittwoch, schoß die die kommunistische Partei
Übung. Mag sein, daß sich das „Neue Zeit" der Ost-CDU den Deutschlands eingetreten.
Selbstgefühl der Parlamentarier Vogel ab: Sie druckte eine Mel- Als Journalist nahm er am
regt, vor allem jedoch, weil Mehr- dung des „Allgemeinen Deut- Spanischen Bürgerkrieg teil,
heit nach Wahlen auch zur Minder- schen Nachrichtendienstes" während des Dritten Reiches
heit werden kann. Daher sind Ge- (ADN) über die Folgen der Mas- arbeitete er in Frankreich
setzentwürfe auf dem Weg, die bis sendemonstrationen der letzten und Großbritannien. 1945
zum Ende der Legislaturperiode Tage nicht wie üblich im Wort- kehrte Hager nach Ostberlin
erledigt sein sollen. Vielleicht laut ab, sondern veränderte sie zurück und wurde Leiter der
kommt auch dazu aus Karlsruhe redaktionell und verbreitete sie Abteilung Parteischulung.
ein klärendes Wort. durchgehend im Konjunktiv. Seit April 1954 gehört Hager
„Volkpolizisten seien tätlich an- dem Zentralkomitee (ZK) der
Alfred Brugger gegriffen worden, mit Steinen, SED an. Seit 1963 sitzt er
Flaschen und Brandsätzen be- auch im SED-Politbüro und
worfen worden", schrieb das damit im Machtzentrum der
Blatt mit Berufung auf die amtli- DDR. In-den DDR-Staatsrat
Schmerzlich* che Nachrichtenagentur.
Gleichzeitig strich die Redakti-
kam Hager 1976.

Fragen on die Bezeichnung der Demon-


stranten als „Randalierer, aufge-
Als Chefideologe der Par-
tei hat Hager über die „Rein-
heit" der Lehre zu wachen.
putschte Störer und kriminelle
Elemente", wie sie in der von Er hatte sich immer wieder
Die Konservativen in Blackpool ADN verbreiteten „Information gegen „Abweichungen" jeder
Art gewandt. Die Bedeutung
gehen nach der Devise vor: „Busi- der Presseabteilung des Mini-
ness as usual" - Geschäft wie üb- sterium des Inneren" genannt der neuen Politik in der So-
lich. Der Parteitag läßt sich nichts werden. wjetunion für die DDR hatte
anmerken und behandelte am Mitt- Hager bislang mit einem Bild
woch Umweltfragen und das Dro- In der Forderung nach einem abgetan: „Würden Sie, wenn
genproblem. Dabei ist den Dele- Dialog zwischen dem Staat und Ihr Nachbar seine Wohnung
gierten wie den Bürgern klar, daß seinen unbequemen Kritikern neu tapeziert, sich verpflich-
die Konservativen an einem Kreuz- sind sich alle Blätter einig. Über- tet fühlen, Ihre Wohnung
punkt angelangt sind. In zentralen all sind Leserbriefe wie der des ebenfalls neu zu tapezieren?"
Punkten ihrer Politik hat die Regie- Stadtabgeordneten Gerd Gor- (dpa)
rung in letzter Zeit und sogar in dalla in der „Leipziger Volkszei- Stärker als Beton (Aus: Kölner Stadt-Anzeiger / Pielert)
den letzten Tagen schwere Rück- tung" abgedruckt: „Wenn wir
schläge hinnehmen müssen. Das etwas verändern wollen, und
bisher „starke" Pfund, der stolz das wollen wir, dann brauchen Parteitag in Blackpool wartet auf Rechtfertigungsrede
Margaret Thatchers und ihres wir jetzt eine Atmosphäre, die
Schatzkanzters Nigel Lawson, ist durch Dialog und gemeinsames Presse-Echo
erschreckend weich geworden. Handeln geprägt ist".
Die gewohnte Kur schlägt nicht In der „Neuen Zeit" zeigt sich
mehr an. Die britische Wirtschaft der Dresdner Otto Wuttke ent-
scheint Einwirkungen von außen täuscht darüber, daß das Blatt
schutzlos ausgeliefert zu sein. zur Massenflucht von DDR-
Bankrotter Schatzkanzler? Mit der Kritik an Äußerungen von Mini-
ster Haussmann zur Arbeitszeit befaßt
sich die in Hagen erscheinende •'"

Bürgern in den Westen nur ei- Von unserem Korrespondenten Klaus Kämpgen, London
Das hat beträchtliche Verwir- nen ADN-Kommentar abge- WESTFALENPOST
rung ausgelöst. Jetzt stellt sich die druckt habe. In der „Sächsi-
Frage, warum Großbritannien nicht schen Zeitung" wird der Genos- it nervöser Spannung er- nach London geeilt? Führte er kündete er. Folgsam wandten Innerhalb weniger Wochen
(angst dem europäischen Wäh- se Erwin Lawrenz vom Dresdner warten die britischen Konserva- etwa in seinem Ministerium Kri- sich die Delegierten dem dich- hat sich der Bonner Wirt-
rungssystem beigetreten ist undKombinat Robotron so zitiert: tiven die große Verteidigungsre- sengespräche? ten Programm und den laufen- schaftsminister Haussmann
damit die Hilfe seiner Nachbarn in „Nach meiner Auffassung wäre de von Schatzkanzler Nigel Reporter und Fotografen den Projekten der Regierungs- zweimal zu Dingen geäußert, die
Anspruch nehmen könnte. Was ist es gut, wenn die Parteiführung Lawson, die er heute auf dem spürten ihn schließlich in sei- politik zu. ins Hoheitsgebiet der Tarifpart-
aus dem stolzen Wort Margaret eine klare Antwort auf die Er- Parteitag in Blackpool hält. nem Landhaus auf, in der Ent- Labour hat inzwischen dazu- ner fallen. Schon beim ersten
Thatchers geworden, ihre Regie- eignisse geben würde, auf die Margaret Thatchers Finanzmi- fernung von zweieinhalb Stun- gelernt, aber bisher war es im- Mal ist er auf heftige Kritik ge-
rung werde dem EWS beitreten, Fragen und Probleme, die uns nister ist dem Parteivolk wie den Fahrt. Der Minister feilte mer so, daß die Parteitage der stoßen. Aber das war natürlich
wenn.die Situation „reif" sei. Ist sie bewegen und die von uns immer auch den Wählern eine ausführ- seine Rede zurecht, wie immer Labour-Partei Veranstaltungen überflüssig. Der Wirtschaftsmi-
nun „reif"? Kritik und Selbstzweifel wieder angesprochen wurden. liche Rechtfertigung für die in letzter Minute. „Lassen sie zur gegenseitigen Zerfleischung nister darf... sagen, was er in
richten sich aber auch gegen bis- So tun, als ob es die nicht gäbe, jüngsten Konsequenzen seiner mir meine Ruhe", bat Lawson waren, während sich die Torys einer bestimmten Konjunktkur- ]
her feste Glaubenssätze. Wie ist stärkt nicht unsere Reihen, son- Finanzpolitik schuldig. Denn die die Belagerer. Für ein Foto trat auf ihren Konferenzen nur der läge für richtig und falsch hält,
es möglich, daß die Tory-Regie- dern schwächt sie". abermalige Heraufsetzung der er kurz vor die Tür. Fragen be- Welt präsentierten, diszipli- was seinen Interessen ent-
rung nach zehn Jahren in diese Zinsen trifft wieder Millionen antwortete er nicht. Dann war niert, wohlgelaunt, Beifall spen- spricht. Unternehmen und Ge-
Krise geraten konnte, daß sie die von Hauseigentümer. zu beobachten, wie er ruhelos dend und Thatcher-treu. Des- werkschaften werden klug ge-
Inflation nicht senken und die Han-
Ungewöhnliche Töne Dabei scheint die Maßnahme hinter dem Fenster auf und ab halb verwundert es nicht, daß nug sein, in den Verhandlungen
delsdefizite nicht beseitigen kann? ihren Zweck verfehlt zu haben. schritt. „In seiner Qual", wie ei- die „Krise" während der offiziel- nicht die Interessen von Herrn
War es wirklich eine Art „Wirt- Der Wert des Pfundes ist weiter ner der Zeugen konstatierte. len Sitzungen keinerlei Rolle Haussmann zu vertreten...
schaftswunder", das Margaret Ungewöhnliche Töne für gesunken, und nun erwarten Vor den Delegierten trat der spielt. Diskussionen darüber
Thatcher bewirkt hat? Oder ist der DDR-Zeitungen, die plötzlich alle Briten Lawson-Hinweise Parteivorsitzende Kenneth Ba- fanden nicht statt. Die schlim- Zur Buchmesse schreibt die
Boom der vergangenen Jahre mit selbstkritisch eine offene Me- darauf, wie es weitergehen soll. ker mannhaft für Lawson und men Wörter „Zinsrate" und Frankfurter
gefährlichen Mitteln erzielt worden, dienpolitik fordern. In der Zei- Im Hintergrund drohen steigen- seine umstrittene Finanzmaß- „Pfund" wurden einfach nicht
was sich jetzt rächt? Das sind tung des Freien Deutschen Ge- de Inflation, neue Arbeitslosig- nahme ein. „Er scheute nicht vor ausgesprochen.
schmerzliche Fragen, die die ge- werkschaftsbundes (FDGB), keit, vielleicht gar wirtschaftli- dem zurück, was er tun mußte", In den Nebenfäumen dage-
Neue Presse
genwärtigen Unzufriedenheiten „Tribüne", schreibt die Ostberli- cher Niedergang. erklärte Baker, und in den sich gen, wo die Delegierten zusam- <?••» i Jüwttr
etwa mit dem Zustand des Ge- ner Schauspielerin Ursula Wer- Niemand glaubt ernstlich, daß steigernden Beifall donnerte er: menstanden, heizten sie die Ge- Buch Neben dem Auto gehört dem
sundheitswesens und des Ver-ner: „Wir sind beunruhigt über die Regierung noch einmal an „Manche Leute sagten, er würde spräche auf. Nigel Lawson war der größte Salon des Jah-
kehrssystems potenzieren. den Widerspruch in der Dar-der Zinsschraube dreht. Nigel seine Entscheidung bis nach nicht nur Gegenstand der Kri- res. Das hat mit dem Flair, dem
stellung unserer Wirklichkeit in dem Parteitag zurückstellen. Ein Klatsch, dem Charme der Bran-
Klaus Kämpgen, London offiziellen Reden und den Me- Lawson scheint am Ende seines solches Verhalten aber wäre be- tik. Viele Konservative vereh- che zu tun. Auch wer sonst
Lateins zu sein. „Der bankrotte ren ihn in seiner körperlichen kaum liest, möchte die Protago-
dien und der täglich zu ertleben- Schatzkanzler" verkündete mit wußte Täuschung und unver- Massigkeit, die Selbstvertrauen
den Realität". Es sei ein großer gewaltiger Schlagzeile der sonst antwortlich gewesen. Leute, die und Nervenstärke vermuten nisten leibhaftig sehen. Das
Vertrauenssschwund eingetre- treu-konservative „Daily Tele- so handeln, sind wir nicht." läßt. Die Entscheidungen Law- Buch
werbung
kommt in seiner Selbst-
schon lange nicht
Das Zitat ten, der Sorgen mache. Ver-graph" zum Beginn des Partei- Baker gab dem Parteitag, was sons mögen seit einiger Zeit um-
schiedene Theater in der DDR tags. So nervös war die Stim- er jetzt hören wollte und rief stritten sein, aber der Finanzmi- mehr ohne Medienrummel
aus ... Die Klagen über Lese-Un-
„Mir sind die Optimisten lieber: hätten das in den vergangenen mung am ersten Tag der Zusam- dazu auf, schon die nächsten nister war noch immer so be- lust, literarischen Analphabe-
Menschen, die alles halb so Tagen in Erklärungen ausge- menkunft in Blackpool, daß die Wahlen ins Auge zu fassen und liebt, daß sich Frau Thatcher lie- tismus und Buchhändler-Ster-
schlimm und doppelt so gut fin- drückt, die in den Foyers aus- Abwesenheit Lawsons sofort sich auf den Gegner, die Labour- ber nicht von ihm trennte - trotz ben wird man sechs Tage lang
den." hingen, schreibt die Schauspie- entdeckt wurde und besorgte Partei, zu konzentrieren. „Der der Meinungsverschiedenhei-
lerin. Fragen auslöste. War er zurück Kampf ist schon im Gange", ver- ten, über die man munkelt. vergessen. Sechs Tage lang tun
Heinz Rühmann wir so, als ernährten wir uns
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Bürgermeister / Hefsfeld
Kinostart IO Metall Deutschland Bluttat Fußball Zum Tage
Weg frei für Neuer Offensive Immer 3 Tote Freispruch Späte Ehre
Boehmer-Abwahl Asterix für Frauen beliebter in Ulm für Bits Wolfgang Paul ist der 20. Deut-
Bad Hersfeld (hpn). Die Stadt- sche, der den Physik-Nobelpreis
verordneten von Bad Hersfeld Ein neuer Aste- Die IG Metall will Das Fremdenver- Grausige Bluttat Dieter Eilts vom erhält - doppelter Grund zum Ju-
haben gestern abend entschie- rix-Film kommt Frauen, die in den kehrsgewerbe ist in Ulm: Ein 16jähri- Fußball-Bundesligi- beln. Der rüstige Rentner ist über
den, den am 28. September mit rechtzeitig zum 30. untersten Lohn- hoch zufrieden: Die ger schnitt seiner sten Werder Bre- die späte Ehre sicherlich genauso
den Stimmen von CDU und NPD Geburtstag der Co- gruppen tätig sind, heimischen Ferien- Tante und Pflege- men ist nach seiner überrascht wie die Fachwelt. Doch
wiedergewählten Bürgermeister mic-Serie in die Ki- zur besseren Einstu- gebiete waren 1989 mutter sowie deren roten Karte in der an der Berechtigung der Auszeich-
Hartmut Boehmer abzuwählen. nos. In „Operation fung verhelfen. Ge- so beliebt wie lange zwei Töchtern, 11 Begegnung beim nung wird wohl niemand Zweifel
Entsprechende Anträge von Hinkelstein" haben plant ist es, betroffe- nicht mehr. Exper- und 14 Jahre alt, die VfL Bochum am hegen. Es ist schon öfter das
CDU und Grünen wurden von es die unbeugsamen ne Arbeitsplätze in ten sprechen bereits Kehle durch. Das letzten Samstag ge- Schicksal von Grundlagenfor-
der SPD unterstützt. Die drei Gallier mit einem Schwerpunktbetrie- von einem neuen Motiv des jugendli- stern durch das schern gewesen, daß man die
NPD-Abgeordneten stimmten üblen Scharlatan zu ben den nächsten Trend zum Urlaub chen Täters blieb Sportgericht des Tragweite ihrer Arbeiten erst er-
dagegen. Am 16. November fin- tun, der sich als Se- Monaten zu über- in Deutschland. Sie- zunächst unklar. DFB freigesprochen kannte, als andere Wissenschaftler
det der erforderliche zweite her ausgibt. Kritik prüfen. Siehe Wirt- he auch „Blick in die Siehe auch „Blick in worden. Siehe bedeutende Anwendungen ent-
Wahlgang für die endgültige im Kulturteil. schaft. Zeit". die Zeit". Sport. wickelten. Insofern ehrt es das No-
Abwahl statt. bel-Komitee, wenn es die „Urväter"
nicht vergißt.
Mitschuldig sei er, daß man heu-
SED-Erklärung / Bohley skeptisch Karlsruhe: Einstweilige Anordnung te „jeden Dreck messen kann und
die Leute sich darüber aufregen",
* sagte Paul selbstkritisch über sei-
ne Arbeit. In der Tat, vor Erfindung

Bonn: Taten Ausländer dürfen des Massenspektrometers er-


schien unsere Umwelt noch viel
sauberer - die meisten Schadstof-
fe ließen sich einfach nicht nach-
weisen. Doch Pauls Zweifel sind

noch nicht wählen


nicht angebracht, wie man am Bei-

müssen folgen spiel des Trinkwassers erkennen


kann: Gerade der rechtzeitige
Nachweis einer schleichenden
Vergiftung der Brunnen erlaubt es,
Gegenmaßnahmen einzuleiten,
Bonn/Berlin (AP/dpa). Die jüngste Erklärung des SED- Karlsruhe (dpa). Das Bundesverfassungsgericht hat die bevor diese wichtigste Lebens-
Politbüros, in der DDR offen über Probleme zu sprechen und geplante Beteiligung von Ausländern bei der nächsten Kom- grundlage auch späterer Genera-
tionen schlimmer verseucht ist.
gemeinsam nach Lösungen zu suchen, ist in Bonn und bei munalwahl in Schleswig-Holstein im März 1990 untersagt.
Das Gericht erließ gestern auf Antrag der CDU/CSU-Bundes- Segen, nicht Fluch liegt auf die-
der DDR-Opposition mit Zurückhaltung und Skepsis aufge- ser Arbeit. Auch wenn Umweltsün-
nommen worden. tagsfraktion eine entsprechende einstweilige Anordnung. der ganz anderer Meinung sind.
Peter Ochs
Die Bundesregierung und die Schmalz-Jacobsen sagte, einige Damit wird das schleswig- schwerwiegender Nachteil, daß
Bonner Parteien machten am DDR-Führungsmitglieder hät- holsteinische Wahlgesetz, das der mit der einstweiligen An-
Donnerstag deutlich, daß sie zu- tea eingesehen, daß sich etwas eine beschränkte Beteiligung ordnung „verbundene Eingriff in Haussmann-Vorschlag
nächst abwarten wollen, ob den bewegen müsse. von Ausländern bei der Kom- die Gestaltungsfreiheit des .Ge-
Worten Taten folgen. Kanzler- Die Malerin und Mitbegrün- munalwahl vorsieht, außer setzgebers als das kleinere Übel
amtsminister Seiters sagte, in
der Erklärung des Politbüros
„klinge erstmals Betroffenheit
derin der Bürgerrechtsbewe-
gung „Neues Forum", Bärbel
Bohley, sprach von „einem zu- „ICH BIN MITSCHULDIG, daß
Vollzug gesetzt. Das Gericht be-
tonte in der Entscheidungsbe-
gründung jedoch ausdrücklich,
hingenommen werden" tnüsse.
Bundesjustizminister Engel-
hard (FDP) begrüßte die Ent-
Union gegen
an - das ist allerdings auch das
Mindeste, was man erwarten
nächst nur verbalem Einlen-
ken". Die SED-Ankündigungen
man heute jeden Dreck messen
kann und die Leute sich darüber
aufregen" war gestern das Be-
daß damit hoch nichts über die
Verfassungsmäßigkeit des Aus-
scheidung. Gemäß Artikel 20
des • Grundgesetzes müsse alle
40-Std.-Woche
konnte". Neben selbstkritischen stellten noch keinen entschei- länderwahlrechts gesagt sei. Staatsgewalt - vom deutschen
Worten des Politbüros gebe es denden Schritt dar.. kenntnis des frischgebackenen Über diese werde erst im end- Volke ausgehen. Bundesinnen- Bonn (AP). Die von Bundes-
auch nach wie vor sehr orthodo- Der Konsistorialpräsident der Nobelpreisträgers Wolfgang gültigen Urteil über die Verfas- minister Schäuble (CDU) sagte, wirtschaftsminister Haussmann
xe Töne. Evangelischen Kirche in Berlin- Paul. (dpa-Funkbild) sungsklage der Union entschie- die Entscheidung schütze auch (FDP) ins Gespräch gebrachte
Auch das SPD-Vorstandsmit- Brandenburg, Manfred Stolpe, den, das für nächstes Jahr er- die Ausländer vor Enttäu- Rückkehr zur 40-Stunden-Wo-
glied Ehmke sagte, zunächst würdigte die Politbüro-Erklä- wartet wird. schung. Für sie wäre es nur che ist auch bei der Union auf
sollte die weitere Entwicklung rung dagegen als „Einstieg in ei- Physik, Chemie Der Vorsitzende des Zweiten schwer verständlich, wenn sie Ablehnung gestoßen. Der so-
in Ruhe abgewartet werden. nen Gesprächsprozeß". Zwar Senats,- Mahrenholz, sagte in sich zunächst an den Wahlen zialpolitische Sprecher der Bun-
seien „nicht alle Blütenträume den Urteilsgründen, ohne die beteiligten und auch Mandate destagsfraktion, Horst Günther,
Wortlautauszüge aus der Erklä-
rung des SED-Politbüros auf „The-
gereift", doch konkrete Ent-
scheidungen der Staats- und Nobelpreise für einstweilige Anordnung hätten
dem Gemeinwohl „schwere
erringen dürften und anschlie-
ßend ihre Stimmabgabe für un-
sagte gestern zu den von der
Opposition bereits heftig kriti-
sierten Äußerung, die von
gültig erklärt würde.
men des Tages".
Parteiführung deuteten sich an.
Kurt Hager, SED-Chefideolo-
ge, der gestern - für westliche
Deutschen und Nachteile" gedroht. Werde die
Wahlbeteiligung von Auslän-
dern in Schleswig-Holstein zu-
Schleswig-Holstein und Ham-
burg hatten das Ausländerwahl-
„Haussmann geforderte 40-
Stunden-Woche ist unreali-
Wichtig sei, daß das Politbüro
zum ersten Mal „Kenntnis von
Kreise überraschend - zur Eröff-
nung der Kulturtage der DDR
vier US-Bürger gelassen und sollte sich im end-
gültigen Urteil deren Verfas-
recht in unterschiedlicher Form
im Februar dieses Jahres einge-
stisch". Sie entspreche nicht
dem sozialen Fortschritt, den
die Tarifparteien vereinbart hät-
defi Tatsachen genommen" nach Moskau gereist war, er- sungswidrigkeit herausstellen, führt. Die SPD-geführte schles-
wähnte in einem ZDF-Interview Stockholm (AP). Der Bonner würde die Ausländerbeteiligung wig-holsteinische Landesregie- ten. Nicht zuletzt der Produkti-
habe. Der SPD-Politiker Bahr vitätsfortschritt habe die Ar-
meinte, es sei in der DDR ein ausdrücklich die Kirche in der Physikprofessor Wolfgang Paul „nicht nur eine Verfassungsbe- rung bekräftigte gestern ihr Ziel,
DDR als Gesprächspartner bei und sein aus Deutschland ge- stimmung verletzten", sondern die Verfassungsmäßigkeit des beitszeitverkürzung ermöglicht.
Prozeß in Gang gekommen, von
dem sich noch nicht absehen dem angestrebten Dialog mit ge- bürtiger US-Kollege Hans Deh- „das demokratische Prinzip Kommunalwahlrechts bestäti-
lasse, wo er enden werde. Die sellschaftlichen Kräften. melt erhalten zusammen mit gleichsam vom Fundament her gen zu lassen.
FDP-Generalsekretärin Fortsetzung nächste Seite dem Harvard-Professor Norman beschädigen". Dies sei ein derart Siehe auch Kommentar DDR-Flüchtlinge
Ramsey den diesjährigen No-
belpreis für Physik. Paul und
Keine klare Haltung zu DDR-Flüchtlingen Dehmelt wurden für die Ent-
wicklung der Ionenkäfigtechnik Schweden / Angeblicher Palme-Mörder Minister begrüßt
ausgezeichnet, Ramsey für von

An Polens Grenze wird ihm entwickelte Möglichkeiten


zu unvorstellbar genauer Zeit-
messung. Den Nobelpreis für Berufungsgericht setzt Rechtsberatung
Chemie erhielten zu gleichen
weiter zurückgewiesen Teilen der Amerikaner Thomas
Cech und der Kanadier Sidney
Altman für ihre Arbeit auf dem
Pettersson auf freien Fuß Bonn (AP). Bundesjustizmini-
ster Engelhard (FDP) hat den
Vorschlag des Deutschen An-
waltsvereins zur kostenlosen
Warschau (dpa). Die polni- die polnischen Sicherheitsbe- Gebiet der Gentechnik. Stockholm (dpa). Der wegen dung hieß es: „Nach Auffassung Rechtsberatung für.. DDR-
schen Grenztruppen müssen hörden noch immer in kommu- Der 76jährige Wolfgang Paul Mordes an Olof Palme in erster des Oberlandesgerichtes rei- Flüchtlinge, Aus- und Übersied-
nach wie vor illegale Grenzgän- nistischer Hand seien. und der an der Universität des Instanz verurteilte Schwede chen die Ermittlungsergebnisse ler begrüßt und seinerseits den
ger aus der DDR festnehmen Der Sprecher erläuterte aber Staates Washington in Seattle Christer Pettersson (Foto) ist am in diesem Fall nicht für eine Neuankömmlingen Informa-
und ausliefern. Ein Sprecher des weiter, wenn es illegalen Grenz- an der US-Westküste tätige Donnerstag von Verurteilung aus. Christer Pet- tionsmaterial angeboten. „Die
polnischen Innenministeriums gängern gelänge, unentdeckt 67jährige Dehmelt teilen sich der zuständi- tersson wird deshalb auf freien Menschen, die als Übersiedler
erklärte gestern, die Grenztrup- über den Grenzstreifen zu ge- die eine Hälfte des in diesem gen Kammer Fuß gesetzt." und Aussiedler zu uns kommen,
pen hätten bisher keine Anwei- langen, dann könnten sie unge- Jahr mit umgerechnet rund des Stockhol- Eine genaue Begründung für müssen neben den sozialen auch
sung erhalten, ihre bisherige hindert zur bundesdeutschen 882 000 DM dotierten Physi- mer Berufungs- seinen Freispruch veröffentlicht über die rechtliche Belange un-
Praxis, die auf einem Abkom- Botschaft nach Warschau fah- knobelpreises. Die andere Hälf- gerichts auf das Gericht erst bei der für den serer freiheitlichen Gesell-
men mit der DDR von 1969 be- ren. Dort ist die Zahl der ausrei- te bekommt der an der Harvard- freien Fuß ge- 2. November angekündigten Ur- schaftsordnung informiert wer-
ruht, zu ändern. Der Sprecher sewilligen DDR-Bürger wieder Universität in Cambridge im setzt worden. teilsverkündung. Prozeßbeob- den." Sie kämen aus anderen
fügte hinzu, er wisse, daß Au- auf 680 gestiegen. In der Prager US-Staat Massachusetts tätige Das Oberlan- achter erklärten übereinstim- Rechtsordnungen, so daß ihnen
ßenminister Skubiszewski ver- Botschaft halten sich derzeit 50 74jährige Professor Ramsey. desgericht legte mend, die Kammer habe sich die hiesigen Regeln vielfach
schiedene Versprechungen ge- DDR-Bürger auf. Auch der Zu- Seine Entdeckungen haben die sich damit drei wohl die Zweifel an der Aussage noch nicht bekannt seien.
macht habe. Er könne sich aber strom von DDR-Flüchtlingen Entwicklung der Atomuhr mit Tage nach Ab- von Witwe Lisbeth Palme zu ei-
für dessen Zuständigkeitsbe- über die ungarisch-öster- einer Ganggenauigkeit von eins schluß des Re- gen gemacht. Sie hatte als einzi-
reich aber nicht äußern. reichische Grenze hält an. Das zu zehntausend Milliarden Se- visionsverfah- ge Augenzeugin Pettersson als
Skubiszewski hatte am Vor- Grenzschutzkommando Süd re- kunden möglich gemacht. ren auf einen Freispruch für den Täter identifiziert. Da die Quoten vom Mittwochslotto
tag dem SPD-Vorsitzenden Vo- gistrierte von Mittwoch bis 42jährigen Pettersson fest. Der Staatsanwaltschaft aber techni-
Donnerstag 407 DDR-Bürger. Paul, der seine „Ionen-Falle" am 28. Februar 1986 begangene sche Beweise nicht vorlegen Ziehung A: Gewinnklasse I
gel in Warschau offiziell erklärt, in den 50er Jahren „durch 984 630,50 DM; 11 120 661,40 DM;
daß keine DDR-Flüchtlinge Die Bundesregierung mahnte Mord an Schwedens damaligem konnte und Petterssons Anwalt III 3140,80 DM; IV 64,10 DM; V 4,80
Nachdenken und Glück" ent- Ministerpräsidenten muß nun zwei nicht völlig widerlegte Ali-
mehr gegen ihren Willen an die unterdessen eine Zusage der wickelt hatte, war überrascht, DM.
DDR-Grenzbehörden ausgelie- DDR an, den über die Bonner weiter als unaufgeklärt gelten. .bizeugen präsentierte, hatte die Ziehung B: Gewinnklasse I unbe-
daß er nach so langer Zeit noch setzt, Jackpot 965 291,60 DM; II
fert würden. Beobachter erklä- Botschaften ausgereisten DDR- ausgezeichnet wurde. - In der von den sieben Mitglie- Verurteilung zu lebenslängli- 60 330,70 DM; III 5080,40 DM; IV
ren die unterschiedlichen Infor- Bürgern ordnungsgemäßge Aus- Siehe „Zum Tage " und dern der Kammer veröffentlich- cher Haft zu Kritik geführt. 76,90 DM; V 5,10 DM.
mationen mit dem Hinweis, daß reisepapiere auszustellen. Berichte im Kulturteil ten Erklärung zu der Entschei- Siehe auch Kommentar (Ohne Gewähr)
Nr. 239 Politik Freitag, 13. Oktober 1989

Namen und Ost-Timor Studie / Engelhard: Wohnungsnachfrage Fachgespräche mit Prager Kollegen
Nachrichten
Papst ruft zu „Anwälte keine Am Bau herrscht Zimmermann setzt
Für Kat-Einbau gibt's Geld Versöhnung auf Prozeßhansel" Optimismus
Unter dem Motto „Kat sei Dank"
hat Bundesum-
weltminister
Klaus Töpfer
Dili (dpa). Papst Johannes Paul Bonn (AP). Die steigende Flut Bonn (dpa/vwd). Die Bauwirt-
II. hat die 700 000 Einwohner von gegenwärtig jährlich 1,2 schaft will vor dem Hintergrund
des von Indonesien annektier- Millionen Zivilprozessen in der der gestiegenen Wohnungs-
sich für Havel ein
(CDU) gestern ten Inselteils Ost-Timor zu Ver- Bundesrepublik wird nach An- nachfrage für* zügige Baufort- Bonn (dpa/AP). Bundesver- Der Verlag soll während der
eine Werbe- söhnung, Frieden und realisti- sicht von Bundesjustizminister schritte sorgen. Für die kom- kehrsminister Zimmermann Buchmesse gegründet werden.
kampagne für schen Zukunftserwartungen Engelhard nicht durch Rechts- menden Monate herrsche bei (CSU) hat die Prager Regierung
den Katalysa- aufgefordert. Vor etwa 100 000 anwälte verursacht. Sie trügen den Baufirmen „unverändert aufgefordert, den Dramatiker'
tor gestartet. Menschen auf einem vom Meer vielmehr durch außergerichtli- Optimismus vor, sowohl bei der Havel zur Entgegennahme des Dank für Hilfe
Ziel der Aktion und Bergketten umschlossenen che Konfliktlösüng dazu bei, daß Auftragsentwicklung als auch Friedenspreises des Deutschen
ist, Besitzer äl- Platz in Dili forderte er auch die sich nicht noch mehr Bürger vor für deren Realisierung", berich- Buchhandels am Sonntag nach Zimmermann dankte der
terer Autos zu Einhaltung der Menschenrechte Gericht' in die Haare geraten tete der Zenyralverband des Frankfurt reisen zu lassen. Bei Tschechoslowakei für die
bewegen, ihre sowie religiöse und kulturelle und die Justiz belasten. Zu die- Deutschen Baugewerbes am einem Essen mit seinem tsche- „schnelle und unbürokratische
Fahrzeuge Freiheit. Die für Timor Verant- sem Ergebnis kommt eine vom Donnerstag nach einer Schnell- choslowakischen Kollegen Hilfe", die sie den in die Bot-
nachzurüsten. wortlichen „müssen eine ge- Justizministerium in Auftrag umfrage. „Wermutstropfen" sei, Frantisek Podlena protestierte schaft der • Bundesrepublik ge-
Dafür wird es künftig erhebliche rechte und friedliche Lösung der gegebene Untersuchung „Streit- daß der Bedarf an Facharbeitern er gegen die von der CSSR ver- flüchteten pDR-Aussiedlern bei
Fördermittel geben, bis zu 1100 Probleme finden", sagte er. verhütung durch Rechtsanwäl- trotz der steigenden Zahl der ordneten Reisebeschränkungen, der Ausreise geleistet habe. Sie
DM pro Auto. Dili und der Schauplatz der te", die Engelhard am Donners-
Über- und Aussiedler nicht die gegen die allgemein gefor- habe damit ein Zeichen der Hu-
Messe wurden von zahlreichen tag in Bonn vorstellte. habe befriedigt werden können. derte Öffnung der Grenzen ver- manität gesetzt. Hoffen können
stießen. Die Bundesregierung die DDR-Bürger auch auf ihre in
Wieder Messe im Kreml Uniformierten streng kontrol- Die in der Öffentlichkeit häu-
liert. Die Etappe Timor beim fig gehörte Meinung, Rechtsan- sei über die gegen Havel ver- Prag zurückgelassenen Autos.
In der Hauptkathedrade des fünftägigen Indonesienaufent- wälte seien „Prozeßhansel" oder Neue Forderungen hängte Ausreiseverweigerung Die CSSR sei bereit, soverlaute-
„tief betroffen". In einer Zeit, in te aus der CSSR-Delegation,
Moskauer Kreml wird heute halt des Papstes war umstritten.. „Prozeßtreiber" habe«sich nicht der sich Ost und West aufeinan- dieses Problem zu lösen, wenn
zum ersten Mal seit 1918 wieder Indonesien hatte vor 13 Jahren bestätigt, erklärte Engelhard. Er Bund, Länder und Gemeinden der
ein Gottesdienst gefeiert. Wie in einem Krieg, bei dem über würdigte ausdrücklich die Be- müssen nach einer Forderung ders zubewegten, sei es beson- sich die beiden deutschen Staa-
der Sprecher des sowjetischen 100 000 Ost-Timoresen getötet mühungen der 54 000 Anwälte des Deutschen Mieterbundes preis sinnvoll, einen Friedens- ten darüber verständigten.
Rates für religiöse Angelegen- wurden, das Land erobert und um außergerichtliche Streitver- (DMB) Geld für jährlich 150 000 halte esentgegenzunehmen. Er
für notwendig, daß die Bei den Fachgesprächen der
heiten, > Smirnow, sagte, wurde annektiert. Die katholische Kir- hütung. neue Sozialmietwohnungen be- Regierung Entscheidung beiden Minister wurde nach
diese einmalige Feier anläßlich che Indonesiens, mit knapp fünf Der Präsident der Bundes- reitstellen. In Lübeck nannte noch einmal ihre überdenke. Mitteilung des Ministeriums
des 400jährigen Bestehens des Millionen Gläubigen unter 180 rechtsanwaltkammer, Klaus Mieterbund-Direktor Helmut Übereinstimmung über Schritte
russischen Patriarchats geneh- Millionen Bürgern eine Minder- Schmalz, wies darauf hin, daß Schlich am Mittwoch abend die Havel hat die mit dem Frie- zur Verbesserung des Verkehrs
migt. heit, wünscht die Integration rund 70 Prozent der in Anwalts- Lage in Großstädten und Bal- denspreis 25 000 zwischen beiden Ländern er-
der Diozöse. Es gibt aber auch kanzleien gelangenden Zivil- lungsräumen „verheerend". Be- DM einem verbundenen neuen Freundeskreis zielt. Der Autobahnverbindung
Stimmen, die für die Unabhän- rechtsfälle ohne Anrufung des drohlich sei auch die Entwick- zugunsten eines freien Verlags- Nürnberg-Prag wurde besonde-
Auch DDR schickt Polizei gigkeit plädieren: Richters erledigt würden. lung der Mieten. wesens in Osteuropa gestiftet. re Bedeutung beigemessen.
Ein 30 Mann starkes Polizeikon-
tingent aus der DDR ist am Don-
nerstag in Namibia eingetroffen, Polenbesuch Drogenmafia / Sieben Staatschefs
um sich der UNO-Friedens-
macht Untag anzuschließen und
den Unabhängigkeitsprozeß der
ehemaligen deutschen Kolonie
Südwestafrika zu überwachen.
Vogel: Es geht Lateinamerikaner sind zu
Vor vier Wochen waren bereits
50 Beamte des Bundesgrenz- „um Hunger" „frontalem Kampf" bereit
schutzes nach Namibia geflo-
gen. Warschau (dpa). SPD-Chef
Hans-Jochen Vogel ist wegen Ica/Peru (dpa). Sieben latein- solange die Nachfrage in den
der schlechten Wirtschaftslage amerikanische Staatschefs ha- USA und Europa nicht sinke.
SPD-Entwurf findet Beifall tief besorgt über den Erfolg des ben bei einem Gipfeltreffen in Im Drogenkrieg ist der Polizei
Der SPD-Obmann im Rechts- Reformprozesses in Polen. Es Ica (Peru) ihre Bereitschaft zum in Kolumbien die bisher wich-
ausschuß, Hans geht auch „um Hunger", sagte er „frontalen • Kampf" gegen die tigste Festnahme gelungen: In
de With, hat in am Donnerstag zum Abschluß Drogenmafia betont. Die Staats- einem Restaurant der Haupt-
Bonn einen Ge- seiner Gespräche vor Journali- chefs von Argentinien, Brasi- stadt Bogota wurde Rafael Abel-
setzentwurf sten in Warschau. Die Bevölke- lien, Peru, Uruguay, Venezuela lo Silva festgenommen, der als
seiner Fraktion rung brauche in nächster Zeit und Mexiko versicherten dem „Nummer vier" des berüchtig-
vorgestellt, mit dringend eine bessere Versor- kolumbianischen Präsidenten ten Kartells von Medellin gilt.
dem das Zeug; gung mit N.ah.rungspittejn^.,.... ,t Barca ihre Solidarität im „he- Die USA haben die Ausliefe-
nisverweige- •Der polnische • Reformprozeß' roischen Kampf" gegen die Ko- rung des 34jährigen beantragt.
rungsrecht von sei seiner Ansicht nach eng ver-. kainbosse. Sie appellierten Außerdem wurde der mutmaßli-
Journalisten knüpft mit der Entwicklung in* gleichzeitig an die Vereinigten che •^Drogenhändler Leonidas
erweitert wer- der Sowjetunion, sagte Vogel, Staaten und : die westeuropäi- Vargas gefaßt, der als „ranghö-
den soll. Dieses der vor dem Abflug mit Staats- schen Länder, Rauschgifthandel her"' Angehöriger des Kartells
Recht müsse präsident Jaruzelski • und KP- wuLKpnsum einzudämmen und eingestuft wird.
auch selbstre- Chef Rakowski zusammentraf. so den Kampf der Erzeugerstaa- Die~ Kokainmäfia Kolumbiens
cherchierte Unterlagen vor dem Dies sei ihm bei den dreitägigen ten zu unterstützen. hat inzwischen die Vermittlung
Zugriff der Ermittlungsbehör- Gesprächen in Warschau nocH Der venezolanische Präsident der katholischen Kirche gefor-
den schützen, sagte de With. deutlicher geworden. Ein Schei- Andres Peres wies zu Beginn dert, um Präsident Barco zur
Die SPD-Initiative wurde von tern der neuen Führung in War- der Beratungen in Ica darauf Aufgabe seines Kreuzzuges zu
der IG Medien und dem Deut- schau wäre auch ein schwerer hin, daß das Rauschgiftproblem bewegen. In einem am Donners-
schen Journalisten-Verband Rückschlag für • den sowjeti- nicht zuletzt eines von Angebot tag veröffentlichten Schreiben
einhellig begrüßt. schen Staatschef Gorbatschow. und Nachfrage sei. Je größer der an die Zeitung „La Prensa" in
Vogel kündigte an, er werde Bedarf in den Verbraucherlän- Bogota bot das Kartell die Ein-
Bundeskanzler Kohl „eindring- dern sei, desto mehr werde in stellung aller Drogengeschäfte
Hitler-Feier hat Folgen lich bitten", die von Außenmini- Lateinamerika produziert. Alle an, wenn Mafiabosse nicht mehr
Mit zur Bewährung ausgesetz- ster Gehscher vor der UNO ab- Polizeieinsätze seien nutzlos, an die USA ausgeliefert würden.
ten Freiheitsstrafen von zwei gegebene Klarstellung zur Dau- EINEN SCHECK ÜBER 500 000 DM überreichte gestern Hanne-
und zweieinhalb Monaten sowie erhaftigkeit , der polnischen lore Kohl (links) an die Leiterin der Münchner Hilfsorganisati-
kleinen Geldstrafen hat das Eu- Westgrenze zu wiederholen. on „Mutabor", Margot Wingruber. Die Organisation setzt sich Afghanistan Polizei / Verkehr
tiner Jugendschöffengericht Vogel will den Kanzler auch auf für die Rehabilitation, Betreuung und Förderung von hirnge-
eine makabre „Hitler-Geburts- eine Entschädigungsregelung schädigten Menschen ein. Frau Kohl, Präsidentin des Kurato-
tagsfeier" vier junger, inzwi- für die etwa 800 000 in Polen riums für Unfallverletzte mit Schäden des zentralen Nervensy-
schen vom Dienst suspendierter lebenden ehemaligen deutschen . stems,; wertet die in München neu eingerichtete ambulante 36 Tote bei Punkte auch für
Polizeibeamter aus Schleswigs Zwangsarbeiter im zweiten Intensivförderung für diese Patienten als einen wichtigen Bei-
Holstein geahndet. In der „deut- Weltkrieg ansprechen. Mini- trag, den Hirngeschädigten ein höheres Maß an Lebensqualität Raketenangriff Auslandsverstöße?
schen Party", mit der die vier sterpräsident Mazowiecki habe zu ermöglichen'. Jährlich erleiden in der Bundesrepublik 200 00
Angeklagten im Alter zwischen ihm gesagt,, daß dieses Thema Personen Kopfverletzungen - bei 20 000 kommt es zu lang Moskau (dpa). Bei einem der Münster (dpa). Auch „für
20 und 22 Jahren im Beisein von für Polen eine wichtige Bedeu- andauernden Schäden. (dpa-Funkbild) bislang schwersten Raketenan- schwere Verkehrsverstöße im
zwei Minderjährigen Ende April tung habe. griffe der Rebellen auf die afgha- Ausland sollen deutsche Ver-
bundesweit Schlagzeilen ge- nische Hauptstadt Kabul sind kehrsteilnehmer demnächst
macht hatten, sah das Gericht 36 Menschen getötet und mehr Punkte in der Flensburger Ver-
den Tatbestand der Aufforde-
rung zum Rassenhaß erfüllt. SED-Erklärung / Bischof appelliert'an DDR-Führung als 80 verletzt worden. Wie der kehrssünderkartei erhalten. Da-
Sprecher des sowjetischen Au- für haben sich leitende Polizei-
ßenministeriums, Gerassimow, beamte aus der Bundesrepublik

Forck: Auch mit Opposition reden


am Donnerstag in Moskau er- in der Polizeiführungsakademie
Parteitag steht zu Lawson klärte, geschah der Angriff wäh- des Bundes und der Länder
Mit starkem Applaus haben die rend der Feiern zum Geburtstag (PFA) in Münster ausgespro-
britischen Kon- des Propheten Mohammed. chen.
servativen 1988 seien über 3000 Zivilisten In Skandinavien, so erklärten
Schatzkanzler Fortsetzung Position von Staats- und Partei- Forck mit Oberbürgermeister bei Angriffen der Mudschahed- die Fachleute, werde heute
Nigel Lawson Auf die Frage nach weiteren chef Honecker geschwächt sei, Krack Pläne, eine zwölfköpfige din getötet worden, sagte er. schon so verfahren.
Unterstützung esprächspartnern antwortete erklärte Hager gegenüber dem Gruppe kritischer Bürger zu bil-
für seine unpo- Hager ausweichend: „Ge- ZDF, in der Staats- und Partei- den, die an diesem Dialog betei-
puläre Anti-In- sprächspartner finden wir im- führung der DDR gebe es keine ligt werden könnte. In der Geth-
flationspolitik mer. Wenn sie allerdings unsere Differenzen. „Es ist eine einheit- semanekirche sagte Forck ge- HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE Verlagsleitung
signalisiert. Gesellschaftsordnung infrage liche Führung und sie wird es stern abend vor 4000 Menschen, ALLGEMEINE Dr. Dietrich Batz, Rainer Dierichs, Wigbert
Seine Rede auf stellen wollen, ist das keine Ba- auch bleiben, selbst wenn man die DDR-Regierung dürfe sich H. Schacht. Anzeigenleitgr: Horst Prehm.
Vertriebsleiter: Gerd Lühring.
dem Parteitag sis für ein Gespräch." Auf die immer wieder versucht, Diffe- nicht darauf beschränken, nur Herausgeber
der Konservati- Frage nach politischen Verän- renzen zu erfinden". mit denen den Dialog zu führen, Rainer Dierichs, Dr. Dietrich Batz, Verlag Dierichs GmbH & Co KG, Frankfur-
ven im Badeort derungen in der DDR verwies er die in vorhandenen Organisatio- Achim von Roos ter Str. 168, Postfach 10 10 09, 3500 Kas-
Blackpool wur- auf die Erklärung des Politbü- nen seien. Sie müsse auch mit sel, Ruf 05 61 / 20 3-0. Tel. Anzeigenan-
Chefredakteur
de nach fast jedem Satz von Sze- ros, die gestern in großer Auf- Kulturbund für „Erneuerung" denen sprechen, die sich in der Lothar Orzechowski
nahme 05 61/20 3-3. Femschreib-Nr.
99 635. Telekopierer 05 61 /20 36 Teletex
nenapplaus unterbrochen. „Es machung vom SED-Zentralor- Opposition versammelt hätten. 5 6 1 8 1 1 0 . Postgirokonto 155132-608
Stellv. Chefredakteure
gibt keine Alternative zu den gan „Neues Deutschland" und Die Akademie der Künste der Forck forderte die Freilassung Frankfurt/M. Anzeigenpreisliste Nr. 29. Mo-
hohen Zinssätzen, und die Maß- den anderen DDR-Zeitungen DDR hat „ein neues Verständnis der verhafteten Demonstranten. Wolfgang Rossbach, Peter M. Zitzmann natlicher Abonnementspreis DM 25,60 inkl.
nahmen werden greifen", sagte veröffentlicht wurde. Verantwortliche Redakteure Zustellung und 7 % MwSt. (Postbezugs-
für den Gebrauch der Medien" In Leipzig teilten Bürgerrecht- Dhef vom Dienst: Horst Kröninger. Chef preis 28,50 DM).
Lawson. In einem Interview des DDR- gefordert und dazu aufgerufen, ler mit, Oberbürgermeister Sei- Nachrichten: Rainer Merforth. Politik: Jo-
Fernsehens kündigte Hager an, „ein umfassendes, offenes und del habe gegenüber Kirchenver- chen Prater. Blick in die Zeit: Walter Die Beendigung des Abonnements ist nur
mit schriftlicher Kündigungserklärung unter
der nächste SED-Parteitag wer- öffentliches Gespräch zu begin- tretern zugesagt, daß alle seit Schütz. Wirtschaft und Sozialpolitik: Horst Einhaltung einer Frist von einem Monat
Grünes Licht für Brokdorf de „auf einer großen Ausspra- nen". Die DDR-Nachrichten- dem 11. September angeklagten Seidenfaden, Kultur: Dirk Schwarze, Frau zum Monatsende möglich; die Frist läuft ab
u. Reise: Ilse Methe-Huber. Sport: Rolf Wie- Zugang der schriftlichen Kündigungserkjä-
Nach neuneinhalb Monaten che über die gesellschaftlichen agentur ADN verbreitete am und verurteilten Demonstranten semann, i. V. Ulrich Fuhrmann. Sonntags- rung. >
Pause darf das Atomkraftwerk Probleme bei uns beruhen". Zu Donnerstag außerdem ein Kom- freigelassen werden sollen. zeit: Frank Thonicke. Kassel Stadt und
Brokdorf an der Elbe wieder an- den Vorschlägen der SED könn- munique des Kulturbundes der Dresdens Oberbürgermeister Land: Wolfgang Rqssbach. Bezirksredak- Auflage werktags über 270 000 Exemplare
gefahren werden. Wie die Kieler ten sich dann auch die „Bürger DDR, in dem das Präsidium eine Berghofer wies unterdessen tionen: Peter M. Zitzmann. Koordination: in Tarifgemeinschaft mit „Oberhessische
Lehnart. Hessen/Niedersachsen: Presse", Marburg, „Hersfelder Zeitung",
Regierung mitteilte, liegt die Zu- aus allen Schichten" äußern. „unerläßliche Erneuerung unse- Meldungen als falsch zurück, er Helmut
Eberhard Heinemann. Chefreporter. Karl- „Werra-Rundschau", Eschwege, „Harzku-
stimmung der Reaktorsicher- Der SED-Chefideologe meinte rer Gesellschaft" fordert. Der habe ein neues Wahlrecht gefor- Hermann Huhn. Sonderthemen Peter rier", Herzberg.
heitsbehörde jetzt vor. Aller- zugleich, der Sozialismus in der Text wurde auch im DDR-Fern- dert. Er habe vielmehr gefragt, Ochs. Auflage „Sonntagszeit" über 200 000
dings sei die Genehmigung, den DDR werde „weiter . erstarken sehen verlesen. ob das gegenwärtige Wahlgesetz Redaktion Wiesbaden: Rolf Effenberger Exemplare.
Reaktor wiederanzufahren, an und vollkommener werden." In Ostberlin gibt es nach den von allen Bürgern „richtig wahr- Redaktion Hannover- Harald Birkenbeul. Herstellung Druckhaus Dierichs,
eine Reihe Auflagen gebunden. Zu Spekulationen, wonach die Gesprächen zwischen Bischof genommen" werde. Redaktion Bonn: Hans Ludwig Laucht Frankfurter Straße 168, 3500 Kassel.
Nr. 239 Themen des Tages Freitag, 13. Oktober 1989

Presse-Echo Alpen droht Umwelt-Kollaps / Berchtesgadener Konferenz


Noch nicht das Wortlautauszüge
letzte Wort SED-Politbüro:
Die Seilschaft im Zugzwang
Viele Zeitungen befassen sich mit mögli-
chen Reformen in der DDR

In Verfassungsfragen steht den


Karlsruher Richtern das letzte Wort
Wir stellen uns;
zu. Mit ihrer einstweiligen Anord-
nung gegen das kommunale Aus-
(Freiburg)
Es häufen sich die Zeichen,
Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Holte
der Diskussion
länderwahlrecht in Schleswig-Hol- daß der erste Mann des SED-
stein haben sie sich das erste Wort Staates, der einst für viele in der Vcor gut 50 Jahren faszinierte tarischer Staatssekretär Gröbl kalen Forderungen der Umwelt- I n der Erklärung des SED-
genommen. Noch bevor über die DDR die Hoffnung auf eine ge- der Luis Trenker-Film „Der Berg mit einem Anflug von Skepsis schützer und den Interessen der Politbüros vom Mittwoch
Verfassungsmäßigkeit des Geset- wisse Liberalisierung verkör- ruft" Hunderttausende. Nun nach der Konferenz. Denn die Bevölkerung, für die der Frem- abend wurde vom höchsten
zes entschieden worden ist, wird pert hatte, der zuletzt die Not- ruft er wieder, aber um Hilfe. Es Alpenkonvention muß, wenn sie denverkehr eine wichtige Exi- DDR-Führungsgremium un-
es außer Kraft gesetzt. Ein so har- wendigkeit des Wandels zu ei- geht um die Bewahrung eines auf dem Tisch liegt, erst noch stenzquelle darstellt. ter anderem erstmals die Be-
ter Eingriff in die Kompetenz des nem offenen, pluralen Sozialis- der prachtvollsten Geschenke die Hürden von sieben Parla- Gleichwohl ist Bonn mit „dem reitschaft zu Gesprächen mit
Parlaments läßt sich nur rechtferti- mus nicht mehr begreifen konn- der Schöpfung. menten mit ebenso vielen unter- ersten Schritt" sehr zufrieden. oppositionellen Kräften er-
gen, wenn dadurch schwerer te, zum vorzeitigen Abgang Sind die Alpen noch zu ret- schiedlichen Interessenlagen „Auf der Konferenz ist mehr klärt. Im folgenden einige
Schaden verhindert werden soll. gezwungen wird. Die Zeichen ten? Können Massentourismus überwinden. Spätestens dann herausgekommen, als man an- Wortlautauszüge:
Das haben die Richter des Zweiten signalisieren, daß fundamentale und Transitverkehr noch recht- setzt die Phase ein, in der es zu nehmen durfte," betonte der
Senats plausibel begründet. Der Entscheidungen .bevorstehen, zeitig genug zurückgedreht wer- faulen Kompromissen kommen Parlamentarische Staatssekre- „Der Sozialismus ...ist die
Aufschub des Wahlrechts ist ge- daß die SED zur Änderung ih- den, um die Bergwelt vor dem kann, deren Folgen katastrophal tär im Umweltministerium, Zukunft der heranwachsen-
genüber der möglichen Aufhebung rer ... wohl ebensosehr von Ver- völligen Umwelt-Kollaps zu be- wären. Gröbl, gegenüber unserer Zei- den Generationen. Gerade
das kleinere Übel. wahren? Die schon schrill tö- Alle Länder sind sich .in dem tung. Es habe positiv über- deshalb läßt es uns nicht
folgungsängsten wie von ideolo- nenden Warnsignale - die Alpen gleichgültig, wenn sich Men-
Grundziel einig, daß die Überer- rascht, daß die Vertreter aller
Trotzdem schafft das Bundes- gischer Borniertheit geprägten sind nach dem Tropenwald das Länder „voll mitgezogen" hät- schen, die hier arbeiteten
verfassungsgericht durch seinen Konfrontationspolitik bereit ist. schließung und Übernutzung und lebten, von unserer
am meisten belastete Ökosy- der geschundenen Alpenwelt ten. Der Entwurf für die Resolu-
Beschluß eine unglückliche politi- stem der Erde - und das lange tion sei sogar durchgehend noch Deutschen Demokratischen
sche Situation. Die Union fühlt sich ein Ende haben muß. Jahr für Republik losgesagt haben.
Zeit unterdrückte, .aber nun Jahr strömen im Sommer und verschärft worden, erläuterte
bereits als Siegerin, obwohl in der doch erwachte schlechte Ge- Gröbl die optimistische Ein- Viele von ihnen haben die
Sache selbst nichts entschieden Winter über 100 Millionen Ur- Geborgenheit der sozialisti-
wissen führten die sieben An- lauber in die Berge, achtmal so schätzung seines Ministers.
ist. Die betroffenen Ausländer sind Was kann man dem Spitzen- rainerländer endlich zu einer viel, wie dort leben. Und damit schen Heimat und eine si-
frustiert, weil ihnen das Wahlrecht mann eigentlich schlimmeres Konferenz zusammen. In Berch- Ganz anders sehen es die Na- chere Zukunft preisgege-
ohne endgültiges Urteil vorenthal- vorwerfen, als daß er Illusion alle möglichst bequem an ihr turschützer, für die bisher nur ben... Sie hatten ihre Freun-
tesgaden beschloß man, bis 1991 Ziel gelangen, werden immer „unverbindliche Absichtserklä-
ten wird. Auf das Klima der Kom- und Wunschdenken mit Reali- eine völkerrechtlich verbindli- de, Arbeitskollegen und
munalwahlen in Schleswig-Hol- täten verwechselt und diesen fa- mehr Straßen und Parkplätze rungen" vorliegen. Einer ihrer Nachbarn...Die Ursachen für
che Alpenschutzkonvention zu angelegt. 15 000 Seilbahnen und eigenwilligsten und in Bezug auf
stein kann sich das nur nachteilig talen Irrtum nicht einmal be- erarbeiten, die mit konkreten ihren Schritt mögen vielfältig
auswirken. Noch schlimmer wäre merkt? Kein Zweifel, Erich Ho- Lifte haben zusammen mit Ski- die Alpen kompetentesten Spre- sein. Wir müssen und wer-
Maßnahmen in den Bereichen pisten in einer Gesamtlänge von cher, Karl Partsch, brachte das
es jedoch gewesen, wenn gewähl- necker ist jetzt auch in Ostberlin Naturschutz, Landschaftspflege den sie auch bei uns suchen,
te ausländische Mitbürger ihre für politisch tot erklärt worden. 120 000 Kilometer Länge einen Ergebnis des Berchtesgadener jeder an seinem Platz..."
und Raumordnung dafür sorgen gewaltigen Kahlschlag in den Meetings auf die Formel: „Der
Mandate nach für verfassungswid- Sein Rücktritt - freiwillig oder soll, daß es mit den Bergen nicht
rig erklärten Wahlen hätten zurück- gezwungen - ist nur noch eine Bergwald gerissen. Die Folge Berg kreißte und gebar ein mitt- „Gemeinsam wollen wir
mehr weiter bergab geht. sind vermehrte Schnee- und leres Zwergmäuslein." Partsch,
geben müssen. Frage der Zeit. Erdlawinen (Muren) sowie über alle grundlegenden Fra-
Bonns Umweltminister Töp- der für die Grünen im Europa- gen unserer Gesellschaft be-
Entgegen der Siegeszuversicht fer, engagierter Initiator des Hochwasser bis in das Flach- Parlament sitzt, führt bereits seit
des CDU/CSU-Justitiars Langner land hinein. raten, die heute und morgen
Treffens, sieht in dem Ergebnis 1975 einen - anfangs einsamen - zu lösen sind...Es geht um-
ist das Ausländerwahlrecht weder SÜDWEST PRESSE „Anlaß zu realistischem Opti- Feldzug für den Schutz der wirtschaftliche Leistungsfä-
juristisch noch politisch tot. Das mismus". Seine österreichische Bergregionen. „Die Alpen wer-
Bundesverfassungsgericht wird (Ulm) higkeit und ihren Nutzen für
Kollegin Marilies Flemming for- Differenzen in Details den uns auf den Kopf fallen," alle, um demokratisches Mit-
nämlich im Hauptverfahren nicht Nicht nur die Bevölkerung warnte er jetzt in drastischer
nur zu entscheiden haben, ob Aus- war offenkundig von dem Starr- mulierte es so: „Wir stehen am einander und engagierte Mit-
Fuß eines Dreitausenders, und Aber in wichtigen Detailfra- Weise, wenn nicht umgehend arbeit, um gute Warenange-
länder zum Staatsvolk gehören sinn enttäuscht, den Honecker Töpfer hat der Seilschaft das ein Erschließungsstopp verfügt
oder nicht, sondern auch, ob sie bei seiner Jubiläumsrede zum gen, wie all dem zu begegnen ist, bote und leistungsgerechte
Kommando zum Aufstieg gege- offenbarte die Konferenz von werde. Dazu müsse ein interna- Bezahlung, um lebensver-
sich auf Gegenseitigkeit und 40jährigen Bestehen der DDR an ben." Entscheidend wird freilich tionaler Umwelt-Notstand aus-
Rechtsgleichheit in der EG berufen den Tag gelegt hatte. Auch eine Berchtesgaden unterschiedliche bundene Medien, um Reise-
sein, daß alle am Seil bleiben gerufen werden. möglichkeiten und gesunde
können. Gerade weil das Kieler roße Zahl der Genossen in der und sich keiner unterwegs seit-
Auffassungen. Das gilt etwa für
Wahlgesetz auf Ausländer be- IED hat offensichtlich eingese- die Frage, welche Freizeitbe- Für einen „ökologischen Mar- Umwelt..."
schränkt ist, in deren Staaten bun- hen, daß an Reformen auch in wärts in die absterbenden schäftigungen in den Alpen ein- schall-Plan" setzt sich die inter-
desdeutsche Bürger bereits wäh- derüDR kein Weg mehr vorbei- Baumbestände schlägt. geschränkt oder untersagt wer- nationale Alpenschutzorganisa- „Mit der nächsten Tagung
len dürfen, muß von den Karlsruher führt. Die guten Vorsätze von den müssen, oder wo die Gren- tion Cipra ein. Nach ihren Be- des Zentralkomitees werden
Richtern ein differenziertes Urteil Berchtesgaden sind vielverspre- zen der Belastbarkeit durch den rechnungen sind pro Jahr zehn wir unserer Partei und dem
erwartet werden. Achim v. Roos chend, aber „die Frage ist, wie Tourismus liegen. Hier muß ab- Milliarden DM erforderlich, um gesamten Volk im Sinne un-
Münchner Merkur das alles durchgesetzt werden gewogen werden zwischen den die bedrohten Natur- und Kul- serer strategischen Konzep-
tion von Kontinuität und Er-
MÜNCHNER ZEITUNG kann," meinte Bonns Parlamen- der Natur der Sache nach radi- turwerte zu retten.
neuerung dafür unsere Vor-
Jubel ob der neuen Töne aus schläge unterbreiten. Sie be-
Richter in Ostberlin wäre verfrüht. Tags
zuvor hatte Honecker Lehren
ruhen auf den tausendfach
geführten Diskussionen in
Stockholm aus den „konterrevolutionären
Unruhen" in China - sprich:
den Parteiorganisationen der
SED, ..auf den Vorschlägen
dem Blutbad auf dem Platz des und Überlegungen, die uns
himmlischen Friedens - gezo- von den Werktätigen aus al-
Laut letztem Gerücht ist der so- gen. Damit stand er im Politbüro y\l, "AÄ MsÄf len Teilen der Republik zu-
wjetische Geheimdienst KGB in nicht allein. Auch wenn er jetzt gegangen sind. Alle Mei-
den Mord an Olof Palme verwik- unter Druck seiner Gefolgsleute nungsäußerungen und Vor-
kelt. Aber nicht solche Spekulation geraten ist... sollten die neuen schläge für einen attraktiven
hat zur Freilassung des angebli- Schalmeientöne nicht gar zu Sozialismus in der DDR sind
chen Attentäters Pettersson ge- vertrauensvoll aufgenommen dafür wichtig. Wir stellen
führt. Es gibt noch Richter in Stock- werden... uns der Diskussion.
holm, die sich auf den Rechts-
grundsatz besinnen, daß im Zwei- Wir haben dafür alle erfor-
fel für einen Angeklagten zu ent- derlichen Formen und Foren
scheiden sei. Und Zweifel an der der sozialistischen Demokra-
Schuld des Vorbestraften gab es Schlimm wäre es, wenn Ha- tie. Wir rufen auf, sie noch
mehr als Beweise; das Gericht in gers Schalmeienklänge nur ein umfassender zu nutzen.
erster Instanz ließ sie nur nicht gel- Beschwichtigungsversuch wä- Doch wir sagen auch offen,
ten, es wollte einen Täter haben. ren, nach der Maxime: gerade daß wir gegen Vorschläge
Der jetzige Straffreiheitsvollzug be- soviele Zugeständnisse, um den und Demonstrationen sind,
deutet daher eine schwedische Aufruhr zu dämpfen. Eine sol- hinter denen die Absicht
Gardinenpredigt für die Übereifri- che Taktik des Einlullens würde steckt, Menschen irrezufüh-
gen und einen Sieg der Gerechtig- ohnehin mißlingen, denn die Re- ren und das verfassungsmä-
keit aus dem Geist der Toleranz. formkräfte in der DDR sind ßige Fundament unseres
Die Frage, ob es der von finste- selbstbewußt geworden. Traurig Staates zu verändern...Der
ren Polizeifotos her weltbekannte ist, daß das Reformsignal so spät Sozialismus auf deutschem
Pettersson nicht vielleicht doch ge- rtönt und nicht etwa weiser Boden steht nicht zur Dispo-
wesen sein könnte, wäre falsch ge- Einsicht entspringt, sondern nur sition..." (dpa)
stellt. Eine Kriminalsache ist kein unter Druck zustande kam. „Deutsche Wahlurnen bleiben Ausländern vorerst verschlossen!" (Karikatur: Wolf)
Kriminalroman. In einem Rechts-
staat haben die Ermittler Beweise
vorzulegen und die Gerichte den „ Ich freue mich, daß der neue Vor 40 Jahren Gründung des DGB als Gewerkschafts-Dachverband Nation, Inge Meysel: „Danke,
Nachweis zu führen. Doch in die- Deutsche Gewerkschafts-Bund daß Du da bist! Auf die nächsten
sem Fall hagelte es bei der Unter- eine so schöne Zeitung heraus- 40!" schrieb sie. Arbeitgeber-
ibt. Eines steht fest: Die .Welt präsident Klaus Murmann stell-
Beitrag zum sozialen Fortschritt
suchung Pannen und Skandale,
und der Schuldspruch beruhte im ler Arbeit' wird bestimmt meine te die Frage, ob nicht die Arbeit-
wesentlichen auf den getrübten Zeitung werden. Alle schaffen- geber die besseren Gewerk-
Augen der Witwe des Ermordeten. den Menschen bitte ich, sie schafter sein und lieferte bezie-
Daß er nicht zu halten sein würde, ebenfalls zu bestellen". Das hungsreich keine Antwort nach.
hatten damals bereits die beiden Grußwort der Delmenhorster Von unserem Redaktionsmitglied Horst Seidenfaden Bundesarbeitsminister Norbert
Berufsrichter erkannt. Die Mehrheit Delegierten, einer Sortiererin Blüm lobte zwar die Erfolge, die
freilich ließ sich von Stimmung trei- mit dem beziehungsvollen Na- stand, er hatte auch über den gen Loderer als Ober-Metaller). Beginn einer langfristigen Ak- Gewerkschaften beim Aufbau
ben statt von Einsicht leiten. men Bringfriede Osbeck, prang- Sitz des DGB zu entscheiden: Doch die Zeit hat auch im Ge- tion. Bis in die Kreisebenen hin- unseres Staates. Allerdings ver-
te auf Seite 1 der Ausgabe Num- Bei der Wahl zwischen Frank- füge des DGB Spuren hinterlas- ein setzten die Verantwortli- gesse mancher Funktionär, daß
Ein unrühmliches Kapitel der mer zwei der Gewerkschaftszei- Gewerkschaften an „Einfluß
schwedischen Justiz hat eine not- furt und Düsseldorf siegte die sen: Der 40. Geburtstag steht chen den Rotstift an - von der
tung „Welt der Arbeit". Die Stadt im Rheinland. Der erste quasi am Ende einiger krisenrei- untersten Ebene bis hinauf in verliren,.wenn sie zu parteipoli-
wendige Korrektur erfahren. Abge- Sonderausgabe war der Grün- tischen Filialen umgebogen wer-
schlossen ist der Fall noch keines- Kongreß entbehrte nicht unge- chen Jahre. Das Debakel um den die Vorstandsetage soll gespart
dung des Deutschen Gewerk- wöhnlicher Vorkommnisse: Da Gewerkschaftskonzern Neue werden: Im DGB-Führungsgre- den."
wegs. Zwar mag die Wiedergutma- schaftsbundes (DGB) gewidmet.
chung an einem Schuldlosen gelin- gelang es dem 34jährigen Willi Heimat, in dessen Verlauf der mium will man die Zahl der Vor- Bei den Landesvätern war der
Heute vor 40 Jahren wurde der Ginhold, der als Gast kein Man- völlig absurde Verkauf des Plei- standsmitglieder von neun auf Ideenreichtum unterschiedlich
gen, soweit es von Geld und einer neue Dachverband von damals
neuen Identität abhängt. Den Be- dat hatte, in den Vorstand ge- te-Unternehmens für eine DM acht beschränken. Millionen ausgeprägt. Johannes Rau, SPD-
noch 16 Gewerkschaften ins Le- wählt zu werden an den Berliner Brotfabrikanten will man einsparen - und hinter Statthalter in Nordrhein-West-
hörden und damit einem lang als ben gerufen. 487 Delegierte (14
Muster der Liberalität geltenden In den 40 Jahren seines Beste- Horst Schiesser und der Rück- der Strukturreform verbergen falen, lobte die Einheitsgewerk-
Frauen) von fünf Millionen Ar- kauf für 14 Mio. DM (für Schies- sich, wie in jedem zum Kürzer- schaft als Glücksfall und
Staat indes haftet der Makel an, beitnehmern wählten Hans hens hat der DGB mit seinen
gleich doppelt versagt zu haben: Einzelgewerkschaften wesent- ser) das Image der Gewerk- treten gezwungenen Unterneh- Eckpfeiler der Nachkriegsge-
Böckler zum ersten DGB-Vor- schaftsorganisation mächtig an- men, auch erhebliche Strei- schichte. Lothar Späth, Mini-
Der oder die Schuldigen an einem sitzenden. Nichts kennzeichnet lich zum sozialpolitischen Fort-
spektakulären Mord sind weiter un- schritt der Bundesrepublik bei- kratzte, die Beinahe-Pleite des chungen bei den Personalko- sterpräsident in baden-Würt-
den Wandel in der 40jährigen Genossenschaftsunternehmens sten. temberg, machte sich mehr
bekannt, und der angebliche Täter DGB-Geschichte treffender als getragen. Kein politisches Feld,
erscheint als Opfer. das nicht von der Dachorganisa- co op AG, der Ausverkauf der Zum heutigen Jubelfest je- Mühe. Das „Cleverle" brachte
die Tatsache, daß ausgerechnet gewerkschaftseigenen Unter- seinen Kommentar in Versform:
Alfred Brugger der publizistische Hoffnungsträ- tion beackert worden wäre. doch startete man in der DGB-
Allerdings: Die öffentlich- nehmen (Bank für Gemeinwirt- Zentrale einen Prominenten- „Gesetzt, etabliert, ein bißchen
ger „Welt der Arbeit" zum run- schaft) - all dies machte der träge / rechthaberisch und nicht
den Geburtstag nicht mehr auf keitswirksamen Akzente setzte Zentrale in Düsseldorf mächtig Werbefeldzug. Auf maximal
nicht der DGB als „Gewerk- zwei Schreibmaschinenseiten sehr rege / so stellte sich schon
Das Zitat dem Markt ist. Aus Kostengrün-
den wurde das Blatt im vergan- schafts-Mutter". Dafür sorgten, zu schaffen. sollten Männlein und Weiblein mancher dar, /kaum daß er 40
genen Jahr eingestellt. meist in Tarifauseinanderset- Zwar stieg die Mitgliederzahl festhalten, was ihnen zum The- geworden war. / So fehlt's jetzt
„ich habe das Gefühl, daß die Stüh- zungen, die Einzelgewerkschaf- in den DGB-Gewerkschaften auf ma DGB als Kommentar einfiel. auch Dir an Beweglichkeit, / oh,
le immer enger werden. Dieses Ge- Der größte Gewerkschafts- ten wie die ÖTV (mit dem fast acht Millionen Männer und So manchen der Briefe können DGB, denk an die Zeichen der
fühl muß ich haben, weil ich sonst kongreß seit dem Verbot der Ar- ebenso schwergewichtigen wie Frauen an - doch die Gewerk- sich die DGB-Oberen getrost Zeit. / Die Schlachten von ge-
annehmen müßte, daß ich zu dick beiterorganisationen 1933 kon- mächtigen ehemaligen Vorsit- schaften drückt, der Kosten- hinter den Spiegel stecken. stern sind längst passe, / man
bin." stituierte nicht nur den DGB zenden Heinz Kluncker) und die schuh. Die Einstellung der Nicht jeder blieb so an der schlägt sie dennoch, bei Dir,
' Peter Ustinov und wählte den ersten Vor- IG Metall (lange Jahre mit Eu- „Welt der Arbeit" war nur der Oberfläche wie die Mutter der DGB."
HESSISC KASSEL
1 P 3713 A

HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE
ALLGEMEINE
ALLGEM
UNABHÄNGIG KASSELER ZEITUNG NICHT PARTEIGEBUNDEN
Preis 1,40 DM Nr. 240 • Samstag, 14.10.1989 Ruf (05 61) 203-0 • Anzeigen 203-3

Zwei Heimniederlagen
Neue Zahlen Kokain-Deal Nordhessen Nach Sturz „Der Pate" Zum Tage
Bochum siegt Kinder- Spur nach Autofahren Turnerin
im Ruhrderby Dritter Das große Tabu
Bundesliga
Mißbrauch Kolumbien teurer gelähmt Teil D i e Anzeigen nehmen zu, über
das große Tabu, das oft buchstäb-
Werder Bremen Immer mehr Kin- Auch in der Bun- In Nordhessen Nach einem Sturz Fortsetzung eines lich ein Familiengeheimnis ist, wird
VfB Stuttgart 6:1 der in der Bundesre- desrepublik wollen
publik werden Kolumbiens Dro-
wird Autofahren
teurer: Der Raum
aufs Genick beim
Training für die ge-
Super-Kino-Erfolgs: endlich gesprochen. Es waren
Regisseur Francis Frauen aus der amerikanischen
Gladbach sexuell mißbraucht. genbosse abkassie- Kassel kommt we- stern eröffnete Ford Coppola dreht Frauenbewegung, die vor wenigen
Hamburger SV 1:3 Laut offizieller Sta- ren. Bayerns Polizei gen des schlechten Turn-WM in Stutt- den dritten Teil des Jahren den Stein ins Rollen brach-
Bor. Dortmund tistik waren es 1988 sucht einen Kolum- Schadensverlaufs in gart ist Adriana „Paten". Den Mafia- ten. Indem sie über eigene Erleb-
über 13 000 minder- bianer als Drahtzie- die nächsthöhere Duffy (Puerto Rico) Boß Corleone spielt nisse als sexuell mißhandelte Kin-
VfL Bochum 0:1 jährige Sexualopfer. her eines geplatzten Regionalklasse der an beiden Beinen diesmal Superstar der schrieben und sprachen,
Die Dunkelziffer großen Kokain- Haftpflichtversiche- gelähmt. Der 18jäh- AI Pacino (Bild). durchbrachen sie die Barriere der
2. Liga liegt weit höher. Deals im August, als rung. Südnieder- rigen droht sogar Vorbericht morgen Angst und Scham.
Siehe „Zum Tage" 650 Kilo sicherge- sachsen bleibt fast eine Querschnitts- in der.
MSV Duisburg und „Blick in die stellt wurden. Siehe unverändert. Siehe lähmumg. Siehe Es zeigte sich bald, daß dieses
SV Meppen 0:0 Zeit" „Blick in die Zeit" Wirtschaft. Sport. Sonntagszeit vorwiegend inzestiöse Delikt weit-
verbreitet ist. Heute-geben bereits
Fort. Köln offizielle Stellen aufklärende Bro-
Braunschweig 0:2 schüren heraus und unterstützen
Selbsthilfe-Projekte. Und während
Darmstadt 98
SC Freiburg 2:2 DDR-Protestaktionen / Einsatz Vogels immer mehr erwachsene Frauen
entdecken, daß sie ihr eigenes ver-
zweifeltes Kindheitsgeheimnis mit
Letzte Meldung vielen anderen teilen, beginnen sie

Kurseinbruch Hunderte wieder auch Anzeichen von Verstörung


bei ihren Kindern richtig zu deuten.
Was dieses Verbrechen an Kin-
dern so schlimm macht, ist sein
doppelt wirksames Gift: Hier die
an Wallstreet
New York (AP). An der New
Yorker Börse ist es am Freitag
auf freiem Fuß verheerenden seelischen Verlet-
zungen des Opfers, dort die dunk-
le Saat des Mißtrauens: Welchem
lieben Vater, Bruder, Großvater,
Onkel kann man denn noch trau-
zu dem stärksten Kurseinbruch Berlin (AP/dpa). Die DDR-Behörden haben gestern fast en?
seit dem Börsenkrach vor fast alle Demonstranten auf freien Fuß gesetzt, die bei den Den meisten, Gott sei Dank. Und
genau zwei Jahren gekommen.
Der Dow-Jones-Index für 30 In- Protestaktionen dervergangenen Tage festgenommen wor- weil das so ist, darf das Tabuthe-
ma auch keines bleiben. Den Op-
dustriewerte schloß mit einem den waren. Die amtliche Ostberliner Nachrichtenagentur fern wie den intakten Familien zu-
Minus von 190,58 Punkten bei ADN verbreitete am Abend eine entsprechende Mitteilung liebe. Nur Offenheit ist heilsam.
2.569,26. Händler führten die des Generalstaatsanwaltes der DDR. Aufgebrochene Beulen tun weni-
Entwicklung auf stark gestiege- ger weh. Ilse Methe-Huber
ne Großhandelspreise zurück. Die genaue Zahl der Freige- mierter Kreise beläuft sich die
lassenen ist nicht bekannt. Nach Zahl derer auf rund 3000. In der
Hannover / Kohl: Angaben. aus Kirchenkreisen gestern in Ostberlin verbreite-
waren jedoch allein in Ostberlin ten Erklärung betonte Voge Warschau / Flüchtlinge
700 Personen inhaftiert. (Foto), er sehe sich als Rechts-
„Nach Durchführung der er- anwalt in der Pflicht, hier „Kor-
»Reformen ein forderlichen Untersuchungen"
seien „^ie wegen Störung der
rekturen und
rechtsstaatli- 820 dürfen
Herzenswunsch' Volksfeste am 7. Oktober sowie
im Zusammenhang mit gesetz-
widrigen Ansammlungen festge-
che Praktiken
anzumahnen".
Er unterstrich
ausreisen
Hannover (lni). Bundeskanzler nommenen Personen aus der „Die Freilas-
Kohl hat den Vorwurf der SED- Haft entlassen worden", hieß es sung der Be- Bonn (dpa). Die rund 820
Führung, die Bonner Regierung in der ADN-Meldung. Insge- troffenen dul- DDR-Flüchtlinge in der
mische sich in innere Angele- samt befänden sich noch elf Per- det keinen Auf-Warschauer Botschaft der
genheiten der DDR ein, als „blü- sonen , in Untersuchungshaft. schub. Für sie,Bundesrepublik können
henden Unsinn" zurückgewie- Dem Bericht zufolge werden ih- die Angehöri- nach Angaben von Kanzler-
sen. Auf dem Landesparteitag Bundesrats-Neubau steht im Modell
der niedersächsischen CDU in Die Neubaupläne des Bundesra-
nen „Begehung von Brandstif-
tungen, Plünderungen und Ge-
gen und die Ge-amtsminister Seiters (CDU)
in Kürze ausreisen. Der stell-
sellschaft zählt
Hannover sagte Kohl am Freitag tes sind eine Runde weiter ge- gutachtet werden. Vorgabe für walttätigkeiten sowie Aufwie- jede vertretende Leiter der Bon-
Stunde.
abend, es sei überhaupt nicht kommen. Aus 121 eingereichten alle Pläne ist die Erhaltung des gelung zu Gewaltakten" zur Last Alles soll ruhig verlaufen." In ner DDR-Vertretung, Lothar
das Interesse der Bundesregie- Architektenentwürfen hat das jetzigen, denkmalgeschützten gelegt. Sie müssen sich vor Ge- der Erklärung heißt es unter an- Glienke, habe ihn davon un-
rung, daß möglichst viele DDR- reisgericht für die Länderver- Plenarsaales des Bundesrates, in richten verantworten. terrichtet, daß die DDR be-
derem: „Ich sehe in den zahlrei-
Bürger in die Bundesrepublik tretung gestern fünf Arbeiten dem der Parlamentarische Rat chen Strafverfahren wegen un-
Der Honecker-Vertraute und genehmigten reit sei, die Zufluchtsuchen-
kämen. Ziel seiner Politik sei, preisgekönt. Insgesamt werden 1948/49 das Grundgesetz erar- prominente DDR-Anwalt Wolf- Verlassens der den mit Papieren auszustat-
daß „Deutsche in Deutschland 337 000 DM an Preisgeldern beitet und beschlossen hat. Eng- gang Vogel hatte sich zuvor DDR via Ungarn, CSSR oder Po- ten, die ihnen die Ausreise in
holm meinte, aus dem histori- nachdrücklich für die Freilas- len eine Verletzung des Prinzips
in ihrer Heimat bleiben wollen verteilt, auf den ersten Preis des ein Land ihrer Wahl ermögli-
sagte Kohl unter dem Beifall der Hannoveraner Architektenbü- schen Saal müsse noch einiger sung all jener Demonstranten der Gleichbehandlung der Bür- chen. Seiters äußerte sich zu-
530 Delegierten. Deshalb sei es „Plüsch" entfernt werden. Über ausgesprochen, die bei den Pro- ger vor dem Gesetz, garantiert frieden darüber, daß sich die
sein „Herzenswunsch", daß sich ros Storch und Ehlers entfallen
Gesamtbaukosten und Termine testaktionen keine Gewalttaten in Art. 20 der Verfassung, Art. 5 DDR zu einer humanitären
85 000 DM. Wie der Bundes-
die Reformwünsche in der DDR ratspräsident wollte er sich noch nicht äußern. begangen hätten. Strafgesetzbuch und Paragraph und pragmatischen Lösung
durchsetzen. und schleswig-Er hoffe aber, daß die Bauarbei- Vogel setzte sich in einer 5 Strafprozeßordnung." Es sei bereitgefunden habe.
holsteinische Ministerpräsidentten abgeschlossen sein werden, überraschenden und aufsehen- unvertretbar, einerseits vom Nach Informationen der
Kohl rief erneut zur Integra- Björn Engholm (auf unserem wenn das Bundesland Schles- erregenden Stellungnahme auch Staat Sonderwege in die Bundes- „Bild"-Zeitung sieht die Lö-
tion der DDR-Übersiedler sowie Bild mit dem ersten Preis), mit- wig-Holstein turnusgemäß wie- für die Freilassung all der DDR- republik zuzulassen und „ande- sung vor, daß die Flüchtlinge
der deutschen Aussiedler aus teilte, sollen die drei besten Ent- der den Präsidenten der Länder- Bürger ein, die wegen Flücht- rerseits für analoges Verhalten in der DDR-Botschaft in
Osteuropa auf. Es sei kein würfe überarbeitet werden und kammer stellt - und das ist im versuchs über Ungarn, die Haftbefehle zu verkünden". Warschau vorsprechen und
Chauvinismus, sich ihrer Pro- dann vor einer endgültigen Ent- Jahre 1999. Siehe auch nächste Seite entsprechende Reisepapiere
bleme bei der Eingliederung be- scheidung vom Preisgericht be- CSSR oder Polen verhaftet wor-
sonders anzunehmen. (dpa-Funkbild) den sind. Nach Angaben infor- und „Themen des Tages" beantragen.
Kohl hob vor dem Landespar-
teitag auch die bundespolitische
Bedeutung der Landtagswahl im Nach schwierigen Verhandlungen über Wirtschaftshilfe: Calden - Mallorca
kommenden Jahr hervor. Die
CDU habe noch acht Monate
Zeit, um dem Bürger die erfolg-
reiche Politik von Ministerprä-
sident Ernst Albrecht zu ver-
deutlichen. Kohl kündigte an,
Kohl reist am 9. November nach Polen Vorerst keine
Charterflüge
daß er sich im niedersächsi-
schen Wahlkampf besonders Bonn (dpa). Bundeskanzler schlußreifen Vereinbarungen Flüchtlinge, die von der Bonner che Regelung sein, sagte Gen-
engagieren werde. Cohl wird seine lange erwartete zählt die Bereitschaft der Bun- Botschaft in Warschau betreut scher in Hamburg: „Wer heute Kassel/Calden (ach). Aus dem
leise nach Polen am 9. Novem- desregierung, für Kredite an Po- werden, sagte Klein, er könne bei uns die Westgrenze Polens
)er antreten. Wie Regierungs- len zu bürgen. Zahlen wollte sich denken, daß bis zum ,Kohl- in Frage stellt oder den Ein- ^harterflug in den sonnigen Sü-
en vom Flugplatz Kassel in
iprecher Klein gestern in Bonn Klein nicht nennen, dementierte Besuch erneut eine „humanitä- druck erweckt, er wolle sie zu- 3alden wird vorerst nichts: Aus
Interview »ekanntgab, wird sich Kohl in aber die in Berichten genannte re, pragmatische Lösung" gefun- künftig in Frage stellen, der ge- icherheitsgründen gibt es für
iegleitung von Außenminister Summe von zwei bis drei Milli- den werde. fährdet den Prozeß der Annähe- en ab Mai 1990 geplanten
jenscher und einer Reihe wei- arden DM nicht. Einziger noch rung zwischen West und Ost in -harterverkehr nach Mallorca
Minister sucht erer Kabinettsmitglieder bis offener Punkt sei, ob für diese
;um 14. November in Polen auf- Kredite eine Rahmensumme Warnung Genschers
Europa, der gefährdet den Re- ceine Genehmigung. Dies teilte
form- und Demokratisierungs- gestern Hessens Wirtschaftsmi-
Arbeit für Ungarn lalten. Er folgt einer Einladung vereinbart werde, wie dies von
.es neuen polnischen Minister- Polen gewünscht werde. Dies
prozeß in Mittel- und Osteuro- nister Schmidt mit. Als Sicher-
In der Bundesrepublik ist in- pa." eitsproblem gilt unter anderem
iräsidenten Mazowiecki. sei aber eher eine Frage des zwischen die Diskussion um die Unterdessen forderte Vertrie- ie Bundesstraße 7, die, nur 50
' Kassel (bre). Ungarns Han- Die Reise war wegen der Re- Verfahrens. . polnische Westgrenze erneut benen-Präsident Czaja, die Bun- vleter vom Ende der Rollbahn
delsminister Tamas Beck hat in gierungsumbildung in Polen und Als Gegenleistung akzeptiert aufgeflammt. Außenminister desregierung müsse „mit dem entfernt, verlegt werden soll.
Kassel an die Bundesrepublik ler schwierigen Verhandlungen Polen unter anderem erstmals Genscher wandte sich mit der ganzen politischen und wirt- Der Straßenneubau wird wegen
appelliert, seinen Landsleuten iber die Wirtschaftshilfe der die Existenz einer deutschen bisher schärfsten Warnung ge- schaftlichen Gewicht" dafür der Genehmigungsverfahren je-
Arbeit zu geben. Durch Schlie- Bundesrepublik für das Land Minderheit mit entsprechenden gen solche Debatten. Einen Tag sorgen, daß Flüchtlinge von pol- och mehrere Jahre dauern.
ßungen von Bergwerken wür- mehrfach verschoben worden. Rechten. Es wird sich auch an nach einer Erklärung des Bun- nischen Behörden nicht mehr Schmidt betonte den Willen
den bald 10 000 Ungarn arbeits- Jetzt seien alle Fragen „ausge- der Einrichtung von Gedenk- des der Vertriebenen, die Gren- festgenommen und in die DDR er Landesregierung, den ge-
los. Siehe auch Interview auf tandelt, abgestimmt, verein- stätten für Deutsche beteiligen. zen von 1937 müßten Ausgangs- «zurückgeschickt werden. ilanten Flughafen-Ausbau wei-
„Themen des Tages". iart", sagte Klein. Zu den ab- Zum Problem der DDR-punkt für jede friedensvertragli- Siehe auch Kommentar er zu unterstützen.
Nr. 240 Politik Samstag, 14. Oktober 1989

Namen u n d Reformdiskussion / Honecker traf sich mit Parteivorsitzenden Zinspolitik Reformstaaten


Nachrichten
Keine weiteren Zugeständnisse Thatcher stützt Vogel für großes
Schatzkanzler Hilfsprogramm
Ostberlin/Hamburg (dpa). „Reisemöglichkeiten" zu finden. Konsistorialpräsident Manfred
Zum ersten Mal hat sich DDR- Die Vorsitzenden der anderen Stolpe nannte die Verbindung Blackpool (AP). In ihrer Rede Budapest (dpa). Eine konzer-
Staats- und Parteichef Ho- Parteien erklärten ihre volle von Reformforderungen und zum Abschluß des viertägigen tierte Hilfsaktion Westeuropas
necker zu den Problemen in sei- Unterstützung für die Politbüro- wirtschaftlichen Hilfsangeboten Parteitags der britischen Kon- für die Reformbewegungen in
nem Land öffentlich zu Wort ge- Erklärung, hieß es bei ADN. Die sogar eine „Bedrohung". servativen im Seebad Blackpool Ungarn und anderen Ländern
meldet. Nach einem Treffen mit gravierendsten Veränderungen Während die Demokratiebe- hat sich Premierministerin Ost- und Mitteleuropas hat
den Vorsitzenden der anderen fordert offenbar der Vorsitzende wegung „Neues Forum" die Er- Thatcher gestern mit Nach- SPD-Chef Vogel vorgeschlagen.
DDR-Parteien (Ost-CDU, Libe- der Liberalen, Gerlach. Er trat in klärung des SED-Politbüros als druck hinter ihren Schatzkanz- Die Bundesrepublik müsse für
I raldemokratische Partei, Bau- der Parteizeitung „Der Morgen" „erstes Zeichen" bewertete, daß ler Lawson gestellt. Dessen eine solche Aktion nach dem
ernpartei und National-Demo- dafür ein, Bürgerbewegungen sich die Staatsführung mit ange- jüngste Entscheidung, die Zins- Vorbild des amerikanischen
, kratische Partei) berichtete die am Dialog teilnehmen zu lassen. stauten, tiefgreifenden Proble- sätze kräftig zu erhöhen, hatte Marshall-Plans nach dem Zwei-
j amtliche DDR-Nachrichten- Die Oppositionsgruppe „Neu- men auseinandersetzen wolle, in den Reihen der Partei Unbe- ten Weltkrieg die Initiative er-
agentur ADN ausführlich über es Forum" hat unterdessen er- schlug die SED eine härtere hagen ausgelöst. greifen, sagte er gestern wäh-
die Haltung Honeckers, die sich neut ihre-staatliche Zulassung Gangart gegenüber der organi- Thatcher sagte, sie verstehe, rend einer Veranstaltung der
aber fast wortgetreu an der vor verlängt. Zudem forderte die sierten Opposition an. In einem daß höhere Zinssätze bei Haus- Friedrich-Ebert-Stiftung in Bu-
zwei Tagen veröffentlichten Er- Bürgerinitiative juristische Rah- internen Papier für Mitglieder besitzern, . Landwirten und dapest. -
klärung des SED-Politbüros ori- menbedingungen, damit Mei- versuchte die Partei, das „Neue Kleingewerbetreibenden für Be- Ungarn strebt nach den Wor-
entiert. Honecker, Abschnitte nungsäußerungen, Bürgerinitia- Forum" als staatsfeindliche unruhigung sorgten. Wie schon ten von Parlamentspräsident
des Gespräches wurden auch im tiven und Parteien „nicht mit der Gruppierung darzustellen. In früher werde die Inflation aber Matyas Szürös eine internatio-
Späth stellt EG-Buch vor Fernsehen gezeigt, gestand den Anschuldigung der Staats- und diesem Papier, offenbar eine Ar- auch diesmal durch höhere nal garantierte Neutralität an.
Blockparteien „eigenständige Verfassungsfeindlichkeit zum gumentationshilfe, wird aber Zinssätze wieder zum Sinken Diese Entscheidung werde
Mit einem neuen Europa-Buch, Beiträge", zu.
das nach seinen Worten „ehr- Schweigen gebracht werden". auch offen über eine notwendige gebracht werden, sägte sie in ih- schon bald auf der Tagesord-
lich und realistisch" sein soll, ist Vertreter der offiziellen Poli- Änderung der Medienbericht- rer immer wieder von tosendem nung stehen, sagte er im Ge-
Baden-Württembergs Minister- tik und.der Opposition in der erstattung gesprochen. Beifall unterbrochenen Rede. spräch mit dem SPD-Vorsitzen-
präsident Lothar Späth auf den „Reisemöglichkeiten" DDR waren sich einig in der Ab- Thatcher, die gestern 64 Jah- den.
Literaturmarkt gegangen. Der lehnung von Ratschlägen aus re alt wurde, war beim Betreten
Titel „1992, Der Traum von Eu- Er wiederholte die Ankündi- der Bundesrepublik zur Bewälti- Zurückhaltung angemahnt des Konferenzsaales von den
ropa" wurde gestern auf der gung, das Zentralkomitee werde gung ihrer Probleme. Der Ost- Delegierten mit dem Lied „Hap- Ungarn-Besuch im Herbst
Frankfurter Buchmesse vorge- bei seiner nächsten Tagung dem berliner Kulturstaatssekretär Bundespräsident von Weiz- py Birthday" überrascht wor-
stellt. Späth zeigt in dem Buch gesamten Volk Vorschläge zu Dietmar Keller, der in Wolfen- säcker und Bundesaußenmini- den. In ihrer Ansprache be- Bei einem Besuch des ungari-
Perspektiven auf, die er für den den „nicht leichten Herausfor- büttel war, verbat sich sogar je- ster Genscher begrüßten den- in zeichnete sie 1989 als „phanta- schen Außenministers Hörn in
Kontinent an der Schwelle zum derungen der 90er Jahre" ma- den „Nachhilfeunterricht" aus der DDR in Gang gekommenen stisches Jahr für die Freiheit". Bonn kündigte Bundeskanzler
nächsten Jahrtausend sieht. chen. Es gelte, gemeinsame Ant- dem Westen, dessen „pure Ge- Reformansatz und mahnten zur Noch jahrzehntelang werde Kohl gestern an, er werde noch
worten etwa für die Einheit von schwätzigkeit" eine „unsagbare Zurückhaltung. Weizsäcker be- man sich an 1989 als an das Jahr in diesem Herbst nach Ungarn
Wirtschaft und Sozialpolitik, und nicht ertragbare Erschwer- kräftigte seinen Appell: „Nicht erinnern, in dem die Völker reisen. Auch Außenminister
Bush billigt Gesetz wirtschaftliche Leistungsfähig- nis für unser Denken und auch hier Recht behalten, sondern Osteuropas begonnen hätten, Genscher plant noch für dieses
Die Entweihung der.amerikani- keit, gute Warenangebote, „le- für unsere gemeinsame Zu- drüben weiterhelfen ist das Ge- „ihre Ketten abzuwerfen". Jahr einen erneuten Besuch in
schen Nationalflagge kann bensverbundene Medien" und kunft" darstelle. Der Ostberliner bot der Stunde". Siehe auch Kommentar Ungarn. •
künftig mit Geldbuße oder Ge-
fängnis bestraft werden. US-
Präsident Bush teilte am Freitag
mit, er werde eine vom Kongreß
40-Jahrfeier
gebilligte Vorlage in Kraft treten
lassen.

15 Rubel für Zahnbürste


Breit: DGB muß vielleicht
Auf den Schwarzmärkten von
Moskau klettern die Preise auf
noch politischer werden
Rekord-Höhen. Dies berichtete
die Zeitung „Moscow News" Düsseldorf (dpa). Der Deut- hätten die Kraft zum Kompro-
und nannte als Beispiele impor- sche Gewerkschaftsbund wird miß.
tierte Zähnbürsten für 15 Rubel nach Überzeugung seines Vor- Die Gewerkschaften müßten,
das Stück (etwa das dreifache in sitzenden Breit auch im Jahr so Breit weiter, ihre Kompetenz
DM), Jeans für bis zu 400 Rubel 2000 als politische Organisation für die bei ihnen unterdurch-
oder Frauenstiefel für 1500 Ru- eine gestaltende Kraft in einer schnittlich , repräsentierten
bel. sich verändernden Gesellschaft Gruppen von Arbeitnehmern
sein. Der DGB werde vielleicht verbessern, ihre Fehler und De^
noch politischer werden müssen fizite offen darstellen. „Das De-
Urteil lost Befremden aus - nicht im Sinne von Parteipoli- bakel der Gemeinwirtschaft hat
Nach Ansicht/per Ausländerbe- tik, sondern im Sinne des Den- uns viel Kredit gekostet - im.
"•"* ~ T "| aufträgten • der kens und Handelns in gesamtge- buchstäblicher! und übertrage-
Bundesregie- sellschaftlichen Zusammenhän- nen Sinn". — •:
[ rung, Liselotte gen, in den Zusammenhängen 'Zur Verleihung des mit
Funcke (FDP), von Arbeit und Wohnen, von 20 000 DM dotierten Hans-
hat die Ent- Arbeit und Kultur, sagte Breit Böckler-Preises an den Präsi-
| scheidung des gestern auf der 40-Jahrfeier des denten des Deutschen Evangeli-
Bundesverfas- DGB in Düsseldorf. schen Kirchentages, den frühe-
sungsgerichts Voraussetzungen für weitere ren Bundesverfassungsrichter
gegen eine Teil- Erfolge sieht der im nächsten Simon, meinte Breit, Kirchen
nahme . von Jahr aus dem Amt scheidende und Gewerkschaften träten für
I Ausländern an mehr soziale Gerechtigkeit ein.
I der schleswig- Bundesdeutscher Flottenverband in Leningrad eingelaufen DGB-Vorsitzende in Offenheit,
Dialogfähigkeit und Glaubwür- Diese Möglichkeiten seien je-
doch noch nicht ausgeschöpft.
: holsteinischen Drei Schiffe der Bundesmarine dersachsen" und dem Versorger dem Kommandanten der „Nie- digkeit. Die Gewerkschaften
Kommunal- sind gestern morgen zum ersten „Coburg". Der viertägige Be- dersachsen", Gottfried Hoch müßten den Menschen ihre Ide- Als ein Geschwisterpaar, das
wahl bei den Betroffenen „Ent- bundesdeutschen en nahebringen und engagierte einander braucht und sich er-
täuschung und Befremden" her- such der SowjetunionFlottenbe- such wurde Anfang Mai vom (rechts) und dem stellvertreten-
Mitglieder gewinnen. Vor allem gänzt, sieht Bundesarbeitsmini-
vorgerufen. Die ausländische grad eingelaufen. Derjn Lenin-
Verband
Generalinspekteur der Bundes- den Kommandanten der Lening-
wehr, Dieter Wellershoff, in rader Marinebasis, Admiral Tu- aber müßten die Gewerkschaf- ster Blüm (CDU) die Bundesre-
Bevölkerung habe gehofft, „daß besteht aus cfem Zerstörer ten auch kampffähig bleiben - publik und den DGB. Die Ein-
sie als Wähler bei den Politikern „Rommel", der Fregatte „Nie- Moskau vereinbart. Unser Bild lin. Siehe Bericht auf „Themen
zeigt die Begrüßung zwischen des Tages" (dpa-Funkbild) und kompromißfähig." Nur heitsgewerkschaften seien allen
mehr Gehör für ihre Anliegen" starke Gewerkschaften aber Alternativen überlegen.
finde, erklärte Frau Funcke ge-
genüber der Presse.
Drogen-Krieg Haussmann Terrorismus-Prozeß Arbeitsgemeinschaft historischer Fachwerkstädte
275 Jahre Finanzkontrolle
In einem Festakt im Frankfurter
Römer wurde gestern dem
Mitterrand: DAG: Amoklauf 253 Angeklagte Bonn soll DDR bei Sanierung helfen
275jährige Bestehen der Staatli-
chen Finanzkontrolle in EG muß helfen stoppen freigesprochen Stade (dpa). Bundes- und Lan- den Verfall hochrangiger, histo-
desregierungen sollen in Ver- rischer Altstädte", heißt es in ei-
Deutschland gedacht. Die Tra-
dition der preußischen „Gene- Bogota (dpa). Der französi- Hamburg (AP). Gegen das Rom (dpa). Mit einem Frei- handlungen mit der DDR über ner ^Resolution der Arbeitsge-
ral-Rechen-Kammer" aus dem sche Staatspräsident Mitterrand „ständige unqualifizierte Hin- spruch für alle 253 Angeklagten eine bundesdeutsche Wirt- meinschaft, der 70 Städte und
Jahr 1714 setzt heute der Bun- hat bei einem Besuch in Bogota einreden von Bundeswirt- endete gestern in Rom einer der schaftshilfe auch fachliche, tech- zahlreiche Landkreise angehö-
desrechnungshof in Frankfurt der Regierung Kolumbiens Hilfe schaftsminister Helmut Hauss- letzten Massenprozesse gegen nische und finanzielle Unterstüt- ren. Mit einer Denkmalschutz-
fort, dessen Arbeit Bundestags- in ihrem gegenwärtigen Kampf mann in die Belange der Tarif- Verdächtige aus dem Kreis der zung zur Sanierung der Altstäd- hilfe könne nicht nur das kultu-
vizepräsidentin Renger (SPD) gegen die Drogen-Mafia zuge- vertragsparteien" hat sich am Roten Brigaden. Das Schwurge- te in der DDR einbeziehen. Das relle Erbe in der DDR bewahrt,
und Bundesfinanzminister Wai- sagt. Nach einem zweistündigen Freitag der Vorsitzende der richt wies die Anklage wegen hat die „Arbeitsgemeinschaft hi- sondern zugleich die Versor-
gel (CSU) würdigten. Der Rech- Gespräch mit dem kolumbiani- Deutschen Angestellten-Ge- «Aufrufs zum bewaffneten storischer Fachwerkstädte in gung der Bevölkerung mit zeitge-
nungshof diene auch dem Inter- schen Staatschef Virgilio Barco werkschaft (DAG), Issen, ge- Kampf" und „Vorbereitung des Hessen und Niedersachsen" ge- mäß ausgestattetem, individuell
esse des Steuerzahlers, sagte erklärte Mitterrand, Frankreich wandt. Bei der Eröffnung einer Bürgerkieges" zurück. sterngefordert. „Wir beobachten gestaltetem Wohnraum verbes-
Waigel. werde sich dafür einsetzen, in- tarifpolitischen Tagung seiner Der im Februar eröffnete Pro- mit großer Sorge den schleichen- sert werden.
nerhalb der EG „Strategien aus- Organisation in Hamburg sagte zeß war von Anfang an umstrit-
zuarbeiten, die Ländern wie Ko- Issen, vom Bundeskanzler müs- ten. Die Anklage stützte sich auf
Staatsbesuch in Marokko lumbien helfen". se erwartet werden, daß er den ein selten angewandtes Gesetz HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE Verlagsleitung
Bundespräsident Richard von Er kündigte die Entsendung Amoklauf seines Wirtschafts- aus dem Jahr 1928. Damit soll- ALLGEMEINE Dr. Dietrich Batz, Rainer Dierichs, Wigbert
Weizsäcker französischer Experten an, um ministers gegen die Tarifautono- ten nicht nur direkt an Gewalt- ;H. Schacht. Anzeigenleiter: Horst Prehm,
Vertriebsleiter: Gerd Lühring.
rechnet damit, die Regierung Kolumbiens im mie endlich ein Ende setzen. taten Beteiligte, sondern auch Herausgeber
daß bei seinem Drogen-Krieg auf den Gebieten „Herr Haussmann entwickelt Agitatoren; Kader und Rainer Dierichs, Dr. Dietrich Batz, Verlag Dierichs GmbH & Co KG, Frankfur-
Staatsbesuch in der Sicherheit und des Perso- sich zu einem Störfaktor, der „Schreibtischtäter" bestraft Achim von Roos ter Str. 168, Postfach 10 10 09, 3500 Kas-
nenschutzes zu beraten. Auch nur dazu beiträgt, daß die werden können. In der Urteils- sel, Ruf 05 61 / 20 3-0. Tel. Anzeigenan-
Marokko in der Chefredakteur nahme 05 61 7 20 3-3. Fernschreib-Nr.
nächsten Wo- juristische Experten sollen ent- schwierige Tarifrunde des Jah- begründung heißt es nun, die Lothar Orzechowski 99 635. Telekopierer05 61 /20 36. Teletex
che der euro- sandt werden. Mitterrand ist in- res 1990 noch zusätzlich bela- Aktivitäten der Angeklagten 5 618110. Pastgirokonto 155132-608
päische Bin- zwischen nach Paris zurückge- stet wird", meinte der DAG-hätten keine ernsthafte Gefahr WolfgangStellv. Chefredakteure Frankfurt/M. Anzeigenpreisliste Nr. 29. Mo-
Rossbach, Peter M. Zitzmann natlicher Abonnementspreis DM 25,60 inkl.
nenmarkt und kehrt. Chef. für den Staat bedeutet.
Zustellung und 7 % MwSt. (Postbezugs-
die Krisenher- .Verantwortliche Redakteure
de im Nahen ;hef vom Dienst: Horst Kröninger. Chef preis 28,50 DM).
Nachrichten: Rainer Merforth. Politik: Jo- Die Beendigung des Abonnements ist nur
Osten Schwer- chen Prater. Blick in die Zeit: Walter mit schriftlicher Kündigungserklärung unter
punktthemen Kiel (dpa). DDR-Flüchtlinge Schleswig-Holstein laubsaufenthalt nicht unter Schütz. Wirtschaft und Sozialpolitik: Horst Einhaltung einer Frist von einem Monat
bilden werden. sollen in Schleswig-Holstein in zehn Tagen. Das Angebot gelte Seidenfaden, Kultur: Dirk Schwarze, Frau zum Monatsende möglich; die Frist läuft ab
Er bezeichnete es als notwendig, den kommenden Monaten ko- auch für deutsche Aussiedler, u.semann,
Reise: Ilse Methe-Huber. Sport: Rolf Wie- Zugang der schriftlichen Kündigungserklä-
i. V. Ulrich Fuhrmann. Sonntags-
daß sich die EG nach Vollen- stenlos Urlaub machen kön- die in der Bundesrepublik noch zeit: Frank Thonicke. Kassel Stadt und rung.
dung des Binnenmarktes gegen- nen. Der Geschäftsführer des
über Drittländern offenhält und schleswig-holsteinischen
Kostenloser Urlaub keinen Urlaub machen konn- Land: Wolfgang Rossbach. Bezirksredak- Auflage werktags über 270 000 Exemplare
ten. tionen: Peter M. Zitzmann. Koordination: in Tarifgemeinschaft mit „Oberhessische
wies dabei auf die „Brücken- Fremdenverkehrsverbandes,
funktion" Marokkos zwischen Gerd Kramer, sagte gestern in
für DDR-Flüchtlinge Die Bundesregierung will Helmut Lehnart. Hessen/Niedersachsen: Presse", Marburg, „Hersfelder Zeitung",
Eberhard Heinemann. Chefreporter: Karl- „Werra-Rundschau", Eschwege, „Harzku-
Europa und Afrika hin. Weiz- Kiel, der Verband habe seine gerufen, „Freiplätze" zur Ver- für nach Angaben des Verbandes Hermann Huhn. Sonderthemen: Peter rier", Herzberg.
säcker ist der erste Bundesprä- Mitgliedsgemeinden und die fügung zu stellen. den Transport sorgen und Ochs. . : Auflage . „So_nntagszeit" ..über 200 OQQ
sident, der Marokko offiziell be- Vermieter im Lande dazu auf- Gedacht sei an einen Ur- stellen. Bahnfreikarten zur Verfügung Redaktion Wiesbaden: Rolf Effenberger Exemplare.
Redaktion Hannover Harald Birkenbeul. Herstellung Druckhaus Dierichs,
sucht. Redaktion Bonn: Hans Ludwig Laucht Frankfurter Straße 168, 3500 Kassel.
Nr. 240 Themen des Tages Samstag, 14. Oktober 1989

Ungarns Handelsminister im Interview unserer Zeitung:


Verspäteter
Durchbruch
INun endlich steht der Termin der
Polen-Reise des Kanzlers fest. Im-
mer wieder hatte Helmut Kohl sei-
„Sozialismus hat ausgedient"
Von unserem Redaktionsmitglied Ulrich Brehme
nen Besuch in Warschau hinausge-
schoben. Erst hieß es, die Kredit-
wünsche der Polen seien unerfüll-
bar, dann verzögerte die unglückli-
O, ptimistisch hinsichtlich ei-
nes Beitritts seines Landes zur
Sollte Österreich aufgenommen
werden und wir nicht, wäre das
Wirtschaft auch soziale Kompo- und Baden-Württemberg sind
nenten enthalten? sehr hilfsbereit. Überhaupt ist
che Diskussion über die Oder-Nei- Europäischen Gemeinschaft so- sehr schlecht für uns. Grenzen, Beck: Selbstverständlich. Das Deutschland das einzige Land,
ße-Grenze den Fortgang der Annä- wie des gesellschaftlichen Wan- die jetzt geöffnet wurden, wür- deutsche System der sozialen das nicht nur mit Worten und
herung, schließlich brachte die pol- dels weg vom Sozialismus hat den dann wieder dichter wer- Marktwirtschaft dient uns als Solidariätsdeklarationen hilft,
nische Regierungskrise den Ter- sich der ungarische Handelsmi- den. Vorbild.
minplan durcheinander. Der fünf- nister Prof. Tamäs Beck in einem Strukturwandel sind - siehe Polen
zigste Jahrestag des deutschen Interview unserer Zeitung geäu- Welchen Termin für die Mitglied-Ein marxistisch geprägtes Ungarn- mit großen Opfern seitens der
Überfalls auf Polen verstrich ohne ßert. Dabei nahm er kein Blatt schalt halten Sie für realistisch? wird es also nicht mehr geben? Bevölkerung verbunden. Kann
den erhofften Durchbruch. Die vor den Mund. Der Wortlaut: Beck: Österreich wird nicht vor Beck: Meines Erachtens nicht. sich die Sparpolitik auch als Bume-
Chance, ein international beachte- 1995 aufgenommen. Insofern Endgültig aber werden das die rang erweisen?. TAMAS BECK (60) ist seit Okto-
tes, vielleicht sogar historisches Herr Minister, die Entwicklung ingehe ich davon aus, daß unser Wähler im nächsten Jahr ent- Beck: Kleine Streiks haben wir ber 1988 ungarischer Handels-
Zeichen partnerschaftlicher Zu- Ungarn erfreut viele Bürger im Beitritt in der zweiten Hälfte der scheiden. permanent. Aber die Gewerk- minister. Bis dahin war der Di-
sammenarbeit zu setzen, war ver- Westen. Gleichzeitig mehren sich 90er Jahre möglich ist. schaften bei uns haben ihre ei- plom-Ingenieur Generaldirek-
tan. aber Stimmen, die in diesem Zu- Wieviel Geld fehlt Ihnen, um die genen Probleme. Generell wer- tor eines Budapester Textilun-
Will Helmut Kohl sein Engage- sammenhang vor einer Destabili- Noch ist Ungarn wirtschaftlich undungarische Wirtschaft auf Vorder-den die Gewerkschafter bei uns ternehmens.
ment für Polen auch jetzt noch mit sierung in Europa warnen. Sind militärisch voll im Osten integriert.
mann zu bringen? nicht hoch geschätzt, .weil sie (Foto: Thienemann)
Rücksicht auf die Reaktion der Ver- diese Ängste begründet? Schließt dies nicht einen EG-Beitritt die Leute in den letzten 30 Jah-
triebenenverbänäe unter Wert ver- Beck: Zugegeben: Es geht al- aus? Beck: Genaue Zahlen kann ich ren nicht gut verteidigt haben.
kaufen? An der ehrlichen Bereit- les sehr schnell. Aber diese Ge- Beck: Nein, beide Mitglied- nicht nennen. Tatsache ist es Zugegeben könnte ein großer Beck: Wir arbeiten daran. Ich
schaft der Bundesregierung, den schwindigkeit ist notwendig. schaften sind meines Erachtens aber, daß wir viel Fremdkapital Streik unsere Lage sehr ver- glaube allerdings, daß dies noch
politischen Reformprozeß wirt- Schließlich gilt es, das verkru- gleichzeitig denkbar. benötigen. Der Wert der ungari- schlechtern. Ich halte das aber einige Jahre dauern wird.
schaftlich zu unterstützen und da- stete Regime hin zu einer plura- schen Wirtschaft (Gebäude, im großen und ganzen für ausge-
für tief in die Tasche des Steuer- listischen Gesellschaft zu ver- Zum Strukturwandel der ungari- Maschinen u.a.) ist so etwa auf schlossen. Hat Ungarn von den in Angriff
zahlers zu greifen, kann niemand ändern. Ich glaube aber nicht, schen Gesellschaft. Was ist ihre 25 Milliarden bis 30 Milliarden genommenen Reformen im Han-
zweifeln. Aber Informationen über daß Europa durch uns destabili- Zielvorstellung? Dollar zu taxieren. Der Struk- Wieviel Arbeitslose gibt es in Un- del schon profitiert?
den Umfang der Kredithilfe fließen siert wird. Beck: Der Sozialismus hat aus- turwandel benötigt wenigstens garn? Beck: Ja sicher. Beispielsweise
nur spärlich, und Kritik an den revi- gedient. Unser Ziel ist die zehn bis 15 Prozent dieser Sum- Beck: Nicht viele, so zwischen hat uns der Besuch des US-Prä-
sionistischen Äusserungen zur pol- Wird Ihr Land eines Tages Mit- Marktwirtschaft. Konkret: Wir me, f 10000 und 20000. Das sind sidenten Bush im Sommer wei-
nischen Westgrenze überläßt der glied der Europäischen Gemein-wollen das westliche System ko- häufig Leute, die nicht arbeiten tere Türen geöffnet. Mit der
Kanzler seinem Außenminister. schaft sein? pieren. Dieses Ziel hoffen wir in Sind Ihrer Ansicht nach die Deut- wollen. Das ist so wie in Bundesrepublik haben wir aus-
Wenn das so bleibt, wird Kohl mit Beck: Diese Situation kann ich zwei bis drei Jahren erreicht zu schen zu einer umfangreichen Hil- Deutschland. gezeichnete wirtschaftliche Be-
seiner Reise kaum etwas bewegen mir gerade vor dem Hintergrund haben. fe bereit? ziehungen, auch mit Österreich.
oder gar eine neue Ära der Bezie- der Diskussion um einen Beitritt Beck: Ja, ich bin sehr optimi- Wann wird der Forinth, ihre Wäh-Das bringt uns näher und öffnet
hungen einleiten können. Österreichs sehr gut vorstellen. Wird die anzustrebende Markt- stisch. Die Bundesländer Bayern rung, konvertibel? uns die Welt.
Das polnische Volk und die de-
mokratische Regierung Mazowiek-
ki verdienen unsere tatkräfte Hilfe Bundesmarine / Besuch Presse-Echo
bei der Lösung ihrer Probleme. Als
Gegenleistung können wir erwar-
ten, daß die Rechte der Deutschen
in Polen künftig respektiert und ge-
sichert werden. Dazu gehören
21 Schuß Salut Zur Freilassung von Christer Pettersson
im Berufungsverfahren um die Ermor-
dung des früheren schwedischen Mini-
auch alle Flüchtlinge aus der DDR,
deren völkerrechtswidrige Auslie-
vor Leningrad sterpräsidenten Olof Palme schreibt die
schwedische Zeitung
ferung beendet werden muß. Der
Kanzler sollte deren deutsches LJer erste Besuch eines Flot- Dagens Nyheter
Staatsbürgerrecht bei seinem Be- tenverbandes der deutschen
such in Warschau auch persönlich Bundesmarine in dem sowjeti-
bekräftigen. schen Hafen von Leningrad un- Daß das Oberlandesgericht
terstreicht nach den Worten Pettersson jetzt freigelassen hat,
Achim v. Roos von Flotillenadmiral Hans-Ru- sollte uns weder überraschen
dolf Böhmer „die gute Nachbar- noch schockieren. Gerechtig-
schaft in der Ostsee". Wie Böh- keit ist geübt worden ... Wenn
die Richter von der Schuld des
Maggie gab mer, der den aus der Fregatte
•,;Niedersachseri"i dem Zerstörer Angeklagten nicht zweifelsfrei
überzeugtlsind,. ist es richtig,
Zuversicht „Rommel"' sundk.:dem Versor-
gungsschiff „Coburg" bestehen- daß'er freigelassen Wird ... Den-
noch ist die Situation trauma-
den Verband kommandiert, ge-
stern in Leningrad erklärte, tisch. Nach dreieinhalb Jahren
wird die sowjetische Marine im %t diese unglückliche Mord-
Margaret Thatcher hat zurückge- kommission*, wieder da, wo sie
schlagen. In ihrer mit Spannung kommenden Jahr einen Gegen-
besuch in Kiel abstatten. begann. Die Zeugen können kei-
erwarteten Rede vor dem Tory-Par- nen neuen Verdächtigen identi-
teitag hat sie ihren alten Kampfes- fizieren. Eine Aufklärung setzt
mut sprechen lassen, und das Par- Beeindruckt äußerte sich der
Vizekommandeur der Leningra- etwas so Unwahrscheinliches
teivolk dankte es ihr damit, daß es voraus wie ein glaubhaftes Ge-
seine unverwüstliche „Maggie", die der Marinebasis Kronstadt,
Konteradmiral Kyrill Tulin, ständnis oder zwingende Indi-
an diesem Tag auch ihren 64. Ge- zien.
burtstag beging, triumphal feierte. über den „hervorragenden äu-
Nach schweren Tagen schöpften ßerlichen Eindruck" und die
die Konservativen wieder Zuver- „Die Spendierhose muß auch mit!" (Karikatur: Wolf) „moderne Ausrüstung" an Bord Das mögliche Tauwetter in der DDR und
sicht. Dieser Abschluß und Höhe- der „Niedersachsen''. Tulin hat- dessen Auswirkungen auf das östliche
punkt des Parteitages wirkte te der Fregatte am Morgen einen Lager kommentiert die französische Zei-
schon wie die Eröffnung eines vor- Ein Hauch von Glasnost zieht durch die Presse Besuch abgestattet, nachdem tung
die Schiffe mit der Flagge der
zeitigen Wahlkampfes.
Hätte man es wirklich anders er-
sowjetischen Kriegsmarine am LES ECHOS
warten können? Der Hintergrund
war düster. Die Wirtschaft befindet
sich in Schwierigkeiten. Verschie-
dene Vorhaben der Regierung sind
DDR-Bürger rieben sich die Augen Mast im Passagierhafen von Le-
ningrad festgemacht hatten.
Beim Passieren der Marinebasis Mehr noch als die schlechten
wurden von der Festung Kron- -Beispiele
stadt 21 Schuß Salut abgegeben. müssen
Polen und Ungarn
die Führer der Tsche-
höchst unpopulär. Die Labour-Op- Von dpa-Korrespondent Heinz Joachim Schottes choslowakei berechtigterweise
position liegt bei Umfragen in Füh- die geringsten politischen Kon-
rung. Deshalb haben sich bange zessionen fürchten, die ihre ost-
Zweifel in den eigenen Reihen er-
iele DDR-Bürger rieben sich wärtigen Lage in der DDR ver- walt doch fester an: Junge Historischer Augenblick deutschen Kollegen machen
hoben, und warnende Stimmen
am Freitag morgen verdutzt die langt. So erfahren die Leser, daß Volkspolizisten mit klaffenden könnten. Ihre Furcht ist heu^e
wurden laut. Nun: Frau Thatcher
Augen und konnten kaum glau- der FDJ-Vorsitzende Erhard Platzwunden, von Steinen zer- Bei der Begrüßung wies Böh- umso begründeter, als daß alles
ben, was sie in ihren eigenen, oft Aurich die Künstler gebeten droschene Bauzäune, ein brutal mer auf den „historischen Au- darauf hinweist, daß die ost-
hat es gemacht wie vor ihr Schatz- so geschmähten Zeitungen la- hat, auf das öffentliche Verlesen zerstörter Bahnhof."
kanzler Lawson, der sich weigerte, sen. Das, was vor einer Woche der kritischen Resolution zu In der Gewerkschaftszeitung genblick" des ersten Besuchs deutschen Kommunisten zu ei-
von einer „Pfund-Krise" zu spre- noch von vielen für unmöglich verzichten. Sie jedoch wollten „Tribüne" wird der Vorsitzende, wjethafender Bundesmarine in einem So- ner tiefgreifenden Revision
chen, und der die eigentlichen gehalten worden war, schien dem solange nicht entsprechen, das Politbüromitglied Harry wird vier Tage hin. Sein Verband schreiten, wenn sie Erich Ho-
Schwachpunkte gar nicht erwähn- eingetreten zu sein: Die Blätter bis diese Resolution in den Tisch zitiert. Jeder habe das Stadt bleiben. Zum in der Newa- necker nicht sogar ins Aus stel-
te. Sie hat das alles weggewischt waren neben dem gewohnten DDR-Medien veröffentlicht ist. Recht, Fragen zu stellen und sei- hatten im Jahre 1912 letzten Mal len. Es steht fest, daß die Tsche-
und sich nur auf zwei Punkte kon- Lob voll offener Kritik an Zu- Es ist sogar von massiver Behin- ne Meinung zu sagen. Kritik Kriegsschiffe im Hafen deutsche choslowakei über kein einziges
Mittel und noch weniger über
zentriert. Sie legte selbstbewußt
wieder ihre Leistungsbilanz vor
ständen im eigenen Land und derung und Auftrittsverboten müsse auch zur Kenntnis ge- Sankt Petersburg angelegt. von eine Berechtigung verfügen
voller Nachdenklichkeit über sowie Verhaftungen die Rede. nommen werden. „Schnelle und
und eröffnete einen harten Gegen- das Schweigen der Führung. Selbst die spröde TV-Nach- umfassende Informationen auf Bedeutung Der Admiral unterstrich die würde, das aus der Niederschla-
angriff gegen die Labour-Partei, der Wahl Leningrads gung des Prager Frühlings von
die sich soeben in neuem Gewand Nachdem das Politbüro am richtensendung, die „Aktuelle allen Ebenen sowie in den Me-
für den Besuch. Jeder Soldat sei- 1968 herrührende Regime auf-
vorstellte. Der Tenor lautete dabei: Mittwoch mit einer Erklärung Kamera" ließ am Donnerstag dien" ge
seien für „kühne und muti-
Entscheidungen" unverzicht- nes 650 Mann starken Verban- recht zu erhalten, falls der ost-
alles nur Mache. Nichts hat sich an die Öffentlichkeit getreten abend einen Bauarbeiter zu des wisse, daß im Zweiten Welt- deutsche Riegel aufspringt.
bei Labour geändert. war, in der zum Dialog mit dem Wort kommen. Der sprach da- bar. krieg die Bevölkerung Lenin-
Volk aufgerufen und beteuert von, daß die Menschen ein biß- Soviel „Glasnost" hatten die grads „unglaublich gelitten"
Frau Thatcher stellte sich nicht wurde „Wir stellen uns der Dis- chen mehr Bewegungsfreiheit DDR-Bürger ihren Medien gar habe. Bei einer 900 Tage dau- Wenn Ausländer mitentscheiden wollen,
als gewandelte, als „neue" Maggie kussion", und es gehe um „le- brauchten und wenn sie frei rei- nicht zugetraut. Noch vor einer ernden Blockade der Stadt wa- wer und wie hierzulande regiert, sollen
vor, wie es ihr verschiedentlich an- bensverbundene Medien'', rea- sen könnten, kämen sie auch Woche hatte es nicht nach der ren mehr als eine Million Ein- sie die deutsche Staatsbürgerschaft er-
geraten wurde. Da würde sie um gierten die staatlich gelenkten wieder zurück. Auch die Ge- jetzigen Entwicklung ausgese- wohner durch Artilleriebeschuß werben, die künftig problemloser als
ihre Glaubwürdigkeit fürchten. DDR-Medien. schäfte müßten ein bißchen vol- hen. Der Druck in den Redaktio- ums Leben gekommen oder ver- bisher erteilt werden soll, schreibt der
Margaret Thatcher vertraut auf die Fehlende Antworten der Füh- ler sein, dann gebe es solche nen scheint überhand genom- hungert. Am Denkmal für die Münchner Merkur
Eigenschaften, tür die sie in Groß- rung hätten ein Gefühl der Unsi- Probleme nicht. men zu haben. Andere schätzen, Kriegsopfer will Böhmer mit ei-
MÜNCHNER ZEITUNG
britannien und in der Welt bekannt cherheit hinterlassen, schreibt daß die Zeitungen wegen der Le- ner Abordnung von 60 Matro-
ist und die ihr bisher den Sieg ge- Erich Augusta in der Öst-,fBerli- serbriefflut die Flucht nach vor- sen heute ein Blumengebinde Damit sind dann allerdings
bracht haben. Das weiß man jetzt, ner Zeitung". In einem Kom- Selbstkritische Töne ne angetreten haben. niederlegen. nicht nur Rechte, sondern auch
aber nun muß sich eben zeigen, ob mentar heißt es weiter, die Re- Eine unrühmliche Ausnahme Verbindlichkeiten verbunden -
die Briten immerzu ihre alte Mag- dakteure der „Berliner Zeitung" Die „Junge Welt" druckte fer- macht immer noch das SED- Neben offiziellen Treffen mit wie die Wehrpflicht. In den De-
gie wiederhaben wollen. verstünden die Lebensverbun- ner die Entschuldigung eines Zentralorgan „Neues Deutsch- Vertretern der sowjetischen batten um Integration steckt
Klaus Kämpgen, London denheit sehr wohl als Wunsch, Redakteurs der „Sächsischen land". Am Mittwoch wurde der Marine stehen auch Stadtbe- häufig mehr Scheinheiligkeit als
„als Forderung der Leser, auch Zeitung", dem SED-Bezirksor- „Betonkurs" fortgesetzt mit ei- sichtigungen der Besatzungs- echtes Engagement. Manche
als Ermutigung". gan, an eine Leserin aus Dres- nem Kommentar, in dem Bonn mitglieder sowie sportliche Be- derjenigen, die sich vehement
Die Zeitung des staatlichen den wegen der Berichterstat- wieder Einmischung in die inne- gegnungen deutscher und so- für das Ausländerwahlrecht ein-
Das Zitat Jugendverbandes FDJ, die tung ab. Bezugnehmend auf die ren Angelegenheiten vorgewor- wjetischer Matrosen auf dem setzen, denken vorrangig an zu-
„Junge Welt" ist am Freitag voll Demonstrationen in Dresden fen wird. Am Donnerstag die Po- Programm. Großer Andrang sätzliche Wählerstimmen. Und
„Ich glaube, das, was die Men- oppositioneller Stellungnah- heißt es selbstkritisch: „Aber litbüro-Erklärung, am Freitag wird erwartet, wenn die Bevöl- das vor dem Hintergrund einer
schen hören wollen, ist Redlich- men. Sie druckt sogar eine auch an uns gingen die Ereignis- wird immerhin auf der Kultur- kerung Leningrads heute und Untersuchung... aus dem Jahre
keit. Auch unangenehme Redlich- „Klarstellung" von Unterhal- se der vergangenen Woche seite die Erklärung des Präsidi- morgen für mehrere Stunden die 1984 über das zu erwartende
keit. Von allem anderen haben sie tungskünstlern, die die Veröf- nicht spurlos vorüber. Und ir- um der Akademie der Künste Möglichkeit-hat, die drei Schiffe Wahlverhalten von Türken und
fentlichung der Resolution von gendwie faßt man den Stift in der DDR abgedruckt, in der zu besichtigen. Jugoslawen, die laut Studie zv
genug.
Hans-Jürgen Wischnewski über 3000 Kollegen zur gegen- Anbetracht stattgefundener Ge- Pressefreiheit gefordert wird. (dpa) 75 Prozent für die SPD votieren..
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Rabatt steigt Sabatini Turner Erste Bronze Frankfurt WM-Titel Börsenrätsel
auf 65 Prozent gewinnt Neunte Schlappe bei WM Meister geholt Aktionäre, so lautet ein zynischer
Bonn (dpa/vwd). Mit den neu- Spruch in Börsenkreisen, sind
en Tarifen in der Autohaft- Gabriela Sabatini Die Turner der In der Eishockey- Zum Abschluß Zum dritten Mal Das deutsche nicht nur dumm, sondern auch
pflicht-Versicherung werden gewann den mit Bundesrepublik lie- Bundesliga bezog der Judo-Weltmei- nach 1969 und 1970 Meisterpaar Hans- frech. Dumm, weil sie Aktien kau-
zum 1. Januar 1990 auch die 250 000 Dollar do- gen bei der 25. der Schwenninger sterschaft in Belgrad wurde der SC Reinhard Galke und fen, und frech, weil sie dafür auch
Sätze beim Schadenfreiheitsra- tierten Tennis- Weltmeisterschaft ERC mit 3:5 beim holte der 33 Jahre Frankfurt 1880 Bianca Schreiber noch eine Dividende wollen. Am
batt angepaßt. Wie der HUK- Grand-Prix in Fil- in Stuttgart nach der BFC Preusssen Ber- alte Alexander von Deutscher Feldhok- wurde in Montreal heutigen Tage sind sie dazu auch
Verband der Autoversicherer derstadt. Die an Pflicht mit 283,35 lin die erste Saison- der Groeben in der key-Meister. Im Fi- Amateur-Weltmei- noch ängstlich: Ein „Schwarzer
am Wochenende in Bonn mit- Nummer eins ge- Punkten auf dem Niederlage und All-Kategorie Bron- nale setzten sich die ster in den latein- Montag" droht, nachdem letzten
teilte, erhalten Autofahrer, die setzte Argentinierin neunten Platz. Titel- büßte die Tabellen- ze. Für den Wolfs- Frankfurter mit 3:2 amerikanischen Freitag das Börsenbarometer Wall-
15 Jahre und länger schadenfrei schlug im Finale verteidiger UdSSR spitze an die Düssel- burger war es bei im zweiten Sieben- Tänzen vor den street in New York auf Hurrikan-
gefahren sind, einen Rabatt von Mary Joe Fernan- liegt mit 293,15 dorfer EG ein, die im seinem sechsten meterschießen beim Engländern Porter/ Werte fiel, ehe das Wochenende
65 statt bisher 60 Prozent. Dage- dez (USA) nach 1:45 Punkten vor der Rhein-Rivalenduell WM-Anlauf das er- Gastgeber HTC Uh- Gevaert und den die Kursstürze bremste.
gen vermindert sich der Rabatt Stunden mit 7:6 DDR (288,80) und mit 6:3 beim Kölner ste Edelmetall über- lenhorst Mülheim Schotten McKech- Dabei kann es die deutschen
nach neun Jahren von 60 auf 55 (7:5), 6:4. China (288,75). EC gewann. haupt. durch. nie/Rees. Spekulanten keineswegs beruhi-
Prozent. gen, daß es Auswüchse wie in den
USA bei uns nicht gibt. Dort wer-
den spektakuläre Firmenübernah-
2100 DDR-Bürger kamen über Ungarn men mit hochverzinslichen und risi-
koreichen Anleihen finanziert; spä-
ter können die erworbenen Firmen
dann ausgeplündert werden. Sol-

Flüchtlingsstrom che „Schrott-Anleihen" (junk


bonds) spielen diesseits des Gro-
ßen Teichs zwar keine Rolle. Aber
wenn die USA vom Börsenfieber
geschüttelt werden, ist bei der

schwillt wieder an wirtschaftlichen Verflechtung die


Ansteckungsgefahr dennoch groß.
Kommt es heute also zum
„Schwarzen Montag"? Wer darauf
eine Antwort wüßte, hätte die Ge-
heimnisse der Börse enträtselt und
Budapest/Warschau. Mit Beginn der Herbstferien in der wäre der reichste Mann der Welt.
DDR hat am Wochenende der Zustrom von Flüchtlingen Der aber bleibt der Sultan von Bru-
über Ungarn und Polen wieder sprunghaft zugenommen. nei, und der scheffelt seine Milliar-
den mit Öl. Oder ist er etwa der
Von Samstag früh bis Sonntag Harry Ott im polnischen Au- heimliche Super-Junk-Bonds-
früh kamen nach Angaben des ßenministerium getroffen. Ost- Drahtzieher?
Bundesgrenzschutzes rund berlin machte dabei zur Bedin- Rainer Merforth
2100 DDR-Bürger aus Ungarn gung, daß die Flüchtlinge nicht
über Österreich in die Bundes- über DDR-Gebiet ausreisen. Es
republik. Im Malteser-Lager in wird daher für möglich gehal- Gewalt / Weißer Ring:
Csilleberc bei Budapest waren ten, daß sie nach und nach ent-
weitere 400 Ausreisewillige weder mit dem Flugzeug oder
versammelt, die noch am Sonn- per Schiff das Land verlassen
tag mit acht Bussen abreisen werden. Als Zwischenstation
sollten. auf dem Weg in die Bundesrepu-
„Opfer voll
In der polnische Hauptstadt blik böten sich Österreich oder DER TSCHECHISCHE SCHRIFTSTELLER und Bürgerrechtler Vaclav Havel wurde gestern in der
Warschau hielten sich gestern Schweden an. Mit der Bearbei- Frankfurter Paulskirche in Abwesenheit mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausge-
entschädigen"
1200 DDR-Bürger auf, die auf tung der Ausreisepapiere soll zeichnet. Havel wurde von dem Schauspieler Maximilian Schell vertreten. Von links: Frankfurts
ihre für diese Woche erwartete heute in der DDR-Botschaft in Oberbürgermeister Hauff, Maximilian Schell, Hessens Ministerpräsident Walter Wallmann und Mainz (dpa). Die Hilfsorgani-
Ausreise harren. Völlig überra- Warschau begonnen werden. Bundespräsident Richard von Weizsäcker. sation für Opfer von Gewaltver-
(dpa-Funkbild) brechen,
schend wurde am Wochenende „Weißer Ring", hat
zwischen der DDR und Polen Die Sprecherin der polni- umfassende Entschädigungen
eine „unbefristet gültige" Aus- schen Regierung, Malgorzata für alle Opfer von Verbrechen
reiseregelung getroffen. Das be- Niezabitowska, begrüßte die mit Dankesrede verlesen / Friedenspreisträger Havel zur CSSR: gefordert, deren Täter nicht er-
deutet, daß auch in Zukunft der Ostberliner Führung verein- mittelt werden können. Gene-
Flüchtlinge, die nach Polen barte „humanitäre Lösung". Sie ralsekretär Eppenstein sagte
kommen, ausreisen dürfen. Die- betonte gleichzeitig, daß in den
se Regelung ähnelt der Praxis in vergangenen Tagen kein einzi-
Ungarn. ger Flüchtling mehr von polni-
schen Grenzbeamten festge-
Die Vereinbarung in War- nommen und an die DDR-Behör-
Sozialismus als Gummiknüppel nach einer Tagung in Mainz, der
„Weiße Ring" werde noch in
diesem Herbst eine entspre-
chende Gesetzesinitiative vor-
legen. So solle der Staat nicht
schau wurde während zweitägi- den ausgeliefert worden sei. Frankfurt (AP). In erzwunge- CSSR dem Preisträger die Reise mat sei „aus dem Wort .Sozialis- nur bei Körperschäden Aus-
ger Gespräche des stellvertre- ner Abwesenheit des Preisträ- nach Frankfurt gestattet und mus' schon längst ein ganz ge- gleich zahlen, sondern auch bei
tenden DDR-Außenministers Weiterer Bericht Seite 2 gers hat der deutsche Buchhan- ihm eine Rückkehrgarantie gibt. wöhnlicher Gummiknüppel ge- Vermögensschäden, sagte Ep-
del seinen diesjährigen Frie- Der 53jährige Havel, der Mitbe- worden". penstein. Auch Schmerzensgeld
denspreis am Sonntag in der gründer der Charta 77 ist, er- Andre Glucksmann sagte in sollte in den Leistungskatalog
Flüchtlinge / Wirtschaft Affäre Rushdie Frankfurter Paulskirche dem hielt den mit 25 000 DM dotier- seiner Laudatio unter Bezug auf aufgenommen werden.
tschechoslowakischen Dramati- ten Friedenspreis des Börsen- die anhaltende Massenflucht
ker und Bürgerrechtler Vaclav vereins des Deutschen Buch- aus der DDR: „Wollen Sie wis-
DDR-Experte: Bombendrohung Havel verliehen. Der Schau- handels ausdrücklich für sein sen, was den Schritt dieser In Sowjet-Häfen
spieler und Regisseur Maximili- jahrelanges Engagement in der FLüchtlinge lenkt? Dann lesen
an Schell nahm die Auszeich- Bürgerrechtsbewegung seines Sie Havel." Der 40. Jahrestag
Hohe Verluste auf Buchmesse nung stellvertretend entgegen, Landes.
die Laudatio hielt der französi-
der DDR sei „in kultureller und
intellektueller Hinsicht zur To- Lebensmittel
sche Philosoph Andre Glucks- In seiner von Schell verlese- desurkunde geworden" und
Berlin (AP) Die Massenflucht Frankfurt (lhe). Eine anonyme mann. Bundeskanzler Kohl, der
von Bürgern wird nach den Be- Bombendrohung hat am Sonntag wie Bundespräsident Richard nen Dankesrede wies Havel auf habe
rechnungen eines Experten in auf der Frankfurter Buchmesse von Weizsäcker an der Feier das Schicksal vieler seiner überholten
„die Beerdigung einer
Vergangenheit" an-
gekündigt. Havel habe sich im-
liegen fest
der DDR langfristig zu einer er- Besorgnis ausgelöst. Einen Tag teilnahm, würdigte in einem Freunde hin, die wegen ihrer mer gegen das „Leben in der Moskau (dpa). Insgesamt
heblichen Schwächung der vor dem Ende der Ausstellung Glückwunschreiben publizistischen Tätigkeit im Ge-
Havels fängnis säßen, „weil ich in einem Lüge" gewandt, und die Flücht- 25 000 Tonnen Lebensmittel
Wirtschaftskraft des Landes wurde offenbar im Zusammen- „kompromißlose Suche nach
und zu Milliardenverlusten füh- hang mit der „Affäre Rushdie" Wahrheit". Land lebe, wo für das Wort im- linge wie all jene, die in ihrer und mehrere tausend Tonnen
ren. Der Hallenser Professor Pe- gedroht, in der Halle fünf mit mer noch ins Gefängnis gewor- Heimat blieben und protestier- Wasch- und Reinigungsmittel
ter Thal nannte es am Wochen- belletristischem Verlagsangebot Die Bundesregierung hatte fen wird". Das Wort könne „ein ten, „widersetzen sich dem lang- liegen in sowjetischen Häfen
sam eintretenden Erstickungs- fest. Wie der sowjetische Regie-
ende in einem Zeitungsbetrag einen Sprengkörper zu zünden. sich bis unmittelbar vor dem Lichtstrahl im Reich der Fin- tod eines Lebens in der Lüge". rungschef Nikolai Ryschkow in
besonders kritisch, daß es sich Die Messeleitung, die bereits Festakt erfolglos dafür einge- sternis" sein, aber auch ein „tod-
bei den Flüchtlingen meist um seit Dienstag wegen des von setzt, daß die Regierung der bringender Pfeil". In seiner Hei- Siehe „Themen des Tages" einem Interview des sowjeti-
junge Arbeitskräfte handele. Mord bedrohten britisch-indi- schen Fernsehens sagte, können
Thal errechnete, daß bei ei- schen Autors Salman Rushdie diese Produkte wegen Trans-
nem Fortgang von 10 000 Be- und seinen „Satanischen Ver- Aus- und Übersiedlerstrom / Sofortprogramm gegen Wohnungsnot portschwierigkeiten nicht zu
schäftigten der Verlust bei 0,12 sen" verschärfte Sicherheits- den Verbrauchern geschafft
Prozent des gesamten Nationa- vorkehrungen getroffen hatte, werden. Die Chefs der Handels-
marine und der Eisenbahn seien
leinkommens liege. Das sei zu- mußte keine verstärkten Maß-
nächst kein Anlaß zur Panik, er- nahmen einleiten. Bei großem Bonn denkt an Siedlungen in Fertigbauweise bereits aufs • schärfste verwarnt
worden, fügte Ryschkow hinzu.
gebe aber auf Dauer ein „ganz Andrang verlief der Sonntag
hübsches Sümmchen". Natio- ohne Zwischenfälle. Frankfurt (AP). Die Bundesre- desregierung gegen die Woh- tern. An den Bau von Traban-
naleinkommen ist eine Rech- gierung will angesichts des Aus- nungsnot gefordert. Der Mieter- tenstädten sei allerdings nicht
nungsgröße der DDR-Wirt- und Übersiedlerzustroms mit ei- bund warnte dabei vor einem gedacht", stellte der Regie- Lotto- und Totozahlen
schaft, die mit Einschränkungen Persönliche Botschaft nem Sofortprogramm gegen die Fehlbestand von einer Million rungssprecher klar. Lotto: 3, 5, 9, 27, 35, 37 Zusatzzahl:
dem bundesdeutschen Bruttoso- drohende Wohnungsnot an- Wohnungen. Bundeskanzler Kohl selbst 23.
zialprodukt entspricht. Während einer Solidaritäts- kämpfen. Regierungssprecher Das Sofortprogramm, „das die hatte am Wochenende unter- Toto: 0, 0, 0, 1, 0, 2, 1, 1, 0, 0, 2.
Unter der Annahme, daß die veranstaltung für Rushdie wur- Klein berichtete am Sonntag in Aus- und Übersiedler aus Turn- strichen, daß es auch um die zü- Auswahlwette: 10, 35, 39, 40, 41, 45
Flüchtlinge im Schnitt noch 30 de eine persönliche Botschaft einem Interview über Pläne, den hallen und Barackensiedlungen gige Bereitstellung von Grund- Zusatzspiel: 24.
Arbeitsjähre vor sich hätten, lä- mit Dankesworten des in Groß- Bau von sogenannten Kompakt- in eigene vier Wände bringt", stücken gehe: „Ich finde, die öf- Rennquintett:
gen die Einbußen bereits jetzt britannien versteckt lebenden wohnungen und 'Wohnsiedlun- solle bereits „in aller Kürze" fentliche Hand tut hier über- Rennen A: 13, 7, 8.
bei zehn Milliarden (Ost-)Mark, Schriftstellers verlesen. Er wis- gen in Fertigbausweise massiv vorgelegt werden, berichtete haupt nicht genug. Ich nehme da Rennen B: 21, 29, 23.
ipiel 77: 2 2 2 0 9 6 3.
so der Professor. Dabei seien se die Sorge sehr zu schätzen, zu fördern. Der Deutsche Mie- Klein. Dabei werde unter ande- den Bund nicht aus, aber auch Süddeutsche
Schmälerungen durch verloren- die man sich in Europa, in terbund und der Deutscher rem erwogen, den notwendigen Länder und Gemeinden müssen iroßes Los derKlassenlotterie: Woche mit 2 Millio-
gegangene Ausbildungskosten Deutschland und in der ganzen Städtetag hatten zuvor überein- Neubau „ganz normaler Miet- überlegen, wo Bauland zur Ver- nen DM Losnummer 455 404.
noch nicht mitgerechnet. Welt um ihn mache. stimmend Maßnahmen der Bun- wohnungen" weiter zu erleich- fügung steht." (Ohne Gewähr)
Nr. 241 Politik Montag, 16. Oktober 1989

Namen und DDR-Fernsehen: Über Reformen nachdenken Arbeitszeit / IG Metall: Amnesty international:
Nachrichten
„FDP-Haltung
„Aktuelle Kamera" auf Dialog-Kurs dummdreist" In vielen Ländern
Absagen an Waldheim Kinder gefoltert
Die für diese Woche geplanten Ostberlin (dpa). Erstmals ist sich die Erwartungen nach der von Behördenvertretern nahege-
Staatsbesuche am Sonntag nun auch die DDR- Erklärung der DDR-Führung, of- legt worden, nicht zu dem Treffen Hamburg (dpa). In der Frage Bonn (dpa). Dutzende von
des österreichi- Fernsehnachrichtensendung fen über Probleme im Lande zu nach Ostberlin zu fahren. Die weiterer Arbeitszeitverkürzun- Staaten verletzen und mißach-
schen Bundes- „Aktuelle Kamera" auf die For- sprechen, offenbar nicht erfüllt. Malerin Bärbel Bohley vom gen ist am Wochenende die ten nach Angaben der Gefange-
präsidenten derungen nach Reformen im So stiegen am Wochenende „Neuen Forum" meinte, es müsse Kontroverse zwischen Gewerk- nenhilfe-Organisation amnesty
Kurt Waldheim Staat eingegangen. Anknüpfend nicht nur die Flüchtlingszahlen noch sehr große Veränderungen schaften und führenden Vertre- international (ai) tagtäglich die
(Foto) in Sene- an ein Gespräch von Arbeitern wieder an, sondern auch die Bür- geben, wenn das gesamte DDR- tern der FDP in scharfer Form fundamentalen Menschenrech-
gal und in der der Elbe-Werft Boizenburg mit gerinitiativen machten deutlich, System reformfähig werden solle. fortgesetzt worden. FDP-Chef te unschuldiger Kinder und Ju-
Republik Elfen- dem Gewerkschaftsvorsitzen- daß sie die Diskussion in ihrem Sie erwarte einen Wechsel an der Lambsdorff stellte sich in einem gendlicher, ai erklärte zum Auf-
beinküste sind den Harry Tisch über deren For- Sinne vorantreiben wollen. SED-Spitze noch vor dem Partei- dpa-Gespräch ausdrücklich takt einer „Woche des politi-
kurzfristig ab- derung nach leistungsgerechter Trotz Warnungen und polizei- tag im nächsten Jahr, sagte Frau hinter seinen Parteifreund, Bun- schen Gefangenen", in deren
gesagt worden. Entlohnung ging ein Kommentar licher Vorladungen kamen am Bohley dem Bonner „General- deswirtschaftsminister Hauss- Mittelpunkt Kinder als Opfer
Nachdem der auch auf andere Probleme wie Samstag in Ostberlin 120 Ver- Anzeiger". Nach ihrem Eindruck mann, der eine Rückkehr zur stehen, Minderjährige würden
Staatschef der Reisefreizügigkeit und Spiege- treter der Bürgerinitiative „Neu- sei nur „eine Art Dialog" in Gang 40-Stunden-Woche befürwortet zu Tausenden willkürlich inhaf-
Elfenbeinküste, lung der Wirklichkeit in den es Forum" zum ersten DDR-wei- gesetzt worden, der in den alten hatte. Vom baden-württember- tiert, gefoltert, verschleppt oder
Houphouet-Boigny, wegen ei- Medien ein. „Darüber wird man ten Koordinierungstreffen zu- Bahnen laufe. gischen Bezirksvorsitzenden von Staats wegen umgebracht.
ner Regierungsumbildung um nachdenken müssen, und zwar sammen. Zu dem Treffen waren - Der sächsische Landesbischof der IG Metall, Riester, wurde
Verschiebung des Staatsbesu- sehr gründlich", sagte Kommen- dies als „dummdreist" zurück- von Besonders drastische Fälle
ches ersucht hatte, teilte die wie verlautete - Vertreter aus Johannes Hempel, der vor einer staatlicher Gewalt gegen
tator Michael Illner. „Eben die- Ost-Berlin und den anderen 14 Woche in Dresden erfolgreich gewiesen. Kinder gibt es, wie die Organisa-
Präsidentschaftskanzlei in Wien ses Nachdenken ist im Gange, DDR-Bezirken erschienen. zwischen Der IG-Metall-Bundesvorsit- tion in einer in Bonn verbreite-
am Wochenende mit, daß auch und meines Wissens ist keine Behördenvertretern
Waldheims Besuch in Senegal Nach Berichten aus Karl-Marx- und vielen tausend Demonstran- zende Steinkühler unterstrich in ten Erklärung mitteilte, in Süd-
Frage ausgegrenzt, weder das Stadt hat der dortige Oberbür- ten vermittelt hatte, betonte in einem dpa-Interview, daß seine afrika, Guatemala und Irak. In
nicht stattfinden könne. In die- Leistungsprinzip noch die sozia- germeister Vertretern des „Fo- einem Wort an seine Gemeinden, Gewerkschaft die Sicherung des Südafrika mußten demnach seit
sem Jahr war bereits ein Staats- listische Demokratie, weder das rums" einen Dialog angeboten. es müsse nun Gespräche geben freien Wochenendes, kräftige Verhängung des Ausnahmezu-
besuch des wegen seiner Kriegs- Reisen noch die Medien und In einigen DDR-Städten sei Mit- auch über die Enttäuschung, Lohnerhöhungen und den letz- standes vor drei Jahren rund
vergangenheit umstrittenen übrigens auch nicht das Thema arbeitern der Bürgerinitiative, Verbitterung und Wünsche der ten Sprung zur 35-Stunden-Wo- 9800 Minderjährige Tage, Wo-
ehemaligen UNO-Generalse- Frieden." die inzwischen mit mit 25 000 jungen Menschen. che in der Tarifrunde 1990 chen und manchmal sogar Mo-
kretärs in Marokko verschoben Unterschriften unterstützt wird, Siehe auch Kommentar durchsetzen will. Höchste Prio- nate in Polizeigewahrsam ver-
worden. Trotz der neuen Töne haben
rität bei den 2,6 Millionen Mit- bringen. Diese Kinder wurden in
gliedern der größten DGB-Ge- vielen Fällen mit Schlägen oder
werkschaft habe der arbeitsfreie Elektroschocks gefoltert.
Fuchs: Notfalls mit CSU Wolff will Hilfe für DDR nicht an Reformen koppeln Samstag und Sonntag. Die UNO will im Dezember
Die SPD-Bundesgeschäftsführe- Lambsdorff meinte dagegen, eine Schutzkonvention für Kin-
rin Anke Fuchs hält es für mög- Unterdessen haben Bundes- bei uns" zum Maßstab für eine finanzielle und wirtschaftliche wegen des leergefegten Fachar- der verabschieden, ai forderte
lich, daß es nach den bayeri- kanzler Kohl und andere Politi- Bonner Hilfe zu machen. Au- . Unterstützung für die DDR soll- beitermarktes müsse künftig die Regierungen auf, das Ab-
schen Landtagswahlen im näch- ker versichert, die Bundesregie- te nicht an Reformzugeständnis- mehr gearbeitet werden „und kommen rasch zu unterzeich-
sten Jahr zu einer großen Koali- ßenminister Genscher bezeich- nicht weniger". nen und ratifizieren zu lassen.
tion aus CSU und SPD im Frei- rung werde sich nicht in die ge- nete den Weg zu mehr Mitbe- se gekoppelt werden.
staat kommt. Dies könne erfor- rade begonnene Diskussion in stimmung und Freiheitsrechten Starke Zweifel an der Reform-
derlich werden, wenn es darum der DDR über mögliche Refor- als Sache der Deutschen in der fähigkeit der DDR äußerte der
gehe, die Republikaner aus der men einmischen. Kohl sagte in DDR. „Da brauchen sie weder SPD-Politiker Erhard Eppler, Er Verhältnis zur UdSSR / „Langfristig denkbar"
Regierung fernzuhalten, meinte einem Zeitungsinterview, er sei unseren Ratschlag noch gar un- frage sich, ob es nicht „für eine
Frau Fuchs am Wochenende. ;egen eine Debatte in der Bun- sere Bevormundung". Auch der reformierte, eine erneuerte, aber

Vogel: Finnisches
lesrepublik, die die Diskussion Vorsitzende des Ostausschus- noch sozialistische DDR bereits
in der DDR vorwegnehme. Bun- ses der Deutschen Wirtschaft, zu spät ist, ob der Zeitpunkt
Sacharow-Preis an Hörn despräsident von Weizsäcker
warnte davor, „das Rechthaben
Otto Wolff von Amerongen, nicht verpaßt ist", sagte Eppler
im Deutschlandfunk.
Der Sacharow-Preis des Euro- meinte im „Handelsblatt", eine
j päischen Parla-
ments soll 1989
an den ungari-
I sehen Außen- Südafrika: Bürgerrechtskämpfer Sisulu frei Modell für Osteuropa
[ minister Gyula Bonn (dpa). Der SPD-Vorsit- außerdem im Falle eines An-
Hörn (Foto) Johannesburg (AP/dpa). Nach zende Vogel hält es für denkbar, griffs auf eines der beiden Län-
j vergeben wer- einem Vierteljahrhundert in daß das zwischen der Sowjet- der eine Beistandsklausel vor,
den. Wie der südafrikanischen Gefängnissen union und Finnland herrschen- die jedoch nicht automatisch,
I gestern neuge- und Arbeitslagern ist Walter Si- de Verhältnis sich dann auf die sondern erst nach Verhandlun-
] wählte Präsi- sulu, eine Symbolfigur des Beziehungen Moskaus zu ande- gen in Kraft tritt.
Ident der Euro- Kampfes gegen die Rassentren- ren Ländern Osteuropas über- Vogel riet Bundeskanzler
jpa-Union nung in Südafrika, am Sonntag tragen würde, wenn die gemein- Kohl, sich im Blick auf seine
| Deutschland, auf freien Fuß gesetzt worden. same europäische Friedensord-
»Egon Klepsch, Zusammen mit dem 77jährigen Reise nach Warschau Anfang
ehemaligen Generalsekretär der nung Wirklichkeit geworden November zur polnischen
in Hamburg mitteilte, soll damit sei. Dann seien die Bündnisse Westgrenze genauso klar zu äu-
der Einsatz Horns bei der Anti-Apartheidbewegung Afri- von Nato und Warschauer Pakt
Durchsetzung der Menschen- kanischer Nationalkongreß ßern, wie Außenminister Gen-
(ANC) wurden sieben weitere endgültig entbehrlich, sagte Vo- scher dies vor der UNO getan
rechtsbeschlüsse der Konferenz gel nach seiner Rückkehr von
für Sicherheit und Zusammen- schwarze Bürgerrechtskämpfer habe. Kohl dürfe diesen Punkt
freigelassen. Die Freilassung Gesprächen in Warschau und nicht mit Schweigen übergehen,
arbeit in Europa (KSZE) gewür- Budapest am Sonntag der Deut-
digt werden. Der Preis trägt den war von Präsident de Klerk in sonst sei dies eine „schwere Hy-
der vergangenen Woche ange- schen Presse-Agentur (dpa). pothek" für den Reformprozeß
Namen des sowjetischen Frie-
densnobelpreisträgers Andrej kündigt worden. Bis dahin sei noch ein weiter in Polen.
Sacharow. Sisulu und vier weitere der Weg zurückzulegen. Je rascher
acht Freigelassenen waren 1964 und erfolgreicher jedoch die Re- Kohl: Kein Gebietsanspruch
im sogenannten Sisonia-Prozeß formen in der UdSSR und ande-
„Spionageverdacht" wegen angeblicher Sabotage zu ren Ländern des Warschauer
Pakts voranschritten und je Der Bundeskanzler bekräftig-
Zwei sowjetische Offiziere sind lebenslanger Haft verurteilt schneller es gelinge, die Bezie- te am Sonntag abend in der Sen-
am Wochenende in Westberlin worden. Damit befindet sich von hungen zwischen und innerhalb dung „Bonn direkt" des Zweiten
von den amerikanischen Sicher- den in diesem Prozeß Verurteil- der Bündnisse zu entmilitarisie- Deutschen Fernsehens, daß die
heitsbehörden wegen Spionage- ten nur noch ANC-Führer Nel- ren, um so eher werde man die- Bundesrepublik keinen Gebiets-
verdachts festgenommen und son Mandela in Haft, mit dessen ses Ziel erreichen. anspruch an Polen stelle. „Die
dann abgeschoben worden. Wie baldiger Freilassung aber ge- Das neutrale Finnland be- Bestimmungen des Warschauer
die US-Behörden mitteilten, sei rechnet wird. Vertrages (von 1970) sind gel-
rücksichtigt als Nachbar der
auch ein Angehöriger der ame- Pretoria hatte die Freilassung UdSSR in der Außenpolitik seit tendes Recht - mit all dem, was
rikanischen Luftwaffe in den der acht Häftlinge vermutlich Kriegsende die sowjetische In- rechtlich dazu später auch noch
Fall verwickelt. deshalb hinausgezögert, weil sie teressenlage. Dies war der Preis gesagt wurde und verbindlich
deren Teilnahme an Demonstra- für die Wahrung der finnischen ist", erklärte Kohl. Es gelte aber
tionen in 17 Städten am Samstag auch, „daß wir noch keinen Frie-
Lebenszeichen von Waite verhindern wollte. Etwa Souveränität. Der Freund-
schaftsvertrag von 1948 sieht densvertrag haben."
Der seit Januar 1987 in Libanon 150 000 Schwarze hatten sich
I entführte Son- an den Kundgebungen beteiligt.
I derbeauftrage Wenige Stunden nach seiner
[der Anglikani- Freilassung rief Sisulu die weiße
I sehen Kirche, Regierung auf, das Verbot des Sowjetunion: Atomtod im Manöver
8 Terry Waite ANC aufzuheben. Pretoria müs- UNTER DEM JUBEL von mehreren hundert Anhängern traf der aus
(Foto), ist noch se ferner den Ausnahmezustand der Haft entlassene Bürgerrechtskämpfer Sisulu gestern vor sei- Moskau (dpa). Bei der Explo- wie die wenigen anderen, die da-
am Leben. Ent- beenden. nem Haus in der Schwärzen-Siedlung S'oweto ein. (dpa-Funkbild) sion einer Atombombe während mals lebend davonkamen", sagte
sprechende In- eines sowjetischen Truppenma- der damals beteiligte Wladimir
formationen növers 1954 hat es unter den Benzianow der ""Regierungszei-
j seien dem Erz- Ministertreffen / Anregung Genschers Fortbildung / Betriebe teilnehmenden Soldaten zahl- tung „Iswestija". Das Blatt mach-
j bischof von reiche Tote und Verletzte gege- te jedoch keine Angaben über die
I Canterbury ben. „Die letzten 35 Jahre habe Anzahl der Opfer. Die Bombe
1
von einem ira-
nischen
währsmann zugegangen, hieß es
Ge- „Solidarität-Plan" der EG Ungelernte ich um meine Gesundheit und
um meine Würde gekämpft, so
wurde gezündet, um „die Kampf-
kraft der Truppe" zu testen.
in London. Auch zwei weitere in
Libanon verschleppte Briten
seien noch am Leben.
soll Reform-Ländern helfen schlecht dran HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE Verlagsleitung

Paris (dpa). Die Außenmini- Die Außenminister, die sich Bonn (dpa). Rund 26 Milli-
ALLGEMEINE Dr. Dietrich Batz, Rainer Dierichs, Wigbert
H. Schacht. Anzeigenleiter. Horst Prehm.
Vertriebsleiter. Gerd Lührirtg.
„007" eröffnete Golf platz ster der Europäischen Gemein- ausführlich mit der Lage in Ost- arden DM jährlich geben
schaft (EG) haben am Wochen- europa befaßten und einen Be- deutsche Unternehmen für
Herausgeber
Rainer Dierichs, Dr. Dietrich Batz, Verlag Dierichs GmbH & Co KG, Frankfur-
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Connery eröff- Paris über eine weitergehende Entwicklung in der DDR entge- ihrer Mitarbeiter aus. Davon Chefredakteur nahme 05 61 / 20 3-3. Fernschreib-Nr.
nete gestern Unterstützung der Reformen in gennahmen, diskutierten in die- profitieren vor allem Füh- Lothar Orzechowski 99 635. Telekopierer 05 61 /20 36. Teletex
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ster Genscher für einen „voll- nächsten EG-Gipfel am 8./9. De- im Betrieb kaum Angebote Chef vom Verantwortliche Redakteure
Der Schauspie- preis 28,50 DM).
ler und passio- ständigen Plan europäischer So- zember in Straßburg verab- gibt. Zu diesen Ergebnissen Nachrichten:Dienst: Horst Kröninger. Chef
Rainer Merforth. Politik: Jo- Die Beendigung des Abonnements ist nur
nierte Golfer lidarität" für die reformwilligen schiedet werden könnte. Die Er- kommt das Institut der deut- chen Prater. Blick in die Zeit: Walter mit schriftlicher Kündigungserklärung unter
sollte nach dem Staaten des Ostblocks aus. Wie klärung soll das Engagement der schen Wirtschaft (IW) in sei- Schütz. Wirtschaft und Sozialpolitik: Horst Einhaltung einer Frist von einem Monat
Willen der Or- * aus Kreisen der deutschen Dele- EG-Staaten in Richtung auf eine ner jüngsten Studie über die Seidenfaden, Kultur: Dirk Schwarze, Frau zum Monatsende möglich; die Frist läuft ab
ganisatoren mit gation verlautete, vertrat Gen- „globale" Hilfe für die reform- „vierte Säule" des bundes- u.semann, Reise: Ilse Methe-Huber. Sport: Rolf Wie-
i. V. Ulrich Fuhrmann. Sonntags-
Zugang der schriftlichen Kündigungserklä-
rung.
seinem ersten scher die Auffassung, das vom freudigen Länder Osteuropas deutschen Bildungssystems zeit: Frank Thonicke. Kassel Stadt und
Schlag auf der Präsidenten der EG-Kommis- systematisieren. neben den allgemeinbilden- Land: Wolfgang Rossbach. Bezirksredak- Auflage werktags über 270 000 Exemplare
sion, Jacques Delors, ausgear- in Tarifgemeinschaft mit „Oberhessische
Sportanlage in Delors und der französische den Schulen, den Berufs- tionen: Peter M. Zitzmann. Koordination:
Presse", Marburg, „Hersfelder Zeitung",
Moskau den in der UdSSR bis- beitete Hilfsprogramm, das Außenminister Dumas werden schulen und den Hochschu- Helmut Lehnart. Hessen/Niedersachsen:
Heinemann. Chefreporter.1 Karl- „Werra-Rundschau", Eschwege, „Harzku-
her als Ausgeburt des Kapitalis- Nahrungs- und Finanzhilfen be- in dieser Woche nach Polen und len. Weiteres Ergebnis: Die Eberhard Hermann Huhn. Sonderthemen: Peter rier", Herzberg.
mus betrachteten Golfsport po- sonders für Polen und Ungarn Ungarn reisen, um dort über die Weiterbildung in Klein- und Ochs. Auflage „Sonntagszeit" über 200 000
pulär machen. Connery hält vorsieht, bedürfe der „Ergän- wirtschaftliche Lage dieser Län- Kleinstbetriebe ist intensiver Redaktion Wiesbaden: Rolf Effenberger. Exemplare.
sich zur Zeit zu Dreharbeiten in zung" durch einen umfassenden der und über Hilfsmaßnahmen als in den Großunternehmen. Redaktion Hannover: Harald Birkenbeul. Herstellung Druckhaus Dierichs,
der Sowjetunion auf. europäischen« Plan. der EG zu beraten. Redaktion Bonn: Hans Ludwig Laucht. Frankfurter Straße 168, 3500 Kassel.
Nr. 241 Themen des Tages Montag, 16. Oktober 1989

Der neue Friedenspreisträger Vaclav Havel


Skepsis
und Hoffen
In die Diskussionen in der DDR ist
eine neue Dynamik eingezogen.
Das Kanzelwort des sächsischen
Seit dem Prager Frühling Unperson
Von AP-Korrespondent Hans-Jürgen Moritz
Bischofs Hempei „Ohne Gesprä-
che keine Ruhe" drängt über das
hinaus, was am Wochenende an ir begann seine Arbeit am ausgerechnet dem Parteiorgan Streich: Sie schickten der Zei- sich auch durch Havels drama-
ersten offenen Dialogen zu regi- Theater als einfacher Kulissen- „Rüde Pravo" einen selbstver- tung für die Rubrik „Persönli- tisches Werk. Mit seinem 1963
strieren war. Wenn da der Indu- schieber, doch inzwischen faßten Geburtstagsgruß unterju- ches" ein Foto samt Begleittext erschienenen Stück „Das Gar-
striearbeiter die Nachrichtensen- fürchtet die Regierung in Prag belten. Für sein politisches und mit an ihn gerichteten Grüßen tenfest" lenkte er auch im We-
dung „Aktuelle Kamera" nicht se- seine Stimme so sehr, daß sie ihn künstlerisches Engagement zu seinem 53. Geburtstag. Ge- sten Aufmerksamkeit auf sich.
henswert findet, auch das SED- mit einem Veröffentlichungs- spTach der Börsenverein des gen eine Gebühr von 500 Kro- Er schildert darin bürokrati-
Blatt-„Neues Deutschland" sich verbot zum Statisten degradie- Deutschen Buchhandels ihm nen (knapp 100 Mark) wurden schen Stumpfsinn und Regle-
zum Abdruck von zwei Dutzend ren möchte: Der Dramatiker Va- den diesjährigen Friedenspreis Bild und Text auch veröffent- mentierungswahn. Auch andere
kritischer Leserbriefe herbeiläßt, clav Havel ist seit dem Prager zu. licht, allerdings unter dem Na- seiner Stücke widmeten sich
dann wirkt das zunächst wie wohl- Frühling nach offizieller Lesart Havel wurde am 5. Oktober men Ferdinand Vanek. Das ist diesem Thema. Neben satiri-
feile Beispiele altkommunistischer eine „Unperson". Sein Foto 1936 in Prag geboren. Daran er- eine von Havel erfundene Figur schen nahm er auch absurde
Selbstkritik. Damit wird es nicht ge- tauchte seit 1968 in keiner ein- innerten seine Freunde die mit autobiographischen Zügen. Elemente in seine Bühnendich-
tan sein. zigen offiziellen Zeitung der „Rüde Pravo" kurz nach dem Es ist nicht nur Havels satiri- tung auf.
CSSR auf - bis Freunde kürzlich Geburtstag mit einem genialen sche Ader, die den Unmut der
Auch wenn die meisten der in- Regierenden in Prag erregt. Der Seine Arbeit am Theater be- VACLAV HAVEL
haftierten Demonstranten inzwi- Schriftsteller gehörte zu den ak- gann Havel als Kulissenschie- (dpa-Funkbild)
schen wieder frei sind, trauen die tivsten Verfechtern der Refor- ber. Er stieg dann zum Beleuch-
Menschen dem ersten linden Lüft- men des Prager Frühlings, die ter, Lektor und schließlich zum
chen, das nach Reformen riecht,
nicht. Die Flüchtlingswelle rollt wei-
Was der „Friedenspreis" bedeutet schließlich an der Intervention
des Warschauer Paktes schei-
Dramaturgen auf. Um sein Ab-
itur zu erlangen, besuchte er
der Politiker und Bürperrechtler
Havel, der von sich selbst sagt,
ter, schwillt wieder an. Wer will und De'er Friedenspreis des Deut- Krieges neue geistige und poli- terten. Er war auch einer der während seiner Lehre ein die Regierung in Prag habe ihn
kann, begibt sich auf die sichere schen Buchhandels, der seit tische Werte verankert wer- ersten Sprecher der Bürger- Abendgymnasium. Ein techni- als „politischen Widersacher
Seite. Noch überwiegt die Skepsis 1950 verliehen wird und seit den. rechtsgruppe Charta 77. Am 16. sches Studium schloß sich an. Nummer eins" auserkoren. ;
die Hoffnung, sind Enttäuschun- 1979 mit 25 000 Mark dotiert Der Friedenspreis des Deut- Januar dieses Jahres wurde er Seiner wahren Neigung konnte Auch die Prämie für den Frie-
gen für viele stärker als Zuversicht. ist, gilt als eine der bedeutend- schen Buchhandels wird je- zu acht Monaten Haft verurteilt, er erst später nachgeben und denspreis will Havel für seinen
Hüben ist das nicht anders als sten Auszeichnungen in der weils zum Abschluß und Hö- weil er an einer nicht genehmig- studierte Dramaturgie. Havel ist Kampf gegen die Unbelehrbar-
drüben. Glücklicherweise hat das Bundesrepublik. Der Frie- hepunkt der Frankfurter ten Gedenkveranstaltung für auch als Essayist hervorgetre- keit der Machthaber in Png
einige Politiker dazu veranlaßt, denspreis geht auf eine Stif- Buchmesse in der Paulskirche den Studenten Jan Palach teil- ten. verwenden, die ihn nicht zur
dem schrillen Wiedervereinigungs- tung von Buchhändlern und verliehen. Erster Preisträger genommen hatte, der sich 1969 Preisverleihung nach Frankfurt
Trara mit gedämpften Tönen zu Verlegern zurück und wird war 1950 der nach Norwegen aus Protest gegen den Ein- In der Begründung für die reisen lassen , wollten. Die
entgegnen. So ist es gut, daß der Persönlichkeiten zuerkannt, emigrierte Autor Max Tau. Zu marsch der Verbündeten selbst Preisvergabe liegt die Betonung 25 000 Mark sollen der Unter-
Eindruck geradegerückt wurde, die „in hervorragendem Maße den weiteren prominenten verbrannt hat. Am 17. Mai wur- auf Havels politischer Arbeit: stützung des freien Verlagswe-
die Bundesrepublik wolle Refor- vornehmlich durch ihre Tätig- Persönlichkeiten, die geehrt de Havel vorzeitig aus der Haft „Er hat nie Zweifel daran gelas- sens in seiner Heimat dienen.
men in der DDR durch Wirtschafts- keit auf den Gebieten der Lite- wurden, gehören Albert entlassen. Schon 1979 war er zu sen und oft genug bewiesen, daß Dazu rief Havel den Genossen-
hilfe gewissermaßen erkaufen: ratur, Wissenschaft und Kunst Schweitzer (1951), Hermann einer Gefängnisstrafe von vier- er persönlich, selbst'unter Ver- schaftsverlag „Atlantis" ins Le-
Geld für Perestroika - das würde zur Verwirklichung des Frie- Hesse (1955), Theodor Heuss einhalb Jahren verurteilt wor- lust seiner Freiheit, für seine ben, an dem sich fast alle unab-
den DDR-Verdacht westlicher Ein- densgedankens beigetragen (1959), Ernst Bloch (1967), den, die 1983 „aus Gesundheits- Überzeugung einsteht." Ausge- hängigen Autoren beteiligen,
mischung nur bestätigen. haben". Mit der Auszeichnung Max Frisch. (1976) und Sieg- gründen" ausgesetzt wurde. zeichnet wird denn auch nicht die in der Tschechsolowakei mit
sollten nach dem Ende des fried Lenz (1988). (dpa) Die Anklage gegen die Will- nur der Dramaturg und Essay- einem Publikationsverbot belegt
Die ersten Beispiele ungewohn- sind.
ter Kritik, zögerliche Eingeständ- kür von Machtapparaten zieht ist, sondern mindestens genauso
nisse von Staat und Partei machen
die Menschen ungeduldig. Jetzt
drängen die demokratischen Kräf- Memoiren Papstreise / Kondition
te mit neuen Forderungen nach.
Diese Dynamik wird nicht aufzuhal-
ten sein, weil sie im Konzert des
Ostblocks stattfindet. Daß aus Re-
formen auch eine demokratische
Nancy Reagan Allzeit
Revolution würde • wer wünschte
es nicht! schlägt zurück bereit
Peter M. Zitzmann
Von Siegfried Maruhn Von L. Trankovits (dpa)
•s war 1985 in Genf. Nancy Johannes Paul II. wird zuwei-
Presse-Echo Reagan war nervös. Zum ersten
Mal sollte sie mit Raissa Gorbat-
len als „reisewütiger Papst" kri-
tisiert. Kaum eine Reise zuvor
schowa, der Frau des General- aber hat deutlicher gemacht,
Zum Dienstleistungsabend schreibt die sekretärs der sowjetischen KP welch Ungeheure Strapazen das
zusammentreffen. Worüber Oberhaupt von rund 700 Millio-
OFFENBACH POST sollte sie mit ihr reden? „Bald nen Katholiken auf sich nimmt,
merkte ich, daß ich mir unnötige um seine Ortskirchen zu besu-
Wer es sehen wollte, bemerkte Sorgen gemacht hatte. Vom er- chen, als die jüngste Reise des
pulsierendes Leben... Es gibt im sten Augenblick an redete sie geistigen Hirten zu seinen weit-
übrigen eine Reihe von Dienst- und redete und redete - so viel, verstreuten Schafen in Südko-
leistungen, die zu genießen uns daß ich kaum ein Wort einwer- rea, Indonesien und auf Mauriti-
mittlerweile so selbstverständ- fen konnte. Vielleicht war sie us.
lich geworden ist, daß nicht ein-j unsicher, aber während rund ei- Angesichts eines fast immer
mal diejenigen darüber nachden nem Dutzend Begegnungen in hellwachen, konzentrierten und
ken, die sich eifrig gegen den drei verschiedenen Ländern war freundlichem Papstes,'der uner-
es mein Haupteindruck von müdlich den Kontakt zu den
Dienstleistungsabend sträuben. Raissa Gorbatschow, daß sie
Wer wollte schon - nach 18.30 Gläubigen suchte, fragten sich
niemals zu reden aufhörte. Oder selbst manche vatikanische
Uhr - auf den Kneipenbesuch zu belehren, um genau zu sein."
oder das Menü im Restaurant Würdenträger im Troß des Pap-
verzichten? Oder auf das. TV- Das ist für ausländische Leser stes nach den Geheimnissen der
Programm, das im Schnitt bis wahrscheinlich die interessan- „Was? Ach, die Feier! Ja, ja, Mädel, die war schön..." (Karikatur: Wolter) päpstlichen.Physis. Schließlich
nach Mitternacht läuft? Und teste, wenn auch nicht gerade ist der Heilige Vater auch nur
wehe, wenn am Montagmorgen aufregende Enthüllung aus dem ein Mensch und im Fall von Ka-
ersten, 13seitigen Vorabdruck rol Woityla bereits 69 Jahre alt.
die Tageszeitung nicht pünktlich
im Briefkasten liegt! Von Bus, aus Nancy Reagans Memoiren. Bundesdeutscher Flottenbesuch in Leningrad Während der elf Tage legte er
Bahn und Taxis gar nicht erst zu Das Buch selbst soll, umgeben auf 15 Flügen 39 047 Kilometer

„Kämpft zu Hause für den Frieden"


reden. Die Liste ließe sich belie- von einem „Medien-Blitz- zurück. Der Bischof von Rom
big fortsetzen. Hoffen wir weiter, Krieg", am Monatsende mit ei- hielt 28 längere Reden, Anspra-
daß eines Tages der verkaufsof- ner Erstauflage von 400 000 Ex- chen und Predigten vor bis zu
fene Donnerstagabend zu einer emplaren auf den Markt kom- einer Million Menschen. Neun-
selbstverständlichen Dienstlei- men. Zwei Millionen Dollar hat mal zelebrierte der Papst zum
der Verlag, Random House, an- Von dpa-Korrespondent Friedhelm Schachtschneider Teil unter tropischer Sonne und
stung wird.. Und wie schön wäre geblich dafür an die Frau des bei extremer Luftfeuchtigkeit
es, wenn Ämter und Behörden
irgendwann einmal genauso
ehemaligen Präsidenten gezahlt. Diie Schwester, Oma, der Bru- druckt" von der Zeremonie zwi- tag und Sonntag für jeweils vier
Stunden die Schiffe aus Kiel und
mehrstündige Messen.
Eisern hielt der Papst dabei an
dächten. „My Turn" (etwa: Jetzt bin ich der, Mutter - sie sind alle tot, schen den mehr als 250 Rasen-
an der Reihe) ist der Titel, unter und ich bin übrig geblieben." hügeln, unter denen Hundert- Wilhelmshaven besichtigt wer- seinem Rhythmus fest. Der
Mit Kohls Polenreise befaßt sich die dem die ehemalige First Lady Fünf kleine Tagebuchseiten sind tausende von namenlosen Op- den konnten. 69jährige begann fast jeden Tag
mit ihren Feinden im Weißen die erschütternde Hinterlassen- fern liegen, war Sven Bremer. Nach den Erfahrungen briti- gegen 5.30 Uhr Ortszeit. Wäh-
FrankfarterRimdschaii Haus abrechnen will. Am schaft eines damals elfjährigen „Ich bringe aus Leningrad das scher und amerikanischer Flot- rend die meisten der den Papst
schlimmsten hatte die First Lady Mädchens. Eines von über einer Wissen mit, daß so etwas nicht tenbesuche in der UdSSR hatte begleitenden Kurienmitglieder
Er reist tatsächlich! Am 9. die Enthüllung des ehemaligen Million Opfern der 900-tägigen mehr passieren darf", meinte der die Bundesmarine rund 20 000 und Geistliche sowie die etwa
November. Jahreszeitlich und Stabschefs im Weißen Haus, Belagerung Leningrads durch Obergefreite vom Zerstörer Neugierige erwartet. 11,25 Ton- 50 Journalisten fast überall in
historisch auch kein bequemes Donald Regan, getroffen, daß sie deutsche Truppen im Zweiten „Rommel". nen Prospekte, Aufkleber und erstklassigen Hotels unterge-
Datum. Aber was ist im Verhält- vor wichtigen Terminen den Rat Weltkrieg. Souvenirs lagen bereit. Am er- bracht waren, besteht Johannes
einer Astrologin einholte. Die Schatten der Vergangen- sten Tag waren bei regneri- Paul II. darauf, immer im Gäste-
nis zwischen Deutschen und Po- „Ich bin sehr bewegt. Ich bin heit spielten keine Rolle beim zimmer des Hauses des jeweili-
len schon bequem? Nachdem Regan hatte das Weiße Haus froh, daß viele meiner jungen schem Wetter allerdings we-
Kontakt der jungen bundesdeut- sentlich weniger Besucher als gen Nuntius oder Ortsbischofs
feststeht, daß Kohls immer wie- verlassen müssen, wie er be- Soldaten mit mir hier sind. Wir schen Marinesoldaten mit Be- zu nächtigen.
der aufgeschobener offizieller hauptet, weil er sich gegen das sollten aus der Vergangenheit erwartet zur Pier am Leningra-
wohnern der Fünf-Millionen- der Passagierhafen gekommen. Der 69jährige trinkt nach An-
Besuch in Warschau zustande- Nebenregiment der First Lady lernen, um die Zukunft friedlich Metropole. Wenn Gruppen der
kommt, soll man sich nicht bei wehrte. Nancy stellt es jetzt so zu gestalten", sagte Flottillenad- 650 Besatzungsmitglieder durch gaben aus seiner Umgebung
alten Querelen aufhalten. Auch dar, als seien eigentlich alle, der miral Hans-Rudolf Boehmer am die Stadt bummelten, wurden zum Essen durchaus auch ein-
nicht bei den vielfältigen Aus- damalige Vizepräsident Bush Samstag nach einer Kranznie- Menschentrauben mal ein Glas Wein, wiewohl er
sie „freundlich auf Deutsch be- Säfte bevorzuge. Auf den langen
flüchten, mit denen sich CDU eingeschlossen, dafür gewesen, derlegung am Mahnmal der grüßt". Den Kontakt mit den
und CSU bisher um die Aner- Regan zu feuern. Bush habe sich Blockadeopfer auf dem Piskar- „hilfsbereiten Russen" behin- Schnell bildeten sich an Bord Flügen lese er theologische oder
kennung der Tatsache herumge- freilich nicht getraut, das auch jowskojer Gedenkfriedhof. Un- derte allenfalls die Sprachbar- der Fregatte „Niedersachsen" philosophische Texte, bete oft,
drückt haben, daß man im Euro- ihrem Mann zu sagen. ter dem Kommando von Admi- riere. Die Herkunft der Matro- Menschentrauben, wo unter entspanne sich zuweilen - schla-
pa des Jahres 1989 vieles in Fra- So wie Bush, bekommen auch ral Boehmer hatte am Freitag ein sen war allerdings nicht immer den Klängen des Marsches „Wir fe aber kaum.
ge stellen kann, nur eines eben andere noch tätige Politiker, so Verband zum ersten Flottenbe- bekannt. „Ein Tourist aus der sind vom K.u.K.-Infanterieregi- Weder bereite sich der Papst
nicht: Die Existenz Polens in sei- Außenminister Baker, ein paar such der Bundesmarine in einem DDR las am Mützenband .Zer- ment" Informationsmaterial ver- vor einer Reise mit besonders
nen heutigen Grenzen. Auch Seitenhiebe ab. Im übrigen be- Land des Warschauer Pakts in störer Rommel' und fragte, ob teilt wurde. „Schön ist es bei viel Ruhezeiten auf die Strapa-
der Bund der Vertriebenen, der müht sich die frühere Präsiden- der sowjetischen Ostseestadt wir aus Rostock sind", erinnert euch", freute sich der 63jährige zen vor, noch werde nach seiner
am Samstag sein 40jähriges Be- tenfrau, Vorwürfe zu entkräf- festgemacht. sich der Matrose Dominik Mau- Sergej Tungan. Historisches Er- Rückkehr etwas an dem stets
stehen feiert und dazu als Fest- ten, die einst unliebsames Auf- rer. ' eignis? Marinesoldaten aus der vollen Tagesplan des Kirchen-
redner den Kanzler gebeten hat, sehen erregten. Die Astrologin, Bundesrepublik Deutschland in oberhaupts geändert, versi-
sollte dieses politische Faktum so Nancy jetzt, war eine Freun- Sehr beeindruckt Auch Kontakt mit sowjeti- Leningrad? „Warum ist das chern Vatikan-Mitarbeiter.
endlich akzeptieren. Andern- din und eine Art Therapeutin, schen Soldaten habe sich bei noch eine Besonderheit? Den Wer ein Geheimnis der päpstli-
falls werden „40 Jahre Arbeit die ihr nach dem Mordanschlag „Jeder Soldat meines Verban- Stadtrundgängen schon erge- jungen Leuten darf man doch chen Energie suche, werde dies
für Deutschland und die deut- auf ihren Mann beistand. des weiß, daß gerade die Bevöl- ben, sagt ein Wehrpflichtiger nicht die Verbrechen ihrer Vä- wohl - neben einer gesunden
schen Heimatvertriebenen" - so Ebenso gibt sie zu, daß sie sich kerung Leningrads durch die in- vom Versorgungsschiff „Co- ter anlasten. Kämpft zu Hause Konstitution - allein in seinem
das von BDV-Präsident Herbert von Modemachern teure Klei- humane deutsche Kriegsfüh- burg". „Bundesmarine zum An- für den Frieden, und ihr seid im- Glauben finden, in dem eisernen
Czaja (CDU) ausgegebene Mot- der leihen ließ, findet das frei- fassen" gab es für die Leningra- mer bei uns willkommen", sagte Willen, die Botschaft Christi zu
to - für die Katz sein. rung sehr gelitten hat", betonte der Rentner. verbreiten.
lich als „gängige Praxis" okay. der Admiral. „Sehr beein- der am Wochenende, als Sams-
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DDR-Medien berichteten
Schauspieler Goethe-Institut Super Plus Autohaftpüicht DFB Zum Tage
Über 100 000 Ungeheuer Deutsch Geld Pläne „Kaiser"
demonstrierten gestorben Börsen-Gezitter
gefragt sparen geändert Manager
in Leipzig Im Alter von 63 Das Interesse am Viele Autofahrer Autofahrer, die Die Entscheidung
Für Börsenguru Andre Kostolany
war die Suche nach den Schuldi-
gen des letzten Börsencrashs vom
Jahren ist Günther Erlernen der deut- tanken unnötig ver- einen Schaden ver- ist noch nicht offi- Oktober 1987 eine kurze Um-
Leipzig (dpa/AP). Bei der Ungeheuer (Foto) bleiten Superkraft- ursacht haben, wer- ziell, doch Zweifel
größten nicht-staatlichen De- schen Sprache ist im schau: Börsenfritzchen, Zittrige
gestorben. Der Ausland wieder ge- stoff. Mit umwelt- den von ihrer Haft- gibt es kaum noch: und Nichtskönner machte er als
monstration in der Geschichte freundlichem, blei- pflichtversicherung Teamchef „Kaiser"
der DDR sind gestern abend durch zahllose Kri- wachsen. Diese er- Verursacher allen Übels aus - sich
mi-Rollen bekannt freuliche Bilanz des freiem Super Plus nicht mehr so stark Franz Beckenbauer selbst natürlich ließ das Großmaul
mehr als 100 000 Demonstran- könnte die nationale zurückgestuft wie wird nach der WM
ten für Reformen, demokrati- gewordene Schau- Goethe-Instituts unter den Börsenexperten vor-
sche Erneuerung und Gewaltlo- spieler war auch am wird allerdings Benzinrechnung ursprünglich ge- 1990 in Italien DFB- nehm außen vor. Bei der Analyse
sigkeit durch die Leipziger In- Deutschen Theater durch die Sparpoli- täglich um eine Mil- plant. Laut ADAC Generalmanager, der gestrigen Ereignisse als Folge
nenstadt gezogen. Beobachter Göttingen und bei tik des Bundes über- lion Mark entlastet haben die Versiche- Berti Vogts über- des Kurssturzes an der Wall Street
sprachen sogar von 120 000 den Hersfelder Fest- schattet. Siehe werden, errechnete rer damit auf Prote- nimmt das Amt des am vergangenen Freitag muß man
DDR-Bürgern, die nach den tra- spielen engagiert. Kommentar Seite 4 die Esso AG. Siehe ste reagiert. Siehe B.undestrainers. Sie- sich jedoch zwangsläufig an die
ditionellen Friedensandachten Siehe Kultur und Kultur. Wirtschaft. Wirtschaft. he Sport. derben Worte des Altmeisters der
in fünf Kirchen der Messestadt Charts erinnern: Den Kursverfall
mit Transparenten und Sprech- am Frankfurter Markt, dem viert-
chören friedlich protestierten. wichtigsten der Welt, lösten die
Polizei und Sicherheitskräfte
hielten sich im Hintergrund. Es
Kurseinbrüche an den Aktienbörsen Kleinaktionäre aus. Institutionelle
Anleger traten kaum in Aktion.
kam zu keinen Zwischenfällen. Die Reaktion der um ihr sauer
Erstmals berichteten die Erspartes bangenden, breit ge-
Hauptnachrichtensendung im
DDR-Fernsehen und die Nach-
richtenagentur ADN aktuell
über die Demonstration von
„zehntausenden Bürgern". Der
Schwarzer Montag streuten Kundschaft ist plausibel:
Der Schock des Oktober 1987 sitzt
noch tief in den Knochen. Rette
sich, wer kann, lautete gestern die
Devise - aber eigentlich gibt es
„Zurückhaltung der Sicher-
heitskräfte und der eingesetzten
Ordnungskräfte ist es zu dan-
ken, daß es zu keinen Aus-
schreitungen kam", hieß es.
in Frankfurt keinen Grund zu solch panischem
Handeln. Die Konjunktur floriert mit
gesicherter Zukunft, die Unterneh-
mensgewinne sprudeln wie nie zu-
vor - und dennoch genügt ein
leichtes Beben an der Wall Street,
Frankfurt/New York (AP/dpa). Der Kürssturz am New um rund um den Globus die Kurse
„Wir werden mehr" Yorker Aktienmarkt hat die Börsen rund um den Globus mit purzeln zu lassen. Aber auch die
Wucht getroffen. Die Frankfurter Börse erlebte am Montag nervöse Reaktion der Hobby-Spe-
kulanten kann böse Folgen haben:
Nach den Andachten, bei de- den schwersten Kursrückgang ihrer Geschichte. Dennoch Investmentsfonds haben in der Re-
nen das Hirtenwort von Landes- sieht Bonn keinen Grund zur Panik. Die westlichen Industrie- gel Kurs-Untergrenzen in ihren An-
bischof Hempel mit dem Aufruf staaten seien „robust", hieß es. lageprogrammen. Werden sie un-
zur Gewaltlosigkeit verlesen terschritten, wird verkauft. Massiv
worden war, schob sich die rie- Die Einbußen um durch- ten. Vor allem Kleinanleger ver- und auf breiter Basis. Dann ginge
sige Menschenmenge durch die schnittlich 12,8 Prozent übertra- kauften zum Teil ihre gesamten es mit den Kursen erst recht berg-
Leipziger Altstadt. Die Demon- fen sogar den „Schwarzen Mon- Aktienbestände, die Kurse von ab. Und die Zittrigen wären mal
stranten riefen: „Junge Leute an tag", mit dem vor fast genau zwei Standardwerten purzelten im wieder dran schuld.
die Macht" und „Wir werden Jahren der bisher größte Börsen- freien Fall in die Tiefe. Um alle
mehr, wir werden mehr". In krach begann. Die Zentralban- Aufträge bewältigen zu können, Horst Seidenfaden
Sprechchören wurde der ken der westlichen Industrie- wurde die offizielle Börsenzeit
Wunsch nach Visafreiheit für staaten erwogen bereits mögliche um eine Stunde bis 14.30 Uhr Wiens Nachtfahrverbot
Reisen in die CSSR und „Ökolo- Krisenmaßnahmen. Wegen der verlängert. Bis zu diesem Zeit-
gie statt Ökonomie" laut. schweren Turbulenzen sackte punkt fiel der Deutsche Aktien-
Wie gestern bekannt wurde, auch der Dollarkurs um knapp index um 203,56 Punkte oder
haben am Sonntag in Halle und sechs Pfennig auf 1,84 DM.
in Plauen jeweils bis bis zu Die New Yorker Aktienmärk-
Bonn in EG
20 000 Menschen demonstriert. te holten gestern bei hohen Um- Hintergründe des Börsenkrachs auf
Weiterer Bericht nächste Seite sätzen fast die Hälfte ihres Ver- „Themen des Tages" ohne Mehrheit
lustes vom Freitag wieder auf. KRÄFTIG NACH UNTEN fiel gestern der deutsche Aktienindex an
Berufungsrichter Der Dow-Jones-Durchschnitt 12,8 Prozent. Mit am stärksten der Frankfurter Wertpapierbörse. Händler verzeichneten nach Luxemburg (dpa). In der Euro-
für 30 führende Industrietitel betroffen waren die Spitzenwer- dem Aktiensturz in New York am Freitag nachmittag regelrechte päischen Gemeinschaft herrscht
schloß 88,12 Punkte höher bei te Daimler (minus 111 DM) und Panikverkäufe. (dpa-Funkbild) angesichts des österreichischen
2657,38, nachdem er am Freitag Deutsche Bank (minus 87,30
Atlantis kann 190 Punkte eingebüßt hatte. Ins- DM). Am „Schwarzen Montag"
gesamt wechselten 420 Millio- 1987 war der Index um 9,4 Pro-
Nachtfahrverbots für Lkw zu-
nehmend Ratlosigkeit. Bundes-
verkehrsminister Zimmermann
heute starten nen Papiere an der Wall Street zent abgesackt.
den Besitzer. Am „schwarzen Auch die übrigen europäi-
Bevölkerungswachstum nicht zu stoppen (CSU) konnte sich gestern im
EG-Ministerrat mit seiner For-
Montag" im Oktober 1987, als schen Börsen tendierten sehr derung nach Gegenmaßnahmen
Cape Canaveral (dpa). Grünes der „Dow" 508 Punkte gefallen schwach. Nicht so drastisch ver- nicht durchsetzen. Lediglich
Licht für den heutigen Start der war, hatte der Umsatz 604,8 lief die Entwicklung in Tokio.
US-Raumfähre „Atlantis" mit Millionen Stück betragen. Dort stabilisierte sich der Ein-
23 Millionen Babys in China Italien und Dänemark äußerten
Verständnis für die Bonner Hal-
der Jupiter-Sonde „Galileo": Ein Eine Flut von Verkaufsaufträ- bruch bei 1,9 Prozent. Peking (dpa). Trotz strikter Bevölkerungszahl von 1,11 tung. Das Nachtfahrverbot soll
am 1. Dezember in Kraft treten
Berufungsgericht in Washing- gen verzögerte den Handel an der Siehe „Zum Tage" Geburtenkontrolle in den Milliarden Menschen haben.
ton bestätigte die Entscheidung Frankfurter Börse um 25 Minu- Fortsetzung nächste Seite Städten wird das Bevölke- Allein 1989 würden in China Transitrouten und von 22 bis 5 Uhr auf allen
eines Richters aus der vergan- rungswachstum in China in 23 Millionen Babys geboren für Lkw über 7,5
genen Woche und lehnte ein diesem Jahr wieder alarmie- werden. Die Rate des Bevölke- Tonnen gelten.
von Anti-Atom- und Umwelt-
beantragtes Gespräch im Auswärtigen Amt / Israel-Protest Wie rende Ausmaße annehmen. rungswachstums werde in die- Bundeskanzler Kohl bat un-
schutzgruppen die Zeitung „China Daily" sem Jahr bei 15 pro Tausend terdessen den Präsidenten der
Startverbot ab. Auch die Tech-
niker und Wetterbeobachter gestern berichtete, werde Chi- Einwohner - um 0,8 pro Tau- EG-Kommission, Delors, sich
sind zuversichtlich. Die Um-
weltschüutzer befürchten,daß
bei einem Unglück die atomaren
Bonn empfängt Vertrauten na bis zum Jahresende eine send höher als 1988 - liegen. persönlich in die Verhandlun-
gen einzuschalten.

Batterien von „Galileo" Radio-


aktivität in die Atmosphäre ab-
geben könnten.
von PLO-Chef Arafat In Warschau warten 1400 DDR-Bürger / Ausreiseweg noch offen
Die fünf Astronauten an Bord Bonn (dpa). Die Bundesregie-
der Fähre, darunter zwei Frau- rung hat gestern mit dem Emp- mitDieRücksicht
en, sollen die Jupitersonde im fang eines hochrangigen PLO-
Bundesregierung hatte
auf Israel lange
All absetzen. „Galileo" soll am Funktionärs im Bonner Auswär- mit der Aufnahme offizieller
7. Dezember 1995 in seine Um- tigen Amt ihre Arbeitskontakte Kontakte zur PLO gezögert.
Erste Flüchtlinge ausgebürgert
laufbahn um den größten Plane- mit der Palästinensischen Be- Eine Lockerung zeichnete sich Warschau/Bonn (AP/dpa). Die der, wurden zunächst in die La- gekommen, und weitere hätten
ten des Sonnensystems ein- freiungs-Organisation „aufge- nach der Sitzung des Palästinen- ersten 50 von 1400 ausreisewil- ger zurückgebracht, wo sie Bun- am Montag morgen die Bot-
schwenken. wertet". Bei dem Gespräch des sischen Nationalrates (Exil-Par- ligen DDR-Bürgern sind gestern despässe erhalten sollten. schaft der Bundesrepublik um
Außenamts-Staatssekretärs lament) im November 1988 in
in Warschau in ihrer Botschaft Form der Ausreise Unterstützung gebeten.
Sudhoif mit Bassam Abu Sharif, Algier ab, wo die PLO Israel in- ausgebürgert worden. Jubelnd dieWelche Flüchtlinge in Warschau Über Ungarn sind laut Klein
einem Berater und engen Ver- direkt anerkannte und eine verließen sie am Nachmittag das wählen - per Flugzeug oder seit vergangenem Freitag rund
Die endgültigen Quoten trauten des PLO-Vorsitzenden Zwei-Staaten-Lösung in Palästi- Gebäude und schwenkten ein Schiff - ist
Lotto: Gewinnklasse I 590 151,10 Arafat, würdigte Bonn gleich- na akzeptierte. nach Angaben von 3800 DDR-Flüchtlinge in die
DM; II 69 745,10 DM; III 5254,70 zeitig die „maßvolle Haltung" Banner mit der Aufschrift „Wir Regierungssprecher Klein „zur Bundesrepublik gekommen. Al-
Israel protestierte gegen den sind frei". Sie bekamen eine Ur-
DM; IV 92,70 DM; V 7,50 DM.
Toto:
der PLO im israelisch-arabi- Empfang des Arafat-Vertrauten kunde mit der Entlassung aus Stunde noch offen". Wie Klein lein von Sonntag auf Montag
gestern in Bonn zu verstehen passierten 1877 die Grenze,
schen Konflikt. im Auswärtigen Amt. „Wir be- der DDR-Staatsbürgerschaft so- gab, wird mit einer Ausreise auf knapp 400 mehr als in den 24
Auswahlwette: I. unbesetzt, Jackpot
2 577 728,05 DM; II. 8028,20 DM; Das Gespräch war gleichzeitig dauern zutiefst, daß das Aus- wie eine Identitätsbescheini- dem Schienenweg nicht gerech- Stunden zuvor. Die gestiegene
III. 412,70 DM; IV. 22,40 DM; V. der offiziell höchstrangige Kon- wärtige Amt es für richtig hielt, gung ausgehändigt. Diese Aus- net, da Ostberlin die Beförde- . Zahl hänge offenkundig mit den
3,50 DM. - Ergebniswette: I. takt Bonns mit der PLO-Füh- einen hochgestellen Vertreter reiseregelung ist bisher zeitlich rung der aus der DDR-Staats- begonnenen Herbstferien in der
14 058,60 DM; II. 687,50 DM; III. rung. Vorangegangen waren im einer Terror-Organisation zu nicht begrenzt. bürgerschaft entlassenen DDR zusammen. Die Zahl der
69,20 DM. Juli ein Empfang des Bonner empfangen", erklärte die israeli-
Rennquintett: Eine der ausgebürgerten Flüchtlinge über DDR-Gebiet Flüchtlinge in der bundesdeut-
PLO-Vertreters Abdallah Fran- sche Botschaft in Bonn. „Der nicht mehr akzeptiert. schen Botschaft in Prag ist nach
Rennen A: Gewinnklasse I 289,70 gi im AA und im März ein infor- Zeitpunkt ist besonders un- Frauen in Warschau sagte, die Angaben eines Sprechers des
DM; II 77,90 DM. DDR-Beamten seien „sehr Von diplomatischer Seite ver-
melles Treffen des damaligen glücklich, da in diesen Tagen freundlich" gewesen. Sie habe lautete, jeden Tag träfen neue Auswärtigen Amtes in Bonn in-
Rennen B: Gewinnklasse 186,20 DM; Entwicklungs-Ministers
II 28,60 DM. und wichtige und schwierige Frie- vor zwei Jahren die Ausreise Flüchtlinge in der Bonner Bot- zwischen auf rund 60 gestiegen.
Kombinatjonsgewinn: unbesetzt, heutigen Regierungssprechers densbemühungen im Gange beantragt, aber keine Hoffnung schaft in Warschau ein. Allein Auch dort werde weiterhin an
Jackpot 41 398,40 DM. Klein mit PLO-Vertretern in Tu- sind." mehr gehabt. Die 50 Ausgebür- über das Wochenende seien einer Lösung gearbeitet.
(Ohne Gewähr) nis. Siehe auch Kommentar gerten, meist Mütter und Kin- wieder 200 bis 300 Menschen Weiterer Bericht nächste Seite
Nr. 242 Politik Dienstag, 17. Oktober 1989

Namen und DDR / Schriftsteller, Studenten, Theaterschaffende Ägypten, Libyen KSZE-Treffen/Bulgarien


Nachrichten
Syse löst Brundtland ab
Rufe nach Reformen immer lauter Gipfel zur
Versöhnung
Bonn tritt für
Bürgerrechte ein
Eine bürgerliche Dreier-Koali- Berlin (AP/dpa). Der Druck auch ein Brief an den Rektor der des Verbandes der Unterhal-
tion mit dem auf,die SED-Führung, endlich Humboldt-Universität verlesen. tungskünstler wurden gestern Kairo (AP/dpa). Mit einer de- Sofia/Bonn (dpa). Die Bundes-
konservativen eine Reformpolitik einzuleiten, Er wurde aufgefordert, die ange- bei FDJ-Chef Eberhard Aurich monstrativen Geste haben regierung hat die Situation der
Parteichef Jan wird immer größer. Gestern rief drohten Entlassungen von Stu- vorstellig. Sie berichteten über Ägyptens Staatschef Mubarak Menschenrechte in Bulgarien
Syse (Foto) als der DDR-Schriftstellerverband denten zurückzunehmen, die an Repressionen des Staates gegen und Libyens Revolutionsführer und Rumänien kritisiert. „Die
Regierungschef die Staatsführung gestern öf- den Protesten für demokrati- Künstler, die die kritische Un- Gaddafi gestern zum Ausdruck Lage der türkischen Minderheit
hat gestern in fentlich zu „revolutionären Re- sche Reformen teilgenommen terhaltungskünstler-Resolution gebracht, daß nach jahrelangem in Bulgarien gibt Anlaß zur Sor-
Norwegen die formen" auf. Besorgte Äußerun- hatten. für Reformen unterschrieben schweren Zerwürfnis ein neues ge", sagte Umweltminister Töp-
Regierungsge- gen dürften jetzt „nicht mehr Jurastudenten .. verlangten haben. Kapitel in den Beziehungen bei- fer am Montag in der bulgari-
schäfte über- unterdrückt und kriminalisiert" beim Konzert eine Überprüfung Zugleich wurde kritisiert, daß der Länder beginnt. Mubarak, schen Hauptstadt Sofia. Er
nommen und werden. Zugleich rügten die aller DDR-Gesetze auf ihre Ver- festgenommene Bürgerinnen der Gaddafi in dem ägyptischen sprach zur Eröffnung des ersten
damit fünf Wo- Autoren die „unerträgliche Ig- fassungsmäßigkeit. Eine unab- und Bürger nach den Demon- Mittelmeer-Badeort Mersa Ma- Umwelttreffens der 35 Länder
chen nach den noranz" der Medien und forder- hängige Untersuchungskom- strationen Anfang des Monats truh am Vormittag herzlich der Konferenz über Sicherheit
Parlaments- ten den „sofortigen Beginn" des mission solle das Verhalten der gezwungen wurden, stunden- empfangen hatte, wird heute und Zusammenarbeit in Europa
wahlen im Sep- Dialogs über „Gleichgültigkeit, DDR-Sicherheitskräfte bei den lang, zum Teil unbekleidet, be- nach. Libyen reisen, wo im (KSZE). Gleichzeitig mahnte er
tember die sozialdemokratische Verantwortungslosigkeit, Miß- Massenprotesten prüfen. Die wegungslos mit dem Gesicht zur Grenzort Tobruk die Beratun- auch das Recht bulgarischer
Minderheitsregierung Brundt- wirtschaft und Bevormundung". Studenten kündigten an, einen Wand zu stehen. „Dieses Vorge- gen fortgesetzt werden. Bürger an, sich in Vereinen und
land abgelöst. Für die Realisie- autonomen Studentenbund zu hen widerspricht völlig den Nach sechsstündigem Aufent- Gruppen selbstständig zusam-
rung ihres Koalitionsprogramms Gewerkschaftschef Tisch sag-
te in einem Interview: „Die Stim- gründen. Normen sozialistischer Rechts- halt Gaddafis in Mersa Matruh menschließen zu dürfen, was ih-
ist die aus Konservativen, war die erste Phase der Gesprä- nen bisher verweigert wird.
Christlicher Volkspartei und mung unter den Kollegen hat staatlichkeit," hieß es.
sich verändert. Darauf müssen Nach Informationen der che abgeschlossen worden. Es Töpfer traf am Rande der Kon-
Zentrumspartei bestehende Demo soll angemeldet werden „Bild"-Zeitung haben inzwi- war das erste ägyptisch-libysche ferenz zu einer 90minütigen Un-
Koalitionsregierung auf die Un- wir reagieren. Wenn wir .das
nicht tun, machen es andere." Er schen 13 der 15 SED-Bezirks- Gipfeltreffen seit 17 Jahren. Die terredung mit seinem DDR-Kol-
terstützung der rechtspopulisti- Beziehungen hatten sich ver- legen Reichelt zusammen. Wie
schen Fortschrittspartei ange- warnte allerdings vor über- Ein Sprecher des DDR-Ver- chefs die Ablösung des gesam-
stürztem Handeln, sonst „kann bands der Theaterschaffenden ten Politbüros mit Erich Ho- schlechtert, weil Ägypten sich das Bonner Umweltministerium
wiesen, da sie nur über 62 von weigerte, mit Libyen einen Staa- mitteilte, hätten beide Minister
175 Mandaten verfügt. das Schiff stranden". erklärte in der Erlöserkirche, necker an der Spitze gefordert.
sein Verband wolle zum 4. No- Zugleich setzten sie sich für tenbund einzugehen. 1977 kam in dem Ziel übereingestimmt, in
In Ostberlin nahmen am es sogar zu einem fünftägigen Sofia eine Rahmenkonvention
Sonntag abend zwischen 3000 vember eine Demonstration für weitreichende Reformen in der
Grenzkrieg. Auch das entspann- über den Schutz grenzüber-
ASU auch für Kat-Autos? und 4000 Menschen an einem
„Konzert gegen Gewalt" in der
Pressefreiheit im anderen deut- DDR ein, berichtet „Bild" unter
schen Staat beantragen. Berufung auf „wohlinformierte te Verhältnis Ägyptens zu Israel schreitender Gewässer zu ver-
Autos mit Drei-Wege-Katalysa- Erlöserkirche teil. Dabei wurde ist Gaddafi ein Dorn im Auge. abschieden.
Vertreter der Sektion Rock SED-Kreise".
tor sollen nach Ansicht des
FDP-Fraktionsgeschäftsführers
Wolfgramm ebenfalls in die Ab-
gassonderuntersuchungspflicht
(ASU) eingebunden werden. Da
Brandt für „Recht auf nationalen Zusammenhalt" Koalitionsspekulationen
sich die Zahl dieser Fahrzeuge - werden wir Wanderungswel- Ausdruck, daß in der DDR bald

Bayerns SPD über


Moskau (dpa). Politische Re-
rasch erhöhe, so Wolfgramm in formen und das „Recht auf na- len erleben, die alles in den Entscheidungen zugunsten von
Bonn, sei auch für sie eine regel- tionalen Zusammenhalt" hat der Schatten stellen, was wir schon Reformen gefällt werden könn-
mäßige Abgaskontrolle notwen- Vorsitzende der sozialistischen erfahren mußten", sagte der Eh- ten. „Die Entwicklung ist sehr
dig. Der alternative Verkehrs- Internationale (SI), Brandt, ge- renvorsitzende der SPD vor Stu- dynamisch, was die DDR an-
club der Bundesrepublik (VCD) stern in Moskau angemahnt, um
hat die FDP-Initiative begrüßt. dem' Massenexodus von Bür-
gern der DDR und anderen Staa-
ten Osteuropas in den Westen
denten und Professoren der
Moskauer Lomonossow-Uni-
versität, die Brandt die Ehren-
doktorwürde verliehen hatte.
geht", sagte er im Anschluß an
die Festveranstaltung mit
Brandt. „Eine Gesellschaft, die
solide Grundlagen besitzt, wird
Anke Fuchs verärgert
,Kaum Zugang zur Jugend' zu begegnen. „Wenn nicht über- einen kreativen Ausweg aus der München (dpa). Mit deutlicher nicht angehören wird und die
Junge Menschen finden sich mit all in Europa dem Anspruch der Indessen brachte der für in- Situation finden. Die Entschei- Verärgerung hat Bayerns SPD- CSU ihre absolute Mehrheit
ihren Anliegen bei den großen Bürger auf Teilhabe und Mit- ternationale Fragen zuständige dungen werden nicht lange auf Chef Rudolf ..Schc-ftierger am verliert, befürworten nach einer
Parteien kaum noch wieder. sprache Rechnung getragen ZK-Sekretär Falin vor Journali- sich "warten lassen", fügte er Montag auf Äußerungen von jüngsten Umfrage der Bonner
Dies ist die Einschätzung des wird, dann - so ist zu befürchten sten seine Überzeugung zum hinzu. SPD-Bundesgeschäftsführerin Parteiführung in Bayern etwa
Vorsitzenden der Jungen Uni- Anke Fuchs reagiert, die nach vier Fünftel der SPD-Anhänger
on, Bohr. Seit dem Abebben der den Landtagswahlen 1990 in eine Große Koalition.
Jugendprotestwelle Anfang der Bayern zur Abwehr der Repu- Auch bei den CSU-Anhän-
80er Jahre hätten die Parteien blikaner eine große Koalition gern sind nach der jetzt in Teilen
den Zugang zu den Jugendli- aus CSU und SPD für möglich bekanntgewordenen, aber von
chen „fast vollkommen verlo- hält. Schöfberger forderte Frau der SPD noch nicht veröffent-
ren". ••• - Fuchs auf, „ihre Spekulationen lichten Umfrage bei dieser Kon-
unverzüglich einzustellen". stellation rund zwei Drittel für
SPD-Fraktionschef Karl-Heinz die Große Koalition.
Chefankläger wird 90 Hiersemann, Spitzenkandidat Wären jetzt Wahlen in Bay-
Die Verfolgung und Verurtei- bei der Landtagswähl, verbat ern, würde äte CSU nach der
lung von Nazi- sich die „Einmischungsversu- SPD-Umfrage erstmals seit 24
Verbrechern che der Bundesgeschäftsführe- Jahren mit 48 Prozent ihre abso-
bestimmte den rin in bayerische Angelegenhei- lute Mehrheit knapp verlieren.
größten Teil des ten" und stellte die Frage, „ob 1986 kam sie noch auf 55,8 Pro-
Lebens von Ro- Frau Fuchs nichts anderes zu zent. Die SPD würde ihr Ziel,
bert W. Kemp- tun hat". stärker zu werden, verfehlen
ner, der heute Die Koalitionsdiskussion zum und wieder nur 27 Prozent er-
90 Jahre alt jetzigen Zeitpunkt kommt der reichen. Die Grünen blieben mit
wird. Der in SPD-Spitze zwar ungelegen, bei sieben-Prozent auch in etwa
Freiburg gebo- der Basis der Partei aber wird gleich, die FDP käme mit sechs
rene Jurist hat ein Bündnis CSU/SPD offenbar Prozent knapp ins Parlament,
sich als wich- weniger negativ bewertet. Für und die Republikaner würden
tigster Anklä- den Fall, daß die FDP dem Land- mit zehn Prozent erstmals in den
ger bei den tag im Oktober 1990 wieder bayerischen Landtag einziehen.
Nürnberger Prozessen (1946)
einen Namen gemacht.
NRW / Bürgermeister im Oberbergischen
Tiefflüge bedrohen Innu
Die Gesellschaft für bedrohte
Völker in Göttingen hat die
Bundesregierung aufgefordert,
/
Grüne wählten CDU-Mann mit
die angestrebte Verlagerung der Hückeswagen (dpa). Zum er- Tauziehen zwischen der lokalen
Tiefflüge nicht einem der letzten
*'- f.' sten Mal in Nordrhein-Westfa-CDU und der nordrhein-westfä-
Jägervölker, den Innu auf der len ist ein CDU-Kandidat mit lischen Landespartei vorausge-
kanadischen Halbinsel Labra- den Stimmen der Grünen zum gangen, in das sich auch CDU-
dor, aufzubürden. Dieses nur ZWEI REGIERUNGSDIREKTORINNEN teilen sich Elke Nellessen (rechts) zu Hauptdezernentin- Bürgermeister gewählt worden:Landeschef Blüm eingeschaltet
zehntausend Menschen zählen- eine leitende Funktion in der Behörde des Köl- nen für Schulrecht, Schulverwaltung und Kir- 17 Gemeinderäte votierten im hatte. Nach den Kommunal-
de Volk könne sich nicht dage- ner Regierungspräsidenten. Behördenchef chensachen. Beide Frauen arbeiten wegen fami- oberbergischen Hückeswagen wahlen am 1. Oktober hatten
gen wehren. Franz-Josef Antwerpes machte Elke Heine und lären Verpflichtungen halbtags. (dpa-Funkbild) für den alten und neuen Bürger-
sich CDU und Grüne darauf
meister Manfred Vesper. verständigt, daß die Union - mit
den Stimmen der Grünen - den
Christa Wolf sagte ab Im Rat hat die CDU 14 Sitze, Posten des Bürgermeisters und
die SPD zwölf, die Grünen drei, die Grünen - mit den Stimmen
Die Ostberliner Schriftstellerin „Dämpfer für Übernahmehysterie nicht unwillkommen" die FDP zwei und eine Unabhän- der CDU - den Vorsitz des Um-
Christa Wolf gige Wählergemeirischaft zwei weltausschusses bekommen
kann nicht zur Sitze. Grünen-Fraktionschef sollten. Dagegen pochte die Lan-
Entgegennah-
me der ihr ver-
liehenen Eh-
Bonn beruhigt: Wirtschaftliche Daten stimmen Wolfgang Herr sagte, die Grü- des-CDU in Düsseldorf auf den
nen hätten geschlossen für Ves- Unvereinbarkeitsbeschluß, der
per gestimmt. Bündnisse mit Grünen und Re-
rendoktorwür- Fortsetzung Nach Angaben Schlechts ten und auch der Rentenmärkt publikanern ausschließt.
de der Hoch- Der internationale Kursrutsch könnte es zu dem „nicht unwill- in guter Verfassung sei, gebe es Der Wahl war ein tagelanges
schule in Hil- wird von der Bundesregierung kommenen Nebeneffekt kom- finanz- und geldpolitisch keinen
desheim reisen. nur als kurzfristiges Phänomen men, daß die Übernahmehyste- Grund zum Gegensteuern,
Die Autorin eingestuft. Sowohl in der Bun- rie einen kleinen Dämpfer er- meinte Tietmeyer. HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE Verlagsleitung
nannte „fami-
liäre Gründe",
desrepublik als auch in anderen hält". Er spielte damit auf die
wichtigen Industrieländern sei- massiven Firmenaufkäufe in den US-Präsident George Bush ist
ALLGEMEINE Dr. Dietrich Batz, Rainer Dierichs, Wigbert
H. Schacht. Anzeigenleiter: Horst Prehm.
die eine Anrei- en die ökonomischen und fi- USA und die dadurch ausgelö- über die Entwicklung an den in- Vertriebsleiter. Gerd Lühnng.
Herausgeber
se unmöglich nanzwirtschaftlichen Daten so ste neue Baisse an. Als störend ternationalen Börsen ebenfalls Rainer Dierichs, Dr. Dietrich Batz, Verlag Dierichs GmbH & Co KG, Frankfur-
machten. Die Hochschule Hil- robust, daß die Anleger keinen nannte er die Beobachtung, „daß „nicht besorgt". Bush verwies Achim von Roos ter Str. 168, Postfach 10 10 09, 3500 Kas-
desheim wollte Wolf für ihre Grund zum Ausstieg hätten, er- da jetzt einige Kleine aus Sorgen am Montag auf entsprechende sel, Ruf 05 6 1 / 2 0 3-0. Tel. Anzeigenan-
Chefredakteur nahme 05 61 / 20 3-3. Fernschreib-Nr.
herausragenden literarischen klärten die Bonner Staatssekre- aussteigen und die professionel- Fragen darauf, daß die US-No- Lothar Orzechowski 99 635. Telekopierer 05 61 /20 36. Teletex
Leistungen würdigen. täre Schlecht (Wirtschaft) und len Cleveren anschließend die tenbank, der Finanzminister 5 618110. Postgirokonto 155132-608
Tietmeyer (Finanzen) gestern in Gewinne machen". Da die wirt- und die Börsenaufsicht die Ent- Stellv. Chefredakteure Frankfurt/M. Anzeigenpreisliste Nr. 29. Mo-
schaftlichen Daten aber stimm- wicklung beobachteten. Wolfgang Rossbach, Peter M. Zitzmann natlicher Abonnementspreis DM 25,60 inkl.
Bonn.
„Rabiate Methoden" Verantwortliche Redakteure Zustellung und 7 % MwSt. (Postbezugs-
preis 28,50 DM).
Chef vom Dienst: Horst Kröninger. Chef
Vor einem Mißbrauch der Pres- Nachrichten: Rainer Merforth. Politik: Jo- Die Beendigung des Abonnements ist nur
sefreiheit durch Sensationsjour- Vermutlich Killerkommando der kolumbianischen Drogenmafia chen Prater. Blick in die Zeit: Walter
Schütz. Wirtschaft und Sozialpolitik: Horst
mit schriftlicher Kündigungserklärung unter
nalismus hat der FDP-Vorsit- Einhaltung einer Frist von einem Monat
zende Lambsdorff gewarnt. Seidenfaden, Kultur: Dirk Schwarze, Frau zum Monatsende möglich; die Frist läuft ab
u. Reise: Ilse Methe-Huber. Sport: Rolf Wie- Zugang der schriftlichen Kündigungserklä-
„Wenn einige Journalisten zu
besonders rabiaten Methoden
greifen, die weit über ihre be-
Autobombe vor Verlagshaus tötet vier Menschen semann, i. V. Ulrich Fuhrmann. Sonntags-
zeit: Frank Thonicke. Kassel Stadt und
Land: Wolfgang Rossbach. Bezirksredak-
rung.
Auflage werktags über 270 000 Exemplare
tionen: Peter M. Zitzmann. Koordination: in Tarifgemeinschaft mit „Oberhessische
rufsbedingte Informationspflicht Bogota (dpa). Ein mutmaßli- rere Menschen getötet. Nach Das Gebäude der Tageszei- Presse", Marburg, „Hersfelder Zeitung",
ches Killerkommando der Dro- ersten Informationen kamen tung, die den Kampf der kolum- Helmut Lehnart.' Hessen/Niedersachsen:
hinausgehen, gefährden sie das Eberhard Heinemann. Chefreporter' Karl- „Werra-Rundschau", Eschwege, „Harzku-
Ansehen der Presse insgesamt genmafia hat am Montag mit ei- durch die Bombe, die in einem bianischen Regierung gegen das Hermann Huhn. Sonderthemen: Peter rier", Herzberg.
und das Verständis in der Ge- nem Bombenanschlag auf das vor dem Gebäude geparkten Drogenkartell im Land ener- Ochs. Auflage „Sonntagszeit" über 200 000
sellschaft für eine der wesentli- Gebäude der Zeitung „ Vanguar- Auto hochging, mindestens vier gisch unterstützt, wurde nach Redaktion Wiesbaden: Rolf Effenberger Exemplare.
chen Grundfreiheiten", sagte dia liberal" in der kolumbiani- Menschen ums Leben. Zehn sei- Angaben des Verlagsdirektors Redaktion Hannover. Harald Birkenbeul. Herstellung Druckhaus Dierichs,
Lambsdorff gestern in Bonn. schen Stadt Bucaramanga meh- en verletzt worden. zu 80 Prozent zerstört. Redaktion Bonn: Hans Ludwig Laucht. Frankfurter Straße 168, 3500 Kassel.
Nr. 242 Hessen Dienstag, 17. Oktober 1989

Gemeinsame Richtlinien für Polizei und Staatsanwaltschaften

Hessen will in Strafverfahren


Zeugen künftig besser schützen
Von unserer Wiesbadener Redaktion

Wiesbaden (Eff). Zum Schutz von Zeugen in Strafverfahren hat Hessen als erstes
Bundesland gemeinsame Richtlinien für Polizei und Staatsanwaltschaften erlassen. Das
teilten gestern Innenminister Müde (CDU) und Justizminister Koch (CDU) mit.
Die planmäßige Einschüchte- und die entsprechenden Schutz- se das so weit gehen, daß Zeugen
rung von Zeugen durch organi- maßnahmen festlegt. ihre Identität gegenüber Ange-
siert vorgehende und gewalt- Sie können nach Angaben der klagten und deren Sympathisan-
bereite Täter dürfe in einem Minister von der Beratung des ten nicht preisgeben müßten.
Rechtsstaat nicht tatenlos hin- Betroffenen über Vorkehrungen
genommen werden, erklärten in seinem gewohnten Umfeld und
die beiden Minister. In Ermitt- bei Gerichtsverhandlungen bis Grüne haben Bedenken
lungsveriahren gegen Schwer- zu tiefgreifenden Änderungen im
kriminelle weigerten sich näm- persönlichen Leben reichen. Erhebliche Bedenken gegen
lich zunehmend.Zeugen aus be- „Gefährdete Zeugen sollen wis- diese Richtlinien äußerte der in-
gründeter-Angst vor Repressa- sen, daß Polizei und Justiz zu nenpolitische Sprecher der
lien, ihr-Wissen preiszugeben. ihrem Schutz bereit und in der Landtagsfraktion der Grünen,
Die Zeugenschutzregelungen Lage sind", betonten beide. v. Plottnitz. Polizeiliche Schutz-
sehen u. a. vor, daß die zustän- Über die Möglichkeiten des maßnahmen könnten das Aus-
dige Dienststelle von Polizei
oder Staatsanwaltschaft in Fäl-
Landes zu praktischem Zeugen-
schutz hinaus forderten Koch
sageverhalten der Betroffenen
„auch vor Gericht in ganz er- Das traditionelle Lullusfest begann in Bad Hersfeld
len schwerer Kriminalität künf- und Milde den Bundesgesetz- heblicher Art und Weise beein- Mit dem Anzünden des Lullus- 16. Oktober gefeiert wird, eröff- der er auf kommunale Ereignisse
tig eigene Gefahrenermittlungen geber auf, in rechtsstaatlich ein- flussen". Verfassungsrechtliche feuers auf dem Marktplatz hat am nete Erster Stadtrat Tilo Scheur- des Jahres einging. In dem Fest-
anstellt und die konkrete Ge- wandfreier Weise Möglichkeiten Einwände hat er auch gegen Montag das älteste deutsche mann (SPD) in Vertretung des in zug unter dem Motto „Was ihr
fährdungslage für Zeugen, zu zur Verbesserung des Zeugen- Landesregelungen. Für die Volksfest, das Lullusfest, in Bad der vorigen Woche zum ersten- wollt und wie es euch gefällt" zog
denen auch das Opfer einer schutzes in Strafverfahren zu Strafprozeßordnung sei nämlich Hersfeld begonnen. Das Fest, das mal abgewählten Bürgermeisters auch Stadtgründer Abt Lullus
Straftat zählen könnte, beurteilt prüfen. In Ausnahmefällen müs- der Bund zuständig. seit 852 in der Woche um den Boehmer mit der ,fLollsrede", in (Foto) mit. (dpa-Funkbild)

,Sozialen Mietwohnungsbestand absichern" Viele Verspätungen Revisionsfall lag einem unzuständigen Senat vor

DGB Hessen fordert Bau Nebel legte


Flughafen lahm
BGH verschiebt Sare-Verhandlung
von 48 000 Wohnungen Karlsruhe (lhe). Die für Mitt- der für Straßenverkehrsdelikte Gericht hatte sich dabei vor al-
Frankfurt (lhe). Frühnebel hat woch geplante Revisionsver- zuständige 4. Strafsenat beim lem auf ein Tatortfoto gestützt,
Frankfurt (lhe). Der DGB-Lan- schätzt den Fehlbestand in Hes- am Montag den Flugverkehr auf handung im Fall des 1985 bei Bundesgerichtshof. das die Angeklagten ursprüng-
desbezirk Hessen hat am Mon- sen auf 150 000 Wohnungen. dem Frankfurter Flughafen er- einer Demonstration in Frank- Das Landgericht Frankfurt lich erheblich belastet hatte, von
tag in Frankfurt ein Wohnungs- Die Gewerkschaften fordern heblich behindert. Auf dem furt tödlich verletzten Günter hatte im März 1988 nach neun- dem sich jedoch später heraus-
bauprogramm für Hessen gefor- Parteien und Gesetzgeber Vorfeld herrschte zeitweise eine Sare ist vom Bundesgerichtshof monatiger Verhandlung zwei stellte, daß die dort abgebildete
dert. Im einzelnen verlangte der außerdem auf, für eine dauer- Sicht von unter 125 Metern. Die überraschend auf unbestimmte Polizeibeamte vom Vorwurf frei- Person nicht Günter Sare gewe-
DGB-Chef Jungmann den Bau hafte Absicherung des sozialen dichte Nebelwand, die sich in Zeit verschoben worden. Wie gesprochen, den 36jährigen sen sein konnte.
von mindestens 48 000 Woh- Mietwohnungsbestands, für die der Nacht über die Rhein-Main- der Bundesgerichtshof am Mon- Günter Sare mit einem Wasser- Gegen das Urteil der 31. Straf-
nungen in den nächsten drei bis Festlegung einer sogenannten Ebene gelegt hatte, hielt 20 Ma- tag mitteilte, hat sich ergeben, werfer bei einer Anti-NDP- kammer haben sowohl die An-
vier Jahren; davon 25 000 im so- Fehlbelegungsabgabe und für schinen mit Ziel Frankfurt be- daß der Fall einem unzuständi- Demonstration am 28. Septem- wälte der Angehörigen Sares als
zialen Wohnungsbau. Die dafür ein Verbot von „Mieterverdrän- reits auf den Abflughäfen am gen Senat vorgelegen habe. Zu- ber 1985 überfahren und damit auch die Staatsanwaltschaft Re-
notwendigen Mittel müßten im gung per Zweckentfremdung Boden, teilte eine Flughafen- ständig sei nicht der 2., sondern fahrlässig getötet zu haben. Das vision eingelegt.
kommenden Doppelhaushalt und Luxusmodernisierung von Sprecherin mit.
1990/91. bereitgestellt werden; Wohnungen" zu sorgen. Auch Von Frankfurt aus konnten
auch Bund und Kommunen dürften Mieterhöhungen nicht 23 Maschinen wegen der
müßten sich an der Finanzie- über den allgemeinen Preis- „Waschküche" nicht starten.
Frankfurt / Drogen Verbrennungsanlage Spenden für Übersiedler
rung beteiligen. Jungmann steigerungen liegen. 21 Flugzeuge wurden wegen der
geringen Sicht auf Rhein-Main
nach Köln, Nürnberg und Stutt-
gart umdirigiert. Betroffen vom
Schon mehr Anhörung DRK: Alle Lager
Blick über die Grenze Nebel waren vor allem Maschi-
nen kleinerer Fluggesellschaf-
ten ohne Instrumentenlande-
Tote als 1988 beginnt heute sind randvoll
system. Nach einer Zwangs- Frankfurt (lhe). Die Todes- Frankfurt (lhe). Für die neue Frankfurt (lhe). Die Welle der
pause konnten sie allerdings am spirale in der Frankfurter Rückstandsverbr^mungsanlage Hilfsbereitschaft für DDR-Über-
Auch bei Veranstaltungen in der Provinz späteren Vormittag ihren Flug Rauschgiftsszene dreht sich im- der Hoechst AG beginnt heute siedler stellt das Rote Kreuz zu-
nach Frankfurt fortsetzen. Die mer schneller: Am Sonntag er- in Frankfurt das öffentliche An- nehmend vor Organisationspro-
Sicht war gegen 10.45 Uhr wie- höhte sich die Zahl der Drogen- hörungsverfahren. Nach Aus- bleme. Die Lagerkapazitäten der
Rege Diskussionen über der ausreichend.
Trotzdem gab es bis in den
toten auf 61 in diesem Jahr, teil-
te die Polizei am Montag mit.
kunft des Darmstädter Regie-
rungspräsidiums gibt es gegen
diese Anlage mehr als 2500 Ein-
DRK-Kreisverbände sind bis an
die Decke mit Sachspenden, vor
späten Nachmittag Verspätun- Damit forderte der Drogen- allem Möbeln, gefüllt.
Fluchtwelle aus der DDR gen als Folge der Umleitungen
und Flugstreichungen.
mißbrauch in der Stadt schon
jetzt genauso viele Opfer wie im
wendungen. Karlheinz Tro-
bisch, der für das Ressort Um-
welt beim Hoechst-Konzern zu- „Besser Geld spenden"
ganzen Jahr 1988. Bis Mitte
Weimar (k). Die melten darin einig Auf einer ande- Oktober 1988 hatte die Polizei ständig ist, sagte am Montag, die
Fluchtwelle aus der gewesen, einen öf- Straßenverkehr ungestört „lediglich" 47 Drogentote regi- Anlage sollte dennoch „so Da die meisten Flüchtlinge
ren Diskussions-
DDR wird jetzt fentlichen Dialog veranstaltung kriti- striert. schnell wie möglich aus Um- aber noch keine Wohnung hät-
auch zum Thema auf breiter Ebene zu sierten Weimarer Den Autoverkehr ließ der Ne- Bei dem letzten Frankfurter weltschutzgründen" gebaut ten, könnten die Spenden derzeit
bei offiziellen Ver- suchen. in Anwesenheit des bel dagegen kalt. Auf den hessi- Drogentoten handelt es sich um werden. nicht weitergegeben werden,
anstaltungen in der Der Sekretär für Oberbürgermei- schen Autobahnen und Fern- einen 36jährigen Mann, den am Die Rückstandsverbren- teilte der Landesverband am
DDR-Provinz: Bei Kultur und Bildung sters, daß ihr kom- straßen kam es nach Darstellung Sonntagnachmittag Bekannte in nungsanlage soll eine Kapazität Montag mit. Auch die Kleider-
Einwohnerver- der SED-Kreis- munalpolitisches der Fernmeldeleitstelle der Poli- seiner Wohnung im Frankfurter von rund 60 000 Tonnen Müll kammern seien zur Zeit „gut aus-
sammlungen in leitung stand bei Engangement zei nur zu leichten Störungen. Ostend tot auffanden. Der pro Jahr haben. Zusammen mit gestattet". Die Hilfsorganisation
Weimar gab es eine der Versammlung durch Behörden Staus an den „neuralgischen 36jährige hatte sich ebenso wie der seit 1977 laufenden ersten rät daher hilfsbereiten Bürgern
„rege Diskussion" Rede und Antwort. behindert werde. Punkten" im Großraum Frank- sein 23jähriger Mitbewohner Müllverbrennungsanlage des von Sachspenden ab.
darüber, warum so Er sagte, den „geg- Aktivitäten wie das furt bewegten sich im „montags- kurz zuvor eine Dosis Heroin Konzerns können nach Dar- Am besten, so das DRK, könne
viele junge Bürger nerischen Positio- Herrichten eines üblichen Rahmen" und hätten gespritzt. Neben der Leiche stellung von Trobisch dann den Neubürgern aus der DDR
das Land verlassen. verwahrlosten nichts mit dem Nebel zu tun ge- fanden Beamte frisch benutztes jährlich rund 100 000 Tonnen mit einer Geldspende geholfen
nen müsse man Grundstücks zu habt, erklärte ein Beamter. Fixergeschirr. eigener Müll verbrannt werden.
Nach Angaben „die erfolgreiche werden.
der thüringischen Entwicklung der einem Spielplatz
Regionalpresse sei- Republik entgegen- seien an der Büro-
en sich die Versam- halten". kratie gescheitert. Neue Kreisverbände Tagung in der Evangelischen Akademie Hofgeismar
Wartburg Gebäude Zierpflanzen „Graue" planen „Kirche ohne Diakonie ist keine Kirche"
zügigen Ausbau
Preis Keine Zentrum der Hofgeismar. Die Kirche recht- wohl führt die staatliche Sozial- amts, hin. Durch die Belastung
Wiesbaden/Offenbach (lhe). fertigt sich vor den Kirchen- planung zu immer engmaschige- der Kommunen mit den Folgen
gestiftet Reparaturen Forschung Die Partei der Grauen will ihre
Organisationsstruktur in Hes-
steuerzahlern überwiegend mit ren Regelungen, die die Wohl-
fahrtsverbände einengen.
der Arbeitslosigkeit in Form von
Sozialhilfeleistungen, bleibe
ihrer sozialen Arbeit in der Dia-
Eisenach. Die Sondershausen. Erfurt. Ein Wis- sen zügig ausbauen. Innerhalb konie. Gleichzeitig wird aber Während für die stationären hier nur ein enger Spielraum.
Wartburg-Stiftung Der Volkseigene senschaftliches der nächsten vier Wochen sol- gerade dieser Bereich zu einem Einrichtungen über zugesicher- Zur Durchsetzung aller So-
Eisenach hat einen Betrieb (VEB) Ge- Zentrum der Zier- len Kreisverbände in Wiesba- wesentlichen Teil mit öffent- te Pflegesätze der Kostenträger zialrechtsansprüche gegenüber
Ehrenpreis für her- bäudewirtschaft in pflanzenforschung den, Darmstadt und Kassel so- lichen Geldern finanziert. eine relative finanzielle Absi- der öffentlichen Hand forderte
vorragende Ver- Sondershausen - er nimmt in Erfurt sei- wie in der Stadt Offenbach ins Über die Stellung der Diako- cherung besteht, ist dies im am- Dr. Heribert Renn, Jurist im
dienste um die verwaltet den kom- ne Arbeit auf. Es Leben gerufen werden. Das kün- nie zwischen ihrem kirchlichen bulanten Bereich oft nicht der Diakonischen Werk Hessen-
Pflege und Erhal- munalen Woh- soll zu einem besse- digte ein Sprecher der „Grauen" Profil und den durch die Fremd- Fall. Wie Günter Grosse, Ge- Nassau, die Kirchen auf. Dies
tung der Wartburg nungsbestand - ist ren Zierpflanzen- am Montag in Offenbach an. finanzierung erwachsenden schäftsführer des Diakonischen sei insbesondere im Bereich der
sowie um die wei- durch chronischen angebot in der DDR Am Wochenende hatten sich Vorgaben und Anforderungen Werks Kassel-Stadt, -Land und ambulanten Dienste notwendig,
tere Erhöhung ih- Arbeitskräfteman- beitragen. - wie berichtet - Mitglieder aus diskutierten jetzt bei einer Ta- Kaufungen, anmerkte, muß er um für die soziale und rechtliche
rer nationalen und gel nicht in der Hessen zu einem Landesver- gung der Evangelischen Akade- für seine Einrichtungen mit Sicherung von alten, pflege-
internationalen Lage, dringend er- band zusammengeschlossen. mie Hofgeismar Synodale, Mit- 41 verschiedenen Stellen über bedürftigen und sozial benach-
Ausstrahlung ge- forderliche Repara- Neue Sorten Zur Vorsitzenden der „Grauen glieder der Kirchenleitung und Zuschüsse verhandeln, die oft teiligten Menschen nachhaltig
stiftet. turen auszuführen. Hessen" wurde Ruth Wellbrock Raupt- und ehrenamtlich in der als sogenannte freiwillige Lei- einzutreten.
Es fehlen Mau- Schwerpunkt soll (64) aus Dieburg gewählt, teilte Diakonie Tätige. Die Tagung stungen, jederzeit gekürzt wer- Auf die weiter bestehende Be-
Er kann an Ein- der stellvertretende LandesVor- sollte der Vorbereitung der im den können.
zelpersonen, Kol- rer, Klempner, die Anwendung deutung der Diakonie für die
lektive und Betrie- Dachdecker und biotechnologischer sitzende Kurt Müller mit. Mül- Dezember stattfindenden Syn- Auch wenn viele Aufgaben Arbeit der Kirche verwies
be verliehen wer- Ofenbauer. Man Methoden zur ler, viele Jahre SPD-Mitglied ode der Ev. Kirche von Kur- zwischen den Kommunen und Landespfarrer Jürgen Gohde
den und ist mit habeB nur zehn Züchtung neuer und in den 70er Jahren Bürger- hessen-Waldeck dienen. der Diakonie gleichermaßen an- vom Diakonischen Werk in
5 000 Mark dotiert. Maurer, müsse Sorten sein. meister der Gemeinde Hausen Der enorme Ausbau der erkannt werden, scheitert ihre Kurhessen-Waldeck hin. „Kir-
Das Preisgeld aber z. B. allein 400 In Erfurt,hat der (Kreis Offenbach), hatte die SPD kirchlichen Sozialarbeit in den Ausführung doch oft an fehlen- che kann ohne Diakonie nicht
Balkons erneuern Gartenbau eine bereits im Sommer verlassen. letzten Jahrzehnten wäre ohne den Mitteln. Auf die „öffentliche Kirche sein, denn sie verliert
kommt aus dem und 390 Schornst- Armut" vieler Gemeinden und sonst die Bedürftigen aus den
Kulturfonds der 250jährige Tradi- Die „Grauen" wollen schon die breite staatliche Förderung
DDR. einköpfe sanieren. tion. bei der nächsten Bundestags- für die Freie Wohlfahrtspflege Städte wies Anneliese Wolf, Augen", sagte Gohde.
wahl kandidieren. nicht möglich gewesen, gleich- Leiterin des Kasseler Sozial- Claus-Dieter Suß
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Wohnen/Sport Altstadt gesperrt Gefäßsport Scannerkassen Musiktage 1989 Wochenendjobs Zum Tage
Endlich Chaos in Gehen Irrtum Mozart Metaller Nase voll
Frieden? München üben möglich in Kassel sagen nein Fragt man einen Politiker, was er
persönlich und seine Partei für den
Sportliche Aktivitä- In München ist dem Neuartige Hilfe für Auch Computer- 1991 feiert alle In einer gestern Umweltschutz tun, so wird er zu
ten sollen auch künf- Auto in der Innen- Menschen mit Arte- kassen sind fehlbar. Welt Mozart zum veröffentlichten Um- einer langen Rede ansetzen und
tig in Wohngebieten stadt der Kampf ange- rienverschlüssen in Das stellten die Ver- 200. Todesjahr. Kas- frage der IG Metall über „großartige Erfolge" berich-
möglich sein. Bei der sagt worden. Gestern den Beinen bietet eine braucherverbände sel, genauer: die Kas- haben sich über 95 ten. Doch der Bürger, so scheint
Richterwoche des wurden die letzten „Gefäßsportgruppe", fest, als sie Scanner- seler Musiktage vom Prozent der Metallar- es, hat zu verstehen gelernt: „Erfol-
Bundessozialgerichts Schleichwege durch die in Kassel vom kassen in 80 Läden- 26. bis 29. Oktober, beitnehmer gegen re- ge", heißt im Klartext „Kompromis-
kündigte Innenmini- die Altstadt gesperrt. Spezialisten Prof. überprüften. Man- tun es schon 1989 un- gelmäßige Wochen- se", und Kompromisse beim Um-
ster Schäuble (Foto) Die Folge: ein Ver- Gruß in Zusammen- gelnde Preisauswei- ter dem Motto „Mo- endarbeit ausgespro- weltschutz sind leider nur allzuoft
noch für diese Legisla- kehrschaos. 10 000 arbeit mit der GhK sung an den Regalen zarts letztes Jahr". chen. Die Arbeitgeber halbe Niederlagen.
turperiode bindende Autofahrer standen eingerichtet wurde. erschwere dem Kun- Die Oper „La clemen- sprachen von „Irre-
Regelungen für Ge- im Stau. Siehe „Blick den zudem die Kon- za di Tito" und das In einer Allensbach-Umfrage zur
Betroffene trainieren führung". Siehe Wirt- Umwelt-Thematik (siehe Seite 2)
richte und Verwal- in die Zeit" und Kom- dort ihre Gehfähig- trolle. Siehe Wirt- Requiem sind die Hö- schaft und Kommen-
tung an. Siehe Sport. mentar. schaft. hepunkte. Kultur. bekamen die führenden Köpfe aller
keit. Lokales. tar. Parteien derart schlechte Noten,
daß man ihnen „blaue Briefe"
schicken müßte. Gerade mal 28
Prozent halten Minister Töpfer für
Borken / Ermittlungen eingestellt kompetent und engagiert - und
damit ist er sogar noch Spitzenrei-
ter! Die. meisten bekannten Köpfe
blieben deutlich unter 10 Prozent.

Katastrophe war Sind sie wirklich so schlecht wie


ihr Ruf? Eine große Mehrheit, so
scheint es, hat die Nase voll von
halbherzigen Maßnahmen. Wie
sonst käme die Umweltschutzor-

nicht vorhersehbar
ganisation Greenpeace auf 72 Pro-
zent Zustimmung? Greenpeace
handelt, wo andere palavern,
drumherumreden. Greenpeace-
Leute scheren sich manchmal ei-
Von Chefreporter Karl-Hermann Huhn nen Dreck um Verbote und um ihre
eigene Gesundheit, wenn sie Um-
weltskandale aufdecken. Es wird
Kassel. Es gibt keinen Schuldigen für das Borkener Berg- sie freuen, daß die Nation hinter
werksunglück, die Explosion, bei der am 1. Juni 1988 in der ihren Aktivitäten steht. Auch wenn
Braunkohlengrube Stolzenbach im Schwalrrf-Eder-Kreis 51 nur wenige Bürger den Mut zum
Mitmachen finden. Bisher.
Bergleute ums Leben kamen. In ihrer Brisanz bis dahin von
Peter Ochs
den Experten nicht erkannte Feinstaubablagerungen führten
zur Katastrophe. Die Kasseler Staatsanwaltschaft hat das
Ermittlungsverfahren deshalb eingestellt. Studentenwerk ,
In Borken werden dies heute versuche. Gleichzeitig seien, so
die Angehörigen der getöteten
Kumpel und die sechs aus dem
Katastrophen-Schacht noch ge-
die Staatsanwaltschaft gestern,
alle anderen anfangs erörterten
Ursachen durch sofort nach der
Fast 100 000
retteten Bergleute in einer von
der Grubenleitung ausgerichte-
Katastrophe gestartete Ermitt-
lungen ausgeschlossen worden. „Buden" fehlen
ten Zusammenkunft offiziell er-
fahren. In einer Pressekonferenz In mehr als 30jähriger Berg- Bonn (dpa). Von den 235 000
baupraxis habe es im Braunkoh-
am Dienstag erläuterte die Kas-
seler Staatsanwaltschaft das Er-lentiefbau - auch in Stolzenbach
1966 und '67 - nur Brände gege-
Auftakt zur 2. Pokalrunde: Dortmund nur 1:1 gegen Genua Studienanfängern dieses Seme-
sters sind Schätzungen zufolge
gebnis des Ermittlungsverfah- noch fast 100 000 auf der Suche
rens. ben, hieß es gestern. Darauf hät- In der zweiten Runde im Euro- gegen das favorisierte Team von nachdem Wegmann in der 64. nach einer Bleibe. Das Deutsche
ten sich sämtliche Schutz- und papokal der Cupgewinner ver- Sampdoria Genua nur knapp Minute die Führung erzielt hat- Studentenwerk forderte gestern
Sicherungsmaßnahmen gerich- paßte Borussia Dortmund ge- den Sieg. In der vorletzten Mi- te. Auf unserem Bild verfehlen ein koordiniertes Vorgehen von
Bis dahin undenkbar tet. Sie seien vor Ort, so Staats- stern abend vor 45 000 Zu- nute kassierten die Gastgeber Mannini (links) und Mill einen Bund und Ländern in dieser Fra-
anwalt Dietmar Schaub als zu- schauern im Westfalenstadion den Ausgleich durch Mancini, Flankenball. (dpa-Funkbild) ge. In den nächsten Jahren müß-
ständiger Dezernent der Kasse- ten mindestens 50 000 neue
Eine „betriebsbedingte übli- ler Ermittlungsbehörde, „auf
che Ausbausprengung" hat am dem modernsten Stand gewe- Wohnungen mit vertretbaren
1. Juni 1988 die Kohlenstaubex- sen." 10 000 demonstrierten in Dresden Mieten für Studenten errichtet
werden.
plosion gezündet, ein Ereignis,
das nach dem Stand der Wissen- In Stolzenbach jedoch hatte Übergangsquartiere, Sammel-
schaft bis dahin undenkbar ge- sich, von den Bergleuten uner-
wesen sei. Fünf Experten-Teams kannt, in der Pfeilerstrecke 5
und neun Gutachter waren zur West im Lauf des mehrjährigen
Klärung des Falles zugezogen Abbaus ein neuartiger Explo-
Diskussion mit OB erzwungen schlafplätze, beheizte Zelte und
Behelfswohnungen, wie jetzt
vom AStA der Universität Kiel
auf dem Segelschulschiff Passat
worden. In mehreren Instituten sionsherd gebildet. Berlin (AP/dpa). Rund 10 000 Berghofer sprach schließlich Kenntnis nehmen müssen, daß angemietet, könnten nur vor-
im Ruhrgebiet gab es Spreng- Fortsetzung nächste Seite Demonstranten haben am Mon- vom Balkon des Rathauses über der Oberbürgermeister uns kei- übergehend helfen, sagte Stu-
tagabend eine öffentliche Dis- Megaphon zu den Demonstran- nen eigenen Status zugesichert dentenwerks-Generalsekretär
kussion über demokratische Re- ten und kündigte dabei eine hat, weil wir sonst seiner Aus- Bachmann.
Junge Demonstranten Polen / Düsseldorf formen mit dem Dresdener Fortsetzung des „gewaltfreien kunft nach als Opposition staat- Der Kanzler und alle Politiker
Oberbürger- Dialogs" mit den Oppositionel- lich anerkannt würden". hätten das Problem zwar er-
meister Wolf- len an. Er erklärte allerdings Das „Neue Forum" ist nach kannt, auch mit Appellen dazu
Haftstrafen 125 Flüchtlinge gang Berghofer
(Foto) erzwun-
auch, daß es weiterhin keine
Anerkennung des „Neuön Fo-
eigenen Angaben inzwischen
erstmals offiziell in einer DDR-
beigetragen, letzte Reserven zu
mobilisieren, jedoch sei dies al-
gen. Die Men- les „nur ein Tropfen auf den hei-
in Dresden eingetroffen schenmenge
hatte sich vor
rums" geben werde.
Berghofer hatte zwei Stunden
mit der „Gruppe der 20", wie die
Großstadt „toleriert" worden.
Wie Mitinitiatoren des „Neuen
Forums" gestern aus Potsdam
ßen Stein" geblieben.
dem Rathaus Sprechergruppe der Oppositio- mitteilten, sei dies Ergebnis ei-
Berlin (AP). Ein Dresdner Ge- Düsseldorf (dpa). Die ersten angesammelt, nellen genannt wird, über einen nes Gesprächs vom Vortag. Salzgitter-Erlös
richt hat nach einem Bericht der DDR-Flüchtlinge, die Polen auf wo Berghofer Daran nahmen neben „Forum"-
Ostberliner Jugendzeitung dem Luftweg verlassen haben, zu dieser Zeit Vertretern Kirchenleute, der
„Junge Welt" drei junge Demon- sind gestern abend in Düsseldorf
stranten zu Haftstrafen zwi-
schen dreieinhalb und vierein-
eingetroffen. Etwa 125 Men-
schen waren in einer Maschine
mit Vertretern
von Demon-
stranten ein In-
Weitere Berichte aus der DDR fin-
den Sie auf der Seite „Themen des
Tages".
Oberbürgermeister und Vertre-
ter staatlicher Organisationen Bonn denkt an
teil. Die Gesprächsrunde sei auf
halb Jahren verurteilt. Nach
Angaben des Blattes vom Diens-
tag hatten die drei Männer in
der polnischen Fluggesellschaft
LOT. Der nordrhein-westfäli-
sche Sozialminister Heinemann
formationsgespräch führte. Die
Menge rief immer wieder: „Jetzt Zehn-Punkte-Katalog disku-
Initiative des 1. Sekretärs der
SED-Kreisleitung, Heinz Viet-
Umweltstiftung
und hier". Lautstark forderten tiert, in dem unter anderem freie ze, zustande gekommen. Bemü-
der Nacht zum 5. Oktober ver- begrüßte sie am Flughafen. Da- sie Meinungs- und Versamm- Bonn (dpa). Die Bundesregie-
sucht, auf dem Dresdner Haupt- bei dankte er Warschau für die lungsfreiheit sowie die Zulas- Wahlen, Presse-, Meinungs- hungen um eine „Legalisierung"
und Reisefreiheit verlangt wur- des „Neuen Forums" würden in rung will Anfang nächsten Jah-
bahnhof auf einen der Züge auf- humanitäre Haltung. Omnibus- sung der verbotenen Demokra- res eine großangelegte Umwelt-
zuspringen, mit denen die DDR- se des Bundesgrenzschutzes tiebewegung Neues Forum. den. Ein Sprecher anschließend: der Bezirksstadt fortgesetzt.
„Wir haben mit Bedauern zur Fortsetzung nächste Seite stiftung gründen. Sie soll mit
Flüchtlinge aus der Bonner Bot- brachten die Ankommenden so- zwei Milliarden DM ausgestat-
schaft in Prag ins Bundesgebiet fort in das Notaufnahmelager tet werden. Das Geld kommt
gefahren wurden. Tausende Schöppingen.
standen an diesem Tag vor dem
Bahnhof. Dem Bericht zufolge
Die Menschen hatten im Rah-
men einer neuen Prozedur am
Brandt erwartet schnelle Reformen in der DDR von der Privatisierung des bun-
deseigenen Salzgitterkonzerns,
der an die Preussag AG (Hanno-
beteiligten die jungen Leute sich Montag und Dienstag die nöti- Moskau (dpa). Der Vorsitzen- tschow seine Bewertung der ver) verkauft werden soll. Im
an Ausschreitungen und Ge- der DDR „durch unzweckmäßi-
gen Ausreisedokumente von de der Sozialistischen Interna- Probleme in der DDR teile. „Es ge Interventionen" von außen zu Bundesfinanzministerium wur-
walttätigkeiten, weil die Bahn- der DDR-Botschaft in Warschau tionale (SI), Willy Brandt erwar- gibt eine starke Berührung in den gestern entsprechende Zei-
steige abgeriegelt waren. stören.
erhalten. Während die 125 tet in der DDR „Reformen in der Einschätzung, daß nicht ma- In Bonn hat SPD-Chef Vogel tungsberichte bestätigt. Der Sitz
Das Gericht begründete die DDR-Flüchtlinge Polen verlie- kürzester Zeit, schon um die teriell-ökonomische Gründe am personelle Veränderungen in der Stiftung soll Niedersachsen
Strafen mit „Rowdytum in Tat- ßen, meldeten sich seit Montag Massenflucht zu Ende zu brin- vordringlichsten sind, sondern der DDR-Führung sowie wirkli- sein. Sie soll mit jährlich minde-
einheit mit Zusammenrottung abend etwa 180 Neuankömm- gen". Nach einem rund zwei- die Probleme des Verhältnisses che Reformschritte gefordert. stens 150 Millionen DM Projek-
sowie Widerstand gegen staatli- linge bei der Bonner Mission in stündigen Meinungsaustausch des Bürgers zum Staat, dem An- Die SED-Spitze täusche sich, te zur Erforschung und Ent-
che Maßnahmen". Zusätzlich Warschau. Die Zahl der noch in mit dem sowjetischen Staats- spruch mündiger Bürger an den wenn sie glaube, den Reformpro- wicklung umweit- und gesund-
sei gegen die Verurteilten eine Polen verbleibenden Flüchtlin- und Parteichef Gorbatschow Staat", erklärte der Sl-Chef. Er zeß mit halbherzigen Zugeständ- heitsfreundlicher Produkte för-
Geldstrafe von 1000 (DDR-) ge aus der DDR beträgt nach sagte Brandt, er habe den Ein- warnte davor, die in Gang ge- nissen, aber alten Formeln und dern. Vor allem solle der Mittel-
Mark verhängt worden. letzten Angaben mehr als 1500. druck gewonnen, daß Gorba- kommenen Reformprozesse in Parolen bremsen zu können. stand bedacht werden.
Nr. 243 Themen des Tages Mittwoch, 18. Oktober 1989

Offene Kritik von DDR-Gewerkschaftern


Die Last mit ARD und ZDF zeigten Ostberliner „Konzert gegen Gewalt"
den Umfragen
fir leben im Zeitalter der Mei-
nungsumfragen. Ständig sind die
Hinreißende Wahrheiten
Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Schwarze
Arbeiter melden
sich zu Wort
Bundesbürger auf dem laufenden,
was die Mehrheit von ihnen zu wel-
chem Thema auch immer zu sägen LJie ergreifendste Fernseh- war es der unbeugsame Mut Biermanns nachgewachsen.
hat. Der Hintergrund dieser „Um- sendung des Montagabends der Sänger und Sprecher, die Die komponieren und texten
frageritis" ist so einfach wie ein- stand in keiner Programmvor- geradeheraus ihre Kritik for- frisch und frech und leiden
leuchtend: Das Ergebnis soll sug- schau: Spontan hatten sich die mulierten und die Resolutionen nicht wie ihre westdeutschen Von AP-Korrespondent Ingomar Schweiz
gerierend wirken. Der geneigte Le- Planer bei ARD und ZDF ent- vortrugen? Oder imponierte Kollegen darunter, daß sie mit
ser solcher Veröffentlichungen soll schieden, zu mitternächtlicher einfach dieser sprachliche jedem ihrer Beiträge ihre Exi-
möglichst dazu gebracht werden, Stunde Ausschnitte von dem Witz, mit dem die „Alten" des
„Konzert gegen Gewalt" auszu- SED-Regimes zum Reform-
stenzberechtigung unter Be-
weis stellen müssen. Diese
De' er Satz auf dem Transparent Zwölf Gewerkschafter schrie-
so zu denken, wie die Mehrheit brachte die Stimmung der ben kürzlich im Namen von 380
denkt. Die Medien springen auf strahlen, das am Vorabend Dialog herausgefordert wur- DDR-Liedermacher und Kaba- 120 000 Demonstranten in der Kollegen des Ostberliner Trans-
diesen Zug der Zeit auf und veröf- mehr als 3000 in der Ostberli- den? rettisten machen den Mund für
Leipziger Innenstadt auf den formatorenwerks aus „Sorge
fentlichen die Ergebnisse, stellen ner Erlöserkirche in den Bann Schon wollte man gar nicht alle auf. Punkt: „Reformen ä la Hager über die Ausreise so vieler
sie doch - mit welcher Absicht gezogen hatte. Es war trotzdem mehr die kurz zuvor gehörte Nicht auf die Form kam essind uns zu mager". Am Montag DDR-Bürger in die BRD" an den
auch immer die Umfrage selbst jn immer noch zu wenig, was man Meldung glauben, daß immer abend wurde in der sächsischen FDGB-Chef Harry Tisch. Von
hier an, sondern auf die Wahr-
Auftrag gegeben wurde - ein zu sehen und zu hören bekam. noch Tausende über Polen und Messestadt deutlich, daß vielen der tiefen Besorgnis „über das
heit. Und die war immer hinrei-
Stück Meinungsvielfalt dar. • Ungarn einem Land den Rük- unzufriedenen
ßend, ob sie nun ein Rocksän- DDR-Bürgern gesamte gegenwärtige unbefrie-
Nicht immer aber ist es so sim- Was faszinierte eigentlich ken kehren, in dem es eine sol- die von der Ostberliner Regie- digende Klima" ist in ihrem Brief
ger formulierte oder ein real tä-
pel, eine Befragung als unvollstän- mehr: Diese fröhliche und so che geballte Kraft an Phantasie rung und ihrem Chefideologen die Rede. Die „Tribüne" doku-
tiger Stadtverordneter, der die
dig und deshalb nicht aussagekräf- ansteckende Zuversicht, die gibt. Und erst recht nicht Opposition beschwor, nun Kurt Hager seit einer Woche mentiert die Beschwerden der
tig zu entlarven wie die Umfrage die Rock- und Bardengarde der mochten sich die Klagen der immer wieder bekundete Dia- Arbeiter: Die gegenwärtigen
nicht gleich auch alle 2,3 Mil-
der IG Metall zur Wochenendar- DDR mit dem Beatle-Song „All 70er Jahre zusammenreimen, lionen SED-Mitglieder auszu-logbereitschaft nicht ausreicht. Reisemöglichkeiten hätten sich
beit. Sie soll der Einstimmung auf we are saying, lets give Peace a nach dem Exodus von Bier- grenzen. Nicht länger sind es allein in der Praxis „als eine Teilung
die Tarifauseinandersetzung im Chance" (Wir sagen's immer mann und anderen Autoren sei kirchliche Basisgruppen, Künst- der Menschen in Antragsbe-
Eine Sternstunde - mit Si-
Frühjahr nächsten Jahres dienen, wieder: Gebt dem Frieden eine die DDR geistig ausgeblutet. cherheit nicht nur für unserler und Intellektuelle, die in dra- rechtigte und -unberechtigte"
wenn die Forderungen nach der Chance) verbreiteten? Oder Offenbar sind da Dutzende von Fernsehen. matischen Appellen eine gesell- erwiesen. Gemosert wird über
35-Stunden-Woche (Gewerk- schaftliche Umwandlung in der die Einkommen, die in keinem
schaft) und nach einer flexibleren DDR einklagen. Auch die Ar- Verhältnis zur Preisentwick-
Arbeitszeitgestaltung mit Sams- beiter in den Großbetrieben lung bei hochwertigen Konsum-
tagsarbeit (Arbeitgeber) aufeinan- melden sich in bisher nicht ge- gütern stünden. Viele DDR-Er-
derprallen werden. kannter Weise kritisch zu Wort. zeugnisse würden überwiegend
Damit hat jedoch der Fragenka- Sie verlangen offen konkrete exportiert oder nur in Inter-
talog nur am Rande zu tun. Die Reformschritte. Ausgerechnet shop-Verkaufsläden angeboten.
Metaller sind bewußt und gezielt die bisher auf SED-Linie fahren-
nur auf regelmäßige Samstagsar- de Gewerkschaftszeitung „Tri-
beit angesprochen worden. Das büne" entwickelt sich zum „Fragen ohne Antworten"
überwältigende „Nein" aus ihren Sprachrohr der Unzufriedenen.
Reihen ist da eine logische Folge - Das Blatt berichtete am Dienstag In der Diskussionsrunde der
und sicher auf jeden anderen Beruf von einer Diskussionsrunde im Ostberliner Transformatoren-
übertragbar. Regelmäßige Sams- VEB Transformatorenwerk werker habe es viele „Fragen
tagsarbeit wird jedoch im Kern Oberschöneweide (Ost)-Berlin, ohne Antworten" gegeben,
nicht unter flexiblerer Arbeitszeit- in der der führende FDGB- schreibt die „Tribüne". Matthias
gestaltung zu verstehen sein. Funktionär Achim Pampel ein Mesletzky von der Material-
Außerdem kann sie in Tarifverträ- vernichtendes Urteil über die wirtschaft wollte beispielsweise
gen ausgeschlossen werden. Gewerkschaftsarbeit in der wissen, wo er die Gewißheit
DDR abgab: „Wir haben es ver- hernehmen solle, daß die neuen
Es wird leider nicht die letzte säumt, richtig nachzustoßen, Reiseregelungen in die CSSR
Umfrage dieser Art im Tarifkonflikt wenn es um die Durchsetzung tatsächlich nur „vorüberge-
sein, mit der sich die Öffentlichkeit gewerkschaftlicher Belange - hend" seien. „Waren die Ein-
auseinandersetzen muß. Man wird und das sind nun einmal alle, die schränkungen im paß- und visa-
merken: Für jede der Tarifforderun- die Menschen bewegen - geht". freien Verkehr in die VR Polen
gen wird es eine Mehrheit geben.
Man muß nur die richtigen - oder Auch Sätze, wie die der „Ver- nicht auch als vorübergehende
falschen? - Fragen stellen. trauensfrau der Gewerkschafts- Maßnahme deklariert?" fragt er.
Horst Seidenfaden gruppe Wareneingang", Irene Die DDR erschwerte 1980 Rei-
Kühn, hat man in der „Tribüne" sen nach Polen, nachdem dort
wohl noch nie nachlesen kön- das Kriegsrecht ausgerufen
nen. Zum dem Massenexodus worden war. Willi Schmidt,
von DDR-Bürgern stellt sie fest: Vertrauensmann vom Trans-
Gestern München, „Die Arbeit mit den Menschen portwesen, wird mit der bangen
haben wir völlig verlernt. Wäre Frage zitiert: „Wir Alten haben
morgen überall? das nicht geschehen, säßen wir damals die Trümmer der Städte
heute nicht hier, wäre ein sol- weggeräumt; müssen wir jetzt
cher Aderlaß nicht notwendig auch ideologische Trümmer
wegschaffen?"
Neo-ägyptisch-libysch (Aus: Westdeutsche Allgemeine Zeitung /Pielert) gewesen."
t l s ist ein Teufelskreis. Berufs-
pendler fahren mit ihren Pkw in die
Innenstädte, weil ihnen das Ange-
bot mit Bussen und Bahnen nicht
attraktiv genug ist. Das Angebot
Landung der syrischen MiG wirft Fragen auf Presse-Echo Wissenschaftler mahnen Reformen an
mit Bussen und Bahnen wiederum
kann erst dann attraktiver werden,
wenn genügend Leute damit fah-
ren. Das Resultat sind Staus, hoff-
nungslos verstopfte, zugeparkte
Den Israelis stehen Der Börsenkrach war Thema zahlreicher
Kommentare:

SÜDWEST PRESSE
Auch in der DDR soll
Stadtkerne, erfüllt zudem vom Mo-
torenlärm und Abgasen. Oder wie
es jetzt der Kommentator einer
Münchner Zeitung als Vision vor-
die Haare zu Berge (Ulm)
An der Börse wird zum Aus-
steigen nicht geklingelt. Die alte
Spekulantenweisheit hat sich
sich Leistung lohnen
aussagte. Der Moioch Verkehr frißt Von dpa-Korrespondent Christian Fürst
sich selber, je mehr Autos fahren, einmal mehr bestätigt, für viele .Eine Veränderung ihres Wirt- um die Grundpreise für Ver-
desto mehr stehen sie. Anleger schmerzlich. Aus hei- schaftssystems halten Wissen- braucher stabil zu halten. Bei al-
Deer zierliche syrische Kampf- alles dichtmachen!" Die Flucht
Der Anlaß für diese Feststellung pilot Machmud Bassem Adel des MiG-Piloten mache einmal
terem Himmel allerdings kam schaftler aus der DDR für unum- ler Umorientierung kann, sich
war ortsgebunden aktuell. Die lehrte die Israelis das Fürchten. mehr deutlich, „daß die geringe
der Absturz nicht. Allzu hitzig gänglich. Prof. Max Schmidt, Schmidt keine Wirtschaft ohne
bayerische Landeshauptstadt hat Die abenteuerliche Flucht des Größe dieses Landes ein unge-
hatte in den letzten Monaten die Direktor des Instituts für inter- Planung und Berücksichtigung
jetzt zur Radikalkur gegriffen, um 33jährisen mit seiner MiG 23, heurer strategischer Nachteil
Spekulation die Kurse auf neue nationale Politik und Wirtschaft sozialer Belange vorstellen.
Spitzenwerte getrieben. der DDR, setzte sich auf dem
den Durchgangsverkehr, total aus die am Dienstag in der Luftwaffe ist". Gerade in der Luftverteidi- Dräger-Symposium in Malente Der Weggang junger Men-
der Innenstadt zu verbannen. Das des jüdischen Staates zu perso- gung spiele der Zeitfaktor eine (Kreis Ostholstein) am Dienstag schen aus der DDR führe zu be-
Chaos gestern bei der „Premiere" nellen Konsequenzen führte, „entscheidende Rolle". für eine Veränderung des Lohn- trächtlichen Produktionspro-
war zu erwarten, weil Vernunft of- hat der Bevölkerung Israels ein- systems ein. „Die Gleichmache- blernen, besonders in südlichen
fensichtlich nicht zu erwarten ist. mal mehr vor Augen geführt, (Koblenz) rei muß beseitigt werden", sagte Bezirken des Landes, sagte
Daß die israelische Regierung Schmidt. Er gehe aber davon
Und gerade diese resignierende wie schnell hier eine militäri- die Furcht in der Bevölkerung
Erfahrung ist es eben, die zu sol- sche Fehlentscheidung zur Ka- äußerst ernst nimmt, zeigte die Üblicherweise dürfte ein der- Schmidt vor Journalisten. Es aus, daß viele der ehemaligen
chen radikalen Abwehrmaßnah- tastrophe führen könnte. artiger Kurseinbruch rasch wie- müsse öffentlich diskutiert wer- DDR-Bürger zurückkehren. 50
men zwingt. Das beginnt mit Ap-
Tatsache, daß sie den vollen der Boden finden, denn die wirt- den, in welcher Form Leistung Prozent der Probleme bestünden
pellen, die ungehört verhallen, es
Text des 52seitigen Untersu- schaftlichen Fakten sind aktuell in Zukunft anerkannt werde. gegenwärtig darin, daß über
chüngsberichts über die Affäre gut und vielversprechend für Prof. Jürgen Nitz vom selben Schwierigkeiten nicht geredet
folgen von Jahr zu Jahr drastische- In guter Absicht am Dienstag der Presse übergab.
re Gebühren, Abbau von Park- morgen. Dann liefe die Ge- Institut betonte, Handel, Koope- werde.
Daß danach die syrische MiG schichte darauf hinaus, daß die ration und Technologietransfer
raum. Und das Ende vom Lied sind nur deshalb in den israelischen
gesperrte Stadtkerne. Das Wissen, daß eines der Deutschen alles besonders mit dem Westen setze „für die-
über 650 syrischen Kampfflug- Luftraum eindringen konnte, gründlich machen, und wenn's ses und jenes osteuropäische Für Privatisierungen
Die Proteste sind programmiert. zeuge in weniger als zehn Minu- weil zwei Offiziere zögerten, ei- ein Kurs-Schlachtefest ist. Land", aber auch für die DDR
Der Einzelhandel fürchtet um seine ten die von der Grenze 150 Kilo- gene Abfangjäger zu mobilisie- Reformen voraus. Er schlug eine
Umsätze, das Aussterben der In- meter entfernte Hauptstadt Je- ren, ist für die Bevölkerung nur „Konversion" (Umwandlung) Der polnische Industriemini-
nenstädte wird nicht nur von ihm rusalem erreichen kann, ließ ein schwacher Trost. „Was Abendzeitung von Rüstungsaufgaben vor. ster Tadeusz Syryjczyk be-
an die Wand gemalt. Dabei fragt den stets alarmbereiten Israelis wäre, wenn der Pilot ein Selbst- schrieb in Malente die notwen-
sich, ob die Städte nicht viel nachträglich die Haare zu Berge mordkommando geflogen und (München) digen Wirtschaftsreformen in
schneller an der Verkehrslawine stehen. Daß Pilot Adel, der im seine Maschine in Haifa oder Gegen Nachahmung seinem Land: Unrentable Unter-
zugrunde gehen, wenn man ihrTiefflug ungehindert ins Gelobte Tel Aviv in ein Hochhaus ge- Da hat sich wieder einmal ge- nehmen des öffentlichen Be-
nicht Einhalt gebietet. zeigt, daß nicht jeder, der Ak- reichs müßten privatisiert wer-
Land donnerte, in guter Absicht stürzt hätte? Was, wenn er Bom- tien besitzt, sie auch wirklich Schmidt verwahrte sich gegen den. Dabei könnten Aktien an
Die „freie Fahrt für freie Bürger" kam und mit der modernsten ben abgeworfen hätte?" fragen besitzen sollte. Leute mit schwa- eine Übertragung der gegenwär- Mitarbeiter aber auch an Aus-
hat ihre Grenzen erreicht. Der Tag Version der MiG 23, einer Ma- sich verunsicherte Israelis. chen Nerven sollten ihr Geld tigen Entwicklung in Polen und länder vergeben werden. Sy-
ist gekommen, wo man nicht län- schine sowjetischer Bauart, ein lieber auf einem Sparkonto anle- Ungarn auf die DDR. Die DDR ryjczyk verwies auf die beson-
ger nach dem St. Florians-Prinzip höchst willkommenes Gastge- gen oder sichere Staatsanleihen denke nicht daran, das westli- dere Bedeutung einer harten
auf den Nachbarn zeigen kann, schenk mitbrachte, hat den Kalkuliertes Risiko kaufen. che Wertesystem zu überneh- Währung: „Wenn innerhalb ei-
wenn an die Vernunft appelliert Schock kaum gemildert. Da men. Ein DDR-spezifischer Weg nes Jahres der Zloty nicht frei
wird. Wer nicht bereit ist, dies ein- nützte es wenig, wenn General müsse gefunden werden. Der konvertibel ist, dann sind unse-
Solche Ängste kann Armee-
zusehen, der wird eben zu seinem Dan Schomron, Oberbefehlsha-
und dem Glück aller gezwungen ber der Streitkräfte, bei der Vor- chef Schomron nicht ausräu- RHEINISCHE POST Wissenschaftler, der sich als re Reformen gescheitert".
„glühender Verehrer Gorba-
werden müssen. München ist über- lage des eilig erstellten Untersu- men: „Es gibt keine hundertpro- (Düsseldorf)
tschows" bezeichnete, kündigte
all. Wolfgang Rossbach chungsberichts am Montag- zentige Sicherheit. Wir müssen Als fernes Endziel, das frühe-
abend versicherte, Israels Luft- uns ständig auf unsere Urteilsfä- Welche Kleinanleger - und für die nächsten Wochen ein stens Ende des Jahrhunderts
überwachung sei völlig intakt. higkeit verlassen und ein kalku- sie waren es im wesentlichen, Angebot über wirtschaftliche verwirklicht werde, bezeichne-
liertes Risiko in Kauf nehmen. die gestern als Verkäufer auftra- Veränderungen in der DDR an. te dagegen der stellvertretende
Westliche Militärexperten So leben wir halt. Wir haben ten - haben schon die Nerven, Ohne Umgestaltung könne sich Vorsitzende der Wirtschafts-
Das Zitat stimmen mit dem General über- keine andere Wahl", meinte der an ihren Aktien festzuhalten, die Gesellschaft nicht entwik- kommission beim Ministerrat
ein. „Die Israelis müssen ein kal- Offizier am Dienstag. Genauso- wenn die Kurse kräftig purzeln. keln. Beispielsweise könnten der UdSSR, Prof. Ivan Iwanow,
„Nicht jene bewirken Instabilität, kuliertes Risiko eingehen, was wenig könne man verhindern, Zu frisch ist da noch die Erinne- Mieten und Energiepreise nicht einen konvertierbaren Rubel.
die Freiheit und Selbstbestimmung wir übrigens auch in der Nato daß - wie im Juli geschehen - rung an den Crash von 1987, als wie bisher subventioniert wer- Zunächst müßten die sowjeti-
fordern, sondern diejenigen, die tun", meinte ein diplomatischer „jemand einen vollbesetzten Bus sich die alte Börsenwahrheit den. Zur Zeit wendet die DDR schen Betriebe für den Wettbe-
sie verweigern." Beobachter am Dienstag; „In absichtlich in eine Schlucht „die ersten Verluste sind die nach Angaben Schmidts 60 Mil- werb auf dem Weltmarkt vorbe-
Helmut Kohl Friedenszeiten kann man nicht steuert". kleinsten" als zutreffend erwies. liarden an Haushaltsmitteln auf, reitet werden.
HESSISCHE KASSEL
1 P 3713 A

HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE
ALLGEMEINE
ALLGEMEINE KASSELER ZEITUNG NICHT PARTEIGEBUNDEN
Preis 1,10 DM Nr. 244 • Donnerstag, 19.10. 1989 Ruf (05 61) 203-0 • Anzeigen 203-3

Starke Bremer Mittag und Herrmann müssen SED-Führungsspitze verlassen


Bundesligisten
gut im Rennen
Landesmeister
Bayern München
Honecker gab auf - Krenz Nachfolger mmimmmmmmmmmmmmmmmm
Nentori Tirana 3:1
Berlin (dpa/AP). DDR-Staats- und Parteichef Honecker ist
Uefa-Pokal
Zenit Leningrad
am Mittwoch morgen abgetreten. Seine Macht legte das
SED-Zentralkomitee dem langjährigen „Kronprinzen" Egon
Zum Tage
VfB Stuttgart 0:1 Krenz in die Hände, der nach eigenen Worten eine „Wende"
einleiten und die „politische und ideologische Offensive
Real Saragossa
Hamburger SV 1:0 wiedererlangen" will. In einer vom Fernsehen am Abend Der Sturz
gesendeten Rede gestand Krenz auch Fehler der Partei ein.
1. FC Köln
Spartak Moskau 3:1 Die SED habe die gesellschaft- te, habe das Zentralkomitee Ho-
M«it Erich Honecker verläßt ein
Mann von gestern die politische
Werder Bremen liche Entwicklung nicht real ge- necker für sein langjähriges Bühne der DDR. Als Partei- und
Austria Wien 5:0 nug eingeschätzt und nicht Wirken herzlichen Dank ausge-
rechtzeitig die richtigen Schluß- sprochen.
Staatschef hat er sich selbst über-
lebt. Das 40jährige Jubiläum des
folgerungen gezogen. Als deut- Der bisher im Politbüro für Si- Arbeiter- und Bauernstaates war
lichste Mängel in der Wirtschaft cherheitsfragen zuständige sein Abgesang. An seine früheren
Aus der DDR nannte er „unzureichende Ex- Krenz sagte im DDR-Fernsehen: Verdienste mag sich niemand
mehr erinnern. Der Bevölkerung
Porteffektivität und Warenpro- „Ich habe im ZK gesagt, daß ich
duktion". mir "bewußt bin, eine schwere wird er, wenn überhaupt, nur als
Stalinist und starrsinniger Reform-
Flüchtlingswelle Mit dem Führungswechsel Aufgabe übernommen zu ha-
verloren auch der Wirtschafts- ben." In „einer sehr komplizier-
experte Günter Mittag und der ten Zeit" warte viel Arbeit auf
gegner im Gedächtnis bleiben. Er
stemmte sich allen Versuchen der
ungebrochen Auf „Themen des Tages" finden ten
ihn. So wichtig es sei, miteinan-
feT *? reden und auch zu strei-
Liberalisierung und demokrati-
schen Erneuerung entgegen und
machte sich durch seine Trugbil-
Sie Porträts von Erich Honecker a n; e. dr azsu warb
i
chtigste sei, mitein- der einer heilen Welt des Sozialis-
Wien (dpa). Der Flüchtlings- und seinem Nachfolger. Dort steht a 'eiten.
strom aus der DDR hält fast un- mus immer unglaubwürdiger.
auch der Wortlaut der Honecker- K*enz kundigte in seiner Rede
gebrochen an. Während die Zahl Erklärung. Wie die Parteien in aauch neue
£ Reisebestimmungenug Erich Honecker ist nicht freiwillig
der DDR-Bürger, die über Un- Bonn reagierten, lesen Sie auf der d ne-r D a s Politbüro der SED habe gegangen. Das Politbüro der SED
garn in die Bundesrepublik aus- •nächsten Seite Regierung den Vorschlag hat ihn gestürzt, mehr noch, es hat
reisten, bis Mittwoch leicht zu- unterbreitet, einen Gesetzent- ihn geopfert. Mit dem Wechsel an
rückging - der Bundesgrenz- wurf über Reisen von DDR-Bür- der Spitze reagiert die Partei auf
schutz registrierte in diesem für die Massenmedien verant- gern ins Ausland vorzubreiten. Massenflucht und Massenprotest
Zeitraum 1238 im Vergleich zu wortliche Joachim Herrmann In diesem Zusammenhang, so der Hunderttausende, die dem Sy-
1800 in den Vortagen - stieg die ihre Posten. Das Zentralkomitee Krenz weiter, „könnten eben- „FÄHIG UND ENTSCHLOSSEN" nannte Erich Honecker gestern stem nach außen und innen den
Zahl der Ausreisewilligen in der reagierte damit offensichtlich falls die zeitweilig getroffenen seinen Nachfolger Egon Krenz. Der 52jährige Krenz (hier mit Rücken gekehrt haben. Die ein-
bundesdeutschen Botschaft in auf die größten Massenproteste einschränkenden Maßnahmen Honecker auf einem Archivbild aus 1986)'galt schon länger als drucksvolle Volksabstimmung mit
Warschau wieder auf rund 1600. in der Geschichte des Landes, zum Reiseverkehr in sozialisü- Anwärter für die DDR-Staats- und Parteiführung. (dpa-Funkbild) Füßen und Fäusten zwingt sie, nun
Seit Öffnung der ungarischen die Massenausreise von DDR- sehe Bruderländer aufgehoben. endlich zu handeln. Darin kann
Westgrenzen am 11. September Bürgern und die immer lauter beziehungsweise modifiziert man einen ersten Erfolg der kriti-
sind damit - einschließlich der werdenden Forderungen nach werden", .. Krenz soll auch die anderen „entbunden", wie es bei ADN schen Opposition erblicken. Aber
Botschaftsflüchtlinge aus Prag - inneren Reformen. Für die Verwirklichung der in Ämter Honeckers übernehmen. heißt, sondern soll auch als das Ende Honeckers wird nur dann
rund 57 000 DDR-Bürger in Bay- Als Grund für seinen Rück- Aussicht genommenen Schritte Das Zentralkomitee werde der stellvertretender Staatsratsvor- der Anfang einer neuen Ära sein,
ern eingetroffen. tritt nannte der 77jährige Ho- für den Reiseverkehr in die Bun- DDR-Volkskammer den „Vor- sitzender abberufen werden. wenn dem Austausch der Person
!1 necker vor dem Zentralkomitee- desrepublik und in andere west- schlag Honeckers" unterbrei- Dem Politbüromitglied Joachim auch tiefgreifende Veränderungen
seine angeschlagene Gesund- liehe Länder bleibe es aber ein ten, den 52jährigen auch zum Herrmann war bei den jüngsten der Politik folgen.
Flucht gescheitert heit. Sein Nachfolger sei „fähig sehr ernstes Hindernis, daß die Staatsratsvorsitzenden und Massenprotesten eine fälsche
Medienpolitik und eine Ver- Da ist Skepsis angebracht. Dem
und entschlossen", „der Verant- Bundesrepublik sich nach wie Vorsitzenden des Nationalen schleierung der tatsächlichen neuen SED-Chef Egon Krenz geht
Bei einem Fluchtversuch sind wortung und dem Ausmaß der vor weigere, die Staatsbürger- Verteidigungsrates zu wählen, Verhältnisse in der DDR vorge- alles andere als der Ruf eines de-
bei Helmstedt (Niedersachsen) Arbeit so zu entsprechen, wie es schaft der DDR uneinge- berichtete ADN. worfen worden. Auch er wurde mokratischen Reformers voraus.
zwei Erwachsene und drei,Kin- die Lage, die Interessen der Par- schränkt zu respektieren. Nach Der Spitzenpolitiker Mittag, von der Funktion als Politbüor- Sein einziges Verdienst ist es, jün-
der von DDR-Grenztruppen tei und des Volkes und die alle Krenz sei das „Festhalten an der dem das Volk die Verantwor- mitglied und ZK-Sekretär ent- ger zu sein als die alte Garde.
festgenommen worden. Dagegen Bereiche der Gesellschaft um- Obhutspflicht für alle Deut- tung für die Mißwirtschaft in der bunden. Wenn er von Wende spricht, muß
gelang einer dreiköpfigen Fami- fassenden Vorbereitungen des sehen" Teil der „reyanchisti- DDR anlastet, wird nicht nur man sich fragen, was er als Honek-
lie im Landkreis Coburg ohne XII. Parteitages erfordern". Wie sehen Grundkonzeption der von seiner Funktion als Politbü- Fortsetzung nächste Seite kers Kronprinz bisher getan hat,
Zwischenfall die Flucht. ADN am Nachmittag berichte- BRD". romitglied und ZK-Sekretär Siehe auch „Zum Tage" um Mißstände zu beseitigen und
verkrustete Strukturen aufzubre-
chen. Der Bevölkerung der DDR
San Francisco /Schwere Verwüstungen kann er mit einer ideologischen Of-
fensive der SED nicht dienen. Sie
wünscht politische und wirtschaftli-
che Entscheidungen, die ihr mehr

270 Erdbeben-Tote persönliche Freiheit und eine bes-


sere Versorgung garantieren. Der
erhoffte Neubeginn ist auch nach
dem Sturz Honeckers noch in wei-

in Kalifornien ter Ferne.


Achim v. Roos

San Francisco (AP/dpa). Ein quetscht, als die obere Etage ei- „Galileo" auf dem Weg
verheerendes Erdbeben hat am ner zweistöckigen Stadtauto-
Dienstag abend im Raum San bahn auf einer Länge von einem
Francisco mindestens 272 Men- Kilometer auf die untere Fahr-
schen das Leben gekostet und
große Verwüstungen angerich-
bahn stürzte. Mindestens 14
Menschen starben in San Fran-
„Atlantis"-Start
tet. Rund 650 Menschen wur-
den verletzt. Rettungsttrupps
mit Hunden suchten gestern
cisco und dem weiter südlich ge-
legenen Santa Cruz, in dessen gelungen
Nähe sich das Zentrum des Be-
weiter nach Verschütteten. bens befand. Dort stürzten zwei Cape Canaveral (dpa). Die
Es war das schlimmste Beben Autobahnbrücken ein. amerikanische Raumfähre „At-
in den USA seit der Katastrophe lantis" mit der Jupiter-For-
von San Francisco im Jahr 1906. schungssonde „Galileo" an Bord
Der 15 Sekunden dauernde Erd- Augenzeugenberichte und Erläu- ist gestern vom Raumfahrtzen-
stoß am Dienstag um 17.04 Orts- terungen zum San Andreas-Gra- trum Cape Canaveral kurz vor
zeit (Mittwoch 1.04 Uhr MEZ) ben auf „Blick in die Zeit" 18 Uhr MEZ gestartet. Weder
ereignete sich in der Spitzenzeit AUF DIESER SCHNELLSTRASSE in Oakland, am Ostufer der Bucht von San Francisco, starben bei technische Defekte wie vor
des Berufsverkehrs und hatte In San Francisco selbst brach dem Beben allein 253 Menschen. Als die obere Fahrbahn auf die untere stürzte, wurden die sechs Tagen noch zu schlechtes
die Stärke 6,9 auf der Richter- der Verkehr vollständig zusam- Autofahrer in ihren Wagen vom Beton zerquetscht. (dpa-Funkbild) Wetter wie am Vortag machten
Skala. Das große Beben vor 83 men. In der ganzen Stadt fiel die diesmal einen Strich durch die
Jahren wurde im nachhinein auf Stromversorgung aus. Überall Überblick über die Zahl der Op- nahmen aber später ihren Be- bezifferte den durch die Kata- Rechnung. Die Sonde sollte von
8,3 Richter-Punkte geschätzt. brachen wegen geborstener fer verschaffen konnten. Dut- trieb wieder auf. strophe entstandenen Sachscha- den fünf Astronauten nach Mit-
Am Mittwoch kam es zu Nach- Gasleitungen Brände aus. Ein zende von Leichen wurden mit Nach dem Erdstoß brächen den in einem ersten Kommentar ternacht abgesetzt werden. Ihr
beben, die eine Stärke von 4,5 zusammenstürzendes Haus er- Lastwagen weggefahren. überall in San Francisco und auf etwa eine Milliarde Dollar. Flug ist das wissenschaftlich
erreichten. In den 'am schwer- schlug sechs Autofahrer. Auf Rund 60 000 Sportfreunde Santa Cruz Brände aus, von de- Gouverneur Deükmejian, den die ehrgeizigste und technisch kom-
sten zerstörten Stadtvierteln der doppelstöckigen Bay Bridge, wurden im Candlestick-Park- nen die wegen des Stromausfalls Nachricht von dem Unglück in plizierteste Unternehmen seit
kam es zu Plünderungen und die San Francisco mit Oakland Stadion von San Francisco von sonst dunklen Straßen gespen- Frankfurt am Main erreichte, Jahren. Ursprünglich sollte sie
Vandalismus. Bürgermeister verbindet, brach ebenfalls ein dem Beben überrascht, wo gera- stisch beleuchtet wurden. Die brach seine Europareise ab und schon vor sieben Jahren auf die
Art Agnos rief die Nationalgar- Teil der oberen Fahrbahnen ein. de ein Baseballspiel beginnen Telefonverbindungen nach au- kehrte unverzüglich nach Kali- Reise gehen.
de zu Hilfe. US-Präsident Bush, Drei Autos wurden von den sollte. Trotz tiefer Risse im Be- ßen waren teilweise unterbro- fornien zurück. Er kündigte in
der Verkehrsminister Skinner Trümmern eingequetscht, wobei ton hielt die Dachkonstruktion chen. Das Beben konnte auch in einer ersten Stellungnahme eine
in das Katastrophengebiet ein Autofahrer ums Leben kam. der Tribüne wie durch ein Wun- Reno, 360 Kilometer nordöstlich Untersuchung darüber an, war-
schickte, versprach den Opfern der, und die Zuschauer konnten in der Wüste von Nevada, und um die Straßen- und Brücken- Lotto am Mittwoch
jede gewünschte Hilfe. In Oakland dauerte es mehre- Ziehung A: 1, 17, 23, 25, 26, 47 Zu-
re Stunden, bis die mit Bulldo- die Sportstätte geordnet verlas- in Los Angeles, 650 Kilometer konstruktionen dem Beben nicht
sen. Es gab nur einige leichte südlich von San Francisco, ge- standhielten. In Kalifornien gibt satzzahl: 13.
Allein 253 Menschen wurden zern und Traktoren ausgerüste- Ziehung B: 2, 20, 33, 39, 45, 49 Zu-
in Oakland, der Nachbarstadt ten Bergungsmannschaften zu Verletzungen. Die Flughäfen spürt werden. es wegen der Erdbeben-Gefahr satzzahl: 28.
am Ostufer der Bucht von San allen zertrümmerten Fahrzeu- von San Francisco und Oakland Der stellvertretende Gouver- besondere Bauvorschriften. Spiel 77: 8 6 2 1 9 4 8.
Francisco, in ihren Autos zer- gen vordringen und sich einen wurden zunächst geschlossen, neur von Kalifornien, McCarthy, Siehe auch Kommentar (Ohne Gewähr)
Nr. 244 Politik Donnerstag, 19. Oktober 1989

Namen und Bundesregierung korrigiert Ausbildungsförderung Ab 1. November Polnische Aussiedler


Nachrichten

„Auf REP anwenden"


Bafög zur Hälfte als Zuschuß Pakete nach
Polen billiger
Besserstellung
wird beseitigt
Die Anwendung des Extremi- Bonn (dpa). Die Bundesregie- wird von 260 000 auf 330 000 schränkungen bei der elternun-
stenerlasses auf rung hat gestern die seit Jahren erhöht, die Zahl der Bafög-Emp- abhängigen Förderung aufge- Bonn (dpa). Die Gebühren für Bonn (dpa). Die bisher beste-
die rechtsradi- umstrittene Sparpolitik beim fänger insgesamt (einschließlich fangen. Zum Beispiel reicht eine Pakete nach Polen werden ab 1. henden Besserstellungen von
kalen Republi- Bafög korrigiert. Ab Herbst Fachschüler und Teilnehmer am dreijährige Berufsausbildung November für fünf Monate billi- Aussiedlern aus Polen bei der
kaner (REP) im 1990 soll die Ausbildungsförde- zweiten Bildungsweg) steigt um vor dem Studium künftig nicht ger. Das Kabinett billigte ge- Rente werden abgeschafft. Dar-
Öffentlichen rung zur Hälfte als Zuschuß des 100 000 auf 428 000. mehr aus, um unabhängig vom stern eine Vorlage, durch die die auf haben sich die Fachleute der
Dienst hat der Staates bezahlt werden und Bislang durfte eine Familie mit Elterneinkommen gefördert zu Bundespost für diesen Zeitraum Bundestagsfraktionen von
Vorsitzende nicht mehr wie bisher nur als einem auswärts studierenden werden. Auch sollen die Stu- auf die ihr zustehenden Porto-* CDU/CSU, SPD und FDP geei-
des Bundes- Volldarlehen. 70 000 Studenten Kind nicht mehr als 4800 DM denten ihr Ausbildungsdarle- anteile für die Polen-Pakete ver- nigt. Mit der polnischen Regie-
tags-Innenaus- aus Familien mit mittlerem Ein- brutto verdienen, um überhaupt hen zügiger als bisher zurück- zichtet. rung soll darüber verhandelt
schusses, Hans kommen kommen erstmals in Förderung zu erhalten. Dem- zahlen. werden,' den vom deutsch-polni-
Gottfried Bern- den Genuß der Ausbildungsför- nächst kann diese Familie mit Nach den neuen Fördersätzen Der Kabinettsbeschluß bedeu- schen Versicherungsabkommen
rath (SPD), ge- derung. 324 DM rechnen. Die Einkom- kann ein bedürftiger Student tet, daß sich ein Fünf-Kilo-Paket erfaßten Personenkreis zu be-
fordert. „Solan- menshöchstgrenze für eine Fa- künftig bis zu 540 DM (bisher von 24,20 DM auf 12,20 DM und grenzen, wurde gesternin Bonn
ge dieser über- Bundesbildungsminister Möl- milie mit einem Kind im Studium 525) Förderung für seinen Le- ein 15-Küo-Paket von 40,40 DM bekannt.
flüssige Erlaß noch in Kraft ist, lemann (FDP) bezeichnete die steigt auf 6200 DM. bensunterhalt erhalten. Der Zu- auf 23,40 DM verbilligt. Die Post
muß er auch für rechte Extremi- Kabinettsentscheidung als büßt dabei einen Betrag von
sten gelten. Solange noch Ver- „wichtige Etappe" der „grund- schlag für nicht bei den Eltern rund 30 Millionen DM ein, der
lebende Studenten wird um Höhere Renten
fahren gegen harmlose Briefträ- sätzlichen Kurskorrektur in der Bald Abschlußförderung ihr jedoch aus dem Bundeshaus-
ger laufen, die DKP-Mitglieder Bildungspolitik". Eine generelle zehn DM auf 210 DM erhöht, halt erstattet wird.
sind, solange muß man auch Förderung bedürftiger Schüler der Zuschlag für die Kranken- Nach dem deutsch-polni-
konsequent Republikaner bei Neu im Gesetz ist die Studien-
ab Klasse 11, wie bis zum Regie- abschlußförderung. kasse von 45 auf 65 DM. Weite- Postminister Schwarz-Schil- schen Versicherungsabkommen
verfassungsfeindlicher Tätigkeit rungswechsel 1982 üblich, wird in der vorgegebenenWer nicht re 75 DM können aus einem ling (CDU) erklärte dazu, daß von 1975 werden Aussiedler
aus den Diensten entfernen, die Zeit sein Härtefonds beansprucht wer- sich die Bundesregierung wegen aus Polön in der Rentenversi-
es aber aus finanziellen Grün- Examen schafft, kann unter Um- den, wenn der Student mehr als der schwierigen Versorgungsla- cherung so behandelt, als hätten
sicherheitsempfindlich oder auf den nichtgeben. ge Polens zu dieser humanitären
den Schutz der Verfassung ver- ständen zwei Semester länger 300 DM Miete zahlen muß. Dies sie ihre Versicherungszeit in
pflichtet sind.", sagte Bernrath Neben der Abkehr von der gefördert werden. ergibt in allem eine mögliche Geste entschlossen habe. Damit der Bundesrepublik verbracht
in einem Interview. reinen Darlehensförderung Die Reform wird 1991 bei maximale Fördersumme von solle die spontane Hilfsbereit- und hier Beiträge gezahlt. Dar-
steht bei der Reform eine erheb- Bund und Ländern Mehrkosten 890 DM (bisher 845), die aber schaft der Einwohner der Bun- aus ergaben sich bislang zum
liche Anhebung der Elternfrei- in Höhe von 650 Millionen DM nur von wenigen Studenten tat- desrepublik gegenüber den Po- Teil höhere Renten für Aussied-
beträge im Mittelpunkt. Der verursachen. Die Ausgaben sächlich erreicht wird. len nachhaltig unterstützt wer-
Litauen: Wieder Feiertag Kreis der geförderten Studenten werden mit erheblichen Ein- Siehe auch Kommentar den.
ler als für vergleichbare Versi-
cherte in der Bundesrepublik.
Erstmals seit einem halben
Jahrhundert wird Weihnachten
in Litauen dieses Jahr wieder
ein offizieller Feiertag sein. Das Bundestagsneubau
Parlament der Sowjetrepublik
hat den 25. Dezember sowie den
traditionellen Totengedenktag
am 1. November wieder zu
staatlichen Feiertagen erklärt.
Kosten steigen weiter auf
Rund drei der dreieinhalb Mil-
lionen Litauer sind katholisch. 256 Millionen DM plus x
Millionen für China Bonn (dpa). Die Kostenex- ben. Nach Angaben der Bau-
plosion für den Neubau des ministerin werden alle Bun-
China bekommt die nach der Bundestages geht weiter: Sie destagsfraktionen über den
blutigen Niederschlagung der steigen „nach aktuellem Pla- neuen Sachstand beraten.
Studentenunruhen im Juni ge- nungsstand auf insgesamt 256 Die neuen Kosten seien „das
stoppten 460 Millionen DM Millionen DM" ohne Berück- vorläufige Ergebnis eines von
Bonner Entwicklungshilfe für sichtigung künftiger Baupreis- der Bundesbaudirektion, dem
den U-Bahn-Bau in Shanghai steigerungen. Das teilte Bun- Architekten Professor Beh-
nun doch. Das Ministerium be- desbauministerin Hasselfeldt nisch und dem Büro Drees und
gründete die Freigabe des auf (CSU) nach einer Sitzung des Sommer überarbeiteten • Ko-
sechs Jahre verteilten Darle- Beratungsgremiums in Bonn sten- und Terminplanes", sag-
hens damit, daß der U-Bahn-Bau mit. te Hasselfeldt nach der Bera-
unmittelbar der Bevölkerung Der Haushaltsausschuß hat- tungsrunde mit Bundestags-
Shanghais und dem Umwelt- te nach Angaben seines Vor- präsidentin Süssmuth (CDU)
schutz zugute komme. sitzenden Walther (SPD) we- und Abgeordneten von
gen mehrfacher Nachforde- CDU/CSU, FDP und SPD. Sie
Rau gegen Bevorzugung rungen für den Plenarbereich fügte hinzu: „Die heute vorge-
eine Kostenobergrenze von legten Kostenansätze sind eine
Vor einer Bevorzugung von 202 Millionen DM vorgege- Diskussionsgrundlage."
%
§»*> *a% & DDR-Flüchtlin-
-ülk W gen, Aus- und
/ ^WL Ubgrsiedlern
bei der Woh- Wechsel an der DDR-Spitze
nungssuche
und auf dem
Arbeitsmarkt PREMIERE haben beim Kommando Nord des Bundesgrenzschutzes Frauen in Uniform. 30 meist noch
hat der nord- keine 18 Jahre alten jungen Damen werden seit kurzem in der BGS-Kaserne im niedersächsischen
rhein-westfäli- Uelzen auch im Umgang mit Pistolen geschult.
sche Minister-
(dpa-Funkbild) In- und Ausland reagieren
präsident Jo-
hannes Rau NRW / Staatsdienst
(SPD) gewarnt.
Krenz folgt auf Honecker mit deutlicher Zurückhaltung
Bei .der einhei- Hamburg (dpa). Der Wechsel änderung in den Ost-West-Be-

DDR-Opposition
mischen Bevölkerung könne da-
durch leicht Widerstand gegen
die neuen Bürger aufkommen.
Frauenquote an der Führungsspitze der DDR ziehungen bedeutet." Allerdings
ist im In- und Ausland mit Zu- sei es noch zu früh, zu sagen, ob
rückhaltung aufgenommen wor- der Wechsel von Honecker zu
Die Welle der Sympathie und
die Solidarität der Bundesbür- durch Gesetz den. Bundeskanzler Kohl (CDU) Krenz ein Schritt voran zu mehr
ger mit den DDR-Flüchtlingen
könne dann ins Gegenteil um-
schlagen.
Düsseldorf (dpa). Als erstes
Bundesland hat Nordrhein-
zeigt sich skeptisch sagte, Honecker-Nachfolger Offenheit ist.
Honecker-Nachfolger Krenz Als erster
werde daran zu messen sein, ob Staatschef gratulierte Kreml-
er den Weg für Reformen frei Chef Gorbatschow dem Ho-
ausländischer

Westfalen eine Frauenquote mache. Es dürfe keinesfalls beim necker-Nachfolger. In dem


von 50 Prozent im öffentlichen Fortsetzung der Sicherheitskräfte bei den Austausch von Personen blei- Glückwunschtelegramm an
UdSSR wieder dabei Dienst gesetzlich vorgeschrie- Bei der Opposition in der DDR Demonstrationen in Leipzig ein. ben. Krenz schrieb Gorbatschow, er
Der Weltverband für Psychia- ben. Dies sieht das Frauenförde- überwog gestern Mißtrauen ge- Sie sagte in einem Interview des sei überzeugt, „daß die SED un-
trie hat die Sowjetunion wieder rungsgesetz vor, das der Land- gen den neuen Mann an derRIAS-Fernsehens: „Wenn je- SPD-Chef Vogel forderte den ter
als Mitglied zugelassen. Sie hat- tag gestern gegen die Stimmen SED-Spitze. Das Gründungsmit- mand die Macht übernehmen neuen SED-Generalsekretär die der Führung von Krenz und
Kommunisten der DDR mit
te den Verband 1983 unter dem von CDU und FDP in Düsseldorf glied der Demokratiebewegung will, dann mußte er sich so ver- auf, unverzüglich die Informa- Feingefühl auf die Herausforde-
Vorwurf verlassen, die Psychia- verabschiedet hat. „Neues Forum", Reinhardt halten." Große Teile der Bevöl- tions-, Reise- und Meinungsfrei- rungen der Zeit reagieren wer-
Schult, sagte in Interviews west- kerung fragten sich, ob Krenz heit zu verwirklichen. Der SPD-
trie als politisches Druckmittel Darin wird festgelegt, daß im
zu verwenden. Ein Ausschluß öffentlichen Dienst bei gleicher licher Rundfunksender, er er- der Mann sei, der sich für Refor- te Ehrenvorsitzende Brandt äußer- den." Zuvor hatte die amtliche
Nachrichtenagentur Tass in ei-
sei allerdings möglich, falls sich Qualifikation Frauen solange warte von Krenz keine Neue- men einsetze. Auch müsse sich skeptisch, was das Einge- ner kurzen Notiz über die Wahl
bei einer Untersuchung heraus- bevorzugt eingestellt oder be- rungen. „Krenz .war mitverant- Krenz „große Anstrengungen hen der neuen DDR-Führung von Krenz zum neuen General-
auf die Forderungen nach ernst-
stellen sollte, daß politisch miß- fördert werden, bis ihr Anteil wortlich für die Überfälle auf die machen", um dem Mißtrauen in
Vor zwei der Bevölkerung entgegenzu- haften Forderungen angehe.
sekretär der SED berichtet und
liebige Personen weiter psychi- dem der Männer entspricht. Umweltbibliothek. einen kurzen Lebenslauf des in
atrischer Zwangsbehandlung Dies gilt für Beamte, Angestell- Wochen war er noch in China. wirken.
US-Präsident Bush erklärte der UdSSR kaum bekannten
unterzogen werden. te, Arbeiter und Auszubildende, Dasgen
sind alles keine Empfehlun-
für seine Person." Er fügte
Der SPD-Ehrenvorsitzende zum Wechsel in Ostberlin: „Ich neuen ersten Mannes der DDR
allerdings nur in Bereichen, in an: „Ich glaube nicht, daß sich Willy Brandt, der in Moskau mit glaube nicht, daß dies eine Ver- gesendet.
Streibl ein Jahr im Amt ligt sind. denen Frauen bisher benachtei- die gesellschaftliche Protestbe- Kreml-Chef Michail Gorba-
tschow gesprochen hatte, war
wegung mit ein paar kosmeti-
Der bayerische Ministerpräsi- Alle Parteien erkannten an, schen Veränderungen beruhi- offenbar von den personellen HESSISCHE/NIEDERSACHSISCHE Verlagsleitung
dent Max daß Frauen gefördert werden gen wird." Veränderungen - vorab infor-
Streibl wünscht müssen. Allerdings kritisierten miert. Nur kurze Zeit vor dem ALLGEMEINE Dr. Dietrich Batz, Rainer Dierichs. Wigbert
H. Schacht Anzeigenleiter; Horst Prehm.
sich von der CDU und FDP, daß Regelungen Auch bei anderen Mitgliedern Rücktritt Honeckers sagte Vertriebsleiter: Gerd Lühring.
Bundesregie- zur Vereinbarkeit von Familie der Opposition löste die Ent- Brandt in Bonn, dieser Tag wer- Herausgeber
rung weniger und Beruf wichtiger seien als ein machtung Honeckers keine Sie- de in die Geschichte als derjeni- Rainer Dierichs, Dr, Dietrich Batz, Verlag Dienohs GmbH & Co KG. Frankfur-
Empfindlich- Gesetz zur besseren Einstellung gesstimmung aus. Die Spreche- ge eingehen, an dem die „begin- Achim von Roos ter Str. 168, Postfach 10 10 09, 3500 Kas-
sel, Ruf 05 61 .' 20 3-0. Tel. Anzeigenan-
keit und Miß- von Frauen. Gleichzeitig mach- rin des „Neuen Forums", die nende Ummöbilierung" der poli- Chefredakteur nahme 05 61 ; 20 3-3. Fernschreib-Nr.
trauen gegen- ten sie verfassungsrechtliche Ostberliner Malerin Bärbel Boh- tischen Verhältnisse in der DDR Lothar Orzechowski 99 635. Telekopierer 05 61 -20 36. Teletex
über Anregun- Bedenken geltend. ley, ging auf die Zurückhaltung sichtbar geworden sei. 561 81 10. Postgirokonto 155132-608
Stellv. Chefredakteure
gen aus Bayern. Frankfurt/M. Anzeigefipreisliste Nr. 29. Mo-
Wolfgang Rossbach, Peter M. Zitzmann natlicher Abonnementspreis DM 25,60 inkl.
Gleichzeitig Zustellung und 7 % MwSt. (Postbezugs-
empfahl er Verantwortliche Redakteure
Chef vom Dienst; Horst Kröninger. Chef preis 28,50 DM).
Bonn, die Poli- Neuer SED-Chef Krenz Nachrichten: Rainer Merforth. Politik: Jo- Die Beendigung des Abonnements ist nur
tik besser aus- chen Prater. Blick in die Zeit: Walter mit schriftlicher Kündigungserklärung unter
zuwerten und an die Bürger her- Schütz. Wirtschaft und Sozialpolitik; Horst Einhaltung einer Frist von einem Monat
anzutragen. Streibl, der jetzt ein
Jahr an der Spitze der Regie-
rung des Freistaates steht, sagte
Biermann: „Jubelperser des Politbüros" Seidenfaden, Kultur: Dirk Schwarze, i. V. zum Monatsende möglich: die Frist läuft ab
Claudia Sandner-v.Dehn, M. A., Frau u. Zugang der schriftlichen Kündigungserklä-
Reise: Ilse Methe-Huber. Sport: Rolf Wiese- rung:
in einem Gespräch, auch die mann, i. V. Ulrich Fuhrmann. Sonntagszeit:
CDU/CSU würde bei dieser Po- DDR Berlin (dpa). Der 1976 aus der den Führungswechsel. „eine wisse, wer Krenz wirklich sei, Frank Thonicke. Kassel Stadt und Land: Auflage werktags über 270 000 Exemplare
in Tarifgemeinschaft mit „Oberhessische
ausgebürgerte Liederma- welterschütternde Nichtig- da öffentliche Angelegenheiten Wolfgang Rossbach. Bezirksredaktionen: Presse", Marburg, „Hersfelder Zeitung",
litik mehr eigenes Profil zeigen, cher Biermann hat den neuen keit". Krenz sei „der versoffene in der DDR nicht öffentlich sei- Peter M. Zitzmann. Koordination: Helmut „Werra-Rundschau", .Eschwege, „Harzku-
und die Wählerschaft hätte wie- Lehnart, Hessen/Niedersachsen: Eberhard rier", Herzberg.
Ach Du armes Deutsch- Heinemann.
der klarere Konturen vor sich. SED-Chef Krenz als den „mie- FDJ-Veteran, der Jubelperser en. land, dachte ich, es geht also
Chefreporter: Karl-Hermann
Kohl sei im übrigen ein hervor- sesten aller möglichen Kandi- des Politbüros, der optimisti- Huhn. Sonderthemen: Peter Ochs. Auflage „Sonntagszeit" über 200 000
ragender Bundeskanzler und daten" bezeichnet. In der „ta- sche Idiot, Egon Krenz, das erst mal mächtig vorwärts nach Redaktion Wiesbaden: Rolf Effenberger. Exemplare.
hätte bessere Noten verdient. geszeitung" nannte Biermann ewig lachende Gebiß". Keiner hinten", schreibt Biermann. Redaktion Hannover' Harald Birkenbeul. Herstellung Druckhaus Dierichs.
Redaktion Bonn: Hans Ludwig Laucht. Frankfurter Straße 168, 3500 Kassel.
Nr. 244 Themen des Tages Donnerstag, 19. Oktober 1989

Wenn die
Erde bebt
Da /aß es eines Tages kommen
würde, wußte jeder, die Frage war
nur, wann and mit, welcher Gewalt.
Jetzt hat das zweite schwere Be-
ben und das zweitschwerste seit
der Katastrophe von 1906 San
Francisco heimgesucht. Die Bilder
im Fernsehen erinnern an das oft-
mals verfilmte Inferno von damals.
Brände erleuchten die Stadt am
Meer, Häuser sind eingestürzt,
Retter bergen die Opfer. Doch ein
Vergleich wäre verfehlt, so stark
i die Erschütterung in aller Welt ist.
Kaliforniens Metropole steht noch,
versank nicht wie vor 83 Jahren in DIE NATIONALSOZIALISTEN hielten Honecker - hier Bilder aus dem Archiv der Geheimen Staats- SEINEN LETZTEN GROSSEN AUFTRITT hatte Honecker bei den
Schutt und Asche. polizei - von 1935 bis 1945 in Haft. Kurz nach der Befreiung durch die Rote Armee begann die DDR-Gründungsfeierlichkeiten vor knapp zwei Wochen. Kreml-
Die Stadt ist nicht mehr aus politische Karriere des jungen Kommunisten. (dpa-Funkbilder) chef Gorbatschow erhielt den obligatorischen Bruderkuß.
Holz, sondern aus Stein und Beton
gebaut. Besondere Bauvorschrif-
ten erhöhen die Bruchsicherheit.
Welche Belastung damit zu über-
Horieckers Karriere begann bereits 1946
stehen wäre, ist allerdings noch Honecker-Erklärung im Wortlaut
nicht erwiesen. Das Beben diesmal

DDR hoffähig gemacht „Zum Wohle des Volkes"


war nur etwa ein Zehntel so stark
wie das von 1906, die Zahlen auf
der Richterskala täuschen inso-
weit. Wie groß die immer drohende
Gefahr ist, zeigen bereits die Liebe Genossinnen und Ge- in unverrückbarer Treue zur
SchwachsteJIen auf den Highways. Von AP-Korrespondent Ingomar Schweiz nossen! Nach reiflichem Über- revolutionären Sache der Ar-
„Hier ist Erdbebenland" liest der legen und im Ergebnis der beiterklasse und zu unserer
Besucher San Franciscos auf vie- gestrigen Beratung im Politbü- marxistisch-leninistischen
len Nummernschildern. Das erfüllte Aiss ein Musikkorps der Bun- schrieb Honecker in „Aus mei- Kommunistischen Partei. An- ro bin ich zu folgendem Ent- Weltanschauung der Errich-
sich in Tragik an den Autofahrern, deswehr vor dem Bonner Bun- nem Leben". fang der 30er Jahre absolvierte schluß gekommen: Infolge tung des Sozialismus auf deut-
die vor allem Opfer der Katastro- deskanzleramt die DDR-Hymne Damals hatte sich Honecker der gelernte Dachdecker einen meiner Erkrankung und nach schem Boden gewidmet. Die
phe wurden. Sie steckten zur spielte und die DDR-Fahne auf- als SED-Sicherheits-und Kader- Lehrgang an der Moskauer überstandener Operation er- Gründung und die erfolgreiche
Hauptverkehrszeit in einer tödli- gezogen wurde, da hatte der chef bereits zu einer Art Kron- Komintern-Schule. 1935 wurde laubt mir mein Gesundheits- Entwicklung der sozialisti-
chen Falle. protokollbewußte Bergmanns- prinz des Staatsgründers Ul- der führende KPD-Jugendfunk- zustand nicht mehr den Ein- schen Deutschen Demokrati-
Die öffentliche Kritik wird sich
sohn von der Saar den Höhe- brichtemporgearbeitet. 1971 lö- tionär von den Nazis verhaftet, satz an Kraft und Energie, den schen Republik, deren Bilanz
nicht mit der gängigen Floskel ab-
punkt seiner politischen Lauf- ste er den im Volk ungeliebten die Zeit bis zum. Kriegsende die Geschicke unserer Partei wir am 40. Jahrestag gemein-
finden, wonach der Mensch nun
bahn erreicht: Erich Honeckers „sächsischen Spitzbart" schließ- mußte er im Zuchthaus Bran- und des Volkes heute und sam gezogen haben, betrachte
einmal ohnmächtig sei gegenüber
Visite in der Bundesrepublik im lich als Ersten Sekretär der Par- denburg verbringen. Ulbricht künftig verlangen. Deshalb ich als die Krönung des Kamp-
übermächtiger Naturgewalt. Viel
Jahr 1987 demonstrierte ein- tei ab. Fünf Jahre später verei- beauftragte ihn in der Folge mit bitte ich das Zentralkomitee, fes unserer Partei und meines
wurde bei der Verkehrsplanung in
drucksvoll die diplomatische nigte Honecker in seiner Person dem Aufbau der Freien Deut- mich von der Funktion des Ge- eigenen Wirkens als Kommu-
einer Region von Millionen Men-
Anerkennung des anderen alle Machtfülle: Er war SED-Ge- schen Jugend (FDJ), deren Vor- neralsekretärs des ZK der nist.
deutschen Staates durch Bonn; neralsekretär, Vorsitzender des sitzender er bis 1955 war. Be- SED, vom Amt des Vorsitzen-
schen versäumt und verschlampt. Es gilt als das größte Verdienst Staatsrates und Vorsitzender reits 1946 wurde Honecker Mit- den des Staatsrates der DDR Dem Politbüro, dem Zentral-
Auch daß spezifische Warnungen des am Mittwoch im Alter von des Verteidigungsrates. glied des SED-Zentralkomitees. und von der Funktion des Vor- komitee, meinen Kampfgefähr-
und Hinweise auf besonders anfäl- 77 Jahren abgelösten Staats- Für manche im Westen war er Zwölf Jahre später, 46 Jahre alt, sitzenden des Nationalen Ver- ten in der schweren Zeit des
lige Gebiete nicht ernstgenommen und Parteichefs, daß er die DDR lange Zeit nur eine Marionette saß er bereits im Politbüro. teidigungsrates der DDR zu antifaschistischen Widerstan-
wurden, wird ein politisches Nach- während seiner 18jährigen Moskaus, andere sahen in ihm entbinden. Dem Zentralkomi- des, den Mitgliedern der Partei
beben verursachen. So geboten Amtszeit aus der internationa- In seiner Ära rückte die DDR
einen deutschen Patrioten, der unter die zehn führenden Indu- tee und der Volkskammer soll- Landesallen
und Bürgern unseres
danke ich für jahr-
das alles ist, kann nichts die strah- len Isolation herausgeführt und te Genosse Egon Krenz vorge- zehntelanges gemeinschaftli-
lende Stadt am Pazifik von ihrem an der Trennungslinie zwischen strienationen der Welt auf, für
in der Staatengemeinschaft hof- Ost und West immer wieder die die Sowjetunion wurde Ost- schlagen werden, der fähig ches und fruchtbares Handeln
Standort, einer Grenzsituation zwi- fähig gemacht hat. und entschlossen ist, der Ver- zum Wohle des Volkes.
schen sich reibenden Erdplatten, „Verantwortungsgemeinschaft" deutschland zu einem herausra-
beider Staaten,für den Frieden genden Partner. Doch gerade in antwortung und dem Ausmaß
verrücken. Die nächste, womöglich Für den deutschen Kommuni- der Arbeit so zu entsprechen, Meiner Partei werde ich
noch stärkere Erschütterung sten war es ein dorrienreicher proklamierte.- Über einen festen den vergangenen Jahren hatte
„Klassenstandpunkt" Honek- die „unverbrüchliche" Freund- wie es die Lage, die Interessen auch in Zukunft mit meinen
kommt bestimmt. Die bange Frage Weg. In seiner Biographie gibt der Partei und des Volkes und Erfahrungen und mit meinem
er zu, der Chef Organisator beim kers bestand nie ein Zweifel. schaft arge Risse bekommen.
j lautet nur, wann. Seine Maxime lautete: ^,Der So- Die neue Linie Honeckers laute- die alle Bereiche der Gesell- Rat zur Verfügung stehen.
Alfred Brugger Bau der Berliner Mauer im Jahr schaft umfassenden Vorberei- Ich wünsche unserer Partei
1961 gewesen zu sein. Ihm sei zialismus in der DDR ist unwiv te seit einiger Zeit: „Sozialismus
derruflich." " ''','., ja, aberiivden Farben der DDR". tungen des XII. Parteitages er- und ihrer Führung auch wei-
vom damaligen ersten Mann des fordern." terhin die Festigung ihrer Ein-
Landes, Walter Ulbricht,