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50 Das Magazin der Studierenden der Universität St. Gallen Jubiläumsausgabe 2009

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Steht meine Karriereleiter am richtigen Firmen- gebäude? Roland Z’Rotz, PricewaterhouseCoopers Luzern
Steht meine
Karriereleiter
am richtigen
Firmen-
gebäude?
Roland Z’Rotz, PricewaterhouseCoopers Luzern

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Wir freuen uns, von Ihnen zu hören. www.pwc.ch/careers © 2009 PricewaterhouseCoopers. All rights reserved.

© 2009 PricewaterhouseCoopers. All rights reserved. PricewaterhouseCoopers refers to the network of member firms of PricewaterhouseCoopers International Limited, each of which is a separate and independent legal entity.

prisma wird fünfzig

Editorial

prisma wird fünfzig Editorial Jeffrey.Voegeli @student.unisg.ch Chefredaktor 50 wurde. In diesem Jubiläumsheft haben

Jeffrey.Voegeli @student.unisg.ch Chefredaktor

50

wurde. In diesem Jubiläumsheft haben

wir sie wieder aufgegriffen. Wir gehen

den Fragen nach, wieso die Studieren-

den kaum eines der vielen Kunstwerke

an der Universität kennen und ob es

wirklich eine Erscheinung unserer Ge-

neration ist, dass sich kaum mehr einer

für die Wahlen des Studentenparlaments

interessiert.

prisma hat sich verändert, seit es

im November 1959 zum ersten Mal auf-

lag. Entsprechend der Stimmung an der

HSG schwankten die Inhalte zwischen

ernst und lustig, frech und konserva-

tiv. Mit der Anzahl der Studierenden ist

auch die Seitenzahl gestiegen. Wo früher

über den Jahreskongress der Schwei-

zer Studentenvertretungen berichtet

wurde, schreibt heute jemand über die

Golfmeisterschaft für Studierende. Doch

gerade deswegen ist und war prisma das

Medium, in dem die Vielfalt der HSG zur

Geltung kommt und welches den Stu-

dierenden die eher lang scheinenden

Vorlesungen verkürzt.

Und genau das sind unsere Aufga-

ben. Kritisch hinterfragen, auch mal in

ein Wespennest stechen, die Gescheh-

nisse an der Universität St. Gallen aus

einer neutralen Perspektive betrachten

und sich gegebenenfalls auch mal lustig

machen. Bei der Erfüllung dieser Auf-

gabe wird sich prisma auch in Zukunft

verändern, dabei jedoch immer das Ma-

gazin der Studierenden der Universität

St. Gallen bleiben.

In diesem Sinne, viel Vergnügen bei

der Lektüre.

F ünfzig ist ein schönes Alter. Wir

kommen nicht darum herum, uns

erst einmal ganz herzlich selbst zu gra-

tulieren. Nicht nur denen, die diese Ju-

biläumsausgabe produziert haben, son-

dern natürlich auch all den Redaktoren,

Layoutern, Autoren die das prisma in

den vergangenen fünfzig Jahren geprägt

haben.

Auf der Suche nach Inhalten, die

diesem Anlass gerecht werden, haben

wir das Archiv durchforstet. Gleich meh-

rere Aspekte tauchen über die 324 Aus-

gaben immer wieder auf. Da ist – natur-

gemäss zuvorderst – das Logo. Jeder, der

an der HSG war, greift auch heute noch

sofort zu und beginnt zu lesen, wenn

eine Zeitschrift mit dem prisma-Schrift-

zug aufliegt. Von Anfang an waren auch

Kunst, Kultur und Politik wichtige The-

men, über die gestritten und diskutiert

3 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Tanzt aus der Reihe – auch die nächsten 50 Jahre!

Tanzt aus der Reihe – auch die nächsten 50 Jahre! S tudentische Magazine und Zeit- schriften

S tudentische Magazine und Zeit- schriften gibt es in der schweize-

rischen Universitätslandschaft unzähli- ge, die Unterschiede sind auf den ersten Blick jedoch wenig prägnant.

Im Quervergleich stelle ich fest – wie es sich für die HSG gehört –, dass das prisma sowohl mit seinem Erschei- nungsbild und oft auch mit seinen In- halten aus der Reihe tanzt.

Die Herausforderung für das studen- tische Redaktionsteam besteht einer- seits im Erlernen des journalistischen Handwerks und dem Gespür für span- nende, bewegende Storys jenseits des Uni-Alltags.

Andererseits liegt es in der Natur der Sache, auch aus der Optik der Studie- renden mit Kritik und Wünschen an die

eigene Universität heranzutreten. Wir hoffen, dass diese für prisma durchaus gewünschte Rolle auch weiterhin kon- struktiv genutzt wird und das redaktio- nelle Credo auch in Zukunft «Tiefgang statt Schlagzeile» lauten wird.

Ein verdientes Zeichen der Aner- kennung für dieses ausserordentliche studentische Engagement ist sicherlich der im Mai 2009 erstmals von der Stu- dentenschaft vergebene uniQ-Award, der an die prisma-Redaktion ging – also gerade rechtzeitig zum Jubiläum.

In diesem Sinne, herzliche Gratula- tion zum 50-jährigen Bestehen und auf weitere 50 Jahre studentischen Engage- ments mit spitzer und hoffentlich auch tiefgründiger Feder.

Rektor Ernst Mohr

prisma – eine Erfolgsgeschichte

W ir von der Studentenschaft sind besonders stolz, dass prisma seit

50 Jahren erfolgreich an der Uni über die Uni informiert, kritisiert und zum Nachdenken anregt. Wir fühlen uns dem Magazin als einer unserer Initiati- ven besonders verbunden und freuen uns, dass sich dieses Projekt bereits seit einem halben Jahrhundert bewährt. Der Erfolg basiert auf unermüdlichem stu- dentischem Engagement und hoch mo- tivierten Mitarbeitenden. Mit der Verlei- hung des diesjährigen uniQ-Awards für studentisches Engagement wurde die Leistung des Teams auch von Dritten bestätigt und honoriert.

Für die Meinungsbildung ist es es- senziell, dass Brennpunkte und Uni- nahe Themen gut recherchiert und unabhängig journalistisch aufbereitet

4 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

werden. Dies insbesondere innerhalb einer Community wie der Universität, wo sich Themen und Vorkommnisse un- glaublich schnell verbreiten und Fehlin- formationen negative Auswirkungen auf das Miteinander auf dem Campus und den Lehrbetrieb haben können. Des- halb sind wir von prisma überzeugt und schätzen dessen Leistung und Beitrag für die Universität sehr.

Wir freuen uns, wenn diese Er- folgsgeschichte weiterhin anhält, und gratulieren dem Team auf diesem Weg nochmals herzlich für die grossartige Leistung.

Herzlichen Glückwunsch!

Sebastian Bekemeier Präsident der Studentenschaft 09/10

herzlich für die grossartige Leistung. Herzlichen Glückwunsch! Sebastian Bekemeier Präsident der Studentenschaft 09/10

Inhalt

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Editorial

Gratulationsschreiben

Ein Schriftzug für die Ewigkeit

Mit prisma die Welt verändern

«Sinnorientiert zum Erfolg»

Andreas Strehle & Andreas Hug

Die unbeachteten Meisterwerke

22

24

25

26

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34

Tim Dührkoop & Pablo Spinnler

Ralph Schmitz-Dräger & Martina Bonati

Comic

Wider den politisch unverbildeten Wirtschafter

Peter P. Knobel & Roland Bosshart

Gaudeamus Igitur

Impressum

Jubiläumsausgabe, November 2009

Gemeinsame Herausgabe von:

HSG Alumni Dufourstrasse 50 9000 St. Gallen und der Studentenschaft der Universität St. Gallen

Redaktion:

prisma Oberer Graben 3 9000 St. Gallen 071 220 37 43 prisma@myunisg.ch

Präsidentin: Bianca Liegmann Chefredaktor: Jeffrey Vögeli Layoutleitung: Sarah Schranz Finanzen: Max Winkler

Layout: Raphael Güller, Michael Pum, Bianca Liegmann, Sarah Schranz Cartoon: Moritz Runge

Anzeigenregie: Metrocomm AG, St. Gallen Druck: Druckerei Flawil AG, St. Gallen Lektorat: Monika Künzi

Internet: www.prisma-hsg.ch

Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise, nur mit Genehmi- gung der Redaktion.

Mitherausgeber: HSG Alumni ISSN 1422-5980

Redaktion/Anzeigen:

alma, alea iacta ag Kesslerstrasse 5 9001 St. Gallen 071 244 66 00 alumni@unisg.ch

Verlagsleitung: Daniel Bargetze Chefredaktor: Roger Tinner

Internet: www.alumni.unisg.ch

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prisma – Jubiläumsausgabe 2009

prisma – Jubiläumsausgabe 2009

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Ein Schriftzug für die Ewigkeit
Ein Schriftzug für die Ewigkeit

Warum das prisma-Logo seit der ersten Ausgabe unverändert blieb

das prisma-Logo seit der ersten Ausgabe unverändert blieb Matthias.Mirbeth @student.unisg.ch A lles beginnt mit

Matthias.Mirbeth @student.unisg.ch

A lles beginnt mit einer grossen Eins. Sie prangt auf der Titelseite der er-

sten prisma-Ausgabe im November 1959. Daneben eine Juke-Box mit der Aufschrift: «Endlich mal ’ne neue Plat- te!». Doch das, was Geschichte machen wird, thront in schwarzen Lettern im oberen Seitendrittel: prisma. Seit diesem Zeitpunkt ist der Schriftzug des Studie- rendenmagazins aus dem HSG-Leben nicht mehr wegzudenken. Und zugleich bleibt das Logo fünfzig Jahre lang unver- ändert, trotz aller personellen Wechsel in Redaktion und Layout. Aber warum eigentlich?

Der Schick der fünfziger Jahre

Elegant und schlicht im Stile der 50er Jahre präsentiert sich der prisma- Schriftzug beim ersten Auftritt in der Öffentlichkeit. Doch zeugen die Buch- staben von einer gewissen Unangepasst- heit in der Uniformiertheit des St.Galler Studienalltags. Denn es ist kein braves Logo, mit der prisma die Studierenden begrüsst. Kühl und distanziert wirken die Zeichen, und es entsteht der Ein- druck, dass sich die Zeitung eher als kri- tischer Beobachter sieht denn als partei- ischer Interessenvertreter. Doch strahlt der Schriftzug auch eine bis zum heu-

tigen Zeitpunkt für Studentenzeitungen ungewöhnliche Seriosität aus – es lässt sich nun einmal nicht leugnen, hier sind HSGler am Werk.

Die Buchstaben sind im unteren Bereich abgeschnitten. Es scheint fast so, als würden sie über eine imaginäre Mauer spähen, um hinter die Kulissen blicken zu können. Die Neugierde, die dieses Bild vermittelt, spiegelt das Ziel des Heftinhalts wieder: Die Zeitungsma- cher der ersten Stunde wollen Hürden überspringen und Grenzen hinter sich lassen, um dadurch neue Sichtweisen zu gewinnen. Diese Motivation hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht verändert.

Ein weites Themenspektrum

Auch die Namensgebung von pris- ma ergänzt diese journalistische Vision. Die Gründer wollen sich nicht zufrie- den geben mit der reinen Mitteilung, sondern nachfragen, diskutieren, an- dere Perspektiven einnehmen. Und das über die rein ökonomisch-juristische Engstirnigkeit, die man naturgemäss in St. Gallen vorfindet, hinaus. Bislang abgetrennte Gebiete will prisma für die Studierenden erschliessen, ein weites

Themen-Spektrum bieten für zukünf- tige Wirtschaftler und Juristen. In der «Geburtsanzeige», dem Vorwort der er- sten Ausgabe, geschrieben vom dama- ligen Chefredaktor Peter W. Dettweiler, heisst es dazu: «Studenten einer Hoch- schule, an der sich alle mehr oder we- nige mit volkswirtschaftlichen Kurven, betriebswirtschaftlichen Kalkülen und rechtlichen Streitfragen herumschla- gen, sollten sich daneben anderen Din- gen zuwenden. Und zu diesen anderen Dingen möchte prisma gehören. Wir meinen, dass in eine Studentenzeitung vor allem Fragen der Kultur, der Politik (im weitesten Sinne des Wortes) und ähnliche Gebiete gehören.» Denn (und dieser Satz zeigt, wie wenig sich die Kli- schees über die St.Galler Hochschule im Laufe der Jahrzehnte geändert haben):

«Schliesslich sollen später einmal nicht Börsenkurse und Rentabilitätsrech- nungen das A und O unseres Lebens ausmachen.» Eine Grundeinstellung, die sich auch heute noch jeder prisma- Leser zu eigen machen sollte.

Das gesamte Layout der ersten Ausgabe hält sich sehr zurück mit graphischen Experimenten. Die be- scheidenen finanziellen Möglichkeiten

7 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

liessen nichts anderes zu. Aber es ent- spricht auch dem journalistischen Selbstverständnis der damaligen Redak- tion, dass sich das Layout dem Text an- passen muss und nicht umgekehrt. Nur ab und zu tauchen Zeichnungen auf, die das Lesevergnügen steigern sollen. Doch worauf es wirklich ankommt, ist die Relevanz und Qualität der Texte.

Diese prisma-Tradition, die Service und Hintergrundberichte kombiniert, aufrecht zu erhalten, ist nun seit fünf- zig Jahren das Ziel jeder Ausgabe. Und auch die technischen Veränderungen, die viele Möglichkeiten mit sich brach- ten – sei es nun der Wechsel von der Schreibmaschine hin zum Computer oder vom Schwarz-Weiss-Druck hin

zum Farbdruck –, haben nichts da- ran geändert. prisma will der kritische Beobachter sein, der den Blick auch aus- serhalb des Campus-Geschehens wagt. Der reduzierende und sachliche Schrift- zug verkörpert seit der ersten Ausgabe genau diese Maxime. Ein gutes Logo, das zu Recht seit einem halben Jahrhundert unantastbar ist.

das zu Recht seit einem halben Jahrhundert unantastbar ist. Wir haben die beiden erfolgreichen Werber und

Wir haben die beiden erfolgreichen Werber und HSG-«Verbündeten» Dominique von Matt und Daniel Krieg um eine Layout-Analyse einer aktuellen prisma-Ausgabe gebeten. Ohne Vorbehalte weisen sie auf Stärken und Schwächen des Designs hin, geben Tipps für die Zukunft und verraten, was sie anders machen würden.

Die Fragen stellte Matthias Mirbeth.

Dominque von Matt, JvM/Limmat

«Bleiben Sie unzufrieden»

Wenn Sie einen kurzen Blick auf die aktu- elle Ausgabe von prisma werfen, was ist Ihr erster Eindruck? Ein wirklich hervorragend gemach- tes Studentenmagazin, das den Wettbewerb zu anderen Fach- magazinen nicht zu scheuen braucht.

Welchen Inhalt versprechen Sie sich aufgrund der Covergestal- tung? Wenn Sie die Nummer 323 meinen: Den Inhalt eines Kir- chenblatts aus den 60er-Jah- ren. Schlechter kann man ei- nen vielfältigen, interessanten und fröhlichen Inhalt nicht verkaufen.

Entspricht das Layout Ihrer Vorstellung von einer typischen Studentenzeitung?

Nein,

tungen.

es

übertrifft

meine

Erwar-

Wir haben seit Oktober einen neuen Chefredaktor, der vor neuen Ideen ge- radezu sprüht. Und da auch die finan- ziellen Möglichkeiten unbegrenzt schei- nen, möchte er Sie gerne für eine Rundum-Erneuerung von «prisma» engagieren. Was wür- den Sie spontan ändern? Was unbedingt beibehalten? Ich habe ja schon bisher nichts als Blattkritik gemacht. Ein Punkt noch: Überraschen Sie die Leserinnen und Leser in jeder Ausgabe mit einer unge- wöhnlichen (aber natürlich se- riös recherchierten) Geschich- te, die polarisiert. Sie schaffen so Gesprächsstoff und bleiben als Marke selbst im Gespräch.

Gesprächsstoff und bleiben als Marke selbst im Gespräch. Löst Ihrer Meinung nach der In- halt des

Löst Ihrer Meinung nach der In- halt des Heftes die Erwartung zu Beginn auch ein? Zum Glück nicht.

Welches Image vermittelt das gesamte Heft-Layout? Übersichtlich, gut gegliedert, gut lesbar ohne gestalterischen Firlefanz. Verbessern könnte man die Dramatur- gie des Heftes: Das etwas gleichförmige Layout sollte stärker variiert werden, ins- besondere durch den Einsatz von unter- schiedlichen Bildanteilen und -grössen.

Der Schriftzug «prisma» ist seit seiner Erstausgabe vor 50 Jahren unverändert. Gibt es hierfür offensichtliche Gründe? Der Schriftzug ist wirklich sehr ei- genständig. Und die 50er- und 60er-Jah- re-Optik ist inzwischen wieder Kult.

Ganz subjektiv: Gefällt Ihnen der Schrift- zug? Sehr gut, ich bin ja auch 50. Nur die Farbe sollte man nicht variieren. Eine selbstbewusste Marke passt sich nicht dem Umfeld an.

Haben Sie noch einen letzten Tipp für uns, den wir unbedingt beherzi- gen sollten? Bleiben Sie unzufrieden.

Zur Person: Dr. oec. publ. Dominique von Matt, 50, ist Mitinhaber der Kommu- nikationsagentur Jung von Matt/Limmat sowie Lehrbeauftragter für Betriebswirt- schaftslehre an der HSG.

8 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Das Magazin der Studierenden der Universität St. Gallen Oktober 2009 Nummer 323 Mauern Daniel Krieg,
Das Magazin der Studierenden der Universität St. Gallen Oktober 2009 Nummer 323 Mauern Daniel Krieg,
Das Magazin der Studierenden der Universität St. Gallen Oktober 2009 Nummer 323 Mauern Daniel Krieg,
Das Magazin der Studierenden der Universität St. Gallen Oktober 2009 Nummer 323 Mauern Daniel Krieg,
Das Magazin der Studierenden der Universität St. Gallen Oktober 2009 Nummer 323 Mauern Daniel Krieg,
Das Magazin der Studierenden der Universität St. Gallen Oktober 2009 Nummer 323 Mauern
Das Magazin der Studierenden der Universität St. Gallen
Oktober 2009 Nummer 323
Mauern

Daniel Krieg, KSB/SJ

«Mehr Pepp und Sexiness»

Wenn Sie einen kurzen Blick auf die aktu- elle Ausgabe von prisma werfen, was ist Ihr erster Eindruck? Sauber gemacht.

fische Präsentation, teilweise bin ich enttäuscht durch die glattgeleckte Main- stream-Präsentation.

Ganz subjektiv: Gefällt Ihnen der Schrift- zug? Ja.

Ganz subjektiv: Gefällt Ihnen der Schrift- zug? Ja. Der Schriftzug «prisma» ist seit seiner Erstausgabe vor

Der Schriftzug «prisma» ist seit seiner Erstausgabe vor 50 Jahren unverändert. Gibt es hierfür offensichtliche Gründe? Ich würde mal sagen: Er ist gut, der Schriftzug - wenn nicht das Beste am Heft. Auch inhaltlich hat das Wort «Pris- ma» einiges zu bieten.

Wir haben seit Oktober einen neu- en Chefredaktor, der vor neuen Ideen geradezu sprüht. Und da auch die fi- nanziellen Möglichkeiten unbegrenzt scheinen, möchte er Sie gerne für eine Rundum-Erneuerung von prisma en- gagieren. Was würden Sie spontan än- dern? Content first! Sie kennen doch den Management-Grundsatz Structure follows Strategy. So ist das auch hier:

Design follows Content und nicht um- gekehrt.

Haben Sie noch einen letzten Tipp für uns, den wir unbedingt beherzigen sollten? Nutzen Sie die Chance, das letzte Mal in Ihrem Leben jung sein zu dür- fen. Und seien Sie aufmüpfiger, geben Sie mehr Pepp und Sexiness in das Magazin. Viel Spass und Glück dabei!

Zur Person: Daniel Krieg, 44, ist Ge- schäftsführer der Werbeagentur Krieg, Schlupp, Bürge / Springer & Jacoby und studierte vier Semester Betriebs- wirtschaftslehre an der Universität St. Gallen.

Welchen Inhalt versprechen Sie sich aufgrund der Covergestaltung? To be honest: Keine Ahnung. Und auch wenn ich aufblättere, wird mir der «Teaser Mauern» nicht oder nur am Rande aufgelöst. Klar, im Editori- al. Aber sonst finde ich das Thema nur schwer im Magazin.

Löst Ihrer Meinung nach der Inhalt des Heftes die Erwartung zu Beginn auch ein?

Jein.

Welches Image vermittelt das gesamte Heft-Layout ? Sauber und aufgeräumt. Mir per- sönlich aber zu designt und zu ton-in- ton-leblos. Ich finde, wenn das Design den Inhalt dominiert, ist das schade für ein Magazin, das gelesen werden will - und nicht einfach nur durchge- blättert, wie irgendeine austauschbare Glanz-Kundenbroschüre.

Entspricht das Layout Ihrer Vorstellung von einer typischen Studentenzeitung? Eben: Teilweise bin ich positiv über- rascht durch die hochstehende gra-

9 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

© 2009 Accenture. All rights reserved.

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dazulernen. Ein ganz normaler Arbeitstag für Tiger. Entscheiden Sie sich für eine Karriere bei Accenture in

Entscheiden Sie sich für eine Karriere bei Accenture in der Managementberatung, wo Sie wirklich etwas bewegen können – Tag für Tag. Hier arbeiten Sie mit den klügsten Köpfen der Branche zusammen, um neue Chancen zu identifizieren und für unsere Kunden innovative Lösungen für komplexe Herausforderungen zu finden. Hier haben Sie die besten Voraussetzungen, Ihre Fähigkeiten schnell auszubauen und Ihre Karriere voranzutreiben. Und nur hier können Sie auf unsere umfassende Projekterfahrung und unsere wegweisenden Forschungsergebnisse zurück- greifen, um unsere globalen Kunden, die aus den Reihen der FORTUNE® Global 500 Unternehmen kommen, auf ihrem Weg zu High Performance zu unterstützen.

Trifft das Ihre Vorstellung von einem ganz normalen Arbeitstag? Dann sind Sie bei Accenture richtig.

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Trifft das Ihre Vorstellung von einem ganz normalen Arbeitstag? Dann sind Sie bei Accenture richtig. entdecke-accenture.ch
Trifft das Ihre Vorstellung von einem ganz normalen Arbeitstag? Dann sind Sie bei Accenture richtig. entdecke-accenture.ch

Mit prisma die Welt verändern

Mit prisma die Welt verändern Raffael.Hirt @student.unisg.ch Bianca.Liegmann @student.unisg.ch V on Schere und Leim

Raffael.Hirt @student.unisg.ch

prisma die Welt verändern Raffael.Hirt @student.unisg.ch Bianca.Liegmann @student.unisg.ch V on Schere und Leim

Bianca.Liegmann @student.unisg.ch

V on Schere und Leim über Offset- Druck zum Backoffice-Wahnsinn,

daneben noch kurz die 68er gestreift und Peterli getauft: Die prisma-Redak- tion hat sich geschunden, sich die Fin- ger wund geschrieben und das Heft da- hin gebracht, wo es heute ist. Vieles ist anders, doch einiges ist immer gleich geblieben – prisma ist das Magazin der HSG-Studierenden. Zum Anlass unseres 50-jährigen Jubiläums haben wir bei ehemaligen Redaktoren nachgefragt, welche persönlichen Erfahrungen sie mit prisma verbinden. Ob nun auf der ganzen Welt verteilt – von Japan (Roland Bosshart, Seite 33) bis Kanada (Andre- as Hug, Seite 17) – oder in der Heimat geblieben, haben sie eines gemeinsam:

ihre guten Erinnerungen an die prisma- Zeit.

gemeinsam: ihre guten Erinnerungen an die prisma- Zeit. Ralph Schmitz-Dräger Chefredaktor 1975 Andreas Strehle

Ralph Schmitz-Dräger Chefredaktor 1975

an die prisma- Zeit. Ralph Schmitz-Dräger Chefredaktor 1975 Andreas Strehle Redaktor 1971-1974 Martina Bonati

Andreas Strehle Redaktor 1971-1974

Chefredaktor 1975 Andreas Strehle Redaktor 1971-1974 Martina Bonati Chefredaktorin 2000-2001 Tim Dührkoop

Martina Bonati Chefredaktorin 2000-2001

Redaktor 1971-1974 Martina Bonati Chefredaktorin 2000-2001 Tim Dührkoop Chefredaktor 1995 Andreas Hug Chefredaktor

Tim Dührkoop

Chefredaktor 1995

Chefredaktorin 2000-2001 Tim Dührkoop Chefredaktor 1995 Andreas Hug Chefredaktor 1963 Peter P. Knobel Chefredaktor

Andreas Hug

Chefredaktor 1963

Dührkoop Chefredaktor 1995 Andreas Hug Chefredaktor 1963 Peter P. Knobel Chefredaktor 1965 Pablo Spinnler

Peter P. Knobel Chefredaktor 1965

Hug Chefredaktor 1963 Peter P. Knobel Chefredaktor 1965 Pablo Spinnler Chefredaktor 2004-2007 11 prisma –

Pablo Spinnler Chefredaktor 2004-2007

11 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

«Sinnorientiert zum Erfolg»

Weibliche Studierende waren in den letzten 50 Jahren an der HSG deutlich in der Unterzahl. Doch fünf Lebens- wege ehemaliger Absolventinnen beweisen, dass sich Geschlecht und Karriere nicht im Weg stehen.

dass sich Geschlecht und Karriere nicht im Weg stehen. Jeffrey.Voegeli @student.unisg.ch A n der HSG hat

Jeffrey.Voegeli @student.unisg.ch

A n der HSG hat es nicht genug Frauen. Schon 1960 freute sich ein

prisma-Redaktor über die ausserge- wöhnlich hohe Quote von zehn Prozent am Skitag der damaligen Handelshoch- schule. Auch wenn der Anteil seither stark gestiegen ist, beschweren sich die Studenten immer noch gerne über den Mangel an potenziellen Dinnerverabre- dungen.

Soweit ist das ein Problem der Stu- denten. Allerdings könnte man auf- grund der Häufung von Medienbe- richten zu dem Thema den Eindruck bekommen, mehr Diversity wäre die Lösung aller Probleme, von der Finanz- krise bis zu enormen Managergehältern.

Das wirft die Frage auf, ob es nicht nach norwegischem Vorbild eine Ge- schlechterquote in Verwaltungsräten braucht. Liegt es an der Vetternwirt- schaft unter Männern, dass nur so we- nige Frauen an die Spitze von Schweizer Unternehmen gelangen?

Wenn man sich heute mit Studen- tinnen der HSG unterhält, bekommt man nicht das Gefühl, man spreche mit dem schwachen, unterdrückten Ge- schlecht. Trotzdem sind die wenigsten karriereorientierte Mannsweiber.

Um diesen Fragen nachzugehen, hat prisma mit fünf Absolventinnen ge- sprochen, die das Wirtschaftsleben der Schweiz bereits kennen. Leider entzie- hen sich diese jeglicher Schubladisie- rung und zeigen damit, dass die Per- sönlichkeit einen grösseren Einfluss auf Berufswahl und Karriere hat als das Geschlecht. Entgegen dem Klischee und

12 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

vielleicht auch anders als bei manchem Mitstudenten war bei keiner der Frauen die Karriereplanung der Grund für die Wahl der Universität St. Gallen. Vielmehr spielten ein Interesse an Wirtschaft und die Nähe oder Distanz zum Herkunftsort eine Rolle.

Get Diversity

Bei Barbara Rigassi waren es die Di- stanz von zuhause und die neue Stadt, welche die Entscheidung auf St. Gallen statt Bern fallen liessen. Obwohl sie als junge Frau und Studen- tin alle Einladungen in Frauengruppen und spezifische Frauen- förderung ablehnte – schliesslich ist die Gleichbere chtigung Tatsache – hat sie 2007 GetDiversity mitge- gründet. Ziel dieses Netzwerkes ist es, kom- petente Frauen in Ver- waltungsräten unterzu- bringen. Dies soll aber nicht um jeden Preis oder gar durch Quo- tenregelungen erreicht werden. Vielmehr wer- den mittels eines unter- nehmerischen Ansatzes

interessierte Firmen mit möglichen Kandi- datinnen zusammen- gebracht. Es ist unbe- stritten, dass gemischte Teams besser funktio- nieren als rein männ- liche oder weibliche. Da aber die Visibilität der geeigneten Frauen

in der Schweiz noch nicht hoch genug ist, bietet GetDiversity die Möglichkeit, sich eine Kandidatin nicht nach ihrem Bekanntheitsgrad, sondern aufgrund ih- rer Kompetenzen auszusuchen.

Zusätzlich ist Rigassi Präsidentin des VCHU (Verband Schweizer Unter- nehmerinnen). Beide Initiativen bieten weder Strickkurse noch Seminare für selbstbewusstes Auftreten. Vielmehr werden spezifische Themen des Un- ternehmertums und der Wirtschaft in

Barbara Rigassi hat die HSG 1989 nach dem Dok- torat verlassen. Nach Stationen unter anderem

Barbara Rigassi hat die HSG 1989 nach dem Dok- torat verlassen. Nach Stationen unter anderem im Staatsekretariat für Wirtschaft und beim Schweize- rischen Bankverein ist sie heute Geschäftsführerin der Strategieberatungsfirma BHP - Brugger und Partner AG. 2007 hat sie zusammen mit Michèle Etienne GetDiversity gegründet. Dieses Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, Verwaltungsrätinnen an Schweizer Firmen zu vermitteln.

Monika Ribar hat die HSG 1983 abgeschlossen. Seit 1991 ist sie bei Panalpina, wo sie

Monika Ribar hat die HSG 1983 abgeschlossen. Seit 1991 ist sie bei Panalpina, wo sie unter ande- rem Chief Information Officer und Chief Financial Officer war, bevor sie 2006 CEO wurde. Sie ist die einzige weibliche Schweizer CEO eines börsen- kotierten Unternehmens und gehört laut der Fi- nancial Times zu den fünfzig wichtigsten Manage- rinnen der Welt.

eine interessante Beschäftigung zu er- möglichen, so dass die Frauen danach nicht wieder von vorn anfangen müs- sen.

Selbstbewusstes Auftreten

Nicht nur in der Privatwirtschaft, auch in vielen Bereichen der Wissen- schaft sind die Frauen noch stark in der Minderheit. ist als Professorin für Entre- preneurial Finance an der Technischen Universität München zwar nicht die ein- zige Frau, aber auch dort sind Männer stark übervertreten.

Auch sie sieht den grossen Unter- schied in der Persönlichkeit und

Fortsetzung auf Seite 15

13 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

einem Umfeld von Gleichgesinnten dis- kutiert. Dabei ist es für die Frauen wich- tig, ihre Erfahrungen teilen zu können. Frauen führen im Vergleich zu Männern eher sinn- und wertorientert als kurz- fristig gewinnmaximierend. Oft sind auch die Erfahrungen und Rollenbilder aus der Jugend oder aus dem Alltag prä- gend. Langfristig sollen natürlich keine separaten Netzwerke für Frauen und Männer entstehen. Es muss für Männer wie Frauen selbstverständlich sein, in gemischten Teams zu arbeiten.

Schritt für Schritt

Monika Ribar wollte und will etwas bewegen. In der Sache auf einen ande- ren Level kommen. Als sie bei Panalpina anfing, war ihr Ziel nicht der Chefsessel, sondern New York. Auf Betreiben des damaligen CFO blieb sie dann doch in Basel. Schritt für Schritt übernahm sie immer wichtigere Funktionen, bis sie 2006 zum CEO ernannt wurde.

spiel die Annahme, Per- sonalabbau ginge ihr näher als einem Mann in derselben Position, falsch. Solche Entschei- dungen seien für jeden schwierig, das liege aber am Job und nicht am Geschlecht.

Damit die Vorur- teile gegenüber Frauen nicht nur in Spitzenpo- sitionen verschwinden, braucht es ein Umden- ken. Nicht nur in den Unternehmen, schon bei der Ausbildung und beim Bereitstellen von Rahmenbedingungen durch den Staat muss es selbstverständlich sein,

dass Frauen arbeiten und Karriere machen. Quoten wären hingegen das falsche Mittel. Es geht nicht darum, eine bestimmte Anzahl Frauen in die Geschäftsleitung zu brin- gen. Ziel soll aber sein, dass ein weib- licher CEO kein Erstaunen mehr auslöst.

Das Gleiche gilt für einen Mann, der sein Pensum reduziert, um sich um die Fami- lie kümmern zu können. Bei Panalpina wird nach Möglichkeit auf Familienpla- nung Rücksicht genommen. Natürlich fordern höhere Hierarchiestufen auch höhere Prä-

senzzeiten. Weil

viele Frauen

sich zwischen Karriere und Familie entscheiden, sinkt auch der Anteil auf dieser Ebene. Ziel eines Unternehmens muss aber sein, zumindest solange die Kinder klein sind

Nach Ribars Aussage spielt es keine Rolle, ob ein Mann oder eine Frau den Posten des CEO innehat. Letzlich sei das eine Frage der Persönlichkeit und nicht des Geschlechts. Ob es allerdings viele männliche CEOs gibt, die nicht für sich selbst, sondern für die Sache arbeiten und zugeben, dass Glück bei ihrer Kar-

riere eine Rolle gespielt hat, sei dahinge- stellt. Also einzige Schwei-

zer Frau an der Spitze eines börsenkotierten

Unternehmens erlebt sie die Vor- und Nachteile ihres Geschlechts besonders. Gerade die Medien schauen ihr viel genauer auf die Finger als ihren männlichen Kollegen. So sei zum Bei-

«Mich hält hier niemand für einen Softie!»

«Ich wollte die andere Ebene kennenlernen»

Monica Jacober hat gezeigt, dass Karriere und Leidenschaft kombinierbar sind.

gezeigt, dass Karriere und Leidenschaft kombinierbar sind. N ach ihrem Abschluss an der HSG hat Monika

N ach ihrem Abschluss an der HSG hat Monika Jacober 12 Jahre in der

Privatwirtschaft gearbeitet. 1998 hängte sie ihren Direktionsposten an den Na- gel und absolvierte zusätzlich ein Psy- chologiestudium. Seither strebt sie den Brückenschlag zwischen den Welten Psychologie und Wirtschaft an. Als Selbstständige in eigener Praxis bietet sie denen, die ebenfalls in diesem Clinch stehen, ein psych-oec-Coaching an.

Wie fiel der Entscheid, nach einer Karriere in der Wirtschaft ein Psychologiestudium zu machen? Mir war es nach HSG und UBS wich- tig, jenen Teil in mir zu fördern, der lan- ge zu kurz gekommen war. Dem widme- te ich dann viel Zeit. Beim HSG-Studium kam ein Teil von mir eindeutig zu kurz. Mein Intellekt wurde gefordert und ge- fördert, aber meine Emotionen lagen brach; ebenso die Haltungs- und Wer- teebene. Die HSG liess mich nur intel- lektuell entwickeln. Ich bin überzeugt, dass auch die andere Ebene geschult werden kann.

Sind Frauen anfälliger für Burnouts? Wa- rum oder warum nicht? Eigentlich sind sie es nicht. Im Gegenteil. Durch ihre Doppelbelastung Familie- Beruf sind sie aber verständlicherweise in ihrer Work-Life-Balance oft überfor- dert. Doch das könnte sich schnell um- kehren, sobald sich die Rahmenbedin- gungen ändern.

Brauchen die jungen Frauen, die jetzt studieren noch Unterstützung, weil sie Frauen sind? Nur wenn sie es wollen. Diejenigen, die sich im Mainstream befinden, brauchen ohnehin keine Hilfe. Sie werden getra- gen, oft sogar auf Händen. Aber generell gilt: Jeder Weg, der geltende Normen auch nur ein wenig sprengt, lässt sich weit besser meistern, wenn man ihn nicht allein begehen muss. So ging es nicht nur mir. Insofern ist dann Solida- rität gefordert. Aber nicht etwa nur von den anderen Frauen, sondern von allen, die um die Bedeutung eigenständiger Wege wissen.

Was

die

Situation

von

jungen

Frauen

betrifft, bräuchte es viel mehr Teilzeit- jobs für Hochqualifizierte – Frauen und Männer. In meiner Praxis begegnen mir zunehmend Väter in Führungspositi- onen, die sehr darunter leiden, kaum Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können. Auch da ist die Folge nicht selten ein Burnout. Sie wünschen sich sehnlich, quantitativ weniger arbeiten zu müssen, um ihre Vaterrolle wirklich wahrzunehmen. Von Teilzeitstellen wür- den also beide Geschlechter profitieren. Ich wünsche mir von der Wirtschaft viel mehr Offenheit für unkonventio- nelle Lösungen – mit Gewinn für alle Beteiligten.

Das Gespräch führte Jeffrey Vögeli

14 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Ann-Kristin Achleitner hat die HSG 1992 mit Dok- toraten in Rechtwissenschaften und Wirtschafts- wissenschaften

Ann-Kristin Achleitner hat die HSG 1992 mit Dok- toraten in Rechtwissenschaften und Wirtschafts- wissenschaften abgeschlossen. Nach ihrer Habili- tation arbeitete sie für McKinsey von wo sie dem Ruf an die European Business School folgte. Seit 2001 ist sie Leiterin des KfW-Stiftungslehrstuhls für Entrepreneurial Finance an der Technischen Universität München. Neben ihrer Professorentä- tigkeit sitzt sie in verschiedenen Verwaltungsräten und Gremien.

Fortsetzung von Seite 13

nicht im Geschlecht. Ein Grund für die Diskrepanz könnte sein, dass Frauen tendenziell nicht so selbstbewusst auftreten wie ihre männlichen Kol- legen. Das führt, wie bei der Suche nach Verwaltungsräten, zu einer hö- heren Sichtbarkeit der Männer. Da di- ese häufig auch noch besser vernetzt sind, werden sie öfter für offene Stellen berücksichtigt.

«Nichts prägt das Berufsbild so sehr wie die eigene Erfahrung»

Auch Achleitner ist der Ansicht, Frauen müssen spezifisch gefördert und damit ermutigt werden. Dabei sollten al- lerdings die Ansprüche nicht herunter- geschraubt werden. Schliesslich möchte jede Frau die Förderung aufgrund ihrer Person und ihrer Fähigkeiten erhalten und nicht aufgrund des Geschlechts.

Ganzheitlicher und sozialkom- petenter

Auch wenn am Ende die Persön- lichkeit den Unterschied macht, muss- te man als Frau mehr leisten um in den achtziger Jahren die Anerkennung des

männlichen Umfelds zu gewinnen. Hinzu kam, dass Frauen die Uni jünger abschlies- sen konnten, weil sie nicht ins Militär muss- ten. «Davon durfte man sich nicht irritieren las- sen», meint Maja Bau- er-Balmelli, «Man muss einfach konsequent die eigene Vision der beruf- lichen Verwirklichung verfolgen.»

selbstverständlichen

Lösungen.

und

kreativeren

Dedication and Energy

Es scheint so, als wäre die einzige Form der Benachteiligung an der HSG die schiere Überzahl der Männer. Dies ist aber nicht Ausdruck einer männlich dominierten Gesellschaft, sondern einer Wahl, die Frauen treffen. Während die meisten Männer nur den Weg zu einer Karriere sehen, entscheiden sich Frauen eher für die Verwirklichung einer Lei- denschaft oder für einen Beruf, der sich mit einer Familie verträgt.

Der Erfolg der fünf Absolventinnen in diesem Artikel kommt nicht wegen und auch nicht trotz des Geschlechts. Natürlich war die HSG eine gute Aus- gangsposition, danach war es aber bei allen das Feuer für den gewählten Weg, das sie weitergebracht hat. Keine hat ein eigentliches Erfolgsrezept beschrieben, aber alle empfehlen, eine Tätigkeit nur so lange auszuüben, wie sie Spass macht. Damit ist es auch möglich, die Arbeit im Hinterkopf zu haben und trotzdem nicht gestresst zu sein.

im Hinterkopf zu haben und trotzdem nicht gestresst zu sein. Auch bei ihr war die Motivation

Auch bei ihr war die Motivation nicht die Karriere an sich. Viel- mehr wollte sie einen

guten Job machen. Dass diese Einstellung da- mals wie heute selten war, zeigt sich am Entsetzen eines Headhunters ob dieser

Einstellung. Exzellenz in Job und Karrie-

re

müssen aber nicht zwangsläufig Hand

in

Hand gehen. Mancher will die Karrie-

re, um sich eine Bühne zu sichern, und nicht, um fachlich zu brillieren. Sich ge- gen solche Leute durchzusetzen, kostet viel harte Arbeit.

Zuerst als Partner bei Andersen und heute

bei Pestalozzi Lachenal Patry hat Bauer-Balmel-

li neben der Praxis als

Beraterin auch viel pu- bliziert. Dadurch ist sie zu einer der führenden Expertinnen im Steu- errecht geworden und prägt das Schweizer Recht ein Stück weit mit.

In der Anwaltstä- tigkeit werden Un- terschiede zwischen Frauen und Männern deutlich. Frauen haben eine Tendenz zu ganz- heitlichem Denken und sind oft sozial kompe- tenter. Dadurch finden sie häufig die weniger

Maja Bauer-Balmelli hat das Rechtsstudium an der HSG 1984 abgeschlossen. 1990 hat sie sich zur

Maja Bauer-Balmelli hat das Rechtsstudium an der HSG 1984 abgeschlossen. 1990 hat sie sich zur Steuerexpertin weitergebildet und 2000 an der Uni Zürich ihren Doktor gemacht. Nach dem Studium arbeitete sie bei Andersen, wo sie mit 34 Partner wurde. 2002 trat sie als Partnerin in die Kanzlei Pe- stalozzi Rechtsanwälte ein. Parallel zu ihrer Arbeit publiziert sie regelmässig zu steuerrechtlichen Themen und lehrt an der Uni Zürich.

15 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Sie denken an Karrierestart. Wir auch an erfolgreiche Zukunft.
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Andreas Strehle

Wie empfinden Sie rückblickend Ihre Zeit bei prisma? Das war mein niederschwelliger Einstieg in den Journalismus und ins- gesamt eine schöne und unbeschwerte Zeit. Unbeschwert zumindest aus un- serer Sicht: Unsere kritische, manchmal vielleicht auch flapsige Art führte bei einem Teil der konservativen Studen- tenschaft zu Beschwerden. Es gab da- mals viele deutsche Studenten, die froh waren, dem 68er-Geist ihrer Universi- täten entkommen zu sein. Nun lasen sie Ähnliches aus unserer Feder und ärger- ten sich teilweise masslos. So hatten wir immerhin zahlreiche Reaktionen – was gibt’s Schöneres für eine Redaktion?

Hat das Engagement bei prisma Ihre Berufswahl beeinflusst? Bestand der Ge- danke, Journalist zu werden, bereits da- vor? Haben Sie je an diesem Entscheid gezweifelt? Ja, dieser Beruf hat mich schon früh fasziniert. Von daher waren prisma oder auch die kleine serbelnde, später einge- stellte Lokalzeitung «Ostschweizer AZ» wunderbare Einstiegshilfen. Ich emp-

fehle dieses Rezept auch heute noch jun- gen Kollegen: Nicht gleich mit der Ambi- tion einsteigen, Reporter beim «Spiegel» zu werden. Niklaus Meienberg empfahl mir damals: «Schreib, wo immer sie dei- ne Texte abdrucken, sammle die Beiträ- ge in einem Mäppchen und gehe damit zu einer grösseren Redaktion.» Das habe ich gemacht.

Was waren zu Zeiten Ihres Engagements bei prisma Probleme, die mit jeder Aus- gabe wieder auftauchten? Unsere eigenen Unzulänglich- keiten wie Pünktlichkeit bei der Ab- gabe, Schreibstil, Zeit für Recherche, fehlendes handwerkliches Know-how, Liebschaften, Liebeskummer.

Sehen Sie sich heute als «HSG-Apparat- schik», als «auf Gewinnmaximierung getrimmten Roboter» (zit. TA 9. April

2009)?

Nein. Haben wir das so geschrie- ben?

geschwächt, indem der «Apparatschik»- Vergleich rausgenommen wurde. Scheint mir klischiert. Aber hängen Sie mich nicht daran auf; auch einer professionellen Redaktion rutscht mal ein Klischee durch. Wir arbeiten dran.

Redaktion rutscht mal ein Klischee durch. Wir arbeiten dran.   Andreas Strehle, ehemaliger prisma- Ja!
 

Andreas

Strehle,

ehemaliger

prisma-

Ja! Später wurde der Titel in der Inter-

Redaktor,

heute

Co-Chefredaktor

des

netausgabe jedoch abgeändert und ab-

Tages-Anzeigers.

 

Andreas Hug

Wie empfinden Sie rückblickend Ihre Zeit bei prisma? Es war eine wertvolle Lehrzeit. In kurzer Zeit lernte ich, wie man unter Zeitdruck eine Publikation herausgibt, Mitarbeiter findet, Mitstudierende zum Schreiben veranlasst und das Layout der Originale für den Offset-Druck bereit- stellt.

Wie fest war prisma damals bei den Stu- denten akzeptiert und verankert? Wie stark prisma bei den Studenten akzeptiert und verankert war, ist für mich schwer abzuschätzen. Ich glaube jedoch, dass es mir im Sommersemester 1963 gelungen ist, ein breites Spektrum von studentischer Information, Mei- nungen, Interviews, Sport, Karikaturen und Fotos im prisma zu vereinen. Sogar eine Ausschreibung für einen Literatur- wettbewerb ist zu finden. Studenten, Dozenten, zwei Rektoren und die Chef- Bibliothekarin: Alle kamen zu Wort.

Wann haben Sie das letzte Mal eine pris- ma-Ausgabe gelesen? Wann haben Sie sich zuletzt Ausgaben aus der Zeit Ihres Engagements angeschaut? Im Vorfeld dieses Interviews habe ich mir die Online-Ausgabe angesehen. Vor einem Jahr habe ich die Nummern von 1963 nach langer Zeit zum ersten Mal wieder durchgesehen.

Sehen Sie sich heute als «HSG-Apparat- schik», als «auf Gewinnmaximierung getrimmten Roboter» (zit. TA 9. April

2009)?

Nein. Der Systemansatz von Prof. Ulrich hat mich in meiner ganzen Kar- riere begleitet. Gesamtoptimierung für Wirtschaft, Gesellschaft und Einzel- menschen ist mir wichtiger als die Maxi- mierung eines einzelnen Aspektes. Ge- winnmaximierung bringt über kurz oder lang unerwünschte Nebenfolgen und ist nicht nachhaltig erreichbar.

Nebenfolgen und ist nicht nachhaltig erreichbar. Andreas Hug, lic. oec. HSG 1968, heute Unternehmensberater

Andreas Hug, lic. oec. HSG 1968, heute Unternehmensberater (Andreas Hug Consulting) und Master Trainer.

17 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Die unbeachteten Meisterwerke

Die Kunstsammlung der HSG wird stets hoch gelobt. Die meisten Studierenden kennen trotzdem kein einziges Werk. Die Universität kommuniziert nur nach aussen und verschläft den kulturellen Dialog mit den eigenen Nachwuchsakademikern.

den kulturellen Dialog mit den eigenen Nachwuchsakademikern. Valentin.Diem @student.unisg.ch 18 prisma –

Valentin.Diem @student.unisg.ch

Nachwuchsakademikern. Valentin.Diem @student.unisg.ch 18 prisma – Jubiläumsausgabe 2009 Hans Arps

18 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Hans Arps «Schalenbaum»

I n der ersten Ausgabe von prisma stand folgende Aussage: «Wir meinen, dass

in eine Studentenzeitung vor allem Fra-

(im weitesten Sinne des

Wortes) und ähnliche Gebiete gehören.» Zusätzlich war ein Artikel über Marc Chagalls Werk abgedruckt. Im Laufe der Jahre wurde dem oben formulierten Cre- do manchmal mehr, manchmal weniger Rechnung getragen. Auffällig oft wurde über Jazz und Theater diskutiert, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass es etliche Vereine und Initiativen von Seiten der Studierenden gibt, die sich stark mit diesen kulturellen Feldern auseinandersetzen. Der modernen und zeitgenössischen Kunst möchten wir uns an dieser Stelle widmen.

Grosse Namen

gen der Kultur

Die Universität rühmt sich gerne mit ihrer Kunstsammlung, der visio- nären Architektur und den kulturell angehauchten Kursen in «Handlungs- kompetenz». Das darf sie auch, die Sammlung ist eigentlich exzellent. Die HSG positioniert sich öfters als qualita- tiv hochstehender Ort des Dialogs zwi- schen Wirtschaft und Kultur, Kunst und Architektur. Schliesslich stellt gerade die Kunst Fragen der Selbstreflexion, oder wie es Alt-Rektor Prof. Dr. Dr. Anderegg formulierte, «die Dringlichkeit der Frage nach den Dimensionen des Mensch-

seins». Dies sind Themen, die zum Ka- non einer anständigen Ausbildungsstät- te gehören.

Wünschenswertes; schliesslich erfüllt Kunst oft mehr als nur einen dekorativen Zweck, wie sich am Beispiel des Werkes

Doch selbst der kritische Disler

Bei einem Rundgang durch den Campus trifft man Werke grosser Künst- ler wie Miró, Giacometti oder Braque an, welche stets im Kontext ihrer Umgebung speziell gefertigt und platziert wurden. Trotz dieser hohen kulturellen Werte ist es der Universität nur teilweise gelun- gen, dieses Engagement glaubwürdig zu verkaufen. Wird sie doch des Öfteren beschuldigt, sich durch die Förderung von Kultur vom negativ behafteten Image des raffgierigen Kapitalismus «freizukaufen». Die HSG-Kunst erfülle sozusagen den Nutzen eines modernen Ablassbriefes und nicht etwa den eines konstruktiven Dialogs.

«Usura» von Martin Disler illustrieren lässt. Dieser bemalte beide Seitenwände des Senatsraums auf virtuose Weise und brachte einen Gipskopf an einer Säule vor der Fensterfront an. Auf der Stirn des Kopfes, der an einen Harlekin erinnert, steht spiegelverkehrt „Usura“ geschrie- ben. Damit verweist der Künstler direkt auf ein gleichnamiges Werk des Dichters Ezra Pound, das angeblich durch eine di- rekte Reaktion auf Keynes «General The- ory» entstanden ist. «Usura, sin against nature» steht darin geschrieben; ge- meint ist der Kapitalzins, der die realen Produktionsmöglichkeiten übersteigt. Die in jüngster Zeit wieder aufflackernde Kritik am Finanzsystem, dessen Vorzüge

Mangelndes Interesse

Kommt man mit dem durchschnitt- lichen St. Galler Studenten ins Gespräch, wird schnell klar, dass diese These nicht allzu unzutreffend sein kann. Die univer- sitäre Kunstsammlung wird doch eher gegen aussen kommuniziert, während intern praktisch niemand weiss, welche Schätze es auf dem ganzen Uniareal zu entdecken gibt.

auch an unserer Universität gepredigt werden, unterstreicht den subversiven Charakter dieses Werkes, wenn man be- denk, dass sich der Künstler der Legen- de nach für eine Nacht gegen den Willen der Universität in den Senatsraum ein- schloss, um das komplette Kunstwerk zu erschaffen.

vermag die Betrachter offenbar nicht abzuholen. Es stellt sich die Frage,

Dabei

wäre

der

Dialog

zwischen

ob die Kunst an der HSG überhaupt

Kunst

und

Wirtschaft

etwas

äusserst

wahrgenommen wird; eine ernsthafte

19 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Teil des Werks «Usura» von Martin Disler Auseinandersetzung mit ihr findet je- denfalls heute nicht

Teil des Werks «Usura» von Martin Disler

Auseinandersetzung mit ihr findet je- denfalls heute nicht statt, unter den Studierenden herrscht kollektives Des- interesse. Es war allerdings nicht immer so, dass die Kunstwerke auf mangelnde Aufmerksamkeit stiessen. Als beispiels- weise der «Schalenbaum» von Hans Arp der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, löste dies eine hitzig geführte Debatte über zeitgenössische Kunst in breiten Kreisen St. Gallens aus. Das konserva- tive Bürgertum und verschiedene Po- litiker bezeichneten das wegweisende

20 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Werk als «obszönes Machwerk», da sie es sofort mit einem Phallussymbol as- soziierten. Amüsant, dass ausgerechnet die Konservativen in der sonst so länd- lichen Gallusstadt unverzüglich solche Gedanken sponnen

Wie weiter?

Die Universität und insbesonde- re die Kunstkommission sollten sich nicht nur über das gute Renommee der Sammlung Gedanken machen, sondern auch darüber, wie diese als integraler Bestandteil in die gelebte HSG-Kultur eingebettet werden kann. Dazu ist si- cherlich eine verstärkte Kommunikation nach innen vonnöten; es herrscht akuter Aufklärungsbedarf. Diesen durch Kur- se in Reflexionskompetenz zu decken, ginge zu wenig weit. Um echtes Interes- se in breiteren Schichten der Studieren- den zu wecken, müsste die Kunst schon im Assessmentjahr eine Rolle spielen, stetig erklärt und thematisiert werden. Studentisches Engagement im kultu- rellen Bereich gilt es zu fördern sowie den Kunstbücherbestand in der Biblio- thek weiter auszubauen. Einige Bildbän- de über Gerhard Richter und Ellsworth Kelly reichen einfach nicht, um sich wirklich zu informieren.

Bestimmt ist ein solcher Kulturwan- del unter den HSGlern keine einfach zu realisierende Angelegenheit. Doch ge- länge ein solcher, wäre dies nicht nur ein wichtiger Schritt in Richtung Bildung, die Werte wie Selbstreflexion, kulturelle Offenheit, Kreativität und dadurch auch unternehmerisches Verantwortungs- bewusstsein fördert. Der Universität St. Gallen verliehe es zusätzlich ein Stück mehr Glaubwürdigkeit nach aussen.

bewusstsein fördert. Der Universität St. Gallen verliehe es zusätzlich ein Stück mehr Glaubwürdigkeit nach aussen.
Ausschnitt aus Gerhard Richters «Sankt Gallen» im Bibliotheksgebäude 21 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Ausschnitt aus Gerhard Richters «Sankt Gallen» im Bibliotheksgebäude

21 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Tim Dührkoop

Wie empfinden Sie rückblickend Ihre Zeit bei prisma? Eine Möglichkeit, sich aktiv am Uni- versitätsleben zu beteiligen und auch etwas an die HSG-Community zurück- zugeben. Ausserdem kam das Engage- ment bei prisma in idealer Weise meiner neugierigen Grundeinstellung entgegen – man muss ja schliesslich viel wissen, wenn man drüber schreiben will. An- zeigen habe ich auch verkauft, und das mache ich ja heute noch.

Können Sie ein persönliches Highlight Ih- rer prisma-Zeit nennen? Für mich waren alle Interviews Highlights; eine Möglichkeit, interes- sante Menschen persönlich kennen zu lernen – egal ob es ein Professor war oder Beate Rotermund-Uhse, die Grün- derin der Beate-Uhse-Sexshops.

Wann haben Sie das letzte Mal eine pris- ma-Ausgabe gelesen? Wann haben Sie sich zuletzt Ausgaben aus der Zeit Ihres Engagements angeschaut? Ich versuche, mindestens einmal pro Jahr an die HSG zu kommen und einen Tag «Bibliothekssurfing» einzule-

gen, neue Bücher und Artikel zu lesen, und da ist immer auch prisma dabei. Mein Archiv schaue ich dann an, wenn meine Frau mich erfolgreich zum Auf- räumen auffordert, also nicht so oft.

Sehen Sie sich heute als «HSG-Apparat- schik», als «auf Gewinnmaximierung getrimmten Roboter» (zit. TA 9. April

2009)?

R2D2 würde ich hinsichtlich Kör- pergrösse sogar übertreffen, wenn auch nur knapp. Ernsthaft: Ich sehe mich als Unternehmer, egal ob ich in einem klei- nen Unternehmen arbeite, an dem ich auch beteiligt bin, oder in einer grös- seren Organisation. Zum Unternehmer- sein gehört Gewinnmaximierung klar dazu, es ist sogar die Essenz, aber eben in einem Umfeld. Wenn ich mich gegen das Umfeld stelle, kann ich den Gewinn langfristig nicht maximieren.

Sehr gut finde ich übrigens, dass sich die HSG aktuell mit ihrer Rolle in der Krise befasst. Ich fand es immer eine Stärke der Institution HSG, dass sie sich selbstkritisch und offen mit sich und ih- rem Umfeld auseinandersetzt und da-

Pablo Spinnler

Wie empfindest du rückblickend deine Zeit bei prisma? Die prisma-Zeit war sehr lehrreich und spannend – es galt, ein Team von mehr als zehn Studierenden zu füh- ren und dafür Sorge zu tragen, dass die Ausgaben rechtzeitig und vor allem mit für HSG-Studierende spannendem In- halt erstellt wurden. Gerade neben dem strengen Pensum an unserer Hochschu- le eine nicht immer ganz einfache Aufga- be. Aber es hat schon einen Riesenspass gemacht, die druckfrische prisma-Liefe- rung durchs B-Gebäude zu karren und die Hausmeister mit dem unsachgemäs- sen Gebrauch des Transportwägelchens in den Wahnsinn zu treiben.

Wird dein Engagement bei prisma deine zukünftige Berufswahl beeinflussen? Be- steht der Gedanke, Journalist zu werden? Ich habe mich in der Folge tatsäch- lich im journalistischen Metier versucht,

22 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

musste aber feststellen, dass die Freude am Schreiben rapide abnimmt, wenn es zur Pflicht wird und man halt auch mal eine ganze Zeitungsseite lang über die Schnorcheleinführung im Freibad Rot- monten sinnieren muss.

Siehst du dich heute als «HSG-Apparat- schik», als «auf Gewinnmaximierung getrimmten Roboter» (zit. TA 9. April

2009)?

Was ist das denn für eine Frage? Typisch prisma. Als Prismaner ist man ja vom Naturell her schon kein guter Roboter – immer diese sprachlichen Entgleisungen gekoppelt, mit unbere- chenbarem Verhalten. Aber das mit der Gewinnmaximierung ist ja nicht weit hergeholt, wenn man von unserer Hoch- schule spricht. Da könnte man auch fra- gen: Sehen Sie sich als Tagi-Journalist immer dazu gezwungen, der HSG ein weiteres Klischee zu verpassen?

rauf reagiert. Das ist für mich etwas ganz Wichtiges, persönlich wie professionell, was ich aus dem Studium mitgenom- men habe: Selbstkritik, Etabliertes hin- terfragen, schnell reagieren und Neues ausprobieren.

hin- terfragen, schnell reagieren und Neues ausprobieren. Tim Dührkoop, 1996 lic. oec. (BWL, Fi- nanz- und

Tim Dührkoop, 1996 lic. oec. (BWL, Fi- nanz- und Rechnungswesen), 1999 Dr. oec. (BWL, Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement bei Prof. Dr. Beat Schmid). Heute Verantwort- licher für die Vermarktung elektro- nischer Medien bei Publicitas.

für die Vermarktung elektro- nischer Medien bei Publicitas. Pablo Spinnler befindet sich gerade in den letzten

Pablo Spinnler befindet sich gerade in den letzten Zügen seines Masters in Law&Economics.

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Ralph Schmitz-Dräger

Wie empfinden Sie rückblickend Ihre Zeit bei prisma? Die Zeit als prisma-Chefredaktor fand ich spannend und interessant, vor allem, weil sie mir eine andere Art der AuseinandersetzungmitderHSG ermög- lichte. Wir fokussierten uns damals vor allem auf den Campus und den Mikro- kosmos HSG und überliessen Bereiche wie Politik anderen, kompetenteren Me- dien. Ich bin daher auch heute noch der Meinung, dass eine Uni wie die HSG ein Organ wie prisma braucht.

Wie fest war prisma damals bei den Stu- denten akzeptiert und verankert? Ich würde behaupten, dass prisma damals fest bei den Studenten verankert und als offizielles Organ akzeptiert war. Dies zu erreichen, war jedoch aufgrund der geringeren Vielfältigkeit unter den Studierenden einfacher.

Sehen Sie sich heute als «HSG-Apparat- schik», als «auf Gewinnmaximierung

getrimmten Roboter» (zit. TA 9. April

2009)?

Dies muss ich ganz klar verneinen. Uns Studenten wurden Anregungen zum selbständigen Denken mitgegeben. Zudem wurden Modelle und Lehrmei- nungen in einen Kontext gestellt und kontrovers diskutiert. Durch den per- sönlichen Kontakt mit den Dozierenden entstand ein gesundes Verhältnis zwi- schen Forderung und Förderung.

Die Bezeichnungen sollen wohl provozieren, sind aber sicherlich falsch. Bereits vor der Finanzkrise, auf welche die Aussage wohl anspielt, wurde an der HSG Ethik gelehrt. Die Lehre einer Hochschule steht am Anfang von be- ruflichen Werdegängen. Wie Studenten das Erlernte nachher einsetzen und ent- wickeln, ist ihre persönliche Verantwor- tung. Die Krise als Fehler der Ausbildung an der HSG darzustellen, kann man so also nicht stehen lassen.

Martina Bonati

Können Sie ein persönliches Highlight Ihrer prisma-Zeit nennen? Kurz vor der Anpassung an Bologna hat Josua Burkhart eine grosse Profes- sorenumfrage gestartet und eine enorme Resonanz sowohl bei den Studierenden als auch bei den Professoren hervorge- rufen. Auch freut es mich sehr, dass der Name «Peterli» in einem unserer Hefte entstanden ist.

Hat das Engagement bei prisma Ihre Berufswahl beeinflusst? Bestand der Ge- danke, Journalistin zu werden? Ich habe in der Mittelschule mit zwei Kolleginnen eine eigene Schülerzeitung gegründet und es bestand zeitweilig die Idee, Journalistin zu werden. Ich habe allerdings mit der Zeit gemerkt, dass meine Stärke weniger im Schreiben als in der Organisation einer Zeitung lag.

Was hätten Sie gern mal im prisma ge-

24 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

macht, haben sich aber nicht getraut/ wurde verboten? Mir blieben während meiner Zeit im Redaktionsteam keine Wünsche offen.

Sehen Sie sich heute als «HSG-Apparat- schik», als «auf Gewinnmaximierung getrimmten Roboter» (zit. TA 9. April

2009)?

Grundsätzlich denke ich, dass Ge- winnmaximierung in der Wirtschaft eine grosse Rolle spielt. Die Frage ist nur, unter welchen Bedingungen. Bei der Gewinnmaximierung dürfen Aspekte wie Mitarbeiterförderung, Nachhaltig- keit, ethische Grundsätze sowie Diver- sity nicht vergessen werden. Ich glaube, wenn diese Faktoren berücksichtigt wür- den, wäre die Art der Gewinnmaximie- rung, wie sie sich vor der Krise darstellte, nicht mehr möglich.

wie sie sich vor der Krise darstellte, nicht mehr möglich. Ralph Schmitz-Dräger, HSG-Studium in Revision;

Ralph Schmitz-Dräger, HSG-Studium in Revision; Doktoratsabschluss (1986). Heute Geschäftsleiter der Injecta AG (Druckgusstechnologie), diverse Ver- waltungsratsmandate und Stiftungsrat des «St. Gallen Symposium».

und Stiftungsrat des «St. Gallen Symposium». Martina Bonati, 2000/2001 verantwort- lich für den Teil

Martina Bonati, 2000/2001 verantwort- lich für den Teil «Inhalt» bei prisma. HSG-Abschluss in Finance, Accounting und Controlling (2003). Heute ist sie Pri- vatkundenberaterin in Zug.

Wider den politisch unverbildeten Wirtschafter Der HSG-Student ist ein fauler Demokrat. Früher war das kaum

Wider den politisch unverbildeten Wirtschafter

Der HSG-Student ist ein fauler Demokrat. Früher war das kaum besser. Ein politischer Parforceritt durchs prisma-Archiv.

besser. Ein politischer Parforceritt durchs prisma-Archiv. Max.Winkler @student.unisg.ch Yannick.Pengl

Max.Winkler @student.unisg.ch Yannick.Pengl @student.unisg.ch

D ie Politik bedeutet ein starkes lang- sames Bohren von harten Brettern

mit Leidenschaft und Augenmass zu- gleich.» Mit diesem Bonmot bringt es Max Weber auf den Punkt. Politisches Wirken ist ein mühseliges Geschäft, bei dem Beharrlichkeit gefragt ist. Die be- triebswirtschaftliche Effizienzlogik greift dabei nur bedingt.

den

Das Schlagwort «Bohren» erinnert

so

idealtypischen

HSG-Studenten

26 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

auch zuallererst an die Hilti-Fallstudie aus dem zweiten Semester.

Mit Befremden blickt er auf das po- litische System: ein Konzern mit einer Aufbauorganisation, deren Teilberei- che sich gegenseitig hemmen. Ein Un- ternehmen, in dem notwendige, aber unpopuläre Entscheidungen nicht den verdienten Karrieresprung, sondern die Abwahl durch das reformunwillige Stimmvolk nach sich ziehen.

Ganz zu schweigen von der Schwei- zer Dependance, in der jeder Praktikant die Strategie der Geschäftsleitung torpe- dieren kann, indem er in der Betriebs- kantine ein paar Unterschriften sam- melt.

Die Universität als demokrati- sche Institution

Was sich nach einem schwierigen Fall für den angehenden Turn-around- Manager anhört, wird in der Bun-

desstaatsrechtsvorlesung als eine der grössten Errungenschaften der Mensch- heitsgeschichte verkauft – die gute alte Demokratie. Die ist, um auch nur an- satzweise zu funktionieren, auf ein Min- destmass an politischem Engagement der Bürger angewiesen. Schon Lord Ralf Dahrendorf – Gott habe ihn selig – wuss- te: «Die Demokratie ohne Demokraten zerstört sich selbst.»

Irgendeiner muss also den Ak- kuschrauber zur Hand nehmen und sich das ein oder andere Brett vorknöp- fen – auch an der Universität St. Gallen. Diese ist, zumindest auf dem Papier, eine demokratische Institution. Ihr oberstes Organ, der Universitätsrat, wird vom Kantonsrat St. Gallen gewählt. Für rein akademische Fragen ist der Senat zu- ständig, in dem neben den Professoren auch die Studentenschaft vertreten ist. Letztere ist die offizielle Vertretung der Studierenden. Deren universitätspoliti- sche Meinung wird von einem gewähl- ten Studentenparlament (kurz: StuPa) erfasst und vertreten. Rein formal er- scheinen die Strukturen vorbildlich und bieten Raum für politische Betätigung seitens der Studierenden. Diese machen von diesen Möglichkeiten jedoch kaum Gebrauch.

Die traurige Wirklichkeit

Wagen wir einen Blick in die Nie- derungen des universitätspolitischen Alltags. Das StuPa besteht aus 33 Abge- ordneten. Um beschlussfähig zu sein, bedurfte es bis Mai diesen Jahres der An- wesenheit von mindestens 20 Parlamen- tariern. Da diese Zahl in praktisch keiner Sitzung erreicht wurde, reduzierte man sie auf 15 Abgeordnete. Die Wahlbetei- ligung der Studierenden stagniert auf einem unterirdischen Niveau. Für einen Platz im Parlament genügt es, 25 Wäh- ler – etwa 0.4 % der Stimmberechtigten – zu mobilisieren. Kurzum: Dahrendorf hätte die HSG-Demokratie längst für tot erklärt.

Nicht nur universitäts-, sondern auch bundes- und weltpolitisch ist das studentische Interesse überschaubar. Dozierende beklagen, dass kaum ein Student regelmässig Zeitung liest. Selbst die prisma-Lektüre hilft nur bedingt weiter, kommt doch das Magazin in den Ausgaben der letzten Jahre eher unpoli- tisch daher.

Wie lässt sich diese Lethargie der Studierenden erklären? Liegt es wirklich an der Unverträglichkeit von ökonomi- scher und politischer Rationalität? Zu- mindest im letzten Punkt dürfte ein Blick ins prisma-Archiv Aufschluss geben.

Ein chronisches Leiden

Schnell steht fest: Bei den geschil- derten Symptomen scheint es sich um ein chronisches Leiden der HSG zu han- deln. Seit 50 Jahren wird in regelmässigen Abständen ein Mangel an politischem Engagement beklagt und Besserung ge- lobt. So schreibt Anfang der 60er-Jahre der oberste studentische Vertreter: «Die Studentenschaft der Handelshochschu- le und deren Vorstand sind gewillt, ein grösseres politisches Engagement ein- zugehen als bisher.»

«Wieder zuhause, hätte ich eigent- lich auch singen mögen. Vielleicht:

Min Vater isch en Appenzeller.»

Hans-Rudolf Merz

1977 steht die ganze Ausgabe unter dem Titel «homo lethargicus», und über die Wahlen zum Allgemeinen Delegier- ten-Convent (ADC) – dem Vorgänger des StuPa – heisst es trocken: «Ein leerer Saal, vorne die fünf Kandidaten, hinten nicht viel mehr Wähler, Szenerie einer ADC-Wahl, Herbst 77. Der Vertreter des Wahlbüros erklärt, dass ohnehin alle ge- wählt seien, da es weniger Kandidaten als zu vergebende Sitze habe.»

Das klingt erschreckend vertraut. Man ist versucht, in das Klagelied eines prisma-Redaktors einzustimmen, der 1978 konstatiert: «Heute ist die Jugend zum grössten Teil überhaupt nicht mehr politisch engagiert, die Resignation hat gesiegt.» So früh wollen wir uns aber nicht geschlagen geben und suchen weiter.

Vom Kalten Krieg und künftigen Bundesräten

In den frühen 60er-Jahren werden wir erstmals fündig. Ein Flügelstreit im

Verband Schweizerischer Studenten- schaften hält die prisma-Redaktion in Atem. Die überzeugt liberale St. Galler Delegation kommt mit den «kommu- nistischen» Romands aus Lausanne und Genf nicht zurecht, welche Stu- dentenpolitik mit Gewerkschaftsarbeit gleichsetzen. Die Auseinandersetzung gipfelt im zwischenzeitlichen Austritt der St. Galler Studentenschaft aus dem gesamtschweizerischen Dachverband. Der Konflikt widerspiegelt den weltpoli- tischen Rahmen dieser Zeit. Der Kampf der Ideologien wird auch im prisma aus- getragen.

Heftig wird über den Sinn von Stu- dienreisen nach Slowenien oder in die Tschechoslowakei gestritten. In Gesprä- chen mit den ideologisch geschulten Gastgebern seien die unbedarften St. Galler hoffnungslos unterlegen. Den- noch finden Fahrten in den kommunis- tischen Osten statt. Für die Teilnehmer steht dabei vor allem die Reiselust im Vordergrund. Einen schwungvollen, aber unpolitischen Erfahrungsbericht über einen solchen Ausflug beendet Redaktor Hans-Rudolf Merz wie folgt:

«Und nun, wieder zuhause, hätte ich ei- gentlich auch singen mögen. Vielleicht:

Min Vater isch en Appenzeller.»

Hippies an der HSG

Etwas später, am Ende der 60er – da war doch was. Ein paar Kommentare über den Vietnam-Krieg, vereinzelte Forderungen nach studentischer Mit- bestimmung – und plötzlich wird's auch an der HSG politisch. Den Anfang macht Roger Schawinski, der sich im Dezem- ber 1967 so klar wie unaufgeregt gegen den Vietnam-Krieg ausspricht: «Den Kommunismus will man auf Schlacht- feldern aufhalten, amerikanische Sol- daten sollen einen Fall ganz Südostasi- ens verhindern. Wie wirklichkeitsfremd scheinen diese Ansichten, welche den Problemkreis nicht ergründen, sondern ihn im Gegenteil mit einem Mäntelchen von Bomben zudecken.» Eine Meinung, die in der westlichen Öffentlichkeit und vor allem unter Studenten immer mehr Befürworter findet. Es sind bereits über 16'000 amerikanische GIs in Südostasi- en gefallen und die Tet-Offensive steht kurz bevor. Der Nachwuchs des Estab- lishments an der HSG will davon (noch) nichts wissen. prisma entwickelt sich zur Plattform für politische Auseinanderset-

27 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Hans-Rudolf Merz v/o Zapfe Studentenschaftspräsident 1966 zungen unter den Studenten. Im Januar 1968 greift Umberto

Hans-Rudolf Merz v/o Zapfe Studentenschaftspräsident 1966

Hans-Rudolf Merz v/o Zapfe Studentenschaftspräsident 1966 zungen unter den Studenten. Im Januar 1968 greift Umberto Fetz

zungen unter den Studenten. Im Januar 1968 greift Umberto Fetz den Defätisten Roger Schawinski an, weil dieser «das Problem doch nur von einer Seite her betrachtet, ohne Berücksichtigung der historischen Entwicklung und vor al- lem - was unerklärlich ist - der heutigen Tatsachen». Es folgt eine Schmähschrift gegen Ho Chi Minh, welcher der eigent- liche Kriegsfalke sei, der der Friedens- taube Lyndon B. Johnson die militäri- sche Intervention aufgezwungen habe. Da nach Fetz' Ansicht weder die Volks- republik China noch die UdSSR Nord- vietnam materielle Hilfe zukommen lassen werden, blieben als Unterstützer «nur noch die Hippies in den Ländern der westlichen freien Welt, die ja ach so gerne auf die Strassen springen, um überhaupt beachtet zu werden».

Die Gruppe INFORM versucht, mit unkonventionellen Aktionen gegen den Vietnamkrieg einen Hauch von 68 an der HSG zu etablieren. Zu Live-Musik der Rockband Guru Guru Groove führt INFORM Ende 1969 einen schockieren-

28 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

den Film über die vietnamesischen Op- fer der amerikanischen Bombenangriffe vor.

Ein neutraler prisma-Beobachter schreibt: «Dass die Veranstaltung in der Aula offenbar einem allgemeinen Bedürfnis zur Abreagierung primitiver Triebe – wie Gegröl, Pfeifen etc. – ent- sprach, beweisen der grosse Andrang und die aktive «Teilnahme» am Filmge- schehen. Dass zum ohrenbetäubenden Lärm unbegabter Instrumentalprügler Filme gezeigt werden, deren künstleri- scher und politischer Wert nirgendwo zu finden ist, mag noch angehen. Ob es der Sache dient, wenn unmenschli- che Zuschauer in frenetisches Hurrage- brüll ausbrechen, wenn die Amerikaner Napalm werfen, ist zweifelhaft.» Der damalige Aktivist und Augenzeuge Res Strehle – heute Chefredaktor des Tages- anzeigers – würdigt diese Szene Jahre später im Magazin des Tagesanzeigers:

«Während in der St. Galler Aula ein Do- kumentarfilm über die Bombenabwür- fe der US-Luftwaffe in Vietnam gezeigt

wurde, klatschte die Rechte bei jedem Abwurf Beifall, als ob der FC St. Gallen soeben ein Tor geschossen hätte. Der «LSD-Marsch» von Guru Guru Groove heizte die Stimmung zusätzlich auf.»

Weitere politische Gruppierungen schiessen nun wie Pilze aus dem Boden:

das kritische Seminar, die sozialistische Studentengruppe, die Gruppe 3. Welt, die Frauengruppe St. Gallen und die Ho- mosexuelle Arbeitsgruppe St. Gallen.

Demokratisierung und marxis- tischer Übermut

Punkto Mitbestimmung zeigt sich ein neues studentisches Selbstbewusst- sein. Zwar gibt es Stimmen, die studenti- sche Vertreter in universitären Gremien für überflüssig halten, weil sie das part- nerschaftliche Verhältnis zu den Profes- soren gefährdet sehen und eine kontra- produktive Politisierung des Uni-Lebens befürchten. Doch die Forderungen der Befürworter werden lauter. Im prisma erscheint ein Artikel mit dem Titel «Mit- bestimmung aus marxistischer Sicht».

1969 werden die studentischen Vertreter erstmals demokratisch ge- wählt – zuvor standen die Plätze den Delegierten der Verbindungen zu. Im prisma geht es hoch her: Während Hans R. Blumenthal die Vergesellschaft- lichung der Produktionsmittel sowie eine «Reform des Parlamentarismus im Sinne rätedemokratischer Vorstellun- gen» fordert, beschäftigt sich ein Chef- Popologe mit Bob Dylan und den Rolling Stones und schreibt: «Dem freien Aus- tausch und der freien Zusammenarbeit von Musikern, einer Art künstlerischem Gruppensex, gehört die Zukunft.»

Das studentische Magazin bekommt in diesen Jahren linke Schlagseite, aller- dings auf journalistisch hohem Niveau. In der Redaktion sitzt neben Res Strehle unter anderem Charles E. Ritterband, heute NZZ-Korrespondent in Wien.

Mit der Ausgabe «Spätkapitalismus»

(Februar 1974) macht sich prisma an ei- nigen Weber'schen Brettern zu schaffen. Ein Redaktor ist mit besonderer Leiden- schaft dabei und rückt der schweizeri- schen Verfassungsgeschichte zu Leibe. Statt zum Bohrer greift er jedoch zur Axt und titelt: «Das Recht als Hure des Kapi- talismus».

«Mich interessiert nur die Frau im Betrieb»

Im Januar 1976 erreicht die Emanzi- pationsbewegung die HSG. Die Frauen- gruppe St. Gallen bekommt die redakti- onelle Verantwortung einer kompletten prisma-Ausgabe übertragen. Wie schon das Titelbild erahnen lässt, verbinden die Studentinnen ihre Geschichten und Anklagen «gegen den Objektstatus der Frau, die als Sexsymbol zum Gebrauchs- gegenstand degradiert wird» mit Pro- vokationen gegen das Establishment. «Hure oder Opfer - ich bin keine von beiden!» Starker Tobak im prisma. Dem-

entsprechend fallen die Reaktionen aus, die in der folgenden Ausgabe erschei- nen. Sie reichen von einem anonymen, ignoranten BWL-Professor («mich inte- ressiert nur die Frau im Betrieb») über den moralisierenden Rolf Dubs («wenn man schon Sexartikel schreiben möchte, so sollten sie elegant sein; man denke an Boccaccio») bis hin zum angewider- ten Rektoratssekretär Aeberli («Ich kann nicht verstehen, dass eine verantwortli- che Redaktion einer Studentenzeitung, die sich aus erwachsenen Kommilitonen zusammensetzt, zur Veröffentlichung ei- nes derartigen Titelbildes und einzelner Beiträge Hand bot»). Auch auf studenti- scher Seite dominiert die Skepsis: «Das beschäftigt eine rechte Frau gar nicht» (Studentin) oder «die Frauen sind offen- bar etwas frustriert» (Student).

Den zuständigen prisma-Redakto- ren bringt diese Ausgabe nicht nur Rück- trittsforderungen seitens des Rektorats,

ren bringt diese Ausgabe nicht nur Rück- trittsforderungen seitens des Rektorats, 29 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

29 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

sondern auch eine Fiche bei der Bun- despolizei ein.

Geschäftsmodell Anpassung

Trotz solcher Skandälchen gilt die HSG in etablierten Kreisen Deutsch- lands weiterhin als Hort der Ruhe und Stabilität. Ganz im Gegensatz zu revolu- tionären Brutstätten wie Berlin, Frank- furt oder Zürich.

Einige deutsche Kommilitonen las- sen sogar hochwertige Informationsbro- schüren drucken und schicken diese an Unternehmen aus dem grossen Nord- kanton. Im Begleitschreiben zeichnen sie ein Schreckensbild: «Die Situation an den deutschen Hochschulen ist gekenn- zeichnet durch Unruhe, extremistische Agitation und einseitige Verpolitisie- rung der Lehre», um anschliessend die paradiesischen Zustände an der HSG zu schildern, welche «junge, zielbewusste

und vor allen Dingen politisch unverbil- dete Wirtschafter» hervorbringe.

Diese Einschätzung deckt sich kaum mit den im prisma überlieferten Zustän- den jener Tage. Politisch unverbildet wird es erst wieder Ende der 70er-Jahre. Die Redaktion selbst vertritt selten klare Standpunkte, sondern überlässt dies In- terviewpartnern wie Franz Josef Strauss. 1979 macht Peter Wuffli eine Ausnahme und schiesst sich auf Pläne zur Reich- tumssteuer ein: «Die Initiative richtet sich gegen Leistung, die in unserer Zeit etwas Unanständiges zu sein scheint.»

Zehn Jahre später fordert ein frust- rierter Chefredaktor verstärktes Enga- gement: «Wie in anderen Universitäten, beispielsweise Berlin, sollte es auch hier vor Ideen brodeln, von links über anar- chistisch und grün bis rechts. Die Aus- einandersetzungen sollten dem Hoch-

bis rechts. Die Aus- einandersetzungen sollten dem Hoch- 30 prisma – Jubiläumsausgabe 2009 schulleben den

30 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

schulleben den nötigen Pfeffer geben.»

Das Politsüppchen der HSG köchelt wieder auf Sparflamme und wird dem geneigten Studierenden lauwarm und etwas fad serviert. Weder zur Wende noch zum 11. September oder Irakkrieg finden sich erwähnenswerte prisma- Artikel.

An die Arbeit!

Nach 50 Jahren im prisma-Schnell- durchlauf bleiben wir etwas ratlos zu- rück. Braucht es wie 68 einen die Ge- nerationen entzweienden Konflikt, um den HSG-Studenten aus der politischen Gefrierstarre zu reissen? Sollte man sich flugs mit Muammar al-Gaddafi, Kim Jong-Il oder Mahmud Ahmadinedschad solidarisieren, um wieder etwas Pfeffer ins Geschehen zu bringen? Oder ist es ratsam, dem Ideal des «politisch unver- bildeten Wirtschafters» nachzueifern und die Politik Leuten zu überlassen, die etwas davon verstehen?

Nichts von alledem! Es wäre schon ein grosser Fortschritt, sich an den Wahlen der studentischen Vertreter zu beteiligen. Wenn nicht einmal die Nachwuchsakademiker ihren demokra- tischen Mindesteinsatz bringen, vermag die um sich greifende Politikverdrossen- heit kaum zu verwundern. Lord Dahren- dorf lässt grüssen.

Spätestens die Finanzkrise dürf- te gezeigt haben, dass die Politik mehr ist, als die «Unterhaltungsabteilung der Wirtschaft», wie es Frank Zappa einmal formulierte.

Statt die Politik weiterhin stiefmüt- terlich verkümmern zu lassen, sollten wir den politischen Bohrer zur Hand nehmen und uns mit Leidenschaft und Augenmass ans Werk machen. Wenn dabei der ein oder andere Artikel fürs prisma entsteht - umso besser!

Leidenschaft und Augenmass ans Werk machen. Wenn dabei der ein oder andere Artikel fürs prisma entsteht
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Peter P. Knobel

Wie empfinden Sie rückblickend Ihre Zeit bei prisma? Meine Zeit bei prisma war aufre- gend und schwierig. Einerseits hatten wir technische Herausforderungen zu meistern, weil wir damals weder Com- puter noch Designprogramme zur Heft- erstellung hatten. Wir entwickelten die Fotos in der Dunkelkammer der Redak- tion und klebten die mit Schreibmaschi- ne geschriebenen Texte mit den Bildern manuell auf Druckvorlagenbögen. Viel Geduld, Schere, Leim, Korrekturklebe- band und Tipp-Ex waren unsere Arbeits- instrumente. Besonders hart war der Entscheid, welche Rolle prisma in den politischen Turbulenzen der 68er an der HSG spielen sollte. Ich lernte als Chef- redaktor die wirklich heissen Themen zu identifizieren und beide Seiten – die wertkonservative und die revolutionäre – zu Stellungnahmen zu provozieren.

Wie würden Sie die damalige politische Orientierung von prisma umschreiben? Wir wehrten uns dagegen, feuille- tonistisch zu sein. Wir wollten in jener heissen Zeit ein politisches Blatt sein. Unsere Herausforderung war, nicht Po- sition für die eine oder andere Seite zu beziehen, sondern als Plattform beider Positionen unseren Beitrag zur Mei- nungsbildung zu leisten. Die Studie-

renden der Bewegung INFORM enga- gierten sich lautstark für marxistische Lehrinhalte. Senat und Studentenschaft kamen immer stärker unter Zugzwang. Als Plattform des Meinungsaustauschs zu zentralen Fragen war prisma eminent politisch.

Hat das Engagement bei prisma Ihre Berufswahl beeinflusst? Bestand der Ge- danke, Journalist zu werden? Nein, da mir sehr früh bewusst wur- de, dass es mit Journalismus schwierig ist, eine Familie durchzubringen und meine materiellen Träume zu erfüllen. Allerdings bin ich immer dem Schreiben treu geblieben.

Wenn ich mich nun ab Januar lang- sam aus dem Berufsleben zurückziehe, werde ich verstärkt meiner Leidenschaft, dem Schreiben, nachgehen.

Verstanden Sie sich in Ihrer Unter- nehmerlaufbahn als eine Art «HSG- Apparatschik», als «auf Gewinnmaxi- mierung getrimmten Roboter» (zit. TA 9. April 2009)? Das Gegenteil ist der Fall: Als enga- giertes Mitglied der Vereinigung Christ- licher Unternehmer VCU halte ich mich konsequent an ein von christlichen Werten geprägtes Führungsverständnis.

Roland Bosshart

Vielleicht hatten wir gerade deswegen so grossen Erfolg, weil Fairness, das Schaf- fen von Mehrwert und dauerhaftem Kundennutzen sowie unser Engage- ment für das Gemeinwohl keine leeren Floskeln waren, sondern unser Tun und Lassen bestimmten.

Floskeln waren, sondern unser Tun und Lassen bestimmten. Peter P. Knobel, HSG-Studium in Ab- satzwirtschaft und

Peter P. Knobel, HSG-Studium in Ab- satzwirtschaft und Handel; Doktoratsab- schluss (1976). Heute PR-Unternehmer.

Wie empfinden Sie rückblickend Ihre Zeit bei prisma? Mit meinem Einsatz bei prisma be- gann eine Konstante, welche mich durch die Jahre meiner beruflichen Laufbahn begleitete: das geschriebene Wort.

Wie würden Sie die damalige politische Orientierung von prisma umschreiben? Ich glaube nicht, dass eine eigent- liche politische Orientierung vorlag. Wir versuchten, studentische Anliegen zu vertreten, und ich hoffe heute noch, dass uns dies damals einigermassen gut gelang.

denten akzeptiert und verankert? Die ausgelegten Exemplare wurden «aufgepickt» und hoffentlich auch gele- sen. An eine Flut von Stellungnahmen und Lesermeinungen vermag ich mich allerdings nicht zu erinnern.

Hat das Engagement bei prisma Ihre Berufswahl beeinflusst? Bestand der Ge- danke, Journalist zu werden? Ja, und ich habe mir den Wunsch auch erfüllt! Zuerst arbeitete ich abends und sonntags als Aushilfe beim St. Galler Tagblatt. Nach HSG-Abschluss heuerte ich bei der NZZ an. Der Traum wurde Realität, diese war jedoch ernüchternd. Auch Fixum und Zeilengeld zusammen

reichten bald nicht mehr aus, um für

meine

neugegründete

Familie

zu

sor-

gen.

Wann haben Sie das letzte Mal eine pris- ma-Ausgabe gelesen? Wann haben Sie sich zuletzt Ausgaben aus der Zeit Ihres Engagements angeschaut? Seit 1969 arbeite und lebe ich in Ja- pan, und prisma habe ich nicht mehr ge- lesen. Ich bin auch nicht in den «Keller der Erinnerungen» hinabgestiegen.

Roland Bosshart, lic. oec. HSG (1964) und Doktorat (1967). Heute pensioniert, zuvor Schweizer Botschaftsrat in Tokio.

Wie fest war prisma damals bei den Stu-

33 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

Gaudeamus igitur

Das Studium ist die schönste Zeit im Leben. Ob es heute besser ist als früher, sei dahingestellt. Auf jeden Fall hat sich einiges geändert.

N icht geändert hat sich das Mensaes- sen. Nebst dem Mangel an Studen-

tinnen zieht sich dieses Thema wie ein roter Faden durch das Archiv von pris- ma. So oft beschweren sich die Autoren darüber, dass man glauben könnte, es gehöre eher zum guten Ton, das Essen dort nicht zu mögen, als dass es wirklich ungeniessbar sei. Gewiefte Restaurant- besitzer haben damals allerdings die Zeichen der Zeit erkannt und im prisma mit den Verkaufsar- gumenten «gut und günstig» geworben.

mit den Verkaufsar- gumenten «gut und günstig» geworben. Das Essen in Restaurants dürfte auch deshalbnoch

Das Essen in Restaurants dürfte auch deshalbnoch verbreiteter gewesen sein als heute, weil – zu- mindest in den Anfangsjahren von prisma – nur wenige in einer WG hausten. Gera- de wenn man sich da zu einem Tête-à-Tête verabreden wollte, war das aufmerksame Auge der Haus- mutter unerwünscht. Darüber, welche Wohnform mehr Vorteile hat, kann man sich streiten. Die Idee, aus dem Eltern- haus zu einer Hausmutter und von dort direkt in die Ehe zu wandern, hat ihren Reiz. Das mühselige Erlernen von Fer-

34 prisma – Jubiläumsausgabe 2009

tigkeiten wie Putzen und Kochen bleibt einem dabei immerhin erspart. Dafür muss man sich den sozialen Kontakt mit Gleichgesinnten woanders suchen.

den sozialen Kontakt mit Gleichgesinnten woanders suchen. Dies könnte die Popularität von Studentenver- bindungen

Dies könnte die

Popularität von

Studentenver-

bindungen zum Teil erklären. Bis zu siebzig Prozent der Studierenden waren uniformiert. Mit einer derartigen Dominanz wur- den sie natürlich auch nicht so belächelt wie heute. Vor der Einführung der studentischen Demokratie stellten sie zum Beispiel die Studentenvertreter für den Dialog mit der Universität.

Niemand käme heute noch auf die Idee, mit einem Fackelzug durch die Stadt die Einweihung eines neuen Ge- bäudes zu begehen. Wie auch zweimal jährlich bei der Graduationsfeier zu be- obachten ist, können die Studierenden heute nicht einmal mehr die Hymne aller Studenten, Gaudeamus igitur, or- dentlich singen. Damals mokierte man sich noch im prisma über die Wilden- schaft, der es am Schwanz des Fackel- zugs nicht gelang, einen ordentlichen Cantus steigen zu lassen.

Sicherlich lobenswerter waren da- mals die Freizeitbeschäftigungen ab-

seits von Ve r b i n d u n g und Univer- sität. Wäh- rend heute so mancher Stu- dent ganze Tage zwischen Fernsehen u n d Facebook verbringt, schien man damals an Kultur und Literatur mehr Interesse zu haben. Der Uniball wurde erst in den Achtzigern totgesagt (verfrüht, wie sich herausgestellt hat). In vielen Ausgaben von prisma wur- den Bücher vorgestellt und es ist davon auszugehen, dass diese auch gelesen wurden. Auch schienen die Studieren- den über eine etwas längere Aufmerk- samkeitsspanne zu verfügen. Immerhin fanden über mehrere Ausgaben hinweg engagierte Diskussionen über Politik oder – noch ein Dauerthema – die Be- ziehungen zwischen Ausländern und Schweizern statt.

die Be- ziehungen zwischen Ausländern und Schweizern statt. Gemeinsam ist den Studierenden al- ler Generationen, dass

Gemeinsam ist den Studierenden al- ler Generationen, dass sie noch das Ge- fühl haben, die Welt wartet auf sie und sie könnten alles besser machen, wenn man sie lässt. Vielleicht ist es tatsächlich weniger die Wohnform oder eine Ver- einsmitgliedschaft als diese Einstellung, welche die Studienzeit so besonders macht.

einsmitgliedschaft als diese Einstellung, welche die Studienzeit so besonders macht. Marisa Steiner & Jeffrey Vögeli

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Stephan Kuhn geb. 1957 I lic. oec. HSG I 1988 dipl. Steuerexperte I 1996 Leiter Transaction Advisory Services bei Andersen I 2000 Leitung der Steuerabteilung Schweiz bei Andersen und ab 2002 bei Ernst & Young I 2005 Leiter Central European Area (21 kontinentaleuropäische Länder) I 2008 Leiter Europe, Middle East, India & Africa (87 Länder in 3 Kontinenten) I Lehrbe- auftragter für Steuerrecht an der HSG I VR der Educaris AG, Gesellschaft zur Aus- und Weiterbildung der Wirtschaftsprüfer und Steuerexperten I ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohns I

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