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Nachtgedanken

Die Nacht vom 06. zum 07.11. 2007. Es ist geschafft, das erste Volumen von
Ovidius Buch ”Sub Zodia Cartii si a Studiului (cu Pamfil Seicaru in exil) ist
im Internet. Ich habe es an viele Adressen verschickt. Ein wunderbares
Gefühl nach all den Schwierigkeiten und Problemen und nicht zuletzt
Kosten von 10.000 Euro für nichts. Ich bin so emotional ergriffen, daß ich
nicht einschlafen kann und so gehen mir viele Gedanken durch den Kopf.
Leider gibt es keinen Knopf, um die Gedanken auszuschalten.
Ich habe beim Schreiben des Buches gemerkt, daß der Beruf des
Schriftstellers in Rumänien wohl zu den gefährlichsten Berufen gezählt
werden kann, denn so wie Ovidiu, ist auch schon vielen anderen
Schriftstellern ergangen, Fälschen und Betrügen war an der Tagesordnung,
ich dachte immer beim Schreiben, Ovidiu hat seine eigene Geschichte
geschrieben. Als was kann man dieses Buch bezeichnen. Mal denkt man, ein
historisch wertvolles Geschichtsbuch, das ist es auf jeden Fall. Dann glaubt
man, es ist ein Kriminalroman, der auf Tatsachen beruht. Dann wiederum ein
Exkurs durch die feingeistigen Welten wie Kunst, Architektur und Musik.
Ein einmaliges Werk. Warum wollte man es mit aller Gewalt und wirklich
allen Mitteln verhindern. Ist es so schwer, die Wahrheit zu ertragen?
Offensichtlich ja.
Ich muß über die Rumänen nachdenken und versuche zu ergründen, was das
für Menschen sind, jedenfalls die, die ich näher kennen gelernt habe und die,
mit denen ich nur im entferntesten Sinne zu tun hatte. Mit Ovidiu hatten die
alle nichts zu tun und keiner von ihnen hätte ihm das Wasser reichen können.
Zur Zeit sind große Diskussionen und Probleme mit den Rumänen in Italien.
Die Rumänen machen es sich leicht, wenn irgend etwas ist, waren es die
Roma (Zigeuner). Bei vielen Gesprächen mit Rumänen bekommt man
immer wieder zu hören, die Zigeuner stehlen und machen alles kaputt. Ich
habe dann widersprochen und ihnen gesagt, daß ich in den letzten 5 Jahren,
seit Ovidius Tod, um mehr als 20.000 Euro betrogen wurde und da war kein
einziger „Zigeuner“ dabei, das waren alles Rumänen und nicht mal von der
untersten Schicht. Ich habe nur schlechte Erfahrungen gemacht. Ich bin
belogen und betrogen worden. Die Rumänen, die ich kennen gelernt habe,
schienen alle kein Scham- und kein Ehrgefühl zu haben, Charakter sowieso
nicht. Man wird von ihnen betrogen und zum Schluß sind sie noch beleidigt,
wenn man sich dagegen wehrt und böse ist. Man kann sie beschenken, gut
bezahlen aber es wird sie nicht abhalten, dich zu belügen und zu betrügen
und zu hintergehen. Ich habe Prof. Capitan mehrere Kartons Bücher von
Ovidiu als Autor zur Aufbewahrung gegeben, bis meine Wohnung fertig ist.
Ich habe diese bis heute nicht zurück bekommen. Er hat gemeint, er habe sie
verteilt. Die Adressen konnte er mir nicht geben. Ein unbezahlbarer
Schaden, denn es waren Bücher, wo wir selber nur noch ein einziges
Exemplar haben. Ich vermute, dass er den Auftrag hatte, die Bücher
verschwinden zu lassen. Eines ist mir klar geworden, man will Ovidiu in
Rumänien nicht haben, schon gar nicht als Schriftsteller. Es hat Monate
gedauert, bis wir ihn in Arad beisetzen konnten, auch das war ein Kampf.
Die Trauerfeier fand ohne seine Urne statt, die war "verschollen" und erst 2
Wochen nach der Trauerfeier konnte auch diese beigesetzt werden, man
hatte wohl gehofft, dass wir alles absagen würden. Ovidiu war gestorben am
28. oder 29.9.02, die Trauerfeier war am 28.3.03, die Urnenbeisetzung war
am 16. April 03.
Wenn mir jemand im Leben einen Gefallen tut oder mir etwas gutes tut, dem
bin ich ihm für den Rest meines Lebens dankbar und der kann immer auf
meine Hilfe hoffen. Jetzt kann ich verstehen, daß Ovidiu sich angewidert
abgewandt hat von „seinem Land“, das er so geliebt hat. Wo sind die
„anständigen Rumänen?“ alle im Exil? Ist das der Grund, warum das Land
so auf dem Boden ist? Wenn Rumänien nicht anfängt, den „Sumpf“ trocken
zu legen, werden bald alle um sie rumstehen und zuschauen, wie sie
versinken und es wird keiner traurig sein.
Ich wünsche mir für meine Kinder und Enkelkinder, daß sie sich einmal
nicht schämen müssen für ihren rumänischen Namen. Es ist jetzt schon
schwer genug, mit einem rumänischen Namen zu leben, denn die Rumänen
haben einen sehr schlechten Ruf in der Welt, und ich muss sagen, nach
allem, was ich erlebt habe, nicht zu unrecht.
Alle, die mich am meisten enttäuscht haben waren sogenannte „Freunde“
von Ovidiu. Ich glaube, dass das Wort Freund in Rumänien ein Pseudonym
ist für Feind. Die Liste wird angeführt vom Mitropoliten Nicolae aus
Timisoara, ein „guter Freund“ von Ovidiu, ich war mehrmals bei ihm. Dann
der Episkopap Timotei von Arad, auch bei ihm war ich mehrmals. Auch ein
guter Freund von Ovidiu und der ganzen Familie Vuia. Ovidius Vorfahren
waren auch alle Priester und hohe Würdenträger in der orthodoxen Kirche.
Ovidius Vater und er waren die einzigen in der Familie, die nicht Priester
waren.
Im Oktober erfahre ich aus dem Radio, daß der Mitropolit und der
Erzbischof überführt sind, mit der „Securitate“ zusammengearbeitet zu
haben. Ich denke, was machen die jetzt, die können sich doch nur noch
erschießen. Aber was passiert. Wenige Tage danach nimmt der Erzbischof
sogar an der Gedenkfeier für die Opfer des Kommunismus teil. Ich kann
nicht glauben, was ich im Fernsehen sehe. Das ist eine Verhöhnung der
Opfer. Es passiert ihnen nichts und sie sagen, sie hatten keine andere
Wahl??? Wahrscheinlich war ich die einzige, die es nicht wusste, die anderen
wussten es sowieso schon immer, deshalb waren sie nicht überrascht. Wäre
es nicht anständig gewesen nach der Revolution vor die Menschen zu treten
und ihnen zu gestehen, daß sie aus den und den Gründen gezwungen waren
mit der „Regierung“ zusammen zu arbeiten. Musste es aber gleich die
„Securität“ sein? Es wäre in Ordnung gewesen, wenn sie alle erdenkliche
Hilfe den Hinterbliebenen der Opfer hätten zugute kommen lassen.
Stattdessen haben alle ihre Securitate-Akten verbrannt – es sind noch
mehrere „Hohe“ dabei im ganzen Land, u.a. auch aus Ramnicu Valcea, wo
der Verlag ALMAROM ist – und gehofft, dass es nicht herauskommt. Zu
meiner Freude hat der Episkopap nicht die Grabplatte und meine Wohnung
geweiht. Ich denke an das beschämende „Denkmal“ für die Opfer der
Revolution beim Bürgermeisteramt in Arad, das man vor 2 Jahren ein wenig
aufgebessert hat. Es waren alles junge Leute, die ihr Leben der "Revolution"
geofert haben. Aber die Millionen von Euro nehmen heute alle gerne, wem
sie die Euro zu verdanken haben, das haben sie vergessen. Ach – fast hätte
ich es vergessen - Rumänen kennen ja keine Dankbarkeit.
Ich denke an die Ungarn. Die waren auch kommunistisch, haben auch
„Zigeuner“. Hört man irgendetwas negatives von Ungarn und den Zigeunern
von Ungarn? Ich nicht. Es muss doch an der rumänischen Mentalität liegen,
immer die Schuld bei den anderen zu suchen - nur nicht bei sich selbst.
Wenn ich an Herrn Octavian Blaga denke, ich habe ihm 4.800 Euro
bezahlt, um Ovidius Bücher zu drucken. Ich habe bekommen: 1
Probeexemplar vom Volumen I von seinem Werk mit 3 Volumen und ein
Probeexemplar von dem Buch über den Tod und die Krankheit von Mihai
Eminescu. Beide waren fehlerhaft und ich habe die Zusammenarbeit mir ihm
gekündigt. Als ich mein Geld zurück verlange schreibt er mir: "Er hat für
mich für 5.000 Euro gearbeitet, die 200 Euro schenkt er mir, er erwartet
keinen Dank und keine Entschuldigung !!?? Von den Herren vom Verlag
ALMAROM will ich gar nicht anfangen, das ist Stoff für ein Buch.
Ich habe Herrn Casin Popescu einmal eine größere Geldsumme geschenkt
zusammen mit einer Urkunde: Für die rumänische Kultur! Er hat mit dem
Geld ein Buch publiziert und ich war der Sponsor. Heute frage ich mich, für
welche Kultur? Ich werde Ovidius Werke weiter online publizieren.
Vielleicht kommt einmal ein Rumänien, das seine Werke würdigen kann. Es
ist schon traurig, dass man viel Geld investiert und dann die Arbeit selbst
machen muss.

Um einen Würdigen zu würdigen, bedarf es eines


Würdigen!
(Rita Vuia)

Auf diesen Würdigen werden meine Enkelkinder wohl noch lange


warten müssen.

Zum heutigen Zeitpunkt, in dem heutigen Rumänien, wäre eine


Auszeichnung eine Beleidigung.

Mit seinen Büchern hat sich Ovidiu selbst ein Denkmal


gesetzt

Das alles bringt mich um meinen eigentlich wohl verdienten


Schlaf.
Arad, den 07.11.07

Rita Vuia