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Spotlight

Three Lights live on stage

by Sternenkristall

Prolog

Wir können nicht kontrollieren, zu wem wir uns hingezogen fühlen!

Es war nur ein einfacher Satz. Ein starker Widerhall, der Usagis Gedanken beinahe durchbohrte und sie unweigerlich in ein Deja vú versetzte. Dieser eine Satz, gesungen von dieser einen unvergleichbaren Stimme, die ihr auch nach Jahren immer noch im Gedächtnis geblieben war. Jene Stimme, die ihr einst die aufrichtige, ehrliche Liebe gestanden hatte und im gleichen Moment einräumte, dass diese tiefen Gefühle wohl einseitig waren und niemals erwidert werden würden. Jene Stimme, die sich vor mehr als drei Jahren von ihr verabschiedet hatte, um sie zu verlassen und womöglich nie mehr wiederzukehren. Es war seine Stimme. Es war Seiya.

Er sang von einer Frau, der nicht einmal Marilyn Monroe, das unangefochtene Sexsymbol aus den 50er Jahren, das Wasser reichen könnte. Warum ließ sie das Gefühl nicht los, dass er sie damit meinte? Die beiden hatten sich doch schon seit einer so schier unendlichen Zeit nicht mehr gesehen und trotzdem brannten sich seine Worte in ihr Herz. Dabei war das Lied alles andere als eine romantische Liebesschnulze. Ganz im Gegenteil, es klang eher nach einem Song, dessen Melodie besser zu amerikanischen Tanzstreifen passen würde, in denen längst aufgegebene Protagonisten durch das Hip Hop tanzen ihre Träume verwirklichten und dadurch dem schlechten Leben aus den Ghettos der Bronx entfliehen konnten. Manche Textpassagen ließen nicht vermuten, dass sie eine tiefgründige Bedeutung hatten und doch entnahm die junge Frau heimliche Botschaften aus dieser Musik.

Wahrscheinlich bildete sie sich nur ein, dass er sie damit meinen könnte. Warum sollte er ihr auch eine verschlüsselte Botschaft über seine Musik senden? Sie hatten sich aus den Augen verloren und sie hatte sich damit abgefunden, dass er sie nach all den Jahren vergessen hatte. Dabei gab er ihr einst ein Versprechen, dass er es nicht tun würde und sie immer einen unersetzbaren Platz in seinen Herzen hätte.

Ich schließe meine Augen und lasse meine Visionen erscheinen. Sie ist alles, was ich will!

Hatte er ihr diesen Satz nicht auch schon vor drei Jahren gesagt? Vielleicht waren die Worte nicht haargenau dieselben, aber er hatte lange Zeit kein Geheimnis mehr daraus gemacht, dass nur sie diejenige war, die er wollte. Dass er von ihr träumte. Dass sie jede Nacht wie eine Vision in seinem Unterbewusstsein erschien. Nur jetzt, drei Jahre später, konnte sie sich beim besten Willen nicht mehr vorstellen, dass er immer noch das gleiche für sie empfand. Aus den Augen, aus dem Sinn. Drei Jahre waren für ein Menschenleben eine halbe Ewigkeit. Nie im Leben hätte er an ihr festgehalten. Oder etwa doch?

Ich war so hart. So hart, dass sich jeder die Zähne an mir ausgebissen hat. Doch dann kamst du. Wie ein Glücksstern vom Mond! Ich werde dich wiederfinden und dann will ich dich nie wieder verlieren! Ich werde meine Arme um dich legen und dir versprechen, dir nie wehzutun.

An dem Tag, an dem sich die Wege der beiden trennten, wusste sie, dass er nur wegen ihr ging. Sie konnte

es in seinen glimmenden saphirblauen Augen sehen, dass er ihre Nähe nicht mehr ertrug und auch seine beiden Brüder, Yaten und Taiki, sendeten ihr verschlüsselte Signale, dass Seiya an dieser einseitigen Liebe zu ihr zu zerbrechen drohte. Vor allem, weil es aussichtslos war, dass die beiden doch noch zueinander finden würden. Denn da war ER an ihrer Seite. Mamoru, Usagis Verlobter. Seiya wusste, dass Usagi ihr Schicksal schon längst besiegelt und ihr Herz hoffnungslos an den Medizinstudenten verloren hatte. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als zu resignieren und weiterzuziehen.

„Wann werden wir uns wiedersehen?“, hatte sie ihn damals gefragt und ihn mit einem durchdringenden Blick angesehen, der ihm genau verriet dass er nur ihr bester Freund sei. Mit gesenktem Kopf stand Seiya vor ihr, die Hände locker in den Hosentaschen vergraben. Sein ganzer Körper war durch den bevorstehenden Sonnenuntergang in ein warmes, orange-leuchtendes Licht gehüllt und an seinen Schultern hing lässig ein Gitarren Gigbag. Vor ihm stand ein gigantischer Bus, auf dem das Logo seiner Band „Three Lights“ prangte. Die Three Lights gingen auf Welttournee und starteten ihre kleine Reise mit einigen Konzerten quer durch Japan, ehe sie in die große weite Welt hinausziehen wollten.

„Ich weiß es nicht. Die Tour wird ein ganzes Jahr dauern, aber es kann sein, dass wir länger wegbleiben werden oder gar nicht wiederkommen. Vielleicht finden wir auf dieser weiten Welt ja ein Plätzchen, das uns besonders gut gefällt, um uns dort niederzulassen.“ Das waren seine letzten Worte, an die sich Usagi erinnerte, als hätte dieses Abschiedsgespräch erst gestern stattgefunden. Und genauso kam es letztendlich auch. Die Three Lights kehrten nie wieder zurück, bis an diesen einen Tag, als ihr neues Lied „Marilyn Monroe“ im Radio ertönte und Bunny verrieten, dass sie wieder in der Stadt waren.

Warum muss ich lügen? Mir etwas vormachen? Die anderen im Glauben lassen, alles wäre okay und meine Gefühle zu ihr verstecken, wenn ich sie doch liebe? Ich muss sie einfach wiedersehen!

Und genau das musste Bunny auch! Sie musste Seiya wiederfinden. Tokio war zwar eine Großstadt mit unzähligen Einwohnern, aber sie spürte, dass er in ihrer Nähe war. Selbst wenn sie immer noch mit Mamoru zusammen war, aber sie vermisste ihren besten Freund!