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15.02.2008 - Psychologie
Wie man am besten Vokabeln lernt
Vokabeln werden im Langzeitgedächtnis durch wiederholtes Abfragen besser
gespeichert als durch Auswendiglernen. Das stellten die US-Forscher Jeffrey
Karpicke und Henry Roediger bei einer Studie mit vierzig Studenten fest, die je
vierzig Suaheli-englische Wortpaare lernen mussten. Die Fähigkeit zur
Wiedergabe der Wörter war in einem späteren Test bei denjenigen Probanden
am größten, die die Wörter einmal gelernt hatten und dann wiederholt
abgefragt wurden. Mehrmaliges Lernen der Vokabelliste ohne Tests zeigte
hingegen deutlich schlechtere Ergebnisse.
Karpicke und Roediger wollten in ihrer Untersuchung vor allem feststellen, ob das
Gedächtnis Daten eher durch mehrmalige Einprägung oder durch wiederholten Abruf
behält. Dazu teilten sie die Testpersonen nach dem ersten Lernen der vierzig
Suaheliwörter in vier Gruppen auf: Die Mitglieder der ersten Gruppe lernten über den
gesamten Zeitraum der Untersuchung die Wortliste und wurden auch regelmäßig
abgefragt. Im zweiten Fall wurde ein einmal korrekt wiedergegebenes Wort von der zu
lernenden Liste gestrichen, in den Tests aber immer noch abgefragt.
In der dritten Gruppe war das Gegenteil der Fall: Hier wurden alle richtig aufgesagten
Vokabeln aus den Tests, nicht aber von der Liste gestrichen. Die vierte Gruppe sollte
schließlich die normalen Schulbedingungen widerspiegeln, in denen einmal korrekt
vorgetragene Wörter nicht weiter gelernt oder getestet werden. Nach dieser ersten Phase
warteten die Forscher eine Woche und fragten dann in einem letzten Test die gesamte
Liste nochmals ab.
Das Ergebnis erstaunte die Psychologen: Gruppen drei und vier, die über den
Versuchzeitraum konstant gelernt hatten, erinnerten sich an durchschnittlich 33 bis 36
Prozent, wobei die Teilnehmer der "Schulbedingungsgruppe" am schlechtesten
abschnitten. Die Probanden, die wiederholt Tests abgelegt hatten, konnten dagegen meist
80 Prozent der Wörter oder mehr korrekt wiedergeben. Dabei schnitten diejenigen, die
nur abgefragt wurden, ohne die Wörter nochmals zu lernen, ebenso gut ab wie die
weiterhin Lernenden.
Karpicke und Roediger schließen daraus, dass der Test von Gelerntem bei weitem nicht
nur ein Maß für erfolgreiches Lernen, sondern selbst die beste Lernmethode ist. Um
einmal Gelerntes erfolgreich im Langzeitgedächtnis zu verankern, folgern die Psychologen,
ist der mehrfache Abruf viel wichtiger als das Einprägen der Daten. Auf diese Weise könne
das langfristige Erinnerungsvermögen um 150 Prozent gesteigert werden.
Jeffrey Karpicke (Purdue-Universität, West Lafayette) und Henry Roediger (Washington-
Universität, St. Louis): Science, Band 319, S. 966
ddp/wissenschaft.de – Livia Rasche

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