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1. Anbahnung des Praktikums

Praktikumsbericht

In meinem Studiengang „Diplom – Rehabilitationspädagogik“ an der HU Berlin ist ein 6-monatiges Praktikum im Hauptstudium Pflicht, dieses muss jedoch nicht im Ausland stattfinden. Meine Arbeit innerhalb eines Minijobs in einem Wohnheim für Kinder mit Behinderungen, die ich neben meinem Studium ausführte, wurde mir als Teilpraktikum anerkannt, so dass ich nur noch 3 Monate am Stück ableisten musste. Ich hatte schon immer ein starkes Interesse an Irland, und setzte mir daher das Ziel, mein Praktikum in Irland zu absolvieren. Ende 2006 begann ich mit der Planung: Ich traf Absprachen mit meiner Universität bezüglich der Anerkennung meiner Arbeit und besuchte dann im Januar 2007 die Informationsmesse „HU International“ in Adlershof, wo ich mich über mögliche Stipendien und generelle Formen der finanziellen Unterstützung während meines Praktikums informierte. Im Internet suchte ich dann über Google und Seiten des Arbeitsamtes Organisationen für Erwachsene mit geistiger Behinderung, da dies der Bereich war, in dem ich arbeiten wollte. Dort fand ich aber keine passenden Einrichtungen. Schließlich stellte ich eine Anfrage ins StudiVZ (www.studivz.net, eine bekannte Internetkommunikationsplatform für Studenten und Ehemalige zum Interessenaustausch und Wiederfinden von Bekannten) in meine Interessengruppe „Irlandfans“ bezüglich Einrichtungen für Erwachsene mit geistiger Behinderung. Einige Tage später erhielt ich als Antwort einer anderen Nutzerin die Internetseite www.coaction.ie, die ich mir daraufhin ansah. Es handelt sich dabei um eine große Organisation, die Dienstleistungen für Kinder (familienentlastender Dienst, psychologische Beratung Angehöriger, Physio- sowie Sprachheiltherapie etc.) sowie Erwachsene mit geistiger Behinderung (Trainingscenter, Wohnheime, Ergotherapie etc.) anbietet. Ich sandte im April 2007 eine Anfrage an die auf der Hompage gelistete Emailadresse mit genereller Information zu meinem Studiengang, meinen bisherigen Arbeits- erfahrungen und den Bedingungen meines Praktikums und erhielt schon einige Tage später Antwort: Man hatte dort schon früher internationale Studenten angenommen und sehr gute Erfahrungen gemacht, und es wurde bereits ein konkreter Ort angeboten: Bantry, eine kleine Hafenstadt direkt am Meer im Südwesten Irlands. Dort befinden sich ein „Adult Training Centre“ und drei Wohnheime, in denen ich eingesetzt werden könnte. Die Organisation selbst könne aber keine Unterkunft stellen. Ich sandte meiner Kontaktperson (Leiterin der Personalabteilung) umgehend meinen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und meine bisherigen Arbeitszeugnisse zu und antwortete, dass ich gerne im „Adult Training Centre“ arbeiten wollen würde. Nach definitiver Zusage der Einrichtung besorgte ich alle nötigen Unterlagen für die Leonardo-Förderung und gab diese persönlich ab, suchte mir parallel einen Praktikumsbeauftragten an meiner Universität und meldete das Praktikum nach Zusage des Leonardobüros offiziell beim Praktikumsbüro meines Instituts an. Ebenso buchte ich Ende Juni den Hin – und Rückflug nach Cork. Ich hatte nach Kontaktaufnahme mit CoAction einen wöchentlichen Emailaustausch mit meiner Kontaktperson, die mir auch bei der Suche nach einer Unterkunft behilflich war.

2. Kontakt vor dem Praktikum

Durch den wöchentlichen Emailaustausch mit meiner Kontaktperson bei CoAction bekam ich schon Monate vor meinem Praktikum alle Fragen bezüglich des Trainingcenters, des Klientels und Bantry beantwortet. Ebenso arrangierte meine Kollegin ein Telefonat mit dem Direktor der Einrichtung, der mir ebenfalls alle Fragen zu Arbeitsverläufen, Altersstruktur der Klienten, früheren Praktikanten dort, Bantry generell etc. beantwortete. Wir sprachen des weiteren ab, dass ich erst im Center anfangen und in jeder der dortigen Arbeitsgruppen (Druckerei, Kunsthandwerk, Gärtnerei, Gebäudereinigung, Kantine, rehabilitatives Training) arbeiten solle, um mich danach je nach Interesse auf einen Arbeitsbereich zu konzentrieren. Es wurde daher im Voraus nicht detailliert festgelegt, wo und was ich genau arbeiten sollte, was ich aber als sehr angenehm empfand, weil ich so offen an die Arbeit herangehen konnte. Es ließ sich einfach wenig vorher festlegen, bevor ich nicht selbst vor Ort war und mir einen Eindruck machen konnte. Weitere Informationen bekam ich nicht zugesandt (ich hätte mir noch Flyer o.ä. zusenden lassen können, die Homepage von CoAction war aber sehr informativ und das Telefonat und die Emailkontakte ebenfalls), ich fühlte mich aber ausreichend informiert über den Ort und die Einrichtung selbst. Des weiteren war www.bantry.ie eine gute Homepage, um generelle Informationen über den Ort einzuholen (die Seite hatte ich selbst gefunden).

3. Empfang im Betrieb

Die Kollegschaft war vor meinem Arbeitsbeginn beim Mitarbeitertreffen darüber informiert worden, dass ab dem 13.08. eine Praktikantin im Center anfangen würde. Am ersten Arbeitstag holte mich eine Kollegin (mein Emailkontakt) von zu Hause ab und fuhr mich zum Unternehmen. Dort gingen wir zunächst in die Kantine, wo sie mich einigen Klienten vorstellte. Sie zeigte mir kurz den Hauptbereich des Centers und ihr eigenes Büro und sagte, dass ich bei Fragen oder Problemen immer zu ihr kommen könnte. Dann übergab sie mich der für mich verantwortlichen Kollegin. Diese wies mich an, am ersten Tag am besten in der Küche zu arbeiten, weil sich dort alle Klienten am Tag über verteilt aufhalten würden und ich so alle kennenlernen könnte. Sie übergab mich daraufhin dem Kollegen in der Küche, der mich dann im Laufe des ersten Tages den Klienten einzeln vorstellte. Ich wurde im Gesamten sehr herzlich und warm von den Kollegen sowie den Klienten aufgenommen. Eine Kollegin gab mir während meiner ersten Woche eine Führung durch das ganze Center und ich nahm an den Mitarbeitertreffen teil, die jeden Abend stattfanden und durch die ich mich schnell als Teil eines Teams fühlte. In den ersten Wochen arbeitete ich in verschiedenen Gruppen, um alle Kollegen und Klienten gut kennenzulernen. Jeden Morgen ging ich zu meiner Anleiterin und fragte sie, in welcher Gruppe ich heute arbeiten sollte und sagte ihr, wo ich schon überall gewesen war, wenn sie es nicht mehr genau wusste. So konnte ich durch mehrere Kontakte gute Beziehungen zu Klienten und Kollegen aufbauen und bekam aus den verschiedenen Arbeitsbereichen durch die dortigen Kollegen viele Fragen beantwortet. Dadurch konnte ich mir ein gutes Bild von allen Arbeitsprozessen machen. Da zu Beginn meines Praktikums viele Kollegen im Urlaub bzw. krank waren, wurde ich auch oft dort eingesetzt, wo Kollegen fehlten (ich arbeitete in der Anfangszeit aber nie völlig allein), was rückblickend dazu geführt hat, dass mir am Anfang wahrscheinlich schon mehr Verantwortung gegeben wurde, als es für den Praktikantenstatus vielleicht angemessen wäre. Andere Studenten hätten dies vielleicht als unangenehm empfunden, aber da ich gerne selbständig arbeite und mich dort im Center schnell zurechtfand, sah ich diese Situationen als Herausforderung und wollte mich so viel einbringen wie möglich. Einen konkreten Arbeitsplatz hatte ich nicht, da ich, wie beschrieben, in vielen Bereichen arbeitete und so meist den ganzen Tag innerhalb des Centers unterwegs war. Als ich mich später auf das rehabilitative Trainingsprogramm konzentrierte und dort auch als Projekt unterrichtete, konnte ich den Arbeitsplatz meiner dortigen Kollegin (Schreibtisch mit Computer bzw. Unterrichtsräume) mitnutzen.

4. Verantwortung im Betrieb

Wie beschrieben arbeitete ich in verschiedenen Gruppen: Gärtnerei und Gebäudereinigung, Druckerei, Kantine, Kunsthandwerk, Musik etc. Nach dem ersten Monat fühlte ich mich sehr gut eingearbeitet und wusste über die Abläufe in den verschiedenen Gruppen größtenteils gut bescheid. Danach wurde mir in Absprachen mit den jeweiligen Kollegen auch mehr Verantwortung in der Arbeit mit den Klienten gegeben, z.B. Arzt – oder Friseurbesuche allein mit einem/einer Klienten/Klientin (vorher tauschte ich mit den jeweiligen Kollegen die Handynummern aus für Notfälle), 1:1 – Betreuung bei Arbeiten auf dem Gelände des Centers (z.B. alleine im Gewächshaus mit 1-2 Klienten arbeiten), Unterstützung bei Toilettengängen oder Essenseinnahme einzelner Klienten, Geldabrechnungen etc. Ebenso wurden meine eigenen Vorschläge und Ideen für die Gruppenarbeiten immer offen aufgenommen und ich konnte sie gewinnbringend umsetzen. Nach etwa 1 ½ Monaten hatte ich ein ausführliches Gespräch mit dem Direktor der Einrichtung, dem ich sagte, dass ich mich gerne mehr auf das rehabilitative Training konzentrieren würde, da dieses meinen Studieninhalten und Ausbildungszielen am nächsten kommt. In Absprache mit der dortigen Kollegin gestaltete ich ein eigenes Unterrichtsprojekt, indem ich mir thematische Module des Programms aussuchte, die ich gerne unterrichten würde (Bereich: „Persönliche Beziehungen Worte kennen und benutzen, die Gefühle ausdrücken + anderer Leute Gefühle und Wünsche akzeptieren“ für die 4er Gruppe, genannt „Stream 1“, dann „Persönliche Finanzen Wert für Geld verstehen und erkennen“ für die 9er Gruppe, genannt „Stream 2“) Die Kollegin zeigte mir alle zur Verfügung stehen Materialien, ermutigte mich aber auch, eigene Ideen in den Unterricht mit einzubringen. Den höchsten Grad an Eigenverantwortung hatte ich dann beim eigenständigen Unterrichten der beiden Gruppen sowie der Ausarbeitung der Unterrichtspläne. Bei diesen Unterrichtsphasen konnte ich sehr viel Erlerntes umsetzen wie zB. Didaktik bei Erwachsenen- bildung, Psychologie des Lernens, Motivationspsychologie, Förderplangestaltung etc. Auch in den anderen Arbeitsbereichen des Centers wie auch in Gesprächen mit Kollegen fanden sich viele Themen meiner Studieninhalte wieder, wie zB. Ethik in der Geistigbehindertenpädagogik, Entwicklungs- psychologie, Fördermaßnahmen und Therapie bei Schwermehrfachbehinderung, die psychologische und soziologische Bedeutung von Arbeit etc. Im Gesamten konnte ich natürlich einen interessanten Blick auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beruflichen Rehabilitation und der mit ihr verbundenen Organisationen und staatlichen Organe in Irland und Deutschland werfen. Durch die Vor- und Nachbereitung meiner Unterrichtseinheiten, die teilweise auch zu Hause stattfand, war ich genügend ausgelastet. An vereinzelten Tagen arbeitete ich auch noch außerhalb meiner eigentlichen Arbeitszeit, da ich Bustransporte zu den Wohnorten der Klienten begleitete, die auch von CoAction organisiert werden.

Dies sah ich aber auch als gute Möglichkeit, weitere Land – und Ortschaften in der näheren Umgebung von Bantry kennenzulernen.

5. Rückmeldungen vom Betrieb

Meine Ansprechpartner wechselten im Laufe des Praktikums häufiger, da ich in verschiedenen Bereichen arbeitete und einige Kolleginnen während meines Praktikums in Mutterschaftsurlaub gingen. Zunächst war eine Kollegin, die für die Dienstplangestaltung zuständig war, meine Verantwortliche. Mit ihr sprach ich jeden Morgen ab, in welchen Gruppen ich den Tag über arbeiten sollte. Nachdem zwei Wochen vergangen waren, kam der Direktor des Centers aus einer längeren Phase der krankheitsbedingten Abwesenheit zurück, und war von da an gleichermaßen für mich ansprechbar, obwohl ich weiterhin hauptsächlich mit der vorher genannten Kollegin Absprachen traf. In den einzelnen Gruppen dann waren die jeweiligen Instructors für mich immer ansprechbar und mit Ihnen legte ich konkret meinen Einsatz und meine Arbeit fest. Sie wiesen mich für Arbeiten ein bzw. fragten mich, ob es o.k. für mich wäre, diese oder jene Aufgabe zu erledigen. Kurz vor der Mittagspause sowie am Ende des Tages wurde meist kurz besprochen, ob es ein guter strukturierter Arbeitstag war oder ob einige Dinge nicht so gut abgelaufen waren. Dies fand meist in Einzelgesprächen zwischen mir und dem jeweiligen Instructor statt. Nachdem ich meinen Fokus auf das rehabilitative Trainingsprogramm gelegt hatte, waren die dortigen zwei Kolleginnen für mich konkrete Ansprechpartner. Eine Kollegin davon ging dann später in Mutterschaftsurlaub, die verbliebene blieb aber weiterhin für meinen Einsatz zuständig. Ich hatte von allen wichtigen Kollegen die Handynummern erhalten für Notfälle oder besonders wichtige Absprachen. Vor dem konkreten Unterrichten zeigte ich meine Unterrichtspläne meinen Kolleginnen und ließ sie „absegnen“. Nach den einzelnen Einheiten sprach ich mit den Kolleginnen über Probleme, die meiner Ansicht nach aufgetreten waren oder Methoden, die ich eingesetzt hatte und die gut geklappt hatten. Meine Zwischenevaluierung war ein ausführliches persönliches Gespräch mit dem Direktor des Centers, den ich dabei auch allgemeine Fragen zum irischen Rehabilitationssystem stellen konnte.

6.

Unterkunft

Ich hatte sehr lange nach einer geeigneten Unterkunft gesucht. Links, die ich genutzt habe, waren hauptsächlich www.daft.ie und die offiziellen Internetseiten von irischen Agenturen wie Keyproperties (www.keyproperties.ie). Ebenso hatte ich beim StudiVZ die Anfrage nach hilfreiche Links zur Unterkunftssuche in Irland eingestellt, aber nur Infos über Hostels und B&Bs erhalten. Meine Kontaktperson bei CoAction machte einen Aushang beim örtlichen Supermarkt mit meinen Angaben über Unterkunft und Bedingungen. Ich wäre auch bereit gewesen, mit jemandem zusammen eine Wohnung zu mieten bzw. zur Untermiete zu wohnen. Anfang Juli erhielt ich dann von meiner Kollegin die Information, dass sie selbst eine Eigentumwohnung in Bantry besitzt, die zu Anfang August frei werden würde. Ich ließ mir die Wohnung beschreiben (die Zusendung von Fotos war leider nicht möglich) und sagte daraufhin zu. Die Wohnung stellte sich als perfekt heraus, da sie vollständig möbliert (Geschirrspüler, Waschmaschine, Herd, TV etc.) und direkt im Ort war. Sie war modern eingerichtet (Parkettboden, Doppelbett) und es befanden sich alle wichtigen Einrichtungen (Supermarkt, Touristeninformation, Bibliothek, Internetcafé etc.) im Umkreis von fünf Minuten Fußweg. Auch mein Weg zur Praktikumsstelle betrug nur 15 Minuten zu Fuß. Die Miete von 450 Euro pro Monat war für irische Verhältnisse angemessen, aber auch die oberste Grenze, die ich mir an Mietkosten leisten konnte. Im zweiten Raum der Wohnung befand sich idealerweise eine ausklappbare Futoncouch, so dass mein Freund, meine Schwester sowie meine Eltern mich besuchen und jeweils direkt bei mir übernachten konnten.

7. Soziales Umfeld und soziale Integration

Auf Arbeit herrschte eine von Spaß und Humor geprägte Atmosphäre, nicht nur zwischen den Kollegen, sondern auch im Umgang mit und zwischen den Klienten. Dies machte es mir sehr einfach mich einzuleben und Arbeitsprozesse positiv zu gestalten. Während der Mittagspausen waren gute und informative Gespräche mit einzelnen Kollegen möglich. Ich bin nie auf spürbare Ablehnung gestoßen, alle Kollegen waren sehr offen und auch interessiert daran, durch mich etwas mehr über Deutschland zu erfahren. Ich wurde von Anfang an ernstgenommen und als eine wertvolle Ressource im Center gesehen, wobei meine Meinung und Sicht auf Dinge in professioneller Hinsicht oft erfragt und wertgeschätzt wurde. Auch außerhalb der Arbeit hatte ich Kontakt zu verschiedenen Kollegen: Ich wurde zur Abschiedsfeier einer Kollegin eingeladen (Abendessen, Pub, Night Club) und ging mit einer Kollegin öfters ins Kino oder wir trafen uns zum Abendessen in meinem Apartment. Ebenso unternahmen wir kleinere Autotrips entlang der Küste einer Halbinsel. Des weiteren übernachtete ich bei einer Kollegin am Wochenende und wir gingen wandern. Ich hatte vor Beginn meines Praktikums bereits über die Internetplatform www.hospitalityclub.org Kontakt zu einem jungen Mann in Bantry aufgenommen, mit dem ich mich dann in der zweiten Woche meines Aufenthaltes dort traf und der mir Interessantes über die Geschichte und die Besonderheiten des Ortes erzählte.

Das soziale Umfeld am Praktikumsort habe ich als sehr angenehm empfunden. Die Menschen dort sind sehr aufgeschlossen und ich bin weder auf Arbeit noch sonst bei sozialen Kontakten außerhalb der Arbeit auf Ablehnung bezüglich meiner Herkunft aus Deutschland getroffen. Freizeitangebote in Bantry sind leider gering, da es sich um eine kleine Hafenstadt mit nur 3.200 Einwohnern handelt. Ich persönlich ging meistens Kino oder schaute DVDs, ging spazieren oder habe Busausflüge in nahgelegene Orte gemacht. Es gab aber noch Freizeitmöglichkeiten wie Sport- oder Sprachkurse in einer ortsansässigen Schule oder Freiwilligenarbeit beim YMCA. Ebenso waren die Bibliothek und das Internetcafé oft soziale Treffpunkte sowie gelegentliche Veranstaltungen in den diversen Hotels im Ort. Ich habe wunderbare Eindrücke meines Gastlandes gewonnen. In der irischen Kultur habe ich mich sofort zu Hause Gefühlt. Alles läuft etwas langsamer dort, da es eine sehr ländliche Gegend ist, die aber einen wunderbaren Charme hat. Die Geschichte Irlands war vor allem für mich als Deutsche interessant, da ich besonders die noch anhaltende Teilung Irlands und den Wunsch nach Wiedervereinigung, der sich in Gesprächen mit Kollegen und Klienten herauskristallisierte, nachempfinden konnte. Die Geschichte der irischen Sprache, die im Alltag aber immer mehr in den Hintergrund fällt, fand ich ebenfalls unheimlich interessant und habe selbst einige Redewendungen gelernt. Von der Kultur der Travelers (gehören zu den Roma) konnte ich ebenfalls durch Gespräche und Beobachtungen (am Rande des Ortes war eine kleine Wohnsiedlung mit Wohnwagen) einen Eindruck gewinnen. Es besteht jedoch ein zunehmender Kontrast zwischen Irlands wunderschöner Landschaft und dem Umweltproblem der Iren: Es gab in ganz Bantry sehr wenige öffentliche Mülleimer und der Hafen selbst war sehr verschmutzt (Abfälle, sogar ganze Einkaufswagen lagen in der Bucht im Wasser, die immer sichtbar wurden, sobald das Wasser durch die Ebbe zurückging). Ebenso erzählte mir ein Kollege, dass das Abwasser vor dem Leiten ins Meer nicht gereinigt wird. Erst langsam scheint sich ein zunehmendes Umweltbewusstsein bei den Iren einzustellen, was sich an vereinzelten Bürgerinitiativen oder Bewertungen durch das irische Tourismusbüro („Tidy Towns Awards“, die jährlich vergeben werden an die saubersten Städte) zeigt. Die Arbeitsbedingungen in meiner Praktikumsstelle waren gut. Technisch und von der Quantität des Equipments her gesehen war das Center nicht so gut ausgestattet wie vergleichbare deutsche Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, was hauptsächlich an der unterschiedlichen Finanzierung liegt (das Center finanziert sich zum großen Teil über Spenden). Dies wird sich aber bald ändern, da es Pläne gibt, ein neues größeres Center auf dem selben Gelände zu bauen. Daher wurden bereits viele Räume ausgeräumt und provisorische Areas mit beweglichen Stellwänden errichtet, damit das Wechseln der Gebäude später einfacher von Hand geht. Bis zum Ende meines Praktikums hatte der Neubau des geplanten neuen Centers aber noch nicht begonnen.

8. Weiterempfehlung der Praktikumstelle

Meine Erwartungen bezüglich meines Praktikums sind noch übertroffen worden. Ich hatte immer ein großes Interesse an Irland, und es hat sich als ein vielseitiges und unheimlich interessantes Land herausgestellt. Ich hatte gehofft, von meinen neuen Kollegen aufgeschlossen ins Team aufgenommen zu werden und meine eigenen Ideen und Vorschläge in die Arbeit einbringen zu können, was mir zu jeder Zeit möglich war. Ebenso konnte ich sehr selbständig arbeiten und eigene Teilprojekte umsetzen. Ich wurde von meinen Kollegen als volles Teammitglied angesehen und in allen Arbeitsbelangen ernstgenommen. Es war eine sehr von Spaß geprägte und humorvolle Atmosphäre im Center, auf die ich mich sehr schnell einstellen konnte und die mir das Einleben erleichterte. Mein Englisch ist durch meinen Auslandsaufenthalt wesentlich fließender und automatischer geworden. Schon nach einiger Zeit dachte und träumte ich in Englisch und fühlte mich sehr wohl im Umgang mit der Sprache. Das Praktikum selbst wird mir bei der Ausübung meines zukünftigen Berufes sehr von Nutzen sein, da ich Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Arbeit mit Erwachsenen mit geistiger Behinderung erlernen konnte, über die ich vorher noch nicht verfügte. Ich habe erkannt, dass mir der Erwachsenenbereich besser liegt als die Arbeit mit Kindern, so dass ich meinen Fokus bei meiner späteren Arbeitsplatzsuche auf den Erwachsenenbereich legen werde. Ich konnte ebenso einen internationalen Blick auf das irische bzw. deutsche Rehabilitationssystem werfen und so Vor- und Nachteile besser erkennen. Die Praktikumsdauer war für mich ausreichend. Wäre es mir finanziell möglich gewesen, noch länger zu bleiben, hätte ich dies aber gerne getan. Als optimale Dauer würde ich daher 4 – 6 Monate vorschlagen. In diesem Zeitraum kann man sich wirklich gut einleben und echte Freundschaftsbeziehungen knüpfen sowie einen fundierten Einblick in die irische Kultur erhalten. CoAction West Cork Lt. ist absolut bereit, auch in Zukunft Studenten aufzunehmen, da die Organisation aufgrund der engen Finanzierung immer zusätzliches Personal brauchen kann. Auch vor mir waren schon internationale Studenten für Praktika dort. Die verschiedenen Arbeitsgruppen des Centers bieten ein großes Interessenangebot und auch die zwei anderen Trainingcenter von CoAction sowie ihre Einrichtungen für Kinder mit Behinderungen bieten zahlreiche interessante Einsatzmöglichkeiten. Nicht nur für Studenten des Behindertenbereich könnte dies interessant sein, sondern auch für Studenten der Psychologie, Sozialpädagogik, Soziologie oder Erziehungswissenschaften. Ich würde meine Praktikumsstelle daher mit 5 = sehr empfehlenswert bewerten.