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Woher aber und auf welchem Weg sind die Slaven in unsere Gegend gekommen Wo habe

n sie ursprnglich gesiedelt, wo war ihre Urheimat Sie wird nordstlich des Karpaten
bogens vermutet, also etwa dort, wo sich die altsterreichische Provinz Galizien b
efand. Der deutsche Forscher, der in dieser Frage sozusagen das letzte Wort gesp
rochen hat, befindet sich ebenfalls unter uns.
Manchen Slaven gelang sehr frh die Grndung eines eigenen Staates und eine eigene V
olkswerdung, wovon im Vortrag des tschechischen Teilnehmers unserer Tagung die R
ede sein wird. Einer der wichtigsten frhen slavischen politischen Gebilde war das
so genannte Gromhrische Reich, das Wirkungsgebiet der Sla- venapostel Kyrill und
Method. Kyrill und Method haben im 9. Jahrhundert ein religises Schrifttum gescha
ffen, das in der Sprache abgefasst ist, die, leicht verndert, noch heute in den s
lavischen orthodoxen Kirchen in der Liturgie verwendet wird; man nennt sie Kirch
enslavisch; auch diese Sprache beschftigt uns hier auf unserer Tagung.
Manche Slaven hat es in den Norden des heutigen Russlands verschlagen (der brigen
s, wie auch unser Gebiet, ursprnglich nicht slavisch war). Was diese Slaven im No
rden Russlands gesprochen haben, war aber nicht Russisch im eigentlichen Sinne,
sondern ein mittlerweile ausgestorbener slavischer Dialekt, ber dessen Aussehen u
nd Grammatik wir dank archologischer Funde gut informiert sind. In Novgorod und a
uch in Pskov hat man in dieser Sprache abgefasste und auf Birkenrinden hingekrit
zelte Texte gefunden, die zeigen, dass in diesen Stdten ein ganz eigentmliches Sla
visch gesprochen wurde. Fr unsere Tagung und fr unsere Stadt stellt es eine besond
ere Ehre dar, dass auch der russische Gelehrte, dem wir unser Wissen ber diesen u
ntergegangenen slavischen Dialekt verdanken, nach Scheibbs gekommen ist.