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12/2006

LEARN GERMAN

ESTUDIAR ALEMÁN

APPRENDRE L’ALLEMAND

IMPARARE IL TEDESCO

NAUKA NIEMIECKIEGO

DEUTSCH

perfekt

U CIT SE N EMECKY ˇ

ˇ

˘

ALMANCA Ö GRENMEK

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12/2006 DEZEMBER

4

12 196828 505509
12
196828 505509

erinnern sie sich?

Das Wichtigste aus dem Jahr 2006

energie

Der Kampf um billigeren Strom

geschenke

Tipps und Traditionen

Kampf um billigeren Strom geschenke Tipps und Traditionen IN DIESEM HEFT KIRCHE woran glauben die deutschen?

IN DIESEM HEFT

KIRCHE woran glauben die deutschen?
KIRCHE
woran glauben die deutschen?

750 Wort-Erklärungen Übungen Übersetzungen Texte zum Hören am Telefon und online

EXTRA Sammelkarten mit wichtigen Tipps

ONLINE

Aktuell und

interaktiv: viele Tests, Grammatik, Wortschatz

restaurants Kulinarisch: die neuesten Trends
restaurants
Kulinarisch: die
neuesten Trends
winterreise Romantisch: die alten Hansestädte
winterreise
Romantisch: die
alten Hansestädte

Deutschland: € 5,50

Österreich: € 5,50 Schweiz: sfr 9,50

B E F FIN GR I L NL: € 5,50

10 MENSCHEN DES JAHRES > JÜRGEN KLINSMANN Es geht auch ohne Fußball Deutschlands Sommermärchen war
10
MENSCHEN DES JAHRES
> JÜRGEN KLINSMANN
Es geht auch ohne Fußball
Deutschlands Sommermärchen war vor allem ihm zu verdanken: Jürgen Klinsmann brachte der deutschen
Nationalmannschaft wieder Spaß am Fußball bei. Der schöne und mit dem dritten Platz auch erfolgreiche Auftritt bei
der Weltmeisterschaft machte ganz Deutschland für einen Monat zur fröhlichen Party-Zone. Auch die früheren Gegner
von Klinsmann hofften, dass er Bundestrainer bleiben würde. Aber der 42-Jährige will seine Zeit lieber mit seiner
Familie in Kalifornien (USA) verbringen.
> NATASCHA KAMPUSCH
Frei nach acht Jahren
Dass sie noch lebt, hatten nur noch wenige geglaubt. Mit zehn Jahren war die Österreicherin Natascha
Kampusch von dem Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil entführt worden. Im August konnte sie fliehen
– nach acht Jahren. Seit die 18-Jährige frei ist, wollen Menschen aus der ganzen Welt etwas über ihre
unglaubliche Geschichte wissen. Manche Dinge hat Kampusch erzählt. Aber vieles will sie für sich behalten
– und lieber ihr neues Leben leben, mit eigener Wohnung und dem Traum vom Studium.
> DER LOTTO-MILLIONÄR Alles wie immer, bitte! ? Er will nicht, dass die Medien ein
> DER LOTTO-MILLIONÄR
Alles wie immer, bitte!
?
Er will nicht, dass die Medien ein Bild von ihm zeigen: 37,6 Millionen Euro hat er im Oktober im Lotto
gewonnen – der größte Lottogewinn in der deutschen Geschichte. Man weiß nur: Er ist ein Mann, er
ist 41 Jahre alt, arbeitet als Krankenpfleger, wohnt in Nordrhein-Westfalen und hat drei Kinder. Und er
will, dass sich in seinem Leben nicht viel ändert. Das sagte er dem Berater der Lotto-Gesellschaft,
der ihn über die Risiken des Reichtums informieren wollte.
> JULIA FISCHER Professorin mit 23 Manche Studenten von Julia Fischer sind viel älter als
> JULIA FISCHER
Professorin mit 23
Manche Studenten von Julia Fischer sind viel älter als sie. Mit nur 23 Jahren wurde die Münchnerin Professorin
an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Damit ist sie Deutschlands jüngste
Professorin. Fischers Talent: das Geigenspiel. Auf der ganzen Welt gibt es nur wenige, die dafür ähnlich begabt
sind. Ihre Studenten bekommen Fischer deshalb selten zu sehen: Die meiste Zeit im Jahr ist sie auf Tournee.

> MICHAEL SCHUMACHER

Ende einer Legende

Aus, vorbei – und Tränen bei Millionen Fans: Kein Mensch hatte beim Autofahren so viel Erfolg wie er. Mit sieben Weltmeister- Titeln der Formel 1 ist Michael Schumacher schon jetzt eine Legende. Im Oktober hat er seine Karriere beendet – ohne einen weiteren Titel. Bei seinem Team Ferrari war man deshalb besonders traurig. Schumacher selbst zeigte aber in der Niederlage gegen den Spanier Fernando Alonso Größe. Der 37-jährige Rheinländer konnte damit so manche seiner Skandale aus der Vergangenheit vergessen machen.

DEUTSCH
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perfekt

12/06

> ROGER FEDERER Bald bester Tennisspieler aller Zeiten? Die Erfolgsliste von Roger Federer wächst und
> ROGER FEDERER
Bald bester Tennisspieler aller Zeiten?
Die Erfolgsliste von Roger Federer wächst und wächst. Nach seinen
Turniersiegen in diesem Jahr ist der Schweizer in einer Klasse mit legen-
dären Tennisspielern wie Boris Becker oder Björn Borg. Federer ist erst
25 Jahre alt – und auf dem Weg zum besten Tennisspieler aller Zeiten.
Auf einen Sieg muss er aber weiter warten: Der Spanier Rafael Nadal
verhinderte wieder, dass Federer den Grand Slam in Paris gewann.
> SEYRAN ATES¸ Der Kampf geht weiter Seyran Ates¸ setzt sich wie keine andere Frau
> SEYRAN ATES¸
Der Kampf geht weiter
Seyran Ates¸ setzt sich wie keine andere Frau in Deutschland für ein westli-
cheres Frauenbild im Islam ein. Die in der Türkei geborene Rechtsanwältin
kämpft gegen Zwangsehen. Das brachte ihr viel Lob von deutschen Politi-
kern, aber auch viele Feinde. Im Juni wurde sie in Berlin auf der Straße
verprügelt. Schockiert beendete die 43-Jährige ihre Arbeit als Anwältin.
Aber ab Januar will sie doch wieder für mehr Recht kämpfen.
> PATRICK SÜSKIND Das Phantom der Bücherwelt Patrick Süskinds Buch Das Parfum ist in 42
> PATRICK SÜSKIND
Das Phantom der Bücherwelt
Patrick Süskinds Buch Das Parfum ist in 42 Sprachen übersetzt und
mehr als zwölf Millionen Mal verkauft worden. Der Schriftsteller zeigt
sich aber schon seit 20 Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit. Der
57-Jährige lehnte auch die Verfilmung seines Buchs lange ab. Nach-
dem Das Parfum im Oktober mit großem Erfolg doch in die Kinos
kam, wollten Reporter wieder mit ihm sprechen – vergeblich.
> ISABELL WERTH Die Gold-Reiterin Diese Frau ist Gold wert: Mit vier Olympiasiegen und sechs
> ISABELL WERTH
Die Gold-Reiterin
Diese Frau ist Gold wert: Mit vier Olympiasiegen und sechs Welt-
meistertiteln ist Isabell Werth eine der besten Reiterinnen der Welt
und die erfolgreichste deutsche Dressurreiterin. Obwohl ihr bestes
Pferd kurz vor den Weltreiterspielen in Aachen im August ausfiel,
räumte die 37-Jährige auch dort ab. Mit dem Pferd Satchmo holte
sie im eigenen Land zwei Gold-Medaillen und eine Bronze-Medaille.
> DIETRICH MATESCHITZ Der Milliarden-Mann „Red Bull verleiht Flügel“ heißt der Werbe-Slogan des Getränks,
> DIETRICH MATESCHITZ
Der Milliarden-Mann
„Red Bull verleiht Flügel“ heißt der Werbe-Slogan des Getränks,
das Dietrich Mateschitz zum reichsten Österreicher gemacht hat.
Auf fast 5,5 Milliarden Euro wird sein Vermögen geschätzt. Damit
will der 62-Jährige nun seine Sport-Teams stark machen. Zwei
Formel-1-Teams gehören ihm schon, außerdem die Fußball-
mannschaft von Salzburg. Seine Formel-1-Autos fahren aber
meistens hinterher. Auch seine Fußballspieler haben in Europa
noch keine Chance. Wirkt das Getränk des Chefs bei ihnen nicht?
FOTOS: DPA (6); WWW.JULIAFISCHER.COM; DIOGENES VERLAG/P. KEEL; FIRO SPORTFOTO

12/06

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perfekt

JÜRGEN KLINSMANN

JÜRGEN KLINSMANN

JÜRGEN KLINSMANN

zu verd„nken sein

möglich sein durch

beibringen

unterrichten; hier: zeigen, geben

erf¶lgreich

mit Erfolg

 

der Auftritt, -e

von:

auftreten = sich vor Publikum zeigen;

hier: spielen

 

die W¡ltmeister-

Treffen von vielen Nationalmannschaften, die um den ersten Platz auf der Welt spielen

schaft, -en

der Gegner, -

hier: Rivale

 
NATASCHA KAMPUSCH

NATASCHA KAMPUSCH

NATASCHA KAMPUSCH

der Nachrichten-

Techniker im Bereich Telekommunikation

techniker, -

entführen

einen Menschen gegen seinen Wunsch mitnehmen

fliehen

(schnell) weglaufen

unglaublich/¢nglaublich skandalös

 

für sich beh„lten

niemandem von einer Sache erzählen

der Traum, ¿e

von: träumen

 
DER LOTTO-MILLIONÄR

DER LOTTO-MILLIONÄR

DER LOTTO-MILLIONÄR

die Ges¡llschaft, -en

hier: Firma

 

der Reichtum, ¿er

von: reich

 
JULIA FISCHER

JULIA FISCHER

JULIA FISCHER

die Hochschule, -n

Universität

 

die darstellende Kunst Schauspiel, Tanz, Singen

das Geigenspiel (die Geige, -n

von: Geige spielen Violine)

begabt sein für

Talent haben für

MICHAEL SCHUMACHER

MICHAEL SCHUMACHER

MICHAEL SCHUMACHER

die Träne, -n

kleine Menge Wasser, die aus den Augen kommt, wenn man weint

der W¡ltmeister, -

der/die Beste der Welt

die Niederlage, -n

das Verlieren

 

die Größe

hier: guter Charakter

der Rheinländer, -

Person, die in Nordrhein-Westfalen oder in Rheinland-Pfalz wohnt

ROGER FEDERER

ROGER FEDERER

ROGER FEDERER

der Turniersieg, -e

das Gewinnen eines Turniers

verh“ndern

so handeln, dass etwas nicht passiert

SEYRAN ATES ¸

SEYRAN ATES¸

SEYRAN ATES ¸

sich einsetzen für

sehr viel für eine Person oder Sache tun

die R¡chts-

Frau, die jemanden bei einem Streit berät und für seine Interessen kämpft

anwältin, -nen

die Zw„ngsehe, -n

Ehe nicht aus freier Entscheidung

der Feind, -e

Freund

 

verprügeln

sehr stark schlagen

das R¡cht, -e

Regeln eines Staates; hier: Möglichkeit freier Entscheidung

PATRICK SÜSKIND

PATRICK SÜSKIND

PATRICK SÜSKIND

die Verf“lmung, -en

von: verfilmen = einen Film aus einem Buch oder Theaterstück machen

ISABELL WERTH

ISABELL WERTH

ISABELL WERTH

die Reiterin, -nen

von: reiten = auf einem Tier (z. B. Pferd) sitzen und sich von ihm tragen lassen

Gold(es) wert sein

von großem Vorteil sein; hier auch: Geld verdient haben

der Olympiasieg, -e

.

das Gewinnen bei einer Olympiade

der W¡ltmeistertitel, - Titel für den Besten / die Beste der Welt

ausfallen

hier: nicht teilnehmen können

„bräumen

hier:

„bräumen hier: viele Medaillen bekommen

viele Medaillen bekommen

DIETRICH MATESCHITZ

DIETRICH MATESCHITZ

DIETRICH MATESCHITZ

verleihen

für bestimmte Zeit geben

der Flügel, -

einer der beiden Körperteile, mit denen Vögel fliegen

das Vermögen, -

Besitz einer Person oder Institution insge- samt (z. B. Geld, Häuser, Autos)

schætzen auf

hier: vermuten

hinterherfahren

hier: als Letzter ins Ziel kommen

17

2222

FOTO: MAURITIUS IMAGES/R. WALDKIRCH

WORAN GLAUBEN DIE DEUTSCHEN?
WORAN GLAUBEN
DIE DEUTSCHEN?

Zu Weihnachten sind in Deutschland die

Kirchen so voll wie sonst nie. Aber die

Nacht, in der die Christen die Geburt

von Gottes Sohn feiern, ist nicht typisch

für das Land und seine Menschen. Was

bedeuten Glaube, Kirche und Religion

in einer Gesellschaft, die sich radikal

verändert?

A m Heiligabend hat Andreas Schmid eine Aussicht wie sonst nie. Hoch über den Bänken der Neuen

Sankt Nicolai-Kirche in Frankfurt am Main spielt er die Orgel. Wenn er hinuntersieht, blickt er auf leuchten- de Kerzen und viele Köpfe. Die 400 Sitzplätze der Kir-

che sind am 24. Dezember nie genug. Viele Menschen müssen stehen. Es ist der Abend, an dem alles anders ist.

An normalen Sonntagen sieht Schmid von seiner Orgel aus oft nur 40 Menschen im Gottesdienst der Gemeinde, die eine der größten in Frankfurt ist. „Manchmal sind es auch nur 20“, sagt der 45-Jährige. >

Heiligabend in der Sankt Michaelis-Kirche in Hamburg

sich verændern

anders werden

der Heiligabend, -e

Abend des 24. Dezembers % S. 48

die {rgel, -n

großes Musikinstrument in der Kirche % S. 48

leuchten

Licht senden, scheinen

der G¶ttesdienst, -e

religiöse Feier, vor allem in der katholischen oder evangelischen Kirche % S. 48

die Gemeinde, -n

hier: Gruppe von Christen, die alle in dieselbe Kirche gehen % S. 48

2323

24

24 65 Prozent der Deutschen glauben an einen Gott. Der große Unterschied zwischen Festtag und Alltag

65 Prozent

der Deutschen glauben an einen Gott.

Der große Unterschied zwischen Festtag und Alltag ist auch in anderen Kirchen normal. Jeder Zweite in Deutschland besucht zu Weihnachten einen Gottesdienst, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS- Emnid für die Zeitschrift Bildwoche. Im restlichen Jahr bleiben auch die Gläubigen meistens weg. 95 Prozent der Pro- testanten gehen seltener als einmal im Monat in die Kirche, heißt es bei der Evange- lischen Kirche in Deutschland. Für die Katholiken ist der Gottesdienst wichtiger:

Rund 14 Prozent gehen regelmäßig in die Kirche, hat die katholische Kirche festge- stellt. „Am Heiligabend kommen viele, die sonst nie in die Kirche gehen“, weiß auch Schmid. Diese Menschen kennen nur wenige Kirchenlieder: „Fast alle kennen natür- lich ‚Oh du fröhliche‘. Das darf nicht fehlen.“ Trotzdem ist es für den Organisten schwer, die Besucher zum Singen zu bringen. Die „Stille Nacht“ ist manchmal wirk- lich still: „Vielleicht jeder Zehnte singt mit.“ Zwischen den Kirchen und ihren Mitgliedern wächst die Distanz. Für die meisten Menschen in Deutschland bedeuten die Kirchen immer weniger. Im Land des Refor- mators Martin Luther hält sich nur noch jeder Zweite für „eher religiös“, so das Mann- heimer Zentrum für Umfragen, Methoden und Analyse. Bei der Frage nach ihrer Reli- gion antworten die meisten Menschen nicht mehr mit „evangelisch“ wie noch 1990. Inzwischen haben 33 Prozent keine Konfession, so die Forschungsgruppe Weltan- schauungen in Deutschland – katholisch oder evangelisch sind jeweils 31 Prozent. Bei der Religion geht der Trend weg vom Schicksal und hin zur bewussten Wahl, schreibt der Religionssoziologe Peter Berger: „Was früher als gegeben erlebt wurde, wird nun zu einer Vielfalt von möglichen Entschlüssen und Handlungen.“ Zum Bei-

von möglichen Entsc hlüssen und Handlungen.“ Zum Bei- WENIGER GELD, WENIGER HILFE? In Deutschland zahlen

WENIGER GELD, WENIGER HILFE?

In Deutschland zahlen Protestanten, Katholiken und Juden Kirchensteuer. Die Steuer – das sind acht bis neun Prozent der Lohn- und Einkom- menssteuer – geht an das staatliche Finanzamt. Davon behält der Staat rund drei Prozent für seine Verwaltungskosten. Den Rest gibt er an die Kir- chen weiter. Kinder, Jugendliche, alte Menschen mit wenig Rente und Arbeitslose zahlen keine Kir- chensteuer. Trotzdem können sie Mitglied einer Kirche sein. 2005 wurden 7,593 Milliarden Euro Kirchen- steuer gezahlt: 3,977 Milliarden Euro von den Katholiken und 3,616 Milliarden Euro von den Pro-

testanten. Das ist eine Milliarde weniger als 1995. „Die Einnahmen aus Kirchensteuern werden auch in Zukunft dramatisch zurückgehen“, sagt Martina Höhns von der Deutschen Bischofskonfe- renz. Das hat verschiedene Gründe. Rund 300 000 Menschen treten jedes Jahr aus den Kirchen aus. Ihre Kirchensteuer fehlt genauso wie das Geld von vielen Gläubigen, die nichts verdienen, weil sie arbeitslos sind. Für die Kirchen ist das schlimm: Das meiste Geld in ihrem Haushalt kommt aus der Steuer. Außerdem bekommen sie Geld aus Spenden, Erb- schaften, Vermietungen, staatlichen Zuschüssen

Praktische Hilfe Auch für alte Menschen engagiert sich die Kirche

Praktische Hilfe Auch für alte Menschen engagiert sich die Kirche

und Gebühren für soziale Dienste wie zum Beispiel Kindertagesstätten. Am meisten Geld gibt die Kirche für Arbeit in den Gemeinden aus. Auch die sozialen Dienste brauchen viel Geld: Mehr als 20 Prozent der Kir- chensteuer werden für Einrichtungen wie Kran-

der Jude, -n

Person, deren Religion das Alte Testament der Bibel als Basis hat

% S. 48

die Einkommens- steuer, - (das Einkommen, -

Steuer, die jeder zahlt, der ein Einkommen hat Geld, das jemand z. B. für seine Arbeit, aus dem Gewinn seines Betriebes oder als Hausbesitzer als Miete bekommt)

die Einnahme, -n

Geld, das man bekommt

zur•ckgehen

sinken

die B“schofskonferenz, Organisation der katholischen

-en (der B“schof, ¿e

Bischöfe % S. 48 Person mit hoher Position in der Kirche) % S. 48

austreten aus

hier: erklären, dass man nicht mehr Mitglied sein will % S. 48

der Gläubige, -n

von: glauben = hier: an die Ideale einer Religion glauben % S. 48

der Haushalt

hier: finanzielle Situation der Kirchen

die Sp¡nde, -n

Geld oder Gegenstände, die man anderen schenkt, um zu helfen

die ]rbschaft, -en Gebäude, Geld oder Gegenstände, die man nach dem Tod einer Person bekommt

der Zuschuss, ¿e

finanzielle Unterstützung

die K“ndertages-

Kindergarten

stätte, -n

die Gemeinde, -n

hier: Gruppe von Christen, die alle in dieselbe Kirche gehen

der Wohlfahrts-

Organisation, die Menschen in sozialer Not hilft

verband, ¿e

der S¢chtkranke, -n

Person, die abhängig von einer bestimmten Substanz (z. B. Alkohol, Nikotin oder Kokain) ist

der Fl•chtling, -e

Person auf der Flucht

die Wærmestube, -n

Raum, in dem Menschen ohne Wohnung im Winter den Tag ver- bringen können

das Diakonische W¡rk

Organisation der evangelischen Kirche, die Menschen in sozialer Not hilft

ehrenamtlich

ohne Bezahlung

DEUTSCH
DEUTSCH

perfekt

12/06

FOTOS: PICTURE ALLIANCE/GODONG (2); CARITAS KINDERGARTEN ST. ELISABETH

spiel das Gebet: Früher gehörte es zum Alltag der meisten Deutschen. Heute beten 23 Pro- zent der Menschen regelmäßig, zum Beispiel vor dem Essen oder vor dem Einschlafen, so die Zeitschrift Chrismon. Insgesamt glauben 65 Prozent der Deutschen an einen Gott, 33 Prozent nicht, fand das Meinungsforschungsinstitut Emnid im letzten Jahr für Reader’s Digest heraus. 77 Prozent der Ostdeutschen sagen: Es gibt keinen Gott. Für Kirche haben sie maximal „ein freundli- ches Interesse“, sagt die Kölner Religionssoziologin Friederike Benthaus-Apel. In West- deutschland glauben nur 22 Prozent nicht an die Existenz eines Gottes. Der Ost-West-Unterschied hat historische Gründe: In der Deutschen Demokratischen

Republik (DDR) richtete sich die sozialistische Politik gegen die Kirchen. Mit Erfolg – anders als in anderen damals sozialistischen Ländern wie Polen oder Russland, in denen Religion immer wichtig geblieben war. Während sich die meisten westdeutschen Jugendlichen kon- firmieren oder firmen ließen, feierten die meisten Jugendlichen in der DDR die religiös neu- trale Jugendweihe. Diese Tradition gibt es 16 Jahre nach dem Ende der DDR noch immer:

2005 feierten rund 60 000 Jugendliche die Jugendweihe als Übergang von der Kindheit in

die Jugend ohne eine Kirche. Die meisten von ihnen waren Ostdeutsche. Für die Jugend in Ost und West ist es heute typisch, dass sie im Prinzip für die Institution Kirche ist, sie aber auch sehr kritisch sieht. „65 Prozent finden, die Kirche habe keine Ant-

worten auf Fragen, die Jugendliche heute wirklich bewegen“, stellt die Shell-Jugendstudie

2006 fest (siehe auch Seite 28).

Auch die meisten Erwachsenen vertrauen den Kirchen nicht mehr sehr. Als „Perspektive Deutschland“, die größte deutsche Online-Umfrage, nach der Glaubwürdigkeit verschiede- ner Institutionen fragte, landeten die Kirchen weit hinter dem ADAC, Greenpeace oder der Polizei. In Westdeutschland hat die evangelische Kirche zwischen 1970 und 1990 >

hat die evangelische Kirche zwischen 1970 und 1990 > 23 Prozent der Deutschen beten regelmäßig. kenhäuser,

23 Prozent

der Deutschen beten regelmäßig.

kenhäuser, Altenheime und Kindergärten ausge- geben. Sowohl die katholische als auch die evangeli- sche Kirche haben Wohlfahrtsverbände: Bei der Caritas (katholisch) und der Diakonie (evange- lisch) arbeiten rund eine Million Menschen. Helfen ist ihr Beruf. Sie beraten Suchtkranke, psychisch Kranke, Schwangere, Menschen mit hohen Schul- den, arme und arbeitslose Menschen. Mit der Kir- chensteuer werden zum Beispiel Kindertagesstät- ten und Hilfen für Ausländer und Flüchtlinge finanziert. Suppenküchen und Wärmestuben aber werden nur durch Spenden finanziert. Auch das Diakonische Werk Berlin-Branden- burg bekommt weniger Geld von Staat und Kirche; die Löhne der Mitarbeiter steigen nicht mehr. Aber die Organisation wächst trotzdem, sagt ihr Spre- cher Erich Kotnik: „Vor vier Jahren hatten wir 48 000 Mitarbeiter. Jetzt haben wir 52 500.“ Der Grund: „Wir haben jetzt viel mehr ehrenamtliche Mitarbeiter.“ Diese freiwilligen Helfer arbeiten in 1250 sozialen Einrichtungen – 150 mehr als vor vier Jahren.

12/06

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perfekt

das Meinungsfor-

Institut, das untersucht, was die Leute denken

schungsinstitut, -e

der Gläubige, -n

von: glauben = hier: an die Ideale einer Religion glauben

der Organ“st, -en

Musiker, der Orgel spielt % S. 48

sich halten für

von sich selbst meinen, dass …

eher

mehr

die F¶rschungs-

Institution, die Wissen zu einem bestimmten Thema sammelt

gruppe, -n

die W¡ltan-

(ideologische) Meinung über das Leben % S. 48

schauung, -en

jeweils

hier: für jede Konfession

das Sch“cksal, -e

Ereignisse im Leben eines Menschen, an denen er nichts ändern kann

bew¢sst

hier: gut überlegt, gewollt

die Wahl

von: wählen

als gegeben erleben

die Erfahrung machen, dass man nichts ändern kann

die Vielfalt

großes Angebot verschiedener Dinge

der Entschl¢ss, ¿e

hier: Entscheidung

das Gebet, -e

von: beten Gott danken oder um etwas bitten % S. 48

herausfinden

hier: durch Umfragen entdecken

sich r“chten gegen

dagegen sein und deshalb negative Aktionen machen

konfirmieren

Jugendliche zu erwachsenen Mitgliedern der evangelischen Kirche machen

f“rmen

von: Firmung = Feier in der katholischen Kirche, die den Glauben von Jugendlichen stärker machen soll

die Jugendweihe

Feier, durch die Jugendliche erwachsene Mitglieder der sozialistischen Gesellschaft in der DDR wurden

der Übergang, ¿e

hier: Wechsel

habe

Form von: haben

bewegen

hier: interessieren, wichtig sein für

die Glaubwürdigkeit

von: glaubwürdig = so, dass man jeman- dem/etwas glauben kann

der ADAC

kurz für: Allgemeiner Deutscher Auto- mobil-Club

CHRISTEN IN DREI LÄNDERN (in Prozent der Bevölkerung)

Deutschland

Schweiz

31

%

Katholiken

31

%

Protestanten

42

%

Katholiken

35

%

Protestanten

Österreich

68 %

Katholiken

4 %

Protestanten

Protestanten

QUELLEN: FOWID, BUNDESAMT FÜR STATISTIK, ÖSTERREICHISCHE BISCHOFSKONFERENZ, EVANGELISCHE KIRCHE IN ÖSTERREICH

25

26

26 3,3 Millionen Muslime leben in Deutschland. drei Millionen Mitglieder verloren, in den ersten zehn Jahren

3,3 Millionen Muslime leben in Deutschland.

drei Millionen Mitglieder verloren, in den ersten zehn Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung gingen noch einmal fast drei Mil- lionen. Nicht ganz so viele verließen die katholische Kirche: ein wenig mehr als zwei Millionen seit 1970. In den letzten Jahren sinkt die Zahl der Austritte ein bisschen. Bei- spiel katholische Kirche: Im Jahr 2000 trennten sich rund 130 000 Menschen von ihr, 2004 verabschiedeten sich 100 000. Bei den Pro- testanten gibt es eine ähnliche Tendenz. Der evangelische Berliner Pfarrer Markus Bräuer meint: „Nach den Attentaten in New York, London und Madrid und Diskussionen über Religion und Gewalt interessieren sich mehr Menschen für die Religionen, die ihren eigenen Kulturkreis geprägt haben.“ Viele fühlen sich auch nicht mehr sicher, weil sich der Staat nicht mehr so sozial zeigt wie früher. Diese Menschen „suchen nach Halt und Orientierung“, sagt der Pfarrer. Auch die Kirche hat sich verändert, meint Bräuer: „In den 1980er-Jahren war die Kirche eher eine Bundesagentur für Werte. Heute ist sie spiritueller geworden.“ Der katholischen Kirche in Deutschland hilft natürlich der deut- sche Papst Benedikt XVI. (Deutsch perfekt 9/2006): Zweimal hat er bis jetzt seine Heimat besucht, und beide Besuche wurden von den Medien und von Millionen Menschen stark beachtet. Auch „die Wallfahrt erlebt eine Renaissance“, hat Martina Höhns festgestellt. Sie ist Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz und weiß: „Sehr viele Pilger sind zum Beispiel auf dem Jakobsweg unter- wegs.“ Dass der berühmte Pilgerweg großes Interesse findet, zeigte im Sommer auch der Komiker Hape Kerkeling mit seinem Buch Ich bin dann mal weg. Kerkelings Bericht über seine Jakobsweg-Reise war monatelang die Nummer eins auf den Bestseller-Listen. Während die beiden großen christlichen Kirchen auf ein neues Interesse hoffen, werden in Deutschland andere Religionen wichti- ger – zum Beispiel der Buddhismus. „Mit 14 habe ich mich mit Überzeugung konfirmieren lassen“, erinnert sich die Psychotherapeutin Claudia Marschner aus Bremen.

Anfang der 1980er-Jahre merkte sie: Der evangelische Glaube war ihr nicht genug. Über einen Jesuiten-Pater lernte sie die Zen-Medita- tion kennen. Durch den Buddhismus habe sie Wichtiges gelernt, sagt Marschner. Die Lehre aus Asien findet in Deutschland immer mehr Anhän- ger: Rund 250 000 Buddhisten gibt es heute zwischen Alpen und Nordsee, schätzt der Religionswissenschaftliche Medien- und Infor- mationsdienst. Vor drei Jahren waren es noch 155 000. Vier öffent- liche Schulen in Berlin bieten inzwischen buddhistischen Religions- unterricht an. Das Interesse an neuen spirituellen Erfahrungen wuchs schon in den 1970er-Jahren, sagen Wissenschaftler. Besonders Mitglieder der Frauen- und der Friedensbewegung suchten nach neuen Glau- benslehren, so die Religionssoziologin Friederike Benthaus-Apel. Trotzdem haben die meisten Alternativen zur evangelischen und zur katholischen Kirche nur wenige Anhänger in Deutschland – oft weniger als 10 000. Ganz anders ist das mit den Religionen der Immigranten. Fast jeder Fünfte in Deutschland ist Ausländer oder hat einen ausländischen Hintergrund. Vorteile davon haben vor allem zwei Religionen: der Islam und die Orthodoxie. Die Orthodoxie, mit rund 1,2 Millionen Gläubigen die drittgröß- te christliche Konfession in Deutschland, ist besonders durch Immi- granten aus Griechenland, Serbien und Russland gewachsen. Und den Islam haben vor allem Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutsch- land gebracht: Rund 3,3 Millionen Menschen in Deutschland sind Muslime. Jeder Dritte davon hat inzwischen einen deutschen Pass, so der Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst. Einer von ihnen ist Salih Yürek (34). Er war zwölf, als seine Fami- lie mit ihm das Heimatdorf in der Türkei verließ und nach Bayern ging. Heute ist Yürek Flugzeugmechaniker, lebt in der Nähe von München und ist mit einer Deutschen verheiratet. Die Söhne des Paa- res sind zwei und sechs Jahre alt und haben türkische Vornamen. Inzwischen spricht Yürek sehr gut Deutsch mit bayerischem

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perfekt

12/06

Akzent. Wenn Freunde in Bayern den Muslim mit „Grüß Gott“ begrüßen, hat er damit kein Problem. Aber was bedeutet Weihnachten für seine Familie? „Für meine Frau und für mich nicht viel“, sagt Yürek. „Susanne und ich fei- ern das Fest nicht, und wir schenken uns nichts.“ Schwierig wird es bei den Kindern: „Im Kindergarten gibt es eine Nikolausfeier, und alle Kinder in der Gruppe basteln für Weihnachten.“ Am Heiligabend gehen die Yüreks zu Susan- nes Eltern. „Sie sind sehr nett, und für sie ist dieser Abend einfach wichtig. Sie haben auch Geschenke für ihre Enkel. Das akzeptieren wir.“ Auch dieses Jahr wird es wieder so sein wie immer – bei Familie Yürek und bei Andreas Schmid, der sich an seiner Orgel wieder über die vielen Menschen ärgern wird, die nicht mitsingen können. Für einen anderen Musiker fällt Weih- nachten ganz aus. „Weihnachten betrifft mich nicht“, sagt der Münchener Jazz- musiker Dittmar Heß. „Es könnte für mich auch ein buddhistisches oder isla- misches Fest sein, weil ich kein Christ im traditionellen Sinn bin.“ Der 43-Jährige fühlt sich nicht allein: „Vielen von meinen Bekannten geht es ähnlich. Sie erleben Weihnachten als Stress und haben eigentlich keine wirk- liche Beziehung dazu. Viele machen trotzdem eine Art Weihnachtsfeier, weil es die Konvention so will.“ Das findet Heß nicht konsequent. Er trinkt lieber ein Bier in einer Kneipe oder, wie im letzten Jahr, trifft sich zum Kochen mit Freunden: „Einfach ein gutes Essen mit gutem Wein und ohne Weihnachts- baum. Es war sehr lustig.“ <

EVELYN RUNGE / JÖRG WALSER MITARBEIT: LAELIA KADERAS

die Wiedervereinigung

von: wiedervereinigen = wieder ein Land werden

verl„ssen

hier: erklären, dass man nicht mehr Mitglied sein will

der Austritt, -e

von: austreten aus = hier: erklären, dass man nicht mehr Mitglied sein will

sich ver„bschieden

„auf Wiedersehen“ sagen; hier: austreten

der Pf„rrer, -

Person, die in einer christlichen Kirche religiöse Aufgaben hat % S. 48

das [ttentat, -e

krimineller Versuch, jemanden (oft aus politischen Gründen) totzumachen

die Gew„lt

hier: Brutalität

der Kulturkreis, -e

alle Nationen mit ähnlicher Kultur

prägen

formen

der H„lt

hier: innere, moralische Unterstützung

die B¢ndesagentur für Werte (der Wert, -e

ironisches Wortspiel: Bundesagentur für Arbeit Arbeitsamt

hier: Ideal, Moral)

der Papst, ¿e

Person mit der höchsten Position in der katholischen Kirche

be„chten

hier: mit Interesse sehen

die W„llfahrt, -en

Wanderung oder Fahrt zu einem Ort, an dem ein religiöses Ereignis stattge- funden hat (z. B. Lourdes in Frankreich) % S. 48

erleben

hier: in einer bestimmten Phase sein

die Spr¡cherin, -nen

hier: Frau, die offizielle Informationen an die Öffentlichkeit gibt

die B“schofskonferenz, -en (der B“schof, ¿e

Organisation der katholischen Bischöfe Person mit hoher Position in der Kirche)

der P“lger, -

Person, die eine Reise zu einem religiösen Ort macht % S. 48

der Komiker, -

Künstler, der die Menschen zum Lachen bringt

Ich bin dann mal weg.

Ich bin dann mal weg. Ich gehe jetzt (kurz) weg.

Ich gehe jetzt (kurz) weg.

die Überzeugung, -en

sichere Meinung

die Lehre, -n

hier: alle Prinzipien, auf denen eine Religion oder Philosophie basiert

der [nhänger, -

hier: Person, die eine Idee oder ein Programm unterstützt % S. 48

schætzen

hier: vermuten

religionswissenschaftlich (die W“ssenschaft, -en

so, dass Religion mit Methoden aus der Wissenschaft untersucht wird bestimmter Bereich (z. B. Chemie), in dem viel Wissen gesammelt wird)

der Informationsdienst, -e

Service-Firma, die Informationen an die Öffentlichkeit gibt

die Friedensbewegung, -en

hier: (organisierte) pazifistische Gruppe

der H“ntergrund

hier: Familie

der G„starbeiter, -

Person, die in ein fremdes Land geht, um dort für eine bestimmte Zeit zu arbeiten

der M¢slim, -e

Person, die zur Religion des Islam gehört % S. 48

Grüß Gott südd., österr.

Guten Tag

die N“kolausfeier, -n

Feier am 6. Dezember: Dann bringt eine Figur, die ähnlich aussieht wie der Weihnachtsmann, den Kindern kleine Geschenke.

ausfallen

hier: nicht stattfinden

betr¡ffen

hier: interessieren

der S“nn

hier: Bedeutung

12/06

DEUTSCH
DEUTSCH

perfekt

NEUES LEBEN IN ALTEN KIRCHEN

Weniger Mitglieder, weniger Geld, leere Kirchen: In vielen Orten mussten schon Kirchen schließen, weil sie einfach zu teuer wurden. Immer öfter werden sie dann verkauft. Aber wer kauft eine Kirche – und warum? Viele Kirchen werden zu Wohnungen: Aus der Friedens- kirche in Mönchengladbach wurden sogar 16 Mietwohnun- gen. Andere Kirchen sind heute Schulen, Seniorenheime, Kul- turzentren, Kindergärten und kreative Büros. Aber es gibt auch ungewöhnliche Konzepte: In der früheren Kirche von Otterbach (Rheinland-Pfalz) ist heute ein Motorrad-Museum, in Bielefeld wurde aus einer Kirche eine Kneipe. Die katholische Kirche wird in Deutschland in den nächs- ten zehn Jahren rund 700 Kirchen schließen müssen. Wie viele davon verkauft werden, ist noch nicht sicher. Rund 80 evangelische Kirchen wurden seit der deutschen Wiederver- einigung vor 16 Jahren verkauft – viele davon in der frühe- ren DDR. Dort zog sogar die Sparkasse in eine 200 Jahre alte

Kirche ein. Geldgeschäfte in der Kirche? Im kleinen Ort Milow in Brandenburg gab es dagegen viel Protest. In den nächsten 50 Jahren, sagt der Politikwissen- schaftler Carsten Frerk aus Hamburg, wird vermutlich rund die Hälfte der 32 000 evangelischen und katholischen Kir- chen in Deutschland schließen müssen. Viel Platz also für kreative Ideen – und für Menschen, die in Kirchen wohnen und arbeiten wollen. Billig ist das übrigens nicht. So haben die Wissenschaftler Alois und Margarethe Payer rund

120 000 Euro für eine 200-Quadratmeter-Kirche aus den

FOTOS: DPA (2) 1960er-Jahren in Schwaben bezahlt, in der sie heute wohnen. Viel Geld mussten
FOTOS: DPA (2)
1960er-Jahren in Schwaben bezahlt, in der sie heute wohnen.
Viel Geld mussten sie auch in den Umbau investieren. Und
dann die Heizung!
Als ein Reporter der
Zeitschrift Stern
die Payers besuch-
te, war es bei ihnen
15 Grad kalt. In
jedem Winter wird
es richtig teuer, den
großen
Raum
zu
heizen.
Wohnen in der Kirche
Hier leben Alois und Margarethe Payer
schließen
hier: aufhören, einen Service anzubieten
sogar
≈ auch
¢ngewöhnlich
anders als sonst
das Konz¡pt, -e
Idee, Plan
die Wiedervereinigung
von: wiedervereinigen = wieder ein Land
werden
die DDR
kurz für: Deutsche Demokratische Republik
die Sparkasse, -n
Name einer Bank
der Politikwissen-
schaftler, -
Person, die den Bereich Politik systematisch
untersucht
Schwaben
Region in Baden-Württemberg und Bayern
der }mbau, -ten
von: umbauen = anders bauen, ändern
richtig
hier: wirklich, sehr

27

QUELLE: HDE

Anderen Menschen zu

Weihnachten eine Freude

zu machen, ist oft nicht

leicht. Was schenken sich

die Deutschen – und wer

schenkt sich gar nichts

mehr? EVA DOROTHÉE

SCHMID über Traditio-

nen, Rituale und Tipps für

Individualisten.

S chenken soll Spaß

machen. Aber für Jürgen

Paape aus Hamburg

bedeutet Schenken vor allem Stress in den Wochen vor Weihnachten: Für elf Men- schen muss er etwas Passen- des finden. Auf seiner Liste stehen seine Freundin Betti- na, ihre Eltern und ihr Bruder mit Freundin. Auch für seine beiden Söhne braucht der 56-jährige Lehrer ein Geschenk, außerdem für sei- nen Bruder und dessen Frau und für zwei gute Freunde. Ganz anders denkt Simo- ne Kümmerle aus dem klei- nen schwäbischen Ort Ne- ckartailfingen. Die 29-Jährige hat keine Lust mehr, die Zeit vor Weihnachten mit der Suche nach Geschenken zu verbrin- gen. „Meistens hat man irgendetwas gekauft, was keiner brauchte. Deshalb haben wir in der Familie vor sieben Jah- ren entschieden, dass wir uns zu Weih- nachten nichts mehr schenken“, sagt die

Hausfrau. Nur ihre vier Kinder werden wieder etwas unter dem Weihnachts- baum finden. Für die neunjährige Pia gibt es einen Füller, der fünfjährige Luca kriegt ein Fernglas und der dreijährige Joshua eine Taschenlampe. Für Luis (7) muss sich Simone Kümmerle noch etwas überlegen.

„Rund 20 Prozent der Erwachsenen schenken sich zu Weihnachten nichts mehr“, sagt Friedrich Rost, Geschenke- forscher aus Berlin. Dass Kinder Geschen- ke bekommen, ist aber auch für diese Menschen fast immer selbstverständlich. Und Geschenke für Kinder dürfen auch teuer sein: Weihnachten 2005 gaben die

Umsatz im Weihnachtsgeschäft relativ zum ganzen Jahr:

68 68

Spielwaren: 36 %

Uhren, Schmuck: 29 %

Bücher, Zeitschriften: 23 % DEUTSCH perfekt 12/06
Bücher,
Zeitschriften: 23 %
DEUTSCH
perfekt
12/06
SCHENKEN: WAS, FÜR WEN – ODER GAR NICHT? Deutschen durchschnittlich 319 Euro pro Kind aus,

SCHENKEN:

WAS, FÜR WEN – ODER GAR NICHT?

SCHENKEN: WAS, FÜR WEN – ODER GAR NICHT? Deutschen durchschnittlich 319 Euro pro Kind aus, so

Deutschen durchschnittlich 319 Euro pro Kind aus, so das Ergebnis einer Studie des Hamburger Gewis-Instituts im letzten Jahr. Auch bei Elmar Schütze aus Berlin stehen die Söhne im Mittelpunkt. „Der

Große bekommt ein neues Fahrrad und der Kleine etwas Neues von Playmobil“, sagt

Schütze. Seine Söhne schreiben Wunschzettel, die er so gut wie mög- lich berücksichtigt. „Meine Frau und ich schenken uns nicht so viel“, erklärt der Journalist. Er würde sich über ein schönes Hemd freuen und kauft für

seine Frau meistens ein T-Shirt, einen Pullover oder auch Schmuck. Seine Mutter bekommt wahrscheinlich eine Klassik-CD, sein Vater spezielle Kaffee- tassen, die nicht umkippen – für sein Motorboot. Für die Schwieger-

mutter kauft Elmar Schütze ein Buch. Was er seinem Pa- tenkind und dessen Schwester schen-

ken könnte, bespricht er mit der Mut-

ter der beiden Kinder. Wie Elmar Schütze und Jürgen Paape beschenken viele Deutsche zu Weih-

Familienange-

nachten

hörige. Besonders oft liegen in >

„Rund 20 Prozent der Erwachsenen schenken sich nichts mehr.“

Friedrich Rost, Geschenkeforscher

vor

allem

der }msatz, ¿e

Summe aller Verkäufe in einer bestimmten Zeit

der W¢nschzettel, -

Liste, auf die die Kinder ihre Geschenkwünsche für Weihnachten schreiben

schwäbisch

von: Schwaben = Region in Baden-Württemberg und Bayern

ber•cksichtigen

hier: bei einer Entscheidung denken an

der F•ller, -

spezieller Stift, der vor allem von Schulkindern verwendet wird

¢mkippen

fallen

das F¡rnglas, ¿er

optisches Gerät, durch das man Dinge, die weit weg sind, größer sieht

die Schwiegermutter, ¿ Mutter vom Ehepartner

das Patenkind, -er (der Pate, -n

Kind, das einen Paten hat Person, die in der christlichen Tradition neben den Eltern päda- gogische Verantwortung hat)

die T„schenlampe, -n

kleine Lampe mit Batterie

der Gesch¡nke-

Person, die die Bedeutung des Schenkens untersucht

 

forscher, -

bespr¡chen

mit anderen über ein bestimmtes Thema sprechen, oft, um etwas zu entscheiden

die Studie, -n

systematische Untersuchung

der M“ttelpunkt, -e

Zentrum

(das) Playmobil

Firma, die Plastik-Spielfiguren produziert

besch¡nken

ein Geschenk geben

der Familienan-

Verwandter

 

gehörige, -n

 
Antiquitäten: 22 % 12/06 DEUTSCH perfekt
Antiquitäten: 22 %
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DEUTSCH
perfekt

Textilien: 21 %

Elektronik: 21 %

„Duft ist sehr intim“

Textilien: 21 % Elektronik: 21 % „Duft ist sehr intim“ Gerhard Schmied ist Kultursoziologe an der

Gerhard Schmied ist Kultursoziologe an der Universität Mainz. Seit 20 Jahren erforscht er das Thema Schenken.

Was schenken sich die Deutschen zu Weihnachten? Bei einer formellen Beziehung macht man sich nicht so viele Gedanken. Da ist oft eine Flasche Cognac oder eine Schachtel Pralinen genug. Aber je enger die Beziehung ist, desto mehr Gedanken macht man sich. Frauen schenken Männern oft Kleidung oder Krawatten. Männer schenken Frauen gerne Schmuck oder Parfüm. Aber mit diesen Sachen zeigt man auch seine eigenen Wünsche, also wie der andere am besten aussehen oder riechen soll. Das kann auch problematisch sein. Manche Männer schenken ihren Frauen teuren Schmuck, um ihren eigenen Status zu demonstrieren.

Wer macht Geschenke noch selbst? Rund zehn Prozent der Geschenke sind selbst gemacht. Hausfrauen schenken selbst gemachte Gelees und Mar- meladen. Kinder basteln oft in der Schule kleine Geschen- ke für Weihnachten.

Wen sollte man beschenken? Meistens wird erwartet, dass man die Leute beschenkt, die einem auch etwas schenken. Wer mehrere Male vom ande- ren nichts bekommt, schenkt ihm auch nichts mehr. Aus- nahmen sind natürlich kleine Dankeschön-Geschenke für Sekretärinnen, Hausmeister, Briefträger oder Müllmänner.

Wie findet man das passende Geschenk? Wenn man jemanden nicht sehr gut kennt, sollte man nichts Duftendes schenken. Das ist sehr intim. Ein sehr teures Geschenk kann protzig wirken. Vielleicht beschämt man den anderen damit. Das ideale Geschenk ist ein Über- raschungsgeschenk, das der andere nicht erwartet und das zeigt, dass man sich Gedanken gemacht hat.

der D¢ft, ¿e

von: duften = gut riechen

erf¶rschen

für mehr Wissen arbeiten

die Sch„chtel, -n

Packung

das Gelee, -s

Marmelade aus Fruchtsaft

besch¡nken

ein Geschenk geben

erw„rten

hier: wünschen, dass jemand etwas macht

die Ausnahme, -n Regel

der Hausmeister, - Person, die sich in einem Haus um Reparaturen und Ordnung kümmert

der Briefträger, - Person, die Briefe bringt

der M•llmann, ¿er Person, die den Müll abholt

pr¶tzig

so, dass jeder sieht, dass es viel Geld gekostet hat

beschämen

so handeln, dass es für einen anderen unan- genehm ist

Kosmetik: 20 %

Kleidung: 20 %

69 69

Deutschland Bücher, CDs oder DVDs, Klei- dung und Kosmetik auf dem Gabentisch. Aber auch Gutscheine
Deutschland Bücher, CDs oder DVDs, Klei-
dung und Kosmetik auf dem Gabentisch.
Aber auch Gutscheine sind beliebt: Die
findet jeder Dritte unter dem Weih-
nachtsbaum. Jana Lange aus Karlsruhe
zum Beispiel schenkt ihrer Schwester
gerne Gutscheine für einen Besuch bei
der Kosmetikerin. „Sie hat schon alles,
aber so ein bisschen Luxus für die Schön-
heit würde sie sich selbst nicht leisten“,
sagt die Studentin.
Ältere Kinder bekommen oft Geld. Dem
21-jährigen Sebastian Eltzel überweist
seine Mutter Birgit zu Weihnachten 150
Euro auf sein Konto. Die Berlinerin schickt
ihm aber auch ein Weihnachtspaket mit
leckeren Sachen zum Essen.
Und was verschenken Kinder und
Jugendliche? Sehr oft Selbstgemachtes.
Sie wissen, dass fast alle Eltern sich sehr
darüber freuen. Außerdem haben sie nur
wenig Geld. Der 15-jährige Jim Pfau aus
Berlin töpferte für seine Mutter letztes
Jahr einen Aschenbecher, für seine Oma
machte er selbst eine Seife mit duftenden
Blütenblättern. „Das macht mir zwar
nicht so viel Spaß, aber ich habe nicht
genug Taschengeld, um etwas zu kau-
fen“, sagt der Schüler. Und er weiß:
„Meine Eltern und meine Oma mögen
Selbstgemachtes.“
Aber nicht immer macht ein Geschenk
den Beschenkten glücklich. Jana Lange
hat ihrer Mutter im letzten Jahr eine Brat-
pfanne aus Gusseisen geschenkt: „Die hat
sie aber nie benutzt.“ Jürgen Paape kann
das nicht passieren. Er würde nie etwas
für die Küche schenken, sondern immer
etwas Persönliches – „auch wenn ich
darüber länger nachdenken muss und
auch länger danach suchen muss“. <
der Gabentisch, -e Tisch mit Geschenken
der Gutschein, -e
≈ Karte, für die man Waren oder einen
Service zu einem bestimmten Wert bekommt
beliebt
populär
sich leisten
hier: eine bestimmte Menge Geld für etwas
ausgeben
versch¡nken
als Geschenk geben
tœpfern
≈ aus schwerer Erde herstellen
der [schenbecher, -≈ kleiner, flacher Teller für Zigarettenasche
(die [sche
graue, sehr kleine Reste, die übrig bleiben,
nachdem etwas gebrannt hat)
d¢ften
gut riechen
das Blütenblatt, ¿ereinzelner, flacher Teil der Pflanze, der eine
schöne Farbe hat und meistens gut riecht
das G¢sseisen
spezielles schweres Metall

70

ORIGINELLES IM INTERNET FOTOS: MAURITIUS IMAGES/FOODPIX; MAURITIUS IMAGES/KAISER; WWW.MALBLOCK.COM; WWW.CHOCOTELEGRAM.DE
ORIGINELLES IM INTERNET
FOTOS: MAURITIUS IMAGES/FOODPIX; MAURITIUS IMAGES/KAISER; WWW.MALBLOCK.COM; WWW.CHOCOTELEGRAM.DE
Viele Menschen mögen die Hektik in den Geschäften und auf den Straßen vor Weihnachten nicht.
Deshalb werden immer mehr Geschenke zu Hause gekauft – ganz in Ruhe im Internet. Große On-
line-Händler wie Otto, Quelle, Tchibo und Amazon machen vor Weihnachten jedes Jahr noch besse-
re Geschäfte. Hier einige originelle Online-Tipps:
GESCHENK-SHOPS
Die Seite www.geschenkidee.ch bietet viele origi-
nelle Geschenkideen, auf www.desaster.com
gibt es Lustiges für junge Leute und auf
www.herzgalerie.de Romantisches.
PERSÖNLICHES
Auf www.my-puzzles.com kann man ein Puzzle-
PATENSCHAFTEN
www.mondland.de hat Grundstücke auf dem Mond
im Angebot. Bei der Freien Universität Berlin kann
man auf www.met.fu-berlin.de/wetterpate Hoch-
und Tiefdruckgebiete taufen und verschenken. Und
bei www.aristaeos.com gibt es Patenschaften für
Olivenbäume, Milchschafe und Weinberge.
BITTE NICHT!
Spiel mit eigenen Motiven herstellen lassen. Bei
www.pnovel.net gibt es Romane, in denen der
Beschenkte vorkommt, bei www.kinderbuch.at
2
personalisierte
Kinderbücher,
und
bei
Rund 30 Prozent der deutschen Frauen mögen
keine Geschenke für Küche und Haushalt. Außer-
dem unbeliebt: Kleidung, die nicht passt.
2
Bei den Männern sehr unbeliebt sind die soge-
nannten SOS-Geschenke. Das Not-Signal bedeu-
tet hier: Socken, Oberhemden und Schlipse.
die H¡ktik
große Eile, die nervös macht
der Besch¡nkte, -n
www.malblock.com malt die türkische Künstlerin
Yanar in Pop-Farben ein Porträt nach einem Foto.
Person, die ein Geschenk
bekommt
das Porträt, -s
≈ Bild
der B“lderrahmen, -
hier: äußerer, schmaler Bereich
auf allen Seiten eines Bildes zur
Dekoration
LECKEREIEN
Auf www.chocotelegram.de gibt es Weihnachts-
grüße in Form von Schokoladenbuchstaben,
www.sugar-art.de bie-
tet Torten mit Gesicht,
Bilderrahmen mit Ge-
schmack und Gruß-
karten zum Anbeißen.
„nbeißen
zwischen die Zähne nehmen;
hier: essen
der Gutschein, -e
≈ Karte, für die man Waren oder
einen Service zu einem be-
stimmten Wert bekommt
der F„llschirm, -e
großer Schirm aus
Stoff, mit dem
man langsam von einem Flugzeug
aus auf die Erde sinkt
die Patenschaft, -en
hier: Beziehung zwischen einer
Person und einer Organisation,
bei der die eine Seite die andere
finanziell unterstützt
das Tiefdruckgebiet, -e
(der L¢ftdruck
Gebiet mit tiefem Luftdruck;
↔ Hochdruckgebiet
Kraft, mit der die Luft auf die
Erde wirkt)
ERLEBNISSE
Gutscheine für Fallschirm-Sprünge, Ballonfahrten
und andere Erlebnisse bieten www.mydays.de und
www.bestdays.de.
taufen
durch ein Ritual zum Christen
machen; hier: einen Namen
geben
versch¡nken
als Geschenk geben
das Oberhemd, -en
Hemd
der Schl“ps, -e
Krawatte
DEUTSCH
DEUTSCH

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