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Hinterindische Musik

HINTERINDISCHE MUSIK

Musik aus Hinterindien, genauer gesagt siamesische Musik, spielte in der frühen Geschichte der Vergleichenden Musikwissenschaft eine ganz zentrale Rolle. Zu einer Zeit, als der Forschung noch keine Ton- oder Filmaufnahmen zur Verfügung standen, war man für die Gewinnung von Daten auf den direkten Kontakt mit Musikern angewiesen, es sei denn man beschränkte sich auf das Studium von Musikinstrumenten oder wertete Reiseberichte aus. Da die Musikforscher des ausgehenden 19. Jh. aber auch keine Feldforschung betrieben, musste dieser Kontakt zuhause stattfinden.

Gruppen von Musikern aus Übersee konnte man gegen Ende des 19. Jh. bei den Weltausstellungen bewundern, oder bei den so genannten "Völkerschauen", den Auftritten exotischer Ensembles in Tiergärten und Vergnügungsparks. Dabei nützten Wissenschaftler die Gelegenheit, ihre Untersuchungen an den aus der Ferne angereisten Menschen durchzuführen. Zur Beschreibung physischer Merkmale und kultureller Sachverhalte der Völker dienten insbesondere Messungen. Messdaten bildeten eine der Grundlagen der Klassifizierung und des Vergleichs.

Derartige Messungen wurden nicht nur an Menschen durchgeführt - im Sinne einer auf "harten Daten" basierenden Rassenkunde, auch Tonsysteme wurden vermessen. Alexander John Ellis, ein britischer Physiker, war besonders an den Tonsystemen der außereuropäischen Völker interessiert. Er hatte das bekannte Werk von Helmholtz Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik ins Englische übersetzt und sah - als er dem Vortrag eines siamesischen Ensembles lauschte - die These von Helmholtz, nach der die Tonsysteme an der Natur des Klanges, d.h. am Obertonspektrum des harmonischen Klanges ausgerichtet sind, widerlegt. Seine Messungen, die er an den Instrumenten durchführte, bestätigten diese Annahme. Durch seinen berühmten Aufsatz "On the Musical Scales of Various Nations" (in Journal of the Royal Society of Arts 33 (1885): 485-527), in dem Ellis seine Erkenntnisse mitteilt, gilt er als "Vater der Vergleichenden Musikwissenschaft".

Im Jahre 1900 trat das Hofensemble des Königs von Siam im Berliner Zoologischen Garten auf. Carl Stumpf nutzte die Gelegenheit zu Aufnahmen mit dem Edison- Phonographen. Diese Aufnahmen wurden - vor dem Hintergrund der Hypothesen von Ellis - für äußerst wertvoll für die junge Disziplin der Vergleichenden Musikwissenschaft gehalten und führten zur Gründung des Berliner Phonogrammarchivs kurze Zeit danach. In seinem Aufsatz "Tonsystem und Musik der Siamesen" (in Beiträge zur Akustik und Musikwissenschaft 3 (1901): 69-138) konfrontiert Stumpf seine Forschungsergebnisse mit jenen von Ellis:

"Die Veranlassung zu dieser Studie gab die Anwesenheit einer siamesischen Theatertruppe in Berlin im September 1900. Der Director Boosra Mahin, ein europäisch erzogener Eingeborener, gestattete mir, die Orchester-

im September 1900. Der Director Boosra Mahin, ein europäisch erzogener Eingeborener, gestattete mir, die Orchester-

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Musik der Welt im Überblick II/09 - Hinterindische Musik/Hinterindische Musik.html[24.06.10 17:50:46]

Hinterindische Musik

Hofensemble des Königs von Siam (aus The Berlin Phonogrammarchiv 1900-2000 , S.15) > Instrumente zu

Hofensemble des Königs von Siam (aus The Berlin Phonogrammarchiv 1900-2000, S.15) >

Instrumente zu untersuchen und phonographische Aufnahmen zu machen, sandte mir auch einmal einen der begabtesten Musiker ins Haus. Außerdem war ich häufig bei den Vorstellungen gegenwärtig, in denen immer die nämlichen Stücke wiederholt wurden, und konnte mich so an die Eigenart der siamesischen Musik einigermaaßen gewöhnen

sowie fortlaufend Aufzeichnungen machen. Bei den öffentlichen Aufführungen sangen und

tanzten die Frauen; während die Männer das Orchester bildeten. Die Gewänder der Tänzerinnen waren von außerordentlicher Pracht, von bewundernswerther Abtönung und Harmonie der Farben; die Bewegungen für uns zunächst fremdartig, aber sehr fein ausgebildet; namentlich setzte die Mannigfaltigkeit, Kühnheit und Ausdrucksfähigkeit der Handbewegungen in Staunen. Zu einer so virtuosen Mimik der Hände sind auf unseren Bühnen kaum schwache Ansätze zu finden; aber man konnte hier die Ueberzeugung gewinnen, daß sie mindestens ebenso sehr wie die der Beine Pflege verdient. Die Darstellungen waren fast ausschließlich Tänze oder Pantomimen. Die Tänzerinnen sangen selbst, was ihnen bei dem gemessenen Tempo der Bewegungen keine Schwierigkeit machte. Meine Aufmerksamkeit war indessen weniger dem schauspielerischen als dem rein musikalischen Theil zugewandt, da hier Fragen von principieller Bedeutung sowohl für die Musikwissenschaft als für die Psychophysik in Betracht kämen. Es war mir bekannt, daß nach Ermittelungen von Alex. J. Ellis die Siamesen eine Scala von 7 gleichgroßen Stufen benützen sollen. Aber die Beweise schienen mir bisher nicht durchschlagend genug, um eine so überaus paradoxe und folgenreiche Thatsache über jeden

Zweifel sicher zu stellen. Ellis stützte sich einerseits auf die Prüfung zweier Instrumente, andererseits auf die Aussage des siamesischen Gesandten. Aber der letztere konnte allenfalls eine geltende theoretische Lehre wiedergeben, mit welcher die Praxis nicht nothwendig in Einklang zu sein braucht. Und die Messungen wichen doch an einigen Punkten von der hiernach berechneten Leiter nicht ganz unerheblich ab. Ellis hatte nun allerdings noch den Controlversuch gemacht, daß er selbst eine genau nach dem Princip abgestimmte Leiter herstellte und den siamesischen Musikern vorlegte, worauf diese erklärten, sie sei besser als die ihrer eigenen Instrumente. Ich will gern zugeben, daß man die Thesis hiernach bereits als genügend bewiesen hätte ansehen können. Aber gegen so schwer festzustellende und noch schwerer zu erklärende Thatsachen ist wohl ungewöhnliche Zurückhaltung zu entschuldigen und sind neue Belege gewiß erwünscht. Vor allen Dingen hat natürlich der Fachmann den Wunsch, selbst zu hören. Das erstmalige Hören lehrte mich denn auch sogleich, daß für unser Ohr seltsame Intervalle gebraucht wurden, und die nähere Prüfung überzeugte mich, daß Ellis wirklich Recht hatte.

[

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(S.69-70)

Hörbeispiel: "Kham hom" (Süße Worte). Hofensemble des Königs von Siam, Aufnahme Carl Stumpf. Quelle: Music! The Berlin Phonogrammarchiv 1900-2000, CD 1, Track 1.

Höfische Ensemblemusik in Hinterindien

"Hinterindien" ist eine im Deutschen gebräuchliche Bezeichnung für Festland-Südostasien (Südostasien untergliedert sich in Festland- und insulares Südostasien) und umfasst die Gebiete östlich von Indien, südlich von China und nördlich von Indonesien. Die Musik dieses riesigen Raumes ist äußerst vielfältig

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Musik der Welt im Überblick II/09 - Hinterindische Musik/Hinterindische Musik.html[24.06.10 17:50:46]

Hinterindische Musik

und reicht von musikalischen Formen kleiner vorindustrieller Gesellschaften, die von westlichen Wissenschaftlern als "primitiv" klassifiziert wurden, bis zu Formen von Ensemblemusik, denen man das Prädikat "Hochkunst" verliehen hat. Letzteren gehörten auch jene Truppen an, die von Ellis und Stumpf untersucht wurden. Sie kamen aus dem Königreich Siam, wie Thailand bis 1939 genannt wurde.

Die Musik an den Königs- und Fürstenhöfen Thailands, Kambodschas und Laos' weist große Ähnlichkeiten auf. Dies beruht in wechselseitigen politischen Verflechtungen, dem Austausch von Musikern und dem gemeinsamen Erbe des indischen Einflusses, der besonders vom 1. bis 10. Jh. ausgeprägt war. Musiker und Tänzer spielten den zahlreichen Quellen zufolge stets eine wichtige rituelle Funktion, so etwa in Angkor (im heutigen Kambodscha), dem Zentrum des Khmer-Reiches mit seinen großen Tempelanlagen. Diese waren vorwiegend hinduistischen Gottheiten (Shiva, Vishnu, Brahma) geweiht; später gewann der aus Sri Lanka kommende Theravada-Buddhismus die Oberhand. Die aus dem Südwesten Chinas verdrängten Thai-Völker unterwarfen die Khmer und gründeten eigene Fürstentümer, deren bedeutendstes das bis heute mächtige Königshaus in Bangkok ist. Hier wird nach wie vor die höfische Musik gepflegt. In Kambodscha wurde die alte höfische Musik unter dem Regime der Roten Khmer weitgehend zerstört. Heute bemüht man sich wieder um deren Rekonstruktion. Die klassische Musik von Laos hat starke Verbindungen mit jener in Thailand. Viele Musiker absolvieren ihre Musikstudien in Bangkok, wo es seit 1934 ein Department of Fine Arts gibt, das der alten Tradition gewidmet ist.

Die Musik wird als Gabe der Götter betrachtet; bestimmte Götter werden der Melodie, dem Rhythmus und den Musikinstrumenten zugeordnet. Von dem Gott Parakhontap etwa wird angenommen, dass er sich in der Fasstrommel taphon aufhält. Musiker verbeugen sich daher vor Aufführungen vor der Trommel und sprechen ein kurzes Gebet. In regelmäßig stattfindenden Zeremonien danken Musiker den Göttern für ihr Können. Vor dem Einstudieren eines neuen Stückes holt man sich bei den Göttern die Erlaubnis dafür, bittet um Beistand und um Schutz vor bösen Mächten. Musik wird als Brücke zwischen den Menschen und den Göttern und als Mittel des Erreichens einer höheren Bewusstseinsebene betrachtet.

Es gibt zahlreiche Orchesterformationen mit unterschiedlicher Besetzung in Thailand. Sie haben zum überwiegenden Teil die Aufgabe der Begleitung von Theaterstücken. Einige können auch außerhalb von Theateraufführungen erklingen.

können auch außerhalb von Theateraufführungen erklingen. Khong wong - Gongkreisspiel Das verbreitetste Ensemble ist

Khong wong - Gongkreisspiel

Das verbreitetste Ensemble ist das pi phat- Ensemble, welches in unterschiedlichen Größen vorkommt, jedenfalls aber folgende Instrumente umfasst: pi (Oboe), taphon (Fasstrommel), khong wong (Gongkreisspiel), ranat ek (Trogxylophon), klong that (Fasstrommelpaar) und ching (Beckenpaar). In Kambodscha und Laos gibt es vergleichbare Ensembles mit anderer Bezeichnung. Das pi phat-Ensemble begleitet vor allen die Tanzdramen khon und lakhon sowie das Schattenspiel. Das aus etwa 200 bis 300 Stücken bestehende Repertoire für pi phat-Ensembles gilt

als das älteste Thailands. Ab dem 18. Jh. sind einige Namen von Komponisten überliefert. Eine Notenschrift gab es jedoch nicht; erst im 20. Jh. wurde eine Notation mit arabischen Zahlen, die die einzelnen Tonstufen bezeichnen, eingeführt. Viele Kompositionen sind auch in europäischer Notenschrift aufgezeichnet.

Khon-Tanzdrama

Die Stoffe des khon-Theaters sind - ebenso wie jene des Schattenspiels - aus dem Ramakien, der thailändischen Fassung des indischen Nationalepos Ramayana. Die Darsteller tragen prachtvolle Kostüme und einige von ihnen auch Masken, die den (bösen) Charakter der Rolle darstellen. Der Tanz spielt eine zentrale Rolle. Bestimmte Melodien sind wie Leitmotive an bestimmte Figuren und Szenen im Theater geknüpft, sodass der Kenner den Inhalt stets auch musikalisch verfolgen kann. Früher wurden khon- Aufführungen nur am Königshof gegeben, heute sind sie für jedermann zugänglich.

Videobeispiel: Ausschnitt aus einer khon-Aufführung: der Kampf des Prinzen Rama gegen den bösen

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Musik der Welt im Überblick II/09 - Hinterindische Musik/Hinterindische Musik.html[24.06.10 17:50:46]

Hinterindische Musik

König Thosakanth. Quelle: JVC Video Anthology of World Music and Dance 7, Track 3.

Khaen

Der Nordosten Thailands und das angrenzende Laos bilden eine eigene Kulturregion. Im Gegensatz zur Musik Zentralthailands, wo die siebenstufige Skala mit gleichen Intervallen (äquiheptatonisch) verwendet wird, ist die Musik des Nordostens halbtonlos-pentatonisch und basiert auf den folgenden zwei Skalen:

lum: d-e-g-a-h : d-e-g-a-h

yao: d-f-g-a-c : d-f-g-a-c

Je nachdem mit welchem der fünf Töne die Skala beginnt, lassen sich verschiedene Modi der lum- und der yao-Skala unterscheiden. Der Modus g-a-h-d-e, ein Modus der lum-Skala, etwa erfreut sich großer Beliebtheit.

Das wichtigste Instrument dieser Region ist die khaen (auch kaen), die Mundorgel aus Bambus mit 6 bis 18 Resonanzröhren. Die Mundorgel ist hier kein Instrument der höfischen Musik wie im angrenzenden China oder in Japan, sondern ein Volksinstrument, das zumeist solisitisch gespielt wird. Sie ist das einzige Instrument, welches mehrstimmige Klänge (Quarten, Quinten und Okaven, seltener auch Terzen) produzieren kann. Im übrigen ist die Musik Thailands einstimmig bzw. heterophon. Das Prinzip der durchschlagenden Zunge findet sich auch bei anderen Instrumenten dieser Region: bei einer Flöte, einem Büffelhorn und bei der Maultrommel. Die khaen ist auch das wichtigste Begleitinstrument der molam-Gesänge, welche die unterschiedlichsten Themen - Geschichten von Heroen, Naturbeschreibung, Liebesgeschichten - zum Inhalt haben können. Die Melodie richtet sich dabei weitestgehend nach den Sprachtönen (Laotisch ist eine Tonhöhensprache). Stets dauern solche Vorträge sehr lang, manchmal die ganze Nacht hindurch, wobei sich mehrere Sänger und Sängerinnen abwechseln.

Hörbeispiel: Beginn eines molam-Gesanges, vorgetragen von einer Frau, mit khaen-Begleitung. Die Frau fordert ihren Gesangspartner (dessen Part hier nicht wiedergegeben wird) auf, sich von seiner Frau scheiden zu lassen, da sie ihn mehr liebe als seine Frau. Quelle: Schallplatte Thailand - Lao Music of the Northeast, Seite B, Nr.1.

Maultrommel

In Nordthailand, aber auch in Laos und Vietnam ist die Maultrommel verbreitet. Sie ist - wie fast überall auf der Welt wo sie vorkommt - ein Instrument der Liebeswerbung. Sie wird aus Bambus hergestellt und durch Aufsetzen eines Wachsklümpchens auf die Zunge gestimmt. Häufig verwendet der Spieler zwei im Abstand einer Quarte oder Quinte gestimmte Instrumente. Er hält die beiden Instrumente so zwischen Daumen und Zeigefinger, dass er während des Spiels rasch zwischen ihnen wechseln kann. Das tiefer gestimmte wird als das weibliche, das höhere als das männliche Instrument betrachtet.

Auf der beim Volk der Laˇ hu_ nyi¯ Nordthailands a¯ htaˇ genannten Maultrommel, einem Instrument von ca. 15 cm Länge, werden verschlüsselte Liebesbotschaften gespielt. Die Spieler können männlichen oder weiblichen Geschlechts sein. Bestimmte Tonkombinationen stehen für bestimmte Sätze.

Hörbeispiel: Demonstration einzelner Liebesbotschaften, anfangs auf dem in Quinten gestimmten Maultrommelpaar (dem Maultrommelpaar für Jungverliebte), danach auf dem im Quartabstand gestimmten Maultrommelpaar (dem Maultrommelpaar für Paare im zweiten Liebesfrühling). Jedem Schlag auf der Maultrommel entspricht eine Textsilbe. Der Spieler überträgt von den sieben Tönen der Laˇ hu_-Sprache vier auf das tiefer gestimmte und drei auf das höher gestimmte Instrument. Quelle:

Schallplatte The Laˇ hu_ nyi¯ of Thailand, Seite B, Nr. 20.

Myanmar

Die Musik des heutigen Myanmar (Burma) wird bereits in chinesischen Quellen der Tang-Dynastie (um 800) erwähnt. Burmesische Quellen reichen 800 Jahre zurück. Auf Palmblättern wurden Lieder seit Jahrhunderten weitergegeben. Durch die lange Isolation des Landes haben hier musikalische Traditionen überlebt, die in den Nachbarländern ausgestorben sind.

Zunächst aber sind die zahlreichen Parallelen mit der Musik des benachbarten Thailand festzustellen.

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Hinterindische Musik

Das hsaing-waing-Ensemble ist verwandt mit den Orchesterformationen der thailändischen Hofmusik. Es besteht aus denselben Instrumentengruppen und hat genauso die Aufgabe der Begleitung von Theateraufführungen und religiösen Zeremonien. Zusätzlich aber gibt es in den burmesischen Ensembles das Trommelkreisspiel, das sind 21 an einem kreisförmigen Rahmen aufgehängte zweifellige Trommeln unterschiedlicher Stimmung. Zur Stimmung wird Stimmpaste verwendet, was indischen Einfluss widerspiegelt. Der Trommelspieler, der gleichzeitig der Dirigent des Ensembles ist, spielt die Trommeln mit den bloßen Händen mit großer Virtuosität.

Hörbeispiel: Spiel eines hsaing-waing-Orchesters mit Gesang. Die beteiligten Instrumente sind ein Xylophon, das Trommelkreisspiel, zwei Gongkreisspiele mit 18 Buckelgongs aus Bronze (eines mit größeren, das andere mit kleineren Gongs), zwei Oboen (eine höhere und eine tiefere), zwei große liegende Fasstrommeln und sechs kleine stehende Trommeln, die alle gestimmt sind, ferner kleine Becken und Klappern. Diese Komposition wurde einst gespielt, wenn der König in der öffentlichkeit erschien. Demgemäß wird in dem Gesang dem Herrscher Glück und Erfolg gewünscht. Quelle:

Schallplatte Birmanie - Musique d'art, Platte 2, Seite A, Nr. 2

Neben diesen Instrumenten, die bei Freiluftaufführungen eingesetzt werden, gibt es die Instrumente intimer Kammermusik, die bereits auf den alten Fürstenhöfen in diesem Kontext verwendet wurden. Ihr bedeutendstes ist die Bogenharfe saung gauk, die als Nationalinstrument von Myanmar gilt. Sie stammt von der indischen Harfe ab, welche jedoch ausgestorben ist. Das Instrument war auch in anderen Teilen Hinterindiens verbreitet, wie Reliefs in Angkor zeigen. Anhand der Harfe wird in alten Traktaten Burmas die Musiktheorie erklärt. Die burmesische Bogenharfe ist zumeist reich verziert, vielfach sogar mit vergoldeten Teilen. Derartige Instrumente sind somit auch wertvolle Objekte des Kunsthandwerks. Der Resonanzkörper ist mit einem Hirschfell bespannt. An diesem sind die 13 Saiten aus Seide befestigt. Die Stimmung ist pentatonisch nach der Skala c-d-f-g-h, aber durch Abteilen der 2. und 4. Saite werden zwei weitere Töne, e und a hervorgebracht, womit die Materialleiter der auf der Harfe gespielten Stücke heptatonisch sind. Die

siebenstufige Skala existiert in verschiedenen Modi, die - ähnlich den raga der klassischen indischen Musik - bestimmten Tages- und Jahreszeiten zugeordnet sind. Die Harfe kann solistisch oder im Verband mit anderen Instrumenten, vor allem Flöten und Xylophonen gespielt werden.

vor allem Flöten und Xylophonen gespielt werden. Saung gauk - Bogenharfe Hörbeispiel : Harfenspiel,

Saung gauk - Bogenharfe

Hörbeispiel: Harfenspiel, begleitet von kleinen Becken (hsi) und Klappern (wa). Es handelt sich um eine Anrufung Buddhas, von dem Glück und Erfolg erbeten wird. Derartigen Stücken liegt eine vokale Melodie zugrunde, die hier aber nicht vorgetragen wird. Quelle: Schallplatte Birmanie - Musique d'art, Platte 1, Seite A, Nr. 1

Orang asli

Die Musik der Malayen auf der Halbinsel Malakka (Teil des Staates Malaysia) kann in vielen Aspekten als Teil der Musikkultur Indonesiens bezeichnet werden, weist aber andererseits auch starken islamischen Einfluss auf. In Rückzugsgebieten im Inneren des Landes aber leben Völker von besonders kleiner Statur, die sich kulturell von den Malayen unterscheiden. Diese orang asli (Menschen aus dem Inneren) genannten Völker werden unterteilt in

Völker, die Khmer-Sprachen (zählen zur großen Familie der austroasiatiaschen Sprachen) sprechen, sowie inaus dem Inneren) genannten Völker werden unterteilt in Völker, die austronesische Sprachen sprechen. Austronesisch

Völker, die austronesische Sprachen sprechen. Austronesisch ist eine Sprachfamilie, der die Sprachen Malaysias, Indonesiens, vieler Teile Ozeaniens und Madagaskars angehören. Im Gegensatz zum modernen Malaysisch sind die astronesischen Sprachen der indigenen Völker Malakkas archaische. Dasselbe wird von ihrer Musik angenommen, wenngleich zu bemerken ist, dass durch den Kontakt mit den Malayen vieles verloren gegangen ist.Familie der austroasiatiaschen Sprachen) sprechen, sowie in Ein Großteil der musikalischen Praxis steht mit

Ein Großteil der musikalischen Praxis steht mit schamanischen Ritualen in Verbindung. Im Verlaufe

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Hinterindische Musik

dieser Rituale gelangt der Schamane mit Hilfe von Musik in Trance und kann in diesem Zustand mit Ahnen- und Naturgeistern Kontakt aufnehmen, um deren Schutz und Hilfe für die Genesung eines Kranken, Fruchtbarkeit usw. zu erbitten.

Hörbeispiel: Schamanengesang mit Schenkelxylophon-Begleitung. Ausschnitt aus einer nächtlichen Zeremonie, bei der die Geister der Natur angerufen werden, damit die Ernte gut ausfallen möge. Der Schamane, der sich in Trance befindet, singt und tanzt gleichzeitig mit kleinen Schritten, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Die Dorfbewohner singen einen Antwortteil. Begleitet wird der Gesang von zwei Schenkelxylophonen, jedes bestehend aus zwei Stäben, die über die Oberschenkel der sitzenden Spieler gelegt werden. Die Xylophone geben den gleichförmigen Rhythmus, an dem sich der Gesang orientiert. Darüber hinaus wird ihrem Klang eine besondere Wirkung zugesprochen, weshalb Schenkelxylophone häufig bei Tranceritualen gebraucht werden. Quelle: Schallplatte The Protomalayans of Malacca, Seite A, Nr. 8.

Quellen

Music! The Berlin Phonogramm-Archiv 1900-2000. CD hg. von Artur Simon, Museum Collection Berlin/Wergo, SM 1701 2.

JVC Video Anthology of World Music and Dance, Southeast Asia II, vol. 7: Thailand/Burma. [VHSv 119] Thailand - Lao Music of the Northeast. Schallplatte mit Kommentar von Terry E. Miller, Lyrichord, LLST

7357.

The Laˇ hu_ nyi¯ of Thailand. Schallplatte mit Kommentar von Gretel Schwörer-Kohl, Musicaphon, BM 30L 2572. (An Anthology of South-East Asian Music) [SV 1543]

Birmanie - Musique d'art. Schallplatte mit Kommentar von Jacques Brunet, Ocora 558555/56/57. [SV

1197-99]

The Protomalayans of Malacca. Schallplatte mit Kommentar von Hans Oesch, Musicaphon, BM 30L 2563. (An Anthology of South-East Asian Music) [SV 1535]

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