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Die Kostenfunktion sozio

Die Kostenfunktion sozio-kultureller Lebensgemeinschaften als


Begründung für eine raumorientierte Volkswirtschaft
Als die menschliche Sippengemeinschaft vor etwa zehn bis fünfzehn tausend Jahren endgültig zur
Expansion ansetzte und aus den kleinen Familien- und Sippenverbänden in zunehmendem Maße
Stammesverbände und Völker mit wachsender Populations-größe hervorgingen, so führte dies in
erster Linie dazu, daß die Anforderun-gen an die spezifische Arbeitsleistung des einzelnen wegen
der besseren Ar-beitsteilung zurückgingen - oder moderner und kürzer aus-gedrückt, daß die
Produktivität stieg. Die soziale Expansion trug somit zu-nächst zur Senkung der spezifischen
Produktionskos-ten und damit der Lebenshaltungskosten bei. Die moderne Kulturentwicklung nahm
ihren Anfang und führte binnen verhältnismäßig kurzer Zeit zu einer regelrechten Explosion
menschlicher Kulturleistungen.

Gleichzeitig wuchsen aber die sozialen und ökologischen Kosten, die sich im Zuge der Ex-pansion
aus der wachsenden Populationsgröße und der verstärkten Umweltausbeutung erga-ben. Dies
geschah am Anfang der Entwicklung sicherlich ganz langsam und kaum spürbar. Mit den
Hochkulturen fing der Mensch aber an, seine Umwelt im größeren Maßstab und mit z.T.
gravierenden Folgen auszubeuten. Als Korrektiv (negative Rückkopplung) wirkte bis in die jüngste
Zeit der Umstand, daß der Mensch gleichzeitig sein eigenes, auf dem vererbten und überlieferten
Sozialverhalten der Sip-pengemeinschaft aufgebautes, ohnehin fragiles Sozi-algefüge zersetzte, so
daß die im Laufe der Kulturgeschichte entstandenen Hochkulturen re-gelmäßig untergingen, als die
degenerativen Entwicklungen Überhand nahmen. In das ent-standene Machtvakuum stießen nachrü-
ckende Volksstämme, die auf der Grundlage ihrer ei-genen gesunden Sozialstruktur und der
vorgefundenen fremden Kulturmerkmale die Kultur-entwicklung auf einer jeweils neuen, höheren
Stufe fortsetzen konnten.

Kennzeichnend für unsere heutige Zeit ist die Tatsache, daß diese, schubweise verlaufende, auf den
völ-kisch-sozialen Fähigkeiten unserer Spezies basierende kulturelle Evolution durch die techni-sche
Entwicklung und die totale Exploration des für den Menschen klein geworde-nen Plane-ten Erde ihr
vorläufiges Ende gefunden hat. Die von den Globalisten betriebene weitere Expansion ist in
Wirklichkeit eine Pseudoexpansion, die, statt die Grundlage für sta-bile Gemeinwesen zu legen, die
vorhandenen Kulturen und Gemeinwesen desintegriert. Erst-mals in der Menschheitsgeschichte
kann die vom Verfall profitierende Klasse, im Gegensatz zu anderen von der Zersetzung le-benden,
parasitären Lebewesen, hoffen, den Zerfallsprozeß zum Dauerzustand und damit den Wirts-
organismus, also die sich global zersetzende mensch-liche Kultur, ihrem daurhaften Herr-
schaftsanspruch unterwerfen zu können. Diese Hoffnung und zugleich Hor-rorvision, die heute real
geworden ist, trägt so einprägsame Namen wie „Globali-sie-rungs“- und „One World“-Ideologie.

Daraus ergibt sich für die Politik ein fälliger Paradigmenwechsel. Die Kostenvorteile, die wir aus der
höheren Produktivität durch eine weitere Expansion erzielen können, sind, relativ ge-sehen, klein
geworden, während die sozialen und ökologischen Kosten, die sich daraus erge-ben, sich zum
bestimmenden Element in der sozialen Kostenfunktion der Menschheit entwi-ckelt haben.

Wir dürfen diese Kostenfunktion nicht mehr als eine mit der Populationsgröße und der kultu-rellen
Fusion monoton abnehmende Produktionskostenfunktion, sondern vielmehr als eine, aus den zwei
Kostengliedern Produktionskosten (Lebenshaltungskosten) und sozio-ökologi-sche Kosten
zusammengesetzte Gesamtkostenfunktion sehen, wie in der folgenden schema-tischen Formel
angedeutet:

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Gesamtkosten [Populationsgröße] = Produktionskosten [Populationsgröße] +

Sozio-ökologische Kosten [Populationsgröße]

Statt der unabhängigen Variablen „Populationsgröße“ könnte man auch „Globalisierung“ oder
„Gleichschaltung und Verschmelzung von Völkern, Kulturen und Wirtschaftsräumen“ setzen.

In der Betriebswirtschaftslehre ist man u.a. bestrebt, mit Hilfe von Ertrags- oder Kostenfunk-tionen
Optimierung zu betreiben, so z.B. wenn man in einem monopolartigen Markt versucht, den Preis so
festzulegen, daß die preisabhängige nachgefragte Menge mal dem Preis mög-lichst hohe
Einnahmen ergibt, oder wenn die Losgröße so festgelegt wird, daß die Lagerkos-ten als Summe von
Lagerhaltungskosten und Einzelbestell- oder Fertigungsloskosten mög-lichst nied-rig werden.

Obwohl die Kostenfunktion der sozialen Gruppe in Wirklichkeit zu komplex ist, um solche
mathematischen Operationen zu erlauben, kann eine ähnliche Betrachtungsweise durchaus hilfreich
sein, um das auch hier – wie in vielen wirstschaftlichen Problemen – geltende Prin-zip gegenläufiger
Kostenentwicklungen zu veranschaulichen. Auf dieses Prinzip kommt es nämlich an, weil es in der
Regel ein Abwägen, d.h. die Suche nach einem Optimum notwen-dig macht.

In den folgenden Diagram-men sind die Produktionskosten (pro Person) als Hyperbel (Ar-beitsmenge
dividiert durch Po-pulationsgröße) und die sozialen Kosten als Exponentialfunk-tion (differentielle
Zunahme proportional zur jeweils aktuellen Kostenhöhe) dargestellt.

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Die Kostenfunktion sozio

Wie man sieht, ergibt sich in diesem einfachen – und natürlich unzulänglichen - Modell eine Optimale
Populationsgröße, bei der die Ge-samkosten ein Miniumum haben. Im wirklichen Leben der Menscheit
verhält es sich ähnlich. Wir können nur nicht das Optimum so schema-tisch ermitteln, sondern sind darauf
angewie-sen, uns im Rahmen eines politischen Prozesses daran heranzutasten, eines Prozesses, bei dem
die eng zusammenhängenden wirtschafts-, so-zial- und kulturpolitischen Fragen unter einem neuen,
gegenüber der gegenwärtigen, globa-listischen Optik stark veränderten Aspekt betrachtet werden müssen.

Betrachtet man die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung der Menschheit unter diesem Aspekt ei-
ner Kostenfunktion, so deutet man damit an, daß man sie im weitesten Sinne als wirtschaftlich determiniert
ansieht. In der Tat bestimmen die Tätigkeiten Ar-beiten und Wirtschaften weitgehend die Kulturentwicklung,
eine Erkenntnis, die alles andere als neu ist. Von der Organisation unseres wirtschaftlichen Lebens hängt
nicht nur unser mate-rieller Wohlstand, sondern auch die Entwicklung unserer sozialen, ethnischen und
kulturellen Ge-meinschaftsstrukturen ab. Deswegen darf die Wirt-schaftsentwicklung keinem aufoktroyierten
Automatismus, wie etwa dem gegenwärtigen Globalisierungsprozeß, unterworfen sein, son-dern muß
vielmehr zum Gegenstand unseres bewußten politischen Handelns gemacht werden. Den Menschen
zeichnet im Gegensatz zu andern Lebenwesen aus, daß er sich keinem Auto-matismus unterwirft, sondern
bewußt handelt. Dazu brauchen wir aber heute vor allem ein Gegenmodell zur angeblich zwangsläu-figen
Globalisierung, d.h. zu der bei gleichzeitiger Zer-störung der natürlichen Lebensgrundlagen bereits im
katastrophalen Maße voranschreitenden strukturellen Zersetzung der menschlichen Völker- und Kulturviel-
falt.

Eine richtig verstandene, also nicht als Persilschein für eine weitere strohfeuerähnliche, sub-
stanzverzehrende, liberalistische Pseudoexpansion begriffene soziale Marktwirtschaft wäre hierfür ein
durchaus passender Leitbegriff. Eine damit weitgehend deckungsgleiche, aber die neue Richtung des
Denkens besser kennzeichnende Modellvorstellung und visionäre Meta-pher ist aber die raumorientierte
Volkswirt-schaft.

Man mag dazu stehen wie man will. Aber ohne sie fehlt die Alternative, die für unsere Ent-scheidungsfreiheit
unerläßlich ist. Sie gehört deswegen zum notwendigen Meinungsspektrum unserer Zeit – wenn wir denn
unser Menschsein wahrnehmen und uns als intelligente Ge-meinschaftswesen (zóon politikón) tat-sächlich
bewußt entscheiden wollen.

Per Lennart Aae

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