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Die Kaisertracht in Rot und Blau

Joannes Richter -

Die Kaisertracht in Rot und Blau – Joannes Richter - Zusammenfassung Die Farbkombination Rot und Blau

Zusammenfassung

Die Farbkombination Rot und Blau bildet seit Jahrtausenden eine religiöse Vorschrift, die bereits im Fürstengrab Hochdorf entdeckt bzw. in den Büchern Exodus und Chroniken dokumentiert wurde. Aus den biblischen Vorschriften entwickelte man zunächst Vorschriften zur Erstellung der Heiligenbildern (Ikone) und leitete daraus die Kleidervorschrift für den mittelalterlichen kaiserlichen Hof ab. Auch die mittelalterlichen Prachtbibel sind überwiegend mit rotblauen Dekorationen ausgestattet, die mit der Verzierung der Manesser Handschrift übereinstimmt.

Die rot-weiß-blauen Flaggen einiger bedeutenden europäischen Länder und deren ehemaligen Kolonien (Frankreich, Niederlande, Russland, Großbritannien, USA, usw.) basieren deshalb wohl auf den religiösen Farbkombinationen, die noch im Mittelalter für jeden religiös gebildeten Menschen klar als Bibelzitate erkennbar gewesen sein müssen. Die Farbkombination bedeutet wohl sinngemäß „Gott ist auf unserer Seite“.

Ikonen

Ikonen werden geschrieben und verfügen deshalb über einer eigenen Sprache. Die wesentliche Essenz dieser Sprache ist die göttliche Präsenz in den Darstellungen 1 .

Man kann sich heute kaum noch vorstellen, welche Bedeutung die religiösen Symbolik im Mittelalter bei den Menschen auslöste. Vermutlich haben auch diejenigen, die nicht lesen konnten, wenigstens die mystische Bedeutung der Farbcodes „lesen“ können. Vielleicht wurde es den gehobenen Ständen von den Gelehrten während einer privaten Ausbildungsphase erklärt.

Ausgehend von den religiösen Vorschriften zur Verwendung der Farben "Blau, Purpur und Scharlachrot", die Gott im Buche Exodus 2 in 25-facher Detaillierung und im Buch 2. Chronik 3 dreimal ausführlichst dokumentiert hat, wurde im Mittelalter eine Reihe von Vorschriften zur Gestaltung der Gottesbilder und Heiligen einzuhalten seien. Ikonen werden deshalb nach traditioneller Farbmustern in Rot und Blau gemalt. Für die Farbzuweisung der Gewänder gilt laut Web-Eintrag 4 folgende Regel:

Für Maria gilt ein rotes Obergewand und ein blaues Untergewand.

Für Christus gilt ein blaues Obergewand und ein rotes Untergewand.

Im 7. und 8. Jahrhundert ist ein Bild in den Ost- und Westkirchen nur eine Ikone, das in seiner Gestalt und Form dogmatisch und unantastbar bleibt. Erst in der karolingischen Synodalentscheidung wurde das heilige Bild wieder für die schöpferische Phantasie des abendländisch-christlichen Künstlers freigegeben. Der Maler war nun nicht mehr an das verpflichtende Modell des Archetypus gebunden. Deshalb wächst in späteren Jahren die Bereitschaft der Künstler die Farbcodierung nach eigenem Ermessen zu gestalten. Dante (1265- 1321) deutet auf die religiöse Symbolik 5 in seinem Werk „Göttliche Komödie“. Nur deshalb wird die religiöse Dichtung wieder gebilligt. Ab dieser Zeit kann man deshalb Abweichungen von den Standards und Normen erwarten, aber:

„der abendländische Kunst wird noch einige Jahrhunderte brauchen um sich von den Archetypen wirklich zu lösen“ 6

brauchen um sich von den Archetypen wirklich zu lösen“ 6 Abb. 2: Jesus Christus in Rot

Abb. 2: Jesus Christus in Rot und Blau

1 Auf der Web-Seite gibt es eine Galerie mit Beispielen. 2 Kap. 25->27 und 35->39

3 Kap. 2 & 3

2 Kap. 25->27 und 35->39 3 Kap. 2 & 3 A b b . 1 :

Abb. 1: Heiliger in Rot und Blau

5 dabei unterstützt von der abwechselnd roten und blauen Buchstaben

Der Grabmantel des Keltenfürstes von Hochdorf

Erstaunlicherweise stimmen die Farbcodierungen überein mit der fürstlichen Bekleidung, die im Grab des Keltenfürstes von Hochdorf gefunden wurde. Der Purpurmantel wurde bekanntlich gewebt in feinstem Zwirn aus Rot und Blau. Das Grab stammt aus etwa 530 vor Christus.

aus Rot und Blau. Das Grab stammt aus etwa 530 vor Christus. Abb. 3: Fürstliches Keltengrab

Abb. 3: Fürstliches Keltengrab in Hochdorf

etwa 530 vor Christus. Abb. 3: Fürstliches Keltengrab in Hochdorf Abb. 4: Der Keltenfürst in roten

Abb. 4: Der Keltenfürst in roten und blauen Tüchern

Die französische Tricolore

Um 1328 schmückten sich die Herren des Haus Valois, d.h. eines französischen Königshauses, aus dem dreizehn Könige von Frankreich stammten in Blau mit goldenen Fleurs-de-lis in einer roten Umrandung. Seitdem tragen die französische Könige auf Vignetten und Manuskripte ein rotes Gewand unter einem blauen Obergewand, das mit goldenen Fleurs-de-lis geschmückt wird. Diese Kleiderordnung stimmt selbstverständlich genau überein mit der Farbcodierung für die Christus- Ikone. Die symbolische Farben für die Stadt Paris sind seit 1358 traditionell Blau und Rot, als der Pariser Revolutionsführer Etienne Marcel sie gegen den König und Dauphin eingeführt hat. Kommandant Lafayette hat dann 1794 daraus durch Hinzufügen von der Farbe Weiß die französischen Flagge in Blau-Weiß-Rot gestaltet.

Weiß die französischen Flagge in Blau-Weiß-Rot gestaltet. Abb. 5: Französische Flagge in Blau-Weiß-Rot (1358) Aus

Abb. 5: Französische Flagge in Blau-Weiß-Rot (1358)

Aus einer analogen Entwicklung seien ggf. auch die Flagge der Niederlanden, die Union Jack, die US-Flagge und die russische Flagge aus der göttlichen, bzw. biblischen Vorschrift zur Farbkombination der Bücher Exodus bzw. Chroniken entstanden.

der Bücher Exodus bzw. Chroniken entstanden. Abb. 6: Flagge der Niederlanden (1572) Im nachfolgenden Text

Abb. 6: Flagge der Niederlanden (1572)

Im nachfolgenden Text werden die Beispiele aus der Codex Manesse dokuemntiert.

Codex Manesse (1305 - 1340)

Diese Regel wurde nun im Mittelalter auch für die kaiserliche und königliche Bekleidung angewandt, was man sehr gut in der sog. Codex Manesse 7 ablesen kann. Dieser Codex ist vollständig im Internet verfügbar. Die Farbcodierung mit Rot und Blau wird nicht nur in der fürstlichen Kleidervorschrift, sondern auch in der Farbgestaltung der Schrift angewandt. Es wird gar ausschließlich die Farbkombination Rot und Blau für Initialen verwendet. Von diesen Farbcodierungen werden jeweils einige Beispiele und die vollständigen Adressen im Internet dargestellt.

Das Register

Bereits das Register der Codex Manesse wird mit abwechselnd roten und blauen Initialen ausgestattet. → Siehe: 4v: Register

und blauen Initialen ausgestattet. → Siehe: 4v: Register Abbildung 7: Register der Codex Manesse Die komplette

Abbildung 7: Register der Codex Manesse

Die komplette Handschrift

Aus dem Internet kann man die komplette Handschrift der Codex Manesse (als PDF- Datei , 101 MB) laden und anschauen. Dabei fällt auf, dass die Textseiten analog an den üblichen mittelalterlichen Prachtbibeln abwechselnd mit rot und blauer Schrift geschrieben worden sind.

7 Cod. Pal. germ. 848, Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), Zürich, 1305 bis

1340

Der Kaiser Heinrich

Kaiser Heinrich wird mit nach religiöser Kleidervorschrift mit einem roten Obermantel und blauen Untermantel dargestellt. Auch die Umrandung wird in den göttlichen Farbcodes Rot und Blau (ggf. auch das Weiß ?) gestaltet. → Siehe: Kaiser Heinrich

auch das Weiß ?) gestaltet. → Siehe: Kaiser Heinrich Abbildung 8: Kaiser Heinrich (Ausschnitt Codex Manesse)

Abbildung 8: Kaiser Heinrich (Ausschnitt Codex Manesse)

König Tyro von Schotten

König Tyro von Schotten wird mit nach religiöser Kleidervorschrift mit einem blauen Obermantel und roten Untermantel dargestellt. Seine Partnerin oder Partner trägt einen roten Obermantel und einen blauen Untermantel. Der König erfüllt die Ikonenvorschrift für Christus und die Partnerin die Vorschrift für Maria. Auch die Umrandung wird in den göttlichen Farbcodes Rot und Blau (dazu jedoch auch: Gold) gestaltet.

König Wenzel von Böhmen

König Tyro von Schotten wird gemäß religiöser Kleidervorschrift mit einem blauen Obermantel und roten Untermantel auf einem purpur-farbenen Thron dargestellt. Der König erfüllt die Ikonenvorschrift für Christus.

König Konrad der Junge

König Konrad der Junge trägt einen grünen Mantel, der vielleicht deshalb von der Norm abweicht, weil er sich auf der Jagd befindet. Die Bildumrandung wird jedoch in den göttlichen Farbcodes Rot und Blau gestaltet.

Der untere Adel

Der untere Adel darf offensichtlich nicht mit den göttlichen Farben Rot und Blau bekleidet werden. Die Umrandungen sind jedoch überdurchschnittlich oft in Rot und Blau dekoriert.