Sie sind auf Seite 1von 31

Von Dudeldorf bis Motterwitz

Limericks aus deutschen Landen

Sabine Büssing
Ein Franzose beim Richter in Thür
gelobt: "Isch nix können dafür.
Dieses Eau de toilette
stammt nischt aus dem Klosett.
Darauf leiste isch jedes Geschwür!"

Ein Bräutigam warnte in Brase


seine Braut: "Mir läuft ständig die Nase.
Schon seit ehedem
ist das mein grosses Problem."
Drauf die Braut: "Bei mir ist's nur die Blase."

Wenn ein Triebtäter nahte in Puch,


war der Frau'n letzter Seufzer nur: "Huch."
Fielen um wie die Fliegen -
achtlos liess er sie liegen,
getötet durch Achselgeruch.

Ein verwirrter Pastor in Stammeln


predigt: "Lasst es uns gleichtun den Hammeln.
Sie säen nicht
und sie ernten nicht
und können doch jeden Tag rammeln."

Nach dem Tod eines Alten in Haus


gab's den ortsüblichen Leichenschmaus.
Alles frass, keiner weinte,
bis die Kaltmamsell meinte:
"Mit einer Leich' komm' wir nicht aus."

Einem armen Pensionsgast in Luttern


gab die Wirtin fast nie was zu futtern.
Er hatt' auch kein Bett,
doch er fand's trotzdem nett -
schliesslich war es genau wie bei Muttern.

Alle Ehemaligen von Bad Steben


sieht man einmal im Jahr einen heben.
Lauscht man den Veteranen,
kann man bald schon erahnen,
dass nur wen'ge die Kur überleben.

Der berüchtigte Schlächter von Auen,


der liebte besonders die Frauen.
Die kleineren Kinder,
die mocht' er nicht minder,
doch die waren so schwer zu verdauen.

Ein armer Dichter aus Gries


preist den Ort als sein Versparadies.
Er nennt dort jede Gass
seinen Musenparnass,
meint poetisch nur: "Sch... auf Paris."

Dem Freund sagt ein Doktor in Gmund,


er leide an Hirnzellenschwund.
"Doch jetzt krieg keinen Schreck:
Ist das Zeug erst mal weg,
wirst du im Handumdrehn wieder gesund."

In der Vorstadtkirche von Danna


kriegt man Rotwein für zehn Hosianna.
Doch für drei Ave Maria
in der Dorfpizzeria
gibt’s 'ne Doppelportion süsses Manna.

Durch einen grausamen Fluch ist in Oos


seit uralter Zeit nichts mehr los.
Ein Todkranker im Fieber
sprach sterbend: "Schwamm drüber."
Jetzt wächst überall nur noch Moos.
Beim Spaziergang durchs ländliche Poppel
bemerkten Vater und Sohn ein Gehoppel.
"Was tun die zwei Hasen,
die dort herumrasen?"
"Das nennt man ein gemischtes Doppel..."

Einen Fakir in ('tschuldigung) Pissen,


den plagte einmal sein Gewissen.
Er hatt's Nagelbett verschmäht
und die Reisszweck-Diät,
biss zur Strafe ins Stecknadelkissen.

Eines Tages wollt' jemand in Dapfen


ganz nackt durch den Winterfrost stapfen.
Doch in Eis, Schnee und Reif
ward er vollkommen steif,
ward zum Schneemann mit vorn einem Zapfen.

Eine ängstliche Frau in Salzgitter


wird zum Mimöschen bei jedem Gewitter;
bebt bei Donner und Blitzen,
kann dann still niemals sitzen
und spielt zur Begleitung die Zither.

Ein Pfarrer drunten in Pritzen,


der hatte gehörig ein' sitzen.
Der Küster druckste herum,
sei es nicht etwas dumm,
Herzchen in den Beichtstuhl zu ritzen?

Es leugnen zwei Vetteln in Exten,


dass sie heimlich die Bullen verhexten.
"Ihr sagt, an jedem dritten
hätten wir 'rumgeschnitten -
dabei hexen wir immer am Sechsten!"

Es sprach auf dem Campingplatz Elten


ein Romeo: "Uns trennen Welten.
Dein Klan lebt voll Behagen
im grossen eigenen Wagen.
Meiner haust in drei Zwanzig-Mann-Zelten!"
Eine Frau schrieb 'nem Greise in Stenden:
"Mein Kind ist die Frucht deiner Lenden."
Den Mann liess das kalt:
"Meine Lenden sind alt,
zu dem Zweck nicht mehr zu verwenden."

Ein Potenzprotz im Ort Oberstreit


prahlte stets: "Ich bin allzeit bereit."
Eine nahm ihn beim Wort,
da musst' ganz schnell er fort:
"Heut grad nicht...aber sonst jederzeit!"

Den Bürgermeister von Kappe


hielten alle für eine Attrappe.
Er fiel in den Teich -
da wusste man gleich:
Der Mann war tatsächlich von Pappe.

Wie der Name schon sagt, sind in Blindert


eine Reihe von Leuten behindert.
Dass im Orte die Blinden
sich im Dunkeln nur finden,
hat die Einwohnerzahl nicht vermindert.

Es bat eine Jungfrau in Schuld


ihren Galan um ein bisschen Geduld.
"Nur neun bis zehn Jährchen,
dann sind wir ein Pärchen,
dann schenk' ich dir all meine Huld."
"Warum", fragt ein Weiser in Roden,
"bevorzugt der Mensch fremden Boden?
Weil er den Ort vermisst,
wo er gerade nicht ist.
Drum liebt jeder die Antipoden."

Der Gesangsverein im Städtchen Hungen


heisst "Wie schon die Alten sungen".
Dort bei den Greisen
lässt sich beweisen:
Zum Singen braucht man keine Lungen.

Man sagt, die Strassen von Kaster


sei'n mit Abstand das teuerste Pflaster.
Jeder Weg, jede Wand
besteht aus Diamant,
selbst die Gullis sind aus Alabaster.

König Karl weilte einstens in Gahlen,


liess dort ein Portrait von sich malen.
Statt Geld zu empfangen,
musst' der Kunstmaler hangen,
starb dortselbst unter schlimmen Kawahlen.

Seit alter Zeit sucht man in Schale


nach dem sagenhaft Heiligen Grale.
Die Suche war leicht,
etwas zu leicht vielleicht -
denn man fand ihn schon Dutzende Male.

Es trieb einen Angler in Thalfang


hinaus in die Welt, auf zum Walfang.
Er traf dort Moby Dick
und kam schnurstracks zurück:
Nun begnügt er sich völlig mit Aalfang.

Ein Schlauberger feilschte in Mittich


mit dem Tierhändler um einen Sittich.
"Das Vieh hat ja Dellen,
überhaupt keine Wellen
und obendrein nur einen Fittich!"

Es war mal ein Neuling in Uetze,


dessen Mama wollt', dass er sich schütze.
Dem Umgang mit Frauen
dürfe er nicht vertrauen;
darum strickte sie die kleine Mütze.

Auf Staatsbesuch im kleinen Gahma


weilte einstens auch der Dalai Lama.
Es ist nicht das Dach der Welt
(nicht mal auf den Kopf gestellt),
doch selbst ein Hintern besitzt Panorama.

Eine liebende Hausfrau in Pierling


kochte ihrer Familie Schierling.
Einer kriegte nichts mit
und blieb darum topfit -
der letzte noch lebende Vierling.

Zum Freund sprach die Bäck'rin von Schupf:


"Bist du scharf auf 'nen Gugelhupf?"
Er verstand nichts von Kuchen.
Jetzt, da alle ihn suchen,
braucht verzweifelt er Unterschlupf.

Einen Melancholiker sah man in Strasen


den ganzen Tag nur Trübsal blasen.
Jetzt übt er auf der Posaune,
hat gleich bessere Laune,
denn er bringt seine Umwelt zum Rasen.
Dank der Städteplaner von Grauen
darf man dort selbiges neuerdings schauen.
Eine Skyline mit Kratzern
und anderen Patzern
kann so scheusslich Chicago nicht bauen.

Der Verkehrsverein von Gross Gastrose


stellte eine recht düstre Prognose.
Für den Ort sei der Name
keine gute Reklame -
doch Gross Gastritis ging auch in die Hose.

Es knüpfen die Ratsherrn von Grande


mit Partnerstädten gern Bande.
Um den Fremdenverkehr
bemüht man sich sehr...
Kommt mit Rio der Bund wohl zustande?

Einst brachten die Ratten von Glöthe


die Einwohner in arge Nöte.
Der Hamelnsche Fänger,
der wollte nicht länger:
"Sucht euch doch 'ne andere Flöte!"

In einem Gasthof in Simmern


fragt man vergeblich nach besseren Zimmern.
Direkt unterm Dach
gibt’s bloss Ungemach,
in dem kann man nur sich verschlimmern.

Die meisten Bewohner von Wurz


tragen sommers wie winters 'nen Schurz.
Egal, ob aus Federn,
aus Lack oder ledern:
Hauptsache, der Schurz ist schön kurz.

Viele Menschen finden in Kist


das Leben ganz unglaublich trist.
Nach fünfzig Jahr'n oder mehr
scheint es nicht mehr so schwer.
Es ist wahr: Glücklich ist, wer vergisst.

Die Verwaltung der kleinen Stadt Kremmen


plant 'nen Schutzwall, den Ort einzudämmen.
Da meldet sich schon
die Opposition:
Ob's nicht besser, das Kaff wegzuschwemmen?

Es gab einen Schönling in Heitel,


der war über jedes Mass eitel.
Das Haar auf dem Kopf
trug er meistens als Zopf,
das Haar unterm Gürtel mit Scheitel.

Es warnte ein Arzt einst in Falken:


"Guter Mann, Sie droh'n zu verkalken.
Doch fängt's an zu rieseln,
werden Körnchen zu Kieseln,
stützt man Sie einfach ab mit zwei Balken."

Ein Magier hexte in Egg


auf der Bühne 'nen Gatten hinweg.
Die Frau fand das toll,
seufzte hingebungsvoll:
"Das war hoffentlich nicht bloss ein Gag."

Ein armes Würmchen in Brake


wär für's Leben so gern eine Schnake.
Mit ein bisschen Glück
wird aus ihm eine Mück',
mit viel Glück vielleicht 'ne Kakerlake.
Ein Fahrlehrer sagte in Upen:
"Wenn's eng wird, dann müssen Sie hupen."
Einer Dame wurd's eng,
drauf der Fahrlehrer streng:
"Ich sagte doch 'hupen', nicht 'pupen'."

Ein Knabe wurde in Kirn


geboren so ganz ohne Stirn.
Doch die Hebamme spricht:
"Wichtig ist die Stirn nicht.
Schliesslich hat er ja auch kein Gehirn."
Ein Altinvalide in Lorsch
fand sich selbst noch recht knackig und forsch.
Er hat ein Mädchen begehrt
und wurde sofort belehrt -
denn nicht nur sein Holzbein war morsch.

Es prahlte ein Magier in Haubern,


er könne ganz wunderbar zaubern.
Seine Gattin gab trocken
ihm einen schmutzigen Socken:
"Nun zaubere mir einen saubern."

Am Waldrand nordöstlich von Bleiche


fand man vorletzte Woche 'ne Leiche.
Und heut früh um neune
sah man schon wieder eine.
Keine Sorge: Es ist noch die gleiche.

Die Ureinwohner von Norf


sind ganz überwuchert von Schorf.
Aber wenn sie sich kratzen
und die Schichten aufplatzen,
dann sieht man: Es ist doch bloss Torf.

In alter Zeit hängte in Kappeln


Verbrecher man an hohe Pappeln.
Drunten rief man dann munter:
"Wir hol'n dich gleich runter,
erst musst du aufhören zu zappeln!"

Die ehrbaren Frauen von Litten


bewahren noch sehr strenge Sitten.
Im Fall eines Falles
gestatten sie alles,
doch muss man sie vorher drum bitten.

Ein Neuankömmling in Oker


spielte mit Einwohnern Poker.
Er schrie plötzlich: "Basta!
Ihr spielt ja Canasta.
Beim Pokern gibt’s doch keinen Joker!"

Einen reichen Mann bat in Schwand


ein Freier um Töchterleins Hand.
Die bekam er sofort,
dann verliess er den Ort,
nahm die Hand und entkam unerkannt.

In einem Kloster bei Norden


wohnt von Franziskanern ein Orden.
Weil fast leer die Abtei,
sind auch Frauen dabei -
Gott, was ist nur aus ihnen geworden?

Es klagt ein Knabe in Micheln,


dass die anderen Jungen ihn sticheln.
Zwar denkt man gleich: Stichelei -
da ist doch gar nichts dabei!
Allzu weh tut es aber mit Sicheln...
Im zoologischen Park von Ockrilla
residiert höchst privat ein Gorilla.
Wie jedes ganz hohe Tier
kriegt auch der Affe hier
'nen Chauffeur und 'ne eigene Villa.

Ein alter Waidmann in Stoffen


war auf Volksfesten immer besoffen.
Auf der Trauerfeier
für Jägerfreund Meier
hat er mitten ins Schwarze getroffen.

Der Freund einer Dame in Lüder


wurd' beim Liebesdienst jeden Tag müder.
Ohne Saft, ohne Kraft
stöhnte er abgeschlafft:
"Ich habe noch drei hübsche Brüder."

Unter der Jugend von Ingeln


wimmelt es nur so von Schlingeln.
Geht’s um Tierquälerei,
sind sie immer dabei:
Sie lieben es, Nattern zu ringeln.

Ein armer Mann kriegte in Hansen


zu Mittag nichts weiter als Pansen.
Unter Tiereingeweiden
musste er furchtbar leiden;
sein eigener Pansen hat Fransen.

Ein seltsamer Fremder in Jabel


hatt' am Bauch einen riesigen Nabel.
Er erzählte, man nahm
(dort, wo er herkam)
bei Geburten nicht Schnur, sondern Kabel.

Einem Dieb sagt der Richter in Inger:


"Guter Mann, Sie haben zu lange Finger."
Drauf der Kerl obstinat:
"Die brauch ich privat.
Meine Freundin hat sehr grosse Dinger."

Einen Schlafwandler musste in Hesseln


man wegen des Schlafwandelns fesseln.
Denn wenn er so schlief
und frei dabei lief,
dann setzte er sich in die Nesseln.

Bei einer Familie in Horben


war der Urgrossonkel verstorben.
Niemand konnte den Siechen
zu Lebzeiten riechen -
aber tot roch er reichlich verdorben.

Eine ältere Dame in Hopfen


fing plötzlich an, dauernd zu tropfen.
Ihr Hausarzt beschloss,
als fast sie zerfloss:
"Wir stopfen Sie besser mit Pfropfen."

Ein Gourmet spendierte in Dachtel


seinen Freunden das Ei einer Wachtel.
Nachdem er's serviert
und bei Tische tranchiert,
gab er jedem der Gäste ein Achtel.

Ein Knabe ward in Grosskoschen


von seinen Freunden verdroschen.
Man zog ihn hoch an den Beinen,
er fing laut an zu weinen,
doch zum guten Schluss fiel er, der Groschen.
Eine Metzgersfrau aus Schweinebrück
hatte im Unglück noch Glück.
Hat aus Verseh'n ihren Alten
mit dem Beile gespalten:
Jetzt hat sie statt einem zwei Stück.

Eine einsame Dame in Ediger


verknallte sich in einen Prediger.
Er zog sie in seinen Bann,
da kam ein anderer Mann -
der war ihr noch lieber, weil lediger.

Auf dem Wochenmarkte von Södel


bekommt man unmöglichen Trödel:
nicht nur Saurierknochen
oder Gräten von Rochen,
sondern echte versteinerte Knödel.

Einem Mann glückt es niemals in Tangeln,


einen einzigen Plattfisch zu angeln.
Um eine Flunder zu kriegen,
soll's jedoch schon genügen,
einen rundlichen Fisch heiss zu mangeln.

Ein Landstreicher fror nahe Lintern


am Meilenstein fest mit dem Hintern.
Er kam von dem Fleck
nicht rechtzeitig weg
und musste drum dort überwintern.

Beim Frauensymposium in Speele


wurd' behauptet, dass Männern was fehle.
Schon rein anatomisch
seien Männer so komisch,
und überhaupt – hat der Mann eine Seele?

Eine Schlampe im Ort Unterkochen


vergass ihr Gekochtes für Wochen.
Das Fleisch war verfault,
der Freund war vergrault:
Er hatte den Braten gerochen.

Der Oberkampftrinker von Hurst


isst ausschliesslich pfeffrige Wurst.
Er kann Scharfes nicht leiden,
würde gern es auch meiden...
doch man kriegt davon sooo schönen Durst.

's sprach ein alter Verehrer in Odert:


"Oh sieh meine Lieb', wie sie lodert!"
Die Maid, welche kühl,
meinte ohne Gefühl:
"Oh sieh deinen Leib, wie er modert!"

Im Kammerorchester von Schwante


spielen alle Instrumente andante,
aller ausser der Bratsche -
die spielt allegro vivace,
und der Kontrabass spielt "Charleys Tante".

Ein Kritiker in Bechterdissen


schrieb: "Das Schauspiel war schlechtweg besch..."
Der Intendant, erst erbost,
fand dann folgenden Trost:
"Wenigstens hat der Kerl uns nicht verrissen."

Auf einer Hochzeit in Eppe


trat jemand der Braut auf die Schleppe.
Sie hat "Hoppla!" gerufen,
nahm auf einmal zwölf Stufen
und war Erste am Fusse der Treppe.
Ein Hallodri entwickelt in Spasche
bei Frauen eine ganz neue Masche.
Er trägt vorn ein Etikett,
darauf steht kurz und nett:
"Nuckle mich. Ich bin eine Flasche."

Zu seinem Weibe in Kausche


sagte ein Mann: "Still. Ich lausche."
"Ach, du bist ja besoffen",
sprach sie schonungslos offen -
dabei lauschte ihr Mann doch dem Rausche.

Dem Geliebten reicht in Kaltenmark


eine Frau als Potenzmittel Quark.
So sehr er sich weigert,
sie weiss, der Quark steigert
die Leistung, denn nur Quark macht stark.

Ihren Hausfreund liebt Erna aus Zinst


nur im Finstern, damit er nicht linst.
Die Idee fand er prächtig,
das ist Erna verdächtig;
nun kann sie nicht seh'n, ob er grinst.

Im ersten Hotel der Stadt Limmer


hat man Raucher- und Nichtraucherzimmer.
Das versteht man schon kaum,
doch gibt es noch einen Raum
ausschliesslich für Taucher und Schwimmer.

Auf einem Hühnerhof in Heinbockel


hassten alle den obersten Gockel.
Anstatt lange zu flennen,
verschwor'n sich die Hennen
und stiessen den Alten vom Sockel.

Am Stadttheater von Schier


gab man heuer auch den "König Lear".
König Lear, leicht verwirrt,
hat am Schluss deklamiert:
"Mein Königreich für ein Glas Bier!"
Es gibt seit zwei Jahren in Bitter
eine Hochschule für Babysitter.
Diese Akademie
vertritt die Philosophie:
"Kleine Kinder gehör'n hinter Gitter."

Ein Mann tat sich in Vierzehnheiligen


an einem Dichterwettstreit beteiligen.
Dem Wettkampfgericht
kam er mit 'nem Gedicht,
einem zweitausendfünfhundertzeiligen.

Es stellte ein Mädchen in Slamen


sich vor bei den Freudenhausdamen.
Man will sie engagieren:
Sie kann sechs Sprachen parlieren,
hat in Soziologie ein Examen.

Ein pickliger Jüngling in Rex


kommt nicht gut zurecht mit dem Sex.
Was andre Männer besitzen
und ab und zu auch benützen,
reicht bei ihm nur zu einem Komplex.

Einem dämlichen Esel in Schlatt


schien das Eis auf dem Teich nicht zu glatt.
Doch schon sehr bald
verlor er den Halt,
streckte viere von sich und war platt.
Es zeugte ein Zeuge in Schechen:
"Der Kerl da beging ein Verbrechen.
Er hat es am Magen,
wird gleich er euch sagen -
drum musst' er den Wandsafe erbrechen."

Ein diebischer Doktor in Repten


betrieb Handel mit falschen Rezepten.
In der Nacht kamen viere,
die statt der Papiere
des Quacksalbers Grippe verschleppten.

Die jüngeren Frauen in Pillig


sind wunderschön, aber nicht willig.
Die älteren Damen,
die zum Zuge nun kamen,
sind potthässlich, aber sehr billig.

Fast jeder Dichter in Schmerz


reimt seine Heimat auf "Herz".
Der Oberpoet
hingegen gesteht:
"Das Leben in Schmerz ist ein Scherz."

Ich kenne ein Mädchen in Schleich,


deren Bräutigam ist leichenbleich,
hat zwei sehr lange Zähne,
kriegt bei Sonne Migräne,
doch am Goldsarg sieht man: Er ist reich.

In der katholischen Kirche von Lutten


gab es jüngst einen Streit um drei Putten.
Diese war'n splitternackt
und gehörten verpackt,
deshalb kleidet man sie nun in Kutten.

Von einem reinlichen Arzt in Holzmaden


stammt der Brauch, einmal jährlich zu baden.
Damit hat dieser Mann
gar nichts Gutes getan:
Zuviel Baden kann fürchterlich schaden.

Ein Möchtegern-Dichter in Eimen


suchte völlig verzweifelt nach Reimen.
Die Kunst, Verse zu schmieden,
war dem Mann nicht beschieden,
seine eigenen musste er leimen.

Von drei bildschönen Schwestern in Einste


war Kunigunde die kleinste.
Es heisst "Klein aber fein",
drauf fiel mancher herein:
Kunigunde war auch die gemeinste.

Die durstigen Seelen von Gumpen


bevorzugen Starkbier aus Humpen.
Ist das letzte Fass leer,
gibt es Flaschen nicht mehr,
heisst es: "Auf, Leute, ran an die Pumpen!"

An einem Teich in der Nähe von Stixe


traf ein Stixer einst auf eine Nixe.
Sie ward von ihm ergriffen,
drum hat sie ihn gekniffen,
denn die Nixe war eine ganz Fixe.

Von seiner Braut erwartet in Dähre


ein Mann, dass sie Söhne gebäre.
Sie erwartet von ihm,
dass ganz legitim
er besagte Söhne ernähre.
Ein schüchterner Knabe auf Föhr
findet nie bei der Liebsten Gehör.
Der Arme verschmachtet.
Ehe ihn sie beachtet,
geht ein ganzes Kamel durch ihr Öhr.

Der berühmte Jäger von Fall


fliegt doppelt so schnell wie der Schall.
Er glaubt: "Ich bin ein Star."
Seiner Freundin ist klar:
"Der Kerl hat 'nen Überschall-Knall."

Ein Mann will kein Mädchen in Clenze,


das älter ist als achtzehn Lenze.
Schon mit neunzehn seien Frauen
nicht mehr nett anzuschauen -
irgendwo zieht halt jeder die Grenze.

Ein Künstler nannte in Sack


das Publikum "dämliches Pack".
Jetzt kommt er gut an
und liebt jedermann...
Das Pack hat wohl plötzlich Geschmack.

Früher nannte man Ärzte in Haader


aus triftigen Gründen nur "Bader".
Damals schon war'n die Flegel
gierig wie ihre Egel,
liessen jeden Gesunden zur Ader.

Es wuchsen 'nem Manne in Börnchen


von jedem Seitensprung Hörnchen.
Und wer nicht glaubt dem Gedicht,
weiss doch: In jeder Geschicht'
steckt von Wahrheit zumindest ein Körnchen.

Den Ausbrecherkönig von Strande


verfolgt man zu Wasser, zu Lande.
Im Trocknen, im Nassen
ist er nicht zu fassen.
Die Suche verläuft jetzt im Sande.

Fast jeder Mann in Niedergaul


ist seinem Weibe zu faul.
Vor der Ehe sieht man
das den Gaulern nicht an:
Einem Gauler schaut man nicht ins Maul.

Beim Anblick der Freundin in Haide


stöhnt ein Liebhaber: "Welch Augenweide!"
Er meint nicht Hals, meint nicht Brust,
drauf spürt er keine Lust -
er spricht einzig von ihrem Geschmeide.

Auf Wunsch einer Dame in Heinert


hat den Busen man ihr stark verkleinert.
Niemand weiss, wie's geschah:
Als der Freund sie so sah,
ist der Ärmste vor Schreck ganz versteinert.

In den alten Annalen von Halen


steht geschrieben, dort hausten Vandalen.
Die war'n ganz schlecht gelitten,
hatten schreckliche Sitten,
assen Walnüsse immer mit Schalen.

Im Hochsommer schlich sich in Haidt


ein Rittersmann zu einer Maid,
hat dort nicht nur 'ne Nacht,
sondern länger verbracht,
denn auf einmal rief sie: "Guck! Es schneit!"
Den Jungfrauen in Erbenschwang
wird’s manchmal im Busen so bang.
Wenn sie nah und auch fern
wildes Brunftgeschrei hör'n,
ist das wahrlich ein schauriger Klang.

Beim Zahnarztbesuch tut in Euben


ein Macho sich jedesmal sträuben.
Er macht fast in die Hose,
und vor jeder Narkose
muss man ihn erst mal gründlich betäuben.
Kurz nach der Geburt im Ort Eissen
konnte Fritzchen die Eltern schon beissen.
Jetzt ist Fritz gerade sieben,
hat fast jeden vertrieben,
man sah ihn kürzlich den Postboten reissen.

Im Urlaub reist Herr Müller aus Egeln


nach Fuerteventura zum Segeln.
Baden geht er in Mailand,
Schurzejagen in Thailand,
und ins Nachbardorf geht er zum Kegeln.

In Werbebroschüren gilt Dörth


als "der Ort, wo der Hirsch immer röhrt".
Man sagt auch, Fuchs und Hase
rieben dort sich die Nase,
und selbst Kühe hätt' man schon gehört.

Es nannte ein Bauer in Büppel


seinen einbein'gen Nachbarn "Du Krüppel."
Der hatte zwar nur ein Bein,
doch er war hundsgemein
und besass einen riesigen Knüppel.

In der Laiensingtruppe von Moor


tönt der Tenor immer aus vollem Rohr.
Der Lokalrezensent,
der den Sänger gut kennt,
trägt sein Hörgerät selten im Ohr.

Ein Elternpaar kriegte in Schemde


vom Sohn einen Brief aus der Fremde:
"Hier sitz ich und bete,
rückt raus mit der Knete,
ich stehe jetzt bloss noch im Hemde."

Seinen Zimmergenossen in Diethe


nannte der Freund eine Niete.
Das hat bald er bereut,
er weiss spätestens heut:
Die Niete zahlte die Miete.

Ein Bauer entwickelt in Ueffeln


Methoden zur Suche von Trüffeln.
Er mag keine Schweine
(die zieh'n an der Leine);
er bevorzugt die Hilfe von Büffeln.

"Mama", fragt ein Mädchen in Euchen,


"was sind denn wohl 'lustige Seuchen'?"
Die Mutter war weise,
sprach zu sich selbst leise:
"Die haben Männer, die im Bett furchtbar keuchen."

Ein Mann brüstet sich auf Pellworm,


sein Erfolg bei den Frau'n sei enorm.
Seinen herrlichen Leib
begehrt jedes Weib...
und falls nicht, nimmt er halt Chloroform.
Die Ortsmäzene in Brunst
verstehen nicht viel von der Kunst.
Jeder Maler, der malt,
wird vom Stadtrat bezahlt;
rätselhaft ist der Stadtväter Gunst.

Ein Bariton in Obermeiser


war auf der Bühne oft heiser.
Der Heldentenor
und der Seefahrerchor
sangen ihm zu: "Sing doch leiser!"

Man spielt den "Othello" in Polch,


und Othello erhebt grad den Dolch,
da tönt es aus dem Parkett:
"Dein Weib liegt tot im Bett -
was willst du denn jetzt noch, du Strolch?"

Ein verrückter Erfinder in Rohr


treibt Geheimes in seinem Labor.
In seiner Freizeit nach acht
hat er Blödsinn gemacht:
einen Kunstmenschen aus Styropor.

Ein Häftling beklagt sich in Nochen,


er habe doch gar nichts verbrochen.
Das ist auch nicht wichtig,
es war sicher richtig,
den Kerl präventiv einzulochen.

Die Avantgarde probt in Pilgerzell


den Aufstand des Schillerschen "Tell".
Der Tell hat nichts an,
Gessler ist gar kein Mann,
und die Gasse führt quer durchs Bordell.

Es war ein Ostfriese in Aurich,


dem wurd's bei Gewitter so schaurig.
Er rannte zum Deich
und soff ab sogleich.
Ist diese Geschichte nicht traurig?

Bei seiner Fahrprüfung in Remse


tritt ein Prüfling zu stark auf die Bremse.
Er erklärt: "Ein Stück Wild
hätt' ich beinah gekillt.
Hier im Flachland zählt doch jede Gemse!"

Der Spitzensportler von Düben


ist zu faul, den Stabhochsprung zu üben.
Sein Trainer, kein Spass,
sagt zum Dobermann: "Fass!"
Und schwupps! - ist sein Schützling schon drüben.

Zwei Nahrungsexperten in Stenten


interviewten gezielt Konsumenten.
"Wieviel Kalzium, Fett, Vitamin, Proteine?"
Eine Frau gab zur Antwort mit leidender Miene:
"Ich lebe ausschliesslich von Alimenten."

Ein betrunkener Fahrer in Stammen


setzte nachts eine Tankstell' in Flammen.
Er gibt ja zu, er war blau,
doch eines weiss er genau:
Dieses Sch...ding da wollte ihn rammen!

Ein Adliger wurde in Egen


auf einmal ganz schrecklich verlegen.
Statt den Stammbaum zu zeigen,
verfiel er in Schweigen.
Er war bloss ein Edler...von wegen.
Ein Mann ward getadelt in Stüde:
Fürs Kamasutra sei er leider zu prüde.
Hundert Stellungen seien
nicht zuviel für den Laien,
und er würd' schon nach zwölf Stunden müde.

Zu spät merkte jemand in Pürgen,


es ist gefährlich, für andre zu bürgen.
Es sagt sein Freund: "Glaube mir,
mir tut's mehr weh als dir,
wenn sie gleich dich statt meiner erwürgen."

Ein Läufer im ländlichen Hoggen


ging mit seinen zwei Hunden einst joggen.
Er genoss den Lauf sehr,
doch genossen noch mehr
ihr Herrchen samt Leine die Doggen.

Im zoologischen Garten von Hähnen


lebt schon lange ein Rudel Hyänen.
Seit kurzem wird ihre Art
mit Krokodilen gepaart;
seitdem lachen die Viecher nur Tränen.

Die Altphilologen von Stein


haben einen gespalt'nen Verein.
Den Stammtisch beim Griechen
kann die Hälfte nicht riechen,
die essen viel lieber Latein.

Dem Platzcasanova von Unkel


wächst am stolzesten Teil ein Furunkel.
Er versteckt seinen Pickel,
hüllt ihn in heisse Wickel,
so entgeht er der Mädchen Gemunkel.

Der Westfälische TÜV in Emsdetten


prüft dort alle zwei Jahre Toiletten.
Für die Öko-Modelle
(die mit dem Plumps auf der Stelle)
gibt es kostenlose Plaketten.

Eine Strickerin zwang in Welfrode


ihren Mann in die wollene Mode,
wusch ihn ganz ohne Sanso,
das schrumpfte den Mann so,
der Kokon quetschte ihn bald zu Tode.

Einer Krankenschwester fielen in Metten


ständig Patientinnen aus ihren Betten.
Die blieben einfach nicht liegen,
doch sie konnte sie kriegen
und legte sie schleunigst in Ketten.
Einen Vagabunden in Lüben
sah das Volk eine Untat verüben,
sah ihn Unfrieden stiften
und die Brunnen vergiften,
dabei konnt' er kein Wässerchen trüben.

Treibhausgärtner bemerkten in Bisten


dass sie ihren Kollegen vermissten.
Den Pflanzen dort schmeckten
nämlich nicht nur Insekten:
Gerade Fleischfresser lieben Floristen.

Dem Gast eines Chefkochs in Nübel


wurd's bei Zwiebelgeruch immer übel.
Hat Beschwerde geführt,
doch der Koch, ungerührt,
stellte neben den Teller 'nen Kübel.
Ein Wunderpriester in Mandeln
kann Weisswein in Wasser verwandeln.
Ob's vielleicht andersrum geht,
fragt ein Grossist früh und spät,
denn erst dann mag er ernsthaft verhandeln.

Ein besessener Schreiner in Döbeln


fing an, Einwohner grob anzupöbeln.
Man sagt, Dummheit und Stolz
wachsen auf einem Holz -
vielleicht wollt' er mal Menschen vermöbeln.

Zur Kirchengemeinde in Brieden


spricht der Pfarrer vom himmlischen Frieden.
Wann der endlich denn komme,
fragt Helene, die fromme,
denn sie hätt' ihn viel lieber hienieden.

Zum Frisörmeister Kniebig in Gatzen


kommen ausschliesslich Männer mit Glatzen.
Von nah und von fern
besucht jeder ihn gern:
Platten kann kein Mensch zärtlicher kratzen.

Der Papst war zu Gast mal in Hasselt,


hat sich fast die Karriere vermasselt,
gab Geheimnisse preis,
die man besser nicht weiss...
Doch sein Beichtvater hat nicht gequasselt.

Einen zehnjähr'gen Säugling in Könen


will die Mutter vom Busen entwöhnen.
An Schnuller will er nicht ran,
grinst die Mama nur an:
"Ich hab doch schon so einen schönen."

Ein Schauspieleleve in Lünen


sprach vor bei den Städtischen Bühnen.
Was sein Lieblingsstück sei,
fragt der Intendant nebenbei.
Die Antwort war: "Schulden und Sühnen."

Das berühmte Opernhaus Jarmen


spielte letztes Jahr einmal die Carmen.
"Dies Zigeunerhaschee
ist doch niemals Bizet!"
meinten Kritiker ohne Erbarmen.

Zum Jubiläumsfest plant Berlichingen


dieses Jahr nicht, den "Götz" rauszubringen.
"Ach, leckt mich doch am Arsch!"
So der Bürgermeister barsch,
will's mit eiserner Faust doch erzwingen.

Die Garderobiere im Theater zu Maust


schimpft mit dem Darsteller des Faust.
"Warst mit dem Pudel intim,
und dein schönes Kostüm
ist nun völlig zerzaust und verlaust."

Die Ureinwohner von Neesen


sind bekanntlich gutgläubige Wesen,
schlucken jedes Gelaber,
ohne Wenn, ohne Aber,
stehst du lange mit ihnen am Tresen.

In der Karateschule von Süssen


tritt der Lehrer jeden Neuen mit Füssen,
klopft ihn weich mit der Hand,
wirft ihn dann an die Wand.
Das ist seine Art, Schüler zu grüssen.
Zwei Säufer im Dorfkrug zu Lossen
haben sich einmal zu heftig begossen.
Kiemen wuchsen dem ersten,
seinen Freund traf's am schwersten:
Dem sprossen seitlich zwei Flossen.

Eine Himmelfahrtsnase in Wichte


schrieb seiner Cousine Gedichte.
Denn Roxane, die Base,
besass auch so 'ne Nase.
So endet seelenverwandt die Geschichte.

Die Intellektuellen in Dabel


(so sagt es zumindest die Fabel)
hassten Fett an den Fingern,
assen mit seltsamen Dingern,
die nannten sie Messer und Gabel.

Die Knackis der Strafanstalt Hecken


sind wild auf Wettrennen mit Schnecken.
Die taugen besser als Käfer;
zwar sind sie Langschläfer,
doch mit Kopfsalat kann man sie wecken.

Eine Warntafel steht in Bayreuth


und verunsichert etwas die Leut'.
"Bitte nicht die Walküren
füttern oder berühren.
Das hat bisher jeden gereut."

Es gibt viele Sportler in Mauchen,


die Höchstleistung bringen und rauchen,
die mit Lungenzug schwimmen,
hohe Berge erklimmen,
für 'ne Camel kilometertief tauchen.

Ein sterbender Trinker in Bingen


konnt' sein Glas nicht zum Munde mehr bringen.
Da sagt' er: "Wisst ihr was?
Ich brauch gar kein Glas.
Mit 'nem Flaschenzug wird’s auch gelingen."

Der Schutzheil'ge von Iserlohn


ist ein undankbarer Patron,
nahm sich mit vom Altar
alles, was da so war,
zog zur Nachbarstadt heimlich davon.

Gleich bei der Madonna von Celle


entspringt eine Gerstensaftquelle.
Damit der Born nie versiege,
spendet nun ein Herr Fiege
und baut an der Stell' 'ne Kapelle.

Im Rotlichtviertel von Bach


kriegte ein Mann was aufs Dach.
Doch barmherzige Damen
(ich verschweige die Namen)
bekamen ihn schnell wieder wach.

Einen Heimwerker brachte in Lübeln


sein Regal aus Taiwan schwer ins Grübeln.
Drauf stand "This is a shelf."
Drunter: "Do it yourself."
Ganz egal, vielleicht klappt's ja mit Dübeln.

Einem Seebären auf Spiekeroog


sagt man nach, dass er niemals nicht log.
Doch kam's vor, wenn er klönte,
dass im Stübchen es dröhnte
und ein Balken sich sachte verbog.
Ein Beerenweiblein in Stücken
quälten beim Sammeln die Mücken.
Für ihren Blaubeerkuchen
muss ihr Schwiegersohn suchen.
Sie wünscht ihm fröhliches Pflücken.

Für die Erzbürokraten von Empel


ist ihr Rathaus ein himmlischer Tempel.
Sie knien auf tintigen Kissen,
in Papierkram verbissen,
und beten zum heiligen Stempel.

In der Burgruine von Preist


spukt zur Zeit bloss ein Aushilfsgeist.
Er trug ein blassrosa Laken,
nur die Dümmsten erschraken,
doch das echte Gespenst ist verreist.

In einem Gasthaus in Schwenke


unterscheidet man alle Getränke,
trennt in geistig und weltlich.
Erstre gibt’s unentgeltlich -
nicht umsonst nennt das Gasthaus man "Schenke".
Ein Rittersmann klagte in Semd:
"Ich fürchte, mein Kettenhemd klemmt."
Da sprach sein keusches Weib
mit dem gegürteten Leib:
"Mit Eisenhemd gehst du nicht fremd."

Philosophen diskutierten in Etzel


über Anfang und Ende der Brezel.
Einer wollt's genau wissen,
hat ein Stück 'rausgebissen.
Am Schluss gab's ein Riesengemetzel.

Ein wütender Schneider in Hahn


erschlug sieben Fliegen im Wahn,
versteht nicht mal verschwommen,
was ihn hat überkommen,
doch die blutige Tat ist getan.

Ein Missionar aus dem friedlichen Nochten,


den die Eingeborenen so sehr mochten,
wollt' nie wieder zurück,
konnt' kaum fassen sein Glück,
hat's kapiert, kurz bevor sie ihn kochten.

Opa fuhr letztes Jahr nach Malente


und verjubelte dort seine Rente.
Morgens: nichts in der Tasche,
nur der Rest aus der Flasche -
davon wollt' noch sein Kater Prozente.

Die Kreissparkasse in Aalen


will "Ambiente" für ihre Filialen.
Im optimistischen Trend
(intensiv doch dezent)
lässt man alles in Hellschwarz bemalen.

In der Dorfkathedrale von Vitte


weiht Regenten man nach alter Sitte.
Die Familienversöhnung
bei Prinz Jacobs Krönung
rührt zu Tränen Prinzessin Melitte.

In der Heilanstalt von Aplerbeck


wandert Lord Nelson einsam übers Deck.
Er hat heut' Erbsen genossen,
die Franzosen beschossen,
leider hat er im Heck jetzt ein Leck.
Einst kam Alex der Grosse nach Gorden
auf seiner Expedition in den Norden,
zeigt' dem Arzt eine Zyste,
die er wegschneiden müsste.
Die ist zum Gordischen Knoten geworden.

Die kleinen Mädchen von Hille


nehmen neuerdings alle die Pille.
Und will sie nicht flutschen,
dann kann man sie lutschen;
sie schmeckt köstlich nach Erdbeer-Vanille.

Ein Hypnotiseur schaut in Frille


einem Mann ganz tief in die Pupille.
Es will ihm gar nicht gelingen,
ihn in Tiefschlaf zu bringen.
Vielleicht stört ja die Sonnenbrille...?

Von zwei Frischvermählten in Lohma


fiel die Ehefrau in tiefes Koma.
In der Hochzeitsnacht hatte
sich entkleidet ihr Gatte,
allzu streng war der Socken Aroma.

Die Studenten der Uni von Horno


lesen dort nicht bloss Th. W. Adorno.
Von der Philosophie
kriegt genug man doch nie,
drum studiert man den Altgriechen Porno.

Ein Observatorium in Gars


ist voll des teuersten Inventars.
Schaut man weit in die Ferne,
sieht man nur Schokosterne,
gesponsert von Milky Way und Mars.

Niemals lassen sich Gauner in Fischen


beim Angeln im Trüben erwischen.
So ziehen sie Stinte
mittenmang aus der Tinte
und versteh'n es noch, sie aufzutischen.

Ein wilder Stamm nahe bei Ammeln


lebt noch immer vom Jagen und Sammeln.
Doch was sie so finden,
wächst nicht unter Linden.
Klug, dass Ammler die Häuschen verrammeln!

Ein berühmter Sohn der Stadt Geber


war schon als Kind ein vollkommener Streber,
wollt' perfekt alles machen,
ertrug nie halbe Sachen
und erfand den Patent-Alleskleber.

Es geht die Legende in Zerbst,


dass es dort niemals gibt einen Herbst.
Zartgrün bleiben die Blätter
bei jedwedem Wetter,
es sei denn, dass du selber sie färbst.

Der Dorftrottel in Frankenstein


war unbeweibt und ganz allein.
Laut rief er: "Gebt mir 'ne Braut!"
und ward nicht mal angeschaut.
Da beschloss er, ein Monster zu sein.

Der Kürschner von Gross-Heckenbeck


ging zum Hautarzt mit 'nem erbsgrossen Fleck.
Der hat kaum Zeit verloren,
zog ihm's Fell über die Ohren.
Sei's drum – der Fleck ist jetzt weg.
Ein Badearzt im Kurort Bad Wimpfen,
der konnt' weder spritzen noch impfen.
Für einen Arzt keine Schande,
er darf sich hierzulande
mit vollem Recht Kurpfuscher schimpfen.

Früher hatten die Menschen in Bieren


Angst vor Werwölfen und vor Vampiren.
Diese Zeit ist vergangen.
Heutzutage verlangen
Schauerlustige nach Killerviren.

Ein stinkfauler Knecht kam bei Löh


von alleine niemals in die Höh'.
Doch fragte man ihn:
"Sag, soll'n wir dich zieh'n?"
sprach er ohne zu zögern nur: "Nö."

Bei der Damenwahl meinte in Werda


eine Frau kurz entschlossen bloss: "Der da."
Sie zog ihn mit aufs Parkett,
fand ihn rundum ganz nett,
doch dann schob sie ihn ab. 's war'n noch mehr da.

Der Tätowierer von Wieren


wollt' 'nem Kunden sein Dingsbums verzieren.
Drauf der Kunde vor Schreck:
"Meine Frau ist schon weg.
Ich will den Kleinen nicht auch noch verlieren!"

Einem Ehegatten in Schwedt


war sein treues Weib zu beredt.
Er konnt' nicht länger bleiben,
musst' sein Abschiedswort schreiben:
"Such mich nicht. Bin vom Winde verweht."

Ein Frühaufsteher in Tandern


ging mit seiner Frau immer wandern.
Das Latschen, die Lieder
war'n ihr schrecklich zuwider.
Sie wanderte zu einem andern.

Zwei Geisslein im Walde von Sergen


mussten sich vor den Wölfen verbergen.
Sie war'n ein ganz dummes Pärchen,
liefen ins falsche Märchen.
Schutz vor Wölfen sucht man nicht bei Zwergen!

Ein Tiger im Tierpark von Jucken


drohte Klein-Max zu verschlucken.
Gleichmütig meinte die Mutter:
"Das Gör taugt nicht als Futter.
Vielleicht schafft er ja, Max auszuspucken."

Es lebte eine Hausfrau in Mügeln,


deren Lebensinhalt war das Bügeln.
Ihr Mann hatte das satt -
sie machte ihn platt,
konnt' den Bügeltrieb eben nicht zügeln.

Es bot ein Vegetarier in Krampfer


der Freundin nur Sauerampfer.
Sie assen auswärts einmal;
er war im falschen Lokal,
überhaupt auf dem ganz falschen Dampfer.

Ein Ritter suchte in Hunzel


seine Maid nachts beim Licht einer Funzel.
An des Turmes Wand
hat ihren Zopf er verbrannt:
"Warum hast du kein Haar mehr, Rapunzel?"
Der frühere Name von Schwei
war, wie mancher wohl wissen mag, "Zwei".
Die Nuschelei der verdammten
Zweier Urkundsbeamten
führt' zu "Schwei", und dann blieb es dabei.

Es hielt sich ein Spinner in Gaden


für ein Wundertier von Gottes Gnaden.
Übern See wollt' er laufen,
ohne gleich abzusaufen,
ging natürlich dabei gründlich baden.

Ein Edler auf Brautschau in Madel


stach in seine Liebste 'ne Nadel.
Ihn trieb nicht die Wut,
er wollt' nur sehen ihr Blut,
denn er bestand auf 'ner Dame von Adel.

Ein Pfarrer musst' von Alt nach Neu Heinde


in den Schoss einer andern Gemeinde.
Diese liegt ihm noch mehr
als die alte vorher:
Jeden Tag schafft er sich neue Feinde.

Dem Zukünftigen kochte in Minsen


die Braut jeden Mittag nur Linsen.
Für ein Linsengericht
verkauft der Gute sich nicht,
die Verlobung ging schnell in die Binsen.

Eine schwangere Frau in Pilling


entband man vom zweiten Zwilling.
Ihr Gatte fiel stumm
vor Glückseligkeit um -
flugs schenkte sie ihm einen Drilling.

Im tiefen Keller zu Strass


lag einmal ein süffiges Fass.
Ein Bass blieb dort hocken;
das Fass war bald trocken,
dafür wurde der Bass innen nass.

Bei einem Scharmützel in Echtz


kamen feindliche Truppen von rechts.
Schnell begannen die andern,
nach links abzuwandern:
Das war schon der Schluss des Gefechts.

Die adlige Herrschaft in Wagd


ging einmal früh auf die Jagd.
Ein ganz junger Hirsch
blieb zu Haus auf der Pirsch
und brachte zur Strecke die Magd.
Ein Irrer wollte in Manker
anlegen mit seinem Tanker.
Jeder tat ihm erklären,
dass ohne Hafen sie wären.
Umsonst: Er ging trotzdem vor Anker.

Einen Schäfer nahe Cuxhaven


wollten üble Verleumder bestrafen.
"Wie kann man das machen -
mit Hühnern erwachen,
wenn man vorher mit Schafen geschlafen?"

Ein blutjunger Gatte in Lorch


rief seinem Weibe zu: "Horch!
Ein Vogelgeräusch!
Jetzt leben wir keusch,
vielleicht kommt er dann wieder, der Storch."
Es machte sich in Wildetaube
der Kavalier einer Maid aus dem Staube.
Er sagte: "Ich stecke
mit dir unter der Decke,
doch ich will nicht mit unter die Haube."

Es war mal ein Junge in Strub,


der seine Grossmutter vergrub.
Man suchte vergeblich
und schimpfte erheblich.
Der Grossvater schalt: "Garst'ger Bub..."

Ein fliegender Händler in Seissen


verkauft echte Teller aus Meissen.
Spricht ein Kunde ihn an:
"Hier steht 'Made in Taiwan'.
Ich glaube, du willst uns besch..."

Ein fahrender Sänger in Schinne


sang 'nem Mägdelein süss von der Minne.
Als er dann auch noch geigte
und sie tiefer sich neigte,
plumpste die Maid von der Zinne.

Einem jungen Weibe in Schlüchtern


ist ihr Anbeter leider zu schüchtern.
Hat Schnaps er im Blut,
dann fasst er mehr Mut,
dann sagt sie: "Werd' erst wieder nüchtern."

Jeden Sonntag liest laut in Neuliebel


der Pfarrer dem Volk aus der Bibel.
Wenn's den Leuten so scheint,
dass vor Rührung er weint,
dann hat er im Ärmel 'ne Zwiebel.

Einen armen Verehrer in Lunden


hat arg seine Liebste geschunden,
hat gekratzt und gebissen,
in der Luft ihn zerrissen,
und dann hat sie ihn wieder verbunden.

Es fragt ein Beamter in Hollen:


"Hat einer zufällig was zu verzollen?"
"Ja, ich!" ruft ein Mann.
Komisch schaut man ihn an:
"Nun, wenn Sie denn unbedingt wollen..."

Der Staatsanwalt kriegte in Prüm


einen Brief, und der war anonym.
Es stand gar nichts drauf,
und doch klärte sich's auf;
schliesslich kannte der Mann das Parfüm.

Ein Mann bat um Gnade in Mähren:


"Herr Richter, ich will mich bewähren."
Drauf der Richter: "Nur Mut,
was lange lagert, wird gut,
und im Knast kannst du richtig schön gären."

Die guten Stadtväter von Scheuern


schwören: "Gar nichts wird sich hier verteuern.
Die Preise bleiben die gleichen,
davon woll'n wir nicht weichen...
Nur aufs Atmen erheben wir Steuern."

Es ist beinahe sechs Uhr in Spreckens.


Schon nahen die Boten des Schreckens.
Die Glocken erschallen
und woll'n nicht verhallen:
Das ist die grausige Stunde des Weckens!
Vor langer Zeit war mal in Kraase
ein Mann berühmt für seine Nase.
Sein Riesenorgan
trieb die Frau'n in den Wahn
oder mindestens in die Ekstase.

Eine Reitschülerin in Hirschhügel


riss den Zossen an Zaumzeug und Zügel,
biss den Gaul ins Gesäss,
bis dann weisungsgemäss
sie den Aufstieg probierte mit Bügel.

Der Abt des Klosters von Tündern


predigt oft vor bussfertigen Sündern.
Kurz nach der Predigt
ist die Sache erledigt:
Alles freut sich schon wieder aufs Plündern.

Nächste Woche eröffnet in Biene


eine alternative Kantine
mit Bio-Salmonellen
in Öko-Frikadellen;
sie nennt sich "Zur frischen Trichine".

Drei Erben verhiess einst in Grittel


der Notar das "arithmetische Mittel".
Sie sagten Dank für den Trank,
doch sie wär'n gar nicht krank,
wollten lieber rechtmässig ihr Drittel.

Die Frisöre im Kleinstädtchen Truppen


teil'n die Menschheit klar ein in drei Gruppen:
nicht jung, mittelfrisch, alt,
nicht warm, lau oder kalt,
sondern "fettig", "normal" oder "Schuppen".

Die Wetterprophetin von Schwarbe


verlässt sich ganz auf ihre Narbe.
Zu jedermanns Segen
verändert bei Regen
das Wundmal rechtzeitig die Farbe.

Naturfreunde zieht's oft aus Mauna


nach Finnland zu Flora und Fauna.
Von diesen zwei Schönen
lässt man(n) gern sich verwöhnen
bunt gemischt, in der finnischen Sauna.

Viele Jugendliche in Aub


sind trotz ihrer Jugend stocktaub,
hör'n weder hustenden Floh
noch die Nadel im Stroh,
ja nicht mal mehr fallendes Laub.

Zu 'nem alten Schwerkranken in Babe


flog ein schwarzer weissagender Rabe:
"Einer von uns zwei beiden
muss heut' röchelnd verscheiden."
Tags drauf trug man den Raben zu Grabe.

Neuerdings lassen sich auch in Artern


manche Männlein und Weiblein gern martern.
Übern Lederversand
kann man sich unerkannt
drei Indianer samt Marterpfahl chartern.

Eine Imbissbude in Karm


verkaufte Würstchen im eigenen Darm.
Das Fleisch war verdorben,
doch ist keiner gestorben:
Der eigene Darm schlug Alarm.
Ein Prediger lässt es in Preten
bei Gott nicht bewenden mit Beten.
Die Schäfchen in seiner Sekte
feiern täglich Kollekte -
schliesslich braucht er doch ihre Moneten.

In einem Zirkus nahe bei Iber


kriegte ein Elefant Fieber.
Es sprach der Veterinär:
"Etwas Gröss'res muss her,
mein Thermometer hat's falsche Kaliber."

Eine Beifahrerin in Sauerseifen


konnt' sich niemals das Keifen verkneifen.
Dem Gatten platzte der Kragen;
noch schlimmer ging es dem Wagen -
dem platzten gleich alle vier Reifen.

Einen Familienvater in Schrenz


quält beim Autokauf die Korpulenz.
Porsche und Maserati
sind zu eng für den Vati,
doch wofür gibt’s denn Mercedes Benz?
Ein Sterbender sagte in Lanz:
"Will weder Blumen noch Kerzen noch Kranz.
Legt zu mir bloss ins Grab
die Million, die ich hab -
alles andere ist Firlefanz."

Vom Pferde flog neulich in Schopp


ein Reiter in wildem Galopp.
Er fiel vornüber dabei,
und sein Haupt ging entzwei.
Auf dem Totenschein stand: "Ex und hopp."

Die Drogerie gab zum Abschied in Schluft


der Verkäuf'rin ein Fässchen voll Duft.
"Ich will kein Parfüm!"
schrie das Weib ungestüm,
"Was ich jetzt will, ist nur frische Luft!"

Die Gesichter der Damen in Hart


waren nie zuvor dermassen zart.
Eine neue Art Schaum
verleiht samtweichen Flaum -
früher nannte man das Damenbart.

Gesundheitsbewusste in Hals
kochen niemals mit Schmalz oder Salz.
Fett vergiftet das Blut,
Brühe tut gar nicht gut -
höchstens eine aus Hopfen und Malz.

Dem Oberhornisten von Dothen


hätt' man gerne das Blasen verboten.
Da hat man ihm frech
verbogen sein Blech:
Wie käm' sonst in sein Waldhorn der Knoten?

Ein Hobbyforscher in Haus


fand im Haar seines Sprösslings 'ne Laus.
Der Amateur konnt' nicht wissen,
dass der Schopf voller Nissen,
und nannte den Fund "Ei der Daus".

Jedes böse Gerücht braucht in Hunden


zur Verbreitung knapp zwanzig Sekunden.
In dieser hektischen Zeit
fühlt der Pfarrer nur Neid:
Die Frohe Botschaft bei ihm dauert Stunden.
Ein Menschenfreund hat in Neu Rhäse
ein Faible für Limburger Käse.
Damit im Ort jedermann
an dem Glück teilhaben kann,
baut er gratis ein Riesengebläse.

Ein Veteran im Gefängnis zu Summt


ist vor kurzem urplötzlich verstummt.
Keiner hört ihn mehr murren,
jetzt vermisst man sein Knurren,
doch er hat seine Zeit abgebrummt.

Ein LKW-Fahrer aus Zwiesel


tankt selbstverständlich nur Diesel.
Er sagt: "Bloss Sesselpuper
brauchen bleifreies Super,
ich bin flink wie ein Zwölf-Meter-Wiesel."

Die Böttchersfrau fragt man in Immert:


"Wer ist's, der da fortwährend wimmert?"
"Mein Mann jault so schaurig",
sagt die Böttchersfrau traurig,
"seit er damals das Weinfass gezimmert."

In den Chroniken heisst es: "In Ahlen


gab es unlängst noch Kannibalen."
Jene Menschenfresser
tarnen heut' sich viel besser
und nennen sich harmlos "Westfalen".

Einem Kleinkinde wuchsen in Gasern


am Leibe die seltsamsten Fasern.
Erst schickte man es zur Kur,
dann mit den Schafen zur Schur,
als der Arzt sah: Es war'n keine Masern.

Vom Verkäufer verlangte in Klings


ein Bastler...wie heisst's gleich...so ein Dings.
"Dingse sind ausgegangen,
doch wir führen auch Zangen",
sagt' der Mann, und sieh da – damit ging's!

Eine üppige Dame in Schielo


hielt sich gern für die Venus von Milo.
Doch für dies Ideal,
sagte man ihr einmal,
fehlten gut und gern einige Kilo.

Ein Kampfhundezüchter in Titz


befahl seinem Pitbull einst: "Sitz!"
Drauf sprang ihm die Töle
sogleich an die Kehle,
denn "Sitz!" hielt sie bloss für 'nen Witz.

Zwei Eheleute in Trieb,


die haben sich gar nicht mehr lieb.
Und dass dieses Paar
Nachwuchs kriegt jedes Jahr,
das macht nur der Trieb – denn der blieb.

Im Innern des Schlosses von Kruft


lobten Touristen den hochnoblen Duft.
"Was riecht nur so teuer
in diesem Gemäuer?"
Es war die Familiengruft...

Eine Ehefrau klagte in Büdlich:


"Ach, ich wohnt' ja so gern weiter südlich!"
Ihr Mann zog sofort
in den Südteil vom Ort,
doch da fand sie es auch nicht gemütlich.
Einen eifrigen Bergmann aus Haiger
treibt es jetzt in die Nordwand des Eiger.
Manchen scheint er verrückt,
doch wir wissen, es glückt.
Weshalb sonst ist er wohl Obersteiger?

Es gab ein Riesengelage in Beiern,


um Katharina, die Zarin, zu feiern.
Trinchens Teller blieb leer,
doch sie glaubte, es wär
ein Soufflé aus Potemkinschen Eiern.

In einem Teiche beim kleinen Elslaake


gab's vor Wochen noch Krötengequake.
Der Tümpel hiess "Biotop"
und erhielt grosses Lob -
aber nun nennt man ihn "die Kloake".

Ein Millionär ohne Anhang in Kerben


suchte völlig verzweifelt nach Erben.
Sein Freund meldete sich:
"So, jetzt hast du ja mich.
Zum Notar, und dann kannst du gleich sterben."

Beim Versteckspiel befahl man in Kundert


dem Jüngsten: "Zähl einfach bis hundert."
Seit gestern zählt unser Klaus,
kommt über drei nicht hinaus,
was inzwischen auch niemand mehr wundert.

Es lag einst ein Bauer in Tauche


stundenlang völlig platt auf dem Bauche.
Das war leider nicht nett,
denn er lag nicht im Bett,
nein, er lag mittenmang in der Jauche.

Es verdrückt sich ein Mann aus Kamminke,


macht beim Abschied ganz zart winke-winke.
Hat verlassen die Braut,
noch bevor er getraut -
denn erst heut' sah er sie ohne Schminke.

Ohne Vorwarnung fingen in Dingen


drei Säufer an, grässlich zu singen.
Gottlob konnt' man die Lumpen
mit drei riesigen Humpen
zum Schweigen dann schnell wieder bringen.

Ein Bub ward verwarnt in Amoltern:


"Musst beim Spielen du immer so poltern?
Die Nachbarn, die's hören,
sagen, dass wir sie stören.
Drum hör endlich auf, Opa zu foltern."

Beim Begräbnis des Onkels in Bracht


haben alle halbtot sich gelacht.
Später beim Testament
haben alle geflennt:
Onkel hat ihnen gar nichts vermacht.

Ein Umweltschützer in Brünen


wollt' allein eine Sandbank begrünen.
Nach dem Fund seiner Leiche
gleich neben dem Deiche
sucht man nun nach zwei wandernden Dünen.
Einen Bigamisten auf Rügen
sah man seine neun Frauen betrügen.
Als man ihm erklärte,
dass sich das so nicht gehörte,
musst' auch er sich mit zweien begnügen.
Gentechniker wollten in Wengern
künstlich ein Faultierweib schwängern.
Projekt "Ewiges Leben"
ging genetisch daneben,
doch liess sich beim Nachwuchs die Reaktionszeit...verlängern.

Ein Bademeister auf Sylt


blieb sein Leben lang unausgefüllt.
Er liebte die Frauen,
durfte jahrelang schauen,
doch nie sah er eine von ihnen verhüllt.

Dlei Japanel gelieten in Ulm


in einen ganz schlecklichen Stulm.
Einel wal auf dem Münstel,
da wulde es finstel,
und die Kamela lutschte vom Tulm.

In einen Umtrunk im schönen Worpswede


platzte fluchend ein uralter Schwede.
Man versuchte zu schlichten,
mit Neffen, mitnichten,
doch immer noch dauert die Fehde.

Die Stadtverwaltung Hamminkeln


erhob eine Steuer aufs Pinkeln.
Die Blasenschwachen
fanden's gar nicht zum Lachen:
Sie mussten zum Pinkeln nach Winkeln.

Ein Grossmütterlein in Sterkrade


fand in jeglicher Frucht eine Made.
Das Obst war vergammelt,
sie hat die Würmchen gesammelt
und kochte daraus Marmelade.

Ein Kleinsparer in Pirmasens


macht sich Sorgen um seine Potenz.
Er bewahrt seinen Samen -
nach Jahrgang, Tatort und Namen -
auf der Bank in einem Glas Reagenz.

Ein alter Hausierer in Pürsten


begann kürzlich nach Höherem zu dürsten.
Die Koffer mit Senkeln
gab er seinen Enkeln
und verkauft seitdem ausschliesslich Bürsten.

Eine Klosterfrau drunten in Gauern


wollte nicht hinter Mauern versauern.
Ist in die Welt gereist,
sah den Melissengeist -
da tat sie vor Grauen erschauern.

Ein Frauenkenner in Karze


liebt Blonde, Brünette und Schwarze.
Er mag gerne schmusen,
doch auf fast jedem Busen
stört mittendrauf so eine Warze...

Ein alternder Lüstling in Düren


wollt' ein unschuldig Mägdlein verführen.
Riss ihr Hemdlein in Fetzen,
bis zu seinem Entsetzen
die Jungfrau verlangte Gebühren.

Ein Hypochonder aus Hagen


fühlte Schmerzen in Herz, Milz und Magen.
Lunge, Leber angeblich Matsch,
doch das war alles Quatsch.
Er starb einfach an Nierenversagen.
Für Frau S., eine Hausfrau in Sange,
dauert das Einkaufen unglaublich lange.
Rückt's zur Kasse ein Stück,
läuft sie ans Ende zurück.
Ihr ist bange vorm Kopf von der Schlange.

Einst war'n Siegfried und Roy auch in Treben.


Nicht ein einziger Trick ging daneben.
Zwar unter leisem Gewimmer,
doch perfekt so wie immer
lernten zwei halbe Jungfraun das Schweben.

Ganz supermodern will in Kählen


den Stadtrat man dieses Jahr wählen.
Früher ging das mit Nicken,
jetzt muss man schreiben und knicken.
Doch wer soll all die Zettelchen zählen?

Während eines Gelages in Trages


rief ein feuriger Recke: "Ich wag' es!"
Zu welch heldischer Tat
er entschlossen sich hat?
Vielleicht sagt er es uns eines Tages.