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Gott in Edmund Husserls Phänomenologie - K. Held

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Das Gute ist das, was die Gewähr für etwas bietet. Der platonische Gott als das Gute garantiert als Idee der Ideen, dass diese ihre Aufgabe erfüllen können, als urbildliche Muster für die Gestaltung unserer Welt zu dienen. Das Gutsein dieses Guten ist noch kein ethisches Gutsein, sondern ein Garantieren-für, oder wie man im Deutschen sozusagen gut Griechisch formulieren kann, ein „Gutstehen-für“. „Gott“ bei Husserl ist nicht selbst das Telos universaler Bewährbarkeit, sondern er ist das Gute, das die universale Erreichbarkeit von Bewährung und Erfüllung gewähr- leistet. Und in gleicher Weise ist Gott nicht das entelechiale Streben nach Bewährung und Erfüllung selbst, sondern die Garantie dafür, dass dieses Streben nicht ins Leere geht. Warum schwankt Husserl eigentlich zwischen Telos und Entelechie, wenn er in Verbindung mit der Teleologie des intentionalen Bewusstseins von Gott spricht? Dieses Schwanken hat die Interpreten des öfteren irri- tiert, aber es deutet darauf hin, dass Husserl die einfache Identifikation von „Gott“ mit Telos und Entelechie vermeiden wollte. Wenn „Gott“ nur ein anderer Name für die universale Bewährung als Generaltelos der Inten- tionalität wäre, wäre er damit eine Art Gegenstand, und als Gegenstand wäre er ein Konstitutionsprodukt unseres Bewusstseins. Doch als das Ab- solute, welches das Bewusstseins-Absolute transzendiert, kann Gott kein noematischer Pol des Bewusstseins und nicht von ihm konstituiert sein. Deshalb weicht Husserl auf den Begriff „Entelechie“ aus, um eine Ver- gegenständlichung Gottes zu vermeiden. Aber die „Entelechie“ ist glei- chermaßen inakzeptabel, weil auch eine Verinnerlichung Gottes durch Gleichsetzung mit der Triebkraft des intentionalen Bewusstseins seiner absoluten Bewusstseinstranszendenz nicht gerecht wird. Wird die absolute Bewusstseinstranszendenz Gottes gewahrt, wenn wir ihn – Husserls Hinweis auf Platon folgend – als das gewährleistende Gute bestimmen? Gewiss dann nicht, wenn wir unter dem Guten einen Gegenstand des intentionalen Bewusstseins verstehen. Das Bewusstsein kann der Garantie für die universale Bewährbarkeit seiner Intentionen, d.h. für die prinzipielle Erreichbarkeit von Einstimmigkeit nur auf un- gegenständliche Weise inne sein. Eben dies drückt der Begriff „Glaube“ aus, den Husserl in den E-Manuskripten immer wieder benutzt und den