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Deutschland hat die Bombe!

Bombe aus dem 2. Weltkrieg (Quelle:Wikimedia Commons)


Als ich mich über den neuen Langstreckenmilitärtransporter A400M, von dem Deutschland 60
Stück bestellt hat, auch auf der offiziellen Seite des “Bundesverteidigungsministeriums”
informieren will, finde ich dort dazu gar nichts, dafür aber gleich auf der ersten Seite etwas anderes:
Der Hinweis auf eine Rede unseres Bundesverteidigungsministers zu Guttenberg anlässlich des
Festaktes “Bundeswehr und American Jewish Commitee: 15 Jahre Partnerschaft und Vertrauen” am
8.12.2009 in Berlin.
Ganz klar: Hier hatte ich etwas übersehen.
Das AJC ist eine 1906 in den USA gegründete Privatorganisation. Ich wusste bisher noch nicht,
dass die Bundeswehr offizielle Partnerschaften zu Privatorganisationen eingeht.
Das AJC sieht sich laut eigenen Angaben vor allem in der Rolle “das Wohlergehen und die
Sicherheit der Juden in den Vereinigten Staaten, in Israel und auf der ganzen Welt sicherzustellen;
die wichtigsten Prinzipien des Pluralismus als die beste Verteidigung gegen Antisemitismus und
andere Formen der Bigotterie weltweit zu stärken; die Qualität des amerikanisch-jüdischen Lebens
zu verbessern, indem es dabei hilft, jüdische Kontinuität sicherzustellen sowie die Bindungen
zwischen amerikanischen und israelischen Juden zu vertiefen.”
Soweit so gut. Ich hätte verstanden, wenn so eine Partnerschaft mit dem AJC und deutschen
Gedenkstätten stattfinden würde – aber mit dem Verteidigungsministerium? Ich musste also die
Rede Guttenbergs lesen, und mich um mehr Verständnis bemühen:
“Wir Deutschen wollen die Erinnerung an die Schoah wach halten. Wir stellen uns unserer
besonderen Verantwortung, die wir nach der Barbarei des Nationalsozialismus tragen; der
Verantwortung, dass wir Antisemitismus nicht dulden und dass wir für das Existenzrecht und die
Unversehrtheit des Staates Israel eintreten; der Verantwortung dafür, dass Freiheit, Menschenrechte
und Toleranz die obersten Maximen unseres Handelns darstellen. Diese Verantwortung ist
unverrückbarer Teil deutscher Staatsräson. Diese Verantwortung verpflichtet alle Deutschen –
und damit auch die Bundeswehr als Armee des demokratischen Deutschlands.”
Das waren gewichtige Worte: Ich musste mich mehr mit diesem Thema auseinandersetzen. Denn
seit geraumer Zeit (seit wann?) schienen sich Entwicklungen ergeben zu haben, die die deutsche
Staatsräson quasi als deckungsgleich mit der des Nahoststaates definiert. Was könnte das für
konkrete Folgen haben? Der Bundesverteidigungsminister spricht ja ganz klar davon, dass alle
Deutschen, und damit auch die Bundeswehr, (moralisch?) dienstverpflichtet sind. Aber nein, er
meint es wohl schon konkret: Es geht ja “um die oberste Maxime des Handelns”.
Ein Austauschprogramm scheint fest in die deutsche Offiziersausbildung integriert zu sein:
“Seit nunmehr 15 Jahren besteht ein vielfältiges, sich ständig fortentwickelndes Besuchsprogramm
zwischen dem AJC und der Bundeswehr. Es dient dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Knüpfen
persönlicher Kontakte und dem Austausch von Erfahrungen.
So sind die hauptamtlichen Jugendoffiziere, die Teilnehmer der deutschen Admiralsstabs- und
Generalstabslehrgänge und des Seminars Höhere Führung der Führungsakademie der Bundeswehr
in Hamburg regelmäßig im Rahmen ihrer Reisen Gast des AJC in New York. Die Treffen sind sehr
rege und der Austausch ist immer gewinnbringend – ich danke für alle Beteiligten. Auch die
Vorträge von Vertretern des Berliner AJC-Büros an Schulen und Bildungseinrichtungen der
Bundeswehr stoßen stets auf großes Interesse.”
Und dann wird Guttenberg wieder konkret und zitiert die Kanzlerin:
“Ich habe viel von Geschichte gesprochen und von der praktischen Kooperation zwischen dem AJC
und der Bundeswehr. Dabei geht es immer auch um Israel. Das Eintreten für das Existenzrecht
Israels verbindet Deutschland und das AJC auf der politischen ebenso wie auf der praktischen
Ebene. Denn Israel wird auch sechzig Jahre nach seiner Entstehung in seiner Existenz bedroht.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrer Rede vor dem Kongress der Vereinigten Staaten von
Amerika vor wenigen Wochen die Haltung der Bundesrepublik noch einmal unmissverständlich
klargestellt: „Die Sicherheit Israels ist für mich niemals verhandelbar. [...] Wer Israel bedroht,
bedroht auch uns.’
Nachdem bisher Gelesenen glaube ich schließen zu können, dass Deutschland sicherlich sofort den
Verteidigungsfall erklären würde, falls Israel sich bedroht fühlte. Letzteres ist ja bekanntlich der
Fall. Ist also der Verteidigungsfall für uns schon eingetreten und komme ich damit ganz unverhofft
vielleicht der Antwort auf meine Frage aus dem vorangegangenen Beitrag näher, warum
Deutschland so viele A400M braucht?
Aber nicht vorschnell werden. Erstmal weiterlesen:
“Heute sind die militärpolitischen und militärischen Beziehungen zwischen unseren Ländern so
reich wie noch nie. So finden jährlich ein ‘Strategischer Dialog’ auf Ebene der Staatssekretäre
ebenso statt wie Stabsgespräche der militärischen Führung, bei denen militär- und
rüstungspolitische Themen besprochen werden.”
Redet Guttenberg jetzt von den USA oder von Israel, wenn er von reichen militärischen
Beziehungen spricht? Ich bin durcheinander. Aber weiter:
“Auch auf der Ebene der Teilstreitkräfte und in der praktischen Rüstungskooperation sind die
Kontakte vielfältig. Neben regelmäßigen Austauschbesuchen finden in einigen Bereichen
Lehrgangs- oder Ausbildungsbesuche bei den jeweils anderen Streitkräften statt. So haben seit 1998
150 deutsche Offiziersanwärter und die gleiche Anzahl Israelis an Austauschprogrammen zwischen
der Bundeswehr und der Tzahal [israelische Armee] teilgenommen.
Von besonderer Bedeutung ist dabei der Besuch der „Witnesses in Uniform“ aus den israelischen
Streitkräften hier im Ministerium in Berlin während ihrer Reise zu den Stätten der Schoah. Das so
gewachsene Verständnis verbindet gerade die jungen Offiziere beider Armeen, die sich in
vorurteilsfreier Kameradschaft mit großer Neugierde und Respekt vor der Professionalität des
anderen begegnen. Der hohe fachliche Ausbildungsstand der israelischen Armee macht sie für die
Bundeswehr zu einem attraktiven Kooperationspartner. Wir wollen die Zusammenarbeit weiter
vertiefen.”
Der hohe fachliche Ausbildungsstand? Ja natürlich, damit muss eine gewisse Kriegserfahrung
gemeint sein, bei der die israelische Armee der deutschen ja noch um einiges voraus ist. Denn nur
so kann man zu einem “witness”, also einem Kriegszeugen werden. Man denke immerhin an die
beiden jüngsten Kriege im Libanon und in Gaza, anlässlich derer ja auch neue Waffensysteme
erfolgreich getestet werden konnten.
Und jetzt wird Guttenberg wieder sehr deutlich:
“Das iranische Nuklearprogramm lässt eine neue, gefährliche Herausforderung für Israel, die
NATO und die EU, aber auch für die Staaten der arabischen Welt entstehen. Diese Gefahr ist nicht
akademisch, sie ist real – und sie wächst mit jedem Tag, an dem die iranische Regierung die
Arbeiten an ihrem Nuklearprogramm fortsetzt und sich der Kooperation widersetzt.
Auch hier hat die Kanzlerin vor dem amerikanischen Kongress klare Worte gefunden: Eine
Atombombe in der Hand des iranischen Präsidenten, der den Holocaust leugnet, Israel droht und
das Existenzrecht abspricht, darf es nicht geben. Und weiter: Im Übrigen wird nicht nur Israel
bedroht, sondern die ganze freie Welt.
Die ganze freie Welt ist also gefordert. Die NATO, die EU und Israel haben die gleichen Interessen:
Der drohenden Bewaffnung des Iran mit Massenvernichtungswaffen müssen wir gemeinsam
entschlossen entgegen treten.”
Könnte es sein, dass unter die angesprochene “praktische Rüstungskooperation” auch der
Langstreckenmilitärtransporter Airbus A400M fällt? Falls Israel also gegen den Iran zurückschlagen
würde, könnte der neue A400M problemlos die 5000 km zum Luftwaffenstützpunkt in Termez
(Usbekistan) überwinden oder auch direkt Truppen in Afghanistan grenznah zum Iran absetzen.
Weit hergeholt finde ich das nicht unbedingt, da es doch schon öfters Rüstungsprojekte für Israel
gab:
Insgesamt gingen schon 5 U-Boote der Dolphin-Klasse an den Nahosttaat: 1991 (2 Boote), 1994
(1 Boot), 2005 (2 Boote): “Die ersten beiden Boote waren ein Geschenk der Bundesrepublik an
Israel, während Deutschland und Israel das dritte Boot je zur Hälfte bezahlten. Bei den zwei
weiteren 2005 an Israel verkauften Nachbauten trägt Deutschland etwa ein Drittel des Kaufpreises,
maximal jedoch 333 Millionen Euro. Die ersten drei Boote kosteten jeweils rund 225 Millionen
Euro, die beiden weiteren kosten je eine knappe halbe Milliarde Euro. Die Preissteigerung
resultiert vor allem aus dem technisch aufwändigeren Brennstoffzellenantrieb.”(Wikipedia)
Der Rüstungsesport hatte jedoch auch einige Kritiker, die befürchten wollten, dass die 65-cm-
Torpedorohre auch mit atomaren Marschflugkörpern bestückt werden könnten. Diese Informationen
bleiben aber letztlich im Bereich der Gerüchte stecken.
Das Stichwort “Atom” lenkt mich nun zu einer ganz anderen Idee: Da ja zwischen Deutschland
und Israel eine vollendete und langjährige Militär- und Rüstungskooperation besteht, scheint vielen
(einschließlich mir) entgangen zu sein, dass Deutschland damit zur Atommacht aufgestiegen ist: Ja!
Denn Israel besitzt die Bombe oder besser gesagt Bomben. Es sollen 400-500 atomare Sprengköpfe
sein, die jetzt natürlich auch Deutschland automatisch schützen bzw. diesem zur Verfügung stehen
würden, da bin ich mir sicher.
Das war das vorläufige, nur auf den ersten Blick, überraschende Ergebnis der engen und
vertrauensvollen militärischen und sonstigen Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und der
Tazahal, (das Wort kannte ich noch nicht, hat aber nichts mit Tadsch Mahal zu tun!)
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr steigt meine Gewissheit: Damit und nur damit musste
auch die gemeinsame Kabinettsitzung der israelischen und der deutschen Regierung in Berlin zu tun
haben, die der israelische Premier Netanjahu leider wegen Schnupfens in letzter Sekunde auf Januar
verschieben musste.
Ich muss den Auftakt irgendwie nicht mitbekommen haben: aber faktisch gibt es doch längst eine
gemeinsame, “vertrauensvolle” Regierung.
Wir sollten uns daher nicht davor scheuen, dies auch gegenüber der deutschen Bevölkerung deutlich
zu machen und feierlich mit einer Änderung des Grundgesetzes zu bekräftigen und durch das
Hinzufügen eines neuen Artikels zu beschwören, der seinen Niederschlag auch in einem neuen
Gelöbnis der Bundeswehrrekruten wird finden müssen.
(Hier noch ein bombiger Link zu David Harris, AJC-Vorsitzender, Guttenberg-Freund und
ehrenamtlicher Instrukteur der Bundeswehr.)