Beteiligt Euch im Gedenken an den Tag des Bodens am globalen BDS Aktionstag

am
30. März 2011
Das Nationale BDS Komitee (BNC) ruft Euch Aktive dazu auf, Eure
verschiedenen Inhalte und Kämpfe zu vereinen und Euch am globalen BDS
Aktionstag am 30. März 2011, dem Tag des Bodens, zu beteiligen in Solidarität
mit dem palästinensischen Volk und seinem Recht auf Selbstbestimmung über
das Land seiner Vorfahren.
Inspiriert und gestärkt durch die Volkserhebungen in Ägypten und Tunesien und dem
einzigartigen Mut und der beispiellosen Würde, Achtung und Entschiedenheit, die sich
dort zeigen, stellen wir uns entschlossen auf die Seite der weltweiten Kämpfe um
Selbstbestimmung, Freiheit, Demokratie, sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit. Wir
rufen dazu auf die BDS-Aktionen weltweit zu intensivieren als wichtigsten Ausdruck
der Solidarität mit den Rechten der Palästinenserinnen und Palästinenser.
Der palästinensische Tag des Bodens erinnert an den Tag im Jahr 1976, als die
israelische Armee sechs junge palästinensische Bürger Israels erschoss. Diese tapferen
Jugendlichen protestierten zusammen mit Tausenden gegen die israelische Enteignung
palästinensischen Landes, um darauf neue, ausschließlich Jüdinnen und Juden
vorbehaltene Siedlungen zu errichten und bestehende zu erweitern. Heute symbolisiert
der Tag des Bodens den palästinensischen Widerstand gegen die andauernde
Landenteignung, Kolonisierung, Besatzung und Apartheid. Wir grüßen die ebenso
entschlossenen tunesischen und ägyptischen Volksaufstände und stehen auf ihrer
Seite. Wir bestätigen, dass der Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit und gleiche Rechte
überall derselbe Kampf ist und sagen dem tunesischen und ägyptischen Volk: „Euer
Kampf ist unserer, so wie unser Kampf der eure ist. Eure Freiheit ist unsere, so wie
unsere Freiheit die eure ist.”
Derzeit werden wir auch erinnert an den zwanzigsten Jahrestag der 1991 in Madrid
begonnenen und gescheiterten Versuche, Frieden ohne Gerechtigkeit und
Menschenrechte herzustellen. Die kürzlich veröffentlichten „Palestine Papers” haben
alle Zweifel beseitigt an dem, was viele bereits wissen: Israel weigert sich,
internationales Recht einzuhalten und weist alle Formen gerechten Friedens zurück,
ungeachtet aller noch so großen Zugeständnisse, die Israel durch nicht gewählte und
nicht repräsentative palästinensische Funktionäre gemacht wurden. Wie schon im
heroischen Kampf gegen die Apartheid und für die Freiheit in Südafrika, so ist auch
heute klar, dass nur anhaltender, wirkungsvoller und moralisch konsequenter
internationaler Druck – vor allem in Form von kreativen BDS Kampagnen, die den
jeweiligen Kontext berücksichtigen – Israel dazu bringen kann, seinen
völkerrechtlichen Pflichten nachzukommen und die Rechte der Palästinenserinnen und
Palästinenser zu respektieren, vor allem unser Recht auf Selbstbestimmung und
Freiheit.

Inspiriert durch ein Jahrhundert des palästinensischen zivilen Widerstands, der
südafrikanischen Bewegung gegen Apartheid und der Intifada des ägyptischen und des
tunesischen Volkes, ruft das Nationale BDS Komitee Menschen mit Gewissen auf der
ganzen Welt dazu auf, sich mit kraftvollen, kreativen und sichtbaren Aktionen am
globalen BDS Aktionstag zu beteiligen. Insbesondere rufen wir dazu auf:
1. Initiativen zu Desinvestition zu starten und zu unterstützen, durch welche
Individuen, Pensionskassen, Institutionen und Unternehmen dazu ermutigt und
gedrängt werden, ihre Investitionen in Israel zurückzuziehen, mit denen sie Israels
Krieg, Besatzung und Ökonomie der Apartheid Vorschub leisten und durch die sie
sich bereichern;
2. Initiativen zu starten für den Boykott von Produkten und Dienstleistungen Israels
und internationaler Unternehmen, welche Israels Apartheid, Kolonialismus und
Besatzung aufrechterhalten;
3. Gerichtliche Verfahren einzuleiten, vor nationalen Gerichten und internationalen
Strafgerichtshöfen, um Israels Straflosigkeit zu beenden unter anderem durch
Untersuchungen und Strafverfolgungen israelischer Kriegsverbrecherinnen und
Kriegsverbrecher wie auch Körperschaften, die an israelischen Verstößen gegen
internationales Recht mitschuldig sind,
4. Künstlerinnen und Künstler dringend darum zu bitten, sich dem eindrucksvoll
zunehmenden kulturellen Boykott anzuschließen und sich zu weigern, der
israelischen Apartheidpolitik ein kulturelles Feigenblatt zu verleihen. Künstlerinnen,
Künstler und Kulturschaffende in Südafrika, Irland, Großbritannien, Kanada,
Frankreich, Italien, Spanien, Indien, Australien, den USA, Brasilien, Norwegen und
Schweden unter anderen haben den durch PACBI (The Palestinian Campaign for the
Academic and Cultural Boycott of Israel) angeführten und international befürworteten
Aufruf zu einem Kulturboykott beherzigt und dadurch Israel die unmissverständliche
Botschaft vermittelt, dass seine Besatzung und Diskriminierung der Palästinenserinnen
und Palästinenser nicht akzeptabel ist. Weit davon entfernt "über der Politik" zu
stehen, erkennen heute viele Kulturschaffende, dass israelische Kultureinrichtungen
eine Schlüsselrolle in der „Brand Israel“-Kampagne des israelischen
Außenministeriums zukommt, die darauf abzielt von Israels Kolonialpolitik und
Kriegsverbrechen abzulenken und sie zu beschönigen.
5. Initiativen für schrittweisen akademischen Boykott zu starten und zu fördern,
welcher zur Beendigung aller institutionellen Verbindungen mit israelischen
Universitäten führt: dazu gehören Petitionen, Stellungnahmen und Kampagnen, die ein
Bewusstsein dafür schaffen, welche Rolle diese akademischen Institutionen bei der
Planung, Rechtfertigung und Aufrechterhaltung der Kolonial- und Apartheidpolitik
des israelischen Staates spielen.
Wir bitten auch alle Partnerinnen , Partner, Aktivistinnen und Aktivisten darum, die
weitere Verbreitung der Medienberichterstattung zu sichern, indem sie Artikel
über die BDS-Kampagne in der lokalen und landesweiten Presse veröffentlichen; von

Medien begleitete öffentliche Aktionen wie direkte Aktionen und hochkarätige
Flashmobs
veranstalten;
Öffentlichkeit
für
Gerichtsverfahren
schaffen;
Gesetzesverbrecherinnen und Gesetzesbrecher entlarven; faire öffentliche Debatten
fördern; und alternative Medien verwenden, um auf Aktionen hinzuweisen und sie zu
dokumentieren.
Der Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft für BDS - Boykott, Desinvestition
und Sanktionen - im Jahre 2005 wird inzwischen von Mainstreammedien und von
einflussreichen Akteurinnen und Akteuren erwidert. Superstars, preisgekrönte
Autorinnen und Autoren, globale Finanzinstitutionen, große Gewerkschaften,
Glaubensgemeinschaften, politische Parteien, Regierungen und Individuen
verschiedenster Ausrichtungen haben angefangen, Maßnahmen zu ergreifen. Fünf
Jahre nach dem BDS-Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft sehen wir
Anzeichen dafür, dass die bedingungslose jahrzehntelange Unterstützung Israels durch
die internationale Gemeinschaft, die Israel vor Missbilligung und Verantwortung
beschützt haben, Risse bekommt. BDS zeigt den Weg auf, wie aus Worten Taten
werden und emotionale Unterstützung für Gerechtigkeit in Handeln umgesetzt wird,
welches die Ungerechtigkeit wirklich beenden kann.
Lasst uns BDS vorantreiben!
Beteiligt Euch am globalen BDS Aktionstag am Tag des Bodens am 30. März
2011!
Um Informationen darüber zu bekommen, wie Ihr Euch den weltweiten Aktionen
anschließen und in Euren Ländern, Organisationen und Netzwerken fortlaufende
BDS-Aktionen entwickeln könnt, wendet Euch bitte an das Palästinensische Nationale
BDS Komitee (BNC): bdsdayofaction@bdsmovement.net.
Für weitere Informationen: http://bdsdayofaction.net/

Hintergrund:
Der erste globale BDS Aktionstag wurde von der palästinensischen Zivilgesellschaft
auf dem Weltsozialforum 2009 in Brasilien mit überwältigender Unterstützung
angekündigt. Der Aktionstag fand am 30. März statt, am Tag des Bodens, einem
wichtigen Symbol für den palästinensischen Widerstand und für den Kampf für Land,
Freiheit und Rechte.
Der BDS-Aufruf macht den Vorrang des Rechtes auf Selbstbestimmung geltend und
fragt nach den Grundrechten des palästinensischen Volkes mit ihren drei wichtigsten
Komponenten: frei von israelischer Okkupation im Gazastreifen und im
Westjordanland inklusive Ostjerusalem zu leben; Israels System institutionalisierter
rassischer Diskriminierung seiner palästinensischer Bürgerinnen und Bürger zu
beenden; und für die palästinensischen Flüchtlinge und intern Vertriebene, welche die
große Mehrheit des palästinensischen Volkes ausmachen, die Inanspruchnahme ihres

durch die Vereinten Nationen verankerten Rechtes, in ihre ursprüngliche Heimat
zurückzukehren und Entschädigungen zu erhalten.
Der erste globale BDS Aktionstag wurde angekündigt, nachdem Israel seine 23 Tage
dauernde Militäroffensive „Operation Cast Lead” mit mehr als 1400 getöteten und
über 5000 verletzten Palästinenserinnen und Palästinenser im unter Besatzung und
Blockade stehenden Gazastreifen durchgeführt hatte. Zwei Jahre später setzt Israel
seine verbrecherische und unmoralische Blockade Gazas immer noch fort unter
schwerem Verstoß gegen internationales Recht. Es führt seine militärische Besatzung
und umfassende Kolonialisierung fort, die auf die schrittweise ethnische Säuberung
der einheimischen palästinensischen Bevölkerung im Naqab (Negev) abzielt. Israel
hält Jerusalem und das Jordantal sowie weitere Teile des Westjordanlandes besetzt
und baut seine Mauer weiter, die 2004 durch den Internationalen Gerichtshof für
illegal erklärt wurde. Es verhaftet und unterdrückt Aktivistinnen und Aktivisten der
palästinensischen Volkswiderstandsbewegung, die für die Umsetzung des Entscheides
des Internationalen Gerichtshofes und den Abriss der Mauer kämpfen, angesichts des
völligen Versagens der so genannten „internationalen Gemeinschaft“, dieses
Gutachten zu vollstrecken.
Diese schweren Verstöße gegen internationales Recht müssen im Kontext
jahrzehntelanger Straflosigkeit gesehen werden, die Israel durch westliche
Regierungen und neuerlich von den Vereinten Nationen gewährt wird. Seit der Nakba,
Israels Etablierung durch Enteignung und ethnische Säuberung einer Mehrheit des
einheimischen palästinensischen Volkes, wurde es Israel erlaubt, über sechs Millionen
Flüchtlingen ihr durch die UN verankertes Recht auf Rückkehr in ihre ursprüngliche
Heimat zu versagen. Im gleichen Zeitraum schaffte es Israel, mit seinem System
legalisierter und institutionalisierter rassischer Diskriminierung davonzukommen,
welches gemäß der International Convention for the Suppression and Punishment of
the Crime of Apartheid (UN-Konvention über die Bekämpfung und Bestrafung von
Apartheid) aus dem Jahre 1973 der Definition von Apartheid entspricht.[i]
[i] http://untreaty.un.org/cod/avl/ha/cspca/cspca.html
(Quelle: http://bdsdayofaction.net/ )
(www.bds-kampagne.de / deutsche Übersetzung: Angelica Seyfrid)